Zum Inhalt springen

Nerses Akinian

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Nerses W. Akinian (auch Nersēs Akinean, armenisch Ներսես Ակինյան; * 10. September 1883 in Artvin; † 23. Oktober 1963 in Wien) war ein armenischer Kirchenhistoriker, Philologe und führender Vertreter der Armenistik.

Nerses Akinian wurde 1883 in der damaligen georgisch-türkischen Grenzregion als Sohn des Jakob Akinian und der Veronika Darmanian geboren und erhielt den Taufnamen Gabriel. Im Alter von zwölf Jahren verließ er im August 1895 seinen Heimatort Artvin gemeinsam mit seinem älteren Bruder Mihran und seinem Cousin Gregor in Richtung Wien, um in den Orden der Mechitaristen einzutreten. Mihran blieb im September in Istanbul zurück, Gregor erreichte gemeinsam mit Gabriel im Oktober Wien, kehrte aber schon wenig später in die Heimat zurück. Gabriel blieb in Wien, trat in den Orden ein und absolvierte seiner wissenschaftliche und theologische Ausbildung im Seminar der Mechitaristen sowie drei Jahre lang auch an der Universität Wien. Anschließend wurde er 1907 zum zölibatären Priester geweiht und erhielt den Namen Nerses.

Von 1907 bis 1910 war er Mitarbeiter bei dem Kunsthistoriker Josef Strzygowski, von 1908 bis 1911 Lehrer und stellvertretender Leiter des Wiener Mechitaristenseminars und 1916 bis 1920 Rektor des Seminars. Ab 1912 war er über 50 Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift Handes Amsoreay. Im Jahr 1920 wurde er zum Bibliothekar des Klosters ernannt, sodass er sich auf seine Forschungen zur altarmenischen Literatur und Geschichte konzentrieren konnte. Zahlreiche Forschungsreisen führten ihn in diverse europäische Länder und nach Armenien, wo er insbesondere Handschriften altarmenischer Literatur sammelte und studierte, sowie in die USA. Bei einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt in Armenien wurde er im April 1928 von den Sowjetbehörden inhaftiert und bis Februar 1929 in Gefangenschaft gehalten, ohne klar bekanntgemachten Grund, aber vermutlich wegen seiner seelsorgerischen Tätigkeit für die armenisch-katholischen Familien vor Ort. Bei einer Forschungsreise im östlichen Mittelmeerraum wurde er 1939 vom Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überrascht und musste die folgenden sieben Jahre im Libanon verbringen, wo er das Zentrum der Wiener Mechitaristen in Beirut leitete und an der Mechitaristenschule unterrichtete.

Seine zahlreichen Studien zur armenischen Literatur erschienen auf Deutsch, Englisch und Armenisch. Sie umfassen wissenschaftliche Untersuchungen, aber auch Editionen historischer Texte und Handschriftenkataloge. Für seine wissenschaftlichen Verdienste erhielt er am 30. Oktober 1954 die Ehrendoktorwürde der philosophischen Fakultät der Universität Wien.[1]

  • Vahan Inglisian: Ներսէս վրդ. Ակինեան. Իր յիսնամեայ գրական գործունէութեան առթիւ („P. Nerses Akinian anläßlich seiner fünfzigjähriger literarischen Tätigkeit“). Wien 1954 (mit Schriftenverzeichnis, S. 81–109)
  • Oriens Christianus. Band 49 (1965), S. 139
  • Mesrob K. Krikorian: Nerses Akinian (1883–1963): Ein großer Philologe und Armenologe. In: Günter Prinzing, Andrea B. Schmidt (Hrsg.): Das Lemberger Evangeliar. Eine armenische Bilderhandschrift (= Sprachen und Kulturen des Christlichen Ostens. Band 2). Reichert, Wiesbaden 1997, ISBN 3-88226-903-0, S. 171–177.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Archiv der Universität Wien, Senat S 226.20 (abgerufen am 18. September 2016)