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Lett Austr Silvia Stampa

Ingeborg Bachmann (1926-1973) war eine bedeutende österreichische Dichterin und Schriftstellerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien als Journalistin und Autorin arbeitete. Ihre Werke, darunter Gedichtbände wie 'Die gestundete Zeit' und 'Anrufung des großen Bären', thematisieren das Trauma des Krieges, die Suche nach einer neuen Sprache und die Verarbeitung von Verlust und Schmerz. Bachmanns Leben war geprägt von intensiven Beziehungen, persönlichen Krisen und einem tragischen Tod durch einen Wohnungsbrand in Rom.

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Ingeborg Bachmann (1926-1973) war eine bedeutende österreichische Dichterin und Schriftstellerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Wien als Journalistin und Autorin arbeitete. Ihre Werke, darunter Gedichtbände wie 'Die gestundete Zeit' und 'Anrufung des großen Bären', thematisieren das Trauma des Krieges, die Suche nach einer neuen Sprache und die Verarbeitung von Verlust und Schmerz. Bachmanns Leben war geprägt von intensiven Beziehungen, persönlichen Krisen und einem tragischen Tod durch einen Wohnungsbrand in Rom.

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Ingeborg Bachmann (1926-1973)

• Sie ist in 1926 in Klagenfurt in der Kärntner Provinz geboren und ist 1973 in Rom gestorben.
• Sie sagt, sie hatte eine glückliche Kindheit und ihr Vater war eine wichtige Figur.
Der erste Teil ihres Lebens
• 1945 kommt sie nach dem Krieg nach Wien und sie beginnt als Journalistin für die
Zeitschrift “Plan“ von Otto Basil und für das Radio Rot Weiß Rot. Sie arbeitete auch als
Redaktorin für Rundfunk, für den sie eine kurze Selbstvorstellung 1952 schreibt, die kein
traditionelles autobiographisches Schreiben ist, wo der Begriff der geographischen und
sprachlichen Grenze wichtig ist. Mit dieser Vorstellung wurde sie bekannt.
 Sie hatte eine Beziehung mit dem jüdischen Schriftsteller Hans Weigel, der für
Bachmann eine Mentorrolle gespielt hat.
 1948 trifft sie den jüdischen Schriftsteller Paul Celan, der das Trauma der Schoah in
seinen Gedichten verarbeitet hat. Celan ist in Paris, heiratet eine Malerin da, und es
entwickelt sich trotzdem eine Briefbeziehung zwischen Celan und Bachmann. 1970
nimmt er sich das Leben in Paris und dieser Schock wird in ihrem Werk Malina
verarbeitet.
Die erste Zäsur
• 1952 bekommt sie die Einladung zur Gruppe 47 von Autoren der Nachkriegszeit. Die Poesie
der Nachkriegszeit wird von der Gunter Eichs Konzeption der “Kahlschlag” und “Nullpunkt”
gezeigt, d.h. nach dem Trauma der Shoah und nach dem Trauma des Nationalsozialismus
muss man völlig bei null nach anfangen. Bachmann beginnt Gedichte zu schreiben in einer
Zeit in der man keine Gedichte mehr schreiben soll.
 1953 fährt sie nach Ischia in Italien mit dem bekannter Komponist Hans Werner Henze,
aber das ist eine schwierige Beziehung, weil Henze homosexuell ist.
o In dieser Zeit erscheint ihr erste Gedichtband “Die gestundete Zeit”, in dem sieht man
diese bedrohliche Zeiterfahrung nach dem Krieg und das typische Appellstruktur. Zu
diesem Band gehören den Gedichten „Psalm“ und „Früher Mittag“.
 Sie nimmt die Tradition des Symbolismus und der Sprachkritik von Rilke,
Hofmannstahl und Trakl; und große Themen wie Liebe, Natur, Abschied, Tod, aber es
verändert sich der Ton komplett durch das historische Trauma des Krieges. Wir haben
auch die Intertextualität. Insbesondere beschäftigt sich mit Figuren wie Brecht und
Musil für seinen Begriff der Utopie.
o 1954 schreibt sie ihren Radioessay „Sagbares und Unsagbares“ über Wittgenstein, mit
dem Thema des Schweigens. Er hat nur den Tractatus publiziert zu Lebzeiten und die
Grundthese ist, dass man logisch über alles sprechen kann, was man klar sagen kann,
aber über den Rest soll man schweigen.
o 1956 schreibt sie ihren zweiten Gedichtband „Anrufung des großen Bären“, zu dem
gehören die Italiengedichte „Erklär mir Liebe“ und „Apulien“, zusammen mit dem
Gedichtzyklus “Lieder auf der Flucht“.
 1958 begegnet sie in München den Schriftsteller Max Frisch, und es entwickelt sich eine
intensive Beziehung, die zu dieser tiefen Krise dann geführt hat.
o 1958 ist ihre Rede “Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ bekannt geworden, in
der sie spricht zu den Kriegsblinden von der Erfahrung des Schmerzes.
o 1959 entstehen die „Frankfurter Vorlesungen“. Es geht um 5 Vorlesungen über ihre
Auffassung von Literatur.
o 1961 entstehen die ersten Erzählungen unter den Titel “Das dreißigste Jahr” und das
Gedicht „Ihr Wort“.
Die zweite Zäsur
• 1962 erlebt Bachmann eine tiefe Krise und sie hat Monate in verschiedenen
psychiatrischen Kliniken verbracht.
o Wir haben zwei Nachlassgedichte gelesen, um zu sehen, wie die poetische Sprache
zerbricht: „Ich weiß keine bessere Welt“ und die Klinikerfahrung „Gloriastraße“. Dann
haben wir zwei „Traumprotokolle“ gelesen, die im Band „Male Oscuro“ publiziert
wurden.
o 1964 schreibt sie wenige Gedichte: das Abschiedsgedicht Keine Delikatessen; das
Gedicht ihrer Heimkehr Böhmen liegt am Meer.
o Aus dieser Krise kommt sie mit dem „Todesarten Projekt“ in Prosa: ist eine Roman-
Trilogie, wo Frauen in 3 verschiedenen Arten ihren Tod finden.
o 1971 wird das einzige vollendete Werk „Malina“ veröffentlicht, in dem es um die
Verarbeitung ihrer Krise und das weibliche Ich im Schreiben geht.
• Sie stirbt dann in Oktober 1973. Sie stirbt in Rom, in einer mysteriösen und legendären
Weise, denn sie stirbt an den Verbrennungen, die sie sich zuzieht während eines
Wohnungsbrandes, denn sie schläft mit einer Zigarette ein. Sie schläft ein unter
Tablettenwirkung, die sie nimmt, die dazu führen, dass sie nicht rechtzeitig aufwacht.
SÄMTLICHE GEDICHTE
Die gestundete Zeit
 Die gestundete Zeit (1953) ist das Gedicht, das der ersten Band (Sammlung) den Titel gibt.
 In dieser Zeit denkt man, dass der Krieg vorbei ist und eine bessere Zukunft kommt, aber
wahrscheinlich ist die Vergangenheit noch nicht bewältigt worden.
 Die Vorstellung einer härteren Zukunft wird durch die Metapher der gestundeten Zeit
ausgedrückt. Das ist eine Art drohende Erwartung, wir müssen etwas bezahlen, das wir
nicht bezahlt haben. D.h. wir leben in einem scheinbaren Frieden und in einem latenten
Krieg.
 Das Gedicht hat eine klare historische Dimension und bezieht sich auf eine spezifische
Zeiterfahrung, auf die das Gedicht mit einem Appell an den Leser antwortet.
 Das Gedicht besteht aus 3 Strophen.
1
 Das Gedicht wendet sich jetzt an ein Du direkt und sagt, dass man soll sich bereit machen
und man soll wachsam sein. Die Appelle erinnern stark an die Gedichte, die Brecht im
Lesebuch für Städtebewohner publiziert hat. Er sagt, wie man auf die härteren Tage und auf
den Nationalsozialismus reagieren soll, man soll bestimmte Verhaltensweisen entwickeln.
 Der zweite Teil der ersten Strophe beschreibt ein Gefühl der Kälte, der Angst, der
Desolation durch eine allegorische Landschaft. Der Fisch ist hier ein Symbol vom Leben,
Tod und Wiedergeburt.
 Die zweiten und dritten Verse werden dann wiederholt mit einem bedrohlichen Ton und
damit wird die erste Strophe abgeschlossen.
2
 Die zweite Strophe präsentiert eine völlig andere Situation, die mit dem Adverb drüben
eingeleitet ist, es ist die poetologische Dimension, d.h. das Gedicht reflektiert über sich
selbst.
 Der erste Vers führt eine Todesszene ein, die wahrscheinlich mit Celans Lyrik zu tun hat.
 Die folgenden Verse nennen die poetische Tradition des Mythos Orpheus’, der auch eine
wichtige Rolle in der Dichtung Rilkes spielt, der Sonette auf Orpheus geschrieben hat, wo
der Dichter den Abschied und den Tod der Geliebte verarbeiten muss. Es gibt der der
konkrete Präsenz der Geliebte nicht, sondern die Verarbeitung ihrer Absenz
3
 Am Schluss wird der Appell mit Imperativen aufgenommen, aber sie sind jetzt verkürzte
Wiederholungen.
 Der erste Vers und der letzte Vers des Gedichtes bilden den Rahmen des Gedichtes.
FRÜHER MITTAG
 Früher Mittag ist eines der bekanntesten Gedichte des Bandes Die gestundete Zeit, wo wir die
historische Dimension sehen, weil sieben Jahre später die Erinnerung an den Krieg noch wach ist.
Zugleich gibt es aber die Hoffnung, die Gewalt und den Schmerz zu überwinden und die
Vergangenheit zu überwältigen.
 Man muss eine neue Sprache finden, die sich mit dem Unsäglichen konfrontiert. Diese Sprache
geht aus dem Schweigen hervor.

 Das Wort schon wird dreimal wiederholt. Die Idee ist, man hat es nicht so früh erwartet.
 Die erste Strophe beginnt mit einem Bild der Natur, die erwacht. Die Natur und die Sommer
haben eine poetische allegorische Konnotation: die Tradition der deutschen Poesie.
 Das Wort Steinwurf steht hier für die Gewalt des Kriegs, die die Poesie zerstört hat. Die Zerstörung
ist nach sieben Jahren besser geworden.

 Bachmann nennt Deutschland direkt: die Katastrophe des Kriegs umfasst eine geistige Dimension
und die Schönheit der Poesie ist nach der historischen Katastrophe nicht mehr möglich, weil der
Engel enthauptet ist. Der Engel ist hier ein Bild der Gewalt: er versucht, den Hass zu begraben, zu
verarbeiten. Bachmann bezieht sich explizit auf die Gedichte Duineser Elegien von Rilke, wo der
Engel der Vermittler zwischen den Menschen und Gott ist.

 Aber in dieser poetischen Landschaft beginnt ein Prozess der Verarbeitung des Schmerzens, die
mit der Vergangenheitsbewältigung interpretiert wird.

 Hier werden indirekte Zitate aus drei Texten der deutschen Dichtung erwähnt:
1. Der Lindenbaum „Am Brunnen vor dem Tore“ ist eine Zeile eines berühmten Liedes des 19.
Jahrhunderts von Müller und Schubert. Die Linde ist das Emblem der romantischen Natur.
2. „die Augen gehen dir über“ und „die Augen täten dir sinken“ kommen aus dem Volkslied
Goethes mit dem Titel Der König von Thule, die 1774 erschien, wo auch der goldene Becher
genannt wird.
 Die Henker von gestern sind die Mörder von gestern, man denkt an den Nationalsozialismus
3. Das „Totenhaus“ bezieht sich auf die Aufzeichnungen aus einem Totenhaus von Dostojewski, in
denen er eine Beschreibung der Gewalt im sibirischen Lager macht.

 Die nächste Strophe beginnt mit dem Leitmotiv schon ist Mittag. Der Ton ist bedrohlich.
 Das Eisen, der Dorn und die Fahne scheinen Zeichen für die Aufrüstung der Nation zu sein. Mit der
Fahne denkt man auf den deutschen Adler, der das Emblem der deutschen Nation ist. Man hat das
Gefühl, die Nation erwacht wieder. (Felsen und Adler  Prometheus)

7- Es gibt kaum Hoffnung oder besser gesagt, es gibt sie, aber sie ist blind und klein geworden.
8- Dann kommen die Appelle im Namen der Hoffnung, die man vor der Negativität schützen soll.

 Worten und Schweigen: Ganz allegorisch wird die Sprachsuche der Poesie dargestellt.
 Der Regen löst den Schmerz = die Natur beginnt zu sprechen und das Unsägliche zu sagen.

 Das Unsägliche hat zwei Bedeutungen. Einerseits bedeutet es das Unsagbare. Das sieht man auch
im Werk Das Sagbare und das Unsagbare von Wittgenstein. Andererseits bezieht es sich auf
etwas, das man nicht sagen kann, denn es ist moralisch unsagbar.
PSALM
 Dieses Gedicht gehört zur ersten Gedichtsammlung Die gestundete Zeit.
 Die religiöse Thematik ist hier zentral: man erkennt die Sprache der biblischen Psalmen des
Alten Testaments sowohl im Vokabular als auch in den Formen, aber sie scheint sehr negativ
provokatorisch und blasphemisch zu sein.
 Das Gedicht ist in vier Teilen gegliedert und diese Teile werden immer geringer und weniger
umfangreich.
1 - Dieses Gedicht beginnt mit einer Aufforderung zu schweigen. Wenn die
Glocken schweigen, ist es Karfreitag (=Venerdì Santo).
 Man hat drei schreckliche ekelhafte Bilder:
a) Die Hand am Firmament ist die Hand Gottes, die verstummelt ist. Diese Hand Gottes hat
nicht in die Katastrophe eingegriffen und jetzt ist sie verstummelt. Sie hat ihre
Glaubwürdigkeit verloren.
b) Diese zweite Bild ist ein grausames Bild von der Krankheit auf der Erde. Es erinnert an die
Erzählung Ein Landarzt von Kafka, in der es das Bild des Fensters gibt und der Arzt sieht den
Patienten im Bett, schlägt die Linnen zurück und sieht dann eine ekelhafte schreckliche
Wunde an der Seite des Jungen. Das ist eine Verbindung der ästhetischen und der
ekelhaften Dimension. Es gibt in der Erzählung Kafkas kein Heilen und keine Heilung.
c) Die Metzger sind behandschuht, denn sie beschmutzen sich nicht, sie berühren den
Kranken nicht. Dieser Mond erscheint wie ein Gefäß, das zu Boden fällt und zerbricht.
Dieses Gefäß steht für die letzte Ölung, die den Gestorbenen auf den Moment des
Übergangs vom Leben in den Tod vorbereiten sollte, aber das Gefäß ist zerbrochen. Wir
haben kein Ritual mehr, weder für das Leben noch für den Tod.
2 - Im zweiten Teil wird gesagt, alles ist eitel. Dann sind die Verse des
Versprechens sarkastisch, denn der Spiegel ist blind und die Idee ist, man kann
in die Luft nicht schwören und versprechen.
3 - Der dritte Teil enthält eine getrübte Vision und dieser Last evoziert Trauer und Tränen.
4 - Wichtig ist dann die Suche nach einer neuen Sprache ganz am Gedichtende.
Zuerst gibt es die Aufforderung zum Schweigen, man geht durch das Ritual
hindurch und dann gibt es die Bitte um das Wort.
LIEDER AUF DER FLUCHT (1956)
 Lieder auf der Flucht gehören zum Gedichtband Anrufung des großen Bären.
 Es ist eine Reihe von 15 Liedern, die verschiedene Strukturen haben.
 Das Thema dieses Gedichtzyklus ist die unglückliche Liebe zu Henze, die sie in Neapel erfährt.
 Diese Aufzeichnungen sprechen von Furcht, Angst, Kälte, Einsamkeit und Flucht ins Schreiben.
Es beginnt mit einem Motto von I Trionfi von Petrarca.
• Im vierten Lied fühlt sie sich in dieser kalten Stadt Neapel gefangen und sie denkt an Flucht.
• Im sechsten Lied wird eine Sehnsucht an der Liebe ausgedrückt. Die Teilung des Dunkels
bezieht sich ganz klar auf die Lyrik von Paul Celan.
• Im elften Lied kommen wir zum Wahnsinn.
• Im vierzehnten Lied sind Sterben und Wiedergeburt.
• Im fünfzehnten Lied wird die Hoffnung auf die Utopie ausgedrückt, dass die Poesie dieses
Leiden der Liebe überwinden kann.
ANRUFUNG DES GROβEN BÄREN = Invokation des Sternbilds
Die Anrufung des großen Bären ist der zweite Gedichtband, der 1956 veröffentlicht wurde.
 Dieser Bär könnte metaphorisch der Krieg sein und die gestürzten Bäume können den
Zusammenbruch der Ideale und des Glaubens sein. Der Ton ist herausfordernd und die
Drohung wird nicht nur zu einer historischen Drohung, sondern zu einer kosmischen
Drohung durch die Invokation des Himmels.
1. Am Beginn wird die Invokation „großer Bär“ zur Provokation des Himmels „komm herab“
und damit wird auch die erhabene Dimension der Poesie herausgefordert. Dann werden
die Menschen eingeführt, die misstrauisch sind, weil trotzt seine Müdigkeit der Bär scharfe
Zähne hat, mit denen er töten kann. Das ist ein bedrohliches Schicksal im Bereich der
religiösen erhabenen Dimension.
2. Jetzt wird wirklich das Tier angesprochen. Die Perspektive des Bären ist fast verächtlich,
weil die Welt der Menschen Zapfen ist und die Menschen sind die Schuppen dieser Welt.
Der Bär spielt und rollt die Welt.
3. Dann spricht eine dritte Stimme von was die Menschen machen, um sich zu schützen. D.h.
sie geben Opfergabe und versuchen, ein gutes Gewissen zu bekommen.
4. Am Schluss wird der Zusammenbruch dieser Dimension beschrieben, d.h. die Tannen
Bäume im Paradise, die die Katastrophe der Erde bedeuten. Das bedeutet, das Gute, das
Schöne, das Wahre und die Höhe einstürzen.
ITALIENGEDICHTE im zweiten Band “Die Anrufung des Großen Bären“ enthalten
Erklär mir, Liebe
 Das Gedicht ist 1954 in Ischia entstanden, wenn sie eine unglückliche Liebe zum
Komponisten Hans Werner Henze hatte, der homosexuell war. Das Gedicht wendet sich
direkt and die abstrakte Liebe.
1. In der ersten Strophe wird ein Mann, ein “Kopfmensch” beschrieben, aber sein Herz ist
anderswo. Indirekt wird hier sofort eine Art von Spaltung angesprochen zwischen
Rationalität, Intellektualität, Kopf und Herz, als ob die beiden nicht vereinbaren wären.
2. In der zweiten Strophe gibt es Tiere und sie sind Bilder der Sehnsucht, des Begehrens, die
aus einem Mangel auskommen.
3. Das lyrische Ich spricht von Mangel an Liebe und vom Denken, also ob das zwei gespaltenen
Dinge sind, wie im 1. Strophe. Aber das lyrische ich will jetzt keine Erklärung mehr, weil sie
„seht den Salamander durch jedes Feuer gehen“.  Der Salamander verkörpert die
Fähigkeit in der Leidenschaft zu leben, ohne zerstört zu werden. Er ist das Symbol von
Wiedergeburt.
In Apulien
Das Gedicht beginnt mit einem Kontrast zwischen einem hellen Bild (Licht, Olivenbäume, der
Mohn) und den dunklen archaischen Futterkrippen, wo die armen Leute wirklich lebten.
Seit der dritten Strophe werden diese zwei Bilder durch Konjunktiv verbunden:
3) Dieser Armut könnte durch den Mohn gelindert werden, der sowohl als Licht und auch als
Droge/Utopie gezeigt wird.
4) Diese Grotten würden mit Perlen geschmückt.
5) Die Madonnen sind Frauen, die ihre Kinder stillen.
Dann scheint am Schluss die Utopie fast realisiert. Apulien war eine archaische Region mit
archaischen Riten; Tarantismus = die Kranken wurden von der Tarantel gebissen und geheilt.
IHR WORTE
Dieses Gedicht wurde der jüdischen Dichterin Nelly Sachs gewidmet, die eine schwere psychische
Krise erlebte, mit der sich Bachmann auch zum Teil identifiziert hat.
 Das Gedicht wendet sich direkt an die Worte mit einem Appel, und zwar die Worte sollen ihr
folgen. Aber Die Hoffnung der Sprachebewegung wird hier zu Sprachskepsis, weil dieses „weiter,
zu keinem Ende“ führt zu keiner Aufhellung. Das ganze Gedicht hat einen allegorischen Charakter.
 Das ist ein Krisengedicht und Ausdruck eines Versuchs wieder zu schreiben.
 Das Wort Staubgespinst spielt wahrscheinlich auf die Lyrik von Nelly Sachs direkt an. Der Staub ist
keine Metapher, sie ist die Chiffre des Staubs, die sich auf das jüdische Bilderverbot (=Trauma)
bezieht, also keine Bilder, sondern hermetische Zeichen.
 „Kein Sterbenswort, Ihr Worte“ als Appell am Ende des Gedichts ist sehr wichtig. Die Idee ist, vor
allem sag nicht Sterbenswörter, d.h. Wörter, die mit dem Tod und mit der üblichen Poesie zu tun
haben.
KEINE DELIKATESSEN
 Dieses Gedicht ist 1964 entstanden und es ist chronologisch das letzte Gedicht.
 Das Thema des Gedichtes ist die Krise der poetischen Sprache und die Antwort des lyrischen Ichs
auf dieser Krise. Einerseits haben viele Kritiker gesagt, es ist Bachmanns Abschied von der Lyrik
und wir wissen, dass sie später keine Gedichte mehr schreibt. Andererseits haben einige Kritiker
gesagt, das Gedicht ist eher eine Absage an die ästhetische Lyrik.
 Mit „Delikatessen“ wird das ästhetische, literarische Wort (Metapher) gemeint. Aber wir haben
viele Negationen in diesem Gedicht, auch im Titel Keine Delikatessen. Der erste Vers ist ein
Abschied von der poetischen Sprache.
 Das ganze Gedicht ist ein Ausdruck vom Schmerz, Verzweiflung, Alltäglichen und Konkreten. Über
diese ganz elementaren Dinge verzweifelt sie, aber „ich werde auskommen“. Dieses Ich
vernachlässigt sich selbst. Die Krise ist die Krise des Ichs und nicht der Sprache an sich.
 Dann kommt eine Reihe von rhetorischen Fragen mit „soll ich“ und „muss ich“ = es bezeichnet
jetzt keine freie Entscheidung mehr, sondern eine Notwendigkeit. Das ist der Höhepunkt des
Gedichts, wo sie sagt, dass das Denken nicht mehr frei in der ästhetischen Sprache ist.
 Das ist eine Art von Qual bei diesem Schreiben, die ganz physisch und körperlich erlebt wird.
Deswegen sind die Metaphern jetzt körperlich und sie beziehen sich auf das Erlebnis des
Schreibens. Das ganze Gedicht gipfelt in einer Geste des Vernichtens des Geschriebenen durch das
lyrische Ich selbst, das ist der dramatischste Höhepunkt des Gedichts, wo einzelne
Personalpronomina bleiben, die aber keinem Satz mehr entsprechen: Dekomposition der Sprache.
BÖHMEN LIEGT AM MEER
 Dieses Gedicht entsteht 1964 während der psychischen Krise und während einer Reise nach Prag.
 In der ersten Strophe spricht ein lyrisches Ich direkt und es spricht von einer Ankunft in einem
neuen Land (heile Grund), der Hoffnung, dass es sich um einen Ichverlust handelt. Dieses Land ist
Böhmen, das als Land der Grenze definiert wird wo das lyrische ich versucht, diese Grenze der
Sprache zu erweitern.
 Dann sie spricht von ihren Irrtümern und Proben in diesem utopischen Territorium der Poesie.
Damit meint sie, es gibt kein festes Ziel, es gibt nur eine utopische Richtung. Es ist ein Gedicht der
Hoffnung, wo sie versucht, eine Utopie zu entwerfen.
 Das lyrische Ich identifiziert sich am Schluss mit dem Böhmen, mit dem Bewohner dieses
utopischen poetischen Landes, der also ein Vagant ohne festen Ort und feste Identität ist.
THEORETISCHE UND POETOLOGISCHE TEXTE
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar ist die Rede zur Verleihung des Hörspielpreises der
Kriegsblinden 1959.
 Bachmann spricht von der Erfahrung vom Schmerz, der real und konkret sein kann  Sie
spricht vor Kriegsblinden, die den Schmerz und die Verletzung des Krieges erfahren haben
und die im Krieg blind geworden sind.
 Aber sie spricht auch von „dem großen geheimen Schmerz“, der metaphorisch die
verletzten Menschen konnotiert und der für sie wie eine schrecklich und unbegreiflich
Auszeichnung ist.

 Aber die Aufgabe der Literatur ist weder Trost der Menschen noch Schmerz zu leugnen
oder zu täuschen, weil es zu klein, zu vorläufig wäre. Die Aufgabe der Literatur wäre die
Wahrheit des Schmerzes zur Kenntnis nimmt, umsehend zu werden; d.h. die Augen öffnen
im metaphorischen Sinne.
 Bachmann spricht von der Erfahrungsarmut der Moderne: wir müssen für die Erfahrung
des Schmerzes empfindlich werden, der Voraussetzung des Begreifens ist, um sensibel zu
werden für die Erfahrung der Wahrheit, die nicht objektiv ist.
 Die Aufgabe der Schriftsteller wird dann nochmals erwähnt, er ermutigt die anderen zur
Wahrheit. Die Wahrheit wird von Menschen erfahren. Jeder muss für seine Wahrheit
sehend werden. Die Wahrheit ist an dem eigenen Leben gebunden. Es gibt keine Wahrheit,
die für alle gilt, aber die für die anderen nachvollziehbar ist.

 Der utopische Charakter der Literatur bedeutet, wir haben den Blick gerichtet auf das
Vollkommene, das Mögliche, aber auch das Unmögliche und das Unerreichbare. Utopie ist
kein Ziel, sondern eine Spannung und eine Richtung, die eine Grenzerweiterung sind, aber
wir wissen nicht genau wohin.
 Heute ist die Zentralität des Menschen nicht so stark und vielleicht ist die Erfahrung
weniger geworden. Die Utopie ist mit Hoffnung verbunden, aber heute sind wir viel
pessimistischer geworden.

 Man spricht von „Schriftsteller“ im Maskulinum, die Genderfrage spielt für sie noch nicht
eine Rolle. Diese Männlichkeitsform wird später problematisiert in Malina.
SAGBARES UND UNSAGBARES – Die Philosophie Ludwig Wittgensteins
 Das ist ein Radioessay über Wittgenstein (stirbt 1951), der 1954 wird im Radio gesendet.
 Dieser Radioessay ist eine essayistische Reflexion, die von insgesamt vier Stimmen
vorgetragen wurden: sie sind zwei Sprecher, ein Zitatensprecher (Wittgensteins) und ein
Kritiker.

 Es beginnt mit den ersten Sätzen des Werks Tractatus 1921 Wittgensteins. Dieses Werk ist
das einzige Werk, das zu den Lebzeiten publiziert wurde.
 Der Tractatus ist keine philosophische Schrift, sondern aphoristisch aufgebaut und die
Sprache ist knapp (=ridotto) und spröd (=aspro, trocken) ist.
 In seiner ganzen Logik ist dieses Buch dunkel und wurde deswegen als esoterisches Buch
bezeichnet. Wichtig ist, dass er durch die Schrecken des Krieges vom Logiker zum Mystiker
wird, wie im Tractatus sie sich verbinden.
 Mit diesem Buch sagt Wittgenstein die Aufgabe der Philosophie Sprachanalyse und
logische Analyse sind, und keine Metaphysik. Die metaphysischen Probleme sind
Pseudoprobleme. Ziel dieser philosophischen Analyse die Unterscheidung von sinnvollen
und unsinnigen Sätzen.

 Vor diesen Aphorismen gibt es ein Vorwort, in dem er den ganzen Sinn des Buches fasst:
Wittgenstein will das Sagbare klar begrenzen und diese Grenze soll man respektieren, d.h.
darüber soll man schweigen.
 Der Kritiker sieht Nihilismus in dieser Idee, aber der Sprecher antwortet, dass für
Wittgenstein es die Ethik gibt, die transzendental ist. Wittgenstein beschäftigt sich mit
Respekt für das Unsagbare, d.h. diese Spannung vom Sagen und Zeigen.
• Für Bachmann ist die Aufgabe der Philosophie Grenzziehung und die Aufgabe der Poesie ist
Grenzerweiterung  das bezeichnet sie als Utopie der Literatur.

 Am Ende des Tractatus kommt ein völlig überraschender Satz, und zwar ist das Wissen
wertlos, aber es gibt das Mystische. Das Mystische kann nicht gesagt werden, es zeigt sich.

DIE FRANKFURTER VORLESUNGEN


 Sie sind 5 Vorlesungen, die sie 1959 und 1960 im Wintersemester an der Frankfurter
Poetikdozentur gehalten hat. Der Untertitel ist Probleme zeitgenössischer Dichtung.
1. Die erste Vorlesung hat den Titel Fragen und Scheinfragen (=problemi e pseudoproblemi).
Es geht um Fragen, die man an die Literatur stellt und um welche Frage Scheinfragen sind,
die keinen wirklichen Inhalt haben und kein Interesse erwecken.
2. Die zweite Vorlesung ist Über Gedichte, wo sie polemisiert auch gegen bestimmte
Richtungen der Poesie ihrer Gegenwart.
3. Die dritte Vorlesung trägt den Titel Das schreibende Ich. Das Thema ist, welche Rolle das
Ich in der Literatur spielt und wie sich diese Rolle in der Literatur verändert.
4. Die vierte Vorlesung ist Der Umgang mit Namen, und zwar welche Bedeutung haben
Namen in der Literatur. Sie nennt natürlich viele Beispiele von Personennamen und
Ortsnamen (Anna Karenina, Madame Bovary, Joseph K im Prozess usw).
5. Die letzte Vorlesung ist Literatur als Utopie. Sie bezieht sich dann auf Musil und sie
versucht dieses Utopiebegriff zu definieren.
ERSTE VORLESUNG  Fragen und Scheinfragen
Welche sind die Scheinfragen? Die Scheinfragen sind die Fragen der Literaturkritik und der
Literaturwissenschaft, d.h. die formalen und objektiven Fragen.
Welche sind die wichtigsten Fragen?
• Was für Schriftsteller wichtig ist, sind die Lebenserfahrung und auch die Erfahrung mit der
Literatur (das Lesen). Sie definiert den Schriftsteller erkenntnissüchtiger, deutungssüchtiger
und sinnsüchtiger als die anderen. Die Aufgabe des Schriftstellers diese Suche nach
moralischer Erkenntnis durch eine Sprache. Sie haben einen moralisch-ethischen Auftrag.
Auf welche Tradition bezieht sich Bachmann in der 1en und 2en Vorlesungen?
• Sie zitiert die Tradition der Sprachkrise = Ein Brief von Hugo von Hofmannstahl, in dem
Selbstverzweiflung und Sprachverzweiflung thematisiert werden.
Wie finden wir eine neue Sprache, wie kommen wir aus der Sprachkrise heraus?
• Es muss einen moralischen Anstoß geben. Wir brauchen heute Delikatessen: Diese Poesie
wird scharf von Erkenntnis und bitter von Sehnsucht sein müssen, um an den Schlaf der
Menschen rühren zu können.
ZWEITE VORLESUNG  Über Gedichte
Sie zitiert die Satz von Karl Kraus ‘Alle Vorzüge einer Sprache wurzeln in der Moral‘, wie ist sie
zu verstehen? Für Bachmann ist der Auftrag der Poesie ein ethischer, moralischer. Aus diesem
Grund lehnt sie die Tradition des Ästhetizismus ab und sie ist gegen die modernen Strömungen
Welche sind die Schriftsteller, die sie nennt und warum sind sie für sie wichtig?
 Günter Eich, er vertritt eindeutig das, was man Kahlschlag nennt.
 Nelly Sachs. Ihre Dichtung spricht von Auschwitz in Chiffren.
 Hans Magnus Enzensberger verkörpert das politische Engagement in der Lyrik.
 Paul Celan. Er verkörpert die hermetische Poesie und die Suche nach einer neuen
Sprache.
DRITTE VORLESUNG  Das schreibende Ich
Welche Rolle spielt das Ich im Text? Sie untersucht die verschiedenen Rollen des Ichs.
 Das Ich der Memoiren ist ein historisches autobiographisches Ich.
 Das Ich des Tagebuchsschreibers gehört zur autobiographischen Gattung.
 Viele Ich-Möglichkeiten sind in Romanen und Gedichten zu finden.
 Viele Ich-Probleme in der Literatur, wo die Identität problematisch wird.
Was bedeutet die Wendung vom Ich in der Geschichte zur Geschichte im Ich?
 In dem 20. Jahrhundert wird dieses Ich-Problem bewusst reflektiert. Sie zitiert Italo Svevo,
Proust, Kafka und Joyce. Es wird immer wichtiger Geschichte im Ich.
 Aber die moderne Literatur tendiert Auflösung des Ichs, weil in der Gesellschaft immer
stärker die Anonymität durch „man“ wird. Am Schluss ist sie aber optimistisch, weil das Ich
nie in der Literatur sterben wird.
 Sie definiert das Ich in der Literatur als der Repräsentant der menschlichen Stimme.
VIERTE VORLESUNG  Der Umgang mit Namen
Welche Namen haben für sie eine bestimmte Aura?
 In der Literatur haben viele Namen eine ganz bestimmte Aura, sie wirken geheimnisvoll
und wir können sie nicht vergessen. Personennamen = Odysseus, Anna Karenina, Joseph K.
Ortsnamen oder imaginäre Länder = Venedig von Thomas Mann; Kakanien von Musil.
Warum wird die Aura in der modernen Literatur schwächer?
 Es gibt eine Tendenz in der modernen Literatur, die Namen in der antiken Literatur zu
schwächen, weil immer anonymer und immer fremder werden. In Kafkas Romanen gibt es
die völlige Reduktion des Namens = Karl Rossmann; Joseph K; K.
FÜNFTE VORLESUNG  Literatur als Utopie
Sie nimmt die Fragen wieder auf, die sie in der ersten Vorlesung gestellt hat, vor allem Was
bedeutet Literatur?
 Literatur ist ein Sammelsurium von Vergangenem und Vorgefundenem, sie versammelt
alles, was wir vorfinden können. Wir projizieren auf diese vergangenen Texte unsere
Hoffnungen und unsere Wünsche und damit wird die Literatur zu einem Reich, das nach
vorne geöffnet ist, also in die Zukunft.
 Sie spricht von Literatur als Utopie der Sprache: die Literatur gebraucht die vulgären
Sprachen, die Teil an einem Sprachtraum haben. Dann sie spricht von Ausdruckstraum,
und zwar die Semantik, die Syntax, die Metapher.
 Sie spricht von dem Utopiebegriff von Musil, der für sie eine offene Richtung, Suche nach
einer neuen Sprache ist.

DIE PROSE - MALE OSCURO


• Während der Krankheit schreibt sie Gedichtfragmente und Traumprotokolle
• Aus dieser Krankheit geht das großes Prosaprojekt Todesarten hervor. Gemeint sind
weibliche symbolische und psychische Todesarten.
• Diese Krankengeschichte ist dokumentiert in diesem Band betitelt Male Oscuro. Sie
dokumentiert diese Zerstörung der poetischen Sprache durch einige Fragmente unter dem
Titel Ich weiß keine bessere Welt. Das Thema ist die Ohnmacht dieser Kranken, die sich
identifiziert mit der Opferrolle.
ICH WEISS KEINE BESSERE WELT
 Ich weiß keine bessere Welt zeigt eine poetische negierte Utopie, aber auch die
Selbstzerstörung, die Aggressivität, die Destruktion dieser Utopie. Das ist der Abschied von
der Moral der Opfer. Das ist ein blasphemisches Gedicht.
 Der Ausdruck verruchte Frage wird viermal wiederholt, weil der Gefolterte der Kranke ist,
der nur diese Fragen hat, um sich nicht mehr als Opfer zu fühlen. Diese Verse sind eine
Stellungnahme gegen die Passivität der Opfer: Man muss aktiv werden, um das
Überlebenswert zu zeigen.
GLORIASTRASSE – für Schwester Ammeli
 Gloriastraße ist die Adresse einer Klinik, eines Schwesternhauses vom roten Kreuz in
Zürich, wo sich Bachmann einige Wochen aufgehalten hat.
 In diesem Gedicht sieht man das Leiden und das Inferno der Klinik, wo die Dame ist
Hausherrin Tod und der kollektive Schmerz und das Leiden der Kranken werden betäubt im
Morphiumrausch.
 Das andere Thema ist die Erfahrung der Leere und vor allem der Isolation. Aber es gibt eine
Öffnung in dem menschlichen Gesicht der Schwester. Dieses Gedicht benennt ziemlich klar
wenigere dekonstruktive Elemente und die sterile Leere der Klinik.
TRAUMPROTOKOLLE
Der erste Traumprotokoll ist vom 13. Februar 1963
• Dieser Traum beginnt mit der Bezeichnung von drei konkretem geographischem Orte ihrer
Kindheit, die aber dann mit Ischia verglichen werden, wo sie Hans Werner Henze vom Jahr
1953 erlebt hat. Diese Landschaft konnotiert die Isolation des Ichs durch Winterstürme.
• Nach der Trennung von Max Frisch fährt er nach New York und hier geht es um den
Versuch eine Verbindung durch das Telefon wiederherzustellen. Die Trennung kann sie
nicht verarbeiten. Sie sind selbstquälerische Phantasien.
Dieser andere Traum ist circa 20. Februar 1966.
 Dieser Traum inszeniert den Verfall der Welt der Schriftstellerin, die Angst hat, verrückt zu
werden. Der Traum beschreibt diese Unmöglichkeit aus dieser Welt des Wahnsinns
herauszukommen, oder aus dieser Angst vor dem Wahnsinn herauszukommen, die bis zur
Verzweiflung führt.
Am Anfang des Traumkapitels (S.183) von Malina kommen alle Begriffe vor: die Elemente der
Welt, dieses „Überfärbte“, wahnsinnig, der Anruf den Personen der Familie in einer
bestimmten Reihenfolge.
MALINA (1971)
 Bachmann arbeitet an diesem Text „Malina“ seit 1966 und 1971 ist der Text fertig.
 Es ist nicht einfach die Gattung dieses Textes zu definieren. Der Text ist keine narrative
Erzählung und kein traditioneller Roman: es gibt musikalische Momente, Dialoge,
Monologe, ein Märchen, Traumerzählungen, ein Interview; d.h. ein völlig heterogenes
Material, das zusammenkombiniert wird. (Roman  Werk)
 Malina ist der einzige veröffentlichte Teil des Zyklus Todesarten, es gibt zwei andere
Fragmente, und zwar Der Fall Franza und Requiem für Fanny Goldman. Es geht um
weibliche Todesarten, d.h. Frauenmord, der einerseits sehr konkret ist, aber andererseits
auch psychisch zu interpretierten. Es ist oft nicht ganz klar, ob sie ermordet werden, oder
ob sie sich selbst toten, und diese Ambivalenz besteht besonders in Malina, wo das
weibliche Ich getötet wird.
Das Werk besteht aus 4 Teile/Kapiteln:
• Das Ganze könnte banal als die Geschichte von ein weibliches Ich zwischen 2 Männer
gelesen werden, aber diese Dynamik ist keine reale Geschichte, sondern ein inneres
Psychodrama, das mit Liebe, Leidenschaft und Mord verbunden ist.
Ouvertüre  Die Figurenkonstellation besteht aus Ivan, Malina und das weibliche Ich, die in
der Ouvertüre beschrieben werden.
ZEIT  Die Ich-Erzählerin versucht hier ihr fiktives Heute zu erläutern. Sie hat eine ganz
negative Beziehung zu ihrer Gegenwart, sie empfindet sie voller Angst.
1. Das erste Kapitel hat den Titel „Glücklich mit Ivan“  Hier wird die Utopie der Liebe
dargestellt: der Liebesbeziehung mit Ivan ist keine glückliche Lebensgeschichte, das ist nur
ihr Wunsch. Das weiblichen Ich erzählt als Fragmente: es gibt verschiedene Textsorten und
Telefonaten, Briefen, Interviews. Man versteht, dass sie eine Schriftstellerin ist. Dieser erste
Teil enthält auch ein Märchen, „Die Geheimnisse der Prinzessin von Kagran“: d.h. die
Geheimnisse haben mit den Gedichten von Celan zu tun.
2. Das zweite Kapitel trägt den Titel „Der dritte Mann“, und ist das sogenannte Traumkapitel
mit schrecklichen Träumen und diese Albträume werden unterbrochen von Dialogen mit
Malina. Malina ist eine Figur, die man vielleicht als männliches „alter Ego“ bezeichnen kann.
Der dritte Mann ist der Vater, der in den Träumen auftritt.
3. Kapitel drei: „Von letzten Dingen“  Auch hier sehen wir ganz verschiedene Textsorten,
also Reflexionen über Briefen, Briefgeheimnis, Dialoge mit Malina um Erinnerungen, und es
geht immer um das Verhältnis des weiblichen Ichs mit ihren männlichen Alter Ego. Das
Kapitel ist relativ fragmentarisch, es geht um Dialoge der Erzählerin mit Malina, eine Art
von Selbstanalyse in der weibliche Teil, die der emotionalen und affektiven Teil mit dem
männlichen Teil ihrer Selbstdialog hält, also ein Gespräch zwischen dem rationalen und
emotionalen Teil in sich.

OUVERTURE
1) IVAN  Ivan wird kurz mit einer konventionellen Identität definiert, aber er ist eine
erfundene Figur, die reale Konnotationen hat.
2) MALINA  Malina ist der zweite Mann und er hat eine äußerliche Identität und eine
geheime Identität als Autor. Malina ist eine enigmatische Figur. Er ist wahrscheinlich das
alter Ego des weiblichen Ichs. Er ist der Ruhige, der Rationale.
3) ICH  Man kann es fast autobiographisch lesen: ihre Augen sind braun, ihre Haare sind
blond. Sie wurde in Klagenfurt geboren. Wir verstehen, dass sie ein unsicheres Leben hat.
Das weibliche Ich will ihre Geschichte erzählen, aber sie kann noch nicht ihre Erinnerungen
erzählen.
ERSTES KAPITEL
 Ivan und das weibliche Ich sprechen am Telefon durch Müdigkeitssätze, die Distanz
zwischen der Realität und der Utopie der Liebe zeigen. Sie ist sehr bewusst, dass diese
Liebe gar nicht besteht.
 Der Schluss des Kapitels zeigt dann, dass es deutlich wird, dass die reale Geschichte mit
Ivan zu Ende geht: mit Ivan ist sie desillusioniert. Malina spielt eine wichtige Rolle, weil sie
sich selbst als doppelt bezeichnet: ich bin auch Malinas Geschöpf. Dann wird es ihr
bewusst, dass Malina ihr nie verloren gehen wird, Malina ist ihr sicherer Bezugspunkt und
nicht Ivan.
DAS MÄRCHEN DER PRINZESSIN VON KAGRAN
Dieses Märchen spricht von einer Prinzessin im Gefängnis, die von einem
Fremden befreiet wird, aber dann sie wird getötet. Wichtig ist in diesem
Märchen, dass die Figur des Prinzen die Züge von Paul Celan trägt und die
Worte des Märchens sind Verse von Paul Celan, der sich 1970 umgebracht
hat. Man kann das ganze Märchen als Einweihung in die Poesie
interpretieren, sie findet die Liebe im Medium der Poesie. Man versteht
diese Liebesutopie, die Einweihung in die Liebe, die Enttäuschung, die
Telefongespräche mit Ivan usw.
Dieses Märchen bindet sich mit dem zweiten Kapitel, wo der Figur des
Nationalsozialisten Vaters verbietet der Tochter mit Fremden umzugehen.
ZWEITES KAPITEL
• Diese Traumprotokolle entstehen zwischen 1963 und 1966, in der Zeit der Krankheit.
Dieses Traumtheater wird dominiert von der Vaterfigur. Er verkörpert die schrecklichsten
Verbrechen: der Mörder, der Metzger, der Sadist, der Nazi, der inzestuöse Vater. Sie sind
Gewaltszenen Albträume und Ängste, die man individuell und kollektiv interpretieren kann.
• Bachmann hat selbst betont, dass diese Figur mit ihrem realen Vater nichts zu tun hat. Wir
wissen, Bachmann hatte eine gute Beziehung zu ihrem Vater, der Lehrer war.
• Das weibliche Ich ist das Opfer dieser patriarchalischen Gewalt in der Rolle der Tochter. Am
Schluss des ersten Traums wird gesagt, es ist der Friedhof der ermordeten Töchter (vom
Vater): das ist das Hauptmotiv. Die Träume werden nicht gedeutet.
• Malina beruhigt das Ich und fragt, wer sein Vater ist. Das Ich versteht, dass es nicht sein
Vater ist, sondern sein Mörder. Am Schluss des Kapitels hat sie ihn erkannt, aber es wird
nie gesagt, was sie eigentlich erkannt hat.
DRITTES KAPITEL
• Der dritte Teil Von den letzten Dingen ist das Verhältnis zu Malina und das Problem des
Schreibens, weil das weibliche Ich seine Geschichte nicht schreiben kann, sondern Malina
schreibt sie. Die Erzählerin ist eine Schriftstellerin und sie versucht zu schreiben: man sieht,
dass die Titel von Projekten haben mit dem Mord zu tun.
• Diese Dialoge oder Selbstgespräche, denn Malina ist ein Alter Ego, werden immer wieder
unterbrochen von Angstsymptomen und Phantasien der Selbstzerstörung. Das weibliche
Ich sagt, es hat ein Doppelleben und das Kapitel zeigt, dass Malina immer stärker wird und
die Dinge und die Kleider des Ichs verschwinden. Am Ende verschwindet das weibliche Ich
selbst in einem Riss in der Wand. Wenn das Ich den Riss in der Wand entdeckt, fragt es seit
wann haben wir einen Sprung in der Wand? Er antwortet ganz banal und rational.
• Das Ich kocht Kaffee und hat autodestruktive Gedanken. Wie in einem Fazit denkt sie „Ich
habe in Ivan gelebt und ich sterbe in Malina“  sie hatte diese Utopie der Liebe, aber jetzt
sie überlebt nicht; was überlebt ist nur das rationale Teil in ihr, d.h. Malina, der der Autor
dieser ganzen Geschichte wird. Man versteht das, wenn das Telefon läutet und Ivan ist am
Telefon, er fragt nach dem weiblichen Ich und Malina antwortet: „Nein, hier ist keine
Frau“. Das Ich ist in der Wand verschwunden. Der letzte Satz „Es war Mord“ antwortet
natürlich auf den Zweifel „Mord oder Selbstmord?“.
• Malina wurde als Animus Figur (aus der Psychologie von Jung) interpretiert; d.h.
männlichen Teil der weiblichen Psyche.

Autobiographie und weibliche Schreiben


FRAGE: kann man diese Ich Figur mit Bachmann selbst identifizieren?
 Man kann sie nicht direkt identifizieren. Sie hat darauf geantwortet, es ist keine
traditionelle autobiographische Geschichte, es geht hier nicht um ein Narrativ, sondern es
ist eine geistige imaginäre Autobiographie. Es ist ein Psychodrama mit dem Schauplatz des
Unbewussten, mit den Imaginationen, Träumen, Ängsten, Emotionen. Das ist eine
Selbstanalyse ihrer Zerstörungsgeschichte, dazu gehören die Utopie der Liebe, die
Desillusion, die Initiation in die Poesie, die Problematik des Schreibens und das Unbewusst,
den der Vater beherrscht.
 Spezifisch kann man natürlich sprechen von einem Roman einer Schriftstellerin, die sich
als männlicher Autor fühlt. Hier zeigt sich, weibliche Autorschaft ist für sie nicht möglich,
Malina ist die Figur, die sie braucht fürs Schreiben, aber er ist zugleicht die Figur, die das
weibliche Ich im Schreiben vernichtet, die affektive Seite. Das Psychodrama ist die
Zerstörung der Frau und das poetologische Drama ist die Unmöglichkeit weiblicher
Autorschaft.

FRAGEN ZU DEN FRANKFURTER VORLESUNGEN (Das sind Fragen, die wir uns stellen sollten,
während wir den Text lesen)
1. ERSTE VORLESUNG
 Was versteht Ingeborg Bachmann unter Scheinfragen, da der Titel hier Fragen und
Scheinfragen heißt? Welche sind die Scheinfragen für sie? Die Scheinfragen wären die
literaturwissenschaftlichen Fragen, die formalen Fragen, die Fragen der Klassifikation,
die objektiven Fragen.
 Welche sind für den Schriftsteller die ersten Fragen? Welche Fragen sind für den
Schriftsteller die wichtigsten? Die erste Frage für den Schriftsteller ist die Rechtfertigung
seiner Existenz, also den Auftrag.
 Sie schreibt hier nicht ohne Tradition, auf welche Tradition bezieht sich Bachmann
explizit in der ersten und zweiten Vorlesung? Sie zitiert die Tradition der Sprachkrise, sie
zitiert aus dem Brief von Hugo von Hofmannsthal. In der zweiten Vorlesung über
Gedichte zitiert sie Karl Kraus, also den moralischen Auftrag der Literatur.
2. ZWEITE VORLESUNG
 Bachmann zitiert Karl Kraus’ Satz ‘Alle Vorzüge einer Sprache wurzeln in der Moral’.
Wie ist dieser Satz zu verstehen? Wie können wir diesen Satz interpretieren?
 Welche Dichter und Dichterinnen zitiert Ingeborg Bachmann in der zweiten Vorlesung
und warum sind diese Gedichte für sie wichtig? Enzensberger ist wichtig, weil er die
Tradition von Brecht, die engagierte Literatur, die politische Literatur weiterführt,
hingegen ist Celan für sie für die hermetische Literatur, für die Chiffren, mit denen er
traumatische Ereignisse beantwortet, wichtig, abgesehen vom biographischen
Liebesverhältnis. Günter Eich ist wichtig, weil er den Kahlschlag vertritt usw.
3. DRITTE VORLESUNG
 Sie gebraucht den Ausdruck ‘Ich ohne Gewähr‘. Was bedeutet dieser Ausdruck für die
Literatur, für das schreibende Ich?
 Dann spricht sie von einer wichtigen Wendung in der modernen Literatur, und zwar
vom Ich in der Geschichte zur Geschichte im Ich. Was bedeutet das? Welche
Implikationen hat das?
4. VIERTE VORLESUNG
 Nennen Sie Beispiele für die Aura der Namen. Welche Namen haben für sie eine
bestimmte Aura in der Literatur?
 Warum wird die Aura der Namen in der modernen Literatur schwächer?
5. FÜNFTE VORLESUNG
Bachmann bezieht sich auf Musil, um ihren Utopiebegriff genauer zu definieren. Wie
können sie den Utopiebegriff von Bachmann erläutern? Das wäre einerseits
Richtungsutopie und andererseits sprachliche Utopie und Sprachtraum.

FRAGEN ZU MALINA
1. Wie würden Sie die Gattung dieses Textes definieren? Handelt es sich um einen Roman im
traditionellen Sinne? Es ist nicht einfach die Gattung dieses Textes zu definieren, wir haben
jedoch oft gesagt, es ist kein Roman im traditionellen Sinne. Dieser Text enthält
theatralische Formen, musikalische Formen, Komposition, fragmentarischen Dialogen, also
Polyphon auf jeden Fall. Es gibt verschiedenste Gattungen.
2. Malina ist Teil eines Zyklus, an dem Bachmann in der zweiten Hälfte ihrer Produktion
pausenlos gearbeitet hat. Es gibt viele Fragmente im Zyklus. Was bedeutet der Titel?
Todesarten bedeutet, wie Frauen sterben oder wie sich umgebracht werden, eigentlich
immer in der Beziehung zu Männern, es geht immer um die Beziehung zwischen Mann und
Frau. Was uns auffällt in den Texten von Bachmann, auch in diesem Text ist, wie wenig
weibliche Solidarität vorkommt. Das weibliche Ich ist total bezogen auf Männer, auf Ivan
und Malina, es gibt aber ein paar Briefe an Lilly im ersten Teil, wo sie versucht einen Bezug
zu einer Frau herzustellen.
3. Könnten Sie die typische Figurenkonstellation in Malina erläutern und die problematische
Identität dieser Personen? Sie sind keine realen Personen, sondern man kann sagen innere
Figuren oder auch nicht. Die typische Figurenkonstellation wäre Ivan, das weibliche Ich und
Malina. Wir kann man das lesen? Es ist auch die Struktur des Textes im Grunde.
4. Welche Rolle spielt Malina? Er beruhigt sie, er ist der rationale Teil, er ist Alter Ego,
Erzähler, Schriftsteller, Geheimer. Man kann im Text alle möglichen Rollen von Malina
finden.
5. Wovon erzählt das Märchen Die Prinzessin von Kagran und wie kann es im Kontext von
Malina interpretiert werden? Das Märchen erzählt vielleicht von der Initiation in die Poesie
im gewissen Sinne, von der Begegnung mit dem Fremden, von der Liebe zum Fremden und
von der Begegnung mit Clean, biographisch gesprochen, und zwar nach seinem Tod. Er hat
sich 1970 umgebracht. Es ist ein Kunstmärchen, in dem sie diese Einweihung in die Poesie
nochmal zusammenfasst. Wie kann man das Kunstmärchen im Kontext von Malina
interpretieren? Also als Märchen, das im Kontext von Malina dann eigentlich zum
Todesgedächtnis wird, es ist ja vorbei.
6. Was verbindet die Albträume im Traumkapitel? Was haben sie gemeinsam? Was sie
gemeinsam haben, ist die Vaterfigur, er ist der Regisseur des Traumtheater. Er hält Regie in
ganz verschiedenen Rollen, er tritt dann in verschiedenen Rollen selbst auf. Es ist eine
Auseinandersetzung mit einer Vaterfigur, die ganz verschiedenste Konnotationen hat. Sie
hat selbst betont, dass diese Figur mit ihrem realen Vater nichts zu tun hat. Wir wissen,
Bachmann hatte eine gute Beziehung zu ihrem Vater, der Lehrer war. Es wurde aber auch
gesagt, er war ein typischer Vertreter seiner Zeit, und zwar Mitglied der
nationalsozialistischen Partei. Er ist Vertreter einer Vatergeneration, es geht auf jeden Fall
um eine Vatergeneration. Dann hat man sich immer gefragt, ob das weibliche Ich Opfer
dieses Vaters oder Komplizin dieses Vaters ist, weil beide im gewissen Sinne vorkommen.
Sie sind Gefangene des Vaters, Komplizin und Opfer vor allem. Das zeigen natürlich die
Träume, die das Verdrängte zeigen und nicht das, was ihr bewusst ist. Wenn man den
Akzent auf Blutschande setzt, dann kann man sagen, es ist das Verbot des Fremden, sie ist
gefangen. Bezogen auf das Märchen würde das heißen, sie ist Gefangene des alten Königs.
Das Kapitel ist schockierend, man hat viel darüber nachgedacht, wie man dieser Vater
interpretieren soll, als schreckliche Figur der patriarchalischen Gesellschaft, als Figur der
nationalsozialistischen Vergangenheit, die sich psychisch einschreiben. Das Traumkapitel
durchquert die verschiedenen Figuren und Am Schluss legt er alle Kostüme ab. Am Schluss
hat sie ihn erkannt, aber es wird nie gesagt, was sie eigentlich erkannt hat. Es gibt diese
komischen Dialoge mit Malina, die dieses Traumkapitel immer wieder unterbrechen, aber
die Träume werden nicht gedeutet, es kommt zu keiner Traumdeutung. Er beruhigt sie und
sie sagt am Ende, ich haben ihn erkannt, ich weiß es jetzt, aber wir wissen nicht, was sie
weiß. Sie kommt aus der Tochterrolle eigentlich nie heraus. Das zweite Kapitel
dokumentiert ihre Zerstörung, denn sie kommt vom Vater nicht weg. Was das Schreiben
angeht, ist die Problematik, wie sie diese Zerstörungsgeschichte erzählen kann.
7. Der Schluss handelt vom Verschwinden des weiblichen Ichs und von der Übergabe der
Geschichten. Wir kann man das interpretieren? Was bedeutet das für den Roman? Malina
ist der Erzähler, sie kann nur erzählen mit Malina, in Malina, als Malina, also rational
erzählen.

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