Mathemati
Mathemati
Bachelorstudiengang Mathematik
Teil A
TUM School of Computation, Information and Technology
Technische Universität München
Allgemeines:
2 Qualifikationsprofil ................................................................................................................ 9
3 Zielgruppen .......................................................................................................................... 11
3.1 Adressatenkreis .............................................................................................................. 11
3.2 Vorkenntnisse ................................................................................................................. 11
3.3 Zielzahlen ....................................................................................................................... 12
4 Bedarfsanalyse .................................................................................................................... 16
5 Wettbewerbsanalyse ........................................................................................................... 20
5.1 Externe Wettbewerbsanalyse ......................................................................................... 20
5.2 Interne Wettbewerbsanalyse........................................................................................... 24
Gefordert sind in der Mathematik fortgeschrittene abstrakt-logische und kreative Fähigkeiten, um die
komplexen Fragestellungen der realen Welt mithilfe mathematischer Modelle zu lösen.
Ein klassisches Anwendungsfeld für Mathematikerinnen und Mathematiker sind Versicherungen, die
mithilfe von mathematischen Modellen Wahrscheinlichkeiten von Schadensfällen bei Kundinnen und
Kunden beschreiben. Wenn sich die Ausgangslage verändert, wie zum Beispiel durch den
Klimawandel, müssen diese Modelle angepasst werden, damit diese Wahrscheinlichkeiten weiterhin
korrekt berechnet werden. Solche Anpassungen werden von Mathematikerinnen und Mathematiker
durchgeführt, die das nötige tiefgehende Verständnis der zugrundeliegenden Mathematik
mitbringen. Wenn diese Anpassungen falsch durchgeführt werden, kann im schlimmsten Fall eine
Versicherung zahlungsunfähig werden, sodass ihre Kunden entstandene Schäden (z.B. durch
Überflutungen) nicht erstattet bekommen.
Eine andere Anwendung von Mathematik ist der Bereich der Optimierung. Durch die Globalisierung
stehen Unternehmen in immer größerer internationaler Konkurrenz. Mathematische Optimierung
leistet einen wichtigen Beitrag, um effizienter produzieren zu können und die gegebenen
Ressourcen (z.B. Maschinen einer Fabrik oder Lagerplatz in einem Logistikzentrum) optimal zu
nutzen. Mathematikerinnen und Mathematiker entwerfen hierfür mathematische Modelle, die zum
Beispiel die Produktionsschritte in einer Fabrik beschreiben, damit anschließend ein Computer einen
optimalen Produktionsplan berechnen kann. Hierfür ist es nötig, dass die Mathematikerinnen und
Mathematiker gut verstehen, welche Sachverhalten mit welchen Modellierungstechniken
beschrieben gut werden können, und wie schnell ein Computer dann einen optimalen Plan
berechnen kann. Dies trägt dazu bei, dass Firmen weiterhin international wettbewerbsfähig bleiben.
1Nach FAZ-Artikel vom 23.03.2017 (geprüft 17.02.2023) „Keine Angst vor Mathe!“ (http://www.faz.net/-gyq-
8uyvv) herrscht unter Mathematikern Vollbeschäftigung: „Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung schätzt,
dass lediglich 0,8 Prozent aller erwerbsfähigen Absolventen mit dem Hauptfach Mathematik arbeitslos sind.“
Der Studiengang vermittelt damit die für einen konsekutiven Masterstudiengang und einen ersten
berufsqualifizierenden Abschluss erforderlichen mathematischen Fach- und Methodenkompetenzen
und bietet zudem Gestaltungsspielraum für eine erste fachliche Profilbildung. Knapp 80 Prozent2 der
Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiengangs Mathematik an der TUM wechseln in
ein anschließendes mathematisches Masterstudium an der TUM School of Computation,
Information and Technology. Zudem wechseln erfahrungsgemäß etwa 10 Prozent unserer
2Datenabfrage TUMonline vom 23.02.2023 bezogen auf Bachelor Mathematik Absolvent*innen mit
Abschlussdatum zwischen 01.10.2027 und 30.09.2022
Um den Anforderungen der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes gerecht zu werden, zielt der
Bachelorstudiengang auf die Ausbildung erster berufsfeldbezogener, praktischer Erfahrungen durch
ein Berufspraktikum, sowie persönlicher, sozialer und methodischer Kompetenzen („Soft Skills“) ab.
Hierfür stehen die Angebote der anderen Schools der TUM, des TUM Sprachenzentrums, der
UnternehmerTUM, des Leibniz-Rechenzentrums oder der Kontextlehre WTG zur Verfügung. Durch
diesen überfachlichen Kompetenzerwerb sollen die Studierenden dazu befähigt werden, den immer
komplexeren und disziplinübergreifenden Fragestellungen begegnen zu können.
Die Gewährleistung von hochqualifiziert ausgebildeten Absolventinnen und Absolventen ist nur mit
moderner und exzellenter Lehre in Kombination mit hervorragender Forschungsleistung der
Lehrenden möglich. Das Department für Mathematik der CIT, das als international kompetitives
Zentrum insbesondere für angewandte und interdisziplinäre mathematische Lehre und Forschung
in Deutschland zur Spitzengruppe gehört, ist hierzu bestens gerüstet.
Die TUM School of Computation, Information and Technology verfolgt in ihrer Lehrstrategie im
Professional Profile (PP) Mathematik ein Y-Modell (vgl. Abbildung 1), in dem der Bachelor-
studiengang Mathematik als Fundament der mathematischen Grundausbildung einen wichtigen und
festen Platz einnimmt.
Das Y-Modell sieht vor, dass auf den grundständigen Mathematik-Bachelorstudiengang entweder
der insgesamt eher breit ausgerichtete Masterstudiengang Mathematik oder einer der spezialisierten
Masterstudiengänge mit angewandtem Profil folgt. Letztere können die Masterstudiengänge
„Mathematical Finance and Actuarial Science“ und „Mathematics in Science and Engineering“ sein,
oder auch ein Masterstudiengang in einem verwandten PP, wie zum Beispiel die Studiengänge
„Mathematics in Data Science“, „Finance and Information Management“ oder der „Master in
Management“.
Durch die Grundausbildung im Bachelorstudiengang Mathematik sind unsere Studierenden für all
diese Masterstudiengänge bestens vorbereitet. Um das zu gewährleisten, ist die Ausbildung im
Bachelor fachlich sehr breit ausgerichtet und vermittelt die wesentlichen Grundlagen sowohl aus
Kerngebieten der Reinen Mathematik, also auch aus Kerngebieten der Angewandten Mathematik.
Die Möglichkeit einer ersten fachlichen Vertiefung im dritten Bachelorstudienjahr soll den
Studierenden frühzeitig zur Orientierung bei ihrer Wahl eines geeigneten Masterstudiengangs
dienen.
Im Masterstudiengang Mathematik kann zum einen eine insgesamt eher breitere mathematische
Ausbildung angestrebt werden (d.h. es muss eine gewisse Breite durch die Fächerwahl in relevanten
Bereichen der Mathematik abgedeckt werden bei gleichzeitiger Vertiefung in gewählten Bereichen).
Zum anderen können sich Studierende für einen konkreten Schwerpunkt entscheiden und diesen
Internationale Vernetzung
Sowohl die TUM als auch die TUM School of Computation, Information and Technology legen einen
wichtigen Schwerpunkt auf die internationale Vernetzung von Forschung und Lehre. So stehen den
Studierenden des Bachelorstudiengangs Mathematik durch die vielen engen universitären
Kooperationen weltweit eine große Auswahl an Austauschplätzen zur Verfügung, die sie neben dem
Studium auch zum Sammeln interkultureller Erfahrungen nutzen können. Neben der Netz-
werkbildung werden im Bachelor Mathematik somit auch Weltoffenheit und kulturelle Toleranz
gefördert und der Dialog zwischen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern
vorangetrieben.
Hinsichtlich des Einsatzes, der Anwendung und der Erzeugung von Wissen sind die Absolventinnen
und Absolventen in der Lage, ihr mathematisches Wissen auf überschaubare Aufgaben- und
Problemstellungen aus unterschiedlichen Bereichen der Naturwissenschaften (z.B. Wärme-
ausbreitung in Räumen oder Materialien), der Industrie und Wirtschaft (z.B. Robotersteuerung,
Kalkulation von Versicherungstarifen, Preisoptimierung …) anzuwenden. Diesbezüglich können sie
reale Problemstellungen analysieren und modellieren, strukturelle Eigenschaften der mathe-
matischen Modelle untersuchen und komplexe Zusammenhänge mit Hilfe von Schemata und
graphischen Visualisierungen geeignet darstellen. Sie sind in der Lage, Lösungsansätze für
überschaubare mathematische Problemstellungen zielstrebig zu verfolgen und haben außerdem
gelernt, Fachwissen aus anderen Disziplinen (z.B. Informatik) lösungsorientiert und sinnvoll bei der
Bearbeitung einzusetzen. Den Wahrheitsgehalt von Aussagen und die Gültigkeit von Modellen
können sie mit exakten mathematischen Verfahren (z.B. Aussagenlogik) überprüfen. Zudem sind
sie geübt im Umgang mit grundlegenden mathematischen Werkzeugen (Beweistechniken,
algorithmische Verfahren, Software), beherrschen den Einsatz computergestützter Methoden (u.a.
Newton-Verfahren, Interpolation, Fouriertransformation) und sind versiert im Umgang mit
einschlägigen Computerprogrammen (z.B. MATLAB, R). Durch das mathematische Textverständnis
sind sie in der Lage die Kernaussagen dieser Texte in geeigneter Weise auf verschiedenste
Fragestellungen in der Mathematik und der Anwendung anzupassen.
Im sozialen und personalen Kompetenzbereich haben die Absolventinnen und Absolventen ihre
Kompetenzen (z.B. Teamfähigkeit, Kommunikation, Zeitmanagement) ausgebaut, besitzen weitere
überfachliche Qualifikationen (z.B. Sprachkenntnisse) und verfügen über eine exakte, genaue,
analytische und strukturierte Arbeitsweise. So können sie erste anwendungsorientierte Projekte (wie
etwa die Optimierung des Lagerbestands von Apotheken) verantwortungsvoll durchführen. Sie
tragen im Team zur Lösung komplexer Probleme bei und können eine übergreifende Sicht auf die
jeweiligen Fragestellungen entwickeln und kommunizieren. Sie sind sicher im Umgang mit der
exakten mathematischen Sprache und können mathematische Sachverhalte und deren Anwen-
dungen sowohl gegenüber Fachfremden als auch im fachlichen Diskurs mit Fachvertreterinnen und
Fachvertretern formulieren und begründen.
Die Absolventinnen und Absolventen sind in der Lage, Lösungsansätze für überschaubare mathe-
matische Problemstellungen mit der gebotenen Hartnäckigkeit, einem hohen Durchhaltevermögen
und einer hohen Toleranz gegenüber Fehlschlägen zu entwickeln. Sie können dem Stand der
Wissenschaft entsprechende, kreative Lösungsansätze realisieren. Hierzu gehört auch, Ursachen
für mögliche Fehlschläge zu analysieren. Besonders durch die Bachelorarbeit konnten sie dadurch
ein erstes wissenschaftliches Selbstverständnis entwickeln.
Sie verfügen über erste praktische Arbeitserfahrungen und Einblicke in die Abläufe von
Unternehmen. Außerdem können Sie grundlegende akademische Studieninhalte im Arbeitsalltag
praktisch umsetzen, haben Erfahrung im Umgang mit Kritik und Resonanz in Bezug auf ihre Leistung
und eine gestärkte Kommunikations- und Teamfähigkeit. Zudem haben sie einen Einblick in das
breite und vielseitige Tätigkeitsspektrum von Mathematikerinnen und Mathematikern erhalten und
dadurch ein erstes berufliches Selbstbild entwickelt.
Anschlussmöglichkeiten
Nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums sind die Studierenden des Bachelorstudiengangs
Mathematik qualifiziert, ein Masterstudium aufzunehmen oder in verschiedenen Berufsfeldern tätig
zu werden (siehe Kapitel 4 ab Seite 16).
3.1 Adressatenkreis
Der Studiengang richtet sich an Studienanfängerinnen und Studienanfänger, die Interesse und
Verständnis für Mathematik und Naturwissenschaften mitbringen und sich mit der Lösung von
komplexen Problemen auseinandersetzen möchten, welche ein hohes Abstraktionsvermögen und
ausgeprägte analytische Fähigkeiten erfordern5.
Bereits vor Studienbeginn können interessierte Schülerinnen und Schüler in einer Vielzahl von
Veranstaltungen Informationen und Erfahrungen sammeln sowie den Studiengang, Studierende,
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Lehrende kennenlernen. Das Department Mathematik bietet
hierzu zahlreiche Aktionen und Programme an, etwa den Open Campus Day, Infocafé, Schnupper-
studium Mathefrühling oder TUMMS (ein Programm für besonders begabte Schülerinnen und
Schüler)6.
3.2 Vorkenntnisse
Dem Department Mathematik ist es wichtig, dass sich alle, die sich für ein Bachelorstudium
Mathematik an der TUM entscheiden, eingehend mit diesem im Vorfeld auseinandergesetzt haben.
Oft führen leider unzutreffende Vorstellungen von Anforderungen und Zielen eines Mathematik-
studiums zum Studienabbruch. Aus diesem Grund gibt es für diesen Studiengang ein verpflichten-
des Studienorientierungsverfahren7, mit dem Ziel, dass die Bewerberinnen und Bewerber selbst
erkennen, ob das angestrebte Studium tatsächlich das für sie passende darstellt, und ob sie über
die studiengangspezifischen Kompetenzen und Interessen verfügen, die für ein erfolgreiches
Mathematikstudium notwendig sind. Diese sind:
5 Die allgemeinen Zugangsvoraussetzungen regeln das Bayerische Hochschulgesetz (BayHSchG) in Art. 42,
43, 44, 45 und die Verordnung über die Qualifikation für ein Studium an den Hochschulen des Freistaates
Bayern und den staatlich anerkannten nichtstaatlichen Hochschulen (Qualifikationsverordnung, QualV).
6 Nähere Informationen zu den Angeboten und Veranstaltungen des Departments Mathematik an der TUM
c) Fähigkeit, Vorgänge des täglichen Lebens, speziell Anwendungen in den Natur- oder
Wirtschaftswissenschaften, auf die Anwendbarkeit von Mathematik hin einzuordnen sowie bekannte
quantifizierbare Vorgänge mit dem derzeit verfügbaren mathematischen Handwerkszeug
beschreiben zu können; z.B. die Anwendung des Schulstoffes in gewissen geometrischen
Fragestellungen oder des Ableitungskalküls bei der Beschreibung von Geschwindigkeiten in
einfachen physikalischen Bewegungen;
3.3 Zielzahlen
Die ehemalige Fakultät für Mathematik (Vorläufer des Departments Mathematik an der TUM School
of Computation, Information and Technology) stellte ihr Studienangebot im Jahr 2007 auf das
konsekutive Modell um. Zum Wintersemester 2007/2008 hat der erste Bachelorjahrgang (217
Erstsemesterstudierende) das Studium aufgenommen. In den folgenden Jahren schwankten die
Bewerber- und Anfängerzahlen leicht z.B. aufgrund des doppelten Abiturjahrgangs in Bayern und
der Aussetzung der Wehrpflicht8 sowie der Aussetzung der Eignungsfeststellung an der Ludwig-
8 Um den doppelten Abiturjahrgang zu entzerren wurde im Sommersemester 2011 mit TUM twoinone eine
Möglichkeit geschaffen auch im Sommersemester das Studium zu beginnen, was 135 Studierende genutzt
haben. Im darauffolgenden Wintersemester 2011/2012 waren dann 305 Studierende im ersten Semester
immatrikuliert.
Diese Veranstaltungen dienen aber nicht nur den Studieninteressierten dazu, sich über das
Bachelorstudium Mathematik zu informieren, sondern ermöglichen es auch der TUM School of
Computation, Information and Technology diesen Studiengang zu bewerben und zugleich einen
Eindruck hinsichtlich der Nachfrage nach diesem Studiengang zu erhalten.
Anhand der gesammelten Erfahrungen wird an der TUM School of Computation, Information and
Technology weiterhin eine Berechnung der Lehrkapazität auf der Basis von rund 180
Bachelorstudierenden pro Kohorte angestrebt, damit ein gutes Studierenden-Betreuenden-
Verhältnis gewährleistet werden kann.
9Im Wintersemester 2013/2014 hatte der Studiengang nur 131 immatrikulierte Studienanfänger. Nach
Änderung des Eignungsfeststellungsverfahrens sowie weiterer Maßnahmen stiegen die Zahlen wieder auf
über 200 Studienanfänger an (vgl. Tabelle 1 auf Seite 14)
Des Weiteren können alle Studierenden der TUM auf die Räumlichkeiten in den StudiTUM10
Häusern zugreifen, die neben Einzel- und Gruppenlernplätzen auch Ruhe- oder Musikräume beher-
bergen. Am Standort Garching stehen so weitere 265 Lernplätze zur Verfügung.
Zusätzlich zu den Lehr- und Betreuungsangeboten für die Mathematik-Studierenden leistet das
Department Mathematik in hohem Umfang Lehrservice für Studiengänge anderer Professional
Profiles sowohl an der TUM School of Computation, Information and Technology als auch an fast
allen anderen Schools der TUM. Durch die daraus resultierende größere und vielfältigere
Zusammensetzung des Lehrpersonals erhalten die Mathematik-Studierenden mehr Spielraum bei
der Auswahl mathematischer Fachgebiete im Vergleich zu beispielsweise einer reinen Mathematik-
Fakultät ohne Lehrservice für andere Fakultäten oder Schools.
Ziel ist es, die Anfängerzahl von 180 immatrikulierten Studierenden pro Jahrgang bei gleichbleibend
hoher Erfolgsquote (Studienanfängerinnen und Studienanfänger, die das Studium erfolgreich
abgeschlossen haben) von ca. 60% aufrechtzuerhalten.
Tabelle 1: Entwicklung der Bewerbungs- und Immatrikulationszahlen für den Studiengang Bachelor Mathematik.
Diese Ergebnisse werden durch die Auswertung der von der TUM durchgeführten Absolventen-
befragung 2022/2023 bestätigt und zeigt zudem die große Nachfrage am Arbeitsmarkt. Befragt
wurden Absolventinnen und Absolventen der Mathematischen Masterstudiengänge, die Ihren
Abschluss zwischen 2017 und 2022 gemacht haben. Von diesen gaben 83,7% an innerhalb eines
halben Jahres nach Bewerbungsbeginn eine Stelle gefunden zu haben, 51,5% sogar bereits nach 1
Monat. Für Absolventinnen und Absolventen des Mathematikbachelors wurde keine entsprechende
Befragung durchgeführt, da die meisten Bachelorstudierenden nach ihrem Abschluss ein
weiterführendes Masterstudium beginnen. Auf diese Tatsache wird im weiteren Verlauf noch näher
eingegangen.
Diese große Nachfrage nach unseren Absolventinnen und Absolventen spiegelt auch das starke
Kooperationsinteresse zahlreicher Firmen wider, die sich in diversen Programmen (Meet My
Company, Fit for TUMorrow, Data Innovation Lab, Mathematische Fallstudien) im Rahmen des
11 FAZ-Artikel vom 23.03.2017 (geprüft 05.07.2023): „Keine Angst vor Mathe!“ (http://www.faz.net/-gyq-
8uyvv)
12 Törner, G., Berndtsen, B., Peters-Dasdemir, J.: Arbeitsmarkt für Mathematiker/innen, Mitteilungen der
Der direkte Berufseinstieg nach dem Bachelor Mathematik ist aber nicht üblich, wenngleich in den
letzten Jahren ein leichter Anstieg der Zahlen festzustellen ist. Ende Juni 2013 lag laut einer Studie
von M. Dieter und G. Törner15 der Prozentsatz an in Deutschland sozialversicherungspflichtig
beschäftigten Personen mit mathematischen Qualifikationen, deren höchster Studienabschluss der
Bachelor war, bei nur ca. 3,4%. Für die Jahre 2013 bis 2015 haben B. Berndtsen und G. Törner
Daten aus den Jahrbüchern von Destatis ausgewertet16 und errechnet, dass in einer Größenordnung
von rund 10% Bachelor Absolventinnen und Absolventen in den Arbeitsmarkt eintreten; das sind
250 bis 350 Personen pro Abschlussjahrgang. In der bereits oben erwähnten Studie von G. Törner,
B. Berndtsen und J. Peters-Dasdemir17 gehen die Autoren davon aus, dass „sicherlich eine mittlere
dreistellige Zahl von Bachelor-Absolventen in den Arbeitsmarkt wechselt, stärker von
Die oben erwähnten Übertrittsquoten in den Arbeitsmarkt und auch die leicht ansteigende Tendenz
deckt sich mit den Erfahrungen für den Bachelor Mathematik Studiengang an der TUM. An der TUM
wird die Möglichkeit des Direkteinstiegs ins Berufsleben derzeit nur von schätzungsweise etwa 5 -
10 Prozent der Absolventinnen und Absolventen wahrgenommen. Etwa 90 Prozent19 unserer
Studierenden entscheiden sich nach dem Bachelor für ein Masterstudium und rund ein Drittel für
eine spätere Promotion.
Die Nachfrage von Unternehmen nach Mathematik Absolventinnen und Absolventen ist, wie bereits
oben erwähnt, hoch. Im Zuge des Fachkräftemangels scheint sich derzeit ein eigener Stellenmarkt20
für Bachelor Absolventinnen und Absolventen zu entwickeln. Unternehmen scheinen hier durchaus
dazu bereit zu sein, die eher theoretische Universitätsausbildung mit einer Praxisausbildung im
Unternehmen zu komplementieren.
Für Einstiegspositionen, die eine höhere fachliche Qualifikation oder stärkere Spezialisierung
benötigen, oder deren Tätigkeitsprofil konzeptionelles Arbeiten oder innovative Lösungsstrategien
erfordern, beispielsweise in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, wird weiterhin mindestens
einen Masterabschluss benötigt21.
18 Törner, G., Reiter, V. Berndtsen, B.: Informationen über den Arbeitsmarkt für Mathematiker und
Mathematikerinnen. Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung 31 (2023) 2, S. 84-93.
Die Autoren des Papers arbeiten mit Zahlen des statistischen Bundesamts, die für die Fächergruppe
Mathematik/Naturwissenschaften mit Hilfe eines Algorithmus eine Übergangsquote vom Bachelor in den
Arbeitsmarkt von 20% Prozent errechnet hat. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass diese Fächergruppe
sehr heterogen und auch die Ausbildungskultur sehr unterschiedlich ist. Das Statistische Bundesamt hatte
den Autoren weiters mitgeteilt, dass sich die verwendeten Algorithmen nicht eignen, um auf noch kleinere
Gruppen, wie etwas nur den Fachbereich Mathematik, angewendet zu werden.
19 Diese Zahl wird auch durch die oben erwähnte Studie von B. Berndtsen und G. Törner „Übergangszahlen
Mathematiker – AI / Machine Learning (m/w/d)“ (TWT GmbH), „Aktuar / Mathematiker (m/w/d) im Aktuariat
Industrie- und Firmengeschäft“ (AXA Konzern AG), „Mathematiker:in in Financial Lines“ (Hannover Rück
SE), „Consultant Quantitative Risk – Mathe, Physik, Informatik – Consulting (Financial Services) (w/m/d)“
(EY), „Mathematiker – Schwerpunkt Data Science m/w/d“ (statmath GmbH)
An der TUM gehört die Mathematik zu den Kernkompetenzen und der Studiengang Mathematik zum
traditionellen Repertoire der TUM-Studiengänge. Der hier angebotene grundständige Bachelor-
studiengang Mathematik stellt gemeinsam mit dem Masterstudiengang Mathematik das „klassische
Mathematikstudium“ an der TUM dar. Das Y-Modell (vgl. dazu auch Kapitel 1.2, Seite 6 und
Abbildung 1, Seite 7) mit nur einem grundständigen Bachelor und der anschließenden Wahl
zwischen einem breit ausgerichteten Masterstudiengang Mathematik oder einem spezialisierten
Masterstudiengang mit angewandtem Profil ist hierbei regional eine Besonderheit der TUM.
24Diese Angaben sind Ergebnisse einer Suche am 19.02.2023 nach entsprechenden Studiengängen im
Portal der HRK Hochschulrektorenkoferenz (https://www.hochschulkompass.de)
Die deutschen Bachelorstudiengänge Mathematik sind sich insofern ähnlich, als dass sie alle – im
Gegensatz zu spezialisierten Bachelorstudiengängen wie der Wirtschaftsmathematik – eine breite
mathematische Grundausbildung anbieten. Insbesondere hinsichtlich der Basiskompetenzen in
Analysis, Lineare Algebra, Numerik und Stochastik unterscheiden sich die Studiengänge nur gering.
Gleich ist zudem, dass erste mathematische Erweiterungs- und Vertiefungsmodule bereits während
des Bachelorstudiums eingebracht werden sollen. An einigen Universitäten (z.B. Universität Bonn,
Freie Universität Berlin) wählt man vorwiegend aus den klassischen Bereichen der Reinen
Mathematik, andere Universitäten (z.B. KIT, TU Kaiserslautern, RWTH Aachen) nehmen verstärkt
Bereiche der Angewandten Mathematik in ihre Bachelor-Kataloge auf. Ein besonderes Merkmal der
TUM-Ausbildung ist mit Sicherheit, dass im Bachelor sowohl die aktuellen Anwendungsbereiche der
Mathematik (Wahrscheinlichkeitstheorie, Numerik und Wissenschaftliches Rechnen, Optimierung,
Biomathematik und Biostatistik) als auch die klassischen Bereiche der Reinen Mathematik (wie etwa
Analysis, Algebra und Geometrie) in die Ausbildung eingebunden werden können. Das Department
Mathematik stellt hierzu ein vergleichsweise vielseitiges, theoretisch fundiertes und zugleich
anwendungs- und forschungsnahes Lehrangebot bereit – stets mit dem Ziel der Brückenbildung
zwischen theoretischem Verständnis und praktischen Anwendungen.
An den meisten Universitäten (z.B. TUM, LMU, TU Berlin, RWTH Aachen, TU Darmstadt) wird das
Studium zudem um die freie Wahl eines nicht-mathematischen Nebenfachs (wie etwa Chemie,
Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Physik) ergänzt. Die TUM zeichnet sich auch hier durch ihr
besonders abwechslungsreiches und zugleich anspruchsvolles Angebot (z.B. in Informatik, Physik,
Wirtschaftswissenschaften, Elektro- und Informationstechnik oder einem naturwissenschaftlichen
oder technischen Sondernebenfach der TUM) aus.
Im europäischen Vergleich sind etwa die ETH Zürich, die EPFL in Lausanne, die École
Polytechnique Paris oder die KTH Stockholm zu nennen, die eine solide Grundausbildung in
Im Gegensatz zu diesen vier Universitäten haben die Studierenden an der TUM die Möglichkeit der
freien Wahl eines individuellen Nebenfaches ab dem ersten Semester. Diese Möglichkeit gibt es an
den anderen genannten Universitäten in dieser Form nicht. An der ETH Zürich, der EPFL Lausanne
und der KTH Stockholm werden einzelne Module (ohne oder mit nur sehr eingeschränkter
Wahlmöglichkeit), wie einführende Veranstaltungen der Physik oder Informatik, fest im Studienplan
verankert. An der École Polytechnique Paris hat das erste Studienjahr den Charakter eines
naturwissenschaftlichen Studium Generale; erst ab dem zweiten Jahr ist die Wahl eines zweiten
(Haupt-)Fachs parallel zur Mathematik möglich.
Die speziellen Anforderungen an Mathematik-Studierende (vgl. Kapitel 3.2, Seite 11) und die
Vielzahl an angebotenen mathematischen Studiengängen, sowohl bayernweit, als auch
deutschland- und europaweit, machen den hoch kompetitiven Wettbewerb um
Studienbewerberinnen und Studienbewerber deutlich. Für die oben genannten deutschen
Universitäten ist eine Gegenüberstellung der Studienanfängerzahlen 2020/21, der gesamten
Studierendenzahlen im Studiengang des Jahres 2021, sowie der Zahl der Absolventinnen und
Absolventen 2021 in Tabelle 2, Seite 23 zu sehen. Wegen der Studiendauer beziehen sich die
Absolventenzahlen überwiegend auf Studierende der Kohorte mit Studienbeginn 2018. Da die
Größe der Kohorten Schwankungen unterliegen, können in der Regel mit den beiden angegebenen
Werten keine Rückschlüsse auf die Erfolgsquote getroffen werden. Die Daten basieren auf den
Angaben des CHE Hochschulrankings 202126; Zahlen zur LMU liegen nicht vor und werden daher
nicht aufgelistet.
Die insgesamt hohen Anfängerzahlen im Bachelorstudiengang Mathematik der TUM, die in den
vergangenen Jahren bei durchschnittlich ca. 190 pro Wintersemester lagen (vgl. Tabelle 1 in Kapitel
3.3, Seite 14), belegen die große Nachfrage nach Studienplätzen in demselben. Diese hohe Zahl an
Studienanfängerinnen und Studienanfängern deutet auch auf ein gutes und etabliertes Renommee
des TUM Bachelorstudiengangs Mathematik sowie der TUM insgesamt hin.
Zu den Besonderheiten des Bachelorstudiengangs Mathematik gehört auch die intensive Unter-
stützung der Studierenden bei der Planung und Durchführung eines Auslandsaufenthalts als Teil
des Studiums. Die große Flexibilität bei der Studienplangestaltung macht einen solchen Aufenthalt
ohne Verlängerung der Studienzeit problemlos möglich. Unterstützt werden die Studierenden dabei
von der Auslandsbeauftragten der Mathematik. Dieses Angebot wird bereits jetzt von einem großen
Teil der Studierenden wahrgenommen. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das im Vergleich mit
50
45
40
35
30
25 2014
20
15 2015
10
5 2016
0 2017
2018
Abbildung 3: Outgoing-Zahlen nach Austausch Programmen über alle mathematischen Studiengänge der TUM..
120
100
80
andere
60
TUMexchange
40
Erasmus
20
0
18/19 19/20 20/21 21/22 22/23
Die Zahlen im Studienjahr 2020/2021 sind auf Grund der Corona-Pandemie nicht repräsentativ, da
viele Austausche nicht stattfinden konnten.
An der TUM School of Social Sciences an Technology ist das Department of Educational Sciences
für die Lehrerbildung an der TUM zuständig und bietet verschiedene Studiengänge mit dem Erst-
oder Zweitfach Mathematik an. Zu diesen Studiengängen besteht kein Wettbewerb, da sie eine
andere Zielsetzung verfolgen und außerdem eine andere Zielgruppe ansprechen.
Demnach setzt sich das Curriculum aus den Blöcken mathematische Grundlagen-, Aufbau- und
Vertiefungsmodule, Nebenfachmodule, einem Berufspraktikum, Modulen der „Überfachlichen
Grundlagen“, sowie einem Seminar und einer Abschlussarbeit zusammen. Studienleistungen
(welche unbenotet ins Studium eingehen) werden hier im jeweils passenden Block integriert,
erscheinen in der Fachprüfungs- und Studienordnung aber in einem gemeinsamen, eigenen Block.
Diese Blöcke sind durch unterschiedliche Farben in der graphischen Darstellung anhand
exemplarischer Studienpläne in Tabellen 3a und 3b auf den nächsten beiden Seite erkennbar. Der
Aufbau der einzelnen Blöcke wird dann in den folgenden Kapiteln 6.1 bis 6.6 näher erläutert.
Speziell zu Anfang eines Mathematikstudiums bauen die Module stark auf den in vorausgehenden
Modulen (bzw. im ersten Semester auf die in der schulischen Vorbildung) vermittelten
Vorkenntnissen und Kompetenzen auf. Dies wird in den folgenden Abschnitten deutlich. Daher ist
der Studienbeginn im Bachelorstudiengang Mathematik an der TUM nur im Wintersemester möglich.
Zudem kann auch nur mit Studienbeginn zum Wintersemester das Studium innerhalb der
Regelstudienzeit von sechs Semestern durchlaufen werden.
Von diesem Studienbeginn im Wintersemester ausgehend werden in Tabellen 3a und 3b auf Seiten
26 und 27 anhand exemplarisch erstellter, möglicher Studienpläne der Aufbau des Studiums
schematisch dargestellt. Bei den in diesem Beispiel gewählten Modulen wurde bewusst auf die
Setzung eines mathematischen Schwerpunkts verzichtet. Dies würde erst durch eine konkrete
Auswahl von Modulen abhängig von der jeweiligen Vertiefungsrichtung erfolgen. Bei den
zweisemestrigen Modulen Mathematische Grundlagen und Mathematisches Studieren kann der
Workload je nach individueller Studienplangestaltung (z.B. Nebenfachwahl) oder individuell
präferierter Arbeitseinteilung weitgehend flexibel über beide Semester verteilt werden. Hierauf wird
Tabelle 3a: Exemplarische Darstellung eines Studienplans für den sechssemestrigen Mathematik Bachelorstudiengang
mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften.
Credits
Semester Module
(Prüfungen)
Credits
Semester Module
(Prüfungen)
Im ersten Studienjahr sind die Module aus den Kernbereichen der Analysis, der Linearen Algebra
und der Diskreten Mathematik zentral für die wissenschaftliche Mathematikausbildung. Hier lernen
die Studierenden neben den eigentlichen Lernergebnissen der beiden Gebiete vor allem die exakte
mathematische „Sprache“ und den sorgfältigen Umgang mit ihr kennen. Mit dieser „Sprache“ können
komplexe Zusammenhänge sehr knapp, aber exakt dargestellt werden.
27Laut der Deutschen Mathematiker-Vereinigung gehören die Analysis, Lineare Algebra und die
Computerorientierte Mathematik (Numerik) zur Grundausbildung aller Mathematik-Studiengänge.
(https://www.mathematik.de/mathe-studieren)
In der Analysis lernen die Studierenden neben der Handhabung dieser Beweistechniken auch den
Umgang mit dem Grenzwertbegriff, können diesen dann auf Folgen und Reihen anwenden, und
verfügen dann über Rechenfertigkeiten im Reellen und Komplexen. Zudem verfügen sie danach
über eine anschauliche Vorstellung, sowie über ein theoretisches Verständnis der Grundbegriffe
reeller Funktionen im Ein- und Mehrdimensionalen und können diese in Beispielsituationen sicher
handhaben.
Im Zuge der Linearen Algebra lernen sie grundlegende Strukturen dieses Teilgebietes und dessen
Verwendung kennen, sammeln Erfahrungen mit Abstraktion und exakter Argumentation und stellen
Verbindungen zwischen diesen Strukturen und den Anschauungen her. Sie können dann zwischen
Algebra, Geometrie und Matrixkalkül übersetzen, wissen, wann die Methoden der Linearen Algebra
anwendbar sind und können die Konzepte dieser Module zur Modellierung geeigneter
Praxisprobleme einsetzen.
Die Modulinhalte werden jeweils in den Vorlesungen im Vortrag vermittelt und durch anschauliche
Beispiele unterstützt sowie in Diskussionen mit den Studierenden hergeleitet. Dadurch sollen die
Studierenden motiviert werden, sich auch eigenständig mit den inhaltlichen Themen und der
Fachliteratur auseinanderzusetzen. Zusätzlich werden in den wöchentlichen Übungen die
Diskussionsaufgaben des aktuellen Übungsblatts gemeinsam bearbeitet, um so den Umgang mit
den Begriffen, Konzepten, Methoden und Rechentechniken aus dem aktuellen Vorlesungsstoff zu
schulen und so auch das Verständnis in diesen Grundlagen zu fördern.
Ein umfassendes Verständnis der oben beschriebenen mathematischen Grundlagen ist unerlässlich
für die weitere mathematische Fachausbildung und kann erst nach dem Besuch der vier Module
(Analysis 1 und 2, sowie Lineare Algebra 1 und 2) erreicht werden. Ein ausreichendes Verständnis
ist im Rahmen der Grundlagen- und Orientierungsprüfung (GOP) nachzuweisen. Hierfür müssen
zwei dieser vier Module nach dem zweiten Semester bestanden sein.
Um den Studierenden die notwendige Zeit einzuräumen, die für das nachhaltige und vernetzte
Verständnis erforderlichen Querverbindungen zwischen diesen beiden Kerngebieten aufzubauen,
wurde nach den Erfahrungen der letzten Jahre ein neues Modul Mathematische Grundlagen als
Pflichtmodul im Curriculum aufgenommen. Dieses Selbststudiumsmodul erstreckt sich über die
Als reines Selbststudiumsmodul können sich die Studierenden ihre Arbeitszeit für dieses Modul frei
einteilen (s. Modulbeschreibung). Beispielsweise können Sie schon ab Studienbeginn gleichmäßig
die wiederholenden und vertiefenden Lerneinheiten mit einplanen oder dies überwiegend oder
ausschließlich im zweiten Semester machen. Ein Schwerpunkt des Workloads wird jedoch sicherlich
im zweiten Semester liegen. Im ersten Semester ist demnach ein Workload von ca. 1-2 CP und im
zweiten Semester ein Workload von ca. 3-4 CP anzusetzen.
Mathematisches Studieren
Parallel zu den Veranstaltungen der Analysis und Linearen Algebra findet das Modul Mathe-
matisches Studieren statt, das als Studienleistung in den Bachelor Mathematik einfließt. Das Ziel
dieses Moduls ist es, die Studierenden in Kleingruppen schrittweise und zielgerichtet in die der
Mathematik eigenen Arbeits- und Denkweise einzuführen, die für das weitere Mathematikstudium
wesentlich ist und eine fachliche Schlüsselqualifikation darstellt. Zudem wird in diesem Modul die
Fähigkeit, über Mathematik zu kommunizieren, geschult. Die Studierenden werden so frühzeitig an
das selbständige wissenschaftliche Arbeiten herangeführt, etwa durch Recherche nach geeigneter
Fachliteratur bei der Vor- oder Nachbereitung der Vorlesungen und Übungen.
Inhaltlich knüpft das Modul Mathematisches Studieren dabei an das Erlernte aus den
Veranstaltungen der Analysis und der Linearen Algebra an.
Das Modul selbst besteht im ersten Semester aus einer Kleingruppenübung zum Thema
"Mathematik richtig aufschreiben“. Ergänzt wird diese Kleingruppenübung durch Angebote, welche
die Studierenden nach Bedarf besuchen können. Diese umfassen Fragestunden und
Hausaufgabenhilfen, die im ersten Studienjahr angeboten werden. Zudem präsentieren die
Studierenden am Ende des ersten Semesters in Workshops ein kleines ausgearbeitetes
mathematisches Thema (s.u.)
In der Kleingruppenübung werden individuell oder in kleinen Gruppen unter Anleitung durch die
Betreuenden Übungsaufgaben (z.B. Beweise, Bestimmung und Charakterisierung von
mathematischen Strukturen, Berechnung von mathematischen Ausdrücken) bearbeitet. Dabei
finden Interaktionen mit anderen Studierenden und den Dozierenden zu Inhalt und Präsentation
statt. Bei der Bearbeitung der Übungsaufgaben fördert die Gruppenarbeit nicht nur die
Der Lernerfolg der einzelnen Studierenden wird in Form einer Übungsleistung geprüft. Hierfür sind
kontinuierlich wöchentlich schriftlich sorgfältig ausgearbeitete Hausaufgaben abzugeben. Dadurch
verteilt sich die Prüfungsbelastung durch diese Übungsleistung gleichmäßig über die gesamte
Vorlesungszeit der ersten beiden Studiensemester. Die Bewertung dieser Übungsleistung durch das
betreuende Lehrpersonal erfolgt dabei nicht nur durch eine schriftliche Korrektur, sondern wird
gegebenenfalls auch um mündliche Kommentare ergänzt, sodass der individuelle Lernerfolg
beispielsweise bei der Analyse von Fehlern und Schwierigkeiten in der Formulierung unterstützt
wird. Durch vielfältige Aufgabenstellungen werden zudem Strategien aufgezeigt, um auch nicht-
standardisierte Aufgaben lösen zu können. Dabei werden zentrale Fähigkeiten zum
Auseinandersetzen mit mathematischen Inhalten vermittelt und geübt, wie z.B. kritisches
Hinterfragen von Beweisen, Nutzung von Fachliteratur und Formalismus in der Mathematik. Auch
wenn ein kontinuierliches und gleichmäßiges Üben in den Hausaufgaben wünschenswert ist, haben
die Studierenden die Möglichkeit die Anforderungen dieser Übungsleistung auch schwerpunktmäßig
in einem der beiden Semester zu erbringen, was eine zusätzliche Flexibilität bei der individuellen
Studienplangestaltung ermöglicht (s. Modulbeschreibung).
Zudem lernen die Studierenden in Workshops durch kurze Vorträge frühzeitig, über Mathematik in
der richtigen Fachsprache zu kommunizieren. Hierfür ist jeweils ein klar umrissenes
mathematisches, fachliches Thema oder Problem (z.B. ein komplexer mathematischer Beweis) in
der vorlesungsfreien Zeit nach dem ersten Semester auszuarbeiten und anschließend im Workshop
einer fachlichen Öffentlichkeit (d.h. den anderen Workshop-Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie
den fachlichen Betreuenden des Workshops) in einer angemessenen Form zu präsentieren. Wichtig
ist hierbei, den fachlichen Inhalt und die relevanten Strukturen in der korrekten mathematischen
Sprache wiederzugeben. Die Studierenden sammeln so erste Erfahrungen, in einer Gruppe
mathematische Inhalte zu diskutieren und mathematische Fragestellungen aus verschiedenen
Sichtweisen betrachten. Sie erhalten dabei Feedback zu Inhalt und Präsentation durch die
Diskrete Mathematik
Abgerundet wird das erste Studienjahr mit dem Modul Diskrete Mathematik im zweiten Semester,
das zwar verpflichtend im Studium zu belegen ist, allerdings nicht Bestandteil der Grundlagen- und
Orientierungsprüfungen ist. Dieses Modul soll die Studierenden möglichst früh mit den Grundlagen
der diskreten Mathematik vertraut machen. Dieses vergleichsweise junge Teilgebiet der Mathematik
beschäftigt sich vorrangig mit endlichen Strukturen, die gerade in Verbindung zur Informatik eine
große Rolle spielen. Zentrale Themen sind etwa elementare Zahlentheorie und ihre Anwendungen
in der Kryptografie sowie Graphentheorie und ihre Anwendungen bei der Analyse von (sozialen)
Netzwerken.
Drittes Semester
Nach erfolgreicher GOP bauen im dritten Semester die Module Analysis 3, Numerik und Einführung
in die Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik (Stochastik) auf dem mathematischen Fundament
des ersten Studienjahres auf. Sie dienen der Vermittlung von mathematischem Basiswissen
ergänzend zur Analysis, zur Linearen Algebra und zur Diskreten Mathematik und erschließen so die
Grundlagen der mathematischen Kerngebiete Numerik und Stochastik.
Die Analysis 3 baut das Wissen und die Fertigkeiten innerhalb des Kerngebiets Analysis weiter aus.
Unter anderem werden Begrifflichkeiten wie „Messen“ oder „Integrieren“ in einen allgemeineren,
abstrakteren Kontext gesetzt, die im weiteren Studienverlauf und auch in der Einführung in die
Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik benötigt werden.
Die Numerik beschäftigt sich mit der Konstruktion und Analyse von Algorithmen für mathematische
Probleme. Die Studierenden lernen hier unter anderem, wie sie mit computerunterstützten Methoden
Konzepte aus der Analysis, Linearen Algebra und Diskreten Mathematik (z.B. die Bestimmung von
Fixpunkten oder die Lösung linearer Gleichungssysteme) effizient in geeigneten Programmen
implementieren können. Auch Voraussagen über die Genauigkeit dieser numerischen Lösungen
werden getroffen.
Die Stochastik beschäftigt sich mit der Beschreibung und Untersuchung von Zufallsexperimenten
sowie vom Zufall beeinflussten zeitlichen Entwicklungen und räumlichen Strukturen. Das
einführende Modul Einführung in die Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik im dritten Semester
baut dabei nicht nur auf die Kenntnisse und Fähigkeiten des ersten Studienjahres auf, sondern auch
auf bereits erlerntes Wissen aus der parallel stattfindenden Analysis 3.
Um eine breite mathematische Ausbildung gewährleisten zu können, sollen sich die Studierenden
im vierten Semester zwei weitere Kerngebiete erschließen und darin ausreichend Grundlagen
aneignen. Sie haben hierbei die Wahl zwischen Algebra und Geometrie (zwei Gebieten der Reinen
Mathematik) und dem angewandten Gebiet der Optimierung. Durch diese Wahl können sie erstmals
eigene Interessen vertiefen.
Sie können etwa einen größeren Fokus auf die reine Mathematik mit der Wahl der beiden Module
Algebra und Geometrie legen. Ein Grundstock zu diesen Modulen wurde bereits in der Schule und
in den ersten beiden Semestern gelegt. Diese Kenntnisse werden nun weiter abstrahiert und um
neue Theorien und Kalküle erweitert. In der Algebra beschäftigt man sich etwa mit der Theorie der
Die Studierenden haben aber auch die Möglichkeit, ihre Kenntnisse in der angewandten Mathematik
zu erweitern, und beziehen das Modul Einführung in die Optimierung in ihre Wahl mit ein. In diesem
Modul werden die grundlegenden Konzepte und Methoden der beschränkungsfreien Optimierung
(ein einfaches Beispiel aus der Schule hierfür ist das Bestimmen von Minima und Maxima einer
Funktion über alle reellen Zahlen), sowie der Konvexität und der linearen Optimierung (mit linearen
Nebenbedingungen) vermittelt. Zur Lösung von Optimierungsproblemen ist auch eine geometrische
Anschauung wichtig, sowie die Berücksichtigung von möglichen Einschränkungen. Da es eine
Vielzahl von Optimierungsproblemen in der Realität gibt, werden auch anschauliche und praxisnahe
Beispiele behandelt und modelliert.
In den letzten beiden Semestern ist eine fachliche Vertiefung vorgesehen. Hierfür können die
Studierenden Module aus den Bereichen Reine Mathematik, Finanz-, Bio-, Wirtschafts- und
Technomathematik je nach Interesse wählen, die auf den Grundlagen der ersten vier Semester
aufbauen. Infolgedessen kennen und verstehen sie weitergehende Theorien und Methoden in den
von ihnen ausgewählten mathematischen Bereichen. Dadurch wird eine individuelle Profilschärfung
erreicht, welche sich im Masterstudium fortsetzen kann.
An dieser Stelle möchten wir nur ein paar exemplarische Module aus den einzelnen Bereichen
erwähnen. Der tatsächliche Wahlkatalog ist bedeutend umfangreicher; alle Module zu nennen,
würde den Rahmen hier sprengen.
Im Bereich Reine Mathematik stehen etwa die Functional Analysis (Verknüpfung von Analysis,
Topologie und Algebra, Beschäftigung mit speziellen Abbildungen, die z.B. Funktionen auf Zahlen-
Für die Finanzmathematik kommen beispielsweise die Module Probability Theory (Fortsetzung des
Einführungsmoduls, u.a. Beschäftigung mit spezielleren Theorien, wie der Martingaltheorie) oder die
Statistical Computing (Herleitung und Implementierung statistischer Algorithmen). Aus diesem
Bereich können einige Module für die Ausbildung zum Aktuar DAV anerkannt werden. Aktuare sind
speziell ausgebildete und geprüfte Personen, die sich mit der Modellierung, Bewertung und
Steuerung von Risiken in der Finanz- und Versicherungsbranche befassen.
Ein typisches Modul für den Bereich Wirtschaftsmathematik ist die Discrete Optimization, die auf die
einführende Veranstaltung Einführung in die Optimierung aufbaut. Auf Grundlage der dort erlernten
Konzepte und Methoden werden Verfahren zur Modellierung, Analyse und Lösung ganzzahliger
Optimierungsprobleme entwickelt und Einsichten in die Geometrie dieser Fragestellungen
gewonnen. Inhaltlich beschäftigt sich dieses Modul unter anderem mit ganzzahligen
Optimierungsproblemen, die in der Praxis sehr häufig auftreten, beispielsweise in der Personal-
Einsatzplanung, in der Personen- und Güterlogistik oder bei der Erstellung von Produktionsplänen.
Und die Numerics of Differential Equations ist unter anderem für angehende
Technomathematikerinnen und Technomathematiker empfehlenswert. Hier geht es beispielsweise
um den Umgang mit Basisalgorithmen zur Lösung von gewöhnlichen Differentialgleichungen, wie
Bewegungsgleichungen, sowie deren Implementierung und Abschätzung von Fehlern.
Für die Biomathematik möchten wir das Modul Mathematical Models in Biology erwähnen, das ein
gutes Beispiel für die Möglichkeit einer disziplinübergreifenden und anwendungsnahen Ausbildung
ist. Hier lernen die Studierenden unterschiedliche Modellierungsansätze (stochastisch oder
deterministisch, kontinuierlich oder diskret) für biologische Vorgänge (z.B. Kommunikation zwischen
Zellen, Populationswachstum, …) kennen, diese zu bewerten, sie beschäftigen sich mit der Wahl
geeigneter Abstraktionslevel (z.B. Betrachtung des Gruppenverhaltens oder des Verhaltens der
Individuen) und können dann Modelle für solche biologischen Systeme auf Basis analytischer und
stochastischer und diskreter Mathematik aufstellen. Sie sind dadurch in der Lage, situationsbezogen
reflektiert richtige Modelle für praxisrelevante biologische Probleme auszuwählen oder vorhandene
Modelle hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit und Plausibilität zu bewerten.
Zudem wird durch spezielle Lehrformate wie z.B. die der mathematischen Fallstudien, in denen
theoretisches Fachwissen in Form von kleineren Projekten mit Firmen Anwendung in der Praxis
findet, das anwendungsorientierte Profil gestärkt.
TUM School of Computation, Information and Technology
18.09.2024 35
Außerdem können Studierende ab dem fünften Semester bereits Module aus den Masterpro-
grammen belegen und sich die zusätzlichen Leistungen später im Masterstudium anerkennen
lassen. Diese Möglichkeit dient vor allem der Förderung exzellenter Studierender und gibt
gleichzeitig einen Einblick in die Masterstudiengänge.
Im fünften Semester ist ein Seminar vorgesehen. Dieses Modul führt die Studierenden einerseits in
ausgewählte Themen tiefergehend ein, andererseits sollen die Studierenden dadurch schrittweise
an eine selbstständige Bearbeitung von wissenschaftlichen Themen herangeführt werden, sodass
sie nach dem Besuch des Seminars in der Lage sind, sich unter Anleitung in ein klar umrissenes,
mathematisches Themengebiet einzuarbeiten, mit mathematischen Texten zu arbeiten und hierüber
mathematische Vorträge vorzubereiten und zu präsentieren.
Dazu wählen die Studierenden im Laufe der Vorlesungszeit des vorangehenden Semesters aus den
jeweiligen Angebot ein Seminar aus, dessen Thema aus einem der mathematischen Kerngebiete
und Bereiche stammt und fachlich auf den Grundlagen der ersten vier Semester aufbaut. Bei
Seminaren, die im fünften Semester stattfinden, erfolgt diese Wahl also während des vierten
Semesters. Im Rahmen einer Vorbesprechung, die in der Regel gegen Ende dieser Vorlesungszeit
des vorangehenden Semesters stattfindet, wählt jede und jeder Studierende aus diesem
mathematischen Oberthema ein angebotenes, spezielles, klar umrissenes Thema aus und erhält
hierfür die zugehörige Fachliteratur.
Da die Präsentationen in der Vorlesungszeit des gewählten Seminars stattfinden (also in der Regel
das fünfte Semester), beginnt die Vorbereitung hierauf bereits in der vorausgehenden
vorlesungsfreien Zeit. Dazu arbeiten sich die Studierenden intensiv in die Literatur ein und
besprechen mit den Betreuern und Dozenten erreichte Zwischenstände und mögliche Probleme die
in dieser Phase aufgetreten sind. Gemeinsam mit den Betreuenden und Dozierenden werden dann
jeweils weitere Arbeitsschritte für eine zielorientierte Bearbeitung des Themas festgelegt, an dessen
Während und nach den 90-minütigen Präsentationen wird anhand von Fragen und Diskussionen mit
den anderen teilnehmenden Studierenden und den Lehrenden auf den Inhalt und die Präsentationen
eingegangen und so der fachliche, wissenschaftliche Austausch gefördert. Durch die voran-
gehenden Besprechungen und die Fragen und Diskussionen rund um die Präsentation bekommen
dabei die Studierenden direktes Feedback zu ihren fachlichen Leistungen.
Durch das Seminar sind die Studierenden optimal (in der Regel auch inhaltlich) auf die Erstellung
ihrer Abschlussarbeit, der Bachelor’s Thesis, vorbereitet, welche im sechsten Semester geschrieben
werden soll.
Basierend auf dem im Studium erlangten mathematischen Fachwissen und Kompetenzen und auf
die im Seminar eingeführte Bearbeitungsweise wissenschaftlicher Themen, weisen die Studieren-
den mit der Bachelor’s Thesis (Bachelorarbeit) nach, dass sie in der Lage sind, sich eigenständig in
ein mathematisches Themengebiet einzuarbeiten, mit mathematischen Texten eigenständig zu
arbeiten, Literatur-Recherchen eigenständig durchzuführen und mathematische Gedankengänge
eigenständig zu formulieren. Das versetzt sie in die Lage kreative Lösungsansätze, die dem Stand
der Wissenschaft entsprechen, zu realisieren und ein erstes wissenschaftliches Selbstverständnis
zu entwickeln.
Dabei stehen in diesem Modul das eigenständige wissenschaftliche Arbeiten und die schriftliche
Ausarbeitung im Fokus. Die Studierenden lernen die wissenschaftliche Arbeitsweise und Arbeits-
techniken im Rahmen der Bearbeitung einer vorgegebenen, klar abgesteckten wissenschaftlichen
Fragestellung kennen. Dies erfolgt vor allem im Eigenstudium. In Gesprächen mit den Dozentinnen
und Dozenten können sie ihre Zwischenstände diskutieren. Sie weisen dabei nach, dass sie die
vorgegebene Fragestellung auf Grundlage vorgegebener mathematischer Literatur und anhand des
zugrundeliegenden mathematischen Fachwissens lösungsorientiert analysieren und strukturieren
können.
Pflichtmodule im Nebenfach
Bei der Wahl des Nebenfachs Elektrotechnik und Informationstechnik sind neben Wahlmodulen
auch Pflichtmodule zu belegen. Die Kenntnisse und Kompetenzen aus diesen Modulen sind für das
jeweilige Nebenfach essenziell, sodass die Belegung dieser Module sichergestellt werden muss.
Im Nebenfach Elektrotechnik und Informationstechnik handelt es sich bei den Pflichtmodulen um die
Messsystem- und Sensortechnik für Mathematiker, die Grundlagen der Informationstechnik und um
die Ingenieurspraxis für Mathematiker. Wie der Name schon verrät, ist das erste dieser Module
speziell auf die Bedürfnisse der Mathematikstudierenden ausgelegt, auch das zweite Modul richtet
sich speziell an Nebenfachstudierende. Den Studierenden wird dadurch ermöglicht, mit wenigen
Modulen und in sehr kompakter Form die wesentlichen Grundlagen in den Themenbereichen der
Informationstechnik und der Messtechnik, zweier Kerngebiete der Ingenieursdisziplin Elektro- und
Die berufspraktische Tätigkeit selbst sollte in der vorlesungsfreien Zeit im Anschluss an das vierte
Semester in einem Unternehmen oder einer angewandten Forschungseinrichtung durchgeführt
werden und einem Beschäftigungsverhältnis von mindestens vier Wochen in Vollzeit entsprechen.
Nach dem vierten Semester verfügen die Studierenden zum einen über ausreichend breite und
grundlegende akademische Kenntnisse und Fähigkeiten in der Mathematik und im gewählten
Nebenfach, um diese im Arbeitsalltag praktisch umsetzen zu können, sowie über einen genügend
großen Zeitraum außerhalb der Prüfungsphase, um dieser Beschäftigung nachkommen zu können.
In Ausnahmefällen ist auch eine Tätigkeit zu einem früheren Zeitpunkt möglich; auch eine
äquivalente längere Beschäftigung in Teilzeit während der Vorlesungszeit ist möglich.
Nach dem Praktikum reflektieren die Studierenden über die ausgeübten Tätigkeiten und die
gemachten Erfahrungen im Rahmen eines schriftlichen Berichts. Dieser legt den Inhalt des
Praktikums und den Bezug zum Studium ausführlich dar. Er wird in der Regel denjenigen
Studierenden, die aktuell auf der Suche nach einer Praktikumsstelle sind, zur Verfügung gestellt und
soll eine Orientierungshilfe bieten.
Um eigenständig eine auf die persönlichen Fähigkeiten, Neigungen und Interessen zugeschnittene
angemessene Stelle zu finden, müssen sich die Studierenden selbständig einen Überblick über das
vielfältige Tätigkeitsspektrum von Mathematikerinnen und Mathematikern in den unterschiedlichen
Branchen und Betrieben verschaffen und sich dann auf entsprechende Stellen bewerben. Die
Erfahrungsberichte sind dabei ein wichtiger Anhaltspunkt um sich gezielt über Praktika- und
Karrieremöglichkeiten von Mathematikern in Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu
informieren.
Das Berufspraktikum gewährt den Studierenden nicht nur erste Einblicke in das Berufsleben von
Mathematikerinnen und Mathematikern, sondern sie können auch die gemachten Erfahrungen bei
der Entscheidung für ihre Vertiefung und Spezialisierung (z.B. bei einem anschließenden
Masterstudium) einsetzen.
Alternativ zum Modul Berufspraktikum kann in Einzelfällen (z.B. wenn ein Studierender sich
nachweislich vergeblich um einen Praktikumsplatz bemüht hat) das Modul Projekt mit Kolloquium
belegt werden. Hier haben die Studierenden die Möglichkeit im Rahmen einer Art Forschungs-
praktikum in einem mathematischen Themengebiet in die Forschung einzutauchen. Zu Beginn des
TUM School of Computation, Information and Technology
18.09.2024 40
Projekts erhalten hierfür die Studierenden noch etwas Hilfestellung, sollen aber dann weitestgehend
selbständig in diesem Projekt arbeiten. Das beinhaltet unter anderem die Einarbeitung in
mathematische Themengebiete, das Arbeiten mit mathematischen Texten, Literatur-Recherche und
die Verschriftlichung von mathematischen Gedankengängen. Letzteres ist insbesondere für den zu
verfassenden Abschlussbericht wesentlich. Im Kolloquium wird dieser dann vorgestellt und die
Ergebnisse diskutiert.
Das Bachelor Mathematik Studium hat zwar als überwiegendes Ausbildungsziel eine fundierte
mathematische Grundausbildung, allerdings können auch in diesem Studium Module und
Veranstaltungen belegt werden, die diese Themen abdecken.
6.8 Mobilität
Dem Department Mathematik ist es ein besonderes Anliegen, den Studierenden einen freiwilligen
Auslandsaufenthalt im dritten Studienjahr zu ermöglichen. Deshalb sind die dafür notwendigen
Freiräume zur fachlichen Vertiefung und die spätere Anerkennung der im Ausland erbrachten
Leistungen im Studiengangskonzept verankert. Zudem berät und unterstützt die Mathematik die
Studierenden intensiv bei der Bewerbung und Durchführung ihres Auslandsaufenthalts. Durch die
vielen engen universitären Kooperationen weltweit steht den Studierenden eine große Auswahl an
Austauschplätzen zur Verfügung, die sie neben dem Studium auch zum Sammeln interkultureller
Erfahrungen und zum Aufbau eines individuellen Netzwerks nutzen können. Außerdem trägt der
Auslandsaufenthalt zur Verfeinerung ihrer sozialen und personalen Kompetenzen bei. Diese
Möglichkeit wird von einem großen Teil der Mathematik Studierenden wahrgenommen. Die Zahlen
in Abbildung 2 und Abbildung 3 auf Seite 24 belegen dies eindrucksvoll.
Für administrative Aspekte der Studienorganisation sind teils die zentralen Arbeitsbereiche des
TUM Center for Study and Teaching (TUM CST), teils Einrichtungen der School zuständig (s.
folgende Übersicht):
• Beratung Auslandsaufenthalt/Internationalisierung:
zentral: TUM Global & Alumni Office
[email protected]
dezentral:
Julia Cyllok
E-Mailadresse: [email protected]
Telefonnummer: + 49 (0)89 289 17596
Carola Jumpertz
E-Mailadresse: [email protected]
Telefonnummer: + 49 (0)89 289 17552
dezentral:
Vice Dean of Study and Teaching
Prof. Dr. Oliver Hayden
QM-Beauftragte, Evaluationsbeauftragte
Dipl.-Math. Angela Puchert
E-Mailadresse: [email protected]
Telefonnummer: +49 (0)89 289 17046
Koordinatorin Modulmanagement
Jana Graul
E-Mailadresse: [email protected]
So wurde erstmals 2009 der Workload der Studierenden anhand von Befragungen überprüft und in
diesem Zusammenhang sind die Credits einzelner Module angepasst worden, um so die
tatsächliche Arbeitsbelastung für die Studierenden auch korrekt abzubilden. Dies wurde von den
Studierenden positiv aufgenommen. Daher wird bei der Neugestaltung von Modulen auch weiterhin
darauf geachtet den Workload präzise anzusetzen.
Nachdem in den Folgejahren die Professorenschaft des Departments bei der Erstellung der
Bachelorarbeit Schwächen im übergreifenden Grundlagenwissen (bezogen auf mathematische
Kerngebiete), und dem eigenständigen mathematischen Arbeiten sowie der eigenständigen Arbeit
mit Lehrbüchern und Fachliteratur feststellten, wurde 2013 eine verpflichtende, mündliche Prüfung
Mathematische Grundlagen eingeführt. Ziel dieser ist es, dass die Studierenden im Anschluss über
einen vertieften und verbreiterten Überblick über die Grundlagen der Analysis sowie der Linearen
Algebra und Diskreten Strukturen verfügen, und sie auch in der Lage sind, Interferenzen zwischen
Gebieten der Linearen Algebra und Diskreten Strukturen sowie der Analysis zu erkennen (vgl.
Kapitel 6.1, Abschnitt Grundlagen- und Orientierungsprüfung (GOP), Seite 29). Die Prüfungen
werden von der gesamten Professorenschaft des Departments Mathematik abgenommen.
Insbesondere können durch diese Prüfung Wissenslücken bei den Studierenden zeitnah identifiziert
und geeignete Maßnahmen ergriffen werden können.
2014 wurde auf die anhaltend fallenden Bewerber- und Studienanfängerzahlen (siehe Kapitel 3.3,
Seite 12) reagiert. Zu einigen Marketingmaßnahmen, wie zum Beispiel der Teilnahme an Studien-
informations-Messen (Einstieg München und Köln, sowie diverse Informationsmessen von Schulen
und Schulverbänden), wurde in der FPSO das Eignungsfeststellungsverfahren überarbeitet. Das
Verfahren ist dahingehend vereinfacht worden, dass von den Studienbewerberinnen und
Studienbewerbern kein Motivationsschreiben und kein mathematisches Essay mehr verlangt wurde.
Daraufhin konnte ein deutlicher Anstieg der Bewerber- und Immatrikulationszahlen festgestellt
werden (siehe Tabelle 1 in Kapitel 3.3 auf Seite 14). Es hat sich allerdings gezeigt, dass sich vor
dieser Änderung die Studienbewerberinnen und Studienbewerber durch das Verfassen des
Motivationsschreibens und des Essays intensiver mit ihrer Studienwahl auseinandergesetzt haben,
vor allem auch mit den fachspezifischen Voraussetzungen und mit den Anforderungen, die sie in
einem mathematischen Studium erwarten.
Bei der Überarbeitung der Lehrstrategie im Jahr 2017 als Y-Modell standen die aktuellen
Rahmenbedingungen im Fokus: In der Forschung nehmen immer mehr interdisziplinäre und
anwendungsnahe Richtungen (z.B. Data Science) Raum ein, zugleich sind die Ansprüche des
Arbeitsmarktes unterschiedlich. Zum einen werden für bestimmte Anwendungsbereiche
spezialisierte, interdisziplinär ausgebildete Mathematiker gesucht, z.B. für die Versicherungs- und
Wirtschaftsbranche. Zum anderen gibt es aber weiterhin einen Bedarf an breit ausgebildeten
Absolventinnen und Absolventen (etwa seitens des Mittelstands), die solide Kenntnisse in mehreren
mathematischen Gebieten vorweisen können, so auch in den angewandten Gebieten wie der
Stochastik, Numerik und Optimierung. Aus diesem Grund wurde das Modulkonzept angepasst. Die
bisherigen verpflichtenden angewandten Module Numerische Lineare Algebra und Einführung in die
Wahrscheinlichkeitstheorie wurden zu den Modulen Numerik und Einführung in die
Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik umstrukturiert und inhaltlich erweitert und ein weiteres
Grundlagenmodul Analysis 3 eingeführt. Darüber hinaus ergaben Studiengangsbefragungen sowie
eine Evaluation der belegten und geprüften Credits je Semester eine Überfrachtung des dritten und
vierten Semesters. Die Studierenden hatten Probleme, eine geeignete Anzahl an Wahlfächern
auszusuchen und belegten dann deutlich mehr Module als im Studienplan vorgesehen sind. Hierfür
wurde das vierte Semester in der Wahl eingeschränkt und auf wenige Aufbaufächer eingeschränkt.
Der erste Jahrgang dieses überarbeiteten Bachelors startet zum Wintersemester 2019/2020.
Basierend auf den Erfahrungen seit 2019 wurde im Rahmen einer Kommission, bei der auch
Studierendenvertreter beteiligt waren, die aktuelle Struktur des Studiengangs überprüft und mit Start
zum Wintersemester 2023/2024 wie folgt angepasst:
Beim Modul Lineare Algebra 2 und Diskrete Strukturen hat sich erwiesen, dass sich die
Lernergebnisse aus den an sich eigenständigen Teilbereichen der Linearen Algebra und der
Diskreten Mathematik nicht optimal zu übergeordneten Lernergebnissen kombinieren lassen. Da die
Studierenden möglichst früh mit den Grundlagen der Diskreten Mathematik vertraut gemacht werden
sollen ist eine Verortung im ersten Studienjahr erforderlich. Auf Grund der thematischen
Eigenständigkeit dieses Gebiets scheint eine Kombination mit einem anderen, größeren Modul und
dessen Lernergebnissen wenig sinnvoll. Als Konsequenz wurde das Modul in zwei kleinere Module
aufgeteilt: Lineare Algebra 2 und Diskrete Mathematik. Beide Module sind weiterhin Pflichtmodule
des zweiten Semesters, allerdings ist künftig nur noch die Lineare Algebra 2 Bestandteil der
Grundlagen- und Orientierungsprüfungen.
Da in den ersten zwei Jahren des Bachelors überwiegend die Grundlagen der Mathematik vermittelt
werden, die als Basis für eine vertiefende Ausrichtung und ggf. eines Masterstudiums notwendig
sind, ist nach den Ergebnissen der Studierendenbefragungen für Studierende in dieser
Studiumsphase die Berufsfeldrelevanz noch wenig erkennbar. Um die Sichtbarkeit der
Berufsfeldrelevanz zu erhöhen wurde im Wintersemester 2021/2022 in Moodle ein Career-Forum
eingerichtet, bei dem neben der Ankündigung von Veranstaltungen wie Meet My Company oder Fit
for TUMorrow auch der Karriere-Newsletter der TUM allen interessierten Studierenden verschickt
wird. Zudem werden einschlägige Dozentinnen und Dozenten gebeten, in ihren Vorlesungen und
Übungen stärker auf die Erkennbarkeit der Berufsrelevanz stärker zu achten.