Abstürzende Europa
August 18, 2024 § 4 Kommentare
Zeus/Jupiter begehrt die Tochter des Phönikischen Königs Europa. Nun könnte man meinen, Götter, wahlweise Potentaten, die ihre Macht traditionell von jenen ableiten, seien in der Lage, ihre sexuellen Begierden jederzeit einlösen zukönnen. Sei es, weil sie über übernatürliche Kräfte verfügen und etwas Gewünschtes einfach geschehen lassen. Oder weil sie über die Macht, die physische Gewalt dazu, verfügen. Doch so einfach haben es auch Götter nicht. Größte Lust verspricht nicht die schiere Befriedigung, sondern die Neigung des Objektes der Begierde. Es muss verführt werden. Bei Ovid – in der Übersetzung der Metamorphosen von Reinhart Suchier – klingt das so: „Nicht wohl gehen vereint, noch haben gemeinsame Wohnung / Lieb’ und Herrschergewalt.“* Kleist hat das Thema in seinem „Amphytrion“ bewegend in Szene gesetzt. Was nun tut Zeus im Falle Europas? Er kennt (natürlich) ihren Lieblingsaufenthaltsort am Meer und sorgt dafür, dass eine Herde von Stieren dort grast. Sich selber verwandelt er in ein besonders ansehnliches, stattliches, aber durchaus nicht furchterregendes Exemplar. Es erweckt die Aufmerksamkeit der spielenden Königstochter, sie nähert sich, verliert ihre anfängliche Scheu und lässt sich schließlich dazu bewegen, auf seinem Rücken Platz zu nehmen. Die Falle hat zugeschnappt. Der Stier erhebt sich und entführt das Mädchen übers Meer nach Kreta. „Dort gebar sie ihm Minos, Rhadamanthys und Sarpedon“, lese ich im „Lexikon der Antike“, Leipzig 1985. Will heißen: Dort vergewaltigte er sie mehrfach. Die Geschichte dieser Entführung fand als beliebtes Motiv seit der Antike Eingang in die Kunst, sowohl plastische als auch malerische Umsetzungen gibt es zuhauf. In meiner Version entkommt Europa ihrem Schicksal. Sie stürzt vom Rücken des Stiers und fällt ins Meer. Zeus geht leer aus.

Ovid, Metamorphosen. Zweites Buch, Vers 846f. übersetzt von Reinhart Suchier, München o. J. S. 51
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Orpheus
Februar 27, 2017 § 4 Kommentare
…das Haupt, das lag an die fremde Küste gespült, und das Haar, das nass noch tropfte…
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September 7, 2016 § 2 Kommentare
… das Haupt, das lag an die fremde Küste gespült…
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Ikarus fliegt
September 2, 2013 § 6 Kommentare
Dem Übermut des Kindes folgt die Strafe. So woll(t)en es Väter seit Jahrtausenden. Und so erging es auch Ikarus, als er, die Weisungen des Vaters missachtend, vom freien Flug berauscht, höher und höher stieg und der Sonne zu nahe kam. Die Hitze brachte das Wachs zum Schmelzen, die Federn lösten sich und der Knabe stürzte ins Meer. Hätte Dädalus,das Fluggerät für seinen Sohn etwas stabiler gebaut – was hätte aus dem frei fliegenden Ikarus werden können…
„Weg war geschmolzen das Wachs: noch schwingt er die nackenden Arme…“
Ich bin dann mal für’n paar Tage weg.
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