Schimpansen und Gorilla
1. Die Fotos, auf denen Dian Fossey zu sehen ist, wie sie mit ihren Berggorillas kuschelt, sind
weltberühmt. Bis zu ihrer Ermordung 1985 machte sich die Amerikanerin für den Schutz der
Menschenaffen stark. Die Schimpansenforscherin Jane Goodall verhielt sich nicht anders. Auch von
ihr existieren eindrucksvolle Bilder, die sie in engstem Kontakt mit Affen zeigen. Auf Du und Du mit
einem Silberrücken oder mit einem Schimpansenbaby – das sieht bei diesen beiden Frauen recht
einfach aus, und viele Ökotouristen würden es ihnen am liebsten gleichtun.
2. Das sind Bilder aus der schon alten Zeit, als wir noch völlig naiv waren und nichts von Infektionen
ahnten. Diese Pionierinnen waren stolz darauf, dass es ihnen überhaupt gelungen war, wilde
Schimpansen oder Gorillas an Menschen zu gewöhnen. Nur so meinten sie, deren Verhalten besser
studieren zu können. Aus der damaligen Perspektive sehr verständlich. Retrospektiv betrachtet, war
das unverantwortlich. Denn es besteht die Gefahr, dass Krankheiten übertragen werden. Das wurde
unterschätzt. Dabei ist weniger zu befürchten, dass sich die Forscher bei den Tieren anstecken und
sich auf diese Weise verheerende Epidemien einstellen könnten, obwohl auch schon vereinzelt
Übertragungen von Primaten auf Menschen vorgekommen sind. Forscherstreiks betreibt heute die
Sorge, dass Menschen umgekehrt ihr eigenen Erreger auf die Affen übertragen und damit ohnehin
bedrohte Arten noch weiter in ihrer Existenz gefährden.
3. Wo Wälder gerodet werden und Acker-, Palmöl-Plantage oder Minen mehr Rückzugsgebiete der
Affen verdrängen, trägt der Mensch zur Ausbreitung von Viren, Bakterien und Parasiten bei.
Vielleicht litten deshalb Berggorillas in Uganda unter Krätze. Sie konnten die parasitäre
Hautkrankheit nicht mit ihrem eigenen Immunsystem abwehren, sondern waren auf die Hilfe von
Tierärzten angewiesen.
4. Weil die meisten Affengruppen inzwischen an Einheimische und Touristen gewöhnt sind, sind
solche anthropozoonotischen Übertragungen – das heißt die Übertragung von
Infektionserkrankungen zwischen Tier und Mensch – keineswegs überraschend. Dazu reicht es aus,
wenn etwa Kleidung im Wald zurückbleibt, mit der die Affen spielen. Sie stecken sich auch schon mit
Darmpaarsiten an, wahrscheinlich, weil sich im Nationalpark nicht jeder an die Hygieneauflagen hält.
Bakterielle Erreger treten ebenfalls mehrfach in Erscheinung. Vermutlich fielen Schimpansen ebenso
wie Gorillas bereits Masern und Polio zum Opfer. Befürchtet wird ferner der Ausbruch von
Tuberkulose.
5. Seitdem bekannt ist, dass menschliche Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen, den
Menschenaffen ebenfalls zusetzen, herrscht noch größere Aufmerksamkeit. Tatsächlich nehmen
respiratorische Epidemien unter Gorillas und Schimpansen in den Schutzgebieten zu, seit die Zahl der
Ökotouristen steigt. Sie rangieren neben den Wunden durch Kämpfe oder Verletzungen durch
Wilderer weit oben auf der Liste der beobachteten Krankheitssymptome. Einige Affen starben bereits
an den Infekten.
6. Die respiratorischen Erreger wurden erstmals bei Schimpansen im Tai-Nationalpark der
Elfenbeinküste nachgewiesen. Inzwischen fand man sie auch bei Populationen in Zentralafrika und
bei Berggorillas. Für den Nachweis entwickelten die Veterinäre innovative Methoden angewandt. Es
werden vor allem Kotproben der Affen untersucht. Die Forschenden interessieren sich für alles, was
Menschenaffen erkranken lässt, sie schwächt oder gar tötet, denn Menschenaffen gelten als.
7. Nun werden die Analysen vertieft, um herauszufinden, ob der Mensch auch für
Sekundärinfektionen verantwortlich ist. Man geht davon aus, dass die Atemwegsinfekte einerseits
durch die Luft übertragen werden – deshalb ist ein Mindestabstand von sieben Metern wichtig, wenn
Menschen sich den Tieren nähern. Andererseits kann es sich auch um Schmierinfektionen handeln,
wenn jemand niest oder hustet und sich die vorgeschaltete Hand an Blättern abwischt, mit denen die
Affen später in Kontakt kommen. Wie es passiert, ist noch unklar. Dass der Mensch Schuld trägt,
daran besteht jedoch kein Zweifel: Die Viren entsprechen jenen Stämmen, die weltweit den
Menschen plagen und in medizinisch schlecht versorgten Regionen gefährliche Epidemien auslösen.
8. Wo genau die zukünftigen Seuchen lauern, ist kaum voraussagbar. So ist das Reservoir der Ebola-
Viren, denen die Menschenaffen ebenfalls zum Opfer fallen, noch immer nicht gefunden. Das
Erregerreservoir sind Bereiche der Erde, aus denen zum Beispiel Viren oder Bakterien aufbrechen.
Das können der Mensch, Tiere oder auch Biotope sein. Weil die ökologischen Nische, wie die von
Fledermäusen und Nagetieren, für die Ebola-Viren bisher noch nicht bekannt ist, wird angenommen,
dass sie die Viren verbreiten, ohne selbst daran zu erkranken. Deshalb ist die Zusammenarbeit
wichtig, die sich die Forschungsverantwortlichen in Afrika beispielsweise bemühen. Werden Fleisch
von Wildtieren, die sich infiziert haben und trotzdem verzehrt werden. Niemals wird so wenig Aas als
Buschfleisch verkauft oder auf Märkten und Märkte weiter verkauft wird.
9. Ein weiteres Ziel der Forschung ist pädagogischer Art: Anhand der wissenschaftlichen Daten ist
gezeigt werden, dass Hygienemaßnahmen sinnvoll sind. Und dass die in der Nähe der Menschen
lebenden Affen davon profitieren, wenn diese Menschen geimpft sind.
10. Die menschliche Präsenz birgt also deutliche Risiken mit sich, gleichzeitig bietet die Anwesenheit
von Forschern und Touristen aber einen größeren Schutz vor Wilderern. Nicht nur im Tai-
Nationalpark nimmt die Anzahl der Affen in der Nähe der Camps deutlich zu. Unser Traum von
unberührter Natur, wie er noch vor 50 Jahren bestand, ist ein Traum, der sich nicht mehr erfüllen
wird. Das ist die traurige Realität. Auch im Tai hat man deshalb inzwischen an zwei Orten mit
Ökotourismus angefangen: Aus Sicht des Schutzes ist das besser. Die Alternative wäre leider ein
leerer Wald.
11. Risiken bleiben bestehen. Nun heißt es, auf die bekannten Fakten zu reagieren und sich stets vor
Augen zu halten, dass Krankheiten große Probleme darstellen. Selbst wenn die Übertragungswege
noch nicht klar sind, müssen Hygienevorkehrungen ergriffen werden. So wird in der Forschungs-
gemeinschaft dafür geworben, bestimmte Regeln durchzusetzen, etwa eine Quarantäne zu
verhängen oder das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorzuschreiben, wie es die Richtlinien der
Weltnaturschutzunion vorsagen und wie es in Zoos teilweise seit längerem praktiziert wird.
12. Einiges gilt ebenso für den Ökotourismus, wird aber noch nicht überall berücksichtigt, weil man
Touristen zum Beispiel die Masken ersparen möchte. Wer erklärt ist, sollte den Tieren auf jeden Fall
fernbleiben. Denn Nähe bedeutet Risiken in zweifacher Hinsicht: Denn durch die biologische Nähe,
das heißt die enge Verwandtschaft zwischen Menschen und Affen, können Erreger sehr leicht
überspringen. Nähe bedeutet eben auch, Krankheiten zu teilen, betonen Primatologen.
13. Solche Risiken kann man durch Schutzmaßnahmen minimieren. Auch gegen Wilderer kann man
vorgehen. Viel schlimmer ist es, wenn Behörden vor allem Habgier walten lassen und mehr Geld für
deren Verwaltung die höchste Priorität.
13- Dian Fossey und Jane Goodall lieferten mit ihrer Forschung Vorlagen für Tierdokumentationen.(X)
14- Menschenaffen haben durch Übertragung von Erregern bei Menschen bereits
Massenerkrankungen ausgelöst.(F)
15- In Uganda mussten Berggorillas vermutlich wegen des Kontaktes mit Menschen medizinisch
behandelt werden.(R)
16- Nach Masern und Polio sind Schimpansen und Gorillas nun auch von Tuberkulose betroffen.(F)
17- In Schutzgebieten gehören Entzündungen der Atemwege bei Menschenaffen zu den häufigsten
Erkrankungen.(R)
18- Für ihre Forschungen zu Bakterien, die Milzbrand verursachen, wählten Forscher den Tai-
Nationalpark der Elfenbeinküste. (X)
19- Menschenaffen können sich über den Kontakt mit menschlichen Absonderungen anstecken.(R)
20- Fledermäuse und Nagetiere gelten als Sammelbecken für Ebola-Viren.(F)
21- Wenn Menschen sich impfen lassen, kommt das auch den Menschenaffen in ihrer Nähe zugute.
(R)
22- In der Nähe von Touristen verringert sich die Affenpopulation.(F)
23- Aus Rücksicht auf Touristen werden nicht alle sinnvollen Schutzmaßnahmen durchgeführt.(R)
24 a) Chancen und Gefahren einer Annäherung
b) Globale Entwicklung des Öko-Tourismus
c) Jagd nach neuen Krankheitserregern