Klecksen statt Klottern
Dezember 28, 2017 § 2 Kommentare
Mancher will Großes zu Papier bringen, und produziert doch nur Kleckse. Tintenklecksende Jahrhunderte freilich gehören der Vergangenheit an, und was früher ein Ärgernis gewesen sein mag, darf fürderhin zu seinem eigenen Recht kommen. Mithin: Klecksen statt Klottern! Unter diesem Motto zeige ich künftig von Zeit zu Zeit ausgewählte Kleckse aus der Serie „Objets klecksés“.
„Prinzessin von Urbino“
August 13, 2017 § 6 Kommentare
Unter der Inventarnummer 78 befindet sich in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin eine Büste mit dem Titel „Prinzessin von Urbino“. Im 19. Jahrhundert als Renaissance-Arbeit erworben und Desiderio da Settignano zugeschrieben, gilt das Werk unterdessen als Nachschöpfung des 19. Jahrhunderts. Meine Kohlezeichnung des Profils setzte ich auf einen weit ausschwingenden Klecks, wie immer verflossene Eitempera…
Akte, gekleckst
Juli 30, 2016 § 2 Kommentare
Der Klecks kann stehen bleiben in seiner ganzen Pracht. Nackt, wie er zur Welt kam – rohn, ungeschlacht, zärtlich unvollkommen, tief beräumt. Er kann, einzeln oder als Kleckserei, aber auch weitergehen, Linien und Wölbungen zulassen und in eine Szenerie einmünden. Gebirge, Gewetter, Landschaft, Prolog und Gespräch, Figur und Liebe. Körper ist er ja schon, als Keim zumindest, von Geburt an. Hier generiert er den Akt:
Objet klecksé
Juli 13, 2016 § Hinterlasse einen Kommentar
In der Regel unbeabsichtigt-unerwünschte Begleiterscheinung schreibender oder zeichnender Betätigung, ist der Klecks doch ein Ding, das es lohnt, näher betrachtet zu werden. Alles vermeintlich Ärgerliche am Rande eines Tuns bleibt nur solange qualvoll, wie wir es auf gar keinen Fall zulassen wollen. Die Hand Schweinsteigers, zielstrebig unterwegs Richtung Ball, zeitigt desaströse Folgen in einem wichtigen Fußballspiel, sichert jedoch Ruhm und Ehre in jedem Handballmatch. Im Halbfinalspiel der Deutschen gegen Frankreich war die Hand ein Klecks auf dem Tableau eines ansonsten gelungenen Fußballspiels. Betrachten wir nun den Klecks isoliert, lassen uns ganz auf sein Sosein ein, so stehen wir vor einem Faszinosum. Projektionsfläche. Schlüsselloch.
Lassen wir Peter Rühmkorf zu Wort kommen:
Denke nicht: die Wahrheit kleckst
einfach auf die Platte.
Denke nicht: das Leben wächst
sauber nach der Latte.
Blind auf einen Fleck gestiert,
wendet nichts zum Hellen.
ABER:
Flecken reflektiert,
schimmert wie Libellen.*
Wie aber stellt man Kleckse her? Gewöhnlich entstehen sie beiläufig. Man müsste also warten und sie bei Gelegenheit aufsammeln, Früchten gleich, die ein Wanderer unterwegs pflückt. Oder man hilft nach, erzwingt womöglich den Klecks. Aber ist er dann noch einer? Ihm eigen ist zunächst das Unabsichtlich-Beiläufige. Kleckse in Serie zu produzieren wäre dann so, als eröffnete man eine Produktionslinie zur Herstellung von Fehlern. Nun könnte man natürlich sagen, vom Ende her betrachtet ist es einerlei, wie das Ding in die Welt kam. Ob in der Absicht, es zu verhindern, oder als absichtliche Imitation des Unabsichtlichen. Ohnehin: betrachtet man den Klecks in seiner historischen Entwicklung, so hat das 19. Jahrhundert, spätestens mit Justinus Kerner, den Klecks ästhetisch aufgewertet und in das Stadium seiner Mündigkeit entlassen. Da scheidet sich das Klecksen nun vom Kleckern. Letzterem allein bleibt das Unabsichtliche wesensmäßig. Und so steht der serienmäßigen Fabrikation schillerndster, zwielichtigster, ominösester, abseitigster, krudester, exzellentester, miraculösester, dunkelster Kleckse nichts mehr im Weg. Wobei das Herstellen – besser: Herbeiführen – eines Kleckses nicht mit dem Malen eines Bildes vergleichbar ist. Unter mehr oder weniger fest umrissenen Bedingungen bringt man den Klecks zur Welt, ohne in sein Innerstes Gefüge auch nur ansatzweise gestaltend einzugreifen. Man dirigiert, ohne selber Hand ans Instrument zu legen. Ist der Klecks dann da, überrascht er stets aufs Neue:
- * Kleine Fleckenkunde. Zürich 1982
Gekleckse
Juni 17, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar









































