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Haselsteiner Paper006

Das Dokument behandelt die Notwendigkeit und die technischen Grundlagen von Deichsanierungsarbeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes, insbesondere in besiedelten Gebieten. Es beschreibt die anerkannten Regeln der Technik, die Beanspruchungen und Lastfälle von Deichen sowie die verschiedenen Sanierungsmaßnahmen, die zur Ertüchtigung und Anpassung an moderne Anforderungen erforderlich sind. Die Herausforderungen bei der Integration von technischen und ökologischen Aspekten werden ebenfalls thematisiert.

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Haselsteiner Paper006

Das Dokument behandelt die Notwendigkeit und die technischen Grundlagen von Deichsanierungsarbeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes, insbesondere in besiedelten Gebieten. Es beschreibt die anerkannten Regeln der Technik, die Beanspruchungen und Lastfälle von Deichen sowie die verschiedenen Sanierungsmaßnahmen, die zur Ertüchtigung und Anpassung an moderne Anforderungen erforderlich sind. Die Herausforderungen bei der Integration von technischen und ökologischen Aspekten werden ebenfalls thematisiert.

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Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 1

Deichsanierungsarbeiten
Anerkannte Regeln der Technik und Stand der Technik
Ronald Haselsteiner, Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft,
Technische Universität München

1 Einleitung
Die Hochwasserereignisse der letzten Jahre – erwähnt seien nochmals das
Augusthochwasser 2002 und das Pfingsthochwasser 1999 – haben anhand der
aufgetretenen Schäden gezeigt, dass noch großer Tätigkeitsbedarf mit Ziel der
Verbesserung des Hochwasserschutzes herrscht. Die durch den Druck der Bevölkerung
anlaufenden Hochwasserschutzmaßnahmen erstrecken sich vom Rückhalt des Abflusses
über den technischen Hochwasserschutz bis hin zur Hochwasservorsorge. Dieses 3-Säulen-
Konzept des modernen Hochwasserschutzes beruht auf der Kalkulierbarkeit aller vom
Hochwasser betroffenen Bereiche. Nicht zuletzt dürfen sich an eingedeichten Flussstrecken
keine unbeabsichtigten Brüche ereignen, welche die Investitionen zur Verbesserung des
Hochwasserschutzes der gesamten Maßnahme in Frage stellen würden. Dieses Risiko
(Risiko = Schaden x Wahrscheinlichkeit) muss reduziert werden und die Deichsanierung ist
besonders in besiedelten Gebieten mit direkter Gefahr für den Menschen und dessen Güter
ein nicht verzichtbarer Faktor zum Erreichen des gewünschten Schutzgrads. Damit diese oft
sehr alten Bauwerke „die Anforderungen an einen modernen Deich erfüllen“ können, ist eine
häufig eine Ertüchtigung notwendig (Haselsteiner et al. (2002)).

2 Anerkannte Regeln der Technik


Deiche (Abb. 1) sind „Dämme aus Erd- und Baustoffen an Fließgewässern zum Schutz des
Hinterlandes gegen Hochwasser, die im Gegensatz zu Stauhaltungsdämmen nur bei
Hochwasser beansprucht werden“ (DIN 19712 (1997)).
Wasserseitige Böschung Luftseitige Böschung
BHW Deichkrone
Freibord

Berme Deichhöhe Berme


MW Deichvorland
Untergrund

Deichlager

Abb. 1: Deichquerschnitt mit typischen Begriffen nach DIN 19712 (1997)


Deiche sollten nach DVWK (1986) als Drei-Zonen-Damm (Abb. 2) aufgebaut sein.
D = Dichtung
S = Stützkörper
F = Filterkörper
E = Dränung
BHW DU = Durchlässiger Untergrund
UU = Undurchlässiger Untergrund
UD = Untergrundabdichtung

S F E
D

DU UD
UU

Abb. 2: Drei-Zonen-Damm nach DVWK (1986)

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden


Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 2

Das Maß der hydraulischen Belastung bei Hochwasserfall hängt maßgeblich vom Zustand
des Deichbauwerks ab. In Trockenzeiten nehmen vor allem die Tätigkeit von Wühltieren,
Bewuchs und andere den Boden verändernde Faktoren Einfluss. Neben der DIN 19712
„Flussdeiche“ (1997) und dem DVWK-Merkblatt 210 „Flussdeiche“ (1986) sind weitere
Merkblätter erschienen, die sich ausschließlich mit der Problematik von Wühltier- und
Bewuchsschäden auseinandersetzen: DVWK (1981) / (1989) / (1993) / (1997) I + II und
LfW (1984). Die Belange der technischen Funktionalität des Bauwerks können mit den
Anforderungen des Natur- und Umweltschutzes teilweise nicht korrespondieren. Die
Forderungen nach einem gehölzfreien und Wühltier feindlichen Bauwerk sind ebenso wenig
konsensfähig wie ein nicht mehr kontrollierter, der Natur überlassener Deich.
Wissenschaftlich ausgerichtete Arbeiten, welche sich mit Deichbauten und deren Sanierung
beschäftigten, haben in Vergangenheit Sanierungskonzepte erarbeitet (Brauns et al. (1997)),
bei denen primär die Funktionalität im Vordergrund stand (Abb. 3). Die Thematik der
Einpassung des Deiches in ein übergeordnetes Ökosystems wurde bislang noch keiner
konkreten Regelung zugeführt.
Aufschüttung
5m Alter, verbliebener Deichkörper
Alter, abgetragener Deichkörper (überschüttet)
3m
BHW
2 m Bergsenkung
Oberboden
1:3

3,1
1: alter teilw. um- G, s Deichweg
Deichkörper gelagert
MQ

lückenhafte Lehmdecke (T,u,s) Schloss-gedichtete Spundwand


(teils gerammt, teils aufgeständert)
geschichtete, erosionsanfällige Sedimente (G,s)

gering durchlässiger Mergel (Mg)

Abb. 3: Beispiel eines sanierungsbedürftigen Deiches mit Sanierungsvorschlag nach Brauns


et al. (1997)
Bei einer zu erwartenden Bergsenkung von 2,0 m des gezeigten Beispiels (Abb. 3), beträgt
das Freibord nach Abklingen der Senkung 1,0 m. Als Dichtung wird eine bis in den
Untergrund reichende Spundwand vorgeschlagen. Der Austausch zwischen Vorfluter und
Grundwasser kann bei einer bis in den undurchlässigen Untergrund reichenden Dichtwand
beeinträchtigt sein. Auf die Grundwasserverhältnisse ist in der Praxis stets besonders
Rücksicht zu nehmen.
Die Verquickung von theoretisch-wissenschaftlichen Ansätzen mit der in der Baupraxis
relevanten Wirtschaftlichkeit und Ausführbarkeit muss jeder Ingenieur innerhalb seines
eigenen Ermessensspielraums neu erarbeiten, wenn er nicht auf Erfahrungswerte oder
Beispielmaßnahmen zurückgreifen kann.

3 Beanspruchungen und Lastfälle


3.1 Beanspruchungen
Der Einstau bei Hochwasser stellt die maßgebende Belastung des Deichbauwerks dar. Das
Deichbauwerk kann, wie schon erwähnt, während Trockenzeiten durch Wühltiere,
unsachgemäßen Bewuchs etc. in seiner Substanz geschädigt werden. Der Einstau mit der
sich einstellender Durchsickerung hat maßgeblichen Einfluss auf die Bodenparameter. Der
Einfluss der Durchsickerung auf den Deich ist in Tab. 1 aufgelistet.

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden


Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 3

Tab. 1: Auswirkungen der Durchsickerung auf den Deich

Direkte Auswirkung / Änderung Folgen /


Durchsickerung
der Deichparameter Schäden
Auftreten von Schwächung des Korngerüstes stärkere
Strömungskräften (Sufffusion / Erosion), Änderung Durchsickerung, erhöhte
der Bodenzusammensetzung, Gefahr von Grundbruch
Sättigung des Bodens
abnehmende Wichte γ, steigende und Böschungsrutsch,
Durchlässigkeit k, abnehmende Ausspülungen,
Kohäsion c, abnehmender Setzungen,
innerer Reibungswinkel ϕ, Verringerung der
erhöhter Porenraum n, Auftreten Gleitsicherheit,
einer Hangquelle, Verminderung Oberflächenerosion
der Scherfestigkeit τF

Wenn die angreifenden Belastungen größer sind, als der Widerstand, den das Bauwerk
„Deich“ mit Untergrund als Dichtungssystem bietet, kann ein Versagen des Deiches
ausgelöst werden (Abb. 4):
1. Bruch durch Überströmung mit Oberflächenerosion
2. Versagen der Böschungen
3. Hydraulischer Grundbruch (Auftrieb) oder Gleitversagen unter Grundwasserdruck
4. Erosionsgrundbruch (Ausspülungen) / Rückschreitende Erosion

HQ > HQb
HQb
1.) Überströmung 2.) Rutschung
Durchsickerung
Strömung
Deichkörper Scherfuge
Erosionen Deichkörper
S, g S, g

Auelehm T, s,g Auelehm T, s,g

Durchlässige Schicht Durchlässige Schicht

G, s G, s

Dichter Untergrund (U) Dichter Untergrund (U)


U, s U, s

HQb HQb
3.) Hydr. Grundbruch 4.) Erosion
Auftrieb Strömung
Erosionen
Deichkörper G<S Deichkörper
S, g S, g Quelltrichter

Auelehm T, s,g Auelehm T, s,g

Sohlenwasserdruck Durchlässige Schicht Durchlässige Schicht


G, s G, s
Dichter Untergrund (U) Dichter Untergrund (U)

U, s U, s

Abb. 4: Deichversagensarten an systematischen Deichquerschnitten


Normalerweise ist das Versagen eines Deiches das Resultat des Zusammenspiels von
mannigfaltigen schadhaften Einflüssen auf Deichkörper und Untergrund.
Verändert sich die Lage der freien Oberfläche im Deichkörper mit fortschreitender Zeit nicht,
wenn also die hydraulischen und bodentechnischen Kennwerte theoretisch gleich bleiben,
stellt sich eine Umhüllende der Durchsickerung ein (Abb. 5), die oft als Sickerlinie oder

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden


Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 4

Grenzsickerlinie bezeichnet wird. Dieser Endzustand der Durchsickerung stellt den


ungünstigsten Fall des Durchsickerungsvorganges dar.
nicht wassergesättigt
Hochwasserwelle BHW Durchsickerter Deich
4
Umhüllende
3
2
5 Sickerlinie
6 (bei langem Einstau)
1 7

Dauer 1 2 3 4 5 6 7

Abb. 5: Ausbreitung der Durchsickerung nach DVWK (1986)


3.2 Lastfälle
Lastfälle an Deichen können gemäß DIN 1054 (1976), DIN 4084 (1981) und
DIN 19712 (1997) gebildet werden. Die Anwendung des neuen Konzepts mit
Teilsicherheitsbeiwerten nach DIN 1054-100 (1996) findet in der Praxis bereits Anwendung.
Lastfall 1 nach DIN 1054 bzw. DIN 19700-11 (2001) für ständig einwirkende Lasten kommt
für Deichbauten nicht in Frage. Für temporäre Belastungen sind Lastfall 2 und 3 nach
DIN 1054 (1976) mit den Sicherheiten aus DIN 4084 (1981) in folgender Tab. 2 aus
DVWK (1986) angegeben.
Tab. 2: Lastfälle für Deiche nach DIN 1054 (1976) mit Sicherheiten nach DIN 4084 (1981)
Anzusetzende Lasten Sicherheit
nach DIN 1054 (1976) nach DIN 4084 (1981)
- Eigenlast
Lastfall 2

- Verkehrslast auf Krone und Berme


- Wasserstand nicht höher als BHW (Tab. 3, Bild 1) η = 1,3

- Eigenlast
Lastfall 3

- Verkehrslast auf Krone und Berme


- Wasserstand bis Deichkrone (Tab. 3, Bild 2) η = 1,2
- ggf. Versagen der Dränung (Tab. 3, Bild 3)

In folgender Aufstellung sind Lastfälle für Deichbauten dargestellt. Zusätzlich sei hier auf den
Lastfall „Fallender Wasserspiegel“ (Tab. 3, Bild 4) nach DVWK (1986) hingewiesen. In der
Praxis werden die in den Normen klassifizierten Lastfälle durch praktisch relevante Lastbilder
erweitert (Tab. 3, Bild 5 und 6).
Tab. 3: Lastfälle bei Deichbauten

1 BHW Sickerlinie
2 WST Erhöhte Sickerlinie

3 BHW Erhöhte Sickerlinie


4 Sickerlinie

Fußdrän
W
W/3

5 Sackung 6 WST Erosion


BHW 1,0 m 1,0 m

Dichtung Dichtung

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden


Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 5

Bild 5 aus Tab. 3 beruht auf der Annahme, dass aufgrund von Wühltieraktivitäten
vorhandene Porenräume bzw. im Falle von Windwurf eines Baumes sich der wasserseitige
Stützkörper um 1,0 m setzt bzw. nachgibt. Das Dichtungselement muss somit statisch
wirksam sein (Weiß (2003)). Dieser Lastfall ist an einen Lastfall aus dem Dammbau
(BAW (1998)) angelehnt, bei dem eine resultierende Neigung von ϕ/2 angenommen wird.
Bild 6 in Tab. 3 beruht auf der Forderung, dass das einzubauende Dichtungselement,
nachdem eine Erosion von 1,0 m des luftseitigen Stützkörpers durch Überströmung
stattgefunden hat, die statische Last für den Erhalt der Standsicherheit des restlichen
Deiches abtragen muss.

4 Sanierungsmaßnahmen
Im Folgenden werden die Sanierungsmaßnahmen nach ihrem Wirkungsumfeld
unterschieden. In der Praxis muss bei Sanierungsmaßnahmen alle Möglichkeiten der
Ertüchtigung in Betracht gezogen werden und ein umfassendes Konzept erarbeitet werden.
4.1 Maßnahmen im Lageplan
Die in Vergangenheit durchgeführten Eindeichungen hatten zum Einen den Schutz von
bereits vorhandenen Siedlungen und Nutzflächen zum Ziel und zum Anderen die Gewinnung
von Agrarflächen durch Umwandlung des ehemaligen Überschwemmungsgebietes.
Heutzutage wird Hochwasserschutz durch die Schaffung von Rückhalteflächen betrieben.
Die Möglichkeit, die Ausbreitung von Hochwasserwellen in der Fläche zu simulieren, hilft
dabei, die bestehenden Deichstrecken, insbesondere die Deichlage und ihren Einfluss auf
Wasserstand und Fließgeschwindigkeit, zu untersuchen und zu bewerten.
Als Maßnahmen der Veränderungen im Lageplan seien hier die Trassenverlegung von
Deichen, die Deichrückverlegung, der Neubau von Deichen und die Schaffung von
Überflutungsflächen an Deichüberlaufstrecken zu erwähnen. Es sei angemerkt, dass jegliche
Beeinflussung einer Hochwasserwelle Auswirkungen auf das gesamte Hochwassergebiet
hat. Eine Maßnahme muss deshalb ihre übergeordnete positive Wirkung nachweisen. So
kann z. B. die Verbreiterung eines Fließquerschnitte zwar den Pegel und die
Geschwindigkeit an einer Stelle senken, jedoch an anderer Stelle durch eine potentielle
Überlagerung der Hochwasserwellen separater Einzugsgebiete die Situation verschlechtern.
4.1.1 Trassenverlegung
Eine Trassenverlegung soll immer eine Gewinnung von Rückhalteraum und / oder ein
günstigeres Abflussverhalten mit Blick auf das gesamte Abflussregime zur Folge haben. Eine
nachträgliche, weiträumige Änderung des Deichverlaufes kann aufgrund neuer Erkenntnisse
der in DVWK (1986) erwähnten Punkte geschehen:
1. Hydraulische Randbedingungen
2. Untergrund
3. Landschaftliche, ökologische und städtebauliche Belange
4. Nutzungsansprüche / Eigentumsverhältnisse
4.1.2 Deichrückverlegung
Existiert im Abflussquerschnitt die Möglichkeit den Deich ins Hinterland zu verlegen, kann ein
Plus an Retentionsvermögen und eine Verminderung der Abflussgeschwindigkeit erreicht
werden. Auf die Untergrundverhältnisse an der neuen Deichstrecke ist besonders zu achten.
Die Wirksamkeit von Deichrückverlegung wird in der Fachwelt sehr unterschiedlich beurteilt.
In Schwaller (2003) wird der Einfluss von Deichrückverlegung, Bewaldung und Mäandern auf
das Retentionsvermögen untersucht. Ergebnisse führen dahin, dass eine
Deichrückverlegung mit vollständiger Bewaldung Fließquerschnitts die größte
Scheitelabminderung nach sich ziehen kann. Der relative Einfluss der Abminderung durch
Maßnahmen im Vorland sinkt mit dem steigenden Verhältnis von Abflussgröße zu

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Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 6

Vorlandbreite. Wird die Deichrückverlegung mit flussbaulichen Maßnahmen wie Mäandern,


Aufweitungen und Sohlanhebung kombiniert, lässt sich eine zusätzliche Verminderung des
Scheitels im Zielgebiet erreichen.
4.1.3 Neubau von Deichen
Die Sicherheit von Deichbauwerken wird nicht nur durch Maßnahmen an den Hauptdeichen
gesteigert. Zu deren Sicherung oder Unterstützung können auch Deichbauwerke im Umfeld
des Hauptdeiches neu gebaut bzw. ertüchtigt werden. Als Beispiel sei hier der Bau eines
Qualmdeiches (Abb. 6) erwähnt, der den bei einer Durchsickerung auftretenden
hydraulischen Gradienten senkt und somit die Durchsickerung des Hauptdeiches vermindert.

BHW Sickerlinie v = k*i


i = (Η−∆H)/∆L
H UW

∆H

∆L Qualmdeich
Abb. 6. Wirkung eines Qualmdeiches
Mit Sandsäcken geschüttete Qualmdeiche sind ein bewährtes Mittel bei der
Deichverteidigung.
4.1.4 Schaffung von Flutungsgebieten durch Überlaufstrecken
Nicht zuletzt wegen der Eindeichung langer Flussstrecken stehen für die Retention von
Hochwasserwellen wichtige Überflutungsflächen nicht mehr zur Verfügung. Unter anderem
verfolgt das vom Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen
beschlossene Aktionsprogramm 2020 (StMLU (2002)) deshalb die Rückgewinnung von
Rückhalteraum. An der Donau in Bayern werden zur Zeit u. a. vom Wasserwirtschaftsamt
Deggendorf mehrere gesteuerte Polder geplant (Blaschke (2003)).
Überlaufstrecken können einerseits ausgewiesene Überschwemmungsflächen bzw. Polder
(„zum Schutz gegen Überflutung eingedeichte Niederung“) fluten oder sie können als
Notventil dienen und Gebiete geringerer Schutzbedürftigkeit zum Schutz anderer z. B.
besiedelter Bereiche „opfern“.
Die politische Durchsetzbarkeit von Deichübelaufstrecken als Notventile scheitert oft schon
an den rechtlichen Grundlagen des Hochwasserschutzes. Zwar spricht der Gesetzgeber von
einer sozialen Bindung des Eigentums, doch stößt in der Praxis der Bau von
Überlaufstrecken mit abgesenkter Krone auf heftigen Widerstand der Betroffenen, was eine
Umsetzung schon während der Planungsphase in Frage stellt.

Krone Deich Überlaufhöhe


BHW Geotextil
(Bewehrung)
5
3
1
Mutterboden
1 30 cm (mit Grasnarbe)

Abb. 7: Gestaltung eines überströmbaren Dammes nach Brauns et al. (2002)


Überlaufstrecken müssen aufgrund der hohen hydraulischen Belastung konstruktiv
besonders geschützt werden. Krone und die luftseitige Böschung können oberflächlich
konstruktiv z. B. mit Wasserbausteinen oder hydraulischen gebundenen Tragschichten
gesichert werden (Abb. 7).

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Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 7

4.2 Ausbau des Fließquerschnittes


Maßnahmen im Fließquerschnitt können durch eine bauliche Veränderung direkt am Deich
oder durch Maßnahmen im Hauptgerinne oder Vorland mit einhergehenden indirekten
Einflüssen auf das Deichbauwerk wie z. B. Änderung des Wasserstandes durchgeführt
werden. Der Fließquerschnitt kann durch
- Ausbaggerungen im Hauptgerinne bzw. Eintiefung des Vorlandes
- Erhöhung der Deiche
- Rückverlegung der Deiche
- Veränderung des Fließwiderstands
ertüchtigt werden.
4.3 Maßnahmen am Absperrbauwerk (Deichkörper / Untergrund)
Das Absperrbauwerk selbst muss für die Bemessungsbelastungen unter Einbezug eines
Restrisikos und der jeweiligen Annahmen sicher sein. Dazu ist die Standsicherheit, die
Gebrauchstauglichkeit und die Dauerhaftigkeit nachzuweisen (Tab. 4).
Tab.4: Deichsanierung nach den anerkannten Regeln der Technik
Nachweise / Kriterien Mittel / Werkzeuge
1. Abflachung der Böschungen
2. Stützkonstruktionen
- Böschungsbruch 3. Einschränkung der Durchsickerung
4. Materialverbesserung
Standsicherheit / Gebrauchstauglichkeit / Dauerhaftigkeit

1. Verbreiterung des Deichauflagers


- Gleiten (bei Dichtungen) 2. Einschränkung der Durchsickerung
3. Materialverbesserung
1. Einschränkung der Durchsickerung
- Spreizen (am Deichfuß) 2. Abflachung der Böschungen
3. Materialverbesserung
1. Einschränkung der Durchsickerung
- Grundbruch (am Deichfuß) 2. Materialverbesserung (Boden und Untergrund)
1. Auflast am luftseitigen Deichfuß
- Hydraulischer Grundbruch 2. Einschränkung der Durchsickerung
(Untergrund)
1. Einschränkung der Durchsickerung
- Sufffusion / Erosion 2. Filterstabiler Aufbau
3. Materialverbesserung
1. Einschränkung der Durchsickerung
- Setzungen / Senkungen 2. Setzungsarme Materialien
3. Materialverbesserung
1. Ausbildung des Vorlandes (Breite, Bewuchs)
- Wühltiere 2. Sperrschichten
3. Direkte Maßnahmen gegen Wühltiere
1. Geschlossene Grasnarbe
- Bewuchs 2. Einschränkung der Durchwurzelung
3. Kontrollierte Bepflanzung mit Gehölzen
1. Anbindung ans Straßennetz
- Zugangswege 2. Mindestbreite
3. Stabiler Aufbau
1. Deichlager
- Deichverteidigung 2. Wendemöglichkeiten
3. Wege (siehe oben)
1. Arbeitswege (siehe oben)
- Unterhalt / Überwachung 2. Böschungsneigungen
3. Kontrollierter Bewuchs

Der Deich wird in der Regel durch die Gestaltung des Querschnittes mit besonderer
Beachtung ausreichender Abmessungen für Krone, Böschungen etc. wirksam ertüchtigt.

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden


Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 8

Darüber hinaus können durch eine Einschränkung der Durchsickerung durch Dichtungen
bzw. Kontrolle des Sickerwassers durch Dränageelemente die schädlichen Einflüsse
reduziert werden. Belange des Unterhalts und der Überwachung sowie der
Deichverteidigung müssen bei der Wahl des Sanierungskonzeptes berücksichtigt werden.
Neben den konstruktiven Möglichkeiten die Geometrie des Deichquerschnittes den
Anforderungen anzupassen, ist es auch möglich das vorhandene Bodenmaterial durch
gezieltes Vorgehen zu verbessern. Präventiv sollten die Einflüsse von Wühltieren und des
Bewuchses gering gehalten werden und bei der Sanierungslösung z. B. durch
Überdimensionierung des Querschnitts bei Beibehaltung des Bewuchses ebenfalls
berücksichtigt werden.

5 Stand der Bautechnik


5.1 Abdichtung
Die Abdichtung eines Deiches kann an der Oberfläche oder dem Inneren des Deichkörpers
und im Untergrund erfolgen. Die üblichen Dichtungsverfahren, vgl. DVWK (1990), sind in
folgender Tabelle aufgelistet:
Tab. 6: Abdichtungsmöglichkeiten bei Deichen
Ort Verfahren / Dichtungselement Schemaskizze
1. Natürliche Tondichtung 1 BHW Dichtung
Oberfläche 2. Kunststoffdichtungsbahn
3. Tondichtungsbahn
1. Schmalwand 2 BHW Dichtung
2. Schlitzwand
Innen 3. MIP- / DMM-Verfahren
4. Spundwand
5. FMI-Verfahren
3 Dichtung
1. Spundwand BHW
2. Schmalwand
Untergrund 3. Spundwand
4. FMI-Verfahren Durchlässige Schicht
Undurchlässige Schicht

Eine oberflächliche Abdichtung (Tab. 6, Bild 1) eines Deiches hat den Vorteil, dass das
Wasser in geringem Maße in den Deichkörper einsickert und somit Schaden im Voraus
vermieden werden. Deichsanierung mit Hilfe von Innendichtungen (Tab. 6, Bild 2) haben den
Vorteil, dass man in einem Arbeitsgang die Abdichtung des Deichkörpers und des
Untergrundes z. B. durch eine Spundwand erreichen kann. Auf den Anschluss der
Untergrundabdichtung an eine dichte Schicht (Tab. 6, Bild 3) und gleichzeitig die Beachtung
der vorherrschenden Grundwasserverhältnisse sei hingewiesen.
5.2 Materialverbesserungen
Erfüllt das vorhandene Deichmaterial nicht die Anforderungen, können die
Bodeneigenschaften nachträglich verbessert werden. Die bei historisch gewachsenen
Deichen häufig anzutreffende geringe Lagerungsdichte kann durch nachträgliche
Verdichtungsarbeiten erhöht werden.
- Abtragung des Deichmaterials und Neuaufbau mit Verdichtung
- Nachträgliche Verdichtung
- Bodenverbesserung durch Bindemittelzugabe
- Bodenaustausch
- Qualitätserhöhende Einbauten (Geogitter, Vliese etc.)

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Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 9

5.3 Filter / Dränelemente


Filtereinbauten verhindern das Auftreten von Ausspülungen und von Umlagerungen durch
Erosion und Sufffusion. Dränelemente sollen anfallendes Sickerwasser in einem
kontrollierten Bereich halten. Folgende bauliche Maßnahmen haben sich in der Praxis
bewährt:
- Einbau eines Fußdräns
- Einbau eines Auflastdräns
- Filtermatten
- Geogitter
- Vliese
Besondere Beachtung sollte den Geokunststoffen gewidmet werden, die in der
Vergangenheit ihre vielseitigen Funktionen unter Beweis gestellt haben. Die kostengünstige
Herstellung und die einfache Einbau sprechen für diese Sanierungsmethode (Abb. 8).
Erosionsschutzmatte
Erdschicht Geosynthetische Tondichtungsbahn
BHW
2 Faservliesstoff
2 1
Straße
1

Untergrund

Abb. 8: Mit Hilfe von Geokunststoffen sanierter Deich nach Heerten (1999)

6 Resümee
Die Deichsanierung ist ein komplexes Arbeitsfeld, das nicht nur aufgrund der historischen
Entwicklung der Deichbauwerke selbst, der enormen Längserstreckung und dem dahinter
liegenden Schadenspotenzial besondere Aufmerksamkeit verdient. Forschungs- und
Entwicklungsarbeit soll dazu beitragen, die begrenzt zur Verfügung stehenden Gelder
effizient zur Erhöhung der Hochwassersicherheit einzusetzen. Sanierungsbedürftige Deiche
müssen unter vertretbarem wirtschaftlichen Aufwand nach den anerkannten Regeln der
Technik und mit Berücksichtigung des Standes der Bautechnik ertüchtigt werden. Die in der
Praxis mangelnde Erfahrung und Sicherheit im Umgang mit dieser Materie kann zu
Lösungen führen, die weder technisch noch wirtschaftlich zu vertreten sind.

7 Literatur
BAW (1998)
Standsicherheit von Dämmen an Bundeswasserstraßen (MSD). Merkblatt,
Bundesanstalt für Wasserbau (BAW), Karlsruhe 1998
Blaschke, Benno (2003)
Polder an der Donau. Tagungsband, S. 124 – 134, Nürnberger Wasserwirtschaftstag
05. Juni 2003, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.,
2003

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden


Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 10

Brauns, J.; Kast, K.; Schuler, U.; Schneider, H. (1997)


Bewertung der geotechnischen Sicherheit von Hochwasserschutzdeichen und
Grundlagen zur Beurteilung von Sanierungsmaßnahme. Abteilung Erddammbau und
Deponiebau, Institut für Bodenmechanik und Felsmechanik, Universität Karlsruhe,
Heft 7, Karlsruhe 1997
Brauns, J.; Bieberstein, A.; Queißer, J.; Bernart, H. H. (2002)
Überströmbare Dämme – landschaftsverträgliche Ausführungsvarianten für den
dezentralen Hochwasserschutz in Baden-Württemberg, Zwischenbericht, Programm
Lebensgrundlage Umwelt und ihre Sicherung (BWPLUS), Forschungszentrum
Karlsruhe 2002
DIN 1054 (1976)
Baugrund; zulässige Belastung des Baugrundes. Deutsches Institut für Normung e.V.
(DIN), Beuth Verlag, Berlin, November 1976
DIN V 1054-100 (1996)
Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau. Teil 100: Berechnung nach dem Konzept
mit Teilsicherheitsbeiwerten. Vornorm. Deutsches Institut für Normung e.V. (DIN),
Beuth Verlag, Berlin, April 1996
DIN 4084 (1981)
Baugrund; Gelände- und Böschungsbruchberechnungen. Deutsches Institut für
Normung e.V. (DIN), Beuth Verlag, Berlin, Juli 1981
DIN E 19700-11 (2001)
Stauanlagen. Teil 11: Talsperren. Entwurf. Deutsches Institut für Normung e.V. (DIN),
Beuth Verlag, August 2001
DIN 19712 (1997)
Flussdeiche. Normenausschuss Wasserwesen (NAW), Deutsches Institut für Normung
e.V. (DIN), November 1997
DVWK (1981)
Empfehlungen für bisamsicheren Ausbau von Gewässern, Deichen und Dämmen.
Regeln zur Wasserwirtschaft, Heft 107, Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und
Kulturbau, Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, 1981
DVWK (1986)
Flussdeiche. Merkblätter zur Wasserwirtschaft, Heft 210, Deutscher Verband für
Wasserwirtschaft und Kulturbau, Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, 1986
DVWK (1989)
Besiedlung und Schädigung von Flussdeichen durch Säugetiere. DVWK-Nachrichten,
Nr. 102, Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau, Verlag Paul Parey,
Hamburg und Berlin, 1989
DVWK (1990)
Dichtungselemente im Wasserbau. Merkblätter zur Wasserwirtschaft, Heft 215,
Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau, Verlag Paul Parey, Hamburg
und Berlin, 1990

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden


Betrachtungen zu Deichsanierungsarbeiten 11

DVWK (1993)
Landschaftsökologische Gesichtspunkte bei Flussdeichen. Merkblätter zur
Wasserwirtschaft, Heft 226, Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau,
Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin, 1993
DVWK (1997) I
Uferstreifen an Fließgewässern – Funktion, Gestaltung und Pflege. Merkblätter zur
Wasserwirtschaft, Heft 244, Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau,
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8 Verfasser

Ronald Haselsteiner
Lehrstuhl und Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft
Technische Universität München
Arcisstraße 21
80290 München
Email: [email protected]

5. JuWi-Treffen, 30.7.-1.8.2003 IWD, TU Dresden

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