Verfasst von: dieTauschlade | 2 April 2026

maiFreuden [3]


Nicht doch. Auch eine eingeschränkte Existenz lässt sich dehnen bis zu ihren Rändern, die vorher unsichtbar sind. Nur das, wofür wir keine Sinne haben, ist uns verloren. Wem das Auge des Geistes aufgegangen ist, der sieht andern unsichtbare, mit ihm verbundene Dinge. Alles, was das Gemüt anregt, erfrischt und erfüllt, ist mir heilig, sollte auch im Gedächtnis nichts davon zurückbleiben.
(Christa Wolf: Kein Ort. Nirgends)


momente im mai, die das gemüt angeregt, erfrischt und erfüllt haben:

[1] der zauberer, dessen aufführung die beiden großen und ich bei den mittelaltertagen auf der burg beigewohnt haben;
[2] das erst jetzt entdeckte herz auf dem emailleeimer, den mir die unbekannte nachbarin vor vielen jahren geschenkt hatte;
[3] mein noch zu kreuznacher zeiten umgedichtetes lied, das es auf diesem wege vielleicht tatsächlich ins verkehrsministerium geschafft hat (zumindest die zeit*ung dürfte dort doch sicherlich auch gelesen werden);
[4] die freude der kinder beim ausprobieren der jahrhundertealten spiele;
[5] texte & bilder des büchleins, das die belle amie mir auf gut glück zusandte;
[6] der kleine pilz, der unterhalb der großen pflanze aus dem boden wuchs;
[7] das sammeln | schneiden | transportieren all des wundervollen mulchmaterials.

[8; 12] die liebevoll eingefassten beete im wohnprojekt der belle famille;
[9] der august- mit dem apriljungen in der hängematte;
[1o] die pflanze in der porzellantasse;
[11] das begeisterte planschen des jüngsten im wassereimer der belle sœur.

Verfasst von: dieTauschlade | 2 April 2026

maiFreuden [2]


In einem nach ethisch-ökologischen Grundsätzen geführten Garten gilt die Ernteteilung […]: · ein Teil für die Bodenfruchtbarkeit (bei den Bäumen die Blätter plus Staudenmulch plus gelegentlicher Grasmulch) · ein Teil für die Mitlebewesen · ein Teil für die Ernährung des Menschen.
(Gerda & Eduard W. Kleber: Gärtnern im Biotop mit Mensch.)


im mai habe ich viele viele stunden im garten verbracht und

[1] dankbar die geschenkten rote bete-pflänzchen in die beete gesetzt;
[2] das puffbohnenbeet mit gerupften beikräutern gemulcht (und die ausufernde mauretanische malve für die bienen und hummeln stehengelassen);
[3] mich über die ersten hülsen an ebendiesen puffbohnen gefreut;
[4] unerwartet vier spargelstangen entdeckt, die einfach so neben der totholzhecke aus der erde schauten (und mir – in olivenöl gebraten und mit etwas zitrone und fleur de sel abgeschmeckt – eine köstliche vorspeise bescherten);
[5] die vorgezogenen süßkartoffelsetzlinge ins beet gepflanzt (und die restlichen mit allerlei anderen selbstgezogenen pflänzchen an die nachbarschaft verschenkt).

[6] den blütenstempel der quitte bewundert;
[7] die ersten oberirdischen regungen der buschbohnen entdeckt;
[8; 2o] die ersten erbsenschoten für die kinder geerntet;
[9] das zweite beet von vielen büscheln gras befreit und dann die erde gelockert (nicht umgegraben – um die lebewesen in ihren verschiedenen erdschichten zu belassen);
[1o] tomatenpflanzen gesetzt;
[11] die ausgebreiteten blätter der buschbohnen begrüßt;
[12] im nachbargarten wuchernde pflanzen und büsche ab- und zum mulchen kleingeschnitten (und ein paar margeriten für die mamuschka entdeckt).


[13] einen wild- (und zu nah am haus) gewachsenen ahorn abgesägt. die blätter kamen als mulch aufs beet und den stamm habe ich als pflanzenstütze genutzt;
[14] die totholzhecke (ein wenig) von den erbsenpflänzchen beranken lassen;
[15] die yacon- und ocapflanzen nach draußen gepflanzt;
[16] einen geheimen kompost für stachelige gartenreste angelegt;
[17] mich gefreut, dass die heckenrose immer noch*wieder sprießt;
[18] dankbar und verwundert festgestellt, dass da tatsächlich noch mehr grün an diesem knorrigen stock (den ich ein paar jahre zuvor beim zukunftstag in bad kreuznach an dem stand der omas for future gekauft hatte) wächst.

[19] ein gefundenes herz aus stein an taija gesendet;
[21] den augustjungen beim bauen einer käferburg unterstützt;
[22] noch mehr büsche und bäume im nachbargarten gekürzt und zu uns geschleppt;
[23] die ersten bewohner*innen der käferburg beobachten.

Verfasst von: dieTauschlade | 2 April 2026

maiFreuden [1]


Ich erfahre, dass man Brot nicht wegwirft. Es wird als heilig betrachtet. Man sieht [=in Mea Shewim] überall altes Brot herumliegen. […] Wenn ich es mir recht überlege, machen es die Araber genauso. Das ganze Jahr über sind mir Plastiktüten mit Brot aufgefallen, die aussen an den Mülltonnen hängen. […] Kurioserweise ist dies bei Christen nicht üblich, obwohl gerade die im Brot den Leib Christi sehen.
(Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Jerusalem)

lebensmittelmomente im mai:

[1] mehlherz auf einer brotscheibe von schrats brot;
[2] gartenanbaunotizen im terminplaner;
[3] gefundener laib brot, den wir dankbar verköstigt haben;
[4] packende lektüre zum gartenjahr;
[5] herzförmiger brotkrümel.

Verfasst von: dieTauschlade | 22 März 2026

2x12von12 im mai


«Il semble qu’il existe dans le cerveau une zone tout à fait spécifique qu’on pourrait appeller la mémoire poétique et qui enregistre ce qui nous a charmés, ce qui nous a émus, ce qui donne à notre vie sa beauté», a écrit Kundera.


[da sich am 12ten mai, mein poetisches gedächtnis mit so vielerlei bezaubernden | bewegenden | schönen momenten gefüllt hat, nun mal wieder 2x12von12.]


am montag, den 12ten mai, stehe ich mit dem weckerklingeln auf und neben dem augustjungen ist auch der apriljunge schon wach [22]. während ich die brotdose befülle, frühstücken die beiden wachen kinder [1]. nach und nach stelle ich alle vorgezogenen pflänzchen zur sonnengewöhnung auf den balkon [2] und winke dann dem großen, der sich auf den weg zur schule macht [13]. dann wecke ich den märzjungen und richte die kindergartentasche [23], so dass er sich pünktlich mit b auf den weg machen kann. kurz vor (oder nach) dem mittleren mache ich mich auch auf den weg und nehme (mit dem apriljungen in der trage) den bus in die stadt, denn…


an diesem tag bin ich bei mamuschka und schrat zum frühstück eingeladen. wir essen unter dem großen kirschbaum [3] mit blick auf die zwei feigenbäumchen, die der schrat aus zwei stecklingen selbst gezogen hat [4]. nach dem frühstück spielt der apriljunge mit dem opa schrat noch ein wenig klavier [24], erhält von der öna einen probierhappen vom mittagessen [18] und ich darf ein halbes frisch gebackenes brot einpacken [9] (und bewundere die filigranen zeichnungen, die die mamuschka als zierde auf einem briefumschlag skizziert hat [21]. irgendwann am späten vormittag holt b uns (und eines der beiden feigenbäumchen [1o]) mit dem auto ab. zuhause…


machen wir (oder hauptsächlich b, ich mache nur ein paar aushilfstätigkeiten) uns sogleich ans kochen: kartoffelbrei [11] mit sauerkraut und vegetarischen würstchen. nach dem mittagessen saust der augustjunge zum bus (und stattet öna und opa schrat den zweiten besuch des tages ab), b legt den apriljungen zum mittagsschlaf hin und ich bewundere das wachstum der süßkartoffelpflanzen [15] und genieße einen kleinen matcha-latte [16]. um kurz vor drei mache ich mich auf den weg zum kindergarten. vorbei an der blühenden rosskastanie [5] und einem skurrilen stillleben [14]. auf dem rückweg rennt der märzjunge fröhlich voran [6]. der weitere nachmittag…


beschert mir zwei zitate (eines auf einem alten kalenderblatt [19], das ich der bücherprinzessin neben einigen sprachnachrichten sende, und das andere ein photographierter buchausschnitt als kleiner alltagsgruß von der belle amie [17]), ein angebrachtes miniaturregal über dem kachelofen [16] und etwas zeit im garten, die ich dazu nutze, die vorgezogenen artischockenpflänzchen an die warme mauer zu setzen [7]. am frühen abend kommen der märz- und der apriljunge in die badewanne [2o], der augustjunge wieder nach hause [8] und alle drei kinder hoffentlich zügig ins bett. 

Verfasst von: dieTauschlade | 26 November 2025

ein letztes mal…

…lostopf. morgen abend die 19. und finale ausgabe der kleinode.
sie kennen sich aus. bitte sehr!

leider habe ich in diesem jahr nur vier kalenderchen übrig. claudia, franziska, v und taija mögen mir bitte die empfängerinnenadressen zumailen.

meine damen, vielen dank für die treue (teilnahme).
es war mir stets ein vergnügen!

Verfasst von: dieTauschlade | 25 Juli 2025

aprilFreuden [9]


Dieses Hochgefühl kennt jeder: Zum ersten Mal im Jahr seinen Kaffee draussen zu trinken! Für dieses Glück lohnen sich unsere „Breiten“. Es gibt Jahreszeiten und wir müssen die Kälte aushalten. Umso mehr freuen wir uns über den Neubeginn im Frühjahr. Wie Kunterbunt uns die ersten Frühblüher im sonst noch so tristen Garten erscheinen. Wie sehr mich das entzückt!
(Kat Menschik: Der goldene Grubber. Von grossen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr)


überhaupt, all die ersten male im frühling. erste|r|s

[1] spaziergang zum picknick im wald;
[2] sichtung der ersten eidechse;
[3] kaffee auf mamuschkas terrasse;
[4] putztag im brunnen;
[5] rollbahnfahrt im frankfurter kinder*garten;
[6] spargelernte;
[7; 9] schneckenbegegnungen;
[8] spinaternte;
[1o] gartensandkuchen;


[11] umpflanzen;
[12] katzenentdeckung;
[13] spieltag im garten mit mamuschka und schrat;
[14] blättchen an der feige;
[15] turmfalke auf der kastanie (glücklicherweise hatte die hinterhausnachbarin ihre kamera bereit und konnte dieses foto machen und uns schicken);
[16; 17; 19] triebe an den puffbohnen;
[17] knoblauchgrün;
[18; 19] geretteten kräuter vom markt, die die küche mit duft erfüllen, den speisen eine frische note verleihen und deren reste eine aromatische mulchschicht ergeben;
[2o] pilzzuchtversuche.

Verfasst von: dieTauschlade | 24 Juli 2025

aprilFreuden [8]


Der Garten ist wie ein Familienmitglied. Wir investieren viel Kraft, Arbeit und vor allem Liebe. Wir dürfen erleben, wie der Garten sich entwickelt. Wir machen Fehler. Es gibt Niederlagen. Wir lernen, wir beginnen neu. Wir kämpfen. Aber nie mehr wollen wir ihn missen. Das können wir schon lange nicht mehr. Der Garten ist ein Freigeist mit starkem Charakter. Und er macht uns glücklich.
(Kat Menschik: Der Goldene Grubber. Von grossen Momenten und kleinen Niederlagen im Gartenjahr)


im april haben wir viel zeit im und für den garten verbracht:

[1-5] zum ersten mal habe ich süßkartoffeln, ocas, yacón und paprika (und zum wiederholten male tomaten) auf der fensterbank vorgezogen;
[6; 1o] der apriljunge hat mit viel freude (und untersützung seiner großen brüder) eine gartensuppe gerührt und gemeinsam mit der hausoma viele gänseblümchen gepflückt;
[7-9] die beiden großen haben dem hausopa beim stellen der bohnenstangen geholfen;
[11] die kinder haben (gemeinsam mit der septemberkusine) viele versteckte ostereier gesucht (und zumindest die meisten gefunden);
[12; 14] die bienen haben sich kopfüber in die endlich geöffneten blüten gestürzt;
[13] b ist von hier aus zu der ein oder anderen fahrradtour aufgebrochen;
[15] und wir haben den ‹brunnen› nach und nach leergeschöpft, um ihn dann im trockenen zustand abdichten zu können. 

Verfasst von: dieTauschlade | 23 Juli 2025

aprilFreuden [7]


Das Kind als Idee ist das Beste*, 
was der Herrgott erschaffen hat.
(Astrid Lindgren)

kinder & ideen im april:

[1] der augustjunge bringt ein gebasteltes eierkartonhuhn aus der schule
[6] und macht begeistert bei der präsentation seines tanzworkshops mit;
[3] der märzjunge schreibt ein flohmarktschild
[7] und inszeniert den rattenfänger von hameln.
[2] der apriljunge untersucht – mit huhnbegleitung – den gießkanneninhalt,
[4] genießt einen apfel,
[8] dreht an einer kurbel
[1o] und schnappt sich unbemerkt die keksverpackung aus der einkaufskiste.

* ein nächtlicher schmaus mit würzigem piment d’espelette gelee zu französischen weichkäse  [5] sowie kunst im alltag (hier bei den frankfurter freunden entdeckt) [9] sind allerdings auch ziemlich famos.

Verfasst von: dieTauschlade | 22 Juli 2025

aprilFreuden [6]


Der Hahn schreit, Hühnerküken wuseln, bunte Blumen nicken mit ihren Köpfchen, es duftet nach Heu und Kräutern. Auch Schönheit ernährt die Seele, auch Vergnügen kann man hier ernten.
(Ute Scheub/ Stefan Schwarzer: Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.)

im april allerlei schönheiten im garten entdeckt:

[1] die samenstände, die hölzernen tulpen ähneln;
[3] die geöffnete quittenblüte;
[4] die spitzen blätter der topinambur neben den abgerundeten der minze;
[5] das frische helle grün an dem braunen, knorrigen holz des weinstocks

[2] und die sternförmigen knospen der rosafarbenen blumen auf dem foto, das mir die belle amie extra geschickt hat, da sie diese an all die faltsterne erinnerten.

Verfasst von: dieTauschlade | 21 Juli 2025

aprilFreuden [5]


Und die Akelei! Schon die jungen Blätter äußerst elegant, verschlungen und geheimnisvoll. Überhaupt sind die Blätter der zukünftigen Blumen oft ihren Blüten sehr verwandt.
(Doris Bewernitz: Wo die Seele aufblüht. Warum ein Garten glücklich macht)


im april allerlei farben & formen 

[1; 5; 8] die lang erhofften triebe und blättchen an | der süßkartoffel;
[2] die knospen am jungen quittenstrauch;
[3] die baumpilze im wald;
[4] die blüten am knorrigen apfelbäumchen;
[6] die filigranen blütensterne an der felsenbirne; 
[1o] die stockwerke im inneren des wespennests

bewundert und mich gewundert, wie viel zukünftiges bereits jetzt bei den drei kindern 

[7] der augustjunge beim kleinstampfen der eierschalen,
[9] beim geduldigen ertragen des gartenfriseurbesuchs
[11] und beim (äußerst seltenen) lesen;
[12-14] der märzjunge, der herzen in kisten & bemalte kressedosen verschenkt, dem opa schrat beim eier färben hilft und allerlei zusätzliche pappeier verziert;
[15] der apriljunge, der entspannt einen mittagsschlaf auf dem sofa macht

zu sehen ist.

Verfasst von: dieTauschlade | 20 Juli 2025

aprilFreuden [4]


In ihrem [= Claire Waldoffs] Gesang habe «die ganze Philosophie der Berliner Hinterhäuser» gelegen [schreibt der Jounalist Walther Kiaulehn], «das genügsame Glück der emaillierten Kaffeekanne, der Muckefuckseligkeit, zwei Lot Zichorie und ein Lot Kaffee, Rollmops und Streuselkuchen».
(Ute Scheub: Verrückt nach Leben. Berliner Szenen in den zwanziger Jahren)


genügsames glück im april:

[1] ein herz in dem butterbrot entdecken;
[2; 4] viele, viele sprachnachrichten von & für die bücherprinzessinen und gegenseitige ‹führungen› durch die ziemlich | neuen wohnungen (hier mein zimmerchen);
[3] der brief des märzjungen zum ersten geburtstag seines kleinen bruders;
[5] erste gartenküchenexperimente auf dem balkon.

[6] frischer rhabarberkuchen;
[7] ein herzfund im apfel;
[8] viele tassen matcha latte;
[9] kaiserschmarrn und 
[1o] kräuterpfannkuchen von b.

[11] das gefundene wespennest, das nun als käferbehausung dienen soll;
[12] vier stangen spargel, die etwa alle ein bis zwei wochen zu meiner großen überraschung wild neben der totholzhecke aus dem boden wachsen;
[13] die erste blüte an ömchens walderdbeeren;
[14] die süßkartoffelstecklinge, die endlich groß genug sind, dass ich sie von der knolle abkneifen und zur wurzelbildung ins wasser stellen kann;
[15] die ersten blättchen der puffbohnen, die sich im beet zeigen.

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