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Sabitzer Et Al

Die Arbeit untersucht die Integration und Auswirkungen von künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungswesen, wobei zahlreiche Anwendungsbeispiele präsentiert werden, die den Unterricht unterstützen können. Es wird betont, dass der Einsatz von KI das Potenzial hat, den Unterricht zu bereichern und individuelle Lernwege zu fördern, jedoch eine kritische Auseinandersetzung und verantwortungsvolle Integration erfordert. Die zentrale Rolle der Lehrkräfte wird hervorgehoben, während gleichzeitig Herausforderungen und ethische Bedenken berücksichtigt werden müssen.

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Die Arbeit untersucht die Integration und Auswirkungen von künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungswesen, wobei zahlreiche Anwendungsbeispiele präsentiert werden, die den Unterricht unterstützen können. Es wird betont, dass der Einsatz von KI das Potenzial hat, den Unterricht zu bereichern und individuelle Lernwege zu fördern, jedoch eine kritische Auseinandersetzung und verantwortungsvolle Integration erfordert. Die zentrale Rolle der Lehrkräfte wird hervorgehoben, während gleichzeitig Herausforderungen und ethische Bedenken berücksichtigt werden müssen.

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Medienimpulse

ISSN 2307-3187
Jg. 62, Nr. 3, 2024
doi: 10.21243/mi-03-24-22
Lizenz: CC-BY-NC-ND-3.0-AT

Künstliche Intelligenz (KI)


in der Bildung – Ein Kinderspiel?
Chancen, Herausforderungen und
Anwendungsbeispiele für die Praxis

Barbara Sabitzer

Corinna Hörmann

Lisa Kuka

Diese Arbeit widmet sich der Integration und den Auswirkungen


von generativer künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungswesen. Es
werden eine Vielzahl von praktischen Anwendungsfällen vorge-
stellt, in denen KI den Unterricht unterstützen kann – von der
Unterrichtsvorbereitung über die Arbeit mit Texten, bis hin zur
Förderung von Kreativität und Sprachunterricht. Zudem wird
auf die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit
KI und die Entwicklung unterstützender Maßnahmen für eine

Begutachteter Beitrag / peer reviewed


Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

verantwortungsvolle Integration in den Bildungsalltag hingewie-


sen. Abschließend wird hervorgehoben, dass der Einsatz von KI
im Bildungsbereich das Potenzial hat, den Unterricht zu berei-
chern und individuelle Lernwege zu unterstützen. Weiters wird
betont, dass die Integration von KI in das Bildungswesen eine
kritische und verantwortungsvolle Herangehensweise erfordert.
Die Autorinnen unterstreichen die zentrale Rolle der Lehrkräfte
bei der Nutzung des Potenzials von KI, während gleichzeitig die
Herausforderungen und ethischen Bedenken berücksichtigt wer-
den müssen.

This work is dedicated to the integration and impact of artificial


intelligence (AI) in education. It presents a variety of practical
use cases in which AI can support teaching – from lesson prepa-
ration and working with texts to promoting creativity and lan-
guage teaching. It also highlights the need for a critical exami-
nation of AI and the development of supporting measures for
responsible integration into everyday education. Finally, it is em-
phasized that the use of AI in education has the potential to en-
rich teaching and support individual learning paths. Furthermo-
re, it is emphasized that the integration of AI into education re-
quires a critical and responsible approach. The authors empha-
size the central role of teachers in harnessing the potential of AI,
while at the same time the challenges and ethical concerns must
be taken into account.

1. Einleitung
Einleitend möchten wir einen Gedanken aufgreifen, der sich be-
reits in einem früheren Artikel einer der Mitautorinnen, Informa-
tik ein Kinderspiel (Sabitzer/Pasterk/Reci 2014), manifestierte. Die-
ser Beitrag zielte darauf ab, komplexe Informatikkonzepte so zu
demystifizieren, dass sie nicht nur für Kinder verständlich, son-

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

dern regelrecht kinderleicht wurden. Es ging darum, das Abstrak-


te greifbar und das Lernen zu einem interaktiven Vergnügen zu
machen – sei es durch Bewegungsspiele, Kartenspiele oder die
Schaffung eigener spielerischer Erfindungen.

Mit einer ähnlichen Motivation nähern wir uns dem Thema künst-
liche Intelligenz (KI) in der Bildung, erweitern aber bewusst den
Rahmen um zusätzliche Dimensionen. Der Titel „ein KInderspiel?“
suggeriert bereits die doppelte Zielsetzung: einerseits künstliche
Intelligenz so zugänglich zu machen, dass sie für Kinder und Laien
nicht nur verständlich, sondern auch anwendbar wird; anderer-
seits die Potenziale von KI aufzuzeigen, wie sie Lerninhalte nicht
nur vereinfachen, sondern auch auf innovative Weise vermitteln
kann. So wird KI zu einem Werkzeug, das Bildung nicht nur er-
leichtert, sondern auch bereichert und individualisiert. In dieser
Arbeit wollen wir erkunden, wie KI die Bildungslandschaft trans-
formieren kann, indem sie Lernen zu einem wahren Kinderspiel
macht – im wahrsten Sinne des Wortes zugänglich, einnehmend
und inspirierend.

2. KI in der Bildung – Stand der Forschung


Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und dem rasanten
Aufstieg der künstlichen Intelligenz in diversen Lebens- und Ar-
beitsbereichen ist es unerlässlich, auch die Auswirkungen auf den
Bildungsbereich bzw. auf Bildung, Lehren und Lernen zu betrach-
ten – denn künstliche Intelligenz hat eine disruptive Wirkung auf
das Bildungssystem, die Bildung generell und den Alltag aller Be-

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

teiligten. Es ist notwendig, nicht nur den Unterricht selbst, son-


dern auch das Bildungssystem anzupassen und neu auszurichten,
um den neuen Chancen und Herausforderungen gerecht zu wer-
den. Aktuelle Studien und Veröffentlichungen zum Thema „KI &
Bildung“ bzw. „AI in Education“ decken ein breites Spektrum an
Themen ab, das von der Wirksamkeit KI-gestützter Lernsysteme
über ethische und gesellschaftliche Implikationen bis hin zur
Lehrkräftebildung reicht.

Allein die aktuelle Forschung zu ChatGPT zeigt die Revolutions-


kraft von KI in der Bildungsbranche: Zahlreiche empirische Studi-
en belegen, dass der Einsatz dieser KI-Technologie nicht nur die
Lernergebnisse, Motivation und das Engagement von Schüler*in-
nen verbessern (Alibakhshi et al. 2023; ElSayary 2023), sondern
auch die Arbeitsbelastung von Lehrkräften reduzieren, den sofor-
tigen Zugriff auf Informationen ermöglichen und die Lehreffektivi-
tät steigern kann (Ogurlu/Mossholder 2023). Künstliche Intelligenz
fördert personalisiertes und interaktives Lernen, generiert Aufga-
ben für formative Assessments und bietet kontinuierliches Feed-
back (Baidoo-anu/Owusu Ansah 2023). Einige Forschungsarbeiten
zu KI-gestützten Lernumgebungen konzentrieren sich auf die Per-
sonalisierung des Lernens und die Förderung des selbstgesteuer-
ten Lernens. Adaptive Lernsysteme, die auf künstlicher Intelligenz
basieren, können beispielsweise die Lernpfade von Schüler*innen
individualisieren und dadurch den Lernerfolg steigern (Zawacki‐
Richter et al. 2019).

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

ChatGPT und andere KI-Tools erweisen sich als wertvolle Unter-


stützung bei zeitaufwändigen Lehraufgaben, zur Förderung des
Engagements der Lernenden und zur Anregung von kritischem
Denken und Kreativität (Kiryakova/Angelova 2023). Insbesondere
werden Lehrkräfte durch KI beim Erstellen von Lehrplänen,
Sprachlernaktivitäten, Lehrmaterialien und beim Bereitstellen von
sofortigem, individualisiertem Feedback unterstützt (Meniado
2023). Allerdings sind dabei auch ethische Überlegungen, Daten-
schutz und Sicherheit zu berücksichtigen (Cascella et al. 2023). Die
Integration von künstlicher Intelligenz in den Lehrplan und
Schulalltag verspricht laut internationaler Literatur also die Bil-
dungslandschaft nachhaltig zu revolutionieren sowie Lehr- und
Lernprozesse für Schüler*innen und Lehrkräfte zu bereichern.

Helm und Große (2024) bieten eine umfassende Analyse des ak-
tuellen Standes und der Perspektiven des Einsatzes künstlicher
Intelligenz in Schulen in Deutschland und Österreich. Basierend
auf einem Literaturreview und einer Befragung von Lehrkräften
werden verschiedene Aspekte beleuchtet. Die darin besproche-
nen Umfragen zum Einsatz von KI in Schulen, die zwischen 2019
und 2023 durchgeführt wurden, decken eine breite Palette von
Zielgruppen ab, einschließlich Lehrkräfte, Schüler*innen, Eltern
sowie Schulträger*innen, und zeigen ein heterogenes und viel-
schichtiges Bild der Wahrnehmung und Akzeptanz von KI im Bil-
dungskontext. Während einige Lehrkräfte und Schüler*innen KI-
Tools aktiv für den Unterricht und das Lernen nutzen, gibt es

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

auch eine signifikante Anzahl von Befragten, die KI im Bildungs-


kontext ablehnen oder nur eingeschränkt verwenden.

Dabei spielen der Schultyp und das Fachgebiet eine wichtige Rol-
le. Insbesondere Lehrkräfte an berufsbildenden höheren Schulen
(BHS) und mit den Fächern Fremdsprachen und Mathematik nei-
gen eher dazu, KI-Tools zu verwenden. Trotz der gemischten Ein-
stellungen erkennen viele Lehrkräfte und Schüler*innen das Po-
tenzial von KI zur individuellen Förderung und Anpassung von
Lerninhalten an die Bedürfnisse der Lernenden. Die Ergebnisse
des Artikels unterstreichen die Notwendigkeit von Bildungsrefor-
men und der Entwicklung unterstützender Maßnahmen, um Lehr-
kräfte auf die Integration von KI-Tools vorzubereiten und einen
verantwortungsvollen Umgang mit KI im Bildungskontext zu för-
dern (Helm/Große 2024). Das österreichische Bildungsministeri-
um ist sich dieser Aspekte bewusst und setzt mit der neuen Initia-
tive unter dem Titel „Künstliche Intelligenz – Chance für Öster-
reichs Schulen“ (BMBWFa 2023) einen entscheidenden Schritt in
Richtung Integration von KI in die Praxis.

Das 2023/24 initiierte KI-Schulpaket setzt sich aus verschiedenen


Komponenten wie KI-Pilotschulen, speziellen Unterrichtsmateria-
lien, Fortbildungsprogrammen für Lehrkräfte etc. zusammen und
zielt darauf ab, Schüler*innen auf ein Leben in einer von KI ge-
prägten Welt vorzubereiten. Dabei werden nicht nur die techni-
schen Fähigkeiten und das Verständnis für KI-Systeme gefördert,
sondern auch ethische und soziale Implikationen thematisiert.
Die Initiative des Ministeriums betont außerdem die Wichtigkeit

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

einer umfassenden Bildung, die über das bloße Verständnis von


Technologie hinausgeht und Schüler*innen dazu befähigt, verant-
wortungsvoll mit KI umzugehen und sie im Sinne des Gemein-
wohls einzusetzen (BMBWFa 2023).

Die Einbindung von KI in den Schulalltag birgt sowohl immense


Chancen als auch Herausforderungen. Auf der einen Seite steht
das Potenzial, das individuelle Lernen durch personalisierte und
adaptive Lernumgebungen zu revolutionieren und Lehrkräfte
durch intelligente Tools zu unterstützen. Auf der anderen Seite
erfordert der Einsatz von KI eine kritische Auseinandersetzung
mit Themen wie Leistungsbeurteilung, Datenschutz, Entschei-
dungsfreiheit und der Rolle von KI in der Gesellschaft. Der folgen-
de Blick auf KI in der Praxis soll Lehrkräften zudem Anregungen
bieten, wie sie persönlich KI in ihren Unterricht bzw. die Vor- und
Nachbereitung einbauen können.

3. Anwendungsmöglichkeiten
Die Integration von künstlicher Intelligenz in den Bildungssektor
hat eine Vielzahl von Anwendungen hervorgebracht, die den
Lehr- und Lernprozess revolutionieren können. Dieses Kapitel
bietet einen Überblick über die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten
von KI in der Bildung und stellt nützliche Tools vor, die bereits er-
folgreich in verschiedenen Bildungskontexten eingesetzt werden.
Die Anwendung von KI in der Bildung reicht von der Unterrichts-
vorbereitung, der Erstellung von Lehrmaterialien und Musterlö-
sungen bis hin zur Individualisierung und Differenzierung des

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

Lernmaterials. Sie kann Lehrkräfte bei vielen Aufgaben in allen


Phasen von Unterricht unterstützen, wie auch Abbildung 1 zu-
sammenfassend darstellt:

Abbildung 1: Wie generative KI die Arbeit von Lehrkräften unter-


stützen kann (© Lisa Kuka)

KI kann also Wissen aufbereiten, Texte verstehen und verfassen,


vereinfachen und zusammenfassen sowie Analysen und Berech-
nungen durchführen (Sabitzer 2024). Ein weiterer bedeutender
Vorteil ist die Fähigkeit der KI, individualisiertes Feedback zu ge-

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

ben, was für personalisiertes Lernen unerlässlich ist. Jedoch


bringt der Einsatz von KI in der Bildung auch Herausforderungen
und ethische Überlegungen mit sich. Es müssen Fragen der Urhe-
berschaft und Transparenz, rechtliche Aspekte, Risiken von Vor-
eingenommenheit und Plagiaten, der Mangel an Originalität und
die Genauigkeit der Inhalte berücksichtigt werden (Barton/Pöp-
pelbuß 2022). Wissenschaftler*innen und Lehrende müssen sich
dieser potenziellen Risiken bewusst sein, um die akademische In-
tegrität zu wahren. Um die Vorteile von KI in der Bildung optimal
zu nutzen, ist es entscheidend, präzise Prompts zu formulieren.
Als Prompt bezeichnet man eine Texteingabe, die an das KI-Mo-
dell gesendet wird, um eine bestimmte Ausgabe oder Reaktion zu
erzeugen. Prompts fungieren somit als Anweisungen oder Fragen,
die das Modell auffordern, basierend auf seinem trainierten Wis-
sen und den in der Eingabe enthaltenen Informationen zu ant-
worten oder Inhalte zu generieren. Ein guter Prompt sollte des-
halb die Rolle der KI klar definieren, die Aufgabe exakt formulie-
ren, den Kontext bereitstellen und das gewünschte Ausgabefor-
mat festlegen (Sabitzer 2024). Als Basis kann beispielsweise die in
Abbildung 2 dargestellte „Anatomie eines Megaprompts“ von Rob
Lennon dienen:

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

Abbildung 2: Anatomie eines ChatGPT Mega-Prompts, © Rob


Lennon 2023 (Bildquelle: Pölert 2023 [CC-BY-SA])

In der Praxis könnte das etwa so aussehen:

Rolle zuweisen Du bist Lehrer für das Fach XYZ.


Aufgabe präzise formulieren Ich plane eine Unterrichtseinheit zum
Thema „XY“. Hilf mir bitte, diese Stun-
de zu planen.
Kontext geben Lernziel: „Die Schüler*innen können
…“
Eine Unterrichtseinheit dauert 50 Mi-
nuten. Sie soll interaktiv gestaltet sein
und mehrere kleine Aufgaben sowie
Reflexionsaufträge für Schüler*innen
beinhalten. Ich benötige einen kreati-
ven und aktiven Einstieg in das The-
ma. Die Zielgruppe sind Schüler*in-

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

nen einer 8. Schulstufe und 13–14


Jahre alt.
Ausgabeformat definieren Gib die Planung als Tabelle mit den
Spalten „Dauer“, „Inhalt“, „Methode“
und „notwendige Medien“ aus.
Tabelle 1: Beispielprompt für die Unterrichtsvorbereitung (CC-BY-SA)

KI-Technologien können Lehrende auf vielfältige Weise in der Vor-


bereitungsphase des Unterrichts unterstützen, indem sie bei der
Erstellung von Lehrplänen, Lernmaterialien und interaktiven Auf-
gaben helfen. ChatGPT Plus hat sich dabei als Alleskönner heraus-
gestellt. Durch die Integration von Custom Instructions und Cu-
stom GPTs sowie die Eingabe von individuellen Prompts bietet es
unzählige Möglichkeiten, maßgeschneiderte multimediale Inhalte
zu generieren. Custom Instructions beziehen sich auf speziell for-
mulierte Anweisungen, um spezifische Ausgaben zu generieren
oder um die Art und Weise, wie die KI eine Aufgabe bearbeitet, zu
steuern.

Diese Anweisungen sind oft detaillierter und spezifischer als allge-


meine Prompts und beinhalten klare Vorgaben darüber, was das
Modell tun soll. Custom GPTs bezeichnen angepasste Versionen,
die speziell für die Anforderungen eines bestimmten Anwen-
dungsbereichs oder Benutzerkreises trainiert oder konfiguriert
wurden. Mit Hilfe dieser beiden Konzepte können Inhalte erstellt
werden, die auf vielerlei Bedürfnisse der Lernenden zugeschnit-
ten sind. Das können nicht nur Fachtexte, fremdsprachige Dialoge
oder Übungsaufgaben mit Musterlösungen für verschiedenste Fä-
cher, sondern auch ganze Präsentationen oder Erklärvideos etc.

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

sein. Dies ermöglicht Lehrkräften ihren Unterricht sowie ihre


Lernmaterialien leicht zu individualisieren und zu differenzieren,
um in kurzer Zeit personalisierte Lernumgebungen zu gestalten.
Damit werden auch gender- und sprachsensibler Unterricht, Di-
versität auf verschiedenen Ebenen sowie Inklusion zum „Kinder-
spiel“.

3.1 Arbeit mit Texten


Der derzeit wohl wichtigste Aufgabenbereich von KI in der Bildung
ist die Arbeit mit Texten – sei es in der Unterrichtsvorbereitung,
beim Lesen und Verstehen, beim Erarbeiten von Lerninhalten,
beim Verfassen von (vor-)wissenschaftlichen Arbeiten, beim Über-
setzen oder Vereinfachen von (fremdsprachigen) Inhalten oder
auch beim Erstellen von personalisiertem Feedback.

In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden die ersten Textedito-


ren entwickelt, welche den Grundstein für die bedeutenden Fort-
schritte legten, die in den nächsten Jahrzehnten folgten. In den
kommenden Jahren begannen Textverarbeitungsprogramme,
Rechtschreib-, Grammatik- und Stilprüfungen Standardfunktio-
nen einzubauen, was die Messlatte für Schreibtools höher legte.
Über diese grundlegenden Prüfungen hinaus wurden digitale
Schreibassistenten (Digital Writing Assistants – DWAs) zu bekann-
ten Vertretern. Beispiele für DWAs sind Programme wie Gramm-
arly und WordTune, die den Benutzer*innen detaillierte und aus-
geklügelte Schreibhilfen bieten. Gleichzeitig wurde mit dem Auf-
kommen automatischer Paraphrasierungstools (Automated Para-
phrasing Tools – APTs) – wie z. B. QuillBot – ein eindeutiger

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Schwerpunkt auf die Fähigkeit der Umformulierung von Texten


gelegt (Perkins 2023).

Abbildung 3: Die Evolution digitaler Schreibwerkzeuge, © Lisa Kuka

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Während sich digitale Schreibassistenten und automatische Para-


phrasierungstools zunächst auf die Manipulation vorhandener
Texte konzentrierten, stellte das Aufkommen von Large Language
Models (LLMs) wie ChatGPT eine bahnbrechende Neuerung dar.
Mit der Fähigkeit, das Schreiben zu beschleunigen, Teamarbeit zu
fördern und Wissen auf bisher unbekannte Weise zu verbreiten,
bieten LLMs ein mächtiges Instrument, das die Zukunft der Kom-
munikation mitgestalten wird.

Mit ChatGPT und anderen KI-gestützten Chatbots wie AskY-


ourPDF, ChatPDF oder der Browsererweiterung [Link] lassen
sich beispielsweise Texte und Fachliteratur effizient zusammen-
fassen und „befragen“, wodurch nicht nur die Unterrichtsvorbe-
reitung erleichtert, sondern auch personalisierte Lernunterstüt-
zung für Schüler*innen geboten werden kann. Einige KI-gestützte
Plattformen wie beispielsweise Fobizz oder SchulKI bieten zudem
eine DSGVO-konforme und sichere Umgebung, in der nicht nur
Lehrkräfte, sondern auch ihre Schüler*innen mit verschiedenen
generativen KI-Tools für Text- oder Bildgenerierung arbeiten kön-
nen. Fobizz bietet Online-Fortbildungen, KI-Assistenz, digitale
Tools und interaktive Unterrichtsmaterialien für alle Fächer. Im
Rahmen von zuvor angelegten Klassenzimmern können
Schüler*innen verschiedene generative KI-Tools testen.

In der kostenlosen Version für Lehrkräfte können allerdings maxi-


mal fünf Klassenzimmer für je 24 Stunden genutzt werden. Schul-
KI bietet ebenfalls einen begrenzten kostenlosen Zugang für Lehr-
kräfte an, bei dem der Verbrauch in Token (Basiseinheit) gemes-

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sen wird, wobei ein Token ungefähr vier Zeichen bzw. Buchstaben
entspricht. Das derzeitige Startguthaben von 100.000 Token
reicht auf alle Fälle aus, um in einer sicheren Umgebung in die KI-
Text- und Bildgenerierung einsteigen zu können. Laut SchulKI ver-
brauchen 4 Zeichen in einem Chat zwischen 1 und 12,5 Token, ei-
ne Bildgenerierung 12.000 Token (SchulKI 2024). Möchte man also
KI-Tools bewusst in den Unterricht selbst integrieren und auch
Schüler*innen einen sicheren Zugang ermöglichen, bieten sich im
deutschsprachigen Raum derzeit vor allem die zwei oben genann-
ten Plattformen an.

Viele Schüler*innen nutzen bereits KI, z. B. als Hilfe bei Haus-


übungen oder auch beim Verfassen von vorwissenschaftlichen Ar-
beiten (VWA). Eine Handreichung des BMBWF (BMBWFb 2023)
bietet eine grundlegende Orientierung für den verantwortungs-
vollen Einsatz von KI bei Abschlussarbeiten und diskutiert sowohl
die Potenziale als auch die Risiken, die mit der Verwendung dieser
Technologien einhergehen. Dabei wird dargelegt, dass KI-Tools
unterstützend im wissenschaftlichen Arbeitsprozess eingesetzt
werden dürfen, sofern die individuelle Leistung des*r Schüler*in
klar erkennbar bleibt und sämtliche Inhalte eigenständig mittels
vertrauenswürdiger Quellen verifiziert werden. Besonders hervor-
gehoben wird die Bedeutung der korrekten Zitierung von KI-gene-
rierten Inhalten und der Abgabe einer Eigenständigkeitserklä-
rung, in der die Verwendung von KI-Tools offengelegt wird. Die
Beurteilung der abschließenden Arbeit soll den gesamten Erarbei-
tungsprozess umfassen und auch die Nutzung von KI-Tools be-

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rücksichtigen, um die individuelle Leistung der Schüler*innen


transparent zu machen (BMBWFb 2023).

In der Diskussion um die Integration künstlicher Intelligenz in der


Texterstellung hebt eine Publikation von Hörmann et al. (2024)
hervor, dass der Einsatz von KI-Technologien das Potenzial birgt,
den Prozess des Verfassens schriftlicher Abschlussarbeiten
grundlegend zu verändern. In dieser kritischen Analyse wurden
die Vor- und Nachteile von KI-verfassten wissenschaftlichen Arbei-
ten im Vergleich zu solchen, die von Menschen verfasst wurden,
untersucht. Während KI-gesteuerte Werkzeuge die Erstellung von
Gliederungen, Titeln und das Verfassen von Arbeiten erheblich er-
leichtern, sollten generative Tools aber nicht als Ersatz für
menschliche Kreativität und intellektuelle Anstrengung gesehen
werden, sondern als eine Erweiterung, die die Schüler*innen da-
zu anregt, Themen aus neuen Perspektiven zu erkunden und Ar-
gumente mit einer Tiefe zu untermauern, die ohne die unterstüt-
zende Analysekapazität von KI nicht möglich wäre (Hörmann
2024).

3.2 Personalisierte Lernunterstützung


Adaptive Lernsysteme nutzen KI, um den Lernprozess individuell
anzupassen und Lernenden personalisiertes Feedback zu bieten.
Systeme wie EdApp ermöglichen beispielsweise eine schnelle Er-
stellung von Online-Kursen für Desktop, Tablet oder Smartpho-
nes, die sich dem Lernfortschritt der Nutzer*innen anpassen. Da-
bei können die Inhalte mit KI generiert und adaptiert, aber natür-
lich auch selbst erstellt werden. Eine personalisierte Unterstüt-

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

zung können sich vor allem ältere Lernende, speziell Maturant*in-


nen, auch selbst organisieren, indem sie (sich) zusätzliches Lern-
material wie Infotexte und Erklärungen, Aufgaben und Musterlö-
sungen oder Zusammenfassungen und Transkripte von YouTube-
Erklärvideos generieren (lassen).

Dabei ist aber unbedingt auf Sicherheit und Datenschutz zu ach-


ten. Einerseits können KI-Tools genutzt werden, für die keine Re-
gistrierung oder Anmeldung erforderlich ist und Lernende an-
onym bleiben können (z. B. Perplexity, [Link] und demnächst
auch ChatGPT), andererseits könnten Eltern ihren Kindern eine
begleitete KI-Nutzung ermöglichen, indem sie selbst sichere Ac-
counts erstellen und den Einsatz kontrollieren.

3.3 Förderung von Kreativität und Problemlösungskompetenz


KI-basierte Tools fördern nicht nur das Faktenlernen, sondern
auch kreatives Denken und Problemlösungskompetenz. Plattfor-
men wie Canva, Microsoft Designer, Tome und [Link] bie-
ten großartige Möglichkeiten zur Gestaltung von Präsentationen
und Projekten, wodurch die kreative Auseinandersetzung mit Ler-
ninhalten unterstützt wird. Die Förderung der Kreativität be-
schränkt sich jedoch nicht nur auf visuelle Gestaltung. KI-Systeme
unterstützen das kreative Denken und die Problemlösungskom-
petenz durch interaktive Prompts und Anleitungen, die zum kriti-
schen Denken anregen. Mit Prompts wie „Erklär mir XY als wär ich
5“ oder „Erklär mir Schritt-für-Schritt …“ können auch komplexe
Inhalte und Probleme dargestellt bzw. gelöst, sowie Schritt-für-
Schrittanleitungen und -lösungen mit Erklärungen erstellt wer-

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Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

den. Darüber hinaus ermöglichen KI-Tools die Entwicklung von


Lösungsstrategien für Probleme durch die Simulation verschiede-
ner Szenarien und die Bewertung möglicher Ergebnisse. Diese dy-
namischen Werkzeuge erlauben es Lernenden, Hypothesen zu
testen, Experimente durchzuführen und aus den Ergebnissen zu
lernen, wodurch ein experimenteller und forschender Lernansatz
gefördert wird.

3.4 Sprachunterricht
Im Bereich des Sprachunterrichts leisten KI-Tools einen wertvol-
len Beitrag, wie etwa durch Übersetzungen (DeepL), Zusammen-
fassungen und/oder Vereinfachungen (verschiedene Tools wie
ChatGPT, Perplexity etc.) oder auch KI-unterstützte Grammatik-
korrektur (Grammarly). Dadurch kann das Text- oder auch Hör-
verständnis trainiert und verbessert und damit die Sprachkompe-
tenz gefördert werden. Mit der Chrome Erweiterung [Link]
kann man zudem direkt im Browser Texte zusammenfassen, ver-
einfachen, untersuchen etc., wodurch Lernende auch schwierige
Texte erfassen können. Mithilfe von Text-to-Speech Tools wie Ele-
venlabs ist es außerdem möglich, beliebige Texte zu vertonen, um
damit die Aussprache zu trainieren. Dies ist auch mit Videotools
wie Lucas Video Creator, Invideo oder Visla möglich, wo in kurzer
Zeit ansprechende Lernvideos in verschiedenen Sprachen erstellt
werden können.

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3.5 Barrierefreies Lernen & Inklusion


Die Integration von KI in den Bildungssektor revolutioniert das
Konzept des barrierefreien Lernens und der Inklusion, indem sie
maßgeschneiderte Lernlösungen bietet, die auf die Bedürfnisse
aller Lernenden abgestimmt sind. Diese Technologie ermöglicht
es, Lehrmaterialien universell zugänglich zu machen und fördert
so ein Lernumfeld, in dem niemand zurückgelassen wird. Durch
die automatische Umwandlung von Texten in Sprache (Text-to-
Speech) können beispielsweise sehbeeinträchtigte Schüler*innen
von den gleichen Inhalten profitieren wie ihre sehenden Mitschü-
ler*innen.

Weiterhin ebnet KI den Weg für eine differenzierte Pädagogik, die


nicht nur Barrierefreiheit, sondern auch kulturelle und individuel-
le Unterschiede berücksichtigt. Mittels sprach- und gendersensi-
bler Formulierungen sowie der Integration von Diversität in Tex-
ten und Aufgaben wird eine inklusive Lernumgebung geschaffen,
die Vielfalt wertschätzt und fördert. Durch die Bereitstellung von
mehreren Varianten einer Aufgabenstellung – z. B. eine Standard-
variante, eine erweiterte Variante für Hochbegabte sowie eine
vereinfachte Version für Schüler*innen mit besonderem Förder-
bedarf – kann individuell auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse je-
des*r Einzelnen eingegangen werden.

Darüber hinaus ermöglicht KI eine adaptive Lernumgebung, in


der die Inhalte auch dynamisch an das Lerntempo der Lernenden
angepasst werden. So können wiederum Lernende mit einer an-
deren Muttersprache durch angepasste Lernmaterialien und

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Übungen unterstützt werden, die in ihrer Sprache oder auf ihrem


Verständnisniveau angeboten werden. KI-gestützte Analysen
identifizieren zudem Lernstile und -bedürfnisse, um personalisier-
te Lernpfade zu erstellen, die es jedem*r ermöglichen, sein*ihr
volles Potenzial zu entfalten.

3.6 Feedback & Leistungsbewertung


Bereits seit Längerem ist es möglich Learning Analytics einzuset-
zen, um Schüler*innenleistungen zu beobachten, zu evaluieren
und auch Lernprognosen zu erstellen. So können beispielsweise
auf der weit verbreiteten Lernplattform Moodle Logdaten ausge-
wertet und in die Beurteilung miteinbezogen werden. Die Ver-
wendung von Schüler*innendaten zur Anpassung und Evaluie-
rung von Lernprozessen wirft natürlich Fragen bezüglich des Da-
tenschutzes und der informationellen Selbstbestimmung auf, die
es zu beachten gilt (Drachsler/Greller 2016). KI kann außerdem
zur objektiven Bewertung von Schüler*innenleistungen und zur
Bereitstellung von konstruktivem, auch individualisiertem Feed-
back eingesetzt werden. Dies kann insbesondere im Sprachunter-
richt sowohl für Lehrende als auch Lernende sehr hilfreich sein
(Perikos et el. 2017; Dai et al. 2023). ChatGPT und andere KI-ba-
sierte Systeme erlauben eine detaillierte Auswertung von Textauf-
gaben, geben konstruktives und individuelles Feedback sowie
Verbesserungsvorschläge und unterstützen Lehrende bei der Er-
stellung von Bewertungsrastern und Leistungsbeurteilung. Für
Lernende kann es ebenfalls hilfreich sein, Feedback für ihre eige-

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nen Texte einzuholen und sich kritisch mit KI-generierten Texten


und Rückmeldungen auseinanderzusetzen.

4. Herausforderungen & ethische Überlegungen


Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Schulen und für Bil-
dungszwecke wirft zahlreiche ethische Fragen und Bedenken auf.
Diese beziehen sich unter anderem auf Datenschutz und -sicher-
heit, Gerechtigkeit und Bias, Transparenz und Verständlichkeit,
Autonomie und menschliche Interaktion sowie die Rolle der Lehr-
kräfte. Eine fundierte Auseinandersetzung mit diesen Themen ist
entscheidend, um den verantwortungsvollen Einsatz von KI in Bil-
dungskontexten zu gewährleisten. Es gibt bereits eine Reihe von
Publikationen zu ethischen Fragen, die sich mit diesen Themen
beschäftigen und auf eine wachsende Besorgnis über potenziell
schädliche gesellschaftliche Auswirkungen von KI hinweisen. Die
Entwicklung ethischer Grundsätze und Leitlinien für künstliche In-
telligenz im schulischen Bereich gewinnt daher an Bedeutung. Als
Beispiel sei hier eine Veröffentlichung der Europäischen Kommis-
sion genannt, die ethische Aspekte und Anforderungen im Schul-
kontext beschreibt und Leitlinien für Lehrkräfte und Schulleitun-
gen vorschlägt (Europäische Kommission & Generaldirektion Bil-
dung Jugend Sport und Kultur 2022).

Adams et al. (2023) haben aktuelle Studien durchgeführt, die ver-


schiedene ethische Grundsätze für KI-Politik identifizieren (u. a.
Transparenz, Gerechtigkeit und Fairness, Nicht-Schädigung, Ver-
antwortung und Privatsphäre), welche auch für die K-12-Bildung

medienimpulse, Jg. 62, Nr. 3, 2024 21


Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

relevant sind, aber möglicherweise angepasst werden müssen.


Adams et al. (2023) ergänzen diese noch um vier neue ethische
Grundsätze, die spezifisch für die K-12-Bildung sind: 1. Pädagogi-
sche Angemessenheit, 2. Kinderrechte, 3. AI-Literacy und 4. Leh-
rer*innenwohlbefinden (Adams et al. 2023).

5. Zusammenfassung
Die oben beschriebenen praxiserprobten Anwendungen von KI
im Bildungsbereich zeigen das enorme Potenzial dieser Technolo-
gien. Sie können den Unterricht bereichern und individuelle Lern-
wege unterstützen. Durch den gezielten Einsatz dieser Tools kön-
nen Lehrende den Unterricht vielseitiger und effektiver gestalten
sowie Lernende in ihrem individuellen Lernprozess bestmöglich
fördern. Die Zukunft der Bildung wird maßgeblich von der weite-
ren Entwicklung und Integration KI-basierter Lösungen geprägt
sein, die eine personalisierte, kreative und inklusive Lernerfah-
rung ermöglichen.

Die Integration von KI in den Bildungsbereich bietet zahlreiche


Chancen zur Verbesserung des Lehr- und Lernprozesses, die es
noch zu erforschen gilt. Es erfordert jedoch ein kritisches Ver-
ständnis und eine verantwortungsvolle Anwendung der Technolo-
gie. Lehrkräfte spielen eine zentrale Rolle dabei, das Potenzial von
KI voll auszuschöpfen und gleichzeitig die Herausforderungen
und ethischen Überlegungen zu berücksichtigen. Die Zukunft des
Bildungswesens könnte durch eine sinnvolle Integration von KI in
den Lehr- und Lernprozess sowie auch in den administrativen Be-

medienimpulse, Jg. 62, Nr. 3, 2024 22


Sabitzer et al. Künstliche Intelligenz (KI) in der Bildung – Ein Kinderspiel?

reich erheblich bereichert werden, vorausgesetzt, dass die Tech-


nologie bewusst und kritisch eingesetzt wird.

In der dynamischen Landschaft der künstlichen Intelligenz, wo In-


novation und Fortschritt an der Tagesordnung stehen, ist es uner-
lässlich zu erkennen, dass die in diesem Kapitel vermittelten In-
formationen lediglich eine Momentaufnahme darstellen. Die ra-
sante Entwicklung der KI-Technologien bedeutet, dass die Anwen-
dungen, Konzepte und pädagogischen Strategien, die heute als
revolutionär gelten, morgen bereits weiterentwickelt oder gar
überholt sein können. In diesem Sinne laden wir Leser*innen,
Pädagog*innen sowie Forschende ein, sich uns auf dieser span-
nenden Reise anzuschließen. Es gilt, die Entwicklungen in der KI
aufmerksam zu beobachten, sie kritisch zu reflektieren und ihre
Möglichkeiten kreativ zu nutzen, um die Bildung von morgen zu
gestalten.

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