Im Hodler-Land

Juli 17, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar

Dass wir uns hier im Postkartenland befinden, fiel natürlich nicht erst uns auf. Mindestens seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert sind die Alpen beliebtes Sujet für Maler (und Malerinnen?). Den gemeinhin eher für seine musikalischen Werke gewürdigten Felix Mendelssohn-Bartoldy entzückte auf der Durchreise in Interlaken die Gegend so sehr, dass er gleich alles abmalen wollte, wie man in einem Brief nachlesen kann. Ein halbes Jahrhundert später bereiste Ferdinand Hodler, gefeiert gleichermaßen für seine symbolistischen Menschendarstellungen wie für beeindruckende Naturschilderungen, die Gegenden am Thuner und Genfer See mit Malkasten und Staffelei. In der Literatur kann man nachlesen, wie sehr er darum bemüht war, das in der Natur real Vorgefundene im Hinblick auf seine Bedürfnisse nach idealisierter Naturauffassung auszuformulieren. Vergleiche ich nun vor Ort seine Gemälde (anhand mitgebrachter Fotografien) mit dem unmittelbar Wahrnehmbaren, so verblüfft insbesondere die virtuose Farbgebung. Die zwischen weiß, blau, türkis und grün changierenden Töne der sich ständig im Licht verändernden Oberfläche des Thunersees hat er genau so auf die Leinwand gebracht. Unsere Wanderungen nutze ich für Skizzen von verschiedenen Standpunkten aus, besonders günstig hierfür das nicht umsonst so genannte Niesenbänkli mit prachtvollem Ausblick auf diesen seltsam kegelförmigen Berg. Die letzte Skizze entstand direkt am See an einer kleinen Badestelle.

Im Kunstmuseum Basel

Juli 11, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar

Basel ist nicht nur eine wunderschöne Stadt, sie beherbergt auch eine fantastische Kunstsammlung in einem sehr stilvollen Ambiente. Die Fahrt von Müllheim im Markgräfler Land nach Spiez am Thuner See unterbrachen wir für einige Stunden in Basel. Viel zu wenig, um alles zu sehen, aber ein Anfang ist gemacht. Schön die Holbein-Portraits, ein van Gogh-Selbstbildnis und wunderbar die Dame klavierspielend, überraschend farbig und vital Bilder Odilon Redons – eine echte Entdeckung für mich -, erschütternd Hodlers Bild seiner sterbenden Frau, Teil einer Serie, über die ich schon gelesen hatte, aber nun im Original das Thema Tod als Bild des Prozesses skizziert in Öl der Kopf, aber Bettlaken und Rest nur weiß also nicht dunkel und bedeutungsschwer, die Beiläufigkeit greift an und holt das Ende ins Fortdauernde.

Vom Wandern und den glorreichen Siebzigern

Juli 10, 2018 § 4 Kommentare

 

Stets schien mir das Gehen, insbesondere in seiner emphatischen Ausformung als Wandern, die dem Menschen gemäße Fortbewegungsart. Der Körper will Bewegung, aber als Gleichmaß, der Geist sucht Anregung und auch hier in Gleichmaß und Rhythmus eine gelöste Konzentration als Bedingung zu Inspiration und Kreativität. Dabei strebt der Mensch wandernd zwar in die Ferne, doch bleibt er in Maß und Dimension ganz bei sich, beharrlich und – ja, dieses leicht ranzig gewordene Wort: bodenständig. Die Berliner Alte Nationalgalerie hat jetzt Bilder rund um das Thema Wandern zusammengetragen, 19. Jahrhundert und frühe Moderne. Herausragend ein Bild, mittelgroß, fast quadratisch: Ferdinand Hodler: Der Lebensmüde.

Ein alter Mann, quadratisch im Profil in sich zusammengesunken, das Bildformat mehr als ausfüllend, fast auch in den Raum hinein ausgreifend durch die ungemein haptische Präsenz der schorfig aufgetragenen Ölfarbe, bei erloschener Körperspannung doch wuchtig in der schieren Gewalt der Physis eines eindrucksvoll gelebten, „erwanderten“ Lebens. Der Wanderstab lehnt über der Schulter, noch ist nicht klar, ob er weitergegeben wird an die nächste oder übernächste Generation. Dieser alte Mann aber, am Ende seines „Weges“, wird eher verwittern als verwesen und es locker mit dem Stein aufnehmen, auf dem er Platz gefunden hat. Sinnbild einer Körperlichkeit, die als Ausformulierung von Lebenswillen und Geist allem Endlichen trotzt. „I take my leave of mortal flesh“ – mit diesem Vers beendet Boz Burrell die A-Seite von King Crimsons vierter LP Islands von 1971. Und das scheint uns der alte Mann, von Hodler so eindrücklich auf die Leinwand gebannt, zu sagen. Womit zugleich die Rückkopplung zum letzten Post hergestellt ist und angeregt sein soll, sich auch die frühen Siebziger in ihrer unverschämt überschäumenden Vielfalt mal wieder vorzunehmen. Und wie ja überhaupt alles mit allem zusammenhängt…

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