Coaching K6
Coaching K6
Das folgende Kapitel widmet sich ganz den Techniken und Methoden im
Coaching. Wie in den vorherigen Kapiteln bereits deutlich wurde, besteht
die Arbeit eines Coaches vor allem in der inhaltlichen Gestaltung und
Steuerung einzelner Sitzungen mit dem Coachee. Dabei ist das erklärte
Ziel, dass diese Sitzungen den Coachees zu neuen Denkprozessen anregen
und seine Selbstreflexion steigern, um dadurch den Weg zu neuen
Lösungen und Maßnahmen zu ebnen. Wie jedoch genau diese Prozesse
ablaufen können und was einen Coachee konkret zur Selbstreflexion
anregen kann, dazu wurden im letzten Kapitel bereits diagnostische
Instrumente vorgestellt. In Ergänzung dazu soll es in diesem Kapitel um
grundlegende kommunikative Techniken gehen, die in Interaktionen
angewendet werden können. Diese allgemeinen Methoden umfassen
beispielsweise Fragetechniken, aktives Zuhören oder auch Paraphrasieren.
Darüber hinaus sollen jedoch auch spezifische Übungen vorgestellt
werden, die in verschiedenen Variationen im Coaching eingesetzt werden
können, um den Dialog mit dem Coachee voranzutreiben, den Fokus der
Sitzung zu verändern oder dem Coachee neue Sichtweisen aufzuzeigen.
Der Einsatz solcher Übungen erfolgt oftmals geknüpft an die jeweilige
Coaching-Phase: Es gibt Übungen, die in der Phase der Zielklärung oder
Diagnostik zur Anwendung kommen (c Kap. 5.3 zu nicht-psychometri-
schen Diagnostikverfahren und ihrer hohen Überschneidung mit Coa-
ching-Übungen), oder Instrumente, die eher in der Phase der Intervention
eingesetzt werden (siehe Rauen, 2012). Zusammengefasst wird in diesem
Kapitel ein genauerer Blick darauf geworfen, was Coaches konkret in ihren
Sitzungen tun. In einem Forschungsexkurs wird dieses Thema aufgegrif-
fen: Eine wissenschaftliche Publikation hat erstmals im Coaching versucht,
empathisches Verhalten eines Coaches nicht nur mittels Fragebögen zu
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6 Methoden im Coaching
6.1.1 Fragetechniken
»Was für den Geiger die Geige ist, ist für den Coach die Frage« (Wehrle,
2012, S. 6): Ein elementares Instrument ohne das die eigene Arbeit keinen
Sinn ergeben würde. Wie beispielsweise in Kapitel 1.4 verdeutlicht wurde,
ist es ein wichtiges Ziel von Coaching, dass der Coachee selbst Lösungen
generiert und während des gesamten Prozesses Experte für seine eigene
Situation ist und bleibt (vgl. Joseph, 2006). Unter dieser Voraussetzung
stellen Fragen ein sinnvolles Instrument für den Coach dar, um dem
Coachee implizites Wissen über seine Situation, seinen Wunschzustand
und sogar über mögliche neue Lösungsansätze zu »entlocken«. Wie durch
diesen letzten Satz schon deutlich wird, können die Antworten eines
Coachees dabei immer nur so gut sein, wie die Fragen des Coaches (vgl.
Wehrle, 2012). Daher stellen Fragen eine wichtige Technik dar, die sowohl
alleinstehend im Coaching genutzt werden kann als auch in Kombination
mit anderen Übungen (c Kap. 6.2) Anwendung findet. Fragetechniken
sind daher auch fundamentaler Bestandteil der meisten Coaching-Wei-
terbildungen und jeder Coach ist gut beraten, sich in der Benutzung
verschiedenster Fragetypen weiterzubilden.
Grundsätzlich kann man, je nach Quelle, zwei bis elf verschiedene
Fragetypen (Wehrle, 2012) unterscheiden: Grundsätzlich können Fragen
beispielsweise in die Kategorien »offen« und »geschlossen« unterteilt
werden (vgl. Wimmer, 2012). Offene Fragen werden manchmal auch als
sogenannte »W-Fragen« bezeichnet, da ihr Hauptmerkmal die Interroga-
tivadverbien bzw. Interrogativpronomen sind, die mit dem Buchstaben
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6.1 Allgemeine Techniken
»W« beginnen. Hierzu gehören unter anderem: Wer, wie, wo, was, warum,
wann, weshalb, wieso (vgl. Lippmann, 2013b; Wimmer, 2012). Ein Beispiel
für eine offene Frage wäre: »Wie fühlen Sie sich in diesen Situationen?«.
Geschlossene Fragen können demgegenüber in der Regel mit »ja« oder
»nein« beantwortet werden. Als Beispiel gegenüber der offenen Frage:
»Fühlen sich in dieser Situation ängstlich?«. Oftmals wird im Coaching
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6.1 Allgemeine Techniken
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6 Methoden im Coaching
In dem hier genutzten Beispiel stellt sich die Ausgangslage eines Coa-
chees so dar, dass er immer wieder in Konflikte mit seinem direk-
ten Vorgesetzten gerät. Nun möchte er sich auf ein anstehendes Vier-
Augen-Gespräch mit seinem Coach vorbereiten, in welchem er die
Konfliktsituationen thematisieren will.
Der Coach nutzt das vom Coachee beschriebene Setting, um die
anstehende Gesprächssituation nachzustellen: Hierfür werden zwei
Stühle sich gegenüber an einen Tisch gestellt. Nachdem der Coachee
seine eigene Wahrnehmung der Konflikte dargestellt hat, lässt der
Coach den Coachee die Stühle wechseln. Daran wird die Aufforderung
angeschlossen, nun die Rolle und Wahrnehmung des Chefs anzuneh-
men und die gleiche Situation aus Sicht des Chefs zu schildern und zu
erleben. Systemische Fragen, wie z. B.: »Wie würde ihr Chef sie in dieser
Situation beschreiben?«, werden auf diese Weise durch einen tatsäch-
lichen Wechsel der Sichtweise unterstützt, was es Coachees leichter
machen kann, die eigene Situation neu zu reflektieren und zu bewerten.
Wichtig bei der Nutzung einer Übung wie »Wechsel zwischen den Stüh-
len« ist es, sensibel darauf zu reagieren, inwieweit der Coachee bereit ist,
sich in die andere Person tatsächlich hinein zu versetzen. Auch wenn ein
Perspektivwechsel durch eine solche Übung, in Kombination mit zirku-
lären Fragen, einen hohen Erkenntnisgewinn erzielen kann, ist es bei
emotionalen Themen auch möglich, dass der Coachee die Sichtweise einer
anderen Person nicht einnehmen will. In diesen Situationen sollte kein
Druck aufgebaut werden, sondern eher auf andere Perspektiven des so-
zialen Systems ausgewichen werden.
Da es verschiedenste Fragetypologien gibt, kann dieses Kapitel nie-
mals eine vollständige Übersicht über jede Frageform geben (Übersicht
über einige wichtige Fragetypen, ihre Ziele und konkrete Beispielfra-
gen c Tab. 6.1). Im Folgenden soll jedoch noch auf zwei Fragetypen
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6.1 Allgemeine Techniken
Zielorientierte Ziel der Frage ist es, die Ziel- »Woran merken Sie, dass Sie
Fragen stellung des Coachees zu ex- Ihrem Ziel näher kommen?«
(Lippmann, plorieren und zu präzisieren.
2013b; Wehrle,
2012)
Wunderfragen Ziel der Frage ist es, den »Stellen Sie sich vor, über
(Lippmann, Coachee den Sollzustand ex- Nacht geschieht ein Wunder:
2013b) plorieren zu lassen. Hierfür Ihre persönliche gute Fee
wird als imaginäre Situation kommt vorbei und sorgt da-
die perfekte Zielerreichung für, dass Sie Ihr Ziel einfach so
mittels eines Wunders ge- im Schlaf erreicht haben. Lei-
nutzt, damit der Coachee der informiert sie Sie nicht.
sich in die Situation verset- Nun wachen Sie auf: Woran
zen kann. merken Sie das erste Mal, dass
nachts dieses Wunder ge-
schehen ist?«
Skalierungsfra- Ziel der Frage ist es, eine »Auf einer Skala von 1 bis
gen Situation mittels einer nu- 100 %: Wo stehen Sie gerade
(Lippmann, merischen Skala mess- und bei Ihrer persönlichen Zieler-
2013b) damit vergleichbar zu ma- reichung?«
chen. Auch kleine Fortschrit-
te können so an Zahlen fest-
gemacht werden.
Zirkuläre Fragen Ziel der Frage ist es, den »Wenn ich Ihre besten
(Lippmann, Coachee einen Perspektiv- Freunde anrufen würde und
2013b; Wehrle, wechsel vornehmen zu las- nach Ihren größten Stärken
2012) sen. Zirkuläre Fragen zielen fragen würde: Was würden
auf das, was Menschen aus sie sagen?«
dem Umfeld des Coachee
über ihn oder bestimmte
Beziehungen denken.
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Hypothetische Ziel der Frage ist es, mittels »Mal angenommen, Sie
Fragen einer hypothetischen Situa- könnten sich aus allen Men-
(Lippmann, tion, neue Möglichkeiten schen dieser Welt Ihr perfek-
tes Team zusammenstellen –
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Dissoziierende Ziel der Frage ist es, neue »Stellen Sie sich vor, ein Pas-
Fragen Sichtweisen zu öffnen durch sant wäre Zeuge Ihres kom-
(Lippmann, die Einbeziehung von Per- pletten Streits geworden:
2013b) spektiven Unbeteiligter. Wie hätte er die Situation
wahrgenommen?«
Ressourcenfrage Ziel der Frage ist es, den Blick »Wenn Sie Ihr Ziel als große
(Wehrle, 2012) des Coachees auf persönli- Bergbesteigung sehen: Wel-
che Qualitäten und Kontak- ches Rüstzeug besitzen Sie,
te zu lenken, die bei der das Ihnen bei der Besteigung
Lösung der Situation helfen helfen kann?«
könnten.
Lösungsfrage Ziel der Frage ist es, bisherige »Wenn Sie in der Vergan-
(Wehrle, 2012) Strategien und Lösungsan- genheit vor solch einer
sätze des Coachees zu erfra- schwierigen Entscheidung
gen und sie dann auf die standen: Wie sind Sie da vor-
aktuelle Situation zu über- gegangen?«
tragen.
Differenzierungs- Ziel der Frage ist es, dem »Wo liegen die Vorteile, sich
frage Coachee eine differenzierte- jetzt noch einmal beruflich
(Wehrle, 2012) re Sicht seiner Lage vor neu orientieren zu können?«
Augen zu führen.
Provokante Frage Ziel der Frage ist es, die »Sie haben gerade gesagt,
(Wehrle, 2012) Emotionen des Coachees niemand hilft Ihnen. Wann
vorsichtig zu nutzen, um zu haben Sie denn das letzte Mal
einer Klärung beizutragen. offen um Hilfe gebeten?«
Paradoxe Frage Ziel der Frage ist es, durch »Wenn Sie sicherstellen woll-
(Wehrle, 2012) eine völlige Veränderung ten, dass auf jeden Fall Ihr
der Sichtweise, neue Er- Kollege die Beförderung er-
kenntnisse zu generieren: hält: Wie müssten Sie sich in
Statt dem erwünschten wird
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gen.
Präzisierungs- Ziel der Frage ist es, Verall- »Sie sagen, Ihr Mann hört nie
frage gemeinerungen zu vermei- zu. Woran machen Sie das
(Wehrle, 2012) den und diese durch kon- genau fest? Wann ist ihnen
krete Beispiele und Fakten das zum ersten Mal aufgefal-
zu ersetzen. len?«
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Woran würden sie es festmachen, wenn sie morgen auf einer 6 wären?«.
Beide Fragetypen haben sich im Coaching bewährt und werden daher sehr
häufig eingesetzt (vgl. Ertelt & Schulz, 2015; Wehrle, 2012). Insbesondere
bei Coachees mit viel Coaching-Erfahrung bietet es sich daher an, nicht
auf Standardformulierungen zurückzugreifen, sondern eine Wunder-
oder Skalierungsfrage immer wieder möglichst neu und spannend zu
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Der Begriff des aktiven Zuhörens geht in den meisten Quellen auf Carl
Rogers und seinen klientenzentrierten Ansatz zurück (Rogers, 1972).
Dabei gehört zum aktiven Zuhören in erster Linie eine wertschätzende
Grundhaltung des Coaches (Lippmann, 2013b). Dies bedeutet in der
Praxis, dass der Coach alles, was der Coachee sagt, annimmt und
versucht, sich dabei in die Erlebnis- und Gefühlswelt des Coachees
empathisch hineinzuversetzen. Ziel des aktiven Zuhörens ist, dass der
Coach versucht, sich ganz auf die emotionale und inhaltliche Nachricht
des Coachees zu konzentrieren, diese zu entschlüsseln und dabei keine
eigene Nachricht in die Interaktion hineinzugeben (vgl. Rogers, 1972).
Der Fokus liegt ganz auf dem Nachvollziehen und Verstehen des
Coachees, statt in der Beurteilung oder Bewertung des Gesagten
(Rogers, 1972). Konkret gibt es verschiedene Techniken, die zum
aktiven Zuhören dazugehören: Zum einen sind das die minimalen
Ermutigungen zum Sprechen, wie Kopfnicken, Ein-Wort-Fragen oder
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6.1 Allgemeine Techniken
Letztere können ihre Wirkung jedoch nur entfalten, wenn der Coach
eine andere Technik beherrscht, deren Anwendung häufig – insbeson-
dere Anfängern – sehr schwer fällt: das Schweigen nach Aussagen des
Coachees (Ivey et al., 2010). Es zeigt sich, dass viele Coaches oder
Beratende bereits anfangen zu sprechen, obwohl der Coachee seine
Aussage eigentlich noch nicht beendet hat. Dies kann jedoch den
Gesprächsverlauf negativ beeinflussen, weshalb Coaches Geduld auf-
bringen und warten sollten, um 1) den Coachee nicht in seinen
Ausführungen zu unterbrechen, 2) ihn nicht unter Druck zu setzen,
schnell weitersprechen zu müssen und 3) durch eine entstehende
Gesprächspause ggf. einen neuen Gedanken beim Coachee auszulösen.
Denn eine ausgedehntere Reaktionszeit des Coaches von bis zu 5
Sekunden, nachdem der Coachee einen Satz beendet hat, führt dazu,
dass der Coachee in 25 % der Fälle eine neue Aussage einbringt (vgl.
Ivey & Authier, 1983). Im Gegensatz dazu wird auch der Coachee
versuchen, Gesprächspausen zu minimieren, wenn der Coach grund-
sätzlich schnell anfängt zu sprechen oder den Coachee sogar unter-
bricht: Gesprächspausen sind jedoch für die Selbstexploration des
Coachees notwendig und sollten daher nicht vermieden werden (vgl.
Ivey & Authier, 1983). Schweigen des Coaches sollte immer durch
andere nonverbale Gesprächstechniken, wie beispielsweise Blickkon-
takt, unterstützt werden, damit der Coachee weiterhin die Aufmerk-
samkeit des Coaches wahrnimmt und sich wertgeschätzt fühlt. Coa-
ching-Weiterbildungen müssen daher auch darauf ausgelegt sein,
Coaches Geduld zu vermitteln und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen,
nonverbal Aufmerksamkeit zu vermitteln und dem Coachee gleichzeitig
den Raum zu geben, weiterzusprechen.
Neben den kurz vorgestellten verbalen und nonverbalen minimalen
Ermutigungen zum Sprechen gibt es auch andere, »aktivere« Formen des
aktiven Zuhörens, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen.
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ren und Wiederholen einer Aussage des Coachees. Ziel dieses Umfor-
mulierens ist es, dem Coachee zu spiegeln, was bei dem Coach
angekommen ist und wie er es verstanden hat. Damit wird sichergestellt,
dass keine Missverständnisse zwischen Coach und Coachee auftreten
und der Coachee sich, durch erfolgreiches Paraphrasieren, verstanden
fühlt (Lippmann, 2013b). Darüber hinaus hat Paraphrasieren, neben der
Verständnisrückmeldung, auch eine weitere Aufgabe: Der Coach kann
auf diese Weise Inhalte des Coachees prägnanter formulieren und ihn
somit im Gespräch weiterbringen. Die Schwierigkeit hierbei ist, weder
ein einfaches Echo des Gesagten wiederzugeben, noch zu stark zu
interpretieren (Ivey et al., 2010): Beides könnte dazu führen, dass der
Coachee sich nicht ernstgenommen bzw. nicht verstanden fühlt. Der
Coach muss demnach eine Balance finden und sehr aufmerksam
zuhören, um das Wesentliche der letzten Aussage des Coachees mit
eigenen Worten wiederholen zu können (Ivey et al., 2010). Eine
Paraphrase kann sowohl als Aussage als auch als Frage formuliert
werden. Als Beispiel könnte ein Coach die Aussage »Früher war ich fest
davon überzeugt, ich würde Anwalt werden. Aber jetzt denke ich immer
häufiger, das wäre doch nicht das Richtige und ich sollte lieber Arzt
werden« als Aussage paraphrasieren »Ihre Vorstellungen Ihres zukünf-
tigen Berufs haben sich in den letzten Jahren sehr verändert.« oder auch
als Frage: »Sie sagen also, dass sich ihre Vorstellungen von ihrem
zukünftigen Beruf in den letzten Jahren sehr verändert haben?«.
Während eine Paraphrase immer auf den inhaltlichen Aspekt einer
Aussage abzielt, fokussiert eine »Reflexion der Gefühle des Gegenübers«
auf den emotionalen Aspekt einer Aussage. Auch hier ist das Mittel,
einen Aspekt des vorher Gesagten herauszugreifen und prägnant
umzuformulieren, um dem Coachee das Gehörte zurückzuspiegeln und
Klarheit zu ermöglichen. Jedoch wird hier gezielt der Gefühlsaspekt
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nicht sehen kann. Zeigt der Coach hingegen, dass er den Coachee
versteht, macht er dies durch kognitives empathisches Verhalten
sichtbar – auf das Verstehen folgt ein adäquates Verhalten, das für
den Coachee erkennbar ist. Kognitiv-empathisches Verhalten kann
hierbei durch das Reflektieren von Gefühlen des Gegenübers oder
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6.2 Spezifische Coaching-Übungen
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Geschichten
Eine andere Übungsart, die von vielen Coaches angewendet wird, stellen
»Geschichten« dar. Der Coach fungiert bei diesem Typus als erzählende
Person und leitet die Geschichte dabei möglichst offen ein. Beispielsweise
durch eine Aussage wie: »Ich habe gestern etwas gelesen, das wollte ich
ihnen einfach mal vorlesen: Vielleicht können sie etwas daraus mitneh-
men.« Es ist wichtig, dass der Coachee die Freiheit hat, mögliche
Parallelen zwischen der Geschichte, sich selbst und seiner Situation zu
suchen und zu finden oder die Geschichte als solche stehen zu lassen. Auch
können Geschichten Modelle zur Lösung für den Coachee bieten, jedoch
nur, wenn er selbst dies erkannt hat. Die Selbsterkenntnis stellt bei
Geschichten eine wichtige Schlüsselfunktion dar: Der Coach sollte nicht
»auflösen«, was er sich bei der Geschichte gedacht hat, wenn der Coachee
selbst keinen Sinn erkennt. In diesen Fällen war die Übung ggf. nicht für
den Coachee geeignet oder die Geschichte hat nicht gepasst. Für die
Auswahl von Geschichten gilt in der Regel: Eine Geschichte ist meist umso
besser geeignet, je mehr verschiedene Deutungsebenen sie zulässt und je
weniger offensichtliche Gemeinsamkeiten sich zu der Coacheesituation
aufdrängen. Geschichten müssen jedoch nicht zwangsweise vom Coach
kommen: Äquivalent zu Briefen kann auch das Aufschreiben der eigenen
Geschichte (oder einer Episode) eine Übung darstellen. Dies könnte
beispielsweise streng retrospektiv geschehen oder mit einem Fokus auf
etwas, was noch nicht passiert ist: So könnte der Coachee gebeten werden,
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6.2 Spezifische Coaching-Übungen
sich vorzustellen, er wäre 100 Jahre alt und würde aus diesem Anlass seine
Memoiren verfassen. Wo würden die Highlights seines Lebens liegen, die
unbedingt in das Buch gehören? In diesen Fällen werden Geschichten als
Stilmittel genutzt, um die Lebenssituation des Coachees aus einem
anderen Blickwinkel zu betrachten, Teile wegzulassen oder andere
Aspekte zu betonen. Geschichten können demnach eine neue, oftmals
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Rollenspiele
Visionen
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6.3 Fazit
der Coach trotzdem für den Coachee eine passende auswählen, die auch
der eigenen Arbeitsweise entspricht.
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6.3 Fazit
In diesem Kapitel lag der Schwerpunkt auf Techniken, die während einer
Coaching-Sitzung zum Einsatz kommen. Dabei wurde zwischen allge-
meinen Techniken, wie dem aktiven Zuhören, Schweigen und Paraphra-
sieren, und konkreten Übungen unterschieden. Erstere gehören zum
Handwerkszeug eines Coaches und müssen dementsprechend in jeder
Coaching-Weiterbildung obligatorisch sein. Die allgemeinen Techniken
erfordern hierbei die meiste Übung. Da es hierbei immer um situations-
spezifisches verbales und nonverbales Verhalten geht, kann langfristig nur
Erfahrung und eine enge Supervision dazu betragen diese Fähigkeiten zu
verfeinern. Audio- oder Videoaufzeichnungen eigener Coaching-Sitzun-
gen können für den Coach dabei ein wertvolles Instrument darstellen, die
eigenen Fähigkeiten sichtbar zu machen und zu evaluieren (c Kap. 7.3.1).
Im Allgemeinen zeichnen sich erfahrene Coaches insbesondere dadurch
aus, gezielte, offene und dennoch leicht verständliche Fragen zu stellen,
die jedoch auf den Coachee einen großen Einfluss haben. Darüber hinaus
können erfahrenere Coaches ihre Reaktionszeit nach der Aussage eines
Coachees steuern und sind geübt darin, Gesprächspausen »auszuhalten«
und dem Coachee trotzdem nonverbal wertschätzende Aufmerksamkeit
zu schenken. Sie paraphrasieren sowohl die inhaltliche als auch die
emotionale Ebene von Coacheeäußerungen erfolgreich, da sie gezielt
zuhören und somit sicherstellen, dass keine Missverständnisse entstehen.
Auf diese Weise können sie das Gespräch steuern, ohne inhaltlich die
Führung zu übernehmen und dem Coachee eigene Vorstellungen oder
Hypothesen in den Mund zu legen. Bei den spezifischen Übungen, die in
Kombination mit den genannten allgemeinen Techniken zur Anwendung
kommen, gibt es verschiedenste Varianten und Abwandlungen. In dem
Kapitel wurden lediglich einige wenige grundlegende Typen wie Briefe,
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Weiterführende Literatur
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