Depressionen
Was sind Depressionen?
Jeder Mensch ist manchmal traurig oder niedergeschlagen, zum Beispiel wenn eine Prüfung nicht gelingt
oder eine Beziehung in die Brüche geht. Traurigkeit gehört zu unserem Gefühlsleben genauso wie Freude
oder Angst. Erst wenn die Traurigkeit über mehr als zwei Wochen fast ununterbrochen andauert und mit
deutlichen Einschränkungen im täglichen Leben einher geht, spricht man von Depressionen.
Depressionen sind weitverbreitet. Fast jeder Fünfte leidet mindestens einmal in seinem Leben an
Depressionen. Dabei sind Frauen zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer. Trotzdem werden
Depressionen in Auftreten und Bedeutung häufig noch unterschätzt (siehe Abschnitt: Fehlannahmen und
Mythen). Depressionen sind jedoch als Erkrankung anzusehen, ebenso wie zum Beispiel Diabetes oder
Bluthochdruck.
Woran erkenne ich, dass ich eine Depression habe?
Die meisten Personen erkennen, wenn sie an Depressionen leiden: Sie fühlen sich niedergeschlagen, traurig
und wertlos. Es gibt jedoch auch Symptome, die nicht unmittelbar für eine Depression typisch erscheinen.
Manche Leute erleben beispielsweise einen deutlichen Rückgang ihrer Leistungsfähigkeit, ohne dass sie
dafür einen unmittelbaren Grund erkennen können.
Typische Anzeichen einer Depression sind im Folgenden aufgezählt. Es ist dabei wichtig zu beachten, dass
nicht jeder Betroffene alle Symptome aufweist, sondern dass das Krankheitsbild jeweils sehr verschieden
aussehen kann. Die Symptome können in unterschiedlichen Kombinationen auftreten und unterschiedlich
stark ausgeprägt sein.
Beeinträchtiges Gefühlsleben:
• Tiefe Niedergeschlagenheit
• Traurigkeit
• "Gefühl der Gefühllosigkeit" (Verlust der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden)
• Verlust von Freude und Interesse
• Ängste
• Hoffnungslosigkeit
• Kein Interesse an sexuellen Aktivitäten
Beeinträchtigende Gedanken:
• Gedanken an die eigene Wertlosigkeit
• Verlust des Selbstbewusstseins
• Schuldgefühle und -gedanken
• Pessimistische Gedanken an die Zukunft
• Ständiges Grübeln
• Gedanken an den Tod und Selbstmordgedanken
• Selbstmordversuche
Beeinträchtigtes körperliches Wohlbefinden:
• Kraftlosigkeit
• Kein Appetit, Gewichtsverlust (manchmal auch umgekehrt: gesteigerter Appetit und
Gewichtszunahme)
• Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, zu frühes Aufwachen)
• Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen
• Unspezifische Beschwerden im Magen-Darm-Bereich
• Innere Unruhe/Spannungszustände
Beeinträchtige Leistungsfähigkeit:
• Motivationsprobleme
• Einschränkte Konzentrationsfähigkeit/hohe Ablenkbarkeit
• Andauernde Müdigkeit
• Rückzug aus dem sozialen Leben
• Gedächtnisprobleme
• Schwierigkeiten komplexe Sachverhalte zu verstehen
Formen von Depressionen
Man kann verschiedene Formen der Depression unterscheiden, wobei für die Einordnung vor allem Schwere,
Dauer und Art der vorliegenden Symptome entscheidend sind.
Einzelne depressive Episode: Das erstmalige Auftreten depressiver Symptome in einem abgrenzbaren
Zeitraum wird als einzelne depressive Episode bezeichnet.
Wiederkehrende (rezidivierende) Depression: Wenn Depressionen bereits mindestens einmal aufgetreten sind
und wieder erscheinen, spricht man von einer wiederkehrenden Depression.
Dysthymie: Hierunter fasst man leichtere Formen von depressiver Verstimmung, die jedoch über einen sehr
langen Zeitraum (mindestens zwei Jahre) ständig vorhanden sind.
Saisonale Depression: Depressionen, die wiederholt zu einem bestimmten Zeitpunkt auftreten (z.B. immer
im Winter), bezeichnet man als saisonale Depressionen.
Atypische Depressionen: Von untypischen Depressionen spricht man, wenn die körperlichen Symptome im
Mittelpunkt der Erkrankung stehen.
Bipolare Störungen: Bei bipolaren Störungen wechseln sich depressive Phasen mit Phasen des
außergewöhnlichen Stimmungshochs (Manie) ab.
Je nach Schwere der Symptome wird weiter unterteilt in:
- leicht,
- mittelgradig oder
- schwer
Was sind die Ursachen für Depressionen?
Grundsätzlich ist niemand vor einer Depression gefeit. Ob und wann jedoch jemand an Depressionen
erkrankt, hängt meist von mehreren Faktoren ab. Zum einem können angeborene oder ererbte Faktoren eine
Rolle spielen: Wenn bereits mehrere Personen in einer Familie an Depressionen litten, ist von einer höheren
Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass man auch selbst einmal betroffen sein könnte. Meist sind jedoch noch
weitere Bedingungen nötig, damit eine Depression ausgelöst wird. Solche Bedingungen sind kritische
Lebensereignisse, wie der Tod einer nahe stehenden Person oder Dauerstress auf Arbeit. Auch
Persönlichkeitsfaktoren, wie ein niedriger Selbstwert und bestimmte Denkmuster können das Risiko einer
Depression erhöhen.
Außerdem können Depressionen auch im Rahmen körperlicher Erkrankungen (z.B. Hypothyreose) auftreten
sowie als Nebenwirkung einer Medikamenteneinnahme.