Salutogenese nach Aaron Antonovsky
1. Was ist Salutogenese?
• Definition: Salutogenese bedeutet "die Entstehung von Gesundheit" (salus = gesund,
genese = Entstehung). Es geht darum, wie Menschen trotz Stress, Risiken und
Herausforderungen gesund bleiben können.
• Gegensatz zur Pathogenese: Dieser Begriff beschreibt den Prozess, wie Krankheiten
entstehen. Es geht darum, die Ursachen und Mechanismen zu verstehen, die zu einer
Krankheit führen. Zum Beispiel, wie ein Virus oder eine schlechte Lebensweise eine
Krankheit auslösen kann
2. Grundkomponenten des Modells der Salutogenese Antonovsky hat ein Modell
entwickelt, um zu erklären, wie Gesundheit entsteht. Es umfasst vier Hauptkomponenten:
1. Gesundheits-Krankheits-Kontinuum:
o Gesundheit ist nicht nur das Fehlen von Krankheit. Stattdessen stellt das
Modell ein Kontinuum dar: Menschen können sich zwischen Gesundheit und
Krankheit bewegen, je nach den Herausforderungen, denen sie ausgesetzt sind
und wie sie diese bewältigen.
o Beispiel: Auch Menschen mit schweren Krankheiten können sich als gesund
wahrnehmen, wenn sie ihre Lebensqualität gut gestalten können.
o Krankheit: Jason (8 Jahre) hat Diabetes Typ 1 und muss Insulin spritzen.
Gesundheits-Krankheits-Kontinuum: Er fühlt sich oft gesund, wenn seine
Blutzuckerwerte stabil sind, aber auch unwohl bei Schwankungen.
Warum gesund? Er bekommt gute medizinische Betreuung und Unterstützung
von der Familie, was ihm hilft, die Krankheit zu managen.
2. Stress und Stressbewältigung (Coping):
o Stress ist ein wichtiger Faktor, der die Gesundheit beeinflusst. Stressoren (z.B.
Lebensereignisse, Arbeit, Umweltfaktoren) erzeugen psychische und
körperliche Spannungen.
o Die subjektive Wahrnehmung von Stressoren und die Art und Weise, wie
man mit ihnen umgeht (Coping), entscheiden darüber, ob der Stress negative
Auswirkungen auf die Gesundheit hat.
o Beispiel: Jemand, der regelmäßig unter Stress bei der Arbeit leidet, aber gute
Bewältigungsstrategien hat (z.B. Sport oder Meditation), bleibt wahrscheinlich
gesund. Jemand ohne diese Strategien könnte eher krank werden.
o Stress: Julia ist Studentin und muss sich auf ihre Abschlussprüfungen
vorbereiten. Der Druck, gute Noten zu erzielen, sorgt für viel Stress.
Coping: Julia hat gelernt, sich gut zu organisieren. Sie setzt sich realistische
Ziele und nimmt sich regelmäßig Pausen. Außerdem meditieren und gehen sie
mit Freunden spazieren.
Ergebnis: Trotz des Prüfungsdrucks bleibt Julia gesund, weil sie gesunde
Coping-Strategien hat, um den Stress zu managen.
3. Widerstandsressourcen (Generalized Resistance Resources):
o Widerstandsressourcen sind alles, was einem Menschen hilft, Stress zu
bewältigen. Diese Ressourcen können persönlicher (z.B. Wissen,
Selbstbewusstsein) oder sozialer (z.B. Unterstützung durch Familie und
Freunde) Natur sein.
o Beispiel: Eine Person, die viele unterstützende Freunde hat und sich selbst gut
kennt, hat mehr Ressourcen, um mit Stress umzugehen.
o Ressourcen: Stefan hat ein enges Netzwerk von Freunden, mit denen er
regelmäßig Zeit verbringt und über persönliche Schwierigkeiten spricht. Diese
Freunde bieten ihm emotionale Unterstützung.
Ergebnis: Wenn Stefan mit einer schwierigen Lebenssituation, wie etwa einer
Trennung oder finanziellen Problemen, konfrontiert wird, hilft ihm der
Rückhalt seiner Freunde, den Stress besser zu bewältigen. Diese sozialen
Widerstandsressourcen ermöglichen es ihm, sich weniger isoliert zu fühlen
und Lösungen für seine Probleme zu finden.
4. Kohärenzgefühl (Sense of Coherence):
Kohärenzgefühl beschreibt, wie Menschen ihr Leben wahrnehmen und wie sie mit Stress und
Belastungen umgehen. Es ist die Überzeugung, dass das Leben im
Wesentlichen verständlich, handhabbar und sinnvoll ist.
Menschen, die ein hohes Kohärenzgefühl haben, sind besser in der Lage, mit schwierigen
Situationen und Stress umzugehen. Sie fühlen sich gesünder und sind widerstandsfähiger
gegenüber Herausforderungen.
Es besteht aus drei Teilen:
1. Verstehbarkeit:
Das Leben sollte nicht chaotisch oder unklar sein. Es
sollte verständlich und vorhersehbar sein, sodass man die
Ereignisse und Herausforderungen im Leben begreifen kann .Das
Leben sollte klar und strukturiert sein, nicht chaotisch.
Beispiel: Wenn du verstehst, warum du bestimmte Probleme hast
(z. B. gesundheitliche Probleme oder berufliche
Herausforderungen), kannst du besser damit umgehen.
Sophie ist eine alleinerziehende Mutter, die nach einem Jobverlust finanzielle Schwierigkeiten hat.
Durch das Verständnis, dass diese schwierige Phase vorübergehen wird und sie Unterstützung von
einer Wohltätigkeitsorganisation bekommt, fühlt sie sich in der Lage, die Herausforderungen zu
bewältigen. Sie weiß, dass ihre finanzielle Situation durch Arbeitslosengeld und Unterstützung besser
wird, und kann daher die stressige Situation besser bewältigen.
Warum das Kohärenzgefühl hilft:
Sophie versteht die Situation und weiß, dass sie Ressourcen hat, um sie zu überwinden. Ihre Welt
erscheint klar und strukturiert, sodass sie nicht von der Unklarheit überwältigt wird.
2. Handhabbarkeit:
Man soll das Gefuhl haben, dass man
die Herausforderungen und Anforderungen des Lebens bewaltigen
kannst. Es geht darum, das Gefuhl zu haben, dass man uber die
notigen Ressourcen und Fahigkeiten verfugt, um Probleme zu
losen. Man sollte das Gefühl haben, die Herausforderungen des
Lebens bewältigen zu können.
Beispiel: Wenn du ein schwieriges Projekt bei der Arbeit hast, aber
weißt, dass du die notigen Fahigkeiten und Unterstutzung hast,
fuhlst du dich handlungsfahig.
Max arbeitet als Arzt in einem Krankenhaus und ist häufig mit stressigen Situationen konfrontiert.
Doch er weiß, dass er über die nötige Ausbildung, Fähigkeiten und Unterstützung von Kollegen
verfügt, um jede Herausforderung zu meistern. Er hat Strategien entwickelt, wie z. B. kurze Pausen und
das Priorisieren von Aufgaben, um den Stress zu verringern.
Warum das Kohärenzgefühl hilft:
Max fühlt sich handlungsfähig und zuversichtlich, dass er mit den Belastungen umgehen kann. Die
Verantwortung als Arzt fühlt sich für ihn machbar an, weil er auf seine Fähigkeiten und das Team
zurückgreifen kann.
3. Sinnhaftigkeit:
Man soll das Gefuhl haben, dass dein Leben und die
Herausforderungen, die man meistert,, sinnvoll sind. Es geht
darum, einen inneren Antrieb zu haben, der dir hilft, auch in
schwierigen Zeiten weiterzumachen. Man sollte das Gefühl haben,
dass das Leben einen Sinn hat und die Anstrengungen lohnenswert
sind.
Beispiel: Wenn du in deinem Job das Gefuhl hast, dass deine Arbeit
einen wichtigen Beitrag leistet (z. B. als Arzt oder Lehrer), gibt dir
das einen Sinn und Motivation, selbst in stressigen Zeiten.
Maria ist Lehrerin an einer Schule in einem sozial benachteiligten Stadtteil. Auch wenn sie täglich mit
herausfordernden Situationen konfrontiert ist (z. B. mit Schülern, die mit persönlichen Problemen zu
kämpfen haben), gibt ihr die Tatsache, dass sie das Leben der Kinder positiv beeinflussen kann, einen tiefen
Sinn. Sie sieht ihre Arbeit als wichtig und fühlt sich durch den Fortschritt ihrer Schüler motiviert.
Warum das Kohärenzgefühl hilft: Maria hat das Gefühl, dass ihre
Arbeit sinnvoll ist und dass es sich lohnt, sich weiterhin anzustrengen, um das Leben der Schüler zu
verbessern. Dieses Gefühl der Sinnhaftigkeit gibt ihr die nötige Motivation, auch in stressigen Zeiten
weiterzumachen.
o Menschen mit einem hohen Kohärenzgefühl sind besser in der Lage, mit
Stress umzugehen und sich gesund zu fühlen.
o Beispiel: Ein Mensch, der sein Leben gut versteht, weiß, wie er mit Problemen
umgeht und findet, dass seine Anstrengungen im Leben sinnvoll sind, hat ein
starkes Kohärenzgefühl und bleibt gesund.
o (Anna, die alleinerziehende Mutter)
Verstehbarkeit: Anna hat klare Ziele und Prioritäten in ihrem Leben. Sie hat
einen strukturierten Tagesablauf, der ihr hilft, den Haushalt zu führen und
sich um ihre Kinder zu kümmern.
Handhabbarkeit: Sie weiß, wie sie ihre täglichen Aufgaben bewältigen kann
und hat auch Unterstützung von ihren Eltern, wenn es mal schwierig wird.
Sinnhaftigkeit: Anna empfindet ihre Arbeit als Mutter als sehr sinnvoll, auch
wenn es anstrengend ist. Sie glaubt fest daran, dass sie ihren Kindern eine
gute Zukunft ermöglichen kann.
Ergebnis: Anna fühlt sich in ihrem Leben orientiert und gestärkt, trotz der
Herausforderungen. Ihr starkes Kohärenzgefühl hilft ihr, Stress zu bewältigen
und gesund zu bleiben.
4. Wichtige Konzepte im Modell der Salutogenese
• Kontinuum: Gesundheit und Krankheit sind nicht statisch; Menschen bewegen sich
ständig auf einem Kontinuum zwischen diesen Zuständen.
• Stressbewältigung (Coping): Der Umgang mit Stress bestimmt die Auswirkungen
von Stressoren auf die Gesundheit.
• Widerstandsressourcen: Persönliche und soziale Ressourcen helfen, Stress zu
bewältigen.
• Kohärenzgefühl: Die Überzeugung, dass das Leben verstehbar, handhabbar und
sinnvoll ist, spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie gut jemand mit stressigen
Lebensereignissen umgehen kann.
5. Fazit
o Das Modell von Antonovsky zeigt, dass Gesundheit nicht nur das Fehlen von
Krankheit ist, sondern dass es viele Faktoren gibt, die beeinflussen, wie
gesund ein Mensch bleibt. Es ist wichtig, zu verstehen, dass jeder Mensch mit
Stressoren konfrontiert wird, aber diejenigen, die über genügend Ressourcen
und ein starkes Kohärenzgefühl verfügen, können ihre Gesundheit besser
erhalten. Dies bedeutet nicht, dass Menschen keine Krankheiten entwickeln
können, aber es zeigt, dass die Art und Weise, wie man mit
Lebensherausforderungen umgeht, einen großen Einfluss auf das
Wohlbefinden hat.
o Das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum ist zentral: Es geht nicht nur um
gesund oder krank, sondern darum, wie sich der Gesundheitszustand über die
Zeit verändert.
o Stress und Bewältigungsstrategien sind entscheidend: Wie jemand mit Stress
umgeht, beeinflusst die Gesundheit erheblich.
o Widerstandsressourcen und Kohärenzgefühl: Je mehr Ressourcen und je
stärker das Kohärenzgefühl, desto besser die Fähigkeit, mit Stress umzugehen
und gesund zu bleiben.