Noch mehr Buchdeckellandschaften

Mai 28, 2025 § 6 Kommentare

Zur Serie gehört, dass im Bild immer Reste des Originaleinbandes zu sehen bleiben. Ein durchaus althergebrachtes Verfahren vieler Künstler, die mit dem Durchscheinen des mehr oder weniger bearbeiteten Bildgrundes Wirkungen erzielten. Das ist dann durchaus eine Frage der Arbeitsökonomie (sparsamer Einsatz der Malmittel), befördert aber auch Transparenz und Vibrieren des Bildeindruckes. Bei mir geht es freilich auch um den Aspekt des Wiederverwendens, Nachnutzens. Bibliotheken sondern aus Platzgründen – Speicherplatz ist teuer (Nebenbemerkung hierzu: das als Alternative propagierte Vorhalten digitaler Information ist strom- und mithin auch kostenintensiv) – Bücher aus. Vom Buchblock befreit bietet der Einband dann einen hervorragenden Malgrund.

Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn jeweils ein Foto des originalen Buchdeckels zum Vergleich (ich habe mehrere davon).

Büchernachleben

Januar 8, 2025 § 10 Kommentare

Gedruckte Bücher segnen zunehmend das Zeitliche. Was in wissenschaftlichen Bibliotheken lange Regalreihen füllte, und geflissentlich zu Rate gezogen wurde, wenn es galt, den Stand der Forschung über ein Thema in den Blick zu nehmen – zuvörderst bibliografische Nachschlagewerke – wird zunehmend weggeworfen. Gemacht einst für die Ewigkeit, auf stabilem, reißfesten Papier gedruckt, fachmännisch – seltener -fraulich – gebunden und mit Qualitätseinbänden, meist aus Leinen versehen, scheint ihr Schicksal nun besiegelt. Doch halt. Befreit vom papiernen Inhalt – längst digitalisiert und einer Zweitverwertung zugeführt – starten Buchdeckel nun in ein neues Zeitalter. Im Versuch stellt sich heraus, dass sie perfekte Malgründe für Mittel aller Art, insbesondere Acryl, bilden. Gerade durch das farblich kräftige Äußere, die Körnigkeit der Leinenstruktur und die Festigkeit des Kartons der hier verwendeten Einbände sind sie hervorragend zum Malen geeignet. So entstanden gestern im Atelier vier Bilder, deren erstes hier zu sehen ist.

Gut erkennbar mittig das originale Rot des Bucheinbandes, stehen gelassen zwischen aufgetragenem Acryl.

Vorlage für das Motiv war ein aus dem ICE aufgenommener Abendhimmel, hier freilich durch den tiefroten Malgrund einer neuen Realität zugeführt.

Bücherhimmel

Dezember 30, 2024 § 2 Kommentare

Der Scharoun-Bau am Berliner Kulturforum ist in die Jahre gekommen und harrt der Generalsanierung. Aber er rockt noch immer die Literaturversorgung nicht nur der Stadt, sondern mittels flächendeckender Lizensierung digitaler Ressourcen das überregionale und internationale Geistesleben. Und er inszeniert Lesen über reinen Wissenserwerb hinaus als physisches Erlebnis im Angesicht von Nationalgalerie und Philharmonie, verortet in einem Lesesaal, dessen Dimension und Auffächerung Natur architektonisch erlebbar macht. Über allem tronen in Hochmagazinen drei Millionen Bücher, deren Geist auf Nutzende herabschwebt. Wim Wenders inszenierte hier einst sein Märchen vom Himmel über Berlin. Und noch sind die Tore geöffnet. Rollt erst die Sanierung, ist es auf Jahre vorbei mit der Poesie.

Oberlausitzsche Fotostrecke

Mai 15, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn ein Chor jubilierenderweise eine Reise unternimmt und familiär verbandelte Zaungäste mit von der Partie sein dürfen, ist glatt Kaiserwetter angesagt. So zeigt sich das Ziel der Reise, die Oberlausitz, von seiner besten Seite. Bautzen, Görlitz, Markersdorf, Schloss Rammenau, Cunewalde, Schloss Neschwitz. Basislager Bildungsgut Schmochtitz, ehemals Rittergut in gepflegter Parkanlage. In Görlitz entdeckte ich zufällig eine hübsche alte Bibliothek, aufgebaut von der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Herr von Richthofen, Abteilungsleiter im Görlitzer Museum und für die Bibliothek zuständig, war so nett, mir trotz laufender Dreharbeiten Zutritt zu gewähren, zeigte sich jedoch empört über mein Bekenntniss, auf seine Bibliothek trotz beruflicher Vorbelastung meinerseits bloß zufällig gestoßen zu sein. Eine intellektuelle Kapazität mit genealogischem Auftrag hat’s aber auch nicht leicht in der Provinz, da knirscht es schon mal im emotionalen Gebälk. Mit meiner kleinen Sony RX-100 konnte ich hier und da etwas von der naturnahen Stimmung einfangen. Der Magie im Zusammenspiel von Flora, Wasser und Licht, teils vor weitem Horizont oder auch mal aus dem Bus heraus habe ich durch gelegentlich längere Belichtungszeiten nachgeholfen.

Quick and dirty

November 12, 2023 § 2 Kommentare

Ein paar schnelle Reiseskizzen im Zug, quick and dirty, wie immer. (In meinem Arbeitsumfeld senkt sich seit einiger Zeit die Maxime auf uns am Boden Haftende herab, liebgewonnene Aufgaben auch mal loszulassen, nicht immer 100prozentige Qualität anzustreben, lieber zielorientiert als gründlich zu arbeiten usw. Das hinterfragte ein interessiert kritisch den Prozess begleitender, andernorts angesiedelter Fachmann mit: also quick and dirty? Wir alle wissen, welch enormes Potential Sprachregelungen in sich bergen. Ein Überspringen dieser Formulierung von der Kreativ- auf die Dienst- respektive Serviceleistungsbranche war allerdings nun doch nicht beabsichtigt.)

Lichtdramen

April 21, 2023 § 5 Kommentare

Nachdem ich am späten Nachmittag dieses herrlichen Frühlingstages durch den Tiergarten nach Hause geradelt war, im Erkerzimmer auf Opas (und inzwischem meinem) Lieblingssessel Platz genommen hatte und der frisch gebrühte Kaffee gerade sein Aroma entfaltete, da begann es mit einem Mal linkerhand zu leuchten. Hemdgroße Lichtflecken standen auf der dem Erker gegenüberlingende Seite des Raumes an der Wand, dort, wo um diese Tages- und Jahreszeit unmöglich direkte Sonnenstrahlen ihre Pracht entfalten konnten. Sie brachen sich offenbar an der gegenüberliegenden Häuserwand und fanden auf mysteriöse Weise ihren Weg in Richtung der Bilder an meiner Wand, die nun ihrerseits im Dämmerschlaf überrasch aufblühten. Ich bin mir nicht sicher, ob nun leiser Kanonendonner einer längst vergangener Seeschlacht zu vernehmen war, oder in Pigmenten gebanntes vorfrühlingshaftes Vogelgezwitscher sich vernehmen ließ. Hier war Magie am Werk. Die gleiche Magie, die mich kurz davor verzaubert hatte, als die Lesesaallandschaft des Sharounbaus der Staatsbibliothek durch tief einfallendes Sonnenlicht sekundiert von Kunstlicht zu oszillieren begonnen hatte.

quick and dirty

August 19, 2013 § 4 Kommentare

Bibliothekar:innen gelten gemeinhin als unauffällig agierende Wesen mit eher unterschwellig vorhandenem Innovationspotential und einer Tendenz zu stiller Betriebsamkeit. Seit aber die digitale Welt Einzug hält in die Bibliothekslandschaft und IT-Abteilungen das Zepter übernehmen, durchlüftet neues Vokabular die angestaubten Räumlichkeiten. „Quick and dirty“. Die schnelle und unverbindliche Suche in Bibliothekskatalogen nach Google-Manier, Treffer garantiert. Hinweggespült der über Generationen aufaddierte Fleiß bibliothekswissenschaftlicher Katalogisierungsgrundlagenforschung. Jetzt hält die Bespaßung Einzug. Quick and dirty. Da klinke ich mich als malender, bibliotheksaffiner Dilettant mit angeborener Neigung zum Schnellen Strich unverzüglich ein und starte hiermit meine Serie

QUICK AND DIRTY

Part One

quickanddirty#1quickanddirty#30

quickanddirty#4quickanddirty#5

quickanddirty#9quickanddirty#26quickanddirty#21quickanddirty#27

Wo bin ich?

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