Wetterwechsel
März 6, 2026 § 6 Kommentare


Viele hadern mit dem Winter. Sie nehmen ihn als potentielles / tatsächliches Hindernis im Alltag wahr. Als Ausbremsen routinierten Fortkommens durch das Aufkommen von Eis und Schnee, durch langwieriges An- und Ausziehprocedere. Selbstgemachtes Verkehrsaufkommen ist auch ärgerlich, wird aber weit eher hingenommen als das Wirken eines Wettergottes. Früher als Strafe erlebt, entfällt nunmehr die Rückkoppelung an das eigene Tun, das sich stets nur belästigt fühlt durch das Wirken nicht beeinflussbarer Faktoren. Dabei liegt im Wechsel, und eben auch im Wetterwechsel, die potentielle Kraft für neuer Impulse, für das Runterfahren des eigenen Motors und staunendes Wahrnehmen unbegreiflicher Schönheiten, für ein Sicheinlassen auf Phänomene der Welt ringsherum. Und wie könnte es einen Frühling geben, ohne zuvorigen Winter? Das Potential sinnlich erfahrbarer Sensationen wächst mit ihrer Spannweite. Nicht jeder muss darob aber gleich die Extreme suchen. Den Kick im Alltag gibt’s frei Haus, oft reichen ein paar Schneeflocken.
Zwei Mal Acryl auf Buchdeckel.
Eine kleine Fotostrecke…
Dezember 5, 2023 § 3 Kommentare





… zwischendurch. Immer wieder gerne steige ich auf meiner täglichen Radtour zur Arbeit ab um hier und da zu knipsen. Motive bieten Spree und Tiergarten zuhauf, um so mehr jetzt, da Herbst und Winter sich die Klinke in die Hand geben und dabei erstaunlich gut vertragen. An eine solche Kälte noch im November und Anfang Dezember erinnere ich mich aus meinen frühen Berliner Tagen Ende der Achtziger. Meine damals täglich zu absolvierende Fahrradstrecke betrug zweimal eine halbe Stunde, inzwischen ist sie auf zweimal eine viertel Stunde geschrumpft. Bin halt ein alter Antizykliker. Wo andere in bestimmter Lebensphase irgendwann bauen und/oder aufs Land ziehen, bleib ich dran am Geschehen und erspare mir weite Wege oder andere zum Beispiel winterlich bedingte Kalamitäten. Sicher ein Erbe meiner Mutter. Als mein Vater bei allgemein prosperierender Wirtschaftslage bauen und raus aus der Stadt ziehen wollte, hielt meine Mutter dagegen. Ihren Kindern wollte sie nicht weite Wege mit Schulbus etc. zumuten. PKW-Kutschieren kam eh nicht in Frage. Und sie setzte sich durch.
In Watte
Februar 5, 2017 § 2 Kommentare
Winter remastered
Januar 18, 2017 § 14 Kommentare
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die chronisch zu kurz kommen. Ganz im Gegenteil. Ich fühle mich reich beschenkt vom Leben. Nur mit dem Winter hapert’s mal wieder. Hiesigen Ortes jedenfalls. Aus der näheren und weiteren Ferne erreichen mich Meldungen von putzweißen Feldern, tiefverschneiten Tälern und entrückten Höhen. Aber hier? Neulich, ja, da schneite es ab Mittag heftig, und ich radelte nach getaner Arbeit vom Kulturforum durch den bereits erdunkelten aber vom matt gelben Licht der Laternen und einem allseits reflektierenden Weiß Wattebauschig verzauberten Tiergarten rüber nach Moabit. Eine Freude war das. Abends aber, aus der Werkstattbühne der Staatsoper kommend, machte heftiges Tauwetter dem Ganzen schon wieder den Garaus. Ein paar Grade zu warm, zack, alles weg. Wo ich doch den Schnee so liebe. Sehr sogar. Gerade in der Stadt. Ausnahmezustand, Andocken an kindliche Freude über eine ins Schlingern geratende Erwachsenenwelt. (Orhan Parmuk hat für genau dieses Gefühl neulich in der Süddeutschen Zeitung* schöne Worte gefunden). Natürlich liebe ich auch den Sommer. Die Hitze, offene Poren, Schweiß und den ganzen Hormonkram. Nachts draußen ohne Jacke während die abschwellende Hitze noch nachknistert. Undsoweiter. Den Frühling liebe ich auch. Einfach rührend, wie die Natur sich jedes Jahr aufs Neue ihrer Triebkräfte besinnt. Aber alles wäre nichts ohne den Herbst. Ihn mochte ich als erstes, weil im Leben früh was schief gelaufen war und ich glaubte, nur in einer tief empfundenen Innerlichkeit eine Daseinsberechtigung zu besitzen. Da störte alles Laute, Grelle, Extrovertierte, und der Nebel dämpfte die Anmaßungen einer Welt da draußen. Den November übrigens, der ja eigentlich so recht keiner Jahreszeit zuzurechnen ist, mag ich auch. Wann sonst sollte man sich von dem ganzen Jahreszeitenglücksgefühl erholen?
* „Mit dem Schnee erwacht die Poesie“ . SZ vom 12.01.2017


























