Verfasst von: dieTauschlade | 26 Juli 2025

2x12von12 im mai


«Il semble qu’il existe dans le cerveau une zone tout à fait spécifique qu’on pourrait appeller la mémoire poétique et qui enregistre ce qui nous a charmés, ce qui nous a émus, ce qui donne à notre vie sa beauté», a écrit Kundera.


[da sich am 12ten mai, mein poetisches gedächtnis mit so vielerlei bezaubernden | bewegenden | schönen momenten gefüllt hat, nun mal wieder 2x12von12.]


am montag, den 12ten mai, stehe ich mit dem weckerklingeln auf und neben dem augustjungen ist auch der apriljunge schon wach [22]. während ich die brotdose befülle, frühstücken die beiden wachen kinder [1]. nach und nach stelle ich alle vorgezogenen pflänzchen zur sonnengewöhnung auf den balkon [2] und winke dann dem großen, der sich auf den weg zur schule macht [13]. dann wecke ich den märzjungen und richte die kindergartentasche [23], so dass er sich pünktlich mit b auf den weg machen kann. kurz vor (oder nach) dem mittleren mache ich mich auch auf den weg und nehme (mit dem apriljungen in der trage) den bus in die stadt, denn…


an diesem tag bin ich bei mamuschka und schrat zum frühstück eingeladen. wir essen unter dem großen kirschbaum [3] mit blick auf die zwei feigenbäumchen, die der schrat aus zwei stecklingen selbst gezogen hat [4]. nach dem frühstück spielt der apriljunge mit dem opa schrat noch ein wenig klavier [24], erhält von der öna einen probierhappen vom mittagessen [18] und ich darf ein halbes frisch gebackenes brot einpacken [9] (und bewundere die filigranen zeichnungen, die die mamuschka als zierde auf einem briefumschlag skizziert hat [21]. irgendwann am späten vormittag holt b uns (und eines der beiden feigenbäumchen [1o]) mit dem auto ab. zuhause…


machen wir (oder hauptsächlich b, ich mache nur ein paar aushilfstätigkeiten) uns sogleich ans kochen: kartoffelbrei [11] mit sauerkraut und vegetarischen würstchen. nach dem mittagessen saust der augustjunge zum bus (und stattet öna und opa schrat den zweiten besuch des tages ab), b legt den apriljungen zum mittagsschlaf hin und ich bewundere das wachstum der süßkartoffelpflanzen [15] und genieße einen kleinen matcha-latte [16]. um kurz vor drei mache ich mich auf den weg zum kindergarten. vorbei an der blühenden rosskastanie [5] und einem skurrilen stillleben [14]. auf dem rückweg rennt der märzjunge fröhlich voran [6]. der weitere nachmittag…


beschert mir zwei zitate (eines auf einem alten kalenderblatt [19], das ich der bücherprinzessin neben einigen sprachnachrichten sende, und das andere ein photographierter buchausschnitt als kleiner alltagsgruß von der belle amie [17]), ein angebrachtes miniaturregal über dem kachelofen [16] und etwas zeit im garten, die ich dazu nutze, die vorgezogenen artischockenpflänzchen an die warme mauer zu setzen [7]. am frühen abend kommen der märz- und der apriljunge in die badewanne [2o], der augustjunge wieder nach hause [8] und alle drei kinder hoffentlich zügig ins bett. 

Verfasst von: dieTauschlade | 25 Juli 2025

aprilFreuden [9]


Dieses Hochgefühl kennt jeder: Zum ersten Mal im Jahr seinen Kaffee draussen zu trinken! Für dieses Glück lohnen sich unsere „Breiten“. Es gibt Jahreszeiten und wir müssen die Kälte aushalten. Umso mehr freuen wir uns über den Neubeginn im Frühjahr. Wie Kunterbunt uns die ersten Frühblüher im sonst noch so tristen Garten erscheinen. Wie sehr mich das entzückt!
(Kat Menschik: Der goldene Grubber. Von grossen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr)


überhaupt, all die ersten male im frühling. erste|r|s

[1] spaziergang zum picknick im wald;
[2] sichtung der ersten eidechse;
[3] kaffee auf mamuschkas terrasse;
[4] putztag im brunnen;
[5] rollbahnfahrt im frankfurter kinder*garten;
[6] spargelernte;
[7; 9] schneckenbegegnungen;
[8] spinaternte;
[1o] gartensandkuchen;


[11] umpflanzen;
[12] katzenentdeckung;
[13] spieltag im garten mit mamuschka und schrat;
[14] blättchen an der feige;
[15] turmfalke auf der kastanie (glücklicherweise hatte die hinterhausnachbarin ihre kamera bereit und konnte dieses foto machen und uns schicken);
[16; 17; 19] triebe an den puffbohnen;
[17] knoblauchgrün;
[18; 19] geretteten kräuter vom markt, die die küche mit duft erfüllen, den speisen eine frische note verleihen und deren reste eine aromatische mulchschicht ergeben;
[2o] pilzzuchtversuche.

Verfasst von: dieTauschlade | 24 Juli 2025

aprilFreuden [8]


Der Garten ist wie ein Familienmitglied. Wir investieren viel Kraft, Arbeit und vor allem Liebe. Wir dürfen erleben, wie der Garten sich entwickelt. Wir machen Fehler. Es gibt Niederlagen. Wir lernen, wir beginnen neu. Wir kämpfen. Aber nie mehr wollen wir ihn missen. Das können wir schon lange nicht mehr. Der Garten ist ein Freigeist mit starkem Charakter. Und er macht uns glücklich.
(Kat Menschik: Der Goldene Grubber. Von grossen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr)


im april haben wir viel zeit im und für den garten verbracht:

[1-5] zum ersten mal habe ich süßkartoffeln, ocas, yacón und paprika (und zum wiederholten male tomaten) auf der fensterbank vorgezogen;
[6; 1o] der apriljunge hat mit viel freude (und untersützung seiner großen brüder) eine gartensuppe gerührt und gemeinsam mit der hausoma viele gänseblümchen gepflückt;
[7-9] die beiden großen haben dem hausopa beim stellen der bohnenstangen geholfen;
[11] die kinder haben (gemeinsam mit der septemberkusine) viele versteckte ostereier gesucht (und zumindest die meisten gefunden);
[12; 14] die bienen haben sich kopfüber in die endlich geöffneten blüten gestürzt;
[13] b ist von hier aus zu der ein oder anderen fahrradtour aufgebrochen;
[15] und wir haben den ‹brunnen› nach und nach leergeschöpft, um ihn dann im trockenen zustand abdichten zu können. 

Verfasst von: dieTauschlade | 23 Juli 2025

aprilFreuden [7]


Das Kind als Idee ist das Beste*, 
was der Herrgott erschaffen hat.
(Astrid Lindgren)

kinder & ideen im april:

[1] der augustjunge bringt ein gebasteltes eierkartonhuhn aus der schule
[6] und macht begeistert bei der präsentation seines tanzworkshops mit;
[3] der märzjunge schreibt ein flohmarktschild
[7] und inszeniert den rattenfänger von hameln.
[2] der apriljunge untersucht – mit huhnbegleitung – den gießkanneninhalt,
[4] genießt einen apfel,
[8] dreht an einer kurbel
[1o] und schnappt sich unbemerkt die keksverpackung aus der einkaufskiste.

* ein nächtlicher schmaus mit würzigem piment d’espelette gelee zu französischen weichkäse  [5] sowie kunst im alltag (hier bei den frankfurter freunden entdeckt) [9] sind allerdings auch ziemlich famos.

Verfasst von: dieTauschlade | 22 Juli 2025

aprilFreuden [6]


Der Hahn schreit, Hühnerküken wuseln, bunte Blumen nicken mit ihren Köpfchen, es duftet nach Heu und Kräutern. Auch Schönheit ernährt die Seele, auch Vergnügen kann man hier ernten.
(Ute Scheub/ Stefan Schwarzer: Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.)

im april allerlei schönheiten im garten entdeckt:

[1] die samenstände, die hölzernen tulpen ähneln;
[3] die geöffnete quittenblüte;
[4] die spitzen blätter der topinambur neben den abgerundeten der minze;
[5] das frische helle grün an dem braunen, knorrigen holz des weinstocks

[2] und die sternförmigen knospen der rosafarbenen blumen auf dem foto, das mir die belle amie extra geschickt hat, da sie diese an all die faltsterne erinnerten.

Verfasst von: dieTauschlade | 21 Juli 2025

aprilFreuden [5]


Und die Akelei! Schon die jungen Blätter äußerst elegant, verschlungen und geheimnisvoll. Überhaupt sind die Blätter der zukünftigen Blumen oft ihren Blüten sehr verwandt.
(Doris Bewernitz: Wo die Seele aufblüht. Warum ein Garten glücklich macht)


im april allerlei farben & formen 

[1; 5; 8] die lang erhofften triebe und blättchen an | der süßkartoffel;
[2] die knospen am jungen quittenstrauch;
[3] die baumpilze im wald;
[4] die blüten am knorrigen apfelbäumchen;
[6] die filigranen blütensterne an der felsenbirne; 
[1o] die stockwerke im inneren des wespennests

bewundert und mich gewundert, wie viel zukünftiges bereits jetzt bei den drei kindern 

[7] der augustjunge beim kleinstampfen der eierschalen,
[9] beim geduldigen ertragen des gartenfriseurbesuchs
[11] und beim (äußerst seltenen) lesen;
[12-14] der märzjunge, der herzen in kisten & bemalte kressedosen verschenkt, dem opa schrat beim eier färben hilft und allerlei zusätzliche pappeier verziert;
[15] der apriljunge, der entspannt einen mittagsschlaf auf dem sofa macht

zu sehen ist.

Verfasst von: dieTauschlade | 20 Juli 2025

aprilFreuden [4]


In ihrem [= Claire Waldoffs] Gesang habe «die ganze Philosophie der Berliner Hinterhäuser» gelegen [schreibt der Jounalist Walther Kiaulehn], «das genügsame Glück der emaillierten Kaffeekanne, der Muckefuckseligkeit, zwei Lot Zichorie und ein Lot Kaffee, Rollmops und Streuselkuchen».
(Ute Scheub: Verrückt nach Leben. Berliner Szenen in den zwanziger Jahren)


genügsames glück im april:

[1] ein herz in dem butterbrot entdecken;
[2; 4] viele, viele sprachnachrichten von & für die bücherprinzessinen und gegenseitige ‹führungen› durch die ziemlich | neuen wohnungen (hier mein zimmerchen);
[3] der brief des märzjungen zum ersten geburtstag seines kleinen bruders;
[5] erste gartenküchenexperimente auf dem balkon.

[6] frischer rhabarberkuchen;
[7] ein herzfund im apfel;
[8] viele tassen matcha latte;
[9] kaiserschmarrn und 
[1o] kräuterpfannkuchen von b.

[11] das gefundene wespennest, das nun als käferbehausung dienen soll;
[12] vier stangen spargel, die etwa alle ein bis zwei wochen zu meiner großen überraschung wild neben der totholzhecke aus dem boden wachsen;
[13] die erste blüte an ömchens walderdbeeren;
[14] die süßkartoffelstecklinge, die endlich groß genug sind, dass ich sie von der knolle abkneifen und zur wurzelbildung ins wasser stellen kann;
[15] die ersten blättchen der puffbohnen, die sich im beet zeigen.

Verfasst von: dieTauschlade | 19 Juli 2025

aprilFreuden [3]


»Was tust du im Wald?«
»Schauen, hören, riechen. Schweigen.«
(Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes)

…und an ostern einen spaziergang mit mamuschka, schrat und dem schusterbruder [3] durch den ‹hauswald› machen. unterwegs ostereier finden, auf einer kleinen lichtung picknicken [1; 6; 9], kuscheln [5; 8], buschwindröschen [2], sauerklee [4] und birkenporlinge [1o] entdecken, zwei rehe sichten und auf alten bäumen klettern [7].

Verfasst von: dieTauschlade | 18 Juli 2025

aprilFreuden [2]


there were wide gaps between the city blocks. I thought these dark green squares were parks and gardens, but now I saw that they were just empty spaces, waiting for something to be built. Abuja was a city that was not finished. This was very interesting for me, to see that my capital city had these green squares of hope built into it.
(Chris Cleave: the other hand)


der besuch bei den besten pankowfreunden (die eigentlich schon längst die frankfurtfreunde sind) beinhaltet am nachmittag eine überraschung in der unmittelbaren nachbarschaft der wohnung. mitten in dieser fertigen stadt befindet sich ein offenes grundstück, das für kinder ‹freigehalten› wird. hier können sie gärtnern | spielen | bauen | erkunden | entdecken und nur gelegentlich bei den plaudernden eltern vorbeischauen, sich ein stück kuchen oder etwas zu trinken holen. wunderbar.

Verfasst von: dieTauschlade | 17 Juli 2025

aprilFreuden [1]


Feste feiern
|| Man sollte öfter einmal Feste feiern, | und nicht erst, wenn eins fällt. | Man kann sie ohne Gäste feiern | und ohne Geld. || Ein hübsches Fest heißt Freunde-Suchen. | Ein lustiges heißt: Lachen-Fest. | Es gibt das Fest der Pflaumenkuchen, | das Drachenfest. || Ich könnte euch noch viele nennen, | doch hoff‘ ich, ihr versteht: | Man muß auch grundlos feiern können, | wenn’s sonst nicht geht. (Verfasserin unbekannt.)


im april feiern wir den ersten geburtstag des kleinsten. die großen brüder helfen fleißig beim dekorieren und geschenke auspacken [1; 3; 4]. am nachmittag findet ein kaffeetrinken mit allen großeltern im garten statt. wobei das geburtstagskind (trotz krönchen [5]) leider in den seilen hängt. aber es gibt auch weitere momente, die sich wie kleine feierlichkeiten anfühlen:

[6] das blumensträußchen, welches mir einer der großen in die hand drückt;
[7] die vier spargelstangen, die ich unerwartet an der totholzhecke entdecke und die (in olivenöl kurz angebraten und mit fleur de sel sowie ein paar tropfen zitrone verfeinert) eine köstliche vorspeise darstellen;
[8] der besuch des besten augustjungenfreundes aus kreuznacher zeiten;
[9] die ersten blüten am alten zwetschgenbaum;
[1o] die freude des apriljungen über ameisen und käfer im gras;
[2; 11; 13; 15] der sonntagsausflug runter in die stadt zu mamuschka und schrat;
[12; 14] die kreidepulverbegeisterung der beiden großen. und nun auch des kleinsten.

Verfasst von: dieTauschlade | 15 Juli 2025

12von12 im april


Erlebt man die Welt in der frühen Kindheit durch tägliche Interaktionen mit der Natur, Geschichten und Liedern als eine große, miteinander verbundene Familie, kann das zu lebenslangem ganzheitlichen und inklusivem Denken führen. Indem die Kinder sehen, wie ein System, das aus vielen verschiedenen Elementen besteht, viele Verbindungen ermöglicht, können sie lernen, dass jeder Teil eines Systems das Ganze beeinflusst und dass das Ganze größer sein kann als die Summe seiner Teile. 
Lusi Alderslowe, Gaye Amus, Didi A. Devapriya:
Handbuch Kinder in der Permakultur.

verbindungen am samstag, den 12ten april:

[1] der fastenkalender mit dem alten, oft gesungenen schlaflied verbindet mich in diesem jahr mit der bücherprinzessin und dem schusterbruder, denen ich beiden ein exemplar zugeschickt hatte;
[2] der blumenkohl verbindet mich mit der mamuschka, die ihn vom markt gerettet hat. mit dem schusterbruder, von dem ich das vorzügliche rezept (3-4el tahin, 2-3 el olivenöl, 1 tl knoblauchpulver, ca 3cm geriebener ingwer, 1-2tl curcuma, 1/1tl garam masala und salz mischen. einen blumenkohl in kleine röschen brechen und mit der marinade vermengen. bei 18o-2oo grad etwa 2o-3o minuten im ofen backen) bekam. mit der bücherprinzessin und der belle amie, denen ich das rezept sofort weiterleitete;
[3] meine lieblingskaffeetasse zum zweiten frühstück, die mich mit dem kleinen flohmarktladen in pankow verbindet, den es schon lange nicht mehr gibt;
[4] der schlafende apriljunge, der (als einziges unserer kinder in dem alter auch ohne mich nebendran morgens weiterschläft und) für mich immer eine verbindung zu unserem letzten wohnort darstellen wird;

[5] der waldweg, der eine verbindung zwischen unserem stadtteil und der ‹stadt› darstellt, und der den märzjungen und mich an diesem tag zu der geburtstagsfeier eines kindergartenfreunds bringt;
[6] die knospenden äste der kastanie, die mich stärker mit diesem unserem garten verbindet als es all die anderen angebauten pflänzchen und pflanzen tun;
[7; 9] die keimende süßkartoffel, die spriessenden ocaknollen und die yaconpflänzchen verbinden mich mit der unbekannten pankowerin, die sie mir auf der flohmarktplattform verkauft und mit vielen guten tipps sowie einer geschmacksprobe im frühjahr geschickt hatte;
[8] die frisch gepflückten petersilienstengel verbinden mich mit dem augustjungen, der sie gemeinsam mit mamuschka und schrat im gartenprojekt geerntet hat und mit b, der sie direkt in den spaghetti aglio e olio verarbeitet hat;

[1o] das tryptichon über unserem sofa, das mich mit lisa verbindet und mich jeden tag aufs neue erfreut. sei es beim lesen oder stillen oder kuscheln mit dem apriljungen;
[11] das styroporflugzeug, das nicht nur den märz- und den apriljungen im gemeinsamen spielen und staunen verbindet, sondern das mich auch an den besten freund des augustjungen erinnert, bei dem wir das zum ersten mal ausprobiert hatten;
[12] das tragetuch, das uns über all die jahre als familie getragen und ver⋅bunden hat und immer noch täglich im einsatz ist.

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