Rehausen IV, mit einem Seitenhieb auf Beuys und einem Loblied auf Cage
Juli 15, 2021 § 11 Kommentare

Manche Menschen haben das Glück, das Selbstverständliche ein zweites Mal erlernen zu dürfen. Gehen, zum Beispiel. Den Körper, als recht eigentliches Wunder, neu begreifen. – Naja, die Not zur Tugend verklärt, klar. Aber gerade wird mir, als übungsbegleitend permanent Radio Hörender der zum Heiligen verklärte Beuys um die Ohren gehauen. Der ja auch die Perspektive auf die Kunst einfach umkehrte. Kunst ist für alle, machen alle. Gut immerhin für ihn, dass sein Part ihm allein vorbehalten blieb. Er sich um so doller von der Masse abheben konnte, je mehr er sich ideologisch mit ihr gemein machte. Wie wohltuend sich davon einer wie John Cage abhob, der weit vor Beuys bereits alles Elitäre an Kunst überführte in ein allgemeines Bewußtseinsprinzip. Und dabei so bescheiden blieb. Anschaulich illustrierte er seinen Kunstbegriff in der Antwort auf die Frage: Ist der Akt des Öffnens einer Tür Kunst? Wenn man es aufführt, ja. Also: Gewinne ich etwas, wenn ich weit hinter einem bereits erreichten Stand neu beginne? Wenn ich es neu betrachte, „aufführe“ – ja. Nie werde ich Cages verschmitztes Lächeln, seine überaus sympathische Art vergessen, derer ich Ende der 80er Jahre im Frankfurter Theater am Turm TAT zuteil werden durfte. Und seine inspirierenden Erkenntnisse zur Kunst, die das Leben umschließen.
Oktober 3, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Zur Vergangenheit befragt, meinte der von Anja Caspary ins Radio Eins Studio eingeladene Schauspieler und Sänger Rolf Zacher neulich: „Früher war nicht alles besser. ES WAR IMMER ALLES GUT“. Wohl dem, der das von sich behaupten kann. Die Vergangenheit ist schließlich auch nicht mehr das, was sie mal war. Konnte man früher noch sagen, „früher war alles besser“, so wissen wir heute, dass die Winter früher nicht so weiß waren, wie unsere Erinnerung uns das weismachen möchte. Und bezogen auf die Kunstwelt kann man ganz klar sagen: heute darf wieder gemalt werden! Der Maler Cornelius Völker hat dazu etwas Kluges gesagt: Es gibt in der Malerei Themen, „die eine sehr hohe Relevanz haben. Niemand traut doch heute mehr diesen manipulierten medialen Bildern. Demgegenüber besitzt die Malerei eine viel größere Offenheit und Authentizität.“ (Malerei. Painting.Werke.Works. 1990 2010. S. 158) Und ein Schamane und Blender wie Josef Beuys könnte heutzutage auch nicht mehr so ungeniert volksverdummend mit seiner Nazisozialisation umgehen wie noch in den sechziger und siebziger Jahren (siehe das sehr lesenwerte Buch von Frank Gieseke und Albert Markert, Flieger, Filz und Vaterland. Eine erweiterte Beuys Biografie).
Für meine Portraitserie hab ich mir also ein Foto Rolf Zachers geschnappt und geübt – leider nicht wirklich getroffen, aber als Studie eines Kopfes mags durchgehen:
Gute Vorlagen für meine Anatonmiestudien lieferte mir „Bernadette Corporation. The Complete Poem“ mit den darin enthaltenen Fotografien von David Vasiljevic:
sowie das Foto eines jubelnden Fußballers:
Zum Schluss das Portrait eines namenlosen Models aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, zeichentechnisch interessant durch die Perspektive des gedrechten und leicht von unten fotografierten Kopfes. Tricky!




