Die Sache mit dem Ruhm und dem Geld
November 26, 2017 § 6 Kommentare
Mit Ruhm und Geld ist das doch so: Man will das gerne haben, einerseits, man weiß aber auch, dass das nicht viel bedeutet, andererseits. Sobald man ins Atelier geht, hilft einem nicht weiter, dass man berühmt ist – da ist man wieder dasselbe kleine Arschloch, das da steht, sich am Kopf kratzt und auf eine gute Idee hofft.
Per Kirkeby*
Man sieht: wer etwas geschafft hat, bleibt eben immer noch der, der er war, als er es noch nicht geschafft hatte. Oder die, die sie war, als sie es noch nicht geschafft hatte. Diese Erfahrung zu machen, ist sicher so frappierend wie erhellend, und schnell ist man da mit der Beobachtung bei der Hand, dass Geld nur dem nichts bedeutet, der im Übermaß darüber verfügt. Es steckt aber doch eine tiefere, und in diesem Falle durchaus beruhigende Erkenntnis dahinter. Freilich gilt’s auch umgekehrt: es hilft einem auch nicht, n i c h t berühmt zu sein, sondern ein bloggender Dilettant. Statt mir den Kopf blutig zu kratzen hab ich mir gesagt, geh doch mal raus aus dem Atelier Dilettantenstüberl, dorthin, wo den kleinen Arschlöchern vergangener Zeiten ein ehrendes Andenken bereitet wird, ins Museum. Diesmal das Bode-Museum. Natürlich mit Tuschefüller und Notitzbüchlein. Später bisschen Farbe drauf, als Trost- und Heilpflaster, gewissermaßen.
* in: Süddeutsche Zeitung Magazin, 20 Jahre Edition 46, S. 29
„Prinzessin von Urbino“
August 13, 2017 § 6 Kommentare
Unter der Inventarnummer 78 befindet sich in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin eine Büste mit dem Titel „Prinzessin von Urbino“. Im 19. Jahrhundert als Renaissance-Arbeit erworben und Desiderio da Settignano zugeschrieben, gilt das Werk unterdessen als Nachschöpfung des 19. Jahrhunderts. Meine Kohlezeichnung des Profils setzte ich auf einen weit ausschwingenden Klecks, wie immer verflossene Eitempera…
Neues aus dem Bode-Museum
August 8, 2017 § 8 Kommentare
Schreiende Frau
Juni 13, 2017 § 11 Kommentare
Schreiende Frau ist eine Figur aus gebranntem Ton betitelt, die in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin ausgestellt ist. Mehrfach bereits diente sie mir als Vorlage für zeichnerische Erkundungen. Die verstörende Isoliertheit des Torsos, das Fehlen jeglichen erklärenden Zusammenhangs im Ausstellungskontext wendete sich mir unter der Hand ins fast Surreale bei dieser Annäherung in Eitempera.
Der Zahnbürstenexkursion durchs Bode-Museum zweiter Teil
Februar 15, 2017 § 6 Kommentare
Fortuna oder Venus, da ist sich die Forschung nicht sicher. Bar aller Attribute bleibt die nackte weibliche Gestalt, wie sie in all ihren Rundungen kaum verführerischer dem Auge sich darbieten könnte als in Gestalt einer Kleinplastik des deutschen Renaissance-Goldschmieds und Bildhauers Christoph Weiditz (um 1500 – 1599), zu bewundern im Bode-Museum zu Berlin. Die feuervergoldete Oberfläche der Bronzeplastik zeugt vom Reichtum des Auftraggebers und ruft unmissverständlich die dekorative Funktion des Werkes auf. Wir wissen nicht mehr, was die Frau in Händen hielt (vielleicht einen wehenden Schleier) und können den gelehrten Diskurs (yep – dieses Modewort nun auch einmal von mir!) unter Kennern über mythologisch unterfütterte Details der Darstellung nicht mehr rekonstruieren. Ziemlich sicher aber war schon dem Renaissancemenschen der Mythos ein schöner Vorwand, um ungestraft und in aller Ruhe – und sicher auch in erlesener Männerrunde – einmal eine nackte Frauengestalt zu betrachten.
(Vier auf Eitemperaverkleckstem Chinapapier getuschte Ansichten der Plastik)
Mit der Zahnbürste durchs Bode-Museum
Februar 12, 2017 § 2 Kommentare
…
Warum verhehlen, dass der Pinsel ein unbeholfenes Instrument ist? …Das ist, als wolltet ihr den lichtgleißenden Kosmos mit einer Zahnbürste angehen.
Die frisch aus der Bibliothek ausgeliehenen Tagebücher Witold Gombrowiczs (1904 – 1969), ein stattlicher Wälzer von gut 900 Seiten, lagen auf meinem Tisch. Ich schlug sie wahllos in der Mitte auf, und – bam – ein Paukenschlag: ich war mitten in einer Polemik gegen die Malerei, die sich gewaschen hat. Gleich von zwei Seiten nimmt dieser faszinierende Autor, von dem ich bisher nur wenig gelesen habe, die bildende Kunst in die Zange. Einmal als diejenige unter den Künsten, die das Leben nicht in seiner Bewegung darstellen kann – und Leben ist, laut Gombrowicz, Bewegung. „Das Wort entwickelt sich in der Zeit, das ist wie ein Ameisenzug, jede bringt etwas Neues, Unerwartetes… Der Maler aber ist mit einem Satz restlos ausgeworfen, ganz auf der Fläche, reglos auf der Leinwand – wie ein Klumpen.“ Zum anderen über das, wie er es nennt, Milieu der Maler und ihrer Anhänger, die einer törichten Mystifikation der Kunst das Wort reden. „Zunächst einmal zwingt euch jener komplizierte Herdenmechanismus, der sich historisch herausbildet, vor dem Gemälde in die Knie – und erst dann versucht ihr, euch mit einer raffinierten Argumentation weiszumachen, ihr wäret deshalb in Begeisterung geraten, weil das Werk begeisternd sei.“ Gombrowicz, Skeptiker durch und durch, mistraut der Begeisterung, dem Überhöhten und der auf den Schild gehobenen Idee. Soweit der Anfang meiner Beschäftigung mit diesem Autor. Fortsetzung folgt. Hier nun einige Versuche, die im Nachgang zu einem Besuch des Bode-Museums in Berlin mit der Zahnbürste auf chinesische Papier entstanden. Da ist zunächst eine Tonfigur von Caius Gabriel Cibber, „Sinnbildliche Darstellung von Wahnsinn und Raserei“. Sodann eine Plastik aus dem späten 16. Jahrhundert, betitelt „Schreiende Frau“, die mich immer wieder fasziniert. Als nächstes die „Kopfstudie eines Afrikaners“, schließlich ein Detail aus der Gruppe „Samson und Delila“ von Artus Quellinus d. Ä.
(Alle Zitate aus: Witold Gombrowicz, Tagebuch 1953 – 1969. Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Hanser Verlag 1988.)
Zacharias Hegewald im Bode-Museum
März 14, 2013 § Hinterlasse einen Kommentar
Im Bode-Museum zu Berlin sind viele schöne, bekannte Skulpturen zu sehen. Und es ist so manche Preziose zu entdecken. Zum Beispiel ein kleines Figurenpaar von Zacharias Hegewald, einem barocken Bildhauer mit Atelier im Dresdner Schloss. Titel: Adam und Eva als Liebespaar. Da begehren sich zwei, das sieht man sofort. Und obwohl beide frontal dargestellt sind, ist ihre Hinwendung zueinander vom Künstler virtuos inszeniert. Nach kurzer Betrachtung fielen mir zwei Knubbel auf, die aus dem Schleier, der die Scham verhüllt, herausragen. Das Rätsel löste sich schnell: hier wird ein abnehmbares Stück „Stoff“ von zwei Stiften festgehalten. Und obwohl der kunstinteressierte Museumsbesucher des 21. Jahrhunderts, anders als der ursprüngliche Auftraggeber der Figurengruppe, das abnehmbare Teil nicht entfernen darf – durch das Vorhandensein einer Glasvitrine sogar ausdrücklich daran gehindert wird – verrät ein Blick von schräg oben unmissverständliche Erkenntnisse über die sinnenfrohe Gestimmtheit des Bildhauers bzw. des Auftraggebers. Nur so viel sei verraten: Zacharias Hegewald war eine ausgewiesener Schlawiner vor dem Herrn.
Inspiration
März 9, 2013 § Ein Kommentar
Heute morgen hörte ich beim Frühstücken Radio. Der wunderbare Stephan Karkowsky – durch seine Samstagnächtliche Musiksendung Latenightlounge auf RadioEins als exzellenter Musikkenner ausgewiesen und neuerdings auch im Tagesprogramm von RadioEins zu hören – unterhielt sich mit dem live aus Rom zugeschalteten Prof. Markschies über das Thema „Inspiration“. Markschies hat dazu ein Buch* herausgegeben. Es geht der Frage nach: wovon lassen sich bekannte Wissenschaftler und Künstler inspirieren. Nachdem der Zweck seines Aufenthaltes in Rom hinreichend geklärt war (nein, er sei nicht dort um als erster evangelischer Papst gewählt zu werden) nannte Markschies in äußerst aufgeräumter Stimmung ein paar Beispiele für Inspirationsrituale. Zwar verneinte er heftig, Alkoholkonsum könne zu wissenschaftlicher oder kreativer Arbeit beitragen, blieb aber die Antwort auf die vom sonst so souverän moderierenden Karkowsky leider nicht gestellte Frage schuldig, welche interessante Substanz er denn gefrühstückt hatte. Wer sich nicht vorstellen kann, dass Wissenschaftler, zumal in der Variante evangelischer Theologe, ausnehmend albern kichern können, höre einmal dieses Telefoninterview nach.
Nun ist der Dilettant weder bekannter Wissenschaftler noch unbekannter Künstler und wurde also auch nicht für das Buch befragt. Nicht unterlassen möchte ich es aber an dieser Stelle – das Frühstück, bestehend aus lauter erlaubten Leckereien, ist gerade genossen – meine Erfahrungen zu diesem Thema beizusteuern. Mir fiel nämlich schon vor längerer Zeit auf, dass mir gerade beim Verrichten einfacher, den Verstand nicht besonders strapazierender Routinetätigkeiten regelmäßig gute Ideen kommen. Sie kommen wohlgemerkt nicht, wenn ich meine ganze Verstandeskapazität darauf konzentriere. Es ist also kurioserweise geradezu so, als würde ich meinem Gehirn suggerieren: ruh du dich mal aus, während ich hier einfache Routinearbeiten erledige, ich brauche dich erst später wieder. Woraufhin das Gehirn sich erst recht herausgefordert fühlt und geradezu bockig kontert nach dem Motto: na, wenn er meint er braucht mich nicht, dann zeig ich ihm mal was ich so auf der Pfanne hab‘. Und schwupps purzeln die genialen Ideen nur so auf den Schreibtisch. Dabei halte ich üblicherweise dem derzeit grassierenden unsäglichen „Multitasking“-Geschwätz gerne meine Devise entgegen: Tue eine Sache und tue sie richtig. Hm… Da tut sich ein Widerspruch auf, dem ich mal nachgehen muss…
Zuvor aber ein Bild (Der Dilettant war ja angetreten zu malen, nicht zu schreiben). Diese Frau schreit sicher nicht nach Inspiration sondern hat existentiellere Sorgen. Zu bewundern im Berliner Bode-Museum, dem ich jüngst einen Besuch abstattete, von dem an dieser Stelle noch zu berichten sein wird, denn er hinterließ mich schwer beeindruckt.
* Vademecum der Inspirationsmittel. Hrsg. von
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Christoph Markschies und Ernst Osterkamp
















































