S 1
S 1
Vorwort
A Training Grundwissen
Lesekompetenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1 Den Leseprozess steuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
2 Leseaufgaben lösen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
2.1 Geschlossene Aufgaben lösen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
2.2 Halboffene Aufgaben lösen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.3 Offene Aufgaben lösen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3 Sachtexte verstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.1 Die Absicht hinter dem Text erkennen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.2 Arten von Sachtexten unterscheiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
3.3 Besonderheiten bei Sachtexten beachten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
3.4 Nichtlineare Texte lesen: Tabellen und Diagramme . . . . . . . . . . . . . 22
4 Literarische Texte verstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
4.1 Epische Texte untersuchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
4.2 Gedichte untersuchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
4.3 Dramentexte untersuchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
5 Die sprachliche Gestaltung untersuchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.1 Die Sprachebene bestimmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.2 Auf die Wortwahl achten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5.3 Den Satzbau berücksichtigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.4 Sprachbilder erkennen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.5 Ironie richtig deuten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
Schreibkompetenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
6 Den Schreibprozess steuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
7 Schreibaufgaben lösen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
7.1 Den Inhalt eines Textes zusammenfassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
7.2 Einen Text analysieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
7.3 Eine literarische Figur charakterisieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
7.4 Einen argumentativen Text schreiben:
Erörterung und Stellungnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
7.5 Einen informierenden Text verfassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
7.6 Produktiv-kreative Texte schreiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
7.7 Textsorten unterscheiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
Inhalt
Merkwissen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
Arbeitsaufträge (Operatoren) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129
Stilmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
Literarische Epochen – ein Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133
B Musterprüfungen
Autorin:
Marion von der Kammer
Interaktives Training
Dieses Buch umfasst auch ein interaktives Training fürs Lernen am Computer
oder Tablet, auf das du über die Online-Plattform MyStark zugreifen kannst.
Du findest deinen Zugangscode auf der Umschlaginnenseite vorne im Buch.
Interaktive Aufgaben
Aufgaben mit Tipps, Feedback und sofortiger Auswertung zu den
folgenden Bereichen:
Lesekompetenz
1 Literarischer Text (Romanauszug)
2 Sachtext
Schreibkompetenz
1 Innerer Monolog
2 Persönlicher Brief
3 Erörterung
4 Stellungnahme
5 Charakterisierung einer Figur
6 Gedichtinterpretation
Sprachkompetenz
1 Stilmittel
2 Fremdwörter
3 Zeitformen des Verbs
4 Modus des Verbs
5 Zeichensetzung
MindCards
Interaktive Lernkarten zu wichtigen Fragen und Fehlerschwerpunkten.
Digitales Glossar
Einfaches und schnelles Nachschlagen von Fachbegriffen, wie z. B.
Textsorten, Stilmittel, Grammatikwissen.
Lernvideos
Lernvideos mit verständlichen Erläuterungen zu folgenden Themen:
Großschreibung
Nominalisierung
Kommaregeln bei Haupt- und Nebensätzen
Kommasetzung bei Infinitivgruppen
Rechtschreibstrategien
Vorwort
das vorliegende Buch hilft dir bei der selbstständigen Vorbereitung auf die Real-
schulabschlussprüfung im Fach Deutsch. Wenn du die einzelnen Kapitel
gründlich durcharbeitest, bist du für die schriftliche Prüfung sicher gut gerüstet.
Viel Spaß beim Üben und vor allem viel Erfolg in der Prüfung!
r 1
Lesekompetenz
Gewöhne dir an, einen Text dreimal zu lesen, ehe du anfängst, die Aufgaben
zu bearbeiten. Auf diese Weise wirst du den Text von Anfang an besonders gut
verstehen und sparst dir später Zeit beim Lösen der Aufgaben.
2 Leseaufgaben lösen
Multiple-Choice-Aufgaben
Es wird eine Frage gestellt; dazu gibt es mehrere Auswahlantworten, von denen
eine oder mehrere richtige Antworten angekreuzt werden müssen. Mit Mul-
tiple-Choice-Aufgaben (= Mehrfachwahlaufgaben) kann auch nach Falschaus-
sagen (welche Aussage nicht zutrifft) gefragt werden.
86 r S C H R EI B K O MP ET EN Z
Tipp
Es wird nicht von dir erwartet, dass du alle Informationen verwendest, die im Text enthalten
sind. Im Gegenteil: Du sollst zeigen, dass du in der Lage bist, genau die Informationen
auszuwählen und strukturiert wiederzugeben, die für die Aufgabe wesentlich sind.
Einleitung
Hinführung (Beispiel) Kinderarbeit heute, z. B. Schuhputzer in Indien
Hauptteil, Teil 2 • …
Ursachen
… • …
Tipp
Geeignete Zwischenüberschriften bzw. Oberbegriffe findest du z. B., indem du dir be-
stimmte Fragen stellst. Zum Thema „Kinderarbeit“ könnten es diese Fragen sein:
• Was ist Kinderarbeit? (→ Definition/ Erläuterung)
• Wo gab oder gibt es Kinderarbeit? (→ Regionen, in denen Kinderarbeit üblich ist)
• In welchem Ausmaß gibt es Kinderarbeit? (→ Häufigkeit/Umfang von Kinderarbeit)
• Warum gibt es Kinderarbeit? (→ Ursachen von Kinderarbeit)
• Wie wirkt sich Kinderarbeit aus? (→ Folgen von Kinderarbeit)
• Was kann man gegen Kinderarbeit tun? (→ Lösungsmöglichkeiten/Gegenmaßnahmen)
Ihr habt euch im Unterricht mit dem Thema Kinderarbeit beschäftigt. Gemein- Übung 39
sam mit eurem Lehrer bereitet ihr nun eine Ausstellung zu diesem Thema vor.
Bei der Eröffnung der Ausstellung wirst du ein Referat halten, in dem du die Be-
sucher – Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte – über wichtige As-
pekte von Kinderarbeit informierst. Der Text dieses Referats soll auch in einer
Broschüre für die Besucher abgedruckt werden.
Verfasse hierfür auf Grundlage des Textes und des Diagramms auf der nächsten
Seite einen informierenden Text zum Thema „Kinderarbeit“. (→ Heft)
Gehe so vor:
Führe in der Einleitung zum Problem hin. Definiere, was Kinderarbeit ist,
und informiere in Kürze über Kinderarbeit heute.
Im Hauptteil vermittelst du die wesentlichen Informationen über Kinder-
arbeit, d. h. über ihre Verbreitung, Ursachen und Folgen sowie über mögliche
Maßnahmen dagegen.
Am Schluss sprichst du einen Appell aus: Fordere die Zuhörer auf, künftig
möglichst keine Produkte mehr zu kaufen, die aus Kinderhand stammen.
Hinweis: Bereite das Schreiben deines Textes durch einen Schreibplan vor. Du
kannst dafür den bereits begonnenen Plan von oben als Muster verwenden.
Lösungsvorschläge: Schreibkompetenz r 29
Schreibplan:
Einleitung
Hinführung (Beispiel) Kinderarbeit heute, z. B. Schuhputzer in Indien
Hauptteil, Teil 1
Definition • Arbeit von Kindern unter 15 Jahren
• regelmäßiges Arbeiten für Geld
Verbreitung und Häufigkeit • überwiegend in Entwicklungsländern, vor allem in Lateinamerika und Afrika, im Nahen
Osten sowie in Asien
• 168 Millionen Kinderarbeiter weltweit
(im Alter von 5 –17 Jahren)
• 85 Millionen davon gehen gefährlicher Arbeit nach
• größte Anzahl arbeitender Kinder in Asien und im Pazifikraum: 77,7 Millionen
• Anteil mit 21,4 % in Afrika südlich der Sahara mit Abstand am größten
Hauptteil, Teil 2
Ursachen • Armut, wirtschaftliches Ungleichgewicht in der Welt (Beispiel Schuhputzer in Indien)
• Eltern oft verschuldet, Kinder auch „Schuldknechte“
• Kinder müssen Eltern unterstützen
• kulturell bedingt: Arbeit wird von Kindern erwartet (als Zeichen der Dankbarkeit)
• Bürgerkriege, Krankheiten → Kinder oft Waisen, müssen sich allein durchschlagen
Hauptteil, Teil 3
Folgen • gesundheits- oder sogar lebensgefährlich
• kein Schulbesuch → mangelnde Bildung, keine Berufsausbildung
• keine Zukunftsperspektive, da kein Entrinnen aus der Armut
Hauptteil, Teil 4
Mögliches Vorgehen • Engagement von Hilfsorganisationen vor Ort, Alternativen/Perspektiven bieten
• Verbraucherverhalten: beim Einkauf auf Fair-Trade- oder Sozialsiegel achten
• Großverbraucher wie Betriebe, Vereine etc. sensibilisieren
Schluss
Appell Bitte an Eltern, künftig beim Einkaufen auf Produktionsbedingungen von Waren zu achten,
möglich: Preiserhöhungen; Was ist wichtiger: niedrige Preise oder Rechte von Kindern?
Kind sein – das bedeutet für die meisten von uns: in einer Familie leben, Zeit zum Einleitung:
Spielen haben, sich mit Freunden treffen. Doch die Wirklichkeit sieht für viele Vorstellungen vom Kindsein –
Realität: weltweit Kinderarbeit
Kinder anders aus, und zwar weltweit. Ihr Alltag besteht aus Arbeit. Tag für Tag sind
sie in der Landwirtschaft oder in der Industrie tätig oder sie erbringen Dienstleis-
tungen, z. B. indem sie als Schuhputzer schuften.
Man spricht von Kinderarbeit, wenn Kinder unter 15 Jahren regelmäßig einer Hauptteil, 1. Teil:
Erwerbsarbeit nachgehen. Entscheidend ist dabei nicht nur das Alter; von Bedeu- Definition von Kinderarbeit
tung sind vor allem die Häufigkeit des Arbeitens und der Zweck. Kinderarbeiter
arbeiten regelmäßig, also Tag für Tag, und sie tun es, um Geld zu verdienen. Oft regelmäßiges Arbeiten
helfen sie dabei, Produkte herzustellen, die später auf dem Weltmarkt verkauft Zweck: Geld verdienen
werden. Man weiß z. B., dass manche Teppiche von Kinderhand geknüpft sind.
Kinderarbeit gibt es vor allem in Entwicklungsländern, das heißt in Asien, dem
Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika. Weltweit müssen über 168 Millionen Wo es Kinderarbeit gibt / Häufigkeit von
Kinder und Jugendliche arbeiten, 85 Millionen davon sogar unter gefährlichen Kinderarbeit
30 r Lösungsvorschläge: Schreibkompetenz
Bedingungen. Dazu gehören bereits Kinder im Alter von fünf Jahren. Die größte
Zahl an Kinderarbeitern findet man in Asien und im Pazifikraum (77,7 Millionen).
Gemessen an allen Kindern und Jugendlichen, die in diesen Regionen leben,
macht das einen Anteil von 9,3 Prozent aus. Im Vergleich zu Afrika ist das
allerdings noch eine recht geringe Zahl. Dort, genauer gesagt, südlich der Sahara,
beträgt der Anteil der Kinder, die arbeiten, sogar 21,4 Prozent. In diesem Teil
Afrikas geht also mehr als jedes fünfte Kind aus Erwerbsgründen arbeiten.
Freiwillig geschieht das bei den meisten Kindern nicht, sondern sie arbeiten aus Hauptteil, 2. Teil:
der Not heraus. Ihre Eltern sind oft so arm, dass sie ihre Familie von dem Geld, das Ursachen von Kinderarbeit
sie mit ihrer eigenen Arbeit verdienen, nicht ernähren können. In Südostasien
kommt es auch vor, dass Eltern hoch verschuldet sind; dann müssen ihre Kinder
mitarbeiten, um diese Schulden nach und nach abzubezahlen. Eine solche
„Schuldknechtschaft“ kann von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Kinderarbeit kann auch kulturelle Hintergründe haben. In einigen Gegenden auch kulturell bedingt
erwarten Eltern einfach von ihren Kindern, dass diese arbeiten, um sie zu unter-
stützen und so ihre Dankbarkeit zu zeigen. In anderen Ländern wiederum, in de- Bürgerkriege, Aids →
nen Bürgerkrieg herrscht oder in denen die Krankheit Aids verbreitet ist, sind viele auf sich gestellte Waisenkinder
Kinder Waisen. Sie müssen sich dann selbst durchschlagen und sind deshalb
gezwungen zu arbeiten.
Die Folgen des täglichen Arbeitens für die Kinder sind fatal: Zunächst einmal kann Hauptteil, 3. Teil:
die Gesundheit der Kinderarbeiter geschädigt werden. Viele Arbeiten, die von Folgen von Kinderarbeit:
Gesundheitsschäden,
Kindern ausgeführt werden, gelten als gefährlich. Weltweit gehen 85 Millionen
Gefahr
Kinder einer solchen gefährlichen Tätigkeit nach.
Ein weiteres Problem ist, dass arbeitende Kinder nicht zur Schule gehen können. kein Schulbesuch,
Das führt dazu, dass sie keinen Schulabschluss bekommen und anschließend auch keine Berufsausbildung → Armut setzt
sich fort
keine richtige Berufsausbildung machen können. So setzt sich die Armut in den
Familien immer weiter fort: Ohne Ausbildung können die Kinder später als
Erwachsene nur einfache Arbeiten ausführen, die schlecht bezahlt werden, und
bleiben arm.
Einige Hilfsorganisationen wie z. B. „terre des hommes“ engagieren sich vor Ort Hauptteil, 4. Teil:
dafür, dass Kinderarbeit abgeschafft wird. Sie wollen z. B. erreichen, dass die Ein- Hilfsorganisationen: Vorgehen gegen
Kinderarbeit
haltung von Gesetzen, die Kinderarbeit verbieten, besser überwacht wird, oder sie
gründen Schulen.
Auch in Europa haben Verbraucher die Möglichkeit, etwas gegen Kinderarbeit zu Macht der Verbraucher
tun: Sie können beim Einkaufen darauf achten, dass die ausgewählten Produkte
nicht von Kinderhand gefertigt wurden. Dabei helfen bestimmte Siegel, z. B. das
Siegel „Fair Trade“: Waren, die dieses Zeichen tragen, wurden unter fairen Bedin-
gungen hergestellt und gehandelt, also ohne Mithilfe von Kinderarbeitern. Bei
Artikeln, die kein Siegel tragen und die aus einem Entwicklungsland stammen, z. B.
aus Burkina Faso, kann man den Geschäftsführer gezielt danach fragen, ob das
Produkt nicht von Kinderarbeitern hergestellt wurde. Auf diese Weise macht man
zumindest auf dieses Problem aufmerksam.
Es wäre schön, wenn Sie alle künftig beim Einkauf etwas bewusster darauf achten Schluss:
würden, keine Produkte mehr zu kaufen, die aus Kinderhand stammen. Je mehr Appell an die Eltern: keine Produkte
kaufen, die von Kindern hergestellt
Kunden zeigen, dass sie nicht damit einverstanden sind, Kinder an der Herstellung
wurden
von Waren zu beteiligen, umso eher kann es gelingen, Kinderarbeit zumindest
einzudämmen. Es ist zwar möglich, dass dadurch die Preise einiger Produkte
steigen, denn Kinderarbeiter werden besonders schlecht bezahlt, um die Herstel-
lungskosten zu senken. Aber was ist wichtiger – Schnäppchenpreise oder Kinder-
rechte?
158 r
Material A
Joachim Ringelnatz: Reisegeldgedicht
1 Es gibt der Worte nicht genug,
Um Heim und Heimat laut zu preisen.
Um zehn Uhr vierzig geht mein Zug.
Adieu! Adieu! Ich muss verreisen.
5 Mein Reisekoffer, frisch entstaubt,
Folgt seiner Sehnsucht in die Weite
Und hat mir freundschaftlich erlaubt,
Dass ich ihn unterwegs begleite.
Und Sehnsucht, Kohle und Benzin
10 Soll uns recht fern durch Fremdes treiben,
Damit wir denen, die wir fliehn,
Recht frohe Ansichtskarten schreiben.
Auf Wiedersehn! Ich reise fort.
Mein Reisegeld sucht andres, andre.
15 Bis ich erkenne: Hier ist dort
Und neu vergnügt nach Hause wandre.
Quelle: Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden.
Hrsg. v. Walter Pape. Band 2: Gedichte. Diogenes: Zürich 1994. S. 192.
Teil A – Textverständnis und Sprachuntersuchung r 159
Aufgaben
1. Beschreiben Sie die Formmerkmale des Gedichts. Formulieren Sie jeweils 3 BE
einen Satz.
Strophen und Verse:
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Reimschema:
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Metrum:
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ihn (V. 8)
3. Zitieren Sie für die folgenden Aussagen jeweils eine passende Textstelle. 3 BE
Aussage Textbeleg
4. a) Nennen Sie den Fachbegriff für das Gestaltungsmittel, mit dem in der 1 BE
zweiten Strophe der „Reisekoffer“ beschrieben wird.
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160 r Teil A – Textverständnis und Sprachuntersuchung
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3 BE 5. Der lyrische Sprecher benutzt zweimal das Wort „Sehnsucht“ (V. 6 und V. 9).
Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen dem Sinn dieses Wortes und dem
Antritt einer Reise her.
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7. In Vers 4 heißt es: „Ich muss verreisen“, und die dritte Strophe beginnt mit
den Worten „Und Sehnsucht, Kohle und Benzin / Soll uns recht fern durch
Fremdes treiben“.
1 BE a) Nennen Sie den Fachbegriff für die unterstrichenen Verben.
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Teil B – Textproduktion
Hinweis: Sie können das Gespräch auch zwischen zwei Mädchen oder einem
Jungen und einem Mädchen stattfinden lassen.
Teil B: 50 BE
Teil B – Textproduktion r 165
Material B
chen Emissionen2 und einem Rückgang enter5. Auch Mitfahrgelegenheiten sind 5 effizient: wirksam, wir-
kungsvoll
der Biodiversität3. Der Kompromiss lau- 60 eine tolle Möglichkeit, umweltfreund-
tet: Nachhaltig reisen. […] lich zu reisen und gleich noch ein paar
nette Menschen kennenzulernen.
Was versteht man unter nachhaltigem
15 Reisen? Auf Flugzeug verzichten, um nachhaltig
Der sogenannte sanfte Tourismus ist reisen zu können?
eine Möglichkeit, neue Länder zu erkun- 65 Bestimmte Ziele sind nur mit dem Flug-
den und dabei möglichst wenig auf die zeug zu erreichen. In diesem Fall kön-
Natur einzuwirken. Viele Themen spie- nen nachhaltige Touristen CO2 kom-
20 len dabei eine Rolle. Nachhaltiges Rei- pensieren6. Über myClimate ist eine 6 kompensieren: aus-
sen beginnt bereits beim Kofferpacken, Berechnung möglich, welchen Klima- gleichen
reicht über die Auswahl der geeigneten 70 schaden die eigene Flugroute anrichtet.
Unterkünfte und betrifft nicht zuletzt Die zwei- bis dreistellige Summe spen-
das Verhalten vor Ort, die Unterstüt- det der Reisende am besten für Klima-
25 zung der Einheimischen und die lokale schutzprojekte vor Ort. […]
4 lokale Wertschöpfung:
Wertschöpfung4.
Was kann ich bei der Wahl des Hotels wirtschaftlicher Gewinn vor
Ort
Was sind die Gründe für nachhaltiges 75 berücksichtigen?
Reisen? Oft suchen Reisende nach dem güns-
Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, tigsten Preis für Übernachtung vor Ort.
30 sondern ein Lebensstil geworden. Nur Dieser wird meistens von internationa-
wenn jetzt etwas für die Erhaltung der len Ketten angeboten, die Bettenburgen
Natur und der Kultur in den Zielländern 80 in bester Lage bauen. Große Hotelketten
getan wird, bleiben sie langfristig erhal- gehören ausländischen Investoren, die
ten. Ökotouristen haben eine Vorbild- kein Interesse an dem haben, was um
35 funktion für die Einheimischen – wer das Hotel herum passiert. Selbst Ar-
Müll in Eimer und nicht auf die Straße beitskräfte werden oft von außerhalb
wirft, bewegt vielleicht auch ein Um- 85 eingeflogen. Stattdessen ist es besser,
denken bei der Bevölkerung. Durch kleine Häuser vor Ort zu buchen, die
Achtsamkeit im Umgang mit der Natur von Einheimischen geführt werden,
40 kann diese ökonomisch an Wert gewin- oder sogar einen Homestay bei einer
nen. Die Einheimischen entwickeln aus Familie in Anspruch zu nehmen. Da-
diesem Grund eine Bereitschaft, etwas 90 durch wird gleich die Nähe zur Kultur
für die Erhaltung ihrer Umwelt zu tun. und dem Land hergestellt. […]
Wie kann ich meine Reise nachhaltig Wie kann ich mich während meines
45 gestalten? Ökourlaubs vor Ort fortbewegen?
Nachhaltigkeit beginnt schon bei der Am besten natürlich zu Fuß, mit dem
Wahl des Urlaubsziels. Nichts spricht 95 Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrs-
dagegen, einfach mal Urlaub zu Hause mitteln. Oftmals bieten auch einheimi-
Lösungsvorschläge: Musterprüfung 3 r 57
Teil B – Textproduktion
Aufgabe B 1
r Hinweis: Lies Material B gründlich und orientiere dich dabei an den Arbeitshinweisen. Sie geben dir vor, welche
Informationen du für deinen Text brauchst, und legen den Aufbau deines Textes schon fest, das erleichtert dir die
Arbeit. Gehe am besten so vor: Führe in der Einleitung zum Thema hin, dem nachhaltigen Reisen, und formuliere dann
deinen Appell. Beginne deinen Hauptteil mit einer kurzen Erklärung, was mit nachhaltigem Reisen gemeint ist. Achte
darauf, hier noch keine Einzelheiten zu nennen, das machst du dann im nächsten Schritt, in dem du deinen Appell
ausführlich begründest. Du möchtest erreichen, dass deine Leser*innen deinen Aufruf ernst nehmen, deshalb musst du
überzeugende Argumente für dein Anliegen vorbringen können. Führe mindestens drei verschiedene Argumente aus.
Bringe darin verschiedene Aspekte des Reisens zur Sprache, z. B. die Anreise, die Wahl der Unterkunft, das Verhalten vor
Ort. Reichere deine Aussagen mit passenden Beispielen an; dadurch wirkt deine Darstellung anschaulich. Überlege
auch, welche Einwände jemand gegen deine Argumente anführen könnte, z. B. die Einstellung der Eltern oder Geld-
fragen. Weise diese Einwände zurück, damit bekräftigst du indirekt deine Argumente für nachhaltiges Reisen. Am
Schluss wiederholst du deinen Appell und verweist dabei noch einmal auf deinen entscheidenden Gedanken.
Bedenke, dass du deinen Appell an deine Mitschüler*innen richtest. Schreibe so, dass sie sich angesprochen fühlen
können. Formuliere deinen Text aber trotzdem möglichst sachlich, sonst wirkt er nicht seriös.
Nachhaltig reisen!
Freut ihr euch auf die Sommerferien? Wahrscheinlich haben eure Eltern schon Einleitung:
eine Reise gebucht. Wohin soll es denn diesmal gehen? Oder wollt ihr ausnahms- Einstimmung auf das Thema: Reisepla-
nung für die Sommerferien
weise in diesem Jahr ohne eure Familie reisen, vielleicht mit einem Freund oder Aussprechen eines Appells: Reist nach-
einer Freundin? – Unabhängig davon, mit wem und wohin ihr wegfahrt: Reist haltig!
nachhaltig!
Aber was heißt das eigentlich: nachhaltig reisen? Grundsätzlich bedeutet es, dass Hauptteil:
man sich als Tourist darum bemüht, durch sein Verhalten keine dauerhaften Schä- Erklärung: Was bedeutet nachhaltiges
Reisen?
den anzurichten – weder auf dem Weg zum Urlaubsziel noch am Urlaubsort selbst.
Wer nachhaltig reisen will, sollte also als Erstes darüber nachdenken, wie er seinen 1. Argument: Anreise mit dem Flugzeug
Urlaubsort am besten erreicht. Für viele Touristen ist es seit Jahren selbstverständ- besser vemeiden
lich, mit dem Flugzeug in den Urlaub zu reisen. Schließlich kann man auf diese
Weise selbst große Entfernungen mühelos in wenigen Stunden überwinden. Was
viele nicht wissen: Schon ein zweistündiger Flug, z. B. von Berlin nach Mallorca,
belastet das Klima so sehr wie das Fahren mit einem Auto über einen Zeitraum Begründung: hohe Klimabelastung
von einem halben Jahr. Deshalb rate ich euch: Wählt für eure Anreise an den
Urlaubsort nicht das Flugzeug, sondern ein anderes Verkehrsmittel!
Ihr werdet einwenden, dass es kaum möglich ist – oder sehr lange dauern würde, Einwand: südliche Urlaubsorte nur per
mit dem Auto einen Urlaubsort am Mittelmeer zu erreichen. Das stimmt natür- Flugzeug zu erreichen
lich. Aber ist es überhaupt nötig, ein Urlaubsziel anzusteuern, das so weit entfernt
ist? Reicht es nicht, an die Ostsee zu fahren? Dort sind die Strände genauso schön Entkräften des Einwands: Reiseziel im
wie in Italien oder Spanien (vielleicht sogar schöner). Leichter zu erreichen ist ein Inland ebenso attraktiv
Urlaubsort im Inland auf jeden Fall, und die Anreise ist billiger. Außerdem sind
die Temperaturen hier mittlerweile fast genauso hoch wie in einem südlichen
Land.
Worauf man auch achten sollte, ist die Wahl der Unterkunft. Viele von euch ken- 2. Argument: Wahl der Unterkunft
nen sicher die Vorteile eines Pauschalurlaubs: Man bucht die Reise im Paket, und Vorteil eines Pauschalurlaubs: geringer
der Reiseveranstalter erledigt alles andere – neben der Anfahrt auch das Buchen Organisationsaufwand für die
Reisenden
von Hotel und Verpflegung, oft sogar „all inclusive“. Der Vorteil einer solchen
60 r Lösungsvorschläge: Musterprüfung 3
Reise liegt auf der Hand: Man muss sich nicht weiter um die Organisation des
Urlaubs kümmern. Das erleichtert die Planung erheblich.
Allerdings hat ein solcher Urlaub auch Nachteile. Habt ihr schon mal daran ge- aber: viele Nachteile durch große Hotels:
dacht, wer an einer solchen Reise am meisten verdient? Das sind – neben dem
Reiseveranstalter – vor allem die Besitzer großer Hotels. Und wem gehören die?
Großen Investoren, die ihre Hotelpaläste weltweit errichtet haben – zum Nachteil • Die Einheimischen profitieren nicht
der Einheimischen, die sich mit viel Mühe ihre kleine Pension aufgebaut haben. davon.
Sie können mit den Angeboten in den großen Hotels einfach nicht mithalten.
Und am schlimmsten ist, dass die riesigen „Bettenburgen“ die Natur in dem Ge- • Die Hotels zerstören die Natur vor
biet zerstören. Vielleicht solltet ihr aus diesen Gründen darauf achten, in einem Ort.
→ lieber kleinere Unterkunft wählen
kleineren Haus zu übernachten. So bekommt ihr auch viel eher Kontakt zu den
Einheimischen.
Was darüber hinaus eine wichtige Rolle spielt, ist euer Verhalten vor Ort. Zum 3. Argument: Verhalten vor Ort
Einkaufen sucht ihr am besten kleine Läden auf, statt wie gewohnt in einen der • in kleinen Läden einkaufen
riesigen Supermärkte zu gehen. Oder ihr besucht einen Wochenmarkt. So könnt
ihr jedenfalls sicher sein, dass die Produkte nicht von weit her importiert wurden,
sondern von den Bauern im Umland stammen. Essen und trinken solltet ihr auch • in örtlichen Restaurants oder Cafés
essen und trinken
lieber in einem der örtlichen Restaurants oder Cafés statt in den großen Hotels.
Dass ihr euren Müll nicht einfach irgendwo fallen lasst, versteht sich von selbst. • Müll ordnungsgemäß entsorgen
Damit würdet ihr die Landschaft verschandeln, und das wollt ihr doch sicher
nicht. Es gibt in der Regel überall genügend Papierkörbe, und wenn nicht, nehmt
ihr euren Abfall einfach wieder mit.
Nicht zuletzt ist auch die Art und Weise, wie ihr euch am Urlaubsort fortbewegt, 4. Argument: Fortbewegung am
von Bedeutung: Wahrscheinlich werden eure Eltern ein Auto mieten – zumindest Urlaubsort
für eine Woche. Schließlich wollt ihr das Umland erkunden und die eine oder an-
dere Sehenswürdigkeit bewundern. Aber müsst ihr denn unbedingt mit dem Auto Auto meiden
dorthin fahren? Es gibt doch auch öffentliche Verkehrsmittel, z. B. Busse! Oder ihr öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder
mietet ein Fahrrad. Das ist umweltfreundlich – und fördert zugleich eure Fitness. Fahrrad fahren
Ihr werdet jetzt denken: „Die Ratschläge sind ja schön und gut. Es sind aber meine möglicher Einwand: Eltern entscheiden
Eltern, die entscheiden, wie und wohin wir in den Urlaub fahren!“ Da habt ihr über den Urlaub
natürlich recht. Aber ihr könnt doch auch mal eure Stimme erheben und Ratschlag: Eltern beeinflussen
versuchen, eure Eltern zu beeinflussen. Wenn ihr ihnen ausdrücklich sagt, dass ihr
keine Urlaubsreise mehr machen wollt, die der Umwelt schadet – oder den
Einheimischen vor Ort –, werden sie euch sicher anhören. Vielleicht ändern sie
dann auch irgendwann ihr Urlaubsverhalten.
Ich hoffe, ihr habt verstanden, worum es mir geht: Ich will euch nicht dazu über- Schluss:
reden, gar nicht mehr zu verreisen. Das ist nicht der Punkt. Ihr solltet eure Reisen Bekräftigen des Appells
allerdings so planen und durchführen, dass die Natur dadurch nicht unnötig lei-
det. Am wichtigsten ist dabei wahrscheinlich die Wahl des Urlaubsorts: Am Wiederholen des wichtigsten
besten wählt ihr ein Ziel aus, das ihr mit dem Auto – besser noch: mit der Bahn – Gesichtspunkts
erreichen könnt. Das verringert die CO2-Belastung der Luft – und verlangsamt
damit den Klimawandel. Dazu sollten wir unbedingt unseren Beitrag leisten. Dann
können wir unseren Urlaub auch mit gutem Gewissen genießen.
© STARK Verlag
www.stark-verlag.de
[email protected]