Der Durchschimmrigkeit dritter Teil

Juli 8, 2024 § 2 Kommentare

Die während unserer ersten Reiseetappe im Vogelsberg gefeilten und dann abgezeichneten Holunderstücke nun in Überblendungen mit einer Zeichnung, die nach einem Referenzfotos eines Modells* auf instagram entstand. Wie immer mittels der App procreate im ipad realisiert.

Dank an @model_figura_art17.2

Von Anton Rubinstein zu Yuja Wang

Juni 20, 2024 § 2 Kommentare

Der gestrige Auftritt der Pianistin Yuja Wang im Großen Saal der Berliner Philharmonie vermittelte einen Eindruck davon, welch ein Spektakel Auftritte eines Liszt, eines Anton Rubinstein oder anderer Tastenvirtuosen in den Konzertsälen und Salons des 19. Jahrhunderts entfachen konnten. Man täte Darbietungen dieser Art Unrecht, hielte man sie nur für die Zurschaustellung hypervirtuoser Tastenbeherrschung durch charismatische Persönlichkeiten, die ihr Startum zu zelebrieren wussten. Wirklich berühren kann man Menschen nur, wenn ihr Gefühl angesprochen wird. Und das gelang den Virtuosen damals. In pianistischer Hinsicht gründeten sie Schulen in der Nachfolge Liszts, aber auch durch das Wirken Rubinsteins in Russland. Die dortige Szene konnte sich seitdem einen legendären Ruf erarbeiten, der bis in unser Jahrhundert hineinwirkt. Sehr anschaulich schildert Rachmaninoff – übrigens einer der größten Klavierspieler überhaupt – das für ihn prägende Konzerterlebnis seiner Kindheit. 1886 trat Anton Rubinstein (1829 in der Ukraine geboren) in einer unter dem Namen „historische Konzerte“ legendär gewordenen Reihe von sieben aufeinanderfolgenden Konzerten in Moskau auf. Rachmaninoff erinnerte sich später an das Erlebnis des 13jährigen Konzertbesuchers: „Daran habe ich die wundervollsten Erinnerungen… Es war nicht so sehr seine Technik, die einen gefangen nahm, als vielmehr die profunde, ungeheuer geistreiche Musikalität, die aus jeder Note und jedem Takt sprach… Man hörte ihm wie in Trance zu, konnte Ton für Ton immer wieder hören, so unvergleichlich war die Tonschönheit, die sein gefühlvoller Anschlag den Tasten entlockte. Unnachahmlich ebenfalls das ‚Seelengeflirr‘ in den Kreisleriana. Die letzte Passage (g-moll) habe ich niemals von jemand anderem in solcher Art interpretiert gehört…“ Und hier schließt sich der Bogen zu meinem eigenen musikalischen „Erweckungserlebnis“ anno 1977. Der damals noch unbekannte rumänische Pianist Radu Lupu, seinerseits der russischen Schule (Neuhaus) entstammend, spielte genau jene Kreisleriana und berührte auch mich zutiefst durch seine Interpretation der g-moll-Schlusspassage. Und gestern nun also Yuja Wang. Ihr Erscheinen im super knappen Glitzerkleid auf halsbrecherisch hohen Absätzen wirkt wie das Stolzieren eines soeben holprig gelandeten Vögelchens auf dem Weg zum Flügel(!). Einmal dort Platz genommen, entfaltet ihr attraktiver, bis in die letzte Faser durchtrainierter Körper ein Fest der Sinne. Zu erleben sind Klänge, Klangballungen, Klangkaskaden, Klangeruptionen, aber auch allerfeinst Ziseliertes. Immer stimmt das Timing, da ist kein schwülstiges Rubatorumgeeire. Alles voll „geistreicher Musikalität“. Ein verzweifelter Schostakovich (aus den Präludien und Fugen), ein frei fließend beglückender Samuel Barber (Sonate es-moll) und alle vier Balladen Chopins, zurückhaltend, verinnerlicht, geradezu antivirtuos gespielt. Das alles entströmt einer seidig schimmernden Haut, unter deren Oberfläche eine mirakulöse Kraft ihren Lauf nimmt. Welch ein Kontrast zum an gleicher Stelle vor kurzem aufgetretenen Sokolov. Hier ikonische Eleganz, dort grauestes Priestertum, ein Richtung Klavierhocker geschobenes, buddhaartig ausformuliertes Gewebepaket. The times, they are a changing. Even in the Philharmonic.

Zitat: Ewald Reder, Sergej Rachmaninow. Leben und Werk. Gelnhausen 2007, S.369f.

Bild: digitale Überblendung einer Zeichnung, Permanent Marker auf Papier und eines Fotos.

Der Durchschimmerigkeit zweiter Teil

Mai 30, 2024 § 8 Kommentare

Verwunschene Durchschimmerigkeit

Mai 24, 2024 § 6 Kommentare

Beim täglichen Radeln durch den Tiergarten umfängt mich frühmorgens eine ganz besondere Atmosphäre aus Licht, Wasser und frischem Grün, akustisch unterlegt vom Gezwitscher all der Vögel, die so herzzerreißend miteinander den Tag beginnen und dabei so unsichtbar bleiben, als sei es tiefste Nacht.

Als ich die spiegelnde Oberfläche des durch den Tiergarten mäandernden, beinahe stehenden Gewässers betrachtete, kam mir die Stelle eines Prosatextes von Robert Walser in den Sinn, die ich mir neulich notiert hatte: „…unten lag ein See wie Seide ausgespannt, wie ein Damengewand von anstandsvollster Durchschimmerigkeit…“.*

„Kopfstücke“ in der Ausstellung zum Gallery Weekend Berlin

April 25, 2024 § 9 Kommentare

Morgen früh geht‘s zur Hängung der Bilder in die Brunnenstraße 145. Hier zeige ich die vollständige Serie von zwölf Kopfstücken, vor Ort zu sehen sein wird eine Auswahl der Arbeiten ab morgen bis 17. Mai.

Alle Arbeiten Fine Art Print, Acrylglas, 40×40 cm.

Gallery Weekend Berlin 2024

April 22, 2024 § 8 Kommentare

Liebe Freundinnen und Freunde,

am kommenden Wochenende, 26. – 28. April und für weitere zwei Wochen, zeige ich im Rahmen des Gallery Weekends einige aktuelle Arbeiten aus meiner Serie hybrider Bildschöpfungen, ergänzt um ein paar ältere Arbeiten in Eitempera und Acryl auf Leinwand. Bildthema sind Köpfe. Ein Auszug aus meinem die Präsentation begleitenden Text:

“Ich zeige digitale Arbeiten auf der Basis von Originalarbeiten in Eitempera und Acryl, die für diese Serie eingescannt wurden. Mittels Techniken von Überlagerung, Überblendung und Collagierung im digitalen Raum wurden haptisch-figürliche Arbeiten mit Eitempera-Klecksereien bzw. -Abklatschen konfrontiert. Der kreative Funke entzündet sich an Strukturen, wie sie im freien Kräftefeld zwischen fett- und wasserhaltigen Bindemitteln, Pigmenten und starken Untergründen zufällig entstehen, und misst sich an der emotionalen Dringlichkeit expressiver Farbverläufe.“

Ort: Volkssolidarität, Brunnenstraße 145, 10115 Berlin

http://www.e-mergingartists.art/artist/stefan-weber

Herzlich willkommen!

Digitale Alchemie XI, an einem „casual friday“

November 23, 2023 § Hinterlasse einen Kommentar

Meine Tante erzählte mir neulich, dass sie ab Anfang der achziger Jahre im Büro in England Freitags Hose tragen durfte. Casual Friday nannte sich das damals, und, glaube ich, auch heute noch. Wie schnell vergessen wir Älteren, wie finstern die damaligen Zeiten tatsächlich waren, und wie selbstverständlich die inzwischen erkämpften Rechte mittlerweile sind. Und was hat das mit den hybriden Bildern zu tun? Dass mir alles gleichzeitig durch den Kopf geht, und der darob ganz schön schwirrt. Vielleicht auch, weil das Bundesverfassungsgericht der Regierung Tricksereien attestiert und sie der betrügerischen Machenschaften überführt hat und sich die Frage anschließt, ob die politische Kaste unseres Landes noch zum Regieren taugt, und ob unser aller Verhalten folglich noch an moralische Standards sich gebunden fühlen darf oder die Moral quasi amtlicherseits zum Abschuss freigegeben ist undsoweiterundsofort. Aber wir haben die Kunst und das gute Essen wie zum Beispiel heute abend beim exzellenten Italiener L‘Enoteca l‘Angiolino in der Knesebeckstraße in Charlottenburg den ich allen wärmstens ans Herz legen möchte.

Farbfelder

August 16, 2023 § 2 Kommentare

(im Tiergarten, am Potsdamer Platz und im iPad)

Digitale Alchemie X

August 9, 2023 § 3 Kommentare

Etwas noch ist vom ursprünglichen Baum zu erkennen. Unklar, ob er noch steht oder schon gefallen ist. Mich beschäftigt das Wechselspiel von gemaltem Licht und abfotografiertem Streiflicht. Auch bei der Betrachtung eines Bildes im Raum lässt sich keineswegs immer klar das eine vom anderen trennen. Und letztlich kommt auch hier die Haptik ins Spiel. Unebenheiten des Objektes werden durch wechselndes Lichtspiel und Bewegung im Raum (be)greifbar. Angesichts des zweidimensionalen Bildes (hier des Foto) kommt das Gehirn jedoch ins Schwitzen: Veränderung des Betrachtungsstandpunktes bringt keine Klarheit.

Digitale Alchemie IX

Juli 12, 2023 § 6 Kommentare

Bevor es Richtung Urlaub in heimische und naturnahe Gefilde geht, mit leichtem Gepäck fürs Bildnerische als da wären Tusche und Aquarellutensilien sowie Lektüre (Sheila Heti, Gerhard Roth und ein Band der exorbitanten Schumann-Briefedition, alles garantiert Pixelfrei) – bevor wir also die große Stadt verlassen und teils den gewohnt häuslichen Komfort ein wenig herunterdimmen, teils durchaus komfortable Herbergen aufsuchen werden, die ein oder andere Familiensause nicht verpassend, tauche ich mit diesem Beitrag nochmals ab ins Digitale, auf der Grundlage allerdings manuell erstellter Artefakte, die zur Verdeutlichung ihrer Haptik im Streiflicht abfotografiert wurden um schließlich in Procreate neue Verbindungen einzugehen. Und grüße herzlich in eine – hoffentlich! – urlaubende Runde.

Wo bin ich?

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