Steuerklassen – das müssen Sie
wissen!
Fast jeder Arbeitnehmer bekommt von seinem Bruttolohn Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung
abgezogen. Die Höhe der Abzuge richtet sich nach dem Verdienst und dem Familienstand. Der
Lohnempfänger wird aufgrund dieser Angeben der entsprechen Lohnsteuerklasse zugeordnet .
Das Wichtigste in Kürze!
In Deutschland gibt es sechs Steuerklassen (Lohnsteuerklassen) die das
Finanzamt dem Arbeitnehmer zuordnet
Die Steuerklasse richtet sich in erster Linie nach dem Familienstand
Steuerklasse 1: Alleinstehende, ein Job, keine Kinder
Steuerklasse 2: Alleinerziehende, höherer Entlastungsbetrag
Steuerklassen 3 bis 5: Verheiratete, je nach Verdienst
Steuerklasse 6: Mehrere sozialversicherungspflichtige Jobs
Klasse sind Steuern ja meistens nicht. Aber mit Steuerklassen hat wohl fast jeder zu tun,
der berufstätig ist. Die gibt es übrigens von Steuerklasse 1 bis zur Steuerklasse 6.
Doch welche Steuerklasse bin ich und welche ist die richtige für mich? Was bedeuten diese
Lohnsteuerklassen steuerlich? Welche Besonderheiten gibt es bei Ehepaaren, was ist
Steuerklasse 4 mit Faktor? Wie sieht es bei Mini- und Midijobs aus? Viele Fragen – die
Antworten gibt es wie gewohnt leicht verständlich hier bei uns im Blog von smartsteuer.
Steuerklassen: von 1 bis 6
Vielleicht fragen Sie sich, warum es eigentlich verschiedene Steuerklassen gibt. Wie
Sie gleich sehen werden, greifen die verschiedenen Steuerklassen für verschiedene
Lebens- und/oder Beschäftigungsverhältnisse.
Wichtig: Die Steuerklasse definiert, wie viel Lohnsteuer Sie jeden Monat
zahlen müssen. Es gibt dann jeweils verschiedene Grenzen, ab denen
tatsächlich Steuern fällig werden.
Damit ist auch klar, dass Steuerklassen für Selbstständige keine Rolle spielen. Man hat
einfach über die Jahre aus dem klareren Begriff Lohnsteuerklassen das kürzere Wort
Steuerklassen gemacht. Jetzt aber los zu den sieben Steuerklassen. Ja, Sie haben
richtig gelesen, es sind wirklich sieben. Der Grund: neben den sechs Steuerklassen
von 1 bis 6 (oder I bis VI) gibt es noch die Steuerklasse 4 mit Faktor.
Die sieben Steuerklassen kurz erklärt
Steuerklasse I (1): Sie gilt für Singles – ledige, getrennt lebende oder
geschiedene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Steuerklasse II (2): Etwas weniger Steuern werden hier fällig – und zwar für
Alleinerziehende, die Anspruch auf den Entlastungsbetrag (4.008 €, für jedes
weitere Kind erhöht sich der Betrag um jeweils 240 € pro Jahr) haben.
Steuerklasse III (3): Für den deutlich besser verdienenden Ehepartner. Der
andere Teil des Paars erhält automatisch die Klasse V.
Steuerklasse IV (4): Macht ein Ehepaar nichts, landen beide Eheleute in
Steuerklasse IV, die die gleichen Abzüge hat wie Klasse I. Auch zu empfehlen,
wenn beide ein ähnliches Einkommen haben.
Steuerklasse IV (4) mit Faktor: Ebenfalls für Ehepaare. Hier wird die
monatliche Steuerlast nur etwas „gerechter“ aufgeteilt als in der III/V-
Kombination.
Steuerklasse V (5): Sie stellt das Gegenstück zur Klasse III dar. Kommt beim
deutlich schlechter verdienenden Ehepartner zur Anwendung.
Steuerklasse VI (6): Die braucht ein Arbeitnehmer, wenn er einen zweiten
steuerpflichtigen Job annimmt.
Steuerklasse 1: für Singles
Hier können wir es kurz machen: Wer ledig, verwitwet oder geschieden ist, kommt als
Arbeitnehmer in Steuerklasse 1. Im Jahr 2019 beginnt die Steueruhr hier ab rund 1.050 €
brutto monatlich zu ticken.
Steuerklasse 2: für Alleinerziehende
Wie die Überschrift schon sagt, hier fallen Alleinerziehende rein. Aber, und das ist wichtig,
das geht nicht automatisch. Um den sogenannten Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
tatsächlich jeden Monat auf der Lohnabrechnung in Anspruch nehmen zu können, muss ein
Antrag her.
Sie finden das entsprechende Dokument im Internet. Klicken Sie links oben auf
„Formularcenter“ und geben Sie danach oben rechts den Suchbegriff „Entlastungsbetrag“
ein. (Das Formular „Versicherungserklärung zum Entlastungsbetrag“ ist das Richtige.)
Senden Sie schließlich das ausgefüllte Formular an Ihr Finanzamt. Der Entlastungsbetrag
beträgt derzeit bei einem Kind 4.008 € im Jahr und erhöht sich pro weiterem Kind um 240
€. Die Folge: Steuern werden hier im Jahr 2022 erst ab rund 1.600 € brutto monatlich fällig
Wenn Sie alleinerziehend sind und mehr wissen wollen, dann schauen Sie bitte in
diesen Blogbeitrag rein.
Steuerklasse 3: Verheiratet und ein(e) Schwerverdiener(in)
Jetzt kommen wir schon zu den Steuerklassen, die nur für Ehepaare greifen. Dazu gehören
die Steuerklassen 3, 4, 4 mit Faktor und 5. Die einfache Regel hier: Die Summe der
Steuerklassen der Eheleute muss 8 betragen. Es gibt also die Möglichkeiten „3 und 5“, „4
und 4“ sowie „4 mit Faktor und 4 mit Faktor“.
Steuerklasse 3 empfiehlt sich, wenn eine Person sehr viel verdient – und die andere wenig.
Beim Besserverdiener fällt erst ab einem monatlichen Brutto von 2.000 € Lohnsteuer an.
Das sorgt natürlich für ein deutlich höheres Netto als in anderen Steuerklassen. Sie ahnen
es schon, bei Klasse 5 sieht es dann entsprechend schlechter aus. Dazu weiter unten
mehr.
Wichtig: Verheiratete müssen in diesem Fall eine Steuererklärung abgeben. Und: Die
Steuerklasse 3 muss ebenfalls beantragt werden, ebenfalls hier und dort im
„Formularcenter“ den Suchbegriff „Steuerklassenwechsel“ eintippen.
Steuerklasse 4: Verheiratet und der Standardfall
Wer heiratet und nichts macht, landet automatisch in Steuerklasse 4. Und zwar beide.
Wenn die Eheleute ein ähnliches Gehalt haben, müssen diese auch nichts ändern.
Die Steuerklasse 4 hat die gleichen Steuersätze wie die 1, also fällt (2019) ersten ab 1.050
€ brutto im Monat Lohnsteuer an. Eine Pflicht zur Steuererklärung besteht bei der 4/4-
Kombi übrigens nicht. Empfehlenswert ist die Steuererklärung aber auch für sie.
Steuerklasse 4 mit Faktor: Verheiratet mit fairem Ausgleich
Auch hier werden wie bei der 3/5-Kombi die unterschiedlich hohen Einkommen
berücksichtigt. Aber eben fairer als bei 3/5. Hier ermittelt das Finanzamt für beide Eheleute
anhand ihres erwarteten Einkommens einen Faktor. Danach werden die Gehälter
entsprechend versteuert.
Der Vorteil hier: Die Person, die weniger verdient, hat in der Regel mehr Netto, als in der
3/5 – Kombi. Zudem muss am Jahresende kaum was nachgezahlt werden, der Faktor sorgt
dafür.
Der Nachteil: Insgesamt zahlen die Eheleute jeden Monat mehr Steuern als in der 3/5 .
Aber psychologisch ist die Faktorlösung dann doch besser, weil eben auch der geringer
verdienende Teil mehr Netto hat und nicht ganz so schlecht da steht. Zudem muss bei 3/5
oft über die Steuererklärung nachgezahlt werden. Steuerklasse 4 mit Faktor muss wie bei
der Steuerklasse 3 beantragt werden. Auch eine Steuererklärung ist verpflichtend.
Steuerklasse 5: Verheiratet und Geringverdiener
Wir haben es ja eben schon öfter erwähnt, dass die Steuerklasse 5 erhebliche Abzüge hat.
Hier liegt die magische, monatliche Grenze um die 100 € brutto, danach schlagen die
Steuern schon zu. Wie schon gesagt: Bei einer 3/5 Kombi haben die Eheleute das
bestmögliche Netto im Monat zur Verfügung. Allerdings kann es dann oft passieren, dass
am Jahresende Steuern nachgezahlt werden müssen. Und die Steuererklärung ist auch
hier Pflicht.
Steuerklasse 6: Zweitjob
Wenn Sie einen zweiten steuerpflichtigen Job antreten, ist das steuerlich bitter. Denn in der
dazu nötigen Steuerklasse 6 müssen Sie jeden einzelnen Cent versteuern. Die gute
Nachricht: Sie können in der Regel dann mit einer Steuererstattung rechnen – über die
Steuererklärung, die Sie auf jeden Fall machen müssen, sobald Steuerklasse 6 ins Spiel
kommt.
Damit wird auch klar, dass es immer besser ist, einen Vollzeitjob in Steuerklasse 1 zu
haben – als zwei Teilzeitjobs in Steuerklasse 1 und 6. Denn so hat man ein höheres
monatliches Netto. Wenngleich man sich das Geld im anderen Fall ja auch immer über die
Steuererklärung zurückholen kann. Aber das ist erst im darauffolgenden Jahr. Da ist es
doch besser, das Geld gleich zu haben.
Steuerklasse ändern – so funktioniert es!
Die Steuerklasse wird maßgeblich von der Lebenssituation einer Person bestimmt. Ein
Steuerklassenwechsel findet daher statt, wenn sich die Lebenssituation der Person
verändert – also etwa bei einer Hochzeit oder Scheidung. In manchen Fällen
erfolgt der Wechsel der Steuerklasse automatisch, in anderen muss er beantragt
werden.
Steuerklassenwechsel nach Heirat
Nach der Hochzeit landen beide Ehepartner automatisch in Steuerklasse 4. Wenn
beide etwa gleich viel verdienen, ist das die geeignete Steuerklasse. Es kann sich aber
lohnen, die Steuerklasse zu wechseln.
Verheirate können wählen, ob sie in die Steuerklasse 4 mit Faktor oder in die
Kombination aus Steuerklasse 3 und 5 wechseln möchten. In beiden Fällen ist ein
Antrag beim zuständigen Finanzamt notwendig.
Den Antrag müssen grundsätzlich beide Ehepartner unterschreiben. Um von der
Steuerklasse 3 oder 5 in die Steuerklasse 4 zu wechseln, reicht seit 2018 auch ein
einseitiger Antrag aus. Der Wechsel gilt dann für beide Ehe- bzw. Lebenspartner.
Verheiratete können durch einen Steuerklassenwechsel zwar keine Steuern sparen.
Aber wer eine günstige Lohnsteuerklasse wählt, hat monatlich mehr netto und
muss nicht auf den Steuerausgleich warten. Vor allem bei großen
Einkommensunterschieden der Ehepartner zahlen Ehepaare zu viel Steuern.
Hier kann sich ein Wechsel in die Steuerklassenkombination 3 und 5 lohnen. Auch
wenn Sie nicht wechseln: selbst bei einer ungünstigen Steuerklassenkombination
erhalten Sie die zu viel gezahlten Steuern mit dem Steuerausgleich nach einer
Einkommensteuererklärung zurück.
Im Regelfall sind Verheiratete ohnehin zur Steuererklärung verpflichtet – leicht und
fehlerfrei gelingt die Abgabe mit unserer Steuersoftware smartsteuer.
Steuerklassenwechsel nach Scheidung
Im Falle einer Scheidung muss von Steuerklasse 3, 4 oder 5 wieder in die Steuerklasse
1 oder 2 gewechselt werden. Im Gegensatz zur Hochzeit erfolgt der Wechsel nicht
automatisch, sondern muss beantragt werden.
Für den Zeitpunkt des Steuerklassenwechsels ist entscheidend, ab wann die Eheleute
dauerhaft getrennt leben – und nicht, ob sie geschieden sind. Die Steuerklasse muss
zum 1. Januar des auf die Trennung folgenden Jahres gewechselt werden.
Wenn ein Ehepaar aber während des sogenannten Trennungsjahres weiter
zusammenlebt, können die bisherigen Steuerklassen für diesen Zeitraum beibehalten
werden.
Steuerklassenwechsel für Alleinerziehende
Alleinerziehende können von Steuerklasse 1 in Steuerklasse 2 wechseln, um vom
Entlastungsbetrag zu profitieren. Den Entlastungsbetrag können Sie steuerlich geltend
machen, wenn Sie ein Kind erziehen, für das Anspruch auf Kindergeld
beziehungsweise einen Kinderfreibetrag besteht.
Den Wechsel der Steuerklasse müssen Sie beim zuständigen Finanzamt beantragen.
Wenn verheiratete Eltern bereits im Jahr vor der Geburt getrennt gelebt haben, kann
der künftig alleinerziehende Elternteil den Wechsel direkt nach der Geburt
beantragen.
Antrag auf Steuerklassenwechsel: So funktioniert es
Für den Steuerklassenwechsel muss ein Antrag beim örtlich zuständigen Finanzamt
gestellt werden. Die Antragstellung ist seit Oktober 2021 online via
ELSTER möglich.
Ehe- und Lebenspartner können auch das Formular „Antrag auf
Steuerklassenwechsel bei Ehegatten/Lebenspartnern“ des
Bundesfinanzministeriums nutzen.
Wie oft kann die Steuerklasse nun aber gewechselt werden? Bis 2019 war der
Steuerklassenwechsel grundsätzlich nur einmal pro Jahr möglich. Das hat sich
geändert. Seit 2020 kann die Steuerklasse mehrmals im Jahr ohne Einschränkungen
gewechselt werden.
Wenn Sie Sie den Antrag bis zum 30. November stellen, wird er noch für das
laufende Jahr berücksichtigt. Wer seine Steuerklasse wechselt, sollte anhand der
Gehaltsabrechnung prüfen, ob der Wechsel berücksichtigt wurde.
Steuerklassen bei Mini- und Midijobs
Immer mehr Deutsche verdienen ihr Geld mit Mini- und Midijobs.
Minijobs sind die sogenannten 450 €-Jobs. Bei denen braucht es in der Regel keine
Steuerklasse, weil, tata, diese pauschal besteuert werden und der Arbeitgeber die
Kosten trägt. Wenn Sie es wünschen, können Sie aber auch bei einem Minijob auf
Steuerklasse arbeiten, aber warum sollten Sie das tun?
Midijobs sind solche, bei denen man mehr als 450 €, aber höchstens 1.300 € verdient.
Der Vorteil hier liegt nicht bei der Steuer, sondern bei den
Sozialversicherungsbeiträgen. Die müssen Sie nur anteilig bezahlen. Wenig, wenn Sie
knapp über 450 € liegen – und fast die vollen Sätze bei knapp 1.300 €. Trotz anteiliger
Beiträge bekommen Sie die vollen Ansprüche für die Rentenversicherung. Steuerlich
werden Sie aber genauso wie bei einem Job mit einem höheren Einkommen.
Immerhin: Bei 1.300 € ist die Steuerlast – außer bei Steuerklasse 5 und 6 recht gering:
Steuerklasse 1 – rund 33 €
Steuerklasse 2 – rund 6 €
Steuerklasse 3 – 0 €
Steuerklasse 4 – rund 33 €
Steuerklasse 5 – rund 157 €
Steuerklasse 6 – rund 194 €
Was bedeutet das konkret für mich?
Wer nicht verheiratet ist, landet in Steuerklasse 1, als Alleinerziehende(r) auf Antrag
in der günstigeren Steuerklasse 2. Ein Zweitjob führt Sie zu Steuerklasse 6.
Verheiratete können zwischen den Steuerklassen 4 & 4, 3 & 5 und 4 & 4 mit Faktor
wählen.
Zusammenfassung: Steuerklassen entscheiden darüber, wie viel Steuern jeden
Monat vom Lohn abgezogen werden. Eheleute können ihre Steuerlast mindern, wenn
sie sehr unterschiedliche Einkommen haben. Wer noch im Dezember heiratet, kann
die Vergünstigungen rückwirkend für das ganze Jahr erhalten.