1. Was versteht man unter dem Begriff „Felderanalyse“ des deutschen Satzes?
Die Felderanalyse (auch Satzklammer-Modell genannt) hilft uns, einen deutschen Satz in
verschiedene Teile (Felder) einzuteilen. So kann man besser verstehen, wo im Satz die
Wörter stehen dürfen oder müssen.
Was stellen Baumdiagramme dar?
Baumdiagramme (auch Strukturbäume genannt) zeigen den Aufbau eines Satzes – also
welche Wörter zusammengehören (Konstituenten) und welche Funktion sie haben.
➡️Sie sind ein grafisches Hilfsmittel, um die grammatische Struktur eines Satzes klar zu
machen.
Baumdiagramme helfen vor allem in der Syntax (Teilgebiet der Linguistik), um:
1. Hierarchien im Satz sichtbar zu machen
– Man sieht nicht nur die Wortreihenfolge, sondern auch welche Teile zusammenge-
hören und untergeordnet oder übergeordnet sind.
– Zum Beispiel: Dass „ein Buch“ zum Verb „liest“ gehört, nicht zum Subjekt.
2. Strukturunterschiede zwischen Sätzen zu zeigen
– Auch wenn zwei Sätze ähnlich aussehen, können sie sich in der Struktur unterschei-
den. Baumdiagramme zeigen das klar.
3. Ambiguität (Mehrdeutigkeit) zu analysieren
– Ein Satz kann mehr als eine Bedeutung haben – mit Baumdiagrammen kann man
beide Interpretationen visuell darstellen.
4. Was ist der Unterschied zwischen einer lexikalischen Kategorie und einer funktionalen
Kategorie? (z. B. VP vs IP)
1. Lexikalische Kategorien
Das sind Kategorien, die Inhalt tragen. Sie bezeichnen Dinge, Handlungen, Eigenschaften
usw.
Sie stammen direkt aus dem Wortschatz (Lexikon) der Sprache.
2. Funktionale Kategorien
Das sind grammatische Kategorien – sie tragen keine eigene Bedeutung, sondern zeigen
grammatische Informationen an: Zeit, Person, Modus, Frage, Satzart usw.
1. Diskutieren Sie die Mehrdeutigkeit der folgenden Sätze:
a) Ich habe den Minister mit dem Fernglas gesehen
b) Jeder Matrose liebt ein Mädchen
a) „Ich habe den Minister mit dem Fernglas gesehen.“
Dieser Satz ist mehrdeutig wegen der strukturellen Ambiguität.
· Interpretation 1:
„Mit dem Fernglas“ beschreibt, wie ich den Minister gesehen habe.
→ Ich habe das Fernglas benutzt, um den Minister zu sehen.
· Interpretation 2:
„Mit dem Fernglas“ beschreibt den Minister näher.
→ Der Minister hatte ein Fernglas bei sich, und ich habe ihn gesehen.
b) „Jeder Matrose liebt ein Mädchen.“
Dieser Satz ist quantorenambig, das heißt, die Mehrdeutigkeit liegt in der Interpretation der
Quantoren „jeder“ und „ein“.
· Interpretation 1:
Für jeden Matrosen gibt es ein eigenes Mädchen, das er liebt.
→ Jeder Matrose liebt möglicherweise ein anderes Mädchen.
· Interpretation 2:
Es gibt ein bestimmtes Mädchen, das alle Matrosen lieben.
→ Alle Matrosen lieben dasselbe Mädchen.
Das semiotische Dreieck ist ein Modell aus der Sprach- und Zeichentheorie, das die
Beziehung zwischen Zeichen, Bedeutung und Referent erklärt.
Erklärung des semiotischen Dreiecks
Das Dreieck besteht aus drei Ecken:
1. Zeichen (Sign) – das Wort oder Symbol selbst, z. B. das Wort „Tisch“
2. Bezeichnetes (Concept / Bedeutung) – das mentale Bild oder der Begriff, den man mit
dem Zeichen verbindet, also die Vorstellung eines „Tisches“
3. Referent (Realweltobjekt) – das tatsächliche Objekt in der Realität, z. B. ein physischer
Tisch
3. Erklären Sie mithilfe der Begriffe Intension und Extension, warum der folgende Satz
merkwürdig ist, wenn dieser im Jahr 2025 geäußert wird:
a) Staatspräsident Macron trifft heute den König von Italien
Begriffe kurz erklärt:
· Intension: Die Menge der Merkmale oder Eigenschaften, die ein Begriff umfasst — also
seine Bedeutung oder konzeptuelle Beschreibung.
Beispiel:
o „König von Italien“ = jemand, der als König über Italien herrscht.
· Extension: Die Menge aller real existierenden Dinge (Objekte), auf die der Begriff
zutrifft.
Beispiel:
o Extension von „König von Italien“ im Jahr 2025 = alle tatsächlich existierenden
Könige von Italien.
Warum ist der Satz merkwürdig?
· Intension von „König von Italien“:
Es handelt sich um eine Person, die als König von Italien herrscht.
· Extension von „König von Italien“ im Jahr 2025:
Italien ist eine Republik seit 1946, hat keinen König mehr. Es gibt keine reale Person,
die aktuell diesen Titel trägt.
Fazit:
Der Satz klingt merkwürdig, weil die Intension des Begriffs „König von Italien“ klar ist (jemand,
der König ist), aber die Extension leer ist — es gibt im Jahr 2025 keinen König von Italien. Der
Satz verweist auf eine nicht existente Person, deshalb wirkt er unlogisch oder „merkwürdig“.
Bestimmen Sie die Aktionsart der folgenden Verben: schwimmen, einschlafen, geboren werden.
Zusammenfassung
Verb Aktionsart Kategorie Beschreibung
andauernde, dynamische Handlung ohne End-
schwimmen Atelisch Activity
punkt
einschlafen Telisch Achievement punktuelles, abgeschlossenes Ereignis
geboren werden Telisch Achievement punktuelles, abgeschlossenes Ereignis
1. Was versteht man unter „wahrheitsfunktionalem Aspekt der Bedeutung“?
Der wahrheitsfunktionale Aspekt der Bedeutung bezieht sich auf den Teil der Satzbedeu-
tung, der bestimmt, ob ein Satz wahr oder falsch ist.
· Er betrifft also, unter welchen Umständen die Aussage des Satzes in der Realität zutrifft
oder nicht.
· Man nennt es auch die propositionale Bedeutung eines Satzes — die Information, die
man als wahr oder falsch bewerten kann.
2. Bedeutung des Satzes „Hans gähnt“ repräsentieren
· Der Satz „Hans gähnt“ beschreibt eine Tatsache über eine Person (Hans) und eine
Handlung (gähnen).
· Die wahrheitsfunktionale Bedeutung lässt sich durch eine einfache logische Aussage
ausdrücken:
Ga¨hnen(Hans)Gähnen(Hans)Ga¨hnen(Hans)
· Diese Formel sagt aus: „Hans befindet sich im Zustand des Gähnens.“
· Der Satz ist wahr, wenn Hans tatsächlich gerade gähnt, und falsch, wenn nicht.
Zusammenfassung:
· Wahrheitsfunktionaler Aspekt: Bedeutet, dass ein Satz als wahr oder falsch bewertet
werden kann.
· Repräsentation von „Hans gähnt“: Ga¨hnen(Hans)Gähnen(Hans)Ga¨hnen(Hans),
eine Prädikatslogik-Aussage, die angibt, dass Hans gähnt.
6. Warum ist (b) ungrammatisch? (schwierig!)
a) Spielkarten sind auf dem Tisch verstreut
b) *Die Spielkarte ist auf dem Tisch verstreut
(Tipp: Merkmalssemantik)
Warum ist (b) ungrammatisch?
Das Problem liegt in der Bedeutung von „verstreut sein“ und der damit verbundenen Merk-
malssemantik des Subjekts.
Merkmalssemantik von „verstreut sein“
· Das Adjektiv bzw. Partizip „verstreut“ impliziert, dass etwas in Einzelteilen oder vie-
len Teilen verteilt vorliegt.
· Es ist ein kollektivisch distributives Prädikat: Es beschreibt eine Situation, in der
mehrere Einzelobjekte in einer zerstreuten Anordnung sind.
Analyse von Satz (b)
· „Die Spielkarte“ ist Singular und bezeichnet nur eine einzige Karte.
· Eine einzelne Karte kann nicht verstreut sein, weil „verstreut“ eine zerstreute Anord-
nung mehrerer Objekte voraussetzt.
· Das Merkmal [plural, verteilt] fehlt hier. Ein einzelnes Objekt kann nicht verteilt oder
zerstreut sein.
· Daher ist der Satz semantisch unpassend und als Folge auch ungrammatisch
markiert.
Fazit
· „Verstreut sein“ verlangt ein Subjekt mit dem Merkmal Pluralität bzw. „Mehrzahl von
Einheiten“.
· Singularobjekte erfüllen dieses Merkmal nicht und können daher nicht als „verstreut“
beschrieben werden.
· Deshalb ist Satz (b) ungrammatisch.
1. Unterscheiden Sie Erstspracherwerb von Zweitspracherwerb.
1. Erstspracherwerb (L1-Erwerb)
· Definition:
Der Prozess, bei dem ein Kind seine Muttersprache oder die erste Sprache in der
frühen Kindheit natürlich und intuitiv erwirbt.
· Merkmale:
o Findet meist unbewusst und automatisch statt.
o Erfolgt in einer natürlichen Umgebung (Familie, Umfeld).
o Kinder durchlaufen typische Entwicklungsphasen (Lallen, Einwortphase, Zwei-
wortphase, usw.).
o Erfolgt in der Regel bis etwa zum 3.-5. Lebensjahr.
· Beispiel:
Ein Kind wächst in einer deutschsprachigen Familie auf und lernt Deutsch als erste
Sprache.
2. Zweitspracherwerb (L2-Erwerb)
· Definition:
Der Prozess, bei dem eine Person eine zusätzliche Sprache (nicht die Muttersprache)
nach dem Erwerb der ersten Sprache lernt.
· Merkmale:
o Kann in jedem Alter stattfinden (Kind, Jugendlicher, Erwachsener).
o Oft bewusster und kontrollierter als Erstspracherwerb (z.B. im Unterricht).
o Kann durch Einfluss der Erstsprache beeinflusst werden (Interferenzen).
o Lerner haben meist schon eine ausgebildete Sprachkompetenz in der L1.
· Beispiel:
Ein Erwachsener lernt Englisch als zweite Sprache.
2. Was meinen wir, wenn wir sagen, dass Protowörter der Kinder eine konstante
Bedeutung haben? (Tipp: Extension)
Erklärung:
· Protowörter sind frühe, oft noch unvollständige oder „kreative“ Wörter von Kindern, die
eine bestimmte Bedeutung oder Funktion haben, obwohl sie noch keine korrekten
Wörter der Erwachsenen sind.
· Wenn wir sagen, dass Protowörter eine konstante Bedeutung haben, meinen wir, dass
ein bestimmtes Protowort von einem Kind immer dasselbe meint — es ist also seman-
tisch stabil.
Bezug zur Extension:
· Die Extension eines Wortes ist die Menge der realen Dinge oder Situationen, auf die
sich dieses Wort bezieht.
· Ein Protowort hat eine konstante Extension, d.h. das Kind benutzt das Protowort im-
mer für denselben Referenten oder dieselbe Gruppe von Objekten.
· Beispiel: Ein Kind sagt immer „ba“ für sein Lieblingsspielzeugauto. Dieses Protowort
bezieht sich konstant auf genau dieses Objekt oder eine ganz bestimmte Kategorie (z.
B. alle Autos).
Kurz gesagt:
· Konstante Bedeutung heißt, dass das Protowort in einem stabilen Bezug zur Außen-
welt steht.
· Das Kind verwendet das Protowort immer für dasselbe Objekt oder denselben
Sachverhalt (gleiche Extension).
· Dadurch sind Protowörter frühe, aber noch nicht vollständige Wörter mit einer klaren
Zuordnung in der Wirklichkeit.
4. Empirische Methode: Beschreiben Sie das „Nuckelexperiment“. Fallstudie: Ein italienis-
ches Kind wird verschiedenen Betonungsmustern ausgesetzt (trochäisch / jambisch):
was erwarten wir?
Was ist das Nuckelexperiment?
· Eine Methode zur Untersuchung der Sprachwahrnehmung von Babys, speziell wie sie
Betonungsmuster und prosodische Eigenschaften erkennen.
· Babys bekommen einen Nuckel (Schnuller), der an ein Messgerät angeschlossen ist,
das die Saugfrequenz misst.
· Man misst, wie oft und wie lange das Baby saugt, wenn es verschiedene akustische
Reize (z.B. Betonungsmuster) hört.
Wie funktioniert das?
· Babys saugen in der Regel häufiger oder intensiver bei neuen oder interessanten Stimuli
(habituations-dishabituations Methode).
· Wenn Babys ein bestimmtes Betonungsmuster gewohnt sind und dann ein neues hören,
verändert sich ihr Saugverhalten (z.B. sie saugen mehr).
· So kann man ableiten, welche Betonungsmuster Babys bevorzugen oder unterscheiden
können.
Fallstudie: Italienisches Kind und Betonungsmuster (trochäisch vs. jambisch)
· Betonungsmuster:
o Trochäisch: betonte Silbe gefolgt von unbetonter (z.B. „Mutter“)
o Jambisch: unbetonte Silbe gefolgt von betonter (z.B. „gehen“ in manchen Kon-
texten)
· Italienische Sprache: überwiegend trochäisch geprägt (betonte erste Silbe)
Was erwarten wir?
· Ein italienisches Kind wird an trochäische Muster gewöhnt sein.
· Beim Hören von trochäischen Mustern zeigt es ein normales, habituelles Saugverhal-
ten.
· Bei jambischen Mustern (ungewöhnlich/unbekannt) erwarten wir eine Dishabituation:
also vermehrtes Saugen, weil das Muster neu oder überraschend ist.
· Das Kind kann also zwischen den beiden Betonungsmustern unterscheiden und
bevorzugt das muttersprachliche (trochäische) Muster.
Fazit
· Das Nuckelexperiment zeigt, dass Babys schon sehr früh sensitiv für prosodische Merk-
male ihrer Muttersprache sind.
· In der Fallstudie erwartet man, dass das italienische Kind das trochäische Muster
bevorzugt und das jambische Muster als neu erkennt.