0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
18 Ansichten1.181 Seiten

Einspruch 2021 B

Das Dokument ist ein Wahleinspruch gegen die Gültigkeit der Bundestagswahl vom 27.09.2021, der gemäß § 2 WahlPrG eingereicht wurde. Es enthält umfassende rechtliche Argumente und Anträge zur Wahlprüfung, einschließlich Themen wie Kandidatenaufstellung, Chancengleichheit und Wahlverfahren. Zudem werden zahlreiche rechtliche Bestimmungen und Normen zitiert, die für die Wahl und deren Prüfung relevant sind.

Hochgeladen von

chrisi
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
18 Ansichten1.181 Seiten

Einspruch 2021 B

Das Dokument ist ein Wahleinspruch gegen die Gültigkeit der Bundestagswahl vom 27.09.2021, der gemäß § 2 WahlPrG eingereicht wurde. Es enthält umfassende rechtliche Argumente und Anträge zur Wahlprüfung, einschließlich Themen wie Kandidatenaufstellung, Chancengleichheit und Wahlverfahren. Zudem werden zahlreiche rechtliche Bestimmungen und Normen zitiert, die für die Wahl und deren Prüfung relevant sind.

Hochgeladen von

chrisi
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

XXXXXXXXXXXXXX

XXXXXXXXXXXXXX
XXXXXXXXXXXXXX

Bundestag
Wahlprüfungsausschuss
Platz der Republik 1
11011 Berlin

XXXXXX, den 25.11.2021

Sehr geehrte Damen und Herren,

gemäß § 2 WahlPrG wird gegen die Gültigkeit Wahl der deutschen Abgeordneten des Bundestages
vom 27.09.2021 nachfolgender Wahleinspruch erhoben.

Inhalt
I Beschwerdegegenstand ..................................................................................................................... 13
1. Beschränkter Rechtsschutz und Rechtsstaatsprinzip.................................................................... 13
1.1 GG............................................................................................................................................... 13
1.2 Gesetz über das Bundesverfassungsgericht (Bundesverfassungsgerichtsgesetz - BVerfGG) ...... 14
1.3 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) ............................................................................................... 15
1.4 Deutsches Richtergesetz............................................................................................................. 15
1.5 Richterwahlgesetz ...................................................................................................................... 16
1.6 Bundeswahlgesetz ...................................................................................................................... 19
1.7 Wahprüfungsgesetz .................................................................................................................... 19
1.8 Zivilprozessordnung.................................................................................................................... 23
1.9 Gerichtskostengesetz ................................................................................................................. 25
2. Kandidatenaufstellung ..................................................................................................................... 26
2.1 Frauen-,Geschlechter und sonstige Quotenregelungen ............................................................. 26
2.1.1 Bündnis ‘90/die Grünen .......................................................................................................... 26
2.1.1.1 Bundesverband..................................................................................................................... 26
2.1.1.2 In den Gliederungen ............................................................................................................. 30
2.1.1.3 LV Sachsen-Anhalt ................................................................................................................ 36
2.1.1.4 KV Mansfeld-Südharz ........................................................................................................... 37
2.1.1.5 Die Vorstände ....................................................................................................................... 37
1
2.1.1.6 Neuenquote des LV Berlin und LV Niedersachsen ................................................................ 37
2.1.2 SPD .......................................................................................................................................... 38
2.1.2.1 Bundesverband..................................................................................................................... 38
2.1.2.2 Migrantenquote ................................................................................................................... 39
2.1.2.3 Jugendquote ......................................................................................................................... 39
2.1.2.4 Vorstände ............................................................................................................................. 39
2.1.2.5 In den Gliederungen ............................................................................................................. 40
2.1.2.6 Direktbewerber in Bayern .................................................................................................... 42
2.1.3 Die Linke .................................................................................................................................. 43
2.1.3.1 Bundesverband..................................................................................................................... 43
2.1.3.2 In den Gliederungen ............................................................................................................. 43
2.1.4 Die CDU ................................................................................................................................... 44
2.1.4.1 Bundesverband..................................................................................................................... 44
2.1.4.2 In den Gliederungen ............................................................................................................. 45
2.1.4.3 Vorstände (Einschließlich CSU) ............................................................................................. 46
2.1.4.4 Die CSU ................................................................................................................................. 46
2.1.5 Die DKP .................................................................................................................................... 46
2.1.6 Freie Wähler ............................................................................................................................ 46
2.2 Stimmenquoren der CDU ........................................................................................................... 46
2.3 Unterschriftenquoren der CDU .................................................................................................. 47
2.4 Dynamische Verweisungen ........................................................................................................ 48
2.4.1 Alggemeines ............................................................................................................................ 48
2.4.2 Bündnis ‘90/Die Grünen .......................................................................................................... 49
2.4.3 SPD .......................................................................................................................................... 53
2.4.4 CDU ......................................................................................................................................... 55
2.4.5 Die Linke .................................................................................................................................. 56
2.5 Imperative Mandate ................................................................................................................... 56
2.6 Wahlverfahren Bündnis ‘90/die Grünen LV Thüringen ............................................................... 57
2.7 Wahlverfahren Bündnis ‘90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt ..................................................... 58
2.8 Mindestteilnehmerzahl von drei Mitgliedern ............................................................................. 58
3. Abgestufte Chancengleichheit .......................................................................................................... 58
3.1 § 5 PartG ..................................................................................................................................... 58
3.2 Abstufung der Chancengleichheit im Straßenwahlkampf........................................................... 59
3.3 Nichtzulassung von „Splitterparteien“ zu den Elefantenrunden ................................................ 59
4.Sondernutzungsgebühren und Sondernutzungsgenehmigungen ..................................................... 59
II Anträge .............................................................................................................................................. 59

2
III Zulässigkeit ....................................................................................................................................... 61
1.Definition von Wahlfehlern ............................................................................................................... 61
2. Normenkontrollen und Prüfungsumfang ......................................................................................... 66
3. Beiziehung von Unterlagen und Benennung von Beweismitteln ...................................................... 66
4. Beiziehung von Sachverständigen .................................................................................................... 67
5. Mandatsrelevanz .............................................................................................................................. 67
6. Unfaires Verfahren ........................................................................................................................... 68
6.1 Allgemeines ................................................................................................................................ 68
6.2 Rechtsprechung des EGMR ........................................................................................................ 69
6.2.1. Zum Verfahren ....................................................................................................................... 70
6.2.1.1Verfahrensgang ..................................................................................................................... 70
6.2.1.2 Opfereigenschaft .................................................................................................................. 79
6.2.1.3 Verweis auf Konventionen ................................................................................................... 79
6.2.2 Erschöpfung des Rechtswegs .................................................................................................. 80
6.2.3 Verstöße gegen die EMRK ....................................................................................................... 80
6.2.3.1 Art. 6 EMRK .......................................................................................................................... 80
6.2.3.1.1 Maßstäbe .......................................................................................................................... 80
6.2.3.1..1.2 Anwendungsbereich ...................................................................................................... 80
6.2.3.1.1.3 Faires Verfahren ............................................................................................................. 82
3.2.3.1.1.4 Rechtliches Gehör........................................................................................................... 84
6.2.3.1.1.5 Bindung an das Gesetz ................................................................................................... 85
6.2.3.1.1.6 Besetzung der Richter .................................................................................................... 87
6.2.3.1.1.6.1 Gesetzlicher Richter ..................................................................................................... 87
6.2.3.1.1.6.2 Unabhängigkeit und Unparteilichkeit des Richters ...................................................... 89
6.2.3.1.1.6.3 Befangenheit des Richters ........................................................................................... 93
6.2.3.2 Anwendung der Maßstäbe ................................................................................................... 94
6.2.3.2.1 Art. 6 EMRK ...................................................................................................................... 94
6.2.3.2.2 i.V.m. 14 EMRK ................................................................................................................ 103
6.2.3.2.3 Art. 17 EMRK. .................................................................................................................. 104
6.2.3.3 Art.13 EMRK ....................................................................................................................... 105
6.2.3.3.1 Maßstäbe ........................................................................................................................ 105
6.2.3.3.2 Anwendung nach Art. 3 ZP 1 I.V.m: Art. 14 ..................................................................... 109
7. Gesetzgeberisches Unterlassen ...................................................................................................... 110
8. Anspruch auf mündliche Verhandlung mit Entscheidungsbegründung.......................................... 121
9. Befangenheit der Abgeordneten .................................................................................................... 121
10. Anrufung des EuGH ...................................................................................................................... 121

3
10. Allgemeines .............................................................................................................................. 121
10.2 FrauenQuote .......................................................................................................................... 128
10.3 Verstöße gegen den Direktwahlakt ........................................................................................ 131
10.3.1 Verstoß gegen Art. 1 des Direktwahlaktes .......................................................................... 131
11. Über die Entscheidung des Bundestages ...................................................................................... 133
11.1 Kandidatenaufstellung............................................................................................................ 133
11.1.1 Frauenquoten ...................................................................................................................... 133
11.1.2 Stimmenquoren................................................................................................................... 152
11.1.3 Unterschriftenquoren .......................................................................................................... 152
11.1.4 Dynamische Verweisungen ................................................................................................. 152
11.1.5 Anwesenheit von mindestens 3 wahlberechtigten Mitgliedern .......................................... 153
11.1.6 die anderen satzungsmäßigen Bestimmungen .................................................................... 153
11.2 Zu den Ausführungen über das Wahlrecht ............................................................................ 153
11.3 Zur Wahlwerbung ................................................................................................................... 156
11.3.1 Zur Erhebung von Sondernutzungsgebühren ...................................................................... 156
11.3.2 Abgestufte Chancengleichheit ............................................................................................. 156
11.3.3 Zur Zurückweisung von Wahlvorschlägen ........................................................................... 156
12. Beweismittel nach § 23 BVerfGG.................................................................................................. 156
13. Formaler Mangel der Wahlprüfung .............................................................................................. 157
V Begründung ..................................................................................................................................... 162
1 Allgemein ........................................................................................................................................ 162
1.1 Kandidatenaufstellung ............................................................................................................. 162
1.1.1 Quoten .................................................................................................................................. 162
1.1.1.1 Frauenquoten allgemein .................................................................................................... 162
1.1.1.2 Frauenquote Bündnis ‘90/die Grünen ................................................................................ 170
1.1.1.3 Bündnis ‘90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt ....................................................................... 174
1.1.1.4 Bündnis ‘90/Die Grünen KV Mansfeld Südharz .................................................................. 176
1.1.1.5 Andere Quoten ................................................................................................................... 176
1.1.1.6 Entscheidungs und Spruchpraxis des Bundestages ............................................................ 177
1.1.1.7 Zusammenfassung .............................................................................................................. 189
1.1.2 Bündnis ‘90/die Grünen LV Thüringen .................................................................................. 189
1.1.3 Bündnis ‘90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt .......................................................................... 191
1.1.4 Dynamische Verweisungen ................................................................................................... 192
1.1.5 Mindestquoren gültiger Stimmen ......................................................................................... 192
1.1.6 Imperatives Mandat .............................................................................................................. 198
1.1.7 Unterschriftenquoren Hessen ............................................................................................... 198

4
1.1.8 Wahl von Delegierten ............................................................................................................ 199
1.1.9 Erfordernis von Mindestens 3 Teilnehmern .......................................................................... 199
1.1.10 Beschwerde bei den Wahlorganen ...................................................................................... 199
1.1.11 Auswirkungen auf Parlamentswahlen ................................................................................. 214
1.1.11.1 ein Überblick .................................................................................................................... 214
1.1.11.2 Bündnis ‘90/die Grünen ................................................................................................... 214
1.1.11.3 CDU .................................................................................................................................. 219
1.1.11.4 SPD ................................................................................................................................... 226
1.1.11.5 Die Linke(PDS) .................................................................................................................. 233
1.1.11.6 Zur aktuellen Bundestagswahl.......................................................................................... 239
1.1.11.7 Zusammenfassung ............................................................................................................ 241
1.2 Abgestufte Chancengleichheit und Wahlwerbung ................................................................... 243
1.2.1 Sondernutzungsgebühren in WK 74 ..................................................................................... 243
1.2.2 Ausdifferenzierung bei der Sondernutzung von Wahlplakaten ............................................ 245
1.2.3 Nichtzulassungvon Wahlvorschlägen von Spiltterparteien ................................................... 256
1.2.3.1 Deutsche Mitte ................................................................................................................... 256
1.2.3.2 Landes NPD Berlin .............................................................................................................. 256
1.2.3.3 Demokratie in Bewegung Landesliste Reinland Pfalz ......................................................... 256
1.3 Rechtsstaatsprinzip und beschränkter Rechtsschutz ................................................................ 256
1.3.1 Allgemeine Ausführung ......................................................................................................... 256
1.3.1.1 Wahlgerechtigkeit .............................................................................................................. 257
1.3.1.2 Parteienfinanzierung .......................................................................................................... 258
1.3.1.3 Arten möglicher Beeinträchtigungen ................................................................................. 258
a) Unrechtmäßige Zulassung/Nichtzulassung von Wahlvorschlägen ............................................. 258
b) Unrechtmäßige Anerkennung/Nichtanerkennung von Parteien ................................................ 259
c) Unrechtmäßige Anerkennung/Nichtanerkennung des allgemeinen Wahlrechts ....................... 259
d)Unrechtmäßige Nichteintragung oder fehlerhafte Eintragung ins Wählerverzeichnis ................ 260
e) Probleme bei der Zustellung von Wahlunterlagen .................................................................... 260
f) Überlange Verfahrensdauer beim Prüfungsverfahren ................................................................ 260
g) Unvorhersehbare Ereignisse....................................................................................................... 260
h) Wahlteilnahme besonderer Personengruppen .......................................................................... 260
1.3.1.4 Korrelation Einspruchsrecht vs Beschwerderecht .............................................................. 261
1.3.1.5 Notwendigkeit des zweistufigen Verfahrens der Wahlprüfung .......................................... 261
1.3.1.6 Verletzung der Chancengleichheit durch staatliche Gewalt ............................................... 261
1.3.1.7 Beispiele ............................................................................................................................. 261
a) Migranten und Auslanddeutsche ............................................................................................... 261

5
b) Nachwahl Dresden ..................................................................................................................... 262
c) Nichtanerkennung von Parteien ................................................................................................. 262
d) Probleme bei der Kandidatenaufstellung ................................................................................... 263
e) Umgang mit besonderen Personengruppen .............................................................................. 263
f) Überlange Verfahrensdauer ........................................................................................................ 263
g) Beschwerde der Partei, „die Partei“ ........................................................................................... 264
h) Rechtsmittel bei Wahlwerbesendungen .................................................................................... 264
i) Unrechtsmäßige Zuerkennung aktiven Wahlrechts .................................................................... 264
1.3.1.8 Einsprüche, die sich auf die Wahlvorbereitung erstrecken ................................................ 264
1.3.1.9 Vorhandene Lücken im Rechtsschutz ................................................................................. 265
1.3.1.10 Gewährleistung eines fairen demokratischen Wettbewerbs ........................................... 265
1.3.1.11 Zusammenfassung ............................................................................................................ 266
1.3.2 Einschläge Normen zur Durchsetzung von Pflichten der Richter ........................................... 266
1.3.2.1 § 26 DriG............................................................................................................................. 266
1.3.2.2 § 43 DRiG ............................................................................................................................ 279
1.3.2.3 § 339 StGB .......................................................................................................................... 301
1.3.2.4 § 839 BGB ........................................................................................................................... 309
1.3.3 Zustand der Justiz .................................................................................................................. 311
1.3.3.1 In de Richterschaft .............................................................................................................. 325
1.3.3.2 in der Staatswaltschaft ....................................................................................................... 332
1.3.4 Vorgänge beim Bundesverfassungsgericht ............................................................................ 378
1.3.4.1 Ausscheiden von Herr Gerhardt ........................................................................................ 378
1.3.4.2 Jahresstatistik ..................................................................................................................... 381
1.3.4.3 Geschäftsverteilungsplan ................................................................................................... 385
1.3.4.4 Wahl von Herr Maidowski und der Zusammenhang mit seiner Dissertation ..................... 388
1.3.4.5 Fazit .................................................................................................................................... 404
1.3.4.6 Wahl der Richter des Bundverfassungsgericht ................................................................... 404
1.3.4.7 Presse und Veröffentlichungen .......................................................................................... 405
1. 3.4.8 Wortlaut des Interviews über des Rechtsstaat .................................................................. 406
1.3.5 In der Justiz ............................................................................................................................ 409
1.3.6 Aus der Dissertation von Herr Hochschild ............................................................................. 409
1.3.7 Handhabung von Entlastungsmaßnahmen ............................................................................ 431
1.3.8 Zusammenhang der Verfahren des Beschwerdeführers ....................................................... 431
1.3.9 Verwerfungen von Revisionen............................................................................................... 432
1.3.10 Ablehnungen von Verfassungsbeschwerden ....................................................................... 478
1.3.11 Anwaltszwang...................................................................................................................... 493

6
1.3.12 Verfahrensgang 2 BvC 27/14 ............................................................................................... 494
1.3.13 Parlamentarischer Rat zu Art. 19, Art. 41 und Art. 101 GG ................................................. 514
1.3.14 Öffentlichkeit der Wahlprüfung .......................................................................................... 516
1.3.15 Kandidaturen von Richtern und Staatsanwälten zum Bundestag ........................................ 532
1.3.16 Zusammenfassung ............................................................................................................... 532
2.Der Schutzbereich ........................................................................................................................... 532
2.1 Art. 1 GG ................................................................................................................................... 532
2.1.1 Maßstäbe .............................................................................................................................. 532
2.1.1.1 Schutzpflichten des Staates ................................................................................................ 532
2.1.1.2 Mündigkeit des Grundrechtsträgers ................................................................................... 537
2.1.2 Anwendung der Maßstäbe .................................................................................................... 540
2.1.2.1 Anwaltszwang..................................................................................................................... 540
2.1.2.2 Entlastungsmaßnahmen ..................................................................................................... 540
2.1.2.3 Unabhängigkeit der Justiz ................................................................................................... 540
2.1.2.4 Kontrolle gegen grobes prozessuales Unrecht ................................................................... 540
2.2 Art. 2 GG ................................................................................................................................... 540
2.2.1 Maßstäbe .............................................................................................................................. 540
2.2.2 Anwendung ........................................................................................................................... 542
2.3 Art. 3 GG ................................................................................................................................... 547
2.3.1Maßstäbe ............................................................................................................................... 547
2.3.1.1 Willkürformel ..................................................................................................................... 547
2.3.1.2 Normadressaten ................................................................................................................. 548
2.3.1.3 Lebenssachverhalte und Verhalten ................................................................................... 548
2.3.1.4 Rechtsanwendung ............................................................................................................. 548
2.3.1.5 Art. 3 Abs. 2 und Abs. 3 GG ................................................................................................ 548
2.3.2 Anwendung ........................................................................................................................... 596
2.3.2.1 Rechtsbeziehungen der Freiheits- und Gleicheitsrechte ................................................... 596
2.3.2.2 Anwaltszwang und Anwaltskosten bei „Selbstbeauftragung“ ............................................ 606
2.3.2.3 Rechtsstaatsprinzip ............................................................................................................ 608
2.3.2.4 Begründungslose Verwerfungen von Revisionen und Verfassungsbeschwerden .............. 608
2.3.2.5 Rechtliches Gehör nach Art. 103 GG .................................................................................. 609
2.3.2.6 Befristung von Verfassungsbeschwerden ........................................................................... 609
2.3.2.8 Gerichtliche Zuständigkeit durch Streitwertfestsetzung .................................................... 609
2.3.2.9 Subsidiarität von Rechtsmittelverfahren ............................................................................ 610
2.3.2.10 § 26 Abs. 3 und Art. 43 DRiG............................................................................................ 610
2.3.2.11 § 511 und § 574 ZPO ........................................................................................................ 610

7
2.3.2.12 Beschränkter Rechtsschutz ............................................................................................... 610
2.3.2.13 Frauenquote ..................................................................................................................... 611
2.3.2.14 Versagung des Wahlrechts betreuter und in psychiatrischer Unterbringung befindlicher
Personen ........................................................................................................................................ 625
2.3.2.15 Mindestens 3 Wahlberechtigte bei Wahlversammlung.................................................... 629
2.4 Art 18 GG .................................................................................................................................. 630
2.5 Art. 19 Abs. 1 Satz 1 .................................................................................................................. 630
2.6 Art. 19 Abs. 4 GG ...................................................................................................................... 631
2.6.1 Maßstäbe .............................................................................................................................. 631
2.6.2 Anwendung ........................................................................................................................... 641
2.6.2.1 Verfassungsbeschwerde ..................................................................................................... 641
2.6.2.2 Anwaltszwang..................................................................................................................... 641
2.6.2.3 Zulassung zur Berufung und Revision ................................................................................. 641
2.6.2.4 § 26 DRiG ............................................................................................................................ 642
2.6.2.5 Wahlprüfung ...................................................................................................................... 642
2.7 Art. 20 GG ................................................................................................................................. 642
2.7.1 Maßstäbe zu Abs. 3 ............................................................................................................... 642
2.7.1.1 Bindung an Recht und Gesetz ............................................................................................. 642
2.7.1.2 Rechtsstaatliche Verfahren ................................................................................................ 643
2.6.1.3 Unabhängigkeit .................................................................................................................. 649
2.7.1.4 Waffengleichheit ................................................................................................................ 651
2.7.1.5 Schutzzweck einer Norm .................................................................................................... 652
2.7.1.6 Übertriebener Formalismus ............................................................................................... 652
2.7.1.7 Gesetzesvorbehalt .............................................................................................................. 653
2.7.1.8 Normenklarheit .................................................................................................................. 656
2.7.2 Anwendung ........................................................................................................................... 656
2.7.2.1 Unabhängigkeit .................................................................................................................. 656
2.7.2.2 § 339 StGB .......................................................................................................................... 656
2.7.2.4 § 26 DriG............................................................................................................................. 657
2.7.2.5 § 43 DriG ............................................................................................................................ 657
2.7.2.6 Beweislast .......................................................................................................................... 657
2.7.2.7 Entlastungsmaßnahmen durch Begründungslose Beschlüsse ............................................ 658
2.7.2.8 Waffengleichheit ................................................................................................................ 664
2.7.2.10 Zulässigkeit von Verfassungsbeschwerden ....................................................................... 666
2.7.2.11 Art. 41 Abs. 1 GG und § 26 EuWG..................................................................................... 724
2.7.3 Abs. 4 ..................................................................................................................................... 725

8
2.8 Art. 21 Abs. 1 S. 3 GG ................................................................................................................ 726
2.8.1 Wahlgrundsätze .................................................................................................................... 726
2.8.2 Innere Ordnung und Mitgliederrechte .................................................................................. 728
2.8.3 Erörterung zur demokratischen Binnenorganisation ............................................................. 751
2.8.3.1 Zur Motivation des Begehrens ........................................................................................... 751
2.8.3.2 Die Argumentation in Grundzügen ..................................................................................... 752
2.7.3.3 Die Ideologie....................................................................................................................... 759
2.8.4 Fazit ....................................................................................................................................... 771
2.9 Art. 23 GG ................................................................................................................................. 779
2.9.1 Art. 21 GRCh .......................................................................................................................... 779
2.9.2 Art. 47 GRCH .......................................................................................................................... 779
2.9.2.1 Geltungsbereich ................................................................................................................. 779
2.9.2.2 Befangenheit ...................................................................................................................... 806
2.9.2.3 Unabhängigkeit .................................................................................................................. 814
2.9.3 Art. 54 GRC ............................................................................................................................ 815
2.10 Art. 25 GG ............................................................................................................................... 818
2.10.1 Art. 6 EMRK ......................................................................................................................... 818
2.10.1.1 Befangenheit und Unparteilichkeit ................................................................................... 818
2.10.1.2 Unabhängigkeit ................................................................................................................ 819
2.10.2 Art. 13 EMRK ....................................................................................................................... 824
2.10.3 Art. 17 EMRK ....................................................................................................................... 835
2.10.3.1 Unabhängigkeit der Justiz ................................................................................................. 835
2.10.3.2 Besetzung des Richter des Bundesverfassungsgerichts .................................................... 839
2.10.3.3 Die Verfahren des Beschwerdeführers ............................................................................. 839
2.10.3.4 Entlastungsmaßnahmen ................................................................................................... 840
2.10.4 Art. 26 Uno Pakt II ............................................................................................................... 842
2.10.5 Rechtsprechung des BVerfG ................................................................................................ 842
2.11. Art. 33 GG .............................................................................................................................. 851
2.11.1 Maßstäbe ............................................................................................................................ 851
2.11.1.1 Richteramt ........................................................................................................................ 851
2.11.1.2 Frauenquote ..................................................................................................................... 852
2.11.2 Anwendung ........................................................................................................................ 855
2.12 Art. 38 Abs. 1 S. 1 GG .............................................................................................................. 856
2.12.1 Maßstäbe ............................................................................................................................ 856
2.12.1.1 Allgemeines zu den Wahlgrundsätzen .............................................................................. 856
2.12.1.2 Allgemeinheit der Wahl .................................................................................................... 858

9
2.12.1.3 Gleichheit der Wahl .......................................................................................................... 859
2.12.1.4 Freiheit der Wahl .............................................................................................................. 866
2.12.2 Anwendung der Maßstäbe .................................................................................................. 867
2.12.2.1 Allgemeinheit der Wahl .................................................................................................... 867
2.12.2.1.1 Frauenquote .................................................................................................................. 867
2.12.2.1.2 Mindestens 3 Wahlberechtigte bei Wahlversammlung................................................. 868
2.12.2.1.3 Ausschluss des Beschwerdeführers von der Wahl ......................................................... 871
2.12.2.1.4 Nichtzulassung von Wahlvorschlägen von „Splitterparteien“ ....................................... 871
2.12.2.2 Gleichheit der Wahl .......................................................................................................... 871
2.12.2.2.1 Frauenquote .................................................................................................................. 871
2.12.2.2.2 Unterschriftenquorum .................................................................................................. 880
2.12.2.2.3 Stimmenquorum ........................................................................................................... 881
2.12.2.2.4 Beschränkter Rechtsschutz ............................................................................................ 881
2.12.2.2.5 Wahlwerbung ................................................................................................................ 884
2.12.2.3 Freiheit der Wahl .............................................................................................................. 885
2.12.2.4 Unmittelbarkeit ................................................................................................................ 886
2.12.2.5 Geheimhaltung ................................................................................................................. 887
2.12.2.6 Fazit .................................................................................................................................. 887
2.13 Art. 101 GG ............................................................................................................................. 888
2.13.1 Maßstäbe ............................................................................................................................ 888
2.13.2 Anwendung ......................................................................................................................... 894
2.13.2.1 Anhörungsrügen ............................................................................................................... 894
2.13.2.2 Entscheidung über die Zulassung von Verfahren zur Berufung oder Revision................. 894
2.13.2.3 Befangenheitsantsanträge................................................................................................ 894
2.13.2.4 Zuständigkeit des Gerichts durch Streitwertfestsetzung .................................................. 894
2.13.2.6 Subisidiarität von Verfassungsbeschwerden .................................................................... 894
2.14 § 21 und 27 BWahlG ............................................................................................................... 894
2.15 § 25 i.V.m. § 32,33, § 35,§38 und § 40 BGB ............................................................................ 896
2.15 .1 Allgemeines ........................................................................................................................ 896
2.15.2 Bündnis 90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt ......................................................................... 899
2.16.3 Bündnis 90/die Grünen KV Mansfeld-Südharz .................................................................... 899
2.16.4 Frauenquoten ...................................................................................................................... 900
2.16.5 Anwesenheit von mindestens 3 wahlberechtigten Mitgliedern .......................................... 900
2.16.6 Dynamische Verweisung ..................................................................................................... 900
2.17 § 10 Abs. 2 Satz 1 PartG .......................................................................................................... 905
2.18 § 15 Abs. 2 Satz 1 PartG .......................................................................................................... 908

10
2.19§ 17 PartG................................................................................................................................ 908
3. Eignung und Rechtfertigung des Eingriffs ....................................................................................... 913
3.1 Maßstäbe ................................................................................................................................. 913
3.2 Anwendung .............................................................................................................................. 925
3.2.1 Anwaltszwang und Anwaltskosten bei „Selbstbeauftragung“ ............................................... 925
3.2.2 Schutzzweck der Unabhängigkeit und Weisungsfreiheit des Richters ................................... 926
3.2.3 Begründungslose Verwerfungen von Verfassungsbeschwerden und Revisionen ................. 938
3.2.4 Anhörungsrügen und weitere Rechtsmittel durch denselben Richter ................................... 951
3.2.5 Entscheidung über Zulassung von Revisionen und Beschwerden durch denselben Richter 951
3.2.6 Befristung von Verfassungsbeschwerden gegen Gesetze und sonstige Hoheitsakte ............ 951
3.2.7 Regelungen zur Befangenheit ................................................................................................ 952
3.2.8 Rechtsmittel des Richter wegen Verletzung der Unabhängigkeit .......................................... 952
3.2.9 Anforderungen an die Erhebung von Verfassungsbeschwerden ........................................... 952
3.2.10 Sonstige Entlastungsmaßnahmen ....................................................................................... 952
3.2.11 Subsidiarität von Rechtsmittelverfahren ............................................................................. 953
3.2.12 Frauenquoten ...................................................................................................................... 953
4. Unabhängige Justizverwaltung ....................................................................................................... 967
5. Zusammenfassung.......................................................................................................................... 971
5.1 Konventionskonformes Rechtsschutzsystem ........................................................................... 971
5.2 Frauenquote ............................................................................................................................. 972
5.3 Schlussbemerkungen................................................................................................................ 973
6.Anlagen ........................................................................................................................................... 973
6.1 Unterlagen des Bundestages .................................................................................................... 973
6.1.1 Beschluss vom 21.05.1990 BT-Drucks. 11/7209 Anl. 1 .......................................................... 973
6.1.2 Beschluss vom 19.01.1996 BT-Drucks.13/3531 Anl. 41 ......................................................... 975
6.1.3 Beschluss vom 29.02.1996 BT-Drucks. 13/1927 Anl. 15 ........................................................ 977
6.1.4 Beschluss vom 29.02.1996 BT-Drucks. 13/1927 Anl. 21 ........................................................ 981
6.1.5 Beschluss vom 29.02.1996 BT-Drucks. 13/1928 Anl. 43 ....................................................... 984
6.1.6 Beschluss vom 29.02.1996 BT-Drucks. 14/1560 Anl.82 ......................................................... 990
6.1.7 Beschluss vom 30.01.2004 BT-Drucks. 15/2400 Anl.14 ......................................................... 995
6.1.8 Beschluss vom 28.05.2005 BT-Drucks. 15/4750 Anl.19 ....................................................... 1000
6.1.9 Beschluss 30.11 2006 BT-Drucks. 16/3600 Anl. 6 ................................................................ 1003
6.2 Aus der Presse und weiteren Veröffentlichungen .................................................................. 1005
6.2.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 1005
6.2.2 Öffentliche Stellungnahme eines Grünenmitglieds ............................................................. 1005
6.2.3 Öffentlicher Bericht eines SPD-Mitglieds............................................................................. 1008

11
6.2.4 Interview mit dem SPD-Mitglied ......................................................................................... 1019
6.2.5 Weiterer Kommentar zur Quote ......................................................................................... 1026
6.2.6 Aus einem Streitgespräch .................................................................................................... 1028
6.2.7 Presseartikel über den KV Bad Segeberg ............................................................................. 1029
6.2.8 Presseartikel über einen Grünenparteitag des LV Schleswig Holstein ................................. 1030
6.2.9 Pressemitteilung zur Spitzenkandidatur von Robert Habeck ............................................... 1031
6.2.10 Beschlüsse zum Bundesfrauenrat ...................................................................................... 1032
6.2.10.1 Allgemeines ................................................................................................................... 1032
6.2.10.2 Beschluss vom 10.03.2002 ............................................................................................. 1032
6.2.10.3 Beschluss vom 28.01.2006 ............................................................................................. 1033
6.2.10.4 Beschluss vom 02.10.2010 ............................................................................................. 1034
6.2.10.5 Zusammenfassung .......................................................................................................... 1035
6.2.11 Aus dem Spiegel 1986 ....................................................................................................... 1035
6.2.12 „Bericht“ über Frauenquote der Grünen .......................................................................... 1035
6.2.13 Zum Verständnis der Chancengleichheit bei den Grünen ................................................. 1036
6.2.14 Bericht des „Genderrates“ des LV Sachsen-Anhalt ............................................................ 1038
6.2.15 SPD Fragekatalog ............................................................................................................... 1043
6.2.16 Zusammenfassung ............................................................................................................. 1045
6.3 Aus den parteiinternen Schiedsverfahren .............................................................................. 1046
6.3.1 Allgemeines ........................................................................................................................ 1046
6.3.2 Entscheidung aus der CDU vom 27.09.2005 ....................................................................... 1046
6.3.3 Entscheidung aus der SPD vom 17.01.2005 ........................................................................ 1046
6.3.4 Entscheidung aus die Linke vom 23.01.2010 ....................................................................... 1049
6.3.5 Entscheidung vom 15.09.1994 vom Bündnis 90/Die Grünen .............................................. 1055
6.3.6 Entscheidung vom 07.11.1998 vom Bündnis 90/Die Grünen .............................................. 1059
6.3.7 Entscheidung vom 08.12.2009 vom Bündnis 90/Die Grünen .............................................. 1062
6.3.8 Entscheidung vom 08.05.2014 ............................................................................................ 1064
6.3.9 In einem weiteren Verfahren gegen den LV-Sachsen-Anhalt von Bündnis 90/die Grünen . 1067
6.3.10 Fazit ................................................................................................................................... 1068
6.4 Resolutionen und Statute ....................................................................................................... 1069
6.4.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 1069
6.4.2 Beschluss des Ministerkomitees .......................................................................................... 1069
6.4.3 Stellungnahme des CCJE ...................................................................................................... 1098
6.4.4 ZUSAMMENFASSUNG DER EMPFEHLUNGEN UND SCHLUSSFOLGERUNGEN des CCJE ........ 1115
6.4.5 Beschluss des Europarates vom 07.08.2009 ........................................................................ 1120

12
I Beschwerdegegenstand

1. Beschränkter Rechtsschutz und Rechtsstaatsprinzip


1.1 GG

Art. 41
(1)Wahlprüfung ist Sache des Bundestages. Er entscheidet auch, ob ein Abgeordneter des
Bundestages die Mitgliedschaft verloren hat.

(2) Gegen die Entscheidung des Bundestages ist die Beschwerde an das Bundesverfassungsgericht
zulässig.

(3) Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.

Art 94
(1) Das Bundesverfassungsgericht besteht aus Bundesrichtern und anderen Mitgliedern. Die
Mitglieder des Bundesverfassungsgerichtes werden je zur Hälfte vom Bundestage und vom
Bundesrate gewählt. Sie dürfen weder dem Bundestage, dem Bundesrate, der Bundesregierung noch
entsprechenden Organen eines Landes angehören.

Art 95
(1) Für die Gebiete der ordentlichen, der Verwaltungs-, der Finanz-, der Arbeits- und der
Sozialgerichtsbarkeit errichtet der Bund als oberste Gerichtshöfe den Bundesgerichtshof, das
Bundesverwaltungsgericht, den Bundesfinanzhof, das Bundesarbeitsgericht und das
Bundessozialgericht.

(2) Über die Berufung der Richter dieser Gerichte entscheidet der für das jeweilige Sachgebiet
zuständige Bundesminister gemeinsam mit einem Richterwahlausschuß, der aus den für das jeweilige
Sachgebiet zuständigen Ministern der Länder und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern besteht, die
vom Bundestage gewählt werden.

Art 98

(1) Die Rechtsstellung der Bundesrichter ist durch besonderes Bundesgesetz zu regeln.

(2) Wenn ein Bundesrichter im Amte oder außerhalb des Amtes gegen die Grundsätze des
Grundgesetzes oder gegen die verfassungsmäßige Ordnung eines Landes verstößt, so kann das
Bundesverfassungsgericht mit Zweidrittelmehrheit auf Antrag des Bundestages anordnen, daß der
Richter in ein anderes Amt oder in den Ruhestand zu versetzen ist. Im Falle eines vorsätzlichen
Verstoßes kann auf Entlassung erkannt werden.

(3) Die Rechtsstellung der Richter in den Ländern ist durch besondere Landesgesetze zu regeln,
soweit Artikel 74 Abs. 1 Nr. 27 nichts anderes bestimmt.

(4) Die Länder können bestimmen, daß über die Anstellung der Richter in den Ländern der
Landesjustizminister gemeinsam mit einem Richterwahlausschuß entscheidet.
13
1.2 Gesetz über das Bundesverfassungsgericht (Bundesverfassungsgerichtsgesetz -
BVerfGG)

§6

(1) Die vom Bundestag zu berufenden Richter werden auf Vorschlag des Wahlausschusses nach Absatz
2 ohne Aussprache mit verdeckten Stimmzetteln gewählt. Zum Richter ist gewählt, wer eine Mehrheit
von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen, mindestens die Mehrheit der Stimmen der Mitglieder
des Bundestages auf sich vereinigt.

(2) Der Bundestag wählt nach den Regeln der Verhältniswahl einen Wahlausschuß für die Richter des
Bundesverfassungsgerichts, der aus zwölf Mitgliedern des Bundestages besteht. Jede Fraktion kann
einen Vorschlag einbringen. Aus den Summen der für jeden Vorschlag abgegebenen Stimmen wird
nach dem Höchstzahlverfahren (d'Hondt) die Zahl der auf jeden Vorschlag gewählten Mitglieder
errechnet. Gewählt sind die Mitglieder in der Reihenfolge, in der ihr Name auf dem Vorschlag
erscheint. Scheidet ein Mitglied des Wahlausschusses aus oder ist es verhindert, so wird es durch das
nächste auf der gleichen Liste vorgeschlagene Mitglied ersetzt.

(3) Das älteste Mitglied des Wahlausschusses beruft die Mitglieder des Wahlausschusses unverzüglich
unter Einhaltung einer Ladungsfrist von einer Woche ein und leitet die Sitzung, die fortgesetzt wird,
bis Vorschläge über alle zu wählenden Richter beschlossen sind.

(4) Die Mitglieder des Wahlausschusses sind zur Verschwiegenheit über die ihnen durch ihre Tätigkeit
im Wahlausschuß bekanntgewordenen persönlichen Verhältnisse der Bewerber sowie über die hierzu
im Wahlausschuß gepflogenen Erörterungen und über die Abstimmung verpflichtet.

(5) Ein Wahlvorschlag wird mit mindestens acht Stimmen der Mitglieder des Wahlausschusses
beschlossen.

§ 18

(1) Ein Richter des Bundesverfassungsgerichts ist von der Ausübung seines Richteramtes
ausgeschlossen, wenn er

1. an der Sache beteiligt oder mit einem Beteiligten verheiratet ist oder war, eine Lebenspartnerschaft
führt oder führte, in gerader Linie verwandt oder verschwägert oder in der Seitenlinie bis zum dritten
Grade verwandt oder bis zum zweiten Grade verschwägert ist oder

2. in derselben Sache bereits von Amts oder Berufs wegen tätig gewesen ist.

(2) Beteiligt ist nicht, wer auf Grund seines Familienstandes, seines Berufs, seiner Abstammung, seiner
Zugehörigkeit zu einer politischen Partei oder aus einem ähnlich allgemeinen Gesichtspunkt am
Ausgang des Verfahrens interessiert ist.

(3) Als Tätigkeit im Sinne des Absatzes 1 Nr. 2 gilt nicht

1. die Mitwirkung im Gesetzgebungsverfahren,

2. die Äußerung einer wissenschaftlichen Meinung zu einer Rechtsfrage, die für das Verfahren
bedeutsam sein kann.

§ 93

14
(3) Richtet sich die Verfassungsbeschwerde gegen ein Gesetz oder gegen einen sonstigen Hoheitsakt,
gegen den ein Rechtsweg nicht offensteht, so kann die Verfassungsbeschwerde nur binnen eines
Jahres seit dem Inkrafttreten des Gesetzes oder dem Erlaß des Hoheitsaktes erhoben werden.

(4) Ist ein Gesetz vor dem 1. April 1951 in Kraft getreten, so kann die Verfassungsbeschwerde bis zum
1. April 1952 erhoben werden.

§ 93d

(1) Die Entscheidung nach § 93b und § 93c ergeht ohne mündliche Verhandlung. Sie ist unanfechtbar.
Die Ablehnung der Annahme der Verfassungsbeschwerde bedarf keiner Begründung.

1.3 Gerichtsverfassungsgesetz (GVG)

§ 125
(1) Die Mitglieder des Bundesgerichtshofes werden durch den Bundesminister der Justiz und für
Verbraucherschutz gemeinsam mit dem Richterwahlausschuß gemäß dem Richterwahlgesetz
berufen und vom Bundespräsidenten ernannt.

(2) Zum Mitglied des Bundesgerichtshofes kann nur berufen werden, wer das fünfunddreißigste
Lebensjahr vollendet hat.

§ 130
(1) Bei dem Bundesgerichtshof werden Zivil- und Strafsenate gebildet und Ermittlungsrichter bestellt.
Ihre Zahl bestimmt der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz.

(2) Der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz wird ermächtigt, Zivil- und Strafsenate
auch außerhalb des Sitzes des Bundesgerichtshofes zu bilden und die Dienstsitze für Ermittlungsrichter
des Bundesgerichtshofes zu bestimmen.

§ 147

Das Recht der Aufsicht und Leitung steht zu:

1. dem Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz hinsichtlich des Generalbundesanwalts
und der Bundesanwälte;
2. der Landesjustizverwaltung hinsichtlich aller staatsanwaltschaftlichen Beamten des betreffenden
Landes;
3. dem ersten Beamten der Staatsanwaltschaft bei den Oberlandesgerichten und den Landgerichten
hinsichtlich aller Beamten der Staatsanwaltschaft ihres Bezirks.

§ 149

Der Generalbundesanwalt und die Bundesanwälte werden auf Vorschlag des Bundesministers der
Justiz und für Verbraucherschutz, der der Zustimmung des Bundesrates bedarf, vom
Bundespräsidenten ernannt.

1.4 Deutsches Richtergesetz

§ 26 Dienstaufsicht
(1) Der Richter untersteht einer Dienstaufsicht nur, soweit nicht seine Unabhängigkeit
beeinträchtigt wird.
15
(2) Die Dienstaufsicht umfaßt vorbehaltlich des Absatzes 1 auch die Befugnis, die
ordnungswidrige Art der Ausführung eines Amtsgeschäfts vorzuhalten und zu
ordnungsgemäßer, unverzögerter Erledigung der Amtsgeschäfte zu ermahnen.

(3) Behauptet der Richter, daß eine Maßnahme der Dienstaufsicht seine Unabhängigkeit
beeinträchtige, so entscheidet auf Antrag des Richters ein Gericht nach Maßgabe dieses
Gesetzes.

§ 43 Beratungsgeheimnis

Der Richter hat über den Hergang bei der Beratung und Abstimmung auch nach Beendigung
seines Dienstverhältnisses zu schweigen.

1.5 Richterwahlgesetz

§1

(1) Die Richter der obersten Gerichtshöfe des Bundes werden von dem zuständigen
Bundesminister gemeinsam mit dem Richterwahlausschuß berufen und vom
Bundespräsidenten ernannt.

(2) Bei der Berufung eines Richters an einen obersten Gerichtshof wirkt der für das jeweilige
Sachgebiet zuständige Bundesminister mit.

(3) Die von der Bundesregierung nach Artikel 253 des Vertrags über die Arbeitsweise der
Europäischen Union (Gesetz vom 8. Oktober 2008 zum Vertrag von Lissabon vom 13.
Dezember 2007, BGBl. 2008 II S. 1038) zur Ernennung zu Richtern und Generalanwälten des
Gerichtshofs vorzuschlagenden Persönlichkeiten und die von der Bundesregierung nach
Artikel 254 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union zur Ernennung zu
Mitgliedern des Gerichts vorzuschlagenden Persönlichkeiten werden von der
Bundesregierung im Einvernehmen mit dem Richterwahlausschuss benannt.

§2

Der Richterwahlausschuß besteht aus den Mitgliedern kraft Amtes und einer gleichen Zahl von
Mitgliedern kraft Wahl.

§3

(1) Mitglieder kraft Amtes im Ausschuß, der die Richter eines obersten Gerichtshofs wählt,
sind die Landesminister, zu deren Geschäftsbereich die diesem obersten Gerichtshof im
Instanzenzug untergeordneten Gerichte des Landes gehören.

16
(2) Sie können sich nur nach den gleichen Regeln vertreten lassen, die für ihre Vertretung in
der Landesregierung gelten.

(3) Für das Verfahren nach § 1 Absatz 3 regeln die Länder, welcher Landesminister Mitglied
kraft Amtes ist.

§4

(1) Die Mitglieder kraft Wahl müssen zum Bundestag wählbar und im Rechtsleben erfahren
sein.

(2) Verändert sich die Zahl der Mitglieder kraft Amtes, so verändert sich die Zahl der Mitglieder
kraft Wahl entsprechend. Ihre Neuwahl ist notwendig.

(3) Jedes dieser Mitglieder kann sich durch seinen Stellvertreter vertreten lassen.

§5

(1) Die Mitglieder kraft Wahl und ihre Stellvertreter beruft der Bundestag nach den Regeln der
Verhältniswahl.

(2) Jede Fraktion kann einen Vorschlag einbringen. Aus den Summen der für jeden Vorschlag
abgegebenen

Stimmen wird nach dem Höchstzahlverfahren (d'Hondt) die Zahl der auf jeden Vorschlag gewählten
Mitglieder errechnet. Gewählt sind die Mitglieder und ihre Stellvertreter in der Reihenfolge, in der ihr
Name auf dem Vorschlag erscheint.

(3) Scheidet ein Mitglied aus, so wird sein Stellvertreter Mitglied. Scheidet ein Stellvertreter aus, so
wird er durch den nächsten aus der Reihe der nicht mehr Gewählten ersetzt.

(4) Mitgliedschaft und Stellvertretung enden durch Neuwahl oder durch Verzicht, der schriftlich dem
Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz zu erklären ist.

(5) Jeder neu gewählte Bundestag nimmt eine Neuwahl vor.

§6

(1) Der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz verpflichtet die Mitglieder des
Richterwahlausschusses und ihre Stellvertreter durch Handschlag auf gewissenhafte Pflichterfüllung.

(2) Die Mitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Genehmigung zur Aussage in
gerichtlichen Verfahren erteilt der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz.

§7
Ein Mitglied des Richterwahlausschusses ist von der Mitwirkung bei der Wahl eines Richters ausgeschlossen,
wenn die Voraussetzungen des § 41 Nr. 3 der Zivilprozeßordnung vorliegen.

§8
17
(1) Der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz beruft den Richterwahlausschuß ein.

(2) Die Einladung muß die Tagesordnung für die Sitzung des Richterwahlausschusses enthalten und
den Mitgliedern mindestens eine Woche vor der Sitzung zugehen.

§9
(1) Der zuständige Bundesminister oder sein Vertreter in der Bundesregierung führt den Vorsitz. Er hat
kein Stimmrecht.

(2) Die Sitzungen sind nicht öffentlich.

(3) Über jede Sitzung wird eine Niederschrift gefertigt.

§ 10

(1) Der zuständige Bundesminister und die Mitglieder des Richterwahlausschusses können
vorschlagen, wer zum Bundesrichter zu berufen ist. Der Bundesminister der Justiz und für
Verbraucherschutz und die Mitglieder des Richterwahlausschusses können vorschlagen, wer im
Verfahren nach § 1 Absatz 3 von der Bundesregierung nach Artikel 253 des Vertrags über die
Arbeitsweise der Europäischen Union zum Richter oder Generalanwalt des Gerichtshofs benannt
werden soll und wer im Verfahren nach § 1 Absatz 3 von der Bundesregierung nach Artikel 254 des
Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union zum Mitglied des Gerichts benannt werden
soll.

(2) Der zuständige Bundesminister legt dem Richterwahlausschuß die Personalakten der für ein
Richteramt Vorgeschlagenen vor.

(3) Zur Vorbereitung der Entscheidung bestellt der Richterwahlausschuß zwei seiner Mitglieder als
Berichterstatter.

§ 11

Der Richterwahlausschuß prüft, ob der für ein Richteramt Vorgeschlagene die sachlichen und persönlichen
Voraussetzungen für dieses Amt besitzt.

§ 12

(1) Der Richterwahlausschuß entscheidet in geheimer Abstimmung mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

(2) Der Richterwahlausschuß ist beschlußfähig, wenn die Mehrzahl sowohl der Mitglieder kraft Amtes als auch
der Mitglieder kraft Wahl anwesend ist.

§ 13
Stimmt der zuständige Bundesminister zu, so hat er die Ernennung des Gewählten beim
Bundespräsidenten zu beantragen.

§ 14
Die Mitglieder kraft Wahl erhalten Reisekostenentschädigung nach den Bestimmungen des
Bundesreisekostengesetzes. Dies gilt nicht für Mitglieder des Bundestages, wenn der
Richterwahlausschuß an einem Sitzungstag des Bundestages am Sitzungsort zusammentritt.

§ 15
18
Dieses Gesetz tritt mit dem Tag nach der Verkündung in Kraft.

1.6 Bundeswahlgesetz

§ 49 Anfechtung

Entscheidungen und Maßnahmen, die sich unmittelbar auf das Wahlverfahren beziehen, können nur
mit den in diesem Gesetz und in der Bundeswahlordnung vorgesehenen Rechtsbehelfen sowie im
Wahlprüfungsverfahren angefochten werden.

1.7 Wahprüfungsgesetz

§1
(1) Über die Gültigkeit der Wahlen zum Bundestag und die Verletzung von Rechten bei der
Vorbereitung oder Durchführung der Wahl , soweit sie der Wahlprüfung nach Artikel 41 des
Grundgesetzes unterliegen, entscheidet vorbehaltlich der Beschwerde gemäß Artikel 41 Absatz 2 des
Grundgesetzes der Bundestag.

(2) Soweit eine Wahl für ungültig erklärt wird, sind die sich daraus ergebenden Folgerungen
festzustellen. ´Sofern bei der Vorbereitung oder Durchführung der Wahl Rechte einer einsprechenden
Person oder einer Gruppe einsprechender Personen verletzt wurden, stellt der Bundestag die
Rechtsverletzung fest, wenn er die Wahl nicht für ungültig erklärt.

§2

(1) Die Prüfung erfolgt nur auf Einspruch.

(2)Den Einspruch kann jeder Wahlberechtigte, jede Gruppe von Wahlberechtigten und in amtlicher
Eigenschaft jeder Landeswahlleiter, der Bundeswahlleiter und der Präsident des Bundestages
einlegen.

(3) Der Einspruch ist schriftlich beim Bundestag einzureichen und zu begründen; bei
gemeinschaftlichen Einsprüchen soll ein Bevollmächtigter benannt werden.

(4) Der Einspruch muss binnen einer Frist von zwei Monaten nach dem Wahltag beim Bundestag
eingehen. Werden dem Präsidenten des Bundestages nach Ablauf dieser Frist in amtlicher Eigenschaft
Umstände bekannt, die einen Wahlmangel begründen könnten, kann er innerhalb eines Monats nach
Bekanntwerden dieser Umstände Einspruch einlegen.

(5) Die Vorschriften gelten entsprechend beim späteren Erwerb der Mitgliedschaft.

(6)Wird der Einspruch zurückgenommen, kann der Bundestag das Verfahren einstellen.

§3
(1) Die Entscheidung des Bundestages wird durch den Wahlprüfungsausschuss vorbereitet.

(2) Der Wahlprüfungsausschuss besteht aus neun ordentlichen Mitgliedern, neun Stellvertretern und
je einem ständigen beratenden Mitglied der Fraktionen, die in ihm nicht durch ordentliche Mitglieder
vertreten sind. Der Bundestag kann aus der Mitte einer Vereinigung von Mitgliedern des Bundestages,

19
die nach der Geschäftsordnung des Bundestages als parlamentarische Gruppe anerkanntist, zusätzlich
ein beratendes Mitglied wählen. Der Wahlprüfungsausschuss
wird vom Bundestag für die Dauer der Wahlperiode gewählt.

(3) Der Wahlprüfungsausschuss wählt mit Stimmenmehrheit aus seiner Mitte den Vorsitzenden und
seinen Stellvertreter. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des ältesten Mitglieds.

§4
Der Wahlprüfungsausschussist beschluss fähig, wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder anwesend
ist. Er beschließt mit Stimmenmehrheit; bei Stimmen gleichheit ist ein Antrag abgelehnt.

§5
(1) Der Vorsitzende bestimmt für jeden Einspruch einen Berichterstatter.

(2) Der Ausschuss tritt in eine Vorprüfung ein, insbesondere darüber, ob der Einspruch form-und
fristgerecht eingelegt ist und ob Termin zur mündlichen Verhandlung anzube raumen ist. Findet eine
mündliche Verhandlung statt, so ist der Verhandlungstermin durch die Vorprüfung so vorzubereiten,
dass möglichst nach einem einzigen Verhandlungstermin die Schlussentscheidung erfolgen kann.

(3)
Im Rahmen der Vorprüfung ist der Ausschuss berechtigt, Auskünfte einzuziehen und nach Absatz 4
Zeugen und Sachverständige vernehmen und beeidigen zu lassen, soweit deren Anwesenheit im
Verhandlungstermin nicht erforderlich ist oder nicht zweckmäßig erscheint. Zur Prüfung der
Feststellung, dass bei der Vorbereitung oder Durchführung der Wahl Rechte einer einsprechenden
Person oder einer Gruppe einspr echender Personen verletzt wurden, führt der
Wahlprüfungsausschuss Ermittlungen, die über die Einholung von Auskünften hinausgehen, in der
Regel nur dann durch, wenn eine Auswirkung der Rechtsverletzung auf die Verteilung der Sitze im
Bundestag nicht auszuschließen ist.

(4)
Alle Gerichte und Verwaltungsbehörden haben dem Ausschuss Rechts- und Amts- hilfe zu leisten. Bei
Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen sind die Beteiligten des § 6 Absatz 2 eine Woche
vorher zu benachrichtigen; sie haben das Recht, Fragen stellen zu lassen und den Vernommenen
Vorhalte zu machen.

§6

(1) Vor der Schlussentscheidung wird Termin zur mündlichen Verhandlung nur dann anberaumt, wenn
die Vorprüfung ergibt, dass davon eine weitere Förderung des Verfahrens zu erwarten ist.

(2) Zu den Verhandlungsterminen sind mindestens eine Woche vorher derjenige, der den Einspruch
eingelegt hat, und der Abgeordnete, dessen Wahl angefochten ist, zu laden. Wenn mehrere Personen
gemeinschaftlich Einspruch eingelegt haben, genügt die Ladung eines Bevollmächtigten (§ 2
Absatz 3) oder eines der Antragsteller.

(3) Von dem Verhandlungstermin sind gleichzeitig zu benachrichtigen:


a) der Präsident des Bundestages,
b) der Bundesminister des Innern,
c) der Bundeswahlleiter,
d) der zuständige Landeswahlleiter,
e) die Fraktion des Bundestages, der der Abgeordnete angehört, dessen Wahl angefochten ist.

20
(4) Die nach den Absätzen 2 und 3 genannten Personen sind Beteiligte an dem Verfahren. Sie haben
ein selbständiges Antragsrecht.

(5) Alle Beteiligten haben das Recht auf Akteneinsicht im Büro des Bundestages.

§7

(1) Zu Beginn der mündlichen Verhandlung trägt der Berichterstatter die Sachlage vor und berichtet
über das Ergebnis der Vorprüfung. Alsdann erhalten auf Verlangen der Einsprechende (bei mehreren
der Bevollmächtigte gemäß § 2 Absatz 3), die sonstigen Beteiligten und der Abgeordnete, dessen Wahl
angefochten ist, das Wort.

(2) Etwa geladene Zeugen und Sachverständige sind zu hören und, falls der Ausschuss dies für geboten
hält, zu beeidigen. Die Beteiligten haben das Recht, Zeugen und Sachverständigen Fragen vorlegen zu
lassen. Nach Abschlusseiner etwaigen Beweisaufnahme ist den Beteiligten Gelegenheit zu
Ausführungen zu geben. Das Schlusswortgebührt dem Anfechtenden.

(3) Über die Verhandlung ist eine Niederschrift aufzunehmen, in der die Aussagen der Zeugen und
Sachverständigen wiederzugeben sind.

§8
(1) Die mündliche Verhandlung findet öffentlich statt.

(2) Für die mündliche Verhandlung gilt § 4, doch sollen an ihr alle Mitglieder oder ihre Stellvertreter
teilnehmen.

(3) Der Vorsitzende hat in der mündlichen Verhandlung die Befugnisse, die sich aus der sinngemäßen
Anwendung der für den Zivilprozessgeltenden Bestimmungen ergeben.

§9

Für das gesamte Verfahren sind die für den Zivilprozess geltenden Bestimmungen entsprechend
anzuwenden auf Fristen, Ladungen, Zustellungen, Vereidigungen und die Rechte und Pflichten von
Zeugen und Sachverständigen.

§ 10

(1) Der Wahlprüfungsausschuss berät geheim über das Ergebnis der Verhandlung.

(2) An der Schluss beratung können nur diejenigen ordentlichen und beratenden Mitglieder des
Ausschusses oder ihre Stellvertreter teilnehmen, die der mündlichen Verhandlung beigewohnt haben.

(3) Bei der Schlussentscheidung gilt Stimmenthaltung als Ablehnung.

§ 11
Der Beschluss des Ausschusses ist schriftlich niederzulegen; er muss dem Bundestag eine Entscheidung
vorschlagen. Diese muss über die Gültigkeit der angefochtenen Wahl und die sich aus einer
Ungültigkeit ergebenden Folgerungen bestimmen. Wurden bei der Vorbereitung oder Durchführung
der Wahl Rechte der einsprechenden Person oder der einsprechenden Personen verletzt, wird dies in
dem Beschluss festgestellt. Der Beschluss hat die wesentlichen Tatsachen und Gründe, auf denen die
Entscheidung beruht, anzugeben. Wegen der Einzelheiten ist eine Bezugnahme auf den Akteninhalt
zulässig.

21
§ 12
Der Beschluss ist als Antrag des Wahlprüfungsausschusses an den Bundestag zu leiten und spätestens
drei Tage vor der Beratung im Bundestag an sämtliche Abgeordnete zu verteilen. Bei der Beratung
kann der Antrag durch mündliche Ausführungen des Berichterstatters ergänzt werden.

§ 13

(1) Der Bundestag beschließt über den Antrag des Ausschusses mit einfacher Mehrheit. Soweit er ihm
nicht zustimmt, gilt er als an den Ausschusszurückverwiesen. Dabeikann der Bundestag dem Ausschuss
die Nachprüfung bestimmter tatsächlicher oder rechtlicher Umstände aufgeben.

(2) Der Ausschuss hat nach neuer Schlussentscheidung dem Bundestag einen neuen Antrag
vorzulegen. Dieser Antrag kann nur abgelehnt werden durch Annahme eines anderen Antrags, der den
Vorschriften des § 11 genügt.

(3) Der Beschluss des Bundestages ist den Beteiligten (§ 6 Absatz 2 und 3) mit einer
Rechtsmittelbelehrung zuzustellen.

§ 14

Ergeben sich Zweifel, ob ein Abgeordneter im Zeitpunkt der Wahl wählbar war, so kann auch nach
Ablauf der Einspruchsfrist (§ 2 Absatz 4) der Präsident des Bundestages Einspruch gegen die Gültigkeit
der Wahl einlegen. Er muss dies tun, wenn eine Minderheit von einhundert Abgeordneten es verlangt.

§ 15
Nach den Vorschriften dieses Gesetzes ist auch zu verfahren, wenn darüber zu entscheiden ist, ob ein
Abgeordneter des Bundestages die Mitgliedschaft nachträglich verloren hat (Artikel 41 Absatz 1 Satz 2
des Grundgesetzes). Der Antrag auf Entscheidung des Bundestages kann mit Ausnahme der Fälle, in
denen der Ältestenrat oder der Präsident des Bundestages über den Verlust der Mitgliedschaft
entschieden hat (§ 47 Absatz 1 und 3 des Bundeswahlgesetzes), jederzeit gestellt werden.

§ 16

(1) Stellt der Bundestag in den Fällen, in denen über den Verlust der Mitgliedschaft im
Wahlprüfungsverfahren zu entscheiden ist (§ 47 Absatz 1 Nummer 1 und 3 des Bundeswahlgesetzes),
den Verlust fest, so behält der Abgeordnete seine Rechte und Pflichten bis zur Rechtskraft der
Entscheidung.

(2) Der Bundestag kann jedoch mit einer Mehrheit von zwei Dritteln seiner Mitglieder beschließen, da
ss der Abgeordnete bis zur Rechtskraft der Entscheidung nicht an den Arbeiten des Bundestages
teilnehmen kann.

(3) Wird gegen die gemäß Absatz 1 ergangene Entscheidung des Bundestages Beschwerde eingelegt,
so kann das Bundesverfassungsgericht auf Antrag des Beschwerdeführers den gemäß Absatz 2
ergangenen Beschluss durch einstweilige Anordnung aufheben oder, falls ein solcher Beschluss nicht
gefasst worden ist, auf Antrag einer Minderheit des Bundestages, die wenigstens ein Zehntel seiner
Mitglieder umfasst, eine Anordnung gemäß Absatz 2 treffen.

§ 17

22
(1) Von der Beratung und Beschluss fassung im Wahlprüfungsverfahren ist der Abgeordnete
ausgeschlossen, dessen Wahl zur Prüfung steht.

(2) Dies gilt nicht, wenn in einem Verfahren die Wahl von mindestens zehn Abgeordneten angefochten
wird.

§ 18

Für die Beschwerde an das Bundesverfassungsgericht gelten die Vorschriften des Gesetzes über das
Bundesverfassungsgericht.

§ 19

(1) Die Kosten des Verfahrens beim Bundestag trägt der Bund.Dem in nichtamtlicher Eigenschaft
Einsprechenden können notwendige Auslagen erstattet werden, wenn dem Einspruch stattgegeben
oder der Einspruch nur deshalb zurückgewiesen wurde, weil der geltend gemachte Mangel keinen
Einflussauf das Wahlergebnis gehabt hat.

(2) Über die Erstattung von Auslagen nach Absatz 1 Satz 2 ist in dem Beschluss
des Bundestages zu entscheiden.

1.8 Zivilprozessordnung

§ 3 Wertfestsetzung nach freiem Ermessen

Der Wert wird von dem Gericht nach freiem Ermessen festgesetzt; es kann eine beantragte
Beweisaufnahme sowie von Amts wegen die Einnahme des Augenscheins und die
Begutachtung durch Sachverständige anordnen.

§ 78 Anwaltsprozess

(1) Vor den Landgerichten und Oberlandesgerichten müssen sich die Parteien durch einen
Rechtsanwalt vertreten lassen. Ist in einem Land auf Grund des § 8 des Einführungsgesetzes
zum Gerichtsverfassungsgesetz ein oberstes Landesgericht errichtet, so müssen sich die
Parteien vor diesem ebenfalls durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Vor dem
Bundesgerichtshof müssen sich die Parteien durch einen bei dem Bundesgerichtshof
zugelassenen Rechtsanwalt vertreten lassen.

(2) Behörden und juristische Personen des öffentlichen Rechts einschließlich der von ihnen
zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben gebildeten Zusammenschlüsse können sich als
Beteiligte für die Nichtzulassungsbeschwerde durch eigene Beschäftigte mit Befähigung zum
Richteramt oder durch Beschäftigte mit Befähigung zum Richteramt anderer Behörden oder
juristischer Personen des öffentlichen Rechts einschließlich der von ihnen zur Erfüllung ihrer
öffentlichen Aufgaben gebildeten Zusammenschlüsse vertreten lassen.

(3) Diese Vorschriften sind auf das Verfahren vor einem beauftragten oder ersuchten Richter
sowie auf Prozesshandlungen, die vor dem Urkundsbeamten der Geschäftsstelle
vorgenommen werden können, nicht anzuwenden.
23
(4) Ein Rechtsanwalt, der nach Maßgabe der Absätze 1 und 2 zur Vertretung berechtigt ist,
kann sich selbst vertreten.

§ 91 Grundsatz und Umfang der Kostenpflicht

(2) Die gesetzlichen Gebühren und Auslagen des Rechtsanwalts der obsiegenden Partei sind
in allen Prozessen zu erstatten, Reisekosten eines Rechtsanwalts, der nicht in dem Bezirk des
Prozessgerichts niedergelassen ist und am Ort des Prozessgerichts auch nicht wohnt, jedoch
nur insoweit, als die Zuziehung zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung oder
Rechtsverteidigung notwendig war. Die Kosten mehrerer Rechtsanwälte sind nur insoweit zu
erstatten, als sie die Kosten eines Rechtsanwalts nicht übersteigen oder als in der Person des
Rechtsanwalts ein Wechsel eintreten musste. In eigener Sache sind dem Rechtsanwalt die
Gebühren und Auslagen zu erstatten, die er als Gebühren und Auslagen eines
bevollmächtigten Rechtsanwalts erstattet verlangen könnte.

§ 321a Abhilfe bei Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör


(2) Die Rüge ist innerhalb einer Notfrist von zwei Wochen nach Kenntnis von der Verletzung
des rechtlichen Gehörs zu erheben; der Zeitpunkt der Kenntniserlangung ist glaubhaft zu
machen. Nach Ablauf eines Jahres seit Bekanntgabe der angegriffenen Entscheidung kann die
Rüge nicht mehr erhoben werden. Formlos mitgeteilte Entscheidungen gelten mit dem dritten
Tage nach Aufgabe zur Post als bekannt gegeben. Die Rüge ist schriftlich bei dem Gericht zu
erheben, dessen Entscheidung angegriffen wird. Die Rüge muss die angegriffene Entscheidung
bezeichnen und das Vorliegen der in Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 genannten Voraussetzungen
darlegen.

§ 511 Statthaftigkeit der Berufung

(1) Die Berufung findet gegen die im ersten Rechtszug erlassenen Endurteile statt.

(2) Die Berufung ist nur zulässig, wenn


1. der Wert des Beschwerdegegenstandes 600 Euro übersteigt oder
2. das Gericht des ersten Rechtszuges die Berufung im Urteil zugelassen hat.

(3) Der Berufungskläger hat den Wert nach Absatz 2 Nr. 1 glaubhaft zu machen; zur
Versicherung an Eides statt darf er nicht zugelassen werden.

(4) Das Gericht des ersten Rechtszuges lässt die Berufung zu, wenn
1. die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat oder die Fortbildung des Rechts
oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des
Berufungsgerichts erfordert und
2. die Partei durch das Urteil mit nicht mehr als 600 Euro beschwert ist.
Das Berufungsgericht ist an die Zulassung gebunden.

24
§ 544 Nichtzulassungsbeschwerde

(4) Das Revisionsgericht entscheidet über die Beschwerde durch Beschluss. Der Beschluss soll
kurz begründet werden; von einer Begründung kann abgesehen werden, wenn sie nicht
geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision
zuzulassen ist, oder wenn der Beschwerde stattgegeben wird. Die Entscheidung über die
Beschwerde ist den Parteien zuzustellen.

§ 564

Keine Begründung der Entscheidung bei Rügen von Verfahrensmängeln


Die Entscheidung braucht nicht begründet zu werden, soweit das Revisionsgericht Rügen
von Verfahrensmängeln nicht für durchgreifend erachtet. Dies gilt nicht für Rügen nach
§ 547.

§ 574
Rechtsbeschwerde; Anschlussrechtsbeschwerde

(1) Gegen einen Beschluss ist die Rechtsbeschwerde statthaft, wenn


1. dies im Gesetz ausdrücklich bestimmt ist oder
2. das Beschwerdegericht, das Berufungsgericht oder das Oberlandesgericht im
ersten Rechtszug sie in dem Beschluss zugelassen hat.

§ 542 Abs. 2 gilt entsprechend.

(2) In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1 ist die Rechtsbeschwerde nur zulässig, wenn
1. die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat oder
2. die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen
Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordert.

(3) In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 ist die Rechtsbeschwerde zuzulassen, wenn die
Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen. Das Rechtsbeschwerdegericht ist an die Zulassung
gebunden.

(4) Der Rechtsbeschwerdegegner kann sich bis zum Ablauf einer Notfrist von einem Monat
nach der Zustellung der Begründungsschrift der Rechtsbeschwerde durch Einreichen der
Rechtsbeschwerdeanschlussschrift beim Rechtsbeschwerdegericht anschließen, auch wenn
er auf die Rechtsbeschwerde verzichtet hat, die Rechtsbeschwerdefrist verstrichen oder die
Rechtsbeschwerde nicht zugelassen worden ist. Die Anschlussbeschwerde ist in der
Anschlussschrift zu begründen. Die Anschließung verliert ihre Wirkung, wenn die
Rechtsbeschwerde zurückgenommen oder als unzulässig verworfen wird.

1.9 Gerichtskostengesetz

§ 48 Bürgerliche Rechtsstreitigkeiten
25
(1) In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten richten sich die Gebühren nach den für die
Zuständigkeit des Prozessgerichts oder die Zulässigkeit des Rechtsmittels geltenden
Vorschriften über den Wert des Streitgegenstands, soweit nichts anderes bestimmt ist. In
Rechtsstreitigkeiten aufgrund des Unterlassungsklagengesetzes darf der Streitwert 250 000
Euro nicht übersteigen.

(2) In nichtvermögensrechtlichen Streitigkeiten ist der Streitwert unter Berücksichtigung aller


Umstände des Einzelfalls, insbesondere des Umfangs und der Bedeutung der Sache und der
Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Parteien, nach Ermessen zu bestimmen. Der
Wert darf nicht über eine Million Euro angenommen werden.

(3) Ist mit einem nichtvermögensrechtlichen Anspruch ein aus ihm hergeleiteter vermögensrechtlicher
Anspruch verbunden, ist nur ein Anspruch, und zwar der höhere, maßgebend.

2. Kandidatenaufstellung
Zunächst seien hier nachfolgende Regelungen aus den einzelnen Parteien herangezogen:

2.1 Frauen-,Geschlechter und sonstige Quotenregelungen


2.1.1 Bündnis ‘90/die Grünen
2.1.1.1 Bundesverband
Grundkonsens:

(39) Ein Ziel der Politik von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist es, Gleichberechtigung und paritätische
Beteiligung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen zu verwirklichen. Deshalb
sollen zur Erfüllung echter Parität Frauen bevorzugt werden, z.B. durch Mindestquotierung
und besondere Fördermaßnahmen.

(40) Mitwirkungsrechte, die sich auf die besondere Betroffenheit von Frauen beziehen, sind dabei nur
ein Ausgangspunkt für die angestrebte Umgestaltung der Gesellschaft. Deswegen sieht sich BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN verpflichtet, innerorganisatorisch die paritätische Beteiligung von Frauen herzustellen
und ihnen wirksame Mittel zur echten Gleichstellung im Rahmen eines Frauenstatuts in die Hand zu
geben. Herangehensweisen, Fragestellungen und Ansichten von Frauen sind konsequent und
außerordentlich einzubeziehen.

(41) Voraussetzungen dafür sind: Entsprechende Mitwirkungsmöglichkeiten zu schaffen, die es für


Frauen attraktiv machen, sich zu beteiligen. Dazu gehören auch Rahmenbedingungen, die es
Menschen mit Kindern ermöglichen, ihre Verantwortung als Erziehende ebenso wahrzunehmen wie
bei der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse.

(42) Frauenpolitik heißt für uns, alle Politikbereiche aus feministischer Perspektive zu untersuchen,
überall die unterschiedliche Situation von Frauen und Männern in unserer Gesellschaft zu erkennen
und Veränderungen einzufordern, die über bestehende Gesellschaftsmodelle hinausweisen und
Frauen ein selbstbestimmtes und selbstbewusstes Leben ermöglichen.

Satzung:

26
§ 11 ORGANE (BUNDESORGANE)

(3) Die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern in der Politik ist ein politisches Ziel von BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN. Die Quotierung von Ämtern und Mandaten ist eines der Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.
Dies und weitere Maßnahmen regelt das Frauenstatut.

(4) Alle Bundesorgane, -kommissionen und Bundesarbeitsgemeinschaften sind zu mindestens 50% mit Frauen zu besetzen.
Ausgenommen von dieser Regelung ist die BAG Schwulenpolitik.

(5) Wahllisten sind grundsätzlich alternierend mit Frauen und Männern zu besetzen, wobei den
Frauen die ungeraden Plätze zur Verfügung stehen (Mindestparität). Frauen können auch auf den
geraden Plätzen kandidieren. Reine Frauenlisten sind möglich. Sollte keine Frau für einen Frauen
zustehenden Platz kandidieren bzw. gewählt werden, entscheidet die Wahlversammlung über das
weitere Verfahren. Die Frauen der Wahlversammlung haben diesbezüglich ein Vetorecht
entsprechend § 4 des Frauenstatuts.

14 FRAUENRAT

(1) Der Frauenrat beschließt über die Richtlinien der Frauenpolitik der Partei zwischen den
Bundesversammlungen. Er koordiniert die Arbeit zwischen den Gremien der Bundespartei, den
Fraktionen und den Landesverbänden. Er entwickelt und plant gemeinsame politische Initiativen. Er
berät den Bundesvorstand und befasst sich mit Angelegenheiten, die die Bundesversammlung an ihn
delegiert. Der Frauenrat kontrolliert die Einhaltung und Umsetzung des Bundesfrauenstatuts.

§ 15 BUNDESVORSTAND

(2) Dem Bundesvorstand gehören sechs Mitglieder an:


1. zwei gleichberechtigte Vorsitzende, davon mindestens
eine Frau,
2. der/die politische GeschäftsführerIn,
3. der/die BundesschatzmeisterIn,
4. zwei weitere Mitglieder.
Der Bundesvorstand vertritt die Bundespartei gem. §
26 (2) BGB. Dem Bundesvorstand gehören mindestens
zur Hälfte Frauen an.

§ 24 URABSTIMMUNG
….
(7) Über Spitzenkandidaturen der Bundespartei aus Anlass allgemeiner Wahlen kann die Urwahl
durchgeführt werden. Absätze (2) bis (5) finden entsprechende Anwendung. Es gilt dabei die
Mindestquotierung. Ausnahmen beschließt eine Bundesversammlung mit einfacher Mehrheit.

§ 26 FRAUENSTATUT
Das Frauenstatut ist Bestandteil der Satzung.

Frauenstatut:

§ 1 MINDESTQUOTIERUNG

Wahllisten sind grundsätzlich alternierend mit Frauen und Männern zu besetzen, wobei den Frauen
die ungeraden Plätze zur Verfügung stehen (Mindestparität). Frauen können auch auf den geraden
Plätzen kandidieren. Reine Frauenlisten sind möglich. Sollte keine Frau für einen Frauen zustehenden
Platz kandidieren bzw. gewählt werden, entscheidet die Wahlversammlung über das weitere
Verfahren. Die Frauen der Wahlversammlung haben diesbezüglich ein Vetorecht

27
entsprechend § 4 des Frauenstatuts.

§ 2 VERSAMMLUNGEN

(1) Präsidien von Bundesversammlungen werden paritätisch besetzt. Die Versammlungsleitung


übernehmen Frauen und Männer abwechselnd. Redelisten werden getrennt geführt, Frauen und
Männer reden abwechselnd. Ist die Redeliste der Frauen erschöpft, ist die Versammlung zu befragen,
ob die Debatte fortgesetzt werden soll.

(2) Diese Regelungen sollen auch für sonstige Veranstaltungen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gelten.

§ 3 Gremien

(1) Alle Gremien von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu beschickende
Gremien sind paritätisch zu besetzen.

§ 4 FRAUENABSTIMMUNG UND VETORECHT

(1) Eine Abstimmung unter Frauen (Frauenvotum) wird auf einer Bundesversammlung auf Antrag von
mindestens 10 stimmberechtigten Frauen vor der regulären Abstimmung durchgeführt. Für ein
Frauenvotum beim Länderrat sowie allen anderen Gremien genügt der Antrag einer
stimmberechtigten Frau für ein Frauenvotum.

(2) Die Mehrheit der Frauen einer Bundesversammlung, eines Länderrates und anderer Gremien hat
ein Vetorecht mit aufschiebender Wirkung. Eine von den Frauen abgelehnte Vorlage kann erst auf der
nächsten Bundesversammlung erneut eingebracht bzw. von der Versammlung mehrheitlich an den
Länderrat überwiesen werden. Das Vetorecht kann je Beschlussvorlage nur einmal wahrgenommen
werden. Die Landes- und Kreisverbände sind aufgefordert, analoge Regelungen in ihre Satzungen
aufzunehmen.

Urabstimmungsordnung

§ 9 ABSTIMMUNGSVERFAHREN

4) Bei Benennungen von Spitzenkandidaturen nach § 24 Absatz 7 der Satzung kann jede/r
Abstimmungsberechtigte soviel JA-Stimmen vergeben, wie Positionen zu besetzen sind. Pro KandidatIn
kann nur eine Stimme vergeben werden. Der Wahlzettel kann insgesamt mit NEIN oder ENTHALTUNG
gekennzeichnet werden. Die Zahl der abgegebenen Stimmen für männliche Bewerber darf die Zahl der
für Männer offenstehenden Positionen nicht übersteigen; in diesem Fall ist der Stimmzettel
ungültig.

5) Bei Benennungen von Spitzenkandidaturen nach §24 Absatz 7 der Satzung ist gewählt, wer die
meisten gültigen Stimmen auf sich vereint. Wenn mehrere KandidatInnen zur Wahl stehen, ist
mindestens die Hälfte der Plätze mit Frauen entsprechend der Anzahl der auf sie entfallenen Stimmen
zu besetzen. Bei Stimmengleichheit entscheidet die nächste Bundesversammlung über die Benennung
in dem entsprechenden Fall.

BAG-Statut

§ 6 BAG-SprecherInnen

28
(1) Jede BAG wählt aus ihrer Mitte für die Dauer von maximal zwei Jahren zwei SprecherInnen, die
Mitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und nach § 5 stimmberechtigte Mitglieder sein müssen.
Wiederwahl ist zulässig.

(2) Es gilt die Quotierung gemäß Frauenstatut.

Aus dem Grundsatzprogramm:

S 132:

Aufbruch in eine geschlechtergerechte Gesellschaft

Bündnisgrüne Politik steht für die Gleichberechtigung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen.
Der Feminismus, die Frauenbewegung und das persönliche Engagement vieler Frauen sind eine
wesentliche Quelle bündnisgrüner Politik. Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an
unserer politischen Arbeit hat unser politisches Selbstverständnis entscheidend mit geprägt.
Frauenpolitik war und ist für uns ein Querschnittsthema mit dem Ziel, das Lebensumfeld von Frauen
und Männern so zu gestalten, dass es der Vielfalt ihrer Lebenslagen auch entspricht. Frauenpolitik wird
so zu einer gestaltenden Gesellschaftspolitik, die Machtstrukturen im Hinblick auf Geschlechter-
gerechtigkeit hin analysiert und verändert. Unsere Frauenpolitik findet ihre Fortsetzung in einer neuen
Frauen-, Männer-, Geschlechter- und Gesellschaftspolitik. Mit der Geschlechtergerechtigkeit setzen
wir auf ein Leitbild von Demokratie, Freiheit und Gleichheit der Menschen, das weit über das heute
verwirklichte Maß hinausgreift.

S. 133

Gerechtigkeit im Geschlechterverhältnis. Die Teilhabe an Bildung, Arbeit und Einkommen und


Eigentum, an gesellschaftlicher und politischer Mitgestaltung muss gerecht zwischen den
Geschlechtern geteilt werden. Dabei geht es nicht nur um die gerechte Teilhabe der Frauen an den
gesellschaftlichen Gütern, sondern auch um die gerechte Teilnahme der Männer an den Lasten der
Familienfürsorge. Auch heute sind Hierarchien und Machtunterschiede zwischen den Geschlechtern
längst nicht beseitigt. Die Lebensrealitäten von Mädchen und Frauen – und vielen Männern – sind
weiterhin[von einer Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestimmt. Aber solange politische
Macht- und Entscheidungspositionen, bezahlte und unbezahlte Arbeit, Einkommen und Zeit nicht
gerecht verteilt sind, ist unsere Gesellschaft nicht geschlechtergerecht. Diese Gerechtigkeitslücke
wollen wir schließen. Verteilungsgerechtigkeit ist eine wichtige Grundlage für geschlechtergerechte
Politik. Beschäftigung in Bereichen, in denen traditionell Männer beschäftigt sind, wird nach wie vor
materiell besser entlohnt. Die „uralte“ Forderung nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit ist
immer noch nicht durchgesetzt. Da Appelle hier nicht reichen, ist die Politik gefordert, durch
Begleitmaßnahmen ungerechte patriarchale Strukturen zu durchbrechen.]

S. 134

Demokratie im Geschlechterverhältnis. Eine demokratische Gesellschaft bietet für Frauen und Männer
die gleichberechtigte Chance zur Beteiligung am demokratischen Willensbildungsprozess und in der
Wahrnehmung politischer Ämter. Die Geschlechterfrage ist darum eine zentrale Demo- kratiefrage,
weil erst über die nicht nur formale Anerkennung von grundsätzlicher Gleichheit in allen
gesellschaftlichen Bereichen die Anerkennung der Verschiedenheit zur Geltung kommt. Die
Frauenfrage ist über alle anderen sozialen Teilungen hinweg ein elementares Bindeglied für die
Demokratie und Zivilität der Gesellschaft. Eine Gesellschaft erfüllt ihren Anspruch demokratisch zu sein
erst dann, wenn Männern und Frauen gleichberechtigte Gestaltungs- und Entscheidungsmacht
zukommt. Voraussetzung hierfür sind Lebensbedingungen, die es den Bürgerinnen und Bürgern
erleichtern, Erwerbsarbeit, Gesellschaftliche und politische Arbeit sinnvoll zu verbinden. Das Recht
29
jeder und jedes Einzelnen, Demokratie gestalten zu können, schließt den gleichberechtigten Zugang zu
den dafür notwendigen Ressourcen ein. Wir setzen uns für die gleiche Partizipation und Repräsentanz
von Frauen und Männern aus allen gesellschaftlichen Gruppen in allen Gremien ein. Das bedeutet
auch, dass Parteien und politische Institutionen ihre Strukturen geschlechtergerecht verändern
müssen.

S 139 – 140

Gender Mainstreaming erlaubt es, einen Geschlechtervertrag als neuen Gesellschaftsvertrag


durchzubuchstabieren. Deshalb wollen wir die Förderung und Durchsetzung von Gender
Mainstreaming in allen Organisationsebenen. Dies ist eine Gemeinschaftsaufgabe für alle Frauen und
Männer in der Partei.

Schlüsselprojekt: Frauen an die Macht

Frauen stellen mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Frauen wollen die Hälfte der Macht. Männer sind
die andere Hälfte der Bevölkerung. Männer übernehmen die Hälfte der Verantwortung. Auch wenn
durch die Emanzipation der Frauen in den letzten Jahren viel bewegt und verändert wurde und viele
Mädchen und Frauen heute sehr selbstbewusst ihren Platz im Beruf und im öffentlichen Leben erobert
haben, werden Wirtschafts- und Arbeitswelt, ebenso wie Politik und Gesellschaft nach wie vor noch
sehr stark von den traditionellen Geschlechterverhältnissen bestimmt: den Männern die herrschenden
Rollen, den Frauen die dienenden Aufgaben. Mit der Einführung der Frauenquote und der
Mindestparität ist unsere Partei einen wichtigen Schritt vorausgegangen. Frauen haben sich bei uns
erfolgreich in allen Ebenen etabliert. Durch unser Vorbild sind Quotierungen heute in kaum einer Partei
mehr wegzudenken. Wir wollen Frauen aber nicht nur innerhalb unserer eigenen Parteistrukturen
nach vorn stellen. Wir treten dafür ein, die Hälfte der Führungspositionen in Politik und in
gesellschaftlichen Institutionen, in Hochschulen, Kultur und Wissenschaft, im öffentlichen Dienst und
auch in der freien Wirtschaft weiblich zu besetzen. Die gerechte Teilhabe beider Geschlechter an allen
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgaben voranzutreiben, ist Ziel bündnisgrüner Politik. Wir
wollen die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass im Alltagsleben Bildung, Berufsarbeit und
Sorgearbeit gleichermaßen zwischen Frauen und Männern aufgeteilt wird. Durch Gesetze, Dialog und
Überzeugungsarbeit wollen wir in Politik und Gesellschaft die Weichen zur Durchsetzung von
Geschlechtergerechtigkeit stellen. Wir unterstützen Mentoring-Projekte und Frauennetzwerke, die für
Mädchen und Frauen Aufstiegswege eröffnen und erleichtern.

2.1.1.2 In den Gliederungen

LV/KV Stelle Bemerkungen


LV Baden- § 8 Ziffer III Nr. 3 der Satzung und § 1 Mit Vetorecht
Württemberg Frauenstatut im Anhang
KV Aalen § 11 Abs. 3 und § 13 Abs. 1 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Breisgaus § 4 Abs.7 und § 5 Abs. 1 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Böblingen In § 7 Abs. 8 und § 8 Abs.1 und § 11 Abs. Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV BW
1 der Satzung
KV Cloppenburg § 9 Abs. 1 - 4 der Satzung Mit Vetorecht
KV Ettlingen § 1 Abs. 2, § 6 Abs. 6, § 7 Abs. 1 und § 8 Mit Verweis auf die Satzung, dem
Abs. 3 der Satzung Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnungen
des LV Baden-Württemberg und dem
Bundesfrauenstatut
KV Heidelberg § 6 Abs. 9 und § 7 Abs. 1 der Satzung
30
KV Karlsruher § 8 Abs. 4 und § 10 Abs. 2 und 3 der
Land Satzung
KV Karlsruhe § 2 Abs. 1, § 4 und § 9 Abs. 2 der mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut und
Satzung Pflicht zur Bekenntnis zum selbigen
KV Lörrach §1 Abs. 2, § 6 Abs. 6, § 7 Abs. 2 und § 10 Mit Verweis auf die Satzung, dem
Abs. 3 der Satzung Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnungen
des LV Baden-Württemberg und dem
Bundesfrauenstatut
KV Ludwigsburg § 1 Abs. 2 der Satzung Mit Verweis auf die Satzung, dem
Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnungen
des LV Baden-Württemberg
KV Maintauber § 3 und § 7 Abs. 5 und 6 der Satzung
KV Mannheim § 3 und § 7 Abs. 1 und 2 der Satzung
KV Odenwald § 1 und § 10 der Satzung Mit Verweis auf die Satzung, dem
Kraichau Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnungen
des LV Baden-Württemberg
KV Pforzheim § 2 Abs. 1, § 7 Abs. 9,§ 8 Abs.1 und 2 Mit Verweis auf die Satzung, dem
und § 9 Abs. 4 der Satzung Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnungen
des LV Baden-Württemberg und Vetorecht
KV Ravensburg § 1 Abs. 2, § 6 Abs. 6, § 7 Abs. 2 und 3 Mit Verweis auf die Satzung, dem
und § 8 Abs. 3 der Satzung Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnungen
des LV Baden-Württemberg und Vetorecht
KV Reutlingen § 1 Abs. 1, § 5 Abs. 7, § 6 Abs.1 und § 8 Mit Verweis auf die Satzung, dem
Abs. 3 der Satzung Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnungen
des LV Baden-Württemberg
KV Stuttgart § 12 der Satzung
KV Tübingen § 12 der Satzung Mit Frauenvotum und -veto
KV Tuttlingen § 1 Abs. 2, §5 Abs. 6, § 7 Abs. 2, § 8 Abs. Mit dem Verweis auf die Satzung , dem
3 der Satzung Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnung
des LV BW und Vetorecht der Frauen
KV Ulm § 1 Abs. 2, §6 Abs. 5 und 7, § 7 Abs. 2, § Mit dem Verweis auf die Satzung , dem
8 Abs. 1, § 9, § 10 Abs. 3 und § 12 Abs. Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnung
5 der Satzung des LV BW und Vetorecht der Frauen
KV Zollernalb § 1 Abs. 2, §6 Abs. 6, § 7 Abs. 2, § 10 Mit dem Verweis auf die Satzung , dem
Abs. 3 der Satzung Frauenstatut und sonstigen Rechtsordnung
des LV BW und Vetorecht der Frauen
LV Bayern § 25 Abs. 8 und 9 der Satzung und § 1- 4
des Frauenstatuts des Landesverbandes
KV Aschaffenburg § 9 der Satzung Durch Verweis auf das Frauenstatut des LV
Land Bayern
KV Aschaffenburg §8 Verweis auf das Frauenstatut des
Stadt Landesverbandes Bayern
KV Augsburg § 9 Abs. 3 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Stadt
KV Bamberg § 1 Abs. 3 Verweis auf das Frauenstatut des
Stadt Bundesverbandes
KY Bayreuth § 1 Abs. 5 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des
Landesverbandes
KV Coburg § 11 Abs. 1 der Satzung. Sollvorschrift.
KV Dachau § 8 Abs.2, § 11 Abs. 9 und 10, § 12 Abs. Vetorecht in § 11 Abs. 10
7 und § 13 Abs. 7 und 9 der Satzung
31
KV Erlangen Präampel Durch Verweis auf das Frauenstatut des LV
Bayern
KV Forchheim § 9 der Satzung Als Verweis auf das Frauenstatut
KV Freising § 5 Abs. 4 der Satzung Für die Wahl von Delegierten ist keine
Regelung erkennbar
KV Kempten Nr. 4.2.1 Die Regelung gilt nur für den Vorstand.
Quotierung für DelegiertenWahlen sind nicht
erkennbar.
KV Miltenberg § 12 Abs. 1
KV München § 7 Abs. 1 und § 12 Abs. 2 der Satzung
Stadt
KV Oberallgäu § 1 Abs. 2 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV Bayern
KV Regensburg Präampel und § 6 Abs. 2 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Starnberg § 7 Abs. 1 und § 8 Abs. der Satzung Sollvorschrift bei Delegiertenwahlen.
KV Würzburg Frauenstatut als Ergänzungsordnung mit Vetorecht und Verweis auf das
Bundesfrauenstatut vei Wahlen
LV Berlin § 14, § 18 Abs. 4,§ 21, § 23 Abs. 4 und 6 Mit Vetorecht; § 22 mit Neuenquote
und § 24 der Satzung
KV § 4 der Satzung Verweis auf die Landessatzung
Charlottenburg
KV Marzan- ??? Satzung ist zwar nicht öffentlich, die
Hellersdorf Geschlechterverteilung des Vorstands lässt
aber auf Quotierung schließen
KV Neukölln § 13 der Satzung Mit Vetorrecht und Verweis auf die Satzung
des LV Berlin; § 12 Neuenquote
KV Pankow § 1 Abs. 3,§ 10 Abs. 1 und § 12 der Mit Vetorrecht und Verweis auf die Satzung
Satzung; des LV Berlin und des Bundesverbandes
KV Tempelhof § 2 Abs. 1 und 2 der Wahlordnung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Schöneberg
LV Brandenburg § 8 Abs. 2 und § 18 der Satzung, § 1 der Mit Vetorecht und Verweis auf das
Wahlordnung, § 3 Abs. 3 der Bundesfrauenstatut
Geschäftsordnung
KV Barnim § 1 Abs. 2 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
Brandenburg und des BV
KV § 2 der Satzung Nur Vorstand und Sollbestimmung
Frankfurt(Oder)
KV Havelland § 9 der Satzung mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
KV Märkisch- § 1 Abs. 2 und § 11 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
Oderland Brandenburg und des BV
KV Oberhavel § 9 und § 13 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des BV
KV Oder-Spree § 6 Abs. 2 der Satzung Nur Vorstand
KV Potsdam § 7 Abs. 1 und § 11 der Satzung
LV Bremen § 7 Abs. 3 der Satzung
KV ost § 7 Abs. 3 der Satzung; Nr. 3
Frauenförderplan
LV Hamburg § 6 Abs. 3 der Satzung;Frauenstatut Mit Vetorecht und Entscheidung des
Parteitages bei Nichtbesetzung der
"Frauenplätze"
KV Altona § 8 Abs. 7 der Satzung Nur Vorstand
KV Bergedorf § 6 Abs. 3, § 9 Abs. 4 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
32
KV Hamburg- § 6 Abs. 3,§ 9 Abs. 4 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Eimsbüttel
KV Hamburg- § 4 der Satzung
Mitte
KV Wandsbeck § 4 der Satzung,§ 2 Abs. 6 der Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Geschäftsordnung
LV Hessen Frauenstatut als Ergänzungsordnung;
KV Bergstraße § 16 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV § 6 Abs. 1 der Satzung Nur Vorstand; Für Delegiertenwahlen ist
Frankfurt(Main) nicht auffindbar.
KV Fulda § 7 Abs. 1 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut
KV Marburg § 6 Abs. 1 und § 8 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
Hessen
KV Offenbach § 4 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
Hessen
KV Offenbach- § 4der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
Land Hessen
KV Schwalm-Eder § 5 Abs. 1 der Satzung
KV Vogelsberg § 2 Abs. 2 der Satzung
KV Wiesbaden Frauenstatut als Ergänzungsordnung
LV Mecklenburg- § 25 der Satzung durch Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Vorpommern
LV Niedersachsen Frauenstatut als Ergänzungsordnung; §
15 Abs 1, § 17 Abs. 2 der Satzung
KV Benthein § 7 der Satzung
KV Braunschweig § 9 Abs. 6 und § 10 der Satzung mit
Vetorecht
KV Darmstadt § 12 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV §1 Abs. 2, § 5 Abs.1, 6 und 7 mit
Fürstenfeldbruck Vetorecht und Verweis auf Satzung und
Frauenstatut des LV Niedersachsen und
BV
KV Gifhorn § 9 der Satzung mit Vetorecht
KV Göttingen § 10 der Satzung mit Vetorecht
RV Hannover § 6 Abs. 1 und 7,§ 13 und § 14 der Verweis auf das Frauenstatut des BV und LV
Satzung mit Vetorecht Niedersachsen
KV Holzminden § 9 der Satzung mit Vetorecht
KV Lüchow- § 9 der Satzung mit Vetorecht
Dannenberg
KV Northeim § 9 der Satzung mit Vetorecht
KV Oldenburg § 4 Abs. 6 und § 5 Abs. 3 der Satzung
KV § 5 der Satzung mit Vetorecht
Osnabrückener
Land
KV Rothenburg § 9 Abs. 2 der Satzung mit Vetorecht
KV Salzgitter § 9 der Satzung mit Vetorecht
KV Uelzen § 9 Abs. 5 der Satzung Soll-Vorschrift
KV § 9 der Satzung mit Vetorecht
Wilhemshaven

33
KV Wolfsburg § 9 Abs. 5 der Satzung Soll-Vorschrift
LV Nordrein- Frauenstatut des LV;§ 5 Abs. 2 und 4,§ 7 Mit Vetorecht
Westpfalen Abs. 3,§ 9 Abs. 1 und 2 und § 13 der
Satzung
KV Aachen § 9 Abs. 3 und § 11 der Satzung Versammlungentscheidung bei
Nichtbesetzung der "Frauenplätze" und
Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Bielefeld § 11 der Satzung Versammlungentscheidung bei
Nichtbesetzung der "Frauenplätze" mit
Zustimmungspflich der Frauen und Verweis
auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Breisgau- § 4 Abs. 7, § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 7 und Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Hochschwarzwald 8 der Satzung
KV Bonn § 2,§ 5 Abs. 2 und § 10 der Satzung Mit Vetorecht und Verweis auf das
Frauenstatut des BV
KV Duisburg § 7 Abs. 1, § 9 der Satzung und § 4 der Mit MV Entscheid und Zustimmungspflicht
GO der Frauen bei Nichtbesetzung der
"Frauenplätze"
KV Düsseldorf § 7 Abs. 1 und § 10 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
NRW
KV Essen § 2 Abs. 3,§ 3 Abs. 1, § 8 Abs. 7, § 9 Abs. Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
1 und 3 und § 12 der Satzung;§ 7 der NRW und des BV und Vetorecht
Wahlordnung
KV Euskirchen § 9 Abs 1. und § 12 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
NRW
KV Gelsenkirchen § 4 Abs. 1, § 6 Abs. 3 und § 7 Abs. 4 und Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut und
5 der Satzung das Frauenstatut des LV NRW und mit
Vetorecht
KV Göppingen § 1, § 6 und § 7 der Satzung Mit Vetorecht und Verweis auf das
Frauenstatut des LV NRW und BV, Satzung
und sonstige Ergänzungsordnungen des LV
NRW
KV Herford Frauenstatut als Ergänzungsordnung;§ 7
der Satzung
KV Köln § 9 Abs. 7,§ 10 und § 16 der Satzung
KV Leverkusen § 11 Abs.1 und 2 und § 15 der Satzung Mit Vetorecht und Versammlungsentscheid
bei Nichtbesetzung von "Frauenplätzen"
KV Mark § 8 der Satzung Mit Zustimmung der Frauen bei
Nichtbesetzung von "Frauenplätzen"
KV Mettmann § 10 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
NRW
KV Mühlheim § 7 Abs. 1 und § 10 der Satzung Mit Frauenveto
KV Neuss § 8 der Satzung Zustimmungspflicht der Frauen bein
Nichtbesetzung der "Frauenplätze" und
Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Oberberg § 5 Abs. 1, § 9 Abs. 2 und § 12 der Verweis auf das Frauenstatut des BV und LV
Satzung NRW
KV Oberhausen § 4 Abs. 1,§ 6 Abs. 1 und § 8 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
NRW

34
KV Paderborn § 7 Abs. 1 und § 8 der Satzung Mit Zustimmung der Frauen bei
Nichtbesetzung von "Frauenplätzen" und
Verweis auf das Frauenstat des LV NRW
KV Rein-Berg § 5 Ziffer e und § 16 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
NRW
KV Rein-Sieg § 11 der Satzung Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
NRW
KV Unna § 6 Abs. 1 und § 8 der Satzung und § 4
Abs. 1 der GO mit Zustimmungspflicht
der Frauen bei Nichtbesetzung von
"Frauenplätzen"
KV Warendorf § 11 der Satzung Mit Entscheidung der MV bei Nichtbesetzung
von "Frauenplätzen" und Zustimmungspflicht
der Frauen
KV Wesel § 7 der Satz Mit Verweis auf das Frauenstatut des LV
NRW
KV Reinland-Pfalz § 5 der Satzung; Frauenstatut;§ 2 und § Mit Vetorecht
4 der GO-LDV
KV Altenkirchen § 13 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Alzey-Worms § 8 der Satzung Soll-Vorschrift
KV Bad Dürkheim Ausführungsbeschlüsse des KV im
Anhang Satzung
KV Birkenfeld § 8 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV § 13 der Satzung
Kaiserslautern-
Stadt
KV Koblenz § 10 der Satzung Sollvorschrift
KV Ludwigshafen § 10 der Satzung
KV Mainz § 15 Abs. 5 bis 8 der Satzung
KV Trier-Saarburg § 9 Abs. 6 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut; Nur
Vorstand mit Ausnahmeregelungen
KV Westerwald § 8 der Satzung Nur Vorstand und Sollvorschrift
Saarland § 6 Der Satzung Männer können auch für die Ungeraden
Listenplätze kandidieren
Sachsen § 10 Abs. 2, § 11 Abs. 2, § 12 Abs. 3 und Mit Frauenvotum zur Fraigabe der Plätze von
§ 19 Abs 3 der Satzung; Nr. 3 b der WO- "Frauenplätzen"
Vorstand und WO-Parteirat;§ 8 Abs. 4
GO-LDV;
KV Bautzen § 1 Abs. 4 und § 8 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV SA
KV Chemnitz § 1 Abs. 2, § 7 Abs. 1 und § 8 der Mit Vetorecht und Verweis auf die Satzung,
Satzung das Frauenstatut und sonstigen Rechtsorden
des LV SA
KV Dresden § 6 Abs. 2 der Satzung Nur Vorstand
KV Erzgebirge § 9 Abs. 5 der Satzung Nur für Vorstand
KV Leipzig § 6 Abs 1, § 7 Abs. 1 und § 8 der Satzung Mit Vetorecht
KV Leipziger Land § 7 Abs. 1 der Satzung Nur Vorstand und Sollvorschrift
KV Nordsachsen § 7 Abs. 1 Nur für Vorstand und Sollvorschrift
KV Osterzgebirge § 7 Abs. 2 der Satzung Nur Vorstand
KV Sächsische § 7 Abs. 2 der Satzung
Schweiz
35
LV Sachsen- § 14 und § 16 Abs. 6 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Anhalt
KV Anhalt- § 8 Abs. 8 der Satzung
Bitterfeld
KV Börde § 8 Abs. 2 der Satzung
KV Halle § 9 der Satzung Mit Vetorecht
KV Harz § 1 Abs.2 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV SHT
KV Salzland § 1 Abs.2 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV SHT
Schleswig- § 6 Abs. 2 der Satzung; Frauenstaut als
Holstein Ergänzungsordnung mit Vetorecht
KV Dithmarschen § 4 Abs. 2 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Flensburg § 6 Abs. 2 der Satzung Mit Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Kiel § 4 Abs. 2,3 und 4 der Satzung;
Frauenstatut mit Vetorecht als
Ergänzungsordnung
KV Lauenburg § 14 Abs. 1 der Satzung In § 14 Abs. 2 ist Imperatives Mandat
KV Lübeck § 4 Abs. 2 der Satzung; Frauenstatut als
Ergänzungsordnung mit Vetorecht
KV Pinneberg § 11 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV SH
KV Segeberg § 7 Abs. 3 und 4 der Satzung
KV Stormarn § 4 Abs. 2 und § 11 Abs. 4 und 5 der
Satzung
LV Thüringen § 8 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut und
Verbindlichkeit für alle Gliederungen
KV Erfurt Keine Regelung in der Satzung Unter Verweis auf die Satzung des LV TH und
den Protokollen, kann dargelegt werden,
dass entsprechende Regelungen zur
Anwendung kommen.

2.1.1.3 LV Sachsen-Anhalt
§ 14 Frauenstatut

(1) Wahllisten sind grundsätzlich alternierend mit Frauen und Männern zu besetzen, wobei den Frauen
die ungeraden Plätze zur Verfügung stehen (Mindestparität). Frauen können auch auf den geraden
Plätzen kandidieren. Reine Frauenlisten sind möglich. Sollte keine Frau für einen Frauen zustehenden
Platz kandidieren bzw. gewählt werden, entscheidet die Wahlversammlung über das weitere
Verfahren.

(2) Der Vorstand ist paritätisch zu besetzen. Sollte keine Frau für einen Frauen zustehenden Platz
kandidieren bzw. gewählt werden, entscheidet die Versammlung über das weitere Verfahren.

(3) Delegierte des Landesverbands sollen paritätisch gewählt werden. Sollte keine Frau für einen
Frauen zustehenden Platz kandidieren bzw. gewählt werden, entscheidet die Versammlung über das
weitere Verfahren.

(4) Steht nur ein zu wählender Platz zur Verfügung, steht dieser zuerst den Frauen zur Verfügung. Sollte
keine Frau für den zustehenden Platz kandidieren oder gewählt werden, können auch Männer für
diesen Platz gewählt werden.
36
(5) Auf Antrag von mindestens drei stimmberechtigten Frauen wird vor der Abstimmung über einen
Verhandlungsgegenstand eine Abstimmung unter den stimmberechtigten Frauen der Versammlung
(Frauenvotum) durchgeführt.

(6) Die Mehrheit der Frauen eines Landesparteitags oder eines Landesdelegiertenrats hat ein
Vetorecht mit aufschiebender Wirkung. Eine von den Frauen abgelehnte Vorlage kann erst auf dem
nächsten LPT oder LDR erneut eingebracht werden. Das Vetorecht kann je Beschlussvorlage nur einmal
wahrgenommen werden.

2.1.1.4 KV Mansfeld-Südharz

Der Beschwerdeführer ist Mitglied des KV. Der Vorsitzende, wie auch der Beschwerdeführer bewarben
sich einen Delegiertenplatz für den fraglichen Listenparteitag des LV LSA. Der Vorsitzende legte
willkürlich fest, dass nach § 14 Abs. 1 der Satzung des LV LSA zu verfahren sei. Erst als sich keine Frau
zur Wahl stellte ließ er einseitig durch die MV den „Frauenplatz“ freigeben. Hätte sich mindestens eine
Frau beworben, so hätte er „mindestquotiert“ wählen lassen, obwohl die satzungsmäßigen
Bestimmungen des KV keine derartigen Regelungen vorsehen.

2.1.1.5 Die Vorstände

In der gesamten Partei, werden zum einen die beiden Vorsitzen und zum anderen der gesamte
Vorstande „mindestquotiert“, d.h. zu mindestens 50% Frauenanteil gewählt.

2.1.1.6 Neuenquote des LV Berlin und LV Niedersachsen

Aus der Satzung von LV Niedersachsen

§ 14 LDK – Listenaufstellung

1. Eine eigens dazu einberufene LDK stellt die Landeslisten zur Bundestagswahl und zur
Bundestagswahl
auf.
2. Die Delegierten zu dieser LDK dürfen nur in geheimer Wahl und nur von einer
Mitgliederversammlung
/Kreisdelegiertenversammlung bestimmt werden. Dabei ist bei der Wahl der LDK- Delegierten
unabhängig von der Mitgliedschaft in einem bestimmten Kreisverband stimmberechtigt, wer zu
diesem Zeitpunkt im Bereich des betreffenden Kreisverbandes bei der Bundestags-, Bundestags- oder
Europawahl stimmberechtigt wäre, zu der die Landesliste aufgestellt werden soll. Als DelegierteR zur
Aufstellung der Landesliste kann gewählt werden, wer zum Zeitpunkt der Listenaufstellung zu der
betreffenden Bundestags-, Bundestags- oder Europawahl in Niedersachsen stimmberechtigt wäre. Die
Versammlungen zur Wahl der Delegierten sind beschlussfähig, wenn ordnungsgemäß eingeladen
wurde.
3. Kandidaturen sollen spätestens 3 Wochen vor der LDK schriftlich in der Landesgeschäftsstelle
eingereicht werden.
4. Bei der Aufstellung der Liste für die Bundestags- und Bundestagswahlen ist das Wahlverfahren so
zu gestalten, dass mindestens jeweils einer von drei Listenplätzen mit einer/m KandidatIn besetzt
wird, die/der noch nie dem zu wählenden Parlament angehört hat. Sollte keine solche Kandidat(in)
für den Platz kandidieren, entscheidet die Wahlversammlung über das weitere Vorgehen.

Nach § 14 Abs. 4 der Satzung ist eine Quote von 1/3 für „Parlamentsneulinge“ vorgesehen.

37
Aus der Satzung des LV Berlin

§ 22 Neuenquote

1 Bei der Aufstellung der Listen für die Abgeordnetenhauswahlen durch den Landesverband ist das
Wahlverfahren so zu gestalten, dass mindestens jeder dritte Listenplatz mit einer/m KandidatIn
besetzt wird, die/der noch nie einem Parlament (Bundestag eines deutschen Landes, Bundestag,
Europaparlament) angehört haben.

2 Die Ausübung politischer Wahlämter (z.B. Regierungsmitglieder, Bezirksamtsmitglieder,


StaatssekretärInnen, Aufsichtsräte), die in der Regel hauptamtlich erfolgt, steht insoweit der
Mitgliedschaft in einem Parlament gleich.

Auch hier ist eine Quote von 1/3 für „Parlamentsneulinge“ vorgesehen.

2.1.2 SPD

2.1.2.1 Bundesverband

§ 11 Funktions- und Mandatsträger, Quotierung

(1) Funktionsträgerin oder Funktionsträger im Sinne dieses Statuts ist, wer von der zuständigen Parteikörperschaft
für eine bestimmte Funktion der Partei, ihrer Arbeitsgemeinschaften und Projektgruppen gewählt oder für ein
Mandat oder öffentliches Wahlamt nominiert worden ist. Mandatsträgerin oder Mandatsträger im Sinne dieses
Statuts ist, wer als Parteimitglied ein Mandat oder öffentliches Wahlamt inne hat.

(2) In den Funktionen und Mandaten der Partei müssen nach Maßgabe dieses Statuts und der Wahlordnung Frauen
und Männer mindestens zu je 40 % vertreten sein. Die Pflicht richtet sich an das wählende oder entsendende
Gremium. Die Quotierung bezieht sich insbesondere auf Mehrpersonengremien wie Vorstände,
geschäftsführende Vorstände, von Vorständen eingesetzte Gremien und Delegationen.
tut
(3) Ein Funktionsträger oder eine Funktionsträgerin verliert
seine bzw. ihre Funktion durch

a) turnusmäßige Neuwahl, Erlöschen der Funktion oder Ablauf der satzungsmäßigen Amtszeit,

b) Niederlegung,

c) Aberkennung der Fähigkeit, eine Funktion zu bekleiden,

d) Abberufung aus wichtigem Grund (§ 9 der Wahlordnung),

e) Verlust der Mitgliedschaft (§ 4),

f) durch Annahme einer anderen mit seiner bisherigen Funktion


satzungsmäßig unverträglichen Funktion,

g) Verlust der Mitgliedschaft in einem Parteiorgan, von dem die Funktion abhängig ist.

(4) Gehören einem Vorstand nicht mindestens drei gewählte Mitglieder an, so hat der Vorstand der
nächst höheren Gliederung unverzüglich Neuwahlen anzukündigen. Er muss die Rechte des
handlungsunfähigen Vorstandes wahrnehmen oder Dritte mit der Wahrnehmung dieser Rechte
kommissarisch beauftragen. Kommt es nicht in angemessener Zeit, spätestens aber binnen drei
Monaten, zur Wahl eines handlungsfähigen Vorstandes, kann der Vorstand der nächsthöheren

38
Gliederung eine Neuabgrenzung nach § 8 Abs. 2 vornehmen. Geschieht dies nicht in angemessener
Zeit, so obliegt diese Pflicht wiederum der nächsthöheren Gliederung. Wurde der Vorstand nicht in
jedem zweiten Kalenderjahr gewählt, so ist der Vorstand der nächsthöheren Gliederung berechtigt,
unverzüglich Neuwahlen anzukündigen.

(5) Als Vertreter oder Vertreterin der Partei gilt nur, wer durch die Parteiorganisation dazu beauftragt wurde.

Aus der Wahlordnung

§4 Verfahren bei Kandidatenaufstellungen

(1) Für die Aufstellung der Kandidaten und Kandidatinnen zu Bundestags-, Bundestags- und
Kommunalwahlen gelten die Bestimmungen der Wahlgesetze und des Organisationsstatuts. Um zu
erreichen, dass Männer und Frauen zu mindestens je 40 % in den Parlamenten und kommunalen
Vertretungskörperschaften vertreten sind, werden auf allen Organisationsebenen satzungsmäßige
Vorkehrungen getroffen; sind keine Vorkehrungen getroffen, gilt Abs. 2 entsprechend. Innerparteiliche
Nominierungsverfahren von Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahlen zu kommunalen
Vertretungskörperschaften und Parlamenten sollen drei Monate vorher parteiöffentlich bekannt
gegeben werden.

(2) Für die Wahl zum Deutschen Bundestag wird die angemessene Vertretung von Frauen und
Männern durch die Aufstellung der Landeslisten gesichert. Die Aufstellung der Landeslisten erfolgt
alternierend; eine Frau, ein Mann, beginnend mit dem Spitzenkandidaten oder der Spitzenkandidatin.

(3)Die Aufstellung der gemeinsamen Liste aller Bundesländer (Bundesliste) zur Europawahl oder die
Aufstellung von Landeslisten zur Europawahl erfolgt alternierend; eine Frau, ein Mann, beginnend mit
dem Spitzenkandidaten oder der Spitzenkandidatin.

2.1.2.2 Migrantenquote

In der SPD wurde die Einführung einer Migrantenquote von 15 % erörtert.1

2.1.2.3 Jugendquote

Aus der Satzung des KV Storman:


§ 11 Wahlen
(1) Grundsätzlich wird bei allen Wahlen darauf geachtet, dass satzungsgemäß die Geschlechterquote
eingehalten wird. Darüber hinaus soll auch die Jugendquote eingehalten werden.

Das ist zwar nur eine soll-Bestimmung aber immerhin eine Quote.
Der KV Hameln-Pymont hat ebenfalls eine Jugendquote für Gemeindeparlamente eingeführt. 2 Auch
die Jusos haben über die Einführung einer solchen Quote debattiert. 3 So kann es weitere KVs mit eine
solchen Quote geben.

2.1.2.4 Vorstände

Bei den Vorständen wird eine Quote von 40 % zu 40 % festgelegt, während bei Listenwahlen ein Quote
50 % zu 50 % festgelegt wird.

1
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-gabriel-drueckt-migrantenquote-durch-a-761572.html
2
http://spd-hameln-pyrmont.de/content/91300.php
3
http://alt.vorwaerts.de/artikel/auch-in-der-spd-mehr-demokratie-wagen-ae-aber-wie
39
2.1.2.5 In den Gliederungen

LV/KV Stelle Bemerkungen


LV Baden- § 23 der Satzung Verweis auf die Bundeswahlordnung
Württemberg
KV Freiburg § 1 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Bundeswahlordnung und
sonstigen Rechtsordnungen des BV
OV Göppingen § 11 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des BV
KV Heidelberg § 1 und § 6 der Satzung mit Verweis auf die Bundeswahlordnung und
sonstigen Rechtsordnungen des BV
KV Karlsruhe- § 1, §15 der Satzung,§ 2 Abs. 5, § 4 mit Verweis auf die Wahlordnung des BV
Stadt und § 7 der Vorschlags- und
Wahlordnung
KV Rein Neckar § 1 Abs. 2 der Satzung durch Verweis auf die Rechtsordnung des LV
BW und BV
LV Bayern § 3 Abs. 4,§ 5 Abs. 2,§ 9 Abs. 2, § 26
und § 27 der Satzung
KV München § 7 und § 10 Abs.5 der Satzung
LV Berlin § 11 Abs. 2, § 15 Abs. 1 Nr 1, des
"Organisationsstatuts"
LV Brandenburg § 13 Abs. 3, § 14 Abs. 3 der Satzung 1/3 Quote für Liste und 2/5 Quote für
Vorstand
KV Barnim § 4 und § 8 der Satzung und § 4 der Mit Verweis auf das Organisationsstatut und
Wahlordnung Wahlordnung der Bundespartei
UBVBrandenburg § 13 Abs. 3 der Satzung durch Verweis auf die Wahlordnung der
an der Havel Bundespartei
LV Bremen § 7 Abs. 2 und § 8 Abs. 3 - 5 der
Satzung
UB Bremerhaven § 4 Abs. 2 und § 9 der Satzung durch Verweis auf des Rechtsordnungen des
LV Bremen und der Bundespartei
UB Bremen-Stadt § 10 Abs. 2 der Satzung
LV Hamburg § 15 Abs. 2,§ 17 Abs. 3,§ 20 Abs. 2,
§ 24 Abs. 3 - 5 der Satzung; Abschn.
II Nr. 1 b, Abschnitt III B und C Nr.
3,Abschn. IV Nr. 2,Absch. V des
Anhang, Nr. GO
LV Hessen § 4 Abs.2 d, Abs. 3,§ 6 Abs. 3 und Pflichtquotierung bei der Wahl von
Abs. 4 der Satzung Delegierten
BV Hessen-Nord § 10 Abs. 1 d,§ 12 Abs. 1,§ 13 Nr.
3,§ 15 und § 19 der Satzung
BV Hessen-Süd § 9 Abs. 3 § 11 Abs. 1 der Satzung
UB Main-Kinzig § 2 Abs. 4 der Satzung
UB Schwalm- § 5 Abs.2 der Satzung
Eder
UB Wiesbaden § 20 der Satzung
LV Mecklenburg- § 10 Abs. 4 der Satzung
Vorpommern
KV Mittleres § 12 der Satzung Durch Verweis auf die Rechtsordnungen des
Mecklenburg BV und LV
40
LV § 13 Abs. 2 der Satzung durch Verweis auf die Rechtsordnungen der
Niedersachsen Bundespartei
BV Bezirk § 4 Abs. 3 und § 11 Nr. 4 der
Braunschweig Satzung;Anhang 1 und Anhang 2
Ziffer III Nr. 4 der Satzung
UBV Cuxhaven § 9 der Satzung durch Verweis auf die Wahlordnung der
Bundespartei
KV Dassel § 5 Nr. 2 der Satzung durch Verweis auf die Wahlordnung der
Bundespartei
KV Hameln § 5.1 der Satzung
BV Bezirk § 11 Abs. 1,§ 19 Abs. 1, § 23 Abs. 2 Verpflichtende Quoten auch für die UB und
Hannover der Satzung Wahl von Delegierten
BV Bezirk Nord- § 5, § 8 Nr. 4 und 6 e der Satzung
Niedersachsen und unter "Kandidatienaufstellung"
Buchstabd g "RICH LINIEN
für die Aufstellung von
KandidatInnen zu den
Kommunalwahlen im SPD Bezirk
Nord-Niedersachsen
KV Verden § 4 Abs. 10,§ 13 Abs. 4 der Satzung durch Verweis auf die Wahlordnung der
Bundespartei und die Satzung des BV Nord-
Niedersachsen
BV BEZIRK § 7,§ 8 Abs. 2 und § 32 Abs. 2 der
WESER-EMS Satzung und Abschnitt III c und e
der RICHTLINIEN FÜR DIE
AUFSTELLUNG VON KANDIDA-TEN/-
INNEN
LV Nordrein- § 9, § 13 der Satzung
Westpfalen
UB Köln § 19 Abs. 1 der Satzung
KV Warendorf § 5 der Satzung Soll-Vorschrift
LV Reinland-Pfalz § 15 Abs. 1 der Satzung durch Verweis auf die Satzung der
Bundespartei
OV Altenkirchen § 7 Abs. 2 der Satzung
KV Cochem-Zell § 19 der Satzung durch Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei
LV Saarland § 17 Abs. 2 der Satzung durch Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei
LV Sachsen § 10 Abs. 1 und § 11 der Satzung durch Verweis auf die Wahlordnung und
Satzung der Bundespartei
KV Leipzig-Land § 10 Abs. 5 der Satzung Verweis auf die Satzung der Bundespartei
UB Meißen § 7 der Satzung durch Verweis auf die Wahlordnung und
Satzung der Bundespartei
LV Sachsen- § 4 Abs. 4 und § 10 Abs. 4 (b) der
Anhalt Satzung
KV Börde § 5 Abs. 13 durch Verweis auf die Wahlordnung und
Satzung der Bundespartei
LV Schleswig- § 4, § 5 Abs. 1 § 13 Abs. 3 und § 17
Holstein Abs. 3 der Satzung

41
OV Borstel- § 1 der Satzung durch Verweisung auf die Rechtsordnungen
Hohenraden des BV
KV Kiel § 3,§ 9, § 11 Abs. 2 und § 12 Abs. 2
der Satzung
KV Pinneberg § 17 Abs. 6, § 20 Abs.2 und § 22
Abs. 4 der Satzung
KV Stormann § 11 der Satzung
LV Thüringen § 5 Abs. 3 der Satzung mit Verweis auf die Satzung der
Bundespartei
KV Altenburger § 11 Abs. 2 der Satzung durch Verweis auf die Rechtsordnungen des
Land Bundesverbandes
KV Eisenach § 6 Abs. 7 der Satzung mit Verweis auf die Wahlordnung der
Bundespartei
KV Gera § 13 Abs. 1 der Satzung durch Verweis auf die Rechtsordnungen des
Bundes- und Landesverbandes Thüringen
KV Jena § 15 der Satzung durch Verweis auf die Rechtsordnungen des
Bundes- und Landesverbandes Thüringen
KV Weimar § 6 Abs. 2 der Satzung durch Verweis auf die Wahlordnung der
Bundespartei

2.1.2.6 Direktbewerber in Bayern

Aus der Satzung des LV

§ 27 Grundsätze für Kandidatinnen und Kandidaten

(1) Für die Wahlen zum Europäischen Parlament, zum Deutschen Bundestag, zum Bayerischen
Bundestag und zu den Bezirkstagen wird die angemessene Vertretung von Frauen und Männern durch
die Aufstellung der Listen gesichert. Die Aufstellung der Kandidatinnen und Kandidaten auf den Listen
erfolgt alternierend: eine Frau, ein Mann, beginnend mit der Spitzenkandidatin oder dem
Spitzenkandidaten. Dabei sind zunächst die Stimmkreiskandidatinnen und -kandidaten, bzw. die
Wahlkreiskandidatinnen und -kandidaten zu platzieren.

(2) Solange unter der Gesamtzahl der Direktbewerberinnen und Direktbewerber in den Stimmkreisen
eines Wahlkreises nicht jedes Geschlecht zu mindestens je 40% vertreten ist, bemüht sich der
Bezirksvorstand zusammen mit den zuständigen Unterbezirks- und/oder Kreis- und
Stadtverbandsvorständen im Falle des Ausscheidens amtierender Abgeordneter oder Bezirksräte, die
sich nicht mehr bewerben, um Nachfolgekandidatinnen oder -kandidaten des unterrepräsentierten
Geschlechts.

(3) Für die Wahlen zu den Kreistagen, Stadträten der kreisfreien Städte, Stadt-, Markt- und
Gemeinderäten in den kreisangehörigen Kommunen erfolgt die Listenaufstellung alternierend: eine
Frau, ein Mann, beginnend mit dem Spitzenkandidaten oder der Spitzenkandidatin, solange
Bewerberinnen und Bewerber beider Geschlechter zur Reihung anstehen. Listenplätze eines
Geschlechts, die mangels Bewerberinnen oder Bewerber nicht auf diese Weise besetzt werden
können, werden von Bewerberinnen oder Bewerbern des anderen Geschlechts besetzt.

(4) Scheidet nach der Listenaufstellung ein Kandidat oder eine Kandidatin aus, rückt die
nächstplatzierte Bewerberin oder der nächstplatzierte Bewerber des gleichen Geschlechts nach. Erst

42
wenn kein Nachrücker oder keine Nachrückerin des gleichen Geschlechts mehr vorhanden ist, rückt
der nächstplatzierte Bewerber oder die nächstplatzierte Bewerberin des anderen Geschlechts nach.

Hier wird eine Quote von 40 % : 40 % auch für Direktbewerber festgesetzt.

2.1.3 Die Linke


2.1.3.1 Bundesverband

Aus der Satzung

§ 10 Geschlechterdemokratie
(1) Die politische Willensbildung der Frauen in der Partei ist aktiv zu fördern. Es ist Ziel der Partei, dass
Frauen weder diskriminiert noch in ihrer politischen Arbeit behindert werden. Frauen haben das Recht,
innerhalb der Partei eigene Strukturen aufzubauen und Frauenplenen einzuberufen.

(2) In allen Versammlungen und Gremien der Partei sprechen, unter der Voraussetzung
entsprechender Wortmeldungen, Frauen und Männer abwechselnd. Redelisten werden getrennt
geführt.

(3) In allen Versammlungen und Gremien der Partei wird auf Antrag von mindestens einem Viertel der
stimmberechtigten Frauen ein die Versammlung unterbrechendes Frauenplenum durchgeführt. Über
einen in diesem Frauenplenum abgelehnten Beschluss oder Beschlussvorschlag kann erst nach
erneuter Beratung der gesamten Versammlung bzw. des gesamten Gremiums abschließend
entschieden werden.

(4) Bei Wahlen von Vorständen, Kommissionen, Arbeitsgremien und Delegierten sind grundsätzlich
mindestens zur Hälfte Frauen zu wählen. Ist dies nicht möglich, bleiben die den Frauen vorbehaltenen
Mandate unbesetzt, eine Nachwahl ist jederzeit möglich. Kreis- und Ortsverbände, deren Frauenanteil
bei weniger als einem Viertel liegt, können im Einzelfall Ausnahmen beschließen.

(5) Bei der Aufstellung von Wahlbewerberinnen und Wahlbewerbern für Parlamente und kommunale
Vertretungskörperschaften ist auf einen mindestens hälftigen Frauenanteil in der Fraktion bzw. in der
Abgeordnetengruppe hinzuwirken. Bei Wahlvorschlaglisten sind einer der beiden ersten Listenplätze
und im Folgenden die ungeraden Listenplätze Frauen vorbehalten, soweit Bewerberinnen zur
Verfügung stehen. Hiervon unberührt bleibt die Möglichkeit der Versammlung, einzelne
Bewerberinnen abzulehnen. Reine Frauenlisten sind möglich.

2.1.3.2 In den Gliederungen

LV/KV Stelle Bemerkungen


LV Baden- § 12 der Satzung und § 4 Abs. 12 Quotierung bei der Wahl von Delegierten
Württemberg der Wahlordnung in der WO
LV Bayern § 10 der Satzung
LV Berlin § 10 der Satzung
LV Brandenburg § 10 der Satzung
LV Bremen § 7 Abs. 3 der Satzung Nur KVs sonst ??
LV Hamburg § 7 der Satzung
LV Hessen § 10 der Satzung
LV Mecklenburg- § 26 Abs. 3 der Satzung durch Verweis auf die Bundessatzung
Vorpommern

43
LV Niedersachsen § 2 d der Satzung durch Verweis auf die Bundessatzung
LV Nordrein- § 10 der Satzung
Westpfalen
KV Duisburg § 12 der Satzung
KV Steinfurt § 6 Abs. 3 der Satzung durch Verweis auf die
Bundeswahlordnung
LV Reinland-Pfalz § 10 der Satzung
KV Trier § 7 der Satzung
LV Saarland § 10 der Satzung
KV St. Wendel § 8 der Satzung durch Verweis auf die Bundessatzung und
Bundeswahlordnung
LV Sachsen § 44 Der Satzung Verweis auf die Bundeswahlordnung und
von dort über § 2 auf § 10 der
Bundessatzung
LV Sachsen-Anhalt § 10 der Satzung
LV Schleswig- § 2 der Satzung durch Verweis auf die Bundessatzung
Holstein
KV Flensburg § 5 der Satzung
KV Kiel § 4 der Satzung
KV Luebeck § 5 der Satzung
KV Rendsburg § 5 der Satzung
LV Thüringen § 34 der Satzung

2.1.4 Die CDU


2.1.4.1 Bundesverband
C. Gleichstellung von Frauen und Männern

§ 15 (Gleichstellung von Frauen und Männern)

(1) Der Bundesvorstand und die Vorstände der Landes-, Bezirks-, Kreis-, Stadt-/Gemeinde bzw.
Stadtbezirksverbände und der Ortsverbände der Partei sowie die Vorstände der entsprechenden
Organisationsstufen aller Bundesvereinigungen und Sonderorganisationen der CDU sind verpflichtet,
die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern in der CDU in ihrem jeweiligen
Verantwortungsbereich durchzusetzen.

(2) Frauen sollen an Parteiämtern in der CDU und an öffentlichen Mandaten mindestens zu einem
Drittel beteiligt sein.

(3) Förmliche Kandidatenvorschläge bei Wahlen für Parteiämter haben den Grundsatz nach Absatz 2
zu beachten. Wahlgremien können Kandidatenvorschläge zurückweisen, die Frauen nur unzureichend
berücksichtigen. Wird bei Gruppenwahlen zu Parteiämtern von der Kreisverbandsebene an aufwärts
in einem ersten Wahlgang das Frauenquorum von einem Drittel nicht erreicht, ist dieser Wahlgang
ungültig. Es ist ein zweiter Wahlgang vorzunehmen, zu dem weitere Vorschläge gemacht werden
können. Dessen Ergebnis ist unabhängig von dem dann erreichten Frauenanteil gültig.

(4) Bei Direktkandidaturen für Kommunal- und Bundestagswahlen, für die Wahlen zum Deutschen
Bundestag und zum Europäischen Parlament ist durch den Vorstand der entscheidungsberechtigten
Organisationseinheit auf eine ausreichende Beteiligung von Frauen hinzuwirken. Gleiches gilt für die
Vorstände mitentscheidungsberechtigter Organisationseinheiten.
44
(5) Bei der Aufstellung von Listen für Kommunal- und Bundestagswahlen, für die Wahlen zum
Deutschen Bundestag und zum Europäischen Parlament soll das vorschlagsberechtigte Gremium unter
drei aufeinander folgenden Listenplätzen jeweils mindestens eine Frau vorschlagen.
Wahlkreiskandidatinnen sollen dabei vorrangig berücksichtigt werden. Das Recht der über die
Listenvorschläge entscheidenden Gremien, für jeden Listenplatz Frauen oder Männer als Gegen- und
Ergänzungsvorschläge zu benennen, bleibt unberührt. Sollte es dem vorschlagsberechtigten Gremium
nicht gelungen sein, ausreichend Frauen auf dem Listenvorschlag zu berücksichtigen, so ist dies vor
der entscheidungsberechtigten Versammlung darzulegen und zu begründen.

(6) Der Generalsekretär erstattet dem Parteitag regelmäßig Bericht über die Gleichstellung von Frauen
und Männern in der CDU.

In den einzelnen Gebietsverbänden der Parteien sind ähnlich gelagerte Regelungen ausgestaltet
worden.

2.1.4.2 In den Gliederungen

LV/KV Stelle Bemerkungen


LV Baden- Im Anhang Verweis auf § 15 der Bundessatzung
Württemberg
LV Berlin § 44a der Satzung
LV Brandenburg § 14 der Satzung
KV Elbe-Elster § 14 der Satzung
KV Frankfurt(Oder) § 14 der Satzung
KV Havelland § 14 der Satzung
LV Bremen § 5 der Satzung
LV Hamburg ??? Geschlechterverteilung nach o.g. Muster
LV Hannover § 43 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung und die
Satzung des LV NS
LV Hessen ??? Geschlechterverteilung nach o.g. Muster
LV Mecklenburg- § 15 der Satzung
Vorpommern
LV Niedersachsen § 17 der durch Verweis auf das "Bundesstatut"
Verfahrensordnung
LV Nordrein- § 13 der Satzung
Westpfalen
KV Bonn § 9 Abs. 1 der Satzung Soll-Bestimmung
KV Borken § 15 der Satzung
KV Dortmund § 14 der Satzung
KV Düren § 15a der Satzung
KV Essen § 2 Abs. 6 und § 8 der durch Verweis auf § 15 der Bundessatzung
Satzung
KV Euskirchen § 13 der Satzung
KV Höxter § 13 der Satzung
KV Kleve § 12a der Satzung
KV Mark § 13 der Satzung
KV Münster § 14 der Satzung
KV Neuss § 14 der Satzung
45
KV Oberhausen § 4 der Satzung
KV Olpen § 13 der Satzung
KV Paderborn § 13 der Satzung
KV Recklinghausen § 13 der Satzung
KV Reinisch-Bergischer § 49a Abs. 2 und § 51
Kreis der Satzung
KV Siegen-Wittgenstein § 13 der Satzung
KV Steinfurt § 39 der Satzung Soll-Bestimmung
LV Reinland-Pfalz § 53 Der Satzung Geschlechterverteilung nach o.g. Muster
LV Saarland § 11 der Satzung
LV Sachsen § 6 Abs. 6 Der Satzung Verweis auf § 15 des Bundesstatuts
LV Sachsen-Anhalt Anlage D der Satzung Satzung nicht verfügbar
LV Schleswig-Holstein Anlage
LV Thüringen § 46 Abs. 8 Der Verweis auf § 15 des Bundesstatuts
Satzung

2.1.4.3 Vorstände (Einschließlich CSU)

Die CSU hat in ihrer Satzung stehen:

§ 8 Gleiche Teilhabe von Frauen und Männern

(1) Die Organe in der CSU verwirklichen in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich die gleiche
Teilhabe von Frauen und Männern.

(2) Frauen sollen mindestens 40% der Parteiämter in der CSU innehaben. Wahlen der weiteren
Mitglieder des Partei- und Bezirksvorstandes gemäß §§ 22 Abs. 1 Nr. 5 und 26 Abs. 1 Nr. 5 sind dann
gültig, wenn mindestens 40% der gewählten Mitglieder des jeweiligen Vorstands Frauen sind.

Auch hier werden dieselben Regelungen angewendet wie in den übrigen Fällen.

2.1.4.4 Die CSU

Auch die Landesliste der CSU folgt dem Muster M-F-M-F...... .

2.1.5 Die DKP


2.1.6 Freie Wähler

2.2 Stimmenquoren der CDU

In den nachfolgend genannten Rechtsordnungen werden Stimmenquoren zu Gültigkeit von


Stimmzetteln vorgeschrieben.

LV/KV Stelle Bemerkungen

46
LV Baden-Württemberg § 12 Abs. 3 der Verfahrensordnung Mindestens 50 %
LV Berlin ???
LV Brandenburg § 63 Abs. 6 der Satzung Mindestens 50 %
KV Elbe-Elster § 32 Abs. 6 der Satzung Mindestens 50 %
KV Frankfurt § 28 Abs. 6 der Satzung Mindestens 75 % bzw.
50 %
KV Havelland § 33 Abs. 6 der Satzung Mindestens 75 % bzw.
50 %
LV Bremen § 44 Abs. 5 der Satzung Mindestens 50 %
LV Hamburg § 32 Abs. 4 b Mindestens 1/3
LV Hessen ???
LV Mecklenburg- § 41 Abs. 3,4 und 5 der Satzung
Vorpommern
LV Niedersachsen ???
LV Nordrein-Westpfalen § 37 Abs. 6 der Satzung Mindestens 50 %
KV Bochum § 39 Abs. 2 und 3 der Satzung Mindestens 50 %
KV Bonn § 9 Abs. 7 der Satzung Mindestens 50 %
KV Borken § 45 Abs. 3 der Satzung Mindestens 50 %
KV Dortmund § 12 Abs.4,5 und 6 der Satzung Mindestens 75 %
KV Düren § 58 Abs. 2 das Satzung Mindestens 50 %
KV Essen § 37 Abs. 6 der Satzung Mindestens 50 %
KV Euskirchen § 40 Abs. 4 der Satzung Mindestens 50 %
KV Hagen § 28 Abs. 3 der Satzung Mindestens 50 %
KV Höxter § 36 Abs. 4 der Satzung Mindestens 50 %
KV Kleve § 32 der Satzung Mindestens 50 %
KV Mark § 37 Abs. 5 der Satzung Mindestens 50 %
KV Münster § 44 Abs. 4,7 und 8 der Satzung Mindestens 50 %
KV Neuss § 40 Abs. 5 der Satzung Mindestens 50 %
KV Paderborn § 35 Abs. 4 der Satzung Mindestens 50 %
KV Recklinghausen § 44 Abs. 3 und Abs. 6 Mindestens 75% bzw. 50
%
KV Siegen-Wittgenstein § 41 Abs. 3,4 und 5 der Satzung Mindestens 50 %
KV Steinfurt § 40 Abs.3,4 und 5 der Satzung Mindestens 75% bzw. 50
%
LV Reinland-Pfalz § 63 Abs. 1 der Satzung Mindestens 75%
LV Saarland § 46 Abs. 2 der Satzung Mindestens 75% bzw. 50
%
LV Sachsen § 11 Abs. 6 und § 35 Abs. 3 und 4 der Mindestens 75% bzw. 50
Satzung %
LV Sachsen-Anhalt ???
LV Schleswig-Holstein § 65 Abs. 10 der Satzung Mindestens 75%
LV Thüringen § 46 Abs. 4 der Satzung Mindestens 75%

2.3 Unterschriftenquoren der CDU

Nun sei auf die Regelung des § 63 der Satzung der CDU LV Hessen eingegangen:

47
§ 63
Wahlvorbereitung

(1) Für die Aufstellung von Kandidatenlisten zu Parlaments- und Kommunalwahlen sowie für
Delegiertenlisten haben Wahlvorbereitungsausschüsse dem zuständigen Wahlgremium der Partei
Vorschläge zu unterbreiten. (Ausnahmen und Ausnahmemöglichkeiten siehe Abs. 6)

(2) Soweit der Landesparteitag zuständiges Gremium ist, umfasst der Wahlvorbereitungsausschuss elf,
im Übrigen sieben Parteimitglieder. Das weitere Verfahren ist in vorangegangenen Bestimmungen
dieser Satzung geregelt.

(3) Neben den gem. Abs. 1 bzw. 6 hierfür zuständigen Gremien können 15% der stimmberechtigten
ordentlichen Delegierten bzw. 15% der stimmberechtigten Mitglieder einer Mitgliederversammlung
eine Kandidatenliste zu Parlaments- oder Kommunalwahlen vorlegen. Die Unterzeichner haben die
Kandidatenliste der zuständigen Geschäftsstelle so rechtzeitig zu übermitteln, dass sie mit einer Frist
von mindestens zwei Wochen versandt werden kann. Benötigen die Initiatoren zur Einreichung einer
solchen Kandidatenliste die Unterschriften von 15 % der Delegierten, so ist ihnen auf Wunsch eine
Liste mit den Namen und Anschriften der Delegierten zur Verfügung zu stellen. Benötigen Sie die
Unterschriften von 15 % der Mitglieder eines Verbandes, so hat die zuständige Geschäftsstelle auf
Verlangen ein Anschreiben an die Mitglieder zu versenden, in dem die Initiatoren um Unterzeichnung
der beigefügten Liste bitten. Der Parteitag bzw. die Hauptversammlung stimmen geheim darüber ab,
welche von mehreren vorgelegten Kandidatenlisten der Wahl gemäß § 66 zugrunde gelegt wird.

(4) An der Aufstellung der Kandidaten und an der Wahl der Delegierten für einen Landesparteitag, eine
Wahlkreisdelegiertenversammlung bzw. einen Kreisparteitag zum Zwecke der Kandidatenaufstellung
können nur diejenigen Mitglieder der Partei mitwirken, die im Zeitpunkt des Zusammentritts der
Versammlung zur betreffenden Wahl im Wahlgebiet wahlberechtigt sind, sofern das betreffende
Wahlgesetz dies vorschreibt.

(5) Decken sich bei Wahlen zum Deutschen Bundestag und zum Hessischen Bundestag das Gebiet eines
Wahlkreises und eines Kreisverbandes nicht, so regeln die beteiligten Kreisvorstände die
Wahlvorbereitung.
(6) Auf der Stadt-, Gemeinde- und Stadtbezirksverbandsebene kann von der Bildung eines
Wahlvorbereitungsausschusses abgesehen werden. Die Hauptversammlung entscheidet, ob ein
Wahlvorbereitungsausschuss gebildet wird. Wird kein Wahlvorbereitungsausschuss gebildet, wird das
Listenvorschlagsrecht nach § 63 Abs. 1 vom zuständigen Vorstand ausgeübt. Werden von
Ortsverbänden Listen für die Ortsbeiratswahlen aufgestellt, so üben die Vorstände das
Listenvorschlagsrecht aus.

In Abs. 3 ist klar geregelt, dass für Alternativvorschläge auch bei der Wahl von Landeslisten zur
Bundestagswahl ein Unterschriftenquorum erforderlich ist.

2.4 Dynamische Verweisungen

2.4.1 Alggemeines

In folgenden Fällen haben die Parteien unzulässige dynamische Verweisungen in ihren


Rechtsordnungen der Parteien und Gliederungen.

48
2.4.2 Bündnis ‘90/Die Grünen

LV/KV Stelle Bemerkungen


Baden-
Württemberg ??? ???
§ 13 Abs. 1 der
KV Aalen Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Breisgaus § 4 Abs.7 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
§ 11 Abs. 1 der
KV Böblingen Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV BW
Verweis auf die Satzung, dem Frauenstatut und
§ 1 Abs. 2, § 6 Abs 6 sonstigen Rechtsordnungen des LV Baden-
und § 8 Abs. 3 der Württemberg und dem Bundesfrauenstatut; In § 6 Abs.
KV Ettlingen Satzung 6 und § 8 Abs. 3 ist der Verweis statisch
§ 2 Abs. 1 und § 4 der
KV Karlsruhe Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Mit Verweis auf die Satzung, dem Frauenstatut und
sonstigen Rechtsordnungen des LV Baden-
§1 Abs. 2, § 6 Abs. 6, § Württemberg und dem Bundesfrauenstatut, in § 6 Abs.
7 Abs. 2 und § 10 Abs. 6 und § 10 Abs. 3 ist der Verweis auf das
KV Lörrach 3 der Satzung Bundesfrauenstatut statisch
Verweis auf die Satzung, dem Frauenstatut und
sonstigen Rechtsordnungen des LV Baden-
KV Ludwigsburg § 1 Abs. 2 der Satzung Württemberg
Verweis auf die Satzung, dem Frauenstatut und
KV Odenwald § 1 und § 10 der sonstigen Rechtsordnungen des LV Baden-
Kraichau Satzung Württemberg
Mit Verweis auf die Satzung, dem Frauenstatut und
sonstigen Rechtsordnungen des LV Baden-
KV Pforzheim § 2 Abs. 1 der Satzung Württemberg
Verweis auf die Satzung, dem Frauenstatut und
§ 1 Abs. 2, § 7 Abs. 2 sonstigen Rechtsordnungen des LV Baden-
KV Ravensburg der Satzung Württemberg
Verweis auf die Satzung, dem Frauenstatut und
sonstigen Rechtsordnungen des LV Baden-
KV Reutlingen § 1 Abs. 1 der Satzung Württemberg
§ 1 Abs. 2, §5 Abs. 6, § Verweis auf die Satzung , dem Frauenstatut und
7 Abs. 2, § 8 Abs. 3 der sonstigen Rechtsordnung des LV BW;in § 5 Abs. 6 ist
KV Tuttlingen Satzung der Verweis statisch
§ 1 Abs. 2, §6 Abs. 5
und 7, § 7 Abs. 2, § 8
Abs. 1, § 9, § 10 Abs. 3
und § 12 Abs. 5 der Verweis auf die Satzung , dem Frauenstatut und
KV Ulm Satzung sonstigen Rechtsordnung des LV BW
Verweis auf die Satzung , dem Frauenstatut und
§ 1 Abs. 2, §6 Abs. 6, § sonstigen Rechtsordnung des LV BW und dem
7 Abs. 2, § 10 Abs. 3 Frauenstatut des BV; der Verweis auf das Frauenstatut
KV Zollernalb der Satzung des BV ist statisch
LV Bayern ??? ???

49
KV Aschaffenburg Durch Verweis auf § 25 der Satzung und das
Land § 9 der Satzung Frauenstatut des LV Bayern
KV Aschaffenburg Verweis auf das Frauenstatut des Landesverbandes
Stadt §8 Bayern
KV Augsburg § 9 Abs. 1 und 3 der Verweis auf das Bundesfrauenstatut und die Satzung
Stadt Satzung des LV Beyern
KV Bamberg
Stadt § 1 Abs. 3 Verweis auf das Frauenstatut des Bundesverbandes
KY Bayreuth § 1 Abs. 5 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des Landesverbandes
Durch Verweis auf das Frauenstatut und die Satzung
KV Erlangen Präampel des LV Bayern
Verweis auf des Satzung des Bundes- und
Landesverbandes Bayern, sowie dem
KV Forchheim § 9 der Satzung Bundesfrauenstatut
KV Freising § 10 der Satzung Verweis auf des Satzung des Landesverbandes Bayern
Verweis auf Satzung des Bundes- und Landesverbandes
Miltenberg § 21 der Satzung Bayern
Verweis auf das Frauenstatut des LV Bayern und die
KV Oberallgäu § 1 Abs. 2 der Satzung Satzung des LV Bayern sowie Bundesfrauenstatut
Präampel und § 6 Abs. Verweis auf das Bundesfrauenstatut und die Satzung
KV Regensburg 2 und 3 der Satzung des LV Beyern
Verweis auf die Landessatzung und das Frauenstatut.
§ 11 Abs. 2 der Ob das des Bundes- oder Landesverbandes ist nicht
KV Starnberg Satzung erkennbar.
KV Würzburg § 2 des Frauenstatuts Verweis auf das Bundesfrauenstatut vei Wahlen
LV Berlin - -
KV Neukölln § 13 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV Berlin
KV Tempelhof § 2 Abs. 1 der
Schöneberg Wahlordnung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
LV Brandenburg LV Brandenburg § 8 Abs. 2 der Satzung und § 1 der Wahlordnung
Verweis auf das Frauenstatut, die Satzung und
sonstigen Rechtsordnungen des LV Brandenburg und
KV Barnim § 1 Abs. 2 der Satzung des BV
KV Havelland § 9 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV
Verweis auf das Frauenstatut, die Satzung und
KV Märkisch- sonstigen rechtsordnungen des LV Brandenburg und
Oderland § 1 Abs. 2 der Satzung des BV
§ 9 und § 13 der Verweis auf das Frauenstatut und Satzung des LV
KV Oberhavel Satzung Brandenburg und BV
Verweis auf, die Satzung des LV Brandenburg und des
KV Oder-Spree § 12 der Satzung BV
LV Bremen ???
LV Hamburg ???
Verweis auf das Bundesfrauenstatut und Satzung des
KV Bergedorf § 9 Abs. 4 der Satzung LV Hamburg und BV
KV Hamburg-
Eimsbüttel § 9 Abs. 4 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Wandsbeck § 4 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
LV Hessen
KV Bergstraße § 16 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
50
KV Fulda § 7 Abs. 1 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut
§ 8 Abs. 2 der
KV Marburg Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV Hessen
KV Offenbach § 4 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV Hessen
LV Mecklenburg- § 25 der Satzung durch Verweis auf das Bundesfrauenstatut
Vorpommern
LV Niedersachsen ???
§ 13 Abs. 2 der
KV Braunschweig Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
§ 12 Abs. 1der
KV Darmstadt Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Verweis auf Satzung und Frauenstatut des LV
Fürstenfeldbruck §1 Abs. 2 Niedersachsen und BV
§ 11 Abs. 2 der
Gifhorn Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
§ 13 Abs. 2 der
KV Göttingen Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
§ 6 Abs. 1 und 7,§ 13
und § 14 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des BV und LV
RV Hannover mit Vetorecht Niedersachsen
§ 11 Abs. 2 der
KV Holzminden Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
KV Lüchow- § 11 Abs. 2 der
Dannenberg Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
§ 12 Abs. 2 der
KV Holzminden Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen und des
KV Oldenburg § 12 der Satzung Bundesverbandes
§ 11 Abs. 2 der
KV Rothenburg Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
KV Salzgitter § 11.2 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen und des
Uelzen § 21 der Satzung Bundesverbandes
KV
Wilhemshaven § 12 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
§ 14 Abs. 2 der
KV Wolfsburg Satzung Verweis auf die Satzung des LV Niedersachsen
LV Nordrein-
Westpfalen ???
§ 11 Abs. 3 der
KV Aachen Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
§ 11 Abs. 4 der
KV Bielefeld Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Breisgau- § 4 Abs. 7 und § 6 Abs.
Hochschwarzwald 7 und 8 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
§ 2 und § 5 Abs. 2 der
KV Bonn Satzung Verweis auf das Frauenstatut des BV
§ 10 Abs. 3 der
KV Düsseldorf Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
§ 2 Abs. 3,§ 3 Abs. 1
KV Essen der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW und des BV
51
§ 12 Abs. 3 der
KV Euskirchen Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
§ 6 Abs. 3 und § 7
Abs. 4 und 5 der Verweis auf das Bundesfrauenstatut und das
KV Gelsenkirchen Satzung Frauenstatut des LV NRW
Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW und BV,
§ 1, § 6 und § 7 der Satzung und sonstige Ergänzungsordnungen des LV
KV Göppingen Satzung NRW ; Verweis auf das Bundesfrauenstatut ist statisch
KV Mettmann § 10 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Neuss § 8 der Satzung Abs. 3 Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
§ 9 Abs. 2 und § 12
KV Oberberg Abs. 4 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des BV und LV NRW
KV Oberhausen § 8 Abs. 3 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Paderborn § 8 Abs. 1 der Satzung Verweis auf das Frauenstat des LV NRW
KV Rein-Berg § 16 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Rein-Sieg § 11 der Satzung Verweis auf das Frauenstatut des LV NRW
KV Altenkirchen § 13 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Birkenfeld § 8 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV
Kaiserslautern-
Land § 11 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV RP und BV
KV Ludwigshafen § 14 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV RP und BV
LV Saarland - -
LV Sachsen - -
Verweis auf das Frauenstatut, die Satzung und sonstige
KV Bautzen § 1 Abs. 4 der Satzung Rechtsordnungen des LV SA
Verweis auf die Satzung, das Frauenstatut und
KV Chemnitz § 1 Abs. 2 sonstigen Rechtsorden des LV SA

KV Erzgebirge § 12 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV SA


KV Osterzgebirge § 8 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Wahlordnung des LV SA
KV Sächsische
Schweiz § 8 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Wahlordnung des LV SA
LV Sachsen- § 16 Abs. 6 der
Anhalt Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Harz § 1 Abs.2 der Satzung Verweis auf Satzung mit Frauenstatut des LV SHT
KV Salzland § 1 Abs.2 der Satzung Verweis auf auf Satzung mit Frauenstatut des LV SHT
Schleswig-
Holstein ??? -
KV Dithmarschen § 4 Abs. 2 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
KV Flensburg § 6 Abs. 2 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut
§ 16 Abs. 1 der
KV Lauenburg Satzung Verweis auf die Satzung des LV SH und BV
Verweis auf das Frauenstatut des LV SH und der
KV Pinneberg § 11 der Satzung Satzung des LV SH und des BV
LV Thüringen § 8 der Satzung Verweis auf das Bundesfrauenstatut

52
2.4.3 SPD

LV/KV Stelle Bemerkungen


LV Baden- § 23 der Satzung Verweis auf die Bundeswahlordnung
Württemberg
KV Freiburg § 1 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Bundeswahlordnung und
sonstigen Rechtsordnungen des BV
OV Göppingen § 11 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des BV
KV Heidelberg § 1 der Satzung Verweis auf die Bundeswahlordnung und
sonstigen Rechtsordnungen des BV
Karlsruhe-Stadt § 1 der Satzung und § 7 der Verweis auf die Wahlordnung des BV
Vorschlags- und
Wahlordnung
KV Rein Neckar § 1 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnung des LV BW und
BV
LV Bayern ??
KV München § 36 der Satzung Verweis auf die Satzung des BV
LV Berlin ??
LV Brandenburg § 25 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei
KV Barnim § 4 und § 8 der Satzung Verweis auf das Organisationsstatut und
Wahlordnung der Bundespartei
UBVBrandenburg § 13 Abs. 3 und § 16 Abs. 1 Verweis auf die Rechtsordnungen der
an der Havel der Satzung Bundespartei
LV Bremen § 10 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei
UB Bremerhaven § 9 der Satzung Verweis auf des Rechtsordnungen des LV
Bremen und der Bundespartei
UB Bremen-Stadt § 12 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des LV
Bremen
LV Hamburg ??
LV Hessen § 12 Abs. 1 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des
Bundesverbandes
BV Hessen-Nord § 23 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des
Bundesverbandes
BV Hessen-Süd § 25 Abs. 1 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des
Bundesverbandes
UB Wiesbaden § 27 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des BV
Hessen-Süd und der Bundespartei
LV Mecklenburg- § 22 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des BV und
Vorpommern LV
KV Mittleres § 12 und § 25 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des BV und
Mecklenburg LV
LV Niedersachsen LV Niedersachsen § 13 Abs. 2 der Satzung
UBV Cuxhaven § 9 und § 10 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei und des BV Nord-Niedersachen
KV Dassel § 5 Nr. 2 und § 11 der Verweis auf die Rechtsordnungen der
Satzung Bundespartei und des BV Hannover

53
KV Hameln § 5.1 und § 7 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei, des UBV Hameln-Pymont und
des BV Hannover
BV Bezirk Nord- § 27 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen der Bundes
Niedersachsen SPD

§ 4 Abs. 10,§ 13 Verweis auf die


Abs. 4 und § 16 der Rechtsordnungen der
Satzung Bundespartei und des BV
Nord-Niedersachsen
BV BEZIRK WESER- § 8 Abs. 3 und § 38 der Verweis auf Wahlordnung und
EMS Satzung Organisationsstatut der Bundespartei
LV Nordrein- ??
Westpfalen
UB Köln § 19 Abs. 1 der Satzung Verweis auf die Wahlordnung des BV
LV Reinland-Pfalz § 15 Abs. 1 der Satzung Verweis auf die Satzung der Bundespartei
KV Cochem-Zell § 19 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei
LV Saarland § 17 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen der
Bundespartei
LV Sachsen § 10 Abs. 1 und § 11 der durch Verweis auf die Wahlordnung und
Satzung Satzung der Bundespartei
KV Leipzig-Land § 10 der Satzung Verweis auf die Satzung der Bundespartei und
des LV
UB Meißen § 7 und § 9 der Satzung Verweis auf die Wahlordnung und Satzung
der Bundespartei
LV Sachsen-Anhalt § 10 Abs. 1 (d und f), Abs. 4 Verweis auf die Rechtsungen der Bundespartei
(f) und § 11 Abs. 1 der
Satzung
KV Börde § 5 Abs. 13 und § 12 Abs. 3 Verweis auf die Wahlordnung und Satzung der
der Satzung Bundespartei
LV Schleswig- § 22 der Satzung Verweis auf dir Rechtsordungen der
Holstein Bundespartei
OV Borstel- § 1 der Satzung Verweisung auf die Rechtsordnungen des BV
Hohenraden
KV Kiel § 34 der Satzung Verweisung auf die Rechtsordnungen des
Bundesverbandes und LV SH
KV Stormann § 17 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des Bundes-
und Landesverbandes Schleswig Holstein
LV Thüringen LV Thüringen § 5 Abs. 3 und § 13 Abs. 2 der Satzung
KV Altenburger § 11 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des
Land Bundesverbandes
KV Eisenach § 6 Abs. 7 und § 12 Abs. 2 Verweis auf die Rechtsordnungen der
der Satzung Bundespartei
KV Gera § 13 Abs. 1 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des Bundes-
und Landesverbandes Thüringen
KV Jena § 15 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des Bundes-
und Landesverbandes Thüringen
KV Weimar § 6 Abs. 2 und § 10 der Verweis auf die Rechtsordnungen der
Satzung Bundespartei und LV Thüringen

54
2.4.4 CDU

LV/KV Stelle Bemerkungen


LV Baden- Im Anhang Verweis auf die Bundessatzung
Württemberg
LV Berlin ??
LV Brandenburg § 68 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung
KV Elbe-Elster § 37 und § 38 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung und
Satzung des LV BB
KV Frankfurt(Oder) § 33 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung und
Satzung des LV BB
KV Havelland § 39 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung und
Satzung des LV BB
LV Bremen ???
LV Hamburg ???
LV Hannover § 43 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung und die
Satzung des LV NS
LV Hessen § 71 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des
BV
LV Mecklenburg- § 19 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung
Vorpommern
LV Niedersachsen § 14 der Satzung und § 17 der durch Verweis auf das "Bundesstatut"
Verfahrensordnung
LV Nordrein- ???
Westpfalen
KV Bochum § 54 Abs.2 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV NRW
und Bundesverband
KV Bonn § 12 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV NRW
und Bundesverband
KV Borken § 51 Abs. 2 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV NRW
KV Dortmund § 55 Abs. 1 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
KV Düren § 63 der Satzung Verweis auf die Rechtsordnungen des
LV NRW
KV Essen § 2 Abs. 6 und § 47 Abs. 1 und 2 Verweis auf Bundessatzung und
der Satzung Satzung LV NRW
KV Euskirchen § 56 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
KV Hagen § 33 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
KV Höxter § 46 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
KV Mark § 51 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
KV Münster § 50 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
KV Olpen § 39 Abs. 1 der Satzung Verweis auf die Satzung des LV NRW
KV Paderborn § 45 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW

55
KV Recklinghausen § 59 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
KV Reinisch- § 53 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Bergischer Kreis Satzung LV NRW
KV Siegen- § 56 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Wittgenstein Satzung LV NRW
KV Steinfurt § 54 Abs. 2 der Satzung Verweis auf Bundessatzung und
Satzung LV NRW
LV Reinland-Pfalz § 19 Abs. 4 , § 20 Abs. 1 c der Verweis auf Bundessatzung
Satzung
LV Saarland ???
LV Sachsen § 50 der Satzung Verweis auf Bundessatzung
LV Sachsen-Anhalt ??? ???
LV Schleswig- § 27 Abs. 3 der Satzung Verweis auf Bundessatzung
Holstein
LV Thüringen ???

2.4.5 Die Linke

LV/KV Stelle Bemerkungen


LV Baden- ???
Württemberg
LV Bayern ???
LV Berlin ???
LV Brandenburg § 5 und § 6 der Verweis auf die Bundessatzung und
Wahlordnung Bundeswahlordnung
LV Bremen ???
LV Hamburg ???
LV Hessen §§ 28-33 der Satzunh Verweis auf die Bundessatzung
LV Mecklenburg- § 26 Abs. 3 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung
Vorpommern
LV Niedersachsen § 2 d der Satzung Verweis auf die Bundessatzung
LV Nordrein- ???
Westpfalen
KV Steinfurt § 6 Abs. 3 der Satzung Verweis auf die Bundeswahlordnung
LV Reinland-Pfalz ???
LV Saarland ???
KV St. Wendel § 8 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung und
Bundeswahlordnung
LV Sachsen ???
LV Sachsen-Anhalt ???
LV Schleswig-Holstein § 2 der Satzung Verweis auf die Bundessatzung
LV Thüringen ???

2.5 Imperative Mandate

56
Aus der Satzung von Bündnis ‘90/die Grünen, KV Fulda
§ 6: Die Mitgliederversammlung
….
12. Die Mitgliederversammlung bestimmt mit einfacher Mehrheit für ihre Delegierten
das imperative Mandat ( auf Antrag).

2.6 Wahlverfahren Bündnis ‘90/die Grünen LV Thüringen

§ 14 Wahlverfahren

1. Wahlen sind geheim.

2. Im Wahlverfahren können bis zu vier Wahlgänge stattfinden. In jedem Wahlgang sind Ja und
Nein-Stimmen sowie Enthaltungen zugelassen. Es dürfen höchstens so viele Bewerber eine Ja-
Stimme erhalten, wie Plätze zu besetzen sind; zu allen anderen Bewerbern können Enthaltungen
oder Nein-Stimmen abgegeben werden. Wenn auf einem ansonsten gültigen Wahlzettel zu einzelnen
Bewerbern keine Stimme abgegeben wurde, gilt dies als Enthaltung zu diesen Bewerbern.

3. Wenn mehrere Plätze gleichzeitig besetzt werden sollen, kann die Versammlung die Zahl der
zulässigen Ja-Stimmen beschränken, jedoch muss die Zahl der zulässigen Ja-Stimmen größer sein als
die Hälfte der Zahl der zu besetzenden Plätze. Muss eine Reihenfolge mehrerer gleichzeitig zu
wählender Bewerber festgestellt werden, so geschieht das anhand der Zahl der Ja-Stimmen, bei deren
Gleichheit anhand der Zahl der Nein-Stimmen. Gibt es auch hier Gleichheit, entscheidet das Los.

4. Im ersten Wahlgang ist gewählt, wer die meisten Ja-Stimmen, aber mindestens mehr als die Hälfte
der abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Werden mehrere Plätze gleichzeitig besetzt, so kann die
LDK mit absoluter Mehrheit beschließen, dass auch für den ersten
Wahlgang Absatz 5 entsprechend gilt.

5. Im zweiten, dritten oder vierten Wahlgang ist gewählt, wer die meisten Ja-Stimmen erhält,
sofern diese die Nein-Stimmen überwiegen und mehr als ein Drittel der abgegebenen gültigen
Stimmen umfassen (Quorum).

6. Erreichen das im zweiten Wahlgang unter mehreren Bewerbern weniger Bewerber, als Plätze
besetzt werden sollen, oder gibt es durch Stimmengleichheit keine eindeutige Wahlentscheidung,
findet im dritten Wahlgang eine Stichwahl statt, sofern die Summe der Ja-Stimmen das Quorum
erreicht. Eine Stichwahl aufgrund Verfehlens des Quorums findet unter den Bestplatzierten statt,
wobei ein Bewerber mehr als zu besetzende Plätze einbezogen werden.

7. Gibt es im Dritten Wahlgang Stimmengleichheit zwischen Bewerbern, die das Quorum


erreicht haben, so entscheidet wenn erforderlich das Los.

8. Erreichen im dritten Wahlgang unter mehreren Bewerbern weniger Bewerber das Quorum, als
gewählt werden sollen, findet ein vierter Wahlgang mit den bestplatzierten noch nicht gewählten
Bewerbern statt, sofern die Summe der Ja-Stimmen aller Bewerber das Quorum erreicht. Die Zahl der
Teilnehmer des Vierten Wahlganges entspricht der Zahl der noch zu besetzenden Plätze. Sind die
Teilnehmer dieses Wahlganges wegen Stimmgleichheit nicht
eindeutig, entscheidet das Los.

9. In allen anderen Fällen ist niemand gewählt.

57
Damit sei diese Regelung kurz aufgelistet.

2.7 Wahlverfahren Bündnis ‘90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt

§ 16 Wahlverfahren

(2) Gewählt ist, wer im ersten oder falls erforderlich zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit der
abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Für einen eventuell not-wendigen dritten Wahlgang wird eine
Kandidatur mehr zugelassen, als noch Plätze zu vergeben sind. Entscheidend ist hierbei die Anzahl der
im zweiten Wahlgang erhaltenen Stimmen. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Wahl-versammlung
über das weitere Verfahren.

(3) Sind nicht mehr KandidatInnen als freie Stellen vorhanden, ist jede/r KandidatIn einzeln zu wählen.
Bei Einzelwahl ist nur ein Wahlgang möglich.

(4) Wahlen in mehrere gleichartige Positionen können in einem Wahlgang durchgeführt werden. Dabei
dürfen die Delegierten so viele KandidatInnen ihrer Wahl benennen, wie Positionen zu besetzen sind.
Die KandidatInnen sind in der Reihenfolge der Stimmenzahl gewählt. Bei Stimmengleichheit
entscheidet eine Stichwahl.
….

(6) Die §§ 1-4 des Bundesfrauenstatutes sind Bestandteil dieser Satzung.

Auch hier sei das Wahlverfahren kurz wiedergegeben.

2.8 Mindestteilnehmerzahl von drei Mitgliedern

Aus § 21 BWahlG wird der Umstand abgeleitet, dass mindestens drei Wahlberechtigte an einer
Wahlversammlung teilnehmen müssen. So musste im WK 74 Herr Moussin als Einzelbewerber
antreten nicht für die MLDP.

3. Abgestufte Chancengleichheit
3.1 § 5 PartG

§ 5 Gleichbehandlung

(1) Wenn ein Träger öffentlicher Gewalt den Parteien Einrichtungen zur Verfügung stellt oder andere
öffentliche Leistungen gewährt, sollen alle Parteien gleichbehandelt werden. Der Umfang der
Gewährung kann nach der Bedeutung der Parteien bis zu dem für die Erreichung ihres Zweckes
erforderlichen Mindestmaß abgestuft werden. Die Bedeutung der Parteien bemißt sich insbesondere
auch nach den Ergebnissen vorausgegangener Wahlen zu Volksvertretungen. Für eine Partei, die im
Bundestag in Fraktionsstärke vertreten ist, muß der Umfang der Gewährung mindestens halb so groß
wie für jede andere Partei sein.

(2) Für die Gewährung öffentlicher Leistungen in Zusammenhang mit einer Wahl gilt Absatz 1 während
der Dauer des Wahlkampfes nur für Parteien, die Wahlvorschläge eingereicht haben.

58
(3) Öffentliche Leistungen nach Absatz 1 können an bestimmte sachliche, von allen Parteien zu
erfüllende Voraussetzungen gebunden werden.

(4) Der Vierte Abschnitt bleibt unberührt.

3.2 Abstufung der Chancengleichheit im Straßenwahlkampf

Bei der Bundestagswahl hat die Gemeinde Bad Dürrenberg eine Abstufung der Chancengleichheit
vorgenommen. Dies geht auf einen Werbeerlass zurück.4

Dort heißt es unter Abs. 2.2 „Allen, auch den kleinen Parteien, Wählergruppen, Gruppen von
Antragstellenden und Einzelbewerberinnen und -bewerbern ist eine angemessene Selbstdarstellung zu
ermöglichen. Für die Entscheidung über den angemessenen Umfang der Werbung im Einzelfall wird
empfohlen, sich nach dem vom Bundesverwaltungsgericht entwickelten Grundsatz der abgestuften
Chancengleichheit zu richten. Dabei muss grundsätzlich für jede Partei ein Sockel von fünf von Hundert
der bereitstehenden Stellplätze zur Verfügung stehen. Die weitere Verteilung erfolgt nach der
Bedeutung der Parteien. Zu beachten ist zudem, dass die größte Partei dabei nicht mehr als das Vier-
bis Fünffache an Stellplätzen erhalten darf, die für die kleinste Partei bereitstehen.“

3.3 Nichtzulassung von „Splitterparteien“ zu den Elefantenrunden

Alle nicht im Bundestag vertretenen Parteien wurden von den Teilnahmen an den „Elefantenrunden“
der ARD und ZDF ausgenommen.

4.Sondernutzungsgebühren und Sondernutzungsgenehmigungen


Im WK 74 erhoben zur Bundestagswahl die Gemeinden Gerbstedt, Allstedt und Südharz
Sondernutzungsgebühren zur Nutzung öffentlicher Bereiche Zwecks Wahlwerbung durch Plakate.
Ferner haben mindestens die Gemeinden Bad Dürrenberg und Gelsenkirchen abgestufte
Sondernutzungsgenehmigungen erteilt.

II Anträge

1. Die Normen
a) Art. 41 Satz 1 GG,
b) Art. 94 Abs. 1 S. 1 GG,
c) Art. 95 Abs. 2 GG,
d) Art. 98 Abs. 2 S. 1 „mit Zweidrittelmehrheit auf Antrag des Bundestages
anordnen,“ ,Abs. 4 u. 5 GG,
e) § 6 BVerfGG,
f) § 18 Abs. 2 und 3 BVerfGG,

4
Werbung auf öffentlichen Straßen aus Anlass von Wahlen, Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheiden im Land Sachsen-Anhalt
vom 09.01.2007, MBl. LSA. 2007, 30
59
g) § 22 Abs. 1 S. 1 „in der mündlichen Verhandlung vor dem
Bundesverfassungsgericht müssen sie sich in dieser Weise vertreten lassen“
h) § 93 Abs. 3 „nur binnen eines Jahres seit dem Inkrafttreten des Gesetzes oder
dem Erlaß des Hoheitsaktes“,
i) § 93 d Abs. 1 Satz 2 BverfGG,
j) § 125 GVG,
k) § 130 Abs. 1 S. 1 und Abs. 2 GVG,
l) § 147 S. 1 Nr. 1 und 2 GVG,
m) § 149 GVG,
n) § 1 – 15 RiWG,
o) § 26 Abs. 3 DRiG,
p) § 43 DRiG,
q) § 49 BWahlG,
r) § 1-19 WahlPrG,
s) § 3 ZPO,
t) § 78 Abs. 1 ZPO,
u) § 91 Abs. 2 S. 3 ZPO,
v) § 321a Abs. 2 S. 4 ZPO,
w) § 511 Abs. 2 Nr.2 und Abs. 4 ZPO,
x) § 544 Abs. 4 S. 2 ZPO,
y) § 574 ZPO,
z) § 48 Abs. 2 GKG,
werden mit Art. 1, Art. 2 Abs. 1, 3 Abs. 1, Art.18, Art. 19 und Art. 101 GG, sowie mit Art. 1
i.V.m. Art. 20, Art. 23, Art. 25, Art. 79, Art. 97, Art. 6, Art. 13 EMRK, Art. 14 IPbpR und Art. 47
GrCh für unvereinbar und nichtig erklärt.

2. Dem Gesetzgeber wird auferlegt die Gerichtsorganisation und die


Verfahrensordnungen zur Durchführung justizförmiger Verfahren vor staatlichen
Gerichten so auszugestalten hat, dass sie den Anforderungen nach Art. 6 und Art. 13
EMRK, Art. 14 IPbpR, sowie Art. 47-54 GRC genügen.

3. Bezüglich des Anträge zu 1 wird die Anrufung des EUGH nach 100 Abs. 1 GG und Art.
267 Abs. 1 AEUV beantragt.

4. Es wird die Anberaumung einer mündlichen Verhandlung nebst


Entscheidungsbegründung beantragt.

5. Die Bundestagswahl wird für ungültig erklärt.

6. § 5 PartG wird mit Art. 38 GG für unvereinbar und damit für nichtig erklärt.

7. Die Erhebung für Sondernutzungsgebühren werden mit Art. 38 GG für unvereinbar


und damit für unzulässig erklärt.

8. § 13 BWahlG wird mit Art. 3 und 38 GG für unvereinbar und damit für nichtig erklärt.

60
III Zulässigkeit

1.Definition von Wahlfehlern


Bezüglich der Gültigkeit der Wahl wird die Rechtsmäßig dieser bei Landeslisten gewählten
Abgeordneten wegen Missachtung demokratischer Grundsätze sowohl bei der Kandidatenaufstellung
selbst, als auch bei der Wahl von Delegierten zu Wahl- und Delegiertenversammlungen und
Listenparteitagen, sowie die Nichteinhaltung „eines Kernbestands einer demokratischen
Kandidatenaufstellung“ in Abrede gestellt. Diese Rechtsverstöße sind vor allem durch Frauen- und
Geschlechterquoten, sowie durch anders geartete Formen von Quotenregelungen erfolgt.
Verstöße gegen das innerparteiliche Demokratieprinzip, die im Vorfeld der Wahl stattfinden, können
zur Ungültigkeit der betreffenden Wahl führen. Gröbliche Mängel einer demokratischen Kultur im
innerparteilichen Bereich können sich als Wahlrechtsverstöße darstellen. Das betrifft z.B. Verstöße
gegen die Wahlfreiheit oder dem Minderheitenschutz.5
Aufgrund des Ausmaßes der Rechtsverstöße, die von den im der im Bundestag vertretenen Parteien
gemacht verteilt auf das gesamte Wahlgebiet wurden, kann eine teilweise Aufhebung der Wahl nicht
mehr in Betracht kommen. Die Feststellung auf Ungültigkeit der Bundestagswahl in ihrer Gesamtheit
ist unumgänglich. Denn hätten die Parteien den von BVerfG geforderten „Kernbestand einer
Kandidatenaufstellung“ sowohl bei der Kandidatenaufstellung selbst, als auch bei Wahl von
Delegierten eingehalten, dann würden jetzt eine Vielzahl anderer Aktivbürger/-innen als gewählt
Abgeordnete im Bundestag vertreten sein. Insoweit haben sich die Verstöße nicht nur mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit auf die Mandatsverteilung ausgewirkt, es ist ein Wahlfehler von
erheblicher Mandatsrelevanz festzustellen.
Der Begriff des Wahlfehlers ist gesetzlich nicht definiert. Leitend für die Begriffsbestimmung
waren und sind in der Rechtsprechung die Funktion der Wahl und der Zweck der Wahlprüfung,
eine ordnungsgemäße Zusammensetzung der gewählten Volksvertretung zu gewährleisten.6
Danach ist es in der Wahlprüfung, in der es um die Überprüfung der Maßnahmen von
amtlichen Wahlorganen geht, sachgerecht, den Verstoß gegen verfassungsrechtliche
Wahlgrundsätze sowie gegen sonstige zwingende Wahlvorschriften als Wahlfehler zu
begreifen7.
Während der Vorbereitung und Durchführung der BT-Wahl bis hin zur Ermittlung und Feststellung des
Wahlergebnisses sowie der Sitzzuteilung werden durch Wahlorgane und Verwaltungsbehörden
(Wahlbehörden) sowie sonstige Institutionen, sofern sie auf der Grundlage wahlgesetzlicher
Vorschriften i.R. der Wahlvorbereitung tätig werden (etwa politische Parteien bei den
Kandidatenaufstellung), die verschiedensten sich auf die anstehende Wahl beziehenden Endungen
und Maßnahmen getroffen. Diese Akte können ebenso wie Verletzungen subjektiver Wahlrechte,
Bewerbermängel und Verstöße gegen die Wahlrechtsgrundsätze des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG (§ 1 Abs.
1 Satz 2 BWG), sofern sie sich unmittelbar auf das Wahlverfahren beziehen, nach § 49 nur mit den im
BWG und in der BWO vorgesehenen besonderen Rechtshelfen sowie nachträglich im
Wahlprüfungsverfahren i.S. des Art. 44 LVerf-LSA angefochten werden Ebenso können >>von außen<<
auf das Wahlverfahren einwirkende Beeinträchtigungen im Wahlprüfungsverfahren als Wahlfehler
gerügt werden, sofern vor der Wahl keine hinreichende Möglichkeit der Abwehr durch gerichtlichen
Rechtsschutz gegeben war. § 54 enthält einen - unmittelbar aus Art. 41 GG folgenden - allgemeinen
Grundsatz des Wahlprüfungsrechts.

Derartige Entscheidungen und Maßnahmen können im Einzelfall gegen die Verfassung(ins besondere
gegen Wahlrechtsgrundsätze des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG und hier vornehmlich :den Grundsatz der

5
Schmidt-Bleibtreu, GG Kommentar, 12. Auflage, Art. 21, Rn 86
6
vgl. HambVfG, Urt. v. 26.11.1998 - 4-7, 11/98 u. a. -, juris
7
vgl. Lechner/Zuck, BVerfGG, 5. Aufl., 2006, Vor § 48 RdNr. 5; Schreiber, a. a. O., § 49 RdNrn. 20, 11
61
Wettbewerbs- und Chancengleichheit polirischer Parteien, Wählergruppen und deren Bewerber,aber
auch etwa gegen Art. 20 Abs. 1 oder 21 Abs. 1 Satz 3 GG) oder gegen sonstige im Wahlkampf und bei
der Wahl zur Anwendung kommende oder zu beachtende Rechtsvorschriften (z.B. PartG,
VersammlungsG, VereinsG) verstoßen.8

BVerfGE 34, 81 „4. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach auf den überwiegend
objektiven Charakter des Wahlprüfungsverfahrens hingewiesen. Nach seiner Rechtsprechung
führen Verletzungen subjektiver Rechte bei der Wahl dann nicht zu einem Eingriff der
Wahlprüfungsinstanzen, wenn sie die gesetzmäßige ZusammenBVerfGE 34, 81 (96)BVerfGE
34, 81 (97)setzung der gewählten Körperschaft nicht berühren (BVerfGE 1, 430 [433]; 22, 277
[281]). Die Verletzung subjektiver Rechte kann nur der Anlaß für ein Wahlprüfungsverfahren
sein, bildet jedoch nicht dessen Gegenstand. Die Verfolgung subjektiver Rechte Einzelner muß
im Wahlprüfungsverfahren zurücktreten gegenüber der Notwendigkeit, die Stimmen einer
Vielzahl von Bürgern zu einer einheitlichen, wirksamen Wahlentscheidung zusammenzufassen
(BVerfGE 22, 277 [281]; vgl. auch BVerfGE 14, 154 [155]; 28, 214 [219]).

Dieser überwiegend objektive Charakter des Wahlprüfungsverfahrens steht indes der


Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde nicht entgegen. Die Verfassungsbeschwerde gegen
ein Urteil setzt voraus, daß der Beschwerdeführer durch dieses Urteil nicht nur mittelbar,
faktisch, sondern unmittelbar rechtlich betroffen ist (BVerfGE 15, 256 [262 f.]; 15, 283 [286];
16, 25 [27]; 17, 356 [360]; 24, 289 [294 f.]; 30, 112 [123]). Diese Voraussetzung kann selbst
dann erfüllt sein, wenn der Beschwerdeführer nicht am Ausgangsverfahren beteiligt war (vgl.
BVerfGE 4, 96 [101]; 15, 256 [262 f.]; 16, 25 [27]). Sie kann auch vorliegen, wenn das
angefochtene Urteil in einem objektiven Verfahren ergangen ist. Entscheidend für die
Zulässigkeit der Verfassungsbeschwerde ist demnach nicht, in welchem Verfahren die
angefochtene Gerichtsentscheidung erlassen worden ist, sondern allein, ob der Bürger durch
diesen Hoheitsakt unmittelbar betroffen ist. Das ist bei den Beschwerdeführern der Fall.“

BVerfGE 40, 11 „Der Deutsche Bundestag hat die Prüfung zu Recht auf die Wahlkreise 100
(Recklinghausen-Stadt), 125 (Siegen-Wittgenstein) und 193 (Rastatt) beschränkt. Nach § 2
Abs. 1 und 3 WPrüfG erfolgt die Wahlprüfung nur auf Einspruch, der zu begründen ist. Die
Begründung muß mindestens den Tatbestand, auf den die Anfechtung gestützt wird, erkennen
lassen und genügend substantiierte Tatsachen enthalten (Seifert, Bundeswahlgesetz, 2.
Auflage, S. 324). Die Wahlprüfung findet also weder von Amts wegen statt (Offizialprinzip),
noch erfolgt sie stets in Gestalt einer Durchprüfung der gesamten Wahl (Totalitätsprinzip).
Vielmehr richtet sich ihr Umfang nach dem Einspruch, durch den der Beschwerdeführer den
Anfechtungsgegenstand bestimmt. Der Prüfungsgegenstand ist nach dem erklärten,
verständig zu würdigenden Willen des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung des
gesamten Einspruchsvorbringens sinngemäß abzugrenzen (Seifert a.a.O., S. 321 f.). Aus der
Begründungspflicht folgt, daß diese Abgrenzung auch danach vorzunehmen ist, wieweit der
Beschwerdeführer den Einspruch substantiiert hat. Nur im Rahmen des so bestimmten
Anfechtungsgegenstandes haben die Wahlprüfungsorgane dann den Tatbestand, auf den die
Anfechtung gestützt wird von Amts wegen zu erforschen und alle auftauchenden
rechtserheblichen Tatsachen zu berücksichtigen.“

BVerfGE 122, 304

8
Schreiber 2013, S. 754, Rn 9
62
„2. Das Bundesverfassungsgericht bleibt grundsätzlich auch nach der Auflösung eines
Bundestages oder dem regulären Ablauf einer Wahlperiode befugt, die im Rahmen einer
zulässigen Wahlprüfungsbeschwerde erhobenen Rügen der Verfassungswidrigkeit von
Wahlrechtsnormen und wichtige wahlrechtliche Zweifelsfragen zu prüfen.

a) Ob eine Wahlprüfungsbeschwerde eingelegt wird, obliegt der freien Entscheidung jedes


Beschwerdeberechtigten. Das Bundesverfassungsgericht kann nicht von Amts wegen tätig
werden. Die Wahlprüfungsbeschwerde hat demgemäß eine Anstoßfunktion. Über den
weiteren Verlauf des überwiegend objektiven Verfahrens (vgl. BVerfGE 34, 81 [97]) entscheidet
jedoch das Bundesverfassungsgericht. Insoweit kommt es auf das öffentliche Interesse an (vgl.
BVerfGE 89, 291 [299]).

b) Nach Ablauf einer Wahlperiode kann ein öffentliches Interesse an einer Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts über die Verfassungsgemäßheit von Wahlrechtsnormen und die
Anwendung des geltenden Wahlrechts bestehen, soweit ein möglicher Wahlfehler über den
Einzelfall hinaus grundsätzliche Bedeutung hat.

aa) Die strikte rechtliche Regelung der Vorbereitung und Durchführung der Wahl und eine
Kontrolle der Anwendung dieser Vorschriften entsprechen der Bedeutung der Wahl zum
Deutschen Bundestag als Ausgangspunkt aller demokratischen Legitimation wie auch der
Gewährleistung des aktiven und passiven Wahlrechts durch Art. 38 GG (vgl. BVerfGE 89, 243
[250 f.]). In der durch das Grundgesetz verfassten freiheitlichen Demokratie der
Bundesrepublik Deutschland geht alle Staatsgewalt vom Volke aus (Art. 20BVerfGE 122, 304
(306) BVerfGE 122, 304 (307)Abs. 2 Satz 1 GG). Das Volk übt sie in Wahlen und Abstimmungen
aus (Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG). Im demokratisch verfassten Staat des Grundgesetzes können
die Abgeordneten ihre Legitimation zur Repräsentation nur aus der Wahl durch das Volk
beziehen (vgl. BVerfGE 97, 317 [323]); die Wahlen zur Volksvertretung sind der Grundakt
demokratischer Legitimation (vgl. BVerfGE 44, 125 [142]). Die Ausübung des Wahlrechts stellt
sich essentiell als Teilhabe an der Staatsgewalt, als ein Stück Ausübung von Staatsgewalt im
status activus dar (vgl. BVerfGE 8, 104 [115]; 83, 60 [71]).

bb) Das Bundesverfassungsgericht prüft im Wahlprüfungsverfahren nicht nur den


angegriffenen Beschluss des Deutschen Bundestages in formeller Hinsicht und darauf, ob
Vorschriften des materiellen Rechts zutreffend angewandt worden sind (vgl. BVerfGE 97, 317
[322]), sondern darüber hinaus, ob das angewandte Wahlgesetz mit der Verfassung in
Einklang steht (vgl. BVerfGE 16, 130 [136]; 21, 200 [204]; 34, 81 [95]). Als letzte und in der
Regel einzige Instanz hat das Bundesverfassungsgericht im Wahlprüfungsverfahren eine
mittelbare Normenkontrolle angewandter Wahlrechtsnormen durchzuführen. Der Deutsche
Bundestag prüft in ständiger Übung im Einspruchsverfahren nicht abschließend die
Verfassungsmäßigkeit der angewandten Wahlrechtsnormen (vgl. nur BTDrucks 15/1150, S. 1;
16/1800, S. 229). Ihm fehlt insoweit die Verwerfungskompetenz. Eine Pflicht des Deutschen
Bundestages zur Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit von Normen im
Wahleinspruchsverfahren besteht dementsprechend nicht (vgl. BVerfGE 121, 266 [290 f.]).

cc) Wahlrechtsvorschriften entfalten über die jeweilige Wahlperiode hinaus solange Wirkung,
bis sie vom Gesetzgeber geändert oder vom Bundesverfassungsgericht für nichtig oder für mit
dem Grundgesetz unvereinbar erklärt werden. Die Fortsetzung einer durch die
Wahlprüfungsbeschwerde veranlassten mittelbaren verfassungsgerichtlichen
63
Normenkontrolle liegt daher grundsätzlich auch nach Ablauf der Wahlperiode im öffentlichen
Interesse. Gleiches gilt für sonstige wahlrechtliche Zweifelsfragen, die über den Einzelfall
hinaus grundsätzliche Bedeutung haben.BVerfGE 122, 304 (307)“
BVerfGE 129 300

„1. Das Bundesverfassungsgericht hat im Rahmen einer Wahlprüfungsbeschwerde nach § 26


Abs. 3 EuWG nicht nur die Einhaltung der Vorschriften des für die Europawahl geltenden
Wahlrechts durch die zuständigen Wahlorgane und den Deutschen Bundestag zu
gewährleisten, sondern prüft auch, ob die Vorschriften des Europawahlgesetzes mit den
Vorgaben der Verfassung in Einklang stehen. Insoweit gilt für die Europawahl nichts BVerfGE
129, 300 (316) BVerfGE 129, 300 (317)anderes als für die Wahl zum Deutschen Bundestag (vgl.
dazu BVerfGE 121, 266 [295]; 123, 39 [68]).“

BVerfGE 132, 39

„Die Wahlprüfungsbeschwerden sind zulässig unabhängig davon, ob sich der von den
Beschwerdeführerinnen geltend gemachte Wahlfehler auf die Mandatsverteilung im
Deutschen Bundestag ausgewirkt haben kann (vgl. BVerfGE 34, 81 [95]), und habenBVerfGE
132, 39 (46) BVerfGE 132, 39 (47)überwiegend Erfolg. Die Ausgestaltung der
Wahlberechtigung der Auslandsdeutschen durch § 12 Abs. 2 Satz 1 BWG verstößt gegen den
Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl (I.). Die Vorschrift ist daher für mit Art. 38 Abs. 1 Satz
1 GG unvereinbar zu erklären (II.). Der Wahlfehler führt hingegen nicht zur Ungültigerklärung
der Wahl (III.).

I.
Die Ausgestaltung, die die Wahlberechtigung der Auslandsdeutschen in § 12 Abs. 2 Satz 1
BWG gefunden hat, verstößt gegen den Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl.

1. Das Bundesverfassungsgericht hat im Rahmen einer Wahlprüfungsbeschwerde nach § 13


Nr. 3, § 48 BVerfGG nicht nur die Einhaltung der Vorschriften des Bundeswahlrechts durch die
zuständigen Wahlorgane und den Deutschen Bundestag zu gewährleisten, sondern prüft auch,
ob die Vorschriften des Bundeswahlgesetzes mit den Vorgaben der Verfassung in Einklang
stehen (vgl. BVerfGE 16, 130 [135f.]; 121, 266 [295]; 123, 39 [68]).“

Eine ausreichende Begründung setzt voraus, dass sie sich im Rahmen der in § 3 WahlPrüfG
abschließend geregelten Begründungsmöglichkeiten hält und genügend substantiiert ist. Das
Substantiierungsgebot ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des
Verfassungsgerichts abzuleiten aus dem Begründungserfordernis des §3 WahlPrG genügen. Die
Begründung muss mindestens den Tatbestand, auf den die Anfechtung gestützt wird, erkennen lassen
und genügend substantiierte Tatsachen enthalten. Da die Wahlprüfung nicht von Amts wegen und
nicht stets in Bezug auf die gesamte Wahl, sondern nur auf einen begründeten Einspruch hin erfolgt,
bestimmt der Umfang der von einem Beschwerdeführer geleisteten Substantiierung zugleich den
Umfang der von den zuständigen Organen durchzuführenden Wahlprüfung. Bei der Abgrenzung des
durch den Einspruch und dessen Begründung bestimmten Prüfungsgegenstandes sind die allgemeinen
Auslegungsgrundsätze zu beachten; danach ist sowohl das Einspruchsziel als auch die Begründung
nach dem erklärten, verständig zu würdigenden Willen des Beschwerdeführers unter Berücksichtigung
des gesamten Einspruchsvorbringens sinngemäß auszulegen. Zeigt sich dabei ein Defizit der
Substantiierung gegenüber dem erkennbaren Einspruchsziel, so Sind die Wahlprüfungsorgane auf den
Prüfungsumfang beschränkt, der sich aus Der fristgemäß erfolgten Substantiierung ergibt.

64
In diesem Sinne werden folgende Wahlfehler geltend gemacht:

1. Ungesetzliche Kandidatenaufstellung durch Rechtswidrige Satzungsbestimmungen


a) Frauenquoten und Quoren(Bei der Kandidatenaufstellung und den Delegierten)
b) Diverse Satzungsmäßige Bestimmungen der Partei Bündnis 90/die Grünen
c) Rechtswidrige dynamische Verweisungen

2. Unzulässige Zulassung von Wahlvorschlägen der Parteien CDU, SPD, die Linke und Bündnis
90/die Grünen
3. Unzulässige Versagung des Wahlvorschlagsrechts von Parteien und deren Gliederungen
wenn im Wahlkreis und ggf. auch im Land weniger als drei wahlberechtigte Mitglieder
vorhanden sind oder zu einer Wahlversammlung erscheinen.

Darüber hinaus werden folgende Zweifelsfragen zur Klärung vorgestellt

1. Können satzungsmäßige Bestimmungen im Rahmen der Wahlprüfung nach §§ 134,138


und 242 BGB für nichtig erklärt werden?

2. In welchem Maße sind aktuelle Umfragewerte zur Feststellung der aktuellen


„Kräfteverhältnisse“ zu berücksichtigen?

3. Welche Unterlagen müssen die Behörden einreichen, damit eine adäquate Kontrolle der
Wahlschüsse zur Feststellung des endgültigen Wahlergebnisses ermöglicht werden kann?

4. Ob und in welchem Maße sich Angehörige der Wahlorgane und Parteimitglieder nach §§
107a,108a und 339 StGB strafbar machen können.

Ferner hat das BVerfG entschieden, dass ein Einspruch und damit eine Beschwerde auch dann Erfolg
haben kann, wenn diese nicht von Mandatsrelevanz ist.

Wie Bereits das BVerfG9 erklärte „2. a) Wahlfehler sind alle Verstöße gegen Wahlvorschriften
während des gesamten Wahlverfahrens durch Wahlorgane oder Dritte (vgl. Klein, in:
Maunz/Dürig, GG, Art. 41 Rn. 103 <Januar 2013>; Bechler, in: Burkiczak/Dollinger/Schorkopf,
BVerfGG, 2015, § 48 Rn. 21). Als Wahlvorschriften kommen vor allem die
Wahlrechtsgrundsätze des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG sowie die Regelungen des
Bundeswahlgesetzes und der Bundeswahlordnung in Betracht (vgl. BVerfGE 130, 212 <224>).
Daneben können aber auch Verstöße gegen sonstige Vorschriften einen Wahlfehler
begründen, soweit sie mit einer Wahl in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen (vgl.
Klein, in: Maunz/Dürig, Art. 41 Rn. 103 f. <Januar 2013>; Bechler, in:
Burkiczak/Dollinger/Schorkopf, BVerfGG, 2015, § 48 Rn. 26).

Relevant sind letztlich alle Normwidrigkeiten, die den vom Gesetz vorausgesetzten
regelmäßigen Ablauf des Wahlverfahrens zu stören geeignet sind (vgl. Klein, in: Maunz/Dürig,
GG, Art. 41 Rn. 104 <Januar 2013>). Daher können sowohl die Missachtung der Regelungen
des Parteienrechts und der staatlichen Parteienfinanzierung (vgl. BVerfGE 85, 264 <284 ff.>)
als auch tatsächliche Handlungen ohne explizite einfachrechtliche Grundlage wie die
Öffentlichkeitsarbeit der Regierung (vgl. BVerfGE 44, 125 <143 ff.>) oder parteiergreifende
Äußerungen von Regierungsmitgliedern (vgl. BVerfGE 138, 102 <116 ff. Rn. 49 ff.>)
grundsätzlich taugliche Gegenstände eines Wahlprüfungsverfahrens sein. Lediglich

9
2 BvC 46
65
Sachverhalte, die „bei Gelegenheit“ einer Wahl geschehen, ohne in einem auch nur mittelbaren
Bezug zum Wahlvorgang und dessen Ergebnis zu stehen, sind zur Begründung eines
Wahlfehlers ungeeignet (vgl. Frommer/Engelbrecht, Bundeswahlrecht - Kommentar für die
Praxis, § 49, S. 2 f. <30. Lieferung 2017>). “

Wie Seifert10 erklärt „Ist der Wahlprozeß in allen seinen Teilen und Phasen in Übereinstimmung
mit den Gesetzen (Verfassung, Wahlgesetz, Wahlordnung und andere einschlägige
Rechtsvorschriften) abgelaufen, so ist die Wahl auf jeden Fall gültig. Hier gibt es für die
Wahlprüfung nichts zu korrigieren. Interessant für die Wahlprüfung sind allein die
Gesetzwidrigkeiten. Gesetzwidrigkeiten in diesem Sinne sind auch Verstöße gegen
gewohnheitsrechtliche Grundsätze, unzulässige Wahlbeeinflussungen und alle Vorkommnisse,
welche den vom Gesetz vorausgesetzten regelmäßigen, ungestörten Verlauf des
Wahlverfahrens beeinträchtigt haben (vgl. auch Thür. OVG, Jahrb. 9, 20). Die Wahlgesetze
sprechen vielfach von "Unregelmäßigkeiten". Jede solche Gesetzwidrigkeit oder
Unregelmäßigkeit stellt einen Wahlfehler (Wahlmangel) dar. Nur Wahlfehler können die
Gültigkeit der Wahl in Frage stellen. Daher bilden die Wahlfehler das eigentliche Thema, den
speziellen Gegenstand und die Ermittlung etwaiger Wahlfehler und Feststellung ihrer
Wirkungen auf die Gültigkeit der Wahl das spezielle Ziel der Wahlprüfung Ein Wahlfehler wird
bereits durch objektive Rechtswidrigkeit begründet. Verschuldensfragen spielen in der
Wahlprüfung grundsätzlich keine Rolle.“

Im diesen Sinne werden lassen sich auch die o.g. Normenkontrollen zum Rechtsstaat. Denn
wenn die, mit der Wahl zusammstehenden, Rechte nicht durch ein konventionskonformes
Rechtsschutzsystem eingeklagt werden können, dann beiträchtigt das die Wahl.

2. Normenkontrollen und Prüfungsumfang


Eine mittelbare Normenkontrolle ist möglich 11. Demzufolge werden folgende Normenkontrollen
angesetzt:

1. Verfassungswidrigkeit von Sondernutzungsgebühren und Abstufungen in der


Chancengleichheit bei der Erteilung von Sondernutzungsgenehmigungen durch
Ministerialerlasse und Kommunalsatzungen(vgl. § 47 VwGO).
2. Verfassungswidrigkeit des Ausschlusses Betreuter vom Wahlrecht
3. Verfassungswidrigkeit des beschränkten Rechtsschutzes im Kontext mit der Wahlprüfung
durch ein Konventionskonformes Rechtschutzsystem

3. Beiziehung von Unterlagen und Benennung von Beweismitteln


Soweit diese Unterlagen in den Anlagen nicht enthalten sind, werde diese als Beweismittel
angegeben.

10
Bundeswahlrecht, Art. 41 Rn. 6
11
Schreiber 2013, S. 790 (s.o. zur Rechtsprechung)
66
4. Beiziehung von Sachverständigen
Die Beiziehung von Sachverständigen ist ebenfalls erforderlich, um die verfassungsmäßige Zulässigkeit
von „Quotenregelungen“ klären zu können. Ebenso muss geklärt werden, ob bei der
Unterrepräsentanz von Frauen in Parlamenten nicht noch andere Faktoren eine Rolle spielen und diese
Praktiken unmöglich eine „Gleichberechtigung“ herbeiführen können, sondern lediglich eine reine
Privilegierung weibliche Parteimitglieder darstellen. Die. o. g. Personen haben aus dem Bereich Staats-
und Verfassungsrecht zahlreiche Werke veröffentlicht und Aufsätze zum Thema „Frauenquoten“
verfasst, so dass diese als geeignete Sachverständige herangezogen werden können.
Auch die o.g. Zeugen waren mit der Einführung des Fördergebots gem. Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG befasst.
Herr Gysi und Frau Steinbach waren in der Verfassungskommission. Frau Merkel war
Familienministerin in der damaligen Regierung Kohl und muss sich ebenfalls an der Änderung des GG
so auch zur Einführung des Fördergebots maßgeblich mitgewirkt haben. Herr Schäuble und Herr
Lammert haben als bedeutende Bundestagsabgeordnete ebenfalls an der Änderung des GG
mitgewirkt. Die Personen müssen somit ebenfalls über den Gehalt der damals mit Fördergebot des
Art. 3 Abs. 2 S. 2 GG postulierten Staatszielen bestens im Bilde sein und müssten hierzu umfassend
hierüber Auskunft geben können.

5. Mandatsrelevanz
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass mindestens 236 von 709 Bundestagsmandaten der
Parteien die Linke, CDU SPD und Bündnis 90/die Grünen wegen Wahlrechtsverstößen zu Unrecht im
Bundestag vertreten sind. Aufgrund der Geschlechterverteilung (s. V 1.1.11) ist die Kausalität zwischen
Wahlfehler und Sitzverteilung zu beweisen. Ohne diese satzungsmäßigen Bestimmungen wären
andere Personen im Bundestag vertreten.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht dabei die Zulässigkeit sog. Frauenquoten zu den Parteiorganen
und der Aufstellung von Kandidatenlisten. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die
Wahlgrundsätze nicht nur für die Wahl selbst, sondern auch für die innerparteiliche Wahlvorbereitung
durch Kandidatenaufstellung gelten, bedarf die durch das Parteistatut geregelt, verbindliche
Quotierung bei der Aufstellung von Kandidatenlisten einer verfassungsrechtlichen Überprüfung. 12

So erklärt Nieding13

„Frauenquoten mit zwingendem Charakter werden von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD praktiziert,
von der SPD jedoch nur bei innerparteilichen Wahlen. Bei der Vorbereitung von öffentlichen Wahlen,
also bei der Aufstellung von Wahlvorschlagslisten, die der Bürger mit seiner Zweitstimme wählt, sind
ebenso wie bei der Wahl selbst die Wahlrechtsgrundsätze des Art. 38 I GG zu beachten. Zwingende
Quotenerfordernisse kollidieren mit dem Grundsatz der Freiheit und der Gleichheit der Wahl und sind
deshalb ·auch im Wahlvorbereitungsverfahren unzulässig. Der Gleichheitsgrundsatz des Art .38 I GG ist
streng und kann nicht durch Heranziehung von Gedanken, des vielfach für den allgemeinen
Gleichheitsgrundsatz entwickelt werden, außer Kraft gesetzt bzw. modifiziert werden. Folglich ist dem
Begriff "demokratische Wahlen" jede kompensatorische Ungleichbehandlung oder positive
Diskriminierung angeblich benachteiligter Gruppen wesensfremd. Wahlvorschläge, die unter
Mißachtung der Grundsätze von Freiheit und Gleichheit der Wahlvorbereitungsentscheidung zustande
gekommen sind, sind nicht zuzulassen; eine auf sie gestützte politische Wahl kann angefochten
werden.“

12
Achterberg/Schulte in GG Kommentar Mangoldt,Starck,Klein 5. Aufl., Art. 38 Rn 144
13
Bernd Nieding, NvwZ 1994, S. 1177
67
Der Beschwerdeführer hat klar Ausführungen aus dem Schrifttum benannt, die klar gegen die
Zulässigkeit dieser Regelungen sind.14 Zum einzelnen wird noch näheres ausgeführt. Auch
wenn die CSU kein Listenplatz erhalten hat, so hätten sich die 6 % der Stimmen anders
ausgewirkt, wenn die CSU sie im Falle einer Nichtzulassung der Landesliste sie nicht erhalten
hätte.

6. Unfaires Verfahren

6.1 Allgemeines

Bezüglich der Normen zur Justizverwaltung und der Organisationen des Wahlprüfungsverfahrens
macht der Beschwerdeführer eine unimittelbare Beeinflussung geltend. Die Richter des
Bundesverfassungsgerichts werden u.a. aus den Reihen der Richter und Beamte von den
Abgeordneten ernannt. Damit werden diese nicht nur nach billigem Ermessen auswählen, ist das mit
der Demokratie unvereinbar. Ebenso unvereinbar ist es mit dem Öffentlichkeitsprinzip einer Wahl und
der Staatsgewalt vom Volke unvereinbar, wenn unter Ausschluss der Öffentlichkeit und nach
sachfremden Kriterien die Personalauswahl vorgenommen wird. Ebenso besteht hier ein großes
Potenzial der „Erpressbarkeit“ der Judikative. Der Beschwerdeführer muss davon ausgehen, dass
primär Personen gewählt werden, die Mitglied bestimmter Parteien sind, sich in deren Umfeld
bewegen oder in ihren Publikationen durch bestimmte rechtspolitische Meinungen aufgefallen sind.
Da viele Richter und Verfassungsgericht zugleich weiter ihren Dienst verrichten ist das
„Druckpotenzial“ hoch. Wer nicht ins „Raster“ der Abgeordneten passt wird nicht zum Richter oder
Staatsanwalt ernannt. Wer als Verfassungsrichter in „unangenehmer“ Weise Rechtsfindung betreibt,
muss Sanktionen im Dienst fürchten. Ferner ist das Problem der Umstand, dass die Exekutive die
Dienstaufsicht über Richter und Staatsanwälte ausübt. Das lässt sich an folgenden Beispiel darstellen.
Abgeordnete der Partei A ernennen ein Mitglied dieser Partei zum Richter und zum Verfassungsrichter.
Dieser Richter beugt im Zuge der Wahlprüfung aus reiner Loyalität das Recht und entscheidet zum
Nachteil von Beschwerdeführern in der Wahlprüfung umso widerrechtlich den Machterhalt der
„Parteifreunde“ zu sichern. Die Beschwerdeführer erstatten Strafanzeige wegen Rechtsbeugung. Da
Partei A die Regierung stellt und diese die Dienstaufsicht über die Staatsanwaltschaft ausübt, wird
diese daran gehindert diesen Richter anzuklagen, so dass diese konsequenzenlos sein Richteramt
missbrauchen kann. Hinzu kommt, dass die Abgeordneten nicht nur Richter ernennen, sondern auch
diejenigen sind, die Richteranklage erheben dürfen. Das ist schon mal vom logischen Denkansatz her
ein kausaler Widerspruch. Bei einem solchen System werden die Richter und Beamte nicht nur zur
Linientreue und Unterwürfigkeit erzogen, es werden hierdurch jedwede Kontroll- und
Schutzmechanismen gegenstandlos gemacht, so dass Angehörige der Gewalten konsequenzenlos ihre
Macht völlig unkontrolliert zu eigennützigen Zwecken missbrauchen können.
Aus diesen Erwägungen sieht der Beschwerdeführer durch die o.g. Bestimmungen auch auf
struktureller, systemimmanenter staatsorganisatorischer Ebene, durch diese kausalen Sach- und
Normenzusammenhänge sich im auch Sachzusammenhang mit der Bundestagswahl in seinen nach
internationalen Konventionen verbürgten Rechten verletzt.

BVerfG15 „ Dieses Verfahrensgrundrecht soll der Gefahr vorbeugen, daß die Rechtsprechung durch eine
Manipulierung der Spruchkörper -- sei es durch andere Staatsgewalten, sei es durch die
Rechtsprechung selbst -- sachfremden Einflüssen ausgesetzt wird; es soll insbesondere verhindern, daß

14
Henke, BK, Art. 21 (1991), Rn. 289; Volkmann, in: Friauf/Höfling, Berl. Komm. zum GG, Art. 21 (2001), Rn. 65 Fn. 410; Sannwald, in:
SchmidtBleibtreu/Hofmann/Hopfauf, GG, Komm., 12. Aufl. 2011, Art. 21 Rn. 81.; Heyen, DÖV, 1989,S.649 ff; Sachs, NJW, S. 553 ff, Ipsen
PartG, § 17, Rn 5; Lenski, PartG, § 10, Rn 19 ff; Verfassungsprobleme der innerparteilichen Kandidatenaufstellung für die Wahl zum
Deutschen Bundestag, Il Sun Hong, S. 78 ff; Oebbecke, JZ 1988, S. 176, Hahlen im Schreiber 2013, S. 552,Rn 35, m.w.N.
15
BVerfGE 82 286
68
im Einzelfall durch eine gezielte Auswahl von Richtern das Ergebnis der Entscheidung beeinflußt wird
(vgl. BVerfGE 17, 294 [299]; 20, 336 [344]; 48, 246 [254]). Dieses Gebot gilt für alle gerichtlichen
Verfahren, also auch für Prozesse vor Verfassungsgerichten. Streitigkeiten zwischen Staatsorganen sind
davon nicht ausgenommen.
Mit diesem objektiv-rechtlichen Gebot korrespondiert ein subjektives Verfassungsrecht der
Beschwerdeführer als Antragsteller des abstrakten Normenkontrollverfahrens. Auch wenn Gegenstand
eines solchen Prozesses nicht ein materielles Recht des jeweiligen Antragstellers ist, sondern um die
Verfassungsmäßigkeit von Normen gestritten wird, so setzt er doch durch seinen Antrag das Verfahren
in Gang. Damit hat er Anspruch auf den gesetzlichen BVerfGE 82, 286 (296) BVerfGE 82, 286
(297)Richter. Es ist ohne Belang, ob er eigene oder fremde Rechte verfolgt oder verteidigt, ob subjektive
Rechte den Streitgegenstand bilden oder ob es um die Verletzung, Auslegung oder Qualifikation
objektiven Rechts geht (vgl. Bettermann, Der gesetzliche Richter in der Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts, AöR 94, S. 263 [276]). Ausschlaggebend vom Zweck der
Verfahrensgarantie her ist seine Beteiligung am Verfahren als Antragsteller.

1. Der rechtsstaatliche Grundsatz vom gesetzlichen Richter ist bereits im 19. Jahrhundert unter der
Geltung des § 16 GVG dahin verstanden worden, daß er die willkürliche Auswahl des im Einzelfall zur
Entscheidung berufenen Richters untersagt (vgl. Kern, Der gesetzliche Richter, 1927, S. 185 ff.).
"Willkürlich" meint hier also schon eine Zuständigkeitsbestimmung von Fall zu Fall im Gegensatz zu
einer normativen, abstrakt-generellen Vorherbestimmung des Richters. Daran hat sich durch Art. 101
Abs. 1 Satz 2 GG nichts geändert. Allerdings wird damit der Anwendungsbereich des Art. 101 Abs. 1
Satz 2 GG nicht erschöpft. "Ungesetzlich" ist auch das Gericht, das nicht den Anforderungen des
Grundgesetzes entspricht, sowie der Richter, dessen Unabhängigkeit und Unparteilichkeit nicht
gewährleistet erscheint (vgl. BVerfGE 10, 200 [213]; 23, 321 [325]; sowie Bettermann, a.a.O., S. 263
f.).[…]

2. Die Verfahrensgarantie des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG sichert nicht nur die Freiheit vor Eingriffen durch
Organe der Legislative und Exekutive; ihre Schutzfunktion richtet sich auch nach "innen", also darauf,
daß niemand durch Maßnahmen der Gerichtsorganisation dem in seiner Sache gesetzlich berufenen
Richter entzogen wird (vgl. BVerfGE 4, 412 [416]).BVerfGE 82, 286 (298)

BVerfGE 82, 286 (299)Mag bei gezielten Einmischungen der Legislative oder der Exekutive eine
Verletzung der Gewährleistung des gesetzlichen Richters auf der Hand liegen, so ist das bei
Entscheidungen der rechtsprechenden Gewalt, in denen normative Zuständigkeitsregeln angewandt
werden, nicht ohne weiteres der Fall. Nicht jede fehlerhafte Anwendung solcher Regeln durch die
Gerichte ist zugleich eine Verfassungsverletzung; andernfalls würde die Anwendung einfachen Rechts
auf die Ebene des Verfassungsrechts gehoben werden. Wo die Grenzen zu einem Verfassungsverstoß
zu ziehen sind, hat das Bundesverfassungsgericht bislang nicht abschließend bestimmt. Es hat sie dann
als überschritten angesehen, wenn die Auslegung einer Zuständigkeitsnorm willkürlich (grundlegend
BVerfGE 3, 359 [364 f.]) oder offensichtlich unhaltbar ist (vgl. BVerfGE 29, 45 [49]; 58, 1 [45]; ähnlich
bereits BVerfGE 6, 45 [53]). Dieser Prüfungsmaßstab ist, vergleichbar demjenigen zu Art. 103 Abs. 1 GG
(vgl. BVerfGE 75, 302 [314 f.]), dahin zu ergänzen, daß eine verfassungswidrige Entziehung des
gesetzlichen Richters durch eine richterliche Zuständigkeitsentscheidung vorliegt, wenn diese
Bedeutung und Tragweite von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG grundlegend verkannt hat.“

In diesem Sinne sind die Verfassungsrichter keine gesetzlichen Richter weil diese von der Legislativen
und Exekutiven beeinflusst werden.

6.2 Rechtsprechung des EGMR

69
6.2.1. Zum Verfahren
6.2.1.1Verfahrensgang
Der Beschwerdeführer legte mit Schreiben vom 19.11.2017 Wahleinspruch ein. Dabei wurde
folgendes beanstandet:

1. Kandidatenaufstellung
• Frauenquoten der Parteien Bündnis 90/die Grünen, SPD, CDU und die Linke,
• Neuenquote Bündnis 90/die Grünen Landesverband Niedersachsen
• diverse Regelungen der Parteien Bündnis 90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt und
Niedersachsen
• Stimmenquorum der CDU
• Unterschriftenquorum der CDU Hessen
• Nichtigkeit satzungsmäßiger Bestimmungen
• Unbeachtete Beschwerden bei den Wahlorganen
• Entscheidungs- und Spruchpraxis des Wahlprüfungsausschusses
• Sonstiges
2. Erhebung von Sondernutzungsgebühren zur Erteilung von Sondernutzungsgenehmigungen
zum Zwecke des Wahlkampfes
3. beschränkter Rechtsschutz bei Wahlen
4. Abgestufte Chancengleichheit im Wahlkampf

Diesbezüglich wird auf u.a. Anl. 2 S. 3 ff wird verwiesen.

Bezüglich der Kandidatenaufstellung hat der Bundestag mehrfach behauptet, dass Art. 3 Abs. 2 GG
Frauenquoten zulässig machten. Der Beschwerdeführer hat seinen Schriftsätzen diesen Behauptungen
umfassend widersprochen.

Bereits in seinen Einspruch machte der Beschwerdeführer sinngemäß folgende Ausführungen geltend.

1. Die Rechtsprechung von BVerfG und BGH wonach bei Wahlen nicht nach
Geschlecht, Rasse, Religion, politischer Meinung und weiterer in Art. 3 Abs. 3 GG
genannter Merkmale ausdifferenziert werden darf.
2. Rechtsprechung des BVerfG zur Freiheit und Gleichheit in der Demokratie.
3. Rechtsprechung des BVerfG wonach Parteien nicht von den demokratischen
Grundsätzen abweichen dürfen.
4. Im Parteirecht sind gemäß dem Schrifttum bei Ungleichbehandlungen unter den
Mitgliedern strengere Maßstäbe anzusetzen als im Vereinsrecht.
5. Nach Rechtsprechung des BGH und den Ausführungen im Schrifttum besteht bei
privatrechtlichen Vereinigungen die Treuepflicht zur Gleichbehandlung von
Mitgliedern.
6. Nach Rechtsprechung einzelner OLGs und den Ausführungen im Schrifttum zum
Vereinsrecht müssen Wahlen die Chancengleichheit sicherstellen.
7. Es ist der Wille des Gesetzgebers, dass Ungleichbehandlungen unter den
ordentlichen Mitgliedern unzulässig sind.
8. Mitglieder der Grünen haben in einem namenhaften Politmagazin selbst
zugegeben, dass das rechtswidrig ist.

Hierbei wird einschließlich mit Verweis auf das das deutsche Recht auf die Schriftsätze in den Anlagen
verwiesen. Dort wird umfassend auf Einschlägige Normen im deutschen Recht eingegangen.

70
Der Beschwerdeführer setzte sich dabei auch mit der Spruchpraxis des Wahlprüfungsausschusses
auseinander:

1. Die Behauptung, wonach der Gesetzgeber Quotenregelungen den Parteien überlassen hätte.
2. Die Behauptung, wonach keine „durchschlagenden Bedenken“ gegen die Quotenregelungen
bestünden.
3. Die Behauptung, wonach das Bundesverfassungsgericht derartige Ausdifferenzierung im
Wahlrecht für Zulässig erklärt hätte.
4. Die Behauptung, wonach derartige Verfahren eine „Gleichberechtigung zwischen Mann und
Frau“ darstelle.
5. Die Behauptung, wonach Art. 3 Abs. 2 GG eine derartige Ungleichbehandlung zuließe.
6. Die Behauptung, wonach es eine „Wertentscheidung“ der Parteien sei, Mitglieder zu
diskriminieren.
7. Die Behauptung, wonach der Staat keine Inhaltkontrollen durchführe.

Weiter machte der Beschwerdeführer geltend,

1. Der Beschwerdeführer reichte bereits im Vorfeld der Wahlen Beschwerden wegen der
Wahlrechtsverstöße bei der parteiinternen
Kandidatenaufstellung bei den Wahlleitern ein. Hintergrund ist, dass die Wahlgrundsätze bei der Wahl
von Delegierten zu Wahl- und
Deligiertenversammlungen und bei der eigentlichen Kandidatenaufstellung einzuhalten sind. Bereits
das Bundesverfassungsgericht und das
Hamburger Verfassungsgerichtt haben bereits entschieden, dass Wahlvorschläge zurückzuweisen
sind, wenn bei der Wahl von Delegierten
und der Kandidaten neben den Grundsätzen der Geheimhaltung auf die Allgemeinheit, Freiheit und
Gleichheit der Wahl im Wahlvorschlagsrecht
unn im aktiven und passiven Wahlrecht nicht eingehalten werden(Anl. S. ). Genau das hat der
Beschwerdeführer geltend gemacht.
Lediglich von der Landeswahlleiterin in Niedersachsen erhielt der Beschwerdeführer, die Mitteilung,
dass nach deren Ansicht die Verfahren
mit Art. 3 Abs. 2 GG abgedeckt seien, ob wohl der Beschwerdeführer dem vehement widersprochen
hatte.

2. Um das Ausmaß von Frauenfördermaßnahmen darzustellen, hat sich der Beschwerdeführer auch
umfassend mit "Frauenquoten" in der Arbeitnehmer und Personalvertretung ausgelassen.

3. Ferner beanstandete der Beschwerdeführer(Bf.) auf die "abgestufte Chancengleichheit" im zu des


Wahlkampfes der Erteilung von Sondernutzungsgenehmigungen im Straßenwahlkampf. Die bisherige
Rechtsprechung legitimiertes die Zulässigkeit dadurch, dass zum einen eine "Parteienzersplitterung"
verhindert und zum anderen die Wahlberechtigten nicht über "wahren Kräfteverhältnisse"
hinweggetäuscht werden dürften und so in unzulässiger Weise das Wahlgeschehen beeinflusst werden
könnten. Der Beschwerdeführer hat umfassend ausgeführt, dass diese Maßnahme bei der
Kontingentierung von Stellplätzen nicht legitim sein kann. Hintergrund ist der Umstand, dass im
Interesse der öffentlichen Sicherheit (Gefährdung der Umwelt, des Straßenverkehrs, etc. pp.) , die
Behörde berechtigt sind, die Anzahl der Stellplätze zur Wahlsichtwerbung auf in bestimmte maximale
Gesamtzahl zu begrenzen, die dann auf jede Partei und jeden Einzelwahlbewerber zugeteilt wird.
Hierbei hat unter Einbeziehung der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, dass
Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Behörden berechtigt seien Abstufungen in der
Chancengleichheit vorzunehmen und die Anzahl der Stellplätze anteilig vom Erfolg der letzten Wahl

71
auf die einzelnen Parteien und Wahlbewerber zu verteilen. hat dieser Argumentation
entgegengehalten, dass diese Sichtweise nicht mehr zeitgemäß erachtet. Die Wahlberechtigten hätten
hinreichende Möglichkeiten sich über die "wahren" Kräfteverhältnisse zu informieren. Zum anderen
kann eine "Zersplitterung" auch durch Unterschriftenquoren und Sperrhürden sichergestellt werden.
Da die Inanspruchnahme dieser Möglichkeit bei der Kontingentierung von Stellplätzen zum Zwecke
der Wahlsichtwerbung im Straßenwahlkampf im Ermessen kommunaler Behörden liegen und daher
diese Maßnahme nur partiell in bestimmten Regionen greift, kann die Maßnahme kein sachlich
legitimierter Grund sein.

4. Der Bf. hat ferner beanstandet, dass im Wahlkreis 74 Sondernutzungsgebühren zum Zwecke der
Erteilung von Sondernutzungsgehmigungen zur Wahlsichtwerbung im Straßenwahlkampf erhoben
werden. Auch hier macht der BF eine Verletzung der Wahlrechtsgleichheit geltend, da die Möglichkeit
der Inanspruchnahme der Wahlsichtwerbung von den finanziellen Möglichkeiten der Wahlbewerber
und Parteien abhängig gemacht wird. Weniger finanziell Ausgestattete Parteien und Wahlbewerber
könnten nicht im gleichen Maße von der Möglichkeit Gebrauch machen, wie die finanzstarken. Der
Staat greift hierdurch in unzulässiger Weise in den Wahlkampf ein.

6. Der Beschwerdeführer beanstandet weiterhin den beschränkten Rechtsschutz. Sinn gemäß hat
damit der BF folgende Gründe vorgetragen.

Im Grundgesetz(GG) ist nicht geschrieben, dass

a) der Rechtsweg gegen Entscheidungen der Wahlorgane während der Wahlvorbereitungsphase


ausgeschlossen ist,
b) alle Fälle von Beanstandungen, die sich unmittelbar auf die Bundestagswahl beziehen zur
Prüfung zunächst beim Bundestag vorgelegt werden müssen,
c) die Kontrolle durch staatliche Gerichte bei allen Einwendungen, die sich auf das Wahlverfahren
beziehen, grundsätzlich nur das BVerfG zuständig ist,
d) das Verfahren der Wahlprüfung in beliebiger Länge ausgedehnt werden kann und
e) die Fristen in allen Phasen der Wahlvorbereitung nur die sein müssen, wie sie derzeit
vorgegeben wird.

Nimmt man die Auslegung der BVerfG über die bisherigen Vorschriften in allen Belangen des
Wahlrechts zu Gemüte, dann muss der Eindruck entstehen, dass hier das GG in einer Weise ausgelegt
wurde, dass die Rechtssicherheit überwiegend im Bestandschutz und weniger in der Gewährleistung
eines fairen demokratischen Wettbewerbs unter strikter Einhaltung der Wahlrechtsnormen bestehen
soll.

Insoweit wird auf nachfolgende Probleme während der Wahlvorbereitung eingegangen.


Diese sind
1. Unberechtigte Anerkennung/Nichtanerkennung von Parteien
2. Unberechtigte Zulassung/Nichtzulassung von Wahlvorschlägen
3. Unberechtigte Nichtzuerkennung des allgemeinen Wahlrechts
4. Unberechtigte Nichteintragung oder fehlerhafte Eintragung ins Wählerverzeichnis
5. Probleme bei der Zustellung von Wahlunterlagen
6. Eintritt unvorhersehbarer Ereignisse
7. Die Ermöglichung der Wahlteilnahme besonderer Personengruppen(Häftlinge, Pflegebe-
dürftige, Behinderte)

Die Fristen von 4 Tagen für Einreichungen von Widersprüchen, sowie zur Prüfung dieser sind zur Kurz,
da in Einzelfällen eine Umfangreiche Begründung u.U. nicht möglich ist. Ebenso können sich die

72
Wahlorgane in binnen dieser Fristen möglicherweise nicht umfassend mit möglichen Begründungen
beschäftigen. Im deutschen Recht ist es zwar noch möglich bis zum Ablauf der Einreichungsfrist
parteiinterne Wahlen im Wege privatrechtlicher Zivilverfahren anzufechten. Ist das aber z.B. wegen
der kürze der Zeit nicht mehr möglich, können Parteimitglieder Entscheidungen der Wahlorgane nicht
mehr anfechten. Diese können sich zwar bei den Wahlorganen beschweren (s.o.). Ignorieren sie diese
Beschwerden, ist eine Anfechtung vor staatlichen Gerichten vor der Wahl nicht mehr möglich.

Der Bf hat in seiner Stellungnahme wiederholt bestritten, dass dieses Regelungen rechtlich zulässig
seien und erklärt, dass diese nicht den "demokratischen Grundsätzen" gemäß der Rechtsprechung
entsprechen. Ferner hat der BF wiederholt angemerkt, dass in seinem Landesverband der Partei
Bündnis '90/die Grünen im dem er Mitglied ist, seit über 20 Jahren kein Mann in den Bundestag
eingezogen ist.

Noch während der Beratungsphase des Wahlprüfungssausschusses(WPA) erklärte der bisherige


Berichterstatter Herr Gerhardt sich vorzeitig in den Ruhestand versetzen zu lassen.

In Anbetracht der "Juristenlogik" mit der Herr Maidowski zum Ergebnis gekommen sein will, dass
Frauenquoten in der parteiinternen Demokratie zulässig seien, muss davon ausgegangen werden, dass
der Bundestag ihn bewusst ins Amt gewählt, wohl wissend, dass spätestens nach dem Sachvortrag im
Wahleinspruch diese nicht zulässig sein können. Damit verfolgt der Bundestag die Intention dafür zu
sorgen, dass die Bundestagswahl für gültig erklärt wird. Nachdem der Bundestag im Jahr zuvor das
Wahlrecht geändert hat, wusste dieser genau, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dieser
undemokratische Schwachsinn in einem zulässig Verfahren beim BVerfG eine gerichtlichen Prüfung
unterzogen wird, so hoch ist wie nie zuvor, musste hier "gegengesteuert" werden. Herr Maidowski
wäre höchstwahrscheinlich nicht ins Amt gekommen, hätte er diese unsinnige Dissertation nicht
verfasst. Deshalb brauchten sie den Ideologen als willigen Vollstrecker.

Herr Gerhardt galt als unabhängiger Kopf und hätte die. o.g. Schweinereien niemals mitgemacht. Ergo
musste dieser aus dem BVerfG entfernt werden. Selbst wenn man, davon ausginge, dass das vorzeitige
Ausscheiden von Herr Gerhardt ein "normaler Vorgang" gewesen sei, der nicht im Sachzusammenhang
mit der derzeit noch dauernden Wahlprüfung steht, so muss spätesten bei der Ernennung von Herr
Maidowski von einem solchen ausgegangen werden.

Es nährt sich der Verdacht, dass Herr Maidowski als "williger Vollstrecker" ins Amt gebracht wurde.

Bei der Geschäftsverteilung für das Jahr 2016 fällt, auf dass bei Zivilverfahren die Beschwerden
anteilig nach einer gesonderten Liste den Richtern König, Kessal-Wulf,
Herrmanns,Müller,Huber und Maidowski. Die Zuteilung erfolgt nach einer gesonderten Liste.
Wenn ein Verfahren in der 2. oder 3. Kammer landet, ist nicht mehr nachvollziehbar wer
Berichterstatter ist und nach welchen Kriterien diese Verfahren zugeteilt werden. Das verstößt
gegen Art. 101 GG. Offenkundig soll aus sachfremden Erwägungen das Zuteilungsverfahren
intransparent gemacht werden. Herr Müller dürfte einen massiven Arbeitsaufwand neben den
auch mit den Wahlprüfungsverfahren haben. Warum dieser mögliche freie Ressourcen nicht dafür
aufwendet um das Wahlprüfungsverfahren zu erledigen, sondern mit zusätzliche
Verfassungsbeschwerden belastet werden ist nicht nachvollziehbar.

Derzeit dürften neben folgende Verfahren beim BVerfG äußerst Arbeitsintensiv sein:

• Kandidatenaufstellung(CDU,Grünen,SPD die Linke und AFD)


• Beschränkter Rechtsschutz

73
• Verständlichkeit von Wahlgesetzen und Anzahl der Abgeordneten
• Wahlvorschläge der Union
• Nichtzulassung von Wahlvorschlägen

Anstatt, dass Herr Müller mögliche freie Ressourcen zu zügigen Erledigung der B- und C-
Verfahren(Parteienverbot, Wahlprüfung) aufbringt, damit die gesetzmäßige Zusammensetzung der
deutschen Abgeordneten im EU-Parlament und Bundestag geklärt oder die Wahlen gänzlich oder
teilweise für ungültig erklärt werden können, wird Herr Müller mit zusätzlicher Arbeit belastet.

Der Bundestag entschied zum Nachteil des Bf. (Anl.).

1. So behauptete der Bundestag, dass der Bf nicht dargelegt habe, dass die satzungsmäßigen
Bestimmungen mit dem deutschen Rechts im Einklang stünden. Bezüglich der Frauenquoten erklärt
der Bundestag unter Rekurs auf die frühere Rechtsprechung diese Regelungen für zulässig. Auf den
Sachvortrag, einschließlich der Auseinandersetzung zur Spruchpraxis des Bundestages geht der
Bundestag nicht ein. Selbiges gilt auch für die übrigen Beanstandungen zur Kandidatenaufstellung. So
behauptet, der Bundestag, dass der BF nicht dargelegt hätte, dass dynamische Verweisungen in den
Satzungen von Parteien einen Wahlfehler darstellten. Ferner gab der WPA zu, dass
Unterschriftenquoren bei der Kandidatenaufstellung zwar gegen geltende Gesetze verstießen, der BF
aber nicht dargelegt, dass diese fraglichen satzungsmäßigen zu Anwendung gekommen seien.
Obwohl der WPA wusste, dass diese Bestimmungen mit hoher Wahrscheinlichkeit angewendet
worden sein könnten, wurden keine Anstalten zur Sachaufklärung nach § 7
Wahlprüfungsgesetz(WahlPrG) gemacht. Ebenso ging der WPA nicht darauf ein, dass der BGH
dynamische Verweisungen für Rechtswidrig erklärt hat und dass satzungsmäßige Bestimmungen auch
bei der Wahlprüfung gemäß dem deutschen Recht für nichtig erklärt werden könnten. Auch ging der
WPA auf den Sachvortrag wonach die satzungsmäßigen Bestimmungen gegen die Wahlgrundsätze und
geltenden Gesetze verstoßen nicht ein. Der Bf. hat sich hierzu umfassend ausgelassen.(Anl. 3. S.).
Obwohl im LV Sachsen-Anhalt der Partei Bündnis 90/die Grünen hat der Bf umfassend dargelegt, dass
diese Bestimmungen zu Anwendung gekommen sind und erklärt, dass er als Teilnehmer dieser Wahl
es höchstpersönlich bezeugen kann. Ferner hat dieser darauf hingewiesen, dass er vergeblich
mehrfach versucht die satzungsmäßigen Bestimmungen per Parteitagsbeschluss abschaffen zu lassen
und dass die Mitglieder genau wissen, dass diese rechtswidrig sind.

2. Auch bezüglich der Beanstandung zur abgestuften Chancengleichheit ging der Bundestag nicht ein.
Der WPA behauptet, weiterhin, dass Abstufungen der Chancengleichheit im Straßenwahlkampf nach
Rechtsprechung des BVerfG zulässig seien, obwohl der Bf dargelegt hat, dass die Rechtsaufassung
nicht mehr haltbar sein könnte.

3. Selbiges gilt auch für die Erhebung von Sondernutzungsgebühren. Der WPA behauptet, dass durch
die Erhebung von Sondernutzungsgebühren eine Verletzung der Chancengleichheit nicht vorliegt. Auf
den Sachvortrag geht der WPA auch hier nicht ein.

4. Ebenfalls wird auf die Beanstandung des Bf. zum Stimmzettels, als "unbegründet" erachtet. Obwohl
der Bf. umfassend ausgeführt hat, dass die Entscheidung auf Ungültigkeit beider Stimmen mit der
Wahlordnung(BWO) nicht im Einklang steht, ging der WPA nicht weiter darauf ein.

5. Auch der Vortrag wonach ein unzulässiges Verhalten stellvertretenden Wahlleiterin im Wahlkreis 74
nicht feststellbar sei, ist nicht mit dem fairen Verfahren zu vereinbaren.

74
6. Bezüglich des beschränkten Rechtsschutzes hat sich der Bundestag nicht ausgelassen und hat auf
das Normenkontrollverfahren verwiesen. Hierbei ist anzumerken, dass dem BT im Regelfall bei
Normenkontrollverfahren einschließlich der Überprüfung satzungsmäßiger Bestimmungen von
Parteien die Verwerfungskompetenz fehlt.

7. Ebenfalls hat der Bundestag Beanstandungen der Justiz betreffend für unzulässig erklärt, obwohl die
Gewährleistungen des Art. 6 EMRK und des Art. 13 EMRK auch für die Wahlprüfung zutreffen.

Dabei setzt sich der Bf. auch mit der Entscheidung des BT auseinander.

1. Die Wahlprüfung erfolgte nicht nach rechtsstaatlichen Standards


2. Eine Auseinandersetzung mit den gesetzlichen Normen der Rechtsprechung und
Kommentarliteratur , auf die sich der BF umfassend ausgelassen hat,
fand nicht statt.
3. Antrag auf Beiziehung der Akten bzw. Unterlagen über Zulassung der Wahlvorschläge als
Beweismittel wurde indirekt abgelehnt.
4. Keine Auseinandersetzung mit dem Verweis auf ein rechtswidriges Demokratieverständnis.
5. Der Verweis, dass nach § 39 BWO nur die Erststimme hätte für Ungültig erklärt werden müssen.

Mit Schreiben vom 15.09.2015 und zu den Verfahren 2 BvC 27/14 und 2BvC 15/15 reichte der
Beschwerdeführer Befangenheitsanträge ein. Diese liegen dem Umstand zu Grunde, dass der BF
bereits in der Zwischenzeit vergeblich versucht hatte die Partei Bündnis 90/die Grünen wegen der
"Frauenquoten" zu verklagen. Auf das Verfahren 43623 wird Bezug genommen. Da die Unterlegen
noch vorrätig sein müssen, werden diese als Beweismittel angegeben. Dass diese nochmals
einzureichen sind, wenn diese in früheren Verfahren vorgelegt wurden, geht aus den Konventionen
nicht hervor. Dabei wurde u.a. mit Verweis auf den o.g. Richterwechsel beanstandet, dass Herr
Maidowski eine ganz bestimmte rechtspolitische Meinung zur "Frauenförderung" in seiner höchst
zweifelhaften Dissertation vertritt. Ferner hat die Dritte Kammer unter Missachtung rechtsstaatlicher
Verfahrensgarantien im fraglichen Verfassungsbeschwerdeverfahren zum Nachteil des Bf.
entschieden. Die Dort genannten Umstände, die daher parallelen zum Wahlprüfungsverfahren
aufweisen, nahm der Bf zum Anlass die Befangenheit der Richter Herr Müller, Herr Huber und Herr
Maidowski zu beantragen. Zugleich reichte er Dienstaufsichtsbeschwerde an Herr Voßkuhle ein.

Mit schreiben vom 06.02.2016 erhielt der Bf. die Mitteilung, dass seine Wahlprüfungsbeschwerde
2BvC 27/14 nach § 24 BVerfGG erledigt werden würde.

Bezüglich der parteiinternen Kandidatenaufstellung Schließt sich der Berichterstatter weitestgehend


der Ansicht des Bundestages an.

a) Es bedürfe eine Begründung weshalb die satzungsmäßigen Bestimmungen der Parteien rechtswidrig
sein sollen. Eine solche Darstellung hätte der Bf. nicht erbracht. Bezüglich der Quotenregelungen und
satzungsmäßigen Bestimmungen hat angeblich der Bf. nicht dargelegt, dass diese zur Anwendung
gekommen seien und einen Wahlfehler darstellen. Hierzu hat der Bf. zahlreiche Ausführungen
gemacht.

a 1 Auf S. (Anl. 8) erklärt der Bf. setzt sich der Bf. ausführlich mit der Rechtsprechung des BVerfG
auseinander wonach die bei der Kandidatenaufstellung die Grundsätze der Allgemeinheit, Freiheit
und Gleichheit der Wahl anzuwenden sind. Selbiges gilt auch für die Wahl von Delegierten. Auf S. 237
geht der Bf. auf ein Urteil des Hamburger Verfassungsgerichts ein, bei dem wegen Verletzung ganzer
Wahlgrundsätze eine ganze Parlamentswahl für ungültig erklärt worden ist.

75
1. Auf S. 178 geht der Bf. auf die Rechtsprechung des BGH ein wonach bei parteiinternen Wahlen nicht
nach Geschlecht, politischer Meinung, Vermögen und weiterer sachfremder Merkmale
ausdifferenziert werden darf.

2. auf den folgenden Seiten ging der Bf. darauf ein, dass nach Art. 21 Abs. 1 S. 3 GG die
Binnenorganisation von Parteien strikt demokratisch ausgestaltet sein muss. Bereits im
Parteiverbotsverfahren erklärt das BVerfG, dass diese sich nach den Grundsätzen der Freiheit und
Gleichheit auszurichten haben. Ferner geht Bf. umfassend auf die Kommentarliteratur ein nach denen
bei Wahlen die Wahlgrundsätze einzuhalten sind und alle "ordentlichen" Parteimitglieder in ihren
Rechten strikt gleich zu behandeln sind und dass niemand bevorzugt oder benachteiligt werden darf.

3. Bezüglich der Ausführung zur Gleichheit des Stimmrechts nach § 10 Abs. 2 Abs. 1 Parteiengesetzes
wahr es ausdrücklich der Wille des Gesetzgebers, dass Bevorzugungen und Benachteiligungen von
Parteimitgliedern unzulässig sind.

4. Ferner hat der Bf. auf S. 234 ff und 238 ff aus der Kommentarliteratur Beispiele genannt, die
Frauenquoten für rechtswidrig erklären.

5. Auf S. 127ff. erklärt der Bf. umfassend, dass Frauenquoten mit Art. 3 GG (Gleichheitsrecht) nicht im
Einklang zu bringen ist.

6. Auf S. 227 ff erklärt der Bf. dass nach dem Vereinsrecht bereits die Wahlgrundsätze des Art. 38 GG
und der Gleichbehandlungsgrundsatz nach Art. 3 Abs. 1 auch im Privatrecht ihre mittelbare
Drittwirkung entfalten. Ferner führt dieser weiter aus dass in der Zulässigkeit von
Ungleichbehandlungen von Parteimitgliedern gegenüber Mitgliedern anderer privatrechtlicher
Vereinigungen aufgrund der Sonderstellung von Parteien unter den Vereinen und in der Demokratie
verschärfte Maßstäbe anzusetzen sind. Ferner hat der Bf. auf einschlägige Rechtsprechung rekurriert
wonach eine Verletzung der Chancengleichheit Wahl für ungültig zu erklären sind. Ebenso, dass bereits
Verein der "Treuepflicht" zur Gleichbehandlung unterliegen und Wahlen und Abstimmungen, die
dieses Gebot verletzen, für nichtig erklärt werden können.

7. Auf S. 196 ff erklärt der Bf. , dass bei Wahlen nicht nach Geschlecht, Vermögen, politischer Meinung
etc. pp. ausdifferenziert werden darf. Ferner muss das Wahlverfahren frei von willkürlichen und
widersinnigen Effekten sein. Auch ist die Demokratie des GG eine privilegienfeindliche Demokratie.
Der Bf. macht geltend, dass die Allgemeinheit der Wahl für die Männer und bei der SPD auch Frauen
verletzt wird, da nicht jeder für jeden Listenplatz kandidieren kann. Damit werden sowohl die Chancen
für einen Listenplatz als auch zu Wahl in den Bundestag ungleich verteilt. Das ergibt sich insbesondere
durch das System starrer Listen, wonach der Listenplatz über die Wahlchancen entscheidet. Ferner
macht der Bf. auch die Verletzung der Freiheit und Gleichheit der Wahl geltend, was auch in der
Kommentarliteratur so gesehen wird. Weiterhin weist der Bf. darauf hin, dass auch in Wahlprüfungen
der WPA derartige Ausdifferenzierung u.a. nach Geschlecht für unzulässig erklärt hat. Auf S. 215 ff
macht der Bf. umfassende Angaben zur Verletzung der Chancengleichheit und der Gleichheit der
Einflussmöglichkeiten, sowie die Verletzung der Grundsätze der Allgemeinheit, Freiheit und Gleichheit
der Wahl im aktiven und passiven Wahlrecht und im Wahlvorschlagsrecht geltend.

8. Der Bf. umfassend aus, dass die Geschlechterverteilung der Wahlbewerber und Abgeordneten 1:1
denen der satzungsmäßigen Bestimmungen entspricht und beweist damit, dass diese Bestimmungen
regelmäßig zu Anwendung kommen.

9. Der Bf. macht der Bf. umfassend die Verletzung seiner Mitgliederrechte geltend.

10. Der Bf. geltend, dass die dynamische Verweisungen mit gesetzlichem Recht unvereinbar sind.

76
11. Dann macht der Bf. umfassende Angaben zu den Beschwerden bei den Wahlorganen und zur den
Strafanzeigen. Hier wird ausgeführt, dass bei Verstößen gegen gesetzliche Bestimmungen und den
"demokratischen Mindestregeln" Wahlvorschläge zurückzuweisen sind. Auch setzt sich der Bf. mit
einer möglichen Strafbarkeit der Wahlorgane und der Bundestagsabgeordneten auseinander. Auf die
Anträge( S. 38 ff) und die Ausführungen zur Zulässigkeit (S. 40 ff) wird verwiesen.

12. Allgemein hat der Bf. darlegt, dass jeder Gesetzesverstoß einen Wahlfehler darstellen kann.
Selbiges gilt auch für die übrigen Beanstandungen (Sonstige Quoten, Stimmenquoren, imperatives
Mandat, Unterschriftenquorum CDU-Hessen, Bündnis 90/die Grünen LV-Sachsen-Anhalt und LV
Thüringen...). Der Bf. macht geltend, das auch in unzulässiger beim Stimmenquorum und den
Bestimmungen des LV Thüringen in unzulässiger nach politischer Meinung ausdifferenziert wird.

Zum gesamten Sachvortrag hierzu geht der Berichterstatter nicht ein obwohl hier umfassend aus der
Gesetzgebung, der Kommentarliteratur und der Rechtsprechung referiert wird.

Bezüglich der Ausführungen BVerfG zur Erhebung von Sondernutzungsgebühren und der abgestuften
Chancengleichheit, hat der Berichterstatter behauptet, dass der Bf. sich inhaltlich hätte mit der
Entscheidung des Bundestages auseinandersetzen müssen. Dem Widerspricht das Verfahren der
Wahlprüfung. Bei der Überprüfung von Kommunalsatzungen handelte es sich um Normenkontrollen
(s. § 47 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO)).
Damit fehlt dem Bundestag die Verwerfungskompetenz. Der Bf. hat auf S. 120 ff darauf hingewiesen.
Darüber hinaus stellt eine fehlende Auseinandersetzung mit der Entscheidung des WPA keine
formeller Mangel dar, der zwangsläufig zur Entscheidung zum Nachteil des Bf. führen muss. Dies geht
bereits deshalb fehl, weil das Bundesverfassungsgericht, die einzige unabhängige "Instanz" im Sinne
der Rechtsprechung des EGMR zu Art. 13 EMRK ist.

Bezüglich des beschränkten Rechtsschutzes hat der Bf. umfassend darauf hingewiesen, dass dies mit
internationalen und deutschem Recht nicht im Einklang zu bringen ist. Ferner hat auf S. 166 ff. hat der
Bf. dargelegt, dass Art. 19 Abs. 4 GG (Rechtsweggarantie) ein unerziehbares Grundrecht ist, was auch
nicht durch kollidierendes Verfassungsrecht entzogen werden darf. Auf S. 130 ff. erklärt der Bf.
Sinngemäß, dass Art. 41 ein "lex specialis" gegenüber Art. 101 GG (gesetzlicher Richter) darstellt und
nicht gegenüber Art. 19 Abs. 4 GG (Rechtsbehelf). Auf S. 189 ff weist der Bf. auf das EU-Recht. Er setzt
sich u.a. auch mit Rechtsprechung zu. Art. 6 und 13 EMRK und Art. 47 Grundrechtecharta der EU
auseinander. Ferner geht dieser auf einen OSZE Bericht zur Wahl 2009 ein, bei der u.a. der beschränkte
Rechtsschutz kritisiert worden ist. Im Jahre 2009 wurde zwar der Rechtsschutz bei Wahlen etwas
verbessert (s. BT. Drucks. 17/9391), jedoch hat sich der Beschwerdeführer mit den Lücken im
Rechtsschutz auseinander gesetzt. Dennoch behauptet der Berichterstatter, dass eine "Wahlfehler von
Mandatsrelevanz" nicht dargestellt worden sei. Hierbei sei anzumerken, dass der Bf. auch auf den o.g.
e.A.-Antrag 2 BvQ 30/13 rekurriert hat (S. 102, Fn 108). Ferner sei darauf verwiesen, dass auch die im
Wahlprüfungsverfahren beteiligten Richter Herr Müller,Herr Huber, Herr Landau, Frau Herrmanns und
Frau Kessal-Wulf sich am Verfahren beteiligt haben. Obwohl der Bf. sich umfassend mit der
Rechtsprechung des BVerfG zu Art. 18, 19 Abs. 4, Art. 20 Abs. 3 und Art. 41 GG auseinandergesetzt
hat, behauptet der Berichterstatter, dass das "das Bundesverfassungsgericht § 49 BWG in ständiger
Rechtsprechung als verfassungskonform" erachtet. Auf den Sachvortrag wird nicht näher eingegangen.

Bezüglich der Sperrhürde erklärte der Berichterstatter, dass das Verfahren zu verwerfen sei weil eine
dezidierte Auseinandersetzung mit Begründung des Bundestages nicht stattgefunden habe. Auf
welcher Rechtsgrundlage sich diese Behauptung stützt ist im Schreiben nicht erkennbar. Ferner
behauptet der Berichterstatter, dass eine "gutachterliche Problematisierung" von Sperrklauseln nicht
geeignet seien, die Verfassungswidrigkeit von Sperrklauseln zu begründen(Auf S. 108 ff der Anlage
wird verwiesen). Auf S. 117 ff der Anlage benennt der zusammenfassend die Gründe, die gegen eine

77
Sperrklausel in Höhe von 5 % sprechen. Auch hier sollen diese Ausführungen keine ausreichende
Begründung darstellen. Der Bf. würde lediglich eine Änderung des Wahlrechts begehren. Der
nachfolgende Abs. auf S. 8 des Berichterstatterschreibens, wurde im Copy-and-Paste-Stil aus einem
anderen Verfahren übernommen. Der Bf. macht nirgendwo in seiner Beschwerde "widersinnige
Wirkungszusammenhänge" geltend.(S. Anl.). Ferner weist der Berichterstatter auf den
"Gegenwartsbezug" und die bisherige Rechtsprechung hin.

Schließlich geht der Berichterstatter auf den Befangenheitsantrag vom 15.09.2015 ein. Hier hat der
Richter bereits im Rahmen eines Zivilverfahrens entschieden, Der Bf. geht hierzu auf die
Rechtsprechung zum Verfahren 2 BvR 3058/14 vom 01.04.2015 ein. Er benennt weiterhin
"Anforderungen" an der "Befürworter" von Frauenquoten an die parteiinterner Demokratie, die
Widerspruch zu deren Zulässigkeit stehen. Ferner wird sich weiter mit der Dissertation von Herr
Maidowski und seinen Widersprüchen auseinander und das dieser auf bestimmte Sachverhalte aus
der Gesetzgebung, der Kommentarliteratur und der Rechtsprechung nicht eingegangen ist. Ferner
ging mit seiner "Rechtsprechung" weit über das hinaus, was dieser in seiner Dissertation als zulässig
erklärt. Ferner wurde eine Grundsatzentscheidung herbeigeführt ohne, dass es jemals zu einen
Hauptsacheverfahren gekommen ist. Er hat damit seine "rechtspolitische Meinung" aus seiner
Dissertation in der Rechtsprechung mit einfließen lassen. Aufgrund dieser Rechtsprechung konnte der
Bf. nicht mehr von einer Neutralität der Richter der 3. Kammer des zweiten Senates ausgehen. Der Bf.
hat weiterhin ausgeführt, dass § 18 BVerfGG zwingendes Recht ist von dem auch bei Missbrauch und
offenbar aussichtslosen Fällen nicht abgewichen werden darf. Da abweichende Regelungen nicht
vorgesehen sind, muss davon ausgegangen werden, dass dies dem Willen des Gesetzgebers
entspricht. Interpretationsspielräume lässt § 18 BVerfGG nicht zu. Selbst wenn dies zulässig wäre, so
muss die Aussichtslosigkeit von Befangenheitsanträgen dezidiert begründet und auf die
Ablehnungsgründe eingegangen werden. Geschieht dies muss Grundlegens von der Verletzung
rechtlichen Gehörs und dem Willkürverbot ausgegangen werden, da solche Begründungen per se nicht
mehr verständlich sein und daher nur noch auf sachfremden Erwägungen beruhen können.

Mit Schreiben vom 17.02.2016 beantragte der Bf. die Befangenheit des zweiten Senates. Dies liegt der
Erwägung zu Grunde, dass alle Richter dieser rechtswidrigen Entscheidung zustimmen möchten.
Bereits auf S. 14 des Schriftsatzes vom 08.03.2016 zitiert der Bf. eine Presseartikel im dem Mitglieder
der damaligen Partei die Grünen zugegeben haben, dass das Wahlverfahren rechtswidrig ist. Ferner
wird der Sachvortrag zur Befangenheit weiter vertieft. Hier muss darauf hingewiesen werden, dass die
Entscheidung vom 03.03.2016 erst am 10.03.2016 dem Bf. zugestellt wurde. Der Bf. ging davon aus
noch Einfluss auf das Verfahren nehmen zu können. Daher wird der Schriftsatz vom 08.03.2016 noch
als Beweismittel angegeben. In Anbetracht der Umstände wie der Berichterstatter vorgegangen ist,
entsteht nicht nur der Eindruck, dass hier eine Ungültigkeit der Wahl, die Feststellung der
Verfassungswidrigkeit der Binnenorganisation der im Bundestag vertretenen Parteien, sowie die
Fortentwicklung des Rechts verhindert werden soll, sondern, dass auch mit einem hohen Maß an
Lustlosigkeit und Inkompetenz vorgegangen wird. Aufgrund der Dauer des Verfahrens und der Art der
Erledigung muss man sich die Frage stellen, welchen Zweck dann noch die Normen, des § 44 BWahlG,
§§ 1 Abs. 2, 5 bis 9 WahlPrG und §§ 23 Abs. 1 i.V.m. § 48 BVerfGG noch erfüllen sollen. Aus diesen
ergibt sich eindeutig eine Pflicht zur Amtsermittlung. Dieser kommen weder das BVerfG noch der
Bundestag nach. Denen geht es nur um eine einfache Erledigung des Verfahrens und nicht um eine
adäquate Sachaufklärung, Feststellung von Wahlfehlern und deren Folgen, sowie einer
Fortentwicklung des Wahlrechts.

Auch hier wird auf S. 418 ff. Des Schriftsatzes Anlage 1 und Nr. 1.3.12 verwiesen.

78
6.2.1.2 Opfereigenschaft

Der Begriff des Opfers wird autonom ausgelegt; er ist unabhängig von nationalen Bestimmungen wie
solchen bezüglich des Rechtsschutzinteresses oder der Prozessfähigkeit16. Er verlangt keinen Schaden17
und auch ein Handeln, das nur vorübergehende rechtliche Auswirkungen hat, kann ausreichen 18. Die
Auslegung des Begriffs „Opfer“ ist im Lichte der Bedingungen der heutigen Gesellschaft zu entwickeln
und ist ohne exzessiven Formalismus zu handhaben19. Der Gerichtshof hat entschieden, dass die Frage
der Opfereigenschaft auch in die Prüfung der Begründetheit einer Beschwerde 20 eingebunden sein
kann. Das in Frage stehende Handeln oder Unterlassen muss den Beschwerdeführer direkt betreffen 21.
Dieses Kriterium darf aber nicht in schematischer und unflexibler Weise gehandhabt werden 22 . In
einzelnen Fällen hat der Gerichtshof auch Beschwerden von „potentiellen“ Opfern angenommen, d.h.
von Personen die keine direkte Verletzung geltend machen konnten. 23.

Was die nationale Gesetzgebung betrifft: Einzelpersonen können auch dann, wenn kein Vollzugsakt
ergangen ist, geltend machen, dass ein Gesetz ihre Rechte verletzt, wenn bereits das Gesetz sie zu
einer Änderung ihres Verhaltens zwingt oder Strafverfolgung droht (Norris gegen Irland; Bowman
gegen Vereinigtes Königreich), oder wenn sie zu einer Gruppe gehören, bei der ein erhöhtes Risiko
besteht, dass sie direkt betroffen sein werden 24. Das gilt auch im Hinblick auf eine Verfassung eines
Staates25.

Der Gerichtshof kann eine Beschwerde von jemandem, der als indirektes Opfer anzusehen ist, dann
annehmen, wenn eine persönliche und spezifische Beziehung zwischen dem direkten Opfer und dem
Beschwerdeführer besteht. 26

6.2.1.3 Verweis auf Konventionen

Der Grundsatz der Rechtswegerschöpfung ist eine goldene Regel und nicht in Stein gemeißelt. Die
Kommission und der Gerichtshof haben oft die Notwendigkeit unterstrichen, angesichts des Kontextes
der Menschenrechte den Grundsatz mit einer gewissen Flexibilität und ohne übertriebenen
Formalismus zu27. Der Grundsatz ist weder absolut, noch kann er automatisch angewendet werden 28.
Zum Beispiel hat der Gerichtshof entschieden, dass es übertrieben formalistisch wäre, die
Beschwerdeführer auf einen Rechtsbehelf zu verweisen, auf den nicht einmal das höchste

16
Gorraiz Lizarraga und Andere gegen Spanien, § 35
17
Brumarescu gegen Rumänien [GK], § 50
18
Monnat gegen die Schweiz, § 33
19
Gorraiz Lizarraga und Andere gegen Spanien, § 38; Monnat gegen die Schweiz, §§ 30-33; Stukus und Andere gegen Polen, § 35; und Zietal
gegen Polen, §§ 54-59
20
Siliadin gegen Frankreich, § 63
21
Amuur gegen Frankreich, § 36
22
Karner gegen Österreich, § 25
23
Telefonüberwachung in Deutschland(Klass und Andere gegen Deutschland, § 34); im Hinblick auf einen Fall, der eine Auslieferung betraf,
s. Soering gegen Vereinigtes Königreich; für Maßnahmen, welche die Verbreitung von Informationen über Abtreibung an Frauen, die in
gebährfähigem Alter waren, beschränkten s. Open Door und Dublin Well Woman gegen Irland, § 44.
24
Burden gegen Vereinigtes Königreich [GK], § 34; Johnston und Andere gegen Irland
25
Sejdić und Finci gegen Bosnien und Herzegowina [GK], § 29
26
Zu Artikel 2 s. eine Beschwerde der Ehefrau des Opfers (McCann und Andere gegen Vereinigtes Königreich [GK]) und die eines Neffen
eines Verstorbenen (Yaşa gegen die Türkei. Zu Artikel 3 s. eine Beschwerde der Mutter eines Mannes, der während der Haft verschwand
(Kurt gegen die Türkei); der Bruder eines Mannes, der verschwunden war, wurde jedoch nicht als Opfer eingestuft (Çakıcı gegen die Türkei
[GK], §§ 98-99). Zu Artikel 5 Abs. 5 s. einen Fall betreffend den Ehemann einer Beschwerdeführerin, die in eine Psychiatrie eingewiesen
worden war (Houtman und Meeus gegen Belgien, § 30). Zu Artikel 6 Abs. 1 (faires Verfahren) s. Grădinar gegen Moldawien (Unparteilichkeit
der Gerichte); Brudnicka und Andere gegen Polen, §§ 26 ff.
27
LEITFADEN ZU DEN ZULÄSSIGKEITSVORAUSSETZUNGEN 16 © Europarat/Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, März 2011
handhaben (Ringeisen gegen Österreich, § 89; Lehtinen gegen Finnland (Entschdg.))
28
Kozacioglu gegen die Türkei [GK], § 40
79
innerstaatliche Gericht die Beschwerdeführer verwiesen hatte 29. Der Gerichtshof berücksichtigte in
einem weiteren Fall die knappen Fristen, die den Beschwerdeführern für eine Antwort gesetzt worden
waren, und betonte die „Eile“, mit der sie ihr Vorbringen übermitteln mussten 30. Allerdings ist es
insbesondere dann bedeutsam, auf nationaler Ebene Rechtsschutz im Wege der dortigen Verfahren
und im Einklang mit den nationalen Formerfordernissen zu suchen, wenn Erwägungen zur
Rechtsklarheit und Rechtssicherheit auf dem Spiel stehen 31.

6.2.2 Erschöpfung des Rechtswegs

Der Rechtsweg ist ausgeschöpft. Eine weitere Möglichkeit des Innerstaatlichen Rechtswegs besteht
nicht. Zu beachten ist jedoch, dass dann die Voraussetzungen des Artikel 35 erfüllt sind, wenn ein
Berufungsgericht eine Sachentscheidung trifft, obwohl es den Rechtsbehelf für unzulässig erachtet 32.
Dies gilt auch dann, wenn innerstaatliche Formvorschriften nicht beachtet wurden, die Beschwerde
aber dennoch in der Sache geprüft wurde 33. Gleiches gilt auch für sehr oberflächlich formulierte
Klagen, die kaum die rechtlichen Voraussetzungen erfüllen, wenn das Gericht, wenn auch nur kurz, zur
Sache Stellung nimmt34.

6.2.3 Verstöße gegen die EMRK

6.2.3.1 Art. 6 EMRK

6.2.3.1.1 Maßstäbe
6.2.3.1..1.2 Anwendungsbereich

Der EGMR hat die Anwendbarkeit von Art. 6 zwischen Privatpersonen bejaht.35
„c. Zur Frage, ob der vorgetragene Beschwerdegrund sich auf eine Streitigkeit
über zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen bezieht
94. Für die Anwendbarkeit von Art. 6 Abs. 1 auf eine Streitigkeit ist nicht erforderlich, wie auch die
Mehrheit der Kommission und die Regierung einräumen, dass beide Parteien des Rechtsstreites
Privatpersonen sind. Der Wortlaut von Art. 6 Abs. 1 geht sehr viel weiter; die französische Fassung
„contestations sur (des) droits et obligations de caractère civil“ erfasst jedes Verfahren, dessen Ausgang
für Rechte und Verpflichtungen privatrechtlicher Natur entscheidend ist. Der englische Text „the
determination of … civil rights and obligations“ bestätigt diese Auslegung. Es kommt nicht auf die Natur
des Gesetzes an, nach dem der fragliche Streit zu entscheiden ist (zivil-, handels-, verwaltungsrechtlich
usw.) und [auch nicht auf die Natur] der sachlich zuständigen Behörde (ordentliche Gerichtsbarkeit,
Verwaltungsbehörde usw.).“

29
D.H. und Andere gegen die Tschechische Republik [GK], §§ 116-118
30
Financial Times Ltd und Andere gegen Vereinigtes Königreich, §§ 43-44
31
Saghinadze und Andere gegen Georgien, § 83-84
32
Voggenreiter gegen Deutschland
33
(Vladimir Romanov gegen Russland, § 52)
34
Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) gegen die Schweiz (Nr. 2) [GK], §§ 43-45
35
Ringeisen gegen Österreich – Hauptsache Urteil vom 16. Juli 1971 (Kammer) Ausgefertigt in französischer und englischer Sprache, wobei
die französische Fassung maßgebend ist, veröffentlicht in Série A / Series A Nr. 13. Beschwerde Nr. 2614/65
80
EGMR36
„Der Gerichtshof erinnert daran, dass nach seiner ständigen Rechtsprechung Verfahren auch dann
unter den Geltungsbereich von Artikel 6 Abs. 1 der Konvention fallen, wenn sie vor einem
Verfassungsgericht geführt werden, sofern ihr Ergebnis für zivilrechtliche Ansprüche und
Verpflichtungen von Bedeutung ist (siehe Urteil in der Sache Süssmann ./. Deutschland vom
16. September 1996, Berichte über Urteile und Entscheidungen 1996-IV, S. 1171, Nr. 41, und die Urteile
Pammel und Probstmeier vom 1. Juli 1997, Berichte1997-IV, S. 1109, Nr. 53, bzw. S. 1135, Nr. 48).“

Die Anforderungen sind erfüllt, soweit der Beschwerdeführer seine Rechte als Parteimitglied
gegenüber seiner Partei geltend zu machen gedenkt. Das sind zum einen die Nichtigkeit der
satzungsmäßigen Bestimmungen und zum anderen die Anfechtung von Wahlen. Die Ansprüche
erstrecken sich aus der Rechtsbeziehung zwischen Mitglied und Partei. Damit hat das Verfahren gemäß
den Konventionen nach Art. 6 EMRK durchgeführt zu werden, was nachweislich nicht der Fall ist. Da
der EGMR hier nicht nach Verfahrensart oder Art des Rechtsbehelfs unterscheidet, kann der
Beschwerdeführer auch seine Ansprüche im Wahlprüfungsverfahren geltend machen.
Zur Konkretisierung des Gewährleistungsinhalts des Art. 6 EMRK lässt dieser sich in drei Bereiche
gliedern, nämlich Organisationsgarantien, das Recht auf Zugang zu einem Gericht und den Grundsatz
des fairen Verfahrens, der die Verfahrensgarantien im engeren Sinne beinhaltet. Die
Organisationsgarantie fordert, dass alle Verfahren im Anwendungsbereich des Art. 6 EMRK vor einem
unparteiischen, unabhängigen und auf Gesetz beruhenden Gericht entschieden werden müssen. Auch
der Begriff „Gericht“ ist dabei autonom zu interpretieren. Gerichte, iSd. Art. 6, sind zunächst alle
Gerichte der ordentlichen Gerichtsbarkeit der Mitgliedstaaten, sowie all jene Spruchkörper, die die
Kompetenz haben, aufgrund geregelter und mit entsprechenden Garantien ausgestatteter Verfahren,
nach rechtlichen Maßstäben, über den in Rede stehenden Anspruch bindend zu entscheiden. 37.
Jedenfalls muss das fragliche Organ richterliche Aufgaben nach innerstaatlicher Befugnisnorm
wahrnehmen38 und eine die Parteien bindende Entscheidung treffen können. Darüber hinaus muss das
Organ die relevanten Tatsachen selbst ermitteln und unter die einschlägigen Rechtsnormen
subsumieren. Die autonome Interpretation macht es dem EGMR dabei möglich, die Einrichtungen in
den Mitgliedstaaten unabhängig von Bezeichnungen und innerstaatlicher rechtlicher Einordnung nach
den Kriterien des Art. 6 EMRK zu betrachten und als entweder genügend oder eben als unzureichend
zu bewerten. Die Anforderungen der EMRK und die Beurteilung durch den EGMR sind an dieser Stelle
relativ eng, es kommt den Mitgliedstaaten hier praktisch kein Gestaltungs- oder Ermessensspielraum
zu. Das Recht auf Zugang zu einem solchen Gericht ist ein von Art. 6 I EMRK gewährleistetes subjektives
Recht des Einzelnen auf Entscheidung durch ein unabhängiges Gericht. Art. 6 I EMRK ist also nicht auf
anhängige Verfahren beschränkt, sondern sichert bereits den Zugang zu einem rechtsstaatlichen
Verfahren39. Dieses Recht muss nach Auffassung des EGMR wegen seiner besonderen Bedeutung in
einer demokratischen Gesellschaft nicht nur existieren, sondern auch effektiv verwirklicht und
gewährleistet sein.40 Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, ein Rechtsschutzsystem zu schaffen,
welches dem Einzelnen den Zugang zu einem Gericht tatsächlich möglich macht. Das Recht auf den
Zugang zu einem solchen Gericht kann begrenzt werden, die Einschränkungen müssen aber dem
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechen. Es kommen hier Zulässigkeitsvoraussetzungen von
Klagen und Rechtsmitteln, Verjährungsfristen oder Immunitätsregeln in Betracht, die das Recht auf
den Zugang ausschließen können, solange sie jeweils verhältnismäßig sind. Das Grundrecht auf Zugang
zu den Gerichten ist also nicht absolut, sondern unterliegt immanenten Schranken. So kann der Zugang

36
EGMR, 27.07.2000 - 33379/96
37
Campbell u. Fell ./.GB, 28.06.1984; EGMR, 6.4.2004, Rosza ./. Deutschland, Nr. 67950/01
38
EGMR, 27.6.1968, Neumeister ./. Deutschland, nr. 1936/63, Z. 24
39
std. Rspr. seit Golder ./. United Kingdom, E 18
40
Kommissionsbericht Zand ./. Österreich Dr. 15 Rn 69 „It is the object and purpese of the clause in Art. 6(1) requiring that the courts shall
be "established by law" that the judicial organization in a democratic society must not depend on the discretion of the Executive, butthat it
should be regulated by law emanating from Parliament. However, this does not mean that delegated legislation is as such unacceptable in
matters concerning the judicial organisation. Art. 5 (1) coes not require the legislature to regulate each and every detail in this field by formal
Act of Parliament, if the legislature establishes at least the organizational framewerk for the judicial organization.“
81
auch aus Praktikabilitätsgründen eingeschränkt werden, solange diese einem legitimen Ziel dienen,
verhältnismäßig sind und den Kern des Zugangsrechts nicht aushöhlen41. Der EGMR führt im
Zusammenhang mit dem Recht auf Zugang zu einem Recht als Teil des Rechts auf ein Gericht an, die
Garantie beziehe sich nur auf solche Rechte und Verpflichtungen, von denen vertretbar behauptet
werden kann, dass sie im Recht des betroffenen Konventionsstaates anerkannt sind 42.

6.2.3.1.1.3 Faires Verfahren

Art. 6 EMRK ist wesentliche Ausprägung dieses in der EMRK verankerten Rechtsstaatsprinzips. Das
Recht auf ein faires Verfahren, einen fair trial, gehört zu den fundamentalen Rechten des Menschen,
dem überwiegend sogar der Rang von ius cogens mit der Begründung zuerkannt wird, dass nur die
strikte Beachtung dieses Rechts sichert, dass der Mensch nicht zum bloßen Objekt staatlicher
Rechtsausübung degradiert wird. In jedem Fall ist es als essentieller Teil einer jeden rechtsstaatlichen
Anforderungen genügenden Rechtsordnung anzusehen.
Die Vorschrift des Art. 6 EMRK garantiert ein faires, zügiges und öffentliches Verfahren. Der Anspruch
auf ein faires Verfahren wird ergänzt durch das Gebot der Unparteilichkeit und Unabhängigkeit des
entscheidenden Gerichts, das auf einem Gesetz beruhen muss. Das in Abs. 1 garantierte Recht auf ein
faires Verfahren wird für das Strafverfahren durch die in Abs. 2 enthaltene Unschuldsvermutung und
die in Abs. 3 aufgezählten Mindest-Verfahrensgarantien weiter konkretisiert. Eine Maßnahme, die Abs.
2 oder 3 verletzt, kann daher zugleich auch Abs. 1 verletzen, während die Verneinung einer Verletzung
der in Abs. 2 und 3 gewährten Rechte die Annahme einer Verletzung von Abs. 1 nicht ausschließt.
Ferner ist zu betonen, dass die Aufzählung der Rechte in Abs. 3 nicht abschließend ist43. Letztlich ist zu
erwähnen, dass trotz des Umstandes, dass die nationalen Rechtsordnungen bezüglich der Rechte der
Verfahrensbeteiligten und Angeklagten häufig über Art. 6 hinausgehen, eine Verletzung dieser
Vorschrift bisher am häufigsten geltend gemacht und auch festgestellt wurde.
Die Frage nach dem Anwendungsbereich der Garantie muss bei Art. 6 EMRK besonders betrachtet
werden. Bereits die Begriffe des zivilrechtlichen Anspruchs und der zivilrechtlichen Klage sind in den
nationalen Rechtsordnungen sehr stark von der jeweiligen Terminologie und der jeweiligen
Organisation der Gerichtsbarkeiten geprägt. Um die Reichweite der Garantie nicht zur Disposition des
einzelstaatlichen Gesetzgebers zu stellen, muss hier eine autonome Interpretation der Begriffe
vorgenommen werden44. Insbesondere soll die Möglichkeit der Umgehung des Art. 6 EMRK
ausgeschlossen werden, indem die Interpretation nicht in die Hände der Mitgliedstaaten gelegt wird.
Im authentischen Wortlaut werden die Begriffe der „civil rights“ bzw. „droits et obligations de
caractère civil“ und der „determination of a criminal charge“ bzw. „ bien-fondé de toute accusation
pénale“ gebraucht.
Entgegen diesem Wortlaut, der daran denken ließe, dass Art. 6 EMRK sich nur auf zivil- und
strafrechtliche Verfahren bezieht, ist sein sachlicher Geltungsbereich durch die Spruchtätigkeit der
Straßburger Konventionsorgane schon bald auch auf Bereiche ausgedehnt worden, in denen in vielen

41
Omar ./.Frankreich, 29.07.1998 „34. The Court reiterates that the right to a court, of which the right of access is one aspect (see the Golder
v. the United Kingdom judgment of 21 February 1975, Series A no. 18, p. 18, § 36), is not absolute; it may be subject to limitations permitted
by implication, particularly regarding the conditions of admissibility of an appeal (see the Ashingdane v. the United Kingdom judgment of 28
May 1985, Series A no. 93, pp. 24–25, § 57). However, these limitations must not restrict exercise of the right in such a way or to such an
extent that the very essence of the right is impaired. They must pursue a legitimate aim and there must be a reasonable proportionality
between the means employed and the aim sought to be achieved (see the Fayed v. the United Kingdom judgment of 21 September 1994,
Series A no. 294-B, pp. 49–50, § 65; the Tolstoy Miloslavsky v. the United Kingdom judgment of 13 July 1995, Series A no. 316-B, pp. 78–79,
§ 59; the Bellet v. France judgment of 4 December 1995, Series A no. 333-B, p. 41, § 31; and the Levages Prestations Services v. France
judgment of 23 October 1996, Reports of Judgments and Decisions 1996-V, p. 1543, § 40).“; Müller gegen Deutschland Individualbeschwerde
Nr. 69584/01 „Der Gerichtshof weist erneut darauf hin, dass Artikel 6 Abs. 1 die Vertragsstaaten verpflichtet, ihre Justizsysteme so zu
organisieren, dass ihre Gerichte in der Lage sind, jede seiner Anforderungen zu erfüllen und auch der Verpflichtung nachzukommen,
innerhalb einer angemessenen Frist in der Sache zu verhandeln (s., u.v.a., Frydlender, a.a.O., Nr. 45; Gast und Popp ./. Deutschland,
Nr. 29357/95, Nr. 74, ECHR 2000-II). “
42
EGMR 13.1.2011, Kübler ./.Deutschland, Nr. 32715/06)
43
Artico ./. Italy, E 37
44
std.Rspr. seit König ./. Germany, E 27 und Deweer ./. Netherlands, E 35
82
nationalen Rechtsordnungen Verwaltungsgerichte bzw. Ausschüsse bei Verwaltungsbehörden
entscheiden. Nicht in den Schutzbereich des Art. 6 fallen z.B. Steuer und Zollverfahren, weil diese
immer noch Teil des ‚hard core of public authority prerogatives’ sind45. Die Entwicklung des Sozial-
und Verwaltungsstaats beeinflusst ferner zunehmend Inhalt und Umfang „ziviler“ Rechte des
Einzelnen, während Bemühungen um eine Dekriminalisierung zu einem wachsenden Bereich von
Verwaltungsstrafrecht führen. Grundsätzlich ist Art. 6 auf jede gerichtlich zu entscheidende Streitigkeit
anwendbar, die einen vermögenswerten Gegenstand hat. Ferner ist zu betonen, dass Zuweisungen
solcher Streitigkeiten an Verwaltungsgerichte durch nationale Rechtsordnungen (etwa im
Staatshaftungs-, Sozial- oder Steuerrecht) für die Einordnung unter Art. 6 unbeachtlich sind. Erfasst
werden auch Streitigkeiten auf öffentlich rechtliche Zulassung zu einem Beruf46, nicht jedoch Klagen in
Streitigkeiten, die Stelleninhaber des öffentlichen Dienstes betreffen, soweit diese als Wahrer der
öffentlichen Autorität dafür verantwortlich sind, die staatlichen oder andere öffentliche Interessen zu
schützen. Eine Ausnahme
bilden Verfahren, deren Gegenstand Versorgungsbezüge sind, da durch den Eintritt in den Ruhestand
die besondere Beziehung mit dem Staat beendet wird. 47. Die Staaten sind also im Ergebnis nicht
verpflichtet, eigenständige Verwaltungsgerichte zu schaffen, sondern nur für die Entscheidung über
Streitigkeiten, die Art. 6 unterfallen.

Bei der aus dem anglo-amerikanischen Rechtskreis entlehnten Gewährleistung eines fairen
Verfahrens, dessen Erfordernisse allerdings weder definiert noch konkretisiert sind 48, handelt es sich
um eine Ausprägung des Rechtsstaatsprinzips, wie es sich inzwischen in verschiedenen
Verfahrensgarantien niedergeschlagen hat.49 Für diese ist charakteristisch, dass sie den
Verfahrensbeteiligten sowohl ausreichende Mitwirkungsrechte sichern als sie auch vor einseitigen
Benachteiligungen schützen sollen, wobei der EGMR das Verfahren in seiner Gesamtheit auf seine
Fairness hin untersucht.50 Dazu gehört vor allem das Prinzip der „Waffengleichheit“, wobei den
Verfahrensbeteiligten bei der Vertretung ihrer möglicherweise gegenläufigen Interessen und
Prozessrollen gleichwertige wie gleichermaßen effektive Befugnisse gewährleistet sein sollen 51. Eine
weitere Ausprägung erfährt das Fairnessprinzip durch die gerichtliche Fürsorgepflicht, die zu
vielfältigen Hinweis-, Belehrungs- und Aussetzungspflichten seitens des Gerichts führt, um den
Prozessbeteiligten die tatsächliche Wahrnehmung ihrer Verfahrensrechte wie auch insgesamt die
Justizförmigkeit des Verfahrens zu sichern 52. Dazu wird auch die grundsätzliche Pflicht zur Begründung
und Bekanntgabe von Entscheidungen zu rechnen sein, um den Betroffenen eine Kontroll- und
Beschwerdemöglichkeit zu geben. Nicht zuletzt gehört zur Fairness des Verfahrens auch das
Folterverbot 53 sowie ganz allgemein das Missbrauchsverbot, wonach eine bewusste Umgehung von
Verfahrensvorschriften unzulässig ist.54
Randnummer 35 b) Auch bei der gebotenen Öffentlichkeit des Verfahrens handelt es sich um eine
grundlegende Ausprägung der Rechtsstaatlichkeit. Durch diese Verfahrensmaxime soll sowohl eine der

45
Ferrazzini ./. Italien, 12.07.2001
46
König ./. Germany, E 27
47
Pellegrin ./. Frankreich 08.12.1999
48
Die Maxime des fairen Verfahrens erfährt in den einzelnen, im Rahmen von Art. 48 Abs. 2 zu diskutierenden Verteidigungsrechten
spezifische Ausprägungen. Insofern verhält sich Art. 47 Abs. 2 zu Art. 48 Abs. 2 wie Art. 6 Abs. 1 EMRK zu Art. 6 Abs. 3 EMRK; vgl. zu
letzterem den EGMR im Fall Artico, 13.5.1980, Z. 32.
49
Grundlegend u.a. Spaniol, Recht auf Verteidigerbeistand, S . 199 ff.; zur Garantie eines fairen Verfahrens
vgl. Grabenwarter, EMRK, § 24 Rn. 60 ff., Villiger, EMRK, § 2 1 Rn. 4 70 ff. V gl. Zum Ganzen auch Eser, Ritsumeikan L.R. 2009, 1 79 f. sowie
B orraccetti, in: Di Federico, EU Charter,S. 100 ff.
50
Vgl. dazu noch Eser, unten Art. 4 8 Rn. 2 0 a .
51
Zu dieser insbesondere im Strafprozess bedeutsamen Waffengleichheit zwischen Anklage und Verteidigung vgl. u.a. Roxin/Schünemann,
Strafverfahrensrecht, § 11 Rn. 7. – Kritisch zum Begriff der Waffengleichheit Safferling, NStZ 2004, 181 ff.
52
Vgl. KK/Pfeiffer/Hannich, StPO, Einleitung Rn. 32, sowie eingehend Plötz, Fürsorgepflicht
53
Vgl. EGMR im Fall Gaefgen, 30.6.2008, Nr. 22978/05 = NStZ 2008, 699 (m. Anm. Esser NStZ 2008, 657), wobei jedoch grundsätzlich zwischen
dem Verbot der Erpressung von Aussagen zu bereits begangenen Taten und dem Erzwingen einer Rettung aus drohender Lebensgefahr zu
unterscheiden wäre; näher dazu Eser, in: FS für Hassemer, S. 713 ff., 722 f.
54
Zu weiteren Einzelheiten mit Nachweisen vgl. die Judikatur und Literatur zu dem im Wesentlichen inhaltsgleichen Art. 6 Abs. 1 EMRK bei
Peukert, in: Frowein/Peukert, EMRK, Art. 6 Rn. 112 ff.
83
öffentlichen Kontrolle entzogene Geheimjustiz unterbunden als auch das Vertrauen der Öffentlichkeit
in die Gerichte gestärkt werden55. Obgleich auch schon in Art. 6 Abs. 1 EMRK garantiert, bedürfen zwei
scheinbare Abweichungen davon der Klarstellung: Während zum einen Art. 47 Abs. 2 lediglich von der
Öffentlichkeit der Verhandlung spricht, muss nach Art. 6 Abs. 1 S. 2 EMRK auch das Urteil öffentlich
verkündet werden. Diese verkürzte Ausdrucksweise in Art. 47 Abs. 2 wird jedoch, wenn man den kaum
trennbaren Sinnzusammenhang zwischen Verhandlungs- und Urteilsöffentlichkeit aufrechterhalten
will, schwerlich als Zurückdrängung der Urteilsverkündung in die Nichtöffentlichkeit zu verstehen sein,
wird doch traditionell selbst da, wo die Verhandlungsöffentlichkeit eingeschränkt werden kann,
jedenfalls die öffentliche Verkündung der Entscheidung (wie z.B. in § 173 GVG) gefordert.56 Und soweit
zum anderen der nach Art. 6 Abs. 2 S. 2 Halbs. 2 EMRK zugelassene Ausschluss der Öffentlichkeit in
Art. 47 Abs. 2 nicht ausdrücklich erwähnt ist, sind die EMRK-Einschränkungen der Öffentlichkeit über
Art. 52 Abs. 3 auch im Rahmen der GRC möglich57.

Auch hier wird auf Anlage 1 S. 744 ff hingewiesen. Auf die Ausführungen in Nr. 2.9 und 2.10 wird Bezug
genommen.

3.2.3.1.1.4 Rechtliches Gehör

BverfG58 „Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist daher regelmäßig verletzt, wenn das Gericht einem
Verfahrensbeteiligten, bevor es eine für ihn ungünstige Entscheidung trifft, keine Gelegenheit gibt, zu
der im Verfahren abgegebenen Stellungnahme der Gegenseite Stellung zu nehmen (vgl. BVerfG,
Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 15. November 2010 - 2 BvR 1183/09 -, juris). Dies gilt
- auch wenn der Gehörsverstoß nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur
Aufhebung der ergangenen Entscheidung nur unter der Voraussetzung führt, dass sie auf dem Verstoß
beruht (vgl. BVerfGE 7, 239 <241>; 13, 132 <145>; 52, 131 <152 f.>; 89, 381 <392 f.>) - grundsätzlich
unabhängig davon, ob unter den gegebenen Umständen von der Möglichkeit auszugehen ist, dass eine
mögliche Gegenstellungnahme Einfluss auf das Entscheidungsergebnis gewinnt, oder nicht. Denn der
grundrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör dient nicht nur der Gewährleistung sachrichtiger
Entscheidungen, sondern auch der Wahrung der Subjektstellung der Beteiligten im gerichtlichen
Verfahren (vgl. BVerfGE 107, 395 <409> ; stRspr). Hierauf und auf die Rechtsprechung des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte - die für die Feststellung einer Verletzung des Rechts auf ein faires
Verfahren (Art. 6 Abs. 1 EMRK), das den Anspruch auf rechtliches Gehör einschließt, ausdrücklich der
Beruhensfrage keine entscheidende Bedeutung zumisst, sofern der Anspruch auf rechtliches Gehör in
seiner Funktion als Grundlage für das Vertrauen der Verfahrensbeteiligten in die Arbeit der Justiz
berührt ist (vgl. EGMR, Urteil vom 21. Februar 2002, Ziegler v. Switzerland - 33499/96 -, Rn. 38; Urteil
vom 19. Mai 2005, Steck-Risch et al. v. Liechtenstein - 63151/00 -, Rn. 57; vgl. auch EGMR, Urteil vom
3. Juli 2008, Vokoun c. République Tchèque - 20728/05 -, Rn. 25 ff., und EGMR, Urteil vom 18. Oktober
2007, Asnar c. France - 12316/04 -, Rn. 24 ff“

Zur Konkretisierung des Gewährleistungsinhalts des Art. 6 EMRK lässt dieser sich in drei
Bereiche gliedern, nämlich Organisationsgarantien, das Recht auf Zugang zu einem Gericht
und den Grundsatz des fairen Verfahrens, der die Verfahrensgarantien im engeren Sinne
beinhaltet. Die Organisationsgarantie fordert, dass alle Verfahren im Anwendungsbereich des
Art. 6 EMRK vor einem unparteiischen, unabhängigen und auf Gesetz beruhenden Gericht
entschieden werden müssen. Auch der Begriff „Gericht“ ist dabei autonom zu interpretieren.

55
Näher dazu Villiger, EMRK, § 20
56
Zustimmend Frenz, Handbuch Europarecht 4, Rn. 5047, im gleichen Sinne Callies/Ruffert/Blanke, EUV/EGV, Art. 47 GRCh Rn. 16,
während für Jarass, EU-Grundrechte, § 40 Rn. 40 die Veröffentlichung der Entscheidung genügen soll.
57
So im Sinne möglichst knapper Formulierungen auch die Erläuterungen des Konventspräsidiums in Charte 4149/00 und 4284/00, jeweils
zu Art. 8. Zu weiteren Einzelheiten vgl. Peukert, in: Frowein/Peukert, EMRK, Art. 6 Rn. 187 ff.
58
Beschluss vom 06. Juni 2011 - 2 BvR 2076/08
84
Gerichte, iSd. Art. 6, sind zunächst alle Gerichte der ordentlichen Gerichtsbarkeit der
Mitgliedstaaten, sowie all jene Spruchkörper, die die Kompetenz haben, aufgrund geregelter
und mit entsprechenden Garantien ausgestatteter Verfahren, nach rechtlichen Maßstäben,
über den in Rede stehenden Anspruch bindend zu entscheiden.59 Jedenfalls muss das fragliche
Organ richterliche Aufgaben nach innerstaatlicher Befugnisnorm wahrnehmen und eine die
Parteien bindende Entscheidung treffen können.60 Darüber hinaus muss das Organ die
relevanten Tatsachen selbst ermitteln und unter die einschlägigen Rechtsnormen
subsumieren. Die autonome Interpretation macht es dem EGMR dabei möglich, die
Einrichtungen in den Mitgliedstaaten unabhängig von Bezeichnungen und innerstaatlicher
rechtlicher Einordnung nach den Kriterien des Art. 6 EMRK zu betrachten und als entweder
genügend oder eben als unzureichend zu bewerten. Die Anforderungen der EMRK und die
Beurteilung durch den EGMR sind an dieser Stelle relativ eng, es kommt den Mitgliedstaaten
hier praktisch kein Gestaltungs- oder Ermessensspielraum zu. Das Recht auf Zugang zu einem
solchen Gericht ist ein von Art. 6 I EMRK gewährleistetes subjektives Recht des Einzelnen auf
Entscheidung durch ein unabhängiges Gericht. Art. 6 I EMRK ist also nicht auf anhängige
Verfahren beschränkt, sondern sichert bereits den Zugang zu einem rechtsstaatlichen
Verfahren61. Dieses Recht muss nach Auffassung des EGMR wegen seiner besonderen
Bedeutung in einer demokratischen Gesellschaft nicht nur existieren, sondern auch effektiv
verwirklicht und gewährleistet sein. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, ein
Rechtsschutzsystem zu schaffen, welches dem Einzelnen den Zugang zu einem Gericht
tatsächlich möglich macht. Der EGMR führt im Zusammenhang mit dem Recht auf Zugang zu
einem Recht als Teil des Rechts auf ein Gericht an, die Garantie beziehe sich nur auf solche
Rechte und Verpflichtungen, von denen vertretbar behauptet werden kann, dass sie im Recht
des betroffenen Konventionsstaates anerkannt sind Den Kern der Verfahrensgarantien bildet
aber der Grundsatz des fairen Verfahrens. In zahlreichen Einzelgarantien.62 soll die
Gesamtaussage zum Ausdruck kommen, dass jedem Einzelnen die Möglichkeit gewährt
werden muss, unter wesentlich gleichartigen Bedingungen seinen Prozessstandpunkt effektiv
vertreten zu können. Inbegriffen sind hier der Grundsatz der Waffengleichheit, das Recht auf
Akteneinsicht, der Anspruch auf rechtliches Gehör sowie das Recht auf Begründung von
Entscheidungen.

Zum Sachvortrag hierzu wird auf Anlage 1 (S. 122 ) und Nr. 2.3.2.5 eingegangen.

6.2.3.1.1.5 Bindung an das Gesetz

Der Beschwerdeführer muss sich hierbei auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts
beziehen.

BVerfGE63 „

3. a) Nicht nur die Rechtsnormen selbst, sondern auch ihre Anwendung und Auslegung durch
die Gerichte setzen der allgemeinen Handlungsfreiheit Grenzen. Die Anwendung
freiheitsbeschränkender Gesetze durch die Gerichte steht ihrerseits nur solange mit Art. 2 Abs.

59
Campbell u. Fell ./.GB, 28.06.1984; EGMR, 6.4.2004, Rosza ./. Österreich, Nr. 67950/01
60
EGMR, 27.6.1968, Neumeister ./. Österreich, nr. 1936/63, Z. 24
61
std. Rspr. seit Golder ./. United Kingdom, E 18
62
EGMR 13.1.2011, Kübler ./.Deutschland, Nr. 32715/06)
63
BVerfGE 128, 193, RN 50-54
85
1 GG in Verbindung mit dem Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 3 GG) in Einklang, wie sie sich
in den Grenzen vertretbarer Auslegung und zulässiger richterlicher Rechtsfortbildung bewegt.
Die Auslegung des einfachen Rechts, die Wahl der hierbei anzuwendenden Methoden sowie
seine Anwendung auf den Einzelfall sind Sache der dafür zuständigen Fachgerichte und vom
Bundesverfassungsgericht nicht auf ihre Richtigkeit zu untersuchen. Nur wenn die Gerichte
hierbei Verfassungsrecht verletzen, kann das Bundesverfassungsgericht auf eine
Verfassungsbeschwerde hin eingreifen. Das ist nicht schon dann der Fall, wenn eine
Entscheidung am einfachen Recht gemessen objektiv fehlerhaft ist (vgl. BVerfGE 1, 418 [420];
18, 85 [92 f.]; 113, 88 [103]). Setzt sich die Auslegung jedoch in krassen Widerspruch zu den
zur Anwendung gebrachten Normen und werden damit ohne entsprechende Grundlage im
geltenden Recht Ansprüche begründet oder Rechtspositionen verkürzt, die der Gesetzgeber
unter Konkretisierung allgemeiner verfassungsrechtlicher Prinzipien gewährt hat, so
beanspruchen die Gerichte Befugnisse, die von der Verfassung dem Gesetzgeber übertragen
sind (vgl. BVerfGE 49, 304 [320]; 69, 315 [372]; 71, 354 [362 f.]; 113, 88 [103]).
b) Art. 20 Abs. 2 GG verleiht dem Grundsatz der Gewaltenteilung Ausdruck. Auch wenn dieses
Prinzip im Grundgesetz nicht im Sinne einer strikten Trennung der Funktionen und einer
Monopolisierung jeder einzelnen bei einem bestimmten Organ ausgestaltet worden ist (vgl.
BVerfGE 9, 268 [279 f.]; 96, 375 [394];BVerfGE 128, 193 (209) BVerfGE 128, 193 (210)109, 190
[252]), schließt es doch aus, dass die Gerichte Befugnisse beanspruchen, die von der
Verfassung dem Gesetzgeber übertragen worden sind, indem sie sich aus der Rolle des
Normanwenders in die einer normsetzenden Instanz begeben und damit der Bindung an Recht
und Gesetz entziehen (vgl. BVerfGE 96, 375 [394]; 109, 190 [252]; 113, 88 [103 f.]). Richterliche
Rechtsfortbildung darf nicht dazu führen, dass der Richter seine eigene materielle
Gerechtigkeitsvorstellung an die Stelle derjenigen des Gesetzgebers setzt (vgl. BVerfGE 82, 6
[12]; BVerfGK 8, 10 [14]).
Diese Verfassungsgrundsätze verbieten es dem Richter allerdings nicht, das Recht
fortzuentwickeln. Angesichts des beschleunigten Wandels der gesellschaftlichen Verhältnisse
und der begrenzten Reaktionsmöglichkeiten des Gesetzgebers sowie der offenen Formulierung
zahlreicher Normen gehört die Anpassung des geltenden Rechts an veränderte Verhältnisse zu
den Aufgaben der Dritten Gewalt (vgl. BVerfGE 49, 304 [318]; 82, 6 [12]; 96, 375 [394]; 122,
248 [267]). Der Aufgabe und Befugnis zur "schöpferischen Rechtsfindung und
Rechtsfortbildung" sind mit Rücksicht auf den aus Gründen der Rechtsstaatlichkeit
unverzichtbaren Grundsatz der Gesetzesbindung der Rechtsprechung jedoch Grenzen gesetzt
(vgl. BVerfGE 34, 269 [288]; 49, 304 [318]; 57, 220 [248]; 74, 129 [152]). Der Richter darf sich
nicht dem vom Gesetzgeber festgelegten Sinn und Zweck des Gesetzes entziehen. Er muss die
gesetzgeberische Grundentscheidung respektieren und den Willen des Gesetzgebers unter
gewandelten Bedingungen möglichst zuverlässig zur Geltung bringen. Er hat hierbei den
anerkannten Methoden der Gesetzesauslegung zu folgen (vgl. BVerfGE 84, 212 [226]; 96, 375
[395]). Eine Interpretation, die als richterliche Rechtsfortbildung den klaren Wortlaut des
Gesetzes hintanstellt, keinen Widerhall im Gesetz findet und vom Gesetzgeber nicht
ausdrücklich oder -- bei Vorliegen einer erkennbar planwidrigen Gesetzeslücke --
stillschweigend gebilligt wird, greift unzulässig in die Kompetenzen des demokratisch
legitimierten Gesetzgebers ein (vgl. BVerfGE 118, 212 [243]).
Da die Rechtsfortbildung das einfache Recht betrifft, obliegt die Beantwortung der Frage, ob und in
welchem Umfang gewanBVerfGE 128, 193 (210)BVerfGE 128, 193 (211)delte Verhältnisse
neue rechtliche Antworten erfordern, wiederum den Fachgerichten. Das
Bundesverfassungsgericht darf deren Würdigung daher grundsätzlich nicht durch seine eigene
ersetzen (vgl. BVerfGE 82, 6 [13]). Seine Kontrolle beschränkt sich darauf, ob die
86
rechtsfortbildende Auslegung durch die Fachgerichte die gesetzgeberische Grundentscheidung
und dessen Ziele respektiert (vgl. BVerfGE 78, 20 [24]; 111, 54 [82]) und ob sie den anerkannten
Methoden der Gesetzesauslegung folgt (vgl. BVerfGE 96, 375 [395]; 113, 88 [104]; 122, 248
[258]).“

BVerfG64 „Die Auslegung des einfachen Gesetzesrechts einschließlich der Wahl der hierbei
anzuwendenden Methoden ist Sache der Fachgerichte und vom Bundesverfassungsgericht
grundsätzlich nicht auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Bedient sich das Fachgericht dabei
herkömmlicher Auslegungsmethoden, bestehen dagegen keine verfassungsrechtlichen Bedenken (vgl.
BVerfGE 11, 126 <130>; 82, 6 <11>). Verfassungsrechtliche Schranken ergeben sich allerdings aus dem
in Art. 20 Abs. 3 GG angeordneten Vorrang des Gesetzes. Hat der Gesetzgeber eine eindeutige
Entscheidung getroffen, darf der Richter diese nicht aufgrund eigener rechtspolitischer Vorstellungen
verändern und durch eine judikative Lösung ersetzen, die so im Parlament nicht erreichbar war (vgl.
BVerfGE 82, 6 <11 f.> ).“

Auch hierzu hat der Bf. und 2.7.7.1 umfassend Stellung genommen .

6.2.3.1.1.6 Besetzung der Richter


6.2.3.1.1.6.1 Gesetzlicher Richter

BverfG65 „aa) Mit der Garantie des gesetzlichen Richters will Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG der
Gefahr vorbeugen, dass die Justiz durch eine Manipulation der rechtsprechenden Organe
sachfremden Einflüssen ausgesetzt wird. Es soll vermieden werden, dass durch eine auf den
Einzelfall bezogene Auswahl der zur Entscheidung berufenen Richter das Ergebnis der
Entscheidung beeinflusst werden kann, gleichgültig, von welcher Seite eine solche
Manipulation ausgeht (vgl. BVerfGE 17, 294 <299>; 48, 246 <254>; 82, 286 <296>; 95, 322
<327> ). Damit soll die Unabhängigkeit der Rechtsprechung gewahrt und das Vertrauen der
Rechtssuchenden und der Öffentlichkeit in die Unparteilichkeit und Sachlichkeit der Gerichte
gesichert werden (vgl. BVerfGE 4, 412 <416, 418>; 95, 322 <327>). Dieses Vertrauen nähme
Schaden, müsste der rechtssuchende Bürger befürchten, sich einem Richter
gegenüberzusehen, der mit Blick auf seinen Fall und seine Person bestellt worden ist. Aus
diesem Zweck heraus ergibt sich, dass von Verfassungs wegen allgemeine Regelungen darüber
bestehen müssen, welches Gericht, welcher Spruchkörper und welcher Richter zur
Entscheidung des Einzelfalls berufen sind (BVerfGE 2, 307 <319 f.>; 19, 52 <60>; 21, 139 <145>;
95, 322 <327 f.> ).
bb) Darüber hinaus hat Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG nach der ständigen Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts auch einen materiellen Gewährleistungsgehalt, der dem
rechtssuchenden Bürger im Einzelfall garantiert, vor einem unabhängigen und unparteilichen
Richter zu stehen, der die Gewähr für Neutralität und Distanz gegenüber den
Verfahrensbeteiligten bietet (BVerfGE 4, 412 <416>; 21, 139 <145 f.>; 23, 321 <325>; 82, 286
<298>; 89, 28 <36> ). Die sachliche Unabhängigkeit der Richter wird durch die in Art. 97 Abs. 1
GG ausgesprochene Weisungsfreiheit verfassungsrechtlich garantiert (dazu BVerfGE 3, 213
<224>; 14, 56 <69>; 26, 186 <198>; 27, 312 <322>; 31, 137 <140>; 36, 174 <185> ) und mit der
in Art. 97 Abs. 2 Satz 1 GG gewährleisteten persönlichen Unabhängigkeit durch prinzipielle

64
Beschluss vom 05. April 2006 - 1 BvR 2780/04
65
Beschluss vom 23. Mai 2012 - 2 BvR 610/12
87
Unabsetzbarkeit und Unversetzbarkeit abgesichert (BVerfGE 4, 331 <346>; 14, 56 <69 f.>; 14,
156 <162>; 17, 252 <259>; 87, 68 <85>).“

Und genau das ist hier nicht gegeben. Die Besetzung der Richter ist weder unabhängig noch
gewährleisten diese die Neutralität gegenüber den Prozessbeteiligten.

Im Bereich der der Justiz lässt folgende darstellen:

1. Die Justiz entspricht sowohl in Ihrer staatsorganisatorischen Ausgestaltung als auch in


ihrer Funktionalität nicht den internationalen Standards.

2. Diese ist weder Unabhängig noch unparteiisch.

3. Nach Art. 1 GG i.V.m. Art. 8 und 10 AEMR und Art. 47 GrCh besteht uneingeschränktes
Recht auf öffentliche und mündliche Verhandlung bei der Verfassungsgerichten.

4. Der Justizminister ist für die Auswahl und Ernennung der Staatsanwälte zuständig.

5. Die Staatsanwälte sind den Weisungen des Justizministers unterworfen.

6. Der Justizminister ist für die Auswahl und Ernennung der Richter und der Gerichtsleiter in
der ordentlichen Gerichtsbarkeit zuständig.

7. Der Justizminister bestimmt die Art und Weise der periodischen Überwachung der Richter
und Staatsanwälte in Geschäftsprüfungen.

8. Der Justizminister bestimmt Art und Weise der Beurteilung von Richtern und
Staatsanwälten in Dienstzeugnissen.

9. Der Justizminister entscheidet über die Beförderungen der Richter und Staatsanwälte.

10. Die Gerichtsleiter (Präsidenten und Direktoren) sind als Beamte den Weisungen des
Justizministers unterworfen.

11. Entsprechendes gilt für die Arbeitsgerichtsbarkeit, die Sozialgerichtsbarkeit und


Verwaltungsgerichtsbarkeit, die der Dienstaufsicht des jeweiligen Fachministers unterstehen.

12. Der Innenminister ernennt die Verwaltungsrichter aus den Reihen seiner
Verwaltungsbeamten.

13. Eine Mitwirkung oder Kontrolle von anderer Seite (z.B. durch einen Landesjustizrat oder
Richterwahlausschuss) ist bei alledem nicht vorgesehen.

14. Es existiert keine wirksame Kontrolle wonach Richter und Staatsanwälte ernsthaft für
Verfehlungen im Amt mit straf- und dienstrechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben.

15. Viele Richter und Staatsanwälte sind Mitglied einer Partei und Gehören Organen der
gesetzgebenden und vollziehenden Gewalt an, was mit einer unparteiischen Amtsführung
unvereinbar ist. Selbiges gilt auch für Nebentätigkeiten.

88
Doch das ist noch nicht alles. Aufgrund der o.g. Zustände in der Deutschen Justiz wird hinter den
Kulissen auch das Demokratieprinzip beseitigt.

1. Während die "Formstrenge" bei Wahlen nur für die Splitterparteien gilt, gilt diese für die
"etablierten" nicht. Diese können mit einer Hemmungslosigkeit sondergleichen das Wahlrecht
brechen und die Rechte der Parteimitglieder mit Füßen treten.

2. Die Mitglieder der Wahlorgane sind weder unabhängig noch unparteiisch, weil sie entweder
Mitglied in den "etablierten" Parteien sind oder zumindest mittelbar unter ihrer "Knute" stehen.

3. Es ist nicht mehr möglich wirksam Wahlen anzufechten, weil aus den o.g. Gründen auch
Wahlprüfungen neben Verfassungsbeschwerden zu reinen Rechtsmittelverfahren verkommen, die
nur noch zum bloßen Selbstzweck durchlaufen werden.

Dies liegt in den Konstruktionsfehlern im GG. Dies leitet sich aus folgenden Fragen ab:

Wer kontrolliert die Justiz? Wer kontrolliert die Verwaltung? Wer kontrolliert die Medien, die
Geheimdienste und sonstige "juristische" Personen, die sich in öffentlich rechtlicher Trägerschaft
befinden?

Zum Sachvortrag hierzu wird hier auf Nr. 1.3.2 bis 1.3.16,2.7, 2.9 und 2.10 verwiesen.

6.2.3.1.1.6.2 Unabhängigkeit und Unparteilichkeit des Richters

Art. 6 Abs. 1 verlangt, dass das zu entscheidende Gericht von den staatlichen Behörden und von den
Parteien eines Streitfalles unabhängig ist. Die Unabhängigkeit des Gerichts ist gewährleistet, wenn der
Richter fähig ist, seine Entscheidungen allein nach dem Recht und einem freien Gewissen zu treffen 66.
Im Verhältnis zu den anderen Gewalten und im inneren Verhältnis der Gerichtsmitglieder zueinander
wird zwischen der äußeren und inneren Unabhängigkeit unterschieden. Die Unabhängigkeit nach
außen bedeutet, dass das Gericht als Ganzes sowie jedes einzelne Mitglied gegen fremde Einflüsse
geschützt ist. Die Unabhängigkeit nach innen ist dann gegeben, wenn die Gerichtsmitglieder im
Verhältnis zueinander unabhängig sind67. Dies betrifft in erster Linie dienstrechtliche Bindungen der
Mitglieder zueinander, vor allem das Bestehen hierarchischer Verhältnisse sowie das Verhältnis
zwischen den Berufs- und Laienrichtern68. Die Unabhängigkeit bezieht sich sowohl auf die Organisation
als auch auf die Arbeitsweise des Entscheidungsorgans. Ferner wird zwischen struktureller und
funktioneller Unabhängigkeit unterschieden69. Die strukturelle Unabhängigkeit eines Gerichts i. S. d.
Art. 6 Abs. 1 umfasst Regelungen bezüglich seiner Zusammensetzung, Bestellung, Abberufung und der
Amtsdauer seiner Mitglieder 70. Bei der Besetzung des Gerichts mit Angehörigen der Verwaltung,
während eine der beteiligten Parteien ebenfalls der Exekutive angehört, müssen Zusammenhänge des
Einzelfalls näher geprüft werden. Die Konventionsorgane haben grundsätzlich festgestellt, dass die
dienstliche Hierarchie die Unabhängigkeit nicht gefährdet, solange eine freie Rechtsausübung des
Richters nicht beeinträchtigt wird 71.

66
Matscher, Der Gerichtsbegriff der EMRK, in: Prütting, H. (Hg.), Festschrift für G. Baumgärtel zum 70. Geburtstag, Köln 1990, 363-380 (Fn.
4), 369.
67
Vgl. Grabenwarter, Europäische Menschenrechtskonvention, 2. Aufl. 2005, § 24, Rn. 32.
68
Vgl. Matscher (Fn. 4), 371.
69
Matscher (Fn. 4), 371.
70
Miehsler/Vogler (Fn. 5), Art. 6, Rn. 296.
71
EKMR, E. 8209/78 (Sutter), DR 16, 166 (174).
89
Für die Unabhängigkeit eines Gerichts sind folgende Kriterien entscheidend: Art und Weise der
Ernennung und Dauer der Amtszeit, Garantien gegen äußere Beeinflussungen und äußeres
Erscheinungsbild72. Hinsichtlich der Unparteilichkeit wird zwischen subjektiver und objektiver
Unparteilichkeit unterschieden: Subjektive Unparteilichkeit wird angenommen bis zum Beweis des
Gegenteils73; hinsichtlich objektiver Unparteilichkeit ist entscheidend, ob die Befürchtung des
Betroffenen, ein Richter sei parteilich, objektiv gerechtfertigt erscheint, was vor allem dann der Fall
sein kann, wenn ein Richter in mehreren Verfahrensstadien mitwirkt 74 oder ein einzelner convening
officer eine zentrale Rolle bei der Organisation (inkl. Auswahl von Anklägern und Richtern) des
gesamten (Kriegsgerichts-)Verfahrens einnimmt75 . Ebenso sind familiäre Beziehungen zwischen dem
erkennenden Richter und einer an den polizeilichen Ermittlungen gegen den Angeklagten maßgeblich
beteiligten Person oder dem Vertreter der gegnerischen Partei geeignet, die Unparteilichkeit des
Gerichts objektiv in Zweifel zu ziehen 76. Versuchen Politiker oder Organe der Exekutive Einfluss auf
das Verfahren zu nehmen, so stellt das einen Verstoß gegen die Unabhängigkeit dar. 77 Der EGMR

72
justice must not only be done, it must also be seen to be done) (Campbell and Fell ./. United Kingdom, E 80 „Bei der Entscheidung, ob ein
Organ als „unabhängig“ angesehen werden kann – insbesondere im Hinblick auf die Exekutive und die jeweiligen Parteien (vgl. u.a. Le
Compte, Van Leuven und De Meyere, Urteil vom 23. Juni 1981, Sé- rie A Nr. 43, S. 24, Ziff. 55, EGMR-E 1, 544) –‚ hat der Gerichtshof auf die
Art der Bestellung seiner Mitglieder und deren Amtsdauer (Série A Nr. 43, S. 24-25, Ziff. 57, EGMR-E 1, 544), auf das Vorliegen von Garantien
gegen Einflussnahme von außen (vgl. Piersack, Urteil vom 1. Oktober 1982, Série A Nr. 53, S. 13, Ziff. 27, EGMR-E 2, 174) und auf die Frage
Bedacht genommen, ob das Organ ein Erscheinungsbild der Unabhängigkeit bietet (vgl. Delcourt, Urteil vom 17. Januar 1970, Série A Nr. 11,
S. 17, Ziff. 31, EGMR-E 1, 103). Diese Gesichtspunkte, auf die man sich im vorliegenden Fall als Anhaltspunkte für die fehlende
„Unabhängigkeit“ des Überwachungsausschusses gestützt hat, werden der Reihe nach erwogen.“;
EGMR Langborger gegen Schweden 11179/84 „32. Bei der Beurteilung, ob ein Organ als „unabhängig“ bezeichnet werden kann, ist u.a. die
Art der Bestellung seiner Mitglieder und deren Amtsdauer, der Schutz vor Druck von außen und die Frage, ob das Organ ein Erscheinungsbild
der Unabhängigkeit bietet von Bedeutung (vgl. Campbell und Fell, Urteil vom 28. Juni 1984, Série A Nr. 80, S. 39-40, Ziff. 78, EGMR-E 2, 423).
Mit Bezug auf die Unparteilichkeit ist zwischen dem subjektiven Ansatz zu unterscheiden, der herauszufinden versucht, welche innerste
Überzeugung ein bestimmter Richter in einem bestimmten Fall hatte, und einem objektiven Ansatz, der untersucht, ob dieser Richter
hinreichende Gewähr bot, um jeden berechtigten Zweifel an seiner Unparteilichkeit auszuschließen (vgl. u.a. De Cubber, Urteil vom 26.
Oktober 1984, Série A Nr. 86, S. 13-14, Ziff. 24, EGMR-E 2, 498). Im vorliegenden Fall ist es schwierig, die Frage der Unparteilichkeit von der
der Unabhängigkeit zu trennen“
73
std. Rspr. seit Le Compte ./. Belgium, E 43
74
z.B. Piersack ./. Belgium, E 53
75
std. Rspr. seit Findlay ./. UK, Reports 1997-1, 263ff., Ziff. 73ff.
76
Dorozhko u.s../.EST, 24.4.2008; Micallef./.MLT, 15.1.2008
77
SOVTRANSAVTO HOLDING ./. UKRAINE, 48553/99 „94. The Court refers to the three rules contained in Article 1 of Protocol No. 1 (see
paragraph 90 above). It observes that in the instant case there was no direct deprivation by the domestic authorities of the applicant
company's possessions and no interference comparable to such a deprivation.
95. The Court notes that the applicant company's complaint is that the State failed to comply with its obligation to exercise effective control
in accordance with the law over Sovtransavto-Lugansk's activity, thus allowing unlawful resolutions to be adopted for increases in
Sovtransavto-Lugansk's share capital and alterations to its memorandum and articles of association and subsequently its winding-up.
The Court notes that its jurisdiction to verify compliance with the domestic law is limited (see Håkansson and Sturesson v. Sweden, judgment
of 21 February 1990, Series A no. 171-A, p. 16, § 47) and that it is not its task to take the place of the domestic courts. It is primarily for the
national authorities, notably the courts, to resolve problems of interpretation of domestic legislation (see Waite and Kennedy v. Germany
[GC], no. 26083/94, § 54, ECHR 1999-I).
Nevertheless, the Court must examine whether the decisions of the domestic courts and tribunals in the instant case were compatible with
the applicant company's right to the peaceful enjoyment of its possessions.
96. The Court reiterates that by virtue of Article 1 of the Convention each Contracting Party “shall secure to everyone within [its] jurisdiction
the rights and freedoms defined in ... [the] Convention”. The obligation to secure the effective exercise of the rights defined in that instrument
may result in positive obligations for the State (see, among other authorities, X and Y v. Netherlands, judgment of 26 March 1985, Series A
no. 91, p. 11, §§ 22-23). In such circumstances, the State cannot simply remain passive and “there is ... no room to distinguish between acts
and omissions” (see, mutatis mutandis, Airey v. Ireland, judgment of 9 October 1979, Series A no. 32, p. 14, § 25).
As regards the right guaranteed by Article 1 of Protocol No. 1, those positive obligations may entail certain measures necessary to protect
the right of property (see, among other authorities and mutatis mutandis, López Ostra v. Spain, judgment of 9 December 1994, Series A no.
303-C, p. 55, § 55), even in cases involving litigation between individuals or companies. This means, in particular, that the States are under
an obligation to afford judicial procedures that offer the necessary procedural guarantees and therefore enable the domestic courts and
tribunals to adjudicate effectively and fairly any disputes between private persons.
97. In the present case it is clear that the Court is not entitled to call into question the decisions reached by the Ukrainian courts and tribunals.
Its role is instead to verify whether the consequences of their interpretation and application of the domestic law were compatible with the
principles laid down in the Convention. In that regard, the Court can but point to the serious procedural shortcomings it noted above when
examining the complaint under Article 6 § 1 of the Convention (see paragraphs 71-82 above). The Court considers that the unfair manner in
which the proceedings in issue were conducted had a direct impact on the applicant company's right to the peaceful enjoyment of its
possessions, as it is indisputable that the refusal by the tribunals of fact to comply with the directions of the Supreme Arbitration Tribunal,
coupled with the considerable differences of approach to the application and interpretation of the domestic law between the various levels
of jurisdiction, made the repeated reopening of the proceedings in issue possible, thus creating permanent uncertainty about the lawfulness
of the decisions of Sovtransavto-Lugansk and the Lugansk Executive Council. The interventions of the State executive branch in the judicial
90
untersucht auch die objektive und subjektive des Betroffenen Richters unter tatsächlichen
verfahrensrechtlichen Umständen. 78 Art. 6 Abs. 1 EMRK fordert die Unabhängigkeit und die
Unparteilichkeit eines Gerichts.
Die Unabhängigkeit des Gerichts muss sowohl im Verhältnis zur Exekutive und Legislative als auch im
Verhältnis zu den Parteien sichergestellt sein.79 Die Unabhängigkeit des Gerichts wird zudem
maßgeblich durch die persönliche Unabhängigkeit der Richter sichergestellt. Gemessen wird deren
Unabhängigkeit regelmäßig an der Art der Ernennung, der Amtsdauer, bestehenden
Schutzmechanismen gegen äußere Einflussnahme und am generellen Erscheinungsbild.80 Die

process considerably added to that uncertainty. Lastly, the manner in which the litigation ended (see paragraph 81 above) does not appear
to have been consistent with the State's obligation to deal with the applicant company's situation in as coherent a manner as possible (see
Beyeler, cited above, § 120). Consequently, the applicant company had to cope with that uncertainty during the period in which its initial
shareholding was reduced, with the consequent changes to its ability to manage Sovtransavto-Lugansk and to control its assets that that
entailed (ibid., § 110). 98. Having regard to the foregoing, the Court finds that the manner in which the proceedings were conducted and
ended, and the uncertainty in which the applicant company was left, upset the “fair balance” that has to be struck between the demands of
the public interest and the need to protect the applicant company's right to the peaceful enjoyment of its possessions. Consequently, the
State failed to comply with its obligation to secure to the applicant company the effective enjoyment of its right of property, as guaranteed
by Article 1 of Protocol No. 1.There has accordingly been a violation of that provision.“
78
KYPRIANOU ./.. CYPRUS 73797/01„118. The Court reiterates at the outset that it is of fundamental importance in a democratic society
that the courts inspire confidence in the public and above all, as far as criminal proceedings are concerned, in the accused (see Padovani v.
Italy, judgment of 26 February 1993, Series A no. 257-B, p. 20, § 27). To that end Article 6 requires a tribunal falling within its scope to be
impartial. Impartiality normally denotes the absence of prejudice or bias and its existence or otherwise can be tested in various ways. The
Court has thus distinguished between a subjective approach, that is endeavouring to ascertain the personal conviction or interest of a given
judge in a particular case, and an objective approach, that is determining whether he or she offered sufficient guarantees to exclude any
legitimate doubt in this respect (see Piersack v. Belgium, judgment of 1 October 1982, Series A no. 53, pp. 14-15, § 30, and Grieves v. the
United Kingdom [GC], no. 57067/00, § 69, 16 December 2003). As to the second test, when applied to a body sitting as a bench, it means
determining whether, quite apart from the personal conduct of any of the members of that body, there are ascertainable facts which may
raise doubts as to its impartiality. In this respect even appearances may be of some importance (see Castillo Algar v. Spain, judgment of 28
October 1998, Reports 1998-VIII, p. 3116, § 45, and Morel v. France, no. 34130/96, § 42, ECHR 2000-VI). When it is being decided whether in
a given case there is a legitimate reason to fear that a particular body lacks impartiality, the standpoint of those claiming that it is not impartial
is important but not decisive. What is decisive is whether the fear can be held to be objectively justified (see Ferrantelli and Santangelo v.
Italy, judgment of 7 August 1996, Reports 1996-III, pp. 951-52, § 58, and Wettstein v. Switzerland, no. 33958/96, § 44, ECHR 2000-XII).
119. In applying the subjective test, the Court has consistently held that the personal impartiality of a judge must be presumed until there is
proof to the contrary (see Hauschildt v. Denmark, judgment of 24 May 1989, Series A no. 154, p. 21, § 47). As regards the type of proof
required, the Court has, for example, sought to ascertain whether a judge has displayed hostility or ill will or has arranged to have a case
assigned to himself for personal reasons (see De Cubber, cited above, p. 14, § 25). The principle that a tribunal shall be presumed to be free
of personal prejudice or partiality is long-established in the case-law of the Court (see, for example, Le Compte, Van Leuven and De Meyere
v. Belgium, judgment of 23 June 1981, Series A no. 43, p. 25, § 58). It reflects an important element of the rule of law, namely that the verdicts
of a tribunal should be final and binding unless set aside by a superior court on the basis of irregularity or unfairness. This principle must
apply equally to all forms of tribunal including juries (see Holm v. Sweden, judgment of 25 November 1993, Series A no. 279-A, p. 14, § 30).
Although in some cases it may be difficult to procure evidence with which to rebut the presumption, it must be remembered that the
requirement of objective impartiality provides a further important guarantee (see Pullar v. the United Kingdom, judgment of 10 June
1996, Reports 1996-III, p. 793, § 32). In other words, the Court has recognised the difficulty of establishing a breach of Article 6 on account
of subjective partiality and for this reason has in the vast majority of cases raising impartiality issues focused on the objective test. However,
there is no watertight division between the two notions since the conduct of a judge may not only prompt objectively held misgivings as to
impartiality from the point of view of the external observer (objective test) but may also go to the issue of his or her personal conviction
(subjective test).
120. The Court has held for instance that the judicial authorities are required to exercise maximum discretion with regard to the cases with
which they deal in order to preserve their image as impartial judges. That discretion should dissuade them from making use of the press,
even when provoked. It is the higher demands of justice and the elevated nature of judicial office which impose that duty (see Buscemi v.
Italy, no. 29569/95, § 67, ECHR 1999-VI). Thus, where a court president publicly used expressions which implied that he had already formed
an unfavourable view of the applicant's case before presiding over the court that had to decide it, his statements were such as to justify
objectively the accused's fears as to his impartiality (ibid., § 68). On the other hand, in another case, where a judge engaged in public criticism
of the defence and publicly expressed surprise that the accused had pleaded not guilty, the Court approached the matter on the basis of the
subjective test (see Lavents v. Latvia, no. 58442/00, §§ 118-19, 28 November 2002).
121. An analysis of the Court's case-law discloses two possible situations in which the question of a lack of judicial impartiality arises. The
first is functional in nature: where the judge's personal conduct is not at all impugned, but where, for instance, the exercise of different
functions within the judicial process by the same person (see Piersack, cited above), or hierarchical or other links with another actor in the
proceedings (see court martial cases, for example, Grieves, cited above, and Miller and Others v. the United Kingdom,
nos. 45825/99, 45826/99 and 45827/99, 26 October 2004), objectively justify misgivings as to the impartiality of the tribunal, which thus fails
to meet the Convention standard under the objective test (see paragraph 118 above). The second is of a personal character and derives from
the conduct of the judges in a given case. In terms of the objective test, such conduct may be sufficient to ground legitimate and objectively
justified apprehensions as in Buscemi, cited above, but it may also be of such a nature as to raise an issue under the subjective test (see, for
example, Lavents, cited above) and even disclose personal bias. In this context, therefore, whether a case falls to be dealt with under one
test or the other, or both, will depend on the particular facts of the contested conduct.“
79
Frowein / Peukert, EMRK-Kommentar Art. 6. Rn. 204
80
CAMPBELL AND FELL v. THE UNITED KINGDOM, 7819/77; 7878/77,Rn 78 „In determining whether a body can be considered to be
"independent" - notably of the executive and of the parties to the case (see, inter alia, the Le Compte, Van Leuven and De Meyere judgment
91
Ernennung eines Richters durch ein Exekutivorgan gilt solange nicht als Beeinträchtigung der
Unabhängigkeit, wie diese unabhängig agieren können. 81 Dies ist nicht mehr zwü1gend gegeben,
wem1 die Mitglieder des Gerichts von bestimmten Interessengruppen vorgeschlagen werden oder eng
mit diesen verbunden sind.82
Der EGMR83 war von diesem Argument nicht überzeugt. Die vorliegende Angelegenheit ist vergleichbar
mit dem Fall Hortolomei/A, in dem die EKMR festgestellt hat, die Landesberufungskommission biete

of 23 June 1981, Series A no. 43, p. 24, para. 55) -, the Court has had regard to the manner of appointment of its members and the duration
of their term of office (ibid., pp. 24-25, para. 57), the existence of guarantees against outside pressures (see the Piersack judgment of 1
October 1982, Series A no. 53, p. 13, para. 27) and the question whether the body presents an appearance of independence (see the Delcourt
judgment of 17 January 1970, Series A no. 11, p. 17, para. 31). The factors which were relied on in the present case as indicative of the Board’s
lack of "independence" will be considered in turn.“
81
Frowein / Peukert, EMRK-Kommentar Art. 6. Rn. 208
82
Belilos gegen Schweiz,10328/83 ,Rn 67 „Allerdings sind auch die ausgeübten Funktionen und die interne Organisation zu berücksichtigen,
denn selbst der äußere Anschein kann von Bedeutung sein (s. sinngemäß Urteil De Cubber vom 26. Oktober 1984, Série A Nr. 86, S. 14, Ziff.
26, EGMR-E 2, 498). In Lausanne ist das Mitglied der Polizeikommission ein aus der Polizeidirektion hervorgegangener höherer Beamter, der
berufen sein kann, dort erneut andere Aufgaben wahrzunehmen. Die seiner Gerichtsbarkeit unterworfenen Personen können versucht sein,
in ihm ein Mitglied des Polizeidienstes zu sehen, der in dessen Hierarchie eingeordnet und mit seinen Kollegen solidarisch ist. Eine solche
Situation könnte das Vertrauen in Frage stellen, das Gerichte in einer demokratischen Gesellschaft vermitteln sollen. Zusammengefasst lässt
sich sagen, dass die Bf. berechtigterweise einige Zweifel hinsichtlich der Unabhängigkeit und strukturellen Unparteilichkeit der
Polizeikommission empfinden konnte, so dass diese Kommission insoweit nicht den Anforderungen des Art. 6 Abs. 1 genügt.“;LAUKO ./.
SLOVAKIA 26138/95 „63. The Court recalls at the outset that the right to a fair trial, of which the right to a hearing before an independent
tribunal is an essential component, holds a prominent place in a democratic society (see, mutatis mutandis, the De Cubber v. Belgium
judgment of 26 October 1984, Series A no. 86, p. 16, § 30 in fine). In order to determine whether a body can be considered to be
“independent” of the executive it is necessary to have regard to the manner of appointment of its members and the duration of their term
of office, the existence of guarantees against outside pressures and the question whether the body presents an appearance of independence
(see, inter alia, the Le Compte, Van Leuven and De Meyere v. Belgium judgment of 23 June 1981, Series A no. 43, p. 24, § 55, and the Campbell
and Fell v. the United Kingdom judgment of 28 June 1984, Series A no. 80, pp. 39–40, § 78).
64. The Court notes that the Dubnica nad Váhom local office and the Považská Bystrica district office are charged with carrying out local state
administration under the control of the government (see paragraph 35 above). The appointment of the heads of those bodies is controlled
by the executive and their officers, whose employment contracts are governed by the provisions of the Labour Code, have the status of
salaried employees (see paragraphs 36–38 above). Therefore, the manner of appointment of the officers of the local and district offices
together with the lack of any guarantees against outside pressures and any appearance of independence clearly show that those bodies
cannot be considered to be “independent” of the executive within the meaning of Article 6 § 1 of the Convention.
While entrusting the prosecution and punishment of minor offences to administrative authorities is not inconsistent with the Convention, it
is to be stressed that the person concerned must have an opportunity to challenge any decision made against him before a tribunal that
offers the guarantees of Article 6 (see the above-mentioned Öztürk judgment, pp. 21–22, § 56). In the instant case, however, the applicant
was unable to have the decisions of the local and district offices reviewed by an independent and impartial tribunal since his complaint was
dismissed by the Constitutional Court on the ground that the minor offence in issue could not be examined by a court (see paragraphs 16–
17 above). Having regard to the above the Court considers that there has been an infringement of the applicant’s right to a hearing by an
independent and impartial tribunal. “
83
EGMR THALER v. AUSTRIA 58141/00 „27. Referring to the case of Hortolomei v. Austria (no. 17291/90, Commission’s report of 16 April
1998, § 46), the applicant submitted in particular that he was challenging a contract concluded by the two bodies, namely the Association of
Social Insurance Boards and the Tyrol Medical Association, which had sent the assessors sitting in the Regional Appeals Commission.
Moreover, in the second set of the proceedings, the Association of Social Insurance Boards provided as assessors two deputy directors of the
Tyrol Regional Health Insurance Board, which was both party to the general agreement and to the individual contract.
28. The Government contended that there was no appearance of a lack of independence and impartiality of the Regional Appeals Commission
and relied in the first place on the Constitutional Court’s decision of 16 December 1999 (see paragraph 19 above). They pointed out that the
Constitutional Court had quashed several decisions of the Regional Appeals Commission, if one of the assessors had been directly involved
in the negotiations of the contracts to be examined in subsequent proceedings.
29. However no member of the Regional Appeals Commission had been involved in the negotiation or conclusion of the general agreement
to be considered in the proceedings at issue. The present case, therefore, had to be distinguished fromMcGonnell v. the United
Kingdom (no. 28488/95, §§ 53-58, ECHR 2000-II), where the Court found a violation of Article 6 § 1 on account of the direct involvement of
a judge in the adoption of the development plan at issue in the proceedings. The present case was rather comparable to Siglfirđingur ehf v.
Iceland (dec.) (no. 34142/96, 7 September 1999) in which the Court found that the presence of assessors appointed by the Employers’
Federation and the Federation of Labour in Icelandic labour courts did not in itself justify doubts as to their independence and impartiality.
Finally, they submitted that the Social Insurance Act had been amended in 2002 (see above, paragraph 25).
30. The Court recalls that in order to establish whether a tribunal can be considered as “independent”, regard must be had, inter alia, to the
manner of appointment of its members and their term of office, the existence of guarantees against outside pressures and the question
whether the body presents an appearance of independence.
As to the question of “impartiality”, there are two aspects to this requirement. Firstly, the tribunal must be subjectively free of personal
prejudice or bias. Secondly, it must also be impartial from an objective viewpoint, that is, it must offer sufficient guarantees to exclude any
legitimate doubt in this respect (see Findlay v. the United Kingdom, judgment of 25 February 1997, Reports of Judgments and
Decisions 1997-I, p. 281, § 73).
The concepts of independence and objective impartiality are closely linked (ibid.) and the Court will consider them together.
31. The Regional Appeals Commission is composed of a professional judge as chairman who is appointed by the Federal Minister
of Justice and of four assessors, two of which are appointed by the Regional Medical Association, two by the Association of Social
Insurance Boards.
92
nicht den erforderlichen Anschein der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit, da die Beisitzer von jenen
Körperschaften nominiert wurden, welche die in dem Fall angefochtenen Richtlinien abgeschlossen
hatten. Der GH sieht keinen Grund, im vorliegenden Fall zu einer anderen Schlussfolgerung zu
gelangen. Der Bf. focht in den beiden Verfahren gegen die Tiroler Gebietskrankenkasse den
Gesamtvertrag zwischen der Gebietskrankenkasse und der Tiroler Ärztekammer an, auf dem die Höhe
seiner Honorare beruhte.
Was das erste Verfahren betrifft, ist der Zweifel des Bf. an der Unabhängigkeit und Unparteilichkeit
der Landesberufungskommission schon allein durch die Tatsache gerechtfertigt, dass deren Beisitzer
von jenen Körperschaften entsendet wurden, welche den angefochtenen Gesamtvertrag
abgeschlossen hatten.
Hinsichtlich des zweiten Verfahrens tritt hinzu, dass zwei der Beisitzer hochrangige Funktionäre der
Tiroler Gebietskrankenkasse waren, also der gegnerischen Verfahrenspartei angehörten. Dies musste
die gerechtfertigten Befürchtungen des Bf. noch verstärken, die Landesberufungskommission würde
seinen Fall nicht mit der nötigen Unabhängigkeit und Unparteilichkeit behandeln.

Ein solcher Sachverhalt liegt hier vor. Wenn ein Parlament willkürlich in „Hinterzimmerverfahren“
Richter einstellt, dann kann man nicht mehr von objektiven Kriterien ausgehen.

Zum weiteren Sachvortrag wird auf 2.7.2.1 und 2.9 und 2.10 hingewiesen.

6.2.3.1.1.6.3 Befangenheit des Richters

EGMR (Individualbeschwerde Nr. 10152/13 G. gegen Deutschland)

„Der Gerichtshof erinnert daran, dass die Frage nach der „Unparteilichkeit“ zwei Aspekte hat: Das
Gericht muss subjektiv frei von persönlichen Vorurteilen oder Voreingenommenheit sein und auch aus
objektiver Sicht insofern unparteiisch sein, als es hinreichend Gewähr dafür bietet, dass alle
berechtigten Zweifel insoweit auszuschließen sind (Grieves ./. Vereinigtes Königreich [GK],
Individualbeschwerde Nr. 57067/00, Rdnr. 69, ECHR 2003-XII (Auszüge)). Beim zweiten Aspekt muss
festgestellt werden, ob es abgesehen vom persönlichen Verhalten der Richter feststellbare Tatsachen
gibt, die Zweifel an ihrer Unparteilichkeit begründen können. Dabei kann bereits der Anschein von einer
gewissen Bedeutung sein (siehe Castillo Algar ./. Spanien, 28. Oktober 1998, Reports of Judgment and
Decisions 1998-VIII, Rdnr. 45, und Morel ./. Frankreich, Individualbeschwerde Nr. 34130/96, Rdnr. 42,
ECHR 2000-VI).“

32. What is at issue in the present case is the independence and objective impartiality of the four assessors. The Government
argued in essence that only situations in which a member of the Regional Appeals Commission has been directly involved in the
negotiation of the contract at issue give rise to objectively justified fears about a lack of independence and objective impartiality
of the Regional Appeals Commission.
33. The Court is not convinced by this argument. It considers that situations falling short of the direct involvement of a member of
a tribunal in the subject matter to be decided may give rise to legitimate doubts as regards that tribunal’s independence and
impartiality. It considers that the present case is comparable to the case of Hortolomei (cited above, § 46) in which the European
Commission of Human Rights held that the Regional Appeals Commission set up under the Austrian Social Insurance Act did not
present the necessary appearance of independence and impartiality as the assessors were nominated by and had close links
with the bodies which had concluded the guidelines challenged in that case. It found that the applicant “could legitimately fear that
the assessors – notwithstanding their five year terms of office and formal independence of the executive – had a common interest
contrary to his own and therefore that the balance of interests, inherent in the sending of representatives of the medical profession
and the Health Insurance Boards in other cases, was liable to be upset in his case.”
34. The Court finds no reason to reach a different conclusion in the present case. It notes that, in both sets of proceedings against
the Tyrol Regional Health Insurance Board the applicant challenged the general agreement between the Association of Social
Insurance Boards and the Tyrol Medical Association on which his doctor’s fees were based.
35. As regards the first set of proceedings the Court considers that, for the reasons set out in Hortolomei, the mere fact that the two bodies
which had concluded the impugned general agreement appointed the assessors to the Regional Appeals Commission is sufficient to justify
the applicant’s fears as regards the Commission’s lack of independence and impartiality. The case relied on by the Government (Siglfirđingur
ehf, cited above) cannot lead to another finding, since the assessors in the labour courts at issue in that case were representatives of
conflicting spheres of interest but, unlike the present case, there were no circumstances liable to upset the balance inherent in such a
system.“
93
EGMR EGMR Nr. 75737/01 (5. Sektion) - Beschluss vom 10. August 2006 (Schwarzenberger gegen
Deutschland)

„38. Der Gerichtshof weist erneut darauf hin, dass unter "Unparteilichkeit" in der Regel das Fehlen
von Voreingenommenheit oder Befangenheit zu verstehen ist. Nach ständiger Rechtsprechung
bestimmt der Gerichtshof die Unparteilichkeit im Sinne von Artikel 6 Abs. 1 anhand eines
subjektiven Ansatzes, d.h. ausgehend von der persönlichen Überzeugung und dem Verhalten
eines bestimmten Richters in einer bestimmten Rechtssache, und eines objektiven Ansatzes,
d.h. durch die Feststellung, ob der Richter hinreichend Gewähr dafür geboten hat, dass alle
berechtigten Zweifel insoweit auszuschließen sind (siehe u. v. a. Rechtssache Kyprianou ./.
Zypern [GK], Individualbeschwerde Nr. 73797/01, Nr. 118, EuGHMR 2005-...).

39. Bei Zugrundelegung des subjektiven Ansatzes hat der Gerichtshof in seiner ständigen
Rechtsprechung festgestellt, dass die persönliche Unparteilichkeit eines Richters bis zum Beweis des
Gegenteils unterstellt werden muss (siehe Rechtssachen Kyprianou, a. a. O., Nr. 119; Morel ./.
Frankreich, Individualbeschwerde Nr. 34130/96, Nr. 41, EuGHMR 2000-VI). Der Gerichtshof ist unter
Berücksichtigung aller ihm vorliegenden Unterlagen nicht überzeugt, dass Beweise dafür vorliegen,
dass die Richter W. und B. mit persönlicher Voreingenommenheit vorgegangen sind.

40. Beim zweiten Ansatz, angewandt auf ein als Kammer erkennendes Organ, muss bestimmt werden,
ob es - abgesehen von dem persönlichen Verhalten der Mitglieder dieses Spruchkörpers - feststellbare
Tatsachen gibt, die Zweifel an dessen Unparteilichkeit begründen können. In dieser Hinsicht kann
bereits der Anschein von einer gewissen Bedeutung sein (siehe Rechtssachen Kyprianou, a. a. O., Nr.
118; Castillo Algar ./. Spanien, Urteil vom 28. Oktober 1998, Berichte 1998-VIII, S. 3116, Nr. 45, und
Morel, a. a. O., Nr. 42). Bei der Entscheidung darüber, ob in einem bestimmten Fall berechtigter Grund
zu der Befürchtung besteht, dass ein bestimmter Spruchkörper nicht unparteiisch ist, ist der Standpunkt
der Parteien, die die Unparteilichkeit rügen, zwar wichtig, aber nicht entscheidend. Es kommt darauf
an, dass die Befürchtung objektiv gerechtfertigt ist (siehe Rechtssachen Kyprianou, a. a. O., Nr. 118;
Ferrantelli und Santangelo ./. Italien, Urteil vom 7. August 1996, Berichte 1996-III, S. 951-52, Nr. 58,
und Wettstein ./. Schweiz, Individualbeschwerde Nr. 33958/96, Nr. 44, CEDH 2000-XII). “

Und auch das EUPatG 84 hat strenge Maßstäbe an die Unbefangenheit von Richtern gelegt. Der EGMR
hat zwar Ausnahmen dahingehend zugelassen, dass bei einer formellen Vorprüfung auf Missbrauch
oder anderweitig offenkundiger Aussichtslosigkeit abgelehnte Richter das Ablehnungsgesuch ohne
Abgabe einer Stellungnahme entscheiden darf.85 Allerdings hat Bf. Geltend gemacht, dass die nur
zulässig sei, wenn das Verfahrensrecht es gestattet, wie z.B. in § 24 Abs. 2 StPO. Ein solches Verfahren
ist aber in den §§ 18 und 19 BVerfGG nicht vorgesehen. Insoweit macht der Bf. Geltend, dass in diesen
Fall nicht durch eine „tradierte“ oder „ständige“ Rechtsprechung abgewichen werden darf. Ferner
müssen auch missbräuchliche oder anderweitig aussichtslose Ablehnungsgesuchte nach
rechtsstaatlichen Standards begründet werden.

6.2.3.2 Anwendung der Maßstäbe

6.2.3.2.1 Art. 6 EMRK

Zulässigkeit:

84
20019/12 (Ablehnung wegen Besorgnis der Befangenheit) of 25.4.2014
85
EGMR Nr. 75737/01 (5. Sektion) - Beschluss vom 10. August 2006 (Schwarzenberger gegen Deutschland)
94
Der Bf. beanstandet, dass keine öffentliche mündliche Verhandlung mit öffentlicher Urteilsverkündung
stattgefunden hat. Im Bezug auf Rechte als Parteimitglied greift Art. 6 EMRK bereits. Nach den Kriterien
des EGMR handelt es sich um "zivile Ansprüche" des Bf. gegenüber der Partei, in der er Mitglied ist.
Damit konnte der Bf. bereits die dort verbürgten Rechte geltend machen. Ob er hierzu noch hätte
umfassendere Ausführen machen und sachdienliche Anträge stellen sollen ist nicht von Belang. Selbst
wenn man davon ausginge, dass in diesem Punkt die formellen Anforderungen einer Beschwerde nicht
erfüllt seien, so hat das BVerfG sich im Sinner der Rechtsprechung dazu geäußert und eine
Entscheidung in der Sache getroffen. Der Berichterstatter hat erklärt, an der bisherigen
Verfahrenweise festhalten zu wollen, da das BVerfG § 49 BWahlG nach "ständiger Rechtsprechung als
verfassungkonform" ansieht. § 49 BWahlG, regelt, dass nur in der bisher geregelten Weise
Rechtsschutz beansprucht werden kann. Obwohl der Bf. der kausalen Sachzusammenhang zwischen
fairen demokratischen Wetten und Rechtsschutz hergeleitet hat, wird der "Wahlfehler" vereneint.
Ferner könnte der Bf. künftig Opfer i.S. der Rechtsprechung des EGMR werden.

Dies betrifft im folgenden Umfang:

1. Er könnte die Partei wechseln und für diese kandidieren und ggf. auch wählen, dann könnte wegen
der Sperrhürde,
der unzulässigen Zulassung konkurrierender Wahlvorschläge, der Sondernutzungsgebühren und
abgestuften Chancengleichheit unmittelbar in seinen subjektiven Rechten verletz werden.

2. Er könnte in der o.g. Weise seinen Stimmzettel ausfüllen und dieser könnte ebenfalls iderrechtlich
für unzulässig erklärt werden.

Geltungsberich:

Ferner hat der Bf. auch auf Art. 47 GRC hingewiesen. Dort ist Rechtsschutz nach Art. 6 und 13 EMRK
auf alle Arten von Rechtsstreitigkeiten einschließlich von Verfassungsbeschwerden und
Wahlprüfungsangelegenheiten erweitert worden. Damit kann Bf. der Bf. in allen Streitigkeiten der
Wahlprüfung auf die Rechte nach Art. 6 EMRK berufen. Mit Art. 6 des Lissabonvertrages ist Art. 47 GRC
zum Bestandteil staatlichen Rechts geworden. Da Wahlprüfung vor dem BVerfG zur ein
erstinstanzliches Verfahren nach Art. 6 EMRK ist, hat der Bf. auch umfassend den Anspruch auf
öffentliche mündliche Verhandlung mit öffentlicher Urteilsbegründung. Eine Überprüfung von § 49
BWahlG und den übrigen Formvorschriften der Wahlprüfung (so auch § 24 BVerfGG) auf Vereinbarkeit
mit internationalen wurde nicht vorgenommen. In den Erläuterungen zu GRC wird im Amtsblatt der
EU Abl. 2007/C 303/02 S. 29 und 34 klargestellt, dass der Geltungsbereich erweitert wird. Ferner wird
der Rechtsschutz auch auf die Fälle des Art. 3 ZP 1 EMRK erweitert. Der Bf. kann sich damit
Vollumfänglich auf den Anwendbarkeit des Art. 13 i.V.m. Art. 6 EMRK berufen.

Faires Verfahren

Das Verfahren ist nicht fair. Es wurde zudem das Recht auf Waffengleichheit verletzt. Denn wenn der
"Beklagte", hier der Bundestag, seine Richter selbst aussuchen und dann mitten im Verfahren durch
"besondere Umstände" den Richter wechseln und damit das Gebot des Gesetzlichen Richters
zumindest umgehen kann, dann ist das mit der Waffengleichheit nicht im Einklang zu bringen. Dejure
ist das Wahlprüfungsverfahren zwar kein kontradiktorische Verfahren. De facto ist es das aber, da es
um die Überprüfung der Entscheidung des Bundestages geht und der Bundestag damit Grundlegens
der Antragsgegner bzw. "Beklagte" ist. Ferner setzen Art. 6 i.V.m. Art. 13 EMRK und Art. 47 GRC, sowie
Art. 2 Uno-Pakt II für bürgerliche und politische Rechte grundlegend kein kontradiktorisches Verfahren
vorraus. Der "Beklagte" hat mitten im Verfahren Richter eingesetzt, der in seiner Dissertation eine
dem Bundestag "genehme" Rechtsauffassung zur Zulässigkeit von "Frauenquoten" und
"Frauenförderung" vertritt. Damit hat der Bundestag Wahlprüfungsverfahren zu dessen Gunsten

95
manipuliert. Auch das rechtliche Gehör, die Bindung an Recht und Gesetz, sowie die Unparteilichkeit
und Unvoreingenommenheit der Richter werden missachtet.

Ferner wäre es sachgerecht gewesen sämtliche Beschwerden, die sich auf diesen Punkt beziehen zur
gemeinsamen Entscheidung zu verbinden. Denn selbst, wenn einer Beschwerde isoliert betrachtet
nicht zu Erfolg verhelfen kann, so wäre es bei einer Gesamtschau aller Beschwerden möglich. Das liegt
dem Umstand zu Grunde, dass eine Wahlprüfung nur Anfechtungsprinzip, dass heißt nur durch
Beschwerden der Wahlberechtigten erfolgt. Deshalb müssen bei der Beurteilung über die Rechtsfolgen
alle Beschwerden in ihrer Gesamtschau beurteilt werden, sofern dies als sachgerecht angesehen
werden kann und nicht jede isoliert "erledigen".

Und auch sonst wurden im Falle des Bf. sämtliche rechtstaatliche Verfahrensgarantien verletzt. Auch
das Willkürverbot wurde verletzt, da die Beschlussbegründung
nicht mehr verständlich sein kann und daher auf sachfremden Erwägungen beruhen muss.

Rechtsliches Gehör:

Das BVerfG hat in folgender Weise das Gebot des rechtlichen Gehörs verletzt.

Im Bezug auf die parteiinterne Demokratie:

1. Nach Rechtsprechung des BVerfG sind die Freiheit und Gleichheit in der Demokratie zu beachten.

2 Nach dem Willen des Gesetzgebers, darf unter den "ordentlichen" Mitglieder nicht in den Rechten
unterschieden werden.

3. Nach Rechtsprechung des BGH darf bei Wahlen nicht nach Geschlecht, politischer Meinung und
weiterer nach Art. 3 Abs. 3 GG genannter Merkmale ausdifferenziert

4. Verstöße gegen gesetzlichen Normen

5. Bei Verstößen gegen gesetzliche Bestimmungen sind Wahlvorschläge zurückzuweisen und Wahlen
ggf. für Ungültig zu erklären.

6. Das BVerfG und HVerfG haben entschieden das bei Verstößen gegen die Wahlgrundsätze
Wahlvorschläge ungültig sind.

7. Frauenquoten sind nach dem Willen des Verfassungsgebers der Rechtsprechung des Bverfg zu Art.
3 Abs. GG und auch der Kommentarliteratur unzulässig.

8. "Die Grünen" haben in einem in einem namenhaften Politikmagazin selbst zugegeben, dass das
"Reißverschlussverfahren" rechtswidrig.

9. Meinungen in der Kommentarliteratur halten Frauenquoten für unzulässig.

10. Das BverfG hat entschieden, dass allgemein bei Wahlen u.a. nicht nach Geschlecht, politischer
Meinung und weiteren sachfremden Merkmalen ausdifferenziert werden dar.

11. "Frauenquoten" verletzen die Allgemeinheit, Gleichheit und Freiheit der Wahl, sowie die Pflicht
zur Gleichbehandlung der Mitglieder

12. Sonderrechte wie "Frauenvetos" hat das BVerfG für Verfassungswidrig erklärt.

96
13. Der Sachvortrag wonach bereits im Vereinsrecht alle Mitglieder gleichzubehandeln und die
Wahlgrundsätze strikt anzuwenden sind.

14. Der Sachvortrag wonach die sonstigen satzungsmäßigen Bestimmungen gegen geltende Gesetz
verstoßen.

15. Art. 3 Abs. 2 ist ein individuelles Abwehrrecht und darf nicht in ein Gruppenrecht umgedeutet
werden.

16. Starre Quotenregelungen sind nicht zulässig.

17. Aus dem Willen des Verfassungsgebers geht nicht hervor, dass Eingriffe in die Demokratie nach
Art. 3 Abs. 2 GG statthaft sind.

18. Das schweizer Bundesgericht hat Frauenquoten für verfassungswidrig erklärt.

Im Bezug auf die Sondernutzungsgebühren und der abgestuften Chancengleichheit:

1. Abstufungen der Chancengleichheit im Wahlkampf in einzelnen Kommunen stellen kein


schutzwürdiges Interesse mehr dar.

2. Die Argumente zur Zulässigkeit("Wählertäuschung", "Parteienzersplitterung") sind und den


heutigen Bedingen und erst recht nur in einzelnen Kommunen nicht mehr haltbar.

3. Bei Sondernutzungsgebühren besteht die Gefahren, das wegen der zu hohen Kosten in Einzelfällen
Wahlbewerber und Parteien ihr gesetzlich zugebilligtes Kontingent an Wahlsichtwerbung nicht
beanspruchen. Es wird wegen der Vermögensverhältnisse die Chancengleichheit verletzt.

Im Bezug auf den beschränkten Rechtsschutz:

1. Bericht der OSZE über die Kritik zum beschränkten Rechtsschutz

2. Verweise auf das Internationale Recht (EMRK, GRC, Menschenrechte)

3. Art. 41 GG ist ein "lex specialis" gegenüber Art. 101 GG (gesetzlicher Richter) und nicht gegenüber
Art. 19 Abs. 4 GG (Justizgewährungsanspruch)

4. Nach Art. 18 GG ist Art. 19 Abs. 4 GG ein unerziehbares Grundrecht, dass auch nicht kollidierendes
Verfassungsrecht präkludiert werden darf.

Im Bezug auf den Ungültigen Stimmzettel:

1. Nach § 39 BWahlG darf nur die Stimme die mit "Bemerkungen" versehen ist für ungültig erklärt
werden darf und nicht der ganze Stimmzettel

Im Bezug auf die Vorwürfe gegenüber den Wahlorganen und Parteimitgliedern

1. Die Wahlorgane haben trotz entsprechender Pflichten die Wahlvorschläge nicht zurückgewiesen.

2. Die Wahlorgane sind verpflichtet, bei Nichteinhaltung eines "Kernbestandes einer demokratischen
Kandidatenaufstellung" die Wahlvorschläge zurückzuweisen.

97
3. Selbiges gilt auch bei Nichteinhaltung sonstiger gesetzlicher Normen sofern dieses bei der
Kandidatenaustellung eingreift.

4. Wegen der Formstrenge müssen bei jeder Missachtung des Wahlrechts Wahlvorschläge
zurückgewiesen.

5. Die Mitglieder der Wahlorgane und Parteien könnten sich wegen bestimmter Tatbestände strafbar
gemacht haben.

6. Während bei Nichteinhaltung formellen Rechts (z.B. bei fehlenden Unterschriften) die
"Formstrenge" regide angewendet wird, werden bei Nichteinhaltung materiellen Rechts(.z.B. bei der
Kandidatenaufstellung) "100 Hühneraugen zugedrückt".

Im Bezug auf die Wahlprüfung im Bundestag

1. Der Bundestag ist auf zentrale Sachverhalte nicht eingegangen.


2. Die Mitglieder des WPA könnten sich ebenfalls strafbar gemacht haben.

Im Bezug auf die Wahlprüfung

1. In der Wahlprüfung sind auch die Klärung von Rechts- und Zweifelsfragen zulässig.

2. Es handelt sich um mittelbare Normenkontrollen, die zulässig sind.

3. Sämtliche gesetzliche Normen die der Normenkontrolle unterzogen wurden sind angewendet
worden und könnten einen Wahlfehler darstellen. Das betrifft auch die Kommunalsatzungen.

4. Sofern eine Wahl nicht für ungültig erklärt wird, sind auch andere Rechtfolgen z.B. die
Ergebniskorrektur möglich.

5. Satzungen von Parteien können für nichtig erklärt werden.

6. Es können auch Schlüsse für künftige Wahlen gezogen werden.

Im Bezug auf die Befangenheitsanträge in früheren Verfahren.

1. Die Richter Herr Huber, Herr Müller und Herr Maidowski haben in einem vorherigen
Verfassungsbeschwerdeverfahren zu einem ähnlich gelagerten Beschwerdegegenstand willkürlich
zum Nachteil des Bf. entschieden. Damit hat der Bf. die Ablehnung auf das Verhalten der Richter
begründet.

2. Sowohl der Inhalt der Dissertation von Herr Maidowski als auch dessen Verhalten sind geeignet, das
Besorgnis der Befangenheit zu begründen.

3. Selbiges gilt auch für die Mitgliedschaft in bestimmten Parteien. Herr Müller, Herr Huber und Herr
Landau sind Mitglied der CDU. Diese profitiert mit am meisten von dieser "Fehlentscheidung".

4. Das der Bf. gewichtigen Grund zur Annahme hatte, dass der ganze zweite Senat dieser rechtlich
unhaltbaren Entscheidung anschließt, war durch dieses Verhalten das Besorgnis
der Befangenheit auf alle Richter des zweiten Senates ausgedehnt worden.

98
Bindung an das Gesetz

Auch gegen die Bindung an Recht und Gesetz wurde verstoßen.

In der Kandidatenaufstellung werden folgende Beanstandungen genannt:

1. Die Wahlgrundsätze nach §§ 15 und 17 PartG sind bei parteiinternen Wahlen einzuhalten.

2. Nach § 10 PartG haben alle Mitglieder gleiches Antrags,Rede und Stimmrecht.

3. Nach § 21 und 27 BWahlG sind bei Verstößen gegen die Wahlgrundsätze und sonstige gesetzliche
Bestimmungen, die bei der Kandidatenaufstellung zu beachten sind, die Wahlvorschläge
zurückzuweisen.

4. Nach Art. 21 Abs. 1 S. 3 GG sind alle Parteimitglieder gleichzubehandeln. Sonderrechte wie


Frauenvetos sind unzulässig.

5. Nach §§ 25 - 40 BGB sind im Vereinsrecht Ungleichbehandlungen unter den Vereinsmitgliedern nur


im eng bemessenen Grenzen zulässig. Die Wahlgrundsätze sind nach Rechtsprechung von BVerfG und
BGH einzuhalten. Auch "dynamische Verweisungen" in den Satzungen, die die Verfahren zu Wahlen
und Abstimmungen regeln sind unzulässig.
6. Art. 38 Abs. 1 GG gilt uneingeschränkt für parteiinterne Wahlen.

7. Auch nach Art. 3 GG in seiner Gesamtheit sind Frauenquoten bei Wahlen nicht zulässig.

Beim beschränkten Rechtsschutz

Das GG wurde falsch interpretiert. Der Bf. hat klar gestellt, dass der allgemeine
Justizgewährungsanspruch auch bei Wahlen nicht präkludiert werden darf. Ferner macht der Bf.
geltend, dass dies mit Internationalen Recht nicht im Einklang zu bringen ist.

Sondernutzungsgenehmigung im Straßenwahlkampf.

Aufgrund der strikten Begrenzung der Ausdifferenzierung der Wahlrechtsgleichheit. Eine sachgerechte
Rechtfertigung gibt es weder für Sondernutzungsgebühren noch für eine "abgestufte
Chancengleichheit".

Ungültiger Stimmzettel.

Im BWahlG ist nicht geregelt, dass unter derartigen Umständen beide Stimmzettel für ungültig
erklärt werden dürfen.

Besetzung der Richter

gesetzlicher Richter

Da die Richter mitten im Verfahren gewechselt wurden, ist die Besetzung der Richter nicht mehr
vorherbestimmt gewesen. Das Wahlprüfungsverfahren wurde "manipuliert".

Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der Richter.

99
Die Richter sind zwar formal unabhängig, aber nicht de facto. Das BVerfG erpressbar da sie von der
Legislativen hier Bundestag und Bundesrat eingesetzt werden. Ferner bestimmt die Legislative über
die personelle, materielle und finanzielle Ausstattung der Gerichte. So war es auch bei der Besetzung
der Richterämter. Der Bf. geht davon, dass Herr Gerhardt aus dem Amt "gemobbt" worden ist. Herr
Gerhardt galt als "unabhängiger Geist" und hätte derartige Machenschaften niemals mitgemacht.
Unter der Federführung von Herr Gerhardt wurden wichtige Entscheidungen zum Wohl eines fairen
demokratischen Wettbewerbs gemacht. Da auch beim Wegfall von Sperrhürden bei Kommunal- und
Europawahlen, sowie zum "negativen Stimmgewicht" bei Bundestagswahlen. Für die vorliegenden
Beschwerdegegenstände stand den Richtern des zweiten Senates und dem Bundestagsabgeordneten
im Weg und musste deshalb aus dem Amt "entfernt" werden. Im Februar 2014 hat sich der WPA
konstituiert. Von März bei Mai 2014 ließ Herr Gerhardt erklären sich vorzeitig pensionieren zu lassen.
Am 03.07.2014, am Tage an dem der Bundestag u.a. über den Einspruch des Bf. entschied, wurde Herr
Maidowski ins Amt gewählt. Zufälliger Weise hat er zum fraglichen Beschwerdegegenstand eine
zweifelhafte Dissertion verfasst in der dieser ein den Abgeordneten genehme rechtspolitische
Meinung zu "Frauenquoten" und "Frauenförderung" vertritt. Ferner übernahm kurz darauf Herr Müller
den Geschäftsbereich von Herr Gerhardt und wurde so zum Berichterstatter für Wahlprüfungen. Von
einem Zufall kann der Bf. nicht mehr ausgehen. Durch die Umstellung der, so der Vorwurf des Bf.,
sollen die Ungültigkeit von Parlamentswahlen, sowie die Herbeiführung weiterer aus sicht der
Bundestagsabgeordneten "unerwünschter" Rechtsfolgen unmöglich zu machen. Herr Müller, ist wie
Herr Landau und Herr Huber Mitglied der CDU. Die Partei profitiert mit am meisten von den isherigen
Regelungen, so dass die vom Bf. beabsichtigten Rechtfolgen mit am meisten zum Nachteil der CDU
aber auch der übrigen "Bundestagsparteien" ausgestalten könnten. Deshalb haben die Richter ein
persönliches Interesse zum Nachteil des Bf. zu entscheiden. In der Resolution 1685/09 des Europarates
wurde Deutschland aufgefordert, eine autonome Justizverwaltung einzuführen, was bis jetzt nicht
geschehen ist. Den Anforderungen an eine unabhängige Justiz der EMRK genügt die Ernennung der
Verfassungsrichter nicht. Der Bundestag hatte die ganze Zeit die "Entscheidungsgewalt über das
Wahlprüfungsverfahren" Eine Unabhängigkeit und erst Recht eine Unparteilichkeit der Richter lag
nicht vor. Die Parteilichkeit erstreckte sich nicht nur gegenüber dem Bf. sondern auch der
Allgemeinheit, auf die der Bf. mitunter hingewiesen hat.

Befangenheit

Die Richter haben sich mit den Sachvortrag zur Befangenheit nicht auseinandergesetzt. Stattdessen
haben diese vielmehr behauptet, dass der Befangenheitsantrag unzulässig sei, ohne sich mit der
Sachargumentation des Bf. auseinanderzusetzen. Eine solche "kursorische" Begründung ist mit den
Rechtsstaatsprinzip nicht im Einklang zu bringen. Jeder Rechtsmittelführer hat nach Art. 6 EMRK einen
Anspruch auf vollständige und nicht nur kursorische Prüfung von Ablehnungsgesuchen um dem
Anschein von Unparteilichkeit zu vermeiden. Sofern der EGMR eine formelle Vorprüfung auf
Missbräuchlichkeit oder anderweitiger Aussichtslosigkeit des Antrags durch den Abgelehnten Richter
zum Zwecke vermeidbarer Verfahrensbehinderung oder -verzögerung es als zulässig erachtet, so
macht der Bf. geltend, dass die Zulässigkeit nur dann bestehen kann, wenn dies gesetzlich vorgesehen
ist. Da eine solche Ausnahme beim BVerfG nicht vorgesehen ist, muss ausnahmslos nach §§ 18 und 19
BVerfGG verfahren werden. D.h. über das Ablehnungsgesuch ist grundsätzlich unter Ausschluss der
abgelehnten Richter nebst Einholung von Stellungnahmen zu entscheiden. Der Bf. hat ausführlich auch
das Verhalten im Bezug auf Verletzung des Willkürverbots und des rechtlichen Gehörs nach dem
Maßstäben im deutschen Recht die Sache abgestellt. Dazu wird auf die Verfahren 43623/15 und
43630/15 nebst Unterlagen und weitere Verfahren verwiesen. Basierend auf diesen Umständen muss
auch hier auf die Geschäftsverteilung des Jahres 2016 hingewiesen werden. Bei der
Geschäftsverteilung für das Jahr 2016 fällt, auf dass bei Zivilverfahren die Beschwerden anteilig nach
einer gesonderten Liste den Richtern König, Kessal-Wulf, Herrmanns,Müller,Huber und Maidowski. Die
Zuteilung erfolgt nach einer gesonderten Liste. Wenn ein Verfahren in der 2. oder 3. Kammer landet,
ist nicht mehr nachvollziehbar wer Berichterstatter ist und nach welchen Kriterien diese Verfahren

100
zugeteilt werden. Das verstößt gegen Art. 101 GG. Offenkundig soll aus sachfremden Erwägungen das
Zuteilungsverfahren intransparent gemacht werden.

Derzeit dürften folgende Verfahren beim BVerfG äußerst Arbeitsintensiv gewesen sein:
Kandidatenaufstellung(CDU, Grünen, SPD die Linke und AFD), Sperrhürde, Beschränkter
Rechtsschutz, Ausschluss Betreuter vom Wahlrecht, Ausschluss Minderjähriger vom Wahlrecht,
doppelte Stimmabgabe, Wahlstatistik, Parteienfinanzierung, Verständlichkeit von Wahlgesetzen.

Anstatt, dass Herr Müller mögliche freie Ressourcen zu zügigen Erledigung der B- und C
Verfahren(Parteienverbot, Wahlprüfung) aufgebracht hat, damit die gesetzmäßige Zusammensetzung
der deutschen Abgeordneten im EU-Parlament und Bundestag Zeitnah geklärt oder die Wahlen
gänzlich oder teilweise für ungültig erklärt werden können, wird Herr Müller mit zusätzlicher Arbeit
belastet. Das dokumentiert, dass das BVerfG an einer sachgerechten Prüfung der Wahl nicht
interessiert ist und es dem BVerfG nur um eine "rein formelle" Erledigung der Wahlprüfung geht und
nicht um die Sache. Wie das Verfahren der Wahlprüfung der Europawahl 2014 und der
Bundestagswahl 2013 demonstriert hat. Selbiges gilt auch für das laufendende Verfahren der
Wahlprüfung.

Art. 13 EMRK

Soweit der Bf. keine Verletzung subjektiver Rechte geltend macht oder geltend machen kann, stellt
dieser die Sache auf Art. 13 EMRK ab. Der Bf. stellt das Verfahren darauf ab, einen Anspruch auf
Feststellung der gesetzmäßigen Durchführung der Wahl und des Bundestages, sowie die Einhaltung
der Wahlgrundsätze nämlich die Allgemeinheit, Freiheit und Gleichheit der Wahl und damit die
Verletzung der Rechte nach art. 3 ZP1 ab. Nach Rechtsprechung des EGMR muss der Rechtsbehelf des
Art. 13 EMRK im Erfolgsfalle Abhilfe schaffen können. Dies ist nicht der Fall, weil die Rechtstaatlichen
Standards nicht eingehalten werden.

i.V.m. Art. 3 ZP 1

Geltungsbereich

Nach Deutschem Recht werden die Grundsätze der Allgemeinheit, Freiheit und Gleichheit der Wahl im
aktiven und passiven Wahlrecht, sowie im Wahlvorschlagsrecht anzuwenden. Ebenso gelten diese für
Phase der Wahlvorbereitung und damit dem Wahlkampf, der Durchführung der Wahl und der
Ermittlung und Festsstellung des endgültigen Wahlergebnisses. Deshalb darf alles was das
"Wahlgeschehen" während dieser Phasen in irgendeiner unzulässigen Weise beeinflusst haben
könnte, beanstandet werden. Neben einer Verletzung dieser Wahlgrundsätzen dürfen auch
gesetzliche Normen, soweit diese bei der Wahl einzuhalten sind, sowie Handlungen natürlicher und
juristischer Personen (z.B. Behörden) oder der Eintritt bestimmter Ereignisse (z.B. Todesfall von
Wahlbewerbern, Havarie und Katastrophenfall, etc. pp) gerügt und einer sachgerechten Klärung
unterzogen werden. Davon der Bf. in der bereits geschilderten Weise Gebrauch gemacht.

Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der Wahl- und Wahlprüfungsorgane

Im Sinne der Rechtspr. des EGMR sind die Wahlausschüsse und Wahlleiter, sowie das
Bundesverfassungsgericht de jure unabhängig und zur Unparteilichkeit verpflichtet. Deren
Entscheidungsbefugnisse sind durch einschlägige Normen (Grundgesetz, Wahlrecht, Parteienrecht,
Vereinsrecht,...) in ihrer Syntax und in ihrer Semantik durch den Willen des Gesetzgebers, der
Rechtsprechung und der Kommentarliteratur als Auslegungshilfe determiniert. Damit erfüllen sie
formal die Voraussetzungen des EGMR. Der gesetzlich vorgeschriebene Entscheidungsspielraum
insbesondere beim aktiven und passiven Wahlrecht, sowie im Wahlvorschlagsrecht ist eng bemessen.

101
Lediglich der Bundestag und damit der WPA ist kein unabhängiges und unparteiisches Organ, da die
Abgeordneten die eigene Legitimität überprüfen. Das wurde bereits von ehemaligen
Verfassungsrichtern ebenso von der OSZE kritisiert.
(s. FAZ 11.09.2006, Nr. 211, S. 10 ).

Als objektive Kriterien zum Wahlrecht gelten neben einschlägigen Normen auch die Maßstäbe zu den
Grundsätzen der Allgemeinheit, Gleichheit,Freiheit, Unmittelbarkeit und Geheimhaltung der Wahl.

De faco aber erfüllen aber diese Organe die Anforderungen nicht.

Die Wahlleiter sind, wie der inzwischen ehemalige Bundeswahlleiter Herr Egeler, der Mitglied der CDU
ist, in vielen Fällen Parteimitglieder. Ferner werden sie in Regelfall aus den Reihen der Ministerien des
Bundes oder eines Bundeslandes, oder der statistischen Landesämter bzw. des Bundesamtes rekrutiert
und unterstehen damit der Dienstaufsicht der (wieder-) gewählten Regierung des Bundes oder des
Bundeslandes, so dass sie für "unbequeme" Entscheidungen u.U. berufliche Nachteile fürchten
müssen. Selbiges gilt auch für Beisitzer der Wahlausschüsse. Diese werden im Regelfall auf Vorschlag
der "stärksten", d.h. in den Parlamenten vertreten Parteien rekrutiert und sind im Regelfall, wie der
Bf., Parteimitglieder. Die Rekrutierung von Personen ohne Vorschlag der Parteien erfolgt in
vergleichsweise Einzelfällen, so dass auch bei den Beisitzern eine gewisse Bindung zu den gewählten
Parteien besteht.

Auch das BVerfG ist zwar formal unabhängig, aber die Richter werden, wie bereits geschildert, von
der Legislativen ernannt bzw. "gewählt" und sind im bestimmten Umfange "erpressbar". So dass
auch diese u.U. Berufliche Vor- oder Nachteile fürchten müssen.

Der WPA und damit der Bundestag erfüllt wie bereits erwähnt diese Anforderungen nicht.

Anwendung "Objektiver Kriterien"

Wahlausschüsse:

Die Wahlausschüsse haben die Ausgabe das passive Wahlrecht nach Wahlbewerber und Parteien zu
überprüfen. Der Bundeswahlausschuss stellt die Parteieneigenschaft von Vereinigungen fest, während
die Landes- und Kreiswahlausschüsse über die Zulassung von Wahlvorschlägen entscheiden. Dabei sind
Anforderungen sowohl des formellen (z.B. Unterschriftenquoren, Unterschriften der
Versammlungsleiter, etc pp.) und des materiellen(z.B. Kandidatenaufstellung) Rechts einzuhalten.
Wegen der "Formstrenge" sind wegen der Vermeidung von Anfechtungsgründen bei geringsten aber
nicht mehr heilbaren Verstößen gegen formelles und materielles Rechts Wahlvorschäge
zurückzuweisen. Damit ist der Entscheidungsspielraum deutlich "engmaschiger" als es die
Rechtsprechung des EGMR zulässt. Im vorliegenden Fall waren bei der Kandidatenaufstellung nicht nur
die einhaltung der o.g. Wahlgrundsätze nach Art. 38 Abs. GG sondern auch des sonstigen Rechts
(Vereinsrecht, Verfassungsrecht, Wahlrecht,Parteirecht). Werden diese Bestimmungen sowohl bei der
Wahl von Delegierten als auich bei der eigentlichen Kandidatenaufstellung nicht eingehalten, so sind
die Wahlvorschläge zurückzuweisen, da diese den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen.

Bezüglich der Kandidatenaufstellung hat der Bf. folgende Beanstandungen bei den Wahlorganen
vortragen. Frauenquoten der CDU, SPD, Bündnis 90/die Grünen und die Linke entsprechen nicht den
Wahlgrunsätzen und sind daher zurückzuweisen.

Die Wahlprüfungsorgane:

102
Bezüglich der Wahlprüfung musste der Bundestag die Wahl für ungültig erklärt werden.

Der Anfechtungsgrund war hier der Wahlfehler bei der Kandidatenaufstellung. Dies geschah durch
Verstöße gegen die Wahlgrundsätze und gesetzlicher Normen. Damit wurde vorrangig in unzulässiger
Weise nach Geschlecht und nach politischer Meinung ausdifferenziert.

Mindestens in folgenden Fällen musste die Ungültig der Wahl erfolgen:

1. Frauen und sonstige Quoten. Der Bf. konnter den Wahlfehler anhand der Geschlechterverteilung
bei ca. 321 über Landeslisten gewählte Abgeordnete der
Parteien CDU,die Linke, SPD und Bündnis 90 die Grünen nachgewiesen.
2. Stimmenquoren im Wahlrecht.
3. Unterschriftenquoren
4. sonstige Bevorzugungen oder Benachteiligungen von Wahlbewerbern und wahl- und
wahlvorschlagsberechtigter Parteimitglieder.

oder Wahlen für ungültig zu erklären, war eine zu klärende Rechts- und Zweifelsfrage. In welchem
Maße in den übrigen Fällen der satzungsmäßigen Bestimmungen von Bündnis 90/die Grünen LV
Thüringen und Sachsen-Anhalt, imperative Mandate, dynamischen Verweisungen oder geringfügen
Verstößen bei der Wahl von Delegierten zu Wahl- und Delegiertenversammlungen Wahlvorschläge
zurückzuweisen

Auch sonst unterliegt der Bundestag der Pflicht zur Feststellung von Wahlfehlern. So war es auch in
der Anwendung zu § 39 BWahlG bezüglich der Gültigkeit der Stimmen.

Bei Normenkontrollen fehlt dem Bundestag die Verwerfungskompetenz. Dennoch steht der Bundestag
in Pflicht eine sachgerechte Prüfung auf Verfassungsmäßigkeit beanstandetet Normen unter
Einbeziehung der aktuellen Rechtslage und gesellschaftspolitischer Gegebenheiten im Rahmen seiner
Einschätzungsprärogative die Annahme der Verfassungsmäßigkeit als irrig oder zumindest nicht mehr
haltbar erweist. Auch das der Bundestag in diesem Sinne nicht getan. Er hat nur ein allgemeines
"Rechtsgutachten" des Innenministeriums zur Sperrhürde eingeholt. Die Einwendungen bezüglich der
Sondernutzungsgenehmigungen wurden nicht geprüft.

Das BVerfG als "unabhängige Instanz" überprüft nicht nur Entscheidungen des Bundestages, sondern
nimmt auch mittelbare Normenkontrollen vor. Da das BVerfG ein staatliches Gericht ist es an
rechtsstaatliche Standards gebunden. Das umfasst mindestens, die die den Art. 6 EMRK unterfallen.
Das gilt auch für Strafbarkeit von Mitgliedern des Bundestages, der Wahlorgane und Parteien sofern
es sich um Entscheidungen und Maßnahmen bei Wahlen handelt.

Damit ist der Entscheidungsspielraum nach den o.g. Kriterien zu Feststellung von Wahlfehlern und
weiteren Rechtsfolgen determiniert.

6.2.3.2.2 i.V.m. 14 EMRK

Der Bf. geht davon aus, dass in Analogie zu Art. 25 des Uno Pakt II bei Wahlen nicht nach den in Art.
14 genannten Merkmalen ausdifferenziert werden darf. Art. 2 Abs. 1 des Uno Pakt II benennen die
Merkmale Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der Sprache, der Religion, der politischen oder
sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, der Zugehörigkeit zu einer nationalen
Minderheit, des Vermögens, der Geburt oder eines sonstigen Status.

103
Art. 3 Abs. 3 GG benennt die Merkmale Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und
Herkunft, Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen, sowie der Behinderung. Das
BVerfG hat bei Wahlen noch das Merkmal Bildung hinzugefügt.

Art. 21 GRC benennt die Merkmale Geschlechts, der Rasse, Hautfarbe, ethnischen oder sozialen
Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der
politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des
Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung.

Damit Unterscheidet der Katalog von Merkmalen an verbotenen Ungleichbehandlungen etwas. Alle
Normen, EMRK, Uno Pakt II, GRC und GG stimmen aber dahingehend überein, dass
Ungleichbehandlungen wegen der Merkmale Geschlecht, Vermögen und politische Meinung
unzulässig sind. Der Bf. hat aber geltend gemacht, dass in verschiedener Weise wegen dieser Merkmale
Wahlberechtigte ungleich behandelt werden.

1. Bei der Kandidatenaufstellung wird bei den Mitgliederrechten nach Geschlecht und politischer
Meinung unterschieden.

2. Bei der Erteilung von Sondernutzungsgenehmigungen wird nach politischer Meinung und nach
Vermögen unterschieden. Durch den Umstand, dass für den Inanspruchnahme von Wahlsichtwerbung
Gebühren zu Zahlen sind, ist es u. U. möglich, dass weniger betuchte Wahlbewerber und Parteien von
der Möglichkeit der Wahlsichtwerbung keinen Gebrauch machen können. Bei der Ausarbeitung von
Wahlkampagnen kann mit einem Werbeunternehmen der Preis verhandelt werden. Auch ist es
denkbar, dass das Unternehmen den geforderten Betrag spendet und diese Spende gegenüber dem
Finanzamt geltend macht. Eine solche Möglichkeit besteht gegenüber den Kommunen nicht. D.h. bei
gleicher "Leistung" muss die Gebühr in gleiche Höhe entrichtet werden. Damit kann u.U. die
Chancengleichheit beim Wahlkampf verletzt werden. Selbiges gilt auch für die "abgestufte
Chancengleichheit" weder die "Wählertäuschung" noch die "Parteienzersplitterung" stellen einen
Rechtfertigungsgrund dar.. Das gilt insbesondere,
wenn diese Maßnahme im Ermessen kommunaler Behörden liegt und die Wirkung daher nur regiomal
begrenzt ist. Ferner sind die "Kräfteverhältnisse" regional unterschiedlich, so dass es zu
Wettbewerbsverzerrungen kommen kann.

3. Bei der Sperrhürde verhält sich die Sache ähnlich. Der EGMR hat zwar Sperrhürden zugelassen. Aber
er hat nicht entschieden wo die Grenze der Zulässigkeit ist. Das gilt sowohl für die Höhe als auch für
die Umstände unter denen eine solche noch als Sachgerecht angesehen werden kann. Der Bf. hält
unter den o.g. Umständen zumindest in Deutschland die Sperrhürde in Höhe von 5 % nicht mehr für
Zulässig.

6.2.3.2.3 Art. 17 EMRK.

Das Vorgehen des Bundestages und des BVerfG stellt ein Missbrauch dar.

1. Der Bundestag missbraucht die Wahlprüfung um Ungültigkeitserklärungen massiv hinauszuzögern.


Die Abgeordneten üben zu Unrecht Amt und Mandat aus.

2. Aus rein egoistischen Motiven wurden die Wahlprüfung manipuliert. Es der bisherige
Berichterstatter wurde aus dem Amt "gemobbt". Diese wurde durch "genehme" Richter ersetzt. Das
betrifft vorrangig den Umstand, dass nur Personen gewählt werden, Mitglied in einer bestimmten
Partei sind, sich in deren Umfeld bewegen oder in ihren Publikationen durch bestimmte
rechtspolitische Meinungen aufgefallen sind. Der Bundestag hat sein Wahlrecht für Richter dazu
104
missbraucht um die Ungültigkeit der Wahl, sowie die Herbeiführung weiterer "unerwünschter
Rechtsfolgen" unmöglich zu machen.

3. Die Wahlorgane haben widerrechtlich die Wahlvorschläge zur Wahl der Landeslisten der Parteien
CDU, Bündnis 90/die Grünen, SPD und die Linke zur Wahl zugelassen. Wären sie zurückgewiesen
worden wären andere Parteien und Abgeordnete im Bundestag vertreten. Sie haben damit durch
Pflichtverletzung ihre Ämter missbraucht.

4. Das BVerfG von der Möglichkeit, bei offenkundig aussichtslosen Fällen die Verfahren nach § 24
BVerfGG erledigen zu können, dadurch missbraucht, willkürlich, widerrechtlich unter Missachtung
rechtstaatlicher Verfahrensgarantien unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne öffentliche
Urteilsbegründung auch zum Nachteil der Allgemeinheit zu entscheiden. Davon betroffen sind auch
"Splitterparteien" und deren Anhänger und Wähler. Gesetzlichen normen des Wahl- und
Verfahrensrechts wurde bewusst ignoriert um die Verfahren nicht zum Nachteil der
Bundestagsabgeordneten und der Parteien, die sie vertreten entscheiden zu müssen. Die Richter
haben aus rein egoistischen sachfremden Motiven zum Nachteil der Allgemeinheit entschieden.

5. Der zweite Senat hat wiederrechtlich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ohne Ausschluss der
abgelehnten Richter Befangenheitsanträge zum Nachteil des Bf. aus formellen Gründen zu
entscheiden. Der Bf. hat mehrfach erklärt, dass die §§ 18 und 19 BVerfGG dies nicht zulassen.

6.2.3.3 Art.13 EMRK


6.2.3.3.1 Maßstäbe

Im Verfahren der Wahlprüfung erklärt der EGMR86 dass Art. 3 1.ZP EMRK sowohl das aktive wie auch
das passive Wahlrecht umfasst. Es trifft zu, dass den Vertragsstaaten ein großer Ermessensspielraum
bei der Gestaltung der Voraussetzungen für das passive Wahlrecht zukommt. Das Prinzip der
Wirksamkeit der durch die Konvention garantierten Rechte erfordert jedoch, dass eine Entscheidung,
die das Nichtvorliegen dieser Voraussetzungen feststellt, einer bestimmten Anzahl von Kriterien
entsprechen muss, um Willkür zu vermeiden. Va. müssen diese Entscheidungen durch ein Organ

86
CASE OF PODKOLZINA v. LATVIA (Application no. 46726/99 “„35. That being so, it must determine whether the decision to remove the
applicant's name from the list of candidates was proportionate to the aim pursued. In that connection, the Court reiterates that the object
and purpose of the Convention, which is an instrument for the protection of human beings, requires its provisions to be interpreted and applied
in such a way as to make their stipulations not theoretical or illusory but practical and effective (see, for example, Artico v. Italy, judgment of
13 May 1980, Series A no. 37, pp. 15-16, § 33; United Communist Party of Turkey and Others v. Turkey, judgment of 30 January
1998, Reports 1998-I, pp. 18-19, § 33; and Chassagnou and Others v. France [GC], nos. 25088/94, 28331/95 and 28443/95, § 100, ECHR 1999-
III). The right to stand as a candidate in an election, which is guaranteed by Article 3 of Protocol No. 1 and is inherent in the concept of a truly
democratic regime, would only be illusory if one could be arbitrarily deprived of it at any moment. Consequently, while it is true that States
have a wide margin of appreciation when establishing eligibility conditions in the abstract, the principle that rights must be effective requires
the finding that this or that candidate has failed to satisfy them to comply with a number of criteria framed to prevent arbitrary decisions. In
particular, such a finding must be reached by a body which can provide a minimum of guarantees of its impartiality. Similarly, the discretion
enjoyed by the body concerned must not be exorbitantly wide; it must be circumscribed, with sufficient precision, by the provisions of domestic
law. Lastly, the procedure for ruling a candidate ineligible must be such as to guarantee a fair and objective decision and prevent any abuse
of power on the part of the relevant authority.
[…]
That being the case, the Court considers that in the absence of any guarantee of objectivity, and whatever the purpose of the second
examination was, the procedure applied to the applicant was in any case incompatible with the requirements of procedural fairness and legal
certainty to be satisfied in relation to candidates' eligibility (see paragraph 35 above).
37. […]The Court therefore considers that in admitting as irrebuttable evidence the results of an examination the procedure for which
lacked the fundamental guarantees of fairness, the Regional Court deliberately avoided providing a remedy for the violation committed.“”
105
getroffen werden, das über ein Mindestmaß an Unparteilichkeit verfügt und dessen
Ermessensspielraum nicht grenzenlos ist. Der GH stellt fest, dass die Bf. über eine amtliche
Bescheinigung verfügte, die bestätigte, dass sie die Landessprache beherrschte. Obwohl die
innerstaatlichen Behörden zu keiner Zeit die Gültigkeit dieses Dokuments bestritten, wurde die Bf.
einer erneuten Prüfung ihrer Sprachkenntnisse unterzogen, deren Feststellung der Einschätzung einer
einzigen Inspektorin oblag, wobei deren Ermessensspielraum vom GH als zu weitgehend angesehen
wird. Der GH kann sich auch nur darüber überrascht zeigen, dass gemäß dem Vorbringen der Bf., das
von der Reg. nicht bestritten wurde, in der Prüfung auch nach der politischen Gesinnung gefragt
wurde. Daher war das gegenständliche Verfahren wegen des Mangels an objektiven Kriterien mit den
Anforderungen der Fairness und Rechtssicherheit für die Feststellung des passiven Wahlrechts
unvereinbar. Ferner müssen alle Bürger bei der Wahrnehmung ihrer Rechte gleichbehandelt werden.87

87
EGMR Mathieu-Mohin und Clerfayt gegen Belgien „A. Auslegung von Art. 3 des 1. ZP-EMRK 46. Da der Gerichtshof im vorliegenden Fall
erstmals über eine auf Art. 3 des 1. ZP-EMRK gestützte Beschwerde zu entscheiden hat, hält er es für erforderlich, festzustellen, welche
Bedeutung er dieser Bestimmung im Zusammenhang mit dem vorliegenden Fall beimisst. 47. Die Präambel der Konvention macht deutlich,
dass Grund- und Menschenrechte „am besten durch eine wahrhaft demokratische politische Ordnung“ gesichert werden. Da Art. 3 des 1.
ZP-EMRK ein charakteristisches Prinzip der Demokratie gewährleistet, kommt dieser Bestimmung eine herausragende Bedeutung im
Konventionssystem zu. 48. Während fast alle anderen materiell-rechtlichen Bestimmungen der Konvention und die der Zusatzprotokolle Nr.
1, 4, 6 und 7 lauten: „Jede Person hat das Recht“ oder „Niemand darf“, verwendet Art. 3 des 1. ZP-EMRK die Formulierung: „Die Hohen
Vertragsparteien verpflichten sich“. Aus diesem Wortlaut wurde gelegentlich geschlossen, diese Bestimmung gewährleiste keine
individuellen Rechte und Freiheiten, die „unmittelbar jeder Person“ (directement reconnus à quiconque / directly secured to anyone) unter
der Hoheitsgewalt dieser Vertragsparteien zustehen (Urteil vom 18. Januar 1978, Irland gegen das Vereinigte Königreich, Série A Nr. 25, S.
91, Ziff. 239, EGMR-E 1, 263), sondern begründe lediglich Verpflichtungen zwischen Staaten. Wäre dem so, hätte die Beschwerde der Bf.
Mathieu-Mohin und des Bf. Clerfayt vor der Kommission unzulässig sein müssen, denn gem. Art. 25 der Konvention kann nur eine Person,
die behauptet, Opfer einer Verletzung eigener Rechte und Freiheiten zu sein, die Kommission anrufen. 49. Eine derart restriktive Auslegung
hält einer Prüfung nicht stand. Die Präambel des 1. ZP-EMRK sieht vor, „Maßnahmen zur kollektiven Gewährleistung gewisser Rechte und
Freiheiten zu treffen, die in Abschnitt I … noch nicht enthalten sind“. Darüber hinaus bestimmt Art. 5: die „Hohen Vertragsparteien betrachten
die Artikel 1, 2, 3 und 4 dieses Protokolls als Zusatzartikel zur Konvention“, und „alle Bestimmungen der Konvention“ – einschließ- lich Art.
25 – „sind dementsprechend anzuwenden“. Ferner verweist die Prä- ambel des 4. ZP-EMRK insbesondere auf die „in den Artikeln 1 bis 3“
geschützten Rechte und Freiheiten des 1. ZP-EMRK. Ebenso wenig lassen die vorbereitenden Arbeiten zur Konvention (travaux préparatoires)
zu Art. 3 einen Rückschluss darauf zu, dass Art. 3 von dem Recht auf Individualbeschwerde ausgenommen werden sollte, wenn auch lange
Zeit die schließlich aufgegebene Ansicht vertreten wurde, die in Art. 3 enthaltene Materie sei der Kontrolle durch den Gerichtshof entzogen.
Die travaux préparatoires beziehen sich ferner häufig auf „politische Freiheit“, „politische Rechte“ „politische Rechte und Freiheiten des
Einzelnen“, „Recht auf freie Wahlen“ sowie auf das „Wahlrecht“. 50. Demgemäß – und die Verfahrensbeteiligten sind sich darin einig –
spiegelt die „staatenbezogene Färbung“ des Wortlauts von Art. 3 keinen substan- 388 EGMR E 3, 376 Nr. 31 © N.P. Engel Verlag · EGMR-E 3
· Text · Seite 388 · 30.12.09 tiellen Unterschied zu den anderen materiell-rechtlichen Bestimmungen der Konvention und der Protokolle wider.
Sie scheint vielmehr in dem Bestreben zu liegen, der übernommenen Verpflichtung eine besondere Bedeutung zuteil werden zu lassen, und
wohl auch darin, dass sich in dem betroffenen Bereich in erster Linie keine Verpflichtung zur Unterlassung oder zur Nichteinmischung, wie
für den Großteil der bürgerlichen und politischen Rechte, findet, sondern die Verpflichtung für den Staat besteht, aktive Maßnahmen zu
ergreifen, um demokratische Wahlen zu organisieren. 51. Im Hinblick auf den Inhalt der in Art. 3 niedergelegten Rechte lässt sich eine
Entwicklung in der Spruchpraxis der Kommission feststellen. Ausgehend von der Idee eines „institutionellen“ Rechts auf Organisation freier
Wahlen (Entscheidung vom 18. September 1961 über die Zulässigkeit der Beschwerde Nr. 1028/61, X. gegen Belgien, Yearbook of the
Convention, Band 4, S. 339), ist die Kommission zu einem Konzept „eines allgemeinen Wahlrechtes“ übergegangen (siehe insbesondere die
Entscheidung vom 6. Oktober 1967 über die Zulässigkeit der Beschwerde Nr. 2728/66 X. gegen die Bundesrepublik Deutschland, a.a.O., Band
10, S. 339) und gelangte dann konsequenterweise zu einem subjektiven Recht auf Teilnahme – dem „Recht, zu wählen“ und dem „Recht, für
das gesetzgebende Organ zu kandidieren“ (siehe insbesondere die Entscheidung vom 30. Mai 1975 über die Zulässigkeit der Beschwerde Nr.
6745-6746/76, W, X, Y und Z gegen Belgien, a.a.O., Band 18, S. 245). Der Gerichtshof stimmt dieser letztgenannten Konzeption zu. 52. Die
fraglichen Rechte sind nicht absolut. Da Art. 3 sie anerkennt, ohne sie explizit zu umschreiben oder zu definieren, besteht Raum für implizit
geltende Beschränkungen (siehe sinngemäß Urteil Golder vom 21. Februar 1975, Série A Nr. 18, S. 18-19, Ziff. 38, EGMR-E 1, 153). Die
Vertragsstaaten knüpfen in ihren jeweiligen innerstaatlichen Rechtsordnungen das aktive und passive Wahlrecht an gewisse Bedingungen,
was im Prinzip Art. 3 nicht widerspricht (Sammlung der travaux préparatoires, Band III, S. 265 und Band IV, S. 25). Die Vertragsstaaten
genießen in diesem Bereich einen weiten Beurteilungsspielraum (marge d’appréciation / margin of appreciation), aber es obliegt in letzter
Instanz dem Gerichtshof über die Anforderungen des 1. ZPEMRK zu entscheiden. Er muss sich davon überzeugen, dass besagte Bedingungen
die fraglichen Rechte nicht in einer Weise beeinträchtigen, dass sie in ihrem Kerngehalt betroffen sind und ihrer Wirksamkeit beraubt werden,
dass sie ein rechtmäßiges Ziel verfolgen, und dass die eingesetzten Mittel sich nicht als unverhältnismäßig erweisen (siehe insbesondere das
Urteil Lithgow u.a. vom 8. Juli 1986, Série A Nr. 102, S. 71, Ziff. 194). Insbesondere darf „die freie Äußerung der Meinung des Volkes bei der
Wahl der gesetzgebenden Körperschaften“ nicht konterkariert werden. 53. Art. 3 gilt nur für die Wahl „der gesetzgebenden Körperschaft“
oder zumindest für eine ihrer Kammern, sofern es zwei oder mehrere davon gibt (Sammlung der travaux préparatoires, Band VIII, S. 47, 51
und 53). Unter „gesetzgebende Körperschaft“ ist nicht notwendigerweise nur das nationale Parlament zu verstehen; vielmehr bedarf es einer
Interpretation im Lichte der verfassungsrechtlichen Struktur des betroffenen Staates. 2.3.1987 Mathieu-Mohin und Clerfayt 389 © N.P. Engel
Verlag · EGMR-E 3 · Text · Seite 389 · 30.12.09 Der Gerichtshof hebt zugleich hervor, dass die Reform von 1980 den Flä- mischen Rat mit
Zuständigkeiten und Befugnissen ausgestattet hat, die so weitreichend sind, dass er mit dem Rat der Französischen Gemeinschaft und dem
Wallonischen Regionalrat zusätzlich zur Abgeordnetenkammer und dem Senat einen konstituierender Teil der belgischen gesetzgebenden
Körperschaft darstellt (s.o. Ziff. 24-25, 27 und 37). In diesem Punkt stimmen die Verfahrensbeteiligten überein. 54. Hinsichtlich des
Zusammensetzungsmodus der „gesetzgebenden Körperschaft“ beschränkt sich Art. 3 darauf, „freie“ Wahlen in „angemessenen
Zeitabständen“ vorzuschreiben, die in „geheimer Wahl“ und „unter Bedingungen abzuhalten [sind], welche die freie Äußerung der Meinung
des Volkes … gewährleisten“. Darüber hinaus fordert Art. 3 nicht die Einführung eines bestimmten Systems (Sammlung der travaux
106
préparatoires, Band VII, S. 131, 203 und 211; Band VIII, S. 15), wie etwa die Verhältnis- oder die Mehrheitswahl mit einem oder mit zwei
Wahlgängen. Auch hier erkennt der Gerichtshof den Vertragsstaaten einen weiten Beurteilungsspielraum mit Rücksicht darauf zu, dass ihre
diesbezüglichen Gesetze je nach Ort und Zeit variieren. Die Wahlsysteme versuchen zum Teil kaum miteinander zu vereinbarende Ziele zu
erreichen: einerseits die Meinungen des Volkes möglichst wirklichkeitsgetreu widerzuspiegeln, andererseits die Meinungsströme zu bündeln,
um eine möglichst klare und kohärente politische Meinungsbildung zu unterstützen. In diesem Zusammenhang beinhaltet der Satzteil
„Bedingungen …, welche die freie Äußerung der Meinung des Volkes bei der Wahl der gesetzgebenden Körperschaften gewährleisten“ im
Wesentlichen, abgesehen von der freien Meinungsäußerung (bereits durch Art. 10 der Konvention geschützt), den Grundsatz der
Gleichbehandlung aller Bürger in der Ausübung ihres aktiven und passiven Wahlrechts. Daraus ergibt sich jedoch nicht notwendigerweise,
dass alle Stimmen im Hinblick auf das Ergebnis dasselbe Gewicht haben müssen, noch dass jeder Kandidat dieselben Erfolgsaussichten haben
muss. Kein Wahlsystem kann nämlich das Phänomen der „verlorenen Stimmen“ vermeiden. Um den Anforderungen von Art. 3 des 1. ZP-
EMRK zu genügen, muss jedes Wahlsystem im Lichte der politischen Entwicklung des betroffenen Landes beurteilt werden; Bedingungen,
die im Rahmen eines Systems nicht akzeptabel sind, können in einem anderen Zusammenhang gerechtfertigt sein, jedenfalls solange das
anzuwendende System sicherstellt, dass „die freie Äu- ßerung der Meinung des Volkes bei der Wahl der gesetzgebenden Körperschaften“
gewährleistet ist.“;
EGMR KOVACH v. UKRAINE 39424/02) „48. Article 3 of Protocol No. 1 appears at first sight to differ from the other rights guaranteed in the
Convention and the Protocols thereto, as it is phrased in terms of the obligation of the High Contracting Party to hold elections which ensure
the free expression of the opinion of the people rather than in terms of a particular right or freedom. However, having regard to the
preparatory work to Article 3 of the Protocol and the interpretation of the provision in the context of the Convention as a whole, the Court
has established that it guarantees individual rights, including the right to vote and to stand for election (see, among many other
authorities, Mathieu-Mohin and Clerfayt v. Belgium, 2 March 1987, §§ 46-51, Series A no. 113; Hirst v. the United Kingdom (no. 2) [GC],
no. 74025/01, § 56-57, ECHR 2005-IX; and, more recently, Ždanoka v. Latvia [GC], no. 58278/00, § 102, ECHR 2006-IV). Furthermore, the
Court has considered that this Article guarantees the individual’s right to stand for election and, once elected, to sit as a member of
parliament (see Lykourezos v. Greece, no. 33554/03, § 50, ECHR 2006-VIII).
49. The rights guaranteed under Article 3 of Protocol No. 1 are crucial to establishing and maintaining the foundations of an effective and
meaningful democracy governed by the rule of law. Nonetheless, those rights are not absolute. There is room for “implied limitations”, and
Contracting States must be given a margin of appreciation in this sphere. In this field, Contracting States enjoy a wide margin of appreciation,
provided that they ensure equality of treatment for all citizens. It does not follow, however, that all votes must necessarily have equal weight
as regards the outcome of the election or that all candidates must have equal chances of victory. Thus no electoral system can eliminate
“wasted votes” (see Mathieu-Mohin and Clerfayt, cited above, § 54).
50. It is, however, for the Court to determine in the last resort whether the requirements of Article 3 of Protocol No. 1 have been complied
with; it has to satisfy itself that the conditions do not curtail the rights in question to such an extent as to impair their very essence and
deprive them of their effectiveness; that they are imposed in pursuit of a legitimate aim; and that the means employed are not
disproportionate (see Labita v. Italy [GC], no. 26772/95, § 201, ECHR 2000-IV). Any departure from the principle of universal suffrage risks
undermining the democratic validity of the legislature thus elected and the laws which it promulgates. Exclusion of any groups or categories
of the general population must accordingly be reconcilable with the underlying purposes of Article 3 of Protocol No. 1 (see Sukhovetskyy v.
Ukraine, no. 13716/02, § 52, ECHR 2006-VI).
51. The applicant’s complaints in the present case were focused on the way the count was carried out in the electoral constituency where
he was registered as a candidate. In particular he contended that the decisions to declare the vote in electoral divisions nos. 14, 45, 58 and
67 invalid were unfair and unreasonable.
52. The Government, referring to the impossibility of avoiding “wasted votes”, contended that the impugned decisions of the Electoral
Commission of constituency no. 72 were aimed at eliminating the detrimental impact of breaches of electoral law on the free choice of
voters. The Court has doubts as to whether a practice discounting all votes at a polling station at which irregularities have taken place,
regardless of the extent of the irregularity and the impact on the outcome of the result in the constituency, can at all be seen as pursing a
legitimate aim for the purposes of Article 3 of Protocol No. 1. However, the Court is not required to take a final view on this issue in the light
of its findings below.
53. The object and purpose of the Convention, which is an instrument for the protection of human rights, requires its provisions to be
interpreted and applied in such a way as to make their stipulations not theoretical or illusory but practical and effective (see, for
example, United Communist Party of Turkey and Others v. Turkey, 30 January 1998, Reports of Judgments and Decisions 1998-I, § 33,
and Chassagnou and Others v. France [GC], nos. 25088/94, 28331/95 and 28443/95, § 100, ECHR 1999-III).
54. In Podkolzina v. Latvia (no. 46726/99, ECHR 2002-II), the Court reiterated that the right to stand as a candidate in an election, which is
guaranteed by Article 3 of Protocol No. 1 and is inherent in the concept of a truly democratic regime, would only be illusory if one could be
arbitrarily deprived of it at any moment. Consequently, while it is true that States have a wide margin of appreciation when establishing
eligibility conditions in the abstract, the principle that rights must be effective requires the finding that this or that candidate has failed to
satisfy them to comply with a number of criteria framed to prevent arbitrary decisions. In particular, such a finding must be reached by a
body which can provide a minimum of guarantees of its impartiality. Similarly, the discretion enjoyed by the body concerned must not be
exorbitantly wide; it must be circumscribed, with sufficient precision, by the provisions of domestic law. Lastly, the procedure for declaring
a candidate ineligible must be such as to ensure a fair and objective decision and prevent any abuse of power on the part of the relevant
authority (ibid., § 35).
55. The present case concerns not eligibility conditions as such but the way in which the outcome of elections was reviewed by the responsible
domestic authorities. The State’s latitude remains broad in this field, too, but cannot oust the Court’s review of whether a given decision was
arbitrary.
56. By way of example, in two previous cases, I.Z. v. Greece (no. 18997/91, Commission decision of 28 February 1994, Decisions and Reports
76-A) and Babenko v. Ukraine ((dec.), no. 43476/98, 4 May 1999), the Convention bodies examined the complaints of unsuccessful candidates
of the unfairness of the electoral procedures. Those complaints were rejected because, in the absence of genuine prejudice to the outcome
of the elections in issue, the situation complained of did not amount to an interference with the free expression of the people. This approach,
however, cannot be applied in the present case as, and the Government accepted this in their observations, the annulment of the vote in
the four divisions concerned led directly to the declaration of Mr G., and not the applicant, as the successful candidate.
57. The 2001 Parliamentary Elections Act provided that the vote in the electoral divisions could be declared invalid on the basis of the grounds
laid down in section 70 or, alternately, on the basis of “other circumstances” which made the establishment of the voters’ wishes impossible,
provided for in section 72 (see paragraphs 33 and 34 above).
107
Und genau das liegt hier vor. Als objektive Kriterien für die Zulassung von Wahlvorschlägen sind in
materieller Hinsicht determiniert durch die Wahlgrundsätze und gesetzliche Normen. Ihre
Auslegungshilfen ergeben sich aus der Rechtsprechung des BVerfG und BGH, dem Willen des
Gesetzgebers und der Kommentarliteratur. Eine solche Gleichbehandlung hat nicht stattgefunden.

Die Wahlorgane sind zwar formal unabhängig, aber die Wahlleiter sind entweder Leiter statistischer
Landesämter oder Angehörige der Innenministerien. Der Bundeswahlleiter ist Leiter des statistischen
Bundesamtes. Sie sind damit Teil der Exekutiven. Die Beisitzer werden in der Regel aus den Reihen der
„stärksten“ Parteien rekrutiert. Die Heranziehung einfacher Bürger als Beisitzer ist zwar möglich
kommt aber in vergleichsweise seltenen Fällen vor. Damit entscheiden die Parteimitglieder über die
Vorschläge der Parteien der sie angehören. Allerdings findet eine öffentliche Sitzung mit öffentlicher
Anhörung statt.

Das Bundesverfassungsgericht ist zwar formal unabhängig, aber dies wird vom Bundestag und
Bundesrat gewählt. Ferner gehören dem auch Mitglieder von Parteien an. Aufgrund des Umstandes,
dass die Legislative die Richter wählt und damit auch das Wahlprüfungsverfahren beeinflusst, nicht
mehr den rechtsstaatlichen Standards entspricht.

Isolierte Betrachtung der Rechtsbehelfe

Der Rechtsbehelf muss auch tatsächlich und rechtlich effektiv sein. 88 Weniger weitgehend als mit Art.
47 Abs. 1 (Art. 11-107 Abs. 1 EurVerf) ermöglicht werden sondern, will Art. 13 EMRK lediglich eine
Beschwerdemöglichkeit vor einer nationalen Behörde sicherstellen, wobei es sich um eine
unparteiische Instanz handeln muss, die in einem förmlichen Verfahren untersucht und entscheidet,
ob ein dem Beschwerdeführer zustehendes Konventionsrecht verletzt wurde. Im Übrigen besteht
zwischen der EMRK und der GRC insofern weitgehende Übereinstimmung, als Wirksamkeit des

58. Section 70 of this Act addressed specifically the situation of multiple voting by one person, stipulating that the vote in the division may
be declared invalid only if the number of spoilt ballots reached the threshold of 10% of the total votes cast. As regards section 72, it is to be
noted that there was no legal provision or domestic practice capable of giving an explanation as to which factors may be regarded as “other
circumstances”. In particular, it was unclear whether the “other circumstances” had to be circumstances which were not foreseen by section
70, or whether they opened the possibility for the Electoral Commissions and, on appeal, the courts to circumvent the wording of section 70
by interpreting “other circumstances” as including those matters covered by that provision. Further, whilst section 70 enumerated events
during elections which could result in a vote being declared invalid, section 72 was intended to regulate the procedure for examination of
voting records, rather than dealing directly with the events.
59. This lack of clarity of section 72 of the 2001 Parliamentary Elections Act and the potential risks to the enjoyment of electoral rights
inherent in its interpretation by the domestic authorities called for particular caution on their part. The constituency Electoral Commission,
however, in its decisions nos. 40 and 41 simply referred back to the previous decisions, and claimed that the irregularities established and
noted by observers constituted “other circumstances” which made it impossible to establish the will of the electorate. The previous decision
no. 36 to which reference was made stated that the deposition of several invalid ballots, as witnessed by Mr G.’s observers to electoral
divisions nos. 14, 45 and 58, and the fact that members of the Electoral Commission of division no. 67 had opened the sealed polling station
and retrieved voting records and several invalid ballots (see paragraph 10 above) were sufficient to declare all of the votes cast in these
divisions invalid.
60. In none of these decisions, nor in the subsequent decisions of the CEC or the Supreme Court, was there a discussion of the conflict
between sections 70 and 72 of the 2001 Parliamentary Elections Act; nor was there a discussion of the credibility of the various actors in the
elections. In addition, none of the decisions contained any explanation as to why (particularly in the light of section 70) the perceived
breaches obscured the outcome of the vote in divisions nos. 14, 45, 58 and 67 to such an extent that it became impossible to establish the
wishes of voters.
61. Having regard to all the foregoing considerations, the Court concludes that the decision to annul the vote in the four electoral divisions
must be considered as arbitrary, and not proportionate to any legitimate aim pleaded by the Government. It follows that in this case there
has been a violation of Article 3 of Protocol No. 1.
62. That being so, the Court considers that it is not necessary to rule on the applicant’s complaints that the members of the Electoral
Commission of constituency no. 72 lacked the required impartiality as they had published an appeal to voters, that the recount of 7 April
2002 had been tainted with breaches of domestic electoral law and that the security of the ballot boxes had been compromised. It is further
not necessary to examine the Government’s non-exhaustion plea in respect of the complaints of bias on the part of the officers of that
Electoral Commission.“
EGMR Vidas /Kroatien; Urteil vom 3.7.2008, Nr. 40.383/04 “The Court further recalls that, if the way in which the Constitutional Court
88

interpreted and applied the relevant provisions of the domestic law produces consequences that are inconsistent with the principles of the
Convention, as interpreted in the light of the Court’s case-law, the Court is called upon to examine the overall length of the impugned
proceedings (see, mutatis mutandis, Kozlica v. Croatia, no. 29182/03, § 23, 2 November 2006). Given the above finding that the applicant
may still claim to be a “victim” of the alleged violation, an examination of the total length is warranted (see Solárová and Others v. Slovakia,
no. 77690/01, §§ 41 and 43, 5 December 2006).“
108
Rechtsbehelfs nicht mit dessen Erfolg gleichzusetzen ist89, wohl aber dazu gehört, dass im Erfolgsfalle
auf die Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Aktes, auf entsprechende Entschädigungen oder
auf die Verhängung von Sanktionen hinzuwirken ist90. EGMR91 hat klargestellt, dass bei einer Beschwer
tatsächlich auch Abhilfe möglich ist. Das ist dann nicht mehr gewährleistet, wenn ein Rechtsbehelf
wegen Missachtung rechtsstaatlicher Verfahrensgarantien zum reinen Rechtsmittelverfahren
verkommt, dass zum bloßen Selbstzweck durchlaufen wird. Selbiges gilt auch unzumutbare
Forderungen gestellt werden. Insoweit ist es mit dieser Konvention nicht vereinbar, wenn ein
Rechtsmittelführer zwar in der Sache Recht bekommt, ihm jedoch der Erfolg deshalb versagt wird, weil
diese Rechtsverletzung entweder nicht von Mandatsrelevanz oder ein kausaler Zusammenhang
zwischen dieser und der Sitzverteilung nicht hinreichend dargestellt worden ist. Selbiges gilt auch für
die Präklusion des Rechtsschutzes vor der Wahl. Der Beschwerdeführer erkennt an, dass es ein
legitimer Zweck ist, den Rechtsschutz vor der Wahl so zu beschränken, dass eine Beeinträchtigung
oder Verhinderung der Vorbereitung und Durchführung der Wahl durch Richterspruch, Behördlicher
Entscheidung oder sonstiger anhängiger Verfahren auszuschließen ist. Eine weitergehende
Beschränkung ist unverhältnismäßig und damit unzulässig im Sinne der Konvention.

6.2.3.3.2 Anwendung nach Art. 3 ZP 1 I.V.m: Art. 14

Es wird auch gegen Art. 14 verstoßen. Der Beschwerdeführer geht, davon, dass Art. 14 EMRK i.V.m.
Art. 3 ZP 1 in Analogie zum Art. 25 Unopakt II zu verstehen ist.

Das Schweizer Bundesgericht hat bereits entschieden, dass Frauenquoten mit Art. 25 Uno Pakt II
unvereinbar und somit nichtig sind.92

89
Vgl. EGMR im Fall Pine Vallen/IRL, GH 222, Z. 66 = ÖJZ 1992, 459.
90
Frowein, in: FroweiniPeukert, EMRK, S. 429 f., Holoubek, JBI 1992, 143 f., jeweils m.w.N. Die tatsächliche Implementierung der
gerichtlichen Entscheidung fordernd der EGMR im Fall Hornsby, 19.03.1997 = ÖJZ 1998, 236 f.
91
EMGR Große Kammer, Urteil vom 8. 6. 2006 - 75529/01 (Sürmeli/Deutschland) „97. Nach Art. 1 EMRK sichern „die Hohen Vertragsparteien
allen ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Personen die in Abschnitt I bestimmten Rechte und Freiheiten“ zu. Demgemäß tragen zunächst
die staatlichen Behörden und Gerichte die Verantwortung für die Anwendung und Durchsetzung der in der Konvention garantierten Rechte
und Freiheiten. Die Beschwerde an den Gerichtshof ist also gegenüber den Rechtsbehelfen an staatliche Einrichtungen zum Schutz der
Menschenrechte subsidiär. Das kommt in Art. 13 und Art. 35 I EMRK zum Ausdruck (s. EGMR, Slg. 2006 Nr. 140 - Scordino/Italien, Nr. 1;
EGMR, Slg. 2006 Nr. 38 - Cocchiarella/Italien).
98. Art. 13 EMRK garantiert eine Beschwerde im staatlichen Recht zur Durchsetzung der Rechte und Freiheiten der Konvention, in welcher
Form auch immer sie in der staatlichen Rechtsordnung garantiert sind. Die Vorschrift verlangt deswegen einen innerstaatlichen Rechtsbehelf,
der es ermöglicht, über eine auf die Konvention gestützte „vertretbare Beschwerde“ in der Sache zu entscheiden und angemessene Abhilfe
zu geben. Die „Wirksamkeit einer Beschwerde“ i.S. von Art. 13 EMRK hängt nicht davon ab, dass sie mit Sicherheit ein günstiges Ergebnis für
den Bf.hat. Auch mehrere Rechtsbehelfe können zusammengenommen die Anforderungen von Art. 13 EMRK erfüllen, selbst wenn keiner
von ihnen allein diesen Anforderungen entspricht. Deswegen muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob die einem Bf. im staatlichen Recht
zur Verfügung stehenden Rechtsbehelfe „wirksam“ sind in dem Sinne, dass mit ihnen entweder die behauptete Verletzung oder ihre
Fortdauer verhindert oder angemessene Abhilfe für schon eingetretene Verletzungen erlangt werden kann (s. EGMR, Slg. 2000-XI Nrn. 157-
158 = NJW 2001, 2694 - Kudla/Polen).“
EGMR KUDŁA v. POLAND Application no. 30210/96 „157. As the Court has held on many occasions, Article 13 of the Convention guarantees
the availability at national level of a remedy to enforce the substance of the Convention rights and freedoms in whatever form they may
happen to be secured in the domestic legal order. The effect of Article 13 is thus to require the provision of a domestic remedy to deal with
the substance of an “arguable complaint” under the Convention and to grant appropriate relief (see, among many other authorities, the Kaya
judgment cited above).
The scope of the Contracting States’ obligations under Article 13 varies depending on the nature of the applicant’s complaint; however, the
remedy required by Article 13 must be “effective” in practice as well as in law (see, for example, İlhan v. Turkey [GC], no. 22277/93, § 97,
ECHR 2000-VII).
The “effectiveness” of a “remedy” within the meaning of Article 13 does not depend on the certainty of a favourable outcome for the
applicant. Nor does the “authority” referred to in that provision necessarily have to be a judicial authority; but if it is not, its powers and the
guarantees which it affords are relevant in determining whether the remedy before it is effective. Also, even if a single remedy does not by
itself entirely satisfy the requirements of Article 13, the aggregate of remedies provided for under domestic law may do so (see, among many
other authorities, the Silver and Others v. the United Kingdom judgment of 25 March 1983, Series A no. 61, p. 42, § 113, and the Chahal v.
the United Kingdom judgment of 15 November 1996, Reports 1996-V, pp. 1869-70, § 145).“
92
Dazu Anlage S. 210; BGE 123 I 152
109
7. Gesetzgeberisches Unterlassen
Für die Anträge zu 1 und zu 3 stellt der Bf. seinen Anspruch auf unterlassendes Handeln des
Staates bzw. des Normgebers ab. Hierbei sei nachfolgende Rechtsprechung des BVerfG
herangezogen.

BVerfGE93 „1. Der Beschwerdeführer rügt, der Gesetzgeber habe den Verfassungsauftrag des
Art. 131 GG, die Rechtsverhältnisse aller dort bezeichneten Personen zu regeln, die am 8. Mai
1945 "im öffentlichen Dienst" standen, nur teilweise ausgeführt. Eine Regelung für die
Angehörigen des früheren Deutschen Roten Kreuzes sei unterblieben, obgleich diese
öffentlichen Dienst geleistet hätten. Es sei auch nicht etwa eine negative Regelung- Ausschluß
des Deutschen Roten Kreuzes -- im Gesetz getroffen worden; der Gesetzgeber habe vielmehr
insoweit jede Regelung unterlassen, da er den Verfassungsauftrag irrigerweise einschränkend
ausgelegt habe. Dadurch sei der Beschwerdeführer in seinen Grundrechten aus Art. 3 und 14
GG verletzt worden.

Der Beschwerdeführer wendet sich mithin gegen ein "Unterlassen" des Gesetzgebers. Von dem
in BVerfGE 1, 97 ff. behandelten Fall unterscheidet sich der vorliegende dadurch, daß der
Beschwerdeführer sich auf einen ausdrücklichen Auftrag des Grundgesetzes beruft, der Inhalt
und Umfang der Gesetzgebungspflicht im wesentlichen umgrenzt hat. Wenn bei dieser
Voraussetzung der Gesetzgeber den Verfassungsauftrag unrichtig auslegt, demzufolge seiner
Gesetzgebungspflicht nur unvollständig nachkommt und durch das Unterlassen einer
erschöpfenden Regelung zugleich ein Grundrecht verletzt, ist die Verfassungsbeschwerde auch
gegen dieses Unterlassen des Gesetzgebers zulässig. Aus der Fassung des § 95 BVerfGG lassen
sich keine durchschlagenden Bedenken gegen diese Auffassung herleiten. Nach Sinn und Zweck
der Bestimmungen der §§ 90 bis 95 BVerfGG, insbesondere aus § 92 und § 95 Abs. 1 BVerfGG
ergibt sich, daß Gesetze als "Handlungen" eines Verfassungsorgans, nämlich des
Gesetzgebers, angesehen werden sollen (vgl. auch BVerfGE 1, 208 ff. [220]), durch die
Grundrechte verletzt werden können. Ist der Gesetzgeber verfassungsmäßig verpflichtet, eine
solche Handlung vorzunehmen, also ein Gesetz zu erlassen, so kann er durch einen Verstoß
gegen seine Handlungspflicht, also durch Unterlassen, ebenfalls Grundrechte verletzen. Hat er
den Verfassungsauftrag nur teilweise erfüllt und dadurch den Gleichheitssatz verletzt, so kann
eine auf Art. 3 Abs. 1 GG gestützte Verfassungsbeschwerde sich auch gegen das teilweise
Unterlassen des Gesetzgebers richten. Die Annahme, ein solcher Verstoß des Gesetzgebers
gegen Art. 3 GG müsse zur Nichtigkeit der positiven Teilregelung führen, die
Verfassungsbeschwerde sei also hiergegen -- nämlich gegen die den Gleichheitssatz
verletzende Begünstigung einer bestimmten Personengruppe -- zu richten, ist jedenfalls dann
nicht gerechtfertigt, wenn der Verfassungsauftrag nicht nur eine Regelung überhaupt
vorschreibt, sondern wegen des Umfanges der zu regelnden Materie offensichtlich nicht ein
einheitliches Gesetz verlangt, sondern sinngemäß zeitlich einander folgende Teilregelungen
zuläßt. Unter dem Gesichtspunkt des Art. 3 GG wären also solche Teilregelungen zwar als

93
BVerfGE 6 257
110
ergänzungsbedürftig, bis zu einer möglichen Ergänzung aber nicht als rechtsunwirksam zu
behandeln.

Bedenken gegen die Zulässigkeit einer Verfassungsbeschwerde gegen ein solches (teilweises)
Unterlassen lassen sich auch nicht daraus herleiten, daß Gesetze in einer parlamentarischen
Demokratie nur durch das Zusammenwirken mehrerer Verfassungsorgane zustande kommen
und daß der Gesetzgeber wegen der Notwendigkeit freier Abstimmung und des weiten
Spielraums parlamentarischen Ermessens wohl zum Erlaß bestimmter Gesetze, nicht aber zum
Erlaß von Gesetzen eines ganz bestimmten Inhalts verpflichtet werden könne. Wenn der
Gesetzgeber auch bei seiner politischen Entscheidung über den Inhalt der Gesetze
grundsätzlich frei ist, so hat er doch stets das Grundgesetz, im besonderen die Grundrechte, zu
beachten. Wenn daher der von einer gesetzlichen Regelung zu erfassende Personenkreis
unmittelbar durch die Verfassung bestimmt ist, muß der Gesetzgeber dem bei seiner
politischen Entscheidung unter dem Gesichtspunkt des Art. 3 Abs. 1 GG Rechnung tragen. Die
ihn hinsichtlich des gesamten Personenkreises unmittelbar bindende Verpflichtung folgt dann
aus Art. 3 Abs. 1 GG und damit gerade aus einem der tragenden Konstitutionsprinzipien der
freiheitlich-demokratischen Verfassung selbst.

Eine auf Art. 3 GG gestützte Verfassungsbeschwerde, die bei einem entsprechenden


Verfassungsauftrag gegen ein teilweises Unterlassen des Gesetzgebers zulässig ist, kann
jedoch ihrer Natur nach gemäß § 95 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG nur zu der Feststellung führen, daß
das Grundrecht aus Art. 3 Abs. 1 GG verletzt worden ist. Dem Gesetzgeber bleibt es als dann
überlassen, innerhalb angemessener Frist seine bisherige Regelung auf den unter Verletzung
des Art. 3 Abs. 1 GG übergangenen Personenkreis zu erstrecken oder aber den gesamten von
dem Verfassungsauftrag ergriffenen Bereich neu zu regeln, sofern ihm das ohne Verletzung
anderer Grundrechte oder Verfassungsbestimmungen noch möglich ist. Weitere
Einwirkungsmöglichkeiten auf den Gesetzgeber stehen dem Bundesverfassungsgericht nicht
zu. Seine Entscheidung in derartigen Fällen bleibt deshalb gleichwohl nicht eine rein
theoretische Deklaration. Von jeher hat man auch bei Feststellungsklagen im
Zivilprozeßverfahren gegen den Staat das Feststellungsinteresse in besonders weitgehendem
Maße bejaht in der Erkenntnis, daß der Staat sich einer von seinen Gerichten festgestellten
Rechtspflicht nicht entziehen werde (vgl. Stein-Jonas, 18. Aufl. 1953, § 256 Anm. III 5 b). Im
verfassungsgerichtlichen Verfahren, das ohnehin wegen der beschränkten
Vollstreckungsmöglichkeiten die loyale Zusammenarbeit der verschiedenen staatlichen
Gewalten geradezu voraussetzt, darf angenommen werden, daß diese "moralische" Wirkung
auf den Gesetzgeber dem Spruch des höchsten und gerade zur Auslegung der Verfassung
berufenen Gerichts in erhöhtem Maße zukommen wird. Die Frage, ob dann, wenn der
Gesetzgeber die verfassungsmäßigen Folgerungen aus einer solchen verfassungsgerichtlichen
Feststellung in angemessener Frist nicht ziehen sollte, eine "endgültige" Ablehnung jeder
Ergänzungsregelung anzunehmen sei, die dann zur Nichtigkeit auch der positiven Teilregelung
gemäß Art. 3 Abs. 1 GG führen müsse, braucht daher nicht erörtert zu werden.

2. Die Verfassungsbeschwerde ist rechtzeitig erhoben worden, da § 93 BVerfGG besondere


Fristen nur bei Verfassungsbeschwerden gegen positive Akte der öffentlichen Gewalt vorsieht.

111
Das erklärt sich daraus, daß ein verfassungswidriges Unterlassen fortwirkt, so daß es hier kaum
möglich wäre, einen Zeitpunkt für den Beginn einer Rechtsmittelfrist festzulegen. Im
vorliegenden Falle wäre übrigens die Beschwerdefrist selbst dann gewahrt, wenn man
annehmen wollte, daß sie mit Verkündung der ergänzungsbedürftigen Teilregelung begonnen
habe.“

In einer weiteren Entscheidung des BVerfG heißt es94:

„Ihrem Schwerpunkt nach richten sich die Verfassungsbeschwerden gegen ein Unterlassen des
Gesetzgebers. Denn die Angriffe der Beschwerdeführer gipfeln letztlich in dem Vorwurf, der
Gesetzgeber habe der Exekutive unzureichende oder ungeeignete Maßstäbe für die Zulassung
von Luftfahrzeugen und die Genehmigung des Flughafenbetriebs an die Hand gegeben; in
Ermangelung wirksamer Vorschriften seien die staatlichen Behörden angesichts der harten
Interessengegensätze überfordert und werde die Luftfahrtindustrie nicht genötigt, durch
geeignete Flugzeugkonstruktionen den Fluglärm an der Quelle zu bekämpfen.

Soweit die Beschwerdeführer ein solches gesetzgeberisches Unterlassen rügen, läßt sich die
Zulässigkeit ihrer Verfassungsbeschwerden nicht von vornherein ausschließen. Es kann davon
ausgegangen werden, daß die Beschwerdeführer als Bewohner von Lärmschutzzonen durch
das gerügte Unterlassen selbst, gegenwärtig und unmittelbar beschwert werden. Auch setzen
Verfassungsbeschwerden gegen ein fortdauerndes gesetzgeberisches Unterlassen nicht
grundsätzlich das vorherige Beschreiten des Rechtswegs und die Einhaltung der in § 93 Abs. 2
BVerfGG vorgesehenen Jahresfrist voraus. Bislang sind aber derartige
Verfassungsbeschwerden nur ausnahmsweise und nur dann als zulässig angesehen worden,
wenn sich der Beschwerdeführer auf einen ausdrücklichen Auftrag des Grundgesetzes berufen
kann, der Inhalt und Umfang der Gesetzgebungspflicht im wesentlichen bestimmt (BVerfGE 6,
257 [264]; 8, 1 [9]; 11, BVerfGE 56, 54 (70)BVerfGE 56, 54 (71)255 [261 f]; 12, 139 [142]; 23,
242 [249]). Diese Voraussetzung liegt ersichtlich nicht vor. Vielmehr läuft das Vorbringen der
Beschwerdeführer auf den Vorwurf hinaus, der Gesetzgeber habe es unterlassen, solchen
Handlungs- und Schutzpflichten nachzukommen, die erst im Wege der
Verfassungsinterpretation aus den in den Grundrechten verkörperten Grundentscheidungen
herleitbar sind. Daß der Staatsbürger auch in solchen Fällen unmittelbar das
Bundesverfassungsgericht mit einer gegen gesetzgeberisches Unterlassen gerichteten
Verfassungsbeschwerde anrufen kann, läßt sich jedenfalls nicht ohne weiteres annehmen.
Denn gerade hier hängt die Entscheidung, ob und mit welchem Inhalt ein Gesetz zu erlassen
ist, von mannigfaltigen wirtschaftlichen, politischen und haushaltsrechtlichen Gegebenheiten
ab, die sich richterlicher Nachprüfung im allgemeinen entziehen (vgl. BVerfGE 1, 97 [100 f.];
11, 255 [261]).

Zu den Voraussetzungen einer zeitlich unbefristeten Verfassungsbeschwerde dieser Art wird


im allgemeinen zumindest gehören, daß der Gesetzgeber trotz bestehender Handlungs- und
Schutzpflichten gänzlich untätig geblieben ist. Ist der Gesetzgeber hingegen tätig geworden
und enthält das Gesetz eine - sei es auch ablehnende - Regelung, dann hat er eine Entscheidung

94
BVerfGE 56 54
112
nicht "unterlassen" (vgl. BVerfGE 13, 284 [287]; 23, 229 [238]; 29, 268 [273]). Wer diese
Regelung als unzureichend ansieht, ist gehalten, sie in der in Abschnitt I erörterten Weise zur
verfassungsgerichtlichen Nachprüfung zu stellen, also in erster Linie unmittelbar im Rahmen
der Anfechtung eines Vollziehungsaktes oder - sofern die entsprechenden Voraussetzungen
vorliegen - unmittelbar mit einer Verfassungsbeschwerde, die innerhalb der in § 93 Abs. 2
BVerfGG im Interesse der Rechtssicherheit vorgeschriebenen Jahresfrist einzulegen ist. Nach
Ablauf dieser Frist und außerhalb der Anfechtung konkreter Vollziehungsakte kann eine
Verfassungsbeschwerde wegen Unterlassung allenfalls noch unter dem besonBVerfGE 56, 54
(71)BVerfGE 56, 54 (72)deren, in neueren Entscheidungen herausgearbeiteten und noch zu
erörternden Gesichtspunkt in Betracht gezogen werden, der Gesetzgeber habe durch seine
Untätigkeit eine verfassungsrechtliche Pflicht zur Nachbesserung einer ursprünglich als
verfassungskonform angesehenen Regelung verletzt.“

Nach Art. 6 und Art. 13 EMRK, Art. 47 GRC und Art. 14 IPbpR ist Deutschland verpflicht ein
konventionskonformes Rechtsschutzsystem einzuführen.
Ein Verhalten staatlicher Behörden und damit auch der Gerichte, das bewusst auf die Vereitelung oder
zumindest ungerechtfertigter Erschwerung der Durchsetzung von Rechten abzielt und von der
Exekutive und der Gesetzgebung nicht nur toleriert, sondern auch gefördert und unterstützt wird, kann
mit keinem legitimen öffentlichen Interesse gerechtfertigt werden. Es ist im Gegenteil geeignet, die
Glaubwürdigkeit und Autorität der Gesetzgebung zu untergraben und ihre Wirksamkeit zu
gefährden.95 Das der Konvention zugrunde liegende Rechtsstaatsprinzip und der Grundsatz der
Rechtmäßigkeit in Art. 1 EMRK verlangen von den Staaten nicht nur die Anwendung und Durchsetzung
ihrer Gesetze, sondern auch die Sicherstellung der rechtlichen und praktischen Voraussetzungen für
deren Anwendung.96
Das Ministerkomitee des Europarates hat in einer Resolution vom 12.5.2004 den GH eingeladen, in
seinen Urteilen festzustellen, welche strukturellen Probleme seiner Ansicht nach für die
Konventionsverletzung verantwortlich sind und worin er die Ursachen für diese Probleme sieht. Durch
diese Vorgehensweise sollen die Staaten – insbesondere wenn zu erwarten ist, dass das festgestellte
Problem eine Vielzahl von Beschwerden nach sich ziehen wird – bei der Lösung ihrer Probleme
unterstützt und dem Ministerkomitee die Überwachung der Durchsetzung der Urteile erleichtert
werden. Diese Resolution ist vor dem Hintergrund der steigenden Arbeitsbelastung des GH zu sehen,
die vor allem aus der Menge an ähnlichen Fällen resultiert, die auf denselben strukturellen Problemen
beruhen. 97

95
Vgl. BRONIOWSKI gegen Polen Urteil vom 22. Juni 2004, Große Kammer Rn 174„In the Court's opinion, such conduct by State agencies,
which involves a deliberate attempt to prevent the implementation of a final and enforceable judgment and which is, in addition, tolerated,
if not tacitly approved, by the executive and legislative branch of the State, cannot be explained in terms of any legitimate public interest or
the interests of the community as a whole. On the contrary, it is capable of undermining the credibility and authority of the judiciary and of
jeopardising its effectiveness, factors which are of the utmost importance from the point of view of the fundamental principles underlying
the Convention and which, in the context of the present case, must prevail over any conceivable considerations of economic or social policy
that might have been behind the Polish State's failure to rectify the policy of the agencies concerned.“
96
Ebenda Rn. 184 „The rule of law underlying the Convention and the principle of lawfulness in Article 1 of Protocol No. 1 require States not
only to respect and apply, in a foreseeable and consistent manner, the laws they have enacted, but also, as a corollary of this duty, to ensure
the legal and practical conditions for their implementation (see also paragraph 147 above).“
97
Ebenda „190. As part of a package of measures to guarantee the effectiveness of the Convention machinery, the Committee of Ministers
of the Council of Europe adopted on 12 May 2004 a Resolution (Res(2004)3) on judgments revealing an underlying systemic problem, in
which, after emphasising the interest in helping the State concerned to identify the underlying problems and the necessary execution
measures (seventh paragraph of the preamble), it invited the Court “to identify in its judgments finding a violation of the Convention what it
considers to be an underlying systemic problem and the source of that problem, in particular when it is likely to give rise to numerous
applications, so as to assist States in finding the appropriate solution and the Committee of Ministers in supervising the execution of
judgments” (paragraph I of the resolution). That resolution has to be seen in the context of the growth in the Court's caseload, particularly
as a result of series of cases deriving from the same structural or systemic cause.
191. In the same context, the Court would draw attention to the Committee of Ministers' Recommendation of 12 May 2004 (Rec(2004)6) on
the improvement of domestic remedies, in which it is emphasised that, in addition to the obligation under Article 13 of the Convention to
113
In diesem Zusammenhang weist der GH auch auf die Empfehlung des Ministerkomitees vom
12.5.20042 hin, mit der den Mitgliedstaaten empfohlen wird, im Falle von strukturellen oder
allgemeinen Defiziten im innerstaatlichen Recht oder bei dessen Umsetzung für wirksame
Rechtsbehelfe zu sorgen, um sich wiederholende Beschwerden an den GH zu verhindern. 98

Und genau das macht das Bundesverfassungsgericht nachweislich nicht. Daher sieht sich der
Beschwerdeführer veranlasst, dass Verfahren der Verfassungsbeschwerde so auszugestalten, dass
eine effektive Durchsetzung des Grundrechtsschutzes, wie es das GG fordert möglich ist. Um auch eine
wirksame Kontrolle sicher zu stellen, muss die Begründungspflicht wiederhergestellt werden. Dadurch
sollen die Beschwerdeführer nicht nur wirksam zu ihrem Recht kommen, sondern es sollen auch so
andere davon profitieren und den Fachgerichten deutlich gemacht werden, dass sie nach den Regeln
des Rechtsstaats zu arbeiten haben.

Der Beschluss des Ministerkomitees99 ist hier „Das Ministerkomitee, nach Artikel 15b der Satzung des
Europarats, in der Erwägung, dass es das Ziel des Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen
seinen Mitgliedern herzustellen, und dass eines der wichtigsten Mittel zur Erreichung dieses Zieles die
Wahrung und Fortentwicklung der Menschenrechte und Grundfreiheiten ist; in Bekräftigung seiner
Überzeugung, dass die Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden
als „Konvention“ bezeichnet) der wesentliche Bezugspunkt im Bereich des Schutzes der
Menschenrechte in Europa bleiben muss, und im Hinblick auf seine Verpflichtung, Maßnahmen zur
Gewährleistung der langfristigen Wirksamkeit des durch die Konvention errichteten Kontrollsystems zu
treffen; eingedenk des subsidiären Charakters des durch die Konvention errichteten
Kontrollmechanismus, der nach Artikel 1 voraussetzt, dass die in der Konvention verankerten Rechte
und Freiheiten in erster Linie durch das innerstaatliche Recht geschützt und von den nationalen
Behörden angewandt werden; in dieser Hinsicht erfreut darüber, dass die Konvention heute ein
wesentlicher Bestandteil der innerstaatlichen Rechtsordnung aller Mitgliedstaaten ist; unter Hinweis
darauf, dass sich die Mitgliedstaaten nach Artikel 13 der Konvention verpflichtet haben sicherzustellen,
dass jede Person, die in vertretbarer Weise eine Verletzung ihrer in der Konvention anerkannten Rechte
oder Freiheiten geltend machen kann, das Recht hat, bei einer innerstaatlichen Instanz eine wirksame
Beschwerde zu erheben; eingedenk dessen, dass die Staaten neben der Verpflichtung, das Bestehen
solch wirksamer Beschwerden im Sinne der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (im Folgenden als „Gerichtshof“ bezeichnet) sicherzustellen, die allgemeine
Verpflichtung haben, die den festgestellten Verletzungen zugrunde liegenden Probleme zu beseitigen;

provide an individual who has an arguable claim with an effective remedy before a national authority, States have a general obligation to
solve the problems underlying the violations found. Mindful that the improvement of remedies at the national level, particularly in respect
of repetitive cases, should also contribute to reducing the workload of the Court, the Committee of Ministers recommended that the
Contracting States, following Court judgments which point to structural or general deficiencies in national law or practice, review and, “where
necessary, set up effective remedies, in order to avoid repetitive cases being brought before the Court”.
192. Before examining the applicant's individual claims for just satisfaction under Article 41 of the Convention, in view of the circumstances
of the instant case and having regard also to the evolution of its caseload, the Court wishes to consider what consequences may be drawn
for the respondent State from Article 46 of the Convention. It reiterates that by virtue of Article 46 the High Contracting Parties have
undertaken to abide by the final judgments of the Court in any case to which they are parties, execution being supervised by the Committee
of Ministers. It follows, inter alia, that a judgment in which the Court finds a breach imposes on the respondent State a legal obligation not
just to pay those concerned the sums awarded by way of just satisfaction under Article 41, but also to select, subject to supervision by the
Committee of Ministers, the general and/or, if appropriate, individual measures to be adopted in their domestic legal order to put an end to
the violation found by the Court and to redress so far as possible the effects. Subject to monitoring by the Committee of Ministers, the
respondent State remains free to choose the means by which it will discharge its legal obligation under Article 46 of the Convention, provided
that such means are compatible with the conclusions set out in the Court's judgment (see Scozzari and Giunta v. Italy [GC], nos. 39221/98
and 41963/98, § 249, ECHR 2000-VIII).“
98
Ebenda „194. With a view to assisting the respondent State in fulfilling its obligations under Article 46, the Court has sought to indicate
the type of measure that might be taken by the Polish State in order to put an end to the systemic situation identified in the present case.
The Court is not in a position to assess whether the December 2003 Act (see paragraphs 114-20 above) can be treated as an adequate
measure in this connection since no practice of its implementation has been established as yet. In any event, this Act does not cover persons
who – like Mr Broniowski – had already received partial compensation, irrespective of the amount of such compensation. Thus, it is clear
that for this group of Bug River claimants the Act cannot be regarded as a measure capable of putting an end to the systemic situation
identified in the present judgment as adversely affecting them.“
99
Empfehlung Rec(2004)6 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten über die Verbesserung der innerstaatlichen Rechtsbehelfe
114
unter Hinweis darauf, dass es die Aufgabe der Mitgliedstaaten ist sicherzustellen, dass innerstaatliche
Rechtsbehelfe rechtlich und praktisch wirksam sind und zu einer Entscheidung über die Begründetheit
der Beschwerde und einer angemessenen Abhilfe jeder festgestellten Verletzung führen können; in
Anbetracht dessen, dass Art und Anzahl der vor dem Gerichtshof erhobenen Beschwerden und die von
ihm gefällten Urteile mehr denn je die Notwendigkeit aufzeigen, dass die Mitgliedstaaten wirksam und
regelmäßig sicherstellen, dass solche Rechtsbehelfe unter allen Umständen, insbesondere bei
überlanger Dauer von Gerichtsverfahren gegeben sind; in der Erwägung, dass die Verfügbarkeit
wirksamer innerstaatlicher Rechtsbehelfe für alle in vertretbarer Weise geltend gemachten
Konventionsverletzungen ermöglichen soll, die Arbeitslast des Gerichtshofs einerseits durch die
Verringerung der Zahl der bei ihm eingehenden Rechtssachen und andererseits dadurch zu verringern,
dass die eingehende Behandlung der Fälle auf innerstaatlicher Ebene deren spätere Überprüfung durch
den Gerichtshof erleichtern kann; unter Hinweis darauf, dass die Verbesserung der innerstaatlichen
Rechtsbehelfe insbesondere bei wiederkehrenden Rechtssachen ebenfalls dazu beitragen soll, die
Arbeitslast des Gerichtshofs zu verringern, empfiehlt den Mitgliedstaaten, unter Berücksichtigung der
im Anhang aufgeführten Beispiele einer guten Praxis:
I. durch eine stetige Überwachung im Lichte der Rechtsprechung des Gerichtshofs sicherzustellen, dass
für alle Personen, die in vertretbarer Weise eine Konventionsverletzung geltend machen,
innerstaatliche Rechtsbehelfe bestehen und dass diese Rechtsbehelfe insoweit wirksam sind, als sie zu
einer Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde und einer angemessenen Abhilfe jeder
festgestellten Verletzung führen können.
II. im Anschluss an Urteile des Gerichtshofs, die strukturelle oder allgemeine Defizite im Recht oder in
der Praxis des Staates aufzeigen, die Wirksamkeit der bestehenden innerstaatlichen Rechtsbehelfe zu
überprüfen und gegebenenfalls wirksame Rechtsbehelfe zu schaffen, um zu vermeiden, dass der
Gerichtshof mit wiederkehrenden Rechtssachen befasst wird;
III. besondere Aufmerksamkeit - im Rahmen der Punkte I und II - dem Bestehen wirksamer
Rechtsbehelfe im Falle einer vertretbaren Rüge der überlangen Verfahrensdauer von Gerichtsverfahren
zu schenken; beauftragt den Generalsekretär des Europarats, die nötigen Mittel bereit zu stellen,
um den Mitgliedstaaten, die darum ersuchen, geeignete Hilfe zu gewähren, um sie bei der
Umsetzung dieser Empfehlung zu unterstützen.“

In der weiteren Entscheidung des Ministerkomitees 100 „in der Erwägung, dass es das Ziel des
Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen seinen Mitgliedern herzustellen; im Hinblick auf die
Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden „die Konvention“); in
Anbetracht dessen, dass sich die Vertragsparteien auf der Grundlage von Artikel 46 der Konvention
verpflichtet haben, in allen Rechtssachen, in denen sie Partei sind, das endgültige Urteil des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte („der Gerichtshof“) zu befolgen, und dass das
Ministerkomitee seine Durchführung überwacht; in dem Bewusstsein, dass die vorerwähnte
Verpflichtung unter bestimmten Umständen die Annahme anderer Maßnahmen als der gerechten
Entschädigung, die der Gerichtshof nach Artikel 41 der Konvention zuspricht, und/oder allgemeiner
Maßnahmen beinhalten kann, damit die verletzte Partei soweit wie möglich in die Situation versetzt
wird, in der sie sich vor der Verletzung der Konvention befand (restitutio in integrum);

in Anbetracht der Tatsache, dass es den zuständigen Behörden des beklagten Staates obliegt, unter
Berücksichtigung der im innerstaatlichen Rechtssystem verfügbaren Mittel zu bestimmen, welche
Maßnahmen sich am besten zur Verwirklichung der restitutio in integrum eignen;

eingedenk dessen jedoch, dass es – wie die Praxis des Ministerkomitees in Bezug auf die Überwachung
der Durchführung der Urteile des Gerichtshofs zeigt – außergewöhnliche Umstände gibt, unter denen
sich die Überprüfung einer Rechtssache oder die Wiederaufnahme eines Verfahrens als das wirksamste,
wenn nicht sogar als das einzige Mittel zur Verwirklichung der restitutio in integrum erwiesen hat,

100
Empfehlung Nr. R (2000) 2 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten über die Überprüfung oder Wiederaufnahme bestimmter
Verfahren auf innerstaatlicher Ebene im Anschluss an Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
115
I. fordert die Vertragsparteien im Lichte dieser Erwägungen auf sicherzustellen, dass auf
innerstaatlicher Ebene geeignete Maßnahmen vorhanden sind, um die Verwirklichung der restitutio in
integrum soweit wie möglich zu erreichen;

II. ermutigt die Vertragsparteien insbesondere, ihre innerstaatlichen Rechtssysteme zu überprüfen, um


sicherzustellen, dass geeignete Möglichkeiten für die Überprüfung einer Sache, einschließlich der
Wiederaufnahme eines Verfahrens in den Fällen bestehen, in denen der Gerichtshof eine Verletzung
der Konvention festgestellt hat, insbesondere wenn

i) die verletzte Partei infolge der innerstaatlichen Entscheidung weiterhin an sehr schwerwiegenden
Folgen leidet, die durch die gerechte Entschädigung nicht ausreichend wieder gutgemacht
und nur durch die Überprüfung oder Wiederaufnahme beseitigt werden können,
und
ii) aus dem Urteil des Gerichtshofs hervorgeht, dass
a) die angefochtene innerstaatliche Entscheidung dem Grunde nach der Konvention entgegensteht
oder
b) die festgestellte Verletzung auf Verfahrensfehler oder Verfahrensmängel zurückzuführen ist, die so
schwerwiegend sind, dass ernsthafte Zweifel hinsichtlich des Ausgangs des angefochtenen
innerstaatlichen Verfahrens bestehen.“

Der Beschwerdeführer sieht die Verfassungsbeschwerde als adäquaten Rechtsbehelf an, da die
Konzeption des Grundrechtsschutzes in Analogie zur Beschwerde nach Art. 34 EMRK ausgestaltet ist.

Wie der EGMR entschied101 „Der Gerichtshof stellt fest, dass in dem Verfahren vor dem
Bundesverfassungsgericht von dem Beschwerdeführer, einem Anwalt mit erstinstanzlicher Zulassung,
die Verfassungsmäßigkeit der gesetzlichen Bestimmung über die Singularzulassung bei den
Oberlandesgerichten bestritten und geltend gemacht wurde, dass sie mit dem Grundrecht der
Berufsfreiheit unvereinbar sei. Insoweit betraf das Verfahren einen Streit über einen zivilrechtlichen
Anspruch. Im Hinblick auf die erga omnes-Wirkung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts,
die Norm für verfassungswidrig zu erklären, können die Beschwerdeführer ferner als in der Nutzung
ihrer Kanzleien beeinträchtigt angesehen werden (siehe vorstehende Erwägungen des Gerichtshofs zu
Artikel 1 des Protokolls Nr. 1). Dieses Verfahren könnte daher als für die "zivilrechtlichen Ansprüche und
Verpflichtungen" der Beschwerdeführer im Sinne von Artikel 6 Abs. 1 "erheblich" angesehen werden
(siehe Urteil in der Rechtssache Kraska, o.a.).
Bei der Prüfung der Frage des Zugangs der Beschwerdeführer zu diesem Verfahren hat der Gerichtshof
die besondere Rolle und Stellung eines Verfassungsgerichts berücksichtigt, dessen Aufgabe es ist, die
Einhaltung der Verfassung in den Bereichen der Legislative, der Exekutive und der Judikative
sicherzustellen, und das den Bürgern auf nationaler Ebene weiteren Rechtsschutz in Hinsicht auf ihre in
der Verfassung garantierten Grundrechte gewähren kann (siehe Urteil Süssmann ./. Deutschland, o.a.,
Nr. 37).
Es ist zwar zutreffend, dass die Beschwerdeführer wegen der Besonderheiten des
Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht nicht persönlich vor diesem Gericht
erscheinen konnten. Aber der Gerichtshof hat schon entschieden, dass es in Verfahren, die eine
Entscheidung für eine Vielzahl von Personen zum Gegenstand haben, nicht immer geboten oder auch
nur möglich ist, dass jede betroffene Person vor dem Gericht Gehör bekommt (siehe Lithgow u.a. ./. das
Vereinigte Königreich, o.a., S. 71, Nr. 196). Im vorliegenden Fall hatte die sich aus der Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts ergebende Gesetzesänderung Auswirkungen auf die Stellung zahlreicher
Anwälte. Der Gerichtshof ist der Auffassung, dass das Bundesverfassungsgericht angesichts der
praktischen Implikation dieser Änderung den Erfordernissen nach Artikel 6 der Konvention hinreichend

101

116
genügt hat, indem es Verbände angehört hat, die die Berufsinteressen der Anwälte in allen Fragen
einschließlich der Übergangsregelungen verteidigt haben. “

Hier geht bereits der EGMR als Besonderheit des BVerfG zur Durchsetzung des Grundrechtsschutzes
gewährt.

Deutschland wurde vom Ministerkommitee mehrfach aufgefordert ein konventionskonformes


Rechtsschutzsystem einzuführen.

So heißt es in der Resolution

„ 1. Die Parlamentarische Versammlung unterstreicht die grundlegende Bedeutung des


Schutzes von Strafrechtssystemen in ganz Europa vor politisch motivierten Eingriffen, was die
Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Freiheit des Einzelnen angeht.

2. Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten des Europarats auf dem


Gebiet der Strafjustiz (bei Fragen wie Auslieferung und Beweiserhebung, wie dies aus den
einschlägigen Konventionen des Europarats hervorgeht) hängt ab von dem gegenseitigen
Vertrauen in die grundlegende Fairness der Strafjustizsysteme aller Mitgliedstaaten und das
Ausbleiben politisch motivierter Missbrauchshandlungen.

3. Die Unabhängigkeit der Gerichte, rechtlich wie praktisch, ist die Hauptverteidigungslinie
gegen solche Missbrauchsfälle.

3.1. Die Unabhängigkeit der Gerichte und jedes einzelnen Richters wird in allen
Mitgliedstaaten des Europaratsgrundsätzlich anerkannt. Das sollte sich auch in den
Verfassungen der Staaten niederschlagen. Wirkliche richterliche Unabhängigkeit setzt
außerdem eine Reihe rechtlicher und praktischer Sicherungen voraus, darunter

3.1.1. die Einstellung und Beförderung von Richtern allein nach ihrem Verdienst
(Qualifikation, Integrität, Fähigkeiten und Effizienz);

3.1.2. den effektiven Schutz vor unfairen Disziplinarmaßnahmen (vor allem einer Entlassung);

3.1.3. Gehälter und Leistungen, die es den Richtern und ihren Angehörigen ermöglichen,
nicht auf die Bereitstellung von Wohnraum oder anderen Vergünstigungen durch die
vollziehende Gewalt angewiesen zu sein;

3.1.4. den Schutz der Unabhängigkeit der Richter gegenüber Gerichtspräsidenten und
Richtern von Obergerichten, unter anderem durch die Zuweisung von Fällen nach strengen
Regeln auf der Grundlage zuvor festgelegter objektiver Systeme, damit den Richtern einzelne
Fälle nicht ohne gesetzlich genau umrissene Begründung entzogen werden können und indem
sichergestellt wird, dass die Beurteilung der Leistung eines Richters nicht an dem Verhältnis
der von Obergerichten bestätigten oder kassierten Urteile gemessen wird.

117
3.2. Staatsanwälte müssen ihre Aufgaben ohne Einmischung aus dem Bereich der Politik
erfüllen können. Sie müssen gegen Weisungen zu einzelnen Fällen abgeschirmt werden,
zumindest dann, wenn solche Weisungen die gerichtliche Verwertung von Ermittlungen
verhindern würden.

3.3. Damit die praktischen Maßnahmen zur Sicherung der richterlichen Unabhängigkeit
effektiv sind, könnte ein starker Justizrat bei der Überwachung der Umsetzung der richterlichen
Unabhängigkeit eine bedeutsame Rolle spielen.

3.3.1. Justizräte müssen entscheidenden Einfluss auf die Einstellung und Beförderung von
Richtern und Staatsanwälten sowie auf gegen diese gerichtete Disziplinarmaßnahmen
nehmen, und zwar unbeschadet der in manchen Verfassungen vorgesehenen richterlichen
Überprüfungsmechanismen.

3.3.2. Gewählte Vertreter von Richtern und Staatsanwälten sollten mindestens genauso
zahlreich wie von politischen Gremien benannte Mitglieder anderer gesellschaftlicher
Gruppierungen sein. Die zuletzt erwähnten Mitglieder sollten für alle politischen
Hauptströmungen des Landes reprräsentativ sein. Die in vielen Staaten geltende Praxis,
Parlamentsausschüsse in die Benennung bestimmter hoher Richter einzubeziehen – was auch
für die Wahl der Richter des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gilt– ist ebenfalls
annehmbar.

3.4. Die Arbeitsteilung zwischen Richtern und Staatsanwälten ist eine Frage der jeweiligen
nationalen Rechtstradition. Das richtige Gleichgewicht, das den bestmöglichen Schutz vor
politsch motivierten Eingriffen sicherstellt, hängt auch von dem Grad der den Staatsanwälten
gewährten Unabhängigkeit sowie den der Verteidigung zu Gebote stehenden
Verfahrensrechten und materiellen Mitteln ab.
3.4.1. In Staaten wie dem Vereinigten Königreich und Italien, in denen Staatsanwälte über ein hohes
Maß an Unabhängigkeit verfügen und die Verteidigung schon frühzeitig die Unterlagen einsehen und
Kontakt mit dem Beschuldigten aufnehmen kann, lässt sich die Rolle der Richter problemlos auf die
gesetzliche Überprüfung und die abschließende Urteilsfindung beschränken.
3.4.2. In Staaten wie Frankreich und Deutschland, in denen Staatsanwälte enger in Hierarchien
eingebunden sind, müssen Richter und Verteidiger auch in der Ermittlungsphase eine aktivere Rolle
spielen können.

3.5. Der Erfolg von Veränderungen des Systems, wie die geplante Abschaffung des juge
d’instruction in Frankreich oder in Deutschland die Stärkung der Rolle der Bundesanwaltschaft nach
den jüngsten Antiterrorismusgesetzen, setzt voraus, das richtige Gleichgewicht zwischen
uneingeschränkt unabhängigen Akteuren (Richter, Verteidiger) und der Staatsanwaltschaft sowie der
Polizei zu finden. Im Zuge solcher Reformen könnte es nötig werden, die Unabhängigkeit der
Staatsanwaltschaft zu stärken, um die generelle Unabhängigkeit des Strafjustizsystems zu sichern
und es vor politisch motivierten Einmischungen zu bewahren.

4. Die Lage in den vier Staaten, die hier als Beispiele der Hauptformen des Strafjustizsystems in
Europa untersucht werden sollen – Vereinigtes Königreich (England und Wales), Frankreich,
Deutschland und die Russische Föderation – lässt sich anhand folgender Faktoren kennzeichnen:
118
[...]
4.2. Frankreich und Deutschland:

4.2.1. Die überkommenen inquisitorischen Strafjustizsysteme sind mittlerweile stärker


kontradiktorisch geprägt, doch sind die Mittel für Prozesskostenhilfe in beiden Ländern nicht
entsprechend erhöht worden; außerdem haben Verteidiger in Frankreich immer noch nicht den
gleichen Zugang zu dem Beschuldigten und den Vorermittlungen vor dem Prozess wie ihre
Berufskollegen in dem Vereinigten Königreich und in Deutschland;

4.2.2. die Unabhängigkeit der Richter wird nach dem Gesetz wie in der Praxis geachtet, doch
ist es zu einer beträchtlichen Erosion ihres Sozialstatus gekommen;

4.2.3. in beiden Staaten ist die Unabhängigkeit der Staatsanwälte weitaus weniger
entwickelt als imVereinigten Königreich; vor kurzem beklagten leitende Staatsanwälte und
gewählte Vertreter von Richtern und Staatsanwälten in Frankreich eine deutliche
Verschlechterung in der Praxis;

4.2.4. der französische Conseil Supérieur de la Magistrature, welcher für Richter und in
geringerem Maße auch für Staatsanwälte eine wichtige Rolle in Laufbahn- und Disziplinar-
angelegenheiten spielt, kennt in Deutschland immer noch keine Entsprechung; in Frankreich
wurde kürzlich beschlossen, die Zahl der von dem Präsidenten der Republik und den
Präsidenten der beiden Häuser des Parlaments ernannten Mitglieder zu verdoppeln,
womit die gewählten Vertreter der Richterschaft und der Anwaltschaft in die Minderheit
geraten sind;

4.2.5. die vorgeschlagene Abschaffung des juge d’instruction in Frankreich und die
Übertragung des Großteils seiner Zuständigkeiten auf die Staatsanwaltschaft werden weithin
als Versuch der politischen Instanzen betrachtet, ihren Einfluss auf den Umgang mit sensiblen
Rechtssachen zu erweitern;

4.2.6. in beiden Ländern bilden die Parlamente und unabhängige Medien ein recht
festgefügtes Bollwerk gegen einen Missbrauch des Strafrechtssystems durch die Exekutive.

[...]

5. Mit der Feststellung, dass die Strafrechtssysteme aller Mitgliedstaaten – wenn auch in
sehr unterschiedlichem Maße – Gegenstand politisch motivierter Einmischungen sind,

5.1. ruft die Versammlung alle Mitgliedstaaten zu folgenden Maßnahmen auf:

5.1.1. weitere Stärkung der richterlichen Unabhängigkeit und der Waffengleichheit zwischen
Staatsanwaltschaft und Verteidigung, insbesondere durch Bereitstellung ausreichender Mittel
für das Gerichtswesen unter Einschluss der Prozesskostenhilfe, indem Verteidigern – auch bei
den Ermittlungen vor dem Gerichtsverfahren – starke Verfahrensrechte eingeräumt werden
und die gerichtliche Selbstverwaltung gestärkt wird;

119
5.1.2. Sicherstellung, dass die für Beschlüsse über Auslieferungen und andere Formen der
justiziellenZusammenarbeit zuständigen Stellen dem Grad der Unabhängigkeit der
Richterschaft in dem entsprechenden Staat – in der Praxis wie nach dem Gesetz – Rechnung
tragen und eine Auslieferung immer dann verweigern, wenn Grund zu der Annahme besteht,
dass die betreffende Person in dem ersuchenden Staat aller Wahrscheinlichkeit nach aus
politischen Gründen kein faires Verfahren erwarten kann.

[....]
5.4. Die Versammlung fordert Deutschland zu folgenden Maßnahmen auf:

5.4.1. Erwägung der Errichtung eines gerichtlichen Selbstverwaltungssystems unter Berück-


sichtigung der föderalen Struktur der justiziellen Selbstverwaltung und entsprechend dem
Beispiel der in der übergroßen Mehrheit der europäischen Staaten bestehenden Gerichtsräte,
um auf diese Weise die künftige Unabhängigkeit der Gerichte zu sichern;

5.4.2. allmähliche Anhebung der Gehälter von Richtern und Staatsanwälten und Aufstockung
der für Prozesskostenhilfe verfügbaren Mittel (wie dies in den obigen Ziffern 5.3.2. und 5.3.3.
für Frankreich empfohlen wird);

5.4.3. Abschaffung der Justizministern eingeräumten Möglichkeit, den Strafverfolgern in


einzelnen Fällen Weisungen zu erteilen;

5.4.4. Ausbau der gesetzlichen wie der praktischen richterlichen Überwachung der
Wahrnehmung der erweiterten Befugnisse von Staatsanwälten, insbesondere bei der
Terrorismusbekämpfung;

[...]

6. Die Versammlung ruft die Europäische Kommission für Demokratie durch das Recht
(Venedig-Kommission) und die Europäische Kommission für die Effizienz der Justiz (CEPEJ) dazu
auf, auch weiterhin die Unabhängigkeit der Richterschaft in ganz Europa aufrechtzuerhalten
und sich für die Unterstützung von in Schwierigkeiten geratenen Kollegen und gegen politisch
motivierte Einmischungen auszusprechen, wo immer sie erfolgen mögen.

7. Die Versammlung ist der Überzeugung, dass das Ministerkomitee Übereinkommen


des Europarats auf dem Gebiet der rechtlichen Zusammenarbeit überprüfen sollte, um
sicherzustellen, dass sie nicht für politisch motivierte Strafverfolgungen missbraucht werden
können, solange nicht in allen Mitgliedstaaten des Europarats rechtlich wie in der Praxis
vergleichbare Standards der richterlichen Unabhängigkeit erreicht worden sind.

8. Schließlich fordert die Versammlung den Europäischen Gerichtshof für


Menschenrechte zur Prüfung der Frage auf, ob Anträge wegen behaupteter Verletzungen der
richterlichen Unabhängigkeit und Fällen politisch motivierten Missbrauchs des
Strafrechtssystems vorrangig behandelt werden sollten. Angesichts der grundlegenden
Bedeutung unabhängiger Gerichte für den Schutz der Menschenrechte auf nationaler Ebene
könnte eine solche Politik dazu beitragen, die Flut von Anträgen an den Europäischen
Gerichtshof einzudämmen.“

120
8. Anspruch auf mündliche Verhandlung mit Entscheidungsbegründung
EGMR102 „Der Gerichtshof erinnert daran, dass bei der Beantwortung der Frage, ob eine
Streitigkeit die Festlegung eines zivilrechtlichen Anspruchs berührt, einzig die Art des
betreffenden Anspruchs von Bedeutung ist (Rechtssache König ./. Deutschland, Urteil vom
28. Juni 1978, Serie A Bd. 27, S. 30 Rdnr. 90). Er stellt hier fest, dass die Beschwerdeführerin
sich einerseits auf das Recht auf Eigentum und andererseits auf das Recht auf Berufsfreiheit
berufen hat, die nach Artikel 14 bzw. 12 des Grundgesetzes garantiert werden. Selbst wenn
das Eigentumsrecht im Prinzip zivilrechtlicher Natur ist, so stellt sich die Situation im
vorliegenden Fall anders dar. Der Gerichtshof hat in der Tat in Anlehnung an das
Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass es sich hier um künftige Erwerbschancen handelte,
die nicht als Eigentum im Sinne des Artikels 1 des Protokolls Nr. 1 betrachtet werden könnten
(Rechtssache Voggenreiter ./. Deutschland (Entsch.), Nr. 7538/02, 28. November 2002). Das
Recht jedoch auf freie Berufsausübung und insbesondere auf Fortführung dieser Tätigkeit
begründet einen zivilrechtlichen Anspruch (s. die Urteile in den o.a. Rechtssachen König, S. 31-
32, Rdnr. 91-95, Le Compte, Van Leuven und De Meyere, S. 21-22, Rdnr. 46-48, H. ./. Belgien,
S. 32-34, Rdnr. 44-48 und Kraska, S. 48, Rdnr. 23-25; s. auch Ferrazzini ./. Italien [Große
Kammer], Nr. 44759/98, EuGHMR 2001-VII, Rdnr. 25-28). Somit betraf das strittige Verfahren
einen Anspruch zivilrechtlicher Natur.“

Ein solcher Anspruch liegt hier vor. Da es sich um Zivile Rechtstreitigkeiten im Sinne Art. 6
EMRK handelt. Im übrigen wird auf dies Ausführungen in V 1.3 und V 2.9 der verwiesen.
Ferner macht Bf. grundlegend den Anspruch nach Art. 47 GrCh geltend.

9. Befangenheit der Abgeordneten


Aufgrund des Umstandes, dass die Abgeordneten ihre eigene Legitimation überprüfen, sind sie keine
unabhängige und unparteiische Instanz nach Art. 13 EMRK und Art. 47 GrCh. Wenn das Verfahren vor
dem Bundestag nur noch als reines Rechtsmittelverfahren zum bloßen Selbstzweck durchlaufen wird,
dann verkommt die Wahlprüfung zur reinsten Farce. Wenn ein Rechtsmittel eingelegt wird, dann muss
das auch zum Erfolg führen können. Das ist aber nicht der Fall, wenn widerrechtlich zum Nachteil des
Beschwerdeführers das Verfahren entschieden wird oder denen bei Normenkontrollen die
Verwerfungskompetenz fehlt und diese das Verfahren nach Belieben in die Länge ziehen, dann ist das
kein wirksamer Rechtsbehelf nach Art. 13 EMRK und Art. 47 GRC mehr.

10. Anrufung des EuGH


10. Allgemeines
Auch die Anrufung ist erforderlich und angezeigt.

Nach Rechtsprechung des BVerfG 103 besteht Vorlagepflicht 104

„Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist der Europäische


Gerichtshof gesetzlicher Richter im Sinne von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG. Unterlässt es ein

102
08.01.2004 - 47169/99
103
Beschluss vom 21. November 2011 - 2 BvR 516/09
104
BVerfGE 73, 339, 366 ff.; 75, 223, 233 ff.; 82, 159, 192 ff.; 126, 286, 315 ff
121
deutsches Gericht, ein Vorabentscheidungsverfahren an den Europäischen Gerichtshof zu
stellen, obwohl es unionsrechtlich dazu verpflichtet ist, werden die Rechtsschutzsuchenden des
Ausgangsverfahrens ihrem gesetzlichen Richter entzogen ( BVerfGE 73, 339 <366 ff.>; 75, 223
<233 ff.>; 82, 159 <192 ff.>; 126, 286 <315 ff.>).“

Demnach erklärt das BVerfG105 weiter „a) Der Europäische Gerichtshof ist gesetzlicher Richter
im Sinne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG; diese vom Bundesverfassungsgericht bisher nicht
entschiedene Frage (vgl. BVerfGE 29, 198 [207] 31, 145 [169]) ist zu bejahen.

aa) Angesichts der umfangreichen institutionellen Garantien (vgl. Art. 165 bis 168, 188 EWGV,
Art. 2 ff., 17 ff. des Protokolls über die Satzung des Gerichtshofs der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft vom 17. April 1957 [BGBl. II S. 1166] und der Verfahrensordnung des
Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften vom 4. Dezember 1974 in der kodifizierten
Fassung vom 15. Februar 1982 [ABl. Nr. C 39/1 vom 15. Februar 1982]) können Zweifel an der
Gerichtsqualität des Europäischen Gerichtshofs im Sinne des Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG nicht
bestehen. Der Gerichtshof ist ein durch die Gemeinschaftsverträge errichtetes hoheitliches
Rechtspflegeorgan, das auf der Grundlage und im Rahmen normativ festgelegter
Kompetenzen und Verfahren Rechtsfragen nach Maßgabe von Rechtsnormen und rechtlichen
Maßstäben in richterlicher Unabhängigkeit grundsätzlich endgültig entscheidet. Seine
Mitglieder sind zur Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verpflichtet; ihre Rechtsstellung ist
normativ so ausgestaltet, daß sie Gewähr für persönliche Unabhängigkeit bietet. Das
Verfahrensrecht des Gerichtshofs genügt rechtsstaatlichen Anforderungen an ein gehöriges
Verfahren; es gewährleistet insbesondere das Recht auf Gehör, dem Verfahrensgegenstand
angemessene prozessuale Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten und frei gewählten,
kundigen Rechtsbeistand (vgl. auch BVerfGE 59, 63 [91 f.]).“

Und selbst der EuGH erklärt106

„ Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob die Art. 267 AEUV und 94
der Verfahrensordnung im Licht von Art. 47 Abs. 2 und Art. 48 Abs. 1 der Charta dahin
auszulegen sind, dass sie einer nationalen Rechtsvorschrift entgegenstehen, die so ausgelegt
wird, dass sie das vorlegende Gericht verpflichtet, sich in der anhängigen Rechtssache wegen
Befangenheit abzulehnen, weil es in seinem Vorabentscheidungsersuchen den Sachverhalt und
den rechtlichen Rahmen dieser Rechtssache dargelegt hat.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das in Art. 267 AEUV vorgesehene
Vorabentscheidungsverfahren das Schlüsselelement des Gerichtssystems in der Europäischen
Union darstellt, das durch die Einführung eines Dialogs von Gericht zu Gericht zwischen dem
Gerichtshof und den Gerichten der Mitgliedstaaten die einheitliche Auslegung des
Unionsrechts gewährleisten soll und damit die Sicherstellung seiner Kohärenz, seiner vollen
Geltung und seiner Autonomie sowie letztlich des eigenen Charakters des durch die Verträge
geschaffenen Rechts ermöglicht (vgl. Gutachten 2/13 vom 18. Dezember 2014,
EU:C:2014:2454, Rn. 176 und die dort angeführte Rechtsprechung).

105
BVerfGE 73, 339
106
Rechtssache C-614/14 vom 05.07.2016
122
Nach ständiger Rechtsprechung ist das mit Art. 267 AEUV eingerichtete Verfahren ein
Instrument der Zusammenarbeit zwischen dem Gerichtshof und den nationalen Gerichten, mit
dem der Gerichtshof diesen Gerichten Hinweise zur Auslegung des Unionsrechts gibt, die sie
zur Entscheidung des bei ihnen anhängigen Rechtsstreits benötigen (vgl. Beschlüsse vom 8.
September 2011, Abdallah, C‑144/11, nicht veröffentlicht, EU:C:2011:565, Rn. 9 und die dort
angeführte Rechtsprechung, vom 19. März 2015, Andre, C‑23/15, nicht veröffentlicht,
EU:C:2015:194, Rn. 4 und die dort angeführte Rechtsprechung, sowie Urteil vom 6. Oktober
2015, Capoda Import-Export, C‑354/14, EU:C:2015:658, Rn. 23).

Nach ebenfalls ständiger Rechtsprechung haben die nationalen Gerichte gemäß Art. 267
AEUV ein unbeschränktes Recht zur Vorlage an den Gerichtshof, wenn sie der Auffassung sind,
dass eine bei ihnen anhängige Rechtssache Fragen der Auslegung oder der Gültigkeit der
unionsrechtlichen Bestimmungen aufwirft, deren Beantwortung für die Entscheidung des
ihnen unterbreiteten Rechtsstreits erforderlich ist. Den nationalen Gerichten steht es zudem
frei, diese Möglichkeit in jedem Moment des Verfahrens, den sie für geeignet halten,
wahrzunehmen (vgl. Urteile vom 5. Oktober 2010, Elchinov, C ‑173/09, EU:C:2010:581, Rn. 26
und die dort angeführte Rechtsprechung, sowie vom 11. September 2014, A, C‑112/13,
EU:C:2014:2195, Rn. 39 und die dort angeführte Rechtsprechung). Es ist nämlich allein ihre
Sache, den geeignetsten Zeitpunkt für ein Vorabentscheidungsersuchen an den Gerichtshof zu
bestimmen (vgl. Urteile vom 15. März 2012, Sibilio, C‑157/11, nicht veröffentlicht,
EU:C:2012:148, Rn. 31 und die dort angeführte Rechtsprechung, sowie vom 7. April 2016,
Degano Trasporti, C‑546/14, EU:C:2016:206, Rn.16).

Die Notwendigkeit, zu einer dem nationalen Gericht dienlichen Auslegung des Unionsrechts zu
gelangen, macht es erforderlich, dass dieses Gericht den Sachverhalt und den rechtlichen
Rahmen, in dem sich seine Fragen stellen, darlegt oder zumindest die tatsächlichen Annahmen
erläutert, auf denen diese Fragen beruhen (vgl. Beschlüsse vom 8. September 2011, Abdallah,
C‑144/11, nicht veröffentlicht, EU:2011:565, Rn. 10 und die dort angeführte Rechtsprechung,
vom 19. März 2015, Andre, C‑23/15, nicht veröffentlicht, EU:2015:194, Rn. 5 und die dort
angeführte Rechtsprechung, sowie Urteil vom 10. März 2016, Safe Interenvíos, C ‑235/14,
EU:C:2016:154, Rn. 114).

Die Anforderungen an den Inhalt eines Vorabentscheidungsersuchens sind ausdrücklich in Art.


94 der Verfahrensordnung aufgeführt, von dem das vorlegende Gericht im Rahmen der in Art.
267 AEUV vorgesehenen Zusammenarbeit Kenntnis haben sollte und den es sorgfältig zu
beachten hat (vgl. Beschluss vom 3. Juli 2014, Talasca, C‑19/14, EU:C:2014:2049, Rn. 21).

Im Übrigen steht fest, dass die in den Vorlageentscheidungen gemachten Angaben nicht nur
dazu dienen, dem Gerichtshof zweckdienliche Antworten zu ermöglichen, sondern auch die
Regierungen der Mitgliedstaaten sowie die sonstigen Betroffenen in die Lage versetzen sollen,
gemäß Art. 23 der Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union Erklärungen abzugeben.
Der Gerichtshof hat dafür zu sorgen, dass diese Möglichkeit erhalten bleibt, wobei zu
berücksichtigen ist, dass den Beteiligten aufgrund dieses Artikels nur die
Vorlageentscheidungen zugestellt werden (vgl. Beschluss vom 8. September 2011, Abdallah, C
‑144/11, nicht veröffentlicht, EU:C:2011:565, Rn. 11 und die dort angeführte Rechtsprechung
sowie Urteil vom 10. März 2016, Safe Interenvíos, C‑235/14, EU:C:2016:154, Rn. 116).

123
Schließlich kann die fehlende Angabe des maßgeblichen Sachverhalts und des einschlägigen
rechtlichen Rahmens einen Grund für die offensichtliche Unzulässigkeit des
Vorabentscheidungsersuchens darstellen (vgl. in diesem Sinne Beschlüsse vom 8. September
2011, Abdallah, C‑144/11, nicht veröffentlicht, EU:C:2011:565, Rn. 12, vom 4. Juli 2012, Abdel,
C‑75/12, nicht veröffentlicht, EU:2012:412, Rn. 6 und 7, vom 19. März 2014, Grimal, C‑550/13,
nicht veröffentlicht, EU:C:2014:177, Rn. 19, sowie vom 19. März 2015, Andre, C‑23/15, nicht
veröffentlicht, EU:C:2015:194, Rn. 8 und 9).“

Damit finden die Gewährleistungen des Art. 47 GRC auch bei der Wahlprüfung ihre
Anwendung.107 Zu den Gewährleistungen gehört auch die Unabhängigkeit der Justiz.
Damit ist jede Einflussnahme des Ag auf die „kontrollierende“ Stelle, hier die Justiz
ausgeschlossen.108(s. 3.12 und 3.13). Das gilt auch für Personalentscheidungen.

Nach Art. 6 und Art. 13 EMRK, Art. 47 GRC und Art. 14 IPbpR ist Deutschland verpflicht ein
konventionskonformes Rechtsschutzsystem einzuführen.

Ein Verhalten staatlicher Behörden und damit auch der Gerichte, das bewusst auf die Vereitelung oder
zumindest ungerechtfertigter Erschwerung der Durchsetzung von Rechten abzielt und von der
Exekutive und der Gesetzgebung nicht nur toleriert, sondern auch gefördert und unterstützt wird, kann
mit keinem legitimen öffentlichen Interesse gerechtfertigt werden. Es ist im Gegenteil geeignet, die
Glaubwürdigkeit und Autorität der Gesetzgebung zu untergraben und ihre Wirksamkeit zu
gefährden.109 Das der Konvention zugrunde liegende Rechtsstaatsprinzip und der Grundsatz der
Rechtmäßigkeit in Art. 1 EMRK verlangen von den Staaten nicht nur die Anwendung und Durchsetzung
ihrer Gesetze, sondern auch die Sicherstellung der rechtlichen und praktischen Voraussetzungen für
deren Anwendung.110
Das Ministerkomitee des Europarates hat in einer Resolution vom 12.5.2004 den GH eingeladen, in
seinen Urteilen festzustellen, welche strukturellen Probleme seiner Ansicht nach für die
Konventionsverletzung verantwortlich sind und worin er die Ursachen für diese Probleme sieht. Durch
diese Vorgehensweise sollen die Staaten – insbesondere wenn zu erwarten ist, dass das festgestellte
Problem eine Vielzahl von Beschwerden nach sich ziehen wird – bei der Lösung ihrer Probleme
unterstützt und dem Ministerkomitee die Überwachung der Durchsetzung der Urteile erleichtert
werden. Diese Resolution ist vor dem Hintergrund der steigenden Arbeitsbelastung des GH zu sehen,
die vor allem aus der Menge an ähnlichen Fällen resultiert, die auf denselben strukturellen Problemen
beruhen. 111

107
EuGH Urteil vom 23. April 1986, Slg. 1986,1339
108
EuGH, Az. C-518/07, Urteil Kommission/Deutschland vom 09.03.2010, Rn. 19,25, 30,50“ 19
109
Vgl. BRONIOWSKI gegen Polen Urteil vom 22. Juni 2004, Große Kammer Rn 174„In the Court's opinion, such conduct by State agencies,
which involves a deliberate attempt to prevent the implementation of a final and enforceable judgment and which is, in addition, tolerated,
if not tacitly approved, by the executive and legislative branch of the State, cannot be explained in terms of any legitimate public interest or
the interests of the community as a whole. On the contrary, it is capable of undermining the credibility and authority of the judiciary and of
jeopardising its effectiveness, factors which are of the utmost importance from the point of view of the fundamental principles underlying
the Convention and which, in the context of the present case, must prevail over any conceivable considerations of economic or social policy
that might have been behind the Polish State's failure to rectify the policy of the agencies concerned.“
110
Ebenda Rn. 184 „The rule of law underlying the Convention and the principle of lawfulness in Article 1 of Protocol No. 1 require States
not only to respect and apply, in a foreseeable and consistent manner, the laws they have enacted, but also, as a corollary of this duty, to
ensure the legal and practical conditions for their implementation (see also paragraph 147 above).“
111
Ebenda „190. As part of a package of measures to guarantee the effectiveness of the Convention machinery, the Committee of Ministers
of the Council of Europe adopted on 12 May 2004 a Resolution (Res(2004)3) on judgments revealing an underlying systemic problem, in
which, after emphasising the interest in helping the State concerned to identify the underlying problems and the necessary execution
measures (seventh paragraph of the preamble), it invited the Court “to identify in its judgments finding a violation of the Convention what it
considers to be an underlying systemic problem and the source of that problem, in particular when it is likely to give rise to numerous
applications, so as to assist States in finding the appropriate solution and the Committee of Ministers in supervising the execution of
124
In diesem Zusammenhang weist der GH auch auf die Empfehlung des Ministerkomitees vom
12.5.20042 hin, mit der den Mitgliedstaaten empfohlen wird, im Falle von strukturellen oder
allgemeinen Defiziten im innerstaatlichen Recht oder bei dessen Umsetzung für wirksame
Rechtsbehelfe zu sorgen, um sich wiederholende Beschwerden an den GH zu verhindern. 112

Und genau das macht das Bundesverfassungsgericht nachweislich nicht. Daher sieht sich der
Beschwerdeführer veranlasst, dass Verfahren der Verfassungsbeschwerde so auszugestalten, dass
eine effektive Durchsetzung des Grundrechtsschutzes, wie es das GG fordert möglich ist. Um auch eine
wirksame Kontrolle sicher zu stellen, muss die Begründungspflicht wiederhergestellt werden. Dadurch
sollen die Beschwerdeführer nicht nur wirksam zu ihrem Recht kommen, sondern es sollen auch so
andere davon profitieren und den Fachgerichten deutlich gemacht werden, dass sie nach den Regeln
des Rechtsstaats zu arbeiten haben.

Der Beschluss des Ministerkomitees 113 ist hier „Das Ministerkomitee, nach Artikel 15b der Satzung des
Europarats, in der Erwägung, dass es das Ziel des Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen
seinen Mitgliedern herzustellen, und dass eines der wichtigsten Mittel zur Erreichung dieses Zieles die
Wahrung und Fortentwicklung der Menschenrechte und Grundfreiheiten ist; in Bekräftigung seiner
Überzeugung, dass die Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden
als „Konvention“ bezeichnet) der wesentliche Bezugspunkt im Bereich des Schutzes der
Menschenrechte in Europa bleiben muss, und im Hinblick auf seine Verpflichtung, Maßnahmen zur
Gewährleistung der langfristigen Wirksamkeit des durch die Konvention errichteten Kontrollsystems zu
treffen; eingedenk des subsidiären Charakters des durch die Konvention errichteten
Kontrollmechanismus, der nach Artikel 1 voraussetzt, dass die in der Konvention verankerten Rechte
und Freiheiten in erster Linie durch das innerstaatliche Recht geschützt und von den nationalen
Behörden angewandt werden; in dieser Hinsicht erfreut darüber, dass die Konvention heute ein
wesentlicher Bestandteil der innerstaatlichen Rechtsordnung aller Mitgliedstaaten ist; unter Hinweis
darauf, dass sich die Mitgliedstaaten nach Artikel 13 der Konvention verpflichtet haben sicherzustellen,
dass jede Person, die in vertretbarer Weise eine Verletzung ihrer in der Konvention anerkannten Rechte
oder Freiheiten geltend machen kann, das Recht hat, bei einer innerstaatlichen Instanz eine wirksame
Beschwerde zu erheben; eingedenk dessen, dass die Staaten neben der Verpflichtung, das Bestehen

judgments” (paragraph I of the resolution). That resolution has to be seen in the context of the growth in the Court's caseload, particularly
as a result of series of cases deriving from the same structural or systemic cause.
191. In the same context, the Court would draw attention to the Committee of Ministers' Recommendation of 12 May 2004 (Rec(2004)6) on
the improvement of domestic remedies, in which it is emphasised that, in addition to the obligation under Article 13 of the Convention to
provide an individual who has an arguable claim with an effective remedy before a national authority, States have a general obligation to
solve the problems underlying the violations found. Mindful that the improvement of remedies at the national level, particularly in respect
of repetitive cases, should also contribute to reducing the workload of the Court, the Committee of Ministers recommended that the
Contracting States, following Court judgments which point to structural or general deficiencies in national law or practice, review and, “where
necessary, set up effective remedies, in order to avoid repetitive cases being brought before the Court”.
192. Before examining the applicant's individual claims for just satisfaction under Article 41 of the Convention, in view of the circumstances
of the instant case and having regard also to the evolution of its caseload, the Court wishes to consider what consequences may be drawn
for the respondent State from Article 46 of the Convention. It reiterates that by virtue of Article 46 the High Contracting Parties have
undertaken to abide by the final judgments of the Court in any case to which they are parties, execution being supervised by the Committee
of Ministers. It follows, inter alia, that a judgment in which the Court finds a breach imposes on the respondent State a legal obligation not
just to pay those concerned the sums awarded by way of just satisfaction under Article 41, but also to select, subject to supervision by the
Committee of Ministers, the general and/or, if appropriate, individual measures to be adopted in their domestic legal order to put an end to
the violation found by the Court and to redress so far as possible the effects. Subject to monitoring by the Committee of Ministers, the
respondent State remains free to choose the means by which it will discharge its legal obligation under Article 46 of the Convention, provided
that such means are compatible with the conclusions set out in the Court's judgment (see Scozzari and Giunta v. Italy [GC], nos. 39221/98
and 41963/98, § 249, ECHR 2000-VIII).“
112
Ebenda „194. With a view to assisting the respondent State in fulfilling its obligations under Article 46, the Court has sought to indicate
the type of measure that might be taken by the Polish State in order to put an end to the systemic situation identified in the present case.
The Court is not in a position to assess whether the December 2003 Act (see paragraphs 114-20 above) can be treated as an adequate
measure in this connection since no practice of its implementation has been established as yet. In any event, this Act does not cover persons
who – like Mr Broniowski – had already received partial compensation, irrespective of the amount of such compensation. Thus, it is clear
that for this group of Bug River claimants the Act cannot be regarded as a measure capable of putting an end to the systemic situation
identified in the present judgment as adversely affecting them.“
113
Empfehlung Rec(2004)6 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten über die Verbesserung der innerstaatlichen Rechtsbehelfe
125
solch wirksamer Beschwerden im Sinne der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte (im Folgenden als „Gerichtshof“ bezeichnet) sicherzustellen, die allgemeine
Verpflichtung haben, die den festgestellten Verletzungen zugrunde liegenden Probleme zu beseitigen;
unter Hinweis darauf, dass es die Aufgabe der Mitgliedstaaten ist sicherzustellen, dass innerstaatliche
Rechtsbehelfe rechtlich und praktisch wirksam sind und zu einer Entscheidung über die Begründetheit
der Beschwerde und einer angemessenen Abhilfe jeder festgestellten Verletzung führen können; in
Anbetracht dessen, dass Art und Anzahl der vor dem Gerichtshof erhobenen Beschwerden und die von
ihm gefällten Urteile mehr denn je die Notwendigkeit aufzeigen, dass die Mitgliedstaaten wirksam und
regelmäßig sicherstellen, dass solche Rechtsbehelfe unter allen Umständen, insbesondere bei
überlanger Dauer von Gerichtsverfahren gegeben sind; in der Erwägung, dass die Verfügbarkeit
wirksamer innerstaatlicher Rechtsbehelfe für alle in vertretbarer Weise geltend gemachten
Konventionsverletzungen ermöglichen soll, die Arbeitslast des Gerichtshofs einerseits durch die
Verringerung der Zahl der bei ihm eingehenden Rechtssachen und andererseits dadurch zu verringern,
dass die eingehende Behandlung der Fälle auf innerstaatlicher Ebene deren spätere Überprüfung durch
den Gerichtshof erleichtern kann; unter Hinweis darauf, dass die Verbesserung der innerstaatlichen
Rechtsbehelfe insbesondere bei wiederkehrenden Rechtssachen ebenfalls dazu beitragen soll, die
Arbeitslast des Gerichtshofs zu verringern, empfiehlt den Mitgliedstaaten, unter Berücksichtigung der
im Anhang aufgeführten Beispiele einer guten Praxis:
I. durch eine stetige Überwachung im Lichte der Rechtsprechung des Gerichtshofs sicherzustellen, dass
für alle Personen, die in vertretbarer Weise eine Konventionsverletzung geltend machen,
innerstaatliche Rechtsbehelfe bestehen und dass diese Rechtsbehelfe insoweit wirksam sind, als sie zu
einer Entscheidung über die Begründetheit der Beschwerde und einer angemessenen Abhilfe jeder
festgestellten Verletzung führen können.
II. im Anschluss an Urteile des Gerichtshofs, die strukturelle oder allgemeine Defizite im Recht oder in
der Praxis des Staates aufzeigen, die Wirksamkeit der bestehenden innerstaatlichen Rechtsbehelfe zu
überprüfen und gegebenenfalls wirksame Rechtsbehelfe zu schaffen, um zu vermeiden, dass der
Gerichtshof mit wiederkehrenden Rechtssachen befasst wird;
III. besondere Aufmerksamkeit - im Rahmen der Punkte I und II - dem Bestehen wirksamer
Rechtsbehelfe im Falle einer vertretbaren Rüge der überlangen Verfahrensdauer von Gerichtsverfahren
zu schenken; beauftragt den Generalsekretär des Europarats, die nötigen Mittel bereit zu stellen,
um den Mitgliedstaaten, die darum ersuchen, geeignete Hilfe zu gewähren, um sie bei der
Umsetzung dieser Empfehlung zu unterstützen.“

In der weiteren Entscheidung des Ministerkomitees 114 „in der Erwägung, dass es das Ziel des
Europarats ist, eine engere Verbindung zwischen seinen Mitgliedern herzustellen; im Hinblick auf die
Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden „die Konvention“); in
Anbetracht dessen, dass sich die Vertragsparteien auf der Grundlage von Artikel 46 der Konvention
verpflichtet haben, in allen Rechtssachen, in denen sie Partei sind, das endgültige Urteil des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte („der Gerichtshof“) zu befolgen, und dass das
Ministerkomitee seine Durchführung überwacht; in dem Bewusstsein, dass die vorerwähnte
Verpflichtung unter bestimmten Umständen die Annahme anderer Maßnahmen als der gerechten
Entschädigung, die der Gerichtshof nach Artikel 41 der Konvention zuspricht, und/oder allgemeiner
Maßnahmen beinhalten kann, damit die verletzte Partei soweit wie möglich in die Situation versetzt
wird, in der sie sich vor der Verletzung der Konvention befand (restitutio in integrum);

in Anbetracht der Tatsache, dass es den zuständigen Behörden des beklagten Staates obliegt, unter
Berücksichtigung der im innerstaatlichen Rechtssystem verfügbaren Mittel zu bestimmen, welche
Maßnahmen sich am besten zur Verwirklichung der restitutio in integrum eignen;

114
Empfehlung Nr. R (2000) 2 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten über die Überprüfung oder Wiederaufnahme bestimmter
Verfahren auf innerstaatlicher Ebene im Anschluss an Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
126
eingedenk dessen jedoch, dass es – wie die Praxis des Ministerkomitees in Bezug auf die Überwachung
der Durchführung der Urteile des Gerichtshofs zeigt – außergewöhnliche Umstände gibt, unter denen
sich die Überprüfung einer Rechtssache oder die Wiederaufnahme eines Verfahrens als das wirksamste,
wenn nicht sogar als das einzige Mittel zur Verwirklichung der restitutio in integrum erwiesen hat,

I. fordert die Vertragsparteien im Lichte dieser Erwägungen auf sicherzustellen, dass auf
innerstaatlicher Ebene geeignete Maßnahmen vorhanden sind, um die Verwirklichung der restitutio in
integrum soweit wie möglich zu erreichen;

II. ermutigt die Vertragsparteien insbesondere, ihre innerstaatlichen Rechtssysteme zu überprüfen, um


sicherzustellen, dass geeignete Möglichkeiten für die Überprüfung einer Sache, einschließlich der
Wiederaufnahme eines Verfahrens in den Fällen bestehen, in denen der Gerichtshof eine Verletzung
der Konvention festgestellt hat, insbesondere wenn

i) die verletzte Partei infolge der innerstaatlichen Entscheidung weiterhin an sehr schwerwiegenden
Folgen leidet, die durch die gerechte Entschädigung nicht ausreichend wieder gutgemacht
und nur durch die Überprüfung oder Wiederaufnahme beseitigt werden können,
und
ii) aus dem Urteil des Gerichtshofs hervorgeht, dass
a) die angefochtene innerstaatliche Entscheidung dem Grunde nach der Konvention entgegensteht
oder
b) die festgestellte Verletzung auf Verfahrensfehler oder Verfahrensmängel zurückzuführen ist, die so
schwerwiegend sind, dass ernsthafte Zweifel hinsichtlich des Ausgangs des angefochtenen
innerstaatlichen Verfahrens bestehen.“

Der Beschwerdeführer sieht die Verfassungsbeschwerde als adäquaten Rechtsbehelf an, da die
Konzeption des Grundrechtsschutzes in Analogie zur Beschwerde nach Art. 34 EMRK ausgestaltet ist.

Wie der EGMR entschied115 „Der Gerichtshof stellt fest, dass in dem Verfahren vor dem
Bundesverfassungsgericht von dem Beschwerdeführer, einem Anwalt mit erstinstanzlicher Zulassung,
die Verfassungsmäßigkeit der gesetzlichen Bestimmung über die Singularzulassung bei den
Oberlandesgerichten bestritten und geltend gemacht wurde, dass sie mit dem Grundrecht der
Berufsfreiheit unvereinbar sei. Insoweit betraf das Verfahren einen Streit über einen zivilrechtlichen
Anspruch. Im Hinblick auf die erga omnes-Wirkung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts,
die Norm für verfassungswidrig zu erklären, können die Beschwerdeführer ferner als in der Nutzung
ihrer Kanzleien beeinträchtigt angesehen werden (siehe vorstehende Erwägungen des Gerichtshofs zu
Artikel 1 des Protokolls Nr. 1). Dieses Verfahren könnte daher als für die "zivilrechtlichen Ansprüche und
Verpflichtungen" der Beschwerdeführer im Sinne von Artikel 6 Abs. 1 "erheblich" angesehen werden
(siehe Urteil in der Rechtssache Kraska, o.a.).
Bei der Prüfung der Frage des Zugangs der Beschwerdeführer zu diesem Verfahren hat der Gerichtshof
die besondere Rolle und Stellung eines Verfassungsgerichts berücksichtigt, dessen Aufgabe es ist, die
Einhaltung der Verfassung in den Bereichen der Legislative, der Exekutive und der Judikative
sicherzustellen, und das den Bürgern auf nationaler Ebene weiteren Rechtsschutz in Hinsicht auf ihre in
der Verfassung garantierten Grundrechte gewähren kann (siehe Urteil Süssmann ./. Deutschland, o.a.,
Nr. 37).
Es ist zwar zutreffend, dass die Beschwerdeführer wegen der Besonderheiten des
Beschwerdeverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht nicht persönlich vor diesem Gericht
erscheinen konnten. Aber der Gerichtshof hat schon entschieden, dass es in Verfahren, die eine
Entscheidung für eine Vielzahl von Personen zum Gegenstand haben, nicht immer geboten oder auch
nur möglich ist, dass jede betroffene Person vor dem Gericht Gehör bekommt (siehe Lithgow u.a. ./. das

115
vom 06.02.2003, Az.: 71630/01
127
Vereinigte Königreich, o.a., S. 71, Nr. 196). Im vorliegenden Fall hatte die sich aus der Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts ergebende Gesetzesänderung Auswirkungen auf die Stellung zahlreicher
Anwälte. Der Gerichtshof ist der Auffassung, dass das Bundesverfassungsgericht angesichts der
praktischen Implikation dieser Änderung den Erfordernissen nach Artikel 6 der Konvention hinreichend
genügt hat, indem es Verbände angehört hat, die die Berufsinteressen der Anwälte in allen Fragen
einschließlich der Übergangsregelungen verteidigt haben. “

Entscheidend für die Bewertung der Europarechtskonformität von Frauenfördermaßnahmen ist


die Sichtweise des EuGH. Dieser hat sich bereits mehrfach zu Frauenquoten, aber auch zu sonstigen
Frauenförderinstrumenten geäußert. Die Rechtsprechungsentwicklung soll aufgrund ihrer
Bedeutung kurz nachgezeichnet werden. 116

10.2 FrauenQuote

Zur Frauenquote erklärt der EuGh

a) Rechtssache Kalanke

Die erste Entscheidung des EuGH zur Rechtmäßigkeit von Frauenquoten in der Rechtssache Kalanke
erging auf Vorlage des Bundesarbeitsgerichts.117 Es handelte sich um den bereits angesprochenen
Fall der leistungsbezogenen Quotenregelung des Bremischen

Landesgleichstellungsgesetzes, die das Bundesarbeitsgerichts für mit dem deutschen


Verfassungsrecht vereinbar hielt, so dass es auf die Europarechtskonformität ankam.
Der EuGH prüfte die deutsche Quotenregelung an einer der heutigen Gleichbehandlungsrichtlinie
ähnlichen Vorgängerrichtlinie. Er lehnte leistungsbezogene Quoten, also Regelungen, wonach Frauen
nur bei gleicher Qualifikation bevorzugt befördert werden, relativ apodiktisch ab. Europarechtlich
zulässige Ausnahmen vom Verbot der Geschlechterdiskriminierung seien nur Maßnahmen, die
der Chancengleichheit dienten. Leistungsbezogene Quoten bewirkten hingegen eine
118
Ergebnisgleichheit.

b)Rechtssache Marschall

Auch der zweiten Entscheidung des EuGH bezüglich Frauenquoten lag ein deutscher
Fall zugrunde.119
In der Rechtssache Marschall ging es um eine leistungsbezogene Quotenregelung mit Härteklausel
für Beförderungsentscheidungen nach dem nordrhein-westfälischen Landesbeamtengesetz. Die
damals streitige Vorschrift entsprach in ihrem Wortlaut dem heutigen § 20 Abs. 6 Satz 2 Halbsatz 1
LBG NRW. 120
Der Gerichtshof kam hier zu einer völlig anderen Einschätzung als in seinem nur zwei Jahre
vorher ergangenen Kalanke-Urteil. Er führte aus: „[S]elbst bei gleicher Qualifikation [besteht] die
Tendenz [...], männliche Bewerber vorrangig vor weiblichen Bewerbern zu befördern; dies hängt
vor allem mit einer Reihe von Vorurteilen und stereotypen Vorstellungen über die Rolle und die
Fähigkeiten der Frau im Erwerbsleben und z. B. mit der Befürchtung zusammen, daß Frauen ihre
Laufbahn häufiger unterbrechen, daß sie ihre Arbeitszeit aufgrund häuslicher und familiärer Aufgaben

116
S. hierzu bspw. auch die Darstellung bei Burg , Positive Maßnahmen zwischen Unternehmerfreiheit und Gleichbehandlung, 2009, S. 80
ff.
117
EuGH Rs. C-450/93, Kalanke , Slg. 1995, I-3051.
118
EuGH Rs. C-450/93, Kalanke, Slg. 1995, I-3051 Rn. 21 ff.
119
EuGH Rs. C- 409/95, Marschall , Slg. 1997, I-6363.
120
EuGH Rs. C- 409/95, Marschall, Slg. 1997, I-6363 Rn. 3
128
weniger flexibel gestalten oder daß sie durch Schwangerschaften, Geburten und Stillzeiten häufiger
ausfallen.“121 Der EuGH kam auf dieser Grundlage folgerichtig zu dem Ergebnis: „Aus diesen Gründen
bedeutet allein die Tatsache, daß zwei Bewerber unterschiedlichen Geschlechts gleich qualifiziert sind,
nicht, daß sie gleiche Chancen haben.“ 122

Leistungsbezogene Quotenregelungen seien daher mit dem Europarecht vereinbar, allerdings unter
der Bedingung, dass sie eine so genannte Härteklausel enthalten. 123
Es müsse in jedem Fall eine objektive Einzelbeurteilung durchgeführt werden, ob die Bevorzugung
der Bewerber in ausscheide, weil die „die Person der Bewerber betreffenden Kriterien“ zugunsten
eines männlichen, gleich qualifizierten Bewerbers überwögen. 124104 Der EuGH weist noch dar auf hin,
dass diese Kriterien wiederum keine diskriminierende Wirkung haben dürften. 125105

In der Rechtsache Badeck

In der dritten Entscheidung zu Frauenfördermaßnahmen, der Rechtssache Badeck u. a., befasste sich
der EuGH wiederum mit deutschen Vorschriften. 126 Gegenstand eines Vorabentscheidungsverfahrens
war das Hessische Gleichberechtigungsgesetz, das verschiedene Vorgaben zur Frauenförderung
enthält. Der Gerichtshof bestätigte seine in der Rechtssache Marschall
geäußerte Ansicht zur Europarechtskonformität von leistungsbezogenen Quotenregelungen mit
Härteklausel:
„Folglich ist eine Maßnahme, nach der weibliche Bewerber in Bereichen des öffentlichen Dienstes, in
denen Frauen unterrepräsentiert sind, vorrangig befördert werden sollen, mit dem Gemeinschaftsrecht
vereinbar,

– wenn sie weiblichen Bewerbern, die die gleiche Qualifikation wie ihre männlichen Mitbewerber
besitzen, keinen automatischen und unbedingten Vorrang einräumt und

– wenn die Bewerbungen Gegenstand einer objektiven Beurteilung sind, bei der die besondere
persönliche Lage aller Bewerber berücksichtigt wird.“127 Der EuGH billigte daher die entsprechenden
hessischen Vorschriften über die Einführung von Frauenquoten mittels des Instruments des
Frauenförderplans.128 Bemerkenswert war nur, dass man das Hessische Gleichberechtigungsgesetz
aufgrund seiner unklaren Formulierungen auch so verstehen hätte können, als führte es eine starre
Frauenquote ein. Der EuGH folgte aber der Interpretation des vorlegenden Hessischen
Staatsgerichtshofs, der das Gesetz verfassungskonform ausgelegt hatte.129 Die Festlegung von
Frauenquoten im Frauenförderplan hatte der Staatsgerichtshof zwar etwas verwirrend von der
qualifikationsabhängigen Entscheidungsquote abgegrenzt und als „sogenannte flexible
Ergebnisquote“ bezeichnet. 130Im Anschluss daran hatte er jedoch klar gestellt, dass auch diese
Frauenquoten im Zusammenspiel mit anderen Normen und vor dem Hintergrund des Art. 33 Abs. 2
GG als leistungsbezogen verstanden werden müssten. 131 Demnach könnten Frauen auf deren

121
EuGH Rs. C- 409/95, Marschall, Slg. 1997, I-6363 Rn. 29.
122
EuGH Rs. C- 409/95, Marschall, Slg. 1997, I-6363 Rn. 30.
123
Der EuGH spricht insoweit von „Öffnungsklausel“, EuGH Rs. C- 409/95, Marschall , Slg. 1997, I-6363 Rn. 33
124
EuGH Rs. C- 409/95, Marschall , Slg. 1997, I-6363 Rn. 33.
125
EuGH Rs. C- 409/95, Marschall , Slg. 1997, I-6363 Rn. 33; Generalanwalt Jacobs, Schlussanträge zu Rs. C- 409/95, Marschall , Slg.
1997, I-6363 Rn. 36 ff., nennt bspw. das höhere Dienstalter oder den Umstand, dass der Partner nicht arbeite, als in der Person liegende
Kriterien, die sich für Frauen als diskriminierend erweisen.
126
EuGH Rs. C-158/97, Badeck u. a., Slg. 2000, I-1875.
127
EuGH Rs. C-158/97, Badeck u. a., Slg. 2000, I-1875 Rn. 23; ebenso erneut später in der Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg.
2000, I-5539 Rn. 43.
128
EuGH Rs. C-158/97, Badeck u. a., Slg. 2000, I-1875 Rn. 36.
129
Zu den hierfür erforderlichen „Auslegungskünsten“ auch Starck , JZ 2000, 670 f.
130
HessStGH EuGRZ 1997, 231, 219.
131
HessStGH EuGRZ 1997, 231, 219 f.
129
Grundlage ebenfalls nur bei gleicher Leistung, Eignung und Befähigung bevorzugt werden. 132 Darüber
hinaus nahm der EuGH in diesem Urteil auch zu weiteren Fördermaßnahmen Stellung, die Frauen auf
der der Auswahlentscheidung vorgelagerten Ebene der Qualifizierung bevorzugen. Das im Streit
stehende Hessische Gleichberechtigungsgesetz reservierte eine bestimmte Quote an
Ausbildungsplätzen für Frauen, soweit es um Bereiche ging, in denen Frauen unterrepräsentiert waren
und in denen der Staat nicht ausschließlich ausbildete.133 Der EuGH befand diese Maßnahme für mit
der Vorgängervorschrift des heutigen Art. 3 der Gleichbehandlungsrichtlinie vereinbar. Die
Bestimmung sei als „Teil eines begrenzten Konzepts zur Verwirklichung der Chancengleichheit“ zu
klassifizieren.134 Der Gerichtshof betonte, dass es noch nicht um die Zuteilung von Arbeitsplätzen,
sondern um die vorgelagerte Stufe der Ausbildung gehe, und akzeptierte deshalb diese starre
Quotenregelung. Aus den Schlussanträgen des Generalanwalts Saggio ergibt sich, dass die
Rechtsprechungsentwicklung vor dem Hintergrund der Veränderungen des europäischen Primärrechts
zu sehen ist.135 Nicht zuletzt die rigide Rechtsprechung des EuGH in der Rechtssache Kalanke war
Auslöser für die schließlich mit dem Vertrag von Amsterdam zwischenzeitlich eingeführte Regelung
über die ausdrückliche Zulässigkeit positiver Förderungsmaßnahmen im Arbeitsleben zugunsten des
unterrepräsentieren Geschlechts. Diese Vorschrift findet sich heute in Art. 157 Abs. 4 AEUV und dem
Art. 3 der Gleichbehandlungsrichtlinie.

Rechtssache Abrahamsson und Anderson

Ein viertes maßgebliches Urteil bezüglich Frauenfördermaßnahmen traf der EuGH in der Rechtssache
Abrahamsson und Anderson. Die Entscheidung behandelte eine schwedische Regelung, wonach
Frauen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter im Arbeitsleben bei Auswahlentscheidungen
im Hochschulbereich auch bei geringerer Qualifizierung vorgezogen werden konnten, wenn der
Qualifikationsabstand nicht so gravierend war, „dass sich daraus ein Verstoß gegen das Erfordernis der
Sachgerechtigkeit bei der Einstellung ergeben würde“. 136
Der EuGH hatte hier folglich erstmals eine nicht leistungsbezogene Quotenregelung zu prüfen. Der
Gerichtshof stellte klar, dass derartige Regelungen nicht mit dem Europarecht vereinbar sind. Er
bemängelte, dass die schwedischen Vorschriften gegen beide von ihm aufgestellten Voraussetzungen
für europarechtskonforme Quotenregelungen verstießen.137
Zum einen beinhalteten sie faktisch einen automatischen Vorrang eines Bewerbers des
unterrepräsentierten Geschlechts, wenn dieser eine Mindestqualifikation aufweise. Zum anderen
fehle eine objektive Beurteilung, bei der die besondere persönliche Lage aller Bewerber berücksichtigt
werde, also eine Härteklausel. Als Prüfungsmaßstab wendete er dabei unmittelbar das europäische
Primärrecht, die Vorgängerregelung zu Art. 157 Abs. 4 AEUV, an. Die schwedischen Regelungen seien
aufgrund ihrer Ausgestaltung eine unverhältnismäßige Maßnahme im Sinn e dieser Vorschrift.138118
Der EuGH beantwortete außerdem noch zwei weitere Fragen des vorlegenden Gerichts. Er befand,
dass es für die Anwendbarkeit der europarechtlichen Vorgaben nicht darauf ankomme, ob die Stelle,
auf die sich das Auswahlverfahren beziehe, niedrig oder hoch einzustufen sei.139 Weiterhin hatte der
EuGH die – bei Nichtanwendbarkeit der besonderen Vorgaben für den Hochschulbereich einschlägige
– allgemeine schwedische Verwaltungspraxis bei Auswahlentscheidungen zu beurteilen. Bei ihr
handelte es sich um ein leistungsbezogenes Quotenmodell, nach dem Bewerber des
unterrepräsentierten Geschlechts nur bevorzugt wurden, wenn „die Verdienste der Bewerber als

132
Auch die Härteklausel führt der HessStGH EuGRZ 199 7, 231, 219, letztlich durch verfassungskonfor-me Auslegung ein.
133
Die Regelung ist auch heute noch in Kraft: § 7 Abs. 1 des Hessischen Gleichberechtigungsgesetzes.
134
EuGH Rs. C-158/97, Badeck u. a., Slg. 2000, I-1875 Rn. 52.
135
Generalanwalt Saggio, Schlussanträge zu Rs. C-58/97,Badeck u. a., Slg. 2000, I-1875 Rn. 4 u. 26.
136
Generalanwalt Saggio , Schlussanträge zu Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg. 2000, I-5539 Rn. 8.
137
EuGH Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg. 2000, I-5539 Rn. 52 f.
138
EuGH Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg. 2000, I-5539 Rn. 54 f. Dies war erforderlich, weil die Gleichbehandlungsrichtlinie
in ihrer früheren Fassung noch zurückhaltender als Art. 157 Abs. 4 AEUV formuliert war.
139
EuGH Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg. 2000, I-5539 Rn. 64.
130
gleichwertig oder fast gleichwertig anzusehen sind“.140 Der EuGH stufte diese Vorgehensweise
ausdrücklich als europarechtskonform ein, unter der Bedingung, dass eine Härteklausel angewandt
werde.141

Damit lässt sich die Rechtsprechungsentwicklung im Hinblick auf Frauenfördermaßnahmen


zusammenfassen. Dabei ist zwischen den allgemeinen Frauenfördermaßnahmen und den
Quotenregelungen im Besonderen zu unterscheiden:
Allgemeine Frauenfördermaßnahmen, die auf der Ebene vor der Auswahlentscheidung ansetzen, um
Frauen die entsprechende Qualifikation zu verschaffen, sind mit dem Europarecht vereinbar. Sie
dienen der Herstellung von Chancengleichheit und sind deshalb anhand von Art. 3 der
Gleichbehandlungsrichtlinie in Verbindung mit Art. 157 Abs. 4 AEUV gerechtfertigt. Bei Frauenquoten
ist die Rechtsprechung des EuGH eindeutig. Starre Frauenquoten, nach denen ein bestimmter
Stellenanteil nur mit Frauen besetzt werden kann, hat der Gerichtshof bislang durchgehend
abgelehnt.142 In dem Urteil Abrahamsson und Anderson hat er dies ausdrücklich für die nach dem
Vertrag von Amsterdam geltende Rechtslage, die sich heute in Art. 157 Abs. 4 AEUV wieder findet,
entschieden. Diese Vorgaben gelten für alle Auswahlentscheidung, auf die „Wertigkeit“ der Stelle
kommt es nicht an. Auch die Besetzung von Führungspositionen ist damit von dieser Rechtsprechung
umfasst. Andererseits sind Frauenquoten im Hinblick auf den Zugang zu beruflichen Positionen nicht
grundsätzlich mit der Gleichbehandlungsrichtlinie unvereinbar. Zwar stellen sie eine
Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts dar, sie können aber als „positive Maßnahmen“ gem.
Art. 3 der Gleichbehandlungsrichtlinie in Verbindung mit Art. 157 Abs. 4 AEUV gerechtfertigt sein.
Voraussetzung für die Rechtfertigung ist, dass sie dem Ausgleich einer Unterrepräsentation von Frauen
in bestimmten Positionen dienen, leistungsbezogen sind und eine Härteklausel enthalten. Als
leistungsbezogen stuft der EuGH eine Quote auch dann ein, wenn die Qualifikation der Bewerber als
„fast gleichwertig“ anzusehen ist.143 Diese Rechtsprechung deutet zumindest darauf hin, dass auch der
EuGH einen gewissen Spielraum bei der Ausgestaltung des Qualifikationsvergleichs anerkennt. Das gilt
umso mehr, als der Prüfungsmaßstab des EuGH allein das Diskriminierungsverbot ist , eine mit Art. 33
Abs. 2 GG vergleichbare Vorgabe für nationale Einstellungsentscheidungen des öffentlichen Dienstes
auf europäischer Ebene aber nicht existiert. Im Urteil Abrahamsson und Anderson fordert er insoweit
lediglich eine Anwendung der Auswahlkriterien in transparenter und nachprüfbarer Weise, „um jede
willkürliche Beurteilung der Qualifikation der Bewerber auszuschließen“.144

Hier geht bereits der EGMR als Besonderheit des BVerfG zur Durchsetzung des Grundrechtsschutzes
gewährt.

10.3 Verstöße gegen den Direktwahlakt

10.3.1 Verstoß gegen Art. 1 des Direktwahlaktes

Frauenquote in der Binnenorganisation von Parteien

Auf Art. 23 GrCh kann sich nicht gestützt werden. Der EuGH hat das bereits für unzulässig erklärt. 145

140
EuGH Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg. 2000, I-5539 Rn. 60.
141
EuGH Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg. 2000, I-5539 Rn. 61.
142
auch aus EuGH Rs. C-158/97, Badeck u. a., Slg. 2000, I-1875 lässt sich nichts anderes herleiten, weil der EuGH zu seiner Einschätzung auf
Grundlage der AAuslegung des HessStGH kam, wonach die Quotenregelung als leistungsbezogen zu verstehen war; s. dazu ben D. II. 3. c).
Wohl im Ergebnis ebenso Sacksofsky, RdJB 2002, 193, 196.
143
EuGH Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson, Slg. 2000, I-5539 Rn. 60 f.
144
EuGH Rs. C-407/98, Abrahamsson und Anderson , Slg. 2000, I-5539 Rn. 49.

145
EuGH, 17.10.1995 - C-450/93; Rechtssache C-407/98; RECHTSSACHE 152/84; EuGH, Urteil vom 31. 1. 2013 – C-394/11
131
Dazu wird auf die Ausführungen in Nr. 3.1.10 verwiesen. Hier wird klar ausgeführt, dass mindestens
gegen die Allgemeinheit der Wahl verstoßen wird. Dies lässt sich bereits aus Art. 2 EUV i.V.m. Art. 2,
25 und 26 IPbpR und Art. 39 i.V.m. Art. 21 GrCh darlegen. Die Regelung des Art. 23 GrCh gilt nicht für
demokratische Entscheidungsprozesse. Wie noch im nachfolgenden auszuführen ist, gibt es keine
Rechtfertigung zur Durchbrechung des Art. 21 GrCh, da die Frauen im Sachbereich Wahlen nicht
benachteiligt werden.

Dabei machte dieser geltend:

• Frauenquoten im Rederechtrecht, bei Wahlen und in der Personaleinstellung


• „Frauenorgane“ in denen nur weibliche Mitglieder mitwirken dürfen
• Frauenvetos und Frauenabstimmungen
Dabei machte der Rf. mehrfach deutlich, dass die von den Schiedsgerichten gemachte
Auffassung, dass dies Bestimmungen mit dem Gleichberechtigungsgebot nach Art. 3 Abs. 2 GG
vereinbar sei nicht haltbar sein kann.

Es wird weiter auf folgenden Sachverhalt hingewiesen:

1. Auf S. 36 ff geht der Rf. darauf ein, dass die Nichtigkeit satzungsmäßiger Bestimmungen von
Parteien keine unzulässigen abstrakten Rechtsfragen darstellen,

2. Mit dem Gehalt des Fördergebots nach Art. 3 Abs. 2 GG sind diese Maßnahmen
unvereinbar.

2.1. Das Fördergebot darf nicht zu einem Gruppenrecht umgedeutet werden und kann
nur ein individuelles Abwehrrecht darstellen,

2.2. es darf mit mögliche Maßnahmen das Diskriminierungsverbot nach Art. 3 Abs. 3
GG nicht durchbrochen werden,

2.3. es kann sich nur um Maßnahmen handeln, die die Gleichheit der Ausgangschancen
sicherstellen soll und nicht die numerische Gleichverteilung in allen oder bestimmten
Lebensbereichen,

2.4. starre Quotenregelungen sind vom Verfassungsgeber ausgeschlossen und vom


EuGH für unzulässig erklärt worden,

2.5. das BVerfG hat zur Ungleichbehandlung zw. Männern und Frauen nur rein
biologisch funktionale Unterschiede, sowie die Beseitigung von Problemen, die in der
Natur nach entweder nur bei Männern oder nur bei Frauen auftreten können
gerechtfertigt, da auch andere Gruppen von Normadressaten, speziell in den in Art. 3
Abs. 3 genannten Fällen, von eine Unterrepräsentanz genauso betroffen sind oder sein
können, halten die Maßstäbe des BVerfG zur Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen
nicht stand und können auch nicht mit kollidierendem Verfassungsrecht legitimiert
werden,

2.6. für Regelungen nach Art. 3 Abs. 2 und Art 20 Abs. 1 GG ist der Normadressat der
Staat und keineswegs Parteien und sonstige privatrechtliche Vereinigungen,

132
2.7. eine reine Unterrepräsentanz kann zwar ein Indikator für eine mögliche mittelbare,
unmittelbare oder strukturelle Diskriminierung darstellen aber keineswegs ein alleiniges
Merkmal zur Feststellung dieser sein kann.

3. Hier setzt man mit den Gleichheitsrechten nach Art. 3 GG auseinander.

4. Hier setzt man sich ebenfalls mit den demokratischen Grundsätzen nach Art. 21 Abs. 1 Satz
3 GG auseinander.

5. Ferner setzt sich der Schriftsatz mit den Wahlgrundsätzen nach Art. 38 GG auseinander.

6. Hier wird sich ebenfalls mit dem Vereinsrecht nach §§ 25-40 BGB auseinandergesetzt.

7. Ferner erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Wahlrecht.

8. Hier erfolgt auch die Befassung mit den §§ 10,15 und 17 Parteiengesetz.

11. Über die Entscheidung des Bundestages


11.1 Kandidatenaufstellung
11.1.1 Frauenquoten

Zu den Frauenquoten erklärt der BT BT-Drucks. 19/9450 auf S. 58 ff , dass das Vorgehen mit Art. 3
Abs. 2 S. 2 GG legitimiert sei.

Im Gegensatz dazu erklärt der BT in BT-Drucks. 19/9450 Auf S. 71 erklärt der Bundestag

„Der Grundsatz der Gleichheit der Wahl aus Artikel 38 Absatz 1 GG beziehe sich auch auf das passive
Wahlrecht, also das Recht bei Bundestagswahlen zu kandidieren. Neben den Parteien hätten auch alle
Aktivbürger, denen Artikel 38 Absatz 2 GG die Wählbarkeit ausdrücklich garantiere, als Wahlbewerber
ein Recht auf Chancengleichheit (BVerfGE 41, 399 [413]). Der Grundsatz der Chancengleichheit fordere,
dass die Rechtsordnung jeder Partei und jedem Wahlbewerber grundsätzlich die gleichen
Möglichkeiten im Wahlkampf und Wahlverfahren und damit gleiche Chancen im Wettbewerb um die
Wählerstimmen gewährleiste (BVerfGE 21, 196 [200]). Der Grundsatz der Chancengleichheit verlange
nicht, vorgegebene Unterschiede auszugleichen mit dem Ziel, eine Wettbewerbsgleichheit herzustellen
(BVerfGE 41, 399 [414]). Erstrecht folge aus dem Grundsatz der Chancengleichheit kein Anspruch auf
Ergebnisgleichheit in der Wahl.

Die Regelungen des Bundeswahlrechts zur Kandidatenaufstellung gewährleisteten die


Chancengleichheit aller passiver Wahlberechtigten, indem alle sich bewerbenden Personen
unabhängig von ihrem Geschlecht in formal gleicher Weise die Möglichkeit hätten, als Wahlbewerber
anzutreten und gewählt zu werden. Soweit in dem Wahleinspruch eine strukturelle Benachteiligung von
Frauen durch Hinweis auf den tatsächlichen Anteil weiblicher Abgeordneter nach dem Ergebnis der
Wahl zum 19. Deutschen Bundestag dargelegt werden soll, werde das den Gegebenheiten einer
politischen Wahl nicht gerecht. Denn die Wahl sei ihrem Wesen nach nicht auf die Garantie eines
ausgewogenen Verhältnisses unter Bewerbern wie in einem Personalauswahlverfahren, sondern auf
die inhaltlich nicht gebundene politische Entscheidung der Wählerschaft zwischen politischen und
personellen Alternativen ausgerichtet. Ein Recht auf Ergebnisgleichheit folge dabei aus dem Grundsatz
der Chancengleichheit nicht.
2. Durch die Verfahren der Wahlbewerberaufstellung der Parteien und die Ergebnisse der Wahl der
Mitglieder des 19. Deutschen Bundestags werde auch nicht das Repräsentationsprinzip des
133
Grundgesetzes verletzt. Das in Artikel 20 Absatz 2, Artikel 38 Absatz 1 Satz 2 GG verankerte Prinzip der
Repräsentation sei das vom Grundgesetz gewählte Organisationsmodell, welches dem Volk die
maßgebliche Bestimmungsmacht über die staatliche Gewalt verschaffen solle (BVerfGE 44, 308 [315
f.]; 56, 396 [405]; 80, 188 [217]; 131, 316 [341]). Es bringe zum Ausdruck, dass jeder gewählte
Abgeordnete das Volk vertrete und diesem gegenüber verantwortlich sei. Die Abgeordneten seien nicht
einem Land, einem Wahlkreis, einer Partei oder einer Bevölkerungsgruppe, sondern dem ganzen Volk
gegenüber verantwortlich (BVerfGE 121, 266 [305]; 131, 316 [342]); sie würden zudem das Volk
grundsätzlich in ihrer Gesamtheit, nicht als Einzelne (BVerfGE 44, 308 [316]; 102, 224 [237]; 131, 316
[34])
2]) repräsentieren. Mit der Wahl der Abgeordneten des Deutschen Bundestages kreiere das Bundesvolk
sein unitarisches Vertretungsorgan (BVerfGE 6, 84 <99>; 95, 335 [402]; 121, 266 [305]; 131, 316 [342]).
Das Grundgesetz gehe damit vom Grundsatz der Gesamtrepräsentation aus. Der Deutsche Bundestag
sei mithin ein unitarisches Repräsentationsorgan, das nicht einzelnen Gruppen, einzelnen Personen
oder einzelnen Interessen verpflichtet sei, sondern dem ganzen Volk (Robbers, in:
Kahl/Waldhoff/Walter, Bonner Kommentar zum GG, Stand: Januar 2014, Art. 20 Abs. 2 Rn. 3036). Die
Repräsentation erfolge somit nicht gruppenspezifisch, sondern offen, da sich Parteien frei bilden oder
programmatisch und personell neu ausrichten können, da Repräsentanten ihre Parteimitgliedschaft
wechseln können und da demokratische Repräsentation nicht zwingend mit Parteien verknüpft sei,
sondern auch durch nicht von den Parteien vorgeschlagene Wahlbewerber wahrgenommen werden
könne. Eine Verpflichtung der Wahlvorschlagsberechtigten auf eine bestimmte Kandidatenstruktur
würde diese offene, parteipolitisch strukturierte Repräsentation durch eine andere Form der
Repräsentation als die im Grundgesetz vorgesehene überlagern (v. Ungern -Sternberg, Kein Parité -
Gesetz ohne Grundgesetzänderung, http://zurgeschaeftsordnung.de/kein-paritegesetz-ohne-
grundgesetzaenderung/; Polzin, Parité-Gesetz in Brandenburg – Kein Sieg für die Demokratie, Verf-
Blog, 2019/2/08, https://verfassungsblog.de/paritegesetz - in – brandenburg -kein-sieg-fuer-die-
demokratie/).

3. Mit dem Grundgesetz inhärenten verfassungsrechtlichen Verständnis demokratischer Legitimation


durch freie und gleiche Wahlen sowie einer Repräsentation durch frei gewählte und mit freiem Mandat
ausgestattete Volksvertreter lasse sich die in dem Einspruch vertrete ne Forderung nach „Spiegelung“
der weiblichen Wahlbevölkerung in Parlament und Parlamentsarbeit nicht in Einklang bringen. Das
Demokratieverständnis des Grundgesetzes kenne nur die Repräsentation des Volkes als einheitliche
Gruppe durch das Parlament und seine Abgeordneten, jedoch keine geschlechts-bzw.
gruppenbezogene Repräsentation (BayVerfGH, Entscheidung vom 26.03.2018 – Vf. 15-VII-16-, juris Rn.
114; Polzin, Parité-Gesetz in Brandenburg – Kein Sieg für die Demokratie, VerfBlog, 2019/2/08,
https://verfassungsblog.de/parite-gesetz-in-brandenburg-kein-sieg-fuer-die-demokratie/).
4. Aus dem Grundgesetz lasse sich kein verpflichtender Verfassungsauftrag ableiten, der Gesetzgeber
müsse eine gesetzliche Verpflichtung der Parteien zu einer paritätischen Kandidatenaufstellung
vorsehen (BayVerfGH, Entscheidung v. 26. März 2018 – Vf. 15 –VII-16-, juris Rn. 122; Butzer,
Diskussionsstand und Verfassungsfragen einer Paritégesetzgebung auf Bundes-und Landesebene,
NdsVBI. 2019, S. 10 [19 f.]; Langenfeld, in: Maunz/Dürig, GG, Stand: 74. Lfg. Mai 2015, Art. 3 Abs. 2 Rn.
89; ferner Grzeszick, in: Stern/Becker, Grundrechte -Kommentar, 3. Aufl. 2019, Art. 38 Rn. 140). Artike
l 3 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes sehe zwar die tatsächliche Förderung der Gleichberechtigung als
Verfassungsauftrag vor, die Art und Weise, wie der Staat seine Verpflichtung erfülle, obliege aber dem
gesetzgeberischen Ermessen (BVerfGE 109, 69 [90]). Artikel 3 Absatz 2 Satz 2 gewährleiste
Chancengleichheit, nicht aber die Herstellung von Ergebnisgleichheit (vgl. Langenfeld, in: Maunz/Dürig,
GG, Stand: 74, Lfg. Mai 2015, Art. 3 Abs. 2 Rn. 101; Nußberger, in: Sachs, GG, 8. Aufl. 2018, Art. 3 Rn.
282 f.). 5. Ein Anspruch auf eine im Bundeswahlgesetz geregelte Verpflichtung der Parteien zu einer
paritätischen Kandidatenaufstellung könne auch deshalb nicht bestehen, weil mit einer solchen
Regelung verfassungsrechtlich nicht zu rechtfertigende schwerwiegende Eingriffe in die
Wahlgrundsätze des Artikels 38 Absatz 1 GG und der Parteienfreiheit aus Artikel 21 GG verbunden
wären. Eine bundeswahlgesetzliche Verpflichtung der Parteien zu einer paritätischen

134
Kandidatenaufstellung würde eine Einschränkung des Rechts auf Chancengleichheit im
Wahlwettbewerb aus Artikel 38 Absatz 1 Satz 1 GG in Deutscher Bundestag Verbindung mit Artikel 3
Absatz 1 GG darstellen. Der Grundsatz der Chancengleichheit fordere, dass die Rechtsordnung jeder
Partei und jedem Wahlbewerber grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten im Wahlkampf und
Wahlverfahren und damit gleiche Chancen im Wettbewerb um die Wählerstimmen gewährleiste
(BVerfGE 21, 196 [200]). Bundeswahlgesetzliche Verpflichtungen zu einer bestimmten
Kandidatenaufstellung würden zum Ausschluss von Bewerbern, die diese Kriterien auf dem
betreffenden Listenplatz nicht erfüllten, führen und damit die gleichen Chancen der Wahlbewerber
ausschließen. Auch eine Einschränkung des Grundsatzes der Freiheit der Wahl aus Artikel 38 Absatz 1
GG wäre durch eine bundeswahlgesetzliche Verpflichtung zu einer paritätischen Kandidatenaufstellung
gegeben. Der Grundsatz der Freiheit der Wahl gewährleiste, dass jeder Wähler sein Wahlrecht ohne
Zwang oder sonstige unzulässige Beeinflussung von außen ausüben könne (BVerfGE 7, 63 [69]; 47, 253
[282]; 66, 369 [380]). Daneben gehöre zur Wahlfreiheit auch ein grundsätzlich freies
Wahlvorschlagsrecht für alle Wahlberechtigten (BVerfGE 41, 399 [417]). Durch paritätische Regelungen
wären nur Vorschläge zulässig, die zu der Abfolge der Paritätsregelung
passen würden, wodurch das freie Wahlvorschlagsrecht der Wahlberechtigten und Delegierten
eingeschränkt wäre. Auch der Grundsatz der Gleichheit der Wahl nach Artikel 38 Absatz 1 GG in seiner
Ausprägung der passiven Wahlrechtsgleichheit wäre durch eine bundesgesetzliche Verpflichtung zu
einer paritätischen Kandidatenaufstellung eingeschränkt. Der Grundsatz der Gleichheit der Wahl aus
Artikel 38 Absatz 1 GG gebiete, dass alle Wahlberechtigten das aktive und passive Wahlrecht möglichst
in formal gleicher Weise ausüben können, und sei im Sinne einer strengen und formalen Gleichheit zu
verstehen (BVerfGE 60, 162 [167]; 71, 81 [94]; 146, 327 [349]).Durch eine bundesgesetzliche
Verpflichtung zu einer paritätischen Kandidatenaufstellung könnten Wahlbewerber, die nicht die
Kriterien der Parität auf dem jeweiligen Listenplatz erfüllten, bei bestimmten Wahlen nicht mehr
kandidieren, so dass ihre passive Wahlrechtsgleichheit ausgeschlossen wäre. Eine
bundeswahlgesetzliche Verpflichtung zu einer paritätischen Kandidatenaufstellung wäre darüber
hinaus ein Eingriff in die durch die Freiheit der Parteien nach Artikel 21 Absatz 1 Satz 2 GG
gewährleistete Programmfreiheit und Tendenzfreiheit. Die Programmfreiheit schütze vor staatlicher
Einflussnahme auf den Inhalt der Parteiprogramme und staatlichen Anforderungen an das
Parteiprogramm. Die Programmfreiheit schließe die Befugnis der Partei ein, sich so zu organisieren,
dass sie die selbst gesetzten Ziele auch wirksam verfolgen könne und umfasse damit auch die Freiheit
zur Tendenz (Klein in: Maunz/Dürig/Klein, GG, EL November 2018, Art. 21, Rn. 278). Einer paritätischen
Kandidatenaufstellung und dem Besetzen spezifischer Männer- oder Frauenthemen komme eine
inhaltlich-programmatische Bedeutung zu. Die Parteien wäre n im Falle einer bundeswahlgesetzlichen
Verpflichtung der Parteien zu einer paritätischen Kandidatenaufstellung daher nicht mehr frei
hinsichtlich dieser inhaltlich-programmatischen Aspekte. Auch wäre eine Ausrichtung entsprechend der
Tendenz der Partei, also beispielsweise eine spezifisch feministische oder aber eine überwiegend
Männer ansprechende Ausrichtung des Parteiprogramms in Ansehung der dann erheblichen
Schwierigkeiten einer Wahlteilnahme mit einer paritätisch besetzten Wahlbewerberliste kaum mögllch.
Durch eine bundeswahlgesetzliche Verpflichtung der Parteien zu einer bestimmten
Kandidatenaufstellung wäre zudem das Recht der Parteien auf Chancengleichheit im Wahlwettbewerb
verletzt. Aus dem in Artikel 21 Absatz 1, Artikel 38 Absatz 1 Satz 1 GG umschriebenen
verfassungsrechtlichen Status der Parteien und aus der Bedeutung, die der darin verbürgten Freiheit
der Parteigründung und dem Mehrparteienprinzip für die freiheitliche Demokratie zukomme, folge das
Recht der Parteien auf Chancengleichheit bei Wahlen (BVerfGE 82, 322 [337]; 91, 276 [286]; st. Rspr.).
Jeder Partei müssten grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten im gesamten Wahlverfahren
eingeräumt werden (BVerfGE 44, 125 [146]; 129, 300 [319]). Der Zutritt zum Wahlvorgang dürfe den
Parteien nicht sachwidrig erschwert werden (BVerfGE 3, 19 [27]). Das Recht der politischen Parteien
auf Chancengleichheit ist in einem strikten und formalen Sinne zu verstehen. Wenn die öffentliche
Gewalt in den Parteienwettbewerb in einer Weise eingreife, die die Chancen der politischen Parteien
verändern könne, seien ihrem Ermessen daher besonders enge Grenzen gezogen (BVerfGE 129, 200
[319]; 146, 327 [350]). Parteien, deren Kandidaten im Ergebnis einen bestimmten Geschlechterproporz

135
nicht erfüllten, würden ihr Recht an der Wahl mit eigenen Wahlvorschlägen teilzunehmen, nicht
wahrnehmen können. Kleinere Parteien wären von einer gesetzlichen Verpflichtung zu einer
paritätischen Kandidatenaufstellung zudem deutlich stärker betroffen als große, mitgliederstarke
Parteien, die leichter die Vorgaben einer paritätischen Kandidatenaufstellung erfüllen könnten,
wodurch die Chancengleichheit der Parteien verletzt wäre.
Auch im verfassungsrechtlichen Schrifttum begegne eine im Bundeswahlgesetz geregelte Verpflichtung
der Parteien zu einer paritätischen Kandidatenaufstellung darum überwiegend verfassungsrechtlichen
Bedenken, die auch unter Berücksichtigung des Verfassungsauftrags aus Artikel 3 Absatz 2 Satz 2 GG
nicht ausgeräumt werden können (Badura, in: Kahl/Waldhoff/Walter, Bonner Kommentar zum GG,
Stand: Oktober 2018, Anh. z. Art. 38: BWahlG, Rn. 30; Butzer, Diskussionsstand und Verfassungsfragen
einer Paritégesetzgebung auf Bundes- und Landesebene, NdsVBI. 2019, S. 10 ff; Hahlen, in: Schreiber,
BWahlG, 10. Aufl. 2017, §27 Rn. 14 ; Morlok/Hobusch, Ad parité –Zur Verfassungswidrigkeit
verpflichtender Quotenregelungen bei Landeslisten, DÖV 2019, S. 14 ff.; P. Müller, in: v.
Mangoldt/Klein/Starck, GG, 7. Aufl. 2018, Art. 38 Rn. 160; Zypries/Holste, 90 Jahre Frauenwahlrecht in
Deutschland, NJW 2008, 3400 [3402 f.] sowie mit weiteren Nachweisen Ausarbeitungen des
Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages, WD 3-3000 -101/17 und WD 3- 3000-
028/19.“

Das ist das Ergebnis des Schriftsatzes146

„Die Bundestagswahl vom 24.9.2017 leidet an einem erheblichen Wahlfehler. Er betrifft die nicht
paritätische Kandidatennominierung durch die Parteien. Der Wahlfehler wirkt sich auf die
Mandatsverteilung und die Gültigkeit der Wahl aus. Bei der Bundestagswahl 2017 waren 61,5 Millionen
Deutsche wahlberechtigt, davon 31,7 Millionen (= 51,5 %) wahlberechtigte Bürgerinnen und nur 29,8
Millionen (= 48,5%) wahlberechtigte Bürger (vgl. Der Bundeswahlleiter, PM Nr. 01/2017 vom
03.02.2017, abrufbar unter
https://www.bundeswahlleiter.de/bundestagswahlen/2017/mitteilungen.html). Gleichwohl waren
von den insgesamt 6.502 zugelassenen Bewerbungen (Landeslisten und Wahlkreise) 4.613 Männer (71
%) und nur 1.889 Frauen (29 %). Der Anteil der von den Parteien aufgrund des geltenden
Wahlorganisationsrechts im Vorfeld der Wahlen (BWahlG, BWahlO) nominierten Frauen entspricht
nicht dem gut hälftigen Anteil der wahlberechtigten Bürgerinnen am Wahlvolk. Die geringe Anzahl
nominierter Frauen wirkt sich auf die Zusammensetzung des 19. Deutschen Bundestages aus. Denn die
Wählerinnen und Wähler können nur die Personen wählen, die von den Parteien für die Landeslisten
und Wahlkreise benannt werden. Angesichts der geringen Anzahl nominierter Bewerberinnen, war die
2 Unterrepräsentanz von Frauen im 19. Deutschen Bundestag von vornherein absehbar. Dadurch
erklärt sich der geringe Anteil weiblicher Abgeordneter im 19. Deutschen Bundestag von nur noch 30,7
% - wie vor 20 Jahren. Die gesetzlichen Regelungen über die Kandidatenaufstellung der Parteien
(Landeslisten, Wahlkreise) wirken sich zu Lasten von Frauen aus. Infolgedessen wird die Hälfte des
Wahlvoks, die Bürgerinnen, nicht angemessen mit ihren spezifischen Perspektiven, Interessen,
Erfahrungen und Prioritäten im Bundestag repräsentiert. Dadurch wird gegen das Recht der
Bewerberinnen auf Chancengleichheit im Nominierungsverfahren gem. Art. 38, Art. 3 Abs. 2 GG und
das Recht der Wählerinnen auf gleichberechtigte demokratische Teilhabe und effektive Einflussnahme
auf die Staatsgewalt gem. Art. 38, Art. 20, Art. 3 Abs. 2 GG verstoßen (vgl. BVerfGE 83, 60, 71).

Im Einzelnen:

I. Strukturelle, mittelbare Diskriminierung von Kandidatinnen bei den Nominierungsverfahren der


Parteien:
Verstoß gegen Art. 38, Art. 20, Art. 3 II GG Gerügt wird die nichtparitätische Nominierung von
Kandidatinnen und Kandidaten, u.a. durch die im Bundestag vertretenen Parteien CDU, CDU, FDP, AFD

146
https://www.aktionsbuendnis-parite.de/app/download/11532149498/Einspruch%20Dt.%20BT.pdf?t=1542292944
136
und SPD, zum einen auf den Wahlvorschlagslisten, zum anderen die nicht paritätische
Kandidatenaufstellung in den Wahlkreisen. Darin liegt ein Verstoß gegen das
Gleichberechtigungsgrundrecht und das Gleichberechtigungsgebot gem. Art. 3 Abs. 2 GG sowie das
Grundrecht auf passive Wahlgleichheit, Art. 38 GG. Dadurch wird das Grundrecht der Kandidatinnen
auf Chancengleichheit bei der Aufstellung von Wahlvorschlägen verletzt. Das geltende
Wahl(organisations)recht, das die rechtliche Grundlage der Kandidatennominierung durch die Parteien
bildet, verstößt gegen das in Art. 3 Abs. 2 GG i.V.m. Art. 38, Art. 20 Abs. 1 GG verankerte Grundrecht
von Kandidatinnen auf Chancengleichheit bei der Aufstellung von Wahlvorschlägen durch die
politischen Parteien zu Bundestagswahlen.

1. Wahlvorschlagslisten (Landeslisten) Betrachtet man die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber auf
den Landeslisten, zeigt sich folgendes Bild: Auf den insgesamt 272 eingereichten Landeslisten finden
sich insgesamt 3.943 Bewerbungen, davon 2.694 Männer und nur 1.249 Frauen. Ein differenzierter Blick
auf die im Bundestag vertretenen Parteien zeigt folgendes: Die CDU stellte 256 Männer und nur 169
Frauen auf. 3 Die CSU stellte 74 Männer und nur 20 Frauen auf. Die SPD stellte 281 Männer und nur
194 Frauen auf. Die FDP stellte 260 Männer und nur 76 Frauen auf. Die AfD stellte 205 Männer und nur
30 Frauen auf. Allein die Parteien Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke nominierten mehr Frauen als
Männer: - Bündnis 90/Die Grünen 133 Männer und 141 Frauen, - Die Linke 95 Männer und 99 Frauen.
(Der Bundeswahlleiter, Sonderheft Bundestagswahl 2017, August 2017, S.12). Die
Nominierungsverfahren der Parteien CDU, CSU, SPD, FDP und AfD verstoßen in Bezug auf die
eingereichten Wahllisten gegen Art. 38 Abs. 1 GG, Art. 20 GG und Art. 3 Abs. 2 GG, da sie Kandidatinnen
mittelbar und strukturell benachteiligen, Kandidaten hingegen strukturell bevorzugen. Dass der Grund
für das unausgewogene Verhältnis von weiblichen und männlichen Nominierten n i c h t in der
fehlenden Anzahl von Bewerberinnen liegt, belegen inzwischen zahlreiche Presseartikel, die sich mit
den Strukturen der Parteien befassen. Es sind die männlich geprägten Strukturen, die letztlich über den
Erfolg einer Kandidatur und die Nominierung entscheiden. (Siehe dazu z.B. Der Spiegel 14/2017 „Hinter
jedem Mann“, S.44; Der Spiegel 35/2017 „Damenabwahl“, S. 36; Bay. Staatszeitung v. 6.10.2017,
„Männerbastion Bundestag“, S. 1).

2. Wahlkreise Noch deutlicher wird das fehlerhafte Nominierungsverfahren aller im Bundestag


vertretenen Parteien in Bezug auf die Wahlkreise. Betrachtet man die Anzahl der von den Parteien
nominierten Bewerberinnen und Bewerber in den insgesamt 299 Wahlkreisen, sehen die Zahlen noch
schlechter aus: Die CDU stellte in 253 Wahlkreisen 197 Männer (77,9 %) und nur 56 Frauen (22,1 %)
auf. Die bayerische CSU nominierte in 46 Wahlkreisen 38 Männer (82,6 %) und nur 8 Frauen (17,4 %).
Die SPD stellte in 299 Wahlkreisen 186 Männer (62,2 %) und nur 113 Frauen (37,8 %) auf. Die Partei
Bündnis 90/Die Grünen stellte in 298 Wahlkreisen 173 Männer (58,1 %) und nur 125 Frauen (41,9 %)
auf. Die Linke nominierte in 298 Wahlkreisen 201 Männer (67,5 %) und nur 97 (32,5 %) Frauen. 4 Die
AfD nominierte in 286 Wahlkreisen tatsächlich 256 Männer (89,5 %) und nur 30 Frauen (10,5 %). (Der
Bundeswahlleiter, Sonderheft Bundestagswahl 2017, August 2017, S. 10). Hier zeigt sich noch
deutlicher: Bei der Nominierung von Kandidatinnen für die Wahlkreise durch die Parteien fehlt es an
der von der Verfassung vorausgesetzten Chancengleichheit gem. Art. 38, Art. 3 Abs. 2 GG von
Kandidatinnen und Kandidaten.

II. Strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Politik Ausdruck der strukturellen, mittelbaren
(verschleierten) Diskriminierung von Frauen in der Politik ist ihre strukturelle, mittelbare
Benachteiligung bei der Kandidatenaufstellung im Vorfeld von Wahlen. Eine mittelbare, faktische
Diskriminierung liegt vor, wenn „eine Regelung zwar neutral formuliert ist, aber im Ergebnis
überwiegend Angehörige eines Geschlechts trifft“ (BVerfGE 121, 241, 254; 113, 1, 15; 104, 373, 393;
97, 35, 43 mit Hinweis auf den EuGH). Mittelbar diskriminierende (partei)politische Entscheidungen im
Rahmen von Nominierungsverfahren im Vorfeld von Wahlen verstoßen ebenso wie pflichtwidrig
unterlassene gesetzgeberische Rechtsakte zum Schutz vor mittelbar diskriminierenden
Nominierungsverfahren gegen das Grundrecht der Gleichberechtigung von Frauen und Männern gem.

137
Art. 3 Abs. 2 GG, der vor „verschleierten“ mittelbaren, faktischen Diskriminierungen von Frauen schützt
(vgl. BVerfGE 113, 1, 15). Für den Nachweis der typischen Betroffenheit eines Geschlechts wird die
Bezugnahme auf statistische Daten i.V.m. einer „dem gesunden Menschenverstand und der
Lebenserfahrung entsprechenden Schlussfolgerung“ als ausreichend betrachtet (Kischel, in:
Epping/Hillgruber, a.a.O., Art. 3 Rn. 189 m.w.N.) Die o.g. Zahlen zur Nominierung von Frauen sowie die
u.g. Zahlen zum Wahlergebnis sprechen für eine mittelbare Diskriminierung von Frauen bei der
Nominierung der Kandidatenvorschläge nach dem geltenden Wahlvorschlagsrecht durch traditionelle,
männlich geprägte Parteien. Die „strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Politik“ steht heute
außer Frage, 5 (vgl. BVerfG, Nichtannahmebeschluss vom 01.04.2015 – 2 BvR 3058/14, Rn. 8, 24 – Juris,
unter Bezugnahme auf KG Berlin, Beschluss vom 24.11.2014 – 4 W 55/14; EU-Kommission, Women and
men in leadership positions in the EU 2013, October 2013, S. 22 ff.; Europäisches Parlament,
Entschließung vom 9.6.2015 zur Strategie der EU für die Gleichstellung von Frauen und Männern nach
2015 (2014/2152(INI); Council of Europe, Recommendation CM/Rec(2007)17 of the Committee of
Ministers to member states on gender equality standards and mechanisms - Adopted by the Committee
of Ministers on 21 November 2007 at the 1011th meeting of the Ministers’ Deputies, No. A. 1. 1. No. A.
7., No. A.31; s. auch Council of Europe, Make equality in law a reality in fact, Compilation of
recommendations of the Committee of Ministers in the field of equality between women and men,
2011, S. 6); Holtkamp/Schnittke, Die Hälfte der Macht im Visier - Einfluss der Institutionen und Parteien
auf die politische Präsentation von Frauen, 2010, S. 117 f.; zur kommunalen Ebene in Deutschland s.
Lukoschat/Bescher/EAF Berlin, Frauen führen Kommunen, i.A.d. Bundesbeauftragten der BReg. für die
neuen Bundesländer, in Kooperation mit dem BMFSFJ, 2014, S. 9, 18 ff., 24, 78 ff.). Die „strukturelle
Benachteiligung von Frauen in der Politik“ führt zu mangelnder Chancengleichheit von Kandidatinnen
bei der Aufstellung von Wahlvorschlägen im Vorfeld von Bundestagswahlen. Denn die (traditionell von
Männern dominierten) Parteien üben ihr gesetzliches Wahlvorschlagsrecht ganz überwiegend
zugunsten von männlichen Kandidaten aus, die im Vergleich zu Kandidatinnen bevorzugt werden (vgl.
EU-Kommission, a.a.O., 2013, S. 22 ff.; Europäisches Parlament, a.a.O.; Council of Europe, a.a.O., 2007,
No. A. 1. 1. No. A. 7., No. A.31; s. auch Council of Europe, a.a.O., 2011, S. 6; Holtkamp/Schnittke, a.a.O.,
2010, S. 117 f.; Lukoschat/Bescher/EAF Berlin, a.a.O., 2014, S. 9, 18 ff., 24, 78 ff.) Daher werden –
gemessen am etwa hälftigen Bevölkerungsanteil von Frauen und Männern in Deutschland – seit 1949
überproportional viele Männer und unterproportional wenige Frauen in den Bundestag gewählt.
Infolgedessen werden die gesellschaftspolitischen Interessen, Perspektiven, und Prioritäten der
weiblichen Volkshälfte nicht angemessen, d.h. paritätisch, im Bundestag repräsentiert und
„gespiegelt“. Daher fehlt es seit 68 Jahren an der gleichberechtigten demokratischen Teilhabe und
effektiven Einflussnahme der Bürgerinnen in Deutschland auf die Staatsorgane, vermittelt durch
gewählte Mandatsträgerinnen. Denn Mandatsträgerinnen – und damit die Perspektiven der
Bürgerinnen - sind im Vergleich zu Mandatsträgern und den von ihnen repräsentierten männlichen
Perspektiven der Bürger seit 68 Jahren eklatant unterrepräsentiert. Die Unterrepräsentanz erklärt sich
durch die seit 68 Jahren fehlende Chancengleichheit von Frauen in den Nominierungsverfahren der von
Männern dominierten und kontrollierten Parteien, die im Vorfeld der Wahl männliche Kandidaten
aufgrund seit Jahrzehnten verfestigter, maskulin geprägter Strukturen - vor allem in traditionellen
politischen Parteien – bevorzugen. Infolgedessen werden überproportional viele Männer (auf
aussichtsreichen Plätzen) nominiert, die infolgedessen überproportional viele Mandate erlangen – so
dass, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil, auch im 19. Deutschen Bundestag überproportional viele
Männer Sitz, Stimme und Einfluss auf politische Entscheidungen haben.

III. Wahlergebnis

Die strukturell diskriminierende Nominierung der Kandidatinnen schlägt sich im Wahlergebnis nieder:
CDU/CSU: 246 Sitze, davon 49 Frauen (19,9 %), 197 Männer (80,1 %). CDU: 200 Sitze, davon 185
Direktmandate; 41 Frauen, 159 Männer. CSU: 46 Sitze, 46 Direktmandate; Frauen (17,4 %), 38 Männer
(82,9 %). SPD: 153 Sitze, davon 54 Direktmandate und 99 listenvermittelte Sitze. Direktmandate: 38
Männer (70,4 %), 16 Frauen (29,6 %). Listenvermittelte Sitze: 51 Männer (51,5 %), 48 Frauen (48,5 %).

138
Insgesamt entfallen von den 153 Sitzen 89 auf Männer (58,2 %) und 64 auf Frauen (41,8 %). FDP: 80
Sitze, 19 Frauen (23,8 %), 61 Männer (77 %). Bündnis 90/Die Grünen: 67 Sitze, 39 Frauen (58,2 %), 28
Männer (42 %). Die Linke: 69 Sitze, 37 Frauen (53,6 %), 32 Männer (46 %). AfD: 92 Sitze, 10 Frauen (10,8
%), 83 Männer (89,4 %). Fraktionslose Abgeordnete (Ex-AfD): 1 Frau, 1 Mann.

IV. Fehlende demokratische Legitimation

Infolgedessen fehlt den Staatsbürgerinnen als elementarer, mehr als hälftiger Teil des Volkes in
Deutschland die gleichberechtigte demokratische Teilhabe an politischer Einflussnahme, also die
Sicherung ihrer effektiven Einflussnahme auf politische Entscheidungen des Bundestages. Dies aber ist
für die demokratische Legitimation der aus Wahlen hervorgehenden Parlamente und deren
Entscheidungen erforderlich. Fehlt die gleichberechtigte demokratische Teilhabe von Frauen, so führt
dies letztlich zu einem Mangel an demokratischer Legitimation der politischen Entscheidungen der
Herrschenden.
1. Verstoß gegen das Demokratieprinzip („Volkssouveränität“)

Verfassungsrechtlich widerspricht die evidente Unterrepräsentanz von Frauen im 19. Deutschen


Bundestag zudem dem Demokratieprinzip des Grundgesetzes im Sinne von Art. 20 Abs. 2 S. 1 GG
(„Volkssouveränität“), das jeweils die gleichberechtigte demokratische Teilhabe und effektive
Einflussnahme der Staatsbürgerinnen und Staatsbürger voraussetzt, vgl. Art. 3 Abs. 2 GG, Art. 20, Art.
38 GG Das in Art. 20 GG verankerte Demokratieprinzip verlangt nach der Rechtsprechung des BVerfG
eine hinreichende Legitimation der Staatsgewalt durch das Volk. Zentrales Element des
Demokratiekonzepts der „repräsentativen Demokratie“ ist die Legitimationskette, die erstens
sicherstellen soll, dass die politische Herrschaftsgewalt auf das Volk rückführbar ist und zweitens, dass
die Bürgerinnen und Bürger - das Volk - effektiven Einfluss auf die Ausübung der politischen Herrschaft
hat (BVerfGE 130, 76, 123; 93, 37, 66; 83, 60, 71; 9, 268, 281). Gerade die „effektive Einflussnahme“
der Bürgerinnen und Bürger auf die Staatsorgane ist das zentrale Element der verfassungsrechtlich
geforderten Rückbindung der Staatsgewalten an den „Volkswillen“, um dadurch die „freie
Selbstbestimmung“ aller Bürgerinnen und Bürger zu sichern (vgl. BVerfGE 44, 125, 142; 83, 60, 71f.; 93,
37, 66; 107, 59, 87, 92; Dreier, in: Ders. , GG, Band II, 2. Aufl. 2006, Art. 20 Rn. 87). Dabei erschöpft sich
die repräsentative Demokratie nach der Rechtsprechung des BVerfG nicht im Formalen, allein die
Veranstaltung von Wahlen reicht nicht aus: „In der freiheitlichen Demokratie geht alle Staatsgewalt
vom Volke aus. Sie wird vom Volk in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der
Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt (Art. 20 Abs. 1 und 2 GG.).
(...). Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG gestaltet den Grundsatz der Volkssouveränität aus. Er legt fest, dass das
Volk die Staatsgewalt, deren Träger es ist, außer durch Wahlen und Abstimmungen durch besondere
Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausübt. Das setzt voraus,
dass das Volk einen effektiven Einfluss auf die Ausübung der Staatsgewalt durch diese Organe hat.
Deren Akte müssen sich auf den Willen des Volkes zurückführen lassen.“ (BVerfGE 130, 76, 123; s. auch
BVerfGE 93, 37, 66; 83, 60, 71; 80, 188 ; 9, 268, 281). Damit also davon gesprochen werden kann, dass
„alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht“, Art. 20 Abs. 2 GG, bedarf es des „effektiven Einflusses“ der
Bürgerinnen und Bürger auf die Ausübung der Staatsgewalt, da ansonsten deren Akte nicht auf den
„Willen des Volkes“ zurückführbar sind. Insofern „muss sich (…) das, was die 8 Repräsentierten wollen,
in der parlamentarischen `Staatswillensbildung` inhaltlich niederschlagen“ (so Pünder, Wahlrecht und
Parlamentsrecht als Gelingensbedigungen repräsentativer Demokratie, VVDStRL 72, 2013, S. 191, 199;
vgl. auch Böckenförde, Demokratische Willensbildung und Repräsentation, in: Isensee/Kirchhoff
(Hrsg.), Handbuch des Staatsrechts, Bd. 3, 3. Aufl. 2005, § 34 Rn. 28, der die Notwendigkeit betont, dass
die Abgeordneten den „Volkswillen“ nicht nur formal, sondern auch „inhaltlich repräsentieren“). Daher
müssen zwangsläufig „die Präferenzen“ der Bürgerinnen und Bürger in den Blick genommen werden
(„Responsivität“) (Pünder, VVDStRL 72, 2013, S. 191, 198). Das BVerfG hat den Gedanken der
„Responsivität“ inzwischen in seine Rechtsprechung (2012) aufgenommen und in den Zusammenhang
mit der parlamentarischen Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern gestellt. Die so

139
verstandene responsive Verantwortung des Parlaments ist letztlich „die wesentliche Voraussetzung des
von Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG geforderten effektiven Einflusses des Volkes auf die Ausübung der
Staatsgewalt“ (BVerfGE 131, 152 ff. Rn. 113; s. auch BVerfGE 130, 318 ff. Rn. 108; BVerfGE 93, 37, 66;
83, 60, 71). Anders als früher wird das „Volk“ heute auch nicht mehr als eine abstrakte Einheit
verstanden. Heute wird in der Rechtswissenschaft zunehmend eine individualistischere Sicht zugrunde
gelegt, in Abkehr von der traditionell paternalistischen Orientierung am „Wohl“ und nicht am „Willen“
des Volkes. Kritisiert wird zu Recht, dass dabei „außen vor blieb“, was die Bürgerinnen und Bürger
„tatsächlich wollen“ (vgl. Pünder, a.a.O., S. 200 f.). Auch das BVerfG legt in seinen neueren
Entscheidungen im Hinblick auf das Staatsvolk als Legitimationssubjekt eine deutlich
individualistischere Sicht zugrunde. So nimmt es etwa in der Wasserverbandsentscheidung (2. Senat)
klar auf die Gesamtheit der Bürgerinnen und Bürger Bezug (vgl. BVerfGE 107, 59, 87). Um die
erforderliche Rückbindung der Staatsgewalten an den „Volkswillen“ zu gewährleisten, bedarf es also
letztlich des responsiven effektiven Einflusses der Gesamtheit des Volkes, also der Bürgerinnen und
Bürger, auf die Gewaltausübung durch die staatlichen Organe. 9 Dabei spricht das dem Grundgesetz
zugrunde liegende Konzept demokratischer Legitimation in der repräsentativen Demokratie den direkt
aus Wahlen hervorgehenden Parlamenten eine Führungsrolle zu (vgl. BVerfGE 90, 286, 383; 104, 151,
208; 123, 267, 338; BVerfG, NVwZ 2015, 1593 - Parlamentsvorbehalt). Folglich ist gerade die responsive
effektive Einflussnahme der Bürgerinnen und Bürger auf die Staatsorgane das zentrale Element der
verfassungsrechtlich geforderten Rückbindung der Staatsgewalten an den „Volkswillen“, um so die
„freie Selbstbestimmung“ der Bürgerinnen und Bürger zu sichern (vgl. BVerfGE 44, 125, 142; 83, 60,
71f.; 93, 37, 66; 107, 59, 87, 92; Dreier, in: Ders., GG, Band II, 2. Aufl. 2006, Art. 20 Rn. 87). Dafür spricht
auch die aktuelle Rechtsprechung des BVerfG zum individuellen „Anspruch auf Demokratie“, den das
BVerfG in der „Lissabon-Entscheidung“ aus Art. 20 Abs. 1 und Abs. 2 GG i.V.m. Art. 28 Abs. 1 GG i.V.m.
Art. 1 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 79 Abs. 3 GG hergeleitet hat (vgl. BVerfGE 135, 317, 386 Rn. 125). Durch
den von der „Ewigkeitsgarantie“ des Art. 79 Abs. 3 GG umfaßten Anspruch auf Demokratie gem. Art.
20 Abs. 1, Abs. 2 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1, Art. 79 Abs. 3 GG wird der
Menschenwürdegehalt der politischen Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger geschützt
(BVerfGE 135, 317, 386 Rn. 125; BVerfG, Nichtannahmebeschl. v. 31.03.2016 – 2 BvR 1576/13 –, juris
Rn.81). In der repräsentativen Demokratie kommt diesbezüglich den direkt aus Wahlen
hervorgehenden Parlamenten eine besondere Schutzpflicht zu, um die politische Selbstbestimmung der
(wahlberechtigten) Bürgerinnen und Bürger und deren Grundrecht auf Demokratie gem. Art. 20 Abs. 1,
Abs. 2 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 79 Abs-. 3 GG, das gem. Art. 79 Abs. 3 GG der
„Ewigkeitsgarantie“ unterliegt, zu sichern (vgl. BVerfGE 90, 286, 383; 104, 151, 208; 123, 267, 338;
BVerfG, NVwZ 2015, 1593 - Parlamentsvorbehalt). Dementsprechend und konsequent setzt das
Demokratieprinzip gem. Art. 20 GG nach der Rspr. des BVerfG die effektive Einflussnahme der
Bürgerinnen und Bürger voraus. Denn nur so wird gewährleistet, dass sich parlamentarische Akte „auf
den Willen des Volkes“, also den Willen der Bürgerinnen und Bürger, „zurückführen 10 lassen“ und
dadurch den Menschenwürdegehalt der politischen Selbstbestimmung der Bürgerinnen und Bürger
sichern (std. Rspr., vgl. BVerfGE 130, 76, 123; 93, 37, 66; 83, 60, 71). Folglich ist gerade die effektive
Einflussnahme der Bürgerinnen und Bürger auf die Staatsorgane das zentrale Element der
verfassungsrechtlich geforderten Rückbindung der Staatsgewalten an den „Volkswillen“, um die „freie
Selbstbestimmung“ der Bürgerinnen und Bürger zu sichern (vgl. BVerfGE 44, 125, 142; 83, 60, 71f.; 93,
37, 66; 107, 59, 87, 92; BVerfGE 135, 317, 386 Rn. 125; BVerfG, Nichtannahmebeschluss v. 31.03.2016
– 2 BvR 1576/13 –, Juris Rn.81; Dreier, in: Ders., GG, Band II, 2. Aufl. 2006, Art. 20 Rn. 87). Dennoch
fehlt es daran in der Verfassungswirklichkeit bis heute. Denn die Staatsbürgerinnen können seit 1949
mangels ausreichender Repräsentantinnen in den Parlamenten bislang keinen effektiven Einfluss auf
parlamentarische Entscheidungen ausüben. Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag 1949-1953: 6,8
%; 1953-1957: 8,8 %; 1957-1961: 9,2 %; 1961-1965: 8,3 %; 1965-1969: 6,9 %; 1969-1972: 6,6 %; 1972-
1976: 5,8 %; 1876-1980: 7,3 %; 1980-1983: 8,5 %; 1983-1987: 9,8 %; 1987-1990: 15,4 %; 1990-1994:
20,5 %; 1994-1998: 26,3 %; 1998-2002: 30.9 %; 2002-2005: 32,2 %; 2005-2009: 32,0 %; 2013-2017 :
36,5 % („FDP-Effekt“) (vgl. Dt. Bundestag, Abgeordnete in Zahlen, Frauen und Männer,
https://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete18/mdb_zahlen/frauen_ma enner/260128 -

140
abgerufen am 26.06.2016). Die infolgedessen eintretenden demokratischen Defizite politischer
Entscheidungen führen zu einem Mangel an demokratischer Legitimation. Denn als Kerngehalt des
Demokratiegebots gem. Art. 20 GG gilt heute der allgemeine Gleichheitssatz. Er stellt eines der
tragenden Konstitutionsprinzipien der freiheitlich demokratischen Verfassung dar und wird
insbesondere durch die speziellen Gleichheitssätze des Art. 3 Abs. 2 und Abs. 3 GG konkretisiert (vgl.
Jarass, in Ders./Pieroth, GG, 13. Aufl., 2014, Art. 3 Rn. 83, 117; Pieroth, in: Jarass/Ders., a.a.O., Art. 20
Rn. 8; Pfarr/Fuchsloch, NJW 1988, 2201, 2203; Stern, Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland,
Band 1, 2. Aufl. 1984, § 18 S. 594 f.). Dass die gleichberechtigte Partizipation der weiblichen Volkshälfte
an politischen Entscheidungen in der repräsentativen Demokratie heute zu den demokratischen 11
„essentialia negotii“ des Europäischen Wertesystems zählt, hat u.a. der Europarat 2007 klargestellt:
„Gender equality is (...) a sine qua non of democracy“ und ergänzt: “The existence and regular
functioning of a parity democracy is (...) a guarantee that women’s and men’s interests and needs are
fully taken into account in policy making and in the running of society“ (Council of Europe, a.a.O., 2007,
No. A. 1. 1. No. A. 7., No. A. 31; s. auch Council of Europe, a.a.O., 2011, S. 6: „equality as an integral
part of human rights and a fundamental criterion of democracy“). Nicht weniger deutlich stellt die
Europäische Kommission (GD Justiz) in einer an die Mitgliedstaaten adressierten Publikation aus dem
Jahre 2013 klar, dass die EU eine ausgewogene Mitwirkung von Frauen und Männern an politischen
Entscheidungsprozessen als „Grundbedingung für eine demokratische Gesellschaft“ betrachtet. Dabei
richtet sie den Blick ausdrücklich auf die nationalen, regionalen und lokalen Parlamente der
Mitgliedstaaten und fordert eine stärkere Nominierung von Kandidatinnen, um die Zahl der weiblichen
Abgeordneten zu erhöhen (EU-Kommission, a.a.O., 2013, S. 22 ff.). Auch in der Rechtswissenschaft wird
die fehlende paritätische Repräsentanz von Frauen und Männern in den Parlamenten zunehmend
problematisiert und im Zusammenhang mit aktuellem Reformbedarf der repräsentativen Demokratie
diskutiert (vgl. Cancic, Wahlrecht und Parlamentsrecht als Gelingensbedingungen repräsentativer
Demokratie, Zweiter Beratungsgegenstand der Tagung der Vereinigung der Deutschen
Staatsrechtslehrer 2012, Veröffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer
(VVDStRL) 72 (2013), S. 268, 300 dort Fn. 128 mit weiteren Nachweisen, u.a. Bezugnahme auf
Laskowski, Rechtsgutachten zur Frage der Übertragbarkeit des französischen ParitéGesetzes ins
deutsche Recht, 2009; Dies., Wann bekommt Deutschland ein Parité-Gesetz, Streit 2015, S. 51 ff.; vgl.
bereits Pohl, Die Reform des Wahlrechtes, VVDStRL 7 (1932), S. 131, 136, 148, der bereits in der
Weimarer Republik hervorhob, dass das 1918 eingeführte Frauenwahlrecht gesetzlich nicht mehr zu
beseitigen sei und die konkrete Ausgestaltung des Wahlrechts mit Blick auf die Aussichten von
„Frauenkandidaturen“ relevant sei – Hervorhebung durch die Verfin.) - dazu näher unten zu C. 12
Demnach zielt die in der repräsentativen parlamentarischen Demokratie über die Parteien und
Wählergemeinschaften vermittelte „Volksherrschaft“ aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts
zwingend auf eine faire, gleichberechtigte und effektive Teilhabe von Frauen und Männern an der
politischen Herrschaftsausübung.

2. Paritätisches Wahlrecht als Gelingensbedingung der repräsentativen Demokratie

Das jeweils geltende Wahlrecht gehört zu den Gelingensbedingungen der repräsentativen Demokratie.
Die konkrete Ausgestaltung des Wahlrechts ist im Hinblick auf das Nominierungsverfahren der Parteien
und die Aussichten von „Frauenkandidaturen“ entscheidend. Dies war bereits zu Zeiten der Weimarer
Republik in der Staatsrechtswissenschaft anerkannt (deutlich bereits Pohl, Die Reform des Wahlrechtes,
VVDStRL 7 (1932), S. 131, 136, 148; zur heutigen Diskussion s. Cancic, Wahlrecht und Parlamentsrecht
als Gelingensbedingungen repräsentativer Demokratie, VVDStRL 72 (2013), S. 268, 300 dort Fn. 128
m.w.N., u.a. Laskowski, Rechtsgutachten zur Frage der Übertragbarkeit des französischen
ParitéGesetzes ins deutsche Recht, 2009). Der paritätischen Ausgestaltung des
Wahl(organisations)rechts kommt daher für den Schutz vor mittelbarer struktureller Diskriminierung
von Frauen im Rahmen der Kandidatennominierung im Vorfeld von Wahlen und für die Sicherung und
Durchsetzung des Grundrechts auf gleichberechtigte demokratische Teilhabe und effektive
demokratische Einflussnahme auf staatliche Entscheidungen zentrale Bedeutung zu. Heute folgt die

141
staatliche Verpflichtung zur Durchsetzung der realen Chancengleichheit von Kandidatinnen aus Art. 3
Abs. 2 S. 2 GG. Vor allem der Gesetzgeber steht in der Pflicht, die fehlende Chancengleichheit von
Kandidatinnen effektiv durchzusetzen. Die paritätische Ausgestaltung des gesetzlichen
Wahlvorschlagsrechts der Parteien für die Bundestagswahlen durch den Bundesgesetzgeber ist
verfassungsrechtlich geboten, um die bestehenden Verfassungsverstöße zu beenden und das in Art. 3
Abs. 2 GG i.V.m. Art. 20, Art. 38 GG verankerte Grundrecht auf Chancengleichheit von Kandidatinnen
auf ein durch Wahl vermitteltes Mandat herzustellen und das Grundrecht auf gleichberechtigte
demokratische Teilhabe und effektive gleichberechtigte demokratische Einflussnahme der Bürgerinnen
(und Bürger) auf die Staatsorgane in Deutschland sicherzustellen und durchzusetzen.“

Des weiteren wird auf einzelne Gesetzesnormen eingegangen.

Zu Art. 3 GG

1. Das Fördergebot darf nicht zu einem Gruppenrecht umgedeutet werden und kann nur ein
individuelles Abwehrrecht darstellen(BT-Drucksache 12/7109 S. 13).

2. Es darf mit mögliche Maßnahmen das Diskriminierungsverbot nach Art. 3 Abs. 3 GG nicht
durchbrochen werden.(ebenda)

3. Es kann sich nur um Maßnahmen handeln, die die Gleichheit der Ausgangschancen sicherstellen soll
und nicht die numerische Gleichverteilung in allen oder bestimmten Lebensbereichen.
(BT-Drucksache 12/6000, S. 49 ff.)

4. Starre Quotenregelungen sind vom Verfassungsgeber ausgeschlossen und vom EuGH für unzulässig
erklärt worden.147

5. Das BVerfG hat zur Ungleichbehandlung zw. Männern und Frauen nur rein biologisch Funktionale
Unterschiede, sowie die Beseitigung von Problemen, die in der Natur nach entweder nur bei Männern
oder nur bei Frauen auftreten können gerechtfertigt. 148Da auch andere Gruppen von Normadressaten,
speziell in den in Art. 3 Abs. 3 genannten Fällen, von eine Unterrepräsentanz genauso betroffen sind
oder sein können, halten die Maßstäbe des BVerfG zur Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen
nicht stand und können auch nicht mit kollidierendem Verfassungsrecht legitimiert werden.

6. Für Regelungen nach Art. 3 Abs. 2 und Art 20 Abs. 1 GG ist der Normadressat der Staat und
keineswegs Parteien und sonstige privatrechtliche Vereinigungen. 149

7. Eine reine Unterrepräsentanz kann zwar ein Indikator für eine mögliche mittelbare, unmittelbare
oder strukturelle Diskriminierung darstellen aber keineswegs ein alleiniges Merkmal zur Feststellung
dieser sein kann.

Zu Art. 21 GG

1. Treuepflicht zur Gleichbehandlung aller Parteimitglieder. 150

147
http://dipbt.bundestag.de/doc/brd/1993/D800+93.pdf, EuGH, 17.10.1995 - C-450/93;BAG BAG, 05.03.1996 - 1 AZR 590/92 (A); BAG,
21.01.2003 - 9 AZR 307/02;Münch/Kunig, GG Kommentar, Rn 93f;Maunz/Dürig, Art. 3 Abs. 2 Satz 2, Rn 65;
https://www.mhkbg.nrw/mediapool/pdf/presse/pressemitteilungen/Gutachten_Zielquoten.pdf
148
Beschluss vom 10. Juli 2012 - 1 BvL 2/10
149
Ipsen Kommentar PartG § 17 Rn 18 mit Nachweisen
150
Ipsen S. 170;Hahn, innerparteiliche Demokratie, S.51-52;Tsokos/Morlok, Parteienrecht, S. 52;Wolfrum, Die innerparteiliche
demokratische Ordnung nach dem Parteiengesetz, S. 143-144; Wilhelm Henke, das Recht der politischen Parteien, S.87-88;Seifert, die
politischen Parteien im Recht der BRD, Heymann 1975, S. 212-213; Die innere Ordnung der Parteien nach dem Grundgesetz und ihre
142
2. Verbot von Klassenbildungen innerhalb von Parteien unter den Parteimitgliedern und einzelnen
Mitglieder oder Mitgliedergruppen Sonderrechte einzuräumen, soweit sich diese auf die politische
Willensbildung erstrecken. 151

3. Gleichheit des Antrags- Rede- und Stimmrechts, sowie des Zugangs zu allen Wahlämtern und den
Mitwirkungsmöglichkeiten bei der politischen Willensbildung.152

4. Das innerparteiliche Wahlrecht muss so beschaffen sein, dass der Wille der Parteimitglieder nicht
manipuliert werden kann. 153

5. Verbot bei Wahlen einzelne Personen oder Personengruppen zu bevorzugen oder zu


benachteiligen.154
6.Verstöße gegen das Verbot, bei der Organisations-, Programm- und Betätigungsfreiheit nach Art. 21
Abs. 1 Satz 2 GG von den
demokratischen Grundsätzen nach Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG abzuweichen.(BVerfGE 2 1 Rn 40)

"4. Art. 21 I 1 und 2 und II GG ist unmittelbar anwendbares Recht. Das gilt auch für Art. 21 I 3 GG
insoweit, als er es verbietet, daß eine Partei sich in grundsätzlicher
Abweichung von demokratischen Prinzipien organisiert. "

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv002001.html

Art. 38 GG

1. Pflicht, bei Wahlen Verfahrensweisen zu schaffen, bei denen sich unverfälscht der Wille der
Wahlberechtigte im Wahlergebnis widerspiegeln kann, Verbot im Sachbereich Wahlen nach
Geschlecht, Rasse, Religion, politischer Meinung und weiterer in Art. 3 Abs. 3 GG genannten Fällen
auszudifferenzieren.155

3. Die Wahl muss frei von willkürlichen und widersinnigen Effekten sein. 156

4. Die Wahlrechtsgleichheit ist Streng. 157 Sie sind nicht auf den eigentlichen Wahlakt beschränkt,
sondern beziehen sich auch auf die Wahlvorbereitungen, insbesondere das Wahlvorschlagsrecht. 158

Ausführung durch das Parteiengesetz, Luthmann 1961,S.103-105, S. 108; Luthmann DVBl, 1962, S. 167-167; RdA 54, 368 mit Nachweisen aus
der Rechtsprechung;Rabus in AÖR, Bd 78, S. 182;Maunz in Maunz/Dürig, Art. 21 LfG 23, Rn 58
151
Hahn Ebenda, S. 168;Luthmann ebenda; Seifert ebenda;Wolfrum ebenda;Tsokos/Morlok ebenda;Seifert aaO.;Maunz in Maunz/Dürig,
Art. 21 LfG 23, Rn 58
152
Hahn, S. 54;Maunz in Maunz/Dürig, Art. 21 LfG 23, Rn 58
153
Hahn aaO.
154
Wolfrum, Die innerparteiliche demokratische Ordnung nach dem Parteiengesetz, S. 143-144
155
BVerfGE 6,84;NJW 1974, 183, Entscheidung des BGH vom 17. Dezember 1973;BGH, 28.11.1988 - II ZR 96/88, BGHZ 106, 67, NJW 1989,
1212, MDR 1989, 327, WM 1989, 366, NVwZ 1989;Heyen, DÖV, 1989, 632 mit Nachweisen.; Dennis Adler Wahlsysteme im Vergleich:
Mehrheits- und Verhältniswahl, S. 7; Dieter Nohlen, Wahlrecht und Parteiensysteme,5.Auflage S.41; Schreiber 2009, S. 92, Rn 9; Schreiber
2013, S. 136, Rn 9; Nieding NVwZ 1994; BVerfGE 129,300;LVerfG- 3/09, vom 30.08.2010; BT-Drucks. 11/7209,S.6 ; BT-Drucks. 13/3531,S. 94
156
BVerfG vom 25.07.2012; BVerfGE 121, 266 <300>
157
vgl. BVerfGE 1, BVERFGE Jahr 1 Seite 208 (BVERFGE Jahr 1 Seite 247); 6, BVERFGE Jahr 6 Seite 84 (BVERFGE Jahr 6 Seite 91) = NJW 1957,
NJW Jahr 1957 Seite 377; BVerfGE 30, BVERFGE Jahr 30 Seite 227 (BVERFGE Jahr 30 Seite 246) = NJW 1971, NJW Jahr 1971 Seite 1123;
BVerfGE 41, BVERFGE Jahr 41 Seite 1 (BVERFGE Jahr 41 Seite 12) = NJW 1976, NJW Jahr 1976 Seite 889; BVerfGE 51, BVERFGE Jahr 51 Seite
222 (BVERFGE Jahr 51 Seite 234 f.) = NJW 1979, NJW Jahr 1979 Seite 2463 m. w. Nachw.
158
vgl. BVerfGE 4, BVERFGE Jahr 4 Seite 375 (BVERFGE Jahr 4 Seite 387) = NJW 1956, NJW Jahr 1956 Seite 905; BVerfGE 11, BVERFGE Jahr
11 Seite 266 (BVERFGE Jahr 11 Seite 272) = NJW 1960, NJW Jahr 1960 Seite 1755; BVerfGE 11, BVERFGE Jahr 11 Seite 351 (BVERFGE Jahr 11
Seite 363) = NJW 1960, NJW Jahr 1960 Seite 2283; BVerfGE 14, BVERFGE Jahr 14 Seite 121 (BVERFGE Jahr 14 Seite 132 f.) = NJW 1962, NJW
Jahr 1962 Seite 1493; BVerfGE 30, BVERFGE Jahr 30 Seite 227 (BVERFGE Jahr 30 Seite 246) = NJW 1971, NJW Jahr 1971 Seite 1123; BVerfGE
41, BVERFGE Jahr 41 Seite 399 (BVERFGE Jahr 41 Seite 417)
143
Kennzeichnend für die Grundsätze der Allgemeinheit und Gleichheit der Wahl ist ihr formaler
Charakter: Jeder soll sein aktives und passives Wahlrecht in formal möglichst gleicher Weise ausüben
können.159

5. Es werden klar Ausführungen aus dem Schrifttum benannt, die klar gegen die Zulässigkeit dieser
Regelungen sind.160

§ 10 PartG

1. Es besteht die Pflicht zur Gleichbehandlung aller Parteimitglieder. 161

2. Das gilt auch für das aktive und passive Wahlrecht.(Lenski § 17 Rn 22 und 26; Morlok, Erläuterungen
zum PartG, § 15, Rn 3)

§ 15 PartG

Da zu allen Organen die Mitglieder das freie Wahlvorschlagsrecht haben und bei der Ausübung des
Wahlrechts alle Parteimitglieder gleich zu behandeln sind und nicht nach sachfremden Merkmalen wie
Geschlecht, Rasse Religion, etc. ausdifferenziert werden darf. So ist bereits nach Abs. 1 geregelt, das
nach Mehrheitsprinzip Beschlüsse mit einfacher oder ggf. auch mit höherer qualifizierter Mehrheit
getroffen werden können. 162

§ 17 PartG

1. Bei innerparteilichen Wahlen sind Mitglieder gleich zu behandeln. 163


2. Bevorzugungen oder Benachteiligungen von Wahlbewerbern sind unzulässig.164

§§ 25 bis 40 BGB

Mit dem Begriff "Satzung" knüpft das Parteiengesetz an die entsprechenden Regelungen des BGB
an.165 Somit sind die Bestimmungen des BGB mit anzuwenden. 166 Als rechtliche Grundordnung des
Vereins enthält die Verfassung die Grundentscheidungen, die das Vereinsleben bestimmen, insb. die
Mindesterfordernisse und den Sollinhalt der Satzung nach §§ 57, 58. Rechtsgrundlagen der Verfassung

159
vgl. BVerfGE 13, BVERFGE Jahr 13 Seite 243 (BVERFGE Jahr 13 Seite 246); 28, BVERFGE Jahr 28 Seite 220 (BVERFGE Jahr 28 Seite 225) =
NJW 1970, NJW Jahr 1970 Seite 1309 L; BVerfGE 34, BVERFGE Jahr 34 Seite 81 (BVERFGE Jahr 34 Seite 99) = NJW 1973, NJW Jahr 1973 Seite
33; BVerfGE 36, BVERFGE Jahr 36 Seite 139 (BVERFGE Jahr 36 Seite 141) = NJW 1974, NJW Jahr 1974 Seite 311.)Man beachte auch die
Maßstäbe: https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2019/01/cs20190129_2bvc006214.html
160
Henke, BK, Art. 21 (1991), Rn. 289; Volkmann, in: Friauf/Höfling, Berl. Komm. zum GG, Art. 21 (2001), Rn. 65 Fn. 410; Sannwald, in:
SchmidtBleibtreu/Hofmann/Hopfauf, GG, Komm., 12. Aufl. 2011, Art. 21 Rn. 81.; Heyen, DÖV, 1989,S.649 ff; Sachs, NJW, S. 553 ff, Ipsen
PartG, § 17, Rn 5; Lenski, PartG, § 10, Rn 19 ff; Bernd Nieding, NvwZ 1994, S. 1177; Verfassungsprobleme der innerparteilichen
Kandidatenaufstellung für die Wahl zum Deutschen Bundestag, Il Sun Hong, S. 78 ff; Oebbecke, JZ 1988, S. 176, Hahlen im Schreiber 2013,
S. 552,Rn 35, m.w.N.
161
Parteiengesetz, Kersten/Rixen, 2009 § 10, Rn 13 mit Nachweisen; Parteiengesetz und Recht der Kandidatenaufstellung : Handkommentar,
Sophie-Charlotte Lenski,2011, § 10 Fn 19;BT-Drucks. III/1509, S.24;zu BT-Drucks. 5/1918, S. 2 und 4; Luthmann, 1961, S. 108;Sebastian Bukow,
Die professionalisierte Mitgliederpartei : Politische Parteien zwischen institutionellen Erwartungen und organisationaler Wirklichkeit,
Springer 2013, S. 100;Der Parteibegriff : zur verfassungsrechtlichen und verfassungspolitischen Funktion des Parteibegriffs unter besonderer
Berücksichtigung der Verbotsproblematik, 1996,Wiebke Wietschel,S 64;Seifert 1975: 219-220;Foroud Shirvani, Das Parteienrecht und der
Strukturwandel im Parteiensystem, S. 202-204
162
Kersten/Rixen, Parteiengesetz § 15. Rn 19
163
Parteiengesetz,Ipsen,§ 17 Rn 5 mit Nachweisen
164
DVBL 1993, S.1070 ff ,2.6.1991,Urteil des Hamburger Verfassungsgerichtes; Sächs VerfGH vom 25.11.2005, LKV 2006 S. 270
165
Kersten/Rixen, Parteiengesetz, § 6, Rn 7, Stöber, Rn 12
166
Reichert, Rn 5832
144
sind die zwingenden vereinsrechtlichen Vorschriften, die nicht nach § 40 zur Disposition der Satzung
stehen. Zwingend sind auch § 26 Abs. 1 und § 39 sowie der ungeschriebene
Gleichbehandlungsgrundsatz, so dass der im Vereinsrecht geltende Grundsatz der Gleichbehandlung
aller Vereinsmitglieder, durch den die Organisationsgewalt des Vereins eine allgemeine Beschränkung
erfährt.167 Und selbst aus dem Schrifttum geht hervor, dass § 242 BGB zur Bekämpfung von
Ungleichbehandlungen zugelassen sind.168 Ferner sind Satzungsbestimmungen, die gegen den
Gleichheitsgrundsatz verstoßen, nichtig.169 Es verbietet die willkürliche Schlechterstellung einzelner
Mitglieder ohne sachlichen Grund und begrenzt die Mehrheitsherrschaft 170 . Die Treuepflicht
verpflichtet den Verein,auf die Interessen der Minderheit Rücksicht zu nehmen und nicht unter
Missachtung des Vereinszwecks ausschließlich eigene Interessen zu verfolgen." Ferner sind
Satzungsbestimmungen, die gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen, nichtig.171

Diese unterliegen der Treuepflicht und haben die Gleichbehandlung der Mitglieder sicherzustellen. 172
Bei Parteien ist dieser Anspruch noch viel weitergehender als bei Vereinen ohne politischen
Zielsetzung: hier ist wegen des Demokratiegebots in Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG die Mitgliedergleichheit
formal dahin ausgeprägt, dass eine Klasseneinteilung und Sonderrechte grundsätzlich ausgeschlossen
sind.173
Beschlüsse, die gegen den Grundsatz auf Gleichbehandlung verstoßen, sind nichtig. 174
Ebenso muss bei Wahlen die Chancengleichheit sichergestellt werden. 175

Zur Rechtsprechung des BverfG

"Zwar verkennt das Landgericht mit der Behauptung, Parteien seien bei der Ausgestaltung des passiven
Wahlrechts für Parteiämter - im Unterschied zum aktiven Wahlrecht - nicht an den Grundsatz der
Wahlrechtsgleichheit gebunden, die Bedeutung des Verfassungsgebots innerparteilicher Demokratie
gemäß Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG. Demgemäß muss die Ausgestaltung des innerparteilichen Wahlsystems
den Wahlrechtsgrundsätzen des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG entsprechen (vgl. Morlok, in: Dreier, GG-
Kommentar, 2. Aufl. 2006, Art. 21 Rn. 137; Streinz, in: v. Mangoldt/Klein/Starck, GG-Kommentar, 6.
Aufl. 2010, Art. 21 Rn. 151). Dies schließt allerdings nach verbreiteter Auffassung Quotenregelungen

167
BGB Kommentar, Prütting/Wegen/Weinreich, 6. Auflage 2011,§ 25, Rn 1,§ 38 Rn 7;Juris Praxiskommentar BGB, Vieweg,§25, Rn 30, § 35,
Rn 40; Ralph Jürgen Bährle,Vereinsrecht Schnell erfasst,2010,S.48; Reichert, Vereins-und Verbandrecht 11. Auflage, Rn 771;Stöber,
Handbuch zum Vereinsrecht, 8. Auflage, Rn 129 ff,171 ff;Soergel, BGB Kommentar, § 38,Rn 19;Erman,BGB Kommentar, 11.Auflage, § 35, Rn
2;Palandt, BGB Kommentar 72. Auflage, § 35, Rn 2 ff; BGH, Urteil vom 19. 7. 2010 - II ZR 23/09; BGHZ 47, 381; BVerfGE 14,263; BGH NJW
1960, 2142 (2143); BGHZ 33, 175 (186); 55, 381 (385); 116, 359 (373); BGH, Urteil vom 20. April 1967 - II ZR 142/65, BGHZ 47, 381, 386; vom
9. Juni 1997 - II ZR 303/95, ZIP 1997; BGH, Urteil vom 24. März 1954 - II ZR 33/53, LM 2 zu § 39 BGB; vgl. LG Bonn, DB 1992, 879, 881; Weick
in Staudinger BGB Neubearbeitung 2005, § 35 Rn 14)
168
BGH · Urteil vom 19. Juli 2010 · Az. II ZR 23/09
169
Prüttingen/Wegen/Weihnrich , 6 . Aufl. , § 242 Rn 16„Über § 242 lassen sich ferner Verstöße gegen Gleichbehandlungsgebote
bekämpfen.
Eine generelle Pflicht zur gleichmäßigen Behandlung etwa als mittelbare Drittwirkung von Art 3 GG " widerspräche jedoch dem Grundsatz
der Privatautonomie: Vertrag ist Diskriminierung. Gleichwohl lassen sich neben den speziellen Diskriminierungsverboten des AGG (dazu die
Kommentierung in diesem Band), des Vereins- und Gesellschaftsrechts (§ 38 Rn 1, 7 sowie § 705 Rn 25 f) sowie des Wettbewerbsrechts (§
20 GWB) vereinzelt Ungleichbehandlungen unter Hinweis auf § 242 bekämpfen:"; § 38, Rn 7 "Das Recht auf Gleichbehandlung.
170
Reichert Rz 838 ff). Satzungsgemäße Sonderrechte (§ 35) sind aber ebenso zulässig wie abgestufte Mitgliedschaften, die
unterschiedlichen Pflichten auch verschiedene Rechte zuordnen (Beuthien/Schöpflin DB 97, 361
171
Staudinger, § 35, Rn 16;Erman 2014, § 35, Rn 2).
172
Soergel,§ 38,Rn 19; Prütting/Wegen/Weinreich,§ 38, Rn 9
173
Reichert,a.a.O.; Bundeswahlrecht : Wahlrechtsartikel des Grundgesetzes, Bundeswahlgesetz, Bundeswahlordnung und wahlrechtliche
Nebengesetze / erl. von Karl-Heinz Seifert, 3., völlig neubearb. Aufl., des bisherigen Erläuterungswerks" Das Bundeswahlgesetz" des
Verf.München : Vahlen, 1976, S. 289
174
BGB Kommentar, Erman, 12. Auflage, Band 1,Rn 2;Palandt,BGB Kommentar,73.Auflage,§ 35, § 32,Rn 7
175
Ebenda, § 32, Rn 11; Stöber, Handbuch zum Vereinsrecht, 9. Aufl. 2004, (Fn. 18), S. 261 Rn. 470a;Rn 520; OLG Frankfurt, 19.12.1984 - 9
U 107/83, ZIP 1985, S. 213) Das LG Saarbrücken(Urteil v. 17.07.2007, Az. 16 O 106/07 führt aus, dass Wahlen die gegen die Chancengleichheit
Verstoßen, nichtig sind.

145
bei der Wahl zu Parteiämtern als Inanspruchnahme der Freiheit der Partei, die demokratische Ordnung
ihren programmatischen Zielen anzupassen, nicht grundsätzlich aus (vgl. Morlok, in: Dreier, GG-
Kommentar, 2. Aufl. 2006, Art. 21 Rn. 137;Gusy, in: AK-GG, 3. Aufl., Art. 21, Rn. 70; Klein, in:
Maunz/Dürig, GG-Kommentar, Stand: 64. Erg.-Lfg. <Januar 2012>, Art. 21, Rn. 347; Kunig, in: von
Münch/Kunig, Grundgesetzkommentar, 6. Aufl. Bd. 1 <Art. 1 - 69>, Art. 21 Rn. 58; Lange, NJW 1988, S.
1174 <1183>)."

Die Behauptung, dass § 10 PartG sich nur auf das Wahlvorschlagsrecht erstrecke wird in der Literatur
angezweifelt.

Hier werde sich kritisch mit denen, in der Begründung verwiesenen, Verfassern aus der
Kommentarliteratur auseinandergesetzt.

Hier wird sich mit einigen Kommentaren von Herr Morlok auseinanerdergesetzt:
Die Meinungsbildungs- Meinungsäußerungsfreiheit ist für die parteiinterne Auseinandersetzung
geradezu konstitutiv. Auch der Gleichheitssatz ist für den parteiinternen Raum unentbehrlich.
Mit Recht betont K.H. Seifert, dass gerade hier "eine strenge formale Ausprägung der
Mitgliedergleichheit Klassifizierung und Sonderrechte grundsätzlich ausschließt."(Tsokos/Morlok,
Parteienrecht, S. 52)

Morlok in Dreier Art. 21 Rn 79

"Der Charakter als Gleichheit der Chancen, nicht des Ergebnisses, ergibt sich aus der Wettbewerbsidee.
Der politische Wettbewerb soll Unterschiede hervorbringen, die Parteienkonkurrenz
soll Unterschiede hervorbringen, die Parteienkonkurrenz soll Gewinner und Verlierer kennen, je nach
dem Zuspruch der Bürger. Diese Resultate darf der Staat nicht ignorieren. Die Gleichheit der Parteien
ist insofern >>Startgleichheit<< und Gleichheit der Wettbewerbsbedingungen. Die unter dem
Mehrheitsprinzip erwünschte Erzeugung von Ungleichheiten prägt die parteirechtliche
Gleichheitsproblematik."

Der Anwendungsbereich der Chancengleichheit erstreckt sich ohne Einschränkung auf Wahlen oder
deren Vorbereitungsphase auf den gesamten Bereich der politischen Willensbildung in Bund, Ländern
und Gemeinden,
also auf den Teil des politischen Lebens, in dem wettbewerbsorientierte politische Kommunikation
stattfindet.“

Rn 129

"Die innerparteiliche Partizipation ist durchgängig getragen vom Recht auf Chancengleichheit (->Rn
76), also von einer fairen Gestaltung des Willensbildungsverfahrens, die Konkurrenten von Rechts
wegen die gleiche Chance einräumt. Das erfordert die formale Gleichheit des des Stimmrechts (§ 10 II
1 PartG), eine angemessene Redezeit,"

So erklärt Morlok in Dreier :

Rn: 117: Die innerparteiliche Chancengleichheit zählt zu den "demokratischen Grundsätzen".

Rn 135: "Die innerparteiliche Partizipation ist durchgängig getragen vom Recht auf Chancengleichheit
von einer fairen Gestaltung des Willensbildungsverfahrens, die allen Konkurrenten von Rechts wegen
die gleiche Chance einräumt. "

146
Rn 137: „Für das innerparteiliche Wahlsystem gelten die Grundsätze des Art. 38 Abs. 1 GG. Ferner darf
ein Wahlsystem(z.B, Blockwahlen) nicht so ausgestaltet sein, dass Minderheiten Chancenlos sind und
Mitglieder gezwungen werden Personen zu wählen, die sie nicht wählen wollen.“

Gleichzeitig erklärt Herr Morlok, dass Quotenregelungen zulässig seien. Allerdings erklärt er weiter:
"Eine Partei darf auch bei Ausgestaltung des Innengeschehens Partei ergreifen; sie muss aber dem
wahlrechtlichen Gleichheitssatz als Element innerparteilicher Demokratie gerecht werden. Welche
Gestaltung eines "quotierten" Wahlrechts rechtmäßig ist, ist umstritten."

Ferner erklärt Morlok, dass jedem Mitglied der gleiche Zugang zu jeden Wahlamt offen stehen
muss.(Morlok/Streit ZRP 1994, S. 447(449)

Hier erklärt Morlok, klar, dass das Wahlverfahren allen Konkurrenten die gleiche Chance einräumen
und fair gestaltet sein muss. Demgegenüber erklärt er das Quoten zulässig, dieser Umstand aber
strittig sei. Dass sich das aber gegenseitig
ausschließt und daher im Widerspruch steht, erklärt Herr Morlok nicht.

Weiter erklärt Herr Morlok:

"Der Grundsatz der freien Wahl gilt uneingeschränkt. Die Wahlgleichheit ist hinsichtlich des aktiven
Wahlrechts ausdrücklich nur in § 10 II statuiert, gilt aber auch für das passive Wahlrecht." (Morlok,
Erläuterungen zum PartG, § 15, Rn 3;
Lenski, §10 Rn 22;, Luthmann 1961,S.103-105, S. 108)

Wie passt diese Aussage zu den og. Entscheidungsbegründung?

2. Hier Herr Kunig

Herr Kunig in Münch Kunig :

Herr Kunig stellt das aufgrund der "Gemengelage" des Art. 3 Grundgesetzes als strittig dar und
behauptet, dass diese Eingriffe in die Demokratie weder verboten noch geboten seien und stellt das
auf die Gründungsfreiheit ab.
Gleichzeitig wird behauptet, dass die Grundrechte ihre mittelbare Drittwirkung von Parteien entfalten.

3. Hier Herr Klein

Klein in Maunz-Dürig :

"Als ein Problem der Wahlrechtsgleichheit, aber auch der Freiheit der Wahl sind sogenannte
Quotenregelungen (insbesondere Frauenquoten) zu qualifizieren: die Satzung schreibt vor, dass ein
bestimmter Anteil der zu wählenden Kandidaten (beispielsweise) Frauen sein müssen. Ihre Zulässigkeit
wird kontrovers diskutiert, dürfte aber zu bejahen sein, soweit es um die Wahl von Parteiorganen geht.
Es muss den Parteien unbenommen bleiben, ihrer politischen Programmatik auch dadurch Ausdruck zu
geben, dass sie die Präsenz bestimmter Mitgliedergruppen in ihren Organen sicherstellen. Der
Grundsatz der Stimmengleichheit erfährt hier eine durch den Grundsatz der Programmfreiheit
gerechtfertigte Einschränkung."

Auf welche Rechtsprechung sich diese „gerechtfertigte Einschränkung“ stützen soll, erklärt Herr Klein
nicht.

147
Rn 353 "Näheres, zB die Festlegung des innerparteilichen Wahlmodus, bleibt der Regelung durch die
Parteisatzungen überlassen (§ 21 Abs. 5 BWahlG, § 10 Abs. 5 EuWahlG), allerdings nur in dem von
Gesetz und Verfassung gezogenen Rahmen. Insoweit gilt weitgehend das für die Wahlen zu
Parteiorganen Ausgeführte. Umstritten ist allerdings die Frage, ob bei der Aufstellung von
Bewerberlisten für Volksvertretungen Quotierungen zulässig sind."

Herr erklärt Herr Klein zumindest für öffentliche Wahlen Quotenregelungen als strittig.

In Rn 342

"An das Wahlverfahren sind gewisse Mindestanforderungen zu stellen. Dabei versteht es sich
grundsätzlich von selbst, dass die Wahlen allgemein, frei und gleich (zur Gleichheit: § 10 Abs. 2 S. 1
PartG) sein müssen."

Damit erklärt Klein, dass unter Verweis auf § 10 Abs. 2 Satz 1 PartG gleich sein soll. Damit könnte auch
hier nicht davon ausgegangen werden, dass sich § 10 Abs. 2 S 1 ausschließlich auf das aktive
Stimmrecht erstrecken würde. Wie die Quotenregelungen darüber hinaus mit der Allgemeinheit und
Freiheit der Wahl im Einklang zu bringen wären erklärt Herr Klein nicht. Damit stehen die
Behauptungen Kleins im Widerspruch, da das eine das andere Ausschließt. Denn wenn Wahlen die
Allgemeinheit, Gleichheit und Freiheit sicherstellen müssen, können Quotenregelungen nicht zulässig
sein.

4. Hier Herr Klein

So erklärt Gusy :

Auf S. 48

"Für innerparteiliche Wahlen gelten - soweit übertragbar- die Grundsätze des Art. 38 Abs. 1 S. 1 GG,
namentlich der Allgemeinheit, Gleichheit, Freiheit und jedenfalls der Geheimheit. Daneben sind auch
die Periodizität von Ämtern und das Mehrheitsprinzip anerkannt."

Aus S 49 Innerparteiliche Quotenregelungen sind weder ver- noch geboten.

Auch hier stehen die Behauptungen Gusy im Widerspruch, da wie bei Morlok, das eine das andere
ausschließt, da Quotenreglungen dem Mehrheitsprinzip zuwiderlaufen. Selbiges gilt, wie umfassend in
den Schriftsätzen erläutert auch für die hier genannten Wahlgrundsätze. Wenn also das
Mehrheitsprinzip in der Willensbildung erfüllen soll, da schließt das eine Quotenregelung klar aus, da
abweichend von einer Mehrheitsmeinung eine bestimmte personelle Zusammensetzung im
Wahlergebnis herbeigeführt werden soll.

S 53 Rn 77

"Zentrale Ausprägung der demokratischen Grundsätze in den Parteien ist die Gleichberechtigung der
Mitglieder. Im Prozess der Willensbildung der Parteien muss Chancengleichheit zwischen den
Unterschiedlichen Ideen und Stimmungen gelten. Das gilt insbesondere für Antrags-, Rede-, und
Stimmrechte (zu letzteren § 10 Abs. 2 Satz 1 PartG). Die Organe der Partei müssen aus demokratischen
Wahlen hervorgegangen sein. Delegiertenversammlungen sind auch dem Grundsatz der
Mitgliedergleichheit zu besetzen.[…] Auch die Aufstellung der Kandidatenlisten für staatliche Wahlen
unterliegen der Wahlrechtsgleichheit(s.o. Rn 70)"

148
Hier erklärt Gusy die „Gleichberechtigung“ der Mitglieder und die „Chancengleichheit“ in der
politischen Willensbildung. Wie das mit der Zulässigkeit von Quotenregelungen im Einklang zu bringen
ist, erklärt Gusy ebenfalls nicht.

5. Hier Herr Kersten:

Herr Kersten in Kersten/Rixen: § 1 Rn 70:

"Formale Gleichheit der Parteimitglieder : Alle Parteimitglieder müssen formal Gleichberechtigt sein.
Allen Parteiämtern müssen Grundsätzlich alle Parteiämter sowie alle Kandidatenpositionen die
Parteien für staatliche Wahlen enennen dürfen, offen stehen. Quotenregelungen können durch
Parteisatzungen nur vorgesehen werden solange sie nicht praktisch oder rechtlich die demokratischen
Grundsätze untergraben, dass jedem Parteimitglied jedes Parteiamt und jede Kandidatenposition offen
steht."

Herr widerspricht sich Herr Kersten selbst. Durch die "Quotenregelungen“ steht nachweislich nicht
mehr jedes Wahlamt, hier jeder Listenplatz, für jedes Mitglied offen. Das lässt somit den Schluss zu,
dass Quotenregelungen nicht zulässig sein können.

Ferner erklärt Augsberg in § 15 Rn 19: "Obwohl mit Blick auf das aktive Wahlrecht eine
Gleichbehandlungspflicht ins Parteiengesetz aufgenommen wurde(§ 10 Abs. 2), gilt dieser Grundsatz
für innerparteiliche Wahlen uneingeschränkt."

Auch hier widerspricht sich Augsberg in Kersten/Rixen. In § 15 Rn 28 erklärt dieser, dass Frauenquoten
zulässig seien, anderseits erklärt dieser unter § 15 Rn 19, dass bei Wahlen u.a. nicht nach Geschlecht
ausdifferenziert werden darf. Dass, das eine das andere ausschließt, erklärt Augsberg nicht. Ebenso
kann das auch unter den hier geschilderten Umständen nicht zulässig sein, das die Gleichheit des
Zugangs zu jeden Wahlamt hier nicht mehr gewährleistet ist, erklärt Augsberg ebenfalls nicht.

6. Hier Herr Henke

Henke BK Art. 21 Rn 53

"Aufgrund des Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG gilt jedoch im Verhältnis zwischen Partei und Parteimitgliedern
der Gleichheitssatz (ebenso Leibholz,Strukturprobleme, S. 126; vgl Luthmann, aaO, S. 166 ).
Ohne eine gleiche Beteiligung aller Mitglieder an der Bestimmung der Ordnung, der Ziele und der Politik
der Partei wäre deren dauernde demokratische Legitimität nicht gewährleistet. Unterscheidungen
unter Mitgliedern etwa nach Berufen, nach Vermögen, nach Bildungsstand, auch Dauer der
Mitgliedschaft Verdiensten u.ä. würden die Willensbildung in der Partei Präjudizieren; sie wäre nicht
für alle Wandlungen offen.[..] Da die Willensbildung in den Parteien aber maßgebend den Staatswillen
beeinflusst und dieser demokratisch, d.h. unter gleicher Teilnahme aller gebildet werden muss, gilt für
die Teilnahme der Parteimitglieder kraft des Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG das Gebot gleicher Teilnahme in
der Partei. Sie hat nur gewährleistet, wenn die Mitglieder in allen wesentlichen Fragen der Inneren
Ordnung der Partei die gleiche Rechtstellung haben. § 10 Abs. 2 Satz 1 PartG schafft nur gleiches
Stimmrecht aller Mitglieder und Delegierten. Aber auch im übrigen modifiziert Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG
insoweit das Vereinsrecht (vgl. zum Gleichheitsprinzip im Vereinsrecht Enneccerus-Nipperdey, BGB,
Allg. Teil, 15. Aufl. S. 676 und ins Einzelne gehend, E.Cohn, Der Grundsatz der gleichmäßigen
Behandlung aller Mitglieder im Verbandsrecht, AcP Bd. 132[1830], S. 129 ff.Im Parteienrecht gilt es krat
Art. 21 GG als zwingendes Recht)" Hier werden umfassende Ausführungen darüber gemacht, dass die
Befürworter von Quotenregelungen auch Rechtsauffassungen vertreten haben, die mit der Zulässigkeit
von Quotenregelungen im Widerspruch stehen.“

149
7. Herr Maidowski

Nun wird zur weiteren Erörterung auf die Dissertation des Verfassungsrichters Herr Maidowski(Ulrich
Maidowski, Umgekehrte Diskriminierung : Quotenregelungen zur Frauenförderung im öffentlichen
Dienst und in den politischen Parteien) kurz eingegangen:

Auf S 201/202 erklärt er:

"Jede Quotenregelung berührt zunächst das aktive Wahlrecht der Parteimitglieder, denn sie modifiziert
die Stimmrechtsgleichheit und die Wahlentschließungsfreiheit. Als Wahlvorschlagsregelung vermindert
sie durch die geschlechtsspezifische Aufteilung der Wahllisten die Nominierungschancen der Männer
und damit indirekt die Durchsetzungskraft, d.h. das Stimmgewicht, derjenigen Parteimitglieder, die
männliche Kandidaten vorschlagen und unterstützen. Umgekehrt steigt die Chance, mit einem
Vorschlag durchzudringen, für jene Mitglieder, die Kandidatur von Frauen unterstützen, ihr Vorschläge
können erfolgreich sein, auch ohne eine "echte" nicht durch eine Quotierung beeinflusste Mehrheit zu
haben. Auch eine Wahlergebnisquote beeinflusst das aktive Wahlrecht der Parteimitglieder:
Die Wähler sind in ihrer Entschließungsfreiheit, d.h. in den Recht unter allen zur Wahl stehenden
Kandidaten frei von Zwang auswählen zu können, beeinträchtigt, denn sie sind gezwungen, bei ihrer
Wahl die Geschlechtszugehörigkeit der Kandidaten zu berücksichtigen. Darüber hinaus ist stets auch
die Stimmrechtsgleichheit betroffen, denn der Erfolgswert der Wählerstimmen unterscheidet sich
danach, ob sie für männliche oder weibliche Kandidaten abgegeben sind.[...] Parteimitglieder sind
allerdings nicht nur in ihrer Rolle als Wähler der innerparteilichen Funktionsträger durch
Frauenförderungsquoten betroffen, sondern auch dann, wenn sie als Bewerber um Parteiämter
auftreten und sich daher aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit durch Maßnahmen umgekehrter
Diskriminierung behindert bzw. gefördert sehen. In dieses Konkurrenzverhältnis zwischen männlichen
und weiblichen Bewerbern - und damit in das gleiche passive Wahlrecht aller Bewerber/-innen - greifen
Quotenregelungen nachhaltig ein: Schon die Chancen für ein Parteiamt nominiert zu werden, bleiben
nicht unberührt, denn die Chancen der männlichen Konkurrenten, aufgestellt zu werden, verschlechtern
sich durch Wahlvorschlagsquoten im gleichen Ausmaß, in dem die Präsens von Frauen gesteigert
werden soll; auch von Wahlergebnisquoten dürfen zumindest ein erheblicher Druck zugunsten
weiblicher Kandidaten ausgehen. Wesentlich spürbarer ist der Eingriff in das passive Wahlrecht
natürlich dort, wo eine Wahlergebnis den Wahlausgang unmittelbar beeinflusst, denn die Wählbarkeit
männlicher Bewerber d.h. das Recht auf gleichen Zugang zu Parteiämtern, ist hier insoweit
eingeschränkt, als der Frauen vorgesehene Mindestanteil an Parteifunktionen noch nicht erreicht ist."

Hier geht es darum, dass durch die "Quotenregelung" auch die Stimmrechtsgleichheit im aktiven
Wahlrecht betroffen ist und dass jedes Mitglied den gleichen Zugang zu jedem Wahlamt haben muss.
Selbst wenn man davon ausginge, dass § 10 Abs. 2 S. 1 PartG nur für das aktive Stimmrecht gelte, ist
diese Vorrausetzung auch hier nicht erfüllt.

Auf S. 204/205 erklärt er:

"[Denn die Funktionszuweisung des Art. 21 Abs. 1] Satz 1 und, vor allem das Gebot innerparteilicher
Demokratie verpflichten die Parteien dazu, einen Mindestbestand an demokratischen Strukturen und
Rechten zu achten, der jedenfalls auch den Grundsatz der Gleichheit aller Parteimitglieder
beinhaltet.[...] Zu diesen Kernbestand an demokratischer Struktur zählt jedenfalls auch - dies lässt sich
als allgemeiner Konsens festhalten - der Grundsatz der Gleichheit aller Parteimitglieder im aktiven und
passiven Wahlrecht. Das Recht zu wählen und gewählt zu werden ist das für die innerparteiliche
Willensbildung schlechthin konstitutive demokratische Basisrecht, und die Gleichheit aller
Parteimitglieder muss gerade gier deutlich werden, wenn die innerparteiliche Demokratie nicht nur

150
leblose Theorie bleiben soll [..] Nicht weniger wichtig ist auch das passive Wahlrecht, d.h. das Recht auf
freien und für alle Parteimitglieder gleichen Zugang zu Parteiämtern."

Hier gibt der offen zu, dass die innere Ordnung die Gleichheit aller Mitglieder und die
Zugangsgleichheit zu jedem Wahlamt gewährleisten muss.

Auf. S. 206 führt er aus:

"Alle Gruppen und Mitglieder der Partei müssen die gleiche Chance haben zu Wort zu kommen und
schließlich zur Mehrheit zu werden."

Dass, die "Chancengleichheit zu Wortzukommen" in den satzungsmäßigen Bestimmungen in der Partei


Bündnis 90/die Grünen nicht gewährleistet ist, muss jeden einleuchten. Soweit zur ergänzenden
Erläuterung.

Weiter auf S. 207 heißt es:

"In engem Zusammenhang mit diesen Argument relativiert der - gleichfall zum Bestand der
"demokratischen Grundsätze" zählende - Gedanke des Minderheitenschutzes die Bedeutung der
formalen Wahlgleichheit zusätzlich[...]"

Auch hier gibt er zu, dass die Wahlrechtsgleichheit im formalen Sinne gewährleistet sein muss.

Und zum Schluss auf S. 214 resümiert dieser:

"Allerdings stößt ihre Gestaltungsfreiheit dort an Grenzen, wo die zugunsten der Frauen
ausgesprochene Partizipationsgarantie deutlich über das Maß hinausgeht, das dem Anteil der Frauen
an der Parteimitgliedschaft entspricht: Höhere Werte sind allenfalls zeitlich begrenzt, als
programmatisches Signal, zulässig, sie sind überhaupt ausgeschlossen, wenn sie die Männer einer
Partei trotz ihres zahlenmäßigen Gewichts in den Stand einer unbedeutenden Minderheit ohne die
Möglichkeit adäquater Interessenswahrnehmung verweisen."

Dass die satzungsmäßigen Bestimmungen weit über das hinausgehen, was der als "zulässig" eingestuft
hat, muss jedem einleuchten.

Die Rechtsprechung von BVerfG und BGH wonach bei Wahlen nicht nach Geschlecht, Rasse, Religion,
politischer Meinung und weiterer in Art. 3 Abs. 3 GG genannter Merkmale ausdifferenziert werden
darf. Rechtsprechung des BVerfG zur Freiheit und Gleichheit in der Demokratie. Rechtsprechung des
BVerfG wonach Parteien nicht von den demokratischen Grundsätzen abweichen dürfen. Im Parteirecht
sind gemäß dem Schrifttum bei Ungleichbehandlungen unter den Mitgliedern strengere Maßstäbe
anzusetzen als im Vereinsrecht. Nach Rechtsprechung des BGH und den Ausführungen im Schrifttum
besteht bei privatrechtlichen Vereinigungen die Treuepflicht zur Gleichbehandlung von Mitgliedern.
Nach Rechtsprechung einzelner OLGs und den Ausführungen im Schrifttum zum Vereinsrecht müssen
Wahlen die Chancengleichheit sicherstellen. Es ist der Wille des Gesetzgebers, dass
Ungleichbehandlungen unter den ordentlichen Mitgliedern unzulässig sind. Mitglieder der Grünen
haben in einem namenhaften Politmagazin selbst zugegeben, dass das rechtswidrig ist.

Selbiges gilt auch für das übrige Beschwerdevorbringen bezüglich der Kandidatenaufstellung.
Bezüglich der Migrantenquote und der „Neuenquote“ Berlin mag es nicht zwingend unmittelbar die
Wahl betreffen, weil ein solcher Verstoß in der Wahl nicht dargelegt worden ist, allein jedoch die
Art und Weise wie die interne Demokratie beseitigt, soll den Widerspruch erörtern.

151
Wie das BVerfG auch im jüngsten Fall entschied176

„a) Die Allgemeinheit der Wahl sichert, wie die Gleichheit der Wahl, die vom Demokratieprinzip
vorausgesetzte Egalität der Staatsbürger bei der politischen Selbstbestimmung (vgl. BVerfGE 99, 1
<13>; 132, 39 <47 Rn. 24>). Deren Gleichbehandlung bezüglich der Fähigkeit, zu wählen und gewählt
zu werden, ist eine der wesentlichen Grundlagen der Staatsordnung (vgl. BVerfGE 6, 84 <91>; 11, 351
<360>; 132, 39 <47 Rn. 24>). Der Grundsatz der Allgemeinheit der Wahl verbürgt – positiv – die aktive
und passive Wahlberechtigung aller Staatsbürger (vgl. BVerfGE 36, 139 <141>; 58, 202 <205>; 132, 39
<47 Rn. 24>). Er fordert, dass grundsätzlich jeder sein Wahlrecht in möglichst gleicher Weise ausüben
kann (vgl. BVerfGE 58, 202 <205>; 99, 69 <77 f.>). Er untersagt – negativ – den unberechtigten
Ausschluss einzelner Staatsbürger von der Teilnahme an der Wahl (vgl. BVerfGE 36, 139 <141>; 58, 202
<205>) und verbietet den Ausschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen aus politischen,
wirtschaftlichen oder sozialen Gründen (vgl. BVerfGE 15, 165 <166 f.>; 36, 139 <141>; 58, 202 <205>).
Er ist – wie der Grundsatz der Wahlrechtsgleichheit – im Sinne einer strengen und formalen Gleichheit
bei der Zulassung zur Wahl zum Deutschen Bundestag zu verstehen (vgl. BVerfGE 28, 220 <225>; 36,
139 <141>; 129, 300 <319>; 132, 39 <47 Rn. 24>) und schließt als spezialgesetzliche Ausprägung des
allgemeinen Gleichheitssatzes in seinem Anwendungsbereich einen Rückgriff auf Art. 3 Abs. 1 GG aus
(vgl. BVerfGE 99, 1 <8 ff.> sowie statt vieler Wollenschläger, in: v. Mangoldt/ Klein/Starck, GG, Bd. 1,
7. Aufl. 2018, Art. 3 Abs. 1 Rn. 310).“

Und genau diese Vorrausetzungen, sind bei der Kandidatenaufstellung nicht erfüllt. Auch hat sich der
Bf. umfassend mit der Entscheidung aus BVerfGE 89 243 auseinandergesetzt. Dazu wird auf Anlage 1
S. 823ff unter 2.14 auseinandergesetzt. Zum weiteren Sachvortrag hierzu wird ebenfalls auf V 1.1.1
S. 86 ff, 2.3.2.13 S. 538ff, S. 2.12.2.1 b S. 796 ff. , S. 2.12.2.2 a S. 800 ff, 2.14 bis 2.19 S. 823ff, 3.2.12 S.
882 ff., 5.2 S. 901 und 6.1 bis 6.3 S. 903 der Anlage wird verwiesen. Der WPA ist auf zentrale Elemente
des Sachvortrages nicht eingegangen.

11.1.2 Stimmenquoren

Auf S. 116 ff der Anlage hat der Bf. umfangreiche Angaben gemacht, dass das gegen die
Gleichbehandlung der Parteimitglieder verstößt und der Freiheit und Gleichheit der Wahl
zuwiderläuft. Zum Sachvortrag hierzu wird auf die Passage verwiesen.

11.1.3 Unterschriftenquoren

Wie der Bundestag bereits unter BT Drucks. 18/1810 S. 106 ff zugegeben hat, sind
Unterschriftenquoren rechtswidrig. Allein die Tatsache, dass der Bf. nicht benennen konnte, dass die
angewendet wurde, bedeutet nicht, dass diese nicht zu Anwendung. Aufgrund des Zwecks einer
Satzungsbestimmung kann von einer nicht fernliegenden Annahme ausgegangen werden, dass diese
auch angewendet wurden. Der WPA stand in der Pflicht Zeugen zu laden und Protokolle beizuziehen.

11.1.4 Dynamische Verweisungen

Auf S. 829 ff der Anlage stellt der Bf. klar das nach Rechtsprechungen des BGH 177 dynamische
Verweisungen rechtswidrig sind, dass die Wahl von Wahlbewerbern und Delegierten zu
Wahlversammlung durch die Mitglieder der jeweiligen Gliederung der Partei selbst zu regeln ist und

176
BVerfG 2 BvC 62/14
177
BGH, Urt. v. 10. Oktober 1988 ‐ II ZR 51/88
152
dieses Recht nicht durch dynamische Verweisungen an Dritte „abgetreten“ werden darf. Das ergibt
sich bereits aus § 6 PartG i.V.m. § 32 BGB.

11.1.5 Anwesenheit von mindestens 3 wahlberechtigten Mitgliedern

Auf S. 796 ff hat der Bf. ausführlich dargelegt, dass der Allgemeinheit der Wahl Vorrang vor
Geheimhaltung einzuräumen ist.178 Der WPA hat keine Anstalten gemacht, der Frage nachzugehen,
ob recht korrekt angewendet worden ist. Selbst, wenn der Bf. keine konkreten Beispiele hat nennen
können, bedeutet nicht, dass ein Prüfung auf Wahlfehler unterbleiben muss. Ferner geht es auch um
die Handhabung von Wahlrechtsvorschriften.

11.1.6 die anderen satzungsmäßigen Bestimmungen

Auch die übrigen satzungsmäßigen Bestimmungen verstoßen gegen das Wahlrecht und sonstigen
gesetzlichen Bestimmungen. Das ist die Gleichheit der Mitglieder und die Freiheit und Gleichheit der
Wahl. Unter Nr. V 1.2 bis 1.6 auf S. 113 ff und Nr. V 2.15 S. 824 ff der Anlage die Rechtswidrigkeit
dargelegt. Auf V 1.1.10, S. 123ff. der Anlage hat der Bf. mit Verweis auf Schreiber 2013 umfassend
dargelegt, dass Wahlen, die auf rechtswidrigem Satzungsrecht zu Stande gekommen sind, für ungültig
zu erklären sind. Ferner hat der Bf. auf S. 824 ff der Anlage umfassend ausgeführt, dass
Inhaltskontrollen satzungsmäßiger Bestimmungen möglich sind. Auch hier wurde zum Sachvortrag
nicht eingegangen.

11.2 Zu den Ausführungen über das Wahlrecht

In 2 BvC 46/14 Rn 39 erklärt das BVerfG

„Relevant sind letztlich alle Normwidrigkeiten, die den vom Gesetz vorausgesetzten regelmäßigen
Ablauf des Wahlverfahrens zu stören geeignet sind (vgl. Klein, in: Maunz/Dürig, GG, Art. 41 Rn. 104
<Januar 2013>). Daher können sowohl die Missachtung der Regelungen des Parteienrechts und der
staatlichen Parteienfinanzierung (vgl. BVerfGE 85, 264 <284 ff.>) als auch tatsächliche Handlungen
ohne explizite einfachrechtliche Grundlage wie die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung (vgl. BVerfGE 44,
125 <143 ff.>) oder parteiergreifende Äußerungen von Regierungsmitgliedern (vgl. BVerfGE 138, 102
<116 ff. Rn. 49 ff.>) grundsätzlich taugliche Gegenstände eines Wahlprüfungsverfahrens sein. Lediglich
Sachverhalte, die „bei Gelegenheit“ einer Wahl geschehen, ohne in einem auch nur mittelbaren Bezug
zum Wahlvorgang und dessen Ergebnis zu stehen, sind zur Begründung eines Wahlfehlers ungeeignet
(vgl. Frommer/Engelbrecht, Bundeswahlrecht - Kommentar für die Praxis, § 49, S. 2 f. <30. Lieferung
2017>).“

Bereits in Seifert179 wird ausgeführt : „Ist der Wahlprozess in allen Teilen und Phasen in
Übereinstimmung mit den Gesetzen (Verfassung, Wahlgesetzen, Wahlordnung und andere
einschlägige Rechtsvorschriften) abgelaufen, so ist die Wahl in jeden Fall gültig. Hier gibt es an der
Wahlprüfung nichts zu korrigieren. Interessent sin für die Wahlprüfung sind allein die
Gesetzwidrigkeiten. Gesetzwidrigkeiten in diesem Sinne sind die gewohnheitsrechtlichen Grundsätze,
unzulässige Wahlbeeinflussungen und alle Vorkommnisse, welche vom Gesetz vorausgesetzten
regelmäßigen, ungestörten Verlauf beeinträchtigt haben. (vgl. Thür. OVG, Jahrb. 9, 20). Die
Wahlgesetze sprechen vielfach von "Unregelmäßigkeiten" . Jede solche Gesetzwidrigkeit oder
Unregelmäßigkeit stellt einen Wahlfehler(Wahlmangel) dar. Nur Wahlfehler können die Gültigkeit der
Wahl in Frage stellen. Daher bilden die Wahlfehler das eigentliche Thema, den speziellen Gegenstand

178
BVerfGE 21, 200; BVerfGE 59, 119
179
Seifert DÖV 1967, 237; ders., Bundeswahlrecht, Art. 41 Rn. 6
153
und die Ermittlungen etwaiger Wahlfehler und Feststellung ihrer Wirkungen auf die Gültigkeit der
Wahl das spezielle Ziel der Wahlprüfung.“

Auch solche "Unregelmäßigkeiten" (vgl. § 83 Abs. 3 BWahlO) wie z.B. Verstöße gegen das
Versammlungsgesetz oder gegen das Parteiengesetz sind Wahlfehler, wenn sie sich im zeitlichen
Zusammenhang mit der Wahl ereignen. 180 Das gilt nicht nur für die satzungsmäßigen Bestimmungen
sondern auch für weitere Verfahrensgegenstände.
So lässt sich das auch auf die Missachtung rechtsstaatlicher Verfahrensgarantien im Vorfeld der Wahl
und Prüfung dieser darlegen. Wenn ein Rechtsschutzsystem sowohl in seiner staatsorganisatorische
Ausgestaltung als auch seiner Funktionalität nicht den Anforderungen in der internationaler
Konventionen entspricht und der Bf. deshalb nicht mit einer Wahl zusammenhängenden Rechte
wahrnehmen kann, dann stellt das eine Beeinträchtigung des gesamten Wahlvorganges im Sinne der
o.g. Rechtsprechung dar und kann deshalb zum tauglichen Gegenstand der Wahlprüfung gemacht
werden. Eine Rechtswidrigkeit i.S. der o.g. Rechtsprechung kann auch bei Verletzungen des Art. 6 und
13 EMRK, Art. 2 EUV i.V.m. Art. 8 und 10 AEMR und Art. 14 IPbpR, sowie Art. 47 GrCh für den
Rechtsschutz vor der Wahl und während der Wahlprüfung dar.

Dies lässt sich bereits in der über die Situation in der Justiz darstellen.

1. Die Justiz entspricht sowohl in Ihrer staatsorganisatorischen Ausgestaltung als auch in Ihrer
Funktionalität nicht den internationalen Standards.

2. Diese ist weder Unabhängig noch unparteiisch.

3. Nach Art. 1 GG i.V.m. Art. 8 und 10 AEMR und Art. 47 GrCh besteht uneingeschränktes Recht auf
öffentliche und mündliche Verhandlung bei der verfassungsgerichten.

4. Der Justizminister ist für die Auswahl und Ernennung der Staatsanwälte zuständig.

5. Die Staatsanwälte sind den Weisungen des Justizministers unterworfen.

6. Der Justizminister ist für die Auswahl und Ernennung der Richter und der Gerichtsleiter in der
ordentlichen Gerichtsbarkeit zuständig.

7. Der Justizminister bestimmt die Art und Weise der periodischen Überwachung der Richter und
Staatsanwälte in Geschäftsprüfungen.

8. Der Justizminister bestimmt Art und Weise der Beurteilung von Richtern und Staatsanwälten in
Dienstzeugnissen.

9. Der Justizminister entscheidet über die Beförderungen der Richter und Staatsanwälte.

10. Die Gerichtsleiter (Präsidenten und Direktoren) sind als Beamte den Weisungen des Justizministers
unterworfen.

11. Entsprechendes gilt für die Arbeitsgerichtsbarkeit, die Sozialgerichtsbarkeit und


Verwaltungsgerichtsbarkeit, die der Dienstaufsicht des jeweiligen Fachministers unterstehen.

12. Der Innenminister ernennt die Verwaltungsrichter aus den Reihen seiner Verwaltungsbeamten.

180
Maunz/Dürig, GG. Kommentar. Art. 41 Rn 104
154
13. Eine Mitwirkung oder Kontrolle von anderer Seite (z.B. durch einen Landesjustizrat oder
Richterwahlausschuss) ist bei alledem nicht vorgesehen.

14. Es existiert keine wirksame Kontrolle wonach Richter und Staatsanwälte ernsthaft für
Verfehlungen im Amt mit straf- und dienstrechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben.

15. Viele Richter und Staatsanwälte sind Mitglied einer Partei und Gehören Organen der
gesetzgebenden und vollziehenden Gewalt an, was mit einer unparteiischen Amtsführung
unvereinbar ist. Selbiges gilt auch für Nebentätigkeiten.

Auch beim Zivilverfahren darlegen.

1. Anwaltszwang in der ersten Instanz vor dem Landgerichten. Auch das ist mit der Menschen würde
und der Gleichheit vor Gericht und der Waffengleichheit unvereinbar. Die Menschenwürde geht von
der Vernunft und Einsichtsfähigkeit, sowie Mündigkeit des Menschen aus. Das bedeutet, dass der
Bürger selbst die Freiheit haben muss zu entscheiden, ob er mit oder ohne anwaltliche Hilfe von seinem
Justizgewährungsanspruch Gebrauch machen möchte. Das ist bereits in Art. 47 GrCh vorgesehen.

2. Willkürliche Zuständigkeit durch Streitwertfestsetzung. Das ist mit dem gesetzlichen Richter
unvereinbar. Zum einen macht sich ein Richter zum Richter in eigener Sache und arbeitet nicht mehr
unparteiisch und zum anderen ist das mit der Waffengleichheit und der Gleichheit vor Gericht
unvereinbar, wenn die Zuständigkeit nicht allein durch formal abstrakte Verfahrensregeln sondern
auch durch Richterspruch im konkreten Einzelfall durch Streitwertfestsetzung determiniert wird und
der Richter so willkürlich festlegen kann, ob dieser sich für ein bestimmtes Verfahren zuständig hält.
Selbiges gilt auch für Entscheidungen über die Zulassung zu übergeordneten Instanzen, bei denen nicht
einmal mehr die die Korrektur der Nichtzulassungsbeschwerde möglich ist.

3. Auch der Umstand, dass die Ministerien den Staatsanwaltschaften Weisungen erteilen können.

So erklärt der EuGH 181

„Für die Einstufung der Staatsanwaltschaft als Justizbehörde im Sinne von Art. 6 Abs. 1 des
Rahmenbeschlusses muss zunächst geprüft werden, ob sie eine Funktion ausübt, die mit der Funktion,
die der rechtsprechenden Gewalt übertragen ist, im Wesentlichen vergleichbar ist. Wenn dies so ist, ist
weiter zu untersuchen, ob sie in der Lage ist, diese Funktion unabhängig auszuüben.“ 182

181
C‑508/18 und C‑82/19 PPU
182
Weiter erklärt der EuGH unter Fn 7 „ Unabhängig zu sein, heißt nicht nur nach objektiven Maßstäben oder in nicht willkürlicher Form zu
handeln. Andere öffentliche Gewalten, wie die Verwaltung, sind auch an die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit gebunden, ohne
dass ihnen das Merkmal der Unabhängigkeit zugesprochen werden kann. Dieses ist die wesensmäßige institutionelle Garantie, die es der
rechtsprechenden Gewalt erlaubt, unter ausschließlicher Bindung an das Gesetz zu handeln. Die gerichtliche Unabhängigkeit ist nicht mit dem
Status anderer Einrichtungen vergleichbar, die ihr Handeln im Rahmen der Gesetze mit der Unterwerfung unter die politische Leitungsbefugnis
der rechtmäßigen Regierung in Einklang bringen müssen, was zum Wesen eines funktionierenden demokratischen Staates gehört.“
Fn 51 „ Die Unabhängigkeit der rechtsprechenden Gewalt dient, wie die Rechtsprechung selbst, ausschließlich der Integrität der
Rechtsordnung. Andere Einrichtungen sind dagegen der Garantie besonderer Interessen, die in der Wahrung der Rechtsstaatlichkeit oder in
der Objektivität des Verwaltungshandeln bestehen können, verpflichtet. Spezifische Interessen, die auf legitime Weise nur im Rahmen der
Unterwerfung unter die Rechtsordnung verfolgt werden können, deren eigentlicher und ausschließlicher Zweck aber nicht in der Verteidigung
dieses letztgenannten Grundsatzes besteht. Während für diese spezifischen Interessen die Rechtsordnung das Mittel darstellt, das seine
Verwirklichung ermöglicht, ist die Rechtsordnung für das Interesse, dem die Gerichte dienen, das einzig relevante Ziel, so dass zu seiner
Wahrung eine Unabhängigkeit erforderlich ist, die keine Ausnahmen oder Nuancierungen zulässt.“
Rn 73 „Die „ausstellende Justizbehörde“ im Sinne von Art. 6 Abs. 1 des Rahmenbeschlusses 2002/584 muss daher in der Lage sein, diese
Aufgabe in objektiver Weise wahrzunehmen, unter Berücksichtigung aller be- und entlastenden Gesichtspunkte und ohne Gefahr zu laufen,
dass ihre Entscheidungsbefugnis Gegenstand externer Anordnungen oder Weisungen, insbesondere seitens der Exekutive, ist, so dass kein
Zweifel daran besteht, dass die Entscheidung, den Europäischen Haftbefehl auszustellen, von dieser Behörde getroffen wurde und nicht letzten
Endes von der Exekutive (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 10. November 2016, Kovalkovas, C-477/16 PPU, EU:C:2016:861, Rn. 42).“
Rn 84 „Die Unabhängigkeit der Stelle, die einen EHB ausstellt, sollte daher so umfangreich wie möglich sein. Dies ist aber nur bei einer
Justizbehörde im engeren Sinne vorstellbar. Das muss deshalb so sein, da die vollstreckende Justizbehörde nur einem EHB Folge leisten kann,
155
Damit steht eindeutig fest, dass die Exekutive keinen Einfluss auf die Judikative haben darf. Dies geht
bereits aus dem Begriff der Unabhängigkeit hervor.183

Auch hier wird bereits erklärt der EuGh, dass die Kontrollierten keinen Einfluss auf ihre Kontrolleure
haben dürfen.

Auch hier wird auf Nr. 1.3.2(S. 190), Nr. 2.3.2.(S. 522), Nr. 2.4 – 2.7 (S. 556), Nr. 2.9 bis 2.10 und Nr. 4
(S. 705 ) der Anlage hingewiesen.

11.3 Zur Wahlwerbung

11.3.1 Zur Erhebung von Sondernutzungsgebühren

Die Behauptung, dass nicht vorgetragen worden sei, das die Gebühren unterschiedlich hoch sein
können wird bestritten. Es wird auf die Unterschiedlichen Gebührenmodelle eingegangen. Auf S.167
ff der Anlage geht der Bf. eindeutig darauf ein, dass verschiedene Gebührenmodelle, würden, sie in
allen Kommunen angewendet, es unmöglich machen würden, dass einzelne finanzschwache Parteien
und Einzelbewerber, sich in gleicher Weise im Straßenwahlkampf präsentieren. Eine angemessene
Auseinandersetzung mit dem Sachvortrag findet nicht statt. Der Staat greift somit in unzulässiger
Weise wettbewerbsverzerrend in den Straßenwahlkampf ein.

11.3.2 Abgestufte Chancengleichheit

Auch hier der Bf. umfassend vorgetragen, dass eine Abstufung nach § 5 PartG nicht mehr den aktuellen
Gegebenheiten entspricht. So kann durch eine solche Abstufung die Beseitigung der Zersplitterung der
Parlamente nicht durch derartige Maßnahmen herbeigeführt werden. Auf S. 169 ff der Anlage wird
hingewiesen. Der Vorwurf der Täuschung über die wahren Kräfteverhältnisse lässt in der modernen
Mediengesellschaft nicht mehr aufrechterhalten. Die Bürger haben genug Möglichkeiten sich über die
„wahren“ Kräfteverhältnisse zu informieren, so dass dieses Argument nicht mehr zur Rechtfertigung
herangezogen werden. Auch Maßnahmen, die nur regionale Wirkung haben, wie die Abstufung der
Chancengleichheit im Straßenwahlkampf, kann kein adäquates Mittel zur Verhinderung einer
Zersplitterung der Parlamente sein kann. Es bewirkt viel mehr, dass Parteien, die in den Regionen ihre
Hochburgen haben diskriminiert und solche mit unterdurchschnittlicher Anhängerschaft privilegiert
werden.

11.3.3 Zur Zurückweisung von Wahlvorschlägen

Der Behauptung des Pauschalisierten Angriffs wird widersprochen. Auf S. 180 ff der Anlage geht der
Bf. klar darauf ein, dass die Entscheidungen unverhältnismäßig waren und folglich einen übertriebenen
Formalismus darstellen. Das war somit nicht pauschal. Auch wird auf die Ausführungen in BT-Drucks.
19/7660 Anl. 2 verwiesen.

12. Beweismittel nach § 23 BVerfGG

der alle Garantien einer gerichtlichen Entscheidung erfüllt. Dies ist aber nur bei einer Entscheidung eines Gerichts der Fall, das als solches über
die charakteristische – und ausschließliche – Unabhängigkeit der rechtsprechenden Gewalt verfügt.“
183
EuGH, C-518/07
156
Für die Beweisdmittel werden die Unterlagen der Verfahren 2 BvC 25/14 und 2 BvC 15/15
sowie 2 BvR 3058/14 genannt. Ferner wird auf die Unterlagen BT-Drucks. 19/9350 Anl. 15
verwiesen. Weiterhin werden die Satzungsmäßigen Bestimmungen der Parteien als
Beweismittel genannt. Sollte es erforderlich sein werden entsprechende Unterlagen noch
nachgereicht.

13. Formaler Mangel der Wahlprüfung


Der Bf. ist dadurch in seinem Grundrecht auf effektiven Rechtsschutz nach Art. 19 Abs. 4 GG
bzw. Art. 47 GRC verletzt, dass der Bundestag seine Wahlanfechtung nicht mit hinreichender
Zügigkeit bearbeitet und erst nach über 19 Monaten nach der Wahl beschieden hat. Die
Grundrechtsbeeinträchtigung ist verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt.

Nach Art. 19 Abs. 4 GG steht jedermann, der sich durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten
verletzt sieht, der Rechtsweg offen. Das Grundrecht verbürgt als besondere Ausprägung des folgenden
Justizgewährungsanspruchs folglich, dass Art. 19 Abs. 4 GG, gerichtlichen Schutz gegen Maßnahmen
der öffentlichen Gewalt. Das ist in der Wahlprüfung zum Bundestag, wie noch auszuführen ist, nicht
anders.

Gerichtlichen Schutz gegen Maßnahmen der öffentlichen Gewalt genießt allerdings nur die
Person, die die Verletzung eines subjektiven Rechts geltend machen kann. Aus Art. 93 GG
ergibt sich ein solches subjektives Recht nicht. Es wird von Art. 93 GG vorausgesetzt (vgl.
BVerfGE 84, 34 [49]). Das dem Bf. zustehende subjektive Recht, dessen verfahrensrechtliche
Verwirklichung durch Art. 93 GG verfassungsrechtlich abgesichert wird, ergibt sich indessen
aus WahlPrG. Danach ist jede wahlberechtigte Person berechtigt, die Wahl zum Bundestag
anzufechten.
Einer möglichen Auffassung des Bundestags, die Anfechtungsbefugnis des WahlPrG verbürge
kein subjektives Recht, sondern habe lediglich die Funktion, Anstoß für ein „objektives
Beanstandungsverfahren“ zur Prüfung der Gültigkeit der Wahl geben zu dürfen, könnte nicht
gefolgt werden. Ob eine rechtliche Position ein subjektives öffentliches Recht gewährt oder
ausschließlich öffentlichen Interessen dient, ist abhängig von dem Schutzzweck, den die sie
einräumende Norm bei verständiger Auslegung verfolgt. Dabei spricht in der Regel eine Vermutung
für das Vorliegen eines subjektiven Rechts (so schon Forsthoff, Lehrbuch des Verwaltungsrechts, Band
I: Allgemeiner Teil, 10. Auflage 1973, § 10 S. 187 m.w.N.; ähnlich BVerfGE 15, 275 [281 f.]).
Dem Interesse und dem Schutz der von dem Verhalten der öffentlichen Gewalt betroffenen
Personen dienen vor allem solche rechtlichen Bindungen, die verfahrensrechtlicher Art sind
und eine „Pflicht zur sachgemäßen Behandlung und gehörigen Bescheidung von Anträgen“
(Forsthoff, a.a.O., S. 188) begründen. Daher spricht alles dafür, schon in WahlPrG ein
subjektives Recht und nicht lediglich eine allein öffentlichen Interessen dienende
„Veranlassungsgestattung“ zu sehen. Es wäre auch mit dem Verständnis einer rechtsstaatlich-
demokratischen Ordnung unvereinbar, jede Wahlberechtigte und jeden Wahlberechtigten auf
die bloße Möglichkeit einen Antrag zu stellen zu beschränken und den Umgang mit diesem
Antrag gewissermaßen ins Belieben des Parlaments zu stellen.
Dass der Bundestag das nicht anders sehen kann, ergibt sich im Übrigen auch aus .
Danach sind die Anfechtenden gerade nicht lediglich „Veranlasser“, „Beobachter“ oder
„Augenzeugen“ der Vorprüfungen und mündlichen Verhandlungen einer Wahlprüfung. Sie
haben vielmehr die Stellung von Verfahrensbeteiligten mit eigenen Informations- und
Antragsrechten im Verfahren. Das ist mit einem allein objektivrechtlichen Verständnis ihrer

157
Rechtsstellung nicht vereinbar. Das ergibt sich auch daraus, dass das Wahlprüfungsverfahren
auch der Verwirklichung des subjektiven Wahlrechts dient (BVerfGE 85, 148 [159]; 99, 1 [18]),
aus dessen Sicht folglich auch das Anfechtungsrecht wahlberechtigter Personen zu betrachten
ist. Das eigene und persönliche Interesse an der Verwirklichung des subjektiven Wahlrechts
ist darauf gerichtet, am demokratischen Prozess teilnehmen zu können. Es ist zwar
unauflösbar mit dem allgemeinen Interesse verknüpft, jedem erwachsenen Bürger die
Mitwirkung am verfassungsmäßig gestalteten politischen Leben durch Wahlen zu
ermöglichen. Zugleich liegt es jedoch auch im individuellen Interesse einer jeden einzelnen
Person, am demokratischen Prozess durch Wahl teilzunehmen, um, über den Horizont des
privaten Interesses hinausblickend, eine Synthese zwischen privaten Eigeninteressen
untereinander und im Verhältnis zum Allgemeininteresse zu finden. Betrachtet man aus dieser
Perspektive die Wahlanfechtungsbefugnis einer jeden wahlberechtigten Person und fragt, ob
ihr daran ein eigenes individuelles Interesse zuzuschreiben ist, so sind Unterschiede
hinsichtlich des Interesses an der Befugnis zu wählen einerseits und an der Befugnis die
Korrektheit der Wahl überprüfen zu lassen andererseits nicht erkennbar. Kann man dem
Wahlberechtigten nicht unterstellen, kein persönliches Interesse an seinem aktiven
Wahlrecht zu haben, so kann man ihm ebenso wenig unterstellen, an dem von ihm
eingeleiteten Wahlprüfungsverfahren mit seinen Möglichkeiten, die Verfälschung des
Wahlergebnisses zu verhindern, kein eigenes, persönliches Interesse zu haben. Gegen die
Betrachtung des Wahlanfechtungsrechts als ein subjektives Recht spricht auch nicht, dass die
Anfechtungsbefugnis den Wahlberechtigten auch dann zusteht, wenn sie nicht an der Wahl
teilgenommen haben. Das individuelle Interesse an einer Wahlanfechtung besteht auch dann,
wenn Beobachtungen und Berichte über das Wahlgeschehen sowie das Wahlergebnis einen
Nichtwähler dazu bewegen, die Wahl als nicht gesetzmäßig zu bekämpfen. Nicht immer ist
auch das Nichtwählen gleichzusetzen mit einem fehlenden Interesse an der demokratischen
Wahl als Institution. Wahlenthaltungen stellen keinen Verzicht auf das Wahlrecht dar.

Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG setzt voraus, dass die Verletzung des in Frage stehenden subjektiven
Rechts durch die öffentliche Gewalt erfolgt ist. Das ist der Fall. Gesetzgebungsakte stellen
keine Ausübung öffentlicher Gewalt im Sinne des Art. 93 GG dar (zu Art. 19 Abs. 4 GG vgl.
BVerfGE 24, 33 [49]; 24, 367 [401]; 45, 297 [334]). Mit der Wahlprüfung wird der Bundestag
jedoch nicht gesetzgebend tätig.
Die begrenzte Reichweite der einschränkenden Auslegung des Art. 19 Abs. 4 GG – und damit
auch des Art.93 GG– ergibt sich aus ihrer Begründung. Sie beruht auf der Überlegung, dass
sich aus Art. 100 GG ein Entscheidungsmonopol des Bundesverfassungsgerichts ergibt, soweit
Gesetze für nichtig erklärt werden sollen. Sonstige Akte des Parlaments sind von diesem
Ausschluss aus der Rechtsweggarantie des Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG nicht betroffen. Sofern
Akte des Parlaments Rechtspositionen von Bürgern tangieren, fallen sie daher in den
Anwendungsbereich des Art. 41 GG. Solche Akte, zu denen auch Unterlassungen gehören
können, zählen zwar nicht im organisatorischen wohl aber im funktionellen Sinn zu dem
Bereich der exekutiven Gewalt.

Der Schutz des Art. 19 Abs. 4 GG besteht nicht nur darin, den Rechtsweg gegen
Rechtsverletzungen durch die öffentliche Gewalt zu eröffnen. Das ist durch § 26 EuWG
geschehen. Er umfasst auch den Anspruch, von der öffentlichen Gewalt nicht am Beschreiten
des eröffneten Rechtsweges gehindert zu werden. Ist rechtliche Voraussetzung des Zugangs
zu einem vom Gesetz eröffneten Rechtsweg eine Entscheidung der öffentlichen Gewalt über
ein subjektives Recht, so darf eine solche Entscheidung nicht unterlassen werden, sondern
158
muss in der ihr angemessenen Zeit ergehen, soll der Rechtsweg nicht faktisch verschlossen
werden. In diesem Sinne wirkt die Rechtsschutzgarantie des Art. 19. Abs. 4 GG in die
Verfahrensweisen der vollziehenden Gewalt hinein, wenn eine solche Vorwirkung für die
Inanspruchnahme gerichtlichen Rechtsschutzes erforderlich ist (zu Vorwirkungen für das
behördliche Verfahren vgl. BVerfGE 40, 237 [256 f.]; 61, 82 [110]; 109, 279 [364]; 118, 168
[207]; Jarass in Jarass/Pieroth, GG, 11. Auflage 2010, Art. 19 Rdn. 72; Sachs in Sachs, GG, 5.
Auflage 2009, Art. 19 Rdn. 140 und 143a; Huber in v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, 6. Auflage
2010, Art. 19 Rdn. 489). Das vorgeschaltete Verfahren zählt insoweit bereits zu dem
Rechtsweg, der im Ergebnis gerichtlichen Rechtsschutz verbürgt. Der Einwand, es könne vor
der Entscheidung der vorgeschalteten Instanz noch keine unmittelbare Gefährdung des
Rechtswegs vorliegen, weil dem Begehren einer betroffenen Person noch im vorgeschalteten
Verfahren entsprochen werden könne, ginge fehl. Denn schon das vorgeschaltete Verfahren
dient unter möglicher Nachkontrolle des Gerichts dazu, subjektiven Rechten zu entsprechen.
Die Nichtbescheidung einer Wahlanfechtung in einer dafür angemessenen Zeit kann folglich
den Zugang zum BVerfG behindern. Dem steht auch nicht entgegen, dass das
Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde nicht als einen von Art. 19 Abs. 4 GG
verbürgten Rechtsweg betrachtet hat (BVerfGE 1, 332 [344]; vgl. auch BVerfGE 115, 81 [92])
und gelegentlich ausgeführt hat, die Beschwerde nach Art. 41 Abs. 2 GG sei kein Rechtsweg
im Sinne des Art. 19 Abs. 4 GG (BVerfGE 22, 277 [281]). Steht nämlich ein Akt in Frage, über
dessen Verfassungsmäßigkeit und die Verfassungsmäßigkeit des Verfahrens, in dem er
zustande gekommen ist, die Fachgerichte gerade nicht entscheiden dürfen, muss der Zugang
zur Verfassungsgerichtsbarkeit jedenfalls nach bundesdeutschem Verfassungsrecht zur
Sicherung von Grundrechten der Rechtsweg betrachtet werden. Das Grundrecht des Art. 19
Abs. 4 GG wird in nicht zu rechtfertigender Weise verletzt, wenn ohne zureichenden Grund
vom Bundestag nicht innerhalb einer der Funktion und dem Sinn und Zweck einer
Wahlprüfung angemessenen Frist über die Anfechtung der Wahl entschieden wird.

Wahlanfechtungsverfahren sind vom Bundestag zügig zu betreiben. Eine zügige Durchführung


des Wahlprüfungsverfahrens ist zur Sicherung der demokratischen Legitimation des
Parlaments und aus rechtsstaatlichen Gründen verfassungsrechtlich geboten (BVerfGE 85,
149 [159]; Brocker in ZG 2007, 73 [74]). Soll das Wahlprüfungsverfahren seiner Funktion
gerecht werden, etwaige Legitimationsmängel, die bei mandatserheblichen Wahlfehlern dem
Parlament anhaften, aufzuspüren und zu korrigieren, muss es unverzüglich und innerhalb
einer dem Wesen von Wahlen angepassten – kurz zu bemessenden – Frist durchgeführt
werden (so insbesondere G. Roth in Umbach/Clemens, GG, 2002, Art. 41 GG Rdn. 12; Horn in
Depenheuer u.a. [Hrsg.], Staat im Wort, Festschrift für Josef Isensee, 2007, S. 423 [437];
Schreiber in BWahlG, 8. Auflage 2009, § 49 BWahlG Rdn. 33; vgl. auch Brocker in
Epping/Hillgruber, GG, 2009, Art. 41 GG Rdn. 10.1). Dem Gebot einer zügigen abschließenden
Klärung einer rechtlich korrekten Wahl entspricht es, dass eine Wahlanfechtung von
Wahlberechtigten nach § 54 LWG-LSA innerhalb von einem Monat nach Bekanntmachung
des Wahlergebnisses bei dem Landeswahlleiter eingehen muss. Ihm entspricht auch, dass,
hat der Bundestag über die Wahlanfechtung entschieden, der BVerfG nach § 54 LWG nur
binnen einem Monat angerufen werden kann. Diesen kurzen Fristen, die
anfechtungsberechtigte Personen zu beachten haben, widerspricht es, wenn der Bundestag
selbst nicht unmittelbar nach der Wahl und dem Ablauf der Wahlanfechtungsfrist mit der
Prüfung beginnt und dem Verfahren raschen Fortgang gewährt. Die Wahlprüfung ist dabei mit
dem ihrer Bedeutung gerecht werdenden Vorrang zu betreiben. Nur in besonderen

159
Ausnahmefällen kann eine Zurückstellung des Wahlprüfungsverfahrens aus zwingenden,
verfassungsrechtlich tragfähigen und vorrangigen Gründen gerechtfertigt sein.
Zwar ist eine ausdrückliche Entscheidungsfrist für das Parlament im Rahmen der Wahlprüfung nicht
vorgesehen. Lange Verfahrensdauern beim Bundestag widerstreiten aber dem System der
zweistufigen Wahlprüfung. Sie gefährden die Effektivität des gewährten Rechtswegs zum BVerfG. Das
Anfechtungs- und Beschwerderecht, mit ihm das reklamierte Wahlrecht, wird dadurch
temporär entwertet, weil die Folgen einer erfolgreichen Wahlprüfung immer nur ex nunc
eintreten können (vgl. Horn a.a.O., S. 423 [424 f.]). Demokratische Legitimation wird zu einem
leeren Postulat, wenn Wahlfehler, die für die Zusammensetzung der Volksvertretung von
Bedeutung sind, wegen Zeitablaufs nicht mehr oder nur sehr spät korrigiert werden können
(vgl. Schreiber in BWahlG, 9. Auflage 2009, § 49 Rdn. 33). Der bestehende Rechtsweg zum
BVerfG darf daher nicht durch eine Untätigkeit des Parlaments oder eine nicht zu
rechtfertigende zögerliche Behandlung der Wahlprüfung versperrt werden. Dem widerspricht
es auch nicht, dass der Bundestag – anders als die Bundesländer Rheinland-Pfalz und
Nordrhein-Westfalen – keine Regelfrist vorgesehen hat. Von seinen verfassungsrechtlichen
Pflichten entbindet ihn das nicht.
Die in den Verfahrensordnungen des Bundes der Verwaltung auch für schwierig zu prüfende
Anliegen vorgesehenen Regelfristen (§ 75 S. 1, S. 2 VwGO; § 88 Abs. 1, Abs. 2 SGG; § 46 Abs.
1 S. 1, S. 2 FGO; §§ 63 Abs. 3, 116 Abs. 2, 113 Abs. 1 GWB) zeigen im Übrigen die grundsätzliche
Vorstellung des Bundesgesetzgebers, dass die Verwaltung regelmäßig innerhalb eines mit
wenigen Monaten zu bemessenden Verfahrens Anträge von Bürgerinnen und Bürgern
bescheiden soll. Das mag auf die landesrechtlich geordnete Wahlprüfung nicht
uneingeschränkt übertragbar sein. Der in solchen Vorschriften zum Ausdruck kommende
Rechtsgedanke, der Ausdruck des Rechtsstaatsprinzips ist, kann jedoch als erster
Anhaltspunkt dienen: Je weiter sich die Wahlprüfung des Bundestags über einen solchen
Zeitraum hinaus erstreckt, desto gewichtiger müssen die Gründe dafür sein.
Die im konkreten Einzelfall zu fordernde Zügigkeit und die sich daraus ergebenden Grenzen
einer noch angemessenen Verfahrensdauer sind allerdings abhängig von den Umständen der
jeweiligen Wahlanfechtung. Sie richten sich nach der Komplexität der geltend gemachten
Anfechtungsgründe und dem Verhalten der Verfahrensbeteiligten. Denn der Entscheidung
über die Wahlanfechtung muss auch eine hinreichend gründliche Prüfung der Sach- und
Rechtslage vorausgehen (vgl. dazu etwa BVerfGE 89, 243 [249 f.]; BVerfGE 89, 291 [299f.]).
Vermeidbare Verzögerungen sind aber zu vermeiden. Der Bundestag hat daher bei der
Gestaltung seines Verfahrens dessen Gesamtdauer zu berücksichtigen und sich mit
zunehmend verstreichender Zeit mit zunehmender Intensität um eine Beschleunigung zu
bemühen. Rechtsfragen, die eine Wahlanfechtung aufwirft, müssen und können in sehr kurzer
Zeit beantwortet werden. Die Aufklärung tatsächlichen Geschehens ist darauf zu beschränken,
ob sie bei objektiver Betrachtung wahlrechtserheblich ist. Dem ist der Bundestag nicht
nachgekommen. Der Wahlprüfung wurde nicht der ihrer Bedeutung gerecht werdende
Vorrang eingeräumt. Eine abschließende Entscheidung über die Wahlanfechtung des Bf.s
steht bis heute, rund 9 Monate nach der Wahl weiterhin aus.

Zwar handelt es sich nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts auch bei einer
Verfahrensdauer zwischen Einlegung des Wahleinspruchs und der Entscheidung des
Parlaments von einem Jahr noch nicht um einen derart schwerwiegenden Verfahrensfehler,
dass er der Entscheidung des Parlaments „die Grundlage entzieht“ (BVerfGE 121, 266 [290]).
Bei der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ging es insoweit jedoch allein um die
Frage, ob einem tatsächlich nach einer solchen Verfahrensdauer ergangenen Beschluss jede
160
rechtliche Grundlage fehlt. Dies besagt nicht, dass, fehlt es an einem solchen Beschluss, eine
im Einzelfall unangemessene Verfahrensdauer nicht auch schon dann oder gar früher
vorliegen kann und sich als eine verfassungsrechtlich nicht zu rechtfertigende Verletzung des
Grundrechts auf effektiven Rechtsschutz darstellt. Aus einer überlangen Verfahrensdauer
folgen lediglich nicht automatisch der Erfolg der Wahlanfechtung und eine Ungültigkeit der
Wahl. Ob eine nicht zu rechtfertigende Verzögerung der Wahlprüfung vorliegt, ist allein
objektiv zu bestimmen. Ihre Annahme setzt keine Vorwerfbarkeit voraus. Fehleinschätzungen
der Notwendigkeit von Maßnahmen „entschuldigen“ eine Verzögerung nicht, weil sie nicht
schuldhaft erfolgt sein muss, um einen Grundrechtsverstoß darzustellen. Lediglich dann, wenn
Maßnahmen, die die Dauer eines Verfahrens bei aufmerksamer Prüfung unter Würdigung
aller ihnen zugrunde liegender Umstände und Berücksichtigung der Interessen aller
Wahlberechtigten an der zügigen Klärung der Legitimation des Parlaments verständlich
machen, kann eine Rechtfertigung vorliegen. Insoweit trifft den Bundestag eine
Darlegungslast: Er muss plausibel machen, dass solche Gründe vorliegen.
Die vom Bundestag vorgebrachten Gründe, die späte Konstituierung der Ausschüsse, für die
Verzögerung der abschließenden Entscheidung über die Wahlanfechtung können die
vorliegende Verfahrensdauer nicht rechtfertigen. Weder die vorgebrachten schwierigen
Koalitionsverhandlungen, im Lichte einer möglichen „Dreierkoalition“ noch die vorgebrachte
Notwendigkeit zur Einrichtung eines WPA für die Entscheidung der Wahlanfechtungen stehen
einer zügigen und damit im Ergebnis frühzeitigeren Entscheidung entgegen. Andere Gründe
sind nicht dargelegt. Es wird der Bedeutung der Wahlprüfung für die weitere Arbeit des
Parlaments nicht gerecht, dass der Wahlprüfungsausschuss erst über drei Monate nach dem
Wahltag seine konstituierende Sitzung abgehalten und seine Arbeit aufgenommen hat.
Man vergleiche hierzu die letzte WP. Dort hat der WPA im Zeitraum 12 Monaten 225
Einsprüche, also nur 50 weniger erledigt. In der laufenden WP hat der WPA im gleichen
Zeitraum (29.09.2018) 88 Einsprüche erledigt.

Für das Wahlprüfungsverfahren des Bundestags gilt im Übrigen gerade nicht der Grundsatz
der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme. Bei Anfechtungsgründen im Zusammenhang mit
der Aufstellung von Wahlvorschlägen durch die Parteien sind so auch eidesstattliche
Versicherungen oder sonstige Dokumente, die auch den Prüfungen der Wahlorgane von
Gesetzes wegen zugrunde liegen dürfen, verwertbar. Die vorgebrachten Anfechtungsgründe
verlangen zudem vorwiegend die Klärung von Rechtsfragen und nicht in erster Linie jene von
Tatsachen. Die Bearbeitung reiner Rechtsfragen kann aber von einem Ausschuss für
Wahlprüfung innerhalb kürzester Zeit erwartet werden. Soweit der Bf. seine Wahlanfechtung
auf Wahlrechtsverstöße bei der Kandidatenaufstellung oder die vermeintliche
Verfassungswidrigkeit der Erhebung von Sondernutzungsgebühren und abgestufte
Chancengleichheit im Straßenwahlkampf stützt, hätte diese frühzeitig unmittelbar nach
Ablauf der Einspruchsfrist abschließend erörtert werden können und müssen. Das gilt vor
allem vor dem Hintergrund, dass dem Bundestag gerade keine eigene Befugnis zur
Feststellung der Verfassungswidrigkeit der angegriffenen Wahlrechtsnormen zusteht. Solche
Feststellungen sind Aufgabe der Verfassungsgerichtsbarkeit. Die aus nicht näher dargelegten
Gründen für erforderlich gehaltene Sichtung der Rechtsprechung und Kommentarliteratur zu
den jeweiligen Anfechtungsgründen hätte gleichfalls nach Anhängigkeit der
Wahlanfechtungen ausgewertet werden können. Dabei handelte es sich ohnehin um eine
ganz wesentliche Vorarbeit für das weitere Verfahren. Indessen war diese Vorarbeit
ausweislich der vorgelegten Drucksache 19/3050 vom 29.06.2018 also wenige Monate nach
Eingang der Wahlanfechtungen – in hinreichendem Maße vorgenommen worden.
161
Die Frage der Notwendigkeit einer möglichen Beweiserhebung kann sich im Übrigen erst
stellen, wenn klar ist, dass es aus Rechtsgründen auf eine weitere Sachverhaltsklärung
überhaupt ankommt. Schon insoweit hat der Bundestag nicht, wie ihm oblegen hätte,
dargelegt, aus welchen Gründen er überhaupt eine Beweiserhebung oder sonstige
verfahrensverlängernde Maßnahmen für erforderlich zu halten scheint. Mit dem
Anfechtungsgründen des Vorwurfs bei Wahlrechtsverstößen bei der Kandidatenaufstellung
hat sich der Ausschuss offenkundig noch nicht im laufenden Wahlprüfungsverfahren
auseinandergesetzt. Auch wenn keinerlei Aussagen zur Gültigkeit der Bundestagswahl zu den
derzeitigen Entscheidungen des BVerfG entnommen werden können, wäre es eine Aufgabe
des Wahlprüfungsausschusses, sich der Problematik einer etwaigen potenziellen Kausalität für
das Wahlergebnis bewusst zu werden und sie entweder nach der Einschätzung des
Ausschusses zu verneinen, zu bejahen oder, bei Unsicherheiten der Einschätzung, dann
erforderliche Erhebungen anzuordnen.

In Anbetracht des Umstandes, dass der WPA seit der Wahl über 19 Monate gebraucht hat,
um 275 Einsprüche zu prüfen, kann die Verfahrensdauer als nicht mehr angemessen erachtet
werden. Der BT steht in der Pflicht durch eine angemessene Verfahrensdauer zum zügigen
Abschluss beizutragen. Dieser Pflicht kam der WPA nicht nach. Diesmal befassten sich 9
Mitglieder mit 275 Einsprüchen. Damit war eine Person mit der Bearbeitung von ca. 31
Einsprüchen betraut. Damit steht die Dauer des Verfahrens in keinem Verhältnis mehr zum
Prüfungsumfang. Auch die Verständigung wonach die Mitglieder des GO-Auschusses zugleich
Mitglied des WPA sind und die Sitzungstermin des WPA mit dem des GO-Ausschuss korreliert
begründet in keiner Weiser eine Rechtfertigung der Verfahrensdauer. Dem
Beschwerdegegner war es zumutbar noch vor der Sommerpause 2018 eine Prüfung auf
Zulässigkeit von 275 Einsprüchen vorzunehmen und dann diese zur Einholung von
Stellungnahmen durch sonstige Beteiligte (Ämter, Kommunen, Wahlorgane, etc. ppp), sowie
zur effektiven Zuarbeit durch die Bundestagsverwaltung zu nutzen, um dann mit einer zügigen
Sachprüfung beginnen zu können. Der Bf. erachtet es als zumutbar , dass der WPA des Bg eine
Sitzung im Monatstakt anberaumt, um die Prüfung zügig abschließen zu können. So aber fand
im Dez. 2018 keine Sitzung statt, obwohl im September sämtliche Stellungnahmen vorlagen,
um zumindest die offenkundigen Verfahren erledigen zu können. Selbst eine Prüfung des
Vorbringens des Bf. wäre Zeitnah möglich gewesen, da der Löwenanteil des Umfangs aus
Beweismitteln besteht, die der Bf. verwendet, um seinen Sachvortrag zu stützen.

V Begründung

1 Allgemein
1.1 Kandidatenaufstellung
1.1.1 Quoten
1.1.1.1 Frauenquoten allgemein

Jede Quotierung bewirkt – darin liegt ihre Wirkung, aber auch ihre Problematik - eine
Ungleichbehandlung, also auch ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgebot. Das gilt auch für das
Reißverschlussverfahren und zwar auch dann, wenn es anders als die Mindestquote des Grünen-
Frauenstatuts oder der Partei die Linke (im Falle der SPD) nicht einseitig sondern symmetrisch“ wirkt:
162
die Frauen sind von den Männerplätzen und die Männer von den Frauenplätzen ausgeschlossen. Der
Hinweis, durch eine solche Regelung sollten gleiche Zugangschancen zum Bundestags für Männer und
Frauen gerade geschaffen werden übersieht, dass dem oder der einzelnen wegen der
Geschlechtszugehörigkeit bestimmte Listenplätze versagt bleiben. Das Gleichheitsgebot verlangt
jedoch gleiche Zugangschancen auf jeden Listenplatz. Der Hinweis auf gleiche Zugangschancen zum
Parlament geht fehl, wenn die Frauenquote über dem Frauenanteil an der Parteimitgliedschaft liegt.
Diese „Überquoten“ schaffen erst recht auch Ungleichheit der Zugangschancen zu Parlament. 184 Unter
dem Aspekt der mit einer Quotierungsregelung verbundenen Beschränkung der Freiheit der
Kandidatenaufstellung sind Art. 38 Abs.1 und Art. 21 Abs. 1 einschlägig. Das BVerfG versteht die von
Art. 38 Abs. 1 GG geschützten Freiheit der Wahl nicht allein als Freiheit sich ohne Zwang und
unzulässige Beeinflussung innerhalb des bestehenden Entscheidungsspielraums entscheiden zu
können, sondern auch als Garantie einer Mindestbreite dieses Entscheidungspielraums. Die Geltung
des Grundsatzes der Wahlfreiheit erstreckt das Gericht auch auf die Wahlvorbereitung, vor allem auf
die Kandidatenaufstellung. Die Quotierung im Reißverschlussverfahren reduziert den
Entscheidungsspielraum bei der Kandidatenaufstellung. Allerdings wird man die Freiheit der
Kandidatenaufstellung für die Liste auch die Gestaltung des politisch Personellen Gesamtbildes
heranziehen müssen. Hier wirkt die Einschränkung durch Quotierung im Reißverschlussverfahren sich
gravierend aus. Auch unter der – bis auf weiteres unrealistischen – Voraussetzung gleicher
Berücksichtigung und gleichen Interesses von Männern und Frauen ist es im hohen Maße
unwahrscheinlich, dass etwa die Bewerber, die die aufstellende Partei nach ihren politischen
Vorstellungen für am besten geeignet hält, ihr Erscheinungsbild beim Wähler und künftig im
Parlament zu bestimmen und die deshalb die ersten Listenplätze einnehmen sollen, sich gleichmäßig
aus Männern und Frauen zusammensetzen. Im Gegenteil spricht vieles dafür, dass die
Zusammensetzung dieser Liste im Einzelfall mehr oder weniger stark von der vorgesetzten Quote
abweicht, auch wenn sie ihr im langjährigen Durchschnitt entsprechen sollte. Die aufstellenden
Parteimitglieder werden regelmäßig gezwungen, einem aus ihrer Sicht unteroptimalen Listenvorschlag
zu machen. Diese Beschränkung ist mit den Grundsätzen der Wahlfreiheit nicht zu vereinbaren. 185

Gleiches für eine Gesetzgebung gilt für eine geschlechtsspezifische Privilegierung in Form einer
gesetzlichen Quotenregelung für Frauen bei der Aufstellung von Bundestagskandidaten. Die
Zurückhaltung des Gesetzgebers ist trotz der speziellen Gleichheitssatzregelung in Art. 3 Abs. 2 Satz 2
GG berechtigt. Gesetzliche Quotierungen für die Aufstellung von Landeslisten (gleiches gilt für
Normierungen im Wege eines >>Reißverschlussprinzips<< Frau-Mann-Frau ... ) sind nicht nur
rechtspolitisch bedenklich (reine Bevorzugung nach Geschlechtszugehörigkeit; Frauenparität um jeden
Preis; Behin-
derung der Qualitätsauslese; Parlament muss nicht Spiegelbild der Gesellschaft sein), sondern nach
verfassungsrechtlich fragwürdig. Sie stellen einen Verstoß gegen die Freiheit der politischen Parteien
dar, ihre innere Ordnung selbst zu bestimmen. Zwar verbietet Art. 21 GG den Parteien nicht, eine
Quotierung herbeizuführen, gebietet sie aber auch nicht. Deshalb greift der Gesetzgeber
unverhältnismäßig in den organisatorischen Gestaltungsspielraum der Parteien ein, wenn er eine - wie
auch immer ausgestaltete - »starre« geschlechtsspezifische Vorgabe für die Listenplätze macht. Ferner
würde eine gesetzliche Frauen-Quote gegen die i.R. der Kandidatenaufstellung grundsätzlich
entsprechend zu beachtenden Verfassungsgebote der Wahlfreiheit (keine Freiheit der
Aufstellungsberechtigten mehr, wen sie wo platzieren wollen) und der aktiven und passiven
Wahlgleichheit i.S. des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG (keine Kandidaturmöglichkeit jedes Parteimitgliedes
mit gleichen Chancen für jeden Listenplatz; unangemessener Eingriff in die Wahlvorschlagsfreiheit
gern. § 21 i.V. mit§ 27 Abs. 5) verstoßen. Im Hinblick auf die strenge Formalisierung der
Wahlrechtsprinzipien ist für die Berücksichtigung objektiver Wertentscheidungen zugunsten der
Frauenförderung kein Platz. Dementsprechend enthält das Bundesgleichstellungsgesetz keine

184
Oebbecke, JZ 1988, S. 177
185
Ebenda, S. 178/179
163
einschlägige Regelung. Faktisch gegebene zahlenmäßige Ungleichheiten sind grundsätzlich keine
rechtlich relevanten Benachteiligungen von Frauen i.S. des Art. 3 Abs. 2 und 3 GG, die eine
Differenzierung gegenüber der streng formalen Wählbarkeitsgleichheit rechtfertigen könnten. Eine
Rechtfertigung aus Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG scheitert schließlich an der fehlenden Verhältnismäßigkeit.
Denn eine gesetzlich verbindliche Frauenquote wäre eine die Wahlrechtsgleichheit der männlichen
Bewerber verletzende, weil unangemessene Diskriminierung Auch sonstige besondere,
verfassungsrechtlich zwingende und damit eine Differenzierung möglicherweise rechtfertigende
Gründe sind nicht ersichtlich.186
Auch innerparteiliche Quotierungen für die Vergabe von Landeslistensitzen, also Privilegierungen bei
der Aufstellung der Landeslisten (etwa zugunsren von Frauen oder bestimmten Parteigliederungen)
durch Parteisatzung erscheinen wegen der Reduzierung des Entscheidungsspielraumes bei der
Kandidatenaufstellung (kein gleicher Zugang zu jedem Listenplatz) rechtspolitisch und
verfassungsrechtlich im Hinblick auf den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz sowie die
Verfassungsprinzipien der (aktiven und passiven) Gleichheit und der Freiheit der Wahl (Beschneidung
des freien Wahlvorschlagsrechts) bedenklich. Das gilt insbesondere für eine etwa im
>>Reißverschlussverfahren<< erfolgende Besetzung z.B. der ungeraden Listenplätze mit weiblichen
Bewerbern. Derartig alternierende Listengestaltungen nach dem Geschlecht kennen die Partei- bzw.
Organisationsstatute! Wahlordnungen von SPD und GRÜNE sowie in >>gemilderter>> Form der CDU.
Andererseits kommt bei derartigen Quotierungsregelungen der in Art. 21 Abs. 1 Sätze 1 und 2 GG
gewährleisteten Partei- und Satzungsautonomie sowie der objektivrechtlichen Wertentscheidung des
Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG eine besondere Bedeutung zu. Weil der Gesetzgeber für BT-Wahlen keine
geschlechtsbezogenen Quoten bei Listenbewerbungen vorgesehen und die Regelung dieser Materie
dem autonomen Parteisatzungsrecht überlassen hat, und weil die Förderung der Gleichberechtigung
der Wertentscheidung des Art. 3 Abs. 2 GG für eine Gleichstellung der Frauen entspricht, sind die mit
Quotierungen zu Gunsten von Frauen verbundenen relativ geringfügigen und partiellen
Beschränkungen des passiven Wahlrechts der Bewerber um Listenplätze letztlich
verfassungskonform.187

Der Behauptung Herr Hahlens im Schreiber, wonach der Gesetzgeber Quotenregelungen nicht
verbiete und diese verfassungskonform seien, wird widersprochen. Genau aus ähnlich gelagerten
Gründen haben sowohl das BVerfG als auch der Gesetzgeber, wie im nachfolgenden noch näher
erläutert wird, bereits mit dem Gehalt von § 10 Abs. 2 Satz 1 PartG derartige Privilegierungen von
Parteimitgliedern verboten.

In der Parteien wurden, beginnend mit den Grünen Frauenquoten eingeführt und damit massiv
in die parteiinterne Demokratie eingegriffen, um so den Anteil von Frauen in den Parlamenten
zu erhöhen. So haben Parteien gezielt ins Wahlrecht, Stimmrecht und die Gleichwertigkeit
der Parteimitglieder eingegriffen. Dies kann in entsprechender Literatur nachgelesen werden.

Zwar sind politische Parteien in ihrer Willensbildung frei. Ebenso bestehen diese aus Aktivbürgern, die
sich für eine gemeinsame politische Willensbildung zusammengeschlossen haben. Diese politische
Willensbildung darf aber nicht dadurch realisiert werden, in dem in die parteiinterne Demokratie
eingegriffen wird. So darf eine politische Zielstellung, nicht dazu führen, dass durch deren
Verwirklichung gezielt einen Eingriff die Demokratie erfolgt. So verstoßen Überzeugung des
Beschwerdeführers derartige Eingriffe in die Demokratie gegen geltende gesetzliche Bestimmungen. So
kann es nicht dem Gehalt einer politischen Willensbildung sein, in dem man sich für die Interessen
bestimmter Bevölkerungsgruppen dadurch einsetzt, in dem sie parteiintern privilegiert werden.
So kann es nicht sein dass diesen bestimmte Mindestkontingente an Ämtern und Mandaten vorhält,
einseitige Abstimmungen und Frauenvetos bei Wahlen und Abstimmungen regelt oder für diese

186
Schreiber 2013, S. 551/552, Rn 14
187
Ebenda, Rn 15
164
gesonderte Organe (Bundesfrauenrat, Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen,
Frauenunion…) eingeführt werden, die diese Regelungen „überwachen“.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen anzunehmen, dass es hier nicht mehr um die Beseitigung von
Frauendiskriminierung gehen kann. So war es in der CSU ein zentrales Motiv, den Anteil weiblicher
Mitglieder und den der weiblichen Wahlberechtigten zu erhöhen. Ebenso ging es bei den Beschlüssen
des Bundesfrauenrates der Partei Bündnis 90/die Grünen ebenfalls um die Außendarstellung der Partei
ging. Selbiges gilt auch für den Umstand, dass in den Debatten beim LV Sachsen-Anhalt der Partei
Bündnis 90/die Grünen gewesen ist. Ebenso haben die Frauen in der FDP erfolglos versucht ebenfalls in
der Partei eine Frauenquote einführen zu lassen und dies mit dem mangelnden Zuspruch unter den
weiblichen Wahlberechtigten begründet.

Aus einem Streitgespräch ist unter dem Vorsitzenden der Partei die Piraten LV Bayern, Herr Stefan
Körner und dem von Bündnis 90/die Grünen LV Bayer, Herr Dieter Jenecek ist folgendes zu entnehmen
„In vielen Punkten wirken die Piraten modern und frisch. In einem nicht: Es machen kaum Frauen
mit. Warum sind die Piraten so wenig frauenkompatibel?
Körner: Das sind wir nicht. Gleichberechtigung fängt nach unserem Verständnis dann an, wenn man
Frauen nicht mehr wie Stück Vieh zählt. Meine Idealvorstellung ist, dass wir in einer Welt leben, in
der es genauso ist wie im Internet: Da ist es wurscht, ob man sich als Mann oder Frau in Foren
anmeldet. In unserer Mitgliederstatistik vermerken wir das Geschlecht der Mitglieder nicht.
Janecek: Ihr seid eine Männerpartei, das ist definitiv so. Ihr habt in Schleswig-Holstein 28 Männer
und zwei Frauen aufgestellt. Und dann so zu tun, als ob ihr Post-Gender seid, ist unglaubwürdig.
Körner: Viele unserer Mitglieder sind Software-Entwickler. Ich gebe seit 17 Jahren Computerkurse für
Software-Entwickler. In 2500 Schulungstagen hatte ich vielleicht 30 oder 40 Frauen als Teilnehmer.
Soll ich etwa Männer ausschließen, die bei uns mitmachen wollen?
Janecek: Ihr seid reaktionärer als die CSU. Die hat eine Quote eingeführt.
Körner: Wenn ich heute bei den Grünen wäre, kann es mir passieren, dass ich einen Listenplatz nicht
bekomme, weil ich ein Mann bin. Selbst dann nicht, wenn keine Frau diesen Posten haben will. Ist
das gerechter?
Janecek: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Spaß macht, nur mit Männern in einem Raum zu
sitzen. Sexy ist das nicht.
Körner: Die Behauptung, dass bei uns nur Männer sind, ist einfach falsch!“
Auch Herr Reinhardt hat sich in dieser Richtung geäußert.
So lässt sich aus den beigefügten Unterlagen entnehmen lässt, sollte sich die Sache zu einem
Gesamtbild zusammenfügen

In BVERFGE <85 264:20 56> wird die Staatsfreiheit von Parteien nach Art. 21 Abs. 1 Satz 2 GG
klargestellt. Somit können diese in keiner Weise Aufgaben wahrnehmen, die an den Staat gerichtet
sind und eigenmächtig Eingriffe in die Grundrechte der Parteimitglieder vornehmen. Durch diese
Eingriffe werden in den Parteien Frauen privilegiert. Dies erfolgt z.B. durch

1. Einseitiger Abbruch von Debatten wenn Frauen sich nicht in numerisch gleicher Weise an
diesen beteiligen, während bei Themen, bei sich Männer weniger stark interessieren die Debatte bis
zum Ende fortgesetzt wird,
2. Einseitige Frauenvetos bei Wahlen und Abstimmen,
3. Kontrolle besonderer „Frauenorgane“ (Bundesfrauenrat, Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer Frauen, Frauenunion…) zur Einhaltung dieser Regelungen,
4. Reservierung von „Mindestkontingenten“ an Ämtern und Mandate.

Sowohl aus einschlägiger Literatur als auch in der Presse ist zu entnehmen, dass es bei weitem nicht
mehr um die „Beseitigung von Nachteilen, die typischer Weise Frauen treffen“ geht.

165
Die SPD, CDU, Linke und Bündnis ‘90/die Grünen sind heterogene Parteien. Viele Mitglieder sind nicht
wegen dieser Gleichstellungpolitik tätig. Dennoch haben sich alle dieser unterzuordnen. Erst kommt
die Gleichstellungspolitik, dann kommt Demokratie und Gleiche Teilhabe und Bürgerrecht, Wirtschaft
und Finanzen, Umwelt-Natur und Klimaschutz, Arbeit und Soziales, Kulturpolitik, Medien und
Netzpolitik, etc .
Aus einem Blockartikel 188 lässt sich folgendes Entnehmen.
„Vor der Abstimmung über die Frauenquote im Bundestag erregte sich Andrea Nahles über den CDU-
Fraktionsvorsitzenden: „Unionsfraktionschef Volker Kauder hat die Frauen in der Union öffentlich
aufgefordert, gegen ihr eigenes Gewissen zu stimmen.“

Tatsächlich wollten sich die Abgeordneten der Union, die mit dem Gedanken an eine Stimme
für die Einführung von starren Frauenquoten in Unternehmen spielten, auf die Freiheit ihrer
Gewissensentscheidung berufen.

Damit hätten dann von der Leyen und co. eine Entscheidung, von der nur ein verschwindend
kleiner und ohnehin schon erheblich privilegierter Anteil der Frauen in Deutschland profitiert
hätte, ebenso zu einer Frage des Gewissens erklärt wie etwa die Entscheidung dafür, weiterhin
Tausende von – übrigens männlichen – Soldaten in Länder wie Afghanistan und
möglicherweise in ihren Tod zu schicken. Natürlich ist dies ein pervertiertes Verständnis einer
Gewissensentscheidung, gleichwohl ist es auch völlig verständlich, dass es in der Union und
der FDP unterschiedliche Positionen zu einer so kontroversen Frage wie der Frauenquote gibt.
Wesentlich weniger verständlich ist es, wie es möglich ist, dass SPD, Grüne und Linke solche
Konflikte nicht kennen – ihre Abgeordneten stimmten ohne Murren und Diskussion
geschlossen für die Quote.

Zu den wenigen gut vernetzten und privilegierten Frauen, die von einer Quote profitieren
können, gehören eben gerade die Parteipolitikerinnen, die sich für sie engagieren. Dieser
offenkundige Eigennutz wurde durch den moralisierenden Overkill der Debatte („Es gebe in
der Hölle einen Ort für Frauen, die andere Frauen nicht unterstützen“) eher noch herausgestellt
als verdeckt. Es mag ja sein, dass einige in den rotgrünen Parteien die Quote aus sachlichen
Gründen trotzdem für eine gute Idee halten. Es ist aber nicht erklärbar, warum überhaupt
niemand an der „Was-gut-für-mich-ist-ist-gut-für-Frauen-ist-gut-für-die-Gesellschaft“-Logik
der Quote irgend etwas auszusetzen findet.

Für mich ist diese regelrecht betonierte Einförmigkeit ein besonderes, auch persönliches
Problem. Meine politische Sozialisation bestand zu einem wichtigen Teil daraus, dass ich als
Jugendlicher am Mittagstisch jedes Tages mit meinen Eltern, die beide seit Jahrzehnten SPD-
Mitglieder sind, diskutierte und dort grüne Positionen vertrat. SPD und mehr noch die Grünen
habe ich jahrelang regelmäßig gewählt – bis ich persönlich von der Politik dieser Parteien in
erheblicher Weise getroffen war. Meine Rechtlosigkeit als Vater eines Kindes, das ich nur alle
zwei Wochen (und mit großem Aufwand für mich) sehen kann, ist wesentlich auch der Politik
dieser Parteien zu verdanken. Insbesondere die rot-grüne Schröder-Regierung sperrte sich
jahrelang gegen Änderungen der väter- und kinderfeindlichen gesetzlichen Regelungen, die
mittlerweile längst vom Europäischen Gerichtshof als menschenrechtswidrig und vom
Verfassungsgericht als grundgesetzwidrig bezeichnet wurden.

Ich hab meine Meinung über SPD und Grüne zu spät revidiert. Das ist wohl ein typisches Problem des
Engagements für Männerrechte, dass Menschen – seien es Männer oder Frauen – sich oft erst
engagieren, wenn sie persönlich in erheblicher Weise in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das lässt

188
http://www.cuncti.net/streitbar/413-rot-gruener-beton; 2. Mai 2013, von Lucas Schoppe
166
sich mit Geschlechterklischees erklären, die durchaus ungebrochen von Männern erwarten, für sich
selbst und für andere Sorgen zu können und nicht auf den Beistand anderer angewiesen zu sein.

Dabei kann ich mir durchaus vorstellen, warum es bei SPD und Grünen starke Unterstützung für
feministische Positionen gibt – nicht nachvollziehbar aber ist das fast völlige Fehlen von
Gegenstimmen. Es mag ja sein, dass viele dort beispielsweise die Diskriminierung von Vätern für eine
gute Idee halten – es will mir aber tatsächlich nicht in den Kopf, warum überhaupt niemand dort auf
die Idee kommt, es könne ein ernsthaftes Problem für ihre Parteien sein, wenn sie ein gestörtes
Verhältnis zu Grund- und Menschenrechten entwickeln. Das gilt eben auch in der Quotendiskussion:
Seit mehr als zwei Jahrzehnten haben Grüne und SPD nun Frauenquoten, und die Resultate davon sind
ernüchternd. Niemand aber formuliert einmal den naheliegenden Gedanken, aus diesen
jahrzehntelangen eigenen Erfahrungen könne vielleicht irgendetwas im Hinblick auf Frauenquoten in
der Wirtschaft gelernt werden. Dass aber eine solche Diskussion nicht stattfindet, liegt wohl nicht
zuletzt an den Quoten selbst.

Warum niemand an Jürgens Stuhl sägt

Der Frauenanteil in der SPD-Mitgliedschaft liegt heute bei 31 Prozent, bei den Grünen bei 37 Prozent.
Die absoluten Zahlen der weiblichen SPD-Mitglieder sind seit Einführung der Frauenquote und in
Zeiten des großen Mitgliederschwunds seit Beginn der Schröder-Regierung sogar rückläufig. „Der
Anstieg des Frauenanteils an der Mitgliederschaft ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass deutlich
mehr Männer die Partei verließen als Frauen,“ schreibt das SPD-Parteimitglied Klaus Funken in einem
Artikel, in dem er engagiert und ohne ernsthafte Resonanz in der Partei das Ende der Frauenquote
fordert. In einem Interview stellt er klar: „Ich kenne kaum jemanden unter den männlichen
Mitgliedern, der unter vier Augen nicht zugibt, dass die Quotenregelung in der SPD ein Flop ist und
abgeschafft gehört.“

Der Frauenanteil der Grünen ist (nach der Linkspartei) der höchste der deutschen Parteien, mit 37
Prozent allerdings enntäuschend niedrig angesichts der Tatsache, dass Frauen über die Quote hinaus
durch das grüne „Frauenstatut“ in vielfacher Weise gegenüber Männern privilegiert werden und dass
die Grünen in der zweiten Frauenbewegung eine ihrer wesentlichen Wurzeln haben. Im vergangenen
Jahr reagierte die grüne Parteiführung darauf mit einer Werbekampagne, die bis heute für verärgerte
Kommentare sorgt.

Gleichstellung

Sitzt sicher - nicht trotz, sondern auch wegen der Frauenquote

Besser DU als irgendein Kerl – das Motiv wurde so ähnlich auch noch für andere Parteigrößen
durchgespielt. Anstatt also Frauen zu größerem Engagement aufzurufen (vielleicht einfach mal mit
einem Slogan wie: „Jetzt seid ihr mal dran!“), machte die Parteiführung damit eben das Engagement
der Männer schlecht, auf das die gesamte Partei mit ihren vielen quotierten Posten baut. Zudem
transportiert die Kampagne ein DSDS-Verständnis von Politik – als ob es bei der Parteiarbeit nicht
vorwiegend darum ginge, sich für eine gemeinsame Sache zu engagieren, sondern darum, möglichst
schnell berühmt zu werden und um Spitzenpositionen zu konkurrieren. Obwohl also die grüne Partei
das geringe politische Engagement von Frauen als Problem begreift, schreckt sie davor zurück, an ihr
gesellschaftliches Verantwortungsgefühl zu appellieren, sondern inszeniert lieber eine bemüht
ironische Superstar-Suche, die unverhohlen auf Ressentiments gegen eben die Menschen baut, die
den ganzen grünen Apparat aufrechterhalten.

Der Hintergrund: De facto reproduziert die Frauenquote überkommene bürgerliche


Geschlechtermodelle, in denen Männer für die Versorgung von Frauen – und in diesem Fall eben: die

167
Versorgung mit Parteiposten – arbeiten. In der Gehässigkeit gegenüber den männlichen
Parteimitgliedern (denen die Kampagne übrigens eben die Machtgelüste unterstellt, auf die sie bei
Frauen baut) drückt sich ein grundlegender Widerspruch der Frauenquote aus. Einerseits wird sie
begründet mit dem Hinweis auf männliche Machtstrukturen, die Frauen angeblich aus einflussreichen
Positionen fernhielten. Andererseits wird die Verantwortung, an diesen Strukturen etwas zu ändern,
ausgerechnet an die Männer delegiert. Wie fadenscheinig dies ist, wird schon durch das Gedankenspiel
deutlich, klassische linke Organisationen hätten einmal ähnlich zu agieren versucht. Keiner klassischen
Arbeiterpartei und keinem Arbeiterbildungsverein wäre es eingefallen, ihren Mitgliedern zu
vermitteln, ein Eintreten für die eigenen Interessen sei eigentlich nicht notwendig, weil das ihre
Unterdrücker ohnehin schon für sie erledigen würden.

Welchen Sinn hat dann aber die Quote, wenn sie den vorgeblichen Zweck, das Engagement von Frauen
zu steigern, so offensichtlich verfehlt? Nach der Leipziger Studie aus dem Jahr 2012 gibt es im
deutschen Parteienspektrum zwei Gruppierungen, deren Parteipräferenzen durch erhebliche
Unterschiede zwischen Frauen und Männern geprägt sind: rechtsradikale Gruppierungen, die zu 65
Prozent von Männern bevorzugt, und mit einem noch größeren Unterschied die Grünen, die zu über
70 Prozent von Frauen präferiert werden. Während die Basis der Partei also zu fast zwei Dritteln aus
Männern besteht, wird sie in ihrer potenziellen Wählerschaft zu weit über zwei Dritteln von Frauen
bevorzugt. Einfach gesagt: Würden die Grünen nicht in parteiinterne demokratische Prozesse
eingreifen, würde sich also das starke zahlenmäßige Übergewicht von Männern im Engagement an der
Parteibasis auch in einem Übergewicht bei den Parteiposten ausprägen, dann könnte sich die Partie
ihren Wählerinnen – auf die sie baut – nicht mehr erfolgsversprechend verkaufen. So hat die
Frauenquote vor allem einen bedeutenden Werbewert: Sie schafft in der öffentlichen Präsentation der
Partei die Illusion, Frauen würden mindestens im gleichen Maße wie Männer die Parteiarbeit tragen.

Ein tatsächliches Gleichgewicht aber ließe sich nur auf zwei Weisen erreichen: Entweder dadurch, dass
sich immer mehr Männer aus der Politik verabschieden (das aber ist nicht ernsthaft gewollt, auch wenn
es manchmal so aussieht), oder dadurch, dass bedeutend mehr Frauen sich engagieren. Statt diesen
einfachen Zusammenhang deutlich zu machen, gaukelt die Quote Frauen vor, dass für ihre Interessen
auch ohne ihr Engagement gesorgt sei und dass Männer verpflichtet wären, diese Aufgabe zu
übernehmen. Das ist gleich in doppelter Weise unverantwortlich: Weil die Quotenpolitik bei
eingelullten Frauen wie bei abgeschreckten Männern demokratisches Engagement verhindert und
weil sie überlebte Geschlechterklischees betoniert.

Parteien als Institutionen zur Verhinderung von Demokratie

Die Quotenpolitik baut auf ein elitäres Demokratieverständnis – dass nämlich demokratische Prozesse
vielleicht ganz schön und gut seien, dass sie aber gezüchtigt werden müssten, um zu gewährleisten,
dass auch etwas Gutes bei ihnen herauskommt. Das ist problematisch nicht nur, weil so
Parteipositionen auf sehr ungerechte Weise verteilt werden, sondern vor allem deswegen, weil diese
Politik insgesamt den demokratischen Austausch in den Parteien verhindert. Auf der einen Seite
konkurrieren relativ viele Männer um relativ wenige Posten, so dass unter den gegenwärtigen
Bedingungen der deutschen Parteipolitik (unter denen jemand, der sich in irgend einer Weise
angreifbar macht, kaum eine Chance hat) ein erheblicher Konformitätsdruck entsteht. Wer etwa offen
gegen die Geschlechterpolitik der Partei opponiert, würde seine Chancen auf einen Aufstieg erheblich
schmälern. Bei Frauen auf der anderen Seite gibt es auf vielen Ebenen sogar zu wenige Kandidatinnen
für die zur Verfügung stehenden Posten, so dass hier eine demokratische Kontrolle weitgehend
zurückgeschraubt wird. Es ist angesichts solcher Strukturen fast ausgeschlossen, dass einige
kontroverse Themen etwa zur Geschlechterpolitik offen diskutiert werden können – selbst und gerade
dann, wenn es um so schwerwiegende Probleme geht wie die Verletzung von Grund- und
Menschenrechten durch die Politik der eigenen Partei. Ihrem demokratischen Auftrag, für den sie

168
immerhin erhebliche Summen aus Steuermitteln erhalten, können die Quotenparteien so nicht
gerecht werden.

Ganz im Gegenteil – sie werden regelrecht zu Institutionen der Verhinderung demokratischer Prozesse.
Da das Engagement an der Basis zum überwiegenden Teil von Männern getragen wird, da die Quote
aber gerade die Möglichkeiten von Männern wesentlich begrenzt, ist die Frauenquote ein Instrument,
mit dem sich das Parteiestablishment gegen Impulse und Konkurrenten von der Basis schützen kann.
Die Quote ist, wenn sie erst einmal eingeführt ist, eine sich selbst tragende und sich selbst
reproduzierende Institution.

Dass das in Kauf zu nehmen sei, weil ja im Gegenzug Frauen gefördert würden, ist zudem ein
fragwürdiges Argument. Schließlich verdanken die Quotenfrauen ihren relativ einfachen Zugriff auf
einflussreiche Positionen eben gerade dem Missverhältnis, dass einer relativ großen Anzahl von Posten
relativ wenige Kandidatinnen zur Verfügung stehen. Sie haben also ein starkes Interesse daran, Frauen
eben nicht zu fördern. Möglicherweise sind gerade die Selbstverpflichtungen der rot-grünen Parteien
auf feministische Verhärtungen, auf Quotenpolitik und die Ausgrenzung von Männerinteressen
Bestandteil einer daraus folgenden Abschottungspolitik – nicht-feministischen Frauen werden in
diesen Parteien Hürden aufgebaut, die geeignet sind, sie von einem Parteiengagement abzuhalten.

Ein klassisches Gegenargument gegen den Vorwurf, die Frauenquote sei undemokratisch, verweist
darauf, dass durch die Quote demokratische Prozesse ja überhaupt erst ermöglich würden. Wenn es
keine „kritische Masse“ von Frauen in der Partei und auf Parteipositionen gäbe, dann würden Frauen
so weit marginalisiert, dass sie zu demokratischen Prozessen faktisch nichts beitragen könnten. Daher
sei es wichtig, sie eine Weile durch die Quote zu unterstützen. Nach den Erfahrungen der Parteien mit
der Quote lässt sich heute sicher sagen, dass dieses Argument irreführend ist. Die Quote ist nicht
einfach eine Art politischer Aktivierungsenergie, die für begrenzte Zeit nötig wäre, um Frauen in
Positionen der Handlungsfähigkeit zu bugsieren. Wenn die Quote erst einmal eingeführt ist, dann
bleibt sie auch – sogar und gerade dann, wenn sie sich als sinnlos oder schädlich erwiesen hat. In der
SPD beispielsweise war sie 1988 beim Parteitag in Münster nur unter der Bedingung einer zeitlichen
Begrenzung überhaupt eingeführt worden – und diese Begrenzung wurde dann 2003 beim Parteitag
in Bochum ohne weitere Diskussionen aufgehoben. Zu den Privilegien der Quotenprivilegierten gehört
es eben auch, dass sie durch die Quote auf Machtpositionen geschoben werden, von denen aus sie
Bedrohungen ihrer Privilegien abwehren können.

Warum aber haben die rot-grünen Parteien keine Angst davor, dass Männer von einem Engagement
und einer Wahl abgeschreckt werden könnten? Anzunehmen, dass Männer schlicht rundweg von der
Vernünftigkeit der Quotenpolitik überzeugt seien, ist angesichts der erheblichen Gründe gegen sie
kaum zu erwarten. Diese Politk ergibt nur dann einen Sinn, wenn man ihr abermals ein überaus
klischeehaftes Verständnis der Geschlechter unterstellt. Offenkundig baut sie darauf, dass Männer von
allen möglichen Interessen – sei es das der sozialen Gerechtigkeit, des Umweltschutzes, des
Atomausstiegs, des Mindestlohns oder anderes – geleitet seien und dafür die Quoten schlicht in Kauf
nähmen, dass zugleich diese Quoten für Frauen aber ein erheblicher Wahlanreiz wären. Das bedeutet:
Hinter der Quote steht die stillschweigende Annahme, dass Männer sich durch Gemeininteressen,
Frauen sich aber nur durch Fraueninteressen engagieren ließen.

Aggressiv? Wer ist hier aggressiv?

Die Frauenquote schafft also in den Parteien Strukturen, die eine demokratische Diskussion verhindern
und die bestimmte Themen – und das sind beispielsweise Themen der Männerrechtsbewegung –
ausgrenzen. Auch vor diesem Hintergrund lässt sich daher argumentieren, dass Texte wie die vor
Gesterkamp für die Ebert-Stiftung oder von Rosenbrock für die Böll-Stiftung eine Auseinandersetzung
mit Männerrechten nicht einmal beabsichtigen, sondern dass ihr Zweck vorwiegend darin besteht,

169
dysfunktionale Parteistrukturen durch die Abwehr möglicher Kritik zu stützen. Gerade weil die
Frauenquote dirigistisch in demokratische Prozesse eingreift, sind immer weitere dirigistische Eingriffe
und Ausgrenzungen nötig, um die so entstehenden Strukturen vor Veränderungen zu schützen. So
zeigt sich denn in der Quotendiskussion aber eben auch, wie defensiv und vorsichtig die gern als
aggressiv präsentierten Männerrechtler weiterhin agieren – während Frauenpolitikerinnen auch dann
ausgesprochen offensiv, selbstbewusst und mit hoher Bereitschaft zur politischen Intrige operieren,
wenn ihre Argumente fadenscheinig sind. Obwohl es eigentlich schon längst um die Abschaffung der
Quoten in den politischen Parteien gehen müsste, haben Gegner und Gegnerinnen der Quote heute
alle Hände voll damit zu tun, wenigstens zu verhindern, dass nun auch noch Wirtschaftsunternehmen
auf die in der Politik gescheiteren Quoten verpflichtet werden.“

Anhand dieser Schilderungen stellt sich ernsthaft die Frage, wo dieser genderchauvinistische
Schwachsinn noch eine Gleichberechtigung und Beseitigung von „Frauendiskriminierung“ darstellen
soll. Das gilt umso nachdem die CSU die Quote deshalb eingeführt hat, um dies mit der
Außendarstellung und Erhöhung des Anteils weiblicher Mitglieder zu begründen. Mit den gleichen
Argumenten haben, wenn auch erfolglos, die weiblichen Mitglieder versucht eine Quote einzuführen.
Das Dokumentiert ebenfalls, mit welch fragwürdigen Argumenten das gerechtfertigt wird.

1.1.1.2 Frauenquote Bündnis ‘90/die Grünen

Bezüglich der Argumentationsschiene der Partei bezüglich der angeblichen Beseitigung von
„Frauendiskriminierung“ sei folgendes ausgeführt. Bereits unter Abs. 39 des Grundkonsenses geht
klar hervor, dass die Praktiken eine rein willkürliche politische Zielstellung darstellen. Es soll durch
eine reine Privilegierung von Frauen in Rahmen einer „Frauenförderung“ eines politischen Ziels eine
„Gleichberechtigung“ i.S. einer numerischen Mindestgleichverteilung dauerhaft in allen Bereichen der
politischen Willensbildung herbeizuführen. Es besteht ein hoher Erklärungsbedarf, was diese
Privilegierung noch mit „Gleichberechtigung“ zu tun hat. „Gleichberechtigung“ bedeutet, gleiche
Rechte haben und nicht numerisch „gleichverteilt“ oder gar „mindestgleichverteilt“ zu sein. Die in Abs.
41 des Grundkonsenses genannten Forderung „Voraussetzungen dafür sind: Entsprechende
Mitwirkungsmöglichkeiten zu schaffen, die es für Frauen attraktiv machen, sich zu beteiligen.“ Geht
klar hervor, dass lediglich um die Steigerung des Beteiligungswillens durch Erhöhung von
„Attraktivität“ i.S. einer Privilegierung der weiblichen Mitglieder geht und nicht um einen möglichen
Nachteilsausgleich i.S. des Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG. Damit ist ein derartiger Eingriff in die parteiinterne
Demokratie nicht mehr gerechtfertigt. Ebenso ist das in Abs. 39 postulierte Ziel „paritätische
Beteiligung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen zu verwirklichen“. Auch
hier ist bis jetzt niemand auf die Idee gekommen, eine Frauenquote für die Bundeswehr, die
Feuerwehr, den Polizeidienst, den Kampfmittelräumdienst, den Sprengberechtigten, der
Bundespolizei oder dem Sondereinsatzkommando zu fordern. Zu einer „paritätischen Beteiligung“ von
Frauen in „allen Gesellschaftsbereichen“ gehört auch die Landesverteidigung, die öffentliche
Sicherheit, sowie die Kriminalitäts- und Brandbekämpfung. Ebenso bemerkenswert ist, die
Einseitigkeit, des „historischen Abrisses“ der Frauenbewegung. Von der Männerbewegung und dem
männerfeindlichen Familienrecht ist im Grundkonsens nichts zu finden. Allein schon, dass wegen der
Einseitigkeit der Betrachtung gesellschaftlicher Entwicklungen die Verwirklichung einer politischen
Zielstellung durch derart massive Eingriffe in die Demokratie, gerechtfertigt werden sollen, kann ein
möglicher Nachteilsausgleich für die weiblichen Mitglieder und der weiblichen Bevölkerung nicht mehr
in Betracht kommen. Ferner muss darauf hingewiesen werden, wie im nachfolgend noch ausführlicher
dargelegt wird, dass die in Abs. 39 des Grundkonsenses postulierte politische Zielstellung sowohl in
evolutionärspsychlogischer wie auch statistischer Hinsicht nicht verwirklicht werden kann. Allein schon
deshalb kann ein derart massiver Eingriff in die demokratische innere Ordnung der Partei nicht mehr
gerechtfertigt und legitimiert werden. Das ist keine Partei mehr, das ist ein genderchauvinistisches
System aus lila Pudeln und opportunistischen Karriereweibchen. Den Karriereweibchen geht es nur
noch um die Sicherung ihrer Frauenprivilegien und nicht mehr den Einsatz von Frauenrechten. Und die
170
lila Pudel, die zu regelrechten Schleimleckern mutiert sind, scheinen darauf aus zu sein, ständig die
Hähne in den Körben sein zu können. So kann der Partei nur die Empfehlung ausgesprochen werden,
sich in „die Lilalen“ umzubenennen, den lila Pudel als Parteilogo einzuführen und die Farbe Lila zur
Parteifarbe zu küren. Diese Symbole dürften der Partei besser zu Gesicht stehen, als Grün als
Parteifarbe, die Sonnenblume als Logo und die Bezeichnung „die Grünen“. Ferner dürfte es
angemessener sein bei parteiinternen Wahlen an die Gewählten keine Blumensträuße sondern lila
Plüschtiere zu verteilen.

Weiter heißt es im Grundkonsens

„(56) Wir sind uns gleichwohl bewusst, dass die Gesellschaft von widerstreitenden Interessen
durchdrungen ist. Wo für uns die Suche und das Bemühen um Konsens oder überzeugende
Kompromisse scheitern, sind wir gewillt, die nötigen Konflikte und Konfrontationen einzugehen.
Dialog- und Konfliktbereitschaft gehören gleichermaßen zu den Bestandteilen unserer Politikfähigkeit.

(57) Wir wollen unsere praktische Politik nicht aus vorgefertigten Weltbildern ableiten, sondern
konsequent,
von den vorfindbaren Problemen ausgehend, die notwendigen und angemessenen Lösungen suchen.
Dabei kann das Überschreiten heutiger »Systemgrenzen« weder ein Ziel an sich noch ein Tabu sein.
(58) Unsere politische Kultur soll einladend und aufnehmend und nicht abweisend und ausgrenzend
sein. Sie ist darauf orientiert, Ängste abzubauen und Bereitwilligkeit für die notwendigen
Veränderungen zu wecken. Sie soll die Bereitschaft stärken, für die eigenen Einsichten und
Überzeugungen auch dann einzustehen, wenn sie nicht mit den herrschenden Ansichten konform
gehen.

(59) Eine solche politische Kultur schließt die entschiedene Stellungnahme gegen alle Arten und
Tendenzen
ein, aufgrund von Lagermentalitäten oder irrationalen Ängsten und Projektionen anderen Menschen
die gleichberechtigte Teilnahme an den politischen Prozessen zu verwehren. Sie fordert von uns
Fantasie und vielfältige Aktivitäten, um die Einbeziehung der Ausgeschlossenen oder von
Ausschließung Bedrohten zu erreichen. In diesem Sinne sind wir bemüht, die missverstehende
Unterstellung im politischen Diskurs unter
uns wie auch mit anderen zu vermeiden.

(60) Wir suchen für unsere politische Arbeit und Reformziele AnsprechpartnerInnen und Verbündete
in der Gesellschaft. Unser Politikstil ist daher – auch im Konflikt von Interessen und Bewertungen –
auf Dialog, d.h. auf Klärung und gewaltfreie Auseinandersetzung orientiert. Wir streben jenseits von
Vorurteilen und ideologischer Engstirnigkeit eine demokratische Kultur des Streites an. Unseren
Grundwerten folgend erwächst unsere Politik aus der Offenheit von Gefühl und Verstand und
konzentriert sich auf rationale Überlegungen, Sachfragen und die Erarbeitung umsetzbarer Konzepte.
Der Verständigung sind allerdings dort Grenzen gesetzt, wo unsere definierten Grundwerte gewaltsam
verletzt werden.

(61) Unsere politische Meinungs- und Willensbildung vollzieht sich öffentlich und soll die sachliche
Auseinandersetzung und das öffentliche Problembewusstsein fördern. Wir initiieren und unterstützen
weit über unsere Organisation hinausgehende öffentliche Diskurse zu allen gesellschaftlichen
Lebensfragen. Dadurch wollen wir die Bürgerinnen und Bürger zu politischer Verantwortung anregen
und in konkretes Handeln einbeziehen. Individualität der Einzelnen sowie Vielfalt der Erfahrungen und
Meinungen werden als wichtige Quelle von Ideen und schöpferischer Entwicklung anerkannt.“

Wo bitte ist das im Bereich der „Genderpolitik“ noch gewährleistet, wenn alle, die sich diesem
widerwärtigen genderchauvinistischen System aus lila Pudeln und opportunistischen

171
Karriereweibchen, widersetzen ins Abseits gedrängt werden und ein Dialog zur ansatzweisen
Entschärfung dieser undemokratischen genderchauvinistischen Praktiken nicht möglich ist? Wo bitte
ist die Forderung „Eine solche politische Kultur schließt die entschiedene Stellungnahme gegen alle
Arten und Tendenzen ein, aufgrund von Lagermentalitäten oder irrationalen Ängsten und Projektionen
anderen Menschen die gleichberechtigte Teilnahme an den politischen Prozessen zu verwehren.“
erfüllt, wenn Männer gezielt z.B. in der Frauenkonferenz oder dem Frauenrat ausgegrenzt werden?
Wo ist in der Partei eine „gleichberechtigte“ Teilnahme gewährleistet, wenn die weiblichen Mitglieder
derart privilegiert werden? Wo findet in der Partei einer Auseinandersetzung „jenseits von Vorurteilen
und ideologischer Engstirnigkeit eine demokratische Kultur des Streites“ in Bezug auf diese
genderchauvinistischen Praktiken statt, wenn eine „ideologische Engstirnigkeit“ unter Missachtung
von Verfassungsprinzipien und Gesetzen durch Frauenprivilegierung eine „numerische
Gleichverteilung“ ungeachtet des Beteiligungswillens und des Interesses der Frauen in allen Bereichen
der politischen Willensbildung gezielt herbeigeführt werden soll ? Einen derart krassen gegen Satz ist
an andere Stelle in der Politik nicht festzustellen und dokumentiert, mit welch zweifelhaften
Demokratieverständnis und Doppelzüngigkeit hier operiert wird. Außerdem dem stellt sich hier die
Frage, was für ein „Problembewusstsein“ denn „gefördert“ werden soll. Ist das, dass die Frauen
deutlich weniger Interesse in der politischen Willensbildung und dieses durch massive Eingriffe in
Demokratie „gefördert“ werden soll oder das es mit diesen undemokratischen verfassungs- und
rechtswidrigen genderchauvinistischen Frauenförderschwachsinn nicht mehr so weiter gehen kann.
In Grundsatzprogramm189 steht „Selbstbestimmung setzt auf die gleichen Rechte, gleiche Freiheiten
und gleiche
Verantwortlichkeiten für jede und jeden Einzelnen und löst traditionell männlich geprägte Hierarchien
auf.
[….]Eine demokratische Gesellschaft bietet für Frauen und Männer die gleichberechtigte Chance zur
Beteiligung am demokratischen Willensbildungsprozess und in der Wahrnehmung politischer Ämter.
Die Geschlechterfrage ist darum eine zentrale Demokratiefrage, weil erst über die nicht nur formale
Anerkennung von grundsätzlicher Gleichheit in allen gesellschaftlichen Bereichen die Anerkennung der
Verschiedenheit zur Geltung kommt.“ Wo haben in der Partei die männlichen und weiblichen
Mitglieder die „gleichen Recht, die gleichen Freiheiten, […} und gleichberechtigte Chance zu
Beteiligung“? Und wo kommt „nicht nur zur formalen Anerkennung […] die Anerkennung der
Verschiedenheit zur Geltung“, und zwar in der Einsicht, dass sich die Frauen bei weitem nicht in dem
Maße wie die Männer an der politischen Willensbildung beteiligen wollen? Allein das dokumentiert
doch mit welch widersprüchlichen Argumenten diese Praktiken noch gerechtfertigt werden. Das gilt
umso mehr, als dass im Grundsatzprogramm s.132-140 klar hervorgeht, dass es sich ausschließlich um
politische Willkür handelt und nicht um ein reine Beseitigung von Frauendiskriminierung.

Angesichts des Umstandes, mit welch fanatischer Besessenheit an diesen Praktiken festgehalten wird,
kann die Sache nicht mehr hingenommen werden. Dieser Durchsetzungswille nimmt langsam
krankhafte Züge fanatischer Besessenheit an. Die Denkweise, mit der operiert wird, erinnert sehr an
einem gut situierten Mann, der Versucht eine Frau „rumzukriegen“, in dem er ihr unter massiven
Ressourceneinsatz viele Annehmlichkeiten anbietet. Und viele Karriereweibchen pochen
Nachvollziehbarerweise auf ihre Privilegien. Das Verhalten der Männer lässt sie nur mit o.g. Gründen
erklären. Ferner muss der Eindruck entstehen, dass viele einen Amazonenstaat errichten und eine
matriachische Gesellschaft etablieren zu wollen. Und wenn das mit zulässigen Mitteln wegen
mangelnder Mitwirkung durch die Frauen nicht funktioniert, wird mit Brachialgewalt nachgeholfen.
Für seinen Teil lässt sich der Beschwerdeführer nicht mehr eintrichtern, dass dieser Schwachsinn ein
notwendiges unumgängliches Übel sein soll, da die Gleichberechtigung noch nicht hergestellt sei, nur
weil die numerische Gleichverteilung nicht stimmt und sich permanent herausstellt, dass der
Beteiligungswille der Frauen an demokratischen Entscheidungsprozessen speziell beim passiven
Wahlrecht bei weitem nicht so ausgeprägt ist, wie bei den Männern. Immer wieder wird einem

189
Grundsatzprogramm S 134
172
vorgehalten, dass man „Männernetzwerke“ in der Politik durchbrechen müsse, damit Frauen eine
Chance hätten in die Parlamente einzuziehen. Auf anderen Gebieten des Lebens scheinen Frauen
bestens „Netzwerke“ bilden zu können und es zeigt sich, dass durch höhere soziale Kompetenz und
Kommunikationsfähigkeit gewisse Vorzüge haben. Weshalb eine „Vernetzung“ ausgerecht in
Wirtschaft und Politik nicht funktionieren soll ist dem Beschwerdeführer schleierhaft. Außerdem
scheinen viele nicht einsehen zu wollen, dass für eine Unterrepräsentanz noch andere Faktoren und
Erklärungsmodelle eine Rolle spielen könnten.

Zumindest waren die Mitglieder der Wahlorgane gehalten, diese Praktiken einer umfänglichen Prüfung
auf rechtliche Zulässigkeit vorzunehmen. Was wohl nur marginal erfolgt ist.

Soweit es um Wahlen von Delegierten geht, so dürften auch diese wegen dieser Praktiken nichtig sein.
Da wahrscheinlich auch zu Wahlversammlungen zur Wahl von Direktkandidaten Delegierte zu wählen
sind, könnte auch deren Wahl nichtig sein, wenn ein bei einer Vielzahl dieser, in Extremfall bei allen,
deren Wahl wegen Gesetzesverstößen nichtig ist. Ebenso hat der LV Bayern der Partei SPD bei
Direktbewerbungen eine Quotenregelung in dessen Satzung verankert. Hierzu wäre u.U. eine
Einzelfallprüfung erforderlich.

Im Urteil BVERFGE 103, 89 heißt es:

„Im Privatrechtsverkehr entfalten die Grundrechte ihre Wirkkraft als verfassungsrechtliche


Wertentscheidungen durch das Medium der Vorschriften, die das jeweilige Rechtsgebiet unmittelbar
beherrschen, damit vor allem auch durch die zivilrechtlichen Generalklauseln (vgl. BVerfGE 7, 198 [205
f.]; 42, 143 [148]). Der Staat hat auch insoweit die Grundrechte des Einzelnen zu schützen und vor
Verletzung durch andere zu bewahren (vgl. BVerfGE 46, 160; 49, 89; 53, 30; 56, 54; 88, 203).“ Rn 29

Daraus lässt sich klar ableiten, dass auch Parteien, die Grundrechte der Mitglieder, vor das der
Gleichbehandlung zu achten haben.

Wie noch im nachfolgenden zu zeigen ist, kann die politische Zielstellung „Gleichberechtigung und
paritätische Beteiligung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen zu
verwirklichen“ schon vom Grundansatz her nicht verwirklicht werden. Ebenso dokumentieren diese
Regelungen, wie einseitig die Programmatik der Parteien, insbesondere Bündnis ‘90/die Grünen, auf
die Frauen ausgelegt ist und die Männer nahezu unberücksichtigt bleiben. Zwar ist es mit dem
Grundgesetz und der politischen Willensbildung vereinbar, sich nur mit den Belangen bestimmter
Personengruppen, hier Frauen, zu befassen. Zur Verwirklichung derartiger politischer Zielstellung ist
aber ein derart massiver Eingriff ins Wahlrecht und die parteiinterne Demokratie dagegen nicht
zulässig. Hinzukommt, dass die Partei bislang keine Anstalten gemacht hat, „Frauenförderung“ für den
sogenannten „gläsernen Keller“ zu betreiben. So gibt es bislang keine Quotenregelungen für die
Bundeswehr, die Feuerwehr, den Kampfmittelräumdienst, den Sprengberechtigten, Polizeidienst, dem
Sonder-einsatzkommando etc. pp. Ebenso treffen 93 % aller tödlichen Arbeitsunfälle Männer, weil
hauptsächlich Männer diejenigen sind, die Tätigkeiten ausüben, die mit hohen Risiken für das Leben
und der körperlichen Unversehrtheit verbunden sind. Ebenso sind unter den
Bundeswehrangehörigen, die bei Auslandseinsätzen umgekommen sind, fast alles Männer.
Eine Debatte um eine Frauenförderung, damit die Frauen nicht nur die gläserne Decke durchstoßen,
sondern auch noch in den gläsernen Keller eindringen können, findet nicht statt. Selbiges gilt auch für
die Rechte der Männer im Allgemeinen und im Speziellen für die Väter und die Jungen im
Bildungssystem. Jetzt kann sich mal die Politik mit faktischen Nachteilen, die typischer Weise Männer
treffen, befassen.

173
In einer Entscheidung des Bundesfrauenrates 190 heißt es „Offensive Frauenpolitik unterscheidet uns
von den anderen Parteien, deshalb muss sie auch für Außenstehende sichtbarer und verständlicher
werden und von allen als Alleinstellungsmerkmal wahrgenommen werden. […] Wir müssen dafür
sorgen, dass kein Kandidat an der Quote und an einem Frauenvotum vorbeikommt. Ausdruck unseres
demokratischen Selbstverständnisses ist das Frauenstatut, das mit der dort verankerten Quote Frauen
die mindestparitätische Vertretung auf Listen und in Parteigremien garantiert. Als Instrument zur
Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit gilt die Quote natürlich erst recht für alle Gremien, die
keinen Satzungsrang genießen, sondern von Parteivorständen eingesetzt werden. Und sie gilt
selbstverständlich auch dann, wenn nur eine (Spitzen)Position zu besetzen ist, in der Form, dass in
diesem Fall eine Frau den Vorzug hat [oder zumindest ein quotiertes Spitzenteam präsentiert wird].“
Daraus geht klar hervor, dass es nicht mehr um Gleichberechtigung geht sondern ganz andere Motive
eine zentrale Rolle spielen.
Aus einem namenhaften Politmagazin heißt es „Die aus dem Rathaus verbannten GAL-Männer hätten
sich freilich nur auf die Verfassung zu berufen brauchen•. wenn sie die Frauenliste hätten kippen
wollen: Das Nominierungsverfahren wäre dann, wie Juristen meinen. für grundgesetzwidrig erklärt
worden. Den Grünen liegt seit zwei Jahren ein - von ihnen selbst in Auftrag gegebenes - Gutachten des
Frankfurter Rechtsanwaltes Michael Hofferbert vor. Darin heißt es, eine ,,allgemeine Wahl" wie sie das
Grundgesetz vorschreibt sei dann nicht mehr gewährleistet wenn jemand seines/ihres Geschlechts
wegen an der Ausübung des passiven Wahlrechtes gehindert worden ist. Auch das hei Grünen beliebte
Reißverschlussverfahren- ungerade Plätze für Frauen: gerade für Männer - sei nicht statthaft, weil laut
Grundgesetz „die Unterscheidung zwischen Mann und Frau als Kriterium für die Wahrnehmung von
Grundrechtsbefugnissen unzulässig ist". Ähnlich sieht es GAL-Funktionär Erwin ( .. Erwinowitsch")
Jurtschitsch. Der selber zu den Befürwortern der Frauenliste zählt und sich als Anhänger einer
"positiven Diskriminierung von Männern" bezeichnet. "Verfassungsrechtlich''. räumt er ein , hätte der
Männer Ausschluss "keine Chance" gehabt.
Realisierbar gewesen sei die Liste nur, weil sie .,vom breiten Konsens" getragen worden sei. Denn wenn
auch nur ein einziger Kandidatur williger GAL-Mann gegen die Frauen-ldee vorgegangen wäre, meint
Frauenrechtler Jurtschitsch, "hätte es eine Katastrophe gegeben".“
Damit hat die Partei selbst zugegeben, dass dieser undemokratische genderchauvinistische
Schwachsinn rechts- und verfassungswidrig ist. Ob sich das fragliche Gutachten von Herr H. noch
beschaffen ließe kann offenbleiben.
Damit gibt es hier ein weiteres Argument, an dessen hoher Klärungsbedarf besteht, wie diese
Verfahren durch das Sozialstaatsprinzip nach Art. 20 Abs. 2 GG und dem Gleichberechtigungsgebot
nach Art. Abs. 3 Satz 2 GG noch seine Legitimationsgrundlage haben soll.

1.1.1.3 Bündnis ‘90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt

Soweit es der Beschwerdeführer bezeugen kann, ging bei den parteiinternen Debatten u.a. zur
Satzungsänderung auch um die Außendarstellung. Anhand der Statistiken, lässt darlegen, dass speziell
bei Bündnis ‘90/die Grünen, die Außendarstellung dieser Praktiken eine große Rolle spielt, da der
Zuspruch unter den weiblichen Wahlberechtigten mit am größten ist. Tatsächlich ist bei Bündnis
‘90/die Grünen der Zuspruch unter den Frauen deutlich höher, als bei den Männern. Somit kann
dargelegt werden dass es bei dieser Regelung, die eine bestimmte Zusammensetzung der Landesliste
herbeiführen soll, auch um den Zuspruch gegenüber einer bestimmten Gruppe von Wahlberechtigten
geht. Eingriffe in die Wahlrechtsnormen aus derartigen Motiven sind aber unzulässig. Es muss sich der
Wille der Wahlberechtigten in einer direkten Wahlentscheidung niederschlagen und nicht in dem
ihnen durch satzungsmäßige Vorgaben vorgeschrieben wird, wie sie ihren Willen wiederzugeben
haben.

190
1. Ordentlicher Frauenrat 2006 28. Januar 2006, Berlin
174
Der Beschwerdeführer hatte mehrfach in den letzten Tagungen einzelner Gremien vor der
Wahl den Versuch unternommen, diese Verfahrensweise zu entschärfen. Mehrfach hat man
ihm zu verstehen gegeben, dass die Partei, insbesondere der Landesverband, weder eine
Debatte über die Frauenquote noch eine Entschärfung dieser Verfahrensweise wünscht. So
hatte der Beschwerdeführer beim Landesdelegiertenrat am 10.04.2012 einen Antrag gestellt,
der zum einen das Ziel verfolgte, dass diese Situation entschärft werde und zum anderen, dass
sich der Landesverband mit den Nachteilen von Männern in der Gesellschaft beschäftigen
sollte. Per Antrag zur Geschäftsordnung wurde dieses Vorhaben mit deutlicher Mehrheit
abgeschmettert. Beim Landesparteitag am 12.05.2012 wurde die Satzung überarbeitet. Dort
versuchte der Beschwerdeführer erneut z.B. durch Änderung der Satzung, den Listenplatz 1
als offenen Listenplatz festzusetzen, eine Entschärfung herbeizuführen. Auch hier wurde
diesem deutlich zu verstehen gegeben, dass der Landesverband unter gar keinen Umständen
ein Änderung der bisherigen Praxis wünsche. Begründet wurde dies, dass man nach außen hin
ein signifikantes Unterscheidungsmerkmal, ein sogenanntes „Markenzeichen“ gegenüber
konkurrierenden Parteien haben wolle. Dies betrifft zum einen das Übergewicht an Frauen
in der Bundestagsfraktion und zum anderen die Partei zu sein, die regelmäßig Frauen in den
Spitzenplätzen der Wählerschaft präsentiert. Man überzeugte den Beschwerdeführer, dessen
Anträge bezüglich der Änderung des „Frauenstatuts“ betreffend wegen
Nichtzustimmungsfähigkeit zurückzuziehen. Dieser Akt ist mit zahlreichen Jubelrufen und
Beifallsbekundungen bekleidet worden, was diesen in der Ansicht bestärke, dass seine
Initiativen nicht zustimmungsfähig seien. Beim Landesparteitag am 13. 10.2012 versuchte der
Beschwerdeführer ein letztes Mal per Beschluss den Listenplatz 1 als offenen Listenplatz
festzusetzen. Dies wurde mit Hinweis darauf, dass auch Listenplatz 2 eine reelle Aussicht hätte
in den Bundestag gewählt zu werden, mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

So wie in der internen Auseinandersetzung argumentiert wurde, geht es der Partei nicht mehr
darum, mögliche Nachteile von Frauen auszugleichen, sondern nur noch um das Bild einer
feministischen Partei, einer „Frauenpartei“ nach außen hin aufrecht zu erhalten und das Ziel,
die Parlamente mit mindestens 50% Frauenanteil zu besetzen zu verfolgen. Der
Beschwerdeführer musste somit feststellen, dass sich die Partei als Reformunfähig und
unwillig erwiesen hat.

Obwohl dieses Verfahren bereits seit über 30 Jahren praktiziert wird, hat zwar Bündnis ’90/die
Grünen mit dem höchsten Frauenanteil unter allen Mitgliedern in den Parteien. Dieser Beträgt
aber durchgängig zwischen 30 und 40 %191. Allein der Umstand, dass die Bereitschaft unter
den Frauen, sich politisch zu engagieren und von ihren passiven Wahlrecht Gebrauch zu
machen, in deutlich geringerem Ausmaß auszumachen ist als bei den Männern, kann keine
Rechtfertigung sein, solch scharfe Instrumente zum Einsatz bringen. Dies kann auch nicht
mehr mit Gleichberechtigung, Gleichstellung, Chancengleichheit,… gerechtfertigt werden.
Zumal diese Regelung eine dauerhafte (Ergebnis-)Ungleichheit zu Lasten der Männer
sicherstellen soll. Folglich werden die Belange der Frauen, den Rechten der Männer, den
demokratischen Grundprinzipien und dem Grundgesetz übergeordnet. Insoweit hat sich der
LV als ignorant und reform-resistent erwiesen.

191
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/192247/umfrage/frauenanteil-in-den-politischen-parteien/

175
1.1.1.4 Bündnis ‘90/Die Grünen KV Mansfeld Südharz

Damit sich der Bundestag mal ein Bild von den Zuständen machen kann, sei folgendes hier angemerkt.
Kurz vor der letzten Vorstandswahl erhielt der Vorsitzende folgende Mail „ich schreibe dir heute als
Sebastian und weder als Kreis- noch als Landesvorsitzender und möchte dich darüber informieren, dass
ich im nächsten Kreisvorstand nicht mehr mit dir zusammen arbeiten möchte. Das hat mehrere
Gründe. Einer ist, dass du trotz unseres (wie ich dachte) vorhandenen zusammenarbeitbedingtem und
gewachsenem Vertrauensverhältnis mehrfach ziemlich schräge Aktionen abgezogen hast. Zum Beispiel
hast du mich in Form des LaVos zwei Mal verklagt, was grundsätzlich dein gutes Recht ist. Ich hätte mir
aber gewünscht, dass du zumindest eine Information vorab dazu an mich gibst. Ich bin bei der Klage
vom Verwaltungsgericht bald vom Stuhl gefallen. Ich finde das sehr schade, weil ich immer mein Bestes
gegeben habe, dich trotz deinen selten mit meinen übereinstimmenden Meinungen immer fair zu
behandeln. Das hat mir viel Kraft gekostet, sei es mit Blick auf die Satzungsreform des Landesverbandes
oder den Antrag zur Reform des Urheberrechts. Dazu war ich auch immer gern bereit. Diese Fairness
aber nehme ich von deiner Seite nur selten wahr. Das hat mich auch persönlich getroffen. Ohne eine
Ansage oder auch nur eine Problemanzeige deinerseits verklagt zu werden, hat für mich persönlich
den Bogen überspannt. Mir ist deshalb die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dir gemeinsam in
unserem Kreisvorstand nicht mehr möglich; für mich ist das Verhältnis zu dir nachhaltig beschädigt. Ich
möchte dich daher bitten, nicht erneut für den Kreisvorstand zu kandidieren. Denn ich fände es
unschön, diese Sache zwischen uns auf der Mitgliederversammlung (schlimmstenfalls vor der Presse)
auszutragen.
Notfalls wäre ich aber auch dazu bereit. Ich möchte dich herzlich bitten, in unser aller Interesse diese
Mail vertraulich zu behandeln.“

Kurz auf der Vorstandswahl hatte der Vorsitzende den „Frauen- und Genderrat “ des LV zur
MV eingeladen um über die Wichtigkeit der „Frauenförderung und Frauenquote“ referieren
zulassen um jedwede Kritik an diesen undemokratischen Praktiken zu unterbinden.
Hintergrund ist der, dass der Beschwerdeführer zuvor versucht hat die Wahl der Landesliste
wegen dieser undemokratischen Praktiken anzufechten. Der Versuch blieb wegen fehlender
Zulassungsvorrausetzung im Lichte des § 14 PartG erfolglos. Herr L. hatte nicht das Recht
willkürlich Verfahrensweisen festzusetzen die Satzungsmäßig nicht vorgesehen sind und
zugleich gegen verfassungsmäßiges wie auch einfach gesetzliches Recht verstoßen.

1.1.1.5 Andere Quoten

Ebenso unzulässig sind auch anders geartete Formen von Quotenregelungen, wie die Jugendquote, die
Migrantenquote, die Ossiquote oder die Neuenquote. Zumal bezüglich der Migranten mit der Herkunft
neben den Geschlecht ein weiteres Merkmal haben, wonach im Sachbereich Wahlen nicht
ausdifferenziert werden darf. Somit wird auch bei anderen Quoten gegen die Allgemeinheit, Gleichheit
und Freiheit der Wahl sowie der Treuepflicht auf Gleichbehandlung und der Gleichheit des Zugangs zu
jedem Wahlamt verstoßen. Soweit sich die Vorwürfe auf Migranten und Jugendquoten erstrecken, so
scheinen sich die Fälle auf Wahlen von Vorständen und Delegierten in Einzelfällen, so dass davon
ausgegangen werden muss, dass sich die Rechtsverstöße nicht mit an Sicherheit grenzender
Mandatsverteilung ausgewirkt haben können. Soweit sich die Vorwürfe aber auf die Neuenquote
erstrecken, so ist die Mandatsrelevanz zu bejahen, da diese unmittelbar bei der Wahl der Landeslisten
zur Anwendung kommt. Ein Fördergebot „zur Beseitigung faktischer Nachteile, die typischer Weise“
Migranten, Jugendliche und Politneulinge treffen, sieht das GG nicht vor. Insoweit besteht hoher
Klärungsbedarf, wo diese Quotenregelungen noch den gesetzlichen Normen entsprechen sollen. Dem
Beschwerdeführer wurden Informationen zu Teil, wonach es Bestrebungen in der SPD geben soll, eine
Behindertenquote für alle Wahlämter, d.h. auch bei der Kandidatenaufstellung einzuführen. Zwar
schließt Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG ein mögliche Privilegierung Behinderter nicht völlig aus: Das aber
176
hieraus eine Zulässigkeit zur Einführung von bestimmten Kontingenten oder gar Mindestkontingenten
an Wahlämtern und weiterer Sonderrechte bei der politischen Willensbildung gegeben sein soll, muss
ernsthaft bezweifelt werden. Insoweit ist eine verfassungsrechtliche Überprüfung von
Quotenregelungen aller art im Sachbereich Wahlen unumgänglich.

1.1.1.6 Entscheidungs und Spruchpraxis des Bundestages

I) Es besteht hoher Klärungsbedarf, weshalb die Gründe des Beschwerdeführers nicht


durchgreifen sollen, da dieser umfassende, mit zahlreichen Rechtsnachweisen
unterfütterten, Angaben gemacht hat. Unter den hier geschilderten Umständen muss der
Zweck der Wahlprüfung im Zweifel gezogen werden. Es ist mehr als offensichtlich, dass
der Bundestag diese zu eigennützigen Zwecken missbraucht. Für solch einen Akt ist die
Wahlprüfung im Bundestag nicht gedacht. Wenn das GG eine Rechtsmittelinstanz
vorsieht, dann muss diese auch tatsächlich Erfolg haben können. Das ist aber dann nicht
mehr der Fall, wenn die erste Instanz unter Missachtung von Rechtsstaatsprinzipien und
Willkür, sowie vorsätzlich falscher Rechtsanwendung die Rechtskontrolle vornimmt. Unter
diesen Umständen stellt die Wahlprüfung im Bundestag ein rein formeller Akt dar der dem
Zweck dient, dass die Wahlberechtigten den Rechtsschutz vor dem BVerfG beanspruchen
können. Die Einführung einer Rechtsmittelinstanz die zu reinen formellen Zwecken
eingeführt wird, um die Zulassungsvorrausetzungen zu Erlangen eines einigermaßen
wirksamen Rechtsschutzes in der nächsthöheren Instanz erhalten und dort ihre
Rechtsschutzbegehren geltend zu können ist, mit dem Rechtsstaatsprinzip nicht zu
vereinbaren. Das gilt umso mehr, als dass der Beschwerdeführer Anträge zur Beiziehung
von Sachverständigen gestellt hat um die Verfassungsmäßigkeit von Frauen und
Geschlechterquoten klären zu lassen. Das Gleiche gilt für die Beiziehung des Dokuments
des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. Das Entspricht bereits § 5 Abs. 3
WahlPrG.

Der Beschwerdeführer hat umfassen Angaben darüber gemacht, dass die


Quotenregelungen nicht mehr den gesetzlichen und Verfassungsmäßigen Normen
entsprechen. Dennoch hat dieser an seiner willkürlichen Rechtsauffassung festgehalten,
ohne auf die Begründung des Beschwerdeführers einzugehen. Er hat daher massiv gegen
die Begründungspflicht verstoßen. 192
Als nächstes erklärt der WPA, dass die Regelungen von Bündnis 90/die Grünen LV
Niedersachsen und CDU,LV Hessen zwar einen Verstoß gegen das BWG darstelle, jedoch
soll der Beschwerdeführer nicht dargelegt haben, dass diese auch zu Anwendungen
gekommen seien. Auch hier hat dieser aus derartigen Gründen Antrag auf Akteneinsicht
eingereicht. Auch hier hat der WPA den Antrag wegen fehlenden Bezuges zur
Bundestagswahl für unzulässig erklärt. Es ist mehr als einsichtig, wenn zwingendes
Satzungsrecht eingeführt worden ist, dass dieses auch zur Anwendung gekommen sein
muss.

Das BVerfG führt zur Darlegungslast folgendes aus „Das im Wahlprüfungsrecht enthaltene
Substantiierungsgebot soll sicherstellen, daß die sich auf der Grundlage der Feststellung
des endgültigen Wahlergebnisses ergebende Zusammensetzung des Parlaments nicht
vorschnell in Frage gestellt wird und dadurch Zweifel an seiner Rechtmäßigkeit geweckt
werden. Das ist verfassungsrechtlich unbedenklich. Wahlbeanstandungen, die über nicht
belegte Vermutungen oder die bloße Andeutung der Möglichkeit von Wahlfehlern nicht
hinausgehen und einen konkreten, der Überprüfung zugänglichen Tatsachenvortrag nicht

192
BVerfGE 6,32; 40,276
177
enthalten, dürfen deshalb als unsubstantiiert zurückgewiesen werden. Ist danach ein
Einspruch substantiiert, so ist die Überprüfung des jeweils beanstandeten
Wahlergebnisses (des für die Zuteilung des Direktmandats maßgeblichen
Wahlkreisergebnisses oder des für die Verteilung von Listenmandaten maßgeblichen
Wahlergebnisses auf Landes- oder Bundesebene) eröffnet. Ob und in welchem Umfang
die Wahlprüfungsorgane in diesem Verfahren den mit dem Einspruch vorgetragenen
Sachverhalt zu ermitteln haben, hängt wesentlich von der Art des beanstandeten
Wahlergebnisses und des gerügten Wahlmangels ab. Läßt sich ausschließen, daß dieser
sich auf das im konkreten Fall in Zweifel gezogene Wahlergebnis und die Zuteilung von
Mandaten ausgewirkt haben kann, so bedarf es regelmäßig keiner Ermittlungen und kann
der Einspruch ohne weitere Prüfung zurückgewiesen werden.“
Genauso liegt es hier. Der Beschwerdeführer konnte nur noch den Beweis, dass hier die
beanstandeten Regelungen über die Aktenvorlage führen. Dieser hätte problemlos klären
können, ob die satzungsmäßigen Bestimmungen zur Anwendung gekommen sind. Das
gilt insbesondere für die CDU LV Hessen und Bündnis 90/die Grünen LV Thüringen und LV
Niedersachsen. Vom LV Sachsen-Anhalt hat der Beschwerdeführer das Protokoll dem
Bundestag zukommen lassen. Auch bei der Wahl von Delegierten hätte der WPA
problemlos den Sachzusammenhang der beanstandeten satzungsmäßigen Bestimmungen
einschließlich der „Jugendquote“ und des imperativen Mandats herleiten können. Bei
solchen einem Ausmaß bei der Wahl von Delegierten zu Wahl- und
Delegiertenversammlungen in den Fällen der §§ 21 und 27 BWG kann eine
Mandatsrelevanz angenommen werden. Denn wenn in einer größeren Anzahl andere
Personen unter den Delegierten worden wären.
Das betrifft sowohl die Landeslisten als auch die Kreiswahlvorschläge. Wie hoch die Zahl
unter den Wahlkreisbewerbern ist, die zu Unrecht gewählt worden sind, kann ggf. nur
durch Einsicht in die Wahlunterlagen annähernd geschätzt werden.

Bezüglich der Erhebung von Sondernutzungsgebühren hätte der WPA problemlos durch
Stellungnahmen noch klären können. Darüber hinaus dürfte auch bei Normenkontrollen
satzungsmäßiger Bestimmungen von Kommen dem Bundestag die
Verwerfungskompetenz fehlen.

Soweit sich die Argumente auf die dynamischen Verweisungen erstrecken, so hat der
Beschwerdeführer klargestellt, dass es sich hierbei nach Rechtsprechung des BGH um
rechtswidrige Bestimmungen handelt, da die Mitglieder in den Gliederungen nach § 6 Abs.
1 PartG Satzungsautonomie haben. Auch hier beruht damit die Wahl von Delegierten und
Wahlbewerber, insbesondere der Landeslisten auf rechtswidrigen Satzungsrecht. Immer
ist es nicht auszuschließen, dass sie die Mitglieder auf geänderte Bestimmungen einstellen
können. Wenn z.B. in der kurz vor der Wahl der Landesliste der SPD BW ein
Bundesparteitag stattfindet auf dem die Wahlordnung geändert wird, dann ändern sich
die Bestimmungen zur Wahl der Landesliste mit und die Mitglieder werden überrumpelt.
Gerade wegen derartige Umstände hat der BGH diese Praxis für Rechtswidrig i.S. des § 25
i. V. m. § 40 BGB erachtet. Ferner beruhen auch die Wahl mit „Frauen- und
Geschlechterquoten“ auch auf diese dynamischen Verweisungen.
Soweit sich die Einwendungen auf Soll-Vorschriften erstrecken so sind diese ebenfalls
rechtswidrig. Diese stellen gleichfalls ein Verstoß gegen die Freiheit und Gleichheit der
Wahl dar. Denn welchen Zweck sollen auch Soll-Vorschriften sonst erfüllen, wenn nicht
dem, dass auch diese gezielt der Anteil der Angehörigen bestimmter Personengruppen
unter den Gewählten erhöhen sollen. Das gilt auch für die Jugendquote der SPD KV-
Stormann. Die gilt auch für Delegiertenwahlen. Soweit der WPA die fehlende
Mandatsrelevanz rügt, so stellt § 1 Abs. 2 WahlPrG eindeutig klar, dass auch Wahlfehler
festzustellen sind, wenn diese nicht von Mandatsrelevanz sind.

178
Für den Beschwerdeführer ist nicht ersichtlich, wie der WPA auf den LWL Thüringen
kommt. Dieser hat sich neben den BWL auch noch gesondert beim LWL Sachsen-Anhalt
beschwert. Ferner stellte dieser Beschwerden neben den BWL auch allen LWL per E-Mail
zu.
Soweit sich die Einwendungen auf die übrigen satzungsmäßigen Bestimmungen und
Quoten richten, so können diese zwar keinen Anfechtungsgrund der Wahl darstellen. Aber
es soll allen dokumentiert werden, mit welch zweifelhaften Demokratieverständnis
operiert wird und wie dermaßen die gesetzlichen Bestimmungen missachtet und die
Rechte der Parteimitglieder durch die Verbandsmacht der Parteien mit Füßen getreten
werden. Ferner soweit sich die Beschwerden auf Sondernutzungsgebühren erstrecken, so
hat der Beschwerdeführer die Sache derart ausführlich dargelegt, dass eine weitere
Nachprüfung hätte möglich sein können. Im Übrigen stützen sich diese Erhebungen auf
satzungsmäßige Bestimmungen der Kommunen, so dass auch für solche dem Bundestag
die Verwerfungskompetenz fehlen dürfte.
Soweit der WPA bezüglich der Verstöße des KWA den fehlenden Bezug zur BTW rügt, so
ist auch das nicht nachvollziehbar. Denn immerhin ging es um die Zulassung der
Wahlvorschläge. Ferner gehörte der Beschwerdeführer auch diesen als Beisitzer an. Dieser
wollte Fragen an die Vertrauenspersonen bezüglich der Parteien SPD und die Linke stellen.
Denn immerhin haben diese Ihre Vorstandsmitglieder im Kreisverband veröffentlicht, bei
denen die Geschlechterverteilung klar auf Quotenregelungen schließen lässt. Da dem
Beschwerdeführer die satzungsmäßigen Bestimmungen nicht zugänglich waren, hätte es
sein können, dass auch bei der Wahl von Delegierten derartige Regelungen zu
Anwendungen kommen. Auch sonst hätte noch Erörterungsbedarf angemeldet werden
können, der u.U. zur Zurückweisung von Wahlvorschlägen führen könnte.
Auch die Ausführung zur Entscheidung über die Gültigkeit des Stimmzettels ist widersinnig.
Die Bemerkung richtet sich nicht gegen die Person, auf die eine Stimme abgegeben wurde.
Selbst, wenn davon auszugehen, dass nach § 39 Abs. 1 Nr. 5 zu verfahren sein, so betrifft
das nur den Stimmzettel der Direktbewerber, nicht aber den der Landesliste. Die
Bemerkung richtet sich zweifelsfrei gegen den Bewerber und nicht der Partei, für die dieser
angetreten ist. Es ist unerheblich ob man natürliche Personen „verbieten“ lassen kann.
Entscheidend ist was der oder die Wahlberechtigte gemeint hat. Um damit richtet sich
diese Meinung gegen den Bewerber.

II) Zunächst sei auf die Entscheidungs- und Spruchpraxis des Wahlprüfungsausschusses
(Drucksache 13/3927, Anlagen 15 und 21; 14/1560, Anlage 82; 15/2400, Anlage 14;
15/4750, Anlage 19; 16/3600, Anlage 6; 13/3928, Anlage 43) eingegangen.

a) Der WPA behauptet:


„Der Gesetzgeber schreibt keine geschlechtsbezogenen Quoten für Listenbewerber bei
öffentlichen Wahlen vor und hat die Regelungskompetenz für diese Materie ausdrücklich dem
autonomen Parteisatzungsgeber überlassen.“

Diese Logik des WPA ist äußerst bemerkenswert. Der Gesetzgeber hat möglicherweise deshalb
keine Quotenregelung vorgesehen, weil dies möglicherweise gegen die Wahlgrundsätze
verstoßen oder in unzulässiger Weise in die Parteienfreiheit eingreifen könnte(siehe 6.). Allein
daraus kann aber nicht der Schluss gezogen werden, dass diese das Recht haben derart mehr
oder weniger massiv ins Wahlrecht der Parteimitglieder einzugreifen.

b) Der WPA behauptet, dass in Schreiber 7. Auflage festgeschrieben sei, dass es gegen die
Frauenquote „keine durchschlagenen Bedenken“ gäbe. Die Verweise aber auf entsprechende
Gutachten sind überaltert. D.h. diese Gutachten entsprechen nicht mehr der aktuellen

179
Rechtsprechung des BVerfG und sind auf die auf die damalige Quote der SPD(40%:40%)
gemünzt. Insoweit ist diese Behauptung nicht mehr haltbar.
Weitere anderslautende Meinungen berufen sich im Wesentlichen darauf, dass derartige
Frauenquoten zu einer ungerechtfertigten Benachteiligung der Wahlchancen von männlichen
Wahlbewerbern und damit zwangsläufig zu einer den demokratischen Grundsätzen einer
allgemeinen, freien und gleichen Wahl nicht entsprechenden Verzerrung der Ergebnisse von
öffentlichen Wahl führten (vgl. Heyen, DÖV 1989, S. 649, 652 f.; lpsen, DVBI. 2004, S.532, 535;
ders., Kommentar zum Parteiengesetz, 2008, § 17, Rn. 21 ff.). Insoweit kann sich der WPA nicht
mehr auf diese Verweise stützen.

c) Unter Rekurs auf BVerfGE 11 266 hat der WPA die Zulässigkeit der Quotenregelung bejaht,
da das BVerFG eine Ausdifferenzierung Wahlrechts zugelassen hätte. Die ist aber nur bedingt
richtig.
Es hat eine Ausdifferenzierungsfähigkeit nur
1. In der Vertikalen zwischen Bund, Länder und Kommunen,
2. In der Horizontalen zwischen Parteien, Wählervereinigungen und EinzelbewerberInnen
und
3. In der Diagonalen zwischen Mehrheitswahl und Verhältniswahl zugelassen und dies auf
die verfassungsrechtliche Sonderstellung zwischen den juristischen Personen und den
Besonderheiten der Wahlverfahren abgestellt.

Eine Unterscheidung des Wahlrechts zwischen den natürlichen Personen hat das BVerfG seit
BVerfGE 6 84 untersagt und dies auf die Egalität der BürgerInnen abgestellt. Selbst in BVerfGE
11 266 steht „Für den Sachbereich der Wahlen ist nach der historischen Entwicklung zum
Demokratisch-Egalitären hin, die im Grundgesetz für das Bundestagswahlrecht in Art. 38 Abs.
1 Satz 1 GG und für das Wahlrecht in den Ländern, Kreisen und Gemeinden in Art. 28 Abs. 1
Satz 2 GG ihren verfassungsrechtlich verbindlichen Ausdruck gefunden hat, davon auszugehen,
dass jedermann seine staatsbürgerlichen Rechte in formal möglichst gleicher Weise soll
ausüben können (vgl. BVerfGE 6, 84 [91]).“ Damit ist bereits klargestellt, dass zwischen den
Wahlberechtigten nicht unterschieden werden darf. Anderslautende Aussagen hat der WPA
nicht genannt. Hinzukommt, dass der WPA behauptet, dass speziell im Falle Bündnis ‘90/die
Grünen, noch eine ausgewogene Auswahl vorhanden soll. Er hat aber bislang nicht erklärt,
worin den „Ausgewogenheit“ bestehen soll, wenn in etlichen Landesverbänden Männer
Jahrzehnte warten müssen, bis sie vielleicht mal die Chance bekommen in den Bundestag
gewählt zu werden. Ebenso sollte doch mal der WPA öffentlich erklären, ab welcher Schwere
in die Eingriffe der Wahlgrundsätze keine „ausgewogene“ Auswahl mehr und somit die
Wahlverfahren ein Wahlfehler darstellen und entsprechende Einsprüche als begründet
anzusehen sind.

d) Weiterhin behauptet der WPA unter Rekurs auf BVERFGE 47 253 Rn 84 Satz 2, dass eine
derartige Beschränkung der Wahlfreiheit in Bezug auf aktives, passives Wahlrecht und
Wahlvorschlagsrecht zugelassen sei. Dies hat aber das BVerfG niemals ausgesagt. Dort wurde
die Beschränkung der Unmittelbarkeit(Mediatisierung) nur auf gebundene Listen als zulässig
angesehen. Auch hier möge doch der WPA Beispiele benennen, in denen das BVerfG derartige
Eingriffe in die Wahlfreiheit und Unmittelbarkeit zwischen natürlichen Personen als
verfassungsgemäß angesehen hat. Weiterhin hat das BVerfG die dort beanstandete GO NRW
wegen Verstöße gegen die Wahlfreiheit und Unmittelbarkeit für verfassungswidrig erklärt.

e) Weiterhin behauptet der WPA „Im Ergebnis der gebotenen umfassenden


verfassungsrechtlichen Abwägung ist jedoch festzustellen, dass diese Quotenregelung im
Sinne der nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes notwendigen
Differenzierung zu rechtfertigen und damit zulässig ist.“ So ? Wo hat das BVerfG derartige

180
Eingriffe den Zugelassen? Hierüber besteht großer Erklärungsbedarf (Siehe. 3.4 und 3.8.3). Das
BVerfG hat

1. in der Vertikalen zwischen Bund, Länder und Kommunen,


2. in der Horizontalen zwischen Parteien, Wählervereinigungen und
EinzelbewerberInnen und
3. in der Diagonalen zwischen den Wahlverfahren Mehrheitswahlen und
Verhältniswahl

eingeschränkte Differenzierungen zugelassen, aber niemals zwischen den Wahlberechtigten


als natürliche Personen (siehe BVERFGE 6 84 Rn 26 und 27). Analog hierzu zu der Behauptung
des WPA „Angesichts der Ergänzung des Artikels 3 GG durch Absatz 2 Satz 2, der eine
bevorzugte Ungleichbehandlung von Frauen unter bestimmten Voraussetzungen rechtfertigt
(siehe unten), sowie bestimmter Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts kann im
Ergebnis nicht festgestellt werden, dass von der Unanwendbarkeit der Quotenregelung
auszugehen ist.“ besteht hoher Erklärungsbedarf in welchen Urteilen das BVerfG derartige
Aussagen getätigt haben will. Solche Aussagen das BVerfG nie getätigt. In BVerfGE 11 266, auf
dass sich der WPA stützt hat das BVerfG eine nur Ausdifferenzierung zwischen Parteien und
Wählervereinigungen zugelassen aber nicht zwischen natürlichen Personen. Insoweit kann
auch hier nicht auf dieses Urteil rekurriert werden.

f) Ferner behauptet der WPA, dass das Vorgehen der Parteien, speziell Bündnis ‘90/die Grünen,
unter Rekurs auf Art 3 Abs. 2 Satz 2 GG mit dem GG vereinbar sei, da dies ein „Beitrag zur
Verstärkung der Beteiligung der Frauen in der Politik und zur Verwirklichung der
Gleichberechtigung von Mann und Frau“ darstelle, da die Frauen in den Parlamenten
unterrepräsentiert seien.
Das BVerfG hat niemals entschieden, dass

1. eine reine Unterrepräsentanz eine Benachteiligung darstellt,


2. zur Beseitigung von Nachteilen, die „typischer Weise Frauen treffen“, dermaßen
ins Wahlrecht sowohl von Seiten des Staates als auch von Parteien ins Wahlrecht
eingegriffen werden darf und
3. aus „den Auftrag an des Staat“ nach Art. 3 Abs. 2 Satz 2 den Parteien, die
privatrechtliche Vereinigungen sind, eine Berechtigung erwächst dermaßen und
die parteiinterne Demokratie und Rechte der ihre Mitglieder nach Art 21 Abs. 1
Satz 3 GG einzugreifen.

Insoweit besteht auch hier hoher Klärungsbedarf auf welcher Grund in der Rechtsprechung
des BVerfG derartige Praktiken verfassungskonform sein sollen.
Sollte man behaupten, dass eine reine Unterrepräsentanz in den Parlamenten eine
Benachteiligung darstelle, so könnte man derartige Behauptungen auch für andere Gruppen
von Normadressaten behaupten.

* So sind Homo-, Bi-,Trans- und Intersexuelle unterrepräsentiert


=> es muss eine Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellenmindestquote zur Beseitigung von
Nachteilen, die typischer Weise Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle treffen eingeführt
werden,
* Angehörige bestimmter Religionen sind unterrepräsentiert
=> es muss eine Mindestquote für Angehörige bestimmter Religionen zur Beseitigung von
Nachteilen, die typischer Weise treffen eingeführt werden

181
In ähnlicher Weise kann man auch über Nichtakademiker/-innen, Migrant/-innen,
Arbeitslose und Geringverdiener( von denen ist ebenfalls niemand in den Bundestag gewählt
worden), nicht im öffentlichen Dienst stehende, Nichtjuristen/-innen,…. argumentieren.
Warum das nur für Frauen gelten soll, hat der WPA bislang nicht erklärt.

g) Der WPA erklärt, dass der Gesetzgeber keine geschlechtsbezogenen Quoten für
Listenbewerber bei öffentlichen Wahlen vorschreibe193 und überlässt diese Materie den
Parteien. Aus dem PartG geht derartiges aber nicht hervor.

h) Weiter erklärt der WPA „Angesichts der Ergänzung des Artikels 3 GG durch Absatz 2 Satz 2, der
eine bevorzugte Ungleichbehandlung von Frauen unter bestimmten Voraussetzungen
rechtfertigt“.
Hier gibt der WPA zu, dass es sich um eine frauenbevorzugende Ungleichbehandlung handelt.
Auch erklärt der WPA nicht, an welcher Stelle das BVerfG geurteilt habe, dass eine
Unterrepräsentanz eine „faktische Benachteiligung, die typischer Weise Frauen trifft“ darstellt
und ein Rekurs auch Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG eine Durchbrechung von Wahlgrundsätzen
rechtfertigt. Ferner wird darauf hingewiesen, dass für Parteien weder ein Recht noch die
Pflicht erwächst, dermaßen im Binnenraum in die Demokratie einzugreifen. Diese trifft den
Staat und nicht die Parteien. Vielmehr entfaltet Art. 3 Abs. 1 GG seine Drittwirkung auf den
Binnenraum von Parteien und verpflichtet diese, speziell bei demokratischen
Entscheidungsprozessen deren Mitglieder gleich zu behandeln.

i) Der WPA behauptet, dass die Regelungen Wertentscheidungen der Parteien seien. Auf die
Ausführungen im Schreiber wird verwiesen. Parteien dürfen jedoch bei ihren
„Wertentscheidungen“ nicht von den demokratischen Grundsätzen nach Art. 21 Abs. 1 Satz 3
GG abweichen.

j) Der WPA behauptet, dass dieser Verfahrensweisen unbedenklich seien. 194 Dass im Schreiber
auf Quellen verwiesen werden, die wesentliche relevante Sachverhalte unterschlagen, wird
verschwiegen.

k) Der WPA behauptet, dass der Staat keine inhaltliche Kontrolle satzungsmäßiger Vorschriften
der Parteien durchführt. Im Schreiber werden in späteren Auflagen, wie bereits geschildert,
andere Rechtsauffassungen vertreten.

Es ist schon sehr erstaunlich, mit welch höchst fragwürdigen Argumenten der WPA Einsprüche mit
den schwersten Vorwürfen als unbegründet abkanzelt und alles auf die Wahlprüfungsbeschwerde
abwälzt.
So sollte der WPA Leitlinien festsetzen, aus denen klar hervorgeht, ab wann Einsprüche als
Begründet angesehen werden können. Andernfalls muss der Eindruck entstehen, dass der WPA
der willkürlich nach gut dünken seine Entscheidungs- und Spruchpraxis vornimmt und ein
Wahleinspruch auch bei schwersten Wahlrechtsverstöße niemals Erfolg haben kann. Sind
mögliche Rechtsverstöße nicht von Mandatsrelevanz, dann bejaht der WPA die Fehler und erklärt
den Wahleinspruch wegen fehlender Mandatsrelevanz für unbegründet. Könnte der
Rechtsverstoß von Mandatsrelevanz sein, so behaupte der WPA, dass dies zwar höchstbedenklich
aber gerade noch so mit den verfassungsrechtlichen und einfach gesetzlichen Bestimmungen
vereinbar sei, und der Einspruch deshalb zurückzuweisen ist. Unter diesen Umständen erstarrt die
Wahlprüfung im Bundestag zur leeren Förmlichkeit und verkommt zur reinsten Farce. Ferner
werden die rechtsschutzsuchenden Wahlberechtigte lediglich bei der Durchsetzung behindert und

193
Saar-VerfGH LV-1/95, S 16
194
Auch Schreiber 2013, S. 552, Rn 15
182
einzelne, im Extremfall alle, Abgeordneten würden über einem erheblichen Zeitraum zu Unrecht
ihr Mandat wahrnehmen. Ferner wird darauf hingewiesen, dass § 139 BGB ungeeignet ist, die
Nichtigkeit einer Norm festzustellen.195 Stattdessen kann hier nur eine Nichtigkeit nach § 134 und
138 BGB in Betracht kommen.

l) Der WPA behauptet:


„Der Gesetzgeber schreibt keine geschlechtsbezogenen Quoten für Listenbewerber bei öffentlichen
Wahlen vor und hat die Regelungskompetenz für diese Materie ausdrücklich dem autonomen
Parteisatzungsgeber überlassen.“
Obwohl der der Beschwerdeführer auf das Urteil das HVErfG rekurriert hat, hat sich der WPA nicht mit
der Entscheidung auseinandergesetzt.

Diese Logik des WPA ist äußerst bemerkenswert. Der Gesetzgeber hat möglicherweise deshalb keine
Quotenregelung vorgesehen, weil dies möglicherweise gegen die Wahlgrundsätze verstoßen oder in
unzulässiger Weise in die Parteienfreiheit eingreifen könnte(siehe 6.). Allein daraus kann aber nicht
der Schluss gezogen werden, dass diese das Recht haben derart mehr oder weniger massiv ins
Wahlrecht der Parteimitglieder einzugreifen.

m) Der WPA behauptet, dass in Schreiber 7. Auflage festgeschrieben sei, dass es gegen die
Frauenquote „keine durchschlagenen Bedenken“ gäbe. Die Verweise aber auf entsprechende
Gutachten sind überaltert. D.h. diese Gutachten entsprechen nicht mehr der aktuellen
Rechtsprechung des BVerfG und sind auf die auf die damalige Quote der SPD(40%:40%) gemünzt.
Insoweit ist diese Behauptung nicht mehr haltbar. Weitere anderslautende Meinungen berufen sich
im Wesentlichen darauf, dass derartige Frauenquoten zu einer ungerechtfertigten Benachteiligung der
Wahlchancen von männlichen Wahlbewerbern und damit zwangsläufig zu einer den demokratischen
Grundsätzen einer allgemeinen, freien und gleichen Wahl nicht entsprechenden Verzerrung der
Ergebnisse von öffentlichen Wahl führten (vgl. Heyen, DÖV 1989, S. 649, 652 f.; lpsen, DVBI. 2004,
S.532, 535; ders., Kommentar zum Parteiengesetz, 2008, § 17, Rn. 21 ff.). Insoweit kann sich der WPA
nicht mehr auf diese Verweise stützen.

n) Unter Rekurs auf BVerfGE 11 266 hat der WPA die Zulässigkeit der Quotenregelung bejaht,
da das BVerFG eine Ausdifferenzierung Wahlrechts zugelassen hätte. Die ist aber nur bedingt richtig.
Es hat eine Ausdifferenzierungsfähigkeit nur In der Vertikalen zwischen Bund, Länder und Kommunen,

1. In der Horizontalen zwischen Parteien, Wählervereinigungen und EinzelbewerberInnen und

2. In der Diagonalen zwischen Mehrheitswahl und Verhältniswahl zugelassen und dies auf die
verfassungsrechtliche Sonderstellung zwischen den juristischen Personen und den
Besonderheiten der Wahlverfahren abgestellt.

Eine Unterscheidung des Wahlrechts zwischen den natürlichen Personen hat das BVerfG seit
BVerfGE 6 84 untersagt und dies auf die Egalität der BürgerInnen abgestellt. Selbst in BVerfGE
11 266 steht „Für den Sachbereich der Wahlen ist nach der historischen Entwicklung zum
Demokratisch-Egalitären hin, die im Grundgesetz für das Landesswahlrecht in Art. 38 Abs. 1
Satz 1 GG und für das Wahlrecht in den Ländern, Kreisen und Gemeinden in Art. 28 Abs. 1 Satz
2 GG ihren verfassungsrechtlich verbindlichen Ausdruck gefunden hat, davon auszugehen,
dass jedermann seine staatsbürgerlichen Rechte in formal möglichst gleicher Weise soll
ausüben können (vgl. BVerfGE 6, 84 [91]).“ Damit ist bereits klargestellt, dass zwischen den
Wahlberechtigten nicht unterschieden werden darf. Anderslautende Aussagen hat der WPA
nicht genannt. Hinzukommt, dass der WPA behauptet, dass speziell im Falle Bündnis ‘90/die

195
Reichert,10. Auflage, RN 306; Prütting/Wegen/Weinreich, § 25, Rn 4;
183
Grünen, noch eine ausgewogene Auswahl vorhanden soll. Er hat aber bislang nicht erklärt,
worin den „Ausgewogenheit“ bestehen soll, wenn in etlichen Landesverbänden Männer
Jahrzehnte warten müssen, bis sie vielleicht mal die Chance bekommen in den Bundestag
gewählt zu werden. Ebenso sollte doch mal der WPA öffentlich erklären, ab welcher Schwere
in die Eingriffe der Wahlgrundsätze keine „ausgewogene“ Auswahl mehr und somit die
Wahlverfahren ein Wahlfehler darstellen und entsprechende Einsprüche als begründet
anzusehen sind.

o) Weiterhin behauptet der WPA unter Rekurs auf BVERFGE 47 253 Rn 84 Satz 2, dass eine
derartige Beschränkung der Wahlfreiheit in Bezug auf aktives, passives Wahlrecht und
Wahlvorschlagsrecht zugelassen sei. Dies hat aber das BVerfG niemals ausgesagt. Dort wurde
die Beschränkung der Unmittelbarkeit(Mediatisierung) nur auf gebundene Listen als zulässig
angesehen. Auch hier möge doch der WPA Beispiele benennen, in denen das BVerfG derartige
Eingriffe in die Wahlfreiheit und Unmittelbarkeit zwischen natürlichen Personen als
verfassungsgemäß angesehen hat. Weiterhin hat das BVerfG die dort beanstandete GO NRW
wegen Verstöße gegen die Wahlfreiheit und Unmittelbarkeit für verfassungswidrig erklärt.

p) Weiterhin behauptet der WPA „Im Ergebnis der gebotenen umfassenden


verfassungsrechtlichen Abwägung ist jedoch festzustellen, dass diese Quotenregelung im
Sinne der nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes notwendigen
Differenzierung zu rechtfertigen und damit zulässig ist.“ So ? Wo hat das BVerfG derartige
Eingriffe den Zugelassen? Hierüber besteht großer Erklärungsbedarf (Siehe. 3.4 und 3.8.3). Das
BVerfG hat

1. in der Vertikalen zwischen Bund, Länder und Kommunen,

2. in der Horizontalen zwischen Parteien, Wählervereinigungen und


EinzelbewerberInnen und

3. in der Diagonalen zwischen den Wahlverfahren Mehrheitswahlen und Verhältniswahl

eingeschränkte Differenzierungen zugelassen, aber niemals zwischen den Wahlberechtigten


als natürliche Personen (siehe BVERFGE 6 84 Rn 26 und 27). Analog hierzu zu der Behauptung
des WPA „Angesichts der Ergänzung des Artikels 3 GG durch Absatz 2 Satz 2, der eine
bevorzugte Ungleichbehandlung von Frauen unter bestimmten Voraussetzungen rechtfertigt
(siehe unten), sowie bestimmter Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts kann im
Ergebnis nicht festgestellt werden, dass von der Unanwendbarkeit der Quotenregelung
auszugehen ist.“ besteht hoher Erklärungsbedarf in welchen Urteilen das BVerfG derartige
Aussagen getätigt haben will. Solche Aussagen das BVerfG nie getätigt. In BVerfGE 11 266, auf
dass sich der WPA stützt hat das BVerfG eine nur Ausdifferenzierung zwischen Parteien und
Wählervereinigungen zugelassen aber nicht zwischen natürlichen Personen. Insoweit kann
auch hier nicht auf dieses Urteil rekurriert werden.

q) Ferner behauptet der WPA, dass das Vorgehen der Parteien, speziell Bündnis ‘90/die Grünen,
unter Rekurs auf Art 3 Abs. 2 Satz 2 GG mit dem GG vereinbar sei, da dies ein „Beitrag zur
Verstärkung der Beteiligung der Frauen in der Politik und zur Verwirklichung der
Gleichberechtigung von Mann und Frau“ darstelle, da die Frauen in den Parlamenten
unterrepräsentiert seien.
Das BVerfG hat niemals entschieden, dass

1. eine reine Unterrepräsentanz eine Benachteiligung darstellt,

184
2. zur Beseitigung von Nachteilen, die „typischer Weise Frauen treffen“, dermaßen ins
Wahlrecht sowohl von Seiten des Staates als auch von Parteien ins Wahlrecht eingegriffen
werden darf und

3. aus „den Auftrag an des Staat“ nach Art. 3 Abs. 2 Satz 2 den Parteien, die
privatrechtliche Vereinigungen sind, eine Berechtigung erwächst dermaßen und die
parteiinterne Demokratie und Rechte der ihre Mitglieder nach Art 21 Abs. 1 Satz 3 GG
einzugreifen.

Insoweit besteht auch hier hoher Klärungsbedarf auf welcher Grund in der Rechtsprechung
des BVerfG derartige Praktiken verfassungskonform sein sollen.
Sollte man behaupten, dass eine reine Unterrepräsentanz in den Parlamenten eine
Benachteiligung darstelle, so könnte man derartige Behauptungen auch für andere Gruppen
von Normadressaten behaupten.

* So sind Homo-, Bi-,Trans- und Intersexuelle unterrepräsentiert


=> es muss eine Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuellenmindestquote zur Beseitigung von
Nachteilen, die typischer Weise Homo-, Bi-, Trans- und Intersexuelle treffen eingeführt
werden,
* Angehörige bestimmter Religionen sind unterrepräsentiert
=> es muss eine Mindestquote für Angehörige bestimmter Religionen zur Beseitigung von
Nachteilen, die typischer Weise treffen eingeführt werden

In ähnlicher Weise kann man auch über Nichtakademiker/-innen, Migrant/-innen,


Arbeitslose und Geringverdiener( von denen ist ebenfalls niemand in den Bundestag gewählt
worden), nicht im öffentlichen Dienst stehende, Nichtjuristen/-innen,…. argumentieren.
Warum das nur für Frauen gelten soll, hat der WPA bislang nicht erklärt.

r) Der WPA erklärt, dass der Gesetzgeber keine geschlechtsbezogenen Quoten für
Listenbewerber bei öffentlichen Wahlen vorschreibe196 und überlässt diese Materie den
Parteien. Aus dem PartG geht derartiges aber nicht hervor.

s) Weiter erklärt der WPA „Angesichts der Ergänzung des Artikels 3 GG durch Absatz 2 Satz 2, der
eine bevorzugte Ungleichbehandlung von Frauen unter bestimmten Voraussetzungen
rechtfertigt“.
Hier gibt der WPA zu, dass es sich um eine frauenbevorzugende Ungleichbehandlung handelt.
Auch erklärt der WPA nicht, an welcher Stelle das BVerfG geurteilt habe, dass eine
Unterrepräsentanz eine „faktische Benachteiligung, die typischer Weise Frauen trifft“ darstellt
und ein Rekurs auch Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG eine Durchbrechung von Wahlgrundsätzen
rechtfertigt. Ferner wird darauf hingewiesen, dass für Parteien weder ein Recht noch die
Pflicht erwächst, dermaßen im Binnenraum in die Demokratie einzugreifen. Diese trifft den
Staat und nicht die Parteien. Vielmehr entfaltet Art. 3 Abs. 1 GG seine Drittwirkung auf den
Binnenraum von Parteien und verpflichtet diese, speziell bei demokratischen
Entscheidungsprozessen deren Mitglieder gleich zu behandeln.

t) Der WPA behauptet, dass die Regelungen Wertentscheidungen der Parteien seien. Auf die
Ausführungen im Schreiber wird verwiesen. Parteien dürfen jedoch bei ihren
„Wertentscheidungen“ nicht von den demokratischen Grundsätzen nach Art. 21 Abs. 1 Satz 3
GG abweichen.

196
Saar-VerfGH LV-1/95, S 16
185
u) Der WPA behauptet, dass dieser Verfahrensweisen unbedenklich seien. 197 Dass im Schreiber
auf Quellen verwiesen werden, die wesentliche relevante Sachverhalte unterschlagen, wird
verschwiegen.

v) Der WPA behauptet, dass der Staat keine inhaltliche Kontrolle satzungsmäßiger Vorschriften
der Parteien durchführt. Im Schreiber werden in späteren Auflagen, wie bereits geschildert,
andere Rechtsauffassungen vertreten.

Es ist schon sehr erstaunlich, mit welch höchst fragwürdigen Argumenten der WPA Einsprüche mit
den schwersten Vorwürfen als unbegründet abkanzelt und alles auf die Wahlprüfungsbeschwerde
abwälzt.
So sollte der WPA Leitlinien festsetzen, aus denen klar hervorgeht, ab wann Einsprüche als
Begründet angesehen werden können. Andernfalls muss der Eindruck entstehen, dass der WPA
der willkürlich nach gut dünken seine Entscheidungs- und Spruchpraxis vornimmt und ein
Wahleinspruch auch bei schwersten Wahlrechtsverstöße niemals Erfolg haben kann. Sind
mögliche Rechtsverstöße nicht von Mandatsrelevanz, dann bejaht der WPA die Fehler und erklärt
den Wahleinspruch wegen fehlender Mandatsrelevanz für unbegründet. Könnte der
Rechtsverstoß von Mandatsrelevanz sein, so behaupte der WPA, dass dies zwar höchstbedenklich
aber gerade noch so mit den verfassungsrechtlichen und einfach gesetzlichen Bestimmungen
vereinbar sei, und der Einspruch deshalb zurückzuweisen ist. Unter diesen Umständen erstarrt die
Wahlprüfung im Bundestag zur leeren Förmlichkeit und verkommt zur reinsten Farce. Ferner
werden die rechtsschutzsuchenden Wahlberechtigte lediglich bei der Durchsetzung behindert und
einzelne, im Extremfall alle, Abgeordneten würden über einem erheblichen Zeitraum zu Unrecht
ihr Mandat wahrnehmen. Ferner wird darauf hingewiesen, dass § 139 BGB ungeeignet ist, die
Nichtigkeit einer Norm festzustellen.198 Stattdessen kann hier nur eine Nichtigkeit nach § 134 und
138 BGB in Betracht kommen.

Nach § 5 WahlPrG hat der Bundestag Umfangreiche Möglichkeiten der Amtsermittlung. Dass schließt
die Beiziehung von Wahlunterlagen mit ein. Das erstreckt sich nicht mehr allein auf die substantiierte
Darlegung sondern auf die Kontrolle. Wenn der Bundestag selber zugibt, dass bestimmte
satzungsmäßige Bestimmungen dem Europawahlgesetz zuwiderlaufen, dann muss er davon ausgehen,
dass diese auch zur Anwendung gekommen sein müssen. Von daher leitet sich die Pflicht zur
Amtsermittlung ab.

In BVerfGE 40 11, Rn 71 erklärt das BVerfG „Die Substantiierungspflicht ist dem gemäß § 2 Abs. 2
WPrüfG einspruchsberechtigten einzelnen Bürger nicht deshalb nachzulassen, weil ihre
Erfüllung im Einzelfall Schwierigkeiten insbesondere im tatsächlichen Bereich begegnen mag.
Der für den einzelnen Wahlberechtigten etwa bestehenden Unmöglichkeit, sich hinreichend
umfassenden Einblick in die als fehlerhaft empfundenen Wahlvorgänge zu verschaffen, steht
ausgleichend das amtliche Einspruchsrecht der in § 2 Abs. 2 WPrüfG genannten, über größere
Informations- und Ermittlungsmöglichkeiten verfügenden Personen gegenüber. Es bietet für
das Erreichen des alleinigen Zieles der Wahlprüfung, nämlich den Schutz des objektiven
Wahlrechts, jedenfalls soweit Gewähr, daß die Aufdeckung erheblicher Wahlfehler nicht an der
Unkenntnis einzelner Bürger oder daran scheitert, daß diese zu substantiierter Anfechtung
nicht in der Lage sind. Durch das Einspruchsrecht der Amtspersonen wird jenes des einzelnen
Wahlberechtigten nicht eingeengt. Es ginge nicht an, bei substantiiertem Einspruch eines
Bürgers die Wahlprüfung nur in begrenztem, hinter dem Anfechtungsgegenstand
zurückbleibenden, Umfang vorzunehmen, weil das Einspruchsrecht der Amtspersonen

197
Auch Schreiber 2013, S. 552, Rn 15
198
Reichert,10. Auflage, RN 306; Prütting/Wegen/Weinreich, § 25, Rn 4;
186
bestehe. Das ist hier aber auch nicht geschehen. Die Beschränkung der Prüfung auf die drei
vom Beschwerdeführer benannten Wahlkreise ist allein dadurch veranlaßt, daß der Einspruch
nur insoweit substantiiert ist. Nicht das Einspruchsrecht Dritter, sondern das
Substantiierungsgebot setzt dem Initiativrecht des einzelnen Wahlberechtigten eine Grenze.“
Und genau das ist hier geschehen. Die Behauptung, dass der Beschwerdeführer nicht dargelegt hätte,
wo bei der Kandidatenaufstellung „Frauenquoten“ gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoßen
worden sei. Dieser hat sich mit zahlreichen Tatsachen aus dem Sachvortrag des Beschwerdeführers
nicht auseinandergesetzt und diese bewusst übergangen. Die Entscheidung des WPA ist rechtlich nicht
vertretbar.

Der WPA ist auf folgende Sachverhalte nicht eingegangen:

1. Das BVerfG hat entschieden, dass die Parteien die Freiheit und Gleichheit in der Demokratie
sicherzustellen haben.
2. Sonderrechte wie Frauenvetos, dass BVerfG für verfassungswidrig erklärt.
3. Das BVerfG hat im allgemeinen und der BGH für interne Wahlen entschieden, dass bei Wahlen
nicht nach Geschlecht, Rasse, Religion, politischer und weiterer in Art. 3 Abs. 3 GG genannter
Merkmale ausdifferenziert werden darf, was dem internationalen Völkerrecht entspricht.
4. Es entspricht der ständigen Rechtsprechung des BGH unterliegen privatrechtliche
Vereinigungen der Treuepflicht zur Gleichbehandlung aller Mitglieder unterliegen. Das
Schrifttum ist sich hierüber einig.
5. Das Schrifttum ist sich einig, dass bei Parteien strengere Maßstäbe bei der Zulässigkeit von
Ungleichbehandlungen anzusetzen sind.
6. Es entspricht dem Willen des Gesetzgebers, dass nach § 10 Abs. 2 S. 1 PartG bei ordentlichen
Mitgliedern, Ungleichbehandlungen ausgeschlossen sind.
7. Im Vereinsrecht entspricht es der Rechtsprechung einzelner Gericht und der Meinung des
Schrifttums, dass bei Wahlen die Chancengleichheit sicherzustellen ist.
8. Einzelne Bundesverfassungsgerichte haben entschieden, dass bei Wahlen niemand bevorzugt
oder benachteiligt werden darf.
9. Im Schrifttum wird die Auffassung vertreten, das § 10 Abs. 2 S. 1 PartG auch die
Wahlrechtsgleichheit widerspiegelt.
10. Im Schrifttum wird vielfach die Auffassung vertreten, dass „Quotenregelungen“
verfassungswidrig sind.
11. Art. 3 Abs. 2 GG kann als Legitimationsgrundlage nicht in Betracht kommen.
12. Jeder Wahlberechtigte muss sein aktives und passives Wahlrecht und das Wahlvorschlagsrecht
in formal gleicher Weise wahrnehmen können.
13. Das Wahlverfahren muss sicherstellen, dass nicht manipuliert werden kann, so dass der Wille
der Wahlberechtigten sich unverfälscht im Wahlergebnis widerspiegeln können muss.
14. Das Wahlverfahren muss frei von willkürlichen und widersinnigen Effekten sein.
15. Jedes Mitglied muss den gleichen Zugang zu jedem Wahlamt haben.
16. Starre Quotenregelungen haben der EuGH und der Verfassungsgeber ausgeschlossen.
17. Der Verfassungsgeber und der EuGH haben nicht erklärt, dass mit Art. 3 Abs. 2 GG Eingriffe in
die Demokratie zulässig sein sollen.
18. Das Diskriminierungsverbot darf nicht durchbrochen werden.
19. Art. 3 Abs. 2 GG entfalten keine mittelbare Drittwirkung in den Binnenraum von Parteien, da
der Normadressat der Staat ist. Das hat selbst der Verfassungsrichter Herr Maidowski in seiner
Dissertation erklärt. 199
20. Auch sonst stimmen diese Verfahrensweisen nicht mit der Rechtsprechung des BVerfG
überein.

199
Maidowski, Umgekehrte Diskriminierung: Quotenregelungen zur Frauenförderung im öffentlichen Dienst und in den politischen
Parteien, S. 209;dazu auch Maunz-Dürig Art. 3, S. 286 f, Rn 63
187
Die Tatsache, dass der Bundestag (fast) nicht darauf einging, dokumentiert in besonders
deutlicher Form, dass diesen bewusst sein muss, dass das was die Parteien veranstalten
rechtswidrig ist und dieser vorsätzlich frühere Wahlen widerrechtlich für gültig erklärt hat.
Damit verkommt die Wahlprüfung im Bundestag zum reinen Rechtsmittelverfahren.
So scheint der Bundestag nach dem Motto „Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis. Weil«, so schließt er messerscharf, »nicht sein kann, was
nicht sein darf“ zu verfahren. Ganz im Stile Morgensterns scheint es für den WPA „die
unmögliche Tatsache“ zu sein, dass das, was hier die Parteien veranstalten, mit
höherrangigem Recht nicht im Einklang zu bringen ist.

Schließlich muss sichergestellt werden, dass auch das Wahlprüfungsverfahren nach


rechtstaatlichen Standards durchgeführt wird. Genau das aber geschieht hier im Bundestag
nachweislich nicht.

So erklärt das Bundesverfassungsgericht 200

„a) Der Anspruch auf rechtliches Gehör verpflichtet das Gericht, die Ausführungen der
Beteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen (BVerfGE 42, 364 <367 f.>; 47,
182 <187>). Art. 103 Abs. 1 GG ist allerdings nur dann verletzt, wenn sich im Einzelfall klar
ergibt, dass das Gericht dieser Pflicht nicht nachgekommen ist (BVerfGE 25, 137 <140>; 34,
344 <347>; 47, 182 <187>). Denn grundsätzlich geht das Bundesverfassungsgericht davon aus,
dass die Gerichte das von ihnen entgegengenommene Vorbringen auch zur Kenntnis
genommen und in Erwägung gezogen haben (BVerfGE 40, 101 <104 f.>; 47, 182 <187>). Die
Gerichte sind dabei nicht verpflichtet, sich mit jedem Vorbringen in den Entscheidungsgründen
ausdrücklich zu befassen (BVerfGE 13, 132 <149>; 42, 364 <368>; 47, 182 <187>). Deshalb
müssen, wenn das Bundesverfassungsgericht einen Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG
feststellen soll, im Einzelfall besondere Umstände deutlich ergeben, dass tatsächliches
Vorbringen eines Beteiligten entweder überhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei
der Entscheidung nicht erwogen worden ist (BVerfGE 27, 248 <251 f.>; 42, 364 <368>; 47, 182
<187 f.>). Dergleichen Umstände können insbesondere dann vorliegen, wenn das Gericht
wesentliche, das Kernvorbringen eines Beteiligten darstellende Tatsachen unberücksichtigt
lässt. Geht das Gericht auf den wesentlichen Kern des Tatsachenvortrags zu einer Frage, die
für das Verfahren von zentraler Bedeutung ist, in den Entscheidungsgründen nicht ein, so lässt
dies auf die Nichtberücksichtigung des Vortrags schließen, sofern er nicht nach dem
Rechtsstandpunkt des Gerichts unerheblich oder offensichtlich unsubstantiiert ist (BVerfGE 86,
133 <146>; vgl. auch BVerfGE 47, 182 <189>). Daraus ergibt sich eine Pflicht der Gerichte, die
wesentlichen, der Rechtsverfolgung und -verteidigung dienenden Tatsachenbehauptungen in
den Entscheidungsgründen zu verarbeiten (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten
Senats vom 7. Dezember 2006 - 2 BvR 722/06 -, juris; Beschluss der 1. Kammer des Zweiten
Senats vom 22. November 2005 - 2 BvR 1090/05 -, juris).“

Genau das wird dem Bundestag vorgeworfen. Dieser ist auf den Kern der Sachvorträge nicht
eingegangen.

Vor einigen Jahre kritisierten ehemalige Verfassungsrichter die Praxis des Bundestages. 201

200
2 BvR 2394/08 vom 16.09.2010
201
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2006, Nr. 211, S. 10
188
Dort erklären Sie
„Die immer wieder zu beobachtende, das verfassungsrechtliche Zügigkeitsgebot verletzende
Zögerlichkeit des Bundestages bei der Durchführung des Wahlprüfungsverfahrens hat wiederholt zu
Überlegungen Anlaß gegeben, wie eine Beschleunigung des Verfahrens zu erreichen sei. Am häufigsten
wird die Forderung erhoben, die Wahlprüfung ausschließlich einem Gericht zu übertragen, am besten
dem Bundesverfassungsgericht. Angesichts seiner großen und derzeit weiter wachsenden Belastung
müßte das Bundesverfassungsgericht allerdings die Möglichkeit erhalten, unzulässige und
offensichtlich unbegründete Anträge durch eine seiner Kammern erledigen zu lassen. Die Ersetzung
des zweistufigen durch ein einstufiges - ausschließlich gerichtliches - Verfahren bedürfte einer
Verfassungsänderung.

Dem Ansehen des Bundestages wäre es allerdings nicht zuträglich, wenn er sich wegen seines eigenen
Unvermögens, rechtzeitig über Wahleinsprüche zu entscheiden, gezwungen sähe, seine Kompetenz
zur Wahlprüfung aufzugeben.. Die Wahlprüfungskompetenz des Bundestages ist parlamentarisches
Traditionsgut. Sie wurde im 19. Jahrhundert von den Parlamenten im Streit mit den Fürsten erkämpft,
die sie immer wieder mißbrauchten, indem sie mißliebigen Abgeordneten den Zugang zur
Volksvertretung verwehrten. Zwar tragen diese Erwägungen die Wahlprüfungskompetenz des
Bundestages heute nicht mehr. Sie hat sogar die rechtsstaatlich nicht sehr glückliche Auswirkung, daß
die Abgeordneten ihre eigene Legitimation zu prüfen haben, also gleichsam Richter in eigener Sache
sind. Das kann nur dadurch ausgeglichen werden, daß mit der Wahlprüfungsbeschwerde zum
Bundesverfassungsgericht ein Rechtsweg eröffnet ist, der dann allerdings auch eine wirksame
Korrektur von Wahlfehlern ermöglichen muß. Ein vorgeschaltetes Wahleinspruchsverfahren beim
Bundestag ist dann sinnvoll, weil es eine das Bundesverfassungsgericht entlastende Filterfunktion
erfüllt. Verschleppt aber der Bundestag wichtige Wahlprüfungsverfahren, so geht dies zu Lasten der
Effektivität des Rechtswegs zum Bundesverfassungsgericht und damit auch zu Lasten des
demokratischen Verfassungsstaats in Deutschland.

Wenn der Bundestag wichtige Verfahren dieser Art weiterhin verschleppt, wäre eine
Verfassungsänderung, die diesem Übelstand abhilft, um vieles dringlicher als manch andere, die im
Zuge der jüngsten, Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern hin- und herschiebenden
Verfassungsrevision als Jahrhundertreform ausgegeben worden ist. Der Bundestag darf das
Wahlprüfungsverfahren nicht zu einem "Wahlprüfungsverhinderungsverfahren" (Hans Meyer)
verkommen lassen. Das wäre ein demokratischer Skandal.“

Es ist mehr als offensichtlich, dass dem WPA die Rechtswidrigkeit der Bestimmungen bekannt ist. Hier
wird zum bloßen Machterhalt gegen rechtstaatliche Verfahrensgrundsätze verstoßen.

1.1.1.7 Zusammenfassung
1.1.2 Bündnis ‘90/die Grünen LV Thüringen

Neben der Frauenquote wird auch § 14 Abs. 2, Abs. 3 Satz 1 und Abs. 6 Satz 2 der Satzung des LV
Thüringen gerügt.

Die weitere Würdigung wird an nachfolgen Beispielen festgemacht.

Beispiel 1:

Kandidat A B C D E F
________
Stimme
Ja 16 15 14 13 12 2
189
Nein 17 17 17 17 17 17

Von 100 Delegierten haben 83 sich für einen BewerberInnen entschieden 17 dagegen. Alle sind
abgelehnt weil auf die einzelnen BewerberInnen mehr Nein als Ja-Stimmen vergeben wurden. Dieser
Effekt kommt dadurch zustande, dass sich die Zahl der Ja—Stimmen an die der zu besetzenden freien
Stellen und die Nein-Stimmen an die Zahl BewerberInnen gekoppelt wird. Je mehr BewerberInnen sich
je zu besetzende Stelle zur Wahl stellen und je uneiniger sich die BefürworterInnen unter den
Delegierten sind umso niedriger ist die Sperrhürde d.h. um so weniger „AblehnerInnen“ aller
KandidatInnen genügen, um die gesamte Wahl zum Scheitern zu bringen. Die Delegierten, die für
einzelne KandidatInnen stimmen wollen müssen sich für eine Person entscheiden, haben also nur eine
Stimme, während die GegnerInnen gegen alle BewerberInnen stimmen können. Damit haben die
GegnerInnen größere Einflussmöglichkeiten als die BefürworterInnen. Damit ist die Gleichheit der
Einflussmöglichkeiten und Stimmengleichheit nicht mehr gewährleistet. Damit wird nach politischer
Meinung unterschieden. Das verstößt aber gegen die Rechtsprechung des BVerfG nach BVerfGE <6
64>.

Beispiel 2

Keine Stimme: Enthaltung nach Abs. 2 Satz 3.

Zahl der 10 35 20 10 15 10 Ja Nein


Delegierten,
die wie folgt gesamt gesamt
gewählt
haben
Kandidierende
A / Ja Nein Nein Nein / 35 45
B Nein / Ja / Nein Ja 30 25

Hier wird der Widersinn der Demokratie deutlich. Obwohl Person A mehr Ja-Stimmen erhalten hat als
Person B, ist Person B gewählt worden. Nimmt man Abs. 2 Satz 3 als Maßstab, so wären alle
„Nichtstimmen“ als Enthaltungen zu werten und Person B müsste in einen weiteren Wahlgang.

Beispiel 3

Zahl der 10 8 20 22 20 10 10 Ja Nein Enth


Delegierten,
die wie folgt
gewählt
haben
Kandidierende
A Enth Nein Enth Ja Nein Ja Enth 32 28 40
B Ja / / / Ja Enth Enth 30 0 70

10 20 30 20 10 10 Ja Nein
A Enth Enth Ja Nein Ja Enth 40 20
B Ja / / Ja Enth Enth 30 0

Nach Abs. 2 und 3 müsste Person A und B in einen weiteren Wahlgang. Person B wär aber gewählt
worden, wenn die erzwungen Enthaltungen nicht nach Abs. 2 Satz 3 nicht wären. Damit Person B
gewählt, wenn die „erzwungenen“ Enthaltungen nicht wären.

190
Damit verstößt § 14 der Satzung gegen die Freiheit und Gleichheit des Wahlrechts. Die weiteren
Anforderung nach Freiheit von „widersinnigen Effekten“ und vermeidbare Einengung innerhalb des
Wahlsystems sind ebenso wenig erfüllt wie diese wonach jeder Wahlberechtigte erkennen können
muss, wie sich das eigene Wahlverhalten auf das Wahlergebnis auswirkt.

1.1.3 Bündnis ‘90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt

Anzahl der Bewerber/-innen

Als weiter Verfassungswidrigkeit ist die Regelung nach § 16 Abs. 2 und Abs. 3 der Satzung von Bündnis
‘90/die Grünen, Landesverband Sachsen-Anhalt, anzumerken. Diese führt zu einer
Ungleichbehandlung in Abhängigkeit der Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber. Dieser soll in
folgender Form dargelegt werden:

Fall 1: Einzelbewerbung nach Abs. 3:

Person A: 2 Stimmen
Nein: 1
Enthaltungen : 20
 Person A ist nicht gewählt.

Fall 2: „Kampfkandidatur“ nach Abs. 2:

3 Wahlgänge mit folgendem Ergebnis:

Person A: 2 Stimmen
Person B: 0 Stimmen
Nein : 1 Stimme
Enthaltungen: 20 Stimmen
 Person A gewählt.

Dieses Beispiel dokumentiert die Ungleichbehandlung in Bezug auf die Wahlchancen der
Bewerberinnen und Bewerber und die Einflussmöglichkeit der wahlberechtigten Delegierten.
Obwohl die Stimmverteilung in beiden Fällen identisch ist, ist Person A einmal nicht gewählt und in
anderen Mal schon. Und das nur, weil es einmal eine Einzelbewerbung und einmal eine
„Kampfkandidatur“ gab.
Auch hier habe ich mehrfach versucht, durch entsprechende Initiativen Änderungen herbeizuführen,
versuchte ich diese Ungleichheit zu entschärfen. Auch dies wurde abgeschmettert. Als Argument
wurde angeführt, dass Einzelbewerberinnen und –bewerber eine gewisse Mehrheit hinter sich haben
müssen. Diesem demokratischen Grundverständnis kann ich nicht folgen.

In den Fällen von Abs. 2 steht der Gedanke des Selektionsverfahrens zu Grunde. In den Fällen des Abs.
3 Satz 1 kann dieser Gedanke nicht in dieser Form verwirklicht werden. Folglich kann man annehmen,
dass Einzelbewerberinnen und –bewerber in einer gewissen Weise „privilegiert“ sind, da sich diese
einem solchen Selektionsverfahren nicht stellen müssen. Allerdings kann dieser Darstellung
nachfolgende Argumente entgegengehalten werden. Allem passiv Wahlberechtigten steht es frei sich
zur Wahl zu stellen bzw. haben alle Delegierten das Recht, weitere Bewerberinnen und Bewerber
vorzuschlagen. Wird weder von der einen, noch von der anderen Seite Gebrauch gemacht, kann draus
resultieren durchaus den Einzelbewerberinnen und -bewerbern ein derartiges „Privileg“ zugebilligt
werden. Weiterhin lässt so auch noch ein „ehernes Gesetz“ der Demokratie anführen. Demnach kann
man davon ausgehen, das bei Bewerberinnen oder Bewerbern, die einen niedrigen Zuspruch unter
den Wahlberechtigten haben, weitere Bewerbungen angezeigt oder entsprechende Vorschläge
191
gemacht werden, was wiederum einen gewissen Ausgleich schaffen könnte. Somit besteht für so eine
Ungleichbehandlung keine Rechtfertigung. Entgegen der sonstigen parteiinternen Wahlen ist noch die
Besonderheit der Abschlussabstimmung unter Anwendung der Rechtsvorschrift nach § 27 Abs. 5 i.V.m
§ 21 Abs. 1 Satz 2 BWG. In dieser müssen alle Gewählten gleichermaßen mit derselben
Verfahrensweise und Sperrhürde durch die Delegierten bestätigt werden, so dass davon Ausgegangen
werden kann, dass jene, die sich in einer „Kampfkandidatur“ durchsetzen mussten, einen größeren
Zuspruch erhalten, als jene, die als Einzelbewerberinnen oder –bewerber gewählt wurden , was einen
gewissen Ausgleich schaffen würde. Insoweit ist diese unterschiedliche Behandlung der einzelnen
Bewerberinnen und Bewerber unverhältnismäßig.

Einigermaßen zulässig wäre einige Regelung wonach man einheitlich bei der Wahl eine Sperrhürde der
einfachen Mehrheit nach 3 Wahlgängen und bei der Schlussabstimmung eine Sperrhürde der
absoluten Mehrheit nach einem Wahlgang festzusetzen.

1.1.4 Dynamische Verweisungen

In den satzungsmäßigen Bestimmungen der Parteien (§ 17 und § 18 Organisationsstatut CDU, § 10 der


Satzung von Bündnis ‘90/die Grünen, § 12 und § 13 der Satzung von die Linke und § 8 und § 9 des
Organisationstatuts der SPD) werden den einzelnen Gliederungen Organisations- und
Satzungsautonomie zugebilligt. Solche dynamischen Verweisungen verstoßen gegen die
Satzungsautonomie der Gliederungen Parteien, da diese es Dritten ermöglichen die Rechtsordnungen
der Gliederungen und möglicherweise gegen den Willen einzelner Mitglieder zu ändern. Die
Gliederungen gemäß § 7 PartG i.V.m § 6 Abs.1 Satz 2 PartG sind Zweigvereine des jeweiligen
Bundesverbandes. Abs. 1 S. 2 bestimmt, dass die Gebietsverbände ihre Angelegenheiten durch eigene
Satzungen regeln, soweit die Satzung des jeweils nächsthöheren Gebietsverbandes hierüber keine
Vorschriften enthält. Die Norm verleiht somit allen Gebietsverbänden die Satzungsautonomie, die
jedoch unter dem Vorbehalt des Ausschlusses durch die Satzung der nächsthöheren Ebene steht. Diese
kann die Möglichkeit der Satzungsgebung für die nachgeordnete Gebietsverbandsebene vollständig
ausschließen oder inhaltlich begrenzen. Ein solcher Ausschluss bedarf zwingend der Normierung in der
jeweiligen Gebietsverbandssatzung. Gleichzeitig stellt die Vorschrift klar, dass innerhalb des
Satzungsrechts der verschiedenen Ebenen ein Geltungsvorrang der jeweils höherstufigen Satzung
besteht.202 Soweit der Wortlaut der Vorschrift die Begrenzung der Satzungsautonomie lediglich auf die
jeweils höhere Verbandsebene beschränken will, bedarf dies einer teleologischen Korrektur. Denn
wenn etwa der Gesamtpartei die Befugnis zukommt, die Satzungsautonomie der direkt
nachgeordneten Gebietsverbandsebene auszuschließen oder sie einzuschränken, so schließt sie damit
auch die Fähigkeit dieser Gebietsverbände aus, die Satzungsautonomie der ihnen wiederum
nachgeordneten Gebietsverbände auszuschließen oder einzugrenzen. Gebietsverbände der dritten
Ebene hätten dann automatisch uneingeschränkte Satzungsautonomie, obwohl und gerade weil die
Satzungsautonomie von Gebietsverbänden der zweiten Ebene ausgeschlossen oder stark beschränkt
ist. Dieses Ergebnis kann gerade vor dem in Abs. 1 S. 2 postulierten Geltungsvorrang des jeweils
höheren Satzungsrechts keinen Bestand haben. Die Satzungsautonomie der Gebietsverbrinde muss
daher auch durch höhere als die direkt übergeordneten Verbandsebenen beschränkbar sein.203
Folglich setzt eine Beschränkung der Satzungsautonomie konkrete satzungsmäßige Bestimmungen
übergeordneter Gliederungen voraus. Somit ist eine Beschränkung der Satzungsautonomie durch
dynamische Verweisungen unzulässig und somit nichtig. Insoweit muss dann bei Wahlen gemäß § 15
PartG i.V.m. § 32 BGB verfahren werden. Ist das nicht der Fall, wären entsprechende Wahlen nichtig.

1.1.5 Mindestquoren gültiger Stimmen

202
Lenski, § 6, Rn 10
203
Ebenda, Rn 11
192
Wie zum Thema der BGH204 ausführte „Wohl aber ist zu prüfen, ob das Ziel, durch den Zwang zu voller
Stimmenausnutzung zu Mehrheitsentscheidungen einer möglichst hohen Mitgliederzahl zu gelangen,
die negative Auswirkung der Blockwahl aufwiegt: die Verfälschung des Wahlergebnisses, soweit
Mitglieder zu Stimmabgaben wider ihre Überzeugung oder zum Fernbleiben von der Wahl genötigt
werden. Gerade auf der untersten Parteiebene muss nach demokratischen Grundsätzen Rücksicht auf
Wähler genommen werden, die sich zwar an die allgemeine Parteilinie halten, sich aber in diesem
Rahmen in innerparteilichen Minderheiten befinden. Soweit nur einzelne Wähler für ihre Person oder
kleine im Parteileben unbedeutende Gruppen betroffen werden, ist die mögliche Auswirkung auf die
Willensbildung der Mitgliedergesamtheit und damit das Schutzbedürfnis unerheblich. Je geringer das
Verhältnis der Zahl der abzugebenden Stimmen im Verhältnis zur Zahl der Mitglieder ist, um so eher
kann auch von Minderheiten erwartet werden, dass sie genügend Mitglieder ihrer Richtung zur
Kandidatur bewegen und damit auch wählen können - oder sie vertreten eine Überzeugung, die in der
übrigen Mitgliederschaft zu wenig Anhänger hat, um besondere Berücksichtigung zu verdienen. Je
mehr Stimmen dagegen im Verhältnis zur Mitgliederzahl abgegeben werden müssen, umso eher ist es
möglich, dass auch größere Minderheiten nicht genügend Kandidaten präsentieren können und damit
die Grenze erreicht wird, jenseits deren es nach demokratischen Grundsätzen im Interesse relevanter
Minderheiten nicht mehr vertretbar erscheint, die volle Stimmausnutzung zu fordern.“ In ähnlicher
Weise kann auch beim Zwang zur teilweisen Stimmenausnutzung argumentiert werden. Dies gilt
grundsätzlich dann, wenn die geforderte Mindestanzahl abzugebender gültiger Stimmen den Wert 1
übersteigt. Dies stellt nicht nur ein Verstoß gegen die Freiheit und Gleichheit der Wahl sondern auch
gegen den Minderheitenschutz und der Treuepflicht zur Gleichbehandlung aller Parteimitglieder dar.
Ein Verstoß gegen die Freiheit der Wahl liegt insoweit vor, als dass ein unzulässiger Zwang zur
Ausnutzung eines bestimmten Teils des Stimmenkontingents ausgeübt wird. Ferner wird in
unzulässiger Form die Entschließungsfreiheit der Parteimitglieder auf innerhalb des Wahlsystems
vermeidbaren Weise verengt. Es gehört zur Freiheit der Wahl darüber zu entscheiden, in welchem
Maße man als Wahlberechtigter sein Stimmenkontingent ausnutzen möchte. Bezüglich der Anzahl zu
wählenden Personen ist es auch eine Form der politischen Meinungsäußerung und Willensbildung zu
entscheiden, ob man nur eine bestimmte oder ein Vielzahl von Personen wählen möchten. Insoweit
wird im Zählwert der Stimmen nach politischer Meinung unterschieden. Wer weniger Stimmen
verteilt, als das Stimmenquorum es vorgibt, dessen Stimmen nehmen den Zählwert ungültig und wer
mindestens so viele Stimmen verteilt, wie das Stimmenquorum es vorschreibt, dessen Stimmen
nehmen den Zählwert gültig ein sofern die Höchstzahl verteilbarer Stimmen nicht überschritten wird.
Ferner wird hier in der Gleichheit der Erfolgschancen und der Einflussmöglichkeiten verletzt. Es findet
somit eine Ungleichbehandlung im Bereich der Wahlrechtsgleichheit nach politischer Meinung statt.
Eine solche Ungleichbehandlung hat bereits der BGH in seiner o.g. Entscheidung für unzulässig erklärt.
Das lässt sich Anhand folgenden Beispiels darstellen. Es werden 10 Personen gewählt. Der Vorstand
macht einen Vorschlag mit 20 Personen. Wahl erfolgt nach den Grundsätzen der Verhältniswahl nach
d’hondtschen Höchstzahlverfahren. Es darf nicht kumuliert werden. Aus den Reihen der
Wahlberechtigten wird eine Person als Gegenvorschlag gemacht. Nach o.g. Regelungen müssen
mindesten 5 gültige Stimmen verteilt werden. D.h. diejenigen, die nur den einen „Gegenkandidaten“
wählen möchten, sind gezwungen 4 Stimmen auf den Vorschlag des Vorstandes zu verteilen und
schmählern somit die Wahlchancen des Gegenkandidaten. Aufgrund des Umstandes, dass das
Verfahren nach d’Hondt zusätzlich starke Liste begünstigt, wird der Vorstand bei der Durchsetzung
seiner Vorstellungen regelrecht privilegiert. Insoweit wird auch gegen den Minderheitenschutz
verstoßen, da Minderheiten zusätzlich diskriminiert werden. Auch hierauf hat der BGH in seiner o.g.
Entscheidung hingewiesen. Es findet somit eine Ungleichbehandlung nach politischer Meinung statt.
Ferner wird ein derartiges Stimmenquorum der Anforderung nicht gerecht, dass sich der Wille der
Wahlberechtigten unverfälscht im Wahlergebnis widerzuspiegeln hat.
Wie bereits vor Jahren Herr Seifert205 ausgeführte

204
BGH, 17. Dezember 1973,Az. II ZR 47/71 (KG)
205
Jürgen Seifert, Kritische Justiz 1969, S. 284-289
193
„Der Parole, in den Parteien mitzuarbeiten und dort Veränderungen durchzusetzen, liegt die Annahme
zu Grunde, die innerorganisatorische Struktur dieser Parteien sei für Veränderungen offen. Das
sogenannte Blockwahlsystem, auf das die Öffentlichkeit durch die Anfechtung innerparteilicher Wahlen
durch Westberliner Sozialdemokraten und durch die daraufhin ergangenen Entscheidungen
Westberliner Gerichte206 aufmerksam geworden ist, zeigt deutlich die Grenzen, die einer derartigen
Betätigung gesetzt sind.
Wissenschaft und Öffentlichkeit haben in der Bundesrepublik dem Problem innerparteilicher
Demokratie lange Zeit kaum Aufmerksamkeit geschenkt 207. Insbesondere die Sicherung der Rechte des
Parteimitgliedes blieb ein Stiefkind der wissenschaftlichen Erörterung 208. Erst die Auseinandersetzung
zwischen der SPD und dem SDS in den Jahren 1960 bis 1963 hat einen Wandel gebracht 209. In den
politischen Parteien werden Statutenfragen meist als bloße Machtfrage behandelt. Insbesondere die
noch ungeschriebene Geschichte der permanenten Reform des Parteistatuts der SPD und der
Ausschlußbestimmungen dieser Partei nach 1945 zeigt eine primär Machtpositionen sichernde
Ausnutzung und Veränderung dieser Rechtsbestimmungen. Die Anfechtung des innerparteilichen
Blockwahlsystems verdient Beachtung, denn dieser Wahlmodus wird nicht nur innerhalb des
Landesverbandes Berlin der SPD angewandt. Mit ihm wird zugleich das Wahlsystem in Frage gestellt,
nach dem seit 1958 die Parteivorstände der SPD auf den Parteitagen gewählt worden sind. Die Kritik
des Blockwahlsystems kann rein defensiv der Sicherung der Statusrechte der Parteimitglieder dienen.
Dadurch wird allerdings der Verdinglichungsprozeß in den politischen Parteien nur verstärkt, denn den
innerorganisatorischen Normen wird dann ein Stellenwert zuerkannt, den diese in der Realität nicht
haben. Aber auch eine Kritik, die das Blockwahlsystem lediglich als ein Symptom interpretiert und in
der Rechtswidrigkeit dieses Wahlmodus nichts als einen Ansatz sieht, eine politische Partei in ihrer
Machtpositionen sichernden Strukturen zu entlarven, verstärkt das verdinglichte Verhalten gegenüber
der Partei (es entscheidet dann das bloße Dafür oder Dagegen), statt diejenigen zu solidarisieren, die -
unabhängig vom Besitz von Mitgliedsbüchern – entschlossen sind, allen autoritären Tendenzen in Staat
und Gesellschaft entgegenzuwirken. Die Beschränkungen, denen eine isolierte juristische Aktion
unterworfen ist, können nur vermieden werden, wenn die Wahlanfechtung und die juristische Kritik
getragen wird von einer politischen Aktion, die auf allen Ebenen die hierarchisch oligarchischen
Strukturen der modernen Mitgliederorganisationen politisch in Frage stellt und die Entscheidung über
das Blockwahlsystem nicht juristischen Instanzen und ihren Zufälligkeiten überläßt 210. Um was geht es
bei der Auseinandersetzung um das Blockwahlsystem? Aus Gründen der Vereinfachung ist es bei

206
Landgericht Berlin, Jürgen Vietig u. Rudolf Schmidt gegen Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Landesverband Berlin (Einstweilige
Verfügungen vom 24· April 1969, Az: 14. o. 143/69 und q. o. 145/69); der Beschluß wurde bestätigt durch die auf Grund des Widerspruchs
ergangene Entscheidung des Landgericht Berlin vom 12. Mai 1969 und am 25. Juli 1969 aufgehoben vom 2. Feriensenat des Kammergerichts.
207
Eine Ausnahme ist Gerhard Leibholz, Strukturprobleme der modernen Demokratie, Karlsruhe, 1958, S. 123.; für die Weimarer Zeit vgl.
die noch heute beachtenswerte: Arbeit von Fritz Bieligk, Ernst Eckstein, Otto Jenssen, Kurt Laumann u. Helmut Wagner, die: Organisation
im Klassenkampf. Probleme der politischen Organisation der Arbeiterklasse (2. Buch der Roten Bücher), Berlin, o. J. [I93I], Neuauflage:
Frankfurt am Main, 1967.
208
Zur Diskussion in den angelsächsischen Ländern vgl. insbesondere Clyde W. Summers, >>Legal Limitation on Union Disciplin<<, in:
Harward Law Review, Jg. 64, H. 7 (Mai 1951), S. 1049- 1102; ders., >>The Law of Union Discipline: What ehe Courts do in Fact<<, in: Yale Law
Journal, Jg. 70, H. 2 (Dezember 1960), S. 175-224; R. W. Rideout, The Right to Membership of a Trade Union, Bristol, 1963; vgl. ferner The
Labor-Management Reporting and Disdosure Act of 1959, Darstellung und weitere Literaturhinweise bei Kurt H. Biedenkopf, Unternehmer
und Gewerkschaft: im Recht der Vereinigten Staaten, Heidelberg, 1961, S. 213 ff. In der Bundesrepublik gab es lange Zeit keine entsprechende
Diskussion.
209
Jürgen Seifert, innerparteiliche Opposition, in: Frankfurter Hefte, Jg. 15, H. II (November 1960), S. 765-777-; Helmut Lenz und Christoph
Sasse, >>Parceiausschluß und Demokratiegebote<<, in: Juristenzeitung, Jg. 17, H. 8 (1962), S. 233-241; Wolfgang Abendroch, >>Das Problem
der innerparteilichen und innerverbandlichen Demokraeie in der Bundesrepublik<<, in: ders., Antagonistische Gesellschaft und politische
Demokratie, Berlin, Neuwied, 1967, S. 272 bis 317 (Erstveröffenlichung: Politische Vierteljahresschrift, Jg. 5, H. 3 [1964), S. 307 ff.); vgl. dazu
Otto Kirchheimer, >>Der Wandel des westeuropäischen Parteisysteme, in: Politische Vierteljahresschrift, 6. Jg., H. I (1965), insb. S. 41
Fußnote; zur Literatur über innerparteiliche Demokratie vgl. ferner: Ulrich Lohmar, Innerparteiliche Demokratie, Stuttgart, 1963; Ute Müller,
Die demokratische Willensbildung in den politischen Parteien, Mainz, 1967; W. Henke, Das Recht der politischen Parteien, Göttingen, 1967
Frieder Nasdtold, Organisation und Demokratie, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 1969.
210
Eine politische Bewegung, die die Demokratisierung aller politischen und gesellschaftlichen Bereiche intendiert, muß solche Aktionen -
wie andere Aktionen, durch die autoritäre Machtstrukturen in Frage gestellt werden - unterstützen, selbst dann, wenn feststehen würde,
daß es unmöglich ist innerhalb der eindimensional an Wahlkampf und Stellenbesetzung orientierten Mitgliederpartei Selbsttätigkeit zu
entwickeln; denn auch die im Scheitern gemachten Erfahrungen können politisch wirksam werden.
194
Wahlen zulässig und üblich, verschiedene Wahlgänge, bei denen mehrere Wahlämter zu besetzen sind,
zu einem Wahlakt zusammenzulegen. Der Wahlberechtigte wählt dann auf Grund einer ungebundenen
Kandidatenliste oder auf Grund mehrerer solcher Listen. Dabei wird ihm das Recht eingeräumt, eine
bestimmte Anzahl der Kandidaten zu wählen oder nicht zu wählen.
Beim Blockwahlsystem wird dieses Recht beschnitten. Nur diejenigen Stimmen werden für gültig
erklärt, die nicht mehr und nicht weniger als eine bestimmte Anzahl von Namen enthalten. Der
Wahlberechtigte kann bei diesem Wahlmodus nicht lediglich für eins oder einige der zu besetzenden
Wahlämter wählen,
sondern muß für einen anzahlmäßig bestimmten »Block« von Kandidaten stimmen. Dem
Wahlberechtigten wird somit das Recht genommen, sich nicht nur beim Wahlakt insgesamt, sondern
auch bei den Einzelabstimmungen innerhalb des zusammengelegten Wahlakts der Stimme zu
enthalten. Der Wahlberechtigte hat beim Blockwahlsystem nur die Möglichkeit, entweder eine gültige
Stimme abzugeben, indem er sich einem bis in die Anzahl der aufzuführenden Namen reichenden
Wahlzwang beugt, oder aber insgesamt ungültig zu stimmen. Dem Wahlberechtigten, der eine gültige
Stimme abgeben will, wird die volle Ausnutzung der Stimmen zu Pflicht gemacht. Er kann somit
gezwungen sein, Kandidaten zu wählen, die er nicht wählen will. Das Blockwahlsystem wurde in
Gliederungen des Landesverbandes Berlin der SPD seit 1957 benutzt211. Zur Zeit der Einführung ging es
um die Ausschaltung des Flügels, der den bis Januar 1958 amtierenden Vorsitzenden des Berliner
Landesverbandes Franz Neumann stützte212. Das Blockwahlsystem wurde auf Bundesebene zum ersten
Mal auf dem Stuttgarter Parteitag der SPD 1958 angewandt, auf dem sich die Parteilinke mit der
Parteirechten gegen das Zentrum verbündeten213. Auch auf den SPD-Parteitagen 1960 und 1962 wurde
– jeweils auf Antrag des Parteivorstandes- nach dem strikten Blockwahlsystem gewählt 214. Auf dem
Parteitag 1962 kritisierte der hessische Delegierte Rudi Arndt dieses Wahlsystem. Dabei rügte er unter
anderem, daß auf dem Parteitag in Hannover (r96o) die Delegierten von 31 Namen nur 2
herausstreichen konnten215. Das Blockwahlsystem erfüllt bei den Wahlen des Parteivorstandes nicht
nur die Funktion, die vom entlasteten Parteivorstand vorgeschlagene Kooptation abzusichern, sondern
verhindert auch, daß führende Mitglieder des Parteivorstandes für ihr politisches Verhalten durch eine
auffallende Verringerung der Stimmenzahl kritisiert werden können. Zugleich sorgt dieser Wahlmodus
dafür, daß - sofern in der öffentlichen Berichterstattung Zahlen genannt werden - die bekannten
Vorstandsmitglieder jeweils mit einem relativ hohen Prozentsatz der abgegebenen Stimmen aufgeführt
werden.
Der seit 1958 auf SPD-Parteitagen gehandhabte Wahlmodus fand in vielen Parteigliederungen der SPD
Nachahmung. Eine Rolle spielte dabei die Erfahrung, daß das Blockwahlsystem häufig die
Notwendigkeit mehrerer Wahlgänge entfallen läßt. Dazu kann es kommen, wenn nicht genügend
Kandidaten die nach der Wahlordnung in der SPD in der Regel erforderliche Mehrheit der abgegebenen
Stimmen erhalten haben. Auf den SPD-Parteitagen 1964 und 1966 wurde das Blockwahlsystem
geringfügig modifiziert216. Der Parteivorstand hatte auf beiden Parteitagen zunächst einen Antrag auf
Wahl nach dem strikten Blockwahlsystem gestellt (Stimmzettel, die mehr oder weniger als 29 Namen
enthalten, sind ungültig) 217. Die Delegierten konnten erreichen, daß der Parteivorstand seinen Antrag
zurückzog und daß folgende Modifizierung die Mehrheit fand: » ... sind Stimmzettel, die mehr als 29
oder weniger als 25 Namen enthalten, ungültig.« Sowohl auf dem Parteitag 1964 wie 1966 wurde der
vom Bezirk Hessen-Süd gestellte weiterreichende Antrag zurückgezogen, um wenigstens diese

211
Das hat der Landesverband Berlin der SPD in dem anhängigen Rechtsstreit vorgetragen, vgl. die Entscheidung des LG Berlin vom 12. Mai
I969, a. a. 0., S. 4
212
Zur Rolle, die Klaus Schütz in dieser Auseinandersetzung spielte, s. Kai Hermann, •Im Kreuzfeuer der Heckenschützen«, in: Die Zeit, Jg. 2:1, 6.
Oktober I967, S. 3·
213
Vorstand der SPD, Hrsg., Protokoll der Verhandlungen des Parteitags der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands vom r8.-zJ. Mai I958
in Stuttgart, Bonn, o. J., [im folgenden wie die Protokolle der folgenden Parteitage abgekürzt: Protokoll …. ], S. 4I9 f. und S. 436.
214
Protokoll 1960 (Hannover), S. 534; Protokoll 196.2 (Köln), S. 480 f.
215
ebenda
216
Protokoll 1964 (Karlsruhe), S. 8I5 f.; Protokoll 1966 (Dortmund), S. 703 f.
217
Protokoll 1964 (Karlsruhe), Antrag r6r, S. 940; Protokoll 1966 (Dortmund), Antrag G 4, S. 88r.
195
Modifizierung durchzusetzen21813. In der Begründung des 1966 vom Bezirk Hessen-Süd gestellten
Antrags heißt es:
»Diese Bestimmung [des strikten Blockwahlsystems] bedeutet die Einschränkung der Möglichkeit der
Willensäußerung der Delegierten bei der Wahl des Parteivorstandes, die in diesem Umfang durch nichts
gerechtfertigt werden kann, auch nicht durch den Hinweis, daß man auf diese Weise verhindern will,
daß einzelne Delegierte sonst nur jeweils einen Kandidaten wählen würden.«

Auf dem Parteitag 1968 fand nach einem Plädoyer von Heinz Kühn, das auf den Wahlmodus auf den
Parteitagen 1964 und 1966 nicht einging, der Antrag des Parteivorstandes, nach dem strikten
Blockwahlsystem zu wählen, die Mehrheit gegenüber dem Antrag auf Modifizierung 219 . Die 14.
Zivilkammer des Landgerichts Berlin hat ihre Ablehnung des Blockwahlsystems in der am 12. Mai I969
verkündeten Entscheidung auf die Verletzung der im Landesverband Berlin der SPD geltenden
Wahlordnung gestützt: »Darin ist zwingend vorgeschrieben, daß Stimmenthaltungen als gültige
Stimmen zu werten sind (§ I Abs. I Satz 2 der Wahlordnung). Das ist aber bei dem in den Wahlen ...
angewendeten Wahlmodus nicht gegeben.« 220 Das Kammergericht hat aus formellen Gründen zwar
die erlassene einstweilige Verfügung aufgehoben, in der Sache jedoch zu erkennen gegeben, daß es
den geäußerten Bedenken gegen das Blockwahlsystem zustimmt221 .
Für die Bundesorgane der SPD besteht keine der Wahlordnung des Landesverbandes Berlin der SPD
entsprechende Regelung. Die Wahlen, durch die der amtierende Parteivorstand der SPD auf dem
Nürnberger Parteitag 1968 gewählt wurde, sind jedoch wegen Verstoßes gegen verfassungsrechtliche
und gesetzliche Schranken rechtswidrig 222.
Das strikte Blockwahlsystem, das einen Teil der wahlberechtigten Parteimitglieder in die
Zwangssituation bringt, entweder für unerwünschte Kandidaten und solche, die unannehmbare
Auffassungen vertreten, zu stimmen oder aber auf die Abgabe einer gültigen Stimme überhaupt zu
verzichten, verletzt die aktiven Statusrechte des Parteimitgliedes. Für Inhalt und Grenzen dieser
Statusrechte sind maßgebend die im Parteiengesetz aufgestellten Grundsätze und die durch Art. 21
Abs. 1 Satz 3 GG unmittelbar transformierten- zum Bestand einer freiheitlichen demokratischen
Grundordnung gehörenden- individuellen Freiheitsrechte und Teilnahmerechte 223. Diese Gestaltungs-
und Teilnahmerechte der Parteimitglieder, die den demokratischen Willensbildungsprozeß garantieren,
sind der privatautonomen Satzungsgewalt der Parteien entzogen.
1. Der durch das strikte Blockwahlsystem bei der Stimmabgabe ausgeübte Zwang widerspricht der
durch Art. 2 Abs. 1 GG garantierten allgemeinen Handlungsfreiheit. Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG hat Art. 2
Abs. 1 GG unmittelbar transformiert22419. Damit wird das Recht auf aktive Teilnahme am
Willensbildungsprozeß in den politischen Parteien verfassungsrechtlich gewährleistet. Dem
entsprechen § 7 Abs. 1 Satz 2 und 1 5 Abs. 3 Satz 1 PartG, die gebieten, »daß den Mitgliedern eine
angemessene Mitwirkung an der Willensbildung der Partei möglich ist« und »daß eine demokratische
Willensbildung gewährleistet bleibt«. Die Schutzbedürftigkeit der sich in Wahlen artikulierenden
Handlungsfreiheit des einzelnen Parteimitgliedes wird durch den im PartG postulierten Grundsatz der
geheimen Wahlen für Vorstands- und Delegiertenwahlen nachdrücklich anerkannt (§ I 5 Abs. 2 Satz I
PartG).

218
Protokoll 1964 (Karlsruhe), Antrag 4, S. 990: . … sind Stimmzettel, die weniger als I5 oder mehr als Z9 Namen enthalten, ungültige;
Protokoll 1966 (Dortmund), Antrag G 6, S. 882: . .. sind Stimmzettel, die weniger als zwei Drittel oder mehr als die Gesamtzahl der zu
Wählenden enthalten, ungültig.
219
Protokoll 1968 (Nürnberg), S. 824 (Antrag 429 des Parteivorstandes, S. 1076, Antrag 430 -abgelehnt-, Ergänzungsband, S. 7).
220
A. a. 0 ., S. 9; ebenso die im Rechtsstreit erstatteten Gutachten von Erich Küchenhoff und Jürgen Seifert.
221
Einstweilige Verfügung gegen SPD-Wahlen aufgehoben, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Juli r969, Nr. 170, S. 4: •Der Senat habe
zwar Bedenken, daß das Wahlverfahren ganz korrekt sei; das spiele hier [im einstweiligen Verfügungsverfahren] aber keine Rolle.•
222
Der folgende Text stützt sich auf Gedanken, die der Verfasser in dem Gutachten dargelegt hat, das er in dem Berliner Rechtsstreit erstattet hat. Im
Ergebnis zustimmend Erich Küchenhoff, [unveröffentlichtes] Rechtsgutachten über die Vereinbarkeit des sog. Blockwahlsystems mit dem geltenden
Recht, Münster, I969.
223
Ebenso Lenz u. Sasse, a. a. 0., S. 237 u. 240; ob im Rahmen einer inhaltlichen Nachprüfung auch die zivilrechtliehen Kriterien gemäß § I38 u.
8%6 BGB Anwendung finden, kann hier dahingestellt bleiben.
224
ebenda, S. 240
196
Immanenter Bestandteil der durch Art. 2 Abs. 1 GG anerkannten allgemeinen Handlungsfreiheit ist das
durch das strikte Blockwahlsystem ausgeschlossene Recht jedes wahlberechtigten Parteimitgliedes,
nicht gegen die eigene Oberzeugung für unerwünschte Kandidaten stimmen zu müssen, d. h. sich im
Einzelfall der Stimme enthalten zu können, ohne damit das Recht zu verlieren, für erwünschte
Kandidaten zu stimmen. Dieses Recht gehört zum Kernbestand der durch das GG garantierten
Freiheitsrechte225.
Das Recht auf Stimmenthaltung wird daher auch in allen Wahlgesetzen des Bundes, der Länder,
Gebietskörperschaften und Gerneinden anerkannt. Nicht einmal Staaten mit gesetzlich festgelegter
Wahlpflicht schließen das Recht auf Stimmenthaltung aus. Die Willensbildung in einer politischen Partei
ist daher nur dann, demokratisch« im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG und § 15 Abs. 3 Satz 1 PartG -
und damit nur dann rechtmäßig -, wenn dieses Recht auf Stimmenthaltung sowohl für den Wahlakt
insgesamt wie (bei einem zusammengelegten Wahlgang) für jede einzelne Wahlentscheidung
gewährleistet ist. Innerparteiliche Wahlverfahren, die auf dem Prinzip der strikten Blockwahl beruhen,
sind daher nichtig.
2. Das Prinzip der allgemeinen Handlungsfreiheit nach Art. 2 Abs. 1 GG und die Grundsätze
demokratischer Willensbildung im Sinne von Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG und § 15 Abs. 3 Satz 1 PartG
werden durch das strikte Blockwahlsystem nicht nur deshalb verletzt, weil dieser Wahlmodus gegen
das Recht auf Stimmenthaltung verstößt. Das strikte Blockwahlsystem zwingt einen Teil der
wahlberechtigten Parteimitglieder - auf Grund der sonst eintretenden Ungültigkeit ihrer Stimme - nicht
nur Kandidaten ihre Stimme zu geben, die nicht ihren politischen Vorstellungen entsprechen und die -
vorn Abstimmenden für richtig gehaltenen politischen Entscheidungen verhindern, sondern zusätzlich
auch noch die Erfolgschancen der vom Abstimmenden gutgeheißenen Kandidaten selbst zu schmälern.
Durch diese Zwangssituation wird einem Teil der wahlberechtigten Parteimitglieder die Möglichkeit
genommen, ihre Meinung und ihren Willen zu konkreten politischen Fragen durch die Wahl eigener
Kandidaten zu bekunden.
Eine solche Bekundung der eigenen politischen Auffassung in anstehenden Entscheidungen durch das
Instrument der Wahl aber ist, wie Klaus Schütz zutreffend darlegte, innerhalb einer politischen Partei
die einzige Chance für Mitwirkungarn Prozeß politischer Willensbildung226. Die mit dem strikten
Blockwahlsystem für einen Teil der wahlberechtigten Parteimitglieder verbundene Zwangssituation
verstößt gegen das Demokratiegebot der Verfassung. Das GG gebietet, »das einzelne Individuum in die
Lage zu versetzen, daß es in Freiheit an den maßgeblichen politischen Entscheidungen der Parteien
teilnehmen kann227. Der durch das Blockwahlsystem ausgeübte Zwang widerspricht ferner Art. 3 Abs.
1 GG. Die Geltung des Gleichheitssatzes wird vom Bundesverfassungsgericht für alle Personenverbände
anerkannt228. § 10 Abs. 2 Satz 1 PartG postuliert ausdrücklich den Grundsatz der Gleichbehandlung aller
Parteimitglieder bei Wahlen. Die Chancengleichheit der Mitglieder wird verletzt, wenn eine Gruppe von
Parteimitgliedern die Möglichkeit hat, ausschließlich Kandidaten ihre Stimme zu geben, die die von
ihnen vertretene Politik repräsentieren, eine andere Gruppe aber gezwungen ist, auch Kandidaten mit
fremden politischen Auffassungen zu wählen und damit zugleich die Erfolgschancen der eigenen
Kandidaten zu mindern229. Die Verletzung des Gleichheitssatzes ist unabhängig von den Modalitäten
bei der Kandidatenaufstellung gegeben. Der Einwand, wer nicht genug Kandidaten benenne, müsse für
die dadurch entstehende Beeinträchtigung der Chancengleichheit selbst einstehen, verkennt, daß das
Parteimitglied, das einer Minderheit angehört, häufig gerade nicht in der Lage ist, eine ausreichende
Anzahl von Kandidaten zu benennen. Das strikte Blockwahlsystem bevorzugt unter den
Parteimitgliedern Anhänger von Parteigruppierungen, die in der Lage sind, die entsprechende Zahl von
Kandidaten aufzustellen; es benachteiligt Mitglieder und Gruppierungen, die das nicht können. Damit

225
ebena
226
Klaus Schütz [derzeitiger Vorsitzender des Landesverbandes Berlin der SPD], •Die Meinungs- und Willensbildung in der Sozialdemokratie•, in: Die
neue Gesellschaft, Jg. 5, H. 5 (Sept. bis Okt. 1958}, S. 368; Schütz konstatiert, daß in der SPD das Mitglied - auch wenn es Mitarbeiter ist - außerhalb
von Wahlen keine Möglichkeit hat, seine Meinung und seinen Willen zu konkreten politischen Fragen zu bekunden.
227
Gerhard Leibholz, a. a. 0., S. 88.
228
BVerfGE 6, 2.2.
229
Diese Verletzung des Gleichheitssatzes wird von dem Rechtsvertreter des Landesverbandes Berlin der SPD anerkannt und in dem Schriftsatz vom
z8. Juni 1969 (S. 19) als »Gleichheitsdefizit• bezeichnet.
197
begünstigt dieses Blockwahlsystem Parteimitglieder, die sich einer Mehrheitsgruppierung zurechnen,
und wendet sich gegen Parteimitglieder, die in der Minderheit sind. Diese Ungleichbehandlung besteht
unabhängig davon, ob die Kandidatenbenennung durch formelle Bestimmungen erschwert
beziehungsweise dem wahlberechtigten Parteimitglied entzogen ist oder ob die Kandidatenbenennung
nur aus tatsächlichen Gründen auf Schwierigkeiten stößt.
Der Gleichheitssatz schützt die individuellen Mitwirkungsrechte der Parteimitglieder230.
Parteimitglieder müssen in ihren Rechten gleichbehandelt werden unabhängig davon, ob sie sich zu
einer Mehrheits- oder Minderheitsgruppierung zählen. Wahlvorschriften, die dagegen verstoßen, und
Wahlen, die nach einem solchen Wahlmodus durchgeführt werden, sind nichtig. “

Damit hat Herr Seifert umfangreiche Ausführungen gemacht. Der BGH hat in seiner späteren
Entscheidung die Sache anders gesehen.
1.1.6 Imperatives Mandat

Das imperative Mandat des KV Fulda von Bündnis ‘90/die Grünen ist ein Verstoß gegen § 15 Abs. 3 Satz
3 PartG. Dieser könnte bei einen Listenparteitag von Relevanz gewesen sein.

1.1.7 Unterschriftenquoren Hessen

Die Unterschriftenquoren sind rechtswidrig, da nach § 21 Abs. 3 Satz und § 27 Abs.5 BWG jeder
Delegierte das Wahlvorschlagsrecht hat.
Durch Satzungsrecht können die gesetzliche Maßgabe des Abs. 3 Satz 2 ebenso wie diejenige des Abs.
3 Satz 3 nicht außer Kraft gesetzt und verdrängt werden. Daher sind - mit dem Ziel der Verhinderung
von Missbräuchen eingeführte - Antragsquoren für Wahlvorschläge einzelner Parteimitglieder oder -
delegierter in Parteistatuten ebenso wie satzungsmäßig verankerte Antragsquoren für
Abänderungsanträge (Alternativanträge) gegenüber Vorschlägen von hierzu legitimierten
Parteigremien grundsätzlich unzulässige Einschränkungen (Beschneidungen) des Vorschlags-,
Vorstellungs- und Diskussionsrechts der abstimmungsberechtigten Versammlungsteilnehmer. Sie
degradieren letztlich die Bewerberwahl weitgehend zu einem bloßen >>Abnicken« des
Parteigremienvorschlages. Innerparteiliche Antragsquoren können nach Wortlaut, Sinn und Zweck der
gesetzlichen Regelungen auch nicht in ein individuelles Antragsrecht und ein Unterstützungsquorum
(nur) für die sich anschließende Vorstellung, Diskussion und Abstimmung umgedeutet werden.
Dadurch würden die vornehmlich aus basisdemokratischen Erwägungen neu geschaffenen
Vorschriften letztlich wieder »leer laufen«. Alle stimmberechtigten Parteimitglieder müssen für jede
Position des Wahlvorschlages uneingeschränkt die Möglichkeit haben, eigene Personalvorschläge zu
präsentieren, um durch personelle Alternativen nach Diskussion eine Auswahl unter mehreren
Bewerbern zu ermöglichen. Auch Selbstvorschläge sind zulässig. In jeder Phase des
Aufstellungsverfahrens muss ein freies Nominierungsrecht gewährleistet sein, in jeder
Nominierungsstufe muss der Wahlvorschlag demokratischen Grundsätzen entsprechen. Die
»Angemessenheitsklausel« in Abs. 3 Satz 3 erlaubt die Verhinderung von Missbräuchen. Sonstige
satzungsmäßige Festlegungen bleiben zulässig, sofern sie sich im Rahmen der gesetzlichen
Anordnungen halten. Abs. 3 Satz 2 ist mit der durch Art. 21 Abs. 1 GG gewährleisteten
Satzungsautonomie der Parteien vereinbar. Die Regelung des Abs. 6 Satz 2 ist zu beachten. 231

230
Das Parteimitglied kann die individuellen Mitwirkungsrechte und den Anspruch auf Gleichbehandlung nicht durch Verhaltensweisen
•verwirken•, für die nicht das einzelne Parteimitglied, sondern innerparteiliche Gruppierungen insgesamt, d. h. ein Mehrheits- oder
Minderheitsflügel verantwortlich sind. Das •Gleichheitsdefizit kann nicht durch die Konstruktion einer •Fraktionshaftung• ausgeglichen
werden. Das Parteimitglied kann seine sich aus dem Gleichheitssatz ergebenden Rechte auch nicht deshalb verlieren, weil seine Stimmabgabe
als »destruktive Opposition• ausgelegt wird.
231
Schreiber 2013, S. 500-501, Rn 29
198
Dies könnte von Mandatsrelevanz sein. Immerhin hätte einzelne Delegierte Vorschläge machen
können, die zur Änderung der Landesliste geführt hätten. Dieser Sachverhalt führte bereits zur
Europawahl 2004 dazu, dass die Wahl der Liste der FDP wiederholt werden musste.232

1.1.8 Wahl von Delegierten

Schwere Fehler bei der parteiinternen Aufstellung von Wahlbewerbern oder bei der Wahl der
Delegierten zu Vertreterversammlungen, die objektiv gegen einfaches Recht oder gar gegen
Verfassungsrecht verstoßen, stellen die demokratische Legitimationswirkung staatlicher Wahlen in
Frage und müssen deshalb im Wahlzulassungsverfahren zur Beanstandung und ggf. zur Zurückweisung
des Wahlvorschlages führen. Die Zulassung eines Wahlvorschlages, bei dem eine der
Mindestanforderungen für die Kandidatenaufstellung missachtet wurde, ist rechtswidrig. Dabei ist es
ohne Belang, ob der Verstoß für den KWA erkennbar war oder nicht. Allein die Verletzung einer
wahlrechtliehen Norm macht die Zulassungsentscheidung fehlerhaft. Im Wahlprüfungsverfahren nach
der Wahl können Fehler im Nominationsverfahren und bei der Zulassungsentscheidung auf
entsprechende Rügen zur Ungültigkeit der Wahl führen, wenn sie sich eindeutig oder mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit auf die Zusammensetzung der Volksvertretung ausgewirkt haben
(Mandatsrelevanz).233
Dies ist hier der Fall. Sowohl durch parteiinterne Quotenregelungen als auch durch Stimmenquoren
werden die demokratischen Prinzipien derart verletzt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass dies bei
Wahl von Direktkandidaten oder der Landeslisten ausgewirkt haben kann. Es ist davon auszugehen,
dass in vielen Fällen, andere Delegierte gewählt worden wären, wenn die demokratischen Grundsätze
eingehalten wurden wären. Selbiges gilt auch bei der Anwendungen von Wahlverfahren, die auf
unzulässige dynamische Verweisungen beruhen. Die Delegierten, die Unrecht von der Wahl
ferngehalten wurden hätten Vorschläge machen können, die zu einem anderen Wahlergebnis geführt
hätten. Wenn eine Vielzahl von Delegierten, im Extremfall alle, unter Missachtung eines
Kernbestandes einer demokratischen Wahl gewählt wurden, dann hat das auch Auswirkungen auf das
Wahlergebnis. Denn diejenigen, die Unrecht von der Wahl ferngehalten wurden, hätten
höchstwahrscheinlich bei rechtmäßiger Wahl andere Personen gewählt.

1.1.9 Erfordernis von Mindestens 3 Teilnehmern

Bereits zum Erfordernis der Mindestanzahl von 3 Teilnehmern lässt sicht darlegen, dass das mit der
Allgemeinhet der Wahl unvereinbar ist.

1.1.10 Beschwerde bei den Wahlorganen

Der Beschwerdeführer hat bereits 2014 folgende Strafanzeige gegen den Landeswahlleiter des Landes
Sachsen-Anhalt, den Bundeswahleiter und Herrn L. (Vors. Bündnis ‘90/die Grünen LV Sachsen-Anhalt
und KV Mansfeld-Südharz) erstattet. Es wird der Tatvorwurf der Wahlfälschung(§ 107 a STGB) und bei
dem Landes- und Bundeswahlleiter außerdem der Rechtsbeugung (§ 339 STGB) erhoben.

Soweit sich der Vorwurf gegen den Landes- und Bundeswahlleiter erstreckte, geht es um folgendes.
Am 22.04.2013 hat der Beschwerdeführer und damit zur Wahl des Bundestages 2013 per E-Mail eine
Beschwerde an den Bundeswahlleiter und den Landeswahlleiter/-innen zugestellt. Auf postalischem
Wege erfolgte diese am 15.05.2013 beim Landeswahlleiter LSA durch persönliche Vorbeigabe und am
23.05.2013 durch postalische Zustellung beim Bundeswahleiter.

232
Gesetzesrecht und Satzungsrecht bei der Kandidatenaufstellung politischer Parteien, Melanie Werner, S.
241
233
Schreiber 2013, S. 534,Rn 16
199
In dieser Beschwerde hat er zahlreiche Rechtsverstöße der Parteien SPD, Bündnis ‘90/die Grünen, CDU
und die Linke vorrangig durch Frauen- oder Geschlechterquoten gerügt. Die Wahlorgane standen in
der Pflicht eine Prüfung von Wahlrechtsverstößen vorzunehmen und die Wahlvorschläge, vorrangig
Landeslisten, zuweisen zulassen. Diese wurde aber offenkundig anstandslos zugelassen.
Hierzu werden auf folgende Sachverhalte hingewiesen. Vielmehr ergibt sich aus Art. 21 Abs. 1 Satz 3
GG i. V. m. Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG, dass die Parteien bei der Regelung von Details der
Wahlbewerberaufstellung in den Satzungen sowohl den verfassungs- als auch den einfachrechtlichen
Anforderungen tragen müssen. Satzungsbestimmungen ergänzen und konkretisieren Regelungen, die
der Gesetz- oder der Verordnungsgeber erlassen hat oder beruhen auf ausdrücklichen
Ermächtigungen des Gesetz- oder Verordnungsgebers, das „Nähere“ zu regeln. Da kann im Einzelfall
auch die Vereinbarkeit von Satzungsbestimmungen zur innerparteilichen Bewerberaufstellung, mit
dem Grundsatz der innerparteilichen Demokratie, den Wahlgrundsätzen, sowie den Wahlgesetzlichen
Normierungen durch die Kreis- und Landeswahlausschüsse überprüft und eine zur Anwendung
gekommene Regelung beanstandet werden. 234 Die Satzungen der Parteien sind Statute im Sinne des
bürgerlich-rechtlichen Vereinsrechts. Ihre Vorschriften, insbesondere diejenigen über Gestaltung der
inneren Ordnung, müssen demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie dürfen weder den
Grundgedanken des § 21 BWG noch allgemein zwingendes Gesetzesrecht verstoßen, mag dieses im
Grundgesetz, in einem einfachen Gesetz oder in einer Rechtsordnung normiert sein. An diesem
Normativen Anforderungen und u.U. auch ungeschrieben zum Kernbestand eines demokratischen
Wahlverfahrens haben sich alle Satzungsregelungen zur Kandidatenaufstellung auszurichten.
Widerspricht eine Satzungsregelung dem Verfassungsgebot innerparteilicher demokratischer Ordnung
oder konkreten verfassungskonformen einfach gesetzlichen Normierungen, wie etwa im BWG oder
PartG, hat das die Nichtigkeit der Regelung zur Folge (§ 134 und § 139 BGB). Auf ihrer Grundlage
getroffenen Entscheidungen sind unwirksam. Unterliegt die Regelungskompetenz vom Normgeber
dem autonomen Parteisatzungsgeber überlassen worden ist, unterliegen parteiinterne Regelungen als
Recht der inneren Ordnung der betreffenden Partei nur insoweit einer inhaltlichen Nachprüfung durch
Wahlorgane, als dass es um die Einhaltung der Verfassungs- und einfachrechtlichen Vorgaben geht.235
§ 21 Abs. 6 stellt sicher, dass die in Abs. 1 – 5 normierten Anforderungen in die Aufstellung der
Wahlkreisbewerber tatsächlich beachtet werden und dass damit insoweit die innere Ordnung der
Parteien dem Gebot des Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG um damit den demokratischen Grundsätzen Rechnung
trägt. Es geht dabei allerdings nicht lediglich um die Einhaltung von Ordnungsvorschriften, sondern von
unabdingbaren Voraussetzungen einer freien und geheimen Wahl, also von Kernregelungen des
Wahlrechts. Abs. 6 dient damit der Sicherung eines Kernbestands an Verfahrensgrundsätzen, ohne
den ein Kandidatenvorschlag schlechterdings nicht Grundlage eines demokratischen Wahlvorgangs
sein kann. Werden diese elementaren Regelungen nicht eingehalten, begründet das die Gefahr der
Verfälschung des demokratischen Charakters der Wahl bereits in ihrer Grundlage und damit einen
Wahlfehler.236 Die Nichteinhaltung der normativen Mindestregeln einer demokratischen
Kandidatenaufstellung berührt die Vorrausetzung einer Wahl im Sinne § 21 Abs. 1 BWG. Ein so
zustande gekommener Wahlvorschlag entspricht nicht den gesetzlichen Anforderungen und ist daher
vom Kreiswahlausschuss als Ungültig zurückzuweisen. 237 Der Kreiswahlleiter hat die eingereichten
Kreiswahlvorschläge sowohl in formeller als auch in materieller Hinsicht auf Mängel zu überprüfen. Im
Einzelfall der KWL durchaus auch zu vertiefter Vorprüfung und zur Klärung offener Fragen unter
Einschaltung der Vertrauensperson verpflichtet sein, etwa wenn er selbst ersthafte Zweifel an der
Ordnungsmäßigkeit des Kandidatenaufstellungsverfahrens hat, entsprechende Mängel an ihm „von
außen“ herangetragen werden. 238 Die Kreiswahlausschüsse haben ein umfassendes Prüfungsrecht,
sondern und eine entsprechende Prüfungspflicht. Sie sind nicht nur gehalten die notwendigen
Feststellungen darüber zu treffen, ob die Wahlvorschläge den formellen Anforderungen des

234
Schreiber, Kommentar zum Bundeswahlgesetz 2009, S.485, Rn 39; Schreiber 2013, S. 506, Rn 39
235
Schreiber, S. 485/486, Rn 40;Schreiber 2013,S. 506/507, Rn 40
236
Ebenda, S 487/488, Rn.43; Schreiber 2013,S. 508, Rn 44
237
Ebenda, S. 490, Rn 48; Schreiber 2013, S. 511, Rn 49
238
Schreiber, S. 502 Rn 3; Schreiber 2013, S. 521/522, Rn 3
200
Wahlrechts genügen, sondern auch in materieller Hinsicht den Anforderungen des BWG und des BWO
genügen. Bei der Bestimmung des Umfangs und der Tiefe der Nachprüfung hat der Gesetzgeber
sowohl verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten(Demokratiegebot; Rechtsstaatsprinzip; Beachtung
der Wahlrechtsprinzipien; des Kernbestands an Verfahrensgrundsätzen; Gebot innerparteilicher
Demokratie und des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit) als auch der Praktikabilität Rechnung zu
tragen. Deshalb müssen die Wahlausschüsse wie das BVerfG festgestellt hat, nicht „allen nur
denkbaren wahlrechtlich relevanten Verstößen ohne konkreten Anhalt nachgehen“. Stellt ein
Wahlausschuss in seiner mehr oder weniger „grobrasterartigen“ Prüfung Ungereimtheiten oder gar
evidente Gesetzesverstöße fest – sei es dass sie offenkundig oder in der Vorprüfung des KWL im
Mängelbeseitigungsverfahrens gemäß § 25 zu Tage getreten sind, sei es dass sie „von außen“ an den
Ausschuss herangetragen oder durch Diskussion in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden sind,
hat letztlich die gewonnenen Erkenntnisse in der Entscheidung zu Grund zu legen. Dies gilt angesichts
der grundlegenden Bedeutung der Zulassungsentscheidung und des Gesetzeswortlautes über das rein
formelle und materielle Recht hinaus generell für alle wahlrechtlichen Anforderungen.239 Halten
Parteien, die ihnen Abverlangten elementaren Mindestregeln einer Demokratischen
Kandidatenaufstellung nicht ein und erbringen sie die entsprechenden Nachweise nicht, so berührt
dies die Vorrausetzung einer „Wahl“ i.S. § 21 Abs. 1 BWG. Der so zustande gekommene Wahlvorschlag
entspricht nicht den Anforderungen. Schwere Fehler bei der parteiinternen Kandidatenaufstellung
oder bei der Wahl von Delegierten zu Vertreterversammlungen, die objektiv gegen einfaches Recht
oder Verfassungsrecht verstoßen, stellen die demokratische Legitimationswirkung staatlicher Wahlen
in Frage und müssen deshalb im Wahlzulassungsverfahren zu Beanstandungen und ggf. zur
Zurückweisung des Wahlvorschlagsführen. Eine trotz Missachtung einer Mindestregelung für die
Kandidatenaufstellung erfolgte Zulassung eines Kandidatenvorschlags ist rechtswidrig. Vielfach
werden den KWA Mängel „von außen“ herangetragen. Diesen haben die Wahlorgane bei Plausibilität
des Vortrages nachzugehen. 240 Darauf ob ein Wahlfehler(hier und auch in den anderen Fällen einer
gezielten Verletzung des § 21 Abs. 1 bis und Abs. 6) für die Kandidatenaufstellung und damit für einen
konkreten Wahlvorschlag relevant ist oder nicht, kommt es nicht an. Ein bewusst unter Missachtung
eine – als konstitutiv für eine demokratische Bewerberaufstellung anzusehend – Wahlrechtsregelung
zustande gekommener Wahlvorschlag ist vom zuständigen Wahlausschuss ohne Rücksicht darauf
zurückzuweisen, ob der Wahlrechtsverstoß für die Bewerberaufstellung erheblich ist. Die
Gesetzesverletzung ist so gravierend, dass nach Sinn und Zweck des § 21 im Zulassungsverfahren nach
§ 26 BWG kein Raum für Relevanzerwägungen ist. Dies können i.R. erst nach der Wahl bei der
Wahlprüfung mit ganz anderer Zielsetzung zum Zuge kommen. 241
Ob solche Rechtsverstöße für die Kandidatenaufstellung und damit für den konkreten Wahlvorschlag
erheblich sind oder nicht, kommt es nicht an.
Ein bewusst unter Missachtung einer- als konstitutiv für eine demokratische Bewerberaufstellung
anzusehenden - Wahlrechtsregelung zustande gekommener Wahlvorschlag ist vom zuständigen
Wahlausschuss ohne Rücksicht darauf zurückzuweisen, ob der Rechtsverstoß für die
Bewerberaufstellung (etwa zahlenmäßig) erheblich ist. Die Rechtsverletzung ist für die Bewerberauf-
stellung so gravierend, dass nach Sinn und Zweck der Vorgaben des § 21 im Zulassungsverfahren nach
§ 26 - anders als im Wahlprüfungsverfahren - kein Raum für Relevanzerwägungen ist. Andernfalls wäre
der Missachtung der wahlrechtliehen Mindestregeln für eine demokratische Bewerberaufstellung Tür
und Tor geöffnet. Die Zurückweisung eines so fehlerhaften Wahlvorschlags ist die einzige und
präventiv wirkende Sanktion gegenüber Verletzungen der Mindestanforderungen aus § 21. 242
Ergeben sich i.R. im Wahlzulassungsverfahren, sei es durch eigene Erkenntnisse oder „von außen“
(durch Dritte oder Parteimitglieder) Anhaltspunkte dafür, dass eine politische Partei bei der
Kandidatenaufstellung das Gebot der innerparteilichen Demokratie i.S. gem. § 21 Abs. 1 Satz 3 GG, die
Wahlrechtsgrundsätze des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG oder gesetzliche Normierungen missachtet hat,

239
Schreiber, S 509/510, Rn 2;Schreiber 2013, S. 527, Rn 2
240
Ebenda, S. 516/517, Rn 17;Schreiber 2013, S. 534/535, Rn 17
241
Schreiber, S. 517/518, Rn 18; Schreiber 2013, S. 535/536, Rn 18
242
Schreiber 2013, S. 535/536, Rn 18
201
bestehen als aufgrund spezieller Erkenntnisse Zweifel an der Einhaltung der Mindestregeln einer
demokratischen Kandidatenaufstellung, ist diesen Anhaltspunkten im staatlichen
Zulassungsverfahren nachzugehen. Prüfumfang und Prüftiefe hängt von den Zeitfaktor und von den
Umständen des Einzelfalls ab.243 Ergeben sich aber Anhaltspunkte, das i.R. der Kandidatenaufstellung
Parteisatzungsrecht zur Anwendung gekommen ist, das eindeutig gegen Verfassungsrecht (etwa den
Grundsatz der innerparteilichen Demokratie, die Wahlrechtsgrundsätze des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG
oder das Verfassungsprinzip der Verhältnismäßigkeit) oder gegen einfaches Recht (etwa zwingender
Wahlrechtsvorschriften) verstößt, ist der Wahlausschuss im Interesse der Wahrung der Rechtsordnung
gehalten, ausnahmsweise auch dem Parteistatut Beachtung zu schenken. Auch Satzungsrecht einer
Partei können schwerwiegende Verstöße gegen demokratisch-rechtsstaatliche Grundsätze der
Willensbildung in politischen Parteien oder gegen Elementaren Mindestregeln einer demokratischen
Kandidatenaufstellung zurückzuführen sein. Entsprechendes gilt für spezielle
Versammlungsbeschlüsse zum Wahlverfahren und zum Wahlmodus. Da § 21 Abs. 5 hinsichtlich der
Wahl der Vertreter für die Vertreterversammlung der Einberufung und Beschlussfähigkeit der
Mitglieder- oder Vertreterversammlung sowie des Verfahrens der Wahlkreisbewerber aus die
Satzungsbestimmungen der Parteien verweist und damit diese Regelungen in die gesetzlichen
Grundlagen des Wahlverfahrens einbezieht, hat sich die Prüfung der Kreiswahlvorschläge, wenn
besondere Anhaltspunkte für Rechtsverstöße gegeben sind, mithin auch auf die Vereinbarkeit von
Parteisatzungsrecht mit dem Grundgesetz sowie den wahl- und parteirechtlichen Vorschriften zu
erstrecken. Die inhaltliche Prüfung einer Satzung „aus gegebenen Anlass“ in diesem
Verfahrensstadium erscheint auch sinnvoll, weil die KWA, vorbehaltlich der Regelung des § 26 Abs. 2,
endgültig über die Zulassung oder Zurückweisung der Kreiswahlvorschläge entscheiden. Es entstünde
im gewissen Sinne ein Rechtslücke, wenn man den Wahlausschüssen im Einzelfall und in der Regel des
in diesem Verfahrensstadium Möglichen nicht auferlegte, die innerparteilichen
Kandidatenaufstellungen mit zu prüfen, sondern sie ausschließlich auf die Beachtung der
wahlgesetzlich normierten Verfahrensvoraussetzungen beschränken würde. 244 Stellt sich heraus, dass
ein Wahlvorschlag auf verfassungs- oder gesetzeswidrigen Satzungsrecht beruht, unterliegt, er dem
Verdikt der Rechtswidrigkeit wegen Gesetzesverstoßes und ist deshalb vom KWA zurückzuweisen. 245

Das HVerfG 246 erklärt hierzu „Unter diesen Umständen kann eine im wesentlichen auf Formalien
beschränkte “Grobrasterprüfung” durch die Landeswahlleitung und den Landeswahlausschuss nicht
als ausreichend angesehen werden. Liegen - wie hier - im Wahlzulassungsverfahren Anhaltspunkte
dafür vor, dass eine Partei in eklatanter und evidenter Weise bei der Kandidatenaufstellung das Gebot
innerparteilicher Demokratie verletzt hat, so ist diesen Anhaltspunkten im staatlichen
Zulassungsverfahren nachzugehen und zumindest eine gründliche rechtliche Prüfung der Satzung
und der Protokolle über die Wahlvorgänge geboten. Das Gericht teilt die Auffassung von Wolfrum,
der auf die Bedeutung der staatlichen Wahlzulassung zutreffend hinweist ("Die Bewertung
innerparteilicher Vorgänge bei der Zulassung von Parteiwahlvorschlägen zu Bundestags- und
Bundestagswahlen”, ZParl 1975, 323 (334, 335)). “ Zuzüglich zu Schreiber führt Wolfrum 247 aus „Im
Grunde genommen handelt es sich dabei um die Frage, ob sich die Prüfungsbefugnis dahingehend der
Wahlausschüsse dahingehend erschöpft, die Einhaltung der in den Wahlgesetzen und Wahlordnungen
vorgezeichneten Verfahren für die innerparteiliche Kandidatenaufstellung zu überwachen oder ob ihre
Befugnis darüber hinaus auch dahin geht, eine demokratischen Grundsätzen entsprechende
Kandidatenaufstellung überhaupt sicherzustellen.[…] Im Übrigen deutet die sonst verwandte
Formulierung – Wahlvorschläge sind zurückzuweisen, soweit sie den Anforderungen nicht entsprechen,
die durch Gesetz und die Wahlordnung aufgestellt sind – dass sich die Prüfung auf die Beachtung auf
die Beachtung des gesetzlich normierten Verfahrens beschränken soll. Dies kann mit Rücksicht auf die
besondere Bedeutung einer demokratischen Kandidatenaufstellung nicht Sinn des Verweises auf die

243
Schreiber, S. 518, Rn 19;
244
Schreiber, S 519,520 Rn 20; Schreiber 2013, S. 536/537, Rn 20
245
Schreiber, S. 520, Rn 21; Schreiber 2013, S. 537,Rn 21
246
Hamburger Verfassungsgericht vom 02.06.1991, NvwZ 1993, S. 1088-1089
247
Rüdiger Wolfrum in ZParl 1975, 323 (334 - 336))
202
Parteisatzungen sein. Sie werden vielfach in die Wahlgesetze inkorporiert und bilden damit ihrerseits
den Prüfungsmaßstab im Zulassungsverfahren. Dafür spricht vor allem, dass im Übrigen keine
rechtliche Prüfung der Parteirechtlichen vorgesehen, diese Aufgabe also bei den Wahlausschüssen
konzentriert ist. Die Wahlausschüsse entscheiden über die Zulassung der Wahlvorschläge endgültig.
Denn sämtliche Wahlgesetze schließen ausdrücklich oder konkludent eine gerichtliche Überprüfung der
von den Wahlorganen im Zulassungsverfahren ergangenen Entscheidungen aus und verweisen
insoweit auf das Wahlprüfungsverfahren nach der Wahl. Die damit verbundene Einschränkung der
Kontrollmöglichkeit ist verfassungsrechtlich zulässig. Die Wahlen zu den Volksvertretungen erfordern
jeweils eine große Anzahl die Wahl vorbereitenden Entscheidungen. Wolle man hier eine
Einzelanfechtung gestatten und z.B. die Verwaltungsgerichte in die Wahlvorbereitung einschalten, so
wäre eine termingerechte, gleichzeitige Wahldurchführung keinesfalls sichergestellt. Das nach der
Wahl möglicherweise stattfindende Wahlprüfungsverfahren ist jedoch dadurch gekennzeichnet, dass
es nur Erfolg haben kann, wenn durch die behaupteten Rechtsverletzungen das Wahlergebnis
beeinflusst worden ist. Die Überprüfung der innerparteilichen Kandidatenaufstellung ist damit in diesen
Verfahren praktisch ausgeschlossen, zumindest aber stark eingeschränkt. Würde man unter
Umständen den Wahlausschüssen nicht gestatten, die innerparteiliche Kandidatenaufstellung in vollem
Umfange darauf zu untersuchen, ob sie den demokratischen Grundsätzen genügt, und sie lediglich auf
die Prüfung verweisen, inwieweit die wahlgesetzlich normierten Verfahrensvorrausetzungen erfüllt
sind, so würde hier eine Rechtslücke entstehen. Die Politischen Parteien können dann, solange sie nicht
direkt gegen die Wahlgesetze verstoßen, ohne Sanktion einer Nichtzulassung fürchten zu müssen, die
innerparteiliche Kandidatenauswahl in einer Form durchführen, die demokratischen Grundsätzen
widerspricht. Einer derartigen Regelung stünde jedoch nicht mit der Forderung des Art. 21 Abs. 1 Satz
3 nach einer demokratischen Kandidatenaufstellung im Einklang. Es ist nämlich das Charakteristikum
derartiger Rechtsgebote, dass sie ihre Beachtung planmäßig durch Sanktionen zu erzwingen vermögen.
Die Gebräuchlichste, wie auch wirkungsvollste Form einer derartigen Normengarantie ist die
Verweigerung des angestrebten Rechtserfolges. Als exemplarisch kann man in dieser Hinsicht § 134
BGB bezeichnen. […] Unter diesen Umständen würde es die Zielrichtung des Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG
widersprechen, wenn es keine derartigen Sanktionen gäbe, die sicherstellt, dass das innerparteiliche
Kandidatenaufstellungsverfahren demokratischen Grundsätzen entspricht, obwohl gerade der
innerparteilichen Kandidatenaufstellung eine besondere Bedeutung zukommt, da sie Wahlen im hohen
Maße determiniert. Da andere Sicherungsmittel nicht zu Verfügung stehen, verlangt Art. 21 Abs. 1 Satz
3 GG, dass die Wahlausschüsse die Parteiwahlvorschläge in vollem Umfang darauf überprüfen, ob sie
in einem demokratischen Verfahren zustande gekommen sind und sie ggf. zurückzuweisen. […] Das
Kandidatenauswahlverfahren gehört zwar auch in den Bereich der innerparteilichen Ordnung, nimmt
aber insofern eine Sonderstellung ein, als es den Ablauf und Ausgang von Wahlen beeinflusst. Insofern
vermag eine undemokratische innerparteiliche Kandidatenaufstellung die legitimierende Funktion der
Wahlen in Frage stellen. Da es alleinige Aufgabe der Wahlausschüsse ist, im Interesse dieser Funktion
der Wahlen, einem Ordnungsgemäßen Wahlablauf sicherzustellen, gehört es auch mit zu ihren
Aufgaben, insoweit auf innerparteiliche Vorgänge Einfluss zu nehmen, um so die Beeinträchtigung der
Wahlfunktion seitens der Parteien zu verhindern .[…] Dass es Aufgabe der Wahlausschüsse ist, eine
demokratische innerparteiliche Kandidatenauswahl sicherzustellen, wird im Übrigen auch teilweise
durch die Regelung der Wahlgesetze über den Inhalt der mit den Wahlvorschlägen miteinzureichenden
Unterlagen bestätigt. Die Wahlgesetze verlangen nämlich fast übereinstimmend, dass in den
Unterlagen Angaben über Form der Ladung, die Zahl der erschienenen Mitglieder sowie Ort und Zeit
der Versammlung enthalten sind. Obwohl, wie bereits ausgeführt, nur ein Teil dieser Wahlgesetze selbst
detaillierte Vorschriften für die Vorbereitung und Durchführung der
Kandidatenauswahlversammlungen kennt. Das der einzige Zweck dieser Wahlunterlagen darin
besteht, den Wahlausschüssen die Prüfung der Wahlvorschläge zu erleichtern, gehen diese
Wahlgesetze also davon aus, dass sich die Prüfungsbefugnis der Wahlausschüsse nicht darauf
beschränkt, die Bedeutung des in den Wahlgesetzen und Wahlordnungen vorgesehen Verfahrens zu
überwachen, sondern dass sie das Recht haben, im vollem Umfang zu prüfen, inwieweit die
Wahlvorschläge durch die Parteien in einem demokratischen Verfahren zustande kommen.“ Im zweiten

203
Leitsatz des Urteils des HVerfG248 heißt es „Schwere Wahlrechtsverstöße können auch auf
Satzungsrecht einer Partei oder der tatsächlichen Durchführung des Wahlbewerberauswahlverfahrens
beruhen.“ Und der fünfte Leitsatz besagt „Schwere Fehler bei der Auswahl, Aufstellung und
Nominierung von Wahlbewerbern für Volksvertretungen, die objektiv gegen die Verfassung (Art. 21I 3,
38I 1 GG) und/oder die Wahlgesetze verstoßen, führen im Wahlzulassungsverfahren zur Beanstandung
und notfalls zur Zurückweisung des Wahlvorschlags.“.
In einem Urteil des BVerfG 249 heißt es „Diese Abgrenzung entspricht der Nahtstelle zwischen
parteiinternen Angelegenheiten und staatlicher Wahlvorbereitung. Sie sichert unverzichtbare
Voraussetzungen für einen demokratischen Wahlvorgang, wahrt aber mit der Beschränkung auf
Verstöße gegen elementare Regeln zugleich die Autonomie der Parteien, die berührt wird, wenn es
darum geht, deren Verfahren bei der Kandidatenaufstellung durch staatliche Wahlorgane und im
Wahlprüfungsverfahren zu kontrollieren und zu bewerten. Da die einmal durch Wahl
hervorgebrachten Volksvertretungen wegen der diesen zukommenden Funktionen größtmöglichen
Bestandschutz verlangen, ist es geboten, die Erheblichkeit von Wahlfehlern, die Dritte verwirklichen
können, eng und strikt zu begrenzen. Dadurch kann die Gefahr, dass Parteien durch einen - etwa
bewussten - Verstoß gegen wahlrechtliche Regelungen bei der Kandidatenaufstellung Einfluss auf die
Gültigkeit einer Wahl nehmen, eingeschränkt werden.

Halten die Parteien die ihnen vom Bundeswahlgesetz abverlangten Mindestregeln einer
demokratischen Kandidatenaufstellung nicht ein, so entspricht der so zustande gekommene
Wahlvorschlag nicht den Anforderungen des § 21 Abs. 1 BWahlG und muss durch den Kreis- oder
Landeswahlausschuss gemäß §§ 26, 28 BWahlG zurückgewiesen werden. Ohne Belang hierfür ist, ob
der Verstoß dem Zulassungsorgan bekannt war oder nach zumutbarer Ermittlung hätte bekannt sein
können. Auf die Frage, welchen Prüfungspflichten das Wahlorgan in diesem Zusammenhang zu
genügen hat, kommt es insoweit nicht an. Allein der Verstoß gegen die wahl(BVerfGE 89, 243
(253)BVerfGE 89, 243 (254))rechtlichen Mindestregeln für die Kandidatenaufstellung macht die
Zulassungsentscheidung fehlerhaft. Desungeachtet sind die Wahlorgane verpflichtet, im Maße des
ihnen praktisch Möglichen Feststellungen darüber zu treffen, ob die eingereichten Wahlvorschläge den
Anforderungen des Wahlrechts genügen, um so Gefahren für den Bestand der Wahl rechtzeitig zu
begegnen.

c) Gleichwohl kann nicht davon ausgegangen werden, dass Verstöße der Parteien gegen sie bindende
wahlrechtliche Vorschriften bei der Kandidatenaufstellung durch die Kontrolle der Wahlausschüsse
regelmäßig aufgedeckt werden und dass ihre Auswirkung auf die Wahl damit stets verhindert werden
kann. Dem steht schon entgegen, dass die Zulassungsentscheidungen der Wahlausschüsse innerhalb
kurzer Zeit (vgl. §§ 19, 26 Abs. 1, 28 Abs. 1 BWahlG) zu treffen sind; dies lässt es nicht zu, dass die
Ausschüsse allen nur denkbaren wahlrechtlich relevanten Verstößen von sich aus ohne konkreten
Anhalt nachgehen. Das Bundeswahlgesetz und die Bundeswahlordnung (BWO) stellen die begrenzten
Prüfungsmöglichkeiten der Wahlausschüsse in Rechnung, indem sie vorsehen, dass die Einhaltung
bestimmter wahlrechtlicher Vorschriften durch die Parteien urkundlich zu belegen oder eidesstattlich
zu versichern ist (vgl. §§ 21 Abs. 6, 27 Abs. 5 BWahlG, 34 Abs. 5 Nr. 3, 39 Abs. 4 Nr. 3 BWO). Für den
Gesetzgeber liegt es nahe, zu prüfen, ob er diese Nachweispflichten erweitert, indem er etwa
eidesstattliche Versicherungen auch zur Einhaltung anderer bestimmt bezeichneter elementarer
Verfahrensgrundsätze für einen demokratischen Wahlvorgang vorschreibt. Damit könnte der
aufgezeigten, nicht auszuschließenden Gefahr vorgebeugt werden, dass Parteien auf die Gültigkeit
einer Wahl Einfluss nehmen.“

Anhand dieser Rechtsnachweise kann dargestellt, dass die Wahlorgane der Pflicht unterstehen,
möglichen Vorwürfe von Rechtsverstößen bei der Kandidatenaufstellung nachzugehen. Von dieser

248
NVwZ 1993, 1083
249
BVerfGE 89, S. 243 ff. Rn. 41-43
204
Pflicht sind sie nur dann Befreit, wenn keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen. Hier aber liegt die
Sache anders. Ich habe den Wahlleiter/-innen Rechtzeit, ca. 2 Monate vor Ablauf der Einreichungsfrist
von Wahlvorschlägen, eine umfangreiche Beschwerdeschrift zukommen lassen, aus dieser klar
hervorgeht, dass die Verfahrensweisen der Parteien bei der Kandidatenaufstellung keineswegs mehr
den gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Normen entsprechen können. Insbesondere auf meinen
Vortrag, wonach im Falle der Partei Bündnis ‘90/die Grünen in den Landesverbänden Sachsen-Anhalt,
Thüringen und Bremen kein Mann in den Bundestag eingezogen ist, hätten bei den Wahlorganen arge
Zweifel aufkommen müssen, ob diese Wahlverfahren überhaupt noch den „Kernbestand einer
Demokratischen Kandidatenaufstellung“ erfüllen. Ebenso habe der Beschwerdeführe umfangreiche
Nachweise präsentiert, aus denen klar hervorgeht, dass sowohl ein Rekurs auf das Fördergebot nach
Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG, als auch das Sozialstaatsprinzip nach Art. 20 Abs. 1 GG keine Rechtfertigung
oder Legitimationsgrundlage für derartige Eingriffe in die demokratische Grundordnung darstellen
können.
Dennoch wurden alle Wahlvorschläge dieser Parteien anstandslos zur Wahl zugelassen, obwohl diese
hätten nach o.g. Maßstäben zurückgewiesen werden müssen. Der Bundeswahlleiter hätte als oberster
„Dienstherr“ der Bundestagswahl der Sache einer umfangreichen rechtlichen Prüfung unterziehen
lassen müssen, da dieser für die Einhaltung des ordnungsmäßig Ablaufs der Wahl zu sorgen hat. Das
schließt die Einhaltung der demokratischen Grundsätze der Parteien bei der Kandidatenaufstellung mit
ein. Zusammenfasend werden den Parteien CDU, SPD, die Linke und Bündnis ‘90/die Grünen folgende
Vorwürfe erhoben:
a) Verstöße gegen die Grundsätze der Freiheit, Allgemeinheit und
Gleichheit der Wahl, wobei die Chancengleichheit im besonderen
Maße hervorzuheben ist,
b) Verstöße gegen die Treuepflicht zu Gleichbehandlung aller
Parteimitglieder,
c) Verstöße gegen das Verbot von Klassenbildungen innerhalb von
Parteien unter den Parteimitgliedern,
d) Verstöße gegen das Verbot, einzelnen Mitglieder oder
Mitgliedergruppen Sonderrechte einzuräumen, soweit sich diese auf
die politische Willensbildung erstrecken,
e) Verstöße gegen das Verbot bei Wahlen einzelne Personen oder
Personengruppen zu bevorzugen oder zu benachteiligen,
f) Verstöße gegen die Gleichheit des Antrags- Rede- und Stimmrechts,
sowie des Zugangs zu allen Wahlämtern und den
Mitwirkungsmöglichkeiten bei der politischen Willensbildung,
g) Verstöße gegen die Pflicht, bei Wahlen Verfahrensweisen zu schaffen,
bei denen sich unverfälscht der Wille der Wahlberechtigte im
Wahlergebnis widerspiegeln kann,
h) Verstöße gegen das Verbot im Sachbereich Wahlen nach Geschlecht,
Rasse, Religion, politischer Meinung und weiterer in Art. 3 Abs. 3 GG
genannten Fällen auszudifferenzieren,
i) Verstöße gegen das Verbot starrer Quotenregelungen,
j) Verstöße gegen das Verbot, bei Wahlen Ziele zu verfolgen, die sie nicht
verfolgen dürfen,
k) Verstöße gegen das Verbot, bei der Organisations-, Programm- und
Betätigungsfreiheit nach Art. 21 Abs. 1 Satz 2 GG von den
demokratischen Grundsätzen nach Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG
abzuweichen.

Bezüglich des Rekurs auf Art. 3 Abs. 2 Satz 2 hat der Beschwerdeführe folgende Argumente
vorgebracht:

205
a) Das Fördergebot darf nicht zu einem Gruppenrecht umgedeutet werden und kann
nur ein individuelles Abwehrrecht darstellen,
b) es darf mit mögliche Maßnahmen das Diskriminierungsverbot nach Art. 3 Abs. 3
GG nicht durchbrochen werden,
c) es kann sich nur um Maßnahmen handeln, die die Gleichheit der Ausgangschancen
sicherstellen soll und nicht die numerische Gleichverteilung in allen oder
bestimmten Lebensbereichen,
d) starre Quotenregelungen sind vom Verfassungsgeber ausgeschlossen und vom
EuGH für unzulässig erklärt worden,
e) das BVerfG hat zur Ungleichbehandlung zw. Männern und Frauen nur rein
biologisch Funktionale Unterschiede, sowie die Beseitigung von Problemen, die in
der Natur nach entweder nur bei Männern oder nur bei Frauen auftreten können
gerechtfertigt, da auch andere Gruppen von Normadressaten, speziell in den in
Art. 3 Abs. 3 genannten Fällen, von eine Unterrepräsentanz genauso betroffen sind
oder sein können, halten die Maßstäbe des BVerfG zur Rechtfertigung von
Ungleichbehandlungen nicht stand und können auch nicht mit kollidierendem
Verfassungsrecht legitimiert werden,
f) für Regelungen nach Art. 3 Abs. 2 und Art 20 Abs. 1 GG ist der Normadressat der
Staat und keineswegs Parteien und sonstige privatrechtliche Vereinigungen,
g) eine reine Unterrepräsentanz kann zwar ein Indikator für eine mögliche
mittelbare, unmittelbare oder strukturelle Diskriminierung darstellen aber
keineswegs ein alleiniges Merkmal zur Feststellung dieser sein kann.

Dieser hat diese Argumente mit zahlreichen Rechtsnachweisen unterfüttert, so dass die Wahlorgane
problemlos hätten die Vorwürfe einer rechtlichen Würdigung und einer richterlichen Kontrolle durch
beisitzenden Verwaltungsrichter/-innen unterziehen können. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Da
noch 2 – 3 Monate Zeit bis zur Zulassungsentscheidung verblieben waren, hätte problemlos eine
kritische Auseinandersetzung bezüglich der Praktiken der Parteien unter Einbeziehung meiner mit
zahlreichen Nachweisen unterfütterten Vorwürfe stattfinden können. Diese Nachweise hätten Anlass
zu erheblichen Zweifel an der verfassungs- und einfachrechtlichen Zulässigkeit dieser
Verfahrensweisen führen müssen. Ob solche richterlichen Kontrollen stattgefunden haben, kann nicht
nachvollzogen werden. Ob bei jedem einzelnen der Landeswahleiter/-innen die fragliche E-Mail
angekommen ist, kann dahinstehen. Zumindest, die postalische Zustellung an den Bundeswahlleiter
und an den Landeswahlleiter von Sachsen-Anhalt muss nachweislich angekommen sein.

Vom Landeswahlausschuss Niedersachsen erhielt der Beschwerdeführer folgende Mitteilung „mit E-


Mail vom 22.04.2013 haben Sie sich gegen die Zulassung der Landeslisten der Parteien BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN, SPD, DIE LINKE. und CDU gewandt und hierzu vorgetragen, dass diese nicht den gesetzlichen
Anforderungen genügen, da die parteiinternen Regelungen zu den Kandidatenaufstellungen gegen
geltendes Recht verstoßen. Der Landeswahlausschuss des Landes Niedersachsen hat sich bei der
Prüfung der Zulassung der Landeslisten der Parteien BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, DIE LINKE. und
CDU mit der Zulässigkeit der von Ihnen gerügten innerparteilichen Quotierungen zugunsten von Frauen
beschäftigt und hierzu festgestellt, dass der Gleichstellungsauftrag aus Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG noch
nicht umgesetzt ist, so dass jedenfalls für die Bundestagswahl 2013 kein Anlass für
verfassungsrechtliche Bedenken gegen innerparteiliche Quotierungen gesehen wird. Sollten Ihre
Bedenken gegen zu Zulassung der betroffenen Landeslisten fortbestehen, so kann nach den
Vorschriften des Wahlprüfungsgesetzes innerhalb von zwei Monaten nach der Wahl Einspruch beim
Deutschen Bundestag eingelegt werden. Der Einspruch ist schriftlich beim Deutschen Bundestag
einzureichen und zu begründen.“

Auch hier wurde das Vorgehen der Parteien mit Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG gerechtfertigt ohne auf meine
Argumente, die gegen einen Rekurs auf Art. 3 Abs. 2 Satz 2 sprechen.

206
Soweit sich die Vorwürfe gegen Herr L. erstrecken, so ist hierzu folgendes aus zuführen. Herr L. hat
willkürlich in Eigenschaft als Vorsitzender des KV Mansfeld-Südharz Verfahrensweisen des
„Frauenstatuts“ des LV Sachsen-Anhalt, so auch bei der Wahl der Delegierten zum „Listenparteitag“
für die Wahl der Landesliste, zur Anwendung gebracht, ob wohl diese in der Satzung des KV nicht
enthalten sind. Er hat damit nicht nur gegen Satzungsrecht, sondern auch gegen Verfassungs- und
Gesetzesrecht verstoßen und damit im Sinne § 107a STGB ein unrichtiges Ergebnis herbeigeführt.
Ebenso kannte dieser meine Argumente bezügliche dieser Regelungen aus diversen parteiinternen
Schiedsverfahren. Er stand in der der Pflicht einzuschreiten. Ferner ist dieser Student der
Rechtswissenschaft und hätte am ehesten einschätzen können, ob die vom Beschwerdeführer
erhobenen Vorwürfe von Rechtsverstößen stimmen. Dennoch hat dieser keine Anstalten gemacht die
Wahl der Landesliste vom 13.10.2012 wiederholen zu lassen. Vielmehr hat dieser im KV Mansfeld-
Südharz weiter willkürlich, zuletzt am 13.5.2013, diese undemokratische rechtsverletzende
Verfahrensweise durchgesetzt. Da die Wahl der Delegierten des KV Mansfeld-Südharz, als der
Landesliste Bestandteil der Wahlvorbereitung nach § 27 BWG sind, ist der Tatbestand der
Wahlfälschung erfüllt.

Soweit sich mögliche Vorwürfe auf Rechtsbeugung erstrecken, so sind der Bundeswahlleiter und der
Landeswahlleiter öffentliche Amtsträger im § 11 Abs. 1 Nr. 2(b und c) STGB. Schließlich sind sie Teil der
öffentlichen Selbstverwaltungsorgane der Wahlberechtigten bezüglich der Bundestagswahl nach § 8
Abs. 1 BWG250.

Das HVerfG251 führt ferner aus „Jedenfalls lag mit der Zulassung der Beigel. zur Wahl am 2. 6. 1991 mit
den festgestellten, zum Teil aus der vorliegenden Satzung ablesbaren Mängeln ein Fehler auch im
staatlichen Zulassungsverfahren vor. Dem stehen die Gesichtspunkte der Kurzfristigkeit des
Prüfungsverfahrens und der Grad der Erkennbarkeit des Mangels nicht entgegen. Denn einmal kann
der Grad der staatlichen Prüfungsintensität nicht davon abhängen, wie früh oder spät eine Partei ihre
Wahlvorschläge einreicht oder in welchem Maße ihre etwaigen Demokratie- oder Wahlrechtsverstöße
verdeckt sind oder zu Tage treten. Gegebenenfalls sollte der Gesetzgeber die Prüfungsfrist, die nach
den §§ 23IV und 26I HbgBüWahlG in Hamburg auf wenige Tage schrumpfen kann, zwecks notwendiger
gründlicherer Prüfungsmöglichkeit verlängern. Zum anderen war den staatlichen Zulassungsinstanzen
schon aus ihren eigenen Akten erkennbar (Vermerk des Landeswahlamtes vom 7. 11. 1977) und
jedenfalls aus der Satzung der Beigel. aus der vorangegangenen Bundestagswahl durch entsprechende
Beschwerden sowie aus den u. a. vom Bf. zu 5 mit Schreiben vom 18. 3. 1991 gegenüber der
Landeswahlleiterin vorgebrachten Bedenken bekannt, dass der demokratische Charakter der
Kandidatenfindung in der Beigel. und damit das Tatbestandsmerkmal einer Wahl i. S. von § 24I
HbgBüWahlG seit Jahren mehr als fraglich war.“ Eine ähnlich gelagerte Situation liegt hier vor. Bereits
beim Wahlprüfungsausschuss252 des Bundestages liegen bereits mehre Beschwerden zum fraglichen
Thema vor. Den Wahlorganen ist somit bereits seit langem die Praxis der Parteien bei der
Kandidatenaufstellung bekannt. Somit hätten sie über Jahre hinweg die Möglichkeit gehabt, eine
Prüfung auf Konformität mit den Verfassungs- und Gesetzesnormen vorzunehmen. Und scheinen aber
hierzu keine Anstalten gemacht zu haben.

Beschwerden über die Rechtmäßigkeit einer Wahl müssen, wie hier dargelegt durch die Wahlorgane,
im Rahmen ihrer Möglichkeiten vollumfänglich überprüft werden. Unterbleibt die Durchführung einer
solchen Prüfung, könne dies zur Folge haben, dass nicht gültig oder in nichtiger Wahl gewählte
Personen ein ihnen nicht zustehendes Mandat während eines großen Teils - im äußersten Fall sogar
während der gesamten Wahlperiode - jedenfalls tatsächlich ausüben, während der wirklich Gewählte

250
Schreiber, S. 269, Rn 1
251
NVwZ 1993, S. 1088
252
Drucksache 13/3927, Anlagen 15 und 21; 14/1560, Anlage 82; 15/2400, Anlage 14; 15/4750, Anlage 19;
16/3600, Anlage 6
207
oder derjenige, der bei Einhaltung eines ordnungsgemäßen Wahlverfahrens gewählt worden wäre,
von der Ausübung seines Mandats ferngehalten wird. Ebenso wenig erträglich wäre es, niemand als
gewählt anzusehen, weil dadurch das Recht der Mitglieder auf Repräsentanz rechtlich einwandfrei
gewählter Mandatsträger verletzt würde. Dem scheinen, die Wahlorgane, wenn überhaupt, nur
unzureichend Rechnung getragen zu haben.

Nimmt man sich der Entscheidungspraxis des Bundeswahlausschusses an, so scheinen die
Wahlorganen in Bezug auf das formelle Wahlrecht äußerst penibel zu sein. Das Wahlrecht ist von
großer Formstrenge geprägt253. D.h. jeder Formverstoß ist anfechtbar. Daher werden bei geringster
Nichteinhaltung formeller gesetzlicher Vorgaben, die Wahlvorschläge zurückgewiesen. D.h. reich eine
Partei eine Landesliste mit nur 1999 Unterschriften nebst Anlagen ein, obwohl 2000 gefordert sind,
hat dies die Zurückweisung zur Folge.

Was es aber mit Einhaltung materiellen Rechts anbelangt, scheinen die Organe weniger streng zu sein,
obwohl die höchsten staatlichen Gerichte ebenfalls eine solche Formstrenge vorgeben, da, wie hier
dargestellt, die Verletzung demokratischer Grundsätze sowohl bei der Wahl von Delegierten, in den §
21 Abs. 1 BWG und § 27 Abs. 5 genannten Wahl- und Delegiertenversammlung, als auch bei der Wahl
er Bewerber/-innen selbst, die Wahl angefochten und dies die Ungültigkeit dieser zur Folge haben
kann.

Insoweit ist es schon sehr bemerkenswert, dass bei Mängel wie fehlende Unterschriften ganze Parteien
nicht zugelassen, während bei offenkundigen Wahlrechtverstößen, bei der Kandidatenaufstellung, die
Wahlvorschläge anstandslos „durchgewinkt“ werden.
Immerhin handelt es sich hierbei um vier der bedeutendsten Parteien Deutschlands. Obwohl die
Wahlorgane hätten wissen müssen, dass deren Wahlvorschläge nicht mängelfrei sein können, ist eine
nähere Prüfung offenkundig unterblieben.

Weisungsfreiheit besteht auch zwischen den Wahlleitern. So hat der BWL kein Weisungsrecht
gegenüber er den LWL und den KWL. Er hat jedoch, ebenso wie das BMI, eine gewichtige Kontroll- und
Koordinierungsfunktion hinsichtlich der gleichmäßigen Anwendung der wahlrechtlichen Vorschriften
durch die Wahlorgane und Wahlbehörden. Diese findet, neben Kontakten en mit dem BMI, vor allem
in Besprechungen mit den LWL (etwa zur Klärung verfahrensrechtlicher und organisatorischer Fragen)
sowie in direkten Verhandlungen mit den KWL bei auftretenden Problemen Ausdruck. Im Einzelfall
wird er im Interesse der Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Ablaufs der Wahl auch unmittelbar
mit Behörden auf Landes- oder Kommunalebene Kontakt aufnehmen. Erlasse, Mitteilungen, Hinweise
(z.B. Herausgabe eines Zeitplanes für die jeweils anstehende BT-Wahl), Empfehlungen und Ersuchen
>>höherer« Wahlorgane (etwa LWL gegenüber den KWL), meist in Form von Schnellbriefen, werden-
ungeachtet der Weisungsfreiheit- in der Praxis in der Regel beachtet. Bei Nichtbefolgung kann im
Einzelfall ein Einschreiten im Wege der Dienstaufsicht in Betracht kommen. 254

Insoweit wusste der BWL rechtzeitig durch das Schreiben des Beschwerdeführers über die
Rechtswidrigkeit der Wahlverfahren Bescheid und hätte entsprechende Prüfungen an „Weisungen“
vornehmen können, was augenscheinlich unterblieben ist.

Wenn die Wahlorgane auch ihrer Pflicht zur Überprüfung auf Einhaltung materiellen Rechts nicht oder
nur unzureichend nachkommen, dann ist das Beschwerderecht der Parteimitglieder im Hinblick darauf,
dass sie „überprüfen“ lassen wollen, ob gegen materielles Recht bei der Kandidatenaufstellung
verstoßen wurde, rein illusorisch. Selbiges gilt für die Pflicht, Wahlrechtsverstößen nachzugehen.

253
Schreiber, § 25, Rn 3
254
Schreiber 2013,S. 111, Rn 45
208
Entscheiden die Wahlorgane augenscheinlich willkürlich, so muss die große Effektivität der
Entscheidungen der BVerfG und des HVerfG in Frage gestellt werden.
Die Wahlorgane haben durch diese Entscheidungen insoweit ein unrichtiges Ergebnis i.S. des § 107
StGB herbeigeführt, als dass Personen gewählt wurden, die nicht gewählt worden wären, wenn die
Wahlvorschläge ordnungsgemäß zurückgewiesen worden wären und es würden entsprechend andere
Personen und Parteien gewählt werden und infolgedessen käme es zu einen anderen Wahlergebnis.
Rechtsbeugung haben diese insoweit begangen, als dass sie pflichtgemäß die Wahlvorschläge hätten
zurückweisen müssen, da sie die den Anforderungen des materiellen Wahlrechts insbesondere in den
Fällen des § 28 BWG nicht erfüllen.

Herr L. hat die Straftat der Wahlfälschung insoweit begangen als, dass dieser es unterlassen hat, bei
einem Wahlverfahren zu intervenieren, bei dem gegen Verfassungs- wie auch einfach gesetzliches
Recht verstoßen wurde. Im Fall des Kreisverbands Mansfeld-Südharz der Partei Bündnis ‘90/die
Grünen hat er diese sogar willkürlich entgegen satzungsmäßiger Bestimmungen des KV unter
missbräuchlicher Beanspruchung seines Amtes als Vorsitzender durchgesetzt. Hier gab es bei der Wahl
der Delegierten zum Listenparteitag nur zwei Bewerber, die alle gewählt wurden. Insoweit mag es
fraglich erscheinen, ob der Tatbestand erfüllt sein kann. Soweit sich aber der Tatvorwurf gegen die
Wahl der Landesliste erstreckt, so dürfte die Erfüllung des Tatbestandes wegen wider besseren
Wissens unterlassenen Einschreitens und Wiederholung der Wahl zu bejahen sein. Im Verlaufe später
anberaumter Schiedsverfahren wusste Herr L. sehr wohl, dass diese Verfahrensweise rechtswidrig ist
und hat dennoch keine Anstalten gemacht, die Wahl wiederholen zu lassen.

Dem Wortlaut des § 107a nach kann somit „ein unrichtig herbeigeführtes oder verfälschtes Ergebnis“
angenommen werde. Er hat dies zwar das Ergebnis nicht selbst herbeigeführt, wohl aber sehenden
Auges herbeiführen lassen und keines Anstalten für Korrekturen gemacht. Als Vorsitzender trägt er
hierfür die Verantwortung. Verschärfend kommt noch dazu, dass Herr L. Student der
Rechtswissenschaften im fortgeschrittenen Studium ist und hätte den Unrechtsgehalt der
satzungsmäßigen Bestimmunen zur Wahl der Landesliste, wie seiner willkürlich festgelegten
Verfahrensweise bei der Wahl von Delegierten des KV Mansfeld-Südharz zum fraglichen
Listenparteitag erkennen müssen.

So bleibt zu hoffen, dass hier genügend Fakten für ein strafbares Verhalten dargelegt wurden.

Bezüglich der Anzeige des Beschwerdeführers erhielt dieser von der Staatsanwaltschaft Halle
nachfolgendes Schreiben.
„Sehr geehrter Herr R.

wegen Rechtsbeugung , § 339 StGB, macht sich strafbar, wer als Richter, Schiedsrichter oder
Amtsträger bei der Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache zugunsten oder zum Nachteil einer
Partei das Recht beugt. Unter Rechtssache ist dabei eine rechtliche Angelegenheit zu verstehen, bei
der sich mehrere Beteiligte mit - zumindest denkbar – widerstreitenden rechtlichen Interessen
gegenüber stehen (Münchener Kommentar zum StGB, 1. Auflage, § 339 Rn. 19). Bei einer
Bundestagswahl aber stehen sich nicht rechtliche Interessen der Beteiligten gegenüber, so dass bereits
das Tatbestandsmerkmal der "Leitung einer Rechtssache" nicht erfüllt ist.
Eine Strafbarkeit der Beteiligten wegen Rechtsbeugung kommt deshalb nicht in Betracht. Wegen
Wahlfälschung, § 107 a StGB, macht sich strafbar, wer unbefugt wählt oder sonst ein unrichtiges
Ergebnis einer Wahl herbeiführt oder das Ergebnis verfälscht. Bei dem von Ihnen geschilderten
Sachverhalt kommt hier die Variante des Herbeiführens eines unrichtigen Wahlergebnisses in
Betracht. Jedoch bezieht sich nach übereinstimmender Meinung in Rechtsprechung und
kommentierender Literatur § 107 a StGB nur auf den eigentlichen Vollzug der Wahl und nicht auf die
der Wahl vorausgehenden vorbereitenden Maßnahmen der sich zur Wahl stellenden Beteiligten. Das
von Ihnen gerügte Verhalten jedoch betrifft Letzteres, so dass auch eine Strafbarkeit wegen

209
Wahlfälschung gemäß § 107 a StGB der Beteiligten nicht zu begründen ist. Aus diesen Gründen habe
ich das Ermittlungsverfahren gegen die Beschuldigten gemäß § 170 Abs. 2 Strafprozessordnung
eingestellt.

Mit freundlichen Grüßen

Hübner
Staatsanwalt“

Bezüglich dieser Äußerung seien folgende Anmerkungen getroffen.


Bezüglich der Tat der Wahlfälschung(§ 107a StGB) wird wie folgt ausgeführt. Der Normzweck des § 107
a StGB bezweckt den Schutz des unverfälschten Wahlergebnisses und schützt somit das Interesse der
Allgemeinheit an einem ordnungsgemäßen Ablauf der Wahlen. Denselben Schutzweck verfolgen die
§§ 108, 108a, wobei es sich auch hier aber um leges specialis, die § 107 a hervorgegangen sind. § 107
a ist damit der Grundtatbestand dieser Deliktgruppe.255
Mit „sonstigen Herbeiführen eines unrichtiges Ergebnisses“ ist jede andere Handlung gemeint, die
gemeint, die vor Abschluss der Stimmabgabe erfolgt und nicht bereits ein unbefugtes Wählen
eingestuft sind. Ein unrichtiges Wahlergebnis liegt immer dann vor, wenn das Stimmenverhältnis ein
anderes ist als es bei ordnungsgemäßen Vollzug der Wahl gewesen wäre. Jegliche Veränderung des
Stimmenverhältnisses reicht dazu aus, nicht erst eine solche Veränderung, die zur Wahl eines
Kandidaten führt. Der Tatbestand ist daher schon dann erfüllt, wenn die Stimmabgabe eines einzelnen
Wahlberechtigt unzulässig verändert wird. Die Beeinflussung muss vor dem Vorliegen des
Wahlergebnisses erfolgen ansonsten greift die Alternative „Verfälschen des Wahlergebnisses“ ein. Die
Tat ist bereits mit der Auszählung der Stimmen vollendet; bei Briefwahl mit Eingang der Wahlbriefe
beim zuständigen Wahlvorstand256.
Eine Veränderung des Stimmenverhältnisses liegt. Z.B. vor wenn dem Wähler bereits ausgefüllte
Stimmzettel ausgehändigt, ordnungsgemäß abgegebener Wahlzettel entfernt oder zusätzliche
Wahlzettel in die Urne geworfen werden. 257
Die hier vorgebrachten Beispiele sind nicht abschließend. Ferner kann der Tat auch erfüllt sein, wenn
andere Personen gewählten worden sind, als die die bei Ordnungsgemäßen Vollzug der Wahl
einschließlich der Wahlvorbereitung gewählt worden wären. Dass hiervon die Wahlvorbereitung
ausgenommen ist, lässt sich dem Wortlaut nicht entnehmen. Folglich kann der Tatbestand bereits bei,
insbesondere vorsätzlicher oder grobfahrlässiger, rechtswidriger Zulassung oder Zurückweisung von
Wahlvorschlägen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Wahlorgane trotz Vorliegens konkreter
Anhaltspunkte von Wahlrechtsverstößen bei der parteiinternen Kandidatenaufstellung, keine oder nur
unzureichende Anstalten machen, diesen Vorwürfen nachzugehen. Insoweit kann der
Rechtsauffassung der Staatsanwaltschaft nicht gefolgt werden. Selbiges gilt auch wie im Falle des KV
Mansfeld-Südharz von Bündnis ‘90/die Grünen, wo Führungspersonen, wie Herr L. willkürlich unter
Missachtung demokratischer Grundsätze Verfahrensweisen bei der Wahl von Delegierten oder der
Kandidaten/-innen ein „unrichtiges Ergebnis“ i.S. dieser Regelung herbeiführt.
Bezüglich des Tatbestands der Wählertäuschung(§ 108 a StGB) ist der Beschwerdeführer zwar nicht
eingegangen aber dennoch muss dieser Sachverhalt einer rechtlichen Würdigung unterzogen.
§ 180a dient zum anderen den Schutz des Einzelnen Wählers vor bestimmten Täuschungen in Bezug
auf sein Stimmrecht. Zugleich soll die Vorschrift aber auch eine Verfälschung des Gesamtergebnisses
verhindern. Das Rangverhältnis der beiden genannten Schutzzwecke wird unterschiedlich beurteilt:
die h.M. sieht das Individualinteresse im Vordergrund und das Allgemeininteresse ehr als nur mittelbar
geschützt an. Mit Rücksicht auf die Gesamtausrichtung des Abschnittes lässt sich auch ein Vorrang des
Allgemeininteresses begründen. Bei Schutzrichtungen sind nach der hier vertretenen Auffassung bei

255
Münchener Kommentar BGB, § 107 a, Rn 1
256
Ebenda, Rn 14
257
Ebenda, Rn 15
210
der Auslegung der Norm als gleichwertig zu berücksichtigen. Praktisch bedeutsam ist die Vorschrift
insbesondere im Hinblick auf gebrechliche, behinderte oder nicht sprachkundige Wahlberechtigte. 258
Die Tathandlung besteht in der Täuschung des Wählers. Der dadurch bei diesen hervorgerufenen
Irrtum kann ersten tatbestandsmäßig sein, wenn der Stimmberechtigte zwar bewusst wählt, aber über
den Inhalt seiner Stimmabgabe irrt. Dies ist der Fall, wenn die Stimmabgabe einen vom Wähler nicht
gewollten Ausgangsgehalt hat. 259
Erfasst ist weiterhin der Fall, dass der Stimmberechtigte infolge der Täuschung entgegen seinem nicht
oder ungültig wählt. Der Tatbestand ist auch erfüllt, wenn der Getäuschte darüber irrt, dass er
überhaupt eine Wahlhandlung vornimmt, er entgegen seinem Willen deshalb nicht wählt, weil ihm der
Wahltermin falsch mitgeteilt wurde oder infolge der Täuschung dem Täter seine Briefunterlagen
überlässt.260
Das lässt ebenfalls auf die Entscheidung über die Zulassung von Wahlvorschlägen durch die
Wahlorgane ausdehnen. Denn wenn ein Wahlberechtigter im Vertrauen darauf, dass die Zulassung der
Wahlvorschläge ordnungsgemäß erfolgt ist und er nach seinen Präferenzen wählen kann, aber im Zuge
der Wahlprüfung die Wahl der auf den Wahlvorschlägen vertretenen Bewerberinnen damit auch
dessen Stimme für ungültig erklärt wird, da die Wahlvorschläge hätten wegen Missachtung des
Kernbestands eine demokratischen Kandidatenaufstellung zurückgewiesen werden müssen.
Täter kann jedermann sein, soweit es sich um eine Täuschung durch Vorspiegelung falscher Tatsachen
handelt. Soweit die Täuschung durch Unterlasen erfolgt, kommt als Täter nur in Betracht, wer zur
richtigen Auskunft verpflichtet ist. 261
Für den subjektiven Tatbestand genügt bedingter Vorsatz. 262
Das schließt somit die Tätigkeit der Wahlorgane ein. Denn wenn diese trotz Vorliegens konkreter
Anhaltspunkte diesen nicht oder nur unzureichend nachgeht oder wie im Falle des LWA Niedersachsen
mögliche Beschwerden mit höchst fragwürdigen Argumenten zurückgewiesen werden, dann können
auch die Angehörigen der Wahlorgane als Täter in Betracht kommen.
Bezüglich der Einwendungen der Rechtsbeugung (§ 339 StGB) sei folgendes vorzutragen.
Geschützes Rechtsgut des § 339 ist die innerstaatliche Rechtspflege. Diese soll durch § 339 gegen
Angriffe von innen geschützt werden. Aufgabe der Vorschrift vor allem, die Herrschaft des und die
Rechtsordnung auch und gerade bei der Leitung und Entscheidung von Rechtssachen zu gewährleisten.
§ 339 schützt damit h.M. zufolge nicht unmittelbar die Individualgüter der rechtsunterworfenen
Parteien. Vielmehr entfaltet der Rechtsbeugungstatbestand für diese lediglich einen Schutzreflex
dergestalt, dass eine Rechtsbeugung „zum Nachteil einer Partei“ unter Strafe gestellt ist. Nicht
Schutzgut des § 339 ist hingegen die richterliche Unabhängigkeit als solche. Vielmehr ist der Rechts-
beugungstatbestand gerade das Gegenstück zur richterlichen Unabhängigkeit. Die Vorschrift zielt
damit auf die Sicherung und Wahrung der Verantwortlichkeit des Richters und der Achtung von Recht
und Gesetz auch durch den Richter selbst.263
Der Gesetzgeber hat die Rechtsbeugung im 30. Abschnitt StGB eingeordnet. Wird sie von einem Richter
oder einen anderen Amtsträger Begangen, so bildet sie ein echtes Amtsdelikt. Wird die Rechtbeugung
hingegen von einem Schiedsrichter verübt, so ist es ein echtes Sonderdelikt, wobei letztgenannter
Begriff der weiter reichende ist und auch das Amtsdelikt umfasst.264
Der objektive der Rechtsbeugung ist erfüllt, wenn ein Richter, ein anderer Amtsträger oder ein
Schiedsrichter bei der Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache zugunsten oder zum Nachteil einer

258
Ebenda, § 108 a, Rn 1
259
Ebenda, Rn 3
260
Ebenda, Rn 4
261
Ebenda, Rn 6
262
Ebenda, Rn 7
263
Ebenda, § 339, Rn 1
264
Ebenda, Rn 2
211
Partei das Recht beugt.265 Täter der Rechtsbeugung kann damit nur ein Richter, ein anderer Amtsträger
oder ein Schiedsrichter sein. 266
Ein anderer Amtsträger als ein Richter kann nur dann ein tauglicher Täter sein, wenn er wie ein Richter
eine Rechtssache zu leiten oder zu entscheiden hat. Entscheidend ist hierbei also die Verknüpfung mit
der Täterfunktion, wobei der Amtsträger richterliche Leitungs- oder Entscheidungsbefugnisse obliegen
müssen. Für die Frage, ob jemand Täter der Rechtsbeugung sein kann, kommt es also nicht auf die Art
seiner Position, sondern auf die Art seiner Funktion an. Seine Tätigkeit muss im Hinblick auf seinen
Aufgabenbereich und seine Stellung wie der Eines Richters vergleichbar sein. Allein der Umstand, dass
der Amtsträger bei seiner Entscheidung widerstreitende Interessen zu berücksichtigen oder
Rechtsvorschriften anzuwenden hat, vermag daher die Strafbarkeit noch nicht begründen. Vielmehr
kommt es darauf an, ob der Amtsträger ein rechtlich vollständig geregeltes Verfahren zu leiten oder
zu entscheiden hat, wobei ergänzend eine Neutralitätspflicht des Rechtsanwenders zu fordern ist. 267
Als taugliche Täter der Rechtsbeugung kommen auch Verwaltungsangehörige in Betracht, soweit diese
nicht nur verwaltend tätig werden, sondern vergleichbar dem Rechtspfleger „wie ein Richter“ zu
entscheiden haben. Weisungsfreiheit oder Unabhängigkeit sind zwar nicht erforderlich, wobei aber
zumindest ein relatives Maß an Neutralität, Überparteilichkeit und Entscheidungsautonomie zu finden
ist.268
Rechtsbeugung kann nur bei der Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache verübt werden. Ist nicht
die Handlung eines Richters, sondern diejenige eines andern Amtsträgers zu beurteilen, so kommt es
nicht auf die Art seiner Position, sondern auf die Art seiner Funktion an. Als taugliche Täter einer
Rechtsbeugung kommen die unter Rn 11 und 14 genannten Amtsträger mithin nur dann in Betracht,
wenn sie das Recht bei der Leitung oder Entscheidung eine Rechtssache gebeugt haben. 269
Nach Maßgabe des Vorstehenden sind demnach unter Rechtsachen all diejenigen rechtlichen
Angelegenheiten zu verstehen, bei welchem sich mehrere Beteiligte – mit mindestens-
widerstreitenden rechtlichen Interessen- gegenüberstehen sofern in einen rechtlich vollständig
geregelten Verfahren nach Rechtsgrundsätzen zu verhandeln und zu entscheiden ist. Herunter sind
unproblematisch Verfahren bei Straf- und Zivilgerichten, sowie allen Fachgerichten einschließlich der
Verfassungsgerichte zu setzen. Um mit Blick auf die Verwaltung an Recht und Gesetz einer
ausufernden Anwendung des § 339 auf Verwaltungsangehörige entgegenzuwirken, sind die von
diesen geleiteten und entschieden Verfahren nur dann als Rechtsgrundsätze kennzeichnen, wenn
diese hierbei „wie ein Richter“ vorzugehen haben. Nicht ausreichend ist hierfür, dass für die Erledigung
der Verwaltungsangelegenheiten Rechtsgrundsätze anzuwenden sind, da die bei heutigem
Verwaltungshandeln weithin der Fall ist.270
Nicht jegliche Mitwirkung eines tauglichen Täters an einer Rechtssache kann zu dessen Strafbarkeit
wegen Rechtsbeugung führen, sondern nur eine Tätigkeit bei deren Leitung oder Entscheidung.
Hieraus ergibt sich, dass nur eine „selbstständigere und übergeordnete Stellung und Tätigkeit“ bei der
Rechtsanwendung eine Strafbarkeit nach sich ziehen kann. 271
Die nebenordnende Funktion „oder“ zeigt, dass die Tat auch nur bei der Leitung einer Rechtssache
begangen werden kann, ohne dass es darauf ankäme, ob der hierfür begangene Rechtsbruch auf die
(abschließende) Entscheidung „durchschlägt“. Beide Merkmale sind daher auseinander zu halten und
nicht in Wechselbeziehung zu bringen und unter einander zu vermengen. Freilich kann sich eine eine
auf die Verfahrensleitung bezogene Maßnahme, etwa eine Vereidigungsentscheidung oder ein
Beweisbeschluss zugleich als (Zwischen-)Entscheidung darstellen. Unter den Begriff der Leitung einer
Rechtssache fällt bereits die Vorbereitung der Haupthandlung, vor allem jedoch die
Verhandlungsführung des Vorsitzenden aber auch die Leitung der Beratung durch diesen. Die Frage,

265
Ebenda, Rn 6
266
Ebenda, Rn 7
267
Ebenda, Rn 11
268
Ebenda, Rn 14
269
Ebenda, Rn 18
270
Ebenda, Rn 19
271
Ebenda Rn 20
212
ob ein Richter eine Rechtssache leitet, ist nicht nach den einzelnen Maßnahmen, „sondern nach der
Natur des Verfahrens in seiner Gesamtheit und seinem Endziel“ zu beantworten. 272
Nicht nur die das Verfahren abschließende Entscheidung, also etwa das Urteil oder der
verfahrensbeendende Beschluss, sondern bereits Zwischenentscheidungen, namentlich solche über
die Haftfrage, können zur Strafbarkeit wegen Rechtsbeugung führen. Rechtsverstöße, die ein
Amtsträger zeitlich nach der Entscheidung begeht sind nach § 339 strafbar, sofern nur die
verwaltungstechnische Abwicklung der Entscheidung betreffen. Anders verhält es sich bei Eingriffen,
die eine sich anschließend „neue“ Rechtssache, etwa ein Vollstreckungsverfahren betreffen. Auch
Rechtsverstöße des judex a quo gegen seine Mitwirkungspflichten im Rechtsmittelverfahren, etwa bei
der Vorlage einer Beschwerdesache, können die Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache
betreffen und damit gemäß § 339 strafbar sein273. Dem objektiven Tatbestand verwirklicht wer sich
einer Beugung des Rechts schuldig mache. Bei der Auslegung dieses zentralen Tatbestandsmerkmals
ist vieles streitig.274
Unter den Begriff des Rechts fallen zunächst alle Vorschriften des positiven Rechts und zwar sowohl
des materiellen als auch des formellen Rechts. Unter den letztgenannten Verstößen sind auch
Verstöße gegen die Bindungswirkung gerichtlicher Entscheidungen zu beurteilen. Denkbar ist auch
eine Rechtsbeugung durch Verstoß gegen Gewohnheitsrecht, nicht hingegen bereits bei einer
Abweichung von der h.M. oder der ständigen Rechtsprechung anderer - auch im Instanzenzug
übergeordnete- Gerichte.275
All die Regelungen sind auch auf die Entscheidungen der Wahlorgane anwendbar. Zum einen
vollziehen die Entscheidungen „die eines Richters“ und zum anderen stehen auch hier Parteien mit
widerstreitenden Interessen gegenüber. Das sind die Wahlvorschlagsträger, die durch rechtswidrige
Entscheidungen, bevorzugt oder benachteiligt werden können. Und zum anderen die Parteimitglieder,
wenn viele zu Unrecht ihr Mandat wahrnehmen und andere von der Wahl abgehalten werden. Ebenso
sind bei rechtwidrigen Entscheidungen die Wahlberechtigten beschwert, da diese Gefahr laufen, dass
deren Stimme u.U. deswegen für ungültig erklärt wird. Ebenso sind diese öffentliche
Verwaltungsorgane.276 Sie sind an Recht und Gesetz gebunden. Das schließt materielles Recht mit ein.
Andernfalls muss sich die Frage stellen, welchen Gehalt die Entscheidungen des BVerfG und die VerfG
der Länder haben, wenn die Wahlorgane trotz konkreter Anhaltspunkte entweder willkürlich
entscheiden oder diesen nicht nachgehen und dies Konsequenzen los bleibt.
Folglich kann der Rechtsauffassung der Staatsanwaltschaft Halle(Saale) nicht gefolgt werden.

Den Wahlorganen wird Willkür i.S. der Rechtsprechung des BVerfG vorgeworfen. Dort heißt es 277
„Objektiv willkürlich ist ein Richterspruch nach der ständigen Rechtsprechung des
Bundesverfassungsgerichts dann, wenn er unter keinem denkbaren Aspekt rechtlich vertretbar ist und
sich daher der Schluss aufdrängt, dass er auf sachfremden Erwägungen beruht. Fehlerhafte
Rechtsanwendung allein macht eine Gerichtsentscheidung jedoch nicht willkürlich. Willkür liegt
vielmehr erst dann vor, wenn eine offensichtlich einschlägige Norm nicht berücksichtigt, der Inhalt
einer Norm in krasser Weise missverstanden oder sonst in nicht mehr nachvollziehbarer Weise
angewendet wird (vgl. BVerfGE 89, 1 <13 f.>; 96, 189 <203>).“ Das Gleiche gilt auch hier, da die
Wahlorgane „wie ein Richter“ zu entscheiden haben und diesen auf Landes- und Bundesebene noch
dazu echte Richter angehören. Der Beschwerdeführer hat den Wahlorganen so viele Fakten
vorgetragen, dass ein Rekurs auf Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG als Legitimationsgrund nicht mehr haltbar sein
kann sämtliche Wahlvorschläge insbesondere die Landeslisten der o.g. Parteien hätten
zurückgewiesen werden müssen. Insoweit haben die Wahlorgane i.S. dieser Rechtsprechung die Norm

272
Ebenda, Rn 21
273
Ebenda, Rn 22
274
Ebenda, Rn 23
275
Ebenda, Rn 24
276
Schreiber 2013, § 8 Abs. 2
277
1 BvR 735/09 vom 12.10.2009
213
nach Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG in krasser Weise missverstanden und auch in sonst nicht mehr
nachvollziehbarer Weise zur Anwendung gebracht.
Die Verletzung materiellen Rechts kann sowohl durch die Wahlorgane, als auch durch dir Parteien nicht
hingenommen werden.

1.1.11 Auswirkungen auf Parlamentswahlen

1.1.11.1 ein Überblick

Hier wird eine Übersicht über die Auswirkungen dieser jahrzehntelangen Praxis dokumentiert. Das soll
die Außmaße dieser Widersinigkeiten veranschaulichen.

1.1.11.2 Bündnis ‘90/die Grünen

Bundes- Wahlperiode des Deutschen Bundestages 278


Land
10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18.
Baden- M 3 2 - 4 3 4 4 5 5
Württemberg W 2 5 - 4 4 5 4 6 5
Bayern M 2 5 - 3 3 3 3 5 4
W 2 2 - 3 3 4 3 5 5
Berlin M 1 2 1 1 1 2 2 2 2
W 0 2 0 2 2 1 1 2 2
Brandenburg M - - 1 - 0 - 0 0 0
W - - 1 - 1 - 1 1 1
Bremen M - 0 - 0 0 0 0 0 0
W - 1 - 1 1 1 1 1 1
Hessen M 3 2 - 2 2 2 2 3 2
W 0 2 - 3 2 2 3 3 3
Hamburg M 1 1 - 0 0 0 0 1 1
W 0 1 - 2 2 2 2 1 1
Mecklenburg- M - - 1 - - - 1 1 1
Vorpommern W - - 0 - - - 0 0 0
Niedersachsen M 2 3 - 2 2 2 2 3 3
W 0 3 - 3 2 3 3 4 3
Nordrein- M 4 5 - 5 5 6 5 7 6
Westfahlen W 4 6 - 6 6 6 6 7 7
Reinland-Pfalz M 1 1 - 1 1 1 1 1 1
W 0 1 - 1 1 1 1 2 2
Saarland M - - - - - 1 - 1 1
W - 1 - - - 1 - 0 0
Sachsen M - - 2 1 1 1 1 1 1
W - - 0 1 1 1 1 1 1
Sachsen-Anhalt M - - 0 0 0 0 0 0 0
W - - 1 1 1 1 1 1 1
Schleswig- Holstein M - 1 - 1 1 1 1 1 1
W - 1 - 1 2 1 1 2 2

278
www.wikipedia.de
214
Thüringen M - - 0 0 0 0 0 0 0
W - - 1 1 1 1 1 1 1

An Hand dieser Übersicht sind nachfolgende Besonderheiten festzuhalten:

1. In der 10. Periode herrschte bei der Partei „Die Grünen“ noch das Rotationsprinzip, d.h. es
schieden viele Abgeordnete aus dem Bundestag aus und andere rückten nach.

2. Die 11. und 12. Perioden waren durch die deutsche Wiedervereinigung geprägt. So zogen
noch 6 Männer und 2 Frauen als damalige Volkskammerabgeordnete der Fraktion Bündnis ’90
in den Bundestag ein. Darunter waren 2 Männer, die die einzigen Männer unter den
Mitgliedern des heutigen Landesverbandes Sachsen-Anhalt sind, die bis heute jemals in den
Bundestag eingezogen sind. In der 12. Periode war die Bundestagswahl vom 3. 12.1990. Dort
musste eine Partei sowohl auf ostdeutscher als auch auf westdeutscher Seite die 5% Hürde
bewältigen. Dies gelang lediglich den ostdeutschen Landesverbänden der Partei Bündnis ’90
während die westdeutschen Landesverbände der Partei „die Grünen“ dieses Ziel verfehlten. In
der 11. Perioden waren die Berliner Abgeordneten als Partei “Alternativen Liste für
Demokratie und Umweltschutz“ im Bundestag vertreten. Diese vereinigten sich zusammen
mit „Bündnis ‘90“ und „Die Grünen“ am 14.05.1993 zur heutigen Partei Bündnis ‘90/die
Grünen.

3. Das Übergewicht der männlichen Abgeordneten von Berlin ist darauf zurückzuführen, dass
der Abgeordnete Herr Ströbele sein Direktmandat errungen hat, so dass von der Landesliste
Berlin nur die ersten beiden Listenplätze in den Bundestag einzogen. Dieser erhielt das Mandat
auch bei letzten BTW.

4. Im Landesverband Mecklenburg-Vorpommern soll es bei der Wahl zum 16. Und 17. Bundestag
keine Frau gegeben haben, die auf Listenplatz kandidieren wollte und der Landesverband
Saarland soll diese Regelung missachtet haben. In der Satzung des LV ist geregelt, dass Männer
auch auf Listenplatz 1 kandidieren können.

Wie aus dieser Übersicht ersichtlich ist, wurde seit 1990 im Landesverband Sachsen-Anhalt kein Mann
in den Bundestag gewählt, was fast ausschließlich auf diese spezielle Regelung zurückzuführen ist.
Auch in den Landesverbänden Thüringen und Bremen wurden bis heute keine Männer in den
Bundestag gewählt während in den Legislaturperioden 13 – 16 aus Hamburg zwei Frauen ein
Bundestag einzogen. Hinzukommt das permanente Übergewicht an Frauen unter den
Bundestagsabgeordneten der Fraktion Bündnis‘90/Die Grünen(11. Periode: 56,8%; 13. Periode 59,2%;
14. Periode: 57,4 %; 15. Periode: 58,2%; 16. Periode: 56,9; 17. Periode: 54,4 %, 18. WP 54 %). Das lässt
sich im Vergleich zu anderen Parteien nicht mehr mit demokratischen Grundprinzipien erklären
sondern nur noch mit der ausschließlichen Privilegierung von Frauen. Selbiges gilt auch für den
Umstand, dass auf Listenplatz 1 nur 2 Männer sind. Dies dokumentiert die negative Auswirkung der
Anwendung dieser Regelung auf die Wahlchancen der Männer. Aufgrund der oben geschilderten
Besonderheiten in der Parteigeschichte der Partei „Bündnis ‘90/die Grünen“ kann erst ab der 13.
Legislaturperiode mit einer gewissen Konstanz diese Auswirkungen zweifelsfrei festgestellt werden.

Land M F Bemerkung
BB 3 3 Geschlechterverteilung nach Satzung.
BER 5 7 Geschlechterverteilung nach Satzung. Auf Listenplatz 12
kandidiert eine Frau.
BW 19 19 Geschlechterverteilung nach Satzung.
BY 26 26 Geschlechterverteilung nach Satzung.
215
HB 2 2 Die Frauen kandidierten auf den ersten beiden Plätzen.
HH 3 4 Geschlechterverteilung nach Satzung.
HE 12 12 Geschlechterverteilung nach Satzung.
MV 4 6 Frauen kandidierten auf den Plätzen 2,3,4,6,8 und 10.
NS 9 11 Geschlechterverteilung nach Satzung. Auf Listenplatz 10
kandidiert eine Frau.
NRW 20 20 Geschlechterverteilung nach Satzung.
RLP 6 9 Geschlechterverteilung nach Satzung. Auf Listenplatz 12
kandidiert eine Frau.
SA 7 6 Geschlechterverteilung nach Satzung bis Platz 12.
SH 6 6 Geschlechterverteilung nach Satzung.
SHT 4 4 Geschlechterverteilung nach Satzung.
SL 4 5 Frauen kandidierten auf den Plätzen 2,3,5,7 und 8.
TH 8 3 Geschlechterverteilung nach Satzung bis Platz 4.
Ges. 138 143 Frauenanteil 50,9 % von 281 Bewerber/-innen.

Rechnet man das Mandat von Herr Ströbele heraus, so beträgt der Frauenanteil unter den
Listenmandaten 54,8 %. Hätte Herr Ströbele sein Direktmandat nicht erhalten, wäre stattdessen Frau
Riester, also eine Frau mehr, gewählt worden.

Aus der Übersicht279 lässt sich demnach folgendes entnehmen.

Insgesamt Nur Wahlkreise Nur Doppelkandidatur


Liste
Land F F F F
Schleswig-Holstein 17 8 5 2 6 3 6 3
Mecklenburg- 10 6 – – 4 3 6 3
Vorpommern
Hamburg 7 4 – – 1 – 6 4
Niedersachsen 30 11 10 – – – 20 11
Bremen 4 2 – – 2 – 2 2
Brandenburg 11 5 5 2 1 – 5 3
Sachsen-Anhalt 13 4 5 – 4 2 4 2
Berlin 17 7 5 – 5 3 7 4
Nordrhein-Westfalen 68 26 28 6 4 3 36 17
Sachsen 18 7 5 1 2 1 11 5
Hessen 28 12 4 – 6 2 18 10
Thüringen 16 4 5 1 7 2 4 1
Rheinland-Pfalz 20 11 5 2 5 4 10 5
Bayern 55 28 3 2 10 9 42 17
Baden-Württemberg 42 19 4 – 4 3 34 16

279
Sonderheft, Die Wahlbewerber für die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag 2013, Information des
Bundeswahlleiters
216
Saarland 10 6 1 1 6 4 3 1
Bundesgebiet 366 160 85 17 67 39 214 104
Anteil in % 19,1 58,2 48,6
Gesamt 299 121 281 143
Anteil in % 40,5 50,9

Hier wird die unterschiedliche Geschlechterverteilung insbesondere auf den Landeslisten in


besonderer Form deutlich.

Bundestagswahl von Baden-Württemberg

Geschl. 8.WP 9.WP 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP


1980- 1984- 1984- 1992- 1996- 2001- 2006- ab
1984 1988 1992 1996 2001 2006 2011 2011
M 5 8 6 11 12 6 10 19
W 1 1 4 2 7 4 7 8
15. WP: Erstmandat M: 5 ; W: 4

Bundestagswahl in Bayern

Geschlecht 11.WP 12.WP 13. WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP


1986- 1990- 1994- 1998- 2003- 2008- 2013-
1990 1994 1998 2003 2008 2013 2018
M 6 6 6 5 6 9 9
W 9 6 8 9 9 10 9

Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus1

Bezirks-/Landesliste

Geschl. 9.WP 10.WP 11. WP 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP
1981- 1985- 1989- 1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1985 1989 1990 1995 1999 2001 2006 2011
M 6 152 9 11 13 8 6 6 8
W 3 8 12 15 8 7 12 11

1 Bis 1994 Alternative Liste(AL),Unabhängiger Frauenverband(UFV),dir Grünen, Bündnis ‘90


2 Die Geschlechterverteilung lässt sich wegen dem Rotationsprinzip nicht ermitteln.

Direktmandat

Geschl. 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP


1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1995 1999 2001 2006 2011
M 0 1 1 0 4 4
W 0 1 1 1 1 6

217
Sieht man sich die Verteilung nach Wahlkreisen an, so können die Direktmandate das
Ungleichgewicht verstärken oder ausgleichen. In der 17.WP wurde Frau Pop auf Listenplatz 2
gewählt.

Bürgerschaft in Bremen

Geschlecht 12.WP 13. WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP


1987-1991 1991- 1995- 1999- 2003- 2007- Ab 2011
1995 1999 2003 2007 2011
M 6 6 7 5 5 6 9
W 4 5 7 5 7 8 12

Brandenburg

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


1990-1994 1994- 1999- 2004- Ab 2009
1999 2004 2009
M 6 0 0 0 2
W 0 0 0 0 3

Hamburg

Geschl. 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP 19.WP 20.WP

M 4 4 0 0 4 9 10 5 8 6 4
W 5 4 13 8 5 10 11 6 9 6 10

Hessen

Geschlech 10.W 11.W 12.W 13.W 14.W 15.W 16.W 17.W 18.W 19.W
t P P P P P P P P P P
M 5 4 5 5 6 4 6 4 8 7
W 4 3 5 5 7 4 6 5 9 7

Mecklenburg-Vorpommern

Geschlecht 6.WP
M 3
W 4

Niedersachsen

Geschlecht 11. WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18. WP


M 9 4 6 6 7 6 10 10
W 2 4 7 6 7 6 10 10

Nordrein-Westfahlen

Geschlecht 11. WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP

218
M 6 12 8 6 11 14
W 6 12 9 6 12 15

Reinland-Pfalz

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP


M 5 3 3 0 9
W 2 4 3 0 9

Saarland

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15. WP


M 1 0 1 1
W 2 0 2 1

Sachsen

Landesliste

Geschlecht 1. WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 5 0 0 3 4
W 5 0 0 3 5

Sachsen-Anhalt

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 2 2 0 0 0 4
W 3 3 0 0 0 5

Thüringen

Geschlecht 1. WP 2. WP 3. WP 4. WP 5. WP
M 5 0 0 0 3
W 1 0 0 0 3

Bundestagswahl von Schleswig-Holstein

Geschlecht 14.Periode 15.Periode 16.Periode 17.Periode 18.Periode


96-2000 2000-2005 2005-2009 2009-20012 Ab 2012
M 3 2 2 6 5
W 3 3 2 6 5

1.1.11.3 CDU

Bundestagswahl

Direktmandate:

219
Land 1990- 94-98 98-2002 02-05 05-09 09-13 13-17
94
Baden- M 31 33 25 24 31 34 35
Württemberg W 5 4 1 2 2 3 3
Berlin M 7 6 0 0 1 4 5
W 1 0 0 0 0 1 0
Brandenburg M 7 0 0 0 0 1 7
W 1 0 0 0 0 0 2
Bremen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Hamburg M 1 1 0 0 0 3 1
W 0 0 0 0 0 0 0
Hessen M 9 11 3 3 5 12 12
W 3 3 1 0 2 3 5
Mecklenburg- M 5 5 2 1 1 4 4
Vorpommern W 3 2 1 1 2 2 2
Niedersachsen M 19 14 4 3 3 13 14
W 1 0 0 1 1 3 3
Nordrein- M 26 29 15 18 21 32 31
Westfalen W 1 3 1 1 3 5 6
Reinland-Pfalz M 11 12 6 7 8 9 9
W 1 0 2 1 2 4 5
Saarland M 0 0 0 0 0 2 2
W 0 0 0 0 0 2 2
Sachsen M 20 19 10 10 11 12 12
W 1 2 3 3 3 4 4
Sachsen-Anhalt M 12 8 0 0 0 3 7
W 0 2 0 0 0 1 2
Schlieswig – M 6 9 2 1 6 9 8
Holstein W 1 0 0 0 0 0 1
Thüringen M 11 11 1 1 3 5 7
W 1 1 0 0 0 2 2

Landeslisten

Land 1990- 94-98 98-2002 02-05 05-09 09-13 13-17


94
Baden- M 0 0 3 3 0 0 2
Württemberg W 0 0 3 1 0 0 3
Berlin M 3 1 5 4 3 1 2
W 2 2 2 2 1 0 2
Brandenburg M 0 6 3 2 2 2 0
W 0 0 2 2 2 2 0
Bremen M 2 2 1 1 1 1 0
W 0 0 0 0 1 0 2
Hamburg M 5 3 3 3 3 1 3
W 2 1 1 1 1 0 1
Hessen M 2 7 9 9 5 0 3
W 2 0 2 4 2 0 1
Mecklenburg- M 0 0 1 1 1 0 0
Vorpommern W 0 0 1 1 0 0 0
220
Niedersachsen M 6 7 14 13 11 2 10
W 2 4 6 4 6 3 4
Nordrein- M 15 18 34 21 15 5 14
Westfalen W 5 9 9 9 7 3 12
Reinland-Pfalz M 4 1 2 2 0 0 2
W 1 2 3 3 2 0 0
Saarland M 3 4 3 3 2 0 0
W 1 0 0 0 1 0 0
Sachsen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 1
Sachsen-Anhalt M 0 0 5 5 4 1 0
W 0 0 1 1 1 0 0
Schlieswig – M 1 0 5 5 1 0 1
Holstein W 1 1 2 2 1 0 1
Thüringen M 0 0 2 2 1 0 0
W 0 0 3 3 1 0 0

Unter den Bewerbern der Landeslisten lässt sich folgendes feststellen.

Land M F Bemerkung
BB 7 3 Muster ist erkennbar.
BER 10 4 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 7-9.
BW 31 24 Das Muster lässt sich nur beschränkt nachweisen. Aber es
folgen mehrfach 3 Männer oder 3 Frauen (z.B. Plätze 10-
15,25-30,46 - 48)
HB 4 2 Die Frauen kandidierten auf den ersten beiden Plätzen.
HH 9 3 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 4 - 6
und 10 - 12.
HE 27 19 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 16-
21.
MV 7 5 Muster ist erkennbar.
NS 33 11 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 16 -
24 und 37 - 43.
NRW 43 20 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 52-
57.
RLP 26 14 Muster ist bis Listenplatz 33 erkennbar.
SA 12 8 Muster ist erkennbar.
SH 17 12 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 7 -
9.
SHT 8 4 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 7-9.
SL 13 9 Genaues Muster, insbesondere nach Satzung des BV lässt
sich nicht nachweisen.
TH 10 5 Muster ist erkennbar, die Ausnahme bilden die Plätze 7-9.
Gesamt 256 143 399

Bei 37 von 191 direkt gewählten Bewerber/-innen beträgt der Frauenanteil 19,4 %. Der den auf Listen
Gewählten Abgeordneten beträgt bei 27 von 64 Abgeordneten der Frauenanteil 42,2 %. Wobei die
direktgewählten Abgeordneten, die auch über die Listen gewählt worden wären nicht in die

221
Betrachtung mit einbezogen werden. Insgesamt beträgt der Frauenanteil mit 64 von 255
Abgeordneten 25,1 %.

Auch hier ist aus der Übersicht die Verteilung zu entnehmen.


Land Gesamt Nur Nur Liste Doppelkandidaur
Kreiswahlvorschlag

F F F F
Schleswig-Holstein 29 12 – – 18 10 11 2
Mecklenburg- 12 5 – – 6 3 6 2
Vorpommern
Hamburg 13 3 1 – 7 2 5 1
Niedersachsen 45 12 2 1 15 6 28 5
Bremen 6 2 – – 4 – 2 2
Brandenburg 10 3 – – – – 10 3
Sachsen-Anhalt 12 4 – – 3 2 9 2
Berlin 16 4 2 – 4 2 10 2
Nordrhein- 73 20 10 – 9 2 54 18
Westfalen
Sachsen 25 8 5 – 9 4 11 4
Hessen 46 19 – – 24 14 22 5
Thüringen 15 5 – – 6 3 9 2
Rheinland-Pfalz 40 14 – – 25 9 15 5
Baden- 82 24 27 – 44 21 11 3
Württemberg
Saarland 22 9 – – 18 7 4 2
Bundesgebiet ohne 446 144 47 1 192 85 207 58
Bayern
Anteil in % 32 2,1 44,3 28
Gesamt 351 105 399 143
Anteil in % 29,9 35,8

Bundestagswahlen

Bundestagswahl von Baden-Württemberg

Geschl. 8.WP 9.WP 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP


1980- 1984- 1988- 1992- 1996- 2001- 2006- ab
1984 1988 1992 1996 2001 2006 2011 2011
M 66 64 62 58 58 61 59 53
W 2 3 4 6 11 7 10 7

Zweitmandate

Geschl. 8.WP 9.WP 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP


1980- 1984- 1988- 1992- 1996- 2001- 2006- ab
1984 1988 1992 1996 2001 2006 2011 2011
M 0 1 0 0 0 1 0 0
222
W 0 0 0 0 0 0 0 0

Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Bezirks-/Landesliste

Geschl. 9.WP 10.WP 11. WP 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP
1981- 1985- 1989- 1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1985 1989 1990 1995 1999 2001 2006 2011
M 61 66 47 65 33 19 15 14 17
W 4 3 8 15 6 7 2 4 3

Direktmandat

Geschl. 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP


1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1995 1999 2001 2006 2011
M 17 41 35 27 16 17
W 4 7 5 0 3 2

Brandenburg

Liste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


1990-1994 1994-1999 1999-2004 2004-2009 Ab. 2009
M 10 16 19 11 10
W 3 2 4 5 5

Direkt

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


1990- 1994- 1999- 2004- Ab 2009
1994 1999 2004 2009
M 13 0 1 2 1
W 1 0 1 2 3

Bürgerschaft in Bremen

Geschlecht 12.WP 13. WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP


1987-1991 1991- 1995- 1999- 2003- 2007- Ab 2011
1995 1999 2003 2007 2011
M 21 25 25 27 19 16 11
W 4 7 12 15 10 7 9

Hamburg

Geschl. 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP 19.WP 20.WP

M 49 42 44 47 35 30 36 26 49 40 23
223
W 7 6 10 8 9 6 10 7 14 16 5

Hessen

Landesliste

Geschlecht 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP 19.
WP
M 48 47 43 40 33 10 2 7 0 3
W 4 4 4 6 12 7 1 7 0 3

Direkt:

Geschlecht 15. WP 16. WP 17.WP 18.WP 19.WP


M 25 42 27 37 36
W 8 11 1 9 5

Mecklenburg-Vorpommern

Landesliste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 0 2 8 9 2 6
W 0 0 2 3 0 1

Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 27 24 12 9 14 10
W 2 4 2 4 4 1

Niedersachsen

Landesliste

Geschlecht 11. WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18. WP


M 12 56 55 30 0 0 0 0
W 4 11 12 16 0 0 0 0

Direktmandat

Geschlecht 11. WP 12.WP1 13.WP1 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP


M 53 - - 15 66 54 45 44
W 0 - - 1 25 15 9 10
1
Hat sich nicht ermitteln lassen

Nordrein-Westfahlen

Listenmandate

Geschlecht 11. WP1 12.WP1 13.WP1 14.WP 15.WP 16.WP


224
M 73 72 70 0 0 28
W 16 17 18 0 0 10

Direktmandate

Geschlecht 14.WP 15.WP 16.WP


M 78 56 24
W 11 11 5

1
Geschlechterverteilung Auf Listen und Direktmandate konnte nicht festgestellt werden.

Reinland-Pfalz

Landesliste

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP


M 20 8 9 13 8
W 6 6 8 7 5

Direktmandat

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP


M 14 23 20 15 19
W 0 4 1 3 9

Saarland

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15. WP


M 13 17 22 12
W 8 9 5 7

Sachsen

Landesliste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 10 11 10 0 0
W 2 6 6 0 0

Direktmandate

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 75 51 47 46 47
W 5 9 13 9 11

Sachsen-Anhalt

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 0 3 17 0 0 0
W 0 2 9 0 0 0
225
Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 44 30 2 38 32 36
W 4 2 0 10 8 5

Thüringen

Landesliste

Geschlecht 1. WP 2. WP 3. WP 4. WP 5. WP
M 42 36 2 2 0
W 2 6 3 3 3

Direktmandat

Geschlecht 1. WP 2. WP 3. WP 4. WP 5. WP
M - - 34 34 21
W - - 5 6 6

Bundestagswahl von Schleswig-Holstein

Direktmandate

Geschlecht 14.Periode 15.Periode 16.Periode 17.Periode 18.Periode


96-2000 2000-2005 2005-2009 2009-20012 Ab 2012
M 11 4 20 25 17
W 8 0 5 9 5

Landesliste

Geschlecht 14.Periode 15.Periode 16.Periode 17.Periode 18.Periode


96-2000 2000-2005 2005-2009 2009-20012 Ab 2012
M 7 19 3 0 0
W 5 10 1 0 0

1.1.11.4 SPD

Bundestagswahl

Direktmandate

Land 1990- 94-98 98-2002 02-05 05-09 09-13 13- 17


94
Baden- M 1 0 5 4 2 1 0
Württemberg W 0 0 6 3 2 0 0
Bayern M 0 0 5 1 1 0 0
W 2 1 2 0 0 0 0

226
Berlin M 4 3 6 8 5 0 1
W 0 0 3 1 2 2 1
Brandenburg M 2 12 9 6 6 2 1
W 0 0 3 4 4 3 0
Bremen M 2 2 2 2 2 2 2
W 1 1 1 0 0 0 0
Hamburg M 5 4 5 4 6 3 2
W 1 2 2 2 0 0 1
Hessen M 9 6 9 1 8 4 3
W 0 2 9 0 5 2 2
Mecklenburg- M 0 1 4 3 3 0 0
Vorpommern W 1 1 3 2 1 0 0
Niedersachsen M 6 7 17 15 14 8 8
W 5 7 10 10 11 6 5
Nordrein- M 35 37 42 34 22 22 22
Westfalen W 3 3 11 11 18 5 5
Reinland-Pfalz M 3 4 8 5 3 2 1
W 1 0 2 2 2 0 0
Saarland M 4 4 4 2 2 0 0
W 1 1 1 2 2 0 0
Sachsen M 0 0 6 3 3 0 0
W 0 0 2 1 0 0 0
Sachsen-Anhalt M 0 2 8 5 7 0 0
W 0 1 5 3 3 0 0
Schleswig – M 2 2 8 6 3 1 3
Holstein W 0 0 3 4 2 1 1
Thüringen M 0 0 8 5 4 0 0
W 0 0 3 4 2 0 0

Landeslisten

Land 1990- 94-98 98-2002 02-05 05-09 09-13 13-17


94
Baden- M 16 15 13 12 10 7 10
Württemberg W 7 10 6 8 9 7 10
Bayern M 18 16 13 13 12 8 11
W 6 12 14 12 11 8 11
Berlin M 2 3 1 0 1 2 4
W 3 3 0 0 0 1 2
Brandenburg M 5 0 0 0 0 0 2
W 0 0 0 0 0 0 2
Bremen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Hamburg M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 1 0
Hessen M 5 5 2 9 1 3 6
W 6 6 1 8 2 3 5
Mecklenburg- M 3 1 0 0 0 1 1
Vorpommern W 0 1 0 0 0 1 2
Niedersachsen M 13 11 6 3 1 4 5
W 3 3 2 3 1 1 7
227
Nordrein- M 18 14 10 6 8 7 15
Westfalen W 9 12 9 9 6 5 10
Reinland-Pfalz M 6 6 1 2 3 3 4
W 3 4 4 3 3 3 5
Saarland M 0 0 0 0 0 1 1
W 1 0 0 0 0 1 2
Sachsen M 5 5 1 4 3 3 3
W 3 4 3 4 2 2 3
Sachsen-Anhalt M 4 2 0 0 0 1 2
W 2 2 0 0 0 2 2
Schleswig – M 4 4 0 0 4 1 4
Holstein W 4 4 0 0 0 3 3
Thüringen M 3 4 0 0 0 2 2
W 2 2 0 0 0 1 1

Bezüglich der Wahlbewerber/-innen lassen sich folgende Ausführungen machen

Land M F Bemerkung
BB 8 7 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen.
BER 6 6 Die Frauen kandidierten auf den ungeraden Listenplätzen.
BW 26 14 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen bis Platz 28.
BY 26 22 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen bis Platz 38, dann
auf den ungeraden.
HB 3 2 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen.
HH 6 6 Die Frauen kandidierten auf den ungeraden Listenplätzen.
HE 23 22 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen.
MV 4 2 Die Frauen kandidierten auf den ungeraden Listenplätzen bis Platz 3.
NS 32 28 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen mit Ausnahme der
Plätze 28 und 60.
NRW 45 18 Die 18 Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen bis Platz 36.
RLP 21 14 Die Frauen kandidierten auf den ungeraden Listenplätzen bis Platz 15.
Dann kandidierten diese in unregelmäßiger Verteilung.
SA 9 6 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen bis Platz 12.
SH 12 7 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen bis Platz 14.
SHT 6 3 Die Frauen kandidierten auf den ungeraden Listenplätzen bis Platz 3.
SL 7 8 Die Frauen kandidierten auf den ungeraden Listenplätzen.
TH 10 3 Die Frauen kandidierten auf den geraden Listenplätzen bis Platz 6.
Ges. 244 168 Von den 412 Listenbewerber/-innen der SPD betrug der Anteil an Frauen
ca. 40 %

Unter den Gewählten betrug der Frauenanteil bei den direkt gewählten Bewerbern/-innen 41,5% und
den der gewählten Listenbewerber/-innen 48,1 %. Würde die direkt gewählten Abgeordneten, die
auch über die Liste gewählt worden wären zu den über die Liste Gewählten hinzufügen, dürfte der
Frauenanteil noch höher sein. Unter den Wahlbewerber/-innen in Bayern gab es 19
Direktbewerberinnen auf 45 Wahlkreise. Damit betrug der Frauenanteil 42,2%. Das dürfte der höchste
Anteil unter den Direktbewerbern sein, was ausschließlich auf die eine Satzungsregelung
zurückzuführen sein dürfte. Die Vorgabe wäre damit erfüllt.

Land Gesamt Nurwahlkreisbewerber Nur Doppelbewerber


Listenberwerber
228
F F F F
Schleswig-
Holstein 19 7 – – 8 2 11 5
Mecklenburg-
Vorpommern 6 2 – – – – 6 2
Hamburg 14 6 2 – 8 5 4 1
Niedersachsen 61 28 1 – 31 15 29 13
Bremen 5 2 – – 3 2 2 –
Brandenburg 15 7 – – 5 2 10 5
Sachsen-Anhalt 9 3 – – – – 9 3
Berlin 15 8 3 2 3 2 9 4
Nordrhein-
Westfalen 65 18 2 – 1 – 62 18
Sachsen 17 6 1 – 1 1 15 5
Hessen 45 22 – – 23 15 22 7
Thüringen 13 3 – – 4 – 9 3
Rheinland-Pfalz 35 14 – – 20 6 15 8
Bayern 51 22 1 – 6 3 44 19
Baden-
Württemberg 41 14 1 – 3 – 37 14
Saarland 16 8 1 – 12 7 3 1
Bundesgebiet 427 170 12 2 128 60 287 108
Anteil in % 39,8 16,6 46,8 37,6
Gesamt 299 110 415 168
Anteil in % 36,8 40,5

Auch wird der Einfluss von Quotenregelungen in besonders deutlicher Form dokumentiert.

Bundestagswahlen

Bundestagswahl von Baden-Württemberg

Direktmandat

Geschl. 8.WP 9.WP 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP


1980- 1984- 1988- 1992- 1996- 2001- 2006- ab
1984 1988 1992 1996 2001 2006 2011 2011
M 3 2 4 2 1 4 1 1
W 0 0 0 2 0 3 0 0

Zweitmandat

Geschl. 8.WP 9.WP 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP


1980- 1984- 1988- 1992- 1996- 2001- 2006- 2011
1984 1988 1992 1996 2001 2006 2011
M 34 35 33 37 31 24 24 30

229
W 3 4 5 5 7 8 11 4

Bundestagswahl in Bayern

Geschlecht 11.WP 12.WP 13. WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP


1986- 1990- 1994- 1998- 2003- 2008- 2013-
1990 1994 1998 2003 2008 2013 2018
M 53 46 48 44 25 21 24 + 1
Direkt
W 8 12 22 23 16 18 17

Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Bezirks-/Landesliste

Geschl. 9.WP 10.WP 11. WP 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP
1981- 1985- 1989- 1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1985 1989 1990 1995 1999 2001 2006 2011
M 45 39 37 29 25 24 9 7 6
W 6 9 18 13 27 18 9 7 7

Direktmandat

Geschl. 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP


1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1995 1999 2001 2006 2011
M 20 0 0 16 24 25
W 14 3 0 10 15 9

Brandenburg

Liste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


1990- 1994- 1999- 2004- ab. 2009
1994 1999 2004 20009
M 5 0 0 8 6
W 5 11 0 8 6

Direkt

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


1990- 1994- 1999- 2004- Ab 2009
1994 1999 2004 2009
M 25 31 22 13 15
W 1 10 15 4 4

Bürgerschaft in Bremen

Geschlecht 12.WP 13. WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP


230
1987-1991 1991- 1995- 1999- 2003- 2007- Ab 2011
1995 1999 2003 2007 2011
M 35 22 20 24 22 14 27
W 19 19 17 23 18 18 9

Hamburg

Geschl. 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP 19.WP 20.WP

M 48 51 36 35 38 35 32 28 22 28 30
W 7 13 17 14 23 23 22 18 19 17 32

Hessen

Landesliste

Geschlecht 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP 19.
WP
M 47 40 37 36 31 8 19 7 12 12
W 2 4 7 10 13 14 12 8 8 9

Direktmandate:

Geschlecht 15. WP 16. WP 17.WP 18.WP 19. WP


M 21 2 16 6 10
W 3 0 11 3 4

Mecklenburg-Vorpommern

Landesliste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 13 9 3 5 6 2
W 4 7 4 4 2 1

Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 4 6 15 18 11 18
W 0 1 5 6 4 6

Niedersachsen

Landesliste

Geschlecht 11. WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18. WP


M 18 59 65 0 32 16 7 8
W 5 12 16 0 22 13 9 8

Direktmandate

Geschlecht 11. WP 12.WP 1 13.WP1 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18. WP


M 40 - - 57 6 15 26 28
231
W 3 - - 26 3 4 7 5

1
Hat sich nicht ermitteln lassen.

Nordrein-Westfahlen

Liste

Geschlecht 11. WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP


M - - - - 4 -
W - - - - 2 -

Direktmandat

Geschlecht 11. WP1 12.WP 13.WP 14.WP2 15.WP 16.WP


M 104 75 69 42 43 66
W 19 33 33 32 18 33

1
Davon ein Listenmandat
2
Davon 35 Listenmandate

Landesliste

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP


M 7 14 11 9 8
W 3 5 8 11 11

Direktmandat

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP


M 31 17 24 19 16
W 6 7 6 14 7

Saarland

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15. WP


M 18 15 7 10
W 9 10 6 7

Sachsen

Landesliste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 24 14 8 7 9
W 8 8 6 5 5

Direktmandate

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 0 0 0 1 0
W 0 0 0 0 0

232
Sachsen-Anhalt

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 21 12 0 14 12 15
W 5 9 0 10 10 9

Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 1 13 35 1 2 1
W 0 2 12 0 0 0

Thüringen

Landesliste

Geschlecht 1. WP 2. WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 18 19 12 9 10
W 3 10 6 6 6

Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2. WP 3.WP 4.WP 5.WP


M - - 0 0 2
W - - 0 0 0

Bundestagswahl von Schleswigs-Holstein

Direktmandate

Geschlecht 14.Periode 15.Periode 16.Periode 17.Periode 18.Periode


96-2000 2000-2005 2005-2009 2009-20012 Ab 2012
M 15 24 10 6 9
W 11 17 5 0 4

Landesliste

Geschlecht 14.Periode 15.Periode 16.Periode 17.Periode 18.Periode


96-2000 2000-2005 2005-2009 2009-20012 Ab 2012
M 8 0 8 10 4
W 3 0 8 9 4

1.1.11.5 Die Linke(PDS)

Bundestagswahl

Direktmandat

233
Land 1990- 94-98 98-2002 02-05 05-09 09-13 13 – 17
94
Baden- M 0 0 0 0 0 0 0
Württemberg W 0 0 0 0 0 0 0
Bayern M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Berlin M 1 3 2 0 2 2 2
W 0 1 2 2 1 2 2
Brandenburg M 0 0 0 0 0 2 0
W 0 0 0 0 0 2 0
Bremen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Hamburg M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Hessen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Mecklenburg- M 0 0 0 0 0 1 0
Vorpommern W 0 0 0 0 0 0 0
Niedersachsen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Nordrein- M 0 0 0 0 0 0 0
Westfalen W 0 0 0 0 0 0 0
Reinland-Pfalz M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Saarland M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Sachsen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 0 0
Sachsen-Anhalt M 0 0 0 0 0 2 0
W 0 0 0 0 0 3 0
Schleswig – M 0 0 0 0 0 0 0
Holstein W 0 0 0 0 0 0 0
Thüringen M 0 0 0 0 0 2 0
W 0 0 0 0 0 0 0

Landesliste

Land 1990- 94-98 98-2002 02-05 05-09 09-13 13 - 17


94
Baden- M 0 1 1 0 1 3 2
Württemberg W 0 0 0 0 2 3 3
Bayern M 0 0 0 0 1 3 2
W 0 1 1 0 2 3 2
Berlin M 1 1 0 0 1 0 0
W 1 0 0 0 0 1 2
Brandenburg M 1 2 2 0 3 0 2
W 2 1 2 0 3 2 3
Bremen M 0 0 0 0 0 0 0
W 0 0 0 0 0 1 1
Hamburg M 0 0 0 0 1 1 1
W 0 0 0 0 0 0 0
234
Hessen M 0 1 1 0 2 2 1
W 0 0 1 0 0 2 2
Mecklenburg- M 1 2 2 0 1 1 1
Vorpommern W 1 1 2 0 2 2 2
Niedersachsen M 0 1 0 0 2 3 2
W 0 0 1 0 1 3 2
Nordrein- M 0 0 0 0 3 5 5
Westfalen W 1 1 2 0 4 7 5
Reinland-Pfalz M 0 0 0 0 2 1 1
W 0 0 0 0 0 2 1
Saarland M 0 0 0 0 1 2 1
W 0 0 0 0 0 0 0
Sachsen M 2 3 3 0 4 4 4
W 1 3 5 0 4 4 4
Sachsen-Anhalt M 2 3 3 0 2 1 2
W 0 1 3 0 3 0 3
Schleswig – M 0 0 0 0 1 1 0
Holstein W 0 0 0 0 0 1 1
Thüringen M 1 2 2 0 3 2 2
W 2 2 3 0 3 0 3

Aus den Listenkandidaturen lässt sich folgendes darstellen.

Land M F Bemerkung
BB 5 5 Frauen kandidierten auf den ungeraden Plätzen.
BER 4 6 Geschlechterverteilung nach Satzung.
BW 8 8 Geschlechterverteilung nach Satzung.
BY 10 10 Geschlechterverteilung nach Satzung.
HB 3 3 Frauen kandidierten auf den ungeraden Plätzen.
HH 3 4 Geschlechterverteilung nach Satzung.
HE 7 8 Geschlechterverteilung nach Satzung.
MV 6 3 Geschlechterverteilung nach Satzung bis Platz 6.
NS 6 6 Geschlechterverteilung nach Satzung.
NRW 13 15 Geschlechterverteilung nach Satzung bis Platz 17, dann
auf geraden und z.T. auch auf ungeraden Plätzen.
RLP 4 3 Geschlechterverteilung nach Satzung bis Platz 6.
SA 7 7 Frauen kandidierten auf den ungeraden Plätzen.
SH 6 6 Frauen kandidierten auf den ungeraden Plätzen.
SHT 3 4 Frauen kandidierten auf den ungeraden Plätzen.
SL 3 2 Geschlechterverteilung nach Satzung bis Platz 4.
TH 5 4 Frauen kandidierten auf den ungeraden Plätzen bis Platz
7.
Ges. 93 94 Der Frauenanteil von 187 Bewerber/-innen beträgt 50,5%.

Aus der Übersicht lässt sich klar der Frauenanteil in den jeweiligen Bereichen ableiten.

nur in
Wahlkreisen Nur auf Listen Doppelkandidaten

235
Land Ges. F Ges. F Ges. F Ges. Weiblich
Schleswig-Holstein 19 8 7 2 8 5 4 1
Mecklenburg- 9 3 – – 3 – 6 3
Vorpommern
Hamburg 7 4 – – 1 1 6 3
Niedersachsen 32 9 20 3 2 2 10 4
Bremen 8 4 2 1 6 3 – –
Brandenburg 11 6 1 1 1 1 9 4
Sachsen-Anhalt 9 4 2 – – – 7 4
Berlin 12 6 2 – – – 10 6
Nordrhein-Westfalen 70 26 42 11 7 5 21 10
Sachsen 17 7 3 – 1 – 13 7
Hessen 24 9 9 1 2 2 13 6
Thüringen 13 6 4 2 4 1 5 3
Rheinland-Pfalz 17 5 10 2 2 1 5 2
Bayern 48 11 28 1 3 3 17 7
Baden-Württemberg 38 9 22 1 – – 16 8
Saarland 9 4 4 2 5 2 – –
Bundesgebiet 343 121 156 27 45 26 142 68
Frauenanteil in % 35,3 17,3 57,8 47,9
Gesamt 298 95 187 94
Frauenanteil in % 31,9 50,3

Bundestagswahlen

Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Bezirks-/Landesliste

Geschl. 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP


1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1995 1999 2001 2006 2011
M 6 0 2 0 6 4
W 6 0 1 0 4 6

Direktmandat

Geschl. 12.WP 13. WP 14. WP 15. WP 16.WP 17.WP


1990- 1995- 1999- 2001- 2006- Ab 2011
1995 1999 2001 2006 2011
M 4 15 15 18 5 3
W 7 19 15 15 8 6

Brandenburg

Liste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP1 4.WP 5.WP


1990-1994 1994-1999 1999-2004 2004-2009 Ab 2009
M 7 8 11 5 3

236
W 6 10 11 1 2

1
Einschlieslich 5 Direktmandate, die sich nicht zuordnen ließen

Geschlecht 4.WP 5.WP


2004-2009 Ab 2009
M 11 12
W 12 9

Bürgerschaft in Bremen

Geschlecht 12.WP 13. WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP


1987-1991 1991- 1995- 1999- 2003- 2007- Ab 2011
1995 1999 2003 2007 2011
M 0 0 0 0 0 6 2
W 0 0 0 0 0 8 3

Hamburg

Geschl. 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP 19.WP 20.WP

M 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4 4
W 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4 5

Hessen

Geschlecht 10.WP 11.WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18.WP 19.
WP
M 0 0 0 0 0 0 0 3 3 3
W 0 0 0 0 0 0 0 3 3 3

Mecklenburg-Vorpommern

Landesliste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 5 10 9 6 6 7
W 7 8 9 7 7 7

Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 0 0 1 0 2 0
W 0 0 1 0 0 0

Niedersachsen

237
Geschlecht 11. WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP 17.WP 18. WP
M 0 0 0 0 0 5 0 0
W 0 0 0 0 0 6 0 0

Nordrein-Westfahlen

Geschlecht 11. WP 12.WP 13.WP 14.WP 15.WP 16.WP


M 0 0 0 0 5 0
W 0 0 0 0 6 0

Saarland

Geschlecht 12. WP 13.WP 14.WP 15. WP


M 0 0 6 5
W 0 0 5 4

Sachsen

Landesliste

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 12 11 15 14 13
W 5 10 15 13 14

Direktmandate

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 0 0 0 3 2
W 0 0 0 1 0

Sachsen-Anhalt

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 8 11 12 12 11 13
W 4 9 13 13 12 13

Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2.WP 3.WP 4.WP 5.WP 6.WP


M 0 0 0 0 3 3
W 0 1 0 0 0 0

Thüringen

Landesliste

Geschlecht 1. WP 2. WP 3.WP 4.WP 5.WP


M 6 9 11 17 7
W 3 7 10 6 6

238
Land CDU SPD Linke Bündnis 90(die
Grünen
M W M W M W M W
BB 0 0 2 1 2 2 0 1
BER 1 1 1 1 1 1 1 2
BW 0 0 8 8 3 4 6 7
BY 0 0 9 9 3 3 5 6
HB 0 1 0 0 0 1 0 1
HE 0 0 3 4 2 2 2 3
HH 3 0 0 0 1 1 1 1
MV 0 0 1 1 1 2 0 1
NRW 3 1 8 7 6 6 6 6
NS 3 2 1 5 2 3 3 3
RP 0 0 3 5 1 2 1 2
SA 0 0 2 2 2 3 1 1
SH 0 0 2 3 1 1 1 2
SHT 0 0 2 1 2 2 0 1
SL 0 0 2 0 1 0 1 0
TH 0 0 2 1 1 2 0 1
Ges. 10 5 46 48 29 35 28 38
Direktmandat

Geschlecht 1.WP 2. WP 3.WP 4.WP 5.WP


M - - 0 2 6
W - - 0 3 8

Bundestagswahl von Schleswig-Holstein

Geschlecht 14.Periode 15.Periode 16.Periode 17.Periode 18.Periode


96-2000 2000-2005 2005-2009 2009-20012 Ab 2012
M 0 0 0 2 0
W 0 0 0 3 0

1.1.11.6 Zur aktuellen Bundestagswahl

239
Gewählte Listenbewerber
Land CDU SPD Linke Bündnis 90(die
Grünen
M W M W M W M W
BB 0 0 2 1 2 2 0 1
BER 1 1 1 1 1 1 1 2
BW 0 0 8 8 3 4 6 7
BY 0 0 9 9 3 3 5 6
HB 0 1 0 0 0 1 0 1
HE 0 0 3 4 2 2 2 3
HH 3 0 0 0 1 1 1 1
MV 0 0 1 1 1 2 0 1
NRW 3 1 8 7 6 6 6 6
NS 3 2 1 5 2 3 3 3
RP 0 0 3 5 1 2 1 2
SA 0 0 2 2 2 3 1 1
SH 0 0 2 3 1 1 1 2
SHT 0 0 2 1 2 2 0 1
SL 0 0 2 0 1 0 1 0
TH 0 0 2 1 1 2 0 1
Ges. 10 5 46 48 29 35 28 38

Gewählte Direktbewerber

Land CDU SPD Linke Bündnis 90(die


Grünen
M W M W M W M W
BB 7 2 0 1 0 0 0 0
BER 4 0 2 1 2 2 0 1
BW 35 3 0 0 0 0 0 0
BY 0 0 0 0 0 0 0 0
HB 0 0 1 1 0 0 0 0
HE 12 5 4 1 0 0 0 0
HH 1 0 4 1 0 0 0 0
MV 4 2 0 0 0 0 0 0
NRW 29 9 19 7 0 0 0 0
NS 13 3 10 4 0 0 0 0
RP 10 4 1 0 0 0 0 0
SA 9 3 0 0 1 0 0 0
SH 6 4 1 0 0 0 0 0
SHT 8 1 0 0 0 0 0 0
SL 2 1 0 1 0 0 0 0
TH 7 1 0 0 0 0 0 0
Ges. 147 38 42 17 3 2 0 1

Gesamt

Partei M W
240
Land CDU SPD Linke Bündnis 90(die
Grünen
M W M W M W M W
BB 9 4 14 18 5 5 3 3
BER 10 5 7 8 7 7 5 5
BW 27 33 21 18 8 8 20 20
BY 0 0 33 19 10 10 25 26
HB 3 3 3 3 2 4 2 2
HE 24 20 27 22 6 8 10 14
HH 7 4 6 6 4 3 4 4
MV 7 4 4 7 3 3 3 3
NRW 55 27 65 21 15 15 20 19
NS 35 22 34 31 7 7 12 12
RP 26 24 22 15 3 3 7 7
SA 11 9 12 4 8 8 5 6
SH 14 7 10 9 3 3 6 6
SHT 8 3 7 3 5 5 4 3
SL 12 9 8 7 3 4 2 4
TH 8 5 8 3 6 6 5 7
Ges. 256 169 281 191 95 99 133 141

1.1.11.7 Zusammenfassung

Zwar ist Wikipedia keine Quelle auf die man sich allein stützen kann. Aber anhand der Wahlunterlagen
sollte sich problemlos nachprüfen lassen, dass die Wahlverfahren und die Zusammensetzung der
Wahlvorschläge nahezu 1:1 dem Muster folgen, wie dieses satzungsmäßig vorgegeben wird. Und
wenn die Praktiken wie im Falle Bündnis ‘90/die Grünen herbeiführen, dass in einzelnen Gliederungen
Männer de facto über Jahre und Jahrzehnte von der Wahl zum Bundestag ausgeschlossen werden,
dann kann dies unter keinem Gesichtspunkt mehr den Wahlrechtsnormen entsprechen. Nimmt man
sich die Geschlechterverteilung auf den Landeslisten zu Gemüte, so fällt auf, dass die dogmatische
Durchsetzung der satzungsmäßigen Bestimmungen auf den aussichtsreichsten Listenplätzen
besonders stark ist, während auf den hinteren aussichtlosen Listenplätzen wahrscheinlich wegen des
Erschöpfung des Pools an Bewerberinnen diese Durchsetzung weniger festzustellen ist, so dass dort
der Frauenanteil deutlich geringer ist.

241
Land CDU SPD Linke Bündnis 90(die
Grünen
M W M W M W M W
BB 9 4 14 18 5 5 3 3
BER 10 5 7 8 7 7 5 5
BW 27 33 21 18 8 8 20 20
BY 0 0 33 19 10 10 25 26
HB 3 3 3 3 2 4 2 2
HE 24 20 27 22 6 8 10 14
HH 7 4 6 6 4 3 4 4
MV 7 4 4 7 3 3 3 3
NRW 55 27 65 21 15 15 20 19
NS 35 22 34 31 7 7 12 12
RP 26 24 22 15 3 3 7 7
SA 11 9 12 4 8 8 5 6
SH 14 7 10 9 3 3 6 6
SHT 8 3 7 3 5 5 4 3
SL 12 9 8 7 3 4 2 4
TH 8 5 8 3 6 6 5 7
Ges. 256 169 281 191 95 99 133 141

Land Freie Wähler DKP


M W M W
BB 7 2 4 2
BER 5 0 7 2
BW 11 4 8 2
BY 33 11 6 1
HB 2 2 3 1
HE 32 7 19 2
HH 3 1 3 0
MV 10 2 0 0
NRW 7 3 9 4
NS 9 1 12 5
RP 4 1 0 0
SA 8 2 0 0
SH 4 1 0 0
SHT 9 5 0 0
SL 6 0 3 1
TH 7 1 0 0
Ges. 170 47 71 19

Diese Übersicht dokumentiert in besonders deutlicher Form, wie dermaßen das System starrer Listen
bei Wahlen dazu missbraucht wird, um gezielt ideologisch motovierter politischer Zielstellungen folgen
gezielt die Frauenanteile in den Parlamenten zu erhöhen. Der Anteil über die Listen gewählter
Abgeordneter ist überdurchschnittlich hoch, während der über die Wahlkreise gewählter extrem
242
gering ist. Hier stellt sich die Frage wie das noch mit dem „Fördergebot“ nach Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG
gerechtfertigt werden soll. Insoweit muss davon ausgegangen werden, dass ca. 161 der 228 weiblichen
Abgeordneten durch „Frauenförderung“ der Parteien ins Parlament eingezogen sind. Spätestens hier
sollte deutlich werden, dass ein Mehrheitswahlsystem unmöglich für eine derartige
„Frauenförderung“ geeignet sein kann. Ferner wird durch die förderale Komponente des Wahlsystem
die Frauenprivilegierung spezielle bei dem System von Bündnis 90/die Grünen,die Linke und SPD noch
massiv verstärkt und eine Vielzahl männlicher Mitglieder ungerechtfertigter Weise von der Wahl
ferngehalten. Das ist mit der privilegienfeindlichen Demokratie des GG nicht mehr vereinbar.
Unter 6.1 und 6.2 wird auf umfangreiche Publikationen hingewiesen. Auf Anl. 6.3 wird Umfassend aus
den parteiinternen Schiedsverfahren rekurriert.

1.2 Abgestufte Chancengleichheit und Wahlwerbung

1.2.1 Sondernutzungsgebühren in WK 74

Die Zulässigkeit der Erhebung von Gebühren ist höchst fraglich, da die Chancengleichheit im
erheblichen Maße beeinträchtigt wird. Eine Abstufung der Chancengleichheit nach § 5 Abs. 1 Satz 2
PartG kann nicht in Betracht kommen, da im konkreten Falle die „Abstufung“ der Chancengleichheit
nicht von den „Kräfteverhältnissen“ sondern von Vermögensverhältnissen der Parteien abhängt. Je
nach Situation zum Vermögen der einzelnen Parteien und Bewerber ist es den einzelnen möglich von
der Sondernutzung Zwecks Wahlwerbung durch Plakatierung um Wählerstimmen zu werben. Das ist
mit dem Grundsatz der Chancengleichheit nicht mehr zu vereinbaren. Strelen behauptet im Schreiber
zwar280, dass die Erhebung von Gebühren zulässig sei, nennt aber nur spärlich Nachweise um diese
Behauptung zu stützen 281. Insoweit ist es unter verfassungsrechtlichen Aspekten höchst fragwürdig.
Weniger vermögende Parteien und Einzelbewerber/-innen können von der Möglichkeit der
Sondernutzung öffentlicher Ressourcen zur Plakatwerbung weniger Gebrauch machen als
vermögende. Damit wird hier von den Vermögensverhältnissen der Parteien unterschieden. Die
Parteien, die unabhängig bestehender Kräfteverhältnisse, genüg Vermögen aufbringen, um sich die
Gebühren leisten zu können, hätten mehr Möglichkeiten zur Gewinnung von Wählerstimmen als
andere und könnten im Erfolgsfalle einen Teil der Ausgaben über die Parteienfinanzierung nach § 18
PartG wieder einnehmen. Würden alle Gemeinden insbesondere zur Bundestags- und Europawahl
Sondernutzungsgebühren erheben, dann dürfte das erhebliche Auswirkungen auf den Wahlkampf und
damit auf die Chancengleichheit der Parteien haben. Insoweit dürfte es rechtlich nicht zulässig sein,
wenn der Staat derart in den Wahlkampf eingreift, dass es vom Vermögen der Parteien abhängt, im
welchen Maße sich das Kräfteverhältnis im Demokratischen Wettbewerb ändern kann. Viele Parteien,
die nicht an der Wahlkampfkostenerstattung beteiligt werden könnten hiervon benachteiligt. Darauf
hat bereits das VG Stade hingewiesen.
Der Sachverhalt soll auf folgenden Beispiel des Gebührenmodells 282von Gerbstedt dargestellt werden.

Wahlplakatierung 0,99 m²/Woche


Bis 25 STk 5,-
Bis 50 STk 15,-
Bis 100 STK 20,-
Großplakate Größer als 1m² je angefangener m²/Woche 1,-

Diese Variante wird für die bundesweite Plakatierung in Großstädte als Betrachtung angenommen.

280
Schreiber 2013, S. 183, Rn 79
281
So ein Verweis auf das Urteil von VG. Stade, Nds.VBl. 2003, S. 221, vom 14.08.2002,AZ 1 A 227/02
282
Amtsblatt „Gerbstedter Bote“ vom 23.06.2013, S 7
243
Plakatpreis 20 €/100 1 Woche 2 Wochen 3 Wochen 4 Wochen 5 Wochen 6 Wochen
Stk
100 20 40 60 80 100 120
1000 200 400 600 800 1000 1200
10000 2000 4000 6000 8000 10000 12000
100000 20000 40000 60000 80000 100000 120000

Diese Variante wird für eine bundesweite Plakatierung in kleineren Gemeinden als Betrachtung
angenommen.

Plakatpreis 15 €/50 1 2 Wochen 3 Wochen 4 Wochen 5 Wochen 6 Wochen


Stk Woche
100 (auf 2 30 60 90 120 150 180
Gemeinden verteilt)
1000(auf 20 300 600 900 1200 1500 1800
Gemeinden verteilt)
10000 (auf 200 3000 6000 9000 12000 15000 18000
Gemeinden verteilt)
25000(auf 500 7500 15000 22500 30000 37500 45000
Gemeinden verteilt)

Ähnliches wenden wird auch für das Gebührenmodell der VGem Südharz 283 an.

Lfd.- Bemessungs- Zeit- Gebühren- Mindestgebühr Höchstgebühr


Nr. grundlage einheit satz in € pro in €
Antrag in €
17. Plakate, Aufsteller Stück Woche 0,25 10
und Werbeschilder
von politischen
Parteien,
Wählervereinigungen
und
Einzelbewerber (bis
DIN A 0)

Plakatzahl 1 Woche 2 Wochen 3 Wochen 4 Wochen 5 Wochen 6 Wochen


100 25 50 75 100 125 150
1000 250 500 750 1000 1250 1500
10000 2500 5000 7500 10000 12500 15000
100000 25000 50000 75000 100000 125000 150000

Das Gleiche kann auch für das Gebührenmodell der Stadt Neusalza-Spremberg284 annehmen.

Nr. Sondernutzung Bemessungsgrundlage Gebühr (€) Mindestgebühr(€)


5 Wahlwerbung - Stück/Tag 0,50 10,00
Plakate

283
Satzung der Gemeinde Südharz über die Erhebung von Gebühren für die Sondernutzung
Sondernutzungsgebührensatzung-
284
Amtsblatt vom 28.03.2014, S 6
244
0,5 €/Tag 1 Woche 2 Wochen 3 Wochen 4 Wochen 5 Wochen 6 Wochen
100 350 700 1050 1400 1750 2100
1000 3500 7000 10500 14000 17500 21000
10000 35000 70000 105000 140000 175000 210000
100000 350000 700000 1050000 1400000 1750000 2100000

Nimmt also an, dass alle Kommunen und Großstädte diese Gebührenmodelle übernehmen, dann kann
das äußerst kostenintensiv werden. Insoweit kann der Staat durch die Kommunen sehr wohl
wettbewerbsverzerrend in den Wahlkampf eingreifen. Das Modell von Neusalza-Spremberg wurde
zwar nicht bei der Bundestagswahl angewendet, aber es soll einen Überblick darüber bieten, welche
Ausmaße diese Erhebungen von Gebühren haben können.

1.2.2 Ausdifferenzierung bei der Sondernutzung von Wahlplakaten

In Bad Dürrenberg wurden die Möglichkeiten der Plakatwerbung der einzelnen Parteien durch
abgestufte Chancengleichheit gewährt. 285 Dies geschah dadurch, dass den Parteien ein
unterschiedliches Kontingent an Mandaten zur Plakatierung in Abhängigkeit des „Kräfteverhäl