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Entgiftung Orthomol2017 Compressed

Das Dokument behandelt die Bedeutung der Entgiftung zur Bekämpfung von chronischen Krankheiten, die durch chemische Belastungen, insbesondere Schwermetalle, verursacht werden können. Es werden verschiedene Entgiftungsstrategien und spezifische Gegenmittel für bestimmte Gifte vorgestellt, wobei betont wird, dass eine regelmäßige Entgiftung für viele Menschen sinnvoll ist, insbesondere bei bestehenden Beschwerden. Zudem wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Exposition gegenüber Schadstoffen zu minimieren und die Vitalstoffversorgung zu optimieren, um die Entgiftungsprozesse des Körpers zu unterstützen.

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Entgiftung Orthomol2017 Compressed

Das Dokument behandelt die Bedeutung der Entgiftung zur Bekämpfung von chronischen Krankheiten, die durch chemische Belastungen, insbesondere Schwermetalle, verursacht werden können. Es werden verschiedene Entgiftungsstrategien und spezifische Gegenmittel für bestimmte Gifte vorgestellt, wobei betont wird, dass eine regelmäßige Entgiftung für viele Menschen sinnvoll ist, insbesondere bei bestehenden Beschwerden. Zudem wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Exposition gegenüber Schadstoffen zu minimieren und die Vitalstoffversorgung zu optimieren, um die Entgiftungsprozesse des Körpers zu unterstützen.

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wissen     |

Entgiftung: Effektiv bei vielen


­Krankheiten
Joachim Mutter

Schlüsselwörter:
Entgiftung, Schwermetallbelastung,
­chronische Krankheiten.

Zusammenfassung
Natürliche und auch künstliche Chemikalien
können den Organismus schwächen und
krank machen. Für viele Menschen, beson-
ders bei bestehenden Krankheiten oder
­Beschwerden, kann eine regelmäßige Ent-
giftung sinnvoll sein. Gegen Metalle, Halb-
metalle und manche radioaktive Isotope
sind spezifische Gegenmittel (Antidote)
­verfügbar. Bei anderen Giftstoffen gibt es,
außer bei einigen in der Akuttoxikologie
(wie z. B. Antiseren gegenüber Schlangen-
giften, Atropin gegen Cholinesterasehemm­
stoffen) keine spezifischen Gegenmittel.
Abb. 1 © powell83/Fotolia
Der Autor gibt einen Überblick über die
wichtigsten Entgiftungsstrategien bei
­chronischen Beschwerden sowie praktische kann in einem Zeitraum von etwa 3000 und der „Agency for Toxic Substances
Hinweise. Jahren von der Biosphäre in die Tiefsee and Disease Registry“ (ATSDR) auf einer
gelangen. Rangliste bewertet und alle 2 Jahre ak-
Über Jahrhunderte kam es daher zu tualisiert. Dabei werden aus tausenden
einer kontinuierlichen Anreicherung Giften die 275 wichtigsten in Bezug auf
Einführung (Ak­kumulation) in der Biosphäre, die Verbreitung und Giftigkeit ausgewählt
entlang der Nahrungskette noch verviel- ([Link]/spl/). Die Spitzen-
Es gibt eine Vielzahl von natürlichen und facht wird. Daher verwundert es nicht, reiter dieser CERCLA-Liste (Comprehen-
besonders seit dem 2. Weltkrieg Millio- dass die Knochen moderner Menschen sive Environment Response, Compensa-
nen neue, künstlich geschaffene Chemi- ca. 20–1000-fach höhere Bleimengen tion, and Liability Act) sind seit Jahren
kalien, von denen eine Vielzahl Lebe­ enthalten als die unserer Urvorfahren Metalle bzw. Halbmetalle: 1. Arsen, 2.
wesen schwächen, krank machen oder [17, 46]. Blei, 3. Quecksilber, gefolgt von PVC,
töten. Der Quecksilbergehalt von Meeres- PCB, PAH. An 7. Stelle steht ein weiteres
Durch die jahrhundertfache Gewin- tieren hat sich allein von 1977–2002 Metall: Cadmium, gefolgt von Benzapy-
nung von Metallen aus tieferen Erd- vervierfacht [57] und steigt im Thun- renen und an 13. Stelle DDT. Erst an 179.
schichten und der zunehmenden Ver- fisch pro Jahr um etwa 4 % [15], in Luft Stelle ist Aluminium und an 224. Form-
brennung von fossilen Energieträgern und Wasser findet sich 3- bis 5-mal so aldehyd gelistet. Zwar ist Quecksilber
nahm und nimmt die Schwermetall­ viel Quecksilber wie vor der Industriali- auf Nervenzellen mehrfach giftiger als
belastung der Biosphäre rapide zu. Denn sierung [57]. Arsen oder Blei [55, 31, 38], sein 3. Rang
ein Abbau von Schwermetallen in der Die bedrohlichsten Schadstoffe wer- in der CERCLA-Liste ist aber dadurch be-
Biosphäre ist nicht möglich. Quecksilber den von der US-Umweltbehörde (EPA) dingt, dass mengenmäßig (noch) mehr

Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15 5
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Menschen höheren Arsen- und Bleikon- kannt, dass sich die Giftigkeit mehrerer Prävention und Therapie v
­ ieler
zentrationen ausgesetzt sind. Einzelstoffe additiv oder gar synergistisch chronischer Krankheiten:
verstärken kann. Die Quecksilbergiftig- ­Entgiftung
keit erhöht sich z. B. auf das 100-Fache
Diagnose von Vergiftungen: bei gleichzeitiger Bleiexposition [51] Für viele Menschen ist daher eine regel-
oder addiert sich zumindest bei gleich- mäßige Entgiftung sinnvoll. Besonders
Ungelöst
zeitiger Aluminiumgabe [22]. Damit er- gilt dies bei bestehenden Krankheiten
Nur bei akuten Vergiftungen lassen sich klären sich u. a. auch die negativen Wir- oder Beschwerden. Gegen Metalle, Halb-
anhand der Messwerte (Humanbiomo- kungen, die eine zusätzliche Exposition metalle und manche radioaktive Isotope
nitoring) z. B. im Blut oder Urin gren- mit einem anderen Schadstoff, wie z. B. sind spezifische Gegenmittel (Antidote)
zwertübersteigende Giftkonzentratio- Aluminium (z. B. in Deos, Impfstoffen, verfügbar, z. B. DMPS, DMSA, Thiopro-
nen messen. Bei chronischen Vergiftun- Nahrungsmitteln etc.) mit sich bringt [2, nin, EDTA, NBMI, Desferroxamin, DTPA,
gen ist dies bei den meisten Giften leider 10, 61]. Zn-DTPA, Berliner Blau. Ältere Antidote
nicht mehr adäquat möglich, da viele wie BAL oder Penicillamin werden auf-
Gifte in Zellen und Organen akkumulie- grund höherer Nebenwirkungen nur
ren und aus den messbaren Körperflüs- Entgiftung: Warum? noch selten verwendet.
sigkeiten verschwinden. Dies führt bei Bei anderen Giftstoffen, z. B. PCB, DDT,
Therapeuten und Gutachtern regelmä- Allein durch Blei können viele Krankhei- PCP, Dioxin, Phtalate, Glyphosat gibt es,
ßig zu falsch-negativen Diagnosen. Doch ten verschlimmert werden oder gar ent- außer bei einigen in der Akuttoxikologie
bei Autopsiestudien konnte bspw. keine stehen: Krebs, neurogedenerative Erkran­ (wie z. B. Antiseren gegenüber Schlan-
gute Korrelation zwischen Quecksilber- kungen, Entwicklungsstörungen, psych- gengiften, Atropin gegen Cholinestera­se­
werten im Urin oder Blut und in Nieren iatrische Krankheiten, Intelligenzdefizit, hemmstoffen (Organophosphate)) keine
oder Gehirn gefunden werden [14, 60, Nieren-, Leber-, Drüsen- und Keimzell- spezifischen Gegenmittel.
44]. Es ist sogar davon auszugehen, dass schäden, Bluthochdruck usw. [48]. Blut- Sie müssen mit unspezifischen Maß-
genetisch schlechte Entgifter weniger bleispiegel unterhalb der aktuellen nahmen angegangen werden, z. B.
Gifte in Biomarkern aufweisen, dafür US-amerikanischen Grenzwerte erhö- ■■ Mikro- und Makronährstoffen (wie
mehr in Organen, wie bei Autismus an- hen ­signifikant die Mortalität durch ACC, GSH, Selen, Liponsäure, Taurin,
hand der Quecksilberwerte im Haar ge- Herz-Kreislauf-Erkrankungen [35]. SAM, manche organische Säuren),
zeigt werden konnte [25]. Denn Queck- Geringste Mengen Quecksilber spie- ■■ Ballaststoffe, Schwitzen, Sport, Fasten,
silber gehört wie auch Blei zu den Spei- len eine Rolle bei der Entstehung vieler Unterstützung der Darmfunktionen,
chergiften. Im Gehirn wird sogar eine Krankheiten, u. a. Entwicklungsstörun- ■■ Bindung der Gifte im enterohepati-
Halbwertszeit von bis zu 17–30 Jahren gen und Autismus [27, 36, 37], Auto­ schen Kreislauf (z. B. Siliciumderivate,
angenommen [60, 44, 49]. immun­ erkrankungen, Alzheimer, Par- Chlorella, Chitosan, Pektine, Kohle, ge-
Bei einem Großteil von klinisch ein- kinson, Herz­infarkt, Infertilität, psychi- reinigtes Paraffin, schwermetallfreie
deutig quecksilbervergifteten Goldmi- atrische Krankheiten und viele Allge- und aluminiumarme Zeolith-Arten),
nenarbeitern lagen die Blut-, Urin- oder meinsymptome [4, 31, 59, 36, 37, 38, 28, ■■ niedermolekulare Pektine, Phospho-
Harnwerte unterhalb der deutschen 58, 19]. lipide und andere essenzielle Fett-
Grenzwerte [11]. Ebenso werden Vergif- Aluminium wird eine Rolle bei der Ent- säuren,
tungssymptome regelmäßig auch bei stehung von Krebs, Entzündungen, Ent- ■■ Kräuter (z. B. Curcumoide, Silibilin, El-
amalgamverarbeitenden Zahnärzten bzw. wicklungsstörungen und neurodegene- lagsäure, Thiole in Lauchgewächsen).
Amalgamträgern gefunden [59]. Daher rativen Erkrankungen zugeschrieben [2,
wird seit Jahren für Quecksilber ein 61, 10]. Nach der Entgiftung von Metallen nimmt
deutlich niedrigerer Grenzwert gefor- Viele Gifte induzieren erhöhten oxi- oftmals die Ausscheidungsfähigkeit des
dert [12, 32, 9, 36, 38]. dativen und nitrosativen Stress, der wie- Organismus für andere Gifte zu, da anti-
Ein weiteres Problem bei Grenzwer- derum zu Inflammation und Hemmung oxidativ wirksame Enzyme und Entgif-
ten besteht darin, dass sie nur für die Ex- vieler Zellfunktionen führt. Quecksilber tungssysteme wieder aktiviert werden
position mit einem Giftstoff abgeleitet reduziert irreversibel verfügbares Selen oder mehr ATP generiert wird.
sind. Sie bilden nicht die Wirklichkeit im Körper [13]. Nur ein Quecksilbera- Die Aufzählung aller Einzelheiten so-
ab, in der der Mensch gleichzeitig hun- tom in den Mitochondrien soll die Pro- wie die Möglichkeiten und Grenzen der
derttausenden verschiedenen Giftstof- duktion von Hydroxyl-Radikalen um Labordiagnostik, Dosis, Häufigkeit und
fen, meist „unterhalb der Grenzwerte“ 100–1000 erhöhen [23]. Therapiekontrolle würden den Rahmen
ausgesetzt ist, Kombinationswirkungen des Artikels sprengen [18, 40, 41]. Hier
M
werden nicht berücksichtigt. Es ist be- sollen nur die in der Praxis durchführba-
Th
hy
Ge
6 Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15 u.
wi
wissen    |

ren wichtigsten und effektivsten Entgif- 2. Der Schadstoff, z. B. Quecksilber in Gerade bei aktuellen und frü­ heren
tungsmethoden aufgezeigt werden. Amalgam, sollte nicht mehr mit dem Amalgamträgern können diese Kie-
Auf Maßnahmen für akute Vergif- Auge oder hochauflösenden CT-Gerät ferknochenareale erhöhte Quecksil-
tungen (z. B. Magenspülung, forcierte sichtbar im Körper vorhanden sein. berkonzentrationen aufweisen [20,
Diurese, Gabe von medizinischer Kohle, Beispielsweise ist es gerade bei schwe- 21, 33, 24]. Es ist nicht sinnvoll, diese
Intensivmaßnahmen) wird nicht einge- ren Krankheiten sinnvoll, quecksil- mittels Entgiftungsmittel in den Kör-
gangen. Hier soll nur auf Ent­gif­tungs­ ber-, cadmium-, arsen- oder bleihal- perkreislauf zu mobilisieren.
möglichkeiten bei chronischen Erkran- tige Tätowierungen zu entfernen. Eine 4. Vitalstoffdefizite sollten über eine
kungen, eingegangen werden, die nicht Entgiftung bei noch vorhandenen angepasste Ernährung und Vitalstof-
selten durch Giftbelastungen induziert Amalgamfüllungen (auch unter Kro- fe ausgeglichen werden. Dies hat
oder verschlimmert werden. nen oder an Wurzelspitzen) ist oft- zwei Gründe:
mals aufgrund von Rückvergiftungen –– Das körpereigene Entgiftungs-
kontraproduktiv. Leider finden sich system ist auf Vitalstoffe ange-
Voraussetzungen für Entgiftung fast regelhaft bei unheilbaren oder wiesen (z. B. Selen für die Gpx,
schweren Erkrankungen Amalgams- Zink für Metallothionine, GSH für
Sinnvolle Voraussetzungen, damit eine plitter, Entzündungen und Fremdkör- GSH-Tranferasen) und eine opti-
Entgiftung wirksam und ohne Neben- per im Kieferknochen. Herkömmli- mierte Vitalstoffzufuhr unter-
wirkungen oder gar Verschlimmerun- che bildgebende Diagnoseverfahren stützt eine basische Stoffwech-
gen stattfinden kann, sind: haben hierbei eine geschätzte Sensi- sellage (z. B. Zink und andere
1. Der Schadstoff und andere Schadfak- tivität von nur 30–50 %. Spurenelemente, Magnesium,
toren sollten nicht weiter zugeführt 3. Es ist sinnvoll, dass Eiterherde, ent- Kalzium, Kalium). Die meisten
oder zumindest minimiert werden. zündete Zähne und chronisch ischä- Entgiftungsmittel haben im basi-
Dies gilt auch für Funkbelastungen. mische Knochenareale saniert werden. schen Milieu eine bessere Bin-

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|     wissen

dungsfähigkeit zu Schwermetal- Die Entgiftung von Arsen, Quecksil- Wie bei fast allen Chelatbildnern wird
len (z. B. DMPS). ber, Blei, Nickel, Kadmium, Kupfer (bei das Quecksilber nur locker als Komplex
–– Fast jedes Entgiftungsmittel redu- Erhöhung), Eisen (bei hohen oder hoch- gebunden. Bei Überschuss an DMPS ent-
ziert auch Vitalstoffe, wie Zink, normalen Ferritinwerten, bei normalem stehen stabilere Komplexe (4 DMPS-Mo-
Eisen, Kupfer, Mangan, Chrom,
­ CRP), Aluminium, Zinn, Silber, Palladium leküle binden ein Quecksilberatom). Nor-
Molybdän. Diese müssen bei Man- nimmt in der Praxis eine wichtige Stel- malerweise bilden sich aber auch Verhält-
gel in den Entgiftungspausen wie- lung ein. nisse von 2 : 1 oder 3 : 1. Diese sind weni-
der zugeführt werden. Oftmals ist ger stabil. Daran wird auch ersichtlich,
aber auch eine Reduzierung zu ho- dass bei hoher Schwermetalllast eher ein
her (auch im oberen Referenzbe- Entgiftung mit Chelatbildnern 2 : 1-Verhältnis zum Tragen kommt, wäh-
reich) Eisen- und Kupferbestände rend bei höherer DMPS-Dosierung oder
sinnvoll und heilend, da beide Zu den am häufigsten benutzten Chelat- geringer Schwermetalllast eher das stabi-
­Metalle selbst prooxidativ wirken bildnern gehören als wirksamstes das lere 4 : 1-Verhältnis vorherrscht.
und zudem die Schwermetallgif- DMPS (Dimercapto-propan-sulfonsäu- Die Bindungskonstante ist zudem um
tigkeit erhöhen können. re). Daneben werden DMSA, EDTA, Na­ so höher, je alkalischer das Milieu ist.
triumthiolsulfat, DTPA und Tiopronin Umgekehrt kann DMPS das Quecksilbe-
Mit diesen 4 Maßnahmen werden po- eingesetzt. Diese Substanzen können die rion (oder andere Schwermetalle) wie-
tenzielle Nebenwirkungen durch die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren und der abgeben, wenn das Gewebe sauer ist
Entgiftung minimiert und es können be- nur schlecht intrazellulär resorbiert (z. B im Nierentubulus).
reits erste gesundheitliche Erfolge er- werden. Trotzdem, wahrscheinlich durch Nebenwirkungen, die bei DMPS (und
zielt werden. Beispielsweise können an- indirekte Entgiftung, zeigen Chelatbild- meist auch bei anderen Entgiftungsmit-
organisches Selen, Vitamin B1 oder Ace- ner positive Effekte bei neurologischen teln) auftreten können, sind oft nicht
tyl-Cystein Schwermetalle binden. Erkrankungen [1, 6, 62, 34, 8]. durch DMPS, sondern die mobilisierten
Darreichungsform: parenteral (In- Gifte bedingt und ähneln oft früheren
Allgemeine Hinweise fusion, i. v., s. c., i. m.) oder oral Symptomatiken der Patienten. Bei etwa
Eine Entgiftung mit Antidoten, den 1–5 % der Patienten kann im Verlauf eine
Chelatbildnern, ist die wirksamste und Begleitmaßnahmen: Allergie auf DMPS auftreten. Sie ist
schnellste Form der Metallentgiftung. Ihre entgiftende Wirkung kann mit der meist vom verzögerten Typ (IV) und
Sie bilden mit den Metallen einen Che- vorherigen Gabe von α-Liponsäure (am mittels LTT zu diagnostizieren. Die Sym-
latkomplex und leiten ihn meist über besten in reduzierter Form) gesteigert ptome umfassen meistens Effloreszen-
die Niere aus. werden. Auch eine Basen- oder eine Pro- zen an Haut und selten an Schleimhäu-
Bei schweren, unheilbaren oder töd- cain-Basen-Infusion vor der DMPS-Gabe ten, die typischerweise einen Tag nach
lichen Krankheiten sollte diese Art der kann sinnvoll sein. DMPS-Gabe auftreten und nach 2–7 Ta-
Entgiftung der Vorzug vor naturheil- gen wieder abklingen.
kundlichen Entgiftungsmethoden, die Nachteile: Die u. g. Begleitstoffe und das Selen
zu langsam entgiften, gegeben werden. Die Gabe von Chelatbildnern leitet auch mildern bei schweren Krankheiten
Im Rahmen einer Behandlung von Alz- Spurenelemente, z. B. Zink, Mangan, mögliche Quecksilber-Entgiftungssym-
heimer, Parkinson oder gar ALS ist, bei Molybdän, Chrom, Kupfer, manchmal ptome ab. Denn DMPS mobilisiert rela-
entsprechender Indikationsstellung, mit auch Eisen, aus. Deshalb sollten diese in tiv viel Quecksilber aus dem Körperge-
50–100 Ausleitungszyklen zu rechnen. den Therapiepausen aufgefüllt werden. webe, besonders bei großer Belastung
Ein Vorliegen von genetischen Entgif- Es sind Allergiebildungen möglich, oder zu Beginn einer Entgiftungsthera-
tungsschwächen (besonders Phase II) ist meistens vom Typ IV. pie. Selen nun bindet frei gewordenes
keine Kontraindikation für Entgiftun- Quecksilber irreversibel und macht es
gen. Durch die verminderte Fähigkeit untoxisch (Quecksilberselenit). Es wird
des Körpers, Gifte auszuscheiden oder DMPS (Dimercaptopropan­ jedoch langsamer ausgeschieden, wes-
zu neutralisieren, ist eine externe Unter- halb beim Mobilisationstest (Urintest
sulfonsäure)
stützung sogar noch wichtiger als für nach DMPS) geringere Quecksilberkon-
„gute Ausscheider“. DMPS wurde 1950–1951 in der Ukraine zentrationen im Vergleich zu alleiniger
Der Urinmobilisationtest, der nur bei entwickelt zur Behandlung von Gruben- DMPS-Gabe auftreten können. Mit ei-
großer Erfahrung interpretiert werden arbeitern, die metallhaltige Rohstoffe nem guten Vitalstoffstatus und professi-
kann, kann bei schlechten Ausscheidern abbauten. Die regelmäßige Gabe von onell saniertem Mund/Kiefer kommen
auch negativ sein, was nicht heißt, dass DMPS erhöhte den Gesundheitszustand allerdings Nebenwirkungen selten vor.
sie nicht vergiftet sind [34]. der Arbeiter.

8 Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15
wissen    |

Bei fortgesetzter Entgiftung wird oder neuraltherapeutisch. Dies ist aber Bei Erkrankungen des Verdauungssys-
meist weniger Quecksilber mobilisiert, nicht zugelassen. tems ist die orale Gabe oft besser, da das
Selen und andere Schutzmaßnahmen Je schwerer die Krankheit, desto häu- im Darm verbliebene DMPS an der
sind dann nicht mehr nötig. figer wird DMPS gegeben. Z. B. anfangs Darmschleimhaut und im Mikrobiom
alle 3–7 Tage, nach 10–20 Gaben können Schwermetalle bindet (z. B. bei Geschwü­
Wirkung: die Zeitabstände vergrößert werden, z. B. ren, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
Bindung an folgende Schwermetalle (ab­ alle 14 Tage, danach alle 4 Wochen etc.
steigende Reihenfolge): Bei Alzheimer, Parkinson, ALS wer- Behandlungsdauer:
Kupfer, Arsen, Zink, Nickel, Quecksil- den i.  d.  R. bis zu 100 Gaben benötigt. In der Regel ist eine Ausleitungskur nach
ber, Blei, Kadmium, Zinn, Palladium, Bei Autimus ca. 50. Bei leichteren Krank- 10–50 Entgiftungstagen abgeschlossen,
Gold, Silber, Mangan, Kobalt (deswegen heiten wie Migräne, Heuschnupfen, Ge- bei Alzheimer oder ALS auch nach 100
nicht gleichzeitig mit Vitamin B12 ver­ lenkschmerzen 10–30 Gaben. Ausleitungstagen oder mehr. Nach etwa
abreichen), Molybdän und sogar einige 10–20 Entgiftungstagen (Autismus) soll-
radioaktive Elemente. Die Reihenfolge Darreichungsform: ten zumindest erste Verbesserungen zu
wurde empirisch herausgefunden, auf- 1(–2) Amp. DMPS direkt i. v. (so zugelas- beobachten sein.
grund der Veränderung der Schwerme- sen), oder in 100 ml Ringerlaktat oder
tallkonzentrationen im Urin bei fortge- Kochsalzlösung allein oder mit Verläufe:
setzter Ausleitung [50]. ■■ Taurin (1–2 g), Erste Verbesserungen, manchmal erstaun-
Durch die Schwermetallbindung und ■■ L-Carnitin (1–2 g), lich starke, treten bei leichten und mit-
Regeneration von Enzymen ist DMPS ■■ Magnesium (70–210 mg) bzw. Elek­ telschweren Krankheiten (z. B. Migräne,
ausgesprochen antioxidativ und antient- trolytlösung 20 ml (enthält Kalium, Müdigkeit) im allgemeinen nach der 4.–
zündlich wirksam. Sogar Lumbalgie oder Magnesium, Kalzium), 20. DMPS-Gabe auf.
Lumboischialgie lässt sich manchmal ■■ Glutathion (Tationil oder Ridutox:
durch einmalige lokale DMPS-Injektion 1200–3000 mg); Besonderheiten:
dauerhaft beseitigen. Normalisierung ■■ evtl. Cholincitrat, Unmittelbar vor und nach Gabe (mind. 6
der Blutdruck- und Cholesterinwerte, ■■ evtl. Procain, besser 24 Stunden) sollten keine Spu­
heilende Wirkung auf Leber und Herz. ■■ evtl. Kalium, ren­elemente, besonders Zink oder Kup-
Antiphlogistisch wirksam, weniger Mü- ■■ evtl. B-Vitamine (außer B12). fer, eingenommen werden. Eine Selen-
digkeit, bessere Konzentrationsfähigkeit. gabe ist möglich, führt aber zu einer ver-
600–1200 mg α-Liponsäure (am besten zögerten Quecksilberausscheidung.
Indikationen: reduzierte Form: Thiogamma) als Infu- Bei schweren Autoimmunerkrankun-
Zugelassen in Deutschland bei akuter sion (unterstützt die Entgiftung) über gen (Multiple Sklerose, Lupus erythe-
und chronischer Quecksilber- und Blei- 30 min vor DMPS, da längere Halbwert- matodes, Polyarthritis): am Tag der Aus-
vergiftung. In Russland ist DMPS auch zeit als DMPS und hirngängig. leitung und einen Tag danach morgens
bei Leberverfettung, Hepatitis, Leber- 500–1000 µg Natriumselenit (Selena- 40 mg Prednisolon geben, zusätzlich vor
zirrhose, Alkoholsucht, Überdosierung se T pro inj. 10–20 ml) etwa 2 min vor der Ausleitung separat Selen (1000–
mit Digitalis, Morbus Wilson zugelassen. DMPS-Infusion langsam i. v. (nur an- 3000 µg) geben. Grund dafür ist, dass
Gute Wirkung bei vielen neurologi- fangs und bei schweren Fällen bzw. Au- Quecksilber eine Ursache für Autoim-
schen Krankheiten, Autoimmunerkran- toimmunerkrankungen nötig). munerkrankungen sein kann [5, 54, 3,
kungen, Durchblutungsstörungen, Herz-­ 26, 53]. Da es bei seiner Mobilisierung
Kreislauf-Erkrankungen (hier in Kombi- Alternativen: aus tieferen Kompartimenten in das Ge-
nation mit EDTA), Autismus, Neuroder- ■■ s.c. mit Procain (Vorteil bei schlech- fäßsystem gelangt und wieder vermehrt
mitis, Psoriasis, Allergien, chronische ten Venen, Kindern oder Babys) oder in Kontakt mit Immunzellen kommt,
Müdigkeit, Schmerzsyndrome, u. v. m. ■■ i.m., gleiche Dosis wie i.v. Vorteilhaft kann es wieder zu Schüben kommen,
ist die Mischung von 1 Amp. DMPS die mit Prednisiolon (z. B. Decortin H)
Dosierung: plus 1 Amp. Procain 2 %, 2 ml. unterdrückt werden. Vom DMPS-Queck­
Normal und für den Test 3 mg/kg KG; ■■ Kann auch neuraltherapeutisch an silber­
komplex frei gewordenes Queck-
zum Abmildern von Nebenwirkungen Akupunkturpunkten, Rücken, Man- silber wird durch Selen abgefangen. Da-
(4 : 1-Verhältnis ist anzustreben) sind deln, Zahnfleisch, Kieferknochen, durch lassen unmittelbar Nebenwirkun-
höhere Dosen besser: z. B. mehrere Amp. Narben gegeben werden. gen nach. Nach den ersten 4–8 Auslei-
DMPS gleichzeitig spritzen, oder eine ■■ Oral auf nüchternen Magen, 1 h da- tungen werden aber keine Schübe mehr
DMPS i.v. und eine DMPS zusammen mit nach nichts essen: max. 40–50 % Re- auftreten, sodass auf Cortison verzichtet
Procain 2 % s. c. an Akupunkturpunkte sorption. werden kann. Alternativ können auch

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viel Weihrauch oder Kurkumaextrakt ■■ Da insgesamt weniger Schwermetal- fahren. Cutler berichtet, dass eigentlich
gegeben werden. le mobilisiert werden, sind Neben- DMPS besser wäre. Das Protokoll kann
Falls auf DMPS eine Allergie besteht, wirkungen seltener als bei DMPS. also auch mit DMPS statt DMSA durch-
muss auf DMSA ausgewichen werden. Zudem werden weniger Spurenele-
­ geführt werden (z. B. 100 mg DMPS, in
Heilpraktiker dürfen DMPS seit den mente ausgeleitet. Deutschland als Kapsel verfügbar).
1990er-Jahren nicht mehr anwenden ■■ Bei deutlich belasteten Patienten tritt Nachteil: Der Patient muss bei der
(Ersatz: DMSA). verstärkt unangenehmer, stark schwe­ Einnahme nüchtern sein und DMSA
Zink sollte immer substituiert wer- felhaltiger Geruch von Urin, Schweiß wird nur zu 20 %, DMPS nur zu 50 % re-
den. Nach etwa 20 Ausleitungen muss und Stuhl auf, und lässt bei erfolgrei- sorbiert.
auch Kupfer (0,5–1,5 mg/d) substituiert cher Behandlung nach. DMSA oder DMPS kann auch subku-
werden, da durch die Ausleitung ein ■■ Vorübergehende Hautreaktionen bes- tan gegeben werden, das bedeutet 50–
Zink- und Kupfermangel möglich ist. sern sich durch ausreichende Flüssig- 100 mg DMSA oder 50–100 mg DMPS
Kupfer nicht bei Kupferspeicherkrank- keitszufuhr und zusätzliche Vitamin-­ mit Procain 2 %/  2 ml s. c., alle 8 h. Aus
heit oder HPU (Hämatopyrrollaktamu- B6-Gaben. dem subkutanen Depot wird das Aus­
rie) geben. ■■ vorübergehend Diarrhö leitungsmittel langsamer freigesetzt
Andere Ausleitungsmittel wie EDTA und garantiert einen konstanten Wirk-
oder ZnDTPA sollten anfangs nicht ein- Dosierung: spiegel.
gesetzt werden. Beides sind keine guten ■■ 1- bis 2-mal pro Woche 1–4 Amp. Vorteil: Der Patient muss dabei nicht
Ausleitungsmittel für Quecksilber. EDTA DMSA (200 mg) i. v., s. c., i. m. nüchtern sein und das Entgiftungsmittel
kann Quecksilber sogar noch giftiger ■■ Orale Dosierungen von 200–1000 mg wird zu 100 % resorbiert. Das Protokoll
machen [16]. Es können aber Kombina- haben sich bewährt. wird 3 Tage hintereinander durchge-
tionen von DMPS mit DMSA/EDTA/DTPA ■■ Bei schwächlichen oder empfindli- führt. Die Pause variiert von 4–30 Tagen,
gegeben werden. chen Patienten sollte mit einer gerin- je nach Krankheit.
Falls mit Sicherheit eine Quecksilber- geren Dosis von 100–500 mg begon- In den Entgiftungspausen sollen die
belastung ausgeschlossen werden kann, nen werden. Je nach Verträglichkeit Nahrungsergänzungsmittel genommen
was nur selten der Fall ist, kann auch kann die Dosis gesteigert werden. werden. Während den Entgiftungstagen
EDTA oder DTPA allein eingesetzt wer- ■■ Bei akuter Toxizität: Behandlungszy- keine Spurenelemente, besonders kein
den. EDTA leitet sehr gut Blei, Kupfer klus aus insgesamt 19 Tagen, Einzel- Zink oder Kupfer nehmen.
und Nickel aus, DTPA Blei und einige ra- dosis 10 mg/kg KG in den ersten 5 Ta-
dioaktive Elemente. gen alle 8 Stunden und über weitere Erfahrungen aus der Praxis des
14 Tage alle 12 Stunden. Zwischen 2 Autors:
Behandlungszyklen sollte mindestens Einige Personen scheinen besser auf
DMSA ein Intervall von 2 Wochen liegen. ­diese Art der Entgiftung anzusprechen.
Allerdings haben wir in einigen Fällen
DMSA (Dimercapto-succinic-acid) wur- Besonderheiten: Berichte, nach denen auch deutliche Verschlechterungen be-
de 1949 in China entwickelt. Es besitzt DMSA die Blut-Hirn-Schranke von Mäu- obachtet (z. B. autistische Kinder).
ähnliche Eigenschaften wie DMPS, ist sen überwinden kann, scheinen keine
aber zur Quecksilberausleitung schwä- fundierte Basis zu haben, da DMSA die
cher wirksam als DMPS und für Arsen lipophile Eigenschaft fehlt, die für die Tiopronin (Captimer)
gar nicht. DMSA ist (anders als DMPS) in Passage der Blut-Hirn-Schranke not-
den USA zugelassen und in Deutschland wendig ist. Tiopronin ist in Deutschland zur Auslei-
über Apotheken beziehbar. tung von Quecksilber zugelassen, insbe-
DMSA bindet gut Blei, Nickel, Mang- Protokoll nach Dr. Andrew Cutler sondere von organischem Quecksilber.
an, Barium und möglicherweise Zä­sium. Hier wird ein Entgiftungsmittel, meist Es kann einzeln oder kombiniert mit z. B.
DMSA, 100 mg oral alle 4 Stunden, mit DMPS gegeben werden. Erste eigene
Indikationen: einem hirngängigen Mittel (Alpha-Li- Messreihen an Patienten ergaben eine
Schermetallbelastung, besonders Blei ponsäure 100 mg) gegeben. Dabei ist schwächere Ausleitung von Quecksilber
über längere Zeit ein konstanter Wirk- im Vergleich zu DMPS.
Darreichung: spiegel der giftbindenden Moleküle im
■■ i.v., s.c., i.m. oder oral (orale Resorpti- Blutkreislauf vorhanden. Die Kur wird Wirkung:
on ca. 20  %) i. d. R. 3 Tage hintereinander durchge- Chelatbildner mit SH-Gruppe, insbeson-
führt mit einer Pause von 11 Tagen. Es dere für Quecksilber, Kupfer, Eisen, Zink,
Neben- und Wechselwirkungen: werden 10 und mehr solcher Zyklen ge-

10 Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15
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Polonium und Kadmium, aber auch Ei-
sen. Ausscheidung über die Niere.

Indikationen:
Schwermetallbelastung; zudem Strah-
lenschäden, Morbus Wilson, Hämoside-
rose und Hämochromatose, akute und
chronische Hepatitis, Fettleber, Leber-
zirrhose, Cystinurie.

Darreichung:
Es steht nur eine orale Form zur Verfü-
gung, welche Titandioxid enthält. Es
kann einzeln oder kombiniert mit DMPS
gegeben werden.

Dosierung:
Einzeldosis:100–300 mg mit Wasser et-
wa 30 min vor einer Mahlzeit
Tagesdosis: 500–1000 mg; alle 5 Tage
Dauer: 1–3 Monate

Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Beschwerden wie Magen-
verstimmung, Durchfall. Störung des
Geschmackssinns, Temperaturerhöhung,
Hautreaktionen wie Juckreiz (Pruritus),
Entzündung der Mundschleimhaut (Sto-
matitis), Blasenbildung (Pemphigus) so-
wie verschiedene Arten von Hautaus-
schlägen (maculopapuläre Exantheme,
Erythema multiforme und ekzematöse
Eruptionen.
Selten: Anstieg der Leberwerte (Trans-
aminasen), Leberentzündung (Hepa-
titis); Verminderung von Blutzellen
Ohne Zusätze
(Thrombozytopenie, Leukopenie), in und ohne Vergleich.
Einzelfällen kann eine Störung des Blut-
bildes eintreten (Agranulozytose); Nie-
renschädigung (Nephropathie), nephro-
tisches Syndrom: Proteinurie, Albu-
minurie, Ödeme, erhöhte Blutfette,
Thrombose, Senkung des Blutzucker-
spiegels.
Sehr selten: Myopathie, Pneumopa-
thie, Bronchiolitis obliterans, Myasthe-
nia gravis

Gegenanzeigen:
Allergie gegen Tiopronin, Albuminurie.
Glomerulonephritis, Myasthenie oder
Polymyositis, Zytopenien, Pemphigus,
Stillen.
[Link]
|     wissen

Zell- und gehirngängige


Besonderheiten: en verkrampfen und die Herzmuskelzel-
­Zubereitungen
Tiopronin kann nicht in Gehirn oder Rü- len schädigen können. Weiterhin bindet
ckenmark gelangen. Achtung: Im Ge- es Kalzium. Liposomales Ethylendiamintetra­
gensatz zu DMPS leitet es relativ viel Ei- acetat (EDTA)
sen aus. Dies ist manchmal erwünscht. Indikationen: Liposomales EDTA liposomal ist in Lezit-
Allerdings sollte ein möglicher Eisen- Schwermetallausleitung, Bluthochdruck, hin (Phospholipide) verpackt, kann über
mangel ausgeschlossen werden. Bei Ei- Durchblutungsstörungen, Arteriosklero- den Darm aufgenommen werden und
senmangel sollte zwischen den Anwen- se, Herzinfarkt wahrscheinlich sogar das Gehirn errei-
dungen Eisen gegeben werden. chen. Durch die besondere Darreichungs­
Darreichung: form werden die Wirkstoffe zeitverzö-
EDTA – intravenös, bei liposomalem ED- gert aufgenommen und Giftstoffe über
Natriumthiosulfat TA – oral, Rektalzäpfchen einen langen Zeitraum von bis zu 48
Ca-Na-EDTA kann als Spritze schnell Stunden kontinuierlich ausgeschieden.
Natriumthiosulfat ist relativ preiswert gegeben werden, Na2-EDTA wegen der
und hat eine akzeptable Bindungsfähig- Gefahr der Hypokalzämie nur sehr lang- Indikationen:
keit zu Quecksilber. Allerdings ist es sam (Infusion über 3 Stunden bei 3 g). Sobald durch die Entgiftungstherapie
nicht so effektiv wie DMPS. Es gibt auch Na-Mg-EDTA, welches die größten Schwermetalldepots abge-
auch langsam verabreicht werden muss. baut sind, kann mit der zellulären Ent-
Indikationen: Da EDTA Quecksilber nicht ausleiten giftung mit liposomalem EDTA begon-
Z. B. zur Mundspülung bei und nach kann, bzw. es sogar giftiger machen nen werden (s. o. EDTA).
Amalgamentfernung oder bei Metallge- kann, sollte es bei Quecksilberbelastung
schmack im Mund während einer Ent- nicht eingesetzt werden oder nur in ei- Darreichung:
giftungstherapie. Eine weitere Ampulle ner Kombination mit Dimercaptopro- Flaschen mit 30 ml oder Pulver
kann dann oral eingenommen werden. pansulfonsäure (DMPS) oder Dimercap-
Darreichung: oral oder intravenös tobernsteinsäure (DMSA) (nach diesen, Neben- und Wechselwirkungen:
Neben- und Wechselwirkung: we- nicht mischen!) Keine. Es sollten 12 Stunden vor und
nig, erstaunlich gut verträglich nach Einnahme keine Mineralstoffe,
Dosierung: bis zu 7 g pro Tag Dosierung: auch kein Kalzium eingenommen wer-
Dauer: in der Regel 2–4 Monate Intravenös: 1,9 g Ca-Na-EDTA in 100 ml den.
Besonderheiten: Hauptsächlich zum Infusionslösung über 15 min.
Binden von Schwermetallen im Mund Na-Mg-EDTA und Na2-EDTA: 1,9–3 g Dosierung:
und Magen-Darm-Trakt angewendet Na2-EDTA in 1 Liter Infusionslösung. In 1–12 Teelöffel (kein Metall) mit Wasser
und nach Amalgamentfernung. dieser kann noch Magnesium 8 mmol, oder Tee nüchtern. Je nach Krankheit je-
B-Vitamine usw. zugesetzt werden. den zweiten Tag oder nur einmal pro
­Dauer: 3 Stunden Woche. Es darf eine Stunde nach Ein-
EDTA nahme nichts gegessen werden.

Mit Ethylendiamintetraacetat konnte BAL Liposomales DMPS/DMSA


der Schweizer Arzt Dr. Walter Blumer Liposomales DMPS/DMSA ist momen-
schon vor 40 Jahren eindrucksvoll zei- British Anti-lewisite (BAL), auch Dimer- tan nicht kommerziell im Handel. Es gibt
gen, dass Todesfälle durch Herzinfarkt, caprol, wurde in England entwickelt und TD-DMPS (transdermales DMPS), das
Schlaganfall und Krebs durch die regel- gegen Bomben mit einer giftigen Arsen- von dem US-amerikanischen Arzt Dr.
mäßige Gabe deutlich abnahmen. Er verbindung (als Lewisite) der Deutschen Butar entwickelt wurde, um autistische
verwendete das seit 2004 nicht mehr er- im 2. Weltkrieg eingesetzt. Es bindet Kinder damit entgiften zu können. Butar
hältliche Chelintox (Ca-Na-EDTA). Der auch gut Quecksilber, Blei, Gold, Kupfer, hatte selbst ein Kind, das nach einer
Wirkstoff ist aber heute in vielen Apo- hat aber zahlreiche Nebenwirkungen. Es Impfung die Krankheit entwickelte und
theken verfügbar. wurde auch bei Morbus Wilson einge- mit DMPS besserte. Es ist allerdings um-
setzt. Die Weiterentwicklung von BAL stritten, ob liposomales DMPS/DMSA in
Wirkung: ist DMPS. den Blutkreislauf aufgenommen werden
Die Wirkung der klassischen Chelatthe- kann.
rapie mit EDTA (Na2-EDTA) beruht auf
der Ausleitung von Nickel, Kupfer und
Blei, die nachgewiesenermaßen Arteri-

12 Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15
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NBMI (früher OSR) Dosierung: Neben- und Wechselwirkungen:


Alle bisherigen Chelatbildner, sei es 100–900 mg pro Tag, normal 100 mg Wenig bis keine in niedrigen Dosierun-
EDTA, DMPS, DMSA oder DTPA, sind
­ gen.
wasserlöslich und gelangen nur schwer Dauer:
durch die Lipiddoppelmembranen in die 2–6 Monate Darreichung und Dosierungen:
Zelle oder ins Zentralnervensystem. Desferral 0,5 %, alle drei Tage 30–50 % ei-
NBMI hat sich in Tierversuchen als Penicillamin (Metalcaptase Kapseln) ner Ampulle s.c. spritzen. Normalerwei-
untoxisch (vergleichbar mit Wasser) er- Penicillamin ist eine Abart von Penicillin se werden in der Schulmedizin höhere
wiesen. Es kann direkt in die Zelle, die und ein älteres Entgiftungsmittel. Es ist Konzentrationen (z. B. 2 %) verabreicht.
Mitochondrien oder ins ZNS gelangen gehirngängig und gelangt in die Zelle. Dies muss aber langsam und kontinuier-
und dort praktisch irreversibel Schwer- lich mit einem Perfusor durchgeführt
metalle binden und somit den Anteil Indikationen: werden.
von reduziertem Glutathion stark stei- Penicillamin ist in Deutschland zuge- Kann auch neuraltherapeutisch mit
gern. Tiere, die eine tödliche Dosis lassen bei: chronischer Polyarthritis; Procain 2 % s. c. gespritzt werden, z. B.
Quecksilber erhalten hatten, überlebten Schwermetallvergiftung (Kupfer, Blei, entlang der Wirbelsäule.
mit NBMI-Gabe [7] ohne Schäden. NBMI Quecksilber, Zink); Cystinurie, Cystin-
(früher: OSR) war von 2008–2011 frei- steine; Sklerodermie; M. Wilson. Es Dauer:
verkäuflich als Ergänzungsmittel zur wird teilweise noch in der Rheumathe- 1–6 Monate
Steigerung des Glutathiongehalts zuge- rapie eingesetzt.
lassen. Es wurde v. a. in den USA zur Hei- Besonderheiten:
lung von Autismus, Parkinson, Alzhei- Nebenwirkungen: Dieses Mittel wurde von Prof. Kruck (Ka-
mer etc. zunehmend eingesetzt. Viele Aufgrund zahlreicher Nebenwirkun- nada) mit Erfolg bei der Alzheimer-Er-
Ärzte beschrieben Erfolge auf ihrer Web- gen ist Penicillamin nicht empfeh- krankung eingesetzt. Durch die Redukti-
seite. Die FDA hat NBMI als Arzneimittel lenswert. Beispielsweise treten häufig on von Aluminium und Eisen im Gehirn
eingestuft und es darum aus dem Ver- Knochenmarkschädigungen auf (Leuko- verringert sich die Bildung von ROS und
kehr gezogen. Seitdem versucht der Her- penien, Thrombozytopenien, aplasti- NOS [47].
steller, für NBMI eine Zulassung als Arz- sche Anämien) mit der Gefahr einer
neimittel zu bekommen. Aktuell läuft Agranulozytose, unter Umständen bis Deferipone (Ferriprox)
eine Phase-II-Studie [42]. In einigen zur Panmyelopathie. Indikationen:
Ländern ist es mit Bewilligung für die Eisenüberladung und Schutz des Her-
Therapie erhältlich. Dosierung: zens bei Eisenüberladung besser als mit
Beispiel für Erwachsene mit chronischer Desferoxamin (Desferral). Deferipone
Wirkung: Polyarthritis: 1.–2. Wo.: 150 mg / Tag, 3.– leitet Eisen wohl mehr intrazellulär aus,
Bindung von Schwermetallen direkt im 4. Wo.: 300 mg/Tag, 5.–6. Wo.: 450 mg/ Desferral mehr extrazellulär, sodass eine
wässrigen und noch mehr im fettigen Tag, 7.–16. Wo.: 600 mg/Tag Kombination vielversprechend ist. Die
Milieu. Daher auch zur direkten Entgif- Ausscheidung erfolgt über die Niere.
tung der Mitochondrien- und Zellmem-
branen sowie des Gehirns geeignet. Eisen- und Aluminiumbindung Nebenwirkungen:
Vorübergehende Agranulozytose, aber
Indikationen: Desferrral insgesamt Toxizität geringer.
Schwermetallbelas­tun­gen und deren Desferral wird zur Entgiftung von Eisen
Krankheiten, neurologische Krankhei- bei Hämosiderose und Eisenüberladun- Dosierung:
ten. gen (z. B bei Thalassämien) eingesetzt. 3 × tgl. 1500 mg oral.
Es verlängert die Überlebenszeit bei die-
Darreichung: sen Krankheiten in normale Bereiche. Deferasirox (Exjade)
als 100 mg-Kapsel und als Pulver Indikationen:
Wirkung: Eisenüberladung, jedoch evtl. etwas ge-
Neben- und Wechselwirkungen: Bindet Eisen und Aluminium im Körper. ringer wirksam als Deferipone, aber
Wenig, evtl. Verschlimmerung der Grund- noch sehr wenig Studien publiziert. Die
krankheit am Anfang. Bei Molybdän- Indikationen: Ausscheidung erfolgt über den Stuhl.
mangel kam es regelmäßig zu Ver- Eisenspeicherkrankheit, erhöhte Eisen-
schlimmerungen (reduzierte Aktivität speicher. Belastung mit Aluminium, Dosierung:
der Sulfitoxidase). auch bei Morbus Alzheimer, ALS etc. 1 × tgl. 2 Tbl. je 500 mg oral.

Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15 13
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Nebenwirkungen: kann dann keine anderen Schwermetal- nach Verdünnung mit Glukoselösung
erhöhte Leber- und Kreatininwerte so- le mehr binden und ist somit unwirk- (nicht empfehlenswert, wegen Blutzu-
wie Hautausschlag. sam. cker) oder Blut (Lösung ständig bewe-
gen). Nach der Lezithingabe wird in der
Regel Glutathion, bis zu 3000 mg und
Radioaktive Isotope Siliciumverbindungen mehr, als Bolus gespritzt.
Auch die Infusion mit Phenylbutyrat
DTPA Siliciumverbindungen scheinen Alumi- (zur Ankurbelung der Verbrennung von
DTPA ist ein Chelatbildner zur Entgif- nium zu entgiften. Auch Schachtelhalm- langkettigen gesättigten Fettsäuren, die
tung von radioaktiven Nukliden, entgif- tee wird aus diesem Grund bei Alumini- die Atmungskette blockieren können)
tet aber auch Blei. umbelastung eingesetzt. und α-Ketoglutarat (erhöht und verlän-
Selbst mit kieselsäurehaltigem Mine- gert die BioverfügPbarkeit von Arginin
Wirkung: ralwasser (25 mg/l) ließ sich in einer und damit NO) kann angeschlossen wer-
Entgiftung von Polonium, Cäsium, Blei, französischen Studie das Risiko für Alz- den. Der Phospholipid-Austausch kann
Uran, Americium, Plutonium, Curium, heimer um fast 30 % senken. von einer Entgiftungsinfusion gefolgt
Californium, Berkelium etc. werden.

Indikationen: Kombinationen von


Belastung mit Blei und radioaktiven Iso- Naturheilkundliche Entgiftung
­Chelatbildnern
topen.
■■ DMSA und DMPS lassen sich in einer Hier muss zwischen Absorbentien, die
Darreichung: Infusionsflasche kombinieren. meist nur im Darm wirken und den
Ampullen zur Infusion. ■■ Ca-EDTA kann nach der DMSA/DMPS-­ enterohepatischen Kreislauf von Giften
Gabe extra infundiert werden. unterbrechen sollen, von Mobilisations-
Neben- und Wechselwirkungen: ■■ Sinnvoll ist die intravenöse Gabe von bzw. systemisch wirksamen natürlichen
Vor allem Zinkmangel, aber auch Eisen- reduzierter Liponsäure (z. B. Thio- Chelatbildnern unterschieden werden.
mangel möglich. Allergische Reaktio- gamma) allein vor der Entgiftungsin- Als Grundlage werden häufig Absor-
nen, Parästhesien, Rhinitis vasomoto­ fusion. bentien eingesetzt, die im Darm eine
rica, thrombophlebitische Reaktionen, ■■ Zn-DTPA kann allein gegeben werden Vielzahl von Giften binden können. Die-
Mangel an Spurenelementen insbeson- (zur Ausleitung von radioaktiven se enthalten entweder
dere Zink, Nierenschädigung, Darmstö- Stoffen). ■■ eine große Oberfläche (z. B. medizini-
rungen und Knochenmarkschäden. ■■ DTPA und DMPS können nacheinan- sche Kohle, Chitosan, Heilerde, Zeo-
Bei wiederholter Gabe von Ca-DTPA der gegeben werden. lithe, mittelkettige Pektine),
mit zu kurzen Regenerationsintervallen: ■■ besitzen spezielle natürliche Bin-
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, dungsstellen (z. B. Chlorella) oder
Frösteln, Kopfschmerzen, Pruritus, Mus- Phospholipid-Austausch, ■■ nehmen spezifisch lipophile Molekü-
kelkrämpfe. le auf (z. B. Cholestyramin, gereinig-
­Lezithininfusionen
tes Paraffin, Rizinusöl).
Dosierung: Der Phospholipid-Exchange, also das
1 Ampulle in 250 ml NaCl über 30 min Austauschen von geschädigten und Bei der Gabe von Heilerden und Zeo-
giftbelasteten Membranbestandteilen lithen sollte darauf geachtet werden,
Dauer: durch gesundes Fett und Lezithin, wird dass diese nicht selbst relevante Mengen
bei akuten Vergiftungen 1 Ampulle täg- seit Jahren in den USA durch Dr. Patricia an Aluminium, Blei oder Kadmium ent-
lich. Kane und Dr. Forster empfohlen (Firma halten. Zwar liegen diese oft in Oxid-
Biobody). Lipostabil wurde in Deutsch- form vor, doch können Sie durch Magen-
Zink-DTPA land schon vor etwa 60 Jahren zur Ver- und Fruchtsäure (bei gleichzeitiger Ein-
Zink-DTPA wirkt ähnlich wie DTPA, ringerung von Arteriosklerose entwi- nahme mit Fruchtsäften oder Essig) frei-
zeigt aber weniger Nebenwirkungen. Es ckelt. In Fettpolster appliziert, redu- gesetzt werden. Eine mögliche
sollte nicht gleichzeitig mit DMPS gege- ziert es das subkutane Fettgewebe. Resorption wird diskutiert. Da Silizium
ben werden, da das im Zn-DTPA enthal- zumindest Aluminium binden kann, ist
tene Zink von DMPS gebunden und aus- Dosierung es günstig, Zeolithe vorzuziehen, deren
geschieden wird (Zink im Urin extrem 10 ml Phospholipid werden in etwa Siliciumgehalt den Aluminiumgehalt
stark erhöht). Das mit Zn belegte DMPS 5–10 min langsam intravenös appliziert deutlich übersteigt.

14 Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15
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Die Süßwasseralge Chlorella enthält sonsten werden bei Einhaltung der ein- eines Bindungsmittels, wie Chlorella
einige vielversprechende Substanzen gangs genannten Voraussetzungen 1–4 (Unterbrechung des enterohepatischen
(u. a. Sporopollein), die eine unspezifi- die besten Ergebnisse erzielt. Kreislaufs) und Bärlauch/Knoblauch (Thi­
sche Bindungsfähigkeit für Schwerme- ole, im Blut wirksam) in hohen Dosen,
talle, aber auch für andere Gifte, enthält Substanzen zur Mobilisation wird daher empfohlen und soll diese
[52]. Sie wird zur Entgiftung des Darms Die zur Mobilisation eingesetzten Subs- Nebenwirkung abmildern [29].
und Bindung von hepatisch in den Darm tanzen umfassen schwefelhaltige Mole-
ausgeschiedenen Giften angewandt. Sie küle aus Laucharten, stickstoffhaltige
soll daher auch den hepatischen Kreis- Moleküle aus Korianderkraut sowie Fazit
lauf mancher, besonders lipidlöslicher auch reduziertes Glutathion (GSH) und
Gifte unterbrechen und so langsam zu α-Liponsäure (ALA). GSH und ALA sind Die Zeitdauer der Entgiftung ist sehr in-
einer Dekorporation von Giftstoffen bei- natürlicherweise im Körper vorhanden dividuell. Meistens wird die Entgiftung
tragen und zusätzlich antioxidativ wir- und gehören zu den körpereigenen Ra- bis zum Verschwinden der Beschwerden
ken [45, 56]. Bei zu niedriger Dosierung dikalfängern. Sie könnten Metalle bin- durchgeführt. Eine Besserung sollte aber
sind aber auch Entgiftungskrisen beob- den und die intrazelluläre Entgiftung schon nach 1–4 Monaten bemerkbar
achtet worden. Chlorellaalgen können von Metallen unterstützen. Das gleiche sein. Ansonsten sollte überprüft wer-
Gifte in hohem Ausmaß binden. Die gilt für N-Acetyl-Cystein, S-Adeno- den, ob überhaupt eine Vergiftung vor-
meisten Zuchtanlagen in den Subtropen syl-Methionin (SAM) oder Taurin. liegt oder nachgeforscht werden, ob
bevorzugen allerdings Freilandbecken, doch noch Belastungsfaktoren. wie z. B.
die potenziellen Luftschadstoffen ausge- Weitere Mikronährstoffe im Kieferknochen, vorhanden sind.
setzt sind, weshalb viele Chlorellapro- Weitere Mikronährstoffe, die oft bei Ent-
dukte selbst mit Umweltgiften belastet giftungen eingesetzt werden, sind Selen
Literatur
sind. Daher sind Algen aus geschlosse- (s. o., zudem Aktivierung der Selenpero-
nen Zuchtanlagen bei sauberer Wasser- xidase), Vitamin C (kann als organische Die Literaturliste finden Sie online unter:
zufuhr weniger belastet und zu bevorzu- Säure begrenzt Metalle komplexieren, [Link]/
gen. Chlorella enthält keine relevanten nicht aber Quecksilber), Zink (zur Unter- [Link]
Mengen an Jod. stützung der Metallothioninbildung) ejournals/journal/10.1055/s-00000144
Auch Meeresalgen akkumulieren Gif- und Antioxidanzien.
te. Durch die arthropogene Meeresver- Aufgrund vieler Erfahrungsberichte online: [Link]
schmutzung beträgt deren Arsen-, Blei- und erster Studien werden verbreitet
und Kadmiumbelastung oft ein Vielfa- Korianderkraut(-extrakt), Bärlauch und
ches derjenigen von Chlorella und ist da- Chlorellaalgen in Kombination einge- Dr. med. Joachim
her nicht mehr zu empfehlen. setzt [43, 29, 39, 40, 41]. Mutter
Chlorella enthält, im Gegensatz zu al- Zwiebelgewächse, besonders Bärlauch Paracelsus Clinic
­Castaneda, Schweiz
len anderen Vitamin-B12-haltigen vega- und Knoblauch, enthalten schwefelhal- und Tagesklinik
nen Nahrungsmitteln (außer Hefen) tige Moleküle, die ähnlich Thiolen Me- Konstanz
sehr hohe Mengen an verfügbarem Vita- tallkomplexe eingehen können. Sie wer- E-Mail: jm@tages­
[Link]
min B12, die die von Rinderleber teilwei- den daher traditionell bei Entgiftungs- [Link]
se übersteigt. Die Cyanobakterien Spiru­ kuren eingesetzt. [Link]
lina und AFA, die auch zur pflanzlichen Für die Entgiftung des Nervensys- Dr. med. Joachim Mutter ist Facharzt für
Entgiftung eingesetzt werden sowie fer- tems werden dagegen Korianderkrau- Hygiene- und Umweltmedizin mit den

mentiertes Gemüse (z. B. Sauerkraut) textrakte angewandt. Sie sollen Queck- ­Zusatzbezeichnungen Naturheilverfahren
und Akupunktur. Seit 2009 in eigener
enthalten dagegen Pseudovitamin B12, silber [43, 29], aber auch Aluminium aus
­Praxis für Integrative und Umweltmedizin
das beim Menschen keine Vita- Nerven- und Zellsystem in das Zwi-
niedergelassen; seit 2016 zusätzlich stellv.
min-B12-Aktivität ausübt, bzw. Vita- schengewebe (extrazelluläre Matrix und
Chefarzt der Paracelsus Clinica Alronc
min-B12-Rezeptoren blockieren könnte Blutgefäßsystem) verschieben. Es kom-
(Schweiz). Vortrags- und Seminartätigkeit
[30]. men regelmäßig Verschlimmerungen im In- und Ausland, u. a. Dozent für Mito-
Grundsätzlich können die nur im unter alleiniger Anwendung von Korian- chondrien- und Umweltmedizin (Europa-
Darm wirksamen Bindemittel auch bei derkrauttinktur vor, die ähnliche Symp- Universität Viadrina); Leitung der Thera-
vorhandener Belastung, wie z. B. Amal- tome wie bei einer Quecksilberbelas- peutenseminare „Ursachentherapie“.
gamfüllungen, verwendet werden. An- tung hervorrufen. Die gleichzeitige Gabe

Mutter J: Entgiftung: Effektiv bei vielen ­Krankheiten         OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2016; 4: 5–15 15

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