Final 9783662546475
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Der Praxisanleiter im
Rettungsdienst
3. Auflage
Steffen Pluntke
Dresden, Sachsen, Deutschland
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Vorwort zur 3. Auflage
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Megatrend, der begonnen hat, alle Le-
bens- und Arbeitsbereiche nachhaltig zu transformieren. KI-Systeme wer-
den auch in Zukunft die Medizin im Allgemeinen und den Rettungsdienst
im Besonderen bei (notfall-)medizinischen Analysen und Entscheidungen
unterstützen. Ein weiterer Bereich, der bereits jetzt schon zum Teil stark
von KI-Unterstützung durchdrungen ist, ist der Bildungssektor. KI-gestützte
Lernplattformen, adaptive Trainingsmodule und virtuelle Simulations-
umgebungen eröffnen künftig völlig neue Möglichkeiten, um die Aus- und
Weiterbildung individueller und effizienter – sowohl für die Lehrenden
(z. B. Praxisanleiter) als auch für die Lernenden (z. B. Auszubildende) –
zu gestalten. Dies erfordert jedoch auch eine Erweiterung der Kompeten-
zen von Praxisanleitungen, die in der Lage sein müssen, diese Technologien
sinnvoll und zielgerichtet einzusetzen. Die große Spannbreite der im Inter-
net verfügbaren KI-Tools zur Unterstützung der Bildungsarbeit ist groß und
nicht einfach zu durchschauen. Allein deswegen ist es unmöglich, Ihnen
einen Gesamtüberblick zu geben. Die neue Auflage des Buches knüpft
daher an der bekanntesten Kategorie von KI-Tools – den sogenannten KI-
basierten Textgeneratoren (z. B. ChatGPT) – an und zeigt Ihnen anhand
vieler Beispiele, wie diese digitalen Werkzeuge effizient und vielgestaltig
genutzt werden können.
Für die vielen Anregungen, kritischen Fragen und die geduldige Unter-
stützung bei der Erstellung der Erweiterung des Buches danke ich sehr mei-
ner Kollegin und guten Freundin Kristin Rothmann, die sich mit Leib und
Seele der rettungsdienstlichen Aus- und Weiterbildung sowie dem Kampf
gegen den plötzlichen Herztod verschrieben hat.
V
Vorwort zur 2. Auflage
VII
Vorwort zur 1. Auflage
IX
X Vorwort zur 1. Auflage
Um den Textfluss nicht zu stören, ist nur die männliche Sprachform ge-
wählt worden. Alle personenbezogenen Aussagen gelten jedoch für Frauen
und Männer gleichermaßen. Im Text wird anstatt der Langform für Praxis-
anleiter im Rettungsdienst (PAL) die in Klammer angegebene allgemein üb-
liche Abkürzung verwendet.
1 Qualifikationen im Rettungsdienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1 Rettungspersonal. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.2 Praxisanleiter im Rettungsdienst. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.3 Zusammenfassung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Literatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2 Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland . . . . . . . . . . 23
2.1 Organisation des Bildungssystems. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
2.2 Struktur des Bildungssystems . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
2.3 Bildungsurlaub. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
2.4 Europäischer und Deutscher Qualifikationsrahmen
(EQR und DQR) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3 Grundbegriffe der Erwachsenenbildung. . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.1 Andragogik und Erwachsenenbildung. . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.2 Aus-, Fort- und Weiterbildung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
3.3 Pädagogik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
3.4 Didaktik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3.5 Lehrplan und Curriculum. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
3.6 Lernfeldkonzept. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
4 Grundlagen des Lernens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4.1 Biologische Grundlagen des Lernens . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4.2 Lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
4.3 Lerntheorien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
4.4 Lerntypen und Lernstile. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
4.5 Motivation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
4.6 Besonderheiten des Lernens im Erwachsenenalter. . . . . . . 72
Literatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
5 Gedächtnis. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
5.1 Dreispeichermodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
5.2 Gedächtnisarten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
5.3 Vergessen und Behalten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
Literatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
XI
XII Inhaltsverzeichnis
XV
Qualifikationen im
Rettungsdienst 1
Inhaltsverzeichnis
1.1 Rettungspersonal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1.1 Rettungshelfer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.1.2 Rettungssanitäter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.1.3 Notfallsanitäter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1.1.4 Exkurs – Ausgewählte Rechtsfragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.2 Praxisanleiter im Rettungsdienst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.3 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Eine Qualifikation ist die Fähigkeit einer Per- rettungsdienstlichen Berufskunde des nichtärzt-
son, eine bestimmte geistige bzw. praktische lichen Personals vertraut sein.
Tätigkeit auf einem gewissen Niveau auszu-
führen. Man erreicht sie durch Aus- bzw. Fort-
bildung, Übung und Erfahrung. Das Spektrum Grundlagen der Ausbildung des Perso-
der Qualifikationen im Rettungsdienst ist breit. nals im Rettungsdienst
Für die Arbeit des Praxisanleiters im Rettungs-
• Notfallsanitätergesetz (NotSanG)
dienst (PAL) sind vor allem die Qualifikationen
• Ausbildungs- und Prüfungsverordnung
des Rettungs- und Bildungspersonals von be-
für Notfallsanitäterinnen und Notfall-
sonderem Interesse.
sanitäter (NotSan-APrV)
• Rettungsdienstgesetze der Bundesländer
1.1 Rettungspersonal
Allgemeine Fortbildungspflicht
In Deutschland gibt es auf der nichtärztlichen Die Tätigkeit im Rettungsdienst setzt eine regel-
Seite mehrere Qualifikationen, die sich mit der mäßige Fortbildung voraus. Rettungshelfer,
Rettung in medizinischen Notfällen beschäftigen. Rettungssanitäter und Notfallsanitäter sind un-
PAL sind aufgrund ihrer Stellung gleichermaßen abhängig von ihrer Qualifikation jährlich fort-
Ratgeber und Ansprechpartner, wenn es um die zubilden. Diese Fortbildung basiert vor allem
(Weiter-)Qualifizierung im Rettungsdienst geht. auf den in den verschiedenen Ländern vor-
Sie sollten deshalb mit den Grundzügen der handenen Gesetzen und Verordnungen. Je nach
© Der/die Herausgeber bzw. der/die Autor(en), exklusiv lizenziert an Springer-Verlag GmbH, DE, 1
ein Teil von Springer Nature 2024
S. Pluntke, Der Praxisanleiter im Rettungsdienst, [Link]
2 1 Qualifikationen im Rettungsdienst
länderrechtlichen Regelungen umfasst die Erste-Hilfe-Ausbildung, die nicht länger als ein
Fortbildung zwischen 24 und 40 h. Sinn der Jahr zurückliegen darf.
medizinisch-fachlichen Fortbildungen ist die Rettungshelfer ist keine geschützte Berufs-
Festigung der Kenntnisse und Fertigkeiten in bezeichnung. Ausbildung und Prüfung sind nicht
den notfallmedizinischen Bereichen und die gesetzlich geregelt. Die Hilfsorganisationen
Vermittlung neuer medizinischer Aspekte. Die haben sich deshalb 1995 auf gemeinsame
Überwachung der Aus- und Weiterbildung des Grundsätze für eine Mindestausbildung von
nichtärztlichen Personals obliegt dem Ärztlichen Rettungshelfern verständigt. Die Ausbildungs-
Leiter Rettungsdienst (ÄLRD). zeit umfasst insgesamt 320 h. Lediglich in Nord-
rhein-Westfalen wurde die Rettungshelferaus-
bildung zwischenzeitlich gesetzlich geregelt. Al-
1.1.1 Rettungshelfer lerdings umfasst sie dort insgesamt nur 160 h.
Wegen der deutlich kürzen Ausbildungszeit wird
Die einfachste Form der Ausbildung im sie in anderen Bundesländern nicht als Rettungs-
Rettungsdienst ist der Rettungshelfer (Abb. 1.1). helferausbildung, sondern nur als Sanitätsaus-
Es handelt sich dabei um Personen, die an einer bildung anerkannt und zur Verdeutlichung des
über die Fachdienstausbildung für den Sani- Qualifikationsunterschiedes als „Rettungs-
tätsdienst hinausgehenden rettungsdienstlichen helfer NRW“ bezeichnet. Bei der Ausbildung
Ausbildung teilgenommen haben. Aufgrund zum Rettungshelfer haben sich die Hilfs-
der geringeren berufsspezifischen Qualifikation organisationen an den Inhalten der Ausbildung
sind Rettungshelfer nicht zur alleinigen Über- zum Rettungssanitäter orientiert, sodass alle
wachung von Notfallpatienten im Regelrettungs- Ausbildungsabschnitte auf die Ausbildung zum
dienst geeignet. Je nach Landesrecht ist ein be- Rettungssanitäter angerechnet werden können.
gleitender Einsatz auf verschiedenen Rettungs- Die 80 h umfassende klinische Ausbildung
mitteln möglich. soll zusammenhängend oder in zwei Blö-
cken von je 40 h durchgeführt werden. Die üb-
Ausbildung rige Ausbildung kann in Blöcken oder berufs-
Rechtlich ist als Zugangsvoraussetzung keine begleitend erfolgen.
bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der
Regel wird jedoch mindestens der Hauptschul-
abschluss oder eine abgeschlossene Berufsaus- 1.1.2 Rettungssanitäter
bildung vorausgesetzt. Voraussetzung zur Teil-
nahme an der Rettungshelferausbildung ist eine Die Qualifizierung zum Rettungssanitäter ist
durch kein Bundesgesetz normiert. 1977 wurde
die Ausbildung zum Rettungssanitäter erstmalig
durch die „Grundsätze zur Ausbildung des Per-
sonals im Rettungsdienst“ (520-h-Programm)
des Bund-Länder-Ausschusses „Rettungs-
wesen“ bundesweit einheitlich geregelt. 2019
wurde durch den Ausschuss Rettungswesen die
„Empfehlung für eine Verordnung über die Aus-
bildung und Prüfung von Rettungssanitäterin-
nen und Rettungssanitätern (Rett-San-APrV)“
herausgegeben. Sowohl die Grundsätze als auch
die Empfehlungen stellen formal keine Ge-
Abb. 1.1 Ausbildungsablauf zum Rettungshelfer nach setze und Verordnungen dar. Sie sind als Emp-
den Grundsätzen der Hilfsorganisationen fehlungen zu verstehen. Auch wenn es sich um
1.1 Rettungspersonal 3
eine Berufstätigkeit handelt, stellt der Begriff sitzende oder den Prüfungsvorsitzenden auf Vor-
Rettungssanitäter weder eine anerkannte Berufs- schlag der Ausbildungsstätte bestimmt. Die Be-
ausbildung noch eine Berufsbezeichnung dar. wertung erfolgt durch zwei Fachprüferinnen
Während früher Rettungssanitäter selbst- oder Fachprüfer. Der praktische Teil der Prü-
ständig im Regelrettungsdienst eingesetzt wur- fung erstreckt sich auf die Demonstration von
den, dürfen sie heute nur noch eigenverantwort- praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die
lich im qualifizierten Krankentransport ein- Prüfungsteilnehmerin oder der Prüfungsteil-
gesetzt werden. nehmer übernimmt bei zwei vorgegebenen Fall-
beispielen die anfallenden Aufgaben. Eines der
Ausbildung Fallbeispiele muss aus dem Bereich des quali-
Die Ausbildung zum Rettungssanitäter setzt fizierten Krankentransportes oder aus dem Be-
sich aus mehreren Phasen zusammen und um- reich der notfallmedizinischen Versorgung und
fasst insgesamt 520 h (Abb. 1.2). Aus diesem eines aus dem Bereich Herzkreislaufstillstand
Grund wird die Ausbildung oftmals kurz als mit Reanimation stammen. Ein Fallbeispiel wird
520-h-Programm bezeichnet. Die Ausbildungs- durch ein Fachgespräch ergänzt. In diesem hat
inhalte sind in einem Lernzielkatalog formuliert. die Prüfungsteilnehmerin oder der Prüfungsteil-
Die Prüfung wird vor einem Prüfungsausschuss nehmer sein Handeln zu erläutern und zu be-
gemäß den landesspezifischen Regelungen ab- gründen, sowie die Prüfungssituation zu re-
gelegt. Die gesamte Ausbildung soll in zwei Jah- flektieren. Die Prüfung ist bestanden, wenn
ren abgeschlossen sein. Sowohl der Abschluss jeder der vorgeschriebenen Prüfungsteile be-
als Rettungssanitäter als auch abgeschlossene standen ist. Wer die Prüfung bestanden hat, er-
Ausbildungsabschnitte werden in allen Bundes- hält ein Zeugnis. Die Aufsichtsarbeit der schrift-
ländern anerkannt. lichen Prüfung und die praktische Prüfung
können auf Antrag der Prüfungsteilnehmerin be-
Prüfungsbestimmungen ziehungsweise des Prüfungsteilnehmers einmal
Die Zulassung Die Prüfung zum Rettungs- wiederholt werden, wenn der Prüfling die Note
sanitäter gliedert sich in je einen schriftlichen „mangelhaft“ (5) oder „ungenügend“ (6) er-
und praktischen Teil. Die Teilnahme an der halten hat. Die Wiederholungsprüfung ist inner-
schriftlichen und praktischen Prüfung kann nur halb von zwölf Monaten durchzuführen.
erfolgen, wenn zuvor alle Ausbildungsabschnitte
erfolgreich absolviert wurden.
Der schriftliche Teil der Prüfung ist als 1.1.3 Notfallsanitäter
Aufsichtsarbeit innerhalb einer Dauer von
120 min zu bearbeiten. Die Fragen der schrift- Der Notfallsanitäter ist die höchste nichtärzt-
lichen Arbeit werden durch die Prüfungsvor- liche Qualifikation im deutschen Rettungsdienst.
Abb. 1.2 Ausbildungsablauf zum Rettungssanitäter gemäß der Empfehlung des Ausschusses Rettungswesen von
2019
4 1 Qualifikationen im Rettungsdienst
Die Berufsgruppe der Notfallsanitäter trägt die Voraussetzungen für den Zugang zur Berufs-
Hauptlast und die hauptsächliche Verantwortung ausbildung
im Rettungsdienst. Ihre Qualifikation ist damit Voraussetzungen für den Zugang zur Berufsaus-
wesentliche Voraussetzung dafür, dass eine fach- bildung zum Notfallsanitäter sind die
und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung
durch den öffentlichen Rettungsdienst garan- • gesundheitliche Eignung zur Ausübung des
tiert werden kann. Bei der Wahl der Bezeichnung Berufes sowie
Notfallsanitäter hat sich der Gesetzgeber vom • der mittlere Schulabschluss (oder eine an-
historisch verwurzelten „Sanitäter“ und dem mo- dere gleichwertige Schulbildung) oder eine
dernen Begriff „Notfallmedizin“ leiten lassen. nach einem Hauptschulabschluss (oder einer
Bei der Berufsausbildung zum Notfall- gleichwertigen Schulbildung) erfolgreich ab-
sanitäter handelt es sich um eine Ausbildung zu geschlossene Berufsausbildung von mindes-
einem Heilberuf. Mit Abschluss der Ausbildung tens zweijähriger Dauer.
wird durch Erteilung der Erlaubnis, die Berufs-
bezeichnung zu führen, der Berufszugang ge- Ein Mindestalter stellt keine Zugangsvoraus-
währleistet. Rechtliche Grundlagen der Berufs- setzungen nach dem NotSanG dar.
ausbildung zum Notfallsanitäter stellen das am Der Besitz eines Führerscheins ist nicht aus-
01.01.2014 in Kraft getretene Notfallsanitäter- bildungsrelevant, da es nicht die primäre Auf-
gesetz (NotSanG) und die ergänzende Aus- gabe der Auszubildenden sein soll, Kranken-
bildungs- und Prüfungsverordnung für Not- transporte oder Rettungswagen zu fahren. Dies
fallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (Not- schließt jedoch aber nicht aus, dass die Über-
San-APrV) dar. Das NotSanG ist ein typisches nahme solcher Aufgaben für Zwecke der Aus-
Berufszulassungsgesetz für einen Heilberuf. Als bildung erforderlich sein kann.
Berufszulassungsgesetz regelt es lediglich die
Ausbildung, aber nicht die Berufsausübung und Ausbildungsziel
Organisation, welche aufgrund der föderalen Grundsätzlich soll der angehende Notfall-
Struktur Deutschlands in der Gesetzkompetenz sanitäter während seiner Berufsausbildung dazu
der Länder liegt. befähigt werden, eigenverantwortlich per Ge-
Die Ausübung des Berufes als Notfallsanitäter setz definierte Aufgaben als auch definierte Auf-
ist mit potenziellen gesundheitlichen Risiken für gaben der Mitwirkung, d. h. in der Zusammen-
die Patienten verbunden. Aus diesem Grund hat arbeit mit Notärzten, sowie aber auch durch den
der Gesetzgeber diesen Beruf speziellen Rege- Ärztlichen Leiter Rettungsdienst vorgegebene
lungen unterworfen, die sich zum einen in einem eigenständige heilkundliche Maßnahmen auszu-
Berufsgesetz (NotSanG) und zum anderen in führen.
der ergänzenden Ausbildungs- und Prüfungs- Das Ausbildungsziel als zentrale Norm des
verordnung für Notfallsanitäterinnen und Not- staatlichen Ausbildungsauftrages an die Schulen
fallsanitäter (NotSan-APrV) wiederfinden. und praktischen Ausbildungseinrichtungen wird
Aus diesem Grund finden die Vorschriften des in § 4 Absatz 1 NotSanG wie folgt beschrieben:
Berufsbildungsgesetzes (BBiG) und der Aus-
„Die Ausbildung zur Notfallsanitäterin oder
bildereignungsverordnung (AEVO) auf das
zum Notfallsanitäter soll entsprechend dem all-
Berufsausbildungsverhältnis zum Notfallsanitäter gemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher,
keine Anwendung. medizinischer und weiterer bezugswissenschaft-
Die Berufsbezeichnung Notfallsanitäter wird licher Erkenntnisse fachliche, personale, so-
ziale und methodische Kompetenzen zur eigen-
auch in Österreich verwendet. Die Ausbildung
verantwortlichen Durchführung und team-
dort hat einen deutlich geringeren Umfang und orientierten Mitwirkung insbesondere bei der
darf nicht mit der Berufsbezeichnung des Not- notfallmedizinischen Versorgung und dem Trans-
fallsanitäters in Deutschland verwechselt wer- port von Patientinnen und Patienten vermitteln.
Dabei sind die unterschiedlichen situativen
den.
1.1 Rettungspersonal 5
Rettungsdienstliche Maßnahmen
und Maßnahmen der Gefahrenab-
wehr auswählen, durchführen und
auswerten (360h)
vorangegangenen schulischen Inhalten korrespon- Auszubildenden und der PAL durch einen Praxis-
dieren. Während dieser praktischen Phase wer- begleiter, der an der zuständigen Rettungsdienst-
den die Auszubildenden durch praxiserfahrene schule als Lehrkraft für die Berufsausbildung
PAL mit einer entsprechenden Qualifikation be- der Notfallsanitäter zuständig ist. Vor allem
gleitet. Zusätzliche Unterstützung erfahren die während der praktischen Ausbildung an einer