Religionen
Die Kathedrale Notre-Dame in Reims gilt als eine der
architektonisch bedeutendsten gotischen Kirchen Frankreichs und ist UNESCO-Welterbe.
Frankreich ist offiziell ein laizistischer Staat, das heißt, Staat und
Religionsgemeinschaften sind vollkommen voneinander getrennt. Da von staatlicher
Seite keine Daten über die Religionszugehörigkeit der Einwohner erhoben werden,
beruhen alle Angaben über die konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung
auf Schätzungen oder den Angaben der Religionsgemeinschaften selbst und
weichen deshalb oft erheblich voneinander ab, weshalb auch die folgenden Zahlen
mit Vorsicht zu behandeln sind.
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In einer Umfrage von Le Monde des religions bezeichneten sich 51 Prozent der
Franzosen als katholisch, 31 Prozent erklärten, keiner Religion anzugehören, und
etwa 9 Prozent gaben an, Muslime zu sein. 3 Prozent bezeichneten sich
als Protestanten. Fast alle protestantischen Kirchen in Frankreich, von denen
die Vereinigte Protestantische Kirche Frankreichs die mitgliederstärkste ist, arbeiten
im Französischen Evangelischen Kirchenbund zusammen. Ein Prozent bezeichneten
sich als Juden. Dies entspricht auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet 32 Millionen
Katholiken, 5,7 Millionen Muslimen, 1,9 Millionen Protestanten und 600.000 Juden
sowie 20 Millionen Nichtreligiösen. 6 Prozent machten andere oder keine Angaben.
Unter den Katholiken ist laut Umfragen nur ein geringer Teil tatsächlich gläubig und
praktizierend, allerdings sind umgekehrt auch Strömungen des katholischen
Traditionalismus in Frankreich stark vertreten. Außerdem leben in Frankreich,
bedingt durch Zuwanderung aus Osteuropa und dem Nahen Osten, etwa eine
Million Orthodoxe und Angehörige orientalisch-orthodoxer Kirchen. Vorrangig aus
dem ehemaligen Französisch-Indochina stammten die Vorfahren der etwa
600.000 Buddhisten. Weiterhin gibt es eine größere Zahl an Hindus.
Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission im Rahmen
des Eurobarometers ergab 2020, dass für 26 Prozent der Menschen in Frankreich
Religion wichtig ist, für 25 Prozent ist sie weder wichtig noch unwichtig und für 48
Prozent ist sie unwichtig.[48]
Schätzungen der 2018 veröffentlichten Swiss Metadatabase of Religious
Affiliation (SMRE) gehen für den Zeitraum 2000 (1996 bis 2005) von 51,7 Prozent
Katholiken, 2,3 Prozent Protestanten, 0,2 Prozent Orthodoxen, 0,5 Prozent Juden,
0,5 Prozent Muslimen, 44,2 Prozent Personen ohne Religionszugehörigkeit und
0,6 Prozent Anderen aus.[49] Für den Zeitraum 2010 (2006 bis 2015) gehen die
Schätzung der SMRE von 40 Prozent Katholiken, 1,7 Prozent Protestanten,
0,3 Prozent Orthodoxen, 0,8 Prozent anderen Christen, 0,3 Prozent Juden,
5,1 Prozent Muslimen, 50,5 Prozent Personen ohne Religionszugehörigkeit und
1,3 Prozent Anderen aus.[50]
Christliche Konfessionen
→ Hauptartikel: Römisch-katholische Kirche in Frankreich, Vereinigte
Protestantische Kirche Frankreichs und Französischer Evangelischer Kirchenbund
Historisch war Frankreich lange Zeit ein katholisch dominierter Staat.
Seit Ludwig XI. († 1483) trugen die französischen Könige mit Einverständnis des
Papstes den Titel eines roi très chrétien (allerchristlichsten Königs). In der
Reformationszeit blieb Frankreich immer mehrheitlich katholisch, auch wenn es
starke protestantische Minderheiten (Hugenotten) gab. Diese mussten aber
spätestens nach der Bartholomäusnacht 1572 die Hoffnung auf ein protestantisches
Frankreich aufgeben. Als der Protestant Heinrich von Navarra Thronerbe Frankreichs
wurde, trat er aus politisch-taktischen Gründen zum katholischen Glauben über
(Paris vaut bien une messe, „Paris ist eine Messe wert“), garantierte aber gleichzeitig
im Edikt von Nantes 1598 den Protestanten Sonderrechte und insbesondere
Religionsfreiheit. Das Edikt von Nantes wurde 1685 unter Ludwig XIV. wieder
aufgehoben, was trotz schwerster Strafandrohungen zu einer Massenflucht der
Hugenotten ins benachbarte protestantische Ausland führte. Erst kurz vor
der Französischen Revolution erhielten die Protestanten eine begrenzte
Glaubensfreiheit zugestanden. Die Französische Revolution hob dann alle
Beschränkungen der Glaubensfreiheit auf. Es kam in den Jahren nach der
Revolution in der Ersten Französischen Republik zu einer kurzen Phase einer
heftigen Kirchenfeindlichkeit, da die katholische Kirche als Vertreterin des Ancien
Régime gesehen wurde. Nicht nur die Privilegien der Kirche, sondern sogar der
christliche Kalender und Gottesdienst wurden abgeschafft und durch
einen Revolutionskalender bzw. einen „Kult des höchsten Wesens“ ersetzt.
Unter Napoleon Bonaparte kam es mit dem Konkordat von 1801 aber wieder zu
einem Ausgleich zwischen katholischer Kirche und Staat. Unter
der bourbonischen Restauration nach 1815 gewannen die katholisch-
monarchistische Ideen wieder die Oberhand: So wurden die 1823 zur
Niederschlagung der liberalen Revolution nach Spanien entsandten bourbonischen
Truppen als die „100.000 Söhne des heiligen Ludwig“ bezeichnet, die jesuitische
Mission in Übersee wurde gefördert.
In der Dritten Republik ergab sich erneut ein Konflikt zwischen Kirche und Staat.
Letztlich war dieser Konflikt Teil der Auseinandersetzungen zwischen den
republikanischen, „liberalen“ Kräften auf der einen Seite und
restaurativen, konservativen Strömungen, die einen autoritären Umbau des Staates
bis hin zur Wiedereinführung der Monarchie anstrebten, auf der anderen. Die
katholische Kirche als Institution wurde zu den letzten gerechnet, und viele
Republikaner nahmen ausgesprochen antiklerikale Standpunkte ein. Mit dem am
9. Dezember 1905 verabschiedeten Gesetz zur Trennung von Kirche und
Staat wurden der Kirchenbesitz weitgehend enteignet und die strikte Trennung von
Kirche und Staat festgeschrieben.[51] Da die heutigen
drei Départements Moselle, Haut Rhin und Bas Rhin damals als Reichsland Elsaß-
Lothringen zum Deutschen Kaiserreich gehörten, fand das Gesetz dort keine
Anwendung und wurde auch später, als Elsaß-Lothringen nach dem Ersten Weltkrieg
1918 wieder zu Frankreich kam, dort nicht eingeführt. Dort gilt bis heute im
Wesentlichen die Regelung von 1801. Katholische Priester, protestantische Pfarrer
und jüdische Rabbiner werden in diesen drei Départements vom französischen Staat
bezahlt und an öffentlichen Schulen wird katholischer und protestantischer
Religionsunterricht angeboten. Außerdem sind die kirchlichen
Feiertage Karfreitag und zweiter Weihnachtsfeiertag dort weiterhin arbeitsfreie
Feiertage.
Judentum und Islam
→ Hauptartikel: Geschichte der Juden in Frankreich und Islam in Frankreich
Die Große Synagoge in Paris
Die jüdische Gemeinschaft in Frankreich hat eine wechselhafte Geschichte. Seit der
Römerzeit lebten Juden in Frankreich. Sie wurden jedoch in zwei Wellen 1306
unter Philipp IV. und 1394 unter Karl VI. alle des Landes verwiesen. Über viele
Jahrhunderte gab es danach kaum ein jüdisches Leben in Frankreich. Einzige
Ausnahme blieben die im 18. und 19. Jahrhundert erworbenen Gebiete im Osten des
Landes, insbesondere das Elsass, das lange einen Sonderstatus besaß. Die
Französische Revolution gewährte schließlich den Juden die bürgerliche
Gleichberechtigung. Frankreich blieb aber bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein Land
mit vergleichsweise geringer jüdischer Bevölkerung. Nach dem Ersten, aber vor
allem nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine starke Zuwanderung
aus Osteuropa und dem arabischen Mittelmeerraum ein, sodass Frankreich heute
das Land Europas mit der größten jüdischen Bevölkerungsgruppe darstellt.
Die Große Pariser Moschee
Im Zusammenhang mit einem rasant steigenden Antisemitismus und der
stagnierenden Wirtschaft gibt es jedes Jahr Tausende von jüdischen Auswanderern.
Es wird vermutet, dass zwischen den Jahren 2010 und 2015 mehr als 100.000 Juden
das Land verlassen haben, so dass es nur noch etwa 400.000 Juden in Frankreich
gibt.[52][53]
Ebenfalls seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist eine starke Zunahme des Anteils an
Muslimen zu verzeichnen, die auf Zuwanderung aus den ehemaligen Kolonien
zurückgeht. Der französische Zentralstaat fördert eine „Gallikanisierung des Islam“;
er traut ihm Reformfähigkeit zu und fordert, dass der Islam eine Körperschaft als
zentralen Ansprechpartner für den Staat benennt.[54]
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Frankreichs
Urgeschichte bis Frühmittelalter
Karte von Gallien zur Zeit Caesars (58 v. Chr.)
Es wird geschätzt, dass das heutige Frankreich vor etwa 48.000 Jahren besiedelt
wurde. Aus der Altsteinzeit sind in der Höhle von Lascaux bedeutende Felsmalereien
erhalten geblieben. Ab 600 v. Chr. gründeten phönizische und griechische Händler
Stützpunkte an der Mittelmeerküste, während Kelten vom Nordwesten her das Land
besiedelten, das später von den Römern als Gallien bezeichnet wurde. Die
keltischen Gallier mit ihrer druidischen Religion werden heute häufig als Vorfahren
der Franzosen gesehen und Vercingetorix zum ersten Nationalhelden Frankreichs
verklärt, wenngleich kaum gallische Elemente in der französischen Kultur verblieben
sind. (Siehe auch Keltomanie)
Zwischen 58 und 51 v. Chr. eroberte Caesar im Gallischen Krieg die Region; es
wurden die römischen Provinzen Gallia Belgica, Gallia cisalpina und Gallia
Narbonensis eingerichtet. In einer Periode von Prosperität und Frieden übernahmen
diese Provinzen römische Fortschritte in Technik, Landwirtschaft und
Rechtsprechung; große, elegante Städte entstanden. Ab dem 5. Jahrhundert
wanderten vermehrt germanische Völker nach Gallien ein, die nach dem Zerfall des
Römischen Reiches 476 eigene Reiche gründeten. Nach einer vorübergehenden
Dominanz der Westgoten gründeten die Franken unter Chlodwig I. das Reich
der Merowinger. Sie übernahmen zahlreiche römische Werte und Einrichtungen,
u. a. den Katholizismus (496). Im Jahre 732 gelang es ihnen, in der Schlacht von
Tours und Poitiers der von der iberischen Halbinsel ausgehenden Islamischen
Expansion Einhalt zu gebieten. Die Karolinger folgten den Merowingern nach. Karl
der Große wurde 800 zum Kaiser gekrönt, 843 wurde das Frankenreich mit
dem Vertrag von Verdun unter Karls Enkeln geteilt; aus dem westlichen Teil
entwickelte sich das Königreich Frankreich.
Die Expansion des Frankenreichs von 481 bis 814
Mittelalter
Jeanne d’Arc. Anonyme Miniaturmalerei, zweite Hälfte des
15. Jahrhunderts
Das französische Mittelalter war geprägt durch den Aufstieg des Königtums im
stetigen Kampf gegen die Unabhängigkeit des Hochadels und die weltliche Gewalt
der Klöster und Ordensgemeinschaften. Die Kapetinger setzten, ausgehend von der
heutigen Île-de-France, die Idee von einem Einheitsstaat durch, die Teilnahme an
verschiedenen Kreuzzügen untermauerten dies. Die Wikinger fielen ab der ersten
Hälfte des 9. Jahrhunderts wiederholt in den Unterlauf der Seine ein und siedelten
sich dort an. Nachdem im Jahr 911 der westfränkische König Karl der
Einfältige den Normannenführer Rollo mit der Grafschaft Rouen betraut hatte, wurde
das Gebiet als Normandie bekannt. Im Jahre 1066 eroberten die romanisierten
Normannen England. Unter König Ludwig VII. begann eine lange Serie kriegerischer
Auseinandersetzungen mit England, nachdem Ludwigs geschiedene Frau Eleonore
von Aquitanien 1152 Heinrich Plantagenet, ab 1154 König von England, geheiratet
hatte und damit etwa die Hälfte des französischen Staatsgebiets an England gefallen
war. Philipp II. August konnte England zusammen mit den Staufern bis 1299
weitgehend aus Frankreich verdrängen; der englische König Heinrich III. musste
zudem Ludwig IX. von Frankreich als Lehnsherrn anerkennen. Ab 1226 wurde
Frankreich zu einer Erbmonarchie; im Jahre 1250 war Ludwig IX. einer der
mächtigsten Herrscher des Abendlandes.
Nach dem Tod des letzten Kapetingers wurde 1328 Philipp von Valois zum neuen
König gewählt, er begründete die Dynastie der Valois. Die Bevölkerung Frankreichs
wird für diese Zeit auf 15 Millionen geschätzt. Das Land verfügte mit der Scholastik,
der gotischen und romanischen Architektur über bedeutende kulturelle
Errungenschaften. Thronansprüche, die Eduard III. Plantagenet, König
von England und Herzog von Aquitanien, erhob, führen 1337 zum Hundertjährigen
Krieg. Nach großen Anfangserfolgen Englands, das den gesamten Nordwesten
Frankreichs eroberte, konnte Frankreich die Invasoren zunächst zurückdrängen.
Eine Rebellion Burgunds und die Ermordung des Königs führten dazu, dass England
sogar Paris und Aquitanien besetzen konnte. Erst der von Jeanne d’Arc entfachte
nationale Widerstand führte zur Rückeroberung der verlorenen Gebiete (mit
Ausnahme von Calais) bis 1453. Zusätzlich zum Hundertjährigen Krieg raffte
die Pest von 1348 etwa ein Drittel der Bevölkerung dahin.
Frankreich 1477
Frühe Neuzeit