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Iran

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Iran (persisch ايران, DMG Īrān, [ʔiːˈɾɒːn] , amtlich seit 1979 Islamische Republik Iran; auch der Iran; historisch als Exonym bis 1935 und teils darüber hinaus auch Persien) ist ein Staat in Vorderasien. Er wird im Norden vom Kaspischen Meer und im Süden durch den Persischen Golf begrenzt. Im Westen grenzt er an den Irak, im Nordwesten an die Türkei, Armenien und Aserbaidschan. Im Nordosten grenzt er an Turkmenistan, im Osten an Afghanistan und Pakistan.

Mit rund 90 Millionen Einwohnern (Stand 2024) und einer Fläche von etwa 1,65 Millionen Quadratkilometern zählt der Staat Iran zu den 20 bevölkerungsreichsten und größten Staaten der Erde. Seine Hauptstadt, zugleich seine größte Stadt und wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist Teheran mit 8,7 Millionen Einwohnern; weitere Städte mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern sind Maschhad, Isfahan, Karadsch, Schiras und Täbris.

Bereits in der Antike bildete das Perserreich eine bedeutende Zivilisation und spielte politisch und kulturell von der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. an die Rolle einer Großmacht, deren Einfluss von Nordindien bis Ägypten und Kleinasien reichte, zeitweise den ganzen Nahen Osten umfasste und in Konkurrenz zu Griechenland und Rom stand. In diesem Zusammenhang sind drei jeweils mit einer Reichsbildung verbundene Phasen iranischer Geschichte feststellbar: die des im 6. Jahrhundert v. Chr. entstehenden altpersischen Achämenidenreiches, des Partherreiches nach der hellenistischen Herrschaft und des neupersischen Sassanidenreiches, das bis zur arabischen Eroberung (Mitte 7. Jahrhundert n. Chr.) und der damit einsetzenden Islamisierung Irans bestand. Im Unterschied zu anderen Gebieten konnte sich Iran nach der arabischen Eroberung kulturell behaupten und hielt auch an der persischen Sprache fest. Nach dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert einten die Safawiden das Land um 1500 erneut und legten damit die Grundlagen für den bis heute bestehenden Staat, dessen Dynastien und Herrschaftssysteme mehrmals wechselten bis hin zur Pahlavi-Dynastie und der Islamischen Republik im 20. und 21. Jahrhundert.

Iran war im Unterschied zu den meisten Nachbarländern nie von europäischen Mächten kolonisiert, doch setzte Großbritannien Anfang des 20. Jahrhunderts die Ausbeutung iranischer Erdölvorkommen durch die britisch dominierte Anglo-Iranian Oil Company durch. Die Verstaatlichung der Ölindustrie durch die iranische Regierung führte 1953 zur Einmischung der Vereinigten Staaten von Amerika. Nach dem vom amerikanischen Geheimdienst CIA betriebenen Sturz des Premierministers Mohammed Mossadegh wurde sie rückgängig gemacht, und die Öleinnahmen gingen von da zur Hälfte an den Iran, zur anderen Hälfte an ein Konsortium hauptsächlich amerikanischer und britischer Firmen. Mit militärischer und finanzieller Unterstützung der USA errichtete Schah Mohammad Reza Pahlavi in Zeiten des aufkommenden Ost-West-Konflikts eine amerikafreundliche Diktatur, die bis zur Revolution von 1979 Bestand hatte. In dieser Phase entwickelten sich enge wirtschaftliche Beziehungen mit westlichen Ländern, und Iran wurde der zweitwichtigste Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland außerhalb Europas.

Seit der Durchsetzung islamistischer Kräfte in der Revolution von 1979 (daher „Islamische Revolution“) wird Iran von einem schiitischenobersten Führer“, zunächst von Ajatollah Ruhollah Chomeini und von 1989 bis 2026 von Ajatollah Ali Chamenei, wiederum autoritär geführt. Durch das Regime kommt es regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte. Es kontrolliert nahezu jeden Aspekt des täglichen Lebens im Hinblick auf religiöse und ideologische Konformität. Iran gilt daher als einer von wenigen totalitären Staaten.

Seit dem Regimewechsel 1979 wandelten sich die guten Beziehungen Irans zu westlichen Staaten in eine oft offene Feindschaft, die vor allem bezüglich der ehemals befreundeten USA und Israel auch in der Staatsideologie verankert wurde. Dennoch blieben wirtschaftliche Verbindungen zu westlichen Ländern teilweise bestehen. Vertieft haben sich die Beziehungen zu Russland und China, beispielsweise über die gemeinsame Mitgliedschaft in der SOZ. Mit beiden bestehen auch Militärkooperationen, und Iran unterstützt Russland im Ukrainekrieg.

Heute ist Iran in Vorderasien eine Regionalmacht und führt mit der sogenannten Achse des Widerstands eine inoffizielle Militärkoalition an, zu der Hamas, Hisbollah und Huthi gehören. In dieser Konstellation war das Land in mehrere Kriege gegen andere Regionalmächte wie Israel und Saudi-Arabien sowie die Vereinigten Staaten verwickelt, darunter der Zwölftagekrieg von 2025, der Krieg im Jemen, der Krieg in Israel und Gaza nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 und der Irankrieg 2026.

Durch seine Bodenschätze, vor allem das größte Erdgas- und das viertgrößte Erdölvorkommen der Erde, hat Iran großen Einfluss auf die Weltversorgung mit fossilen Energieträgern. Abgesehen davon befindet sich die iranische Wirtschaft, bedingt durch Ineffizienz, Korruption und westliche Sanktionen, in einer tiefen Krise.

Geographie

Iran bei Nacht

Iran besteht großteils aus hohem Gebirge und trockenen wüstenhaften Becken. Seine Lage zwischen dem Kaspischen Meer und der Straße von Hormus am Persischen Golf macht das Land zu einem Gebiet von hoher geostrategischer Bedeutung. Es grenzt an sieben Staaten: im Westen und Nordwesten an den Irak (Grenzlänge 1609 Kilometer), die Türkei (511 Kilometer), Aserbaidschan (800 Kilometer) und Armenien (48 Kilometer), im Nordosten und Osten an Turkmenistan (1205 Kilometer) sowie im Osten und Südosten an Afghanistan (945 Kilometer) und Pakistan (978 Kilometer).

Der nördlichste Punkt Irans liegt auf 39° 47′ nördlicher Breite und befindet sich etwa auf demselben Breitengrad wie Mallorca. Der südlichste Punkt liegt auf 25° nördlicher Breite und befindet sich etwa auf demselben Breitengrad wie Doha in Katar. Der westlichste Punkt liegt auf 44° 02′ östlicher Länge und damit etwa auf selber Länge wie die irakische Hauptstadt Bagdad. Der östlichste Punkt liegt auf 63° 20′ östlicher Länge und damit ungefähr auf selber Länge wie Herat in Afghanistan.

Relief (Oberflächenstruktur)

Blick über Teheran nach Norden ins Elburs-Gebirge, 2008

Etwa zwei Drittel des Territoriums Irans nimmt das Iranische Hochland ein, das seinerseits in eine Reihe verschiedener Becken zerfällt. Die Ausdehnung dieser Becken reicht von wenigen Quadratkilometer großen Bolsonen bis hin zu den riesigen Becken der Wüste Lut (130.000 km²) und der Salzwüste Dascht-e Kawir (200.000 km²). Die Becken liegen, je nach ihrer tektonischen Vorgeschichte, zwischen 200 m und 1500 m über dem Meeresspiegel. Die Becken sind voneinander durch Schwellen unterschiedlicher Höhe getrennt; einige setzen sich in Afghanistan und Pakistan fort.[6]

Das Hochland wird im Westen, Südwesten und Süden vom Zagros-Gebirge und dem Kuhrud begrenzt. Diese gewaltigen Faltengebirge bestehen aus mehreren nebeneinander in nordwest-südöstlicher Richtung verlaufenden Gebirgsketten, zwischen denen steile Täler liegen. Seine höchsten Gipfel sind der Zard Kuh (4221 m) und der Kuh-e-Dinar (4432 m). Der Zagros hat eine maximale Breite von 250 km und eine Länge von 1800 km (Makran-Ketten eingeschlossen) und zählt zu den größten geschlossenen Faltengebirgsmassiven der Welt. Der Norden Irans (Nordiran) wird durch mehrere Gebirge geprägt. Im Nordwesten dominiert der armenisch-aserbaidschanische Gebirgsknoten mit dem großen Becken des Urmiasees. Daran schließt sich das 1200 km lange, vom Talysch-Gebirge bis an die turkmenische Grenze reichende Elburs-Kopet-Dag-System an. Hier befindet sich der mit 5670 m höchste Berg des Nahen Ostens, der gletscherbedeckte ruhende Vulkan Damawand, wie auch der 4840 m hohe Alam-Kuh. Der Kopet-Dag ist ein mächtiges Faltengebirge auf der Grenze zum heutigen Staat Turkmenistan.[7] Die fast 6000 m Höhenunterschied vom Kaspischen Meer zum nur 60 km entfernten Damawand gehören zu den steilsten Anstiegen der Welt.

Es gibt nur wenige Tiefländer in Iran. Am südlichen Ufer des Kaspischen Meeres befindet sich ein 600 km langes, nur wenige Kilometer breites Küstentiefland. Östlich schließt sich die turkmenische Steppe an, westlich die Mugansteppe. Im Südwesten (Südwest-Iran, insbesondere die im Westen an den Irak und im Süden an den Persischen Golf grenzende Provinz Chuzestan bzw. die Region Chuzestan[8]) gehört ein kleiner Teil des mesopotamischen Tieflandes zu Iran, von dort verläuft ein schmaler und flacher unfruchtbarer Küstensaum entlang des Persischen Golfes.[9]

Geologische Beschaffenheit

Schneebedeckter Damawand, 2018

Iran liegt auf dem Alpidischen Gebirgsgürtel, zu dem allen voran das Zagros-Gebirge zählt. Das iranische Hochland hingegen besteht aus einem präkambrischen Schild, der als Erweiterung des Arabischen Schildes gilt. Aus Sicht der Plattentektonik war das Gebiet des heutigen Iran einstmals Teil von Gondwanaland, das sich in der späten Kreidezeit in seine heutige Position bewegt hat. Die Kollision mit der arabischen Platte hat zu starker vulkanischer und seismischer Aktivität geführt, in deren Zuge die Gebirgsbildung stattfand. Dies erklärt, warum die Gebirge Irans teilweise starke Merkmale der präkambrischen Gebirge aufweisen, und warum es keine Gebirge gibt, die zwischen Präkambrium und Trias entstanden wären. Die Sedimente sind in Zentral-Iran (von Zandschan bis Isfahan reichendes Zentralplateau, ein Wüsten- und Steppengebiet, an dessen Rändern wichtige Siedlungen liegen[10]) im Schnitt 3000 bis 4000 Meter dick, terrestrischen Ursprunges und homogen. Diese Sedimente lagern teils direkt auf dem präkambrischen Gestein, teils auf im Trias erodierten Landflächen.[11][12]

Die fortwährende Gebirgsbildung führt dazu, dass sich häufig Erdbeben in Iran ereignen. Speziell die 1600 km lange und 250 km breite Zagros-Verwerfungslinie ist seismisch extrem aktiv. Hier kommt es im Durchschnitt einmal jährlich zu stärkeren Erdbeben, die jedoch in der Regel keine katastrophischen Ausmaße annehmen. Die von Starkbeben häufig betroffenen Gebiete liegen entlang des „Iranischen Halbmondes“, eine Region entlang der Nord- und Ostgrenzen des Landes, von West-Aserbaidschan bis Makran. Hier befinden sich zahlreiche kleinere Störungen und Verwerfungen, die teils geologisch jung sind und sich durch unregelmäßig auftretende Beben auszeichnen. Perioden mit hoher Bebenzahl wechseln sich ab mit langen Ruhephasen. Die ohnehin schwierige Vorhersage von Erdbeben ist dadurch nicht möglich.

Als gefährdetste Gegend des Landes gilt die Region um Täbris, in der es bereits mehrmals besonders schwere Beben gab, letztmals im Jahr 2012. Es gibt Anzeichen, dass sich die Bebenaktivität zwischen Nordwesten und Osten abwechselt und dass momentan der Nordwesten eine Phase relativer Ruhe hat, dafür die Bebenaktivität im Osten ihren Höhepunkt erlebt.[13] Die letzten verheerenden Beben mit Tausenden Todesopfern ereigneten sich in Tabas (1978), Rascht (1990) und Bam (2003).

Wüste Dascht-e Lut, 2016

Böden

Auf dem Hochland Irans dominieren Kies- und Steinwüsten mit sterilen Wüstenböden, Sanddünen und saline Böden. In den Endbecken finden sich meist Salz- oder Gipskrusten, weitflächig findet man Serir- oder Hammada-Oberflächen, bei denen das Feinmaterial aufgrund der Vegetationsfreiheit ausgeweht wird. Der Humusanteil dieser Böden liegt meist unter 0,5 %.[14]

Zwischen den Bergketten vereinigen sich mehrere Bodentypen zu Catenen, die Talböden haben meist Füllmaterial aus Schwemmböden und braunen Steppenböden, dadurch erlauben sie landwirtschaftliche Nutzung. Im kaspischen Tiefland dominieren Schwemmböden, braune Wald- und Steppenböden, Regosole und Lithosole; in der Turkmenischen Steppe kommen Lössböden vor.[14]

Gewässer

Austrocknen des Urmiasees

Im Norden grenzt Iran auf einer Länge von 756 Kilometern an das Kaspische Meer, den größten See der Erde, gleichzeitig ein Endsee. Im Süden und Südwesten hat das Land eine 2045 Kilometer lange Küste zum Golf von Oman und zum Persischen Golf, die voneinander durch die Straße von Hormus getrennt sind. In dieser für den Transport von Erdöl wichtigen Meerenge bei Bandar Abbas liegen nahe der iranischen Küste die Insel Qeschm und die namensgebende kleine Insel Hormus. Die Entfernung vom iranischen Festland zur Arabischen Halbinsel (Oman und Vereinigte Arabische Emirate) beträgt hier kaum 50 Kilometer.

Es gibt etwa 1300 kurze, meist geradlinig verlaufende Flüsse, die die Nordflanken der Gebirge Talysch und Elburs entwässern und in das Kaspische Meer münden. Die größten sind Sefid Rud, Tschalus, Gorgan und Atrak.[15] Die wichtigsten Flüsse, die aus dem Zagros in Richtung des persischen Golfes fließen, sind Karun, Karche, Dez und Schatt al-Arab. Sie führen im Frühling am meisten Wasser und können an ihren Unterläufen verheerende Überschwemmungen verursachen. Im Sommer ist die Wasserführung am niedrigsten mit nur einem Zehntel jener des Frühlings.[16]

Zwei Drittel des Territoriums werden nicht in Richtung eines Meeres entwässert. In den ariden Becken des iranischen Hochlandes führt kaum ein Fluss ganzjährig Wasser, wie der Zayandeh Rud. Nach Niederschlägen fließt das Wasser durch Flüsse oder Bäche aus dem Gebirge und versickert dort meist in Schotterfeldern, seltener mündet es in Seen, die dann häufig salzhaltig sind. Zu solchen Seen gehören der Urmiasee, der Hamun-See, der Bachtegansee und der Maharlu-See.[17]

Die Schotter-, Kalk- und Sandsteinschichten im Untergrund bergen häufig Grundwasser. Deshalb gibt es in den gebirgigen Landesteilen zahlreiche Quellen, teils artesische Quellen.[18] Die Menschen machen sich bereits seit 800 v. Chr. mittels Qanaten das Grundwasser nutzbar. Früher wurden alle menschlichen Siedlungen im ariden Gebiet mithilfe von Qanaten mit Wasser versorgt.[19]

Seit den 1950er Jahren werden verstärkt Brunnen und Dämme gebaut, wobei das Absinken des See- und Grundwasserspiegels, die Erschöpfung von Wasservorräten und die Aufsedimentierung von Staubecken die Hauptprobleme für die Wasserversorgung der Zukunft darstellen.[20] Im Fokus von Umweltschützern ist vor allem der stark salzhaltige Urmiasee, der zeitweise Pelikanen und Flamingos als Lebensraum dient, jedoch von fortschreitender Austrocknung bedroht wird.[21] Die iranische Regierung hatte 2015 deshalb 900 Mio. $ für die Rettung des Sees freigegeben.[22]

Klima

Wüste Kawir (Satellitenfoto in Falschfarben)

Das Klima in Iran wird im Winter durch die Interaktion von Kaltluftströmungen aus Zentralasien und Sibirien einerseits und feuchtwarmen mediterranen Luftmassen andererseits beeinflusst. Im Sommer weht konstant nordöstlicher Passatwind aus dem trocken-heißen Zentralasien. Durch diese Wetterlagen und die geographischen Verhältnisse des Landes ist das Klima regional sehr unterschiedlich.

Die Bergregionen von Nord-Iran (mit den Provinzen Mazandaran und Gilan an der Südküste des Kaspischen Meeres) und West-Iran (bestehend unter anderem aus den Provinzen Kurdistan und Luristan)[23] erhalten durch feuchte Westströmungen im Spätherbst und Winter relativ viel Niederschlag, besonders an den Westhängen des Zagros. Mit zunehmender Höhe nimmt hier die Humidität zu. Die Höhenlage und die relative Meeresferne bedingen sehr kalte Winter und große Sommerhitze. Das iranische Hochland liegt im Regenschatten der Gebirge. Daher ist das Klima dort trocken bis dürr mit geringer Luftfeuchtigkeit und großen Schwankungen der jährlichen Niederschlagsmenge.

Die Temperaturen sind im Jahresmittel deutlich höher als in den Bergregionen, haben aber auch eine große Amplitude: extremer Hitze im Sommer, wo Werte über 45 °C keine Seltenheit sind, stehen zum Teil strenge Fröste im Winter gegenüber. Entlang der Golfküste und in Chuzestan herrscht nie Frost. Die Winter sind mild, die Sommer sehr heiß und oft schwül, die Luftfeuchtigkeit ganzjährig sehr hoch, Niederschläge fallen jedoch extrem selten. Das Klima des kaspischen Küstentieflandes unterscheidet sich grundlegend vom Rest des Landes. Die aus Nordost wehenden Winde laden sich über dem Kaspischen Meer mit Feuchtigkeit auf, stauen sich an den Bergmassiven und regnen dort ab. Somit ist diese Region ganzjährig humid bei teils sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Das Klima ist mild im Winter und warm im Sommer, die Extremtemperaturen sind gegenüber dem Hochland deutlich reduziert.

Zu den meteorologischen Besonderheiten gehören der mit großer Konstanz zwischen Mai und September wehende Nordwestwind der 120 Tage, der im Osten und Südosten Irans aufgrund seines hohen Staubanteils für Mensch und Vegetation äußerst ungünstig ist. Im Hochland, wo durch fehlende Vegetation lokale Luftdruckunterschiede markant sein können, sind regelmäßig Staubtromben beobachtbar.[24]

Klimadiagramme von Ramsar (am Kaspischen Meer), Täbris (Nordwesten), Isfahan (Hochland) und Bandar Abbas (Golfküste)
Klimadiagramm von Isfahan (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 2,7 5,5 10,4 15,7 21,3 27,1 29,4 27,9 23,5 16,9 9,9 4,4 16,3
Mittl. Tagesmax. (°C) 8,8 11,9 16,8 22,0 28,0 34,1 36,4 35,1 31,2 24,4 16,9 10,8 23,1
Mittl. Tagesmin. (°C) −2,4 −0,2 4,5 9,4 14,2 19,1 21,5 19,8 15,1 9,3 3,6 −0,9 9,5
Niederschlag (mm) 17,1 14,1 18,2 19,2 8,8 0,6 0,7 0,2 0,0 4,1 9,9 19,6 Σ 112,5
Sonnenstunden (h/d) 6,62 7,62 7,81 8,15 9,72 11,51 11,21 10,68 10,39 8,92 7,54 6,70 8,9
Regentage (d) 4,0 2,9 3,8 3,5 2,0 0,2 0,3 0,1 0,0 0,8 2,2 3,7 Σ 23,5
Luftfeuchtigkeit (%) 60 51 43 39 33 23 23 24 26 36 48 57 38,5
T
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t
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8,8
−2,4
11,9
−0,2
16,8
4,5
22,0
9,4
28,0
14,2
34,1
19,1
36,4
21,5
35,1
19,8
31,2
15,1
24,4
9,3
16,9
3,6
10,8
−0,9
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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g
17,1
14,1
18,2
19,2
8,8
0,6
0,7
0,2
0,0
4,1
9,9
19,6
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Klimadiagramm von Bandar Abbas (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 18,1 19,4 23,1 26,8 31,2 33,7 34,4 34,0 32,5 29,6 24,3 19,7 27,3
Mittl. Tagesmax. (°C) 23,5 24,4 27,7 31,6 36,3 38,4 38,2 37,7 36,8 35 30,4 25,5 32,2
Mittl. Tagesmin. (°C) 12,1 14 17,5 20,9 24,7 28 30,3 30,1 27,7 23,5 18 13,5 21,7
Niederschlag (mm) 39,7 47,5 34,8 10,7 4,8 0,0 0,6 2,2 0,8 1,3 5,0 24,0 Σ 171,4
Sonnenstunden (h/d) 7,10 7,57 7,25 8,08 10,09 10,07 8,54 8,71 9,00 9,14 8,37 7,38 8,4
Regentage (d) 3,3 3,1 2,6 1,3 0,2 0 0,1 0,2 0,1 0,1 0,4 2,3 Σ 13,7
Luftfeuchtigkeit (%) 64 68 67 64 61 64 68 69 67 64 61 63 65
T
e
m
p
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r
a
t
u
r
23,5
12,1
24,4
14
27,7
17,5
31,6
20,9
36,3
24,7
38,4
28
38,2
30,3
37,7
30,1
36,8
27,7
35
23,5
30,4
18
25,5
13,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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39,7
47,5
34,8
10,7
4,8
0,0
0,6
2,2
0,8
1,3
5,0
24,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Klimadiagramm von Täbris (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) −3,2 −0,8 4,9 10,9 16,5 21,9 26,0 25,3 21,1 13,5 6,5 0,3 12
Mittl. Tagesmax. (°C) 1,2 3,8 10,1 16,5 22,5 28,6 32,9 32,3 28,2 19,9 12,1 4,9 17,8
Mittl. Tagesmin. (°C) −6,6 −4,5 0,3 5,7 10,6 15,2 19,6 19,0 14,3 8,0 2,1 −3,0 6,8
Niederschlag (mm) 25,8 25,3 47,0 53,6 41,9 18,1 3,2 4,4 9,4 28,4 28,0 26,0 Σ 311,1
Sonnenstunden (h/d) 3,95 4,92 5,57 6,51 8,61 11,25 11,44 10,81 10,07 7,36 5,83 4,14 7,5
Luftfeuchtigkeit (%) 72 70 63 57 51 40 34 35 37 51 64 71 53,7
T
e
m
p
e
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a
t
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r
1,2
−6,6
3,8
−4,5
10,1
0,3
16,5
5,7
22,5
10,6
28,6
15,2
32,9
19,6
32,3
19,0
28,2
14,3
19,9
8,0
12,1
2,1
4,9
−3,0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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25,8
25,3
47,0
53,6
41,9
18,1
3,2
4,4
9,4
28,4
28,0
26,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Klimadiagramm von Ramsar (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Temperatur (°C) 6,9 6,9 8,7 13,1 18,3 22,6 25,2 24,8 22,3 17,7 13,4 9,4 15,8
Mittl. Tagesmax. (°C) 10,8 10,3 11,7 16,5 21,5 25,9 28,6 28,3 25,7 21,3 17,4 13,5 19,3
Mittl. Tagesmin. (°C) 3,4 3,7 5,9 9,8 14,7 18,8 21,4 21,3 19,0 14,5 9,8 5,7 12,4
Niederschlag (mm) 86,5 73,7 85,6 46,9 47,6 51,0 36,4 77,5 152,5 273,1 172,9 124,9 Σ 1.228,6
Sonnenstunden (h/d) 3,59 3,53 2,71 3,98 5,22 6,23 5,91 5,15 3,98 3,51 3,67 3,10 4,2
Regentage (d) 9,0 8,7 11,0 8,3 7,3 4,9 3,9 6,6 8,6 11,6 9,2 8,8 Σ 97,9
Luftfeuchtigkeit (%) 84 85 88 86 85 81 79 82 84 86 86 85 84,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
10,8
3,4
10,3
3,7
11,7
5,9
16,5
9,8
21,5
14,7
25,9
18,8
28,6
21,4
28,3
21,3
25,7
19,0
21,3
14,5
17,4
9,8
13,5
5,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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86,5
73,7
85,6
46,9
47,6
51,0
36,4
77,5
152,5
273,1
172,9
124,9
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Flora und Vegetation

Landschaft in Mazandaran, 2014

Die natürliche Vegetation Irans ist durch jahrhundertelange Nutzung durch den Menschen weitgehend zerstört. Sie lässt sich in Abhängigkeit von geographischen Faktoren in vier Zonen einteilen. Die Wüsten und Halbwüsten haben, wo der Boden nicht ganz steril ist, ein Pflanzenkleid, das meist weniger als ein Drittel des Bodens bedeckt. Es besteht aus Wermutsträuchern, Rheum ribes, verschiedenen Tragant-Arten, Dorema Ammoniacum, der begehrten Futterpflanze Prosopis farcta und dem Gehölz Zygophyllum atriplicoides. Gräser sind wegen Überweidung selten anzutreffen, zur natürlichen Flora gehören Federgräser und Stipagrostis-Arten.[29]

In den Trockenwäldern des Landes, die den Zagros und andere Gebirge bedecken, kommen verschiedene Eichen, Ahorne, Hainbuchen, kälteresistente Wacholder, Eschen, Paliurus, Oleander und Myrten vor; unter den Sträuchern dominieren Granatapfelsträucher, Weißdorne, Zwergmispeln, Prunus-Arten und Rosengewächse. Mit zunehmender Trockenheit, besonders an den Berghängen im Hochland Irans, gehen die Trockenwälder in sehr lichte Bergmandel-Pistazien-Baumfluren über, in denen auch besonders an Trockenheit angepasste Ziziphus-, Akazien- und sukkulente Arten vorkommen. Für Belutschistan ist die Zwergfächerpalme typisch; der Boden wird in den Trockenwäldern wiederum von Tragant- und Wermutpflanzen bedeckt.[29]

Zwischen dem Elburs-Gebirge und dem Kaspischen Meer finden sich die einzigen Feuchtwälder Irans, sie werden biogeographisch als Hyrcanischer Wald oder Kaspischer Wald bezeichnet. Sie sind äußerst artenreich und neigen wegen ihrer Schlingpflanzen zur Undurchdringlichkeit. Zur Flora dieser Wälder gehören Bäume wie die Kastanienblättrige Eiche, der Eisenbaum, Ulmen, Buchen, Ahorne, Buchsbäume oder Brombeeren; zahlreiche der Arten sind in der Region endemisch; die Urwälder der Orient-Buche haben sich in dieser Ausdehnung nur im äußersten Osten des Buchenareals erhalten.[30] In Sonderlagen findet man auch Zypressenwälder.[29] Die Hyrcanischen Wälder sind ein Hotspot im Rahmen des CBD-Prozesses (Übereinkommen über die biologische Vielfalt). Das Parrotia-Projekt Irans, des deutschen Bundesamtes für Naturschutz und der Michael-Succow-Stiftung soll zur Anerkennung der Hyrcanischen Wälder als Weltnaturerbe der UNESCO und zu einem nachhaltigen Schutz- und Nutzungskonzept führen.[31]

Sonderformen von Vegetation befinden sich beispielsweise in den Endbecken, wo halophytische Marsch- und Sumpfpflanzen gedeihen. Entlang der Flüsse findet man teilweise Galeriewald aus Weiden und Pappeln. In den Sanddünen existieren Bestände von Saxaul, Calligonum-Arten und Tamariskengewächsen.[29]

Tierwelt

Die Tierwelt in Iran ist sehr vielfältig und spiegelt die verschiedenen Vegetationszonen und die geographische Lage des Landes wider. Zur Großtierfauna zählen Steppen- und Halbwüstenbewohner wie Gazellen und Halbesel ebenso wie Wildschafe und Wildziegen als typische Gebirgstiere, aber auch Stachelschweine. In den Wäldern des Landes kommen Rothirsche vor. Einige Braunbären, Geparde, Luchse und Leoparden halten sich noch in entlegenen Gegenden, der Kaspische Tiger und der persische Löwe wurden in Iran dagegen ausgerottet. Hyänen, Schakale und Füchse übernehmen eine wichtige natürliche Hygienefunktion. An der Südküste des Kaspischen Meeres gibt es Lagunen mit sehr hoher Vielfalt an Vogelarten, im Landesinneren kommen Fasane, Chukarhühner und Steppenhühner vor, die auch bejagt werden. Zu den iranischen Greifvogelarten gehören Steinadler, Falken, Bartgeier und Gänsegeier.[32] Die einzige in Iran endemische Vogelart ist der Pleskehäher.[33] Die Fischerei an der Küste des Kaspischen Meeres ist von hoher wirtschaftlicher Bedeutung, befischt wird vor allem der Stör für die Gewinnung von Kaviar. Darüber hinaus werden Meeräschen und Weißfische gefangen. In den kalten Bergbächen von Albors und Zagros werden auch Forellen gefischt. Ein erstaunliches Phänomen ist das natürliche Vorkommen kleiner Fische in den Qanaten der Wüstengegenden.[32]

Iran verfügt über mehrere Schutzgebiete, wie das Arasbaran-Schutzgebiet, das Touran-Schutzgebiet, den Golestan-Nationalpark und den Kawir-Nationalpark. Auf einer Insel im Urmiasee wurde eine Population des Mesopotamischen Damhirschs angesiedelt, der in freier Wildbahn ausgestorben war.

Umweltproblematik

Luftverschmutzung beim Blick auf Teheran vom Totschal, 2013

Die beschleunigte Industrialisierung Irans hat zu einer umfassenden Luftverschmutzung in Teheran und anderen großen Städten geführt. Eine weitere Folge ist der enorme Anstieg des Energieverbrauchs.[34] Iran zählt zu den energieintensivsten Ländern der Welt. Dies ist einerseits auf das Fehlen fortschrittlicher Infrastrukturen sowie staatlicher Subventionen an Energieträger und andererseits auf ein ineffizientes Konsumverhalten der Bevölkerung zurückzuführen.[34]

Wie das iranische Gesundheitsministerium 2010 bekannt gab, ist die Luftverschmutzung mittlerweile so gravierend, dass sich der Anteil der Menschen, die sich mit schweren Atembeschwerden in die Notaufnahmen der Krankenhäuser begeben, um 19 % erhöht hat.[35] So waren in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 mindestens 3600 Menschen allein in Teheran an den Folgen der Luftverschmutzung verstorben.[36]

Die damalige Gesundheitsministerin, Marsieh Wahid Dastdscherdi, berichtete zudem, dass die iranische Regierung außer der Schließung von Organisationen und Schulen keine anderen Lösungen bereit halte, um die Umweltprobleme der großen Städte anzugehen.[35] Im Gegensatz zum Gesundheitsministerium scheint die iranische Regierung weniger Bedenken zu haben. Diese fördert unaufhörlich, auch wegen ihrer eigenen Eigentumsanteile an der inländischen Automobilindustrie, die Pkw-Verkaufszahlen; so prägen allein in Teheran mittlerweile über 3,5 Millionen Fahrzeuge das Straßenbild.[36]

Das iranische Atomprogramm verursacht ebenfalls ernsthafte Probleme in den die Atomanlagen umgebenden Gebieten, einschließlich Wasserquellen, Flora und Fauna.[37] Darüber hinaus wird die regionale Lage mehrerer Atomanlagen als beunruhigend eingeschätzt. Das Kernkraftwerk Buschehr, das im November 2010 in Betrieb genommen wurde, befindet sich zum Beispiel in einem seismisch bedrohten Areal.[38] Es wurde genau auf der Kreuzung von drei Kontinentalplatten (der arabischen, der afrikanischen und der eurasischen) erbaut. Experten argumentieren, dass ein Erdbeben am und im Gebäude Schäden hinterlassen könnte, die dem Ausmaß der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl entsprechen würden.[38] Der kuwaitische Geologe Dschasem al-Awadi warnte, dass die strahlenden Lecks eine ernsthafte Bedrohung für die Golfregion, insbesondere Kuwait, das 276 km von Buschehr entfernt ist, darstellen würden.[38]

Die Islamische Republik Iran sandte zwar eine Delegation unter der Leitung des damaligen Präsidenten, Mahmud Ahmadineschad, zur Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung im Jahr 2012 in Rio de Janeiro.[39][40] Die iranische Teilnahme sah sich jedoch der Kritik ausgesetzt, dass sich Iran nicht ernsthaft mit seinen Umweltproblemen befassen wolle.[41]

Aufgrund der Wirtschaftssanktionen des Westens gegen Iran wird am ideologisierten Ziel der Selbstversorgung festgehalten. Dabei wird der größte Teil des verfügbaren Wassers im trockenen Land in einer vergleichsweise ineffizienten Ackerwirtschaft eingesetzt. Das Bewusstsein für die katastrophalen Auswirkungen von Flussumleitungen hat sich zwar verstärkt, und Aktivisten durften im Jahr 2017 die Regierung öffentlich im Fernsehen kritisieren, doch existiert eine einflussreiche Lobby der Bauwirtschaft, die an derartigen Projekten interessiert sind. Kaveh Madani, vom September 2017 bis Januar 2018 stellvertretender Leiter des iranischen Umweltministeriums, prägte den Begriff vom „iranischen Wasserbankrott“.[42]

Städte

Rekonstruktion von Persepolis durch Charles Chipiez (1884)

Bereits in der Antike gab es im heutigen Iran städtische Siedlungen. Von vielen der frühen Städte, wie Susa, Bischapur oder den Residenzstädten Pasargadae und Persepolis, sind Ruinen erhalten, andere sind spurlos verschwunden. Typisch für Iran ist, dass die Städte außerhalb der Regionen mit genügend Niederschlag entlang der Handelswege entstanden sind, etwa entlang der Linie ZandschanQazvinTeheranSemnanDamghanMaschhadHerat oder YazdKerman. Im Süden des Landes und in Südost-Iran (vor allem die nördlich des Persischen Golfs und im Osten an Pakistan und Afghanistan grenzenden Provinzen Kerman, Sistan und Belutschistan bezeichnend[43]) war die Stadtentwicklung am geringsten ausgeprägt. Für die Standortwahl war immer die Nähe zu Wasserquellen, die man mit Hilfe von Qanaten nutzbar machen konnte, entscheidend. An Orten, die leicht zu verteidigen gewesen wären, bauten die Iraner hingegen fast nie.[44] Die typische persische Stadt in islamischer Zeit hatte den Basar und die Freitagsmoschee als Zentrum, darum lagen Karawansereien und Wohnviertel; all dies war von Stadtmauern und befestigten Toren umschlossen.[45]

Die Urbanisierung begann sich in Teheran bereits im 19. Jahrhundert, im Rest des Landes in den 1920er Jahren zu beschleunigen; das größte Wachstum verzeichneten Teheran und die Städte rund um Teheran. Die Stadtmauern wurden versetzt oder abgerissen, breite Straßen und neue Wohnviertel gebaut. Durch zentralstaatliche Vorgaben für diese Umgestaltungen erhielten iranische Städte ein relativ uniformes Stadtbild. Die neuen Viertel und die neu errichtete Infrastruktur folgten in der Regel westlichen Konzepten von Stadtplanung und Architektur. Auch der Kontrast zwischen Arm und Reich spiegelte sich nun im Stadtbild, was zuvor kein Merkmal persischer Städte gewesen war. Bis in die 1970er Jahre verkamen die historischen Stadtzentren, erst die hohen Einnahmen aus der Erdölförderung und das gestiegene Bewusstsein für die Wichtigkeit des architektonischen Kulturerbes führten ab 1973 zu Sanierungsprogrammen. Nach der Islamischen Revolution wuchsen die Städte weiter, zuletzt hat sich dieser Trend jedoch abgeschwächt.[45]

2023 lebten 77 Prozent der Einwohner Irans in Städten.[46] Im Jahr 1960 betrug die Urbanisierungsrate noch 33,9 %. In den letzten Jahrzehnten schritt die Urbanisierung des Landes aufgrund der weitverbreiteten Landflucht rasant voran.[47]

Die Volkszählung des Jahres 2011 ergab, dass es in Iran acht Millionenstädte gibt:[48]

Bevölkerung

Demografie

Bevölkerungsentwicklung in Millionen Einwohnern[49]
Bevölkerungsdichte je Quadratkilometer
Bevölkerungspyramide Irans

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Iran weniger als 12 Millionen Einwohner, von denen 25 bis 30 % nomadisch lebten und nur 15 % in Städten.[50] Im Jahr 1976 hatte der Staat 33,7 Millionen und 2016 laut Volkszählung knapp 80 Millionen Einwohner. 1956 lebte etwa ein Drittel der gesamten Bevölkerung in Städten, 1976 knapp die Hälfte und 2020 drei Viertel.[51] Heute (Stand 2026) wird die Einwohnerzahl auf rund 90 Millionen geschätzt.

Ursache des starken Bevölkerungswachstums war vor allem die deutlich gestiegene Lebenserwartung: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Menschen im Schnitt knapp 30 Jahre alt und die Kindersterblichkeit lag bei 50 %.[50] Die Lebenserwartung der Einwohner Irans ab der Geburt lag 2020 bei 74,8 Jahren[52] (Frauen: 77,8[53], Männer: 72,1[54]). Außerdem verharrte die Geburtenrate lange auf sehr hohem Niveau: im Jahr 1956 bei durchschnittlich 7,9 Kindern und im Jahr 1986 bei 6,39 Kindern pro Frau.[55] Doch ist sie seither stark gesunken. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,7.[56] Nur in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen schnelleren Rückgang der Fertilität.[57] So hat sich das Bevölkerungswachstum in Iran verlangsamt; im Jahr 2023 betrug es noch 0,7 %.[58]

Diese Bevölkerungsentwicklung mündete in einer im Durchschnitt zwar nach wie vor sehr jungen, aber stetig alternden Bevölkerung. Während der Median des Alters der Bevölkerung im Jahr 1975 noch bei 18,6 Jahren lag, betrug er im Jahr 2021 schon 31,9 Jahre.[59] Seit 1976 stieg die Anzahl der Haushalte überproportional: Die durchschnittliche Größe eines iranischen Haushaltes sank von fünf Personen im Jahr 1976 auf 3,5 Personen im Jahr 2011.[60]

Iran hat heute eine Einwohnerzahl, die etwa jener Deutschlands entspricht, die sich auf ein viereinhalb Mal so großes Territorium verteilt, das jedoch zahlreiche weitgehend unbewohnte wüstenhafte Gebiete einschließt. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 46 Einwohner/km². Die Verteilung der Einwohner ist sehr ungleichmäßig. Die Gebiete, die hinsichtlich ihrer Klima- und Umweltbedingungen bevorzugt sind, weisen eine sehr hohe Bevölkerungsdichte auf, etwa die Provinzen am Kaspischen Meer (Gilan und Mazandaran mit 177 bzw. 129 Einwohner/km²) und entlang des Alborz (Provinzen Teheran und Alborz mit 890 bzw. 471 Einwohner/km²). Demgegenüber sind die von Wüsten geprägten Landstriche äußerst dünn oder gar nicht besiedelt: In Semnan, Süd-Chorasan und Yazd leben nur 6, 7 bzw. 8 Menschen auf einem Quadratkilometer.[60][61]

Migration

2014 wurde geschätzt, dass vier Millionen iranischstämmige Menschen außerhalb der Islamischen Republik Iran lebten;[62] im Jahr 2010 lebten etwa 1,3 Millionen iranische Staatsangehörige, etwa 1,7 % der Bevölkerung, außerhalb des Landes. Zu den wichtigsten Zielstaaten iranischer Auswanderer gehören die USA, Kanada, die nördlichen EU-Staaten, Israel (für iranische Juden) und die reichen Anrainerstaaten des persischen Golfes wie Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.[63] Die heimatverbundene iranische Diaspora ist über persischsprachige Radio- und Fernsehsender sowie Blogs zudem wichtiger Bestandteil der Meinungsbildung der iranischen Bevölkerung.[64] Die Emigration erfolgte einerseits zu Zeiten der Schah-Herrschaft, andererseits seit der Errichtung der Islamischen Republik meist in Opposition zu der jeweils herrschenden Staatsdoktrin und wegen der unterdrückerischen Züge der Politik beider Regime. Es handelte sich in der Regel nicht um Armutsmigration benachteiligter ärmerer Bevölkerungsschichten. Da unter den Auswanderern viele gut ausgebildete junge Menschen sind, scheinen die Verluste durch Emigration für die iranische Wirtschaft massiv: Jährlich sollen rund 50 Milliarden US-Dollar durch Talentabwanderung verlorengehen.[65] Die aus dem Exil jährlich in die Islamische Republik zurückfließenden Gelder summieren sich auf etwa 1,1 Milliarden US-Dollar.[63]

Iran ist auch Ziel von Einwanderung. Die Volkszählung von 2011 ergab, dass nahezu 1,7 Millionen Ausländer in Iran lebten,[60] knapp die Hälfte waren Flüchtlinge.[63] Der Großteil der Ausländer (1,45 Millionen) kam aus Afghanistan.[60] Afghanen migrieren bereits seit mehreren Jahrzehnten nach Iran, einerseits als Arbeitsmigranten, jedoch seit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan (1979) und den nachfolgenden Kriegen immer öfter als Flüchtlinge. Da viele Afghanen eine Variante des Persischen sprechen und auch einen ähnlichen kulturellen und religiösen Hintergrund haben, fällt es ihnen vergleichsweise leicht, sich in Iran zu integrieren und sich bei Volkszählungen als Perser einzutragen. Somit könnte die tatsächliche Zahl der Afghanen in Iran höher liegen, als die oben genannten Werte angeben. Gleichwohl sehen sich Afghanen in Iran Diskriminierungen ausgesetzt.[66] Neben den Afghanen leben etwa 50.000 Iraker und 17.000 Pakistaner in Iran. Weitere Herkunftsländer von Immigranten sind Aserbaidschan, die Türkei, Armenien und Turkmenistan.[63][67]

Bevölkerungsstruktur

Neben ethnischen Persern leben in Iran zahlreiche andere Völker, die ihre eigene sprachliche und kulturelle Identität besitzen. Die Amtssprache ist Persisch. Die größten ethnischen Gruppen nach den Persern sind Aserbaidschaner, Kurden und Luren. Die Völker in Iran verfügen über lange Traditionen in Kunsthandwerk, Architektur, Musik, Kalligraphie und Poesie; im Land befinden sich zahlreiche Stätten des UNESCO-Welterbes.

Die vermittelnde Lage Irans zwischen Zentralasien, Kleinasien, Arabien und dem indischen Subkontinent hat zu einer hohen ethnischen Vielfalt geführt. Indogermanische Gruppen wanderten vermutlich vom Norden her in das iranische Hochland ein und erreichten den Zagros zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. Die Meder waren das erste iranische Volk, das ein stabiles Reich auf iranischem Territorium errichtete.[68] Nach der Eroberung Irans durch die Araber im 7. Jahrhundert n. Chr. ließen sich Araber im ganzen Land nieder und vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung; viele iranische Familien können ihre arabische Herkunft anhand ihrer Namen nachweisen.[69] Im 11. Jahrhundert begannen türkische Stämme in immer neuen Schüben nach Iran einzuwandern. Sie prägten vor allem mit ihrer nomadischen Lebensweise weite Landstriche Irans bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie siedelten vor allem im Nordwesten des Landes, in dem das Klima für die nomadische Viehzucht am geeignetsten ist.[70] Trotz des massiven ethnografischen Einflusses von Arabern und Turkstämmen bewahrte Iran einen großen Teil seiner kulturellen Eigenheit, insbesondere seine Sprache. Er wurde nicht wie die meisten anderen von Arabern eroberten Gebiete überwiegend arabisiert.

Die Völker indogermanischen Ursprungs dominieren das Land heute zahlenmäßig. Zwischen 60 und 65 % der Bevölkerung zählen sich zum Volk der Perser; das iranische Hochland ist fast ausschließlich von ihnen besiedelt. Westlich des persischen Siedlungsgebietes leben Kurden, die 7 bis 10 % der iranischen Bevölkerung ausmachen, eine dem Persischen verwandte Sprache sprechen und größtenteils dem sunnitischen Islam anhängen, und die überwiegend schiitischen Luren (6 % der Bevölkerung Irans). Im Osten Irans leben die ebenfalls sunnitischen Belutschen, die 2 % der Bevölkerung bilden. Kleinere indogermanische Völker sind zum Beispiel die Bachtiaren.

Zu den turksprachigen Völkern Irans gehören die zumeist schiitischen Aserbaidschaner (persisch Azeri), die 17 bis 21 % der Bevölkerung Irans ausmachen und im Nordwesten des Landes leben. Die meist sunnitischen Turkmenen bewohnen die nördlichen Steppengebiete, darüber hinaus gibt es zahlreiche über das ganze Land verstreute Inseln türkischstämmiger Bevölkerungen, zu denen auch die Qaschqai gehören.

Die Araber in Iran leben im Südwesten an der Grenze zum Irak; sie machen etwa 2 bis 3 % der Gesamtbevölkerung aus. In Iran lebt außerdem eine große Zahl sehr kleiner Ethnien, die schon vor der Ankunft der Perser in Iran siedelten (wie die Assyrer) oder in mehreren Wellen, teils vor Jahrhunderten, ins Land gekommen sind (Armenier).[71][72][73]

Die verfügbaren Zahlen zur ethnischen Zusammensetzung der iranischen Bevölkerung variieren stark, weil seitens des iranischen Staates diesbezüglich keine Daten ermittelt werden.[74] Nicht zuletzt führen die heute zur Normalität gehörenden Mischehen zwischen Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen zu einer gewissen Verwischung der ethnischen Grenzen.[75] Es kann davon ausgegangen werden, dass auch sprachlich die Zuordnung zu ursprünglichen Ethnien nicht immer möglich ist, da inzwischen weite Teile der Minderheiten vor allem sprachlich an die persische Mehrheitskultur assimiliert sind.

Sprachen

Relief mit mittelpersischen Inschriften (Pahlavi) Schapurs II. und Schapurs III., Taq-e Bostan, Kermanschah

Im Vielvölkerstaat Iran werden verschiedene Sprachen gesprochen. Die Amtssprache ist Persisch. Dieses gehört zur Familie der indogermanischen Sprachen und dort zum indoiranischen Zweig und hat somit keine gemeinsamen Wurzeln mit dem zu den semitischen Sprachen zählenden Arabisch, wenngleich Persisch seit der Islamisierung des Landes zum Ende der Spätantike zahlreiche Lehnwörter aus diesem übernommen hat und mit einem vom Arabischen abgeleiteten Alphabet geschrieben wird. Persisch wird von mehr als der Hälfte der Iraner als Erstsprache gesprochen (ca. 53 %); auf dem Iranischen Hochland sprechen fast alle Einwohner Persisch. Als Mutter- oder Zweitsprache beherrschten im Jahr 2000 85 % der Iraner Persisch, weitere 5 % konnten es verstehen, und nur 10 % beherrschten es überhaupt nicht. Noch in den 1930er Jahren konnten sich Angehörige jeder Ethnie häufig nur in ihrer eigenen Sprache verständigen; zum Militär eingezogene Rekruten mussten daher zunächst ein halbes Jahr Persisch lernen.[74][76][77]

Die Bevölkerungsteile, deren Muttersprache nicht Persisch ist, gehören verschiedenen Sprachgruppen an, die vor allem in der Peripherie entlang der Grenzen des Landes leben. Zu den Minderheitensprachen zählen solche, die mit dem Persischen verwandt sind wie Kurdisch, Mazandaranisch, Gilaki, Paschtunisch, Lurisch, Bachtiarisch, Belutschisch und Talisch. Zu in Iran gesprochenen Dialekten des Persischen gehören Bandari,[78] Sistani und Chuzi (in der südiranischen Provinz Fars). Auch dardische Dialekte wie Kohestani werden gesprochen.[79] Somit sprechen insgesamt ca. 70 % der Iraner eine indoiranische Sprache.

Turksprachen werden je nach Quelle von circa 18 bis 27 % der Iraner gesprochen, die vor allem im Nordwesten des Landes und im Nordosten (mit der größten Provinz Chorasan) leben. Zu dieser Sprachgruppe gehören Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Kaschgaisch, Chorasan-Türkisch und Afscharisch.

Semitisch (d. h. hier Arabisch) wird von etwa 2 % der iranischen Bevölkerung gesprochen. Als Sprache des Korans wird das Arabische von allen Kindern in der Schule, meist als erste Fremdsprache, erlernt, zumindest um Lesekenntnisse zu erwerben. Da Mehrsprachigkeit bei Iranern heutzutage eine Selbstverständlichkeit ist, liegen zur genauen Verteilung der Sprecher auf die vielen verschiedenen Sprachen sehr divergierende Zahlen vor.[74][77]

Das Persische ist in der iranischen Verfassung als alleinige Amts- und Bildungssprache festgelegt. Es ist jedoch erlaubt, die Minderheitensprachen neben dem Persischen an den Schulen zu unterrichten. Englisch ist nach dem Arabischen die zweite Fremdsprache, die an den Schulen unterrichtet wird. Auch Deutsch und Französisch werden an einigen Schulen als weitere Fremdsprachen gelehrt.

In den folgenden Karten wird auf die Zahl der Muttersprachler der jeweiligen Sprachen Bezug genommen. Zweit- oder Drittsprachler werden auf den Karten nicht berücksichtigt.[74]

Religion

Scheich-Lotfollāh-Moschee, Isfahan
Zoroastrischer Feuertempel, Yazd
Armenisch-Apostolische Vank-Kathedrale, Isfahan
Jüdisches Mausoleum von Esther, der Frau Xerxes I., und Mordechai in Hamadan

Trotz Modernisierung und einer 50 Jahre dauernden Säkularisierung unter den Pahlavi ist die Islamische Republik Iran heute ein Staat, in dem die Religion fast jeden Aspekt des sozialen Lebens durchdringt.[80] Die Abkehr vom Islam (selbst eine Konversion zum sunnitischen Islam wird so gewertet) kann mit dem Tode bestraft werden.[81] Offiziell (Volkszählung 2011) sind 99,4 % der Bürger Irans Muslime.[82] 2006 wurde geschätzt, dass sich 89 % bis 95 % der Iraner der Staatsreligion der Zwölfer-Schia und 4 % bis 10 % dem sunnitischen Islam zuordnen.[77] Zoroastrier, Juden und Christen werden offiziell als religiöse Minderheiten anerkannt. Nicht anerkannt wird in der Islamischen Republik Iran die zahlenmäßig größte nichtmuslimische Religionsgemeinschaft der Bahai, obwohl sie in Persien, dem heutigen Iran, entstand.[83][84] Nicht-religiöse Iraner werden von der Regierung offiziell nicht als solche erfasst. Um viele staatsbürgerliche Rechte wahrnehmen zu können, muss man sich zu einer der vier anerkannten Religionen bekennen.[85] Im Jahr 2024 erhielt Iran von Freedom House eine Bewertung von null von vier Punkten für Religionsfreiheit.

Pooyan Tamimi Arab, ein Religionswissenschaftler, der in Utrecht lehrt, weist darauf hin, dass Menschen in autoritären Staaten wie Iran oft ihre tatsächliche Meinung nicht offenbaren, da sie Repressalien befürchten.[86]

Nachdem eine erste Online-Untersuchung des GAMAAN-Instituts im Jahr 2020 eine weitreichende Säkularisierung nahegelegt hatte,[87] differenzierten Pooyan Tamimi Arab und Ammar Maleki die religiösen Demografien in einer 2023 veröffentlichten Folgestudie weiter aus. Diese Untersuchung bezifferte den Anteil der schiitischen Muslime im Iran auf 37,9 %. Demgegenüber gaben 17,3 % an, an Gott ohne eine spezifische Religion zu glauben. Zudem identifizierten sich 16,1 % als Humanisten, 6,6 % gaben keine Religionszugehörigkeit an („Nones“), 6,5 % bezeichneten sich als Atheisten, 4,9 % als sunnitische Muslime, 2,8 % als Zororastrier, 1,6 % als Agnostiker und 0,5 % als Christen.[88]

Kritiker haben jedoch darauf hingewiesen, dass die Online-Umfragen selbst-selektierte Teilnehmer durch soziale Medien rekrutieren, was die Ergebnisse möglicherweise verzerrt; insbesondere der erfasste Anteil der Zoroastrier in den Befragungen wird im Vergleich zu historischen Zensusdaten als fragwürdig angesehen.[89]

Ein starker Rückgang der Moscheebesuche wurde ebenfalls festgestellt. Im Februar 2023 berichtete Mohammad Abolghassem Doulabi, ein hochrangiger iranischer Geistlicher, dass 50.000 der landesweit 75.000 Moscheen aufgrund des Rückgangs der Besucherzahlen geschlossen wurden.[90] Doulabi machte dafür unter anderem die Misshandlung der Bevölkerung im Namen der Religion, die Verzerrung religiöser Lehren und die Verwendung religiöser Konzepte zur Bestrafung von Regierungskritikern verantwortlich. Diese Faktoren hätten zu einem wachsenden Misstrauen nicht nur gegenüber der Regierung, sondern ebenso gegenüber geistlichen Institutionen geführt.[91] Obwohl es keine von Fachleuten geprüften Statistiken über den genauen Grad der Säkularisierung gibt, deutet vieles darauf hin, dass sich immer mehr Iraner von der offiziellen religiösen Identität ihres Landes distanzieren.

Das Schiitentum unterscheidet Iran in religiöser Hinsicht am stärksten von den Nachbarstaaten.[92] Dabei sind die grundlegenden Inhalte wie der Glaube an einen einzigen, allmächtigen und ewigen Gott sowie an Mohammed als den letzten der Propheten, die Gott zu den Menschen gesandt hat, um seine Botschaft zu überbringen, bei Schiiten und Sunniten identisch. Der fundamentale Unterschied zwischen diesen beiden Strömungen des Islams liegt in der Frage, wer zur Führung der islamischen Gemeinde legitimiert sei. Die Schiiten erkennen nur direkte Nachkommen des Propheten Mohammed als rechtmäßige Führer an und bezeichnen sie als Imame.[93] Zentraler Glaubensinhalt der Zwölferschia ist der in Verborgenheit lebende zwölfte Imam, der eines Tages auf die Erde zurückkommen, den Islam in der ganzen Welt verbreiten und eine Ära einleiten würde, die dem Ende der Welt vorausgeht.[94] Die Imame und ihre Nachkommen werden von den Schiiten sehr verehrt. Um die Gräber dieser Figuren und ihrer Verwandten wurden Schreine gebaut, von denen es mehr als tausend in Iran gibt. Die bedeutenderen dieser Heiligtümer, wie der Imam-Reza-Schrein und der Schrein der Fatima Masuma, sind Ziel von Pilgerfahrten – eine Praxis, die von Sunniten abgelehnt wird.

Eine weitere Besonderheit des schiitischen Bekenntnisses ist die Taghiyeh genannte Erlaubnis, seinen Glauben zu verheimlichen und religiöse Pflichten zu vernachlässigen, wenn dem Gläubigen sonst Gefahr drohen würde.[95] Das sunnitische Bekenntnis ist vor allem unter Ethnien verbreitet, die in den Grenzgebieten zu den Nachbarländern leben, wie den Kurden, Turkmenen, Belutschen oder Arabern. Die schiitische Führung betrachtet die iranischen Sunniten nicht als Minderheit, sondern als Muslime, die den Führungsanspruch der Schiiten anerkannt haben, demzufolge stehen in mehrheitlich schiitisch bewohnten Gebieten auch nur schiitisch geführte Moscheen zur Verfügung.[96]

Nicht mehr von größerer Bedeutung sind heute in Iran alte Religionen wie die elamische Religion.[97] Religiöse Minderheiten[98] bilden zwar nur sehr kleine Gruppen, die jedoch aus historischem und kulturellem Blickwinkel eine hohe Bedeutung aufweisen. Die älteste bekannte iranische Religion[99][100][101] ist der Zoroastrismus. Sie wurde zwischen 1200 und 700 v. Chr. von Zarathustra gestiftet; Spielarten des Zoroastrismus galten unter den Sassaniden und Parthern als Staatsreligion.

Vor allem der für die damalige Zeit innovative Monotheismus und der religiöse Dualismus (Himmel und Hölle, Gott und Teufel) haben die später entstandenen monotheistischen Religionen beeinflusst. Einige iranische Feste wie Nouruz und die Yalda-Nacht, die heute noch gefeiert werden, enthalten zoroastrische Elemente, teils in synkretistischer Form. Und auch die Namen der Monate im iranischen Sonnenkalender sind zoroastrischen Ursprungs. Die Verfassung erkennt die Zoroastrier als religiöse Minderheit an; bei der Volkszählung 2011 bezeichneten sich mehr als 25.000 Personen als Zoroastrier. Ihre Zentren liegen in Yazd und Kerman, wo in den Feuertempeln nach wie vor heilige Feuer brennen.[102][103]

Juden leben seit dem Altertum im heutigen Iran und Iran hat seit langer Zeit in der jüdischen Geschichte einen bedeutenden Platz, da unter König Kyros II. die Rückkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil ermöglicht wurde. Die Juden haben sich im Laufe der Zeit so assimiliert, dass sie sich von anderen Iranern nur durch ihre Religion unterscheiden. Die als religiöse Minderheit in Iran anerkannte jüdische Gemeinde, die vor 1979 etwa 80.000 Mitglieder hatte, ist seit der Islamischen Revolution auf etwa 10.000 Mitglieder geschrumpft. Dies liegt vor allem an der antizionistischen Politik der iranischen Regierung, durch die iranische Juden zuweilen verdächtigt werden, israelische Spione zu sein.[104][105]

Das Christentum hat in Iran ebenfalls eine lange Geschichte; vor der Islamisierung des Landes wanderten viele Nestorianer ein. Heute leben in der Islamischen Republik Iran etwa 60.000 assyrische Christen und die Nachfahren der etwa 300.000 armenischen Christen, die unter den Safawiden zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Dschulfa nach Isfahan zwangsumgesiedelt wurden. Dort ist bis heute ihr Zentrum, wobei die Bezeichnung des Stadtteiles Neu-Dschulfa an ihren einstigen Herkunftsort erinnert.[106] Des Weiteren gibt es römisch-katholische, anglikanische, evangelische[107] und andere christliche Gemeinden und Kirchenbauten. Die seit spätestens 1996 existierenden, inoffiziell agierenden evangelikalen Hauskirchen gelten seit der Schließung der letzten offiziellen persischsprachigen Kirchen als die am schnellsten wachsende und mittlerweile mitgliederstärkste christliche Gruppe im Iran.[108] Laut Analysen des Forschers Mark Bradley verzeichnet die dortige christliche Untergrundbewegung, die sich vor allem aus Konvertiten mit muslimischem Hintergrund zusammensetzt, eine der weltweit höchsten Wachstumsraten.[109] Dieses Phänomen wird in der Wissenschaft mit einer zunehmenden Säkularisierung und einer massenhaften Abkehr von der staatlich verordneten theokratischen Ausrichtung des schiitischen Islams begründet. Eine anonyme, großflächige Umfrage des in den Niederlanden ansässigen Forschungsinstituts GAMAAN aus dem Jahr 2020 ermittelte, dass sich rund 1,5 % der Befragten im Iran als Christen identifizierten, was auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet weit über einer Million Menschen entspräche.[110] Trotz intensiver staatlicher Repressionen, Verhaftungen und strikter Restriktionen expandiert die Bewegung dezentral über private Netzwerke, Satellitenfernsehen und digitale Medien weiter.

Die Artikel 13 und 14 der iranischen Verfassung erkennen Christen, Juden und Zoroastrier als religiöse Minderheiten an. Sie legen fest, dass der iranische Staat sie gerecht behandeln muss und ihre Glaubensausübung und Riten zu schützen hat. Die religiösen Minderheiten wählen bei den Parlamentswahlen ihre eigenen Abgeordneten, für die eine Mindestanzahl an Parlamentssitzen reserviert ist. Diese Religionsgemeinschaften dürfen aber keine Aktivitäten gegen den Islam oder die Islamische Republik unternehmen. So müssen sie beispielsweise die Kleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit beachten und dürfen unter den Muslimen keine Mission betreiben.[111][112] Für den Abfall vom Glauben droht Muslimen in Iran die Todesstrafe. In der Praxis sind alle Angehörigen von religiösen Minderheiten einer subtilen Form der Diskriminierung, wie bei der Arbeitsplatzwahl in der staatlich dominierten Wirtschaft,[112] im Erbrecht oder bei Zeugenaussagen, ausgesetzt. Auch höhere Ämter wie Minister, Staatssekretäre, Richter und Lehrer an Regelschulen sind ihnen verschlossen.[113]

Iran ist zudem der Geburtsort der Religion der Bahai.[114][115] Das Bahaitum entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch das Wirken von Bahāʾullāh und seines Herolds, des Bāb, die beanspruchten, ein Zeitalter des Friedens und der Einheit der gesamten Menschheit einzuleiten. Das rasche Wachstum der Gemeinde innerhalb Irans sowie die Bahai-Lehren, nicht zuletzt auch von der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und der selbstständigen Suche nach Wahrheit, veranlassten die Kadscharen-Herrscher und schiitische Kleriker zu intensiven Repressalien. Der Bāb wurde gefangen genommen, verbannt und schließlich von einem Soldatenregiment 1850 in Täbris erschossen. Bahāʾullāh wurde 1852 in Teheran eingekerkert und danach mehrmals verbannt, zuletzt in die osmanische Feste von Akkon im heutigen Israel.[116][117] Nach der Islamischen Revolution wurde die Verfolgung der Bahai in Form einer staatlich organisierten und systematischen Kampagne wieder deutlich intensiviert. Die Bahai-Religion gilt in Iran heute mit etwa 300.000 Anhängern als größte der nichtmuslimischen Religionsgemeinschaften.[118][119][120] Weltweit gab es im Jahr 2021 knapp 8 Millionen Bahai, die in etwa 100.000 Ortschaften und so gut wie allen Ländern der Welt leben.[121]

Sozialsystem

In seiner Schrift Der islamische Staat formulierte Ruhollah Chomeini die Verbesserung der Lebensumstände der armen Bevölkerung und die Beseitigung sozialer Ungleichheit als Ziele einer islamischen Gesellschaftsordnung:

„Niemand kümmert sich um die Armen und Barfüßigen […]. Der Islam löst das Problem der Armut. Dieses Problem steht in seinem Programm an oberster Stelle […]. Nach den Grundsätzen des Islam muß zuerst das Leben der Armen, der Hilflosen verbessert werden.“[122]

93 % der iranischen Bevölkerung erhalten Direktzahlungen von 40 US$ monatlich, seit im Zuge der Subventionsreformen die direkte Subventionierung von Grundnahrungsmitteln und Treibstoff abgebaut wurde. Abgesehen von den Unterstützungsprogrammen der religiösen Stiftungen[123] unterhält der Staat 28 Organisationen für Sozialhilfe, Sozialversicherung und Hilfsprogramme. Grundlage ist das Gesetz zur sozialen Sicherheit.[124] Die dem Ministerium unterstellte Organisation für soziale Sicherheit bietet Sozialversicherungen in Form von Arbeitslosengeld, Renten, Mutterschaftsgeld, Krankengeld und Gesundheitsservice (2. Gesundheitsanbieter im Land, für Rentner, Arbeitslose, Sozialversicherte).[124] Die Weltbank attestierte der IRI 2011 im Vergleich mit den regionalen Standards relativ hohe soziale Indikatoren, bedingt durch die Anstrengungen der Regierung, den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu erhöhen.[125]

Trotz dieser Bemühungen gibt es weiterhin große Probleme mit Armut. Nach einer offiziellen statistischen Erhebung lebten 2011 zwischen 44,5 und 55 % der städtischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die Wissenschaftler bemängelten zudem Manipulationen bei der Veröffentlichung von Armutsstatistiken.[126] Laut offiziellen Statistiken gibt es 2,5 Millionen Straßenkinder in Iran, die erst in letzter Zeit in das Blickfeld der staatlichen Wohlfahrtsorganisationen geraten sind.[127]

Iran beherbergt die zweitgrößte Flüchtlingspopulation weltweit (überwiegend aus Afghanistan[128]). In der Hilfe für Flüchtlinge, die von den sonstigen staatlichen Sozialleistungen nicht profitieren, arbeitet die UNHCR mit staatlichen Wohlfahrtsorganisationen und dem Imam-Chomeini-Hilfskomitee zusammen.[129]

Bildung

UIS-Lesefähig­keit der er­wach­sen­en Bevöl­ker­ung Irans 1975–2015

Seit 1990 hat sich das Bildungsniveau der iranischen Bevölkerung deutlich verbessert, dies trotz der Wirren, denen das Bildungssystem in den Jahren nach der Islamischen Revolution ausgesetzt war. Im Land stieg die mittlere Schulbesuchsdauer über 25-Jähriger von 4,2 Jahren im Jahr 1990 auf 8,5 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Bildungserwartung beträgt bereits 14,8 Jahre.[130] An den Verbesserungen haben Frauen stärker partizipieren können als Männer. Konkret lag bei der Volkszählung von 2006 die Analphabetenquote aller Bürger über 6 Jahren bei 14 %, während 1976 nur knapp die Hälfte der Männer und nur ein Drittel der Frauen lesen und schreiben konnten. Der Anteil der Analphabeten an der Landbevölkerung ist von 75 % (1976) auf 22 % (2006) gesunken. Um 2020 lag die Analphabetenquote in Iran bei knapp 11 %.[131]

Der Anteil der Jungen in den Grund- und Mittelschulen liegt nur unwesentlich über jenem der Mädchen, in der höheren Bildung stellten junge Frauen im Jahr 2006 etwa 60 % der Studenten.[132] Unter den jungen Einkommensgruppen ist somit in Hinblick auf Bildung kein geschlechtsspezifisches Gefälle mehr vorhanden.[133] Insbesondere in naturwissenschaftlichen oder mathematischen Fächern ist der Frauenanteil an Studenten in Iran im internationalen Vergleich sehr hoch. Obwohl die Noten studierender Frauen meist besser sind als die der männlichen Studenten, arbeitet nach dem Studium nur etwa ein Fünftel der akademisch gebildeten Frauen.[134] Im Jahr 2012 führte die Regierung Ahmadineschad Quoten von maximal 50 % Frauen oder weniger für manche Studienfächer ein.[135] Die Vereinten Nationen rügten diese Praxis, die zu einem Rückgang des Frauenanteils von 62 % 2007–2008 auf 48,2 % 2012–2013 führte.[136] Von der Regierung Rohani wurden diese Bestimmungen wieder aufgehoben. 2015 betrug der Frauenanteil an Studenten naturwissenschaftlicher oder mathematischer Fächer in Iran 65 %, während er in Europa wesentlich niedriger liegt.[135]

Das iranische Bildungssystem besteht heute aus mehreren Stufen:

  • eine nicht verpflichtende einjährige Vorschule für alle Kinder im Alter von fünf Jahren
  • die fünfjährige Grundschule für alle Kinder ab sechs Jahren
  • daran anschließend eine dreijährige Mittelschule, in der der weitere Bildungsweg des Schülers festgelegt wird; nach ihr endet auch die Schulpflicht.
  • die Sekundarschule, die drei Jahre dauert, in der Regel nicht kostenlos ist und in mehrere Spezialisierungen aufgeteilt ist
  • höhere Bildung an Universitäten, Lehrerbildungsinstituten und Fachhochschulen, wovon es staatliche und private Einrichtungen gibt. Voraussetzung für den Zugang zu höherer Bildung ist der Abschluss der Sekundarschule, die Teilnahme an einem einjährigen Vorbereitungskurs sowie das Bestehen der landesweiten Universitäts-Eintrittsprüfung.[137]

Neben den staatlichen Schulen sind zahlreichen Moscheen religiöse Schulen angegliedert. Die üppigen Budgets, die die Regierung den religiösen Schulen zuteilt, werden für Geldmangel an den staatlichen Schulen und die damit verbundene niedrige Qualität der Lehre sowie für die niedrigen Lehrergehälter verantwortlich gemacht.[138] Das Bildungssystem Irans ist laut Salehi-Isfahani zudem auf den Erwerb von Diplomen und nicht auf die Vermittlung produktiver Fähigkeiten fokussiert. Dies und der starre Arbeitsmarkt verursachen hohe gesamtwirtschaftliche Ineffizienzen, nicht zuletzt wird die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen hierauf zurückgeführt.[139]

Zwischen 1991 und 1999 konnten in Iran „weniger als 60 Prozent derjenigen, die in den Arbeitsmarkt eintraten, mit Arbeitsplätzen versorgt werden“, heißt es in einer gemeinsamen Länderbewertung der Vereinten Nationen zur Entwicklung des Irans aus dem Jahr 2003.[140] Die Abwanderung qualifizierten Personals belastet seit längerem die iranische Wirtschaft.[141][142] Am 31. Dezember 2024 meldete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA,[143] dass zwischen 2020 und 2024 die Zahl der iranischen Auslandsstudenten um 82 Prozent angestiegen sei. Zuletzt studierten insgesamt 110.000 Iraner im Ausland. Ein großer Teil dieser Studenten kehrt nicht mehr zurück. Eine ähnliche Entwicklung sei bei Hochschuldozenten und qualifizierten Fachkräften – insbesondere Ärzten und Pflegern – zu verzeichnen. Ursächlich für die Abwanderungswelle seien fehlende wirtschaftliche Chancen und „soziale Probleme“.[144]

Gesundheit

Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 5,8 % des Bruttoinlandsprodukts.[145] Im Jahr 2018 praktizierten in Iran 15,8 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.[146] Die Sterblichkeit bei unter 5-jährigen betrug 2022 12,0 pro 1000 Lebendgeburten.[147]

Iran ist ein Land, in dem außerehelicher Geschlechtsverkehr (Zinā) mit der Todesstrafe geahndet werden kann und konservative moralische Standards einen sehr hohen Stellenwert haben. Wissen um sexuell übertragbare Erkrankungen, HIV oder Verhütung wird oft erst nach der Eheschließung vermittelt.[148] Aufgrund dessen ist das Wissen um die Verbreitungswege sexuell übertragbarer Krankheiten äußerst mangelhaft.[149] Noch im Jahr 1997 hat die iranische Regierung die Existenz eines HIV-Problems im Land geleugnet. Für 2004 wurde die Zahl der HIV-positiven Iraner auf 10.000 bis 61.000 geschätzt,[148] für 2014 auf 51.000 bis 110.000 Personen.[150] Das Nichtwissen um Verhütungsmittel, deren hoher Preis und deren mangelnde Akzeptanz bei der Bevölkerung führen zu einer hohen Zahl nicht erlaubter oder nicht erwünschter Schwangerschaften, die in illegalen Kliniken abgebrochen werden. Häufiger noch setzen die betroffenen Frauen gefährliche Substanzen aus der Tierzucht ein, um ihre Schwangerschaft abzubrechen, und tragen schwere gesundheitliche Schäden davon.[151]

Der Konsum bewusstseinsverändernder Substanzen hat in Iran eine lange Geschichte. Vor 400 Jahren versuchte man, den Drogenkonsum zu beschränken;[152] zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Opium tief mit der iranischen Wirtschaft und Gesellschaft verwoben. Es war das einträglichste landwirtschaftliche Produkt und wurde angesichts von Kriegen, Hungersnöten und des Mangels an medizinischer Versorgung rege konsumiert.[153] Laut einer Schätzung waren im Jahr 1914 etwa 10 Prozent der Bevölkerung Teherans opiumabhängig.[154] Die Modernisierer der Pahlavi-Dynastie machten im Drogenkonsum eines der Hindernisse für die Entwicklung Irans zu einem starken Staat aus; 1955 wurden Opiumherstellung und -gebrauch verboten.[153] Diese Maßnahme löste das Problem jedoch nicht; langsam entstand eine Infrastruktur für die Behandlung von Drogenabhängigen.[155] Nach der Islamischen Revolution wurden diese Einrichtungen abgeschafft. Man versuchte nun, dem Drogenproblem mittels der Durchsetzung religiöser und moralischer Verhaltensweisen beizukommen. Drogendelikte wurden und werden strafrechtlich hart geahndet; für zahlreiche Tatbestände schreibt das iranische Betäubungsmittelgesetz die Todesstrafe vor. Der Großteil der Hingerichteten der letzten Jahre wurde wegen Drogendelikten verurteilt. Diese Maßnahmen haben nicht gefruchtet, sodass Maßnahmen weltlicher Natur eingeleitet wurden. Seitdem sind Einrichtungen zur Behandlung Drogenabhängiger wieder erlaubt und werden gefördert. Auch wird versucht, die Bevölkerung über die Gefahren des Drogenkonsums aufzuklären. Iran hatte 2011 die weltweit vierthöchste Rate an Drogentoten.[156] Laut Drogenbekämpfungs- und Gesundheitsbehörden sind über 2,2 Millionen Iraner abhängig von illegalen Drogen, 1,3 Millionen davon werden in Behandlungsprogrammen betreut. Insbesondere Crystal Meth wird (Stand 2015) nachgefragt. Studenten verwenden es in Examensphasen; Arbeiter, die sich nur mit mehreren Jobs über Wasser halten können, nutzen es als Wachmacher.[157]

Entwicklung der Lebenserwartung[158]
Zeitraum Lebenserwartung
in Jahren
Zeitraum Lebenserwartung
in Jahren
1950–1955 40,58 1985–1990 59,97
1955–1960 43,50 1990–1995 66,87
1960–1965 46,38 1995–2000 69,04
1965–1970 49,18 2000–2005 71,12
1970–1975 52,67 2005–2010 72,73
1975–1980 56,71 2010–2015 75,06
1980–1985 51,99

Frauen

Porträt einer Iranerin aus dem Jahr 2006

Die traditionelle iranische Gesellschaft ist streng patriarchalisch; zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren im iranischen Stadtbild fast ausschließlich Männer zu sehen, Frauen blieben in der Regel zu Hause. Der Grad, zu dem Frauen an das Haus gebunden waren, war jedoch auch früher schon von Ethnie zu Ethnie verschieden: unter den Luren hatten die Männer absolute Macht über die Frauen, die Qaschqai-Frauen hatten relativ viele Freiheiten.[159] In den 1920er Jahren war nur wenigen Mädchen der Schulbesuch möglich; erst die Pahlavi-Regierung ermutigte im Rahmen der angestrebten Modernisierung des Landes in den 1930er Jahren Eltern, ihre Töchter in die Schule zu senden.[160] Im Jahr 1936 wurde der Schleier verboten. Wenngleich das Verbot nie ganz durchgesetzt werden konnte, hat es dazu geführt, dass Frauen aus konservativen Bevölkerungskreisen noch mehr aus dem öffentlichen Leben gedrängt wurden und das Haus teils gar nicht mehr verließen.[161][162] Mit der fortschreitenden Modernisierung fanden Frauen mehr und mehr Beschäftigung außer Haus, vor allem als Angestellte des Staates. In den 1960er Jahren wurde die Lage der Frauen im Rahmen der weißen Revolution weiter verbessert: Sie erhielten 1963 das Wahlrecht,[163] die Abtreibung wurde erlaubt, und für Scheidungsfragen wurden weltliche Gerichte zuständig gemacht.[164]

Nach der Islamischen Revolution wurden diese Reformen rückgängig gemacht. Seitdem bestimmen die Artikel 20 und 21 der iranischen Verfassung, dass Männer und Frauen unter Berücksichtigung islamischer Prinzipien gleichberechtigt sind. Vor Gericht gelten Aussagen einer Frau nur halb so viel wie jene eines Mannes, und für die Verletzung oder den Tod einer Frau wird im sogenannten „Vergeltungsrecht“ nur die Hälfte des Blutgeldes fällig. Während der Mann für die Ernährung der Familie verantwortlich ist, muss die Frau den Haushalt verrichten und sich um die Kinder kümmern. Ihrem Mann gegenüber ist sie zu Gehorsam verpflichtet. Ehemänner haben „das Recht“ auf die sexuelle Verfügbarkeit der Ehefrauen und dürfen dies auch mit Gewalt durchsetzen. Auch allgemeine häusliche Gewalt des Ehemanns gegen die Frau wird weitgehend geduldet. Schläge oder sexuelle Gewalt durch den Mann sind dabei ausdrücklich kein Scheidungsgrund; umgekehrt kann der Mann seine Frau jedoch jederzeit verstoßen. Frauen dürfen zudem nur mit Einwilligung des Mannes berufstätig sein, verreisen, ihre eigenen Eltern besuchen, einen Reisepass besitzen oder sich scheiden lassen. Für außerehelichen Geschlechtsverkehr kann im iranischen Recht die Todesstrafe verhängt werden, was vor allem Opfer von Vergewaltigung in eine prekäre Lage bringt. Männern ist im Gegensatz zu Frauen die Vielehe erlaubt. Die Zeitehe wird teilweise missbraucht, um Prostitution zu legalisieren, und junge Menschen nutzen die Zeitehe, um bereits vor einer richtigen Ehe zusammen wohnen zu können. Allerdings müssen Frauen nach dem Ende einer Zeitehe fürchten, gesellschaftlich geächtet zu werden und keinen Ehemann mehr zu finden, während sie dem Ruf von Männern keinen Abbruch tut und auch ihre Wiederverheiratung nicht behindert. Das gesetzliche Mindestheiratsalter für Mädchen liegt bei 13 Jahren. Die aufgeführten Regeln widersprechen teils den gesellschaftlich anerkannten Werten im heutigen Iran, so leben auch Geistliche in Einehe.[165][166][167]

Es gelang nach der Islamischen Revolution trotz alledem nicht mehr, die Frauen aus der Öffentlichkeit zu verbannen, denn sie hatten die Revolution unterstützt und wurden im Iran-Irak-Krieg als Arbeitskräfte benötigt. Als Nebeneffekt der strengen öffentlichen Sitten der Islamischen Republik gilt, dass konservative Eltern keinen Grund mehr haben, ihren Töchtern Schule und Studium zu verwehren. Das Bildungsniveau der iranischen Frauen ist deswegen heute höher als je zuvor, so dass Frauen in Iran heute in fast allen Berufen bis hin zum Autorennsport (Laleh Seddigh) und dem Hochschulamt an den Universitäten zu finden sind. Nicht nur säkular orientierte Frauen, sondern auch islamische Feministinnen lassen ihre zukünftigen Männer Eheverträge unterschreiben, die ihnen all jene Rechte, die ihnen das Gesetz verwehrt, einräumen. Auch ist es Frauen möglich, vor Gericht eine Scheidung zu erstreiten. Eine religiöse Debatte um die Gleichstellung der Frauen kommt in Gang, seit auch Abgängerinnen islamischer Hochschulen Koranexegese betreiben. Wenngleich das iranische Strafrecht einen Verstoß gegen die Pflicht, einen Hidschāb zu tragen, mit Gefängnis bedroht, widersetzen sich Frauen den islamischen Bekleidungsvorschriften zunehmend, indem sie die Grenzen des Erlaubten immer wieder austesten.[168][169] Frauen, die die Grenzen austesten und sich dem Kopftuchzwang widersetzen, werden mitunter ausgepeitscht.[170] Im Zuge der Proteste von 2022/2023 und erneut seit Ende 2025 hat das Regime mit massiver Gewalt reagiert, um die Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“ zu unterdrücken.

Landesname

Seit frühester Zeit wurde das Land von seiner Bevölkerung als Irān (abgeleitet vom mittelpersischen Wort Ērān-šahr [„Reich der arya“, übersetzt auch „Reich der Arier“[171] ] bzw. von Ērān, dem Genitiv Plural von Ēr)[172] bezeichnet. Die altpersische Form dieses Namens, Aryānām (xšaθram), bedeutet „Herrschaft der Arya“ oder „Land der Arier“.[173]

Der bis 1935 international verwendete Landesname Persien geht auf Pars (bzw. Parsa, „Perser“, damit verwandt Parsen),[174] das Kernland der Achämeniden,[175] zurück, die im 6. Jahrhundert v. Chr. ein erstes persisches Großreich schufen. Von den Griechen Persís (Περσίς, von altpersisch Parsa) und den Römern Persia genannt,[176] bezeichnete es im Wesentlichen die heutige Provinz Fars um Schiras. Von ihr leitet sich auch das persische Wort Fārsī / فارسی /‚Persisch‘ für die persische Sprache ab.

Im Jahr 1935 erhob Reza Schah Pahlavi „Iran“ zur offiziellen internationalen Bezeichnung für das Land,[177][178] was ab demselben Jahr auf politisch-diplomatischer Ebene auf Bitten der persischen Regierung[179] von westlichen Kanzleien angenommen wurde.[180] Die amtliche Vollform lautete fortan Kaiserreich Iran.[181]

Für Iran, laut dem Orientalisten Eilers nach deutscher literarischer Tradition ohne Artikel zu gebrauchen,[182] empfahl das Centrum für Nah- und Mitteloststudien der Philipps-Universität Marburg 2015, den 1981 publizierten Ausführungen des iranischen Germanisten Touradj Rahnema[183] folgend, die auch in der deutschen Wissenschaftssprache übliche Schreibung ohne Artikel.[184] Das deutsche Auswärtige Amt[185] verwendet den Artikel ebenfalls nicht.[186][187] Der Verein Gesellschaft für deutsche Sprache weist den Gebrauch des männlichen Artikels vor Iran der deutschen Umgangssprache zu.[188] Der Landesname Iran wird im Deutschen sowohl ohne als auch mit männlichem bzw. neutralem bestimmten Artikel verwendet.[189][190]

Der geographische Begriff Iran bezieht sich auf das gesamte iranische Hochland. Im Deutschen wird zwischen der amtlichen Namensform „Islamische Republik Iran“ und der Kurzform „Iran“ (Deutschland) bzw. „der Iran“ (Schweiz und Österreich) unterschieden.[191][192]

Geschichte

Überblick

Das Gebiet Irans ist seit dem 9. Jahrtausend v. Chr. nachweisbar über neolithische Siedlungen wie Gandsch Dareh und anderen (Tepe Guran, Tepe Abdul Hosein) im zentralen Zagros-Gebirge der heutigen Provinzen Luristan und Kermanschah besiedelt. Im 8. Jahrtausend v. Chr. tauchten neolithische Siedlungen in der Provinz Chuzestan mit den archäologischen Stätten Ali Kosch, wo die ältesten Keramiken entdeckt wurden, Chagha Sefid und Tschogha Bonut auf. Im Nordosten des heutigen Irans ist die archäologische Stätte Sang-i Chakmak auf das Ende des 8. Jahrtausends v. Chr. angesetzt.[193] Für die Provinz Kerman im Südosten ist als älteste neolithische Stätte Tepe Gav Koshi überliefert, die auf das frühe 7. Jahrtausend v. Chr. datiert ist, und eine der ältesten Siedlungen in der Provinz Fars im Südwesten ist die archäologische Stätte Tall-e Mushki aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrtausends v. Chr. Im Gebiet des zentralen iranischen Plateaus, Teheran und der Ebene von Qazvin, und dem Nordwesten Irans sind keine akeramischen neolithischen Besiedlungen nachgewiesen (Stand 2013). Erst in neuerer Zeit sind die Stätten Chahar Boneh (bzw. Tschahar Boneh) und Tepe Ebrahimabad untersucht worden, deren älteste Schichten auf das 6. Jahrtausend v. Chr. datiert sind.[194] Dauersiedlungen und Nahrungsmittelerzeugung sind etwa durch bemalte Keramik und kleine Tonfiguren für das jüngere Neolithikum (6500–5550 v. Chr.) nachweisbar.[10]

Während der darauf folgenden Kupferzeit vom späten 6. Jahrtausend bis ins zweite Drittel des 4. Jahrtausends v. Chr. breiteten sich neue Technologien aus, und es entstanden komplexe Formen sozialer und wirtschaftlicher Organisation. Die offensichtlichste Errungenschaft war die Verarbeitung von verschiedenen Metallen. Die Bevölkerung wuchs, die landwirtschaftliche und handwerkliche Produktion wurde vielschichtiger, und es entstand ein wachsendes Netzwerk von Fernkontakten. Bekannte archäologische Stätten aus der Kupferzeit sind im Norden Tappe Sialk und Tepe Hissar,[195] im zentralen Zagros-Gebirge Tepe Giyan und Godin Tepe,[196] in Chuzestan Chogha Sefid, Chogha Bonut und Tschogha Misch[197] und im Süden Irans die archäologischen Stätten in der Flussebene des Kur, Tall-i Bakun und Tall-i Malyan sowie im Verwaltungsbezirk Mamasani Tol-e Spid und Tol-e Nurabad. In Kerman sind bekannte kupfersteinzeitliche Stätten Tepe Yahya und Tal-e Iblis.[198] Die Entwicklung fand ihren Höhepunkt um ungefähr 3400 v. Chr., dem ein Kollaps dieser frühen komplexen Gesellschaften folgte.

Zu Beginn der Bronzezeit im späten 4. Jahrtausend v. Chr. entstanden die städtischen Gesellschaften der Proto-Elamiter.[199] Nachdem sich im Verlauf der Bronzezeit das Reich Elam gebildet hatte, vereinigten die iranischen Meder das Gebiet um 625 v. Chr. erstmals zu einem Staat, der die kulturelle und politische Führerschaft in der Region übernahm. Die von Kyros begründete Dynastie der Achämeniden regierte im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. von Süd-Iran (vor allem Fars[200] bezeichnend) aus das bis dato größte Reich der Geschichte. Es wurde im Jahr 330 v. Chr. durch die Truppen Alexanders des Großen zerstört. Nach Alexander teilten seine Nachfolger (Diadochen) das Reich unter sich auf, bis sie im iranischen Bereich um die Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. durch die Parther abgelöst wurden. Auf diese folgte ab etwa 224 n. Chr. das Sassanidenreich, das bis zum 7. Jahrhundert neben dem Byzantinischen Reich zu den mächtigsten Staaten der Welt zählte. Unter den Sassaniden wurde erstmals systematisch vom Īrān bzw. von Ērānšahr („Reich der Iranier“) gesprochen.[201] Nach dem Übergreifen der islamischen Expansion auf Persien bzw. auf das Großpersische Reich, in deren Folge im Laufe mehrerer Jahrhunderte der Zoroastrismus weitgehend durch den Islam ersetzt wurde, wurden persische Gelehrte zu Trägern de Blütezeit des Islams, bis der sogenannte Mongolensturm im 13. Jahrhundert das Land in seiner Entwicklung weit zurückwarf.

Die Safawiden einigten das Land und machten 1501 das zwölferschiitische Bekenntnis zur Staatsreligion. Unter der 1794 gegründeten Kadscharen-Dynastie schrumpfte der Einfluss Persiens; Russland und Großbritannien zwangen die Perser zu territorialen und wirtschaftlichen Konzessionen. 1906 kam es zur konstitutionellen Revolution, in deren Ergebnis Persien sein erstes Parlament und eine Verfassung erhielt, in der Gewaltenteilung vorgesehen war. Als Staatsform erhielt es die konstitutionelle Monarchie. Die beiden Monarchen der Pahlavi-Dynastie betrieben eine Politik der Modernisierung und Säkularisierung, parallel dazu wurde das Land im Ersten Weltkrieg durch russische, britische und türkische Truppen und im Zweiten Weltkrieg durch britische und sowjetische Truppen besetzt. Danach kam es wiederholt zu ausländischer Einflussnahme wie der Gründung einer Autonomen Republik Aserbaidschan mit sowjetischer Hilfe oder einem von der CIA organisierten Staatsstreich im Jahr 1953. Die Unterdrückung der liberalen, kommunistischen und islamischen Opposition führte zu vielseitigen Spannungen, die in der Revolution von 1979 und dem Sturz des Schahs kulminierten.

Seitdem ist Iran eine theokratische Republik, die von schiitischen Geistlichen geführt wird, an deren Spitze der Religionsführer die Macht auf sich konzentriert. Kontrolliert wird er nur vom Expertenrat. Er kann in der hybriden Staatsform aus Autokratie und Demokratie durch die ihm untergeordneten ultrakonservativen Gremien jederzeit demokratische Elemente aushebeln.[202]

Antike

Das Perserreich um 500 v. Chr.

Das heutige Staatsgebiet Irans umfasst das historische Kernland des alten Persiens, das sich historisch über ein zeitweise deutlich größeres Gebiet erstreckte. Bis ins 20. Jahrhundert wurde Iran im internationalen offiziellen Sprachgebrauch weltweit als Persien bezeichnet. Seine geographische Lage zwischen dem Kaukasus im Norden, der Arabischen Halbinsel im Süden, Indien und China im Osten und Mesopotamien und Syrien im Westen ließen das Land zum Schauplatz einer wechselvollen Geschichte werden.

Im persischen Großraum führt die Geschichte Irans vom Reich der Elamiter und der Meder zum Perserreich der Achämeniden (Kyros II. der Große bis Dareios III.) und über Alexander den Großen und das Diadochenreich der Seleukiden zum Parther- und Sassanidenreich.

Ausbreitung des Islam

Das von Bagdad aus regierte Abbasiden-Reich um 850, zu dem auch der Iran (Provinzen Jibal, Fars u. a.) gehörte

Die Kriege mit Byzanz hatten das Sassanidenreich militärisch und finanziell so geschwächt, dass Unruhen im Inneren und Verwundbarkeit gegen äußere Feinde die Folge waren. So fiel das Reich einem Einfall der nomadischen Bewohner der arabischen Halbinsel zum Opfer (Islamische Expansion): Wohl im Jahr 638 verloren die Perser die Schlacht von Kadesia, kurz danach ging die Hauptstadt Ktesiphon verloren.[203] Die Araber, durch die neue Religion des Islam geeint und motiviert, eroberten so bis 651 das gesamte Sassanidenreich und es begann der langsame Prozess der Islamisierung Irans. Zwar war Nichtmuslimen die Ausübung ihrer Religion erlaubt, sie mussten jedoch eine Steuer bezahlen und zahlreiche Verbote beachten; noch im 13. Jahrhundert gab es große zoroastrische Gemeinden.[204] Da die Araber nicht darauf vorbereitet waren, ein so großes Reich zu regieren, übernahmen sie die Regierungsstrukturen der Sassaniden.[205] Im Unterschied zu anderen arabisch eroberten Gebieten gelang es den Persern deshalb, ihre Kultur weitgehend zu erhalten, das Persische neben dem Arabischen zu einer Sprache des Islam zu machen und in kulturellen, politischen und geistigen Bereichen maßgebend zur Entwicklung des Islam beizutragen.[206]

Trotz der tragenden Rolle der Iraner in der islamischen Kultur waren sie zunächst als Mawālī oder gar Dhimmi benachteiligt. Der vierte Kalif Ali, der für die Abschaffung dieser Benachteiligung eintrat, hatte deshalb unter den Iranern besonders viele Anhänger. Dies war beim Streit um die Legitimität des Führungsanspruches der islamischen Gemeinde und ihrem folgenden Auseinanderbrechen in Sunnitentum und Schiitentum ein bedeutender Faktor.[207] Auch beim Sturz der Umayyaden-Dynastie im Jahr 750 und der folgenden Begründung der stark am sassanidischen Vorbild orientierten Kalifen-Dynastie der Abbasiden in Bagdad waren iranische Rebellen unter General Abū Muslim entscheidend an den Kämpfen beteiligt. Nachdem die Macht der Kalifen zugunsten des türkischstämmigen Militärs erodiert war, beherrschten im 9. und 10. Jahrhundert faktisch mehrere regionale Dynastien das Land, darunter die Tahiriden, die Saffariden und die Buyiden, die ab 945 als Schutzmacht des Abbassiden-Kalifen auftraten. Unter den Samaniden, deren Hauptstadt sich in Buchara befand, wurden zahlreiche sassanidische Werke in die arabische Sprache übersetzt, was die Aufnahme iranischen Gedankenguts in den Islam beschleunigte. Unter den Samaniden löste sich auch der Islam von seiner arabischen Herkunft und begann, eine kosmopolitische Religion zu werden.[208]

Türkische und mongolische Invasionen

Bereits im 9. und 10. Jahrhundert wurden aus Turkvölkern Zentralasiens stammende Mamluken genannte Waffensklaven in die Armeen eingegliedert. Beginnend mit dem 11. Jahrhundert wanderten Nomaden der Turkvölker ein und ließen sich auf dem Territorium des heutigen Iran nieder. Sie errichteten auf ihrer militärischen Basis kurzlebige Reiche nach iranisch-samanidischem Vorbild und ließen sich als Sunniten vom Abbassiden-Kalifen in Bagdad bestätigen. Zu diesen Herrscherhäusern gehören die Ghaznawiden und die Seldschuken.[209] Sie förderten Kunst, Kultur, Medizin und Wissenschaften: die Arbeiten der bedeutenden persischen Dichter Omar Chayyām, Rumi und Ferdosi fallen in diese Epoche. Nachdem die Seldschuken-Dynastie ihren Zenit überschritten hatte, zerfiel das Land wieder in mehrere lokale Reiche; es kam zu schweren innerschiitischen Kämpfen zwischen den Ismailiten und den Zwölferschiiten.[210]

Im Jahr 1219 fielen die Mongolen unter Dschingis Khan, in dessen Heer auch zahlreiche Türken kämpften, in Iran ein. Die Mongolen zerstörten und plünderten die iranischen Städte, die Bevölkerungszahl schrumpfte dramatisch, Ackerland und Bewässerungsanlagen verkamen und die Zentralgewalten lösten sich auf. Von 1256 bis 1335 war Iran Teil des Reiches der Ilchane. Nach der Ermordung des letzten Ilchans konnten sich wieder lokale Reiche bilden. Doch bereits kurze Zeit später wurde das iranische Hochland erneut von Zentralasien aus überrannt, diesmal von den Truppen Timurs, der 1381 die Dynastie der Timuriden begründete, die bis 1507 herrschte.[211] Einige Landstriche erholten sich von den Verwüstungen des Mongolensturms nie wieder. Die Wirren der mongolischen und timuridischen Herrschaft trugen zum Aufkommen des Volksislam und der Derwisch-Kultur bei.[212]

Safawiden

Reich der Safawiden. Links, purpurrot: das Osmanische Reich; purpurrot gestreift: Gebiete, die an die Osmanen verloren gingen. Rechts, grün gestreift: umstrittene, von den Usbeken beanspruchte Gebiete. Rot umrandet: das persische Staatsgebiet im Jahr 1722

Nach einem Zwischenspiel der turkmenischen Stämme Qara Qoyunlu und Aq Qoyunlu, die zeitweise das gesamte iranische Territorium beherrschen konnten, gelang es den Safawiden, wieder einen stabilen Staat zu errichten. Sie hatten ihren Ursprung in einem turkmenischen Derwischorden, der zu großem Reichtum gelangt war und seine Anhänger militärisch organisierte (Kizilbasch). Sie führten 1501 die Zwölferschia als Staatsreligion ein; sie stellt spätestens seit Ende der Safawidenzeit ein einendes Band im iranischen Vielvölkerstaat dar. Die äußeren Beziehungen des safawidischen Reiches waren geprägt durch wiederholte Konflikte mit dem Osmanischen Reich, aber auch durch die sich intensivierenden Handelsbeziehungen mit den europäischen Seefahrermächten. Die Blütezeit der Safawidenherrschaft bildete die Regierung von Abbas I., der Isfahan zu einer prunkvollen Residenz ausbaute.

Während der Herrschaft der Safawiden stieg die Zahl der Nomaden weiter an, sodass der Druck auf die sesshaften Bauern wuchs und die Nomaden sich bewaffneten. Diese militärische Macht blieb bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiger Faktor. Die Safawidendynastie wurde schließlich von einer Invasion der Afghanen gestürzt. Die Afghanen wurden jedoch von einem Nomadenführer vertrieben, der zunächst noch als Heerführer der Safawidenfamilie handelte, sich schließlich aber 1736 als Nader Schah selbst zum Herrscher krönen ließ. In seiner Regierungszeit gelangen ihm umfangreiche Eroberungen, jedoch wurde er 1747 ermordet. Während Südiran unter den Zand Ruhe und Wohlstand erlebte, herrschte im Norden Chaos.[213]

Die Kadscharen und die konstitutionelle Revolution

Nāser ad-Din Schāh (ca. 1870), der bedeutendste Schah aus der Kadscharen-Dynastie

Der Stamm der Kadscharen eroberte im späten 18. Jahrhundert zunächst den Norden Irans und stürzte dann auch die Zand. Ihr Anführer Agha Mohamed wurde 1796 zum Schah gekrönt; seine Dynastie regierte in Persien bis 1925. Außenpolitisch war diese Zeit von zahlreichen Rückschlägen geprägt. Die Russisch-Persischen Kriege führten zum Verlust der Kaukasusregion; die Auseinandersetzungen mit Gro�