Tönende Bilder
Januar 3, 2018 § 9 Kommentare
In der Kunstwelt der Renaissance kam die Idee auf, die Linie dem Intellekt, die Farbe dem Gefühl zuzuordnen. Ein schöner Dualismus, der ganz auf der Linie Seele versus Körper, Geist versus Fleisch(eslust) liegt. Das christliche Abendland liebt(e) solcherart Aufspaltung, mit der sich anschaulich das Gute vom Bösen scheiden lässt. Leicht aber ließe sich z. B. die bildende mit der klingenden Kunst verbinden. Da nehme ich die Linie als Melodie, das Ineinander verschiedener Linien als Kontrapunkt, die Farbe als Harmonie, und die Komposition als Rhythmus. So klingt das Bild, und die Töne fügen sich zum Bild.
Old-school-Zeichnung
März 16, 2013 § 2 Kommentare
Als die Künstler der Renaissance begannen, die Anatomie des menschlichen Körpers zu studieren, fertigten sie dafür Zeichnungen an, die ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, sondern dem Studium und der Vorbereitung der Gemälde dienten. Michelangelo aber wurde schon zu Lebzeiten gerühmt für seine meisterhaft ausgeführten Zeichnungen. Betrachtet man die Blätter heute, dann fasziniert nicht nur das präzise Umreißen dargestellter Körper und die virtuose Strichführung, sondern die Patina fleckig gealterten Papiers, das in der Verschmelzung von „Vorder“- und „Hintergrund“ die Künstlichkeit des Gezeichneten an das Naturhafte rückbindet.
Das radikale Bekenntnis zum Dilettantismo voraussetzend schrecke ich nicht davor zurück, einmal selbst eine solche Old-School-Zeichnung zu versuchen. Um das Poröse altmeisterlicher Linienführung zu erreichen nehme ich gröberes Papier als sonst, und bearbeite es vorab mit ein wenig Kreide. Die Linien selber setze ich in Graphit. Oben ist das Ergebnis zu sehen.
Bevor ich das geneigte Publikum mit der Zeichnung belästigen kann, muss sie eingescannt werden. Und kaum ist der Computer im Spiel, spielt er sich mächtig auf und begehrt ein Wörtchen mitzureden. Wie viel Kontrast darf’s denn sein? Ich drehe den Regler ein wenig hoch und denke, so sieht’s auch nicht schlecht aus:
mehr Licht, mehr Schatten, mehr Farbe. Dringlicher. Wenn ich Künstler wäre, legte ich jetzt eine ganze Serie auf, z. B. so:
als Dilettant aber lass‘ ich es an dieser Stelle mal gut sein…

















