Insideout

November 19, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie bringe ich die Figur, den Menschen, das Antlitz, die Pose aufs Papier, die Leinwand? Eine Möglichkeit ist sicherlich, die Essenz, das Konstrukt hinter einer Haltung zu ergründen und dann gewissermaßen von innen heraus das Bild aufzubauen. Eine andere, diametral entgegengesetzte wäre, Flächen zu definieren. Grafisch Kreise ziehen und sie ineinander zu verweben, bis die Proportionen glaubhaft wirken. Ich entschied mich heute im Atelier für ersteres. Vorlagen waren Referenzaufnahmen der Betreiberin des wunderbaren Instagram-accounts model_figura_art17.2.

Ich hänge also Farbe dezent an ein Gerüst, dass die Figur im Inneren zusammenhält. Insideout. Stimmt die Haltung erst, folgt der Ausdruck bei Fuß. Will mir scheinen…

Die Welt der Wasserfarben

Oktober 9, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar

Alles fließt, und gerinnt am Ende doch. Um sich dereinst erneut zu lösen. Acryl und Öl behaupten sich demonstrativ auf dem Malgrund, schwitzen Ewigkeit aus. Wie flüchtig dagegen Wasserfarben. Und wie reizvoll, unprätentiös, beiläufig.

Die Schaumgeborene

September 24, 2024 § Hinterlasse einen Kommentar

Jüngste Aquarellarbeiten

September 15, 2024 § 4 Kommentare

Ich versuche mich neuerlich in Aquarell, gänzlich ohne, allenfalls mit minimalen Konturlinien. Im Grunde sind Konturen ja Hilfskonstruktionen. Was wir über unsere Augen wahrnehmen sind Farbballungen, changierend zwischen weichen oder härteren Übergängen. Nur der härteste Übergang, sofern das Gehirn Strukturen ausfindig machen kann, gerinnt zur Linie. Die dann im Erfassen der Realität bevorzugt für die Zeichnung herangezogen wird. Mich fasziniert vor diesem Hintergrund derzeit besonders Vuillard, der durch seine Malerei den Schritt von der optischen Wahrnehmung zu kognitiven begreifbaren Mustern zurückgeht, indem er die Interpretationsleistung durch den bildnerisch gestaltenden Künstler an den Betrachter zurückgibt. So fordert das Farbgeflimmer seiner Bilder zu längerer Betrachtung heraus. Abgebildete Personen werden erst nach und nach sichtbar. Faszinierend! Ein Beispiel aus der Realität war der Nachgang zum Besuch der Wahrhol-Ausstelung (siehe hier), als ich von außen in die verglaste Neue Nationalgalerie schaute und fotografierte. Fensterspiegelungen, Bilder, Texte und Besucher schwammen in-(durch-)einander. Davon handelt das erste Aquarell. Weiter geht‘s dann mit Instagram-Vorlagen.

Emily Dickinson zu Instagram I

September 8, 2024 § 2 Kommentare

Derzeit tummle ich mich eher auf instagram, dieser Kanal kommt darüber etwas zu kurz. Daher im Folgenden einige der jüngeren Arbeiten, angeregt durch das Insta-Völkchen. Aber zunächst ein schönes Gedicht, das ich bei Emily Dickinson fand:

God is indeed a jealous God

He cannot bear to see

That we had rather not with him

But with each other play.*

Ganz schön freigeistig für das anglikanisch geprägte Nordamerika im 19. Jahrhundert. Heutzutage in unseren Breitengraden kaum noch vorstellbar, in welchem Maße Kirche und Gottesvorstellung den Alltag der Menschen in früheren Zeiten bestimmten. Die alte Frage, bekommt das Leben aus sich heraus Sinn, oder bedarf es dazu einer höheren Instanz. Instagram jedenfalls macht Individuen sichtbar. Selbstbespiegelung, wie sie früher – Künstler, Freigeister und Genies ausgenommen – undenkbar war.

Zunächst die Farbserie, Fineliner und Aquarell auf Papier, im nächsten blog-Beitrag die schwarzweiß-Zeichnungen.

zitiert nach der zweisprachigen Ausgabe von Gunhild Kübler, München 2006, S. 504.

Der Durchschimmrigkeit dritter Teil

Juli 8, 2024 § 2 Kommentare

Die während unserer ersten Reiseetappe im Vogelsberg gefeilten und dann abgezeichneten Holunderstücke nun in Überblendungen mit einer Zeichnung, die nach einem Referenzfotos eines Modells* auf instagram entstand. Wie immer mittels der App procreate im ipad realisiert.

Dank an @model_figura_art17.2

Die Technik

Februar 21, 2024 § 2 Kommentare

Ein Lexikon der Vorzeit, der Geschichtlichen Zeit und der Naturvölker.

KI, Neurotech, Bioscience, Robotik – alles Schlagworte der aktuellen Diskussion, die unmissverständlich zeigen, wohin die Reise geht mit dem Menschen. Indem wir uns zum Produkt unserer selbst machen und die Seele von zwei Seiten her in die Zange nehmen – wir setzen einerseits denkende Maschinen in Gang und fummeln andererseits immer tiefer in unserem Körper herum, der, nebenbei bemerkt, doch mal als Geschenk an uns gedacht war – aber dies wirklich nur ganz nebenbei bemerkt – indem wir uns also zu unserem eigenen Produkt machen gehen wir potentiell unserer Absatzmärkte verlustig. Wer soll uns denn noch wollen, wenn die Geister, die wir da gerade rufen, was besserer vorhaben? Gar keine Lust auf uns haben? Immerhin, ein bisschen Zeit ist ja noch. Zum Beispiel, sich zu beschäftigen mit so obsoleten Dingen wie der Technik von gestern und vorgestern, und Büchern aus Qualitätspapier, die nicht nur sorgfältig Gesetzt- und Gedrucktes stoisch ertragen sondern Anreicherungen vulgär bis frivolst-sinnlicher Art. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich manchmal an Tischen voller älterer, ausgesonderter Bücher vorbeigehe. Da blutet mir das Herz. Ich greife also gelegentlich beherzt zu und spendiere den ausrangierten Büchern ein zweites Leben. Aktuell dem von F. M. Feldhaus vorzüglich besorgten Lexikon „Die Technik“, Wiesbaden 1970 in unveränderter Sonderausgabe. Und dann stöbere ich ein wenig in Instagram. Wer da posiert, muss also nun immer damit rechnen, auf einer Buchseite zu landen. Was sich da behauptet – ein Körper oder bereits Gedrucktes in Text und Abbild – und ob sich beide vertragen, ergänzen, abstoßen, beißen und was sonst noch alles, ist stets neu zu verhandeln bzw. liegt im Auge des Betrachtenden. Technische Apparaturen und empfindende Körperwelten müssen jedenfalls schon mal lernen, sich zu vertragen, mindestens miteinander auszukommen. Ein paar Kostproben:

Margillustris (margo illustris)

Februar 4, 2024 § 7 Kommentare

In Bücher kritzeln – ein Akt bibliografischen Vandalismus‘ oder das Verfertigen von Marginalien? Als letzteres bezeichnet man Randbemerkungen in Manuskripten, vorzugsweise sehr alten, oder gedruckten Büchern. Es zeigt sich, wie so oft im Leben, dass wenn zwei das Gleiche tun, es noch lange nicht das Gleiche ist. In Abhängigkeit von Person und Alter. Bücher handschriftlich zu annotieren ist entweder Privatsache – zum Beispiel weil sich der Inhalt des Buches besser mit Bleistift in der Hand durcharbeiten und verstehen lässt – oder, handelt es sich um fremdes, gar öffentliches Eigentum, Vandalismus und als solcher zurecht verpönt. Bibliotheken können davon ein Lied singen. Freilich ein polyphones. War nämlich der Akt eines Bücherkritzlers ein als historisch zu bewertender Vorgang, oder ist die Person eine, wie man so sagt, des öffentlichen Interesses, sonnt sich die Bibliothek gerne im Glanze ihrer prominenten Nutzerinnen. Von Martin Luther beispielsweise haben sich persönliche Eintragungen zu Studienzwecken in Manuskripten erhalten, die er seinerzeit nur als Bibliotheksnutzer ausgeliehen hatte. Und anhand von Randbemerkungen in Büchern aus dem Besitz der Hohenzollern, heute im Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin, lassen sich Rückschlüsse über den Privatunterricht von Prinzen und Prinzessinen ziehen. Wen es interessiert. In mittelalterlichen Handschriften, auch in Inkunablen (Frühdrucken) finden sich gelegentlich nicht nur mehr oder weniger kluge Randbemerkungen. Auch kleine Bilder, Teufelchen, Kätzchen und anderes mehr findet sich dort. Im Grunde gut nachvollziehbar. Wer kennt nicht liebevolles Gestalten von Unterrichtsmaterialien als unterrichtsferne Tätigkeit aus der eigenen Schulzeit? Marginalien befeuern lange schon nicht nur einen eigenen Forschungszweig, sondern steigern den Wert von Buch- und Manuskriptobjekten im Auktionsgeschäft. (Für bekritzelte Schulbücher empfehle ich zur Wertsteigerung einen langen geschichtlichen Atem.) Mich fasziniert an Marginalien das Haptische (auch elektronische Texte lassen sich in diversen Literaturverarbeitungsapps mit Anmerkungen versehen – aber wo bliebe da der Zauber einer an Materie hängenden vergehenden Zeit?), vor allem aber die Gleichzeitigkeit von hoch und tief, oben und unten, Enge und Breite. Das meine ich kulturell, soziologisch und statistisch. Wenn sich einer (eine eher nicht) beim Lesen oder Schreiben eines mittelalterlichen Traktats von kulturell wertvoller, in der Regel die letzten Menschheitsdinge bearbeitenden Geistesarbeit erholte, dann entstand vielleicht nebenbei eine Kritzelei, gerne auch obszöner Art. Das ist dann das Niedere neben dem Hohen. Oder ein Lakai, Arbeiter, oder, wie man heute sagen würde: Dienstleister bekam ein solches Objekt in die Hände. Nicht um es zu lesen, sondern zu transportieren. Dann nutzte er vielleicht die Gunst der Stunde und klaute sich ein Stück vom Ewigkeitskuchen, indem er eine kleine Kritzelei hinterließ, unbemerkt natürlich. Fortan existieren die Sphären in friedlicher Eintracht nebeneinander und befeuern die Sehnsüchte späterer Generationen. Heutzutage erfreuen wir uns an solchen Funden. Und kämpfen mit den Folgen einer Digitalisierungswelle, die uns gedruckte Bücher in gigantischen Mengen als Ausschussware beschert. So kommt für mich eins zum anderen. Es verbindet sich meine Liebe zu Papier, Stift und bildnerischem Gestalten mit jeder Menge der Entsorgung übergebenen Objekten. Da sehe ich mich, nebenbei bemerkt, in der Tradition meines Vaters, der als Elektrobastler vor dem Herrn regelmäßig von Streifzügen über eine nahegelegene Müllkippe – es war die Zeit vor der Mülltrennung – mit brauchbaren Bauteilen von Elektrogeräten nach Hause kam. Was mir übrigens früh die Bedeutung von Nachhaltigkeit vor Augen führte. Kurz und gut, und jetzt komme ich endlich zum Punkt: ich bemale zeitvertreibenderweise gerne (auf gutes Papier) gedruckte Bücher. Ein Vermalprozess, gerne auch im Dienste anatomisch-figürlicher, instagrammatischer Studien. Dass die „Randnotiz“ dabei vom Rand ins Zentrum wandert, den Inhalt überlagernd statt kommentierend begleitet, sich im Grunde in einen höheren, visuellen Dialog begibt – das ist mein dilettantischer Beitrag zur Marginalie. Die Margillustris.

Gesamtausgezogenheit

November 15, 2023 § 15 Kommentare

Indem ich diese Worte schrieb, lag das schönste Mädchen, von seinen Blaßheiten umjubiliert, im schimmernden Prachtgewand entzückendster Gesamtausgezogenheiten auf dem Sofa meines Arbeitszimmers.

Robert Walser, Olympia

(Zwischen ausgezogen, angezogen und ungezogen changieren die Bedeutungen in verschiedenste Richtungen. Aber eine Gesamtausgezogenheit ist dann doch ein echter Walser, mithin ein starkes Stück…)

Haltung

Oktober 12, 2023 § 2 Kommentare

Das wichtigste am figürlichen Zeichnen sind ja nicht die Umrisse, sondern die Anordnung der körperlichen Glieder in Bezug auf den Schwerpunkt. Das freie und dennoch an die Gesetze der Schwerkraft gebundene Spiel der Gliedmaße bestimmt den Ausdruck. Haltung, Contenance, Dehnung, Stauchung, lässiges Pendeln – hier beginnt der Körper zu sprechen. So habe ich entgegen meiner häufig praktizierten Umrisszeichnung dieses Mal durch Umkreisen der Glieder eine allmähliche Annäherung an die Form gesucht. Dazu eignet sich der weiche Bleistift.

Wo bin ich?

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