FAUST:
GRETCHENTRAGÖDIE
STRASSE I: DIE ERSTE
BEGEGNUNG
Faust. Margarete vorübergehend.
Faust:
Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?
Margarete:
Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleitet nach Hause gehn.
Liebe auf den ersten Blick?
Faust – nach der Verjüngung sieht Helena in jedem Weibe (verliebt sich in die erste beste)
Faust fordert Mephisto auf: „Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!“
Gretchen: ein14-jähriges frommes Mädchen
4 Jahre = heiratsfähiges Alter
Faust erpresst Mephisto:
Faust: Wenn nicht das süße junge Blut
Heut Nacht in meinen Armen ruht,
So sind wir um Mitternacht geschieden.
ABEND. EIN KLEINES
REINLICHES ZIMMER
Faust (rings aufschauend):
Willkommen, süßer Dämmerschein,
Der du dies Heiligtum durchwebst!
Ergreif mein Herz, du süße Liebespein,
Die du vom Tau der Hoffnung schmachtend lebst!
Wie atmet rings Gefühl der Stille,
Der Ordnung, der Zufriedenheit!
In dieser Armut welche Fülle!
In diesem Kerker welche Seligkeit!
Faust und Mephisto besuchen heimlich Gretchens Stube
Faust ist gerührt, er will in Gretchens Kammer alleine bleiben
Wandlung sejner Gefühle: nicht nur Begierde, sondern auch Bewunderung und Liebe (?)
Das Schmuckkästchen als Geschenk verrät, dass Faust Gretchen besitzen möchte.
GRETCHEN SINGT DAS LIED
„KÖNIG VON THULE”
Gretchen kehrt zurück, spürt sie intuitiv eine Veränderung: „Es ist
so schwül, so dumpfig hie“
Unbewusst beginnt sie, das Lied König von Thule zu singen, das von
der ewigen Treue eines Königs zu seiner Geliebten handelt.
Es geht um Treue, aber nicht um Ehe (eine Buhle, nicht eine
Ehefrau)
Schließlich entdeckt sie das Schmuckkästchen.
Gretchen zeigt den Schmuck ihrer Mutter und die Mutter bringt den
Schatz zum Pfaffen.
Mephisto ist außer sich.
KÖNIG VON THULE
Es war ein König in Thule
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber,
Er leert ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
Sooft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben,
Zählt er seine Städt im Reich,
Gönnt alles seinem Erben,
Den Becher nicht zugleich.
Siehe: Google Classroom
Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut
Und warf den heiligen Becher
Hinunter in die Flut.
Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer,
Die Augen täten ihm sinken,
Trank nie einen Tropfen mehr.
DER NACHBARIN HAUS
Marthe Schwerdtlein, die Nachbarin ist eine Kontrastfigur zu Gretchen:
Sie ist von ihrem Mann verlassen worden („auf dem Stroh [= Bett] allein“
– sexuelle Anspielungen)
Gott verzeih's meinem lieben Mann,
Er hat an mir nicht wohl getan!
Geht da stracks in die Welt hinein
Und läßt mich auf dem Stroh allein.
Tät ihn doch wahrlich nicht betrüben,
Tät ihn, weiß Gott, recht herzlich lieben. (Sie weint.)
Vielleicht ist er gar tot! – O Pein! –
Hätt ich nur einen Totenschein!
GARTEN: KONTRASTPAARE
Ein Wechselspiel
Faust und Gretchen
🢝Jugend
🢝reine Liebe
🢝Idealismus
🢝Zuneigung
Mephisto und Marthe
🢝Alter
🢝betonte Sexualität
🢝Realismus
🢝Mephisto wehrt sich gegen Marthens plumpe
Annäherungsversuche
STRASSE II:
VORBEREITUNGEN ZUM FALSCHEM
ZEUGNIS
Mephistopheles:
Wir legen nur ein gültig Zeugnis nieder,
Daß ihres Ehherrn ausgereckte Glieder
In Padua an heil'ger Stätte ruhn.
Faust:
Sehr klug! Wir werden erst die Reise machen müssen!
Mephistopheles:
Sancta Simplicitas! darum ist's nicht zu tun;
Bezeugt nur, ohne viel zu wissen.
Faust:
Wenn Er nichts Bessers hat, so ist der Plan zerrissen.
Mephistopheles:
O heil'ger Mann! Da wärt Ihr's nun!
Ist es das erstemal in eurem Leben,
Daß Ihr falsch Zeugnis abgelegt?
Habt Ihr von Gott, der Welt und was sich drin bewegt,
Vom Menschen, was sich ihm in den Kopf und Herzen regt,
Definitionen nicht mit großer Kraft gegeben?
Mit frecher Stirne, kühner Brust?
Faust weigert sich, das falsche Zeugnis zu geben.
Faust als Wissenschaftler war auch kein ehrlicher Mann, z.B. seine Experimente an Pestkranken
GRETCHEN ALS KÜNFTIGE
FRAU UND MUTTER
Margarete:
Wir haben keine Magd; muß kochen, fegen, stricken
Und nähn und laufen früh und spat;
[…] Mein Vater hinterließ ein hübsch Vermögen,
Ein Häuschen und ein Gärtchen vor der Stadt.
Doch hab ich jetzt so ziemlich stille Tage:
Mein Bruder ist Soldat,
Mein Schwesterchen ist tot.
Ich hatte mit dem Kind wohl meine liebe Not;
Doch übernähm ich gern noch einmal alle Plage,
So lieb war mir das Kind.
GRETCHEN ALS KÜNFTIGE
MUTTER
[…] Ich zog es auf, und herzlich liebt es mich.
Es war nach meines Vaters Tod geboren.
Die Mutter gaben wir verloren,
So elend wie sie damals lag,
Und sie erholte sich sehr langsam, nach und nach.
Da konnte sie nun nicht dran denken,
Das arme Würmchen selbst zu tränken,
Und so erzog ich's ganz allein,
Mit Milch und Wasser, so ward's mein
Auf meinem Arm, in meinem Schoß
War's freundlich, zappelte, ward groß.
BLUMENORAKEL
Gretchen pflückt eine Blume und zupft die Blätter ab, eins nach dem
andern, um zu erfahren, ob Faust sie liebe.
Die zerrupfte Blume (eine Margarite!) ist ein Symbol für ihre bald
verlorene Jungfräulichkeit.
Margarete:
Du lieber Gott! was so ein Mann
Nicht alles, alles denken kann!
Beschämt nur steh ich vor ihm da
Und sag zu allen Sachen ja.
Bin doch ein arm unwissend Kind,
Begreife nicht, was er an mir findt. (Ab.)
WENDEPUNKT: WALD UND
HÖHLE
Die Szene Wald und Höhle steht genau in der Mitte der Gretchen-
Handlung.
Anfang der Katastrophe
Vorübergehende Vereinigung mit der Natur
Dann depressive Stimmung: „O daß dem Menschen nichts
Vollkommnes wird, […] So tauml‘ ich von Begierde zu Genuß, Und
im Genuß verschmacht‘ ich nach Begierde”. (
Mephistos Ratschlag: Ihr sollt in Eures Liebchens Kammer”
Faust: Was ist die Himmelsfreud’ in ihren Armen? Laß mich an ihrer
Brust erwarmen!
GRETCHENS STUBE:
GRETCHEN AM SPINNRAD
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Wo ich ihn nicht hab,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.
Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Meiner armer Sinn
Ist mir zerstückt.
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich
Aus dem Haus.
Sein hoher Gang,
Sein edle Gestalt,
Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,
Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach! sein Kuß!
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin,
Ach dürft ich fassen
Und halten ihn,
Und küssen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Küssen
Vergehen sollt!
Urfaust:
Mein Schoß drängt
Sich nach ihm.
Siehe: Google Classroom
POLNISCHE ÜBERSETZUNGEN
(AUSWAHL)
Emil Zegadłowicz
Spokój mój przeminął,
w sercu płomień burz,
nie zaznam spokoju
nigdy, nigdy już.
Gdzież mój ukochany?
cóż z szukania prób?
cały świat bez niego
czarny, zimny grób.
Feliks Konopka
Serce ciąży mi
Brak mi ciszy mej,
Już nigdy, przenigdy
Nie wskrzeszę jej.
Gdzie nie ma go,
Tam grobu dno,
Tam smutku jad
Zatruwa świat.
Krzysztof Lipiński
Gdzież mój spokój,
Serce moje?
Już cię nigdy
Nie ukoję.
Bez miłego
Świat jest grobem,
Ach, bez niego
Żyć nie mogę.
GRETCHENFRAGE
Der historische Faust lebte in der Zeit der Reformation, wo
Glaubensfragen zentral waren
Margarete:
Nun sag, wie hast du's mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.
Siehe: Google Classroom
FAUST UND RELIGION
Margarete:
[…] Du ehrst auch nicht die heil'gen Sakramente.
Faust:
Ich ehre sie.
Margarete:
Doch ohne Verlangen.
Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen.
Glaubst du an Gott?
Faust:
Mein Liebchen, wer darf sagen:
Ich glaub an Gott?
Magst Priester oder Weise fragen,
Und ihre Antwort scheint nur Spott
Über den Frager zu sein.
AM BRUNNEN: SOZIALE
ÄCHTUNG
Lieschen:
Es stinkt!
Sie füttert zwei, wenn sie nun ißt und trinkt.
Gretchen:
Ach!
Lieschen:
So ist's ihr endlich recht ergangen.
Wie lange hat sie an dem Kerl gehangen!
Das war ein Spazieren,
Auf Dorf und Tanzplatz Führen,
Mußt überall die Erste sein,
Kurtesiert ihr immer mit Pastetchen und Wein;
Bildt sich was auf ihre Schönheit ein,
War doch so ehrlos, sich nicht zu schämen,
Geschenke von ihm anzunehmen.
War ein Gekos und ein Geschleck;
Da ist denn auch das Blümchen weg!
Gretchen:
Das arme Ding!
Lieschen:
Bedauerst sie noch gar!
Gretchen:
Er nimmt sie gewiß zu seiner Frau.
Lieschen:
Er wär ein Narr! Ein flinker Jung
Hat anderwärts noch Luft genung.
Er ist auch fort.
GRETCHENS ANGST VOR
SOZIALER ÄCHTUNG
Bärbelchens Liebesgeschichte = Parallelgeschichte zu Gretchens
Schicksal, Gretchen begreift ihre Lage
Gretchen:
Wie konnt ich über andrer Sünden
Nicht Worte gnug der Zunge finden!
Wie schien mir's schwarz, und schwärzt's noch gar,
Mir's immer doch nicht schwarz gnug war,
Und segnet mich und tat so groß,
Und bin nun selbst der Sünde bloß!
Doch – alles, was dazu mich trieb,
Gott! war so gut! ach, war so lieb!
ZWINGER: BINNENPERSPEKTIVE
GRETCHENS
Gretchens Gebet an Mater dolorosa
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnädig meiner Not!
Das Schwert im Herzen,
Mit tausend Schmerzen
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.
[…]
Hilf! rette mich von Schmach und Tod!
NACHT, STRASSE VOR
GRETCHENS TÜR
Gretchens Bruder Valentin verachtet seine Schwester, Marthe verteidigt Gretchen, Faust als Mephistos
Gehilfe tötet Valentin.
Gretchen (heraustretend):
Wer liegt hier?
Volk:
Deiner Mutter Sohn. […]
Valentin: Du bist doch nun einmal eine Hur […]
Dir soll das Herz im Leib verzagen,
Wenn sie dir in die Augen sehn!
Sollst keine goldne Kette mehr tragen!
In der Kirche nicht mehr am Altar stehn!
In einem schönen Spitzenkragen
Dich nicht beim Tanze wohlbehagen!
In eine finstre Jammerecken
Unter Bettler und Krüppel dich verstecken,
Und, wenn dir dann auch Gott verzeiht,
Auf Erden sein vermaledeit!
DOM: BINNENPERSPEKTIVE
GRETCHENS
Gretchen wird vom bösen Geist heimgesucht, der auf ihre Sünden
verweist:
🢝 den Tod der Mutter, die durch das Schlafmittel in der Liebesnacht
gestorben ist
🢝 das uneheliche Kind,
🢝 den Tod ihres Bruders Valentin, der von Faust im Kampf tödlich verletzt
wurde
Das Thema der Messe ist das Jüngste Gericht.
Gretchen ringt nach Luft und fällt in Ohnmacht. Entweder sind die
Gewissensbisse daran schuld oder die Schwangerschaft
WALPURGISNACHT:
RETARDATION
Walpurgisnacht und Walpurgisnachtstraum – Retardation in
Gretchens Geschichte.
In der Nacht zum ersten Mai auf den Brocken: Walpurgisnacht
Zentrales Motiv: urkräftige Sexualität, saloppe Sprache
Hexen (im Chor):
Die Hexen zu dem Brocken ziehn,
Die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün.
Dort sammelt sich der große Hauf,
Herr Urian sitzt oben auf.
So geht es über Stein und Stock,
Es farzt die Hexe, es stinkt der Bock.
WALPURGISNACHT
Faust (mit der Jungen tanzend):
Einst hatt ich einen schönen Traum
Da sah ich einen Apfelbaum,
Zwei schöne Äpfel glänzten dran,
Sie reizten mich, ich stieg hinan.
Die Schöne:
Der Äpfelchen begehrt ihr sehr,
Und schon vom Paradiese her.
Von Freuden fühl ich mich bewegt,
Daß auch mein Garten solche trägt.
Mephistopheles (mit der Alten):
Einst hatt ich einen wüsten Traum
Da sah ich einen gespaltnen Baum,
Der hatt ein ungeheures Loch;
So groß es war, gefiel mir's doch.
Die Alte:
Ich biete meinen besten Gruß
Dem Ritter mit dem Pferdefuß!
Halt Er einen rechten Pfropf bereit,
Wenn Er das große Loch nicht scheut.
WALPURGISNACHT, ÜBERS. J.
ST. BURAS
Faust (tańcząc z Młodą):
Raz piękny sen nawiedził mnie,
Bom ujrzał jabłoń w swoim śnie.
Jabłuszek dwóch mnie olśnił blask
Nęciły mnie, tom na nią wlazł.
Piękna:
Jabłuszek was pociąga smak,
Już wtedy w raju było tak.
Z radości skakać mogłabym,
Że mam je również w sadzie mym.
Mefistopheles (ze Starą):
Raz przyśnił mi się dziwny sen,
Żem ujrzał rozłupany pień,
ogromną dziurę pień ten miał,
Lecz choć tak wielka, radem dał.
Stara:
Rycerzu z nogą jak ten koń,
Przed tobą nisko chylę skroń!
Jak się nie boisz takich dziur,
To musisz kołek mieć jak tur.
WALPURGISNACHT, TRÜBER TAG –
FELD: DIE EINZIGE PROSA-SZENE
Faust erinnert sich an Gretchen und ahnt ihre Hinrichtung
Faust:
Im Elend! Verzweifelnd! Erbärmlich auf der Erde lange verirrt und
nun gefangen! Als Missetäterin Im Kerker zu entsetzlichen Qualen
eingesperrt, das holde unselige Geschöpf! Bis dahin! dahin! –
Verräterischer, nichtswürdiger Geist, und das hast du mir
verheimlicht!
[…]
Mephisto:
Sie ist die erste nicht.
KERKER: KATHARSIS
Gretchen singt ein Lied aus dem Märchen Vom Machandelboom.
Meine Mutter, die Hur
Die mich umgebracht hat!
Mein Vater, der Schelm
Der mich gessen hat!
Mein Schwesterlein klein
Hub auf die Bein
An einem kühlen Ort;
Da ward ich ein schönes Waldvögelein;
Fliege fort, fliege fort!
Siehe: Google Classroom
GRETCHEN IM KERKER
Margarete:
Meine Mutter hab ich umgebracht,
Mein Kind hab ich ertränkt.
War es nicht dir und mir geschenkt?
Dir auch. – Du bist's! ich glaub es kaum.
Gib deine Hand! Es ist kein Traum!
Deine liebe Hand! – Ach, aber sie ist feucht!
Wische sie ab! Wie mich deucht,
Ist Blut dran.
Gretchen ist wahnsinnig geworden, gleichzeitig sieht sie ihre Schuld
ein und unterscheidet zwischen Gut und Böse
GERICHT GOTTES
Margarete:
Gericht Gottes! dir hab ich mich übergeben!
Mephistopheles (zu Faust):
Komm! komm! Ich lasse dich mit ihr im Stich.
Margarete:
Dein bin ich, Vater! Rette mich!
Ihr Engel! Ihr heiligen Scharen,
Lagert euch umher, mich zu bewahren!
Heinrich! Mir graut's vor dir.
Mephistopheles:
Sie ist gerichtet!
Stimme (von oben):
Ist gerettet!