Archiv der Kategorie: Altar

Des-Orientierung*

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Über diesen speziellen Ort darf ich nicht zu konkret schreiben, schon um ihn nicht zu verraten. Das Versteck  ist nämlich ganz nah.  Im letzten Sommer hab ich dort mal mit Lieblings-Kollegin X. eimerweise Kirschen geerntet und entsteint. Fast alle waren verwurmt, in der Nacht drauf träumten wir von Madenattacken. Es soll an die 600 giftigen Pflanzen in diesem Garten hier geben, Toxi hat sie alle gepflanzt. So heißt sich der Gärtner dieses verwunschen Giftpflanzengartens. Das Gelände liegt am Bahndamm der Ringbahn, vergiftetes Brachland lange bevor Toxi es kultivierte und zu einem Zaubergarten bepflanzte, das Tor ist offen, es gibt eine Bar, Gartenmöbel und sommerabends dann Kunstdarbietungen. (*Des-Orientation hieß die vom deutschen Kurator René Block ausgerichtete Biennale von Istanbul 1995, bei der sowohl auf unseren westzentristischen Orientalismus als auch auf die mehrfachen Nationalitäten der Künstler anspielte.) 

Der muss noch weg

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Noch vor den kalten Nächten – ich glaube es waren zwei – nutzte ich die Gelegenheit, frisches Tannenreisig zur Abdeckung meiner Rosengewächse im Schrebergarten zu sammeln. Praktischerweise lag es direkt beim Kofferraum meines schönen BMWs. Heckenschere und Plastikmüllsack hab ich eh immer dabei. Ich habe auch einen roten Schirm, er hat einen Aufdruck von Buffett- und Partyservice Metzgerei Häussler. Schön ists in Berlin.

Lob der Koniferen

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Wieso haben eigentlich alle was gegen Koniferen? Die sähen langweilig und friedhofsmäßig aus. Ja und? Sind Friedhöfe keine wunderbaren Oasen der Ruhe und Einkehr? Meine Koniferen sind auch alles andere als eintönig. Vier verschiedene Sorten der kiefernartigen Nacktsamer drängen sich nebeneinander zu einer undurchdringlichen Mauer, filigran gefiedert, ruppig bewedelt, konisch streng oder pyramidal, fuchsschwänzig elegant oder filzig verbuscht, jedenfalls allesamt alt und groß. Zu groß nach dem Deutschen Kleingartengesetz von 1913, das zum öffentlichen Raum, also den Wegen hin, eine Heckenhöhe von 1,25 m vorschreibt. Deshalb müssen ihre schon ziemlich knorrigen Auswüchse jedes Jahr aufs Neue gestutzt werden. Erlaubt ist das aus Vogelschutzgründen nur im Herbst und Winter. Dazu braucht’s eine elektrische Heckenschere, ich leih mir die gerne mit Mann dran aus. Der rasiert meine winterharte Sichtblende in Façon, bis sie wie Grace Jones aussieht. Umwerfend würzig ist dabei der Duft des frischen Koniferenschnitts. Allein dafür haben sie (trotz des in ihnen überwinternden Gitterrosts) einen Ehrenplatz bei mir verdient. Übrigens sollen sogar die als tantenhaft verunglimpften (was ist eigentlich so schlimm an Tanten?) Hortensien mit ihren rosa-hellblauen Blütenbällen wieder in Mode kommen. Zumindest steht das im Gartenfreund, unserer allmonatlichen Vereinszeitschrift, und die hat den grünen Daumen am Puls des Gärtnerbedarfs.