Die Zeit, in der jeder Millionär war – Die Hyperinflation M5
von 1923
Aufgaben
1. Höre aufmerksam die Zeitzeugenaussage zur Inflation von 1923.
2. Lies den Text. Nenne die Ursachen für die damalige Inflation.
3. Zähle die Gewinner und die Verlierer der Inflation auf.
4. Betrachte den Geldschein. Notiere deine Eindrücke dazu.
5. Arbeite mit deiner Sitznachbarin/deinem Sitznachbarn. Tauscht euch über eure Eindrücke aus.
Berücksichtigt auch die Zeitzeugenaussage.
Die Ursachen der Inflation, ihre Folgen und ihr Ende
Während des Ersten Welt-
kriegs hatte Deutschland hohe
Schulden gemacht. Der Krieg
war durch Kriegsanleihen fi-
5 nanziert worden. Die Repara-
tionszahlungen an die Sieger-
mächte verschlangen riesige
Summen. Hinzu kamen die
Kriegsfolgenkosten wie Zah-
10 lungen an Schwerverletzte, an
die Angehörigen von Gefalle-
nen sowie andere Unterstüt- Inflationsgeld von 1923
zungsbedürftige. Am 13. Janu- © Foto: Tho-Bel 0043, gemeinfrei
ar 1923 rief Kanzler Wilhelm
15 Cuno die Bevölkerung zum passiven Widerstand gegen die Besetzung des Ruhrgebietes durch
französische Truppen auf. Fortan wurden keine Reparationszahlungen an Frankreich mehr ge-
leistet. Dadurch wuchsen die Schulden täglich um weitere 40 Millionen Mark. Um das riesige
Loch in der Staatskasse auszugleichen, ließ die Regierung Geld drucken. Immer mehr Geld-
scheine kamen in Umlauf, für die man aber immer weniger Güter kaufen konnte. Das heizte
20 die Inflation an: Die Warenpreise stiegen, der Wert des Geldes fiel rasend schnell.
Die Inflation verschärfte die Spannungen zwischen Arm und Reich. Viele Kinder waren unter-
ernährt. Immer wieder kam es zu Plünderungen und Krawallen. Viele Menschen konnten nur
überleben, indem sie Sachwerte wie Immobilien oder Schmuck gegen Lebensmittel eintausch-
ten. Aber es gab auch Menschen, die von der Inflation profitierten. Das waren die, die Sach-
25 werte besaßen oder selbst Schulden hatten, die sie nun mit wertlosem Geld zurückzahlen
konnten. Auch der Staat war ein Gewinner der Inflation, denn er konnte die Kriegsanleihen
mit wertlosen Marktscheinen zurückzahlen. Die Menschen, die viele Jahre für ihr Alter gespart
hatten, wurden durch die Inflation jedoch arm.
Um die Geldentwertung zu stoppen, führte die Reichsregierung eine Währungsreform durch.
30 Eine Billion (1.000.000.000.000) Mark entsprachen ab dem 15. November 1923 einer Renten-
mark.
Autorentext.