{"id":215,"date":"2012-10-30T17:46:38","date_gmt":"2012-10-30T15:46:38","guid":{"rendered":"http:\/\/dgl.hypotheses.org\/?p=215"},"modified":"2012-11-13T13:02:12","modified_gmt":"2012-11-13T11:02:12","slug":"gibt-es-eine-digitale-geschichtsdidaktik-und-brauchen-wir-einen-neuen-medienbegriff-30-10-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dgl.hypotheses.org\/215","title":{"rendered":"Seminarbeitrag | K\u00f6ln | 30.10.12 | Gibt es eine digitale Geschichtsdidaktik und brauchen wir einen neuen Medienbegriff?"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen unseres fachdidaktischen Seminars an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln \u201eDigitale Medien im Geschichtsunterricht\u201c wurde der Artikel von Daniel Bernsen, Alexander K\u00f6nig und Thomas Spahn (<a href=\"http:\/\/universaar.uni-saarland.de\/journals\/index.php\/zdg\/article\/view\/294\">Bernsen, K\u00f6nig, Spahn: Medien und historisches Lernen: Eine Verh\u00e4ltnisbestimmung und ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine digitale Geschichtsdidaktik, in: ZOG, Nr.1 2012, S.1-27.<\/a>) vorgestellt und diskutiert.<br \/>\nDer Artikel versteht sich als Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine digitale Geschichtsdidaktik, wobei das Digitale als elektronische Information, als \u201egesellschaftlich bedeutsames Durchdringungsmedium\u201c und als eine fachdidaktische Disziplin angesehen wird, der noch viel wissenschaftliche Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Die grunds\u00e4tzliche Forderung des Pl\u00e4doyers ist es, dass die Theorie und Praxis der Geschichtsdidaktik eine umfassende Integration des Digitalen vornimmt.<br \/>\n<strong>Werfen wir hierzu einen Blick in den <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichtsdidaktik\">Wikipedia-Artikel \u00fcber Geschichtsdidaktik<\/a>:<\/strong><br \/>\n\u201eGeschichtsdidaktik ist diejenige wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Form, Entstehung und F\u00f6rderung von Geschichtsbewusstsein besch\u00e4ftigt. Sie ist keine Unterdisziplin der allgemeinen Didaktik, sondern eine eigenst\u00e4ndige Disziplin, mit Bez\u00fcgen zur Geschichtswissenschaft (besonders der Geschichtstheorie), Erziehungswissenschaft bzw. P\u00e4dagogik und Psychologie sowie den Sozial- und Kulturwissenschaften. Der schulische Geschichtsunterricht ist das vorrangige, aber nicht das einzige Handlungsfeld der Geschichtsdidaktik.<br \/>\nDie moderne Geschichtsdidaktik (in Deutschland seit etwa 1970) grenzt sich von einem fr\u00fcheren Verst\u00e4ndnis ab, ihre Aufgabe nur als pragmatische Disziplin zur besseren Vermittlung geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse an Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler (Abbilddidaktik) im Geschichtsunterricht zu sehen. Ebenso ist sie keine rein p\u00e4dagogisch motivierte Geschichtsp\u00e4dagogik, wie in der Erziehung im Nationalsozialismus. Sie hat mit der Kategorie des Geschichtsbewusstseins ein Zentrum gefunden, das einschlie\u00dft:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00a0 theoretische Reflexion \u00fcber die Logik und Eigenheiten historischen Denkens,<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>empirische Forschungen zu Struktur und Genese von Geschichtsvorstellungen und Prozessen historischen Denkens,<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\u00a0 pragmatische Bem\u00fchungen um die Entwicklung von Prinzipien und Verfahren (Methoden) von Geschichtsunterricht.\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Theorie, Empirie und Pragmatik sind demnach die Schl\u00fcsselbegriffe der geschichtsdidaktischen Disziplinen. Die Forderung von Bernsen, K\u00f6nig und Spahn, die geschichtsdidaktische Disziplin nun um den Begriff des Digitalen zu erweitern, mag zuweilen Irritationen hervorrufen. Das Seminar sieht hier die M\u00f6glichkeit das Digitale in die pragmatischen Anteile der Geschichtsdidaktik zu integrieren.<\/p>\n<p><strong>Braucht die Geschichtsdidaktik eine Erweiterung ihrer Disziplin um das Digitale?<\/strong><br \/>\nUm diese Frage zu er\u00f6rtern, hat das K\u00f6lner Seminar dar\u00fcber diskutiert, ob ein neuer Medienbegriff in der Geschichtsdidaktik angesichts der zunehmenden Digitalisierung von Schule, Unterricht, Geschichte und Quellen n\u00f6tig wird und welche Bedeutung ein neuer Medienbegriff h\u00e4tte.<br \/>\nDie Meinungen der Studierenden lassen sich grob in zwei Kategorien aufteilen: Wenn ein neuer Medienbegriff gebraucht wird, dann bedeutet dies eine enorme quantitative Expansion des g\u00e4ngigen Verst\u00e4ndnisses des Medienbegriffs. Inwieweit dann jedes (digitale) Medium eine geschichtliche Quelle ist, muss zunehmend reflektiert werden; insbesondere vor dem Hintergrund, dass Geschichte stets medial vermittelt wird, so der Geschichtsdidaktiker Horst Gies. Die andere Meinungsgruppe sah keine Relevanz in der Ver\u00e4nderung des Medienbegriffs. Nehme man das Digitale in den Medienbegriff mit auf, dann ver\u00e4ndere sich der Begriff nicht qualitativ, sondern quantitativ und in seiner Rezeptionsart.<br \/>\nDie Studierenden waren einstimmig \u00fcberzeugt davon, dass sich mit der Zeit eine digitale Geschichtsdidaktik durchsetzen werde und dass nach der Definition der digitalen Geschichtsdidaktik nach Bernsen, K\u00f6nig und Spahn, sich die digitale Geschichtsdidaktik mit den \u201eBedingungen und Auswirkungen des digitalen Wandels auf das Geschichtsbewusstsein, historischen Lernen, Geschichts- und Erinnerungskultur\u201c besch\u00e4ftigen werde, was bedeute, dass \u201evirtuelles reenactment\u201c und \u201eTwhistory-Projekte\u201c (auf Facebook und Twitter erhalten historische Personen ein Profil und posten. Nutzer k\u00f6nnen mit ihnen befreundet sein oder ihnen folgen) zum Gegenstand des Unterrichts werden k\u00f6nnten.<br \/>\n<strong>Dar\u00fcber hinaus wurde von den Studierenden das lerntheoretische Modell von Bernsen, K\u00f6nig und Spahn diskutiert, welches vorstellt wie mit digitalen Medien gelernt werden kann:<\/strong><br \/>\n\u2022 Das Lernen an digitalen Medien sieht die Medien als direkte Lernobjekte, aus denen historische Erkenntnis gewonnen werden kann, wie beispielsweise an Fotografien, Filmen, Postings, und YouTube-Videos.<br \/>\n\u2022 Beim Lernen mit digitalen Medien werden die Medien zu Lern- und Denkwerkzeugen, zum Beispiel k\u00f6nnen Blogs als Plattform f\u00fcr Arbeitsergebnisse dienen und werden so zu einem Ort f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung f\u00fcr historische Erkenntnisse.<br \/>\n\u2022 Beim Lernen \u00fcber digitalen Medien sind die Medien Lernobjekte zweiter Ordnung. Die SuS gewinnen dadurch Wissen \u00fcber die Geschichte der Medien und deren Aufbau, Funktion und Handhabung. Als Beispiel sei hier die Entstehung eines Wikipedia-Artikels als Unterrichtsthema genannt.<br \/>\n\u2022 Das Lernen im digitalen Medium stellt die K\u00f6nigsdisziplin des digitalen Lernens dar. Es kann als die Verbindung von historischer Erkenntnis und einem digitalen Handlungsraum angesehen werden. Grundstein dieser Verbindung ist die kritische Auseinandersetzung mit den Handlungsm\u00f6glichkeiten und -grenzen des jeweiligen Mediums. Die Frage die sich dabei immer stellen sollte, ist, welches Medium geeignet ist, eine bestimmte historische Erkenntnis zu veranschaulichen. <a href=\"www.MyHistro.com\">MyHistro<\/a> und <a href=\"www.learningapps.org\">LearningApps.org<\/a> sind hier die konkreten Beispiele.<\/p>\n<p>Kritisch betrachtet werden jedoch von allen Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern methodische Fragen zur Umsetzbarkeit, zur Kanonisierung und zur Ausbildung der Medienkompetenz. Wird der Geschichtsunterricht verst\u00e4rkt durch das Digitale strukturiert, hat dies zur Folge, dass die SuS einen kritischen Umgang mit digitalen Medien lernen m\u00fcssen, damit sie beispielsweise eine wissenschaftlich fundierte Information von einer unseri\u00f6sen unterscheiden k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Bernsen, K\u00f6nig und Spahn haben mit ihrem Artikel einen Diskussionsansto\u00df gegeben, der hier im Blog gerne aufgegriffen werden kann.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen unseres fachdidaktischen Seminars an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln \u201eDigitale Medien im Geschichtsunterricht\u201c wurde der Artikel von Daniel Bernsen, Alexander K\u00f6nig und Thomas Spahn (Bernsen, K\u00f6nig, Spahn: Medien und historisches Lernen: Eine Verh\u00e4ltnisbestimmung und ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine digitale Geschichtsdidaktik, in: ZOG, Nr.1 2012, S.1-27.) vorgestellt und diskutiert. 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