Im Licht der Zeit
Februar 7, 2023 § 6 Kommentare

Die Wege des Lichts sind so diffus wie die des Lebens. Momente von Klarheit und Durchblick wechseln mit Irritationen und Eintrübungen. Verhangenen Blickes wartet das Schicksal auf uns. Beim Auflösen der elterlichen Wohnung sind Schätze zu bergen und Abgründe zu meiden. Aufschreiben, Dokumentieren und Bewahren hatte Tradition in unserer Familie. Und was die Zeit überdauert, hat Substanz, häufig Anmut und eine Qualität, die erratisch in die vorwärts jagende Gegenwart hineinragt. Seit Wochen arbeite ich mich durch Nach- und Vorlass von vier Generationen, versenke mich in Menschen, die mir persönlich begegnet oder aus Erzählungen bekannt sind und nun in Fotografien, Briefen, Erlebnisberichten und weitergereichten Dingen vor Augen treten. Womit ich nicht gerechnet hatte, war ein Schrankfach hoch oben über dem Bett meiner Mutter. Ich öffnete es und wurde gewahr, was meinen Eltern von ihrem 1972 tödlich verunglückten Kind geblieben war. Alles lag begraben in diesem Fach. Basteleien, Schulhefte, das selbst genähte Micky-Maus-Karnevalskostüm, gemalte Bilder. Dazu elterliche Aufzeichnungen, Notate, ärztliche Bescheinigung zu Todeszeitpunkt und -ursache, Kondolenzbriefe, Dias, Kostenrechnung der Bestattung. Die Spuren eines zerstörten Lebens verkapselt für immer, den Schmerz aufgehoben und jetzt doch ans Licht gezerrt im Zuge dieser Wohnungsauflösung. Damals blieb ich stehen, während mein Bruder in sein Unglück rannte. Und eine große Finsternis sich über unsere Familie legte. Jetzt gehe ich weiter denn alles ist immer da. Auch das Licht.

Bild: Michael Weber (1962 – 1972), Altarstein im Felsenmeer
Foto: im Berliner Tiergarten, 06.02.2023
con alcune licenze
April 27, 2014 § 11 Kommentare
Zurück in der großen Stadt kann ich nun Bilder in den Blog hochladen. Es werden also in den nächsten Tagen Skizzen und Aquarell-Miniaturen zu sehen sein, entstanden unterwegs oder am Maltisch. Anhaltend begeistert bin ich vom Frühsommerlich durchgrünten Odenwald. Dort gibts ein Dörfchen namens Fränkisch-Crumbach, und darinnen Café und Konditorei Ripper. Da saßen wir im Garten, umgeben von alten Gemäuern, speisten leckere Torten und den allerbesten Streuselkuchen, die Sonne grüßte freundlich, wärmte unsere Seelen und verlieh aufziehenden Gewitterwolken einen zarten Schmelz…
Diesen Tieren aber begegnete ich nicht auf meinen Streifzügen durch den Odenwald, sondern im Kinderzimmer der elterlichen Wohnung. Schön, was sich da in den Bücherregalen erhalten hat und so manche Erinnerung weckt.
Mit einiger Freiheit.












