Im Kunstmuseum Basel
Juli 11, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar
Basel ist nicht nur eine wunderschöne Stadt, sie beherbergt auch eine fantastische Kunstsammlung in einem sehr stilvollen Ambiente. Die Fahrt von Müllheim im Markgräfler Land nach Spiez am Thuner See unterbrachen wir für einige Stunden in Basel. Viel zu wenig, um alles zu sehen, aber ein Anfang ist gemacht. Schön die Holbein-Portraits, ein van Gogh-Selbstbildnis und wunderbar die Dame klavierspielend, überraschend farbig und vital Bilder Odilon Redons – eine echte Entdeckung für mich -, erschütternd Hodlers Bild seiner sterbenden Frau, Teil einer Serie, über die ich schon gelesen hatte, aber nun im Original das Thema Tod als Bild des Prozesses skizziert in Öl der Kopf, aber Bettlaken und Rest nur weiß also nicht dunkel und bedeutungsschwer, die Beiläufigkeit greift an und holt das Ende ins Fortdauernde.
















Vom Wandern und den glorreichen Siebzigern
Juli 10, 2018 § 4 Kommentare
Stets schien mir das Gehen, insbesondere in seiner emphatischen Ausformung als Wandern, die dem Menschen gemäße Fortbewegungsart. Der Körper will Bewegung, aber als Gleichmaß, der Geist sucht Anregung und auch hier in Gleichmaß und Rhythmus eine gelöste Konzentration als Bedingung zu Inspiration und Kreativität. Dabei strebt der Mensch wandernd zwar in die Ferne, doch bleibt er in Maß und Dimension ganz bei sich, beharrlich und – ja, dieses leicht ranzig gewordene Wort: bodenständig. Die Berliner Alte Nationalgalerie hat jetzt Bilder rund um das Thema Wandern zusammengetragen, 19. Jahrhundert und frühe Moderne. Herausragend ein Bild, mittelgroß, fast quadratisch: Ferdinand Hodler: Der Lebensmüde.
Ein alter Mann, quadratisch im Profil in sich zusammengesunken, das Bildformat mehr als ausfüllend, fast auch in den Raum hinein ausgreifend durch die ungemein haptische Präsenz der schorfig aufgetragenen Ölfarbe, bei erloschener Körperspannung doch wuchtig in der schieren Gewalt der Physis eines eindrucksvoll gelebten, „erwanderten“ Lebens. Der Wanderstab lehnt über der Schulter, noch ist nicht klar, ob er weitergegeben wird an die nächste oder übernächste Generation. Dieser alte Mann aber, am Ende seines „Weges“, wird eher verwittern als verwesen und es locker mit dem Stein aufnehmen, auf dem er Platz gefunden hat. Sinnbild einer Körperlichkeit, die als Ausformulierung von Lebenswillen und Geist allem Endlichen trotzt. „I take my leave of mortal flesh“ – mit diesem Vers beendet Boz Burrell die A-Seite von King Crimsons vierter LP Islands von 1971. Und das scheint uns der alte Mann, von Hodler so eindrücklich auf die Leinwand gebannt, zu sagen. Womit zugleich die Rückkopplung zum letzten Post hergestellt ist und angeregt sein soll, sich auch die frühen Siebziger in ihrer unverschämt überschäumenden Vielfalt mal wieder vorzunehmen. Und wie ja überhaupt alles mit allem zusammenhängt…








