Unwiederbringlich
Januar 24, 2026 § Ein Kommentar
Blutende Amaryllis
Februar 10, 2019 § 10 Kommentare
Wer schön sein will muss leiden, weiß der Volksmund, und meint damit Frauen, die in Anwendung selbstkasteiender Mittel ihrem Schönheitspotential etwas auf die Sprünge helfen möchten. Über diese Brachialpädagogik hinaus kommt aber vielleicht auch zum Ausdruck, dass dem anstrengungslos Schönen, wie ich es einmal nennen möchte, eine gewisse Nähe zur Gefahr eignet. Weckt doch Schönheit Begehrlichkeit, die ihrerseits versucht ist, in der Anwendung der Mittel Grenzen zu überschreiten. Über Wochen stand auf meinem Küchentisch eine wunderschöne Amaryllis. Irgendwann, vielleicht in letzter Zehrung ihrer Kräfte, blutete sie. Diesen Moment hielt ich fotografisch fest. Und unterzog das Bild anschließend einer Reihe digitaler Manipulationen. Herausgekommen ist, wie ich finde, eine kleine Meditation zum Thema Schönheit.
Das triumphal lustvoll Erfahrbare
März 22, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar
Das ist Robert Pfaller. Er sieht nicht aus wie ein Philosoph, ist aber einer. Und zwar einer, der das Leben liebt. „Wofür es sich zu leben lohnt“ heißt das sehr erhellendes Buch des Wiener Professors, das ich im Moment lese. Passend zur Lektüre spendiert die Süddeutsche Zeitung in der heutigen Ausgabe ein Interview mit Pfaller. Er ist der Meinung, dass wir vor lauter Gesundheitswahn, Betroffenheitsintrospektion und „Be-yourself“-Parolen der Werbung zunehmend vergessen, wofür es sich eigentlich lohnt zu leben. „Den meisten Genüssen ist der Zahn gezogen, so dass wir…Schlagsahne vorzugsweise ohne Fett, Bier ohne Alkohol, Kaffee ohne Koffein, Sex ohne Körper etc. serviert bekommen.“ (S. 51) Dabei ginge es doch eigentlich darum, dem „Heiligen“ im Alltagsleben eine Form zu geben durch besondere, herausgehobene Momente, die die Normen des Alltags außer Kraft setzen. Was sonst verpönt, ungesund, eklig oder gefährlich ist, wird im Zuge eines Beleuchtungswechsels „erhaben“ und erlangt einen Status, der dem religiöser Rituale vergleichbar ist. Dazu gehört ausdrücklich das „Biertrinken unter Freunden“. Jawoll. Und ich darf an dieser Stelle daran erinnern, dass bereits auf die Griechen eine segensreiche Erfindung namens „Symposion“ zurückgeht, bei der es darum ging, unter Alkoholeinfluss gelehrige Gespräche zu führen. Es griffe allerdings entschieden zu kurz, Pfaller den philosophischen Apologeten des Sex-and-Drugs-and-Rock’n’Roll-Lebensprinzips zu nennen. Denn das Einfordern des „guten Lebens“ bedingt die verantwortliche Teilhabe an allen Belangen des gesellschaftlichen Lebens und meint gerade nicht eine narzisstisch orientierte „Spaßkultur“. Wie scharf Pfaller Phänomene der Gegenwart analysiert zeigt sich auch an seiner Beobachtung, dass wir inzwischen von einer Kultur der Schönheit zu einer Kultur der Makellosigkeit übergegangen sind. Es reicht nicht mehr der Anschein von Schönheit, dessen Inszenierung, sondern man muss unters Messer. Dann doch lieber Malen:
Juni 5, 2012 § Hinterlasse einen Kommentar









