Die verräterische Lücke

April 29, 2017 § 4 Kommentare

Der Mensch bewegt sich in einer physikalisch beschreibbaren Welt, und macht etwas ganz eigenes daraus. Farben zum Beispiel. Töne auch. Aber hier soll es um Farben gehen. Elektromagnetische Wellen, sagen die Physiker, und weisen daraufhin, dass wir nur einen kleinen Ausschnitt des Gesamtspektrums aller elektromagnetischen Wellen mit unserem Sinnesapparat wahrnehmen können. Aber was für einen! Aus dem nicht sichtbaren Infrarot kommend steigert sich die Frequenz der Wellen und wird als Rot dem menschlichen Auge sichtbar, durchläuft mit stetig zumehmender Frequenz alle Farben des Regenbogens um beim Violett Richtung Ultraviolett den Bereich des Sichtbaren wieder zu verlassen. Weil aber der Mensch doch ein Problem mit dem rein Linearen, Unendlichen, Nicht-Enden-Wollenden hat, schließt er die Farben zum Kreis und überbrückt eine winzige Lücke, für die es in der physikalischen Welt keine Entsprechung gibt. (Nebenbei bemerkt: Auch im allen Musikern bekannten Quintenzirkel, als Versuch, die Welt der Töne mit der Physik zu versöhnen, klafft ja eine Lücke, das sog. Pythagoreische Komma) Überhaupt gibt es die Farben, genauer: Farbeindrücke nicht in der physischen Welt. Sie sind Ergebnis dessen, was der Wahrnehmungsapparat eines hoch entwickelten, biologisch beschreibbaren Organismus daraus macht. Im Aufeinandertreffen zweier Welten entsteht ein Drittes: Physis + Organismus = Farbe. Das hat noch gar nichts damit zu tun, dass vielleicht jeder etwas anderes als „rot“ sieht. Das durchaus kommunizierbare Phänomen „rot“ existiert schlicht nur in einer von Menschen bevölkerten Welt. Andere Lebewesen mit anderen Sinnesorganen machen womöglich etwas ganz anderes aus einer elektromagnetischen Welle, wenn sie sie denn überhaupt wahrnehmen können. Vielleicht erzeugt sie Schmerz, vielleicht tötet sie gar. Ich aber stelle mir vor, dass eines, hoffentlich sehr fernen Tages, die drei letzen überlebenden Menschen um eine Kuh stehen und das Farbspiel auf ihrer Haut betrachten. Fallen sie tot um, ist auch die Farbe weg. Und die arme Kuh bekäme nichts davon mit.

 

 

Brüllender Stier

Januar 15, 2017 § 4 Kommentare

skulptur-bruellender-stier

 

In einem Niederländischen Atelier vermutlich Mitte des 17. Jahrhunderts wurde dieser Stier modelliert und in Bronze gegossen. Später im Bayerischen Nationalmuseum fotografiert und in einer Publikation* abgedruckt. Dann die fotografische Vorlage abgemalt in Tusche auf mit Eitempera grundiertem chinesischen Papier unter Verwendung eines Wolfshaarpinsels. Das Bild abfotografiert und als Datei hochgeladen. Hier zu sehen auf dem Displays eines handelsüblichen Endgerätes. Auf seiner Reise durch Zeit und Medien verlor der Stier seine Dreidimensionalität. Dafür erstrahlt sein flaches Schattenbild nunmehr global im Lichte unzähliger Stromgetriebener Leuchtdioden.

 

 

* Von allen Seiten schön: Bronzen und Skulpturen der Renaissance und des Barock. Heidelberg 1995.

Der Stier

April 9, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Seltsam – erst male ich den Stier

Der grüne Stier

dann greift er an:

Angriff_der_Stiere

Wo bin ich?

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