This is my letter to the world / that never wrote to me
August 26, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar
Die Welt ist kryptisch. Gedichte sind es oft auch. Über Emily Dickinsons Lyrik schreibt Gunhild Kübler „Die lyrische Rede …zeitigt…jenen anarchischen Überschuss, der rätselhaft und dennoch evident wirkt und nach einem Wort von Peter von Matt jenen feinen Horizont von unbegriffener Bedeutung schafft, der genuine Lyrik konstituiert.“* Schöner kann man es nicht ausdrücken. „To see the Summer Sky / Is Poetry, though never in a Book it lie – / True Poems flee“, dichtet Dickinson. Sie war eine Besessene in ihrem Schreiben, veröffentlicht hat sie praktisch nichts. Zu Lebzeiten. „I heard a fly buzz – when I died“. So beginnt eines ihrer berühmtesten Gedichte. Unglaublich. Angesichts des Todes werden die letzten Dinge verhandelt. So ist es üblich. Das Pathos regiert. Hier aber summt eine Fliege im Moment des Todes. Kann man sich selbst als Mensch unwichtiger, im gleichen Atemzug aber wichtiger nehmen? Die Dichterin spricht zu aus dem Jenseits. Blasphemie? Mit solchen Gedichten wird man nicht fertig. Charles R. Anderson empfielt in seiner Dickinson-Biografie, „ein Loch in die Seite zu starren, bis diese offensichtlich kryptischen Notate ihre ganze Bedeutung hergeben.“ Am Summter See letzten Samstag starrte ich ein Loch in den Himmel. Seine ganze Bedeutung gab der Kosmos nicht her. Aber schön wars. Die Hochspannungsleitungen glühten.





*Alle Zitate nach Gunhild Kübler, Nachwort zu ihrer Übersetzung der Gedichte Emily Dickinsons. München 2006.
Sieben Selbste mit Schapka und ein hochaktuelles Rühmkorfzitat
Januar 30, 2017 § Hinterlasse einen Kommentar
…
Wie ich höre, hast du lange nicht von dir selbst
gesungen, Onkelchen?!
Die Menschheit muß ja allmählich denken,
sie ist unter sich –
So launig beginnt Peter Rühmkorfs „Selbstporträt“ von 1977. Einige Verse weiter aber kommt’s dann knüppeldick:
Die Wahrheit macht einem immer mal wieder
einen dicken Strich durch den Glauben.
Man kuckt in die Zukunft – jedenfalls ich! –
wie in eine Geschützmündung.*
* zitiert nach: Peter Rühmkorf: Gedichte. Rowohlt Verlag, Reinbeck 2000, S. 295f.
auch der Mond
August 10, 2015 § Hinterlasse einen Kommentar
„Du sollst mir nichts verweigern“
Februar 25, 2015 § 4 Kommentare
„Du sollst mir nichts verweigern.
Ich will den letzten Rest.
Geht eine Lust zu steigern,
Ein Schurke, wer es lässt.
Gehabtes Glück hilft sterben.
Der Tod, er soll nichts erben
Als blankgeleckte Scherben
Und Schläuche ausgepresst.
…
Drum glaub den tausend Zeigern
Der Welt, die nimmer ruhn.
Du sollst mir nichts verweigern.
Wir müssen lieben nun,
Bis einst aus freien Stücken,
Gesättigt mit Entzücken,
Wir unsrer Füße Rücken
Still voneinander tun.“
Peter Hacks




















