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§. 57.
Wenn man sich auf etwas lange besinnen muß, so will man eine
Vorstellung klar machen, vermittelst solcher Vorstellungen, die vieles
mit ihr gemein haben, und die also mit ihr zu gleicher Art können
gerechnet werden. Ein Schertz auf den man sich lange besint, muß
demnach unglücklich gerathen. Er beweißt, daß unser Witz lange
nicht diejenige Munterkeit besitzt, die erfodert wird, wenn ein
feuriger Schertz, unmittelbar auf solche Vorstellungen folgen soll, die
von gantz anderer Art sind. Nein, ein glücklicher Schertz muß die
Frucht eines Witzes seyn, der so hurtig aufgeweckt, und schnell ist,
daß er nicht genöthiget ist sich lange zu besinnen. Wer sich auf
seine Schertze lange besinnen muß, wird sich sehr schwer, vor den
Ausbruch seines Zauderns, und der Anstalten die sein Witz vorkehrt,
hüten können. Dem Zuhörer wird die Zeit unterdessen lang werden.
Komt endlich der Schertz zur Welt, so wird er entweder nicht neu
genug seyn, oder die Hofnung des Zuhörers betrogen haben. Einem
langsamen Witze geräth sehr selten ein Schertz. Der Schertz der
glücklich seyn soll, muß so schleunig in der Seele des schertzenden
klar werden, daß er selbst dadurch in eine Art der Verwunderung
gesetzt wird. Diese Verwunderung wird dem schertzenden eine
Lebhaftigkeit, und Dreistigkeit geben, ohne welche der Vortrag des
Schertzes elend werden muß.
§. 58.
Wer glücklich im Schertzen seyn will, der hüte sich seine Spasse
nicht vorher auszudencken. Wer den Spaß vorher erdenckt, und sich
auf denselben vorbereitet, der geht so lange damit schwanger, bis er
ihn vorgetragen hat. Die gantze Reihe der Vorstellungen, von der
Zeit an, da er den Schertz erdacht, bis auf den Zeitpunct da er
vorgetragen werden soll, ist entweder mit dem Schertze ausgefüllt,
oder doch mit sehr ähnlichen Vorstellungen. Es ist demnach
nothwendig daß der Spaß mißlingen muß. §. 57. Cicero merckt
diesen Fehler auch an, er sagt im andern Buche vom Redner:
quia meditata videntur minus ridentur. Quintilian im sechsten Buche,
fodert gleichfals, daß man sich auf den Schertz nicht vorbereiten
müsse. Er sagt: ne praeparatum & domo allatum videatur, quod dicimus. Wer
sich auf den Schertz vorbereitet, kan unmöglich die anständige
Dreistigkeit behalten, die zum Vortrage eines Schertzes nothwendig
ist. Man wirds ihm an den Augen ansehen, daß er einen Spaß auf
den Hertzen hat, den er gern an Mann bringen möchte. Er wird mit
einer ängstlichen Sehnsucht, die er nicht verbergen kan, die Zeit
erwarten, da er seinen Schertz vortragen will. Kan also der Schertz
wohl neu genug seyn, in Absicht auf den schertzenden und den
Zuhörer? Und das ist doch ein so nöthiges Stück zu einem feurigen
Schertze. Uberdem, kan ja derjenige der sich auf einen Schertz
vorbereitet, nicht jederzeit vorhersehen, ob er sich zu den
Umständen, in welchen er sich befinden wird, genau schicken wird.
Es ist also sehr wahrscheinlich, daß ein vorbereiteter Schertz zur
Unzeit angebracht wird, und das werde ich als einen grossen Fehler
im folgenden vorstellen.
§. 59.
Soll man sich auf einen Schertz gar nicht vorbereiten, so muß
man auch die Umstände nicht mit Fleiß so einrichten, damit man den
Spaß anbringen könne. Die Gelegenheit zu schertzen, muß sich
selbst darbiethen, und wir müssen nichts weiter thun als sie
ergreiffen. Es verrathen also alle diejenigen die Mattigkeit ihres
Witzes, welche, wenn sie einen Vortrag thun sollen, oder in eine
Gesellschaft sich begeben, ihre Rolle, in so fern sie die schertzhafte
Person seyn wollen, vorher auswendig lernen. Sind sie nun überdies
zu ungeduldig, die Zeit zu erwarten in welcher sie ihren Spaß
anbringen können und bereiten sie sich selbst die Gelegenheit zu
ihrem Schertze, so wird dieser Fehler noch mercklicher, und ihr
Schertz wird matt und frostig seyn. Ich leugne nicht daß es nicht
manchmal solte möglich seyn zu verhindern, daß der Zuhörer die
Vorbereitung zum Spasse mercke. Ich sage nur, daß dieses sehr
schwer sey, und in den mehresten Fällen mislingen müsse. Der Spaß
behält überdies doch einen Fehler, der nur von andern darin
verschieden ist, daß er bisweilen nicht gesehen wird.
§. 60.
Aus dem was ich bisher gesagt erhellet, warum die Schertze die
man in den Antworten auf vorgelegte Fragen vorträgt so sehr
gefallen. Weil wir nicht haben vorher sehen können, was uns ein
anderer fragen werde, so ist nicht die geringste Vermuthung
vorhanden, daß wir unsern Schertz vorher ausgedacht haben. Ein
solcher Schertz, wenn er sonst nicht zu frostig ist, muß also feuriger
seyn, als alle diejenigen, die man ohne gefragt zu werden vorträgt,
weil wir in den wenigsten Fällen den Verdacht der Vorbereitung von
uns ablehnen können. Cicero hat eben diese Schönheit angemerckt,
er setzt, an oft gedachten Orte, den Grund hinzu: nam & ingenii
celeritas maior est quae apparet in respondendo, & humanitatis est responsio.
§. 61.
Die sechste Schönheit der Schertze §. 25. entsteht daher, wenn
er von vielen Vorstellungen anderer Art, die in den Gemüthern einen
grossen Eindruck haben, begleitet wird. Man verstehe dieses nicht
nur von den schertzenden selbst, sondern auch von seinen
Zuhörern. Jener muß seinen Kopf sonst voller Gedancken haben, die
bey nahe seine gantze Aufmercksamkeit beschäftigen, und die mit
dem Schertze nichts, oder doch sehr wenig gemein haben. Er muß
mitten unter diesen Vorstellungen seinen Schertz erdencken. Die
Zuhörer müssen in gleichen Umständen ihres Gemüths stehen. Die
Seele der Zuhörer muß einer Schaubühne gleich seyn, und der
Schertz einer Zwischenfabel in einen theatralischen Stücke. Bey so
gestalten Sachen, ist es sehr wahrscheinlich, daß kein anderer den
schertzhaften Einfall haben wird, den der schertzende hat. Der
Schertz wird also vollkommen neu, und unerwartet seyn. Er wird
eine Lebhaftigkeit besitzen, die ihm unter ähnlichen Gedancken
fehlen würde, und die Verschiedenheit der übrigen Gedancken wird
seinen Glantz um ein merckliches erhöhen. Diese Schönheit wird
noch mehr erhalten, wenn man schertzt zu der Zeit, da wir und
unsere Zuhörer mit vielen andern Gedancken beschäftiget sind, die
den schertzhaften Gedancken entgegen gesetzt sind. Opposita iuxta se
posita magis elucescunt, ist eine viel zu bekannte Regel, als daß ich den
vorhergehenden Gedancken zu beweisen für nöthig halte.
§. 62.
Ein feuriger Schertz muß demnach gantz unvermuthet und
unerwartet seyn. Es muß weder in unsern vorhergehenden
Gedancken §. 56. noch in denjenigen, die wir zu gleicher Zeit haben,
eine merckliche Vermuthung des Schertzes vorhanden seyn. Eine
Sache die wir vermuthen und erwarten, sehen wir vorher; wird sie
würcklich, so kan sie unmöglich gantz neu seyn. Ein erwarteter
Schertz kan demnach unmöglich so feurig seyn, als ein unerwarteter,
weil jener nicht so neu ist als dieser. Wenn man gantz unerwartete
Schertze vorträgt, so überfällt man den Zuhörer, man läßt ihm nicht
viel Zeit nachzudencken, und es muß ihm ein Schertz gefallen, der
sonst nicht eben zu viel Feur besitzt. Man kan sagen, daß das
unerwartete in einem Schertze, ein Mittel sey, viele andere Fehler
des Schertzes zu verbergen. Wenn der Zuhörer unsern Schertz
erwartet, so macht er eine Zurüstung die uns gefährlich ist. Er
samlet die gantze Macht seiner Beurtheilungskraft, und er hat ein
Recht was ausnehmendes zu erwarten. Er stellt sich schon zum
voraus manches artige von unsern Schertze vor. Und da müssen wir
ihm entweder einen ausnehmend feurigen Schertz vortragen, oder
wir betrügen seine Hofnung, und er verwandelt sein Vergnügen, so
er uns zugedacht, in eine Verachtung und hönisches Lachen. Man
hüte sich also andern auf unsere Schertze Hofnung zu machen. Wir
können sonst nicht verhüten daß unsere Zuhörer dencken
Quid dignum tanto feret hic promissor hiatu?
Parturient montes, nascetur ridiculus mus.
Hor. art. poet.
Es gilt hier eine Art eines gewissen Betrugs. Man hintergehe seine
Zuhörer. Man mache ihnen zu gantz andern Dingen Hofnung, und
ehe sie sichs versehen betrüge man sie. Man sage ihnen das nicht
worauf sie gewartet, sondern vielmehr den Schertz, den sie nicht
erwartet. Cicero steht in den Gedancken, als wenn das Vergnügen,
so aus einem solchen Betruge bey dem Zuhörer entsteht, daher
rühre, weil uns unser eigener Irrthum belustiget. Ich bin gantz
anderer Meinung. Ein Irthum bleibt eine Unvollkommenheit, die uns
nicht belustigen kan, in so fern sie ein Irthum ist. Der Irthum macht
nur, daß uns der Spaß gantz unerwartet und unvermuthet
vorgetragen wird, und das ists was uns bey demselben gefält.
§. 63.
Wer also im Schertzen glücklich seyn will, muß sichs durchaus
vorher nicht mercken lassen, daß er spassen will. Ich rede nicht von
einem Fehler, den man ohnedem selten antrift. Ich meine, wenn es
jemand vorher sagen wolte, daß er schertzen wolte. Wer seinen
Schertz mit ausdrücklichen Worten ankündiget, kan nicht schertzen,
und begeht einen abgeschmackten Fehler. Sondern ich bemercke
hier einen Fehler der häufiger ist. Man kan es manchem spaßhaften
Kopfe schon zum voraus ansehen, daß er spassen will. Er gewöhnt
sich gewisse Gesichtszüge an, die jederzeit vor seinem Schertze
vorhergehen. Er kan nicht eher spassen, ehe er nicht sein Gesicht in
gewisse dazu ausgesuchte Falten gelegt hat. Sie mögen beschaffen
seyn wie sie wollen, so wird der Schertz dadurch verdorben, wenn
der Zuhörer daher den Schertz prophezeyen kan. Ich rechne dahin
den Fehler, wenn ein schertzhafter Kopf sich erst vorher selbst satt
lacht, ehe er andere zu lachen machen will. Ein solcher Mensch
verdirbt seinen gantzen Spaß, wenn er die Früchte desselben selbst
vorher einerntet, und die Zuhörer haben keine Ursach seinen Spaß
zu belohnen, weil er sich die Bezahlung für seine Mühe selbst
genommen hat. Vorher muß niemand lachen. Ob man aber bey dem
Schertze, oder nachher, auch lachen dürffe, will ich unten
beurtheilen. Genug, daß ich erwiesen habe, ein schertzhafter Kopf
müsse sichs vorher durch nichts, was es auch sey, mercken lassen,
daß er schertzen wolle.
§. 64.
Aus dem vorhergehenden ist klar, daß die Schertze, wenn sonst
das übrige seine Richtigkeit hat, gerathen müssen, welche Zuhörern
vorgetragen werden, die mit vielen ernsthaften Gedancken
beschäftiget sind. Das ernsthafte ist ja dem schertzhaften entgegen
gesetzt, und ein schertzhafter Kopf der diese Gelegenheit ergreift,
folgt der Regel des Horatz
Misce stultitiam consiliis breuem.
Carm. L. III. od. XII.
und bringt seinen Spaß mitten unter Vorstellungen vor, die von gantz
verschiedener Art sind. Geht seine Geschicklichkeit noch weiter, und
kan er mitten unter betrübten und traurigen Gedancken schertzen,
so erhält sein Spaß noch eine grössere Schönheit von dieser Seite.
Die Verminderung der Traurigkeit ist immer was angenehmes, und
die Lust die eine Betrübniß verdrengt, oder mindert, ist
durchdringender. Ein Schertz der dergestalt vorgetragen wird daß er
- - - - amara laeto
temperet risu - -
Hor. Carm. L. II. od. XVI.
muß viel angenehmer seyn, als ein anderer, wenn er anders nicht
aus einem leichtsinnigen und fladderhaften Gemüth entsprungen.
Ein Mensch der alsdenn schertzen kan, wenn ihm ein Glied abgelößt
wird, muß gewiß einen sehr lebhaften und starcken Witz besitzen.
Das, deucht mich, ist der Grund, warum diejenigen Köpfe, die in
ihrer Todes Stunde noch gespaßt haben, als witzige Köpfe
bewundert werden. Socrates, Adrian der Kayser, Margaretha
von Oesterreich, und andere, geben hier, wenn man den
Erzählungen von ihnen glaubt, Exempel an die Hand.
§. 65.
Wenn ernsthafte Gedancken in der Seele die Oberhand haben, so
muß das Gesicht natürlicher Weise ernsthafte Züge behalten.
Herrschen aber die schertzhaften Gedancken, so muß man sich mit
Gewalt zwingen, das Lachen zu verbeissen. Ein Mensch, der bey
dem Vortrage seines Schertzes, gar keine Ernsthaftigkeit behält,
beweißt also, daß der Schertz in seiner Seele herrsche. Folglich hat
er nicht diejenige Vollkommenheit seines Witzes, vermöge welcher
er, mitten unter starcken Gedancken von anderer Art, schertzen kan,
und er macht dadurch seinen Schertz matter. Wer recht glücklich
schertzen will, bey dem muß mitten im schertzen die Ernsthaftigkeit
in der Seele, und in dem Gesichte, die Oberhand behalten. Ich sage
nicht daß er finstere und saure Minen machen soll, das ist ein Fehler
von dem ich unten reden werde. Die Ernsthaftigkeit muß nur
stärcker bleiben, als das Gegentheil. Man muß von ihm sagen
können
Incolumi grauitate iocum tentauit.
Hor. art. poet.
Kurtz, derjenige der schertzt, muß im Schertzen bey nahe ein
Crassus seyn, qui cum omnium esset venustissimus & vrbanissimus, omnium
grauissimus & seuerissimus & erat & videbatur, nach dem Zeugniß des
Cicero im andern Buch vom Redner.
§. 66.
Hieraus läßt sich ein Fehler beurtheilen, den man bey manchen
spaßhaften Köpfen antrift. Ihr scharfsinniger Witz ist den Körpern
ähnlich, die nicht eher in Bewegung gerathen, bis sie von andern
angestossen worden. Ihr Witz schläft so lange, bis ein anderer
anfängt zu schertzen, und alsdenn werden sie auch rege. Sie leiten
aus einem Schertze, den sie gehört, andere her. Und man kan
sagen, daß ein feuriger Witz viele andere erwärmen und erhitzen
könne. Man darf sich nicht wundern, daß demjenigen, der den
herrschenden Witz in solchen Fällen hat, seine Schertze gelingen,
denn er bringt sie mitten unter verschiedenen Gedancken vor. Seine
Affen aber haben das Glück nicht. Sie tragen ihre Schertze alsdenn
erst vor, wenn die Gesellschaft schon aufgeräumt worden, und sie
kommen mit ihren Einfällen zu spät. Ein anderer hat schon die
besten Früchte eines Schertzes genossen, und ihnen bleibt nur die
Nachlese übrig, die bisweilen mager genug ist. Dahin können auch
die Schertze gerechnet werden, die in den stillen Gesellschaften
vorgetragen werden. Es scheint, daß manche Zusammenkünfte nur
gehalten werden, um einander anzusehen, und von Gedancken
auszuruhen. Eine solche Gesellschaft von Seulen, kan sehr leicht
durch den frostigsten Einfall ergötzt werden. Sie dencken wenig oder
nichts, und eine Kleinigkeit kan ihre gantze Seele einnehmen. Ein
Schertz aber, der alsdenn belacht wird, ist auf dieser Seite sehr mat.
Der schertzende und die Zuhörer dencken ausser dem Schertze
weiter nichts, und also mangelt ihm die Schönheit die ich bisher
ausgeführet habe.
§. 67.
Ich komme nunmehr auf die siebende Vollkommenheit der
Schertze §. 25. Ein feuriger Schertz muß eine sehr grosse und
vollkommene sinliche Vorstellung seyn. Oder, er muß alle
Vollkommenheiten einer sinlichen Vorstellung, in einem mercklichen
Grade, besitzen. Ich bin nicht willens, alle einzelne
Vollkommenheiten eines sinlichen Gedanckens durchzugehen. Das
würde für meine jetzige Absicht zu weitläuftig seyn. Ich will mich
begnügen, die vornehmsten, und wenn ich so reden soll die Grund-
Vollkommenheiten der sinnlichen Erkenntniß durchzugehen. Die
übrigen sind entweder in diesen schon mit begriffen, oder können
doch mit leichter Mühe daraus hergeleitet werden. Zu diesen
Hauptvollkommenheiten rechne ich, die Klarheit, die Wahrheit, und
das Leben. Ich könnte auch die Gewißheit noch hinzuthun. Allein da
sie der Inbegriff der Klarheit und der Wahrheit ist, so übergehe ich
sie ohne Schaden. Kurtz, ein feuriger Schertz muß in hohem Grade
klar, richtig, und lebendig seyn.
§. 68.
Die Klarheit einer sinlichen Vorstellung wird entweder vermehrt
durch die geringere Dunckelheit ihrer Theile, oder durch die Menge
der Theile und Merckmaale, die in ihr enthalten sind. Beyde
Vollkommenheiten müssen bey einem feurigen Schertze verbunden
werden. Die letzte wird insonderheit die Lebhaftigkeit genennt. Ein
feuriger Schertz muß uns sehr vieles auf einmal vorstellen. Er muß
unserm Auge die Aussicht in ein Feld eröfnen, dessen Ende es vor
Menge der Gegenstände nicht gewahr werden kan. Wir müssen
durch den Schertz von einem Chaos der Begriffe überhäuft werden
dessen Entwickelung wir entweder vorzunehmen nicht Zeit haben,
oder in der Geschwindigkeit nicht anzufangen wissen. Eine jede
dieser Vorstellungen muß zwar nicht völlig klar, aber auch nicht
vollkommen dunckel seyn. Ich habe nicht nöthig zu zeigen, wie diese
Schönheit der Schertze könne hervorgebracht werden. Das ist nicht
nur von meinem jetzigen Zweck entfernet, sondern ich glaube auch,
daß es nicht eben nöthig sey. Wer nur die Schönheiten der Schertze,
die ich bisher abgehandelt habe, zu erhalten sucht, sonderlich die
erste bis zur vierten, der wird in seinem Schertze eine unendliche
Mannigfaltigkeit hervorbringen. Weiß er sie nun dem Zuhörer
dergestalt vorzustellen, daß dieser sie gewahr wird, so bekommt sein
Schertz die nöthige Lebhaftigkeit.
§. 69.
Die Lebhaftigkeit eines Schertzes muß vermindert werden, oder
wohl gar verlohren gehen, wenn er zu weitläuftig und zu lang ist.
Die Kürtze desselben ist mit seiner Lebhaftigkeit nothwendig
verbunden. Wenn der Schertz zu lang ist, so wird er entwickelt und
deutlich, er bleibt also keine sinliche Vorstellung mehr. Die Theile des
Schertzes werden der Aufmercksamkeit nach und nach vorgestelt,
und man hat Zeit ein Stück nach dem andern zu überdencken.
Folglich empfinden wir nicht dasjenige Licht, und die angenehme
Verwirrung, welche durch nichts anders möglich ist, als wenn man
auf einmal mit Begriffen überhäuft wird. Es verhält sich wie mit den
Lichtstrahlen. So lange dieselben zerstreut bleiben, bringen sie zwar
ein Licht hervor, welches aber lange nicht so starck und
durchdringend ist, als wenn sie durch einen Brenspiegel gesamlet,
und in einen Punct gedrengt werden. Folglich muß ein Schertz zwar
sehr vieles in sich fassen, aber dasselbe nicht durch eine weitläuftige
Vorstellung zerstreuen, sondern mit einemmal dem Gemüth
vorstellen. Man kan auch mit wenig Worten sehr viel sagen. Wenige
Vorstellungen sind oft ein Inbegriff unendlich vieler andern. Bey
einem Schertze muß ungleich mehr gedacht als gesagt werden. Man
muß dem Zuhörer nur Gelegenheit geben, und dabey zwingen selbst
nachzudencken.
Est breuitate opus, vt currat sententia, neu se
Impediat verbis lassas onerantibus aures.
Hor. Satt. L. I. Sat. X.
§. 70.
Wenn man die nöthige Klarheit und Kürtze in einem Spasse zu
gleicher Zeit erhalten will, so muß er sich zu den Umständen, in
welchen wir uns eben befinden, vollkommen schicken. Zu diesen
Umständen rechne ich die Personen mit denen wir umgehen nebst
allen ihren Umständen, die Zeit, den Ort, die Reden und
Erzählungen, mit denen die Gesellschaft unterhalten wird. Mit einem
Wort, den gantzen Zustand in welchen wir uns mit unsern Zuhörern
befinden. Alle diese Umstände müssen die Vignette seyn, und unser
Schertz die Devise. Diese Umstände müssen also den völligen Grund,
die Veranlassung, und die ganze Erklärung unseres Scherzes
enthalten. Dadurch erhalten wir die Klarheit unseres Schertzes. Ein
jeder versteht ihn, und unser Schertz kommt so zu gelegener Zeit,
und er paßt sich so genau, daß wir nicht nur beweisen, daß wir den
Schertz erst selbst erfunden, sondern wir brauchen auch sehr wenig
zu sagen, und wir werden doch verstanden. Ueberdies so entsteht
aus dieser Eigenschaft des Schertzes ein Vergnügen, weil diese
Uebereinstimmung mit allen Umständen eine Vollkommenheit ist, die
den Schertz angenehm machen muß.
Dulce est desipere in loco.
Hor. Carm. L. III. od. XII.
Die schönsten Schertze in dieser Art sind ohnfehlbar diejenigen,
welche sich so genau zu den Umständen schicken, daß sie in keinem
andern Zustande unverändert können angebracht werden. Denn, da
in der Welt nicht zwey Zeiten möglich sind die völlig einerley wären,
so ist es ein Beweiß, daß ein Schertz nicht den höchsten Grad dieser
Vollkommenheit besitzt, oder daß er nicht allen Umständen völlig
gemäß ist, wenn er mehr als einmal angebracht werden kan. Ein
vollkommen glücklicher Spaß kan also nur ein einziges mal
angebracht werden, wenn er gar nichts von seinem Feuer verliehren
soll. Durch diese Eigenschaft erhält man auch die Lebhaftigkeit eines
Schertzes noch auf eine andere Art. Wenn der Schertz so genau mit
allen Umständen übereinstimmt, so muß der so den Spaß einsieht,
den ganzen Umfang seines Zustandes sich auf einmal vorstellen. Wie
viel, ja unendlich viel, enthält nicht unser Zustand in einem jeden
Augenblicke? Muß also der Schertz dadurch nicht eine unendliche
Mannigfaltigkeit erhalten? Wider diese Regel versündigen sich alle
spaßhafte Köpfe, die zu phlegmatisch sind, auf eine lächerliche Art.
Sie haben das Unglück, von einer gewissen Langsamkeit beherrscht
zu werden, vermöge welcher sie zur Auswickelung ihrer Gedancken
zu viel Zeit brauchen. Der Fluß ihrer Umstände ist für sie zu schnell,
sie können der Geschwindigkeit desselben in ihren Gedancken nicht
folgen, und sie sind gezwungen sich bey manchen Umständen zu
verweilen, die alsdann längst vorbey sind, wenn sie sie erst recht
gewahr werden. Diese Köpfe kommen mit ihren spaßhaften Einfällen
immer zu spät. Die Gesellschaft hat das schon wieder vergessen,
worauf sie ihren Schertz gründen, und sie machen sich lächerlich,
wenn sie die Gesellschaft nöthigen wollen, ihnen zu gefallen sich
wieder auf das vorhergehende zu besinnen. Wem erst nachher ein
Schertz einfält, wenn die Gelegenheit vergangen ist, der unterdrücke
ihn ja, wenn er anders nicht die Trägheit seines Witzes auf eine
lächerliche Art verrathen will.
§. 71.
Ein Schertz verliehrt nothwendig seine Schönheit wenn er
deutlich ist, und in so fern er deutlich ist. Ein jeder deutlicher Begriff
führt eine Ueberlegung mit sich, durch welche man sich den gantzen
Begriff, nicht auf einmal, sondern Stückweise, und nach und nach,
vorstelt. Ein deutlicher Schertz verliehrt die Lebhaftigkeit, die ihn so
schön macht. Man kan das von allen Schönheiten sagen. So bald wir
einen deutlichen Begriff von einer Schönheit erlangen, so bald
verschwindet das schöne, als welches nur in der Verwirrung des
Begriffs liegt. Man lasse einen Meßkünstler das schönste Gesicht
ausmessen, und die Proportionen aller Theile und Züge desselben in
Zahlen ausdrucken, man lasse ihn die Lage aller Theile und Züge
nach geometrischen Gründen bestimmen. Ich glaube nicht, daß sich
jemand in ein solches abgeschriebenes Gesicht verlieben würde.
Man lasse aber eben dieses Gesicht von einem Mahler abmahlen, so
wird es in seinem völligen Glantze erscheinen. Soll also ein Schertz
eine schöne sinliche Vorstellung bleiben, so muß er nicht durch den
Verstand betrachtet werden, so lange er diese seine Schönheit
behalten soll. Ein Schertz muß nothwendig frostig werden, den der
schertzende mit einem weitläuftigen Commentarius begleitet. Das
muß man den Zuhörer selbst überlassen, der mag den Schertz in
seinem Gemüth so weitläuftig zergliedern, wie er es selbst für gut
befindet. Es ist auch eine Art der Unverschämtheit, die ein
spaßhafter Kopf gegen seine Zuhörer blicken läßt, wenn er ihnen
seinen Schertz erklärt. Er gibt zu verstehen, daß er ihnen nicht
Einsicht genug zutraue, die Stärcke seines Schertzes zu begreiffen.
Es ist eine sehr beschwerliche Mode mancher schertzhaften Köpfe,
daß sie so gefällig sind, und ihrem Zuhörer die Mühe des
Nachdenckens überheben wollen. Es schmeckt dieß Verhalten zu
sehr nach Eigenliebe, und Einbildung, als daß es gefallen solte. Ein
Schertz der einen Commentarius nöthig hat, oder gleich damit
versehen wird, ist in beyden Fällen frostig. Noch viel abgeschmackter
ist ein anderer Fehler, den ich nur beyläufig berühre. Es sind
manche, die selbst zu schertzen ungeschickt sind, so gefällig gegen
die Gesellschaft, daß sie die Schertze, die andere in derselben
vortragen, mit Noten erläutern. Man könnte diese Leute die
Scholiasten spaßhafter Köpfe nennen. Sie begehen einen doppelten
Fehler. Sie beweisen sich nicht nur unbescheiden gegen die
Gesellschaft, indem sie in der Meinung zu stehen den Schein geben,
daß sie allein die Stärcke des Schertzes begriffen, sondern sie
machen auch die Schertze eines andern, so viel an ihnen ist, frostig.
§. 72.
Ein Schertz der lebhaft seyn soll muß in einem hohen Grade klar
seyn. Wenn er demnach dunckel ist, und gar nicht eingesehen wird,
so hört er auf, ein Schertz zu seyn. Man kan also sagen, daß ein
Schertz in so fern er dunckel ist, gar kein Schertz sey. Es ist ein
Fehler eines Schertzes wenn er dunckel ist, und ohne Noten und
Commentarius nicht verstanden werden kan. Ich sage nicht, daß ein
Schertz von allen Leuten müsse verstanden werden, denn so müste
er gewiß sehr frostig und abgeschmackt seyn, weil dieser allgemeine
Begriff das Unglück hat, sehr abgeschmackte Köpfe unter sich zu
begreiffen. Sondern ich behaupte, daß ein feuriger Schertz keinem
witzigen Kopfe, der die Umstände weiß, in welchen er vorgetragen
worden, dunckel seyn müsse. Es können dahin alle die Schertze
gerechnet werden, die gar zu weit hergeholt sind, die gar zu sehr
erzwungen werden, und bey denen man gar zu viel nachdencken
muß, ehe man sie einsehen kan. Dieser Fehler hat mannigfaltige
Ursachen. Wenn ein schertzhafter Kopf seine Schertze nicht nach der
Gelegenheit einrichtet; wenn in den Umständen gar keiner, oder
doch ein sehr unmercklicher, Grund zum Schertze vorhanden ist;
wenn die Gedancken bey dem Schertze, aus welchen die übrigen
leicht fliessen, verschwiegen werden, und diejenigen vorgetragen
werden, aus welchen sehr schwer das übrige erkannt werden kan;
wenn die Vergleichungsstücke sehr klein und unmercklich sind u. s.
w. so wird er ausser dem Gesichtskreyse der allermehresten Zuhörer
angetroffen werden. Ein glücklicher Schertz muß ungezwungen seyn,
leicht eingesehen werden können, und das schertzhafte dergestalt
entdecken, daß man dem Zuhörer, als der sich gerne belustigen will,
nicht die Mühe macht, den Kopf zu sehr zu zerbrechen. Es sind
manche Köpfe, die mitten in Gesellschaften doch allein sind. Sie
haben ihre eigenen Reihen der Vorstellungen, und wenn ihnen
alsdenn was schertzhaftes einfält, so tragen sie es ohne Bedencken
vor, und wundern sich, wenn andere nicht mitlachen. Sie solten erst
die Gütigkeit haben, und ihre vorhergehenden Vorstellungen
vortragen, oder die Gefälligkeit gegen die Gesellschaft beweisen,
und mit Leib und Seel unter ihr gegenwärtig seyn.
§. 73.
Die Wahrheit eines Schertzes ist eine so nothwendige Eigenschaft
desselben, daß man sagen kan, ein falscher Schertz sey gar kein
Schertz. Ein Schertz, der in einem gantz unrichtigen und falschen
Gedancken besteht, kan zwar so lange einen Schein und Glantz
haben, so lange wir in Irrthum stecken. Allein sein Feuer gleicht dem
Feuer eines Irlichts. So lange man dasselbe von ferne sieht, hält
man es für ein Feuer dem Scheine nach, betrachtet man es aber in
der Nähe, so werden wir den Betrug gewahr. Man kan also sagen,
daß ein Schertz, der in einem falschen Gedancken besteht, kein
dauerhaftes Feuer habe. Sein Feuer verschwindet, so bald wir
unsern Irthum gewahr werden. Ein falscher Gedancke ist ja
eigentlich kein Gedancke, er ist ein Blendwerck, ein Hirngespinst,
das man nicht zu genau und zu nahe betrachten muß, wenn man es
lange besitzen will. Könnte also wol ein Schertz in der That ein
Schertz, oder wol gar ein feuriger Schertz seyn, der in einem
falschen Gedancken besteht? Nichts weniger als das, er ist ein
Scheinschertz, der keinen Grund keine Dauer bey der Probe behalten
kan. Ich sage also, daß ein feuriger Schertz in einem wahren und
richtigen Gedancken bestehen müsse. Da nun der Gedancke, der
den Schertz unmittelbar und zunächst ausmacht, die Vorstellung der
Uebereinstimmung verschiedener Dinge ist, so wird zur Wahrheit des
Schertzes nicht nur erfodert, daß die Dinge, die wir uns als
verschieden vorstellen, in der That diese Verschiedenheit haben,
sondern, daß sie auch in den Stücken mit einander übereinkommen,
nach welchen wir sie vergleichen. Ein Schertz muß also im Grunde
frostig seyn, wenn er uns Dinge als verschieden vorstelt, in so ferne
sie entweder gar nicht, oder doch nicht so wie wir sie uns vorstellen
verschieden sind; und wenn er uns Dinge als übereinstimmig
vorstelt, in so ferne sie entweder gar nicht, oder doch nicht so wie
wir sie uns vorstellen, übereinkommen. Kurtz, ein feuriger Schertz
muß uns solche Uebereinstimmungen und Verschiedenheiten
vorstellen, die den Dingen würcklich zukommen.
§. 74.
Meine Meinung von der Wahrheit der Schertze, die ich in dem
vorhergehenden Absatze vorgetragen, widerspricht den
Kunstrichtern nicht, welche den Unwahrheiten in den Schertzen
einen Platz verstatten. Cicero gehört dahin, welcher im andern
Buch vom Redner sagt: Perspicitis hoc genus quam sit facetum, quam
elegans, quam oratorium, siue habeas vere quod narrare possis, quod tamen est
mendaciunculis aspergendum, siue fingas. Diese Kunstrichter betrachten
den Schertz auf eine gantz andere Art. Wenn man von Schertzen
redet, so versteht man entweder die Dinge die man vergleicht,
worüber man schertzet, und von denen man den Schertz entlehnt;
oder man versteht den Gedancken selbst in welchen das
schertzhafte besteht, die Vergleichung verschiedener Dinge. In der
letzten Absicht muß, meines Erachtens, kein unrichtiger Gedancke,
und wenn er auch ein mendaciunculum wäre, in dem Schertze
vorkommen. In der ersten Absicht muß man anders urtheilen. Da
können also die Dinge womit man schertzet, auch wahr seyn, oder
sie sind falsch und erdichtet. Wenn diese Dinge auch wahr sind, so
ist der Schertz durch und durch wahr, und enthält nicht den
geringsten unrichtigen Gedancken, und diese Wahrheit nennet man
die unbedingte Wahrheit eines Schertzes.
§. 75.
Die bedingte Wahrheit eines Schertzes besteht darin, wenn die
Dinge, womit man schertzet, falsch, erdichtet und unrichtig sind,
wenn aber dem ohnerachtet der Schertz die §. 73. erfoderte
Wahrheit hat. Der schertzende und seine Zuhörer, können entweder
durch einen Irrthum diese Dinge auch für wahr halten, oder sie
könnens wissen, daß sie falsch sind, und diese Dinge erdichten. Zu
jenen gehören die Schertze welche die Heyden von ihren Gottheiten
und andern Fabeln entlehnt haben. Dahin man den berühmten Spaß
mit der Diana rechnen kan, den man bey den alten antrift. In der
Nacht, da der Tempel der Diane zu Ephesus verbrante, wurde
Alexander der grosse gebohren. Man fragte warum Diane ihren
Tempel nicht gerettet, und man bekam zur Antwort, weil sie nicht zu
Hause gewesen, sondern der Olympias bey der Geburt beystehen
müssen. Diese Schertze die eine bedingte Wahrheit haben, kan man
durchaus nicht verwerffen, man müste denn allen Fabeln und
Erdichtungen alle Schönheiten absprechen. Nein, wenn ein solcher
Schertz nur die §. 73. angeführte Wahrheit hat, so kan er überaus
feurig seyn. Nur müssen dabey die Regeln einer guten Fabel und
Erdichtung beobachtet werden. Ein Schertz, der eine bedingte
Wahrheit hat, muß den Regeln völlig gemäß seyn, die man in der
Dichtkunst von der Wahrscheinlichkeit der Fabeln gibt. Ich habe
demnach nicht nöthig Regeln davon zu geben. Man beobachte nur
die Vorschrift des Horatz:
Ficta voluptatis causa sint proxima veris.
Art. poet.
§. 76.
Meinem Urtheil nach, gebe ich doch einem Schertze der
unbedingt wahr ist, den Vorzug vor denjenigen, die nur unter
gewissen Bedingungen wahr sind. Ich habe darzu verschiedene
Ursachen. Eine jede Unwahrheit ist doch ein unvollkommener
Gedancke als eine Wahrheit. Ein Schertz mag so feurig seyn wie er
will, wenn er nur unter Bedingungen wahr ist, so hat er keine
wahren und richtigen Gründe, worauf er beruht. Ueberdem so
scheint mir der Witz nicht so starck zu seyn, der sich den Stoff zu
spassen erdichtet. Er kan nach seinem Gefallen dichten, weglassen,
und hinzuthun was ihm gefält, folglich ist es kein Wunder, daß ihm
sein Schertz gelingen muß. Es scheint überdies, als wenn ein solcher
spaßhafter Kopf seinen Schertz vorher ausdenckt, und alsdenn erst
die Materialien dazu erfindet. Er scheint einem Menschen ähnlich zu
seyn, der seinen Vortrag erst ausarbeitet, und hernach den Text
dazu aussucht. Gantz anders verhält sichs im entgegen gesetzten
Falle. Unser Witz ist alsdenn schlechterdings an die Sachen
gebunden, er muß in der Geschwindigkeit sich so zu biegen wissen,
daß er auf die Dinge paßt, denn es wird nichts seinem Willkühr
überlassen. Ich gebe gerne zu, daß ein Schertz der eine bedingte
Wahrheit hat, bisweilen unendlich feuriger seyn kan, als ein anderer,
sonderlich wenn der schertzende die Dinge nicht selbst erdichtet,
sondern schon längst bekannte Fabeln braucht. In diesem letzten
Falle, gibt er einem schlechterdings richtigen Schertze sehr wenig
nach. Ich sage nur, wenn zwey Schertze sonst vollkommen gleich
sind, und der eine ist unbedingt wahr, der andere aber nur unter
gewissen Bedingungen, so ist der erste feuriger als der andere. Ein
Witz, der in dem Reiche der Wahrheiten keinen Stoff zum Schertze
finden kan, scheint mir nicht durchdringend und scharfsichtig genug
zu seyn, als zu einem recht feurigen Witze nöthig ist.
§. 77.
Das Leben der Erkenntniß besteht in dem Vergnügen oder
Verdrusse, so damit verbunden ist. Soll also ein Schertz lebendig
genug seyn, so muß er entweder Vergnügen, oder Verdruß bey den
Zuhörern erwecken. Das letzte wolte ich eben nicht sagen. Ich will
balde erweisen, daß das Lachen über einen feurigen Schertz aus
Vergnügen entstehen müsse. Ich gebe zu, daß die Personen über die
man schertzt verdrieslich werden können, wenn sie lächerlich
gemacht werden. Es kan auch seyn, daß durch unsern Schertz,
mittelbar ein Verdruß verursacht wird, wenn wir zu dem Ende etwas
durch unsern Schertz lächerlich gemacht haben, damit es unsere
Zuhörer verabscheuen sollen. Dem sey wie ihm wolle, so nehme ich
an, daß das Lachen, welches wir zunächst durch unsern Schertz
hervorzubringen suchen, mit Vergnügen verbunden seyn müsse.
Non satis est pulcra esse poemata: dulcia sunto
Et quocunque volent, animum auditoris agunto.
Hor. art. poet.
Ich sage eben das von einem feurigen Schertze. Erweckt er in
unsern Zuhörern Vergnügen und Lust, so hören sie uns gerne zu, wir
machen sie uns geneigt, und sie sind uns Danck schuldig, daß wir
ihnen so was vergnügtes vorgesagt haben. Je mehr Vergnügen ein
Schertz also verursacht, je mehr angenehme Gemüthsbewegungen
dadurch erregt werden, desto feuriger ist er.
§. 78.
Das Vergnügen entsteht aus der anschauenden Erkenntniß einer
Vollkommenheit. Das Vergnügen, so durch einen Schertz verursacht
wird, entsteht demnach entweder aus dem Gefühl seiner formellen
Schönheit, oder seiner Materiellen. Von dem ersten rede ich jetzo,
und das scheint eine natürliche Frucht und Würckung eines feurigen
Schertzes zu seyn. Wenn ein Schertz einen hohen Grad der
Schönheit besitzt, wenn wir denselben dergestalt vortragen, daß der
Zuhörer die gantze Schönheit des Schertzes begreift und fühlt, so
muß er ihm gefallen und ein Vergnügen in ihm verursachen. Ein
Schertz der kein Vergnügen verursacht, muß entweder nicht feurig
genug seyn, oder von dem Zuhörer, aus seiner eigenen Schuld, nicht
begriffen werden, oder der Zuhörer muß ein Klotz seyn. In dem
ersten Falle ist die Mattigkeit des Schertzes eine Häßlichkeit
desselben, und es ist daraus klar, daß ich mit Grunde fodere, daß ein
feuriger Schertz nicht nur lebendig seyn, sondern auch keinen
Verdruß zunächst verursachen müsse. Zu gleicher Zeit erhellet, daß
ich nicht nöthig habe, besondere Regeln von dem Leben eines
Schertzes zu geben, weil ein Schertz der sehr feurig ist und den
Regeln, die ich bisher ausgeführt habe, gemäß ist, nothwendig
reizend seyn muß. Ein Schertz der von einem lebhaften feurigen und
muntern Kopfe, mit kaltem Blute kan angehöret werden, oder wol
gar mit Widerwillen, muß sehr frostig seyn, wenn anders keine
andere Ursach zum Verdrusse kan angegeben werden.
male si - - loqueris
Aut dormitabo, aut ridebo.
Hor. art. poet.
§. 79.
Ich habe zur achten Vollkommenheit eines feurigen Schertzes,
die Geschicklichkeit desselben, ein Lachen zu verursachen,
angenommen. §. 25. Ich habe schon einmal erinnert, daß meine
Meinung nicht darin besteht, als wenn ein Spaß würcklich müsse mit
einem lachen begleitet werden, noch viel weniger werde ich die
Grösse des Lachens bey einem Zuhörer, zum Merckmal der Grösse
und Stärcke eines feurigen Schertzes, annehmen. Es kan jemand
eine so ernsthafte Gemüthsfassung besitzen, daß er entweder gar
nicht, oder doch sehr selten lacht; dieser wird auch über den
feurigsten Schertz nicht lachen, ob er gleich noch so sehr dazu
gereitzt wird. Mancher kan einen sehr heftigen Trieb zum lachen
fühlen, und doch aus überwiegenden Gründen sich zwingen nicht zu
lachen. Jener lacht über Kleinigkeiten, über ein Nichts, daß ihm der
Othem vergeht, dieser lächelt nur bey den allerlächerlichsten
Dingen. Ich sehe mich also genöthiget, die Schönheit eines
Schertzes, die aus dem Verhältniß desselben zum lachen entspringt,
nur darin zu setzen, daß er etwas belachenswürdiges enthalte, und
dergestalt eingerichtet sey, daß ein Mensch der gerne und leicht,
doch nicht ohne Grund, lacht, durch denselben zu einen starcken
lachen sehr starck bewegt werde.
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