0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
144 Ansichten90 Seiten

Deskriptive Grammatik Fernstud 1

Die Vorlesung behandelt die deskriptive Grammatik mit einem Fokus auf die Wortartenlehre, die Kriterien zur Bestimmung von Wortarten und deren Klassifikationen. Es werden verschiedene Wortarten wie Artikel, Pronomen, Adjektive, Adverbien, Präpositionen und Verben sowie deren syntaktische und semantische Eigenschaften vorgestellt. Zudem wird auf die Problematik der Zuordnung von Wörtern zu Wortarten und die Klassifizierung von Verben eingegangen.

Hochgeladen von

Kriszta Sami
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen
0% fanden dieses Dokument nützlich (0 Abstimmungen)
144 Ansichten90 Seiten

Deskriptive Grammatik Fernstud 1

Die Vorlesung behandelt die deskriptive Grammatik mit einem Fokus auf die Wortartenlehre, die Kriterien zur Bestimmung von Wortarten und deren Klassifikationen. Es werden verschiedene Wortarten wie Artikel, Pronomen, Adjektive, Adverbien, Präpositionen und Verben sowie deren syntaktische und semantische Eigenschaften vorgestellt. Zudem wird auf die Problematik der Zuordnung von Wörtern zu Wortarten und die Klassifizierung von Verben eingegangen.

Hochgeladen von

Kriszta Sami
Copyright
© © All Rights Reserved
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
Verfügbare Formate
Als PDF, TXT herunterladen oder online auf Scribd lesen

1

Deskriptive Grammatik
1. Vorlesung – 15. 09. 2023
Kursleiterin: Bernadett Modrián-Horváth
2
Wortartenlehre
3 Wortartenlehre

 Kriterien für die Feststellung von Wortarten/Kategorien:


 Semantische (inhaltliche) – was drücken die Kategorien typischerweise
aus?
 Morphologische: (wie) können die Wörter flektiert werden?
 Syntaktische: in welchen Umgebungen können sie im Satz vorkommen?
4 Wort: eine problematische Kategorie

 Lexikalische Wortart – Lexem (lexikalisches Wort) z.B. {laufen, lief, i. gelaufen}


 Syntaktische Wortart – bezieht sich auf eine konkrete Wortform z.B. lief

 Die beiden wichtigsten Wortbegriffe


 (sonst: orthographisches, phonetisches, morphologisches, syntaktisches, …
Wort)
5

 „Es gibt nicht eine ‚richtige‘ Einteilung der Wortarten, sondern viele
mögliche. Welche Klassifikation jeweils angemessen ist, bestimmt sich im
Grund genommen aus dem Ziel, das der Klassifizierende verfolgt.“
(Knobloch 1986, 28)

 Knobloch, C. (1986) Wortarten in der Schulgrammatik. Probleme und


Vorschläge. In: Der Deutschunterricht Heft 2/1986, 37-49.
6

Glinz’ 5-Wortarten-Modell – Grafik von S. Hackmack


7

Quelle: IDS-Progr@mm [Link]


[Link]/call/public/[Link]?v_typ=p&v_id=244
8 Einige Wortarten im Überblick:
Artikel / Artikelwörter
 Als Artikel werden eine Reihe von Wörtern bezeichnet, denen die Funktion der
Determination gemeinsam ist. Sie können zusammen mit einem Nomen eine
Nominalphrase bilden.
 Auch als Determinator, Determinierer… bezeichnet
 Oft Entsprechung bei den (substantivischen) Pronomina!
 der, diese, ein, unser, alle, irgendwelche, dasselbe, jene ...
 die neue Straße, ein altes Haus, diese Bäume, welches Dorf, alle Bürger unseres
Dorfs, irgendwelche Neuigkeiten, derselbe alte Hut ...
 Subklassen: definiter Artikel (der, die, das), indefiniter Artikel (ein-), Possessiv-
Artikel (mein-) Demonstrativ-Artikel Quantifikativ-Artikel (all-, einig-, etlich-,
manch-) W-Artikel (was für ein…, welch-)
 Dekliniert; bilden mit Nomina eine Nominalphrase  stehen nicht allein!
9 Pronomen

 Sehr heterogene Klasse


 Syntaktisch: können in Sätzen selbstständig auftreten (im Gegensatz zu
Artikeln)  Pronominalphrase

 ich, du, sie, man, mein, sich, dieser, wem, jene, einer, alle, jeden ...
 Subklassen: Personalpronomen (deiktisch und anaphorisch),
Indefinitpronomen, Possessivpronomen, Demonstrativpronomen,
Fragepronomen (W-Pronomen), Reflexivpronomen, Quantivikativ-
Pronomen
10 Adjektive

 Können dekliniert und kompariert werden (nicht alle!)


z.B. er ist pleite, aber nicht: *ein pleiter Unternehmer; totes Holz - *toteres Holz
 Semantisch (= von der Bedeutung her): drücken sie meist eine Eigenschaft aus;
sie charakterisieren
 Syntaktisch (im Phrasen- und Satzbau): funktionieren als
 Attribute grünes Gras
 Prädikative (állítmány-kiegészítő) Das Gras ist grün.
 Adverbialia (határozó! – mondatrész) Der Jogger läuft schnell.

 Nicht alle Adjektive können in allen Funktionen auftreten!


 Abgrenzung von den Adverbien: Flektierbarkeit
 Er braucht dringend einen Arzt  dringende Angelegenheit;
Er braucht jetzt einen Arzt  ?
11 Adverbien

 Funktion: Modifikation
 Unflektierbar (im Gegensatz zu den meistenAdjektiven)
Die Fahrt war schnell. Die Fahrt war heute. – schnelle Fahrt; *heute Fahrt
 Regieren keinen Kasus (im Gegensatz zu den Präpositionen)
drauf; *drauf dem Teppich; auf dem Teppich
 Sind vorfeldfähig  d.h. sie können allein die Position im Hauptsatz vor dem
konjugierten Verb besetzen
Heute kam er an; *Auch kam er an.
 Syntaktisch: als Attribut in NP – der Ball heute; Adverbial im Satz Hoffentlich
kommt er an; Bald kam er an
 Beispiele: gern, darauf, dafür, worauf, da, dort, hier, hierin, heute,
vorgestern, nebenan, mittlerweile…
12 Präpositionen

 Regieren einen Kasus auf den Tisch, auf dem Tisch


 Können voran- oder nachgestellt werden (Prä- oder Postpositionen)
 Mehrwortlexeme – von … an; um … willen – (Zirkumpositionen)
 Auch neuere Entwicklungen dazu gezählt:
den Umständen entsprechend, infolge des Erdbebens, hinsichtlich der
hohen Anzahl der Bewerbungen…
13 Partikeln

 Heterogene Klasse
 Unflektierbar
 Nicht vorfeldfähig Er hat sich durchaus gefreut. *Durchaus hat er sich
gefreut.
 Nicht erfragbar, können keine Phrasen bilden
 Subklassen:
 Intensitätspartikeln sehr, durchaus
 Abtönungspartikeln ja, halt, mal, eben
 Konnektivpartikeln folglich, beziehungsweise
 Fokuspartikeln gerade, erst, mindestens, sogar
14 Junktoren / Konjunktionen,
Subjunktionen
 Funktion: Verknüpfung von sprachlichen Einheiten
 Nicht flektierbar, nicht erfragbar
 Klassen:

 Konjunktoren (Konjunktionen) – Nebenordnend und, oder, aber…


 Subjunktoren (Subjunktionen) – Unterordnend dass, weil, falls, angenommen
 Adjunktoren – verknüpft meistens Phrasen oder Vergleichssätze als, wie
15 Bemerkung

 Wenn Sie in einem Text nicht jedes Wort eindeutig zu einer Wortart
zuordnen können, ist nicht unbedingt Ihre „Schuld”
 denn die Wortarten sind Kategorien von natürlichen Sprachen, weisen also
 Prototypikalitätseffekte
 auf!

 Z.B. Prototypisches Substantiv: Tisch > Marmelade / Schönheit > Laufen

 + vielfältige Klassifizierungen  erfassen jeweils andere Aspekte gut


16
Das Verb
17 Das Verb

 Zentrum des Satzes (Prädikatsbildung) – Bedeutung: Ereignis (Tätigkeit,


Zustand, Vorgang) – prozessual (zeitlich) dargestellt
 Klassifizierung: nach verschiedenen Gesichtspunkten
18 Klassifizierung des Verbs

- morphologisch: Deutsch: starke Verben (produktive Kl.!), schwache Verben +


besondere Gruppen von diesen
schwache Verben: spielen, spielte, hat gespielt; machen, -te, h. ge-t
Präteritum mit –te, Partizip Perfekt mit (ge-)-t
starke Verben: Vokalwechsel im Stamm, Prät. ohne –te, Part. Pf. mit –(e)n
laufen, läuft, lief, i. gelaufen; waschen, wäscht, wusch, h. gewaschen; sehen,
sieht, sah, h. gesehen; fliehen, flieht, floh, i. geflohen
+ andere Veränderung: stehen, stand, h. gestanden; gehen, ging, i.
gegangen…
Mischtypen – z.B. kennen, kannte, h. gekannt; brennen, bringen…
(Problem: Alternation zw. den Klassen – Bedeutungsunterschied oder stilistischer
Unterschied
schleifen-schleifte/schliff; senden –sendete/sandte; gären – gärte/gor…)
19
-Semantische Klassifizierung

Vorgangsv., Zustandsv., Handlungsv.

- Weitere Differenzierung: Wahrnehmungsverben,


Bewegungsverben mit/ohne Ortsveränderung,
Zustandsverben, Zustandsveränderungsverben, Verba
dicendi…)  relevant z.B. bei der Perfektbildung -
Hilfsverb, Bildung v. Zustandspassiv…

(Beispiel: Bewegung mit Ortsveränderung: er ist durch das


Zimmer getanzt
Bewegung ohne Ortsveränderung: er hat die ganze
Nacht getanzt
20

 Klassifizierung nach Aspekt:


perfektiv einschlafen, erblühen/verblühen (innerer Grenzpunkt)
durativ schlafen, blühen (kein innerer Grenzpunkt)

 relevant z.B. bei der Bildung v. Zustandspassiv, auch: Perfekthilfsverb


(Zustandspass.: resultative perfektive Verben: ist eröffnet, ist erledigt…
Perfekt: hat geblüht – ist (v)erblüht; hat geschlafen – ist eingeschlafen
21

 Syntaktische Einteilung:
- Modalverben sollen…
- Hilfsverben haben, sein, werden
- AcI-Verben lehren, lassen, hören, sehen…
- Kopulaverben sein, bleiben, scheinen
- Funktionsverben (Anwendung/Akzeptanz) finden, (zu Wort) kommen…
22 Reflexive Verben

1) Echte Reflexiva (syntaktisch gesehen)


Reflexivpronomen nicht weglassbar und nicht austauschbar
z.B. sich beeilen - *er beeilt; *er beeilt sie
2) „Unechte” Reflexiva/Partimreflexive Verben
Reflexivpronomen austauschbar
sie kämmt sich / ihre Tochter
3) (Keine Reflexiva!) Reziproke Verben
Gegenseitigkeit; sich gegen einander austauschbar
sie schlagen sich/einander; sie lieben sich/einander
23 Präfix- und Partikelverben

 Präfixverben: immer untrennbar


be- ent- emp- ge- miss- ver- zer-…
Vorsilbe: unbetont; Bildung der Part. Perf. ohne –ge
 Partikelverben = Präverbgefüge
- als Verbpartikel=Verbzusatz=Präverb funktioniert:
Präpositionen: anstellen, auferlegen, beitreten
 Adverbien: hereinkommen, hingehen, dranbleiben, zuvorkommen, heimgehen,
zurücklassen
 Adjektive: nahestehen, trockenlegen, totschlagen, gutheißen, festziehen
 Nomina: danksagen, kundgeben, teilnehmen, Maß halten, Kopf stehen, Rad
fahren
 infinite Verben: kennen lernen, stehen bleiben, spazieren gehen, sitzen bleiben.
24

Probleme:
- Schwankungen – geliebäugelt, (auch: liebgeäugelt); downgeloadet,
gedownloadet;
- Vorsilben, die sowohl trennbar, als auch untrennbar sein können
umgehen – um’gehen; übersetzen – über’setzen
--> Bedeutungsunterscheidend
umfahren: Er fuhr den Pfosten um. Sie umfuhr den Pfosten.
Übersetzen: Der Fährmann letzte den Fahrgast über. Der Student übersetzte
den Text.
25 Konjugation

 Kategorien des Verbs: Genus, Modus, Tempus, Numerus, Person


(s Genus, e Genera; r Modus, -i; s Tempus, -ora; r Numerus, -i)
 synthetische (einfache) Formen: Präsens und Präteritum
Indikativ: kommst, kommt… kam, kamst, schlief…
Konjunktiv: er komme, er schlafe…; kämest, kämen, schliefe
 + Imperativformen: komm! schlaf (gut)!
 Alle andere Formen: analytisch gebildet (zusammengesetzt)
 - Tempora: Perfekt bin/sei gelaufen, Plusquampf. war/wäre gelaufen, Futur I
wird/werde laufen, Futur II wird/(werde) gelaufen sein; würde-Form in Konjunktiv
würde lachen/gelacht haben
- Passiv in allen Tempora und Modi: wird/wurde/werde/würde gekocht,
ist/war/sei gekocht, ist/war/sei gekocht gewesen/worden, wird gekocht
sein/werden
26

Diewald/Habermann/Thurmair: Grundwissen
Grammatik S. 14.
27 Starke Verben

 - Ablautreihen bzw. Umlaut; historisch: regelmäßige Formbildungen

 - drei verschiedene Vokale – z.B. bitten, bat, gebeten; schwimmen,


schwamm, geschwommen; helfen, half, geholfen…
 - zwei Vokale: Präsens – Prät+[Link].
 reiten, ritt, geritten; fliegen, flog, geflogen; meiden, mied, gemieden…
 - zwei Vokale: Präs.+Part. – Prät.
 fahren, fuhr, gefahren; rufen, rief, gerufen; messen, maß, gemessen…
28 Perfekthilfsverb der Verben

 - meistens: haben  entweder transitiv oder durativ


hat gebrannt (durativ)

 - sein: perfektiv und intransitiv

perfektiv durativ

transitiv (= tárgyas) aufwecken wecken


ertränken tränken
sprengen trinken
intransitiv (= tárgyatlan) aufwachen + sein! wachen
ertrinken + sein! schlafen
springen + sein! blühen

Quelle: Hentschel/Weydt: Handbuch der deutschen Grammatik, S. 56


29

 Andere Regeln:
 - intransitive Bewegungsverben, Verben des Passierens, der
Zustandsveränderung
immer mit sein
+ sein, bleiben, werden
 - transitive und reflexive Verben, Modalverben immer haben

 - Ausnahmen wie ist gelungen – hat geklappt ; hat


abgenommen/zugenommen usw.- historisch
30 Tempora

 Funktionale Kategorie: Zeit – deiktisch! (bezieht sich im Normalfall auf die


Sprechzeit/Äußerungszeit; deikt. Zentrum: ich, hier, jetzt)
 Zeitlichkeit: lexikalisch/grammatisch auszudrücken (lexikalisch: gestern, morgen…)
 Grammatisch verbindlich kodiert: am Finitum  Tempus: Verbkategorie
 Absolute Zeit:

Vergangenheit Sprechz Zukunft


eit

 Sprechzeit- S, Orientierungszeit - O, Ereigniszeit – E wichtig


31 Präsens S~E

 Unmarkiertes Tempus
 Für Momentanes („default”) Es ist kalt – im Moment der Äußerung ist es
kalt
 weiter gefasst: am Tag/im Monat/… der Äußerung ist es kalt
 Für allgemein Gültiges: Die Erde ist rund
 häufig für Künftiges – statt der analytischen Tempusformen
a) Einfachheit
b) Relevanz – Bezug des Tempus ist klar Morgen gehen wir ins Kino. – (aber:
*morgen waren wir ins Kino gegangen, )
- futurisches Präs: als sicher angesehene Tatsachen; auch andere Sprachen
 Metaphorisch: für Vergangenes: historisches Präsens – Übertragung des
deiktischen Zentrums
Gestern gehe ich auf der Straße und wen sehe ich da? Meinen Ex!
 Vergangenheitsformen im Deutschen
- 32
Präteritum: E<S (Ereigniszeit vor Sprechzeit)
Erzähltempus in Vergangenheit; v.a. (gehobene) Schriftsprache E<S
Ausnahmen: Modal- und Hilfsverben
Verkettungen von Ereignissen;
höfliche Rückfragen: wie war gleich Ihr Name? Wer bekam das Bier?
- Perfekt: E<S
(Formbildung mit bzw. Herausbildung aus) Partizip Perfekt: signalisiert Abgeschlossenheit
(Perfektivität) bzw. Resultativität die Auswirkung auf die Gegenwart betont
Schaut, es hat geschneit! -- ??Schaut, es schneite!
Oft mit Adverbien, die zw. Vergangenheit und Gegenwart eine Brücke schlagen – jetzt,
gerade, soeben schon, schon oft, schon immer, nocht nicht/nie…
Das Kind hat schon oft Flugzeuge gesehen / ?sah schon oft Flugzeuge
+ als Ersatztempus für Futur II.
Bis übermorgen habe ich diese Aufgabe schon beendet.

- Plusquamperfekt: Vor Sprechzeit + Vor Orientierungszeit (OZ: mit Prät.) E<O<S


Nachdem er gegessen hatte, ging er spazieren.
33

 Zukunftstempora im Deutschen

- Futur: Seltener gebraucht als das futurische Präsens


- Futur I: E>S
- Futur II: O>S, E>O
- Modale Komponente! – Fut. [Link]: Vermutung (epistemische Modalität)
!
Er wird schon in der Schule sein. – Er wird das getan haben.

+ Absicht Ich werde mir Mühe geben!

- Aspektuelle Komponente: Fut. II – Abgeschlossenheit, Perfektivität


34
Die Verbmodi
35 Überblick

 1. Modus und Modalität als funktionale Kategorie


 2. Verbmodus als Flexionskategorie im Deutschen
 3. Indikativ - Verwendung
 4. Konjunktiv – Bildung und Verwendung
- Umschreibung mit würde + Infinitiv
- Konjunktiv I. (Präsens, Perfekt und Futur)
- Mischung Konj. I-II. – indirekte Rede
- Konjunktiv II. (Präteritum, Plusquamperfekt)
 5. Imperativ
 - Bildung und Verwendung
 - „Ersatzformen”
36 1. Modus – Modalität als funktionale
Kategorie
 Modalität: - Einschätzung der Realität, Realisierungsmöglichkeiten des
bezeichneten Sachverhaltes
 Einstellung des Sprechers
 (möglich-unmöglich, erwünscht, irreal, nur wiedergegeben=referiert ...)
 Ausdrucksmöglichkeiten im Deutschen:
 Modalverben (müssen, sollen) modifizierende Verben (brauchen zu + Inf.,
drohen zu + Inf.), Verbmodus (Ind. Konj. Imp.), Modalwörter (vielleicht,
wahrscheinlich), Tempora (Futur I-II)
37 2. Verbmodus

 - Flexionskategorie in der deutschen Konjugation


 - Indikativ: unmarkiert, „default”; „Wirklichkeitsform”
 - Konjunktiv I-II: „Möglichkeitsform” – Einschränkung der Faktizität einer
Aussage
optative (-> Wunsch), adhortative (-> Selbstaufforderung), indirekte Rede
Irrealis (-> ‚kontrafaktisch’, entspricht nicht der Realität), Potentialis
(möglich)
 - Imperativ: Aufforderung (! Höflichkeit!), Wünsche
38 3. Indikativ

 - Bildung: s. bisher besprochene Tempora


 - Umgangssprache: auch indirekte (referierte, wiedergegebene) Rede)
statt Konjunktiv I

Er hat gesagt, dass er krank ist (statt: sei)


 Sie hat erzählt, dass sie euch gestern getroffen hat (statt: habe)
39 4. Formbildung im Indikativ und
Konjunktiv

Indikativ Konjunktiv
Präsens kommt komme
Präteritum kam – arbeitete käme - arbeitete
Perfekt ist gekommen – hat sei gekommen – habe gearbeitet
gearbeitet
Plusquamperf war gekommen – hatte wäre gekommen – hätte gearbeitet
ekt gearbeitet
Futur I. wird kommen werde kommen
Futur II wird gekommen sein – wird werde gekommen sein – werde
gearbeitet haben gearbeitet haben
sein  ich sei, du sei(e)st, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien
40 Formbildung mit Modalverb im
objektiven Gebrauch

Indikativ Konjunktiv
Präsens muss kommen müsse kommen
Präteritum musste kommen müsste kommen
Perfekt hat kommen müssen habe kommen müssen
Plusquamperf hatte kommen müssen hätte kommen müssen
ekt
Futur I. wird kommen müssen werde kommen müssen
41 Tempusfunktion vs. Modus!

 Gegenwartsform:
 Ind. Präs. - Konj. Präs, Konj. Prät.

 Vergangenheit
 Ind. Prät., Perf. - Konj. Perf., Plusquamperfekt
(Vorvergangenheit: Plusquampf.)
42 Würde + Inf. als Ersatzform

 würde + Infinitiv: allgemeine Ersatzform für Konj. I, II


 - schwache Verben: kein Unterschied zw. Konj. Prät. und Ind. Prät. 
würde-Form
sie sagt, sie arbeitete  würde arbeiten
 - starke Verben: viele veraltete Formen
ich stürbe/begönne, begänne/ hülfe  ich würde
sterben/beginnen/helfen
 - Umgangssprache: i.A. ersetzt – Schrift: käme – Ugs.: würde kommen;
schriftlich: schriebe – ugs.: würde schreiben
 (+ Analytisierungstendenz)
43 Funktionen des Konj. I.

 - Ausdruck des Wunsches (Optativ)


Es lebe das Geburtstagskind!
Hol’s der Teufel!
Wohl bekomm’s!
 - Ersatz für fehlende Imperativformen  Adhortativ
Seien wir ehrlich! Packen wir’s an! (Unterschied: nur beim Verb sein!!!)
 - Handlungsanweisungen
Man nehme 1 Liter Milch, 50 g Mehl, ...
 - formelhaft - textstrukturierende Verwendung
erwähnt sei noch...; festgehalten sei...
 - Möglichkeit: Komme, was wolle, Wie dem auch sei
 + INDIREKTE REDE
44 Indirekte Rede

 - Konj. I-II:
 a) Konj. I: wo eindeutig (vor allem: 3. Pers. Sing. – [er sagt,] er komme aus
Italien/er sei aus Italien gekommen); stilistisch höher stehend
 b) Konj. II: bei Formen, die sich im Indikativ und Konj. I. nicht unterscheiden- [er
sagt,], sie kämen aus Italien (statt: kommen) / sie hätten die Aufgabe
verstanden (statt: sie haben)
 c) würde + Infinitiv: als Ersatzform
 Das Kanzleramt teilte am Abend mit, die Kanzlerin verurteile diese Tat aufs
schärfste, die Minister im Kabinett sprächen sich wie die Kanzlerin für höhere
Strafen aus und würden an einem gemeinsamen Gesetzentwurf arbeiten.
 - wichtige Änderungen bei den deiktischen Ausdrücken ( Äußerungszeit, -ort,
Spercher, Hörer unmittelbar referiert – ich, hier, jetzt, gestern, diese, ...)
45 Weitere Funktionen des Konj. II

 Irreales; Mögliches; Höflichkeit; indir. Rede – Distanz, Skepsis


 - Konjunktiv in irrealen Konditionalsätzen
 Wenn sie käme, würde ich mich freuen
 - Wunschsätze
 Hätte sie doch der Teufel geholt! – Wenn er doch glücklich (gewesen)
wäre!
 - Irreale Vergleichssätze (Konj. I/II)
 Er benimmt sich, als ob er allein sei/wäre.
Sie tat so, als ob das ganz einfach gewesen sei/wäre.
Er tat so, als ob man sich nie wiedersehen werde/würde.
 - Höflichkeit: Ich hätte gern 200 g Aufschnitt. – Könntest du kommen?
46 5. Imperativ

 - Form: „semifinit” - nur 2. Person Singular/Plural


 kein Umlaut, keine Endung im Sing. (lauf! schlaf!), aber „Brechung” e->i (iss!
lies!)
 (früher: -e Endung – noch: siehe)

- - Aufforderung – meist gemildert durch Partikeln komm doch/mal!


- - Wünsche – lass es dir schmecken, werd bald wieder gesund, kommt gut
nach Hause
- -meist ohne Personalpronomen (ausn.: Nachdruck: komm DU mal! lest IHR!)
47

 Ersatzformen des Imperativs in anderen Personen


 - Konj. I. – Adhortativ- und Heischesätze
 Greifen Sie zu! Seien wir ehrlich!
 Möge das Kind gut wachsen und gedeihen! Man nehme...
 - Umschreibungen, Ersatzformen:
 Infinitiv: Bitte nicht rauchen
 Part. Perf.: Aufgepasst! Hiergeblieben!
 Indikativ – Präsens, Futur Du bleibst hier.
 Modalverben: sollen, wollen – Du sollst sofort herkommen! Wir wollen
heimgehen.
 Lassen – lass(t) uns nach Hause gehen!
48
Modalverben
49 Überblick

 1. Modalverben und Modalität


Subjektive und objektive Modalität
 2. Formbestand
 3. Objektive Modalität: Bildung und Verwendung
 4. Subjektive Modalität: Bildung und Verwendung
 5. Modalitätsverben/Modifizierende Verben
50 1. Modalverben und Modalität

 - Modalität: ~ nicht aktuale Wirklichkeit  Möglichkeit, Fähigkeit, Erlaubnis,


Verbot, Willen…
 („mögliche Welten”)
 er kann/muss/soll schwimmen
 „subjektive” Modalität: Einschätzung des Ereignisses durch den Sprecher;
sollen, wollen: Markierung einer fremden Informationsquelle (Skepsis!)
 er muss noch in der Schule sein – ‚starke Vermutung
 er will in der Schule gewesen sein ‚er behauptet, dass er in der Schule war’
 er soll da gewesen sein ‚andere sagen, dass er da war’
51 2. Formbestand

 - Präteritopräsentia
 (Modalverben + wissen)  alte Präteritumform, aber präsentische
Bedeutung (so wie das Verb szokott im Ungarischen)
 mögen ( möchte), dürfen, wollen, sollen, können, müssen
 [brauchen zu +Inf. (gesprochen: auch ohne zu)]  Grammatikalisierung
zum Modalverb?
52 3. Objektiver (deontischer) Gebrauch

 - „subjektbezogen”
 - Möglichkeit (durch Umstände, Fähigkeit), Notwendigkeit, Verbot,
Erlaubnis, Absicht
Indikativ Konjunktiv
Präsens kann schwimmen könne schwimmen
Präteritum konnte schwimmen könnte schwimmen
Perfekt hat schwimmen können habe schwimmen können
Plusquamperfek hatte schwimmen können hätte schwimmen können
t
Futur I. wird schwimmen können werde schwimmen können
53 Formbildung im Vorgangspassiv

Indikativ Konjunktiv
Präsens kann gegessen werden könne gegessen werden
Präteritum konnte gegessen werden könnte gegessen werden
Perfekt hat gegessen werden können habe gegessen werden können
Plusquamperfekt hatte gegessen werden können hätte gegessen werden können
Futur I. wird gegessen werden können werde gegessen werden können
54

 Das Kind darf lange aufbleiben.


 Sie kann lateinisch und kyrillisch schreiben.
 Ich möchte dir etwas zeigen.
 Er muss jetzt gehen.
 Ich soll dir Grüße bestellen.
 Sie will morgen wiederkommen.
55 Formale Besonderheiten

 - im Perfekt und Plusquamperfekt: Statt Part. II. des Modalverbs muss der
Ersatzinfinitiv stehen (nur im Gebrauch als Nebenverb!)
 Er hat es machen müssen. (aber: Er hat es sehr gut gekonnt.)

 - In Nebensätzen mit zwei Infinitiven erfolgt eine sog. Oberfeldbildung 


das finite Verb steht vor den Infinitiven
 Er weiß, dass er diese Arbeit längst hätte beenden sollen.
 Ich bekam zu Weihnachten ein Buch, das ich erst jetzt habe lesen können.
56 4. Subjektiver (epistemischer)
Gebrauch
 - ‚Spercherbezogen’  drücken die Vermutungen des Sprechers
(Schreibers) aus, bzw. die Quelle der Information (Evidenzialität)
 - mag, könnte, kann, dürfte (nur Konj.!) müsste, muss: Vermutung des
Sprechers - Abstufungen
 - will: Information, die von dem Satzsubjekt stammt; soll: Information, die von
anderen über das Satzsubjekt behauptet wird
 - Modalverb: nur im Präsens (in Ausnahmefällen: Prät.) + mit Infinitiven
verwendbar
 - mit Inf. Präsens: Gleich- oder Nachzeitigkeit muss arbeiten; kann dort sein
 - mit Inf. Perfekt: Vorzeitigkeit – muss gearbeitet haben, soll gewesen sein
57

mag könnte kann dürfte müsste muss

geringe Wahrscheinlichkeit mittlere Wahrsch. Annahme ist zwingend


(+ konzessive Bed.)
58

 Er soll sehr klug sein Sie will sehr klug sein


 Er soll es gesehen haben Sie will es gesehen haben
59

 Sie dürfte ausgegangen sein.  ‚wahrscheinlich ist sie ausgegangen’


 Sie könnte schon da sein.  ‚vielleicht ist sie schon da’
 So mag es gewesen sein.  ‚möglicherweise war es so’
 Er muss krank sein.  ‚er ist sicher krank’

 Sie soll verreist sein.  ‚jemand behauptet, dass sie verreist ist’
 Sie will dich gesehen haben.  ‚sie behauptet, dass sie dich gesehen hat’
60 Indikativischer und konjunktivischer
Gebrauch der Modalverben (subj. Gebr.!)

 Indikativ Konjunktiv

 Sie muss zu Hause sein. Sie müsste zu Hause sein.


 Er kann es gewesen sein. Er könnte es gewesen sein.
 So mag es gewesen sein. So möchte es gewesen sein (archaisch!)
 Sie soll ausgewander sein. --
 Er will krank gewesen sein. --
 -- So dürfte es gewesen sein.
61 5. Modalitätsverben/modifizierende
Verben
 - zu + Infinitiv! – Bedeutung anders als in Vollverbfunktion
 scheinen - Nicht alle Wissenschaftler scheinen zu dieser Unterscheidung fähig zu sein.
[Die Presse, 14.07.2000]
 drohen - Sein etwa vier Meter langes Sportboot war am Anlegesteg aus bisher
ungeklärter Ursache Leck geschlagen und drohte zu sinken. [Mannheimer Morgen,
19.09.2002]
 brauchen – Du brauchst nichts/nur ein Wort zu sagen, und ich helfe dir!
 pflegen - Man pflegt zu sagen, schriftliche und mündliche Gründe müssen sich nicht
genau decken. [Die Presse, 08.09.1997]
 Modale + passivische Bedeutung:
 sein – a) Diese Aufgabe ist in 2 Wochen zu erledigen. ( ‚muss erledingt werden’)
b) Die Aufgabe ist leicht zu erledigen. ( ‚kann leicht erledigt werden’)
 haben – Er hat viel zu arbeiten. ( muss viel arbeiten’)
62
Genus Verbi
63 Überblick

 1. Genus verbi/Diathese als funktionale und Flexionskategorie


 Funktion des Passivs  Begriffe Agens, Patiens
 2. Formbildung
 3. Syntaktische und semantische Aspekte
 Akkusativpassiv
- Vorgangspassiv
- Zustandspassiv
 Unpersönliches Passiv
 Dativpassiv
 4. Passivperiphrasen
64 1. Genus Verbi (Diathese)

 - funktional: das Verhältnis des Verbs zum Subjekt des Satzes / die Richtung der
in ihm ausgedrückten Handlung
 Grundbegriffe:
 Agens – der Handelnde, Handlungsträger
 Patiens – der ‚erleidende’/’erduldende’, worauf sich die Handlung richtet
 Rezipient – das „äußere Ziel” der Handlung,
 - Diathese/Genus (als weit gefasste funktionale Kategorie) – auch z.B. medial
(das Subjekt ist kein Agens) wie in aufwachen, sterben, heilen…; (semantisch)
reflexiv (Handlung richtet sich auf das Agens) wie sich kämmen, sich waschen;
kausativ schneiden lassen, putzen lassen; reziprok sich lieben, sich begegnen
 - Genus Verbi im engeren Sinn: wenn diese Kategorie auch grammatisch
ausgedrückt wird
65 Das Genus Verbi im Deutschen

 Eine der 5 verbalen Kategorien im Deutschen ( muss regelmäßig


ausgedrückt werden, grammatikalisiert)
 Aktiv (unmarkiert); Passiv  Vorgangspassiv, Zustandspassiv
 Aktiv: unmarkiert – am wenigsten eingeschränkte Bildbarkeit
(Einschränkungen: z.B. unpersönliche Verben nur in 3. Person Sg.)
 Vorgangspassiv: Einschränkungen – nur im Fall eines Handlungsverbs mit
„echtem” Agens bildbar (semantische und syntaktische Reflexivität
ausgeschlossen)
 Zustandspassiv: noch mehr Einschränkungen – nur bei Resultativen möglich
66 Funktion des Genus Verbi

 Darstellung der Sachverhalte aus unteschiedlicher Perspektive:


- Aktiv: Agensorientiert, prozessual
- Passiv: Agensabgewandt, prozessual – im Zentrum der Aufmerksamkeit: das
Patiens, bzw. der Vorgang (in best. Konstruktionen)
- Zustandspassiv: Agensabgewandt, resultativ – im Zentrum der Aufmerksamkeit:
das Ergebnis

 Restriktionen ergeben sich aus diesen Funktionen!


- Vorgangspassiv: nur aus Verben mit einem kontrollfähigen Agens bildbar
- Nicht möglich: z.B. bei Reflexiven Verben (syntaktisch und semantisch); bei
Verben, die keine Tätigkeit ausdrücken – genesen, aufwachen, beinhalten,
wiegen (= Gewicht haben)…
67 Kein Vorgangspassiv möglich

wenn das Verb keine Handlung ausdrückt  kein Agens impliziert

 - unpersönliche Verben – es schneit (kein Agens)


 - andere agenslose Verben – bekommen, kriegen (obwohl sie ein Akkusativobjekt
haben!), Verben der Wahrnehmung: sehen, hören
 Enthaltensein, Ausmaß, Umfang… ausdrückende Verben: umfassen, wiegen, messen
(jeweils in der entsprechenden Bedeutung!)
 Vorgänge – wachsen, sterben, genesen…
 - reflexive Verben – semantisch oder syntaktisch reflexiv – sich anziehen, sich kämmen -
hier gibt es ein Agens, aber die „agensabgewandte Perspektive” ist nicht möglich, denn
die Tätigkeit richtet sich auf das Agens selbst!
68 Kein Zustandspassiv möglich

 - s. obige Restriktionen! (hören, sehen, umfassen…)


 - zusätzlich: wenn kein ‚handfestes’ Ergebnis vorliegt, d.h. wenn das Verb
nicht resultativ ist

 Z.B. bemerken, feiern, arbeiten…


69 2. Formbildung: Vorgangspassiv

 werden + Partizip Perfekt

Indikativ Konjunktiv
Präsens wird gegessen werde gegessen
Präteritum wurde gegessen würde gegessen
Perfekt ist gegessen worden sei gegessen worden
Plusquamp war gegessen worden wäre gegessen worden
Futur I wird gegessen werden werde gegessen werden
Futur II wird gegessen worden sein werde gegessen worden
sein
70 Formbildung: Zustandspassiv

 Sein + Part. Perf.

Indikativ Konjunktiv
Präsens ist gegessen sei gegessen
Präteritum war gegessen wäre gegessen
Perfekt ist gegessen gewesen sei gegessen gewesen
Plusquamp war gegessen gewesen wäre gegessen gewesen
Futur I wird gegessen sein werde gegessen sein
Futur II wird gegessen gewesen werde gegessen
sein gewesen sein
71 3. Syntaktische und semantische
Aspekte
 Aktiv – Passiv: jeweils anderes Perspektive – Subjekt: im Zentrum der
Aufmerksamkeit
 Der Junge isst Apfel  Ausgangspunkt: der Junge (wahrscheinlich bekannt, von
ihm war schon die Rede, er ist zentral für den Text/die Geschichte)

 Der Apfel wurde von Adam gegessen  Ausgangspunkt: Apfel (wahrscheinlich


bekannt und für den Text wichtig); gleichzeitig kann hier ‚Adam’ in die Stellung
kommen (nahe dem Satzende, vor die infiniten Teile), wo der ‚normale
Satzakzent’ (= stärkste Betonung im Satz) liegt

 Der Junge: Agens – der Handelnde


 Der Apfel: Patiens – worauf sich die Tätigkeit richtet
72 Das Akkusativpassiv (Vorg. und Zust.)

 Aktivsatz Der Junge isst den Apfel


 Sem. Rolle Agens Patiens
 Synt. Funktion Subjekt Akkusativobjekt

 VorgP Der Apfel wird vom Jungen gegessen.
 Sem. Rolle Patiens Agens
 Synt. Funktion Subjekt Präpositionalobjekt

 ZustP Der Apfel ist aufgegessen.


 Sem. Rolle Patiens
 Synt. F. Subjekt
73 Das unpersönliche Passiv

 Bildbar auch aus intransitiven Verben, die eine Handlung ausdrücken (d.h. ein
kontrollfähiges Agens implizieren)
Aktivsatz Man tanzte (im Zimmer).
Sem. R. Agens (Lokativ)
Synt. F. Subjekt Lokaladverbial

UnpersP Es/Im Zimmer wurde getanzt


Sem. R. Ø/(Lokativ) KEIN AGENS im Satz!
Synt. F. Platzhalter/Adv. KEIN SUBJEKT im Satz!
74 Das Dativpassiv
 Aktivsatz Der Vater schenkt dem Jungen Geld
 Sem. R. Ag Rezipient Pat
 Synt. F. Subj Dativobj [Link]

 AkkPass Geld wird dem Jungen vom Vater geschenkt


 Sem. R. Pat Rezipient Ag
 Synt. F. Subj Dativobj Präp.O.

 DatPass Der Junge bekommt vom Vater Geld geschenkt


 Sem. R. Rezipient Agens Patiens
 Synt. F. Subjekt Präp.O. AkkO
75 Übersicht – syntaktische und
semantische Rollen
 - Aktivsatz (mit Handlungsverb!)
 Agens ~ Subjekt, Patiens ~ Akkusativobjekt (Rezipient ~ Dativobjekt)

 - unpersönliches Passiv
 Ø Agens, Ø Subjekt (nur Platzhalter)

 - Akkusativpassiv
 Patiens ~ Subjekt, Agens ~ Präpositionalobjekt, (Rezipient ~ Dativobjekt)

 - Dativpassiv / bekommen-Passiv / Rezipientenpassiv


 Rezipient ~ Subjekt, Agens ~ Präpositionalobjekt, Patiens ~ Akkusativobjekt
76 4. Passivperiphrasen

 - formal: aktivisch
 - Bedeutung: passivisch + oft: modale Komponente

 - gehören + Part. Perf. – das gehört verboten  das sollte verboten werden
 - sein zu+Inf. – Diese Aufgabe ist leicht zu lösen  kann leicht gelöst werden
(Möglichkeit)
 - Dieser Brief ist sofort zu beantworten  muss beantwortet werden
(Notwendigkeit)
- lassen sich + Inf. – Das Problem lässt sich auf verschiedene Weisen lösen 
kann gelöst werden
- Reflexivkonstruktion: Das Buch liest sich gut. Die CD verkauft sich gut. Es
findet sich eine Lösung.
77
Infinite Verbformen
78 Übersicht

 1. Infinite Formen – Begriffsklärung


 2. Der Infinitiv
 Formbildung und Verwendung
 3. Partizipien
 Formbildung und Verwendung
 4. Gerundivum
79 1. Infinite Verbformen

 - finit = ‚begrenzt’ (lat.); hinsichtlich Person, Numerus, Tempus, Modus,


Genus Verbi gekennzeichnet
 finite Formen: die synthetisch gebildeten Formen (Präsens, Perfekt)
 - infinite Formen: nicht in jeder verbalen Kategorie gekennzeichnet; können
nicht allein das Prädikat eines Hauptsatzes bilden (Hentschel/Weydt 2003:
139)
 INFINITIVE
 PARTIZIPIEN, GERUNDIVUM
80 Infinite Verbformen:
Verwendungsbeispiele
 - in analytischen Tempusformen
 Perfekt: finite Form (Präsens) von haben/sein + Partizip Perfekt des Vollverbs
hat gearbeitet, ist gelaufen, sei gelaufen… (oder Ersatzinfinitiv bei
Modalverben: hat gebrauchen können)
 Plusquamperfekt: finite Form (Präteritum) von haben/sein + Partizip Perfekt
des Vollverbs - hattest getan, wäre gelaufen…
 Futur I: Fin. von werden + Infinitiv Präsens des Vollverbs wird arbeiten, werde
arbeiten
 Futur II: Fin. von werden + Inf. Perfekt
 - bei Modalverben, in Passivstrukturen, in AcI-Konstruktionen, in
Infinitivsätzen
81 Tempusbildung ohne Modalverb im
Aktiv
Tempus Finiter Teil Infiniter Teil
Präsens Vollverb Präs. --- läuft/laufe ---
arbeitet/arbeite
Präteritum Vollverb Prät. --- lief, liefe ---
arbeitete
Perfekt Hilfsverb Präs. Part. Perf. ist/sei gelaufen
hat/habe gearbeitet
Plusquamperfek Hilfsverb Prät. Part. Perf. war/wäre gelaufen
t hatte/hätte gearbeitet
Futur I Hilfsverb Präs. Inf. Präs. wird/werde laufen
Futur II Hilfsverb Präs. Inf. Perf. wird/werde gelaufen sein
gearbeitet
haben
82 2. Der Infinitiv 2.1 - Formbildung

Präsens Perfekt
Aktiv essen gegessen haben
bearbeiten gearbeitet haben
laufen (nur im Aktiv!) gelaufen sein (nur im
Aktiv!)
Vorgangspassiv gegessen werden gegessen worden
bearbeitet werden sein
bearbeitet worden
sein
Zustandspassiv gegessen sein gegessen gewesen
bearbeitet sein sein
bearbeitet gewesen
83 2.2 Verwendung des Infinitivs

 A) Reiner Infinitiv (= ohne zu)


 - mit werden: Futur I-II – analytische Tempusbildung
Peter wird arbeiten. Er wird gearbeitet haben.
Die Torte wird gegessen werden. Die Suppe wird gegessen worden sein.
Die Tür wird geschlossen sein. Die Tür wird geschlossen gewesen sein.
 - von Modalverben abhängig
Obj. Gebrauch:
Die Studenten wollen alles wissen. Die Katze musste gefüttert werden. Die Katze hat
gefüttert werden müssen. Die Katze hätte gefüttert werden müssen. Der Patient wird
geheilt werden können.
 Subj. Gebrauch:
Mein Sohn muss inzwischen schon zu Hause sein. Der Angeklagte dürfte den Mord
begangen haben.
Der Patient dürfte gerade opertiert werden. Der Patient muss inzwischen operiert worden
sein.
Die Katze könnte schon gefüttert sein. Die Katze könnte schon gefüttert gewesen sein.
84

 - nach Verben wie lassen, kommen, gehen, hören…


Er lässt sie ständig arbeiten. Ich habe dich kommen hören.

 - in Substantivierungen:
 Das Essen bekam ihr nicht gut. Sie hat viel Freude am Unterrichten.

 (für Interessierte!!!
 Sog. Verlaufsformen – Er ist gerade am/beim Arbeiten. Meine Freundin war
gerade beim Kochen, als ich sie anrief.)
85

 B) Infinitiv mit zu – in allen anderen Fällen!


 zu: Infinitivpartikel
 - bei Modalitätsverben
 Johann pflegt sich unmöglich zu benehmen.
 Das Haus droht einzustürzen.
 - als Rektion/Subjekt von Vollverben – Ergänzungssätze (Subjekt- und Objektsätze)
 Die Mutter bat das Kind, endlich still zu sein. Ich versuchte, mich zu konzentrieren.
Den ganzen Tag nichts zu tun, das bleibt für uns nur ein Traum. (Subjektsatz)
 - Angabesätze/Adverbialsätze („frei” hinzufügbar, nicht vom Verb gefordert)
 Er ist gekommen, um die Frau zu beschützen. Er ging, ohne sich verabschiedet zu
haben.
86 3. Das Partizip

 Participium = ‚Anteil bekommend’ (lat.)  „Mittelwörter”, „Übergangswortart”


 - als Verbformen oder als aus Verben abgeleitete Adjektive betrachtet

 - verbale Eigenschaften: Partizipien können Objekte und Adverbialien haben


das schöne Lieder singende Mädchen, das schön singende Mädchen
 Der junge Prinz machte der Frau auf dem Boden kniend einen Heiratsantrag.
 - adjektivische Eigenschaften: Partizipien können dekliniert werden, sie werden
in Sätzen häufig als Attribute verwendet
 das (schön) singende Mädchen, der (schön) singenden Frau
87 3.1Das Partizip Präsens

 - Bildung: aus dem Infinitiv Präsens mit –d - seufzen seufzend, kichern 


kichernd
 - immer aktivisch
 - zeitliche Bedeutung: Gleichzeitigkeit
 Er hat ein quiekendes Ferkel unter dem Arm. ( Das Ferkel quiekt.)
 Er hatte ein quiekendes Ferkel unter dem Arm. ( Das Ferkel quiekte.)
 Er wird ein quiekendes Ferkel unter dem Arm haben. ( Das Ferkel wird
quieken.)
 - syntaktische Rolle: als Attribut oder als Adverbial (s. o.), aber nicht als Teil
eines Verbalkomplexes! (*sie ist weinend)
88 3.2 Das Partizip Perfekt/Part. II

 - Bildung: je nach Verbtyp – gegangen, gelacht, vergangen, ernannt,


weggereist

 - Bedeutung: je nach Verb aktivisch und/oder passivisch möglich


 Die Tür ist geschlossen (pass.), Die Nachbarin ist gekommen (akt.)
89 Verwendung des Part. Perf.

 - in analytischen Verbformen  Teil des Verbalkomplexes


 Perfekt, Plusquamperfekt (ohne Modalverb!): Sie ist gelaufen, sie wäre/war
gelaufen
 Passivformen: Die Tür wurde geschlossen, sie ist geschlossen, wie wurde/war
geschlossen, sie ist/war geschlossen worden/gewesen…
 - als Attribut – nur aus Verben, die perfektiv oder transitiv sind!
 Die verwelkten Rosen verbreiteten einen merkwürdigen Geruch. *die gewelkten
Rosen
Der viel gereiste Gast ist endlich angekommen. (aktivisch!) - *der gereiste Gast
Bald werde ich meinen geliebten Freund treffen. (passivisch)
der erfreute Freund (perfektiv) – *der gefreute Freund (imperfektiv, intransitiv)
 - als Adverbial
Die Frau sprach jedes Wort betont aus.
90 4. Das Gerundivum/Gerundiv

 (~ Partizip Futur mit modaler Komponente)

 - Bildung: zu + Part. Präsens – zu erledigend, zu lesend


 - Bedeutung: immer passivisch + modal: Notwendigkeit/Möglichkeit
 - Verwendung: als Attribut
 die zu erledigende Aufgabe – ‚die Aufgabe, die erledigt werden
kann/muss’
 die leicht zu erledigende Aufgabe: ‚kann’
 die bis morgen zu erledigende Arbeit: ‚muss’

Das könnte Ihnen auch gefallen