Draesner Nibelungen .
Heimsuchung
UL RIKE DR AESNER
Nibelungen . Heimsuchung
Mit den Illustrationen
von Carl Otto Czeschka
Reclam
kriemhilt
fiederung dunkler fluff – tüpfel
sehe schuss siena gebrannt um flügel
karmin karneol spüre herzschlag siena
flirres gespan klöppel der schwinge
luftwärts gebannt unter eines körpers
flitsch
– fahre auf
ob
oben
wir sind –
üben &
biegen
& jagen
als wind von hagens
horst bruder onkel
& ich
fliegender wind
krieche
richtung auge (dunkel
das federgebüsch deines helms
– gelblich geäugt: was scharf
mich stellt
in der kemenate
unter der decke
die muster der streifen:
adlerader gewoben
gestickt
mir ins gesicht : »ich«
die ich fahre
auffahre
mich träume
klein bei
(die an der alles hängt
um die alles sich drehen
wird) den falken
6 stelle
im auge scharf
des aars
den weitläufigen
schwarzblauen
raum
körper der kemenate
daheim …
das entlang entlang
rutschend rufende
herz
siena
gebrannt
in den fittichen
blut oculos mulieres
tenent
ich
sticke die fahrt
burgkrähen 11
get out
get freud out, get
leit out, get out of in-freud, get
out of leit-in, get hulde, get gemuot
get out
out, get out in, get out innen in, get ûzen
out, ûzen of out get out, kemenate get in
get körper in kemenate in, get in no out, get
in body getting ûzen in, get body on mattress in
get in lying body, stitching lying bodies get in, get
lying bodies to stitch, get bodies on bodies get
laid in, get bodies embroidered, enlaced, getting out
of freud, getting out of leit, getting out of getting
bodies upread (up red) getting no in
finding no out
12 die frauen sitzen auf bildern
und träumen das nichts
ich will wol wizzen daz
geworht
aus bildern geworben geschmeide
sein, schmeide, gelitten, gewürgt. schlitten
fuhr am rhein kriemhilt auf kufen das gör
vreislich die lippen über die neuen großen
zähne gespreizt – geprinzt wollte niemals sie
sein. in island sagte hagen kreiße eis sich
selbst werfe eissteine eine mit bärenfell
bezogene frau und ihnen nach in heiße gruben
springt. stick, sagte uote, bild, gutes stick, kriemhilt
das weiße garn, geschmeidiges worms, seide und
wolle als wolke als schäfchen stick auf – die kissen
stumm als sîvrit in hausschuhen kam
mit dem bruder den mägden:
ich, allein
mit den frauen meines ichs
stand auf
blau fiel noch fällt
der abend über die burg. es
antwortet das gefieder der elstern
mit stahl.
voller neid reißen die krähen
am tuch der luft, weit die schnäbel
entkreuzt: die steine am grund
ihrer mägen glänzen wie eis. nur
die erste schicht taut. unter ihr
schimmernd geborgen wandern
die gespenster im kreis, recken, jung
ihm gleich, kapuzenstumm. krähe
um krähe zieht das blutweiche ufer
der donau herbei beugt schilfrohr thymian
die sande des ostens durch zeit. präzise
singt sein auge das criem criem ihrer flügel
rausch. seine pupille, schwarz konzentriert
perfekt als kreis er seiner selbst: steine
am grund. stahl. glänzend wie eis.
träumend aufs matraz 13
geschleppt
die geschleppt hat
den traum in die burg
(fiel stunden später
der abend ins licht sah
wer sah leuchten
das elsterneis) hecke
geschmeide
tag ein tag
aus weiß
faden auf weiß
den hof zu worms
umschlossen
von sprache und wand
vor der recken hängenden eisen
schicht um
bestickt. wie
könnte ich nicht außen
und innen unterscheiden
haut hemd kettenhemd
absicht kappe knappe und
schild lehnt hagen in der tür
hat ins spiel mich gelenkt
mir die arbeit
gehalst. aber ich weiß
und weiß was ich wollte
als
nichts wir ihr stickten
auf nichts
gewandt ihr 1 gewand
zähnchen säumten
für die nacht
über see
fuhren
unsere finger speichel
ins linnen das licht des flusses
fuhren in gedanken an den fuß
sie der burg. ein brief sich
zu verbünden? wie
nahe sie nun voreinander stehen
all meine frauen
14 und ich. was ausgeheckt
ist? rot in die wangen das eigene
schießt in meiner brust jene höhle
des wunsches eröffnet (zwirn zwinge
spliss des ich): die werelde
zu erfahren
so fliegt sie dort, sie mit
ihm stickt bild um bild
nicht ein weiß nicht
aus jenes »ich«
das zu halten
zu denken fast
unmöglich ist
(pflückweg
sie, steg)
im rücken
der degen
wie 15
wich wie
gewichen wie
wicht ich »ich«
dir spricht
der strich
meiner hand nach ich
dir fährt
durch der rupfen
(ich rauf dir den
kopf) gespinst!
in vremder vische hiute
glänzend
brachtest gehüllt du
dich zurück
dass ich
ebenso
gast deiner seite
der pumpenden flanke
striche bild: dich
– umfinge
erneut der landtiere
hût
noch ändere ich dich
(behütet du seist, sagte
uote, senft magetîn
mîn) stricke dir recke
das netz (in der tür
lehnt luft, wiege sie
in den schalen der hände
auf, wiege sie ab) am rand
der welt
hinter den nerven
dir wurke
diu kleit
16 den sohn in den armen sie wog
un aus un aus körperbar
sohn zwei während an den ersten
sie dachte wie weich er auf sie
zulief ihr etwas die leier
bot das golden gefleckte
holz das nach wie vor
sie berührt
ungar ungar das land. sie
hat in jedem hof jeden halm
blaue lanze die schneidend sich
reckt mit stein weiß der donau
die grenze bedeckt die
un aus un aus durch
ihren körper seinen
körper zieht.
wer fällt schlägt sich blutig
die knie das kind malt
seinen vater schwarz von
den augen abwärts von bären
und gras hält die mutter
an der hand die gestalt
von der sie träumt sie weiß
wie. woher aber nimmt es sohn
zwei: dieser winzige atem nun
(wölkchen etz-hilt)
das keinen garten (wölkchen ich)
kennt nicht tuch. allein der rotdorn
hart sein spannrückiger stamm
stickt der blüten fiederung über
die mauer gefügt aus handwerk
grobheit erinnerung. frauen
un aus un aus auf den
matraz gedrückt
wie sie fuhren
wie die mutter sie sah
wiedersah die brüder gedunsen
hagen in der tür die schwägerin
mit sîvrit ihrem leibeigenen sohn.
wie sie, tochter dereinst, tochter jäh
nicht mehr, ohne die alten mägde
verrutscht, ohne zuhaus
sich beugte aufstand 17
beugte als sie träumte
dass er sie schlug
wie er roch wenn sie
den harnisch ihm löste sich
wieder erhebend (sich krümmte
reckte) an ihm suchte
nach »sich«
18 wie springt dein kopf
als wollte er saugen von der kühle
der stufen die halle hinab von mann
springt zu mann liebes kind gefällt
mir dein haupt, von hagen
geführt der krümmende streich. flugflaum
in blitzen flaum von blut sehe mir
wachsen aus den rillen der hand fragen
sich dehnen stürzen das nest: hin, zu
wo, welchem grund.
er zog uns über
den norden
in den schatten der tat
er, als er aufbrach das erste
mal (worms so geschmeidig
so weiß) zwirnten auf
unsere nadeln die pole wir ihm
ihre und unsere routen bloß.
da warf schon die riesin
mit steinen die zukunft
um sich
komme davon
nicht los. kannten
ihre maße mit unseren
fingern faltig ihr bauch höhlig
die zähne ihre schultern eisen
jedes gelenk. ringe hielten sie aufrecht
kragten ihr und ihren frauen durch
jedes gesicht (das beugen und nicken
der knochen). während wir hüteten
was wir liebten stickten
uns wehrten
unwillentlich
säumten unser zuhaus
in ihren trug.
häuptchen
in meinem schoß, etzels blut
namenlos, häubchen kind
mit fingern streich streichele
dich kuppen von tränen blass
häufchengroß wiegenkind
die kannten auswendig 19
inwendig (ach neige)
ihr maß. täubchen
tumbe
säumten (uns) ein
20 seine gerüsteten schuhe die eckigen
knie auf denen ich saß so häufig
(häuflein noch) als kind. er rutscht
richtung zwerg versenkt was ihm
nicht gehörte bricht ungehörig
mit dem schwert mir
seit… seitlich das licht. seine augen
schrumpfen von der geschwindigkeit
seines tuns. rec-ken-schmiss-ig-keit.
ich empfange die geste, gewiss. löse
mühelos mich aus dem funkeln
des hefts (jeden hof ließ ich
pflastern nachts gegen die wacker
lag lauschend gepresst) sprach
sîvrit zu mir – – nicht – – nur ist – –
es – – leichter mit ihm – – als totem
– – zu – – leben nun – – gehört – –
der schmerz – – mir
– – allein
fliegt gehütet
terzel er criem criem
(so leicht sein schrei) bild um
bild ins schwert bricht dank
der federn seines augenkranzes
ungar ungar das land in die fluchtwege
von mäusen und ratten panisch
wie hagens männer vor feuer
vor strömen von blut. ich hole
ein kissen. hagen hat sich den spielmann
an die seite verstärkt
sein wachsendes ich. ich
stopfe ihm die sticke ins gesicht. er
der sich nicht beugen kann. ich die sich
beugen nicht mehr mag. er der es nichts
als begonnen haben will kehrt mir das strahlen
in die augen – – des schwertes – – das mir
– – wie ihm die brust zerwühlt. darin
sind wir gleich. ich
stehe in seiner tür – die gegenwart
seiner geheimsten gedanken
das züngeln
zünglein
seiner welt
das nachbild des vogels hängt 21
als sie erwacht im vorhang und
zuckt mit der bewegung ihres lids
schwächer das röcheln der männer
deren los sich schält von ihr hat die sonne
noch jeglichen geruch gesengt jedwede
zeugenschaft. jenseits des nachlebens
der jagd finden sie sich in einem raum
den keiner der noch spricht kennt
zuende nur zu bringen er ist. nächtliche
jäger hüllen in geschmeidige netze sich
vreisliche list mit blättern verrieben
mit tier scheinen
antlitze sie, zum himmel
zu nah.
feistes strahlen
durch die gespensterten balken der halle
fällt heiß auf den rücken
des sterbens des blutes untere wand
wo keinen vorsprung es mehr keinen
riss in dem sich hielte ein pfützchen
zu netzen noch wen, was, aus kehlen
geschmolzen bereits ritten schreie
auf wellen von luft – die nur eines
mehr war: gas.
schild: dies ist der nachsîvritraum
er enthält einen schilfgürtel. alle
donauufer liegen in ihrer eigenen
vergangenheit. schild: schmelzskelett.
schild: du bist was war. jeder der übersetzte
gearbeitet in die hitze der schlacht. das fräst.
des schluchzens schluss nun oder schlucht?
dass sie nicht lacht. an frauen über 50 verändern
schrecken den lippenfall, verwoben das eigene ende
nun in anderes fleisch. knochen zerschmolzen, zähne.
schreie, mundlos geschrien. alles was außerhalb
ihrer selbst liegt kommt in ihr noch einmal vor.
der boden der halle, reckenbrei.
22
sie liegt mit gebreiteten armen.
gestickt der matraz. eine achse
verbindet nichts hier mit nichts.
noch warten einige köpfe geduldig
am rand weil das mære sie erfindet
geduld zu verkörpern. fiederung
dunkler fluff. sie erwarten
sie. warten ihr auf.
burgkrähen 23
in die richtung in die der vogel blickt, könig
läuft die schrift läuft
von links nach rechts unten nach
oben in dreiecken auf der haut, müder
könig, die trägst auf dem thron.
knarrst unter den lidern
die krone dir senkt
den kopf in den turm
gesperrt (dorn) an tagen
wie diesem mit der sprechenden
hand (vogeltritte
darin) die du
nicht träumst
nicht träumen, könig, kannst
hagen
der sagt, an einem meer das führe
im süden sein eis werde der herrscher
gesperrt in einen block jeden monat als blute
auch er
die nägel ihm geschnitten
das haar. still sitze er krage
über die spitze
des seeturms allein
zu schulden für sein volc
seine tanen
eine reinheit
die unmenschlich ist