Möglich,…

…dass ich demnächst ein paar Texte von der Leine lasse, die ziemlich persönlich sind. Ich werde die Texte mit einem Passwort schützen. Wer das Passwort haben will, darf mir gerne schreiben ([email protected]). Wer mir durchs Bloggen bereits bekannt ist, bekommt in der Regel dann das Passwort von mir.

Sonntagmorgenspaziergang

Die Sonne scheint. Mit Freundin R drehe ich die samstägliche Runde in den Flussauen. Sie erzählt mir von ihrem Hobby und den Nichten, und meine Gedanken folgen sehr träge ihrer Erzählung.

Zu Hause putze ich nur flüchtig. Dieses Wochenende soll mir gehören und nicht dem Haushalt.

Unten auf der Straße eine Dame, die feuerrote Strähnen in ihrer weißen Kurzhaarfrisur trägt. Vor ihr ein Herr, der – halb verdeckt vom mitgeführten Kinderwagen – gepflegt eine Stange Wasser in die Ecke stellt. Der Anblick von Zierkirschen ärgert mich, ich ziehe die Wildkirschen vor, aber drei Wildkirschbäume sind der Monilia zum Opfer gefallen, und man hat sie durch Zierkirschen ersetzt.

Ich lese „Ungehorsam“ von Naomi Alderman.

Gefühlt…

…der erste etwas wärmere Tag. Morgens noch kalt, außerdem ist Regen angekündigt, so dass ich die Wanderjacke überwerfe, aber zum ersten Mal in diesem Jahr ohne das hineingeknöpfte Futter. Auf dem Heimweg vom Büro ist es dann fast zu warm, außerdem riecht es schon nach Sommer.

Ich bekomme die Untersuchungsergebnisse vom Vortag. Die Schilddrüse ist in Ordnung und also nicht die Ursache für meine Schlaflosigkeit. Ich wusste gar nicht, dass es da einen Zusammenhang geben kann. Auch die anderen Werte sind, wie sie sein sollen.

Zu Hause angekommen, beschließe ich, die Unordnung Unordnung sein zu lassen.

Allmählich…

…verstehe ich, warum Menschen trinken oder Drogen konsumieren. Wahrscheinlich ist das Leben mitunter einfach zu scharfkantig. Ob aber Drogen als Weichzeichner funktionieren, weiß ich nicht, ich habe noch nie welche genommen.

Mir ist so gar nicht nach Ostern. Das Wetter ist meist nasskalt, kaum ein Gedanke an Frühling. Ja, die Schlüsselblumen blühen. Ja, die grünen Blättchen sprießen. Und dennoch, weder Frühlingsstimmung noch Osterfreude wollen aufkommen.

Chris Kurbjuhn ist gestorben, lese ich anderswo. Wir standen einander nicht nahe, aber eine Zeitlang sind wir einander gefolgt, erst auf Twitter, dann auf Mastodon. Als ich von literatur.social zu hessen.social gewechselt bin, habe ich meine ohnehin nicht sehr lange Follower-Liste nicht mitgenommen. Eigentlich hatte ich ganz von Mastodon verschwinden wollen, mich aber schon nach ein paar Tagen umentschieden. Da musste ich die Follower bzw. eher die, denen ich gefolgt war, mühsam wieder zusammensuchen. Chris ist dabei wohl untergegangen, jedenfalls folgten wir einander schon länger nicht mehr. Seine „Splitterbrötchen“ (auf seinem oben verlinkten Blog), unsere gemeinsame Liebe zu Nordhessen und der nordhessischen Küche haben uns lose verbunden. Eben sehe ich, dass ich auf seiner Blogroll stehe; das wusste ich nicht.

Morgens Sonne, mittags Schneegriesel, als ich nach Hause gehe, kleine Hagelkörnchen, nach dem Einkaufen dicke Schneeflocken. Sind das jetzt Winter-Nachwehen oder der vorgezogene April?

Im Bio-Laden finde ich griechischen Bergtee. Das ist praktisch, denn der, den mir Schwesterlein aus Griechenland mitgebracht hat, ist fast aufgebraucht. Ich bilde mir ein, dass ich mit einer Tasse Bergtee am Abend nachts besser schlafe. Außerdem schmeckt er mir.

Den Bäumen vor der Friedhofsmauer gegenüber wachsen zartgrüne Blätter. Auch die Balkonkräuter haben den Winter überstanden. Der Lavendel triumphiert, der Thymian lässt sich als einziger noch bitten.

Ich lese: Friedrich Torberg, Golems Wiederkehr. Die Erzählungen gefallen mir deutlich besser als die in Kleinbloggersdorf allgegenwärtige Tante Jolesch, trotzdem habe ich sie zwischendurch mehrmals zur Seite gelegt. Als ich bei Wikipedia Torbergs Lebensdaten nachlese, fällt mir auf, dass er auch der Verfasser des von mir zu Schulzeiten sehr geliebten „Schüler Gerber“ ist.

Doxxing oder Deepfakes

habe ich nie erlebt, aber eine Begebenheit in diesem Internet hat mir doch zu denken gegeben.

Es ist schon lange her, es passierte damals, als Twitter noch meistens nett war. Ich hatte aus purem Jux ein Foto gepostet und als bayerisch-andalusische Fusion bezeichnet. Es zeigte mich in einem gepunkteten Sommerkleid, das ein bisschen nach Flamenco aussah und mit einem Fransentuch, das ich auf einem Trachtenmarkt im Landkreis Miesbach gekauft hatte. Mein Gesicht war nicht zu sehen, nur die sehr durchschnittliche Figur einer sehr durchschnittlichen Person im Kleid. Ich habe das Foto nicht mehr, aber ich wage zu behaupten, dass ich darauf nicht ganz schlecht aussah. Ich folgte damals wenigen Menschen und wenige folgten mir, aber irgendwie geriet das Bild an eine Männerclique, die sich bemüßigt sah, mein Aussehen zu kommentieren. Die Bandbreite der Kommentare reichte von schlicht unhöflich bis vulgär-anzüglich.

Damals habe ich mich gefragt, und ich frage mich heute noch: Welche Art von Befriedigung kann ein Mann daraus ziehen, eine ihm völlig unbekannte Frau verbal abzuwerten? Ich kannte die nicht, die kannten mich nicht, es war nicht zu vermuten, dass wir einander jemals begegnen würden, und trotzdem beschäftigten sie sich mit mir. Ich blockierte und vergaß sie zunächst. Das war eine Kleinigkeit, verglichen mit dem, was Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, erleben.

Wirklich, Männer, ich verstehe euch nicht? Wieso denkt ihr, eine Frau im Internet oder eine Frau auf der Straße sei an eurer Meinung über ihre Körperformen interessiert? Erklärt es mir. Oder lieber nicht, ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich wissen will.