Uberblick Uber Die Sensorik
Uberblick Uber Die Sensorik
Der Begriff des Sensors im Sinne der heutigen Anwendung ist relativ neu und keines-
wegs scharf definiert. Andere Bezeichnungen wie Meßfühler, Meßaufnehmer, Um-
wandler u.a. sind ebenfalls im Gebrauch und umfassen teilweise auch Geräte und Meß-
systeme, die hier nicht als Sensoren bezeichnet werden. In diesem Buch soll die folgende
IEC-Definition verwendet werden:
Ein SENSOR ist das primäre Element in einer Meßkette, das eine variable Ein-
gangsgröße in ein geeignetes Meßsignal umsetzt.
In diesem Sinn wollen wir unter einem Sensor ein elektronisches Bauelement ver-
stehen, das mit Anschlußdrähten versehen ist, durch welche elektrische Signale in das
Bauelement hinein und aus dem Bauelement heraus geleitet werden. Die eingegebe-
nen Signale werden innerhalb des Sensors durch Umweltparameter wie Druck, Tem-
peratur, Magnetfeld, chemische Zusammensetzung der Umgebung etc. beeinflußt, so
daß dem Sensor die fundamentale Aufgabe zukommt, eine – im allgemeinen nichte-
lektrische – Meßgröße in ein elektrisches Signal umzuwandeln. Damit ist der Sensor
ein Spezialfall eines Transducers, wenn für diesen die folgende Definition zugrun-
degelegt wird:
Ein TRANSDUCER wandelt eine Energieform (mechanisch, thermisch, ...) in eine
andere Energieform (elektrisch, mechanisch, ...) um.
Bild 1-1 gibt einen Eindruck von der Vielfalt der Kombinationen, die bei diesem Prozeß
entstehen können.
Typischerweise werden die Ausgangsanschlüsse des Sensors den Eingangsklemmen
eines elektronischen Meß-, Steuer- und Regelsystems zugeführt, das den Wert des Sen-
sorsignals verstärkt, weiterleitet, anzeigt und weitergehende Funktionen daraus ab-
leitet. Rein elektronische Systeme, z.B. auf der Basis von Mikrowellen (RADAR-Anla-
gen u.a.), die durchaus zur Messung von Umweltgrößen, wie des Abstandes oder der Ge-
schwindigkeit, verwendet werden können, enthalten nach dieser Definition keinen Sen-
sor. Daher werden solche Systeme, trotz ihrer großen Bedeutung auf vielen sensornahen
Gebieten, in diesem Band nicht behandelt.
Ein grundlegender Unterschied zwischen Sensoren und den anderen elektronischen
Bauelementen wie Widerständen, Kondensatoren, Transistoren usw., die in den Bänden
1 und 2 dieser Reihe behandelt wurden, liegt darin, daß die letztgenannten eine rein elek-
Seite 2
tronische Funktion haben: Elektrische Eingangssignale werden ohne Einfluß auch die Lebensdauer des Sensors gravierend herabsetzen. Eine Druckmembran wird
z.B. auch durch Temperaturgradienten, mechanische Verspannungen oder Ablagerun-
gen von Verbrennungsprodukten in ihren Eigenschaften so verändert, daß ihre Durch-
biegung nur noch mit Einschränkungen zur Druckbestimmung verwendet werden
kann. Solche Einsatzbedingungen führen in vielen Fällen zu technischen Problemen,
die nach dem heutigen Stand der Technik überhaupt nicht, oder nur mit sehr großem Ko-
stenaufwand bewältigt werden können.
Der Gesichtspunkt des für einen Sensor zulässigen Kostenaufwands ist sehr funda-
mental und kann die Auswahl der eingesetzten Technik entscheidend beeinflussen.
Eine Temperaturkontrolle ist in jeder Kaffeemaschine erforderlich, um den Kaffee-
trinker nicht um seinen Genuß zu bringen, d.h. bei diesem Gerät muß zwangsläufig ein
Temperatursensor eingesetzt werden. Andererseits darf dieser Sensor nicht den Preis
des Geräts entscheidend in die Höhe treiben, wobei es auf ein Grad Celsius mehr oder
weniger nicht wesentlich ankommt. Gesucht ist also ein Sensor, der in einer wenig ko-
Bild 1-1: Möglichkeiten der Energieumwandlung in einem Transducer: Einem Bauelement stenaufwendigen Fertigungstechnologie hergestellt und dessen Ausgangssignal in ein-
wird eine bestimmte Energieform zugeführt, die aufgrund eines Umwelteinflusses facher Weise elektrisch weiterverarbeitet werden kann. Häufig besteht die Lösung die-
(ebenfalls darstellbar als Energie) in eine neue Energieform umgewandelt wird. Als ses Problems darin, daß sich die Fertigungstechnik des Sensors an die anderer elektroni-
Beispiel eingetragen ist der Fall eines resistiven chemischen Sensors: Ein zugeführter scher Bauelemente anlehnt, so daß die Fertigungskosten durch eine bessere Ausnutzung
elektrischer Strom führt zu einem umweltabhängigen Spannungsabfall, wenn der
vorhandener Kapazitäten gesenkt werden können und keine erheblichen Neuinvestitio-
elektrische Widerstand des Sensors abhängt von der chemischen Zusammensetzung
der Umgebung (nach [1.1], [1.6]) nen erforderlich werden.
In der chemischen Verfahrenstechnik hingegen ist häufig eine außerordentlich präzise und Eigenschaften der verschiedenen Signalformen zusammengestellt.
Temperaturbestimmung erforderlich: Hier könnte z.B. die Temperaturabhängigkeit Tab. 1-1: Vergleich der Signalformen von Sensorsignalen im Hinblick auf Genauigkeit,
spezieller Schwingquarze ausgenutzt werden, die ein frequenzanaloges Signal abgeben, Störsicherheit und die Möglichkeiten einer Datenaufbereitung (nach [1.2]).
dessen Frequenz mit Hilfe moderner elektronischer Schaltungen außerordentlich genau
gemessen werden kann. Auf diese Weise ist eine Temperaturbestimmung auf einige
hundertstel Grad ohne weiteres möglich, allerdings mit einem Geräte- und Kostenauf-
wand, der bei der Kaffemaschine undenkbar – aber auch nicht erforderlich – wäre.
In beiden Fällen werden Temperatursensoren eingesetzt; die Anforderungen und der zu-
lässige Kostenrahmen führen aber zu völlig verschiedenen Problemlösungen. An die-
sem Beispiel kann man erkennen, wie weit die Randbedingungen bei der Anwendung
die Auswahl der eingesetzten Sensortechnik beeinflussen können. Bild 1-2 zeigt den
Aufbau der Signalauswertung von Sensorsignalen für die typischen Anwendungsberei-
che Konsum-, industrielle und Präzisionsmeßtechnik.
In vollständigen Meß-, Steuer- und Regeleinrichtungen erfolgt aufgrund des Sensor-
signals eine Reaktion nach außen, d.h. das Sensorsignal wird optisch angezeigt oder es
bewirkt einen Einfluß auf die Umgebung (z.B.über die Betätigung eines Schalters), der
dann wiederum von dem gleichen Sensor aufgenommen und in der Signalverarbeitung
Die folgenden beiden Tabellen geben einen Überblick über typische Eigenschaften und
ausgewertet werden kann. Die Weitergabe des elektrischen Signals an die Umwelt wird
Anwendungen von Sensoren.
durch das Gegenstück des Sensors, den Aktuator oder Aktor bewirkt (Bild 1-3).
Tab. 1-2: Sensoren: Eigenschaften und Anforderungen (nach [1.3])
Bild 1-3: Meß-, Steuer- und Regelsystem mit Sensor, Datenverarbeitung (Beispiele) und
Aktuator. Die Interfaces und ein Teil der Datenverarbeitung kann bei einigen Halb-
leitersensoren und -aktuatoren monolithisch integriert werden (intelligente Sen-
soren und Aktuatoren)
Von großer Bedeutung für die Genauigkeit und Auswertbarkeit eines Sensorsignals ist
die Signalform, die von einem Sensor ausgeht. In Tab. 1-1 sind typische Merkmale
Seite 4
Tab. 1-3: Anwendungen von Sensoren mit Angabe der zu messenden Umweltgrößen Ein wichtiges Anwendungsgebiet der Sensorik liegt in der Kraftfahrzeugelektronik
(nach [1.3]) (Bild 1.4). Bild 1.5 zeigt die Aufteilung des Weltmarktes für Sensoren nach der
Meßgröße.
2.1 Bändermodell 9
die auch als chemisches Potential der Elektronen oder Fermienergie WF bezeich-
net wird, im thermischen Gleichgewicht einen innerhalb des Systems konstanten, für
das System und dessen Einbettung in die Umwelt charakteristischen Wert annimmt.
Die Einstellung des thermischen Gleichgewichts für Teilchen in verschiedenen Zustän-
den setzt voraus, daß die Teilchen miteinander wechselwirken (d.h. sich gegenseitig
beeinflussen) können: Der Übergang in den Gleichgewichtszustand kommt nämlich da-
durch zustande, daß ein vorangegangener Zustand, bei dem die freie Energie möglicher-
Bild 2.1-1: Die inneren Elektronen der Atomhülle werden durch den Atomkern stark gebun- weise noch nicht minimal war, durch Stoß- und Streuprozesse der Teilchen untereinan-
den, sie können sich aus dem Einflußbereich des Atomrumpfes (Atomkern und inne- der so lange verändert wird, bis die freie Energie den niedrigstmöglichen Wert annimmt.
re Elektronen) nur mit großem Energieaufwand lösen. Im obigen Energieschema Ein thermisches Gleichgewicht kann sich also nur in Zeiträumen einstellen, die oberhalb
werden sie durch einzelne Energieniveaus oder Gruppen davon repräsentiert. Elek- der mittleren Stoßzeit (allgemeiner: Wechselwirkungszeit) zwischen zwei Teilchen
tronen mit höherer Energie sind jedoch so lose gebunden, daß ihre Eigenschaften
liegen, bzw. in Dimensionen oberhalb der mittleren Stoßlänge (mittlere freie Weglän-
durch das periodische Potential aller Atomrümpfe bestimmt werden. Solche Elektro-
nen verhalten sich näherungsweise wie freie Elektronen. In diesem Fall liegen die ge). Diese Einschränkung ist häufig nicht gravierend: mittlere Stoßzeiten liegen bei
Energieniveaus so dicht beieinander, daß sie zu quasi-kontinuierlichen Energiebän- den meisten Anwendungen im Picosekunden-, die mittleren freien Weglängen im Nano-
Seite 6
meterbereich. Bei Frequenzen im Mikrowellenbereich und im Bereich atomarer Dimen- schen Anregung (Übergang von einem Zustand niedriger Energie in einen solchen mit
sionen, sowie bei Anwendung von Werkstoffen mit extremen Materialeigenschaften höherer Energie) nur in quantentheoretisch erlaubte, zumindest teilweise noch nicht be-
muß diese Randbedingung aber sorgfältig beachtet werden. setzte Elektronenzustände übergehen können. Solche Elektronen befinden sich vor al-
Die explizite Berechnung der Fermienergie im thermischen Gleichgewicht führt bei lem in der unmittelbaren Umgebung der Fermienergie, d.h. nach Bild 2.1-2b innerhalb
Elektronen und Löchern zu einer charakteristischen Besetzungsstatistik: Die Wahr- einer Energiebreite von ungefähr kT. Elektronen mit niedrigeren Energieeigenwerten
scheinlichkeit dafür, ob und wie stark z.B. ein Elektronenzustand mit der Energie Wn Wn << WF finden (bei Anregung mit nicht zu großen Energien) nur mit geringer
(pro Elektron) besetzt ist, wird angegeben durch die Fermi-Dirac-Funktion (k ist Wahrscheinlichkeit einen unbesetzten Zustand vor), bei Energieeigenwerten mit Wn >>
die Boltzmannkonstante, s. Anhang B): WF hingegen gibt es zu wenige Elektronen, die überhaupt angeregt werden können.
In dem Bändermodell nach Bild 2.1-1 gibt es oberhalb der besetzten Bänder noch
weitere unbesetzte Energiebänder: Diese könnten zwar im Prinzip nach den Gesetzen
der Quantentheorie mit Elektronen besetzt werden, im Festkörper sind jedoch für deren
Besetzung nicht ausreichend Elektronen vorhanden. Von besonderem Interesse sind
Bild 2.1-2 (Band 2, Bild 1.2.2-2) stellt den Verlauf dieser Funktion dar. nach der vorangegangenen Betrachtung daher gerade diejenigen Bänder (oder das
Für die chemische Bindung, sowie den Ladungstransport, sind vor allem diejenigen Band), die sich in der Umgebung der Fermienergie befinden, alle anderen spielen nur in
Elektronen von Bedeutung, welche sich in den Bändern mit den höchsten Energien Spezialfällen eine Rolle.
Bild 2.1-3: Lage der Fermienergie WF im Bändermodell: WV und WL bezeichnen die Ener-
gien der Valenz- und Leitungsbandkanten, sie begrenzen jeweils das Valenz- und
Leitungsband
a) Metalle: die Fermienergie liegt innerhalb eines Bandes
Bild 2.1-2: a) Energieabhängigkeit der Fermi-Dirac-Funktion für verschiedene Temperatu- b) Halbleiter (Beispiel Silizium): die Fermienergie liegt bei T = 0 K auf dem obe-
ren: Bei 0 K hat die Funktion den Verlauf einer Stufe, bei höheren Temperaturen ren Rand des Valenzbandes, bei T > 0 K liegt sie in der Energielücke zwischen Va-
flacht der Kurvenverlauf zunehmend ab. Bei sehr niedrigen Energien Wn geht lenz- und Leitungsband
die Besetzungswahrscheinlichkeit asymptotisch gegen Eins, bei hohen gegen
Null. c) Isolator (Beispiel Quarz, SiO2): Verhältnisse wie in b), der Bandabstand Wg
nimmt jedoch besonders große Werte an.
b) Ein Richtwert für die energetische "Breite" des Übergangsgebietes in der Be-
d) Sonderfall eines Halbmetalls: Die Fermienergie liegt wie in b) oder c), Va-
setzungswahrscheinlichkeit fFD zwischen Eins und Null ist die thermische
Energie kT. lenz- und Leitungsband haben aber solche Energiewerte, daß sie sich überlappen.
Elektrisch verhält sich dieser Werkstoff daher ähnlich wie ein Metall in a).
befinden. Die Ursache dafür liegt in der Tatsache, daß Elektronen bei einer energeti- In Bild 2.1-3 werden einige typische Fälle für die Lage der Fermienergie im Bandsche-
Seite 7
ma und die Anordnung der Bänder betrachtet. Die speziellen Verhältnisse führen zur te ergibt sich unter den Randbedingungen der Boltzmannstatistik zu
Einteilung der Werkstoffe in Metalle, Halbleiter und Isolatoren.
Für die Sensorik haben alle drei Werkstoffklassen eine Bedeutung, bei den Isolatoren
insbesondere die keramischen Werkstoffe.
Die Berechnung der elektrischen Eigenschaften ist besonders einfach im Fall der Halb- Die für die Ladungsträger in Halbleitern relevanten Größen sind in dem Bändermodell
leiter, weil hier der klassische Grenzfall (Band 2, Abschnitt 1.2.3), bei dem die Fermi- in Bild 2.1-4 zusammengestellt. Da die Elektronen- und Löcherkonzentrationen (6) und
Dirac-Funktion in die mathematisch erheblich einfacher zu behandelnde Boltzmann- (7) in verschiedenen Bändern auftreten, können sie auch unabhängig voneinander vari-
funktion fB ieren und zunächst jeweils für sich ein thermisches Gleichgewicht bilden (Band 2, Ab-
schnitt 2.2). Dieses führt zur Entstehung zweier unabhängiger Quasifermienergien
WFnL für Elektronen und WFnV für Löcher (gemessen in der Energieskala für Elektro-
nen), die in (6) und (7) eingesetzt werden müssen.
übergeht, in der Praxis häufig realisiert ist. Innerhalb dieser Näherung können praktisch
alle relevanten Effekte ohne großen mathematischen Aufwand berechnet werden. Eine
allgemeinere Behandlung mit Anwendung der ungenäherten Fermi-Dirac-Statistik
führt in vielen Fällen zu vergleichsweise geringen numerischen Abweichungen, selten
aber zu qualitativ neuen Effekten. Deshalb werden – im Sinne einer qualitativen Be-
handlung – in diesem Band die Halbleiter häufig als Modellsubstanz verwendet, auch
wenn die eigentliche Sensorrealisierung bevorzugt mit anderen Werkstoffen (z.B. Me-
tallen) erfolgt. Eine quantitative Berechnung der elektrischen Eigenschaften von Metal-
len kann außerordentlich aufwendig werden, wobei in vielen Fällen die quantentheore-
tisch bestimmte dreidimensionale Bandstruktur (Band 2, Abschnitt 2.1.2) berücksich-
tigt werden muß.
Bei Metallen und Halbleitern wird die Dichte der Elektronen im Leitungsband bestimmt
durch
Bild 2.1-4: Bändermodell von Halbleitern: Zur Leitfähigkeit in Halbleitern tragen zwei La-
dungsträgersorten bei: die Elektronen und Löcher. Beide verhalten sich in vielen Fäl-
Dabei bezeichnet N(Wn) die Funktion der Zustandsdichte (Band 2, Abschnitt 1.1.3). len wie die Teilchen idealer Gase aus nicht wechselwirkenden Teilchen mit den po-
Unter den Voraussetzungen des klassischen Grenzfalls (Boltzmannstatistik) läßt sich tentiellen Energien WL (Elektronen) und WV (Löcher). Sie haben eine mittlere ki-
das Integral (5) geschlossen lösen, man erhält dann die besonders einfache Form netische Energie von 3kT/2. Aus den Teilchendichten können die Fermienergien
beider Gase nach (6) und (7) unmittelbar bestimmt werden. Im Bändermodell (mit der
Elektronenenergie als Abszisse) lassen sie sich eintragen als WFnL (Elektronen im
Leitungsband) und WFnV (Elektronen im Valenzband).
mit der effektiven Zustandsdichte NL. Diese Formel findet in vielen praktisch be- Aus einem Bändermodell wie in Bild 2.1-4 kann als weitere für alle thermische Effekte
deutsamen Fällen eine Anwendung. relevante Größe die Entropie pro Elektron Sn direkt abgelesen werden. Lösen wir
nämlich die Gleichungen (6) und (7) nach den Quasifermienergien auf:
In Halbleitern sind neben den Elektronen im Leitungsband auch fehlende Elektronen im
Valenzband (mit Energien dicht unterhalb der Valenzbandkante), die Defektelektro-
nen oder Löcher (Band 2, Abschnitt 2.2.3), von großer Bedeutung. Die Löcherdich-
Seite 8
Diese Tatsache wird bei der Auswertung thermoelektrischer Effekte verwendet werden.
Die entsprechenden Beziehungen für Löcher sind (s. Band 2, Abschnitt 2.2.4):
und vergleichen wir diesen Ausdruck mit der ursprünglichen Definition der Fermiener-
gie in (2), dann erhalten wir zunächst für Elektronen:
Auch diese Beziehung ist im Bändermodell direkt abzulesen (Bild 2.1-5). Einsetzen von
(8b) ergibt explizit für die Entropie pro Loch:
Dabei haben wir für die (innere) Energie pro Elektron Wn in (2) nach Band 2, Ab-
schnitt 2.2-4,die Summe aus potentieller Energie pro Elektron WL und mittlerer kine-
tischer Energie pro Elektron 3kT/2 eingesetzt. Die graphische Interpretation der Be-
ziehung (9) im Bändermodell zeigt, daß die differentielle Entropie Sn pro Elektron
direkt aus dem Bändermodell abgelesen werden kann (Bild 2.1-5 entsprechend Band 2,
Bild 2.2.4-4). 2.2 Stromdichtegleichungen
Haben in einem Festkörper benachbarte Bereiche 1 und 2 die unterschiedlichen Fermie-
nergien WF(1) und WF(2), dann entsteht eine treibende Kraft für eine Teilchenbewe-
gung. Die Ursache dafür liegt in der Tatsache, daß bei einem Ortswechsel pro be-
wegtem Teilchen die Entropie Sn erzeugt wird, entsprechend der Beziehung (Band
1, Abschnitt 2.2 und Band 2, Abschnitt 1.2.1)
Dabei wird die treibende Kraft Fchem für den Prozeß, die Entropieerzeugung beim Über-
gang, multipliziert mit der Temperatur des Systems und bezogen auf die vom Teilchen
zurückgelegte Wegstrecke x als chemische Kraft bezeichnet. Im Gegensatz zur Be-
handlung des Problems in den Bänden 1 und 2 kann aber in der Sensorik nicht von iso-
thermen Systemen (T = const) ausgegangen werden, d.h. der Einfluß von Tempera-
turgradienten muß berücksichtigt werden. Neben den Feld- und Diffusionskräften lie-
fern diese einen zusätzlichen Beitrag zur chemischen Kraft: die Thermokraft.
Wir wollen die Beziehung (3) zunächst für den einfachstmöglichen Fall analysieren. Le-
gen wir eine äußere Spannungsquelle an einen homogenen Leiter, dann fällt die Span-
nung linear über dem Leiter ab, es entsteht eine konstante elektrische Feldstärke (Band 1,
Abschnitt 4.1.3; Anhang C1). Zu der durch den Kristall vorgegebenen Energie Wn
tritt eine zusätzliche potentielle Energie, die sich zu den Energien der Bandkanten ad-
diert: Man erhält einen gekippten Bandverlauf mit einer (bei homogenen Systemen mit
konstanter Fermienergie) gleichermaßen gekippten Fermienergie (Bild 2.2-1).
Für den Gradienten der Fermienergie im homogenen Leiter – und damit die chemische
Kraft im isothermen Fall (T = const) erhalten wir einfach Bild 2.2-1: Bändermodell homogener Leiter ( Metall und n-Halbleiter) bei Wirkung einer von
außen angelegten elektrischen Spannung
a) Bändermodell homogener Leiter vor Anlegen der Spannung (= Potentialdifferenz)
b) Ortsabhängigkeit des elektrischen Potentials (linearer Verlauf), der elektri-
schen Feldstärke E (konstant) und der potentiellen Energie Wnfeld in einem ho-
mogenen Leiter bei Anlegen einer äußeren Spannung
c) Bändermodell nach Anlegen der Spannung
Für die Berechnung der Wirkung auf Elektronen wird das Teilchenmodell des Elek- und Bewegungsrichtungen, die innerhalb einer mittleren Stoßzeit <> miteinander
tronengases (Band 1, Abschnitt 4.1.3; Band 2, Abschnitte 1 und 2) zugrundegelegt: in Wechselwirkung (z.B. durch einen Stoß) treten und dabei sowohl die Geschwindig-
Die Elektronen verhalten sich wie Gasteilchen mit verschiedenen Geschwindigkeiten keit, als auch die Bewegungsrichtung verändern. Zwischen zwei Stößen innerhalb der
Zeit <> legen sie eine mittlere freie Weglänge <> in ihrer ursprünglichen Bewe-
gungsrichtung (bei Abwesenheit äußerer Kräfte) zurück. Die Kenngrößen <> und <
> waren in Abschnitt 2.1 bereits zur Bestimmung der "Einstellzeit" einer Fermie-
Seite 10
nergie (Zeit für den Übergang in ein lokales thermisches Gleichgewicht) herangezogen skussion in Band 1, Abschnitt 2.7.2, Band 2, Abschnitte 4.3.2 und 4.3.3).
worden. Bei Anwendung der Boltzmannäherung (2.1-4), die zu den Ausdrücken (2.1-6
Die Proportionalitätskonstante zwischen Driftgeschwindigkeit und chemischer Kraft
und 7) führte, ist das Modell des Elektronengases eine natürliche Konsequenz: Die
wird in der Elektrotechnik definiert als Quotient aus der Ladungsträgerbeweglich-
"klassische" Gasstatistik, die von ungeladenen Gasteilchen ausgeht, welche nur durch
keit und der Elementarladung |q|:
einen mechanischen Zusammenstoß miteinander wechselwirken können (also nicht
über eine Streuung, d.h. gegenseitige Ablenkung aufgrund eines langreichweitigen
Wechselwirkungsfeldes), führt zu denselben Eigenschaften wie die von Elektronen in
einem Potentialkasten (Band 1, Abschnitt 1.2.3). d.h. für den Fall des homogenen Leiters in (5 und 6) ergibt sich einfach (der Index n be-
zieht sich auf den Ladungsträger Elektron)
Unter denselben Voraussetzungen ergibt sich für die positiv geladenen Löcher (ausführ-
liche Behandlung in Band 2, Abschnitt 4.3.2)
Durch die Teilchenbewegung wird ein Teilchenstrom erzeugt, die dazugehörige Teil-
chenstromdichte j T ist nach Band 4, Abschnitt 1.2:
Die Wirkung einer chemischen Kraft auf ein Elektron wird durch die Randbedingungen
des Elektronengasmodells bestimmt: Innerhalb der Zeitspanne <> wirkt nur die
chemische Kraft auf das Elektron, nicht aber eine andere Wechselwirkung, d.h. die Be-
wegung erfolgt beschleunigt (Anhang C1, ballistische Bewegung) aufgrund des von
außen angelegten Feldes. Die Richtung der Bewegung (häufig in Richtung der chemi-
schen Kraft, bei Wirkung von Magnetfeldern beispielsweise aber nicht, [Link]
5.1.1) wird durch den folgenden Stoß umgelenkt. Erst nach mehreren Stoßprozessen,
d.h. für t >> < >, überlagert sich der zeitlich veränderlichen thermischen Geschwin-
digkeit vth eine zeitlich konstante mittlere Driftgeschwindigkeit vD, die – bei nicht
zu großen wirkenden Kräften – proportional ist zur chemischen Kraft (Bild 2.2-2, s. Di-
Seite 11
n ist in diesem Fall die (ebenfalls gemittelte) Beweglichkeit aller beweglichen Elek-
tronen in der Umgebung der Fermikante.
Man erkennt an dieser Stelle, daß die Berechnung der Stromdichte in Metallen selbst im und die elektrischen Stromdichten jn und jp zu:
einfachstmöglichen Fall bereits erhebliche Probleme aufwirft, insbesondere ist die
Kenntnis der Zustandsdichte an der Fermikante – und damit der Flächen gleicher Ener-
gie im k-Raum (Fermiflächen, Band 2, Abschnitte 2.1.2 und 2.2.1) erforderlich, was
schnell an die Grenzen des gegenwärtig vorhandenen Wissens führt. Aus diesem Grund
können viele Materialparameter metallischer Sensoren auch heute noch nur relativ un-
genau theoretisch berechnet werden, so daß weitgehend experimentell bestimmte Daten
angewendet werden müssen.
Sehr viel einfacher liegen diese Verhältnisse bei den Halbleitern, insbesondere dann,
wenn die Boltzmannäherung (2.1-4) mit den daraus resultierenden einfachen Formeln Der Gradient der Fermienergie wird auch als das von außen meßbare oder äußere
(2.1-6 und 7) angewendet werden kann (Modell des klassischen Elektronengases). elektrische Feld Ea bezeichnet:
In diesem Fall werden nur Elektronen betrachtet mit Energien weit oberhalb der Fermie-
nergie (Bild 2.1-2; Wn–WF >> kT), d.h. die Elektronen finden mit Sicherheit unbe-
setzte Zustände vor, in die sie durch Anregung über die chemische Kraft übergehen kön-
nen. Viele der bei den Halbleitern relativ einfach zu berechnenden Effekte finden sich Damit bekommen die Gleichungen (17) die Form:
auch bei Metallen wieder, wenn auch eine quantitative Übereinstimmung zwischen
Theorie und Experiment nicht erwartet werden kann.
Im folgenden werden noch einmal die relevanten Beziehungen für den allgemeinen, d.h.
nicht isothermen Fall zusammengestellt. Die chemische Kraft Fnchem und Fpchem für Elek-
tronen und Löcher ist nach (3), wenn wir die Entropie pro Elektron mit Sn (bisher allge-
meiner als Entropie pro Teilchen verwendet) und die pro Loch mit Sp bezeichnen:
Für die Entropien pro Elektron oder Loch können bei der Berechnung von Elektronen-
und Lochgasen in Boltzmann-Näherung die Ausdrücke (2.1-10 und 14) eingesetzt wer-
den.
Seite 12
3 Temperatursensoren
d.h. sie ist bei nichtverschwindendem TK unvermeidbar vorhanden.
Für die Meßgenauigkeit praktisch aller Sensoren, die für andere Meßparameter als die
3.1 Überblick Temperatur ausgelegt sind, entsteht durch die parasitäre Temperaturabhängigkeit ein li-
Die exakte Temperaturmessung gehört zu den wichtigsten und verbreitetsten Aufgaben mitierender Faktor. Dieses ist ein wichtiges Beispiel für eine Querempfindlichkeit
der Sensorik. Dabei steht nicht nur der Bedarf im Vordergrund, die Temperatur zu ken- eines Sensors, d.h. eine parasitäre Empfindlichkeit gegenüber anderen Umweltparame-
nen und darüber Regelvorgänge einzuleiten, sondern auch die Notwendigkeit, die sehr tern, die nicht gemessen werden sollen, aber sich in unvermeidbarer Weise parasitär aus-
häufig auftretende unerwünschte parasitäre Temperaturabhängigkeit vieler Effekte wirken.
zu korrigieren. Jedes System ist naturgemäß seiner Umgebungstemperatur ausgesetzt, Die große Anzahl der temperaturabhängigen physikalischen Prozesse führt auch zu ei-
die sich bedingt durch das Wetter, eine Klimatisierung oder durch Anwesenheit benach- ner großen Variationsbreite für die Verfahren und Bauelemente, die sich für eine Tem-
barter temperaturerzeugender Systeme in weiten Grenzen ändern kann. Da praktisch al- peraturmessung eignen. Sie können sich stark in dem einsetzbaren Temperaturbereich,
le physikalischen Prozesse von der Temperatur abhängen (die Temperatur ist in der ihrer Meßgenauigkeit und Zuverlässigkeit sowie in den Sensorkosten unterscheiden.
freien Energie (2.1-1) explizit enthalten!), ist eine Temperaturabhängigkeit des elektri- Tab. 3.1-1 gibt einen Überblick über die wichtigsten heute eingesetzten Temperatursen-
schen Verhaltens von Systemen prinzipiell unvermeidbar, sie kann sich nur in der Grö- soren und andere Temperaturmeßverfahren.
ßenordnung stark unterscheiden.
Tab. 3.1-1: Sensoren und Verfahren zur Temperaturmessung (nach [3.22])
Von grundsätzlicher Bedeutung ist auch die Selbstaufheizung eines stromdurchflosse-
nen Verbrauchers, bei dem die zugeführte Leistung P = U · I in die Erzeugung von
Joulescher Wärme (Band 1, Abschnitte 4.3.1 und 5.2; Band 2, Abschnitt 13.1; Band 11,
Abschnitt 1.1.6) pro Zeit (thermische Leistung) umgesetzt wird. Ein Teil dieser Wär-
meerzeugung wird durch Wärmeabführung nach außen (charakterisiert durch den Wär-
mewiderstand Rth, s. Band 1, Abschnitt 4.3.1) wieder abgegeben. Die Kontinuitäts-
gleichung für die Wärmeenergie ergibt dann bei einer Umgebungstemperatur Tu im
stationären (eingeschwungenen, d.h. zeitlich konstanten) Zustand die Temperatur:
Bei positivem Vorzeichen von T spricht man von einem positiven (PTC), sonst von
Seite 13
Kennzeichnend für diese Gleichungen ist daß der Stromfluß von Elektronen und Lö-
chern aufgrund des Feldes mit verschiedenem, aufgrund des Konzentrationsgradien-
ten aber mit gleichem Vorzeichen erfolgt. Aus (1) folgt, daß im isothermen Fall ein
Teilchstromfluß nur dann stattfinden kann, wenn ein Gradient der Fermienergie vor-
liegt. Ein Unterschied der Fermienergien an zwei Orten x1 und x2 eines Systems ist
Nach dem Umsatzwert (nicht nach der Stückzahl!) gingen 1985 in den USA 2/3 der damit ein notwendiges und hinreichendes Kriterium für das Vorhandensein einer trei-
Temperatursensoren in industrielle Anwendungen und jeweils zwischen 5 und 9% in die benden Kraft, die einen Stromfluß bewirkt, sofern die Ladungsträgerdichte und die
Anwendungsgebiete Luft- und Raumfahrt, Konsumgüter und Energieeinsparung und Beweglichkeiten (beide werden in der spezifischen Leitfähigkeit sp zusammenge-
die Automobiltechnik; eine solche Aufteilung kann sich aber in Abhängigkeit von der faßt) hinreichend große Werte haben. Das ist charakteristisch für eine Spannungs-
technischen Entwicklung schnell ändern. quelle, wie z.B. eine elektrische Batterie: Auch sie bietet an den Polen zwei Fermie-
Wegen der fundamentalen Bedeutung der Temperaturmessung beschäftigt sich die For- nergien mit konstanter Differenz an. Entsprechend der Vorzeichenkonvention im Band
schung und Technik seit ihren Anfängen mit Temperatursensoren und anderen Tem- 11, Abschnitt 1.2.2, setzen wir
peraturmeßverfahren. Heute gilt dieses Gebiet der Sensorik als weitgehend "ausge-
reizt", d.h. die vorhandenen Realisierungsmöglichkeiten können den Bedarf im allge-
meinen gut abdecken. Zunehmend an Bedeutung gewonnen hat aber erst in den letzten
Jahren eine frequenzanaloge (s. Tab. 1.1) Temperaturmessung mit Schwingquarzen
(Abschnitt 3.6), die in Verbindung mit einer hochentwickelten Elektronik zu einer bis-
her nicht gekannten Meßgenauigkeit führte. Noch in einem relativ frühen Stadium be- Ua kennzeichnet die der Fermienergie zugeordnete äußere elektrische Spannung.
finden sich weiterhin faseroptische Systeme für die Temperaturmessung (Abschnitt Diese Spannung kann z.B. über ein Voltmeter direkt gemessen werden: Auch in diesem
Fall sorgt die Differenz der Fermienergien für einen Stromfluß durch das Voltmeter, was
6.8).
die Spannungsanzeige bewirkt. Differenzen der Fermienergien führen also immer
zu von außen meßbaren Spannungen Ua. Bei Vorliegen von Gradienten der von
außen meßbaren Spannung Ua entstehen von außen meßbare elektrische Felder Ea
gemäß (2.2-19); für die Voraussetzungen in (3) gilt dann:
Seite 14
In Festkörpern gibt es auch Spannungen, die nicht von außen meßbar sind: Werden
die Energien der Bandkanten als potentielle Energie (= Produkt aus Ladung und elektri-
schem Potential) der Ladungsträger interpretiert, dann kann ihnen eine Spannung U zu-
geordnet werden über die Definition:
Von dieser Definition war bereits beim Übergang von (1) auf (2) mit Hilfe von (2.2-5)
Gebrauch gemacht worden. Der wichtige Unterschied zwischen (4a) und (4b) liegt aber
darin, daß auch bei Anwesenheit von inneren elektrischen Feldern E nach (4b) auf-
grund der Gleichungen (2) der Stromfluß Null sein kann (wenn der Feldstrom durch ei-
nen entgegengesetzt gerichteten Diffusionsstrom exakt kompensiert wird); in diesem
Fall verschwindet in (1) der Gradient der Fermienergie, d.h. es liegt kein von außen meß-
bares Feld nach (4a) vor, obwohl ein inneres Feld vorhanden ist. Dieser Fall tritt in der
Praxis häufig auf, z.B. bei Halbleiterübergängen im thermischen Gleichgewicht (Band Bild 3.2.1-1 Thermoelektrische Effekte an einem Elektronenleiter 1 (thermoelektrisch aktiv,
2, Abschnitt 5): die inneren Felder sind mit den dort auftretenden Raumladungen über Fall I) und einer Serienschaltung desselben Elektronenleiters 1 mit einem zweiten
die Poissongleichung verknüpft. hypothetischen thermoelektrisch nicht aktiven Elektronenleiter 2 (Fall II): Nur im
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß alle Bauelemente, welche die Funktion ei- Fall II tritt bei x1 mit der Temperatur T1 eine von außen meßbare Differenz der Fer-
mienergien auf.
ner Spannungsquelle haben, wie auch die elektrischen Batterien selber, unter isother-
Dargestellt sind:
men Bedingungen an ihren Polen eine Differenz der Fermienergien WF aufweisen
a) Aufbau des Meßsystems
müssen, daraus resultiert eine Differenz der äußeren (von außen meßbaren) Spannung
b) Ortsverlauf der Temperatur
Ua, die mit einer von außen meßbaren elektrischen Feldstärke Ea verknüpft ist. Die
c) dazugehörige Ortsabhängigkeit der Fermienergie für Elektronenleitung in einem
Existenz von inneren Feldern braucht dagegen keineswegs zu von außen meßbaren n-Halbleiter: Wir gehen aus von Gleichung (2.1-8a)
Spannungen zu führen. An dieser Aussage kann die fundamentale Bedeutung der Fer-
mienergie als Maßstab für die in einem elektrischen System fließenden Ströme er-
kannt werden.
Bei Anwesenheit von Temperaturgradienten ändert sich die oben beschriebene und setzen eine ortsunabhängige Dotierung der Konzentration n << NLan (WL und NLwerden als
Bedeutung der Fermienergie grundsätzlich: Nach (2.2-14 und 16) gilt z.B. für konstant angenommen): In diesem Fall ergibt sich bei einem Temperaturverlauf
Elektronen: wie in b) ein linearer Abfall der Fermienergie mit dem Ort.
d) Ortsabhängigkeit der Fermienergie für Löcherleitung in einem p-Halbleiter:
Wir gehen aus von Gleichung (2.1-8b)
Dabei bezeichnet WF(n)L die für die Elektronen im Leitungsband bestimmende Quasi-
und setzen ortsunabhängige Dotierung p an (WV und NV werden als konstant angenommen): In
diesem Fall ergibt sich bei einem Temperaturverlauf wie in b) ungefähr ein linearer
Anstieg der Fermienergie mit dem Ort.
Seite 15
fermienergie. Bei einem n-Leiter im thermischen Gleichgewicht entspricht sie der Fer- Verbindung der beiden Schenkel des Thermoelements: Dort können sich ursprünglich
mienergie WF des Leiters. vorhandene Unterschiede in der Größe der Fermienergie durch Elektronenübergänge
ausgleichen, dieses erfolgt durch den Aufbau von Raumladungen (Band 1, Abschnitt
Auch bei Anwesenheit eines Gradienten der Fermienergie kann nach (5) beim Auftreten
2.8.3; Band 2, Abschnitt 5) innerhalb einer außerordentlich kurzen Zeit. In Bild
von Temperaturgradienten der Stromfluß verschwinden, wenn nämlich der Tempera-
3.2.1-1 können wir daher die Kurven mit den Ortsabhängigkeiten der Fermienergien der
turgradient gerade so groß ist, daß der zweite Term in der Klammer von (5) den ersten
Leiter 1 und 2 bei x2 miteinander verbinden, dieses ist eine der Voraussetzungen für
kompensiert (Bild 3.2.1-1, Fall I). In diesem Fall treten – trotz Anwesenheit einer äuße-
die Gültigkeit von (6c).
ren Feldstärke nach (4a) – keine von außen meßbaren elektrischen Spannungen und Fel-
der auf. Das Auftreten einer äußeren Spannung nach der Definition (3) setzt also Für den Fall II in Bild 3.2.1-1 ergibt sich, daß wir bei x1 unter der Randbedingung
voraus, daß beide Spannungspole dieselbe Temperatur haben! Anders sieht die Si- einer konstanten Temperatur T1 eine Differenz WF(1)(x1) - WF(2)(x1) der Fermiener-
tuation aus, wenn hinter den thermoelektrisch aktiven (Thermokraft ungleich Null) gien vorfinden, d.h. wir haben eine Spannungsquelle erzeugt, welche im Prinzip diesel-
Leiter in Bild 3.2.1-1 ein zweiter hypothetischer thermoelektrisch nicht aktiver (Ther- be Funktion wie eine elektrische Batterie einnehmen kann! In diesem Fall entsteht eine
mokraft ungefähr Null, d.h. Sn ≈0, s. Bild 3.2.1-1, Fall II) Leiter geschaltet wird: Im elektromotorische Kraft (EMK, s. Anhang C1), die grundsätzlich auch einen elek-
stromlosen Fall (Leerlauffall: Am Ort x1 werden die Thermoelemente nicht durch ei- trischen Verbraucher antreiben kann (s. Abschnitt 3.2.4). Die Differenz der Fermiener-
nen elektrischen Verbraucher belastet) folgt dann aus (5): gien läßt sich in die Differenz einer äußeren Spannung umrechnen über
Der durch (8) definierte Seebeck-Koeffizient wird auch als Thermokraft bezeich-
net, er hat die Dimension Volt pro Kelvin (die Bezeichnung Kraft ist daher unglück-
lich gewählt). Das über dem Leiter 1 in Bild 3.2.1-1 abfallende äußere elektrische Feld
läßt sich im Leerlauffall ausdrücken über den Seebeck-Koeffizienten durch:
d.h. unter denselben Bedingungen wie in Bild 3.2.1-1 ergibt sich bei einer Serienschal-
Die Übergangsbedingung WF(1)(x1) = WF(2)(x1) entsteht durch die elektrische leitende
tung des p-Leiters mit einem thermoelektrisch inaktiven Leiter im Leerlauffall bei einer
Seite 16
Die effektiven Zustandsdichten NV und NL sind nach Band 2, Abschnitte 1.2.3 und
2.2.4, relativ schwach temperaturabhängige Größen, d.h. für Ladungsträgerdichten n
d.h. die Seebeck-Koeffizienten von elektronen- und löcherleitenden Halbleitern ha- und p, die bei dotierten Halbleitern im Sättigungsbereich (Band 2, Bild 4.2-6) mit
ben ein entgegengesetztes Vorzeichen! den entsprechenden temperaturunabhängigen Dotierungskonzentrationen D und A
Die hier für Elektronen- und Lochgase in Halbleiterwerkstoffen hergeleiteten Ergebnis- übereinstimmen, ergeben sich fast temperaturunabhängige Seebeck-Koeffizienten.
se lassen sich sinngemäß auch auf Werkstoffe übertragen, bei denen die Boltzmannähe- Nach den in Bild 2.1-5 beschriebenen Gleichungen muß dann die Fermienergie eines
rung nicht gilt, d.h. für entartete Halbleiter (mit so hohen Ladungsträgerkonzentrati- Halbleiters, welcher die genannten Vorbedingungen erfüllt, etwa linear mit der Tem-
onen, daß anstelle der Boltzmann- die Fermi-Dirac-Statistik angewendet werden muß) peratur abfallen (n-Leiter) oder zunehmen (p-Halbleiter), wie auch in Bild 3.2.1-1 dar-
sowie Metalle und leitfähige Keramiken, allerdings sind dann die Seebeck-Koeffizien- gestellt. Dieser Verlauf wird in der Praxis in brauchbarer Näherung bestätigt (Bild 3.2.1-
ten weit aufwendiger zu berechnen. Auch bei diesen Werkstoffen gibt es eine p– und n- 3).
artige Leitfähigkeit mit unterschiedlichem Vorzeichen der Seebeckkoeffizienten (s.u.).
Die Messung des Vorzeichens der Thermokraft ist ein einfaches und daher praktisch be-
deutsames Verfahren zur Bestimmung des Ladungsträgertyps in einem unbekannten
Leiter, das sich wegen der Größe der auftretenden Effekte besonders für Halbleiter
Seite 17
Bei einer genaueren Betrachtung der thermoelektrischen Effekte müssen weitere Ein-
flüsse berücksichtigt werden [3.4]:
Die Größenordnung des Seebeck-Koeffizienten ist k/|q| =86,6 V/K, dieser Wert
kann bei Halbleitern durch eine niedrige Dotierung erheblich vergrößert werden. Wie
aus Bild 3.2.1-3 zu erwarten, nimmt der Seebeck-Koeffizient bei hohen Temperaturen
und Beginn der Eigenleitung ab auf kleine Werte (Bild 3.2.1-5):
Tab. 3.2.1-1: Thermoelektrische Daten von Halbleitern und Metallen aus verschiedenen Quellen
(nach [3.4 und 3.7]). Z ist eine in Abschnitt 3.2.4 definierte Gütezahl
Die Seebeck-Koeffizienten von Metallen und vielen Halbleiterverbindungen liegen
deutlich niedriger als die von schwach dotiertem Silizium (Tab. 3.2.1-1). Die verschie-
denen Werkstoffe lassen sich in einer thermoelektrischen Spannungsreihe nach der Grö-
ße ihrer Seebeck-Koeffizienten anordnen, wobei willkürlich Blei oder Platin als Refe-
renzwerkstoff gewählt werden können (Bild 3.2.1-6):
nisch als Referenzwerkstoff eingesetzt. Dargestellt ist die mittlere Thermospan- Analog zu Bild 3.2.1-1 ergibt sich dadurch eine vergrößerte oder verkleinerte Differenz
nungsänderung zwischen 0 und 100°C (nach [3.8]) der Fermienergien bei T1 (Thermospannung). Bild 3.2.2-1 zeigt die verschiedenen
Die Abhängigkeit der an einem geschlossenen Stromkreis (wie z.B. in Bild 3.2.1-2) Möglichkeiten.
an einem Ort konstanter Temperatur gemessenen äußeren Spannung von der durch den
Stromkreis fließenden Stromdichte läßt sich durch Integration der Gleichungen (5) und
(10) entlang des Stromkreises durchführen. Eine ausführlichere Diskussion dieses Pro-
blemkreises für den isothermen Fall (2) war in Band 2, Abschnitt 7.2.1, im Zusammen-
hang mit dem Stromfluß über eine Barriere nach dem thermionischen und Diffusionsmo-
dell durchgeführt worden.
Für einen monopolaren Elektronenleiter erhält man aus (5) bei einer Integration von
x1 (Anfang des Stromkreises) bis x2 (Ende des Stromkreises):
Die quantitative Auswertung erfolgt bei Thermoelementen durch Integration der Strom-
dichtegleichung unter den Voraussetzungen von (3. 2.1-19), wobei vom Leerlauffall
jnT= 0 ausgegangen wird. Wie bereits in Abschnitt 3.2.2 ausgeführt, hat Ua nur dann
die Bedeutung einer von außen meßbaren Spannung, wenn die beiden freien Enden des
Thermoelements auf derselben Temperatur liegen. Die Integration kann dabei über eine
beliebige Folge hintereinander geschalteter Leiter mit unterschiedlichem thermoelek-
trischen Verhalten durchgeführt werden. Für ein Zweileiter-Thermoelement wie in Bild
3.2.2-1 ergibt sich dann mit den entsprechenden Seebeck-Koeffizienten s(i):
den. Nach den Daten in Abschnitt 3.2.1 wären hierfür im Prinzip niedrig dotierte Halb-
leiter am besten geeignet. Dennoch werden solche Thermoelemente nur in wenigen Son-
derfällen eingesetzt aus den folgenden Gründen:
– Die Orte für die Messung und die Festlegung der Referenztemperatur T1 sollten in
großem räumlichen Abstand vom Ort der Meßtemperatur gewählt werden, weil an-
derenfalls eine gegenseitige Beeinflussung durch Wärmeleitung zu einer Verfäl-
schung der Meßergebnisse führt.
– die Zuleitungen zum Meßpunkt sollten robust und mechanisch beanspruchbar
sein, dabei sollten störanfällige Übergänge zwischen unterschiedlichen Werkstoffen
Bild 3.2.2-3 Praktisch wichtige Kombinationen von Metallen und Metallegierungen für die
vermieden werden. Herstellung von Thermoelementen. Eingetragen ist weiterhin die maximal zuläs-
Beide Randbedingungen lassen sich bei Anwendung von Halbleiterwerkstoffen nicht sige Betriebstemperatur (nach [3.9]).
erfüllen: Die Überbrückung größerer räumlicher Entfernungen mit halbleitenden elek-
trischen Leitern ist unmöglich, da die Abmessungen von Halbleiterbauelementen in der Tab. 3.2.2-1 Eigenschaften wichtiger Thermoelement-Werkstoffe (nach [3.10]).
Regel auf die Größe der Einkristallscheiben (Band 2, Abschnitt 8.1) beschränkt sind,
außerdem sind die Halbleiterwerkstoffe meist spröde und damit bruchanfällig. Das tech-
nologische Problem der Herstellung von Halbleiter-Metallkontakten, die auch bei höhe-
ren Temperaturen (z.B. 500 °C) noch stabil sind, ist heute immer noch problematisch.
Vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten von Halbleiterthermoelementen erge-
ben sich aber im Bereich der Bolometer (Messung einer Strahlungsintensität über eine
Temperaturerhöhung im Sensor, Bild 3.2.2-2, s. auch Abschnitt 6.3).
Sehr negativ auswirken können sich parasitäre Thermospannungen in Halbleiterbau-
elementen, z.B. in integrierten Schaltungen. Gerade bei hochverstärkenden Bauelemen-
ten sind daher eine sorgfältige Kompensation solcher Spannungen, sowie Maßnah-
men zur Unterdrückung thermisch generierter Instabilitäten (z.B. Neigung zu parasitä-
ren Schwingungen) unbedingt erforderlich.
Im Gegensatz zu den Halbleiterwerkstoffen kann eine Vielzahl reiner Metalle und Me-
tallegierungen die obengenannten Kriterien für die Herstellung praktisch einsetzbarer
Thermoelementen erfüllen: Die plastisch leicht verformbaren (Band 1, Abschnitt 3.2.1)
Metalle lassen sich gut zu Drähten verarbeiten, bei denen auch nach intensiver me-
chanischer Beanspruchung (Zug, Druck, Biegung u.a.) nur in ungünstigen Fällen ein
Bruch (Band 1, Abschnitt 3.5) auftritt. Über langgestrecke Metalldrähte lassen sich auch
größere Entfernungen niederohmig überbrücken. Die Isolation der beiden Thermoele-
mentdrähte gegeneinander kann durch Keramikröhrchen erfolgen. In Bild 3.2.2-3 und
Tab. 3.2.2-1 sind die Daten verschiedener praktisch wichtiger Thermoelementkombina-
tionen von Metallen und Metallegierungen zusammengestellt.
Seite 22
Bild 3.2.2-4 und Tab. 3.2.2-2 geben die Thermospannungen wichtiger Thermoelemen- Tab. 3.2.2-2: Grundwerte der Thermospannungen in mV (nach [3.10])
tenkombinationen über den zulässigen Temperaturbereich an.
Bild 3.2.2-4: Abhängigkeit der Thermospannung von der Temperatur für häufig verwendete
metallische Thermoelemente (nach [3.8])
a) Kennlinien oberhalb 0 °C
b) Kennlinien unterhalb 0 °C
Seite 23
Bild 3.2.2-6 Grenzabweichungen für Thermoelemente nach DIN-IEC 584-2 (nach [3.1]).
Ein großer Vorteil für die Anwendung von Thermoelementen als Temperatursensoren
liegt in dem hohen zulässigen Temperaturbereich (Tab. 3.2.2-3). Noch höhere Ein-
Bild 3.2.2-5 Temperaturabhängigkeit des Seebeckkoeffizienten unterschiedlicher Werkstoffe, satztemperaturen bis ca. 2000 °C lassen sich mit Wofram-Molybdän- und Wolfram-
gemessen gegen Platin (einer der beiden Leiter des Thermoelements besteht aus Pla-
tin, nach [3.8]) Rhenium-Thermoelementen erzielen.
Der Dauerbetrieb von Thermoelementen bei sehr hohen Temperaturen ist nicht unpro-
blematisch, da sich unter diesen Bedingungen die Korngrenzenstruktur (Rekristallisa-
tion, s. Band 1, Abschnitt 3.3), der Ordnungszustand der Legierung (s. Band 1, Abschnitt
4.2) und die Legierungszusammensetzung ändern kann (durch Aus- und Eindiffusion
Für die Temperaturabhängigkeit der Thermospannung gibt es genormte Werte (interna-
von Legierungskomponenten und Verunreinigungen, s. Bild 3.2.2-7), dabei können sich
tional IEC-Publikation 584-1, in Deutschland DIN-IEC 584-1 mit Grenzabweichungen
Verunreinigungen im ppm-Bereich auswirken.
in der ergänzenden Vorschrift 584-2, s. Bild 3.2.2-6). Diese Vorschriften gelten jeweils
Seite 24
Vor dem Eichen neu hergestellter Thermoelemente empfiehlt sich daher eine ausge- Bild 3.2.2-9 zeigt verschiedene Ausführungs- und Einbauformen von
dehnte Temperbehandlung zur Stabilisierung der Werkstoffparameter. Thermoelementen.
*) Daneben bestehen unterschiedliche Farbkennzeichnungen nach nationalen Standards, so BS 1843, ANSI/MC 96.1,
NFC 42-323, JIS C1610-1981. Eine einheitliche Norm zur Farbkennzeichnung für Ausgleichsleitungen befindet sich im
Entwurf (DIN IEC 65B (CO) 63, Teil 4).
Zusammenfassend ergeben sich die folgenden Vor- und Nachteile von Thermoelemen-
ten:
Vorteile:
– keine externe Stromversorgung erforderlich
– einfaches und überschaubares Meßsystem
– mechanisch relativ stark beanspruchbar
– vergleichsweise kostengünstig
– große Breite der einsetzbaren Werkstoffe
– ein großer Temperaturbereich kann abgedeckt werden Bild 3.2.3-1 Temperaturmessung mit Thermoelementen bei Berücksichtigung der Tatsache,
daß die Temperaturen T(1) (2)
1 und T1 an den Eingangsklemmen des Meßinstruments
verschieden sein kann von der Temperatur To des Meßinstruments
Nachteile: a) Aufbau der Meßschaltung: Wir nehmen an, daß die Zuleitungen zwischen Ein-
– nichtlineare Temperaturkennlinie gangsklemmen und Meßinstrument aus Kupfer bestehen, außerdem gehen wir zu-
– kleine Ausgangsspannungen nächst von einem Eisen (Seebeck-Koeffizient wie p-Leiter)-Konstantan (See-
– Referenztemperatur erforderlich (s. folgender Abschnitt) beck-Koeffizient wie n-Leiter)-Thermoelement aus.
– weniger langzeitstabil als andere Temperatursensoren b) Ortsverlauf der Fermienergie für T(1) (2)
1 , T1 < T2 und die Randbedingungen
(1) (2) (1) (2)
T1 = T1 (durchgezogen) und T1 > T1 (gestrichelt).
– weniger empfindlich als andere Temperatursensoren.
Seite 27
Die Berechnung der Thermospannungen in Bild 3.2.3-1 kann durchgeführt werden wie in
(3.2.2-1…4), dabei wird der in Bild 3.2.3-1b eingezeichnete Integrationsweg gewählt.
Bild 3.2.3-3 Definierte Festlegung der Referenztemperatur T1 durch Messung der Temperatur
des isothermen Blocks, beispielsweise über einen Widerstands-Temperatursensor
(Abschnitt 3.3)
Aus (32) folgt ein wichtiges Resultat: Nur wenn die beiden Temperaturen T(1)1 und
(2)
T1 an den Eingangsklemmen des Meßinstruments gleich sind, ergibt die Messung
sinnvolle Werte, da
– nur in diesem Fall T1 als Referenztemperatur zu T2 definiert ist
– die Temperatur To am Meßinstrument nicht eingeht (die Fermienergien der durch-
gezogenen Kurve in Bild 3.2.3-1b verlaufen zwischen To und T1 parallel)
Es ist also für eine genaue Messung zwingend erforderlich, daß die beiden Eingangs-
klemmen auf derselben Temperatur T1 liegen. Dieses kann dadurch erreicht werden,
daß man die Übergänge zwischen den Thermoelementen und den Kupfer-Eingangs-
klemmen in einen isothermen Block (z.B. einen Klotz aus einem gut wärmeleitenden
Bild 3.2.3-4 a) Festlegung der Referenztemperatur durch ein Temperaturnormal (Temperatur
Material wie Kupfer) legt (Bild 3.2.3-2).
schmelzenden Eises). Die Berechnung der Thermospannung bei To erfolgt
analog zu (3):
Bild 3.2.3-2 Temperaturmessung mit einem Thermoelement und einem isothermen Block, d.h. dieselbe Beziehung wie (3) mit T1 = Tref. Die Temperatur To des Meßinstruments geht nicht ein.
über den die Temperaturen der Eingangsklemmen zum Meßgerät auf demselben b) Ein äquivalentes Meßverfahren ergibt sich also dadurch, daß man den isother-
Wert gehalten werden. Nach (2) ergibt sich dann als Thermospannung im Meßgerät: men Block mit den beiden Thermoelementübergängen auf Kupfer (der Block
kann dann weggelassen werden) in ein Eisbad taucht: In diesem Fall wirkt das Eis-
bad gleichzeitig als isothermer Block.
Seite 28
Der Meßaufbau in Bild 3.2.3-2 hat den Nachteil, daß die Thermospannung nur dann aus-
gewertet werden kann, wenn die Referenztemperatur T1 bekannt ist, d.h. diese muß
3.2.4 Leistungsthermoelemente
durch einen zusätzlichen Sensor gemessen werden (Bild 3.2.3-3). Die Korrektur der
Thermospannung mit der Temperatur T1 kann in einem Rechner erfolgen. Wie im Abschnitt 3.2.1 dargelegt, erzeugen Thermoelemente bei Wirkung eines Tem-
peraturgradienten eine EMK, mit welcher ein Stromfluß durch einen Verbraucherwi-
Um die Messung zu vereinfachen und eine Rechnerkorrektur einzusparen, kann die Re-
derstand erzeugt werden kann. Damit können Thermoelemente als Stromgeneratoren
ferenztemperatur auch durch ein physikalisch vorgegebenes Temperaturnormal, z.B. die
eingesetzt werden; die für diese Anwendung optimierten Bauelemente werden als Lei-
Temperatur von schmelzendem Eis (ca. 0 °C) vorgegeben werden (Bild 3.2.3-4). Die
stungsthermoelemente oder thermoelektrische Generatoren bezeichnet. In Tab.
Bereitstellung eines Eisbandes, in welches ständig Eis nachgefüllt werden muß, ist zwar
3.2.4-1 sind verschiedene Ausführungsformen und Anwendungsgebiete zusammenge-
technisch simpel, aber unbequem. Man kann das Eisbad auch durch eine gesteuerte
stellt, Bild 3.2.4-1 zeigt die Konstruktion eines flammenbeheizten Stromgenerators.
Spannungsquelle ersetzen, wenn man von einer Schaltung wie in 3.2.3-4a ausgeht und
über eine elektronische Schaltung dieselbe Thermospannung erzeugt, die an dem Ther-
moelement zwischen Eistemperatur und Blocktemperatur entsteht (Bild 3.2.3-5).
Bild 3.2.3-5 Ersatz des Eisbades zur Erzeugung der Referenztemperatur durch eine gesteuerte
Spannungsquelle.
a) Erweiterung des isothermen Blocks in Bild 3.2.3-4a. Die Funktion des Eisba-
des ist die Erzeugung einer Spannung, die durch die Thermospannung des Eisen-
Konstantan-Thermoelements zwischen Eisbadtemperatur und Temperatur T1
des isothermene Blocks definiert wird. Diese Spannung kann bei bekanntem T1
auch für jede Thermoelementkombination berechnet und elektronisch erzeugt
werden.
b) Einspeisung der elektronisch erzeugten Referenzspannung in die Meßschal-
tung des Thermoelements. Die Messung der Temperatur T1 des isothermen
Blocks kann im Funktionsumfang der integrierten Schaltung enthalten sein, wel-
che auch die Referenzspannung erzeugt.
Seite 29
Als Maßstab für die Leistungsfähigkeit eines Thermoelements als Stromgenerator dient
die Umwandlungseffizienz oder der Umwandlungswirkungsgrad
Die Umwandlungseffizienz wird optimal, wenn gilt [3.7]: Bild 3.2.4-2 Umwandlungswirkungsgrad in Abhängigkeit von der Temperaturdifferenz am
Leistungsthermoelement und der in (2c) definieren Gütezahl (nach [3.7])
Die Gütezahl ergibt sich als Maximum einer Kurve, die sich aus drei Größen zusammen-
setzt:
– der Seebeck-Koeffizient s muß möglichst groß sein, damit hohe Thermospan-
nungen entstehen
– die elektrische Leitfähigkeit muß möglichst groß sein, damit der Stromfluß mit
geringen ohmschen Leitungsverlusten erfolgt
– die Wärmeleitfähigkeit muß möglichst niedrig sein, damit durch die nicht nutz-
bringende Wärmeleitung möglichst wenig Wärmeenergie verloren geht.
Dabei gibt s die Seebeck-Koeffizienten, sp den spezifischen Widerstand, sp die Bild 3.4.2-3 zeigt die drei Werkstoffgrößen in Abhängigkeit von der Ladungsträgerkon-
spezifische Leitfähigkeit und die Wärmeleitfähigkeit an, der obere Index bezeich- zentration.
net jeweils die n- oder p-Seite des Thermoelements. Z wird auch der Gütefaktor (fi-
gure of merit) genannt. Bild 3.2.4-2 zeigt die Abhängigkeit des Umwandlungswirkungs-
grades von der Temperaturdifferenz für verschiedene Gütefaktoren:
Seite 30
Bild 3.2.4-3 a) Seebeck-Koeffizient s spezifische Leitfähigkeit sp und das Produkt s· sp
in Abhängigkeit von der Konzentration freier Ladungsträger sp nach [3.7]).
b) Wärmeleitfähigkeit in Abhängigkeit von der Konzentration freier Ladungsträ-
ger n nach [3.7]).
Bild 3.2.4-4 Temperaturabhängigkeit der Gütezahl bei den für den Aufbau von Leistungsther-
Werkstoffdaten für die Gütezahl Z waren bereits in der Tab. 3.2.1-1 enthalten. In Tab. moelementen am besten geeigneten Werkstoffen (nach [3.7])
3.4.2-2 und Bild 3.4.2-4 sind weitere Kenngrößen zusammengestellt. a) n-Leiter b) p-Leiter
Tab. 3.2.4-2 Eigenschaften thermoelektrischer Werkstoffe (nach [3.7] Bild 3.2.4-5 zeigt den Aufbau eines thermoelektrischen Generators auf der Basis von
Germanium-Silizium (GeSi-) Mischkristallen. Tab. 3.4.2-3 gibt einen Überblick über
die Leistungsdaten einiger bisher realisierter Thermogeneratoren, deren Wärmezufuhr
über Kernreaktoren erfolgt.
Seite 31
Bild 3.2.4-5 Aufbau eines Germanium-Silizium-Thermogenerators für den Betrieb bei 1000oC in
Luft (nach [3.12])
Tab. 3.2.4-3 Thermoelektrische Systeme mit Beheizung aus Kernreaktoren (nach [3.7])
60 — — 3.3.1 Temperaturabhängige Widerstände 61
Aus der Kontinuitätsgleichung (Band 4, Abschnitt 1.5) folgt für den zeitlich einge-
schwungenen Zustand:
Dabei wird ein quaderförmiger Widerstand der Länge d mit dem Querschnitt A zu-
grundegelegt. Ua ist die am Widerstand anliegende äußere Spannung. Gehen wir von
der elektrischen Stromdichte jn über auf den elektrischen Strom (bzw. die Stromstär-
ke) In, dann folgt
mit dem elektrischen Widerstand R (s. Band 1, Abschnitt 4), der sich nach (5) aus dem
62 3.3 Resistive Temperatursensoren 3.3.1 Temperaturabhängige Widerstände 63
Produkt eines werkstoff- und eines geometrieabhängigen Terms ergibt. Die Tempe- Widerstands-TKsp von Metallen ist dann positiv (Bild 3.3.1-1). Aus diesem Grund
raturabhängigkeit des Widerstandes entsteht durch den Temperatureinfluß aller Grö- werden Temperatursensoren mit Metallwiderständen auch als PTC-Widerstände be-
ßen, wobei die Temperaturabhängigkeit der geometrischen Abmessungen (z.B. als zeichnet.
Konsequenz der thermischen Ausdehnung, s. Band 1, Abschnitt 5.3) im folgenden
vernachlässigt wird. Für diese Voraussetzung folgt
Ein ganz anderes Verhalten als die Metalle weisen die Halbleiterwerkstoffe auf: Hierbei
lassen sich über verschiedene experimentelle Verfahren (z.B. den Halleffekt, s. Ab-
schnitt 5.1.1) die beiden Einflußgrößen im spezifischen Widerstand, die Ladungsträger-
dichte und die Ladungsträgerbeweglichkeit unabhängig voneinander messen. Der
Temperaturkoeffizient von beiden ist stark abhängig vom Temperaturbereich (Bild
3.3.1-2).
Im folgenden wird die Temperaturabhängigkeit elektrischer Widerstände aus den ver-
schiedenen Werkstoffgruppen über diese Formeln interpretiert. Bei der Temperaturabhängigkeit der Ladungsträgerdichte von Halbleitern (Bild 3.3.1-
2a) ergibt sich im Bereich sehr niedriger Temperaturen (meist weit unter 0oC) ein re-
Bei den Metallen ändert sich die Elektronendichte im allgemeinen nur wenig mit der
lativ großer positiver TK, der durch die thermische Aktivierung von Ladungsträgern in
Temperatur, allerdings nimmt wegen der Verbreiterung der Fermi-Dirac-Verteilung
Störstellenniveaus hinein oder aus diesen heraus entsteht (s. Band 2, Abschnitt 4.2). In
("Aufbrechen der Fermikante") die für die Leitfähigkeit maßgebende effektive La-
einem mittleren Temperaturbereich bis hin zu Werten von z.B. 200oC ist die Ladungsträ-
dungsträgerdichte eff (2.2-13) mit der Temperatur zu (positiver Beitrag zum Leitfä-
gerdichte weitgehend konstant, d.h. der Ladungsträger-TK nahezu Null: Alle flachen
higkeits-TKsp). Auf der anderen Seite nimmt die Ladungsträgerbeweglichkeit in der Störstellenzustände sind ionisiert, die intrinsische Leitfähigkeit (Band 2, Abschnitt
Regel mit der Temperatur ab (negativer Beitrag zum Leitfähigkeits-TK), da die Elek- 2.2.4) spielt noch keine Rolle. Bei höheren Temperaturen nimmt der positive Ladungs-
tronen an Gitterschwingungen (Phononen) gestreut werden, d.h. die beiden Terme in (9) träger-TK stark zu, er wird durch den halben Bandabstand als Aktivierungsenergie
haben entgegengesetzte Temperaturkoeffizienten und kompensieren sich teilweise, wo- eines Exponentialterms bestimmt.
bei aber der negative Beitrag zum Leitfähigkeits-TK im allgemeinen überwiegt: Der
64 3.3 Resistive Temperatursensoren 3.3.1 Temperaturabhängige Widerstände 65
Werkstoffen (nach [3.15]) Drähte und Dünnschichten aus reinen Metallen und Metallegierungen werden in gro-
ßem Maßstab für die Herstellung von ohmschen Widerständen eingesetzt (Band 1, Ab-
Auch bei den Keramiken führt ein durch die Beweglichkeit bestimmter spezifischer schnitt 4.3.2). Hierbei steht allerdings die Forderung nach einem möglichst geringen
Widerstand meist zu einem positiven Widerstands-TK (negativer TK für die spezifi- (gelegentlich auch einem fest definierten niedrigen) Temperaturkoeffizienten im
sche Leitfähigkeit), ein durch die Ladungsträgerdichte bestimmter hingegen zu ei-
nem negativen Widerstands-TK (positiver TK für die spezifische Leitfähigkeit). Alle
diese Effekte lassen sich im Prinzip zur Herstellung keramischer Temperatursensoren
ausnutzen.
Durch Herstellung von Mischkristallen aus mehr und weniger leitfähigen Keramiken
läßt sich der TK häufig kontinuierlich variieren (Bild 3.3.1-4 ), eine für die Herstellung
von Temperatursensoren durchaus willkommene Eigenschaft.
3.3.2 Metallwiderstände
Bild 3.3.2-1 Temperaturabhängigkeit des Widerstandes und des Temperaturkoeffizienten rei-
68 3.3 Resistive Temperatursensoren 3.3.2 Metallwiderstände 69
ner Metalle Diese Forderungen werden auch bei dem heutigen Stand der Technik (und das etwa seit
a) Vergleich der Temperaturabhängigkeit des Widerstandes von Platin, Kupfer dem Jahr 1870!) hervorragend von dem Metall Platin erfüllt, über dieses Metall wird
und Nickel (nach [3.17]) auch die Internationale Praktische Temperaturskala definiert. Tab. 3.3.2-2 und Bild
b) Temperaturabhängigkeit des Widerstandes und des Temperaturkoeffizienten 3.3.2-3 geben die genormten Kennwerte von resistiven Metall-Temperatursensoren in
von Platin (nach [3.9])
verschiedenen Normensystemen sowie die Einteilung der Sensoren in Güteklassen auf-
c) Temperaturabhängigkeit des Widerstandes und der Leitfähigkeit von Kupfer
(nach [3.16]) grund der zulässigen Streubreiten wieder.
Die Auswahl des metallischen Werkstoffs für Sensoranwendungen erfolgt nach Kri-
terien, die festlegen, daß die Sensoreigenschaften eine möglichst geringe Empfind-
lichkeit haben sollten gegenüber
–Verunreinigungen im Volumen und an der Oberfläche der Metallschicht, die so-
wohl während der Herstellung des Sensors, wie auch im (Dauer)Betrieb auftreten
können
Bild 3.3.2-2 Temperaturabhängigkeit des Widerstandes und des Temperaturkoeffizienten von
–einer Korrosion in Gegenwart chemisch aktiver Gase und Flüssigkeiten, sowie ge- Metallegierungen:
gen Feuchteeinfluß (s. Abschnitt 7) a) Konzentrationsabhängigkeit des Widerstandes und des Temperaturkoeffizien-
–mechanischen Beanspruchungen und Drücken ten von Nickel-Chrom-Legierungen (nach [3.9])
b) Temperaturabhängigkeit des Widerstandes und des Temperaturkoeffizienten
–einer mechanischen (plastischen) Verformung von Kupfer-Nickellegierungen (nach [3.16])
–einer Rekristallisation des Metallgefüges, d.h. einer Änderung der Kornstruktur
sowie der Korngrößenverteilung und der Kornorientierung Tab. 3.3.2-2 Genormte Widerstandswerte von Platin-, Nickel- und Kupfer-Temperatursensoren
–Änderungen der Gitterfehlerstruktur, Phasenumwandlungen etc. für verschiedene Temperaturen. Zugrundegelegt werden Nennwiderständen von
100 bei 0°C. Weiterhin ist angegeben das Widerstandsverhältnis R100/Ro
(R100 = R(100°C), Ro = R(0°C), nach [3.8].
70 3.3 Resistive Temperatursensoren 3.3.2 Metallwiderstände 71
Bild 3.3.2-3 Zulässige Abweichungen von den Kenndaten in Tab. 3.3.2-2 in und in oC für
Temperatursensoren der Klassen A und B (DIN-IEC 751, nach [3.17])
Bild 3.3.2-5 Abweichungen von Pt-100 Temperatursensoren gegen DIN IEC 751) für ver-
schiedene Herstellungstechniken nach Bild 3.3.2-4 (nach [3.1,3.18])
Der Einsatzbereich von Platin-Temperatursensoren läßt sich bis hin zu sehr niedrigen
Temperaturen in der Umgebung des absoluten Nullpunkts ausdehnen (Bild 3.3.2-6)
aber nicht mehr zu auf Platin-Dünnfilmsensoren [3.51]. Ein alternativer Werkstoff für
eingeschränkte Ansprüche ist Nickel, das sich gut in einer sehr kostengünstigen Dick-
schichttechnik (Band 1, Abschnitt 4.2.1) verarbeiten läßt. Die Einstellung auf einen
Nennwiderstand erfolgt durch Lasertrimmen (z.B. mit einem Nd:YAG-Laser), d.h. eine
Technologie, die in der Dickschichttechnik ohnehin standardmäßig eingesetzt wird. In
Bild 3.3.2-7 ist ein Nickel-Dickschichttemperatursensor zusammen mit einigen Lei-
stungsdaten dargestellt.
gegebenen Grenzen gehalten werden kann. Die Streuung der Kristalldicke t geht also nicht ein. Praktisch realisierte Werte sind z.B.
[3.21]: sp(25oC) = 6,5 cm, d = 20 m, t = 250 m, so daß sich bei Raumtempera-
Eine besondere Bedeutung bei der Phospordotierung in Silizium hat die Technologie der
tur ein Sensorwiderstand von 1 k ergibt.
Neutronen -Transmutation (Band 2, Abschnitt 8.2.5) gewonnen. In Bild 3.3.3-1 ist die
Temperaturabhängigkeit der Ladungsträgerdichte n, des spezifischen Widerstandes Eine unsymmetrische Ausführung wie in Bild 3.3.3-2b führt bei höheren Temperatu-
sp und des Temperaturkoeffizienten des spezifischen Widerstandes dargestellt. ren zu einer polungsabhängigen Kennlinie (Bild 3.3.2-c), da durch Eigenleitung er-
zeugte Löcher im Kristall nur schwer in den hochdotierten Punktkontakt (mit sehr gerin-
Der Aufbau eines Silizium-Temperatursensorbauelements ist relativ einfach: Es
ger Löcherdichte) abfließen können [3.23]. Um diesen Effekt zu vermeiden (dann müßte
braucht nur ein homogener Siliziumkristall mit zwei Außenanschlüssen versehen zu
einer der Sensoranschlüsse besonders gekennzeichnet werden), werden häufig sym-
werden. Im Prinzip könnte einfach ein Siliziumquader auf gegenüberliegenden Stirnflä-
metrische Ausführungen wie in Bild 3.3.3-2d mit einem Sensorwiderstand von 2k be-
chen kontaktiert werden (Bild 3.3.3-2a). In diesem Fall würden aber die schlecht re-
vorzugt. Bild 3.3.3-3 gibt die Temperaturabhängigkeit des TKRs eines spreading-re-
produzierbaren geometrischen Abmessungen des Quaders die Streuung des Sensor-
sistance-Sensors an, weitere Eigenschaften des Sensors können dem Datenblatt (Bild
widerstandes beeinflussen. Aus diesem Grund geht man über auf einen spreading
3.3.3-4) entnommen werden.
resistance-(Ausbreitungswiderstand)-Aufbau, bei dem man die Vorteile der in der
Halbleitertechnik ohnehin standardmäßig angewendeten Planartechnik (Band 2, Ab-
schnitt 8.2) nutzen kann: In diesem Fall wird der Sensorwiderstand überwiegend durch
eine photolithographisch erzeugte und in den Abmessungen daher sehr gut reproduzier-
bare Kontaktöffnung in einem oxidbedeckten Halbleiterkristall bestimmt (Bild 3.3.3-2b
und d).
In der spreading-resistance-Ausführung wird der Widerstand vor allem bestimmt durch
den Durchmesser d der Kontaktöffnung (Bild 3.3.3-2b und d). Die Feldstärkevertei-
lung ist dann wie beim Punktkontakt (Band 2, Abschnitt 9.3.3) radialsymmetrisch und
hat die Form
Die Integration der Feldstärke E über den Radius R (näherungsweise werden die Äqui-
potentialflächen im gesamten Kristall als kugelförmig angenommen, im Vergleich zur Bei einem Elektronenfluß vom spreading-resistance-Kontakt zur Sensorrückseite nach
realistischen Form der Äquipotentialflächen in Bild 3.3.3-2b führt das nur zu einem rela- Bild 3.3.3-2c kann der Einfluß der Eigenleitung vermindert werden, dieser Effekt wird
tiv kleinen Fehler) ergibt mit der Kristalldicke t die Strom-Spannungsbeziehung (U zur Herstellung von Hochtemperatur-Siliziumsensoren ausgenutzt (Bild 3.3.3-5).
ist der Spannungsabfall über dem Sensor):
80 3.3 Resistive Temperatursensoren 3.3.3 Halbleiterwiderstände 81
Bild 3.3.3-5 Durch die polungsabhängige Unterdrückung der Eigenleitung (Bild 3.3.3-2c)
kann der für Silizium-Temperatursensoren nutzbare Temperaturbereich vergrößert
werden. Dargestellt sind die bis auf 300° erweiterten Meßkurven und dem Toleranz-
bereich von Sensoren der Reihe KTY 84-1...
Der große Vorteil der Silizium-Temperatursensoren ist, daß sie mit Hilfe der hochent-
wickelten Halbleitertechnologie sehr preisgünstig produziert werden können. Wegen
der kleinen Chipgröße der Sensoren (Band 2, Abschnitt 12) ist die simultane Herstellung
einer großen Anzahl von Sensoren pro Halbleiterscheibe möglich. Auch die Montage-
und Gehäusetechnik für Silizium-Temperatursensoren lehnt sich eng an diejenige von
anderen diskreten Halbleiterbauelementen an, dabei ergeben sich typische thermi-
sche Zeitkonstanten (Einschwingzeit des Sensorsignals auf den Gleichgewichtswert)
wie in Tab. 3.3.3-1.
erheblichen Störeffekten führen kann. Mechanische Spannungen treten in der Regel auf Dieser Nachteil kann aufgehoben werden, wenn auf dem isolierten Sensor ein Netzwerk
beim Einbau von Halbleiterchips in Gehäuse (Bild 3.3.3-6), unter anderem wegen der von Metallwiderständen aufgebracht wird, mit dessen Hilfe jeder Sensor auf eine vorge-
dort auftretenden unterschiedlichen thermischen Ausdehnungskoeffizienten. Spannun- gebene Charakteristik laser-getrimmt werden kann (Bild 3.3.3-7). Solche Sensoren sind
gen dieser Art können sich beim Betrieb des Sensors in langen Zeiträumen ändern und untereinander vollständig austauschbar, allerdings geht der Kostenvorteil der Silizium-
damit die Langzeitstabilität der Sensorkennwerte negativ beeinflussen. sensoren verloren.
Siliziumtemperatursensoren nach dem spreading-resistance-Prinzip sind Volumen-
bauelemente und daher nicht wie die in Abschnitt 3.3.2 beschriebenen Dünn- und Dick-
schichtsensoren trimmbar. Unvermeidliche Fertigungsstreuungen aufgrund von
Schwankungen in der Dotierungskonzentration, der geometrischen Abmessungen etc.
können nur in eingeschränktem Maß ausgeglichen werden (z.B. durch Einstellung der
n+-Kontaktdiffusion). Danach ist nur noch eine Gruppensortierung der Sensoren auf-
grund der gemessenen Widerstandscharakteristik möglich, d.h. Sensoren sind nur inner-
halb einer vorgegebenen Gruppe austauschbar.
Die Widerstandsbahnen bestehen aus einer Permalloy-Legierung. Die Spiralform unterdrückt eine
Querempfindlichkeit gegenüber Magnetfeldern aufgrund des magnetoresistiven Ef-
fekts (Abschnitt 5.2.2, nach [3.25])
Bild 3.3.3-6 Nach der Methode der finiten Elemente berechnete Verteilung der mechanischen
Spannungen in einem Halbleiterkristall (Chip), nach [3.24]: Bild 3.3.3-7 Polysilizium als Werkstoff für Temperatursensoren (nach [3.26])
a) Halbleiterkristall, der auf einem Metallträger auflegiert ist a) spezifischer Widerstand bei Raumtemperatur von durch Ionenimplantation
(Bor) dotierten und laser-ausgeheilten dünnen Polysiliziumschichten in Abhän-
b) Axiale mechanische Spannungen in einem Halbleiterkristall für das DO 34- gigkeit von der Implantationsdosis p
Glasgehäuse beim Temperaturwechsel von 300 auf 20°C (Typenreihe KTY 84).
b) Temperaturkoeffizient des spezifischen Widerstands der Schichten aus a)
84 3.3 Resistive Temperatursensoren 3.3.4 Keramikwiderstände: Heißleiter 85
Siliziumsensoren lassen sich auch direkt in einer Dünnschichttechnik herstellen. Die Si- b) Verlauf der Spannung UM am Sensor mit und ohne Linearisierung. Durch die
lizium-Dünnschicht ist in der Regel polykristallin (Polysilizium s. Band 2, Abschnitt Linearisierung wird die Sensorempfindlichkeit verkleinert.
8.2-4,), sie hat Eigenschaften, die von denen des einkristallinen Siliziums erheblich ab-
weichen (Bild 3.3.3-7).
3.3.4 Keramikwiderstände: Heißleiter
Silizium-Sensoren nach dem spreading-resistance-Prinzip haben im Vergleich zu Pla-
tin-Dünnschichtthermoelementen eine etwas höhere Temperaturempfindlichkeit. Wie in Band 1, Abschnitt 4.1.2, ausgeführt, verhalten sich die Elektronen in den meisten
Nachteilig ist aber die geringere Linearität der Temperaturabhängigkeit des Wider- leitfähigen Keramiken nicht wie Teilchen eines Elektronengases (Bandleitung, s. Band
stands, welche durch dieTemperaturabhängigkeit des TK in Bild 3.3.3-3 entsteht. In ei- 2), sondern eher wie geladene Teilchen, die sich nach einem Diffusionsmechanismus
nem eingeschränkten Temperaturbereich ist eine Linearisierung durch eine Parallel- fortbewegen:
oder Serienschaltung eines ohmschen (nicht temperaturabhängigen) Widerstands mög- Beim Elektronengas erfolgt die Begrenzung des Stromflusses bei Anliegen eines elek-
lich (Bild 3.3.3-8), dabei geht aber Sensorempfindlichkeit verloren. trischen Feldes dadurch, daß die Elektronen nur zwischen zwei Stößen ihre Bewegung
beschleunigen können; durch den Stoß selbst geben sie so viel von ihrer aufgenomme-
nen kinetischen Energie ab, daß sie danach in ihrer Bewegung "von vorn anfangen", d.h.
nicht die bereits aufgenommene Geschwindigkeit in Feldrichtung vergrößern, sondern
diese, ausgehend von Null, erst wieder aufbauen müssen. Die resultierende Driftge-
schwindigkeit vD ergibt sich aus dem Mittelwert der Geschwindigkeit in Feldrich-
tung zwischen zwei Stößen (Bild 2.2-2b), sie ist deshalb abhängig von der Dichte aller
Elektronen, welche auch fundamentale Größen wie die mittlere Zeit und die mittle-
re freie Weglänge zwischen zwei Stößen beeinflußt.
Bei den stärker an die Wirtsatome gebundenen Elektronen in vielen keramischen Werk-
stoffen liegen die Verhältnisse anders: Die Wahrscheinlichkeit, daß sich die Elektronen
begegnen und durch gegenseitgen Stoß miteinander "bremsen", ist deutlich geringer:
Das Hauptproblem (der ratenbestimmende Prozeß) ist die Ablösung eines Elektrons aus
dem gebundenen Zustand und der Übergang in einen benachbarten, häufig energetisch
äquivalenten gebundenen Zustand. Die Verhältnisse liegen hier ähnlich wie bei der Dif-
fusion von Atomen in Festkörpern über einen Leerstellenmechanismus: In diesem Fall
müssen die Atome warten, bis eine der durch den Kristall wandernden Leerstellen einen
Nachbarplatz einnimmt, gleichzeitig müssen sie aufgrund ihrer thermischen Schwin-
gungsenergie zu diesem Zeitpunkt gerade so viel Energie besitzen, daß sie eine Energie-
barriere, die sich dem Sprung in die Leerstelle entgegenstellt, überwinden können. In
diesem Fall erhält man als Diffusionskoeffizient nach Band 1, Abschnitt 2.7.2, die
Bild 3.3.3-8 Linearisierung nichtlinear verlaufender Sensorkennlinien (nach [3.27]) Beziehung
a) Meßschaltungen mit Parallel- oder Serienwiderstand RL zur Linearisierung.
RL wird so dimensioniert, daß die temperaturabhängige Funktion mT = RT/
RL + RT (RT ist die Sensorkennlinie) bei einer vorgegebenen Meßtemperatur
TM einen Wendepunkt besitzt, so daß gilt
In dem präexponentiellen Faktor Do sind eine Vielzahl von Größen, wie die Ge-
schwindigkeit des Teilchens während des Sprungs, sowie statistische und Entropiegrö-
ßen enthalten. Wdiff charakterisiert die Aktivierungsenergie für den Sprung, also die
Größe der Energiebarriere, die für einen Sprung überwunden werden muß. Bei hinrei-
chend großen Aktivierungsenergien Wdiff liefert (1) eine außerordentlich starke Tem-
86 3.3 Resistive Temperatursensoren 3.3.4 Keramikwiderstände: Heißleiter 87
Ausgehend von Gleichung (5b) ergibt sich für die relative Streuung R/R von NTC-
Widerständen bei einer fertigungsbedingter Variation von RN und B:
Der B-Wert spielt in der Anwendung bei der Charakterisierung von Heißleitern eine
bedeutende Rolle. Häufig bezieht man die Kennlinie auch auf eine Referenztemperatur
TN (z.B. auf die Raumtemperatur 20 bis 25°C) und erhält dann:
Die Fertigungsstreuung von NTC-Sensoren ist durchaus kritisch, weil der Kontaminati-
onsgehalt im Sinterwerkstoff schwer kontrollierbar ist, außerdem können sich die bei
der Herstellung bildenden keramischen Verbindungen und deren Struktur bei hohen
Temperaturen mit der Zeit verändern. Erst in neuerer Zeit ist hier durch eine verbesserte
Auswahl der Legierungsbestandteile und den Einsatz der Sägetechnik (s.u.) eine für die
Anwendung notwendige Einschränkung der Toleranzen gelungen. In den Datenblättern
werden nach der Anzahl der Temperaturfixpunkte, bei denen die Toleranzen spezifiziert
werden, Zweipunkt- und Dreipunktsensoren unterschieden. In Bild 3.3.4-3 ist das
Toleranzfeld eines Zweipunktsensors dargestellt.
Für die Fertigung keramischer NTC-Widerstände werden in der Regel Sinterverfahren lumen und damit einer geringen Wärmekapazität zu, d.h. es lassen sich Sensoren für
(Band 1, Abschnitt 3.3) eingesetzt. Die Bilder 3.3.4-4 und 5 geben einen Überblick über die Messung sehr schneller Temperaturänderungen herstellen. Ein Beispiel dafür ist in
zwei Gruppen von Sinterprozessen, sowie über einen Fertigungsprozeß von kerami- dem Datenblatt in Bild 3.3.4-7 wiedergegeben.
schen Sensoren. Eine ausführliche Diskussion der keramischen Fertigungstechnik er-
folgt im Folgeband 5, "Keramik".
Die Sintertechnologie läßt eine große Formenvielfalt für die Sensoren zu (Bild 3.3.4-
6), sie hat dazu den grundsätzlichen Vorteil, daß die Befestigung und Kontaktierung
der Anschlußdrähte (Chrom-Nickel-Legierungen oder Kupfermanteldrähte) in den Sin-
terprozeß miteinbezogen werden kann, so daß hochtemperaturfeste Kontakte entstehen.
Die sonst bei Bauelementen üblichen Bondtechniken (Band 1, Abschnitt 4.2.2) sind da-
gegen weit kostenaufwendiger und haben im Bereich höherer Temperaturen (oberhalb
von 300oC) häufig eine geringere Zuverlässigkeit. Das Einsintern der Anschlußdräh-
te läßt zusätzlich die Fertigung von Sensoren mit einem sehr geringen Gewicht und Vo-
Bild 3.3.4-7 Datenblatt eines schnell ansprechenden Heißleiters mit Pillenform und Glasgehäu- Strom-Spannungskennlinien U(I), die durch die Eigenerwärmung des Sensors be-
se stimmt werden. Mit (3.1-1) gelten nämlich im stationären Fall nach Einsetzen der Joule-
schen Wärme P = U · I für jede Sensorkennlinie R(T) gleichzeitig die Gleichungen:
Einen technologischen Fortschritt im Hinblick auf eine geringere Exemplarstreuung bei
der Fertigung von Heißleitern hat die bereits oben erwähnte Sägetechnik gebracht:
Dabei werden zunächst größere Sinterkörper mit weitgehend homogenen Eigen-
schaften hergestellt, anschließend werden die gewünschten Sensorformen durch mehre-
re Sägeprozesse gefertigt. Die Kontaktanschlüsse werden durch Löten befestigt.
Im Vergleich zu den bisher beschriebenen Temperatursensoren zeichnet sich der NTC-
Widerstand aus durch
– einen hohen Widerstand
– einen hohen TK Die Elimination der Variablen T aus (8a) und (8b) ergibt die Strom-Spannungskenn-
– eine Temperaturbeständigkeit bis hin zu relativ hohen Temperaturen linie U(I). Da die mathematische Beschreibung der Kennlinie R(T) häufig aufwendig
– (bei entsprechendem Aufbau:) kurze Ansprechzeiten ist, wird das folgende graphische Verfahren angewendet: Die Kennlinie R(T) kann
– relativ niedrigen Preis unmittelbar den Datenblättern des Sensors entnommen werden. Die Beziehung (8b)
Die Linearisierung erfolgt wie beim spreading resistance -Sensor in Bild 3.3.3-7. In Bild wird in die folgende Form umgewandelt, wobei zwei alternative Randbedingungen vor-
3.3.4-8 wird die Kennlinie des linearisierten NTC-Widerstandes mit denen von Ther- ausgesetzt werden können:
moelementen verglichen.
Spannungskennlinie des Sensors mit der eingespeisten Leistung oder dem Wert des Sen- ses Übergangsverhalten gibt es eine interessante Anwendung von NTC-Widerständen
sorwiderstands als Parameter (Bild 3.3.4-9). außerhalb der Sensorik als Zeitverzögerungsglied (Bild 3.3.4-10).
b) Zeitliche Zunahme des Stroms in der Schaltung a) für typische Kennwerte ei-
nes NTC-Widerstandes
c) Variation der Zeitverzögerung durch Änderung der äußeren Spannung Ua und Bei einigen Anwendungen hat der Temperatursensor nur die Aufgabe, die Entstehung
des Serienwiderstandes R einer Übertemperatur in einem bestimmten Bereich anzuzeigen. Auch hierfür eignen
sich die empfindlichen Heißleiter in hervorragender Weise: Ein solcher Flächen-
Die Bilder 3.3.4-11 und 12 zeigen Anwendungsmöglichkeiten von NTC-Widerständen
wächter kann als flexibles Koaxialkabel ausgeführt sein, dessen innere und äußere Lei-
als Zeitverzögerungsglieder und träge Spannungsstabilisierung.
tung durch eine NTC-Keramik voneinander isoliert werden (Bild 3.3.4-13).
Bei Anwesenheit geladener Flächen, die z.B. bei elektrisch geladenen Korngrenzen
in (polykristallinen) Sinterkeramiken entstehen, richtet sich die Polarisation so aus, daß
die Oberflächendipolladung dip nach Möglichkeit die Korngrenzenladung kompen-
siert (abschirmt, s. Bild 3.3.5-1). Oberhalb der Curietemperatur (Abschnitt 3.5 und
Band 1, Abschnitt 7.1.4) verschwindet die permanente Polarisation: In diesem Fall muß
die Abschirmung der Korngrenze durch ionisierte Störstellen erfolgen. Dadurch bilden
sich Energiebarrieren für den Ladungstransport (s. Band 2, Abschnitt 7), so daß die elek-
trische Leitfähigkeit erheblich abgesenkt wird (Kaltleitereffekt).
Dipolflächenladungen können beachtliche Werte annehmen, damit ist eine Abschir-
mung (elektrische Kompensation) der Korngrenzenladung innerhalb sehr kurzer
Distanzen möglich (Bild 3.3.4-15, Fall II)
Die Abschirmung geladener Korngrenzen durch ferroelektrisch erzeugte Dipolladun-
gen verschwindet, wenn oberhalb der Curietemperatur die ferroelektrische Ordnung zu-
sammenbricht. Die Ursache für diesen Effekt läßt sich leicht aus dem Prinzip der mini-
malen freien Energien ableiten: Bei hinreichend hohen Temperaturen geht der Entropie-
term in (2.1-1) so stark ein, daß die Vergrößerung der Entropie beim Übergang in den un-
geordneten (nichtferroelektrischen) Zustand die damit verbundene Zunahme der Ener-
gie überkompensiert (vgl. Band 1, Bild 5.1-3). Oberhalb der Curietemperatur ver-
schwindet mit der ferroelektrischen Ordnung auch die Dipolflächenladung. Die elektro-
statische Abschirmung muß jetzt zwangsläufig durch andere Ladungen erfolgen, hierfür
kommen bei Anwesenheit von negativen Korngrenzenladungen in einer n-dotierten Ke-
ramik z.B. positiv ionisierte Donatoren (Bild 3.3.5-3, Fall I) in Frage. Wegen der weitaus
geringeren – und auf das Volumen verteilten – Ladungsdichte ist jetzt die Raumladungs-
zone viel breiter als bei einer Abschirmung durch Oberflächen-Dipolladungen.
Die Folge davon ist die Entstehung einer Energiebarriere oberhalb der Curietempera-
tur mit erheblichen Auswirkungen auf die Leitfähigkeit des Werkstoffs. Ausgedehnte
Barrieren wie in Bild 3.3.5-3, Fall I können nämlich ein wesentliches Hindernis für den
Stromtransport darstellen; die theoretische Behandlung dieses Problemkreises ist von
fundamentaler Bedeutung für die Halbleiterbauelemente (Band 2, Abschnitt 7). Die Er-
gebnisse der Theorie sind in Band 2, Abschnitt 7.3 zusammengestellt und führen auf die
Formel
Dabei ist A eine Konstante, die nach Band 2, Abschnitt 7.3, von den Werkstoffeigen- werden (nach [3.42]).
schaften und der Art der Barriere abhängt. spezifische Widerstände von ca. 0,1 cm bei Elektronenbeweglichkeiten bis zu 5 cm2/
Aus dem geschilderten Zusammenhang folgt, daß oberhalb der Curietemperatur der Vs erreicht werden.
elektrische Widerstand der Keramik erheblich zunehmen muß. Dieser Effekt wird expe-
rimentell gut bestätigt (Bild 3.3.5-4), wobei der Anstieg des Widerstands mehr als fünf Für den Widerstand in der Umgebung der Curie-Temperatur ergibt sich ein außerordent-
Größenordnungen betragen kann! lich großer Temperaturkoeffizient, so daß dort eine sehr empfindliche Temperaturmes-
Keramische Widerstände mit einem Temperaturverhalten wie in Bild 3.3.5-4 werden als sung möglich ist. Andererseits ist die Exemplarstreuung in diesem Bereich besonders
Kaltleiter oder PTC-Widerstände bezeichnet. groß, so daß Kaltleiter-Temperatursensoren individuell geeicht werden müssen.
Die Kaltleiter haben im allgemeinen einen anderen Leitfähigkeitsmechanismus als die Viele zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich wie beim Heißleiter über das
Heißleiter auf der Basis des Magnetits und anderer vergleichbarer Keramiken: Im Ge- thermische Verhalten bei Strombelastung (Eigenerwärmung): In diesem Fall wirkt sich
gensatz zu den Spinellverbindungen spielt beim Bariumtitanat der Valenzaustausch kei- die Eigenerwärmung aber widerstandserhöhend aus: Als Konsequenz wird durch die
ne Rolle: Die Leitfähigkeit wird meist wie bei Halbleitern (Band 2, Abschnitt 3.2.1) Widerstandsvergrößerung der Strom als Quelle der Eigenerwärmung verkleinert. Auf
durch Dotierungsatome erzeugt, welche mit relativ geringem Energieaufwand (z.B. diese Weise ergibt sich eine für die Praxis sehr nützliche thermische Stabilisierung.
durch thermische Aktivierung bei Raumtemperatur) Elektronen an das Leitungsband
Die Bestimmung der Strom-Spannungs-Abhängigkeit des Kaltleiters erfolgt wie bei
abgeben können, die dann ihrerseits eine Stromleitfähigkeit ermöglichen. Zurück blei-
den Heißleitern nach den Formeln (3.3.4-8 und 9). Bild 3.3.5-5 zeigt die Kennlinien-
ben in diesem Fall positiv ionsierte Donatoren, welche negative geladene Korngren-
scharen zur Bestimmung der Arbeitspunkte.
zenladungen abschirmen können.
Dotierungseffekte in Keramiken allgemein, die Bedeutung von Gitterfehlern, insbeson-
dere von Leerstellen, sowie die Natur und Größe der Korngrenzenladung werden im
Band 5, "Keramik", ausführlich diskutiert. Durch n-Dotierung können minimale
Bild 3.3.5-5 Elektrische und thermische Eigenschaften von Kaltleitern (Kennlinien aus [3.43])
a) Berechnung der Arbeitspunkte von Strom-Spannungs-Kennlinien. Eingetragen
ist eine Kaltleiterkennlinie R(T), sowie Kurvenscharen nach (3.3.4-9b) für ver-
schiedene Betriebsspannungen Uo: Die Schnittpunkte von beiden ergeben die
Bild 3.3.5-4 Temperaturabhängigkeit des spezifischen Widerstandes von Antimon-dotiertem jeweils zu Uo gehörenden Arbeitspunkte. Daraus kann über R(T) der entspre-
Bariumtiatanat. Der Anstieg des Widerstandes erfolgt im Bereich der Curie-Tempera- chende Stromwert I bestimmt werden. Zur Berechnung ist die Kenntnis des Wär-
tur Tc. Die Curie-Temperatur kann durch Zusätze von Strontium und Blei, welche meleitwertes Gth erforderlich.
auf Barium-Gitterplätzen eingebaut werden können, in einem weiten Bereich variiert b) Temperaturabhängigkeit des Wärmeleitwertes zugrunde für die Berechnung
von a).
In Bild 3.3.5-8 ist das Datenblatt eines industriell hergestellten Kaltleiters Seit einiger Zeit werden Kaltleiter auch als selbstregelnde Heizelemente verwendet, de-
wiedergegeben. ren Temperatur von der Wärmeabführung weitgehend unabhängig ist (Bild 3.3.5-9).
Bild 3.3.5-9 Wirkung des Kaltleiters als selbstregelnde Heizung mit einer von der Wärmeablei-
tung weitgehend unabhängigen Temperatur (nach [3.36]). Ausgehend von der Bezie-
hung (3.3.4-8b) in der Form
bestimmen wir die thermischen Arbeitspunkte dadurch, daß wir P(T) und Gth(T – Tu) für verschie-
dene Werte von Gth jeweils als Funktion der Temperatur T auftragen. Die Schnitt-
punkte erfüllen dann die Bedingung (4) und legen den Arbeitspunkt fest. Als Betriebs-
spannung wird der feste Wert Uo = 12V gewählt
a) konventionelle Heizung mit ohmschem (R = const) Widerstandsdraht und damit
einer konstanter Heizleistung (P = const): Die Arbeitspunkte liegen bei verschiede-
nen Wärmeableitungskoeffizienten im Bereich von 84 bis 212°C.
b) Heizung mit Kaltleitern: Die Heizleistung P(T) nimmt bei konstanter Heizspan-
nung mit der Temperatur stark ab. Deshalb liegen die thermischen Arbeitspunkte in ei-
nem weitaus engeren Temperaturbereich zwischen 111 und 127°C.
Bild 3.3.5-8 Datenblatt eines Kaltleiters
Metallwiderstände
Bild 3.3.6-1 2-Leitertechnik :
Vorteile: – meist sehr langzeitstabil und genau (gute Eichfähigkeit)
Bei resistiven Sensoren führen der Widerstand der Meßleitungen und dessen Tempe-
raturkoeffizient zu einem Meßfehler. – gute Linearität
Nachteile: – kostenaufwendig
– wegen Gehäusetechnik meist langsam
– Spannungsversorgung erforderlich
– meist niedriger Widerstand, daher 3- bis 4-Leitertechnik erforderlich
Halbleiterwiderstände
Vorteile: – sehr kostengünstig
– großer Meßwiderstand realisierbar
– große Empfindlichkeit realisierbar
Nachteile: – nichtlinear
– wegen Gehäusetechnik meist langsam
– Spannungsversorgung erforderlich
Keramikwiderstände
Vorteile: – sehr kostengünstig
– großer Meßwiderstand
– große Empfindlichkeit
– ohne Gehäuse realisierbar, daher hohe Meßgeschwindigkeit
Nachteile: – nichtlinear
Bild 3.3.6-2 Bestimmung des Sensorwiderstandes durch eine (stromlose) Spannungmessung in – teilweise große Streuung
Mehrleitertechnik
– Spannungsversorgung erforderlich
a) 4-Leitertechnik mit Spannungs-Meßleitungen am Sensorwiderstand
– Ausführungen ohne Gehäuse mechanisch anfällig
b) 4-Leitertechnik mit Wheatstonescher Meßbrücke
(Nachteile: Es sind drei Brückenwiderstände mit abgestimmten Temperaturkoef-
fizienten erforderlich)
d.h. die Stromdichte wird dominiert durch das Verhalten injizierter oder extrahierter Lö-
cher (Band 2, Abschnitt 7.2.3) im n-Gebiet. Bei Anlegen positiver äußerer Spannun-
gen wird die Diode in Sperrichtung betrieben (Band 2, Bild 7.2.3-1), so daß in (2) der Ex-
ponentialterm mit der Spannungsabhängigkeit vernachlässigt werden kann. Zwischen
der Minoritätsträgerdichte im n-Gebiet und der Dotierungskonzentration D dort be-
steht nach Band 2, (4.2-11) die Beziehung Bild 3.4-1: Temperaturabhängigkeit der Strom-Spannungs-Kennlinien von pn-Dioden (nach
[3.44])
a) äußere Spannung gepolt in Flußrichtung
b) äußere Spannung gepolt in Sperrichtung
In diesem Fall ergibt sich nach Band 2, Abschnitt 9.3.1, gemäß (3.1-2) ein Temperatur-
koeffizient von d.h. es ergibt sich eine exponentielle Abhängigkeit von der äußeren Spannung. Wir zer-
legen die Sättigungsstromdichte js in einen stark und einen schwach temperaturabhängi-
gen Term über die Definition einer Funktion j's:
Die auf diese Weise eingeführte Stromdichte j´s hat naturgemäß sehr große Werte, Die geometrisch und nicht materialbestimmte Basisweite d läßt sich technologisch über
im Vergleich zu dem Exponentialfaktor in (7) kann sie näherungsweise als tempera- die Diffusionstiefen der Dotierungsatome oder die Beschleunigungsspannung bei der
turunabhängig angenommen werden. (6) bekommt dann die Form Ionenimplantation weit besser beherrschen als die Minoritätsträgerlebensdauer. Des-
halb werden als Temperatursensoren durchweg kurzgeschlossene Transistoren gemäß
Bild 3.4-2 eingesetzt. Bei pnp-Transistoren in Emitterschaltung (Band 2, Bild 10.2.1-1)
wird die Emitter-Basis-Flußspannung UEB positiv gerechnet, so daß die Formeln (8)
und (9) die Form bekommen
Dieses ist bei fester eingeprägter Stromdichte j eine lineare Beziehung zwischen Fluß-
spannung und Temperatur, die sich zur Herstellung von Temperatursensoren ausnutzen
läßt.
In der Praxis lassen sich die Sättigungsströme von Dioden relativ schlecht reprodu-
zieren, eine der Ursachen dafür ist, daß in (4) die Minoritätsträgerlebensdauer püber die Daraus ergibt sich für Flußspannungen, die meist nur wenig oberhalb der Schwellspan-
Diffusionslänge Lp eingeht gemäß nung ( js < j , s. auch Band 2, Bild 9.3.1-4) liegen, ein negativer Temperaturkoeffizient
als problematisch: js weicht in der Praxis meistens von dem theoretischen Wert (11)
ab und ist in der Fertigung Schwankungen unterworfen.
Bild 3.4-4 Vergleich des durch Nichtlinearität entstehenden Temperaturfehlers bei Thermoe-
lementen, Platinwiderständen und Transistoren (nach [3.45])
d.h. die mit einer Streuung behafteten Sättigungsströme kürzen sich heraus. Allerdings
ist der Spielraum für die Stromvariation r begrenzt, so daß die (dann allerdings sehr
lineare) Spannungsabhängigkeit der Temperatur herabgesetzt wird. In integrierten
Schaltungen ist die Größe dieser Spannungsabhängigkeit weniger entscheidend, da rou-
tinemäßig Spannungsverstärker integriert werden können. Bild 3.4-6 zeigt das Prinzip
eines integrierten Temperatursensors. Die Temperaturempfindlichkeit des Aus-
gangssignals kann elektronisch auf vorgegebene Werte, z.B. 1A/K, eingestellt werden.
Bild 3.4-6 Prinzip des integrierten Temperatursensors AD 590 (Fa. Analog Devices) mit Strom-
spiegelschaltung und aktiver Last (vgl. Band 2, Bilder 12.1-5 und 6). Die aktive Last
sorgt für gleiche Ströme Ic1 und Ic2. Die Stromdichten in den Transistoren Q1 und
Q2 werden dadurch variiert, daß die entsprechenden Emitterflächen sich um einen
Faktor (z.B. 8) unterscheiden. Die Differenzspannung
kann in diesem Fall über dem Widerstand R abgegriffen und verstärkt werden (nach [3.22]).
Die Abhängigkeit der elektrischen Polarisation von der Temperatur berzeichnet man
als reinen pyroelektrischen Effekt. Neben den technisch besonders wichtigen fer-
roelektrischen Werkstoffen gibt es weitere pyroelektrische Werkstoffe, die nicht fer-
roelektrisch sind: Aufgrund der Kristallanisotropie ist z. B. bei Turmalin (s. Ab-
schnitt 4.2.1) die Richtung der elektrischen Polarisation nicht umpolbar. Auch eine –
bei Dielektrika durch Einwirkung einer äußeren elektrischen Feldstärke oder bei den
piezoelektrischen Werkstoffen (Abschnitt 4.2) durch Einwirkung einer mechani-
schen Spannung – induzierte Polarisation nimmt mit der Temperatur ab. Bei den or-
ganischen Elektreten, wie Polyvinyldifluorid (PVDF) entsteht die permanente elek-
trische Polarisation erst nach Anlegen eines elektrischen Feldes: Hierdurch werden
die polaren CF4–Gruppen umgeordnet und bleiben bei Raumtemperatur über längere
Zeiträume (Jahre) in diesem Zustand.
Eine zusätzliche Temperaturabhängigkeit der Polarisation (falscher pyroelektri-
scher Effekt) entsteht durch die thermische Ausdehnung des Dielektrikums in Ver-
Seite 61
bindung mit dem piezoelektrischen und anderen Effekten. Eine vollständige Über- für PMN beziehen sich auf Daten bei angelegter Vorspannung von 5·106 V/m.
sicht die über pyroelektrischen Effekte und deren Werkstoffe ist im Band 5 dieser
Reihe, "Keramik", zu finden [3.53].
Der pyroelektrische Effekt läßt sich bei kleinen Temperaturänderungen linearisieren
(Tangenten in Bild 3.5-1) und dann durch den Vektor pσ der pyroelektrischen
Koeffizienten (nicht zu verwechseln mit dem Dipolmoment einzelner Dipole; der
Index σ bezeichnet den Zustand konstanter mechanischer Spannung, [3.53])
beschreiben:
Dabei beschreibt P die elektrische Polarisation. Tab. 3.5-1 gibt die Daten wichtiger
pyroelektrischer Materialien an [3.53].
Tab.3.5-l: Werte der pyroelektischen Koeffizienten pσ(bei konstanter mechanischer Span-
nung σ) und pu(bei konstanter mechanischer Verzerrung u), dielektrischen Kon-
stanten (Bedeutung der Indizes wie bei den pyroelektischen Koeffizienten) und
Verlusten tan δ (Band 1, Abschnitt 6.2; alle Kenndaten sind jeweils in Polarisa-
tionsrichtung gemessen), der Curie-Temperaturen TC, spezifischen Wärmen Cσ
bei konstanter mechanischer Spannung und der Kenngrößen FV (vereinfachte
Form der Spannungsempfindlichkeit, s. Abschnitt 6.2 und [3.53]) und FD (verein-
fachte Form der Detektivität, s. Abschnitt 6.2 und [3.53]) einiger ausgewählter
Substanzen. Die untere Tabellenhälfte enthält nur Perowskite.
Bild 3.5-2 Elektrische Größen an einem Plattenkondensator mit einem Ferroelektrikum als
Dielektrikum.
a) Aufbau des Plattenkondensators
b) Ortsverlauf der elektrischen Polarisation
Bei den weiteren Abbildungen wird zwischen zwei Fällen unterschieden: Fall I:
Es findet keine Kompensation der Flächenladung im Dielektrikum durch Ladun-
gen auf den Metallplatten statt, Fall II: Die Flächenladung im Dielektrikum wird
durch Ladungen auf den Metallplatten kompensiert.
c) Ortsverlauf der Flächenladung
d) Ortsverlauf des elektrischen Feldes
Dabei bedeutet EK: Einkristall, Ker: Keramik, DS: gesputterte dünne Schicht. Die jeweiligen Refe- e) Ortsverlauf des Bändermodells: Dabei wird angenommen, daß das Ferroelek-
renzen sind in [3.53] angegeben. Bei freigelassenen Eintragungen fehlt die Angabe in der jeweili- trikum ein ähnliches Bändermodell wie ein Halbleiter besitzt. Das Metall wird
gen Literaturstelle. Bei fehlender Unterscheidung zwischen εu und εσ bzw. pu und pσ wurde ange- charakterisiert durch eine Lage der Fermienergie WF oberhalb der Leitungs-
nommen, daß es sich um Größen bei festem Spannungstensor handelt. TC existiert nicht für nicht- bandkante.
polarisierbare Materialien und nur mit Vorbehalten bei Relaxoren und Polymeren. Die Angaben
Seite 62
kann auch durch eine Stromintegration bei Ausgleich der Plattenladungen bis in den
Zustand in Bild 3.5-2, Fall II, bestimmt werden.
Seite 63
Pyroelektrische Sensoren werden in der Praxis zunehmend für die Messung der opti-
schen Strahlungsintensität, insbesondere von Infrarot(Wärme-)strahlung, eingesetzt
[3.53]. Ein wesentlicher Vorteil in der Anwendung ist dabei, daß die Sensorempfind-
lichkeit dabei nur schwach von der Wellenlänge der einfallenden Strahlung abhängt.
Im Gegensatz zu anderen Infrarotsensoren benötigen sie keine Kühlung auf Tempe-
raturen weit unter 0°C. Pyroelektrische Sensoren finden vielfältige Anwendungen in
der bedrührungslosen Temperaturmessung (vorzugsweise mit einer durch einen
Chopper unterbrochenen Wärmestrahlung), wobei Empfindlichkeiten bis zu 10-6K
erreicht werden. Weitere Einsatzmöglichkeiten ergeben sich im Zusammenhang mit
der Infrarotspektroskopie (Messung von Schadstoffkonzentrationen in der Umwelt-
technik), sowie bei der Aufnahme ein- und zweidimensionaler Infrarotabbildungen.
Im Konsumerbereich gibt es vielfältige Anwendungen in Geräten zur Feuerwarnung
und Einbruchsicherung (Bewegungsmelder), da pyroelektrische Sensoren besonders Bild 3.5-4 Aufbau eines Sensors zur Einbruchssicherung (Bewegungsmelder)
empfindlich auf Änderungen der Strahlungsintensität reagieren, sowie bei Licht-
schranken mit dem unsichtbarem Infrarotlicht. Die Bilder 3.5-5 und 6 zeigen typische Kenndaten industriell gefertigter pyroelektri-
scher Sensoren.
Bild 3.5-3 Hybrider Aufbau eines pyroelektrischen Zirkontitanat-Sensors (s. auch Abschnitt
4.2.1) zur Messung von Infrarotstrahlung, der zusammen mit einem Feldeffekt-
transistor in demselben Gehäuse montiert und verdrahtet worden ist. Der Gehäu-
sedeckel wird strahlungsdurchlässig ausgeführt (nach [3.38]).
a) Aufbau mit einem einzigen pyroelektrischen Sensor
b) Aufbau mit zwei pyroelektrischen Sensoren: Bei gleichpoliger Hintereinander-
schaltung wird das Spannungssignal verdoppelt. Bei gegenpoliger HInterein-
anderschaltung, kann der Einfluß von Temperaturschwankungen kompensiert
werden, wenn nur einer der beiden Sensoren mit Infrarotlicht bestrahlt wird.
Bild 3.5-3 zeigt den hybriden Aufbau eines empfindlichen pyroelektrischen Detek-
tors, Bild 3.5-4 den Meßaufbau für eine Einbruchssicherung. Typische Temperatur-
abhängigkeiten der Sensorgrößen (Definitionen im Abschnitt 6.2) und der spektralen Bild 3.5-5 Optische Leistungdaten des pyroelektrischen Sensors RPY 89 (Definitionen s.
Empfindlichkeit sind in Bild 3.5-5 wiedergegeben. Abschnitt 6.2, nach [3.39])
a) Rauschspannung, Empfindlichkeit, äquivalente Rauschspannung
Zur Bildaufnahme lassen sich pyroelektrische Sensoren auch zu Sensorarrays (Ab- b) spektrale Empfindlichkeit als Funktion der Wellenlänge
schnitte 6.5 und 6.7) anordnen.
Seite 64
Schnitte zur Anwendung mit einer Temperaturabhängigkeit gemäß [3.40]: scher Teiler mit einer Genauigkeit bis in die Größenordnung einzelner Hertz be-
stimmt werden kann (Bild 3.6-3). Damit ist eine Auflösung der Temperaturmessung
weit unter 1 K möglich.
signal I(t) und ein mehr oder weniger verzerrtes Ausgangssignal U(t).
a) Multimodefaser mit stufenförmigem Anstieg des Brechungsindex n (Stufenprofil)
b) Multimodefaser mit kontinuierlichem Anstieg des Brechungsindex n (Gradien-
tenfaser)
c) Monomodefaser mit kleinem Faserquerschnitt und Stufenprofil
d) bis g) Streifenleiter (nach [3.47]): Wellenleiter lassen sich auch aus dünnen
optisch transparenten Schichten herstellen, die z.B. über Photolithographie-
und Ätzprozesse in eine Streifenform überführt werden können. Auch eine
Herstellung durch Diffusion innerhalb vorgegebener lateraler Strukturen ist
möglich. Durch Abdeckung der Streifenleiter mit zusätzlichen Schichten kön-
nen die optischen Eigenschaften modifiziert werden.
d) aufliegender Streifenwellenleiter
e) Rippenwellenleiter
f) diffundierter oder ionenausgetauschter Streifenwellenleiter
g) vergrabener Streifenwellenleiter
134 3.7 Faseroptische Temperatursensoren 3.8 Mechanische und chemische Temperatursensoren 135
industriellen Anlagen und in der Forschung zur Anwendung kommen. c) Aufbau des Sensorsystems mit zeitlichem Verlauf der optischen Anregung
(Leuchtdiode) und der Lumineszenzsignale bei höheren und niedrigeren Tem-
peraturen.
Kennzeichnend für das System ist, daß die Lebensdauer des 2E-Niveaus W1 (8,4 ms) weitaus grö-
ßer ist als die des 4T2-Niveaus W2 (24µs). Die insgesamt gemessene Abkling-
zeit der Lumineszenz nimmt also mit der Temperatur ab (b).
Seite 69
136 3.8 Mechanische und chemische Temperatursensoren 3.8 Mechanische und chemische Temperatursensoren 137
Tab. 3.8-2 b) Umschlag- und Klärtemperatur (Verschwinden der Farbe) von Flüssigkristallen
Bild 3.8-2 Festkörper-Ausdehnungsthermometer (nach [3.8], s. auch Band 1, Tab. 5.3-1 und
Bild 5.3-2)
a) Ausdehnung von Werkstoffen für Stabausdehnungs-Thermometer
b) Bimetallthermometer mit Bimetallspirale für Raumtemperaturmessung
Seite 70
138
Bild 4.1.1-1 Elastische Verformung eines Quaders der Länge l, der Breite b und der Dicke d
durch uniaxiale Kompression mit einer mechanischen Spannung σ. Eingezeichnet
Seite 71
sind die Elemente der Spannungs- und Verzerrungstensoren und deren Interpretation metriebestimmten konstanten Term 2 und einem werkstoffbestimmten Term, der die
Besitzt der Quader in Bild 4.1 den spezifischen elektrischen Widerstand ρsp, dann er- Wirkung der mechanischen Dehnung auf die Ladungsträgerzahl N und -beweglich-
gibt sich allgemein für die Widerstandsänderung keit µ beschreibt.
Typisch für die meisten Metalle (Abschnitt 4.1.2) ist, daß der werkstoffbestimmte Term
vernachlässigt werden kann. Bei Halbleiter- und keramischen Werkstoffen hingegen
kann der werkstoffabhängige Term große Werte annehmen, welche den Wert 2 weit
übersteigen.
Neben dem piezoresistiven Effekt gibt es auch andere Reaktionen von Festkörpern auf
elastische Verzerrungen: Sowohl die dielektrische, wie auch die magnetische Polarisati-
on hängen empfindlich von der exakten relativen Lage der Gitteratome zueinander ab
(piezoelektrischer und magnetoelastischer Effekt). Als typisches Merkmal für bei-
de wird sich ergeben, daß im Gegensatz zu den piezoresistiven Meßverfahren bevorzugt
Änderungen des Polarisationszustandes gemessen werden können (vgl. pyrolytische
Die Berechnung der elastischen Verformung des Quaders ergab in Band 1, Abschnitt 3.1 Sensoren im Abschnitt 3.5), diese aber mit einer sehr großer Genauigkeit und Empfind-
die Beziehung: lichkeit. Solche Sensoren eignen sich also bevorzugt für eine dynamische Druckmes-
sung, weniger dagegen für statische Druckmessungen. Diese Einschränkung gilt nicht
für piezoresistive Sensoren.
Schließlich gibt es eine Vielzahl von Druckmeßverfahren, welche eine mechanische
Verschiebung von Stäben oder Platten aufgrund der Krafteinwirkung direkt erfassen:
Bei diesen wegmessenden Verfahren wird die Änderung der Induktivität einer Spule
oder der Kapazität eines Kondensators bestimmt und mit dem Druck korreliert (Ab-
schnitt 4.3).
Zur Berechnung der relativen Änderung des spezifischen Widerstands teilen wir die
Teilchendichte ρ auf in den Quotient aus Teilchenzahl N und Teilchenvolumen V:
4.1.2 Metallfolien-Dehnungsmeßstreifen
In Abschnitt 4.1.1 wurde dargelegt, daß sich der Widerstand eines Leiters unter Einfluß
einer mechanischen (vorzugsweise elastischen) Verformung ändert, d.h. der Leiter
selbst kann bereits als Kraft- oder Drucksensor eingesetzt werden. In der Praxis ist es
aber gebräuchlicher, den Leiter als dünne Schicht (Dehnungsmeßstreifen , abgekürzt
Eingesetzt in (5) folgt dann DMS, englisch: strain gauge) auszuführen, welche über eine elektrisch isolierende
Zwischenschicht an einem Verformungs- oder Federkörper befestigt wird. Die ela-
stische Verformung des Federkörpers soll dabei möglichst unverändert auf den Deh-
nungsmeßstreifen übertragen und durch diesen gemessen werden. Dehnungsmeßstrei-
fen bestehen wie die zur resistiven Temperaturmessung eingesetzten Metallwiderstände
aus einer strukturierten Dünn- oder Dickschicht auf einem isolierenden Substrat, im
Vergleich zu dem Aufbau in Bild 4.1.1-1 ist die Dicke δ weit geringer als die Länge
l oder Breite b (Bild 4.1.2-1).
(8) ist eine der fundamentalen Beziehungen für alle piezoresistiven Drucksensoren,
bei denen die Druckmessung über die Änderung eines Widerstandes erfolgt. Der k-
Faktor ist ein Maß für die Empfindlichkeit der Druckmessung, er besteht aus einem geo-
Seite 72
Bild 4.1.2-1 Aufbau eines Metall-Dehnungsmeßstreifens (DMS), der bei einer Kraft– oder
Druckmessung über eine Zwischenisolation auf einem Substrat (Federkörper) aufge-
bracht wird (Folientechnologie, nach [4.1]). Bei einer Kraft- oder Druckeinwirkun-
gen entstehen im Federkörper elastische Verformungen (z.B. Dehnungen), die auf
den DMS übertragen werden und dort eine Widerstandsänderung erzeugen. Der
Meßeffekt ist am größten, wenn die Dehnung parallel zu den Widerstandsbahnen
verläuft. Zur Vergrößerung des Widerstandes werden viele Metallbahnen, meist in
einer Mäanderform (um kleine Sensorabmessungen zu erhalten) hintereinanderge-
schaltet.
Bei Metall-DMS reduziert sich der k-Faktor (4.1-6) auf den geometrisch bestimmten
Anteil:
Da die Dehnung ε des DMS möglichst auf den elastischen Bereich einschränkt wer-
den sollte, darf auch bei Werkstoffen mit einer ausgeprägten Streckgrenze (Band 1, Ab-
schnitt 3.2.1) in der Regel ein Wert von 0,1% nicht überschritten werden, d.h. die relative
Widerstandsänderung ist in praktisch vorkommenden Fällen meist weit kleiner als 10-3. Die Optimierung des DMS bezüglich der Querempfindlichkeit gegenüber der Tempera-
Als meßtechnische Schwierigkeit kommt hinzu, daß wegen des niedrigen spezifischen tur erfolgt also durch die Bedingungen
Widerstandes von Metallen die Widerstände niedrige Werte annehmen. Aus diesem
Grund wird meist die Länge des DMS durch eine Mäanderform geometrisch vergrößert
(s. Bild 4.1.2-1), so daß z. B. ein Standardwert von 350Ω erreicht wird. Bei der prakti- Die Auswahl der Substratwerkstoffe (Federwerkstoffe) erfolgt meist nach dem Kri-
schen Messung muß der Einfluß des Zuleitungswiderstandes berücksichtigt werden terium optimaler elastischer Eigenschaften, so daß deren Temperaturkoeffizienten
(d.h. es gelten dieselben Gesichtspunkte wie in Abschnitt 3.3.6), aus diesem Grund – und festliegen:
weiteren (große relative Empfindlichkeit, da die Brückenspannung im Brückengleich-
gewicht Null wird, wirkungsvolle Temperaturkompensation bei abgestimmten Wider-
stands-TKRs, s.u.) – werden die Metall-DMS häufig in Brückenschaltungen wie in
Bild 3.3.6-2b) und c) eingesetzt, d.h. die elektrische Messung erfolgt in Drei- oder Vier- Bild 4.1.2-2 zeigt die Temperaturabhängigkeiten des Elastizitätsmoduls und des k-
leitertechnik. Faktors verschiedener DMS-Materialien in einem Vergleich.
Seite 73
Aufklebbare Folien-Dehnungsmeßstreifen haben den großen Vorteil, daß sie vom An-
wender selbst auf beliebig geformten Werkstücken angebracht werden können. Sie wer-
den in einer Vielfalt von Größen und Ausführungsformen hergestellt (Bilder 4.1.2-5 und
Tab. 4.1.2-1), die bereits auf verschiedene Formen und Abmessungen der Federkörper
optimiert sind. Gleichzeitig mit den Dehnungsmeßstreifen wird häufig ein Netzwerk
Bild 4.1.2-3 Kompensation der Langzeitdrift des Meßsignals aufgrund des mechanischen
von Widerständen gefertigt, über das – durch Auftrennen von Kurzschlußverbindungen
Kriechens des Federkörpers (Kurve A) durch ein entgegengesetzt wirkendes Kriech- – jeder DMS individuell abgeglichen werden kann. Bei Brückenschaltungen ist ein
verhalten im Dehnungsmeßstreifen (Kurve C, das Kriechverhalten kann durch das Sensortrimmen auf Empfindlichkeit (Bild 4.2.1-4b) und auf minimales Nullpunktsignal
Meßgitter des DMS beeinflußt werden). Die resultierende Langzeitdrift (Kurve B) ist möglich. Ein grundsätzlicher Nachteil von Folien-DMS ist die Temperaturbeständig-
Seite 74
Bild 4.1.2-6
Wägezellen als Lastaufnehmer mit Folien-Dehnungsmeßstreifen (nach [4.3])
4.1.3 Halbleiter-Dehnungsmeßstreifen
Im Gegensatz zu den Metall-Dehnungsmeßstreifen kann bei Halbleiter-DMS im Aus-
druck (4.1.1-8) für den k-Faktor der werkstoffbestimmte Term weit größer werden
als der geometriebestimmte (der natürlich stets erhalten bleibt). Der k-Faktor kann Bild 4.1.3-1 Piezoresistiver Effekt in n-Halbleitern
daher Werte annehmen, die viel größer als 2 sind, so daß die Sensorempfindlichkeit ge- a) Flächen gleicher Energie in der Umgebung der Leitungsbandkante, dargestellt
steigert werden kann. Angesichts der grundsätzlich kleinen Meßsignale von Metall- in einem dreidimensionalen k-Raum (Bild 2.2.1-2 in Band 2). Bei einer sym-
metrischen Darstellung sind nicht nur die Energieflächen innerhalb der 1. Brillou-
DMS (Abschnitt 4.2.1) entsteht dadurch ein beachtlicher Vorteil, der in den letzten Jah- inzone, sondern auch die dazu äquivalenten der 2. Brillouinzone eingezeichnet.
ren das Interesse an Halbleiter-DMS kontinuierlich stimuliert hat. Die von den Energieflächen eingeschlossenen Körper sind bei Germanium und
Silizium mehrere kristallographisch äquivalente Ellipsoide, bei Galliumarsenid
Der werkstoffbestimmte piezoresistive Effekt in Halbleitern ist auf die Abhängigkeit eine einzige Kugel (nach [4.6]).
der Bandstruktur von elastischen Gitterverzerrungen aufgrund der Einwirkung äuße- b) Ausschnitt aus dem Bandschema für Silizium in a) entlang der dort schrafffiert
rer mechanischer Spannungen zurückzuführen. Bei einer uniaxialen Kompression wie eingezeichneten Ebene im k-Raum. k-Werte gleicher Energie Wn erscheinen
in Bild 4.1.1-1 ändern sich z.B. die Gitterabstände in Richtung 3 in anderer Weise als in dort als Ellipsen (Kurven A, durchgezogene Linien). Trägt man diese Ellipsen als
den Richtungen 1 und 2, d.h. die ursprünglich symmetrischen (kubischen) Raumrich- Funktion der Energie Wn auf, dann erhält man ellipsoidförmige Körper B, de-
ren Minimum die Energie der Leitungsbandkante WLo besitzt (durchgezogene
tungen sind nicht mehr äquivalent zueinander. In der Quantentheorie folgt daraus, daß
Kurven). Bei Wirkung einer mechanischen Spannung ändert sich die energetische
die aufgrund der Gittersymmetrie ursprünglich äquivalenten Wellenfunktionen der Lage der Elektronenzustände und damit auch die Energie der Leitungsbandkante:
Kristallelektronen nicht mehr zu denselben Energieniveaus gehören, d.h. die Entartung Durch uniaxiale Kompression (Berechnung in Band 1, Abschnitt 3.1) in x-
der Energieniveaus wird reduziert ([Link] 2, Abschnitt 2 und Band 11). Eine genaue Be- Richtung (bei kubischen Kristallen parallel zu kx) verschiebt sich das Mini-
rechnung solcher Effekte ist sehr aufwendig und teilweise auch heute noch im For- mum in kx-Richtung um den Betrag ∆W nach unten, die gleichzeitig entstehen-
de Dilatation in y-Richtung das ky-Minimum nach oben.
schungsstadium. Wir wollen uns daher auf eine quantitative Beschreibung der experi-
Relativ zur Fermienergie WF liegen die Leitungsbandminima bei Wirkung mecha-
mentell gefundenen Effekte beschränken (Bild 4.1.3-1, n-Halbleiter).
nischer Spannungen also in einem unterschiedlichen Abstand, die zu den Minima ge-
hörenden Leitungsbänder enthalten damit verschieden große Ladungsträgerkonzen-
trationen. Hierdurch ergeben sich unterschiedliche Ladungsträgerbeweglichkeiten
Seite 77
in x- und y-Richtung (s. Band 2, Bild 4.3.3-2, nach [4.7]). Pseudo-Halleffekt (Anhang C2) bezeichnet.
Die Wirkung der mechanischen Spannung ist nach Bild 4.1.3-1b, daß sich die Energien
der Elektronenzustände in den verschiedenen ursprünglich kristallographisch äquiva-
lenten Leitungsbändern relativ zueinander verschieben, so daß sie – bei konstanter Fer-
mienergie im thermischen Gleichgewicht – unterschiedlich stark mit Elektronen besetzt
werden. Wird durch Anlegen einer äußeren elektrischen Spannung ein Elektronen-
fluß erzeugt, dann tragen die verschiedenen Leitungsbänder in unterschiedlicher Weise
zum Stromfluß bei (s. Band 2, Abschnitt 4.3.3). Die durch die mechanische Spannung
erzeugten Unterschiede in der Elektronenbesetzung der Bänder wirken sich in der Regel
auf die Ladungsträgerbeweglichkeit aus. Dieses führt zu einem wichtigen Ergebnis:
Der beschriebene Einfluß der mechanischen Spannung auf die Bandstruktur be-
wirkt, daß die elektrische Leitung abhängt von der Kristallrichtung, in welcher der
elektrische Strom fließt. Die Leitfähigkeit ist also anisotrop geworden, d.h. sie hängt ab
von der Richtung des elektrischen Feldes relativ zum Kristallgitter (bzw. von der Art und O-
rientierung der wirkenden mechanischen Spannung). Anstelle der isotropen Beziehung
Bild 4.1.3-1c: Pseudo-Halleffekt in einem elektrischen Leiter mit ansotroper Leitfähigkeit:
(3.3.1-1) für resistive Sensoren mit einer skalaren Leitfähigkeit muß jetzt ein Leitfä- Bei einer unendlich großen räumlichen Ausdehnung des Leiters entsteht eine Feld-
higkeitstensor eingeführt werden, der diese Richtungsabhängigkeit beschreibt (s. auch komponente senkrecht zur Stromrichtung (ausführliche Diskussion in Anhang C2).
Anhang C2):
Charakteristisch für den piezoresistiven Effekt in Halbleitern ist, daß der Tensor des
spezifischen Widerstandes von dem am Halbleiter wirkenden mechanischen Span-
nungszustand abhängt, der im allgemeinen Fall durch die sechs unabhängigen Kompo-
nenten des Spannungstensors ((σ)) (Band 1, Abschnitt 3.1) beschrieben wird. Wir wol-
len annehmen, daß der Tensor des spezifischen Widerstands ohne Wirkung mechani-
Dabei ist berücksichtigt worden, daß die Anisotropie der Leitfähigkeit bei konstanter scher Spannungen eine Diagonalform hat (isotropes Verhalten) mit den Komponenten
Dotierungskonzentration ρD=ρn durch die Anisotropie der Ladungsträgerbeweglich- o und können dann (3) umformen in
ρsp
keit entsteht. Die Tatsache, daß es in (1) außerhalb der Tensordiagonalen Kompo-
nenten ungleich Null gibt, hat eine wichtige praktische Konsequenz (Anhang C2): Der
Stromdichtevektor enthält auch Komponenten senkrecht zur Feldrichtung, d.h. es fließt
auch ein Strom senkrecht zum angelegten elektrischen Feld!
Zur weiteren Auswertung schreiben wir (1) um in eine Darstellung mit demTensor des
spezifischen Widerstands:
Fließt ein Strom mit dem Stromdichtevektor , dann entsteht analog zu (1) bei aniso-
tropen Werkstoffen (nichtdiagonale Komponenten des Widerstandstensors in (2) un- Jede einzelne Komponente des Tensors ((∆)) in (4) kann von allen sechs Komponen-
gleich Null) eine transversale Feldkomponente senkrecht zur Richtung von (Bild ten des Spannungstensors abhängen, so daß (3) im allgemeinsten Fall einen sehr auf-
4.1.3-1c). Die meßbaren Auswirkungen sind nicht zu unterscheiden von dem durch wendigen funktionalen Zusammenhang beschreibt. In den meisten Fällen ist aber eine
Magnetfelder verursachten Halleffekt (Abschnitt 5.1.1), daher werden sie auch als erhebliche Vereinfachung durch eine Linearisierung des Problems möglich. Außer-
dem kann der ((∆))-Tensor wie der Spannungstensor als symmetrisch angesetzt wer-
Seite 78
Die lineare Abhängigkeit der Komponenten ∆i von den sechs Komponenten des
Spannungstensors wird ausgedrückt durch (die Tensoren (5) werden jeweils als 6-kom-
ponentige Vektoren geschrieben):
((π)) beschreibt den Tensor der piezoresistiven Konstanten. Aufgrund der kubischen
Symmetrie vereinfacht sich dieser Tensor z.B. für Halbleiter mit Diamant- und Zink-
blendestruktur auf die Form
Bild 4.1.3-2 und Tab. 4.1.3-1 zeigen experimentell gemessene Werte für die piezoresi-
stiven Koeffizienten des für Drucksensoranwendungen wichtigen Halbleiters Silizium.
Die Werte gelten für Siliziumquader mit Kanten parallel zu den Kristallachsen des Typs Bild 4.1.3-2 Piezoresistive Koeffizienten von Silizium (nach [4.10])
[100]. Bei anderen Orientierungen des Quaders müssen die Tensoren entsprechend a) p-Silizium: Abhängigkeit der piezoresistiven Koeffizienten von der Temperatur
transformiert werden [4.8 und 9]. b)-c): n-Silizium: Abhängigkeit der piezoresistiven Koeffizienten von der Tempe-
ratur und der Dotierungskonzentration
Seite 79
Tab. 4.1.3-1 Piezoresistive Koeffizienten (·10-7cm2/N) der Halbleiter Germanium, Silizium Das Einsetzen von (7) in (6) führt zu dem Gleichungssystem
und Galliumarsenid für verschiedene Dotierungsarten und -konzentrationen (nach
[4.9])
Die Werte ∆i müssen in die Gleichung (3) mit der Definition (4) eingesetzt werden,
dabei ergibt sich explizit die Form
Gehen wir von den Stromdichten über auf die Ströme , dann ergibt sich z.B. für die
oberste Zeile der Vektorgleichung (9) explizit
Bild 4.1.3-3 Grundsätzliche Verfahren der piezoresistiven Meßtechnik bei Anliegen zweier ein-
facher mechanischen Spannungszustände (Bezeichnungen wie in Band 1, Abschnitt
3.1; Fall I: uniaxialer Zug, Fall II: einfache Scherung; einige davon sind für kubische
Werkstoffe mit π-Tensoren wie in (7) nicht geeignet)
a) longitudinal wirkende mechanische Spannung
Fall I: Strom, gemessenes elektrisches Feld und mechanische Normalspannung Analog folgt für die anderen Zeilen von (6)
haben dieselbe Richtung. Dieses Meßverfahren wurde bisher auch bei den Metall-
DMS angewendet.
Fall II: Verhältnisse wie in Fall I mit einer mechanischen Scherspannung senk-
recht zur Strom- und Feldrichtung.
b) transversal wirkende mechanische Spannung: Strom und gemessenes elektri-
sches Feld haben dieselbe Richtung senkrecht zur Normalspannung und der Ebe-
nennormalen, auf welche die Scherspannung wirkt
c) und d): Pseudo-Hall-Effekt: Das elektrische Feld wird senkrecht zur Strom-
richtung gemessen (Transversalfeld)
Seite 80
Aus dem Verhältnis der Komponenten Ei kann der Hallwinkel θ (s. Anhang C2, Bild
C2-2a) für den Pseudo-Halleffekt berechnet werden nach
Über die Gleichungen (10) und (11) können die verschiedenen Verfahren der piezoresi-
stiven Meßtechnik analysiert werden (Bild 4.3.1-4).
Für den longitudinalen piezoresistiven Effekt (Bild 4.3.1-3a, Fall I) gilt z.B. mit (10a):
Dabei kann die relative Änderung des spezifischen Widerstands durch die Widerstands-
änderung ersetzt werden. πl heißt longitudinaler piezoresistiver Koeffizient. Ent-
sprechend gilt für den transversalen piezoresistiven Effekt bei uniaxialer Belastung
mit (11b)
mal größer sein). Als gravierender Nachteil kommt aber die höhere Temperaturabhän-
gigkeit des k-Faktors hinzu, die in vielen Fällen eine externe Temperaturkompensati-
on erforderlich macht.
Um die Nachteile des Halbleiter-Federkörpers zu vermeiden und trotzdem den höheren
k-Faktor auszunutzen, werden auch Dehnungsmeßstreifen aus polykristallin abge-
schiedenes Silizium (Polysilizium, s. Band 2, Abschnitt 8.2.4) eingesetzt [4.12]. In
diesem Fall stellt sich aufgrund der unterschiedlichen Kornorientierungen ein über alle
Kristallrichtungen gemittelter Wert für den k-Faktor ein, der immer noch weit größer
ist als der von Metallen (in Bild 4.1.3-6d zusammen mit anderen typischen Kenndaten
für Polysilizium dargestellt).
Bei Brückenschaltungen mit Stromspeisung lassen sich die verschiedenen Tempera-
turkoeffizienten so aufeinander abstimmen, daß sich insgesamt sehr niedrige Tem-
peraturkoeffizienten des Nullpunktes (TC0) und der Empfindlichkeit (TCE) erge-
ben (Bild 4.1.3-7). Tab. 4.1.3-2 zeigt einen Vergleich der Kenndaten von Drucksensoren
mit mono- und polykristallinen Silizium-Dehnungsmeßstreifen.
Bild 4.1.3-6 Eigenschaften von polykristallinen (Korngröße 50 bis 250 nm) Siliziumschichten
(Herstellung durch Niedrigdruck-CVD-Verfahren, s. Band 2, Abschnitt 8.2.4) nach
Bor-Ionenimplantation (s. Band 2, Abschnitt 8.2.5) und Laser-Ausheilung (nach
[4.12]).
a) Temperaturverlauf des normierten Schichtwiderstandes
b) TCR (Temperaturkoeffizient des Widerstandes)
c) longitudinaler k-Faktor von Polysiliziumschichten (ebenfalls eingetragen sind
die k-Faktoren von laser-rekristallisierten Polysiliziumschichten, sowie von mo- Bild 4.1.3-7 Maximale Temperaturkoeffizienten von Nullpunkt (TC0) und Empfindlichkeit
nokristallinem Silizium) (TCE) von Drucksensoren mit polykristallinen Silizium-Dehnungsmeßstreifen im
d) TCk (Temperaturkoeffizient des k-Faktors) Temperaturbereich zwischen -30oC und +120oC als Funktion des TCR (nach [4.12])
Den Nachteilen steht aber als grundsätzlicher Vorteil von Halbleiter-DMS relativ zu
metallischen Dehnungsmeßstreifen die größere Empfindlichkeit gegenüber aufgrund
des im Prinzip weit größeren k-Faktors (nach Bild 4.1.3-5 kann dieser bis zu 100-
Seite 83
164 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.4 Keramische Dehnungsmeßstreifen 165
Tab. 4.1.3-2 Vergleich der Leistungsdaten von Drucksensoren mit Dehnungsmeßstreifen aus
mono- und polykristallinem Silizium bei gleicher DMS-Maske und Montagetechnik
(nach [4.12])
166 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.5 Federkörper für resistive Drucksensoren 167
Bild 4.1.5-1 Einseitig aufgehängter Biegebalken als Federkörper. Als Näherungslösung ergibt
sich für die Ortsabhängigkeit der Normalspannung in x-Richtung [4.14]:
Bild 4.1.5-3 Anordnung von Dehnungsmeßstreifen, die komplementär auf Zug und Druck be-
ansprucht werden, auf nur einer (Seiten–)Fläche (im Gegensatz zu Bild 4.1.5-2)
d.h. auf den Oberflächen parallel zur xz-Ebene bei y = ± h/2: eines Biegebalkens (nach [4.7]).
168 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.5 Federkörper für resistive Drucksensoren 169
wegen der Ortsabhängigkeit der Spannungen entlang des Biegebalkens – sehr gut zu- Beim Einsatz von Biegebalken in der Druckmeßtechnik muß zuerst der Druck in ei-
einander justiert sein müssen. Dieser Vorteil kann durch eine Anordnung wie in Bild ne Kraft umgewandelt werden, dieses kann mit Hilfe einer Druckmembran erfolgen
4.1.5-3 vermieden werden; in der Praxis werden jedoch speziell konstruierte Feder- (Bild 4.1.5-6).
körper wie in Bild 4.1.5-4 bevorzugt.
Anstelle von Biegebalken können auch beliebige andere Formen von Federkörpern
eingesetzt werden, deren elastisches Verhalten häufig nur mit großem Aufwand zu
berechnen ist. Bei der Messung von Drehmomenten werden Zylinder oder Wellen
eingesetzt, dabei erfolgt eine elastische Verformung häufig durch reine Scherung
(Bild 4.1.5-7). Weitere Formen von Federkörpern werden bei den Ausführungsfor-
men von Kraft- und Drucksensoren in den Abschnitten 4.1.6 und 7 sowie 4.2.2 be-
Bild 4.1.5-4 Anwendung von Biegebalken in der Kraftmessung (z.B. Wägetechnik)
handelt.
a) Aufbau eines Kraftsensors mit Biegebalken: Bei dieser Anordnung kann die
zu messende Kraft in einer gut reproduzierbaren Weise dem Biegebalken zu-
geführt werden (das ist bei anderen Anordnungen durchaus problematisch,
nach [4.7]).
b) Wägesensor mit symmetrischer elastische Verformung einer Flachbiegefeder
(Anwendung Personenwaage): Auf der Ober- und Unterseite des Biegebalkens
treten jeweils sowohl Dilatations-, als auch Kompressionsgebiete auf, so daß
eine Meßbrücke aus vier Dehnungsmeßstreifen (jeweils zwei werden auf
Druck und Zug beansprucht) auf einer einzigen Seite angebracht werden kann
(nach [4.2]).
c) Der Federkörper in b) wird aus einem einzigen Werkstück (c1) hergestellt, die
Abmessungen der dazugehörigen DMS-Meßbrücke sind auf die Form des Fe-
derkörpers angepaßt (c2). Im endgültigen Entwurf der DMS-Struktur (c3) ist
ein Widerstandsnetzwerk zum Abgleich (durch Auftrennen von Widerstands-
bahnen, s. auch Bild 4.2.1-4b) integriert (nach [4.2])
170 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.5 Federkörper für resistive Drucksensoren 171
Bild 4.1.5-7 Messung von Drehmomenten über Dehnungsmeßstreifen, die auf einem tordierten
Zylinder (z.B. Antriebswelle) angeordnet sind (nach [4.9]}.
Es liegt nahe, bei einer Druckmessung wie in Bild 4.1.5-6 die Dehnungsmeßstreifen
unmittelbar auf der Druckmembran anzuordnen, wobei eine Vielzahl verschiedener
Membranformen eingesetzt werden kann (Bild 4.1.5-8).
Bild 4.1.5-9 Elastische Verformung auf einer eingespannten Kreisplatte (Kreismembran) bei
Druckbeanspruchung (nach [4.7])
Bild 4.1.5-8 Membranformen für Drucksensoren (nach [4.1])
a) Entstehung von Dilatations- und Kompressionsgebieten auf einer Druckmem-
bran
Für jede Ausführungsform ist eine exakte Berechnung des elastischen Verhaltens er- b) Ortsabhängigkeit (radialsymmetrisch) der radialen (σr) und tangentialen (σϕ)
forderlich, sie erfolgt im allgemeinen rechnergestützt, z.B. mit Hilfe der Methode der Spannungen auf einer Druckmembran:
Berechnung finiter Elemente.
In der einfachsten Ausführung besteht die Druckmembran aus einer radial einge-
spannten Kreisplatte (ebene Plattenfeder, Kreis- oder Topfmembran), die mit dem
Drucksensorgehäuse fest verbunden ist. Wie bei dem symmetrisch aufgebauten Bie-
gebalken in Bild 4.1.5-4 treten generell auch bei Membranen Kompressions- und Di-
latationsgebiete jeweils auf der Ober- und Unterseite auf (Bild 4.1.5-9).
Topfmembranen lassen sich vergleichsweise einfach herstellen; sie können für
Drücke zwischen 10 und 2000 bar eingesetzt werden. Die geometrische Auslegung
der Dehnungsmeßstreifen ist angepaßt auf die Spannungs- und Dehnungsverteilung
auf der Membran, wobei im allgemeinen sowohl radiale wie tangentiale Spannungen
ausgewertet werden (Bild 4.1.5-10).
172 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.5 Federkörper für resistive Drucksensoren 173
ne Kreisringmembran.
174 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.5 Federkörper für resistive Drucksensoren 175
Tab. 4.1.5-1 gibt einen Überblick über Werkstoffe, die sich für die Herstellung von
Federkörpern eignen. In der Drucksensortechnik werden als metallische Federwerk-
stoffe bevorzugt Spezialstähle und Kupferlegierungen (z.B. Kupfer-Beryllium, auch
Berylliumbronze genannt) eingesetzt, weiterhin Aluminiumlegierungen.
Bei einer Druckmessung über Dehnungsmeßstreifen auf metallischen Federkörpern
ist immer eine elektrische Isolation erforderlich, diese kann durch organische Folien
oder aufgebrachte Isolier-Dünnschichten (Band 2, Abschnitt 8.2.2) hergestellt wer-
den. Um diesen teilweise aufwendigen und störanfälligen Fertigungsschritt zu ver-
meiden, werden auch Federkörper aus Isolatorkeramiken [4.5] und Gläsern unter-
sucht. Problematisch kann hierbei die Sprödigkeit dieser Werkstoffe, sowie ein une-
lastisches Verhalten und Langzeitkriechen sein [4.20]. Im Prinzip können auch
Schichttechniken zur Herstellung von Drucksensorkörpern angewendet werden (Bild
4.1.5-14).
176 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.5 Federkörper für resistive Drucksensoren 177
178 4.1 Resistive Kraft- und Drucksensoren 4.1.5 Federkörper für resistive Drucksensoren 179
4.1.6 Metall-Drucksensoren
Bei Anwendungen, die eine besonders hohe Zuverlässigkeit und Überlastsicherheit
erfordern, sowie in der Präzisionsmeßtechnik dominieren weiterhin die Drucksenso-
ren mit metallischem Federkörper. Ein metalltypischer Vorteil ist in vielen Fällen die
Duktilität des Federkörpers, die im Fall einer extremen Belastung den Sprödbruch
verhindert (Band 1, Abschnitt 3.5). Weiterhin kann bei Metall-Drucksensoren der
Werkstoff des Federkörpers mit dem des Drucksensorgehäuses identisch sein oder
zumindest ähnliche Eigenschaften haben. Bei Spezialausführungen mit besonders
hohen Zuverlässigkeitsanforderungen werden sogar Federkörper und Gehäuse aus
demselben Werkstück gefertigt. Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist die Widerstands-
fähigkeit des Federkörpermaterials gegenüber korrosiven Einflüssen aus dem zu
messenden Medium. Auch hierbei haben Metalle in der Regel Vorteile. Nachteilig
gegenüber den mikromechanisch hergestellten Silizium-Drucksensoren sind vor allem
die weit höheren Fertigungskosten, so daß Metall-Drucksensoren überwiegend nur in
der industriellen Technik, wenig aber in der Konsumtechnik eingesetzt werden können.
Die Frage der Überlastsicherheit kann bei vielen Drucksensoranwendungen von ent-
scheidender Bedeutung sein. Deshalb wird bei Drucksensoren häufig die Membran-
durchbiegung durch ein mechanisches Gegenlager begrenzt (Bild 4.1.6-1), so daß die
Membran z.B. bei einer 10%igen Überschreitung der Nennlast aufliegt. Ein Bersten
des Gebers darf erst bei einer 1000%igen Überlast, bzw. bei 1500 bar auftreten.
Wie in Abschnitt 4.1.5 behandelt, können Dehnungsmeßstreifen direkt auf den
Druckmembranen aufgebracht werden (Bild 4.1.6-1a). Eine Übertragung der Mem-
branausbiegung auf die Meßfeder mit Hilfe eines Stößels (Bild 4.1.6-1b und c)
bringt aber den Vorteil, daß [Link] thermische Belastung der Membran sich nicht
unmittelbar auf den Meßfederkörper auswirkt und dort bleibende Veränderungen
verursachen kann.
Die Dehnungsmeßstreifen auf Metall-Drucksensoren können grundsätzlich sowohl
in Dickschicht- (Band 1, Abschnitt 4.2.1, zur Zeit wird diese Technik für Metall-
Drucksensoren selten angewendet) wie Dünnschichttechnik (Band 2, Abschnitt 8.2) Bild 4.1.6-1
Aufbau von Drucksensoren mit metallischem Federkörper: Die Durchbiegung der dem Druck aus-
aufgebracht werden, als Werkstoffe hierfür kommen Metallegierungen (Abschnitt gesetzten Membran kann direkt über Dehnungsmeßstreifen ausgewertet (a) oder über einen Stößel
4.1.2), aber auch polykristalline Halbleiter (Abschnitt 4.1.3) in Frage. auf eine Biegebalkenkonstruktion mit integrierten DMS übertragen werden (b und c). Die Durch-
biegung der Membran wird häufig durch ein mechanisches Gegenlager begrenzt. In vielen Fällen
Zur Senkung der Fertigungskosten werden Drucksensoren auch in einer Planartech- sind Bauelemente zum Abgleich des Sensors und zur Temperaturkompensation im Meßgehäuse in-
tegriert.
nik (Band 2, Abschnitt 8.2) hergestellt. Kennzeichnend hierfür ist die gleichzeitige
Herstellung vieler Drucksensorsysteme auf einer großen Scheibe (Wafer) aus einer a) Drucksensor nach [4.23] b) Drucksensor nach [4.24] c) Drucksensor nach [4.1]
Metall-Doppelschicht (Bild 4.1.5-11 unten). Die Kreisringmembranstruktur (Bild Typische Kenngrößen zur Charakterisierung von Drucksensoren, deren DMS prak-
4.1.5-11 oben) wird durch selektives Wegätzen der Kupfer-Berylliumschicht er- tisch immer in einer Brückenschaltung (Bild 4.1.6-2) angeordnet werden, sind das Null-
zeugt. Zur Vergrößerung der Empfindlichkeit können die Dehnungsmeßstreifen aus signal, der Kennwert (Empfindlichkeit), der Brückenwiderstand u.a (s. Anhang D).
Polysilizium hergestellt werden.
Bild 4.1.6-3 Definition des Kennwertes (der Empfindlichkeit) durch die in Gleichung (1) defi-
nierte relative Brückenspannung (nach [4.1])
Der Kennwert oder die Empfindlichkeit C eines Drucksensors in Brückenschaltung
wird durch den Wert Sn - So nach (1) bei Anlegen eines Drucks, abzüglich des Null-
signals definiert (Bild 4.1.6-3):
Setzt man den Ausdruck (4.1.1-6) für den k-Faktor in (1) ein, dann folgt:
Bei einer Anordnung der DMS nach dem in den Bild 4.1.5-2 oder 4.1.6-2 dargestell-
ten Prinzip gilt:
Bild 4.1.6-2 Widerstände (z.B. Dehnungsmeßstreifen) in einer Brückenschaltung (nach [4.1])
Die relative Spannungsänderung (gemessen in mV/V) in einer Brückenschaltung ist so daß wir aus (3) erhalten
nach Anhang D [4.1]:
Legt man für den Nenndruck eines Drucksensors eine Dehnung von ε = 10-3 fest,
dann ergibt sich als maximales relatives Brückensignal bei k = 2 der Wert 2·10-3 =
wobei die ∆Ri sowohl dehnungsbedingte Widerstandsänderungen beschreiben kön- 2mV/V. Je nach Auflösung des Drucksensors müssen dann durch die nachfolgende
nen, im drucklosen Zustand aber auch die Streuung der DMS-Widerstände um den elektronische Auswertung sehr viel kleinere Spannungen verarbeitet werden können.
jeweiligen Nennwert. Der für diesen Fall definierte Wert von S wird als Nullsignal Die Lage der Widerstände auf einer Druckmembran, sowie die Korrelation zwischen
So definiert. In der Praxis läßt sich ein kleiner Wert für So nur durch Widerstands- Dehnung ε und Druck p wird in vereinfachter Form in Bild 4.1.6-4 erläutert.
trimmen erreichen, z.B. durch Auftrennen von Abgleichbrücken, die meistens auf
der DMS-Struktur bereits integriert sind (s. Bilder 4.1.5-4, 10 und13). Gleichung (1)
zeigt, daß gleichsinnige Widerstandsänderungen (z.B. aufgrund gleicher Wider-
stands-Temperaturkoeffizienten der DMS oder einer zeitabhängigen Widerstands-
drift) in dieser Näherung unterdrückt werden können. Ist die Temperatur über der
Meßbrücke nicht konstant oder driften die Widerstände unterschiedlich stark, dann
entsteht ein Meßfehler. Herstellungsbedingte Temperaturkoeffizienten des Null-
signals von 2 bis 10 (µV/V)/10K können durch einen Abgleich auf Werte unter 1
(µV/V)/10K reduziert werden.
Bild 4.1.6-4 Dehnungen in einem Membran-Drucksensor bei Gültigkeit des Hookeschen Ge-
setzes (Band 1, Abschnitt 3.1, nach [4.1])
a) Lage der Brückenwiderstände in den Kompressions- und Dilatationsbereichen
auf der Membran
b) schematischer Ortsverlauf der radialen Dehnung. Näherungsweise gilt für die
Membrandicke d, den Druck p und den Elastizitätsmodul E die Beziehung:
Das Einsetzen von (5) und (6) in (2) ergibt für den Kennwert und dessen relativer – Linearitätsabweichung in der Abhängigkeit ε (p):
Abweichung die Beziehungen [4.1]: Die Dehnung nimmt nicht linear mit dem äußeren Druck zu. Dieser Fehler tritt
insbesondere bei großen Auslenkungen des Federkörpers (z.B. bei Membranen
mehr als die Membrandicke) in Erscheinung.
In den meisten Fällen kann die lineare Wärmedehnung αTd gegenüber den anderen Hysteresefehler von guten Federstählen liegen im allgemeinen unter 0,05%, bei dem
Termen vernachlässigt werden. In diesem Fall wird die Temperaturabhängigkeit der wichtigen Federwerkstoff CuBe sogar noch weit darunter.
Sensorempfindlichkeit wie bei den Metall-Dehnungsmeßstreifen in Abschnit 4.1.2 Während bei Folien-DMS das Kriechen (Anhang D) des Klebers erheblich eingehen
minimiert durch eine Anpassung der TKs von k-Faktor und Elastizitätsmodul. Eine kann (Abschnitt 4.1.2), wird bei Dünnfilm-DMS im allgemeinen nur das Kriechen
externe Temperaturkompensation kann erreicht werden durch Einfügen angepaßter des Federkörpers wirksam. Für gute Federwerkstoffe (Abschnitt 4.1.5) ergeben sich
temperaturabhängiger Widerstände in die Zuleitungen der Betriebsspannung (Bild hierfür niedrige Werte unterhalb von 0,02%.
4.1.6-5).
4.1.7 Halbleiter-Drucksensoren
Wie aus Bild 4.1.3-5 zu ersehen, können Dehnungsmeßstreifen in monokristallinem
Silizium außerordentlich große k-Faktoren annehmen, so daß im Prinzip gegenüber
Metall-DMS eine Vergrößerung der Empfindlichkeit erreicht werden kann. Da die
Herstellung monokristalliner Dünnfilme technologisch nur mit hohem Aufwand zu
realisieren ist, bleibt als Ausweg, die gesamte Druckmembran aus monokristallinem
Silizium herzustellen und die Dehnungsmeßstreifen in diese hineinzudiffundieren.
Silizium hat durchaus brauchbare Eigenschaften als Federwerkstoff: Es ist rein ela-
stisch (mit konstantem Elastizitätsmodul) dehnbar bis zu einer Bruchdehnung von
ca. 0,5%, wobei die Reproduzierbarkeit der Dehnung und die Hysterese nicht
schlechter sind als bei anderen guten Federwerkstoffen (vgl. Abschnitte 4.1.5 und 6).
Bild 4.1.6-5 Temperaturkompensation von Meßbrücken durch temperaturabhängige Wider-
stände (nach [4.1]) Die Fertigung dünner großflächiger Membranen kann nach den Verfahren der Mi-
kromechanik (Band 1, Abschnitt 3.4) erfolgen (Bild 4.1.7-1).
Bei der Linearitätsabweichung (Anhang D) ist bei Drucksensoren von praktischer
Bedeutung die …
– Linearitätsabweichung des k-Faktors:
Die Widerstandsänderung ist abhängig von der Größe der Dehnung. Dieser Effekt
ist bei Metall-DMS in den meisten Fällen vernachlässigbar.
Referenzdruck wirkt.
Bild 4.1.7-5 Gehäusetechnik für kostengünstige Silizium-Drucksensoren (a) und b) nach [4.30],
c) nach [4.48])
a) Universell einsetzbares Gehäuse für das Sensorelement: Der montierte Silizi-
umkristall nach Bild 4.1.7-2a wird zunächst über Bondtechniken (Band 2, Ab-
schnitt 8.3) mit Außenanschlüssen (die auf einem gestanzten Blech, dem lead
frame, angeordnet sind) verbunden. Anschließend wird das Gehäuse über
Spritzguß (Band 1, Abschnitt 3.2.2) mit einem thermoplastischen Polymerwerk-
stoff hergestellt.
b) Einbau des Sensorelements a) in ein Spezialgehäuse mit Schlauchanschlüssen
für Druckleitungen.
c) Einbau auf einen TO8-Sockel mit Druckanschluß
Bild 4.1.7-6 Drucksensor (X-shaped Sensor, nach [4.31])) mit vierpoligen Dehnungsmeßstrei-
fen, die das Prinzip des Pseudo-Hall-Effekts (Messung des Transversalfeldes) aus-
Die Anordnung der Halbleiter-Dehnungsmeßstreifen auf der Druckmembran kann im nutzen.
Prinzip erfolgen wie in den Bildern 4.1.5-10 und 13. Da Halbleiter-DMS ohnehin relativ a) Querschnitt durch den Sensoraufbau
große Schichtwiderstände haben, kann auf eine Verlängerung der Widerstandsbahn b) Aufsicht auf die Membran mit vierpoliger Meßfigur (Betriebsspannung Uo ,
über eine Mäanderstruktur verzichtet werden, so daß eine Struktur wie in Bild 4.1.5-10b Meßspannung ∆U).
verwendet werden kann.
Der Vorteil dieses Meßverfahrens liegt darin, daß eine Fehlerquelle vermieden werden
In derselben Technologie sind auch Drucksensoren hergestellt worden, die das durch kann, die durch die Streuung in den Eigenschaften der vier Widerstände einer Wheatsto-
den anisotropen piezoresistiven Effekt entstehende Transversalfeld (Pseudo-Hall- neschen Brückenschaltung entsteht. Die unvermeidbare Temperaturabhängigkeit des
Effekt, s. Anhang C2, Bild 4.1.7-6) ausnutzen. Sensorsignals wird durch Integration eines Widerstandsnetzwerkes mit einem tempera-
turabhängigen Widerstand (Thermistor) und einem Laser-trimmbaren Dünnschichtwi-
derstand kompensiert (Bild 4.1.7-7).
Seite 98
Die Umwandlung des Meßdrucks in eine Kraft erfolgt durch eine Stahlmembran.
Bild 4.1.7-8 Piezoresistiver Hochdrucksensor mit einem Siliziumstab als Meßelement (nach
[4.28]): Auf dem Siliziumkristall sind Dehnungsmeßstreifen und Kompensations-
widerstände integriert, der Meßdruck wird über eine Stahlmembran in eine Kraft
umgewandelt.
Bild 4.1.7-7 Temperaturkompensation bei dem Drucksensor in Bild 4.1.7-6 durch Integration
eines Laser-trimmbaren Widerstandsnetzwerks (nach [4.30])
a) Schaltung des Widerstandsnetzwerks mit einem temperaturabhängigen Wider-
stand (Thermistor) und drei Laser-trimmbaren Dünnschichtwiderständen
b) Integration des Widerstandsnetzwerks auf dem Siliziumkristall: Neben dem
vierpoligen Dehnungsmeßstreifen sind die einzelnen Widerstandsbahnen er-
kennbar
c) Streuung des Ausgangssignals mit und ohne Temperaturkompensation
Bei Hochdruck- und Kraftsensoren können anstelle der Druckmembranen auch Sili-
ziumstäbe mit eindiffundierten Dehnungsmeßstreifen eingesetzt werden (Bild 4.1.7-8).
Seite 99
196 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.1 Piezoelektrischer Effekt 197
4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren Bild 4.2.1-1 Zustandsdiagramm des Systems Bleititanat-Bleizirkonat (nach [3.42])
Oberhalb der Linie, welche die Curietemperatur für den ferroelektrischen Zustand
4.2.1 Piezoelektrischer Effekt in Abhängigkeit von der Legierungszusammensetzung beschreibt, hat die Legierung
eine (nichtferroelektrische) kubische Struktur, unterhalb davon eine von der Zusam-
In Verbindung mit Kaltleitern und pyroelektrischen Temperatursensoren war bereits mensetzung abhängige tetragonale oder rhomboedrische Struktur. Beide sind ferroe-
die Ferroelektrizität vieler keramischer (häufig perovskitischer) Werkstoffe eingeführt lektrisch mit dem Polarisationsvektor Ps; auf der zirkonatreichen Seite des Sy-
worden. Neben den genannten Verbindungen sind auch Mischkristalle unterschiedli- stems tritt bei einer Zusammensetzung oberhalb von 94 auch eine antiferroelektri-
cher Materialien von Bedeutung, insbesondere die Legierung Bleititanat-Bleizirko- sche Phase auf.
nat (PZT). Bild 4.2.1-1 zeigt das Zustandsdiagramm dieses Systems mit den dazugehö-
rigen Kristallstrukturen.
Auf der titanatreichen Seite des Zustandsdiagramms geht die ferroelektrische tetragona-
le Struktur oberhalb der Curietemperatur in eine nichtferroelektrische kubische Struktur
über (Bild 4.2.1-2).
Die Polarisation ferroelektrischer Materialien kann verändert werden, wenn der Kristall
aufgrund einer mechanischen Belastung elastisch verformt wird (Bild 3.3.5-1). Ein Kri-
terium hierfür ist die Abwesenheit eines Symmetriezentrums (Bild 4.2.1-3): Nur in die-
sem Fall wirkt die Verzerrung unsymmetrisch, so daß bei elektrisch geladenen Gitte-
ratomen ein zusätzlicher Beitrag zur Polarisation entsteht.
Die Erzeugung einer durch eine elastische Verformung induzierten elektrischenPolari-
sation (piezoelektrischer Effekt) ist nicht nur bei ferroelektrischen Werkstoffen (die
immer piezoelektrische Eigenschaften haben) möglich: Auch nichtferroelektrische kri-
Bild 4.2.1-2 Gitterstrukturen des nichtferroelektrischen rein kubischen PZT oberhalb der Cu-
stalline Werkstoffe, wie der kovalent gebundene SiO2-Kristall (Quarz, Band 1, Ab- rietemperatur (a) und des ferroelektrischen tetragonalen PZT (titanatreiche Zusam-
schnitt 1.3.3), können denselben Effekt zeigen. Der piezoelektrische Effekt ist umkehr- mensetzung) unterhalb der Curietemperatur (b). Zu erkennen ist die Verschiebung
bar: Das Anlegen eines elektrischen Feldes an einen piezoelektrisch aktiven Werkstoff des vierfach geladenen Kations aus der zentralen Lage, hierin liegt die Ursache für
kann zu einer Gitterverzerrung führen (Bild 4.2.1-4). das permanente elektrische Dipolmoment (nach [4.33])
Seite 100
198 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.1 Piezoelektrischer Effekt 199
Bild 4.2.1-3 piezoelektrischer Effekt in Ionenkristallen mit und ohne Symmetriezentrum (b) und
c) nach [3.9]):
a) Aufbau eines Kristalls mit Symmetriezentrum: Die Spiegelung aller Gitterpositi-
onen (mit den entsprechenden Atombesetzungen) A, B usw. über den Symmetrie-
punkt Z erzeugt äquivalente Gitterpositionen A', B', usw. Damit ist Z gleichzeitig der
gemeinsame Ladungsschwerpunkt (Band 11, Abschnitt 2) für die positiven und nega-
tiven Ladungen der Gitteratome.
b) Ionenkristall mit Symmetriezentrum mit und ohne elastische Verformung auf-
grund einer Kraft F: Auch im verformten Zustand bleibt das Symmetriezentrum, und
damit der gemeinsame Ladungsschwerpunkt der positiven und negativen Ladungen er-
halten: Es entsteht keine elektrische Polarisation.
c) Ionenkristall ohne Symmetriezentrum mit und ohne elastische Verformung auf-
grund einer Kraft F: Die ursprünglich übereinander liegenden Ladungsschwerpunkte
der positiven und negativen Ladungen haben jetzt verschiedene Ortsvektoren, so daß ein
Dipolmoment entsteht. Bezogen auf das Kristallvolumen wird eine elektrische Polarisa-
tion erzeugt, die ihrerseits Oberflächenladungen bildet.
Bild 4.2.1-5 a) Technische Anwendungen des direkten und reziproken piezoelektrischen Ef-
fekts (nach [4.34])
b) Sensoranwendungen des piezoelektrischen Effekts bei verschiedenen Frequen-
zen (nach [4.7])
Die quantitative Beschreibung des piezoelektrischen Effekts erfolgt analog zum py-
roelektrischen Effekt in (3.5-1) durch eine Relation zwischen der dielektrischen Ver-
schiebungsdichte und den Einflußgrößen. Anstelle der skalaren Temperatur treten
jetzt aber die sechs Komponenten des Spannungstensors, die als Spannungsvektor
Bild 4.2.1-4 Piezoelektrischer Effekt am Beispiel des rechtsdrehenden Quarzes (nach [4.34]): der
geschrieben werden können ([Link] 4.1.3). Bei Anwesenheit elektrischer Felder
Zustand vor der Krafteinwirkung ist gestrichelt, derjenige nach der Krafteinwirkung
durchgezogen gezeichnet. gilt dann insgesamt:
a) direkter piezoelektrischer Effekt wie in Bild 4.2.1-3c: Die elastische mechanische
Verzerrung führt zur Entstehung einer elektrischen Polarisation P.
b) reziproker piezoelektrischer Effekt: Das Anlegen eines elektrischen Feldes E
führt zu einer elastischen mechanischen Verzerrung
Seite 101
200 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.1 Piezoelektrischer Effekt 201
mit den Tensoren ((ε)) der Dielektrizitätskonstanten und ((d)) der piezoelektrischen
Koeffizienten (Einheit Coulomb/Newton). Die einzelnen Komponenten des zuletzt
genannten Tensors können wie die des Tensors der piezoresistiven Koeffizienten (Ab-
schnitt 4.1.3) dadurch bestimmt werden, daß an einen Probekörper spezifische Span-
nungszustände angelegt werden, bei denen jeweils nur eine der Komponenten des Span-
nungsvektors ungleich Null ist (Bild 4.2.1-6).
Bild 4.2.1-7 gibt eine Zusammenstellung der grundlegenden Daten für die in der Praxis
wichtigsten piezoelektrischen Werkstoffe. Die Tensorbeziehung (1) läßt sich auch über
die Verzerrungen ε ausdrücken
Bild 4.2.1-6 Messung der piezoelektrischen Konstanten (nach [4.34]) wodurch der Tensor der piezoelektrischen Moduln ((e)) (Dimension Coulomb/m2)
a) mechanische Spannungszustände am Probekörper zur Messung der piezoelek- definiert wird. Diese Definitionen der piezoelektrischen Koeffizienten und Moduln
trischen Koeffizienten werden (wie die der entsprechenden elastischen Konstanten auch) in der Praxis nicht mit
b) Bestimmung der Komponenten des Tensors der piezeelektrischen Koeffizien- einheitlicher Bedeutung verwendet, im Zweifelsfall ist eine Orientierung an der Einheit
ten über die Spannungszustände in a) erforderlich.
Seite 102
202 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.1 Piezoelektrischer Effekt 203
204 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.1 Piezoelektrischer Effekt 205
Bild 4.2.1-7 b) PZT Bild 4.2.1-7 c) Turmalin (Aluminiumborosilikat), Lithiumniobat und -tantalat
Ein piezoelektrischer Effekt kann auch bei elektrisch geladenen Polymeren, den Elek-
treten auftreten, weiterhin bei polaren Polymeren mit ausgerichteten elektrischen Dipo-
len. In Tab. 4.2.1-2 sind die Eigenschaften des polaren Polymers Polyvinylidenfluorid
(PVDF) zusammengestellt.
Eine ausführlichere Behandlung der piezoelektrischen Effekte erfolgt im Band 5, Ab-
schnitt 4.
Seite 104
206 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.2 Aufbau piezoelektrischer Kraft- und Drucksensoren 207
Bild 4.2.2-1 Anwendung des longitudinalen (a) und transversalen (b ) piezoelektrischen Ef-
fekts in Quarz (SiO2) bei Kraftaufnehmern (nach [4.28]): Dargestellt ist jeweils
die Lage der Silizium- und Sauerstoffatome vor und nach Einwirkung der mecha-
nischen Kraft F: Die Verschiebung bewirkt eine Trennung der Ladungsschwer-
punkte und damit die Entstehung von Oberflächenladungen. Weiterhin ist darge-
stellt der typische Aufbau von Kraftsensoren:
c) Mehrere piezoelektrische Elemente werden an den Stirnflächen mit Hilfe einer
Metallschicht kontaktiert und in einer Polung hintereinandergeschaltet, bei der an
gemeinsamen Elektroden jeweils gleiche Oberflächenladungen abgegriffen wer-
den können. Dieser Aufbau führt zu einer mechanisch sehr stabilen Konstruktion
mit einem einfachen elektrischen Abgriff der Signale, weiterhin addieren sich die
Sensorsignale der piezoelektrische Elemente.
b) Der Abgriff der Ladungen erfolgt an den leicht zugänglichen Seitenflächen des
Quarzkristalls.
Seite 105
208 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.2 Aufbau piezoelektrischer Kraft- und Drucksensoren 209
Dagegen steht ein typischer Nachteil bei piezoelektrischen Sensoren, der auch schon bei
den pyroelektrischen aufgetreten war:
– Eine Kraftänderung führt zu einer Änderung der induzierten Oberflächenladung,
b)
die auf den angeschlossenen Metallelektroden eine Differenz der Fermienergien
(von außen meßbare Spannung oder EMK, s. Abschnitt C1) erzeugt. Diese Spannung
kann aber durch den Fluß relativ geringer Elektronenzahlen abgebaut werden, d.h.
zur Aufrechterhaltung der Spannung ist eine extrem hochohmige Isolation und
Signalverstärkung erforderlich (Tab. 4.2.2-1). Auch in diesem Fall wird die Span-
nung gewöhnlich innerhalb von Sekunden bis Stunden abgebaut, so daß die Ladungs-
integration kurzzeitig erfolgen muß. Piezoelektrische Sensoren eignen sich daher be-
sonders zur Messung von Kraft-, Druck- oder Beschleunigungsänderungen, weni-
ger zur Messung statischer Größen.
210 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.2 Aufbau piezoelektrischer Kraft- und Drucksensoren 211
212 4.2 Piezoelektrische Kraft- und Drucksensoren 4.2.2 Aufbau piezoelektrischer Kraft- und Drucksensoren 213
214 4.3 Induktive und kapazitive Kraft- und Drucksensoren 4.3 Induktive und kapazitive Kraft- und Drucksensoren 215
zoelektrischen Eigenschaften, d.h. bei Beschleunigungssensoren ist die Abhängigkeit duktive Druckaufnehmer, Bild 4.3-2).
von der Richtung der Beschleunigung geringer. Mischkeramiken wie PZT haben in der
Regel eine größere Empfindlichkeit bei weit niedrigeren Materialkosten, nachteilig ist
jedoch die geringere Reproduzierbarkeit und Langzeitstabilität der piezoelektrischen
Eigenschaften, sowie ein größerer parasitärer pyroelektrischer Effekt.
Die Elektroden auf piezoelektrischen Elementen werden häufig über dünne Goldschich-
ten, sowie über Edelstahlkontakte hergestellt, als Isolationswerkstoff wird Teflon, Kap-
ton oder eine isolierende Keramik eingesetzt. Im Forschungsstadium befinden sich auch
Sensoren mit aufgesputterten (Band 2, Abschnitt 8.2.3) piezoelektrischen Schichten
(Bild 4.2.2-5).
Bild 4.3-1: Kapazitive Wegaufnehmer (nach [4.40]): Die Kapazität eines Plattenkondensators
wird bestimmt durch die Formel
Beim Aufbau a) wird der Plattenabstand x, beim Aufbau b) die Fläche A variiert.
Bild 4.2.2-5 Aufbau eines Sensors mit aufgesputterter piezoelektrischer Dünnschicht (Alumi- c) Aufbau eines keramischen Drucksensors (nach [4.42])
niumnitrid) auf einer Siliziummembran (nach [4.39])
Bei den induktiven und kapazitiven Sensoren gibt es eine große Vielfalt von mechani-
schen Ausführungen und elektrischen Meßtechniken, die häufig auf die speziellen Be-
dingungen bei der Anwendung angepaßt sind.
Bei den kapazitiven Sensoren bieten mikromechanische Verfahren für den Werkstoff
Silizium (s. Abschnitt 4.2.6) neue Möglichkeiten zur Herstellung extrem empfindlicher
und dennoch kostengünstig zu produzierender Ausführungen [4.43 und 44]. Diese
Technik ermöglicht die Fertigung sehr dünner und damit mechanisch leicht und schnell
auslenkbarer Siliziummembranen mit reproduzierbaren Eigenschaften. Die Auslen-
4.3 Induktive und kapazitive Kraft- und Drucksensoren
kung der Membran läßt sich auf einfache Weise kapazitiv erfassen (Bild 4.3-3).
Mechanische Kräfte oder Drücke können die reversible (elastische Verformung) oder ir-
reversible (Verschiebung ohne rücktreibende Kraft) Verlagerung von Körpern verursa-
chen. Wird auf diese Weise die Plattengröße oder der Plattenabstand von Kondensator-
platten in definierter Weise verändert, dann läßt sich die einwirkende Kraft über eine
Kapazitätsänderung messen (kapazitive Drucksensoren, Bild 4.3-1). Alternativ dazu
bewirkt die Verschiebung eines hochpermeablen Kerns innerhalb oder außerhalb einer
Spulenwicklung die Veränderung der Induktivität der Spule (Band 1, Abschnitt 7.2, in-
Seite 109
216 4.3 Induktive und kapazitive Kraft- und Drucksensoren 4.3 Induktive und kapazitive Kraft- und Drucksensoren 217
218 4.3 Induktive und kapazitive Kraft- und Drucksensoren 4.4 Andere Kraft- und Drucksensortechniken 219
Den Vorteilen eines einfachen Aufbaus und der guten mechanischen und elektrischen
Stabilität kapazitiver Sensoren stehen gravierende Nachteile gegenüber.
– Die Messung einer Kapazität ist grundsätzlich aufwendiger als die eines Wider-
stands.
4.4 Andere Kraft- und Drucksensortechniken
Neben den beschriebenen Drucksensorprinzipien gibt es eine große Vielfalt weiterer
– das Ausgangssignal ist bei einfachen kapazitiven Sensoren (nicht bei Sensoren mit
Verfahren, die auf Spezialgebieten der Meßtechnik durchaus eine große Bedeutung ha-
Differentialkondensatoren) in der Regel nichtlinear.
ben können. Im folgenden werden einige typische Beispiele hierfür aufgeführt.
Möglicherweise kann die Integration elektrischer Funktionen auf Silizium-Sensorchips
Elektrodynamische Kraftkompensation (Anwendung Präzisionswaage): Die zu
(integrierte Sensoren) langfristig diese Nachteile überwinden. In der Tabelle 4.3-1
messende Kraft F (Gewicht) wird durch eine elektrodynamisch (Tauchspule in einem
werden die Leistungsdaten verschiedener Kraft- und Drucksensortechniken miteinan-
Topfmagneten) erzeugte Gegenkraft exakt kompensiert. Die Einstellung der Gegen-
der verglichen.
kraft erfolgt über die Stromstärke in der Tauchspule, sie wird in der Weise geregelt,
daß eine durch die Kraft bewirkte Stabauslenkung durch die Gegenkraft exakt auf Null
Tab. 4.3-1 Vergleich verschiedener Techniken für den Aufbau von Kraft- und Drucksensoren zurückgeführt wird (Bild 4.4-1). Dieses Verfahren wird überwiegend in der Wägetech-
(nach [4.50]) nik eingesetzt, es hat einen außerordentlich großen Dynamikbereich (Milli- bis Kilo-
gramm) bei einer Meßgenauigkeit, die in einem eingeschränkten Temperaturbereich 10-
6 erreichen kann.
220 4.4 Andere Kraft- und Drucksensortechniken 4.4 Andere Kraft- und Drucksensortechniken 221
Magnetoelastischer Kraftsensor: In einer Meßfeder aus parallelen Transformatorble- Kraftsensoren mit akustischen Oberflächenwellen (SAW = surface acoustic wa-
chen ist eine Erreger-Spulenwicklung zusammen mit einer senkrecht dazu angeordne- ve)-Filtern: Bei Kristallen aus piezoelektrischen und anderen Werkstoffen lassen
ten Meß-Spulenwicklung angeordnet. Nur bei einer durch Kraftwirkung induzierten sich mit Hilfe von Kammstruktur-Elektroden (Bild 4.4-3) über eine Wechselspannungs-
Anisotropie der Magnetisierbarkeit der Feder wird beim Wechselstrombetrieb der ansteuerung mechanische Schwingungen (Gitterschwingungen oder Phononen) der
Erregerspule in die Meßspule eine kraftabhängige Meßspannung induziert (Bild 4.4-2). darunter angeordneten Atome und Ionen anregen, welche sich in Form von Volu-
Dieses Verfahren läßt den Aufbau einfacher und robuster Meßzellen zu und liefert eine men- und Oberflächenwellen ausbreiten. Über die Kristallorientierung, sowie die
beachtliche Genauigkeit. Form und Anordnung der Elektroden kann die Entstehung speziell von Oberflächenwel-
len begünstigt werden. Die Eigenschaften solcher Wellen können empfindlich von der
Ein induktiver Kraftsensor auf der Basis des magnetostriktiven Effekts wird in Ab-
atomaren Zusammensetzung und dem Gitterzustand an der Oberfläche abhängen, so
schnitt 5.3 beschrieben.
daß sich Oberflächenwellen für Sensoranwendungen nutzen lassen. Stellt die akustisch
angeregte Oberfläche z.B. gleichzeitig die Ober- oder Unterseite eines gebogenen Bal-
kens dar, dann kann die Größe einer Biegelast F gemessen werden (Bild 4.4-3).
wobei τo die Periodendauer ohne Einwirkung eines Drucks beschreibt; C und D sind
Kalibrierkoeffizienten. Die Temperatur kann durch einen zweiten Quarz-Temperatur-
sensor sehr genau bestimmt und zur Korrektur des Drucksensorsignals eingesetzt
werden.
222
5 Magnetsensoren
5.1 Halleffekt-Sensoren
5.1.1 Halleffekt
Der Halleffekt wurde 1879 von dem amerikanischen Physiker Edwin Herbert Hall ent-
deckt. Er ist eine Konsequenz der Bewegung von Ladungsträgern (Masse m, Ladung
q) unter Einfluß einer magnetischen Induktionsflußdichte , die durch die Wirkung
der Lorentz-Kraft FB (Band 2, Abschnitt 2.2.3, Band 11, Abschnitt 1.2.3)
bestimmt wird. Das Magnetfeld wirkt sich nach (1) nur dann auf die Teilchenbe-
wegung aus, wenn die Geschwindigkeit eine Komponente senkrecht zu besitzt.
In diesem Fall führt die allgemeine Lösung der Bewegungsgleichung (1) auf eine Bewe-
gung der Ladungsträger entlang einer Spiralbahn (Toroidbahn) mit der Richtung der
magnetischen Induktionsflußdichte als Achse (Band 11, Abschnitt 1.2.3, Bild 5.1.1-1b)
Bild 5.1.1-1 Bewegung freier geladener Teilchen in einem Magnetfeld (magnetische Indukti-
onsflußdichte ): Es wird vorausgesetzt, daß die Bewegung ohne Wechselwirkung
mit anderen Teilchen stattfindet, d.h. sie erfolgt beschleunigt (ballistisch). In Festkör-
pern erfolgt die Bewegung in Richtung der wirkenden Kraft, [Link] Lösung der Vek-
torgleichung (4), s. Band 11, Abschnitt 1.2.3 und Bild 5.1.1-2.
a) Richtung der Lorentz-Kraft
b) Spiralförmige Bewegung der Ladungsträger aufgrund der Lorentzkraft
Seite 113
Wirkt zusätzlich zu dem Magnetfeld ein elektrisches Feld , dann wird (1) erweitert
zu:
(2) beschreibt die Feldkraft auf die Ladungsträger, zu der im allgemeinen (Band 1,
Abschnitt 4.1.1, Band 2, Abschnitt 4.3.2) eine Diffusionskraft diff aufgrund von La-
dungsträger-Dichtegradienten tritt; als Summe von beiden ergibt sich die chemische
Kraft chem. Die Wechselwirkung der Ladungsträger untereinander läßt sich durch
Einführung einer Reibungskraft beschreiben; nach Band 11, Abschnitt 1.2.3 ergibt
sich dann auch bei Anwesenheit von Magnetfeldern als gemittelte Ladungsträgerge-
schwindigkeit < > aufgrund einer chemischen Kraft die Summe aus der (gemittel-
ten) Drift ( dr)- und Diffusionsgeschwindigkeit ( diff):
mit der Ladungsträgerbeweglichkeit µ. Bisher wurde µ nur für die Wirkung elek-
trischer Feld- und Diffusionskräfte betrachtet, bei Anwesenheit magnetischer Felder
kann sich die Ladungsträgerbeweglichkeit ändern ([5.1], s.u.).
Als Ladungsträger werden im folgenden zunächst Elektronen (später auch Löcher, s.
Band 2, Abschnitt 2.2.3) betrachtet. Wenn wir bei Abwesenheit von Ladungsträgergra-
dienten die Diffusionskräfte und -geschwindigkeiten vernachlässigen können, dann
folgt aus (2) und (3):
Bild 5.1.1-2 Entstehung des Hallfeldes bei einem stabförmigen Widerstand in x-Richtung
a) Elektronenbahnen aufgrund des angelegten elektrischen Feldes ax bei Abwesen-
heit eines Magnetfeldes B
b) Elektronenbahnen kurz nach dem Einschalten eines Magnetfeldes B (es hat sich
Es ergibt sich also eine Vektorgleichung für dr. Die aus der Teilchengeschwindig- noch kein Hallfeld aufgebaut): Der Elektronenstrom fließt auf einer um den Hall-
keit resultierende elektrische Stromdichte (Band 11 oder Anhänge in den Bänden 1 und winkel θH geneigten Bahn (freie Elektronen würden sich auf Spiralbahnen, die
2) ist definiert (Volumendichte ρn= Teilchenzahl N pro Volumen Vol): gestrichelt eingezeichnet sind, bewegen) zu den Seiten des Stabes hin, die Ablen-
kung wird bewirkt durch die Lorentzkraft F = -|q| x . Da die Elektronen an den
Seitenflächen nicht nach außen abfließen können, baut sich dort eine Oberflächenla-
dung auf, welche das Hallfeld EH erzeugt, die hierdurch erzeugte zusätzliche
und damit für den Fall der Lorentz-Feldkraft: Kraft ist der Lorentzkraft entgegengerichtet (d.h. das durch die Ablenkung von Elek-
tronen entstehende Hallfeld zeigt in Richtung der Lorentzkraft).
c) Auf die im Leiter fließenden Elektronen wirken nebeneinander die ablenkende
Kräfte des Magnetfeldes und des Hallfeldes. Beide kompensieren sich gegenseitig,
mit der spezifischen Leitfähigkeit für Elektronen σspn. so daß sich die Elektronen bei langgestreckten Widerständen näherungsweise (s.
Abschnitt 5.1.2) in der durch den geometrischen Aufbau des Stabes festgelegten
Aus Gleichung (6) folgt eine wichtige Konsequenz (Bild 5.1.1-2): Wir betrachten den Richtung bewegen.
Stromfluß durch einen Leiter in x-Richtung aufgrund eines in derselben Richtung
wirkenden von außen angelegten Feldes ax. Aus Gleichung (6) folgt unmittelbar
legten Feldes ax verdreht sind (Bild 5.1.1-2b), wobei gilt:
(Anhang C2), daß bei unendlich ausgedehnten Leitern die Stromdichtevektoren n
um einen definierten Hallwinkel θH gegenüber der Richtung des von außen ange
Seite 114
det. Bei endlich ausgedehnten, z.B. stabförmigen Widerständen wie in Bild 5.1.1-2,
führt die Stromflußkomponente j Tny in Richtung der y-Achse, also senkrecht zur Wi-
derstandsachse, zu einer elektrostatischen Aufladung an den Seitenflächen des Wider-
standes: Dadurch entsteht ein elektrisches Hallfeld H in der Richtung der negativen
y-Achse.
Die Wirkung dieses Feldes ist, daß eine Hallstromdichte fließt, welche die y-Kompo-
nente nyT der Stromdichte nT exakt kompensiert (Anhang C2):
Bild 5.1.1-3 Darstellung der Vektorgrößen beim Halleffekt für Elektronen: Eingezeichnet sind
das von außen angelegte elektrische Feld ax, aufgrund dessen ein Strom durch
den Stab fließt. Die Lorentzkraft B wird bestimmt durch den Vektor dr x z, der
d.h. aufgrund des Hallfeldes wird der Strom wieder in die ursprüngliche (Bild 5.1.1- in positiver y-Richtung verläuft, und die negative Ladung der Elektronen, sie zeigt
2a), durch die Widerstandsgeometrie vorgegebene Richtung abgelenkt (Bild 5.1.1- damit in die Richtung der negativen y-Achse. In dieser Richtung zeigt auch nach
2c). (11) das Hallfeld, das eine Kraft H auf die Elektronen in die Richtung der positi-
ven y-Achse bewirkt, die damit der Lorentzkraft entgegengerichtet ist.
Das elektrische Feld setzt sich dann insgesamt aus zwei Anteilen zusammen (Bild [Link]):
Das von außen angelegte Feld ax addiert sich vektoriell mit dem Hallfeld H zu
einem Gesamtfeld , welches senkrecht auf der magnetischen Induktionsflußdichte
z steht. Der Hallwinkel θH zwischen elektrischem Feld und angelegtem Feld
ax hat dieselbe Größe wie der Winkel zwischen dem Stromdichtevektor n und
angelegtem Feld ax bei unendlich ausgedehnten Widerständen (Anhang C2).
n
mit dem spezifischen Widerstand des n-Leiters ρsp. Bei einer genaueren Betrach-
tung muß die Magnetfeldabhängigkeit der spezifischen Leitfähigkeit berücksichtigt
werden (magnetische Widerstandsänderung, [Link] 5.2).
Mit (5) kann man in (11) die Driftgeschwindigkeit durch die Stromdichte ersetzen. Für
einen stabförmigen Widerstand und eine Orientierung des Magnetfeldes wie in Bild
5.1.1-2 und 3 folgt dann
mit der Hallkonstanten RHn für Elektronen:
Die Projektion auf die y-Achse ergibt dann mit den Einheitsvektoren x, y, z in
Richtung der Koordinatenachsen erwartungsgemäß einen negativen Wert, da das Hall- Eine aufwendigere Berechnung über die Boltzmanngleichung führt nur zu einem zu-
feld (13) in Richtung der negativen x-Achse zeigt: sätzlichen statistischen Faktor der Größenordnung 1.
Seite 115
Unbesetzte Elektronenzustände an der Valenzbandkante (Löcher) können wie posi- Analog zu (13) und (14) folgt aus (17) und (18)
tiv geladene Ladungsträger behandelt werden (Band 2, Abschnitt 2.2.3). Anstelle von
(4) bis (5) gilt dann für Löcher:
Im Unterschied zu (5) haben jetzt die elektrische Stromdichte und die Löchergeschwin-
digkeit dieselbe Richtung. Wiederum baut sich bei geometrisch begrenzten Widerstän-
den ein Hallfeld wie in (11) auf
(d.h. (11) gilt unabhängig vom Ladungsträgertyp!), so daß für den Stromfluß analog zu
(12) gilt:
d.h. für positiv geladene Ladungsträger wie Löcher ist die Hallkonstante positiv:
Einsetzen der Beziehungen (14) und (15) bzw. (21) und (22) erbringt
Bild 5.1.1-4 Darstellung der Vektorgrößen beim Halleffekt für Löcher: Im Gegensatz zu den
Verhältnissen bei Elektronen in Bild 5.1.1-3 zeigt jetzt die Driftgeschwindigkeit in
dieselbe Richtung wie die Stromdichte, damit zeigt der Vektor dr x z in Rich-
tung der negativen y-Achse, das Hallfeld EH hingegen in Richtung der positiven
y-Achse.
Die Kräfte B und H auf die Löcher haben aber dieselbe Richtung wie bei den
Elektronen, weil sich bei Elektronen die negativen Vorzeichen von Ladung und Ge-
schwindigkeit gegenseitig aufheben. Bei gleichzeitiger Anwesenheit von Elektronen
und Löcher kompensieren sich daher die Flächenladungen an den Seitenflächen des Mit den Beziehungen (12) und (19) für die elektrischen Stromdichten für Elektronen und
Stabes (Magnetokonzentrationseffekt, s. Bild 5.5.5-1), d.h. die Größe des Hallfeldes Löcher ergibt sich
nimmt ab.
Seite 116
Eingesetzt in (14) oder (21) ergibt sich für einen Stabquerschnitt b·d (s. Bild 5.1.1-
2c)
wobei die Hallbeweglichkeit µH (und damit auch die spezifische Leitfähigkeit σspH)
wegen der bereits erwähnten magnetischen Widerstandsänderung von der Driftbeweg- Je nach Wahl des Bezugspunktes für die Spannungsmessung kann UH auch das um-
lichkeit abweichen kann. Eingesetzt in (24) folgt schließlich gekehrte Vorzeichen zugeordnet werden, das Vorzeichen des Hallfeldes hingegen ist
eindeutig festgelegt.
Aus den Bildern 5.1.1-3 und 4 ging hervor, daß die Feldstärke im Leiter bei An-
wesenheit eines Magnetfeldes aus der Richtung des Stromflusses herausgedreht wird
(weil sich dem angelegten Feld ein Hallfeld überlagert). Diesem Verlauf der Feldstärke
entsprechen definitionsgemäß geneigte planare Äquipotentialflächen (Flächen gleichen
d.h. es ergibt sich derselbe Wert wie bei dem für unendlich ausgedehnte Widerstände be- elektrischen Potentials ϕ), da allgemein gilt
stimmten Hallwinkel in (7) oder Anhang C2.
In die Definition der spezifischen Leitfähigkeit auf der rechten Seite von (26) können
auch die expliziten Ausdrücke für die Hallkoeffizienten nach (15) und (22) eingesetzt Nach einem allgemeinen Satz aus der Vektoranalysis steht der Vektor immer senk-
werden, so daß sich ergibt: recht auf der dazugehörigen Äquipotentialfläche (Bild 5.1.1-5).
Über das Vorzeichen des Hallfeldes H kann nach (14,15) oder (21,22) entschieden
werden, ob in einem Leiter die p- oder n-Leitung überwiegt, dieses ist ein in der Praxis
häufig angewendetes Verfahren, das allerdings mehr Aufwand erfordert als die in Bild
3.2.1-2 beschriebene thermoelektrische Messung. Die Größe des Hallfeldes ergibt bei
bekanntem Probenstrom jx weiterhin Auskunft über die Ladungsträgerdichten ρn
oder ρp. Schließlich kann bei bekanntem Probenstrom die Größe σspH über (26) di-
rekt ermittelt und daraus über (28) die Hallbeweglichkeit bestimmt werden. Die Mes-
sung des Halleffekts erlaubt also eine getrennte Bestimmung der beiden unabhängigen
physikalischen Größen, die in die spezifische Leitfähigkeit eingehen: der Ladungsträ-
gerdichte und -beweglichkeit. Dieses ist bei anderen Meßverfahren nicht ohne weiteres
möglich; hieraus resultiert die große Bedeutung des Halleffekts bei der Analyse der Bild 5.1.1-5 Verlauf der elektrischen Feldstärke , die sich aus der Vektorsumme von ange-
legter Feldstärke ax und Hallfeldstärke H ergibt mit den dazugehörigen Äqui-
elektrischen Eigenschaften von Werkstoffen. potentialflächen (genauer: Flächen gleicher Fermienergie geteilt durch -|q|). Ohne
Bei bekannter Breite b des Stabes (Bild 5.1.1-2c) kann aus dem Hallfeld die Hall- Magnetfeld liegen die Äquipotentialflächen senkrecht zur Stromrichtung x = xA
(gestrichelte Linien, A = Querschnitt des Leiters), bei Anwesenheit eines Magnet-
spannung ermittelt werden über feldes sind sie dagegen um den Hallwinkel θH geneigt (durchgezogene Linien).
An den Meßpunkten 1 und 2 wird als Hallspannung die Differenz der (chemischen)
Potentiale (= Fermienergien) abgegriffen, die den durch 1 und 2 verlaufenden Äqui-
potentialflächen entsprechen. Eine exakte Messung setzt voraus, daß die beiden
Punkte 1 und 2 genau gegenüberliegen (sonst wird auch beim Magnetfeld Null eine
Seite 117
Spannung [ohmsche Komponente] gemessen). schen Widerstandsänderung, sie werden im Abschnitt 5.2.1 und im Anhang C3 ausführ-
Aus den Formeln (14) und (21) folgt, daß der Halleffekt besonders groß ist bei Werkstof- lich behandelt.
fen mit niedrigen Ladungsträgerdichten, wie sie z.B. in Halbleitern, vielen elektronisch Bei einer Widerstandsgeometrie wie in Bild 5.1.1-6 ist die gemessene Hallspannung
leitenden keramischen Werkstoffen, und Ionenleitern vorzufinden sind. Die Einspei- vom Ort der Messung auf dem Stab abhängig, sie hat allenfalls in einem mittleren
sung des Stroms erfolgt dann gewöhnlich über flächenhafte Metallkontakte an den En- Bereich des Widerstands den theoretisch berechneten Wert und nimmt zu den Stirnflä-
den des Stabes. Dort ist die Leitfähigkeit so groß, daß die Metallkontakte in guter Nähe- chen des Stabes hin ab. Für exakte Hallmessungen ist deshalb ein Geometrieverhältnis
rung als Äquipotentialflächen betrachtet werden können, deren Lage durch die Stabgeo- von l/b (Stablänge/Stabbreite) > 2 bei Abgriff der Hallspannung in der Stabmitte
metrie vorgegeben ist und nicht vom äußeren Magnetfeld abhängt. Die Feldstärke muß empfehlenswert. In Bild 5.1.1-7 sind gebräuchliche Probenformen für die Messung des
dann zwangsläufig auf der Fläche der Metallkontakte senkrecht stehen, bei stabförmi- Halleffekts dargestellt.
gen Widerständen wie in den Bildern 5.1.1-2 und 5 hat sie dann die Richtung des ange-
legten Feldes ax. Das ist gleichbedeutend damit, daß das Hallfeld H am Ort der
Metallkontakte aufgrund der Widerstandsgeometrie unterdrückt wird, so daß der
Stromfluß wie beim unendlich ausgedehnten Widerstand nach (7) mit einer durch den
Hallwinkel bestimmten Neigung relativ zur Widerstandsachse austritt (Bild 5.1.1-6).
Erst in größerem Abstand von den Metallkontakten kann die Feldstärke die in Bild 5.1.1-
6 dargestellte zur Widerstandsachse geneigte Richtung annehmen, gleichzeitig nimmt
der Stromflußvektor die Richtung der Probenachse an. Bild 5.1.1-6 zeigt den berechne-
ten Verlauf.
Bild 5.1.1-6 Strombahnen (definiert durch die ortsabhängigen Richtungen des Stromdichte-
vektors, durchgezogen eingezeichnet) und Äquipotentiallinien (gestrichelt) in einem
Widerstand
a) ohne äußeres Magnetfeld
b) mit äußerem Magnetfeld Bild 5.1.1-7 Bauelemente zur Messung des Halleffekts
Erst in einem größeren Abstand von den Kontaktflächen werden die in Bild 5.1.1- a) Meßfiguren: In die Kontakte CC wird der Strom eingespeist, bei SC die Sen-
5 dargestellten Verhältnisse angenommen, so daß dort die in (14) und (21) sorspannung abgegriffen. SC/CC bedeutet, daß Strom- und Sensorkontakte ver-
berechneten Hallfeldstärken gemessen werden können (nach [5.2]). tauscht werden können (nach [5.3])
b) Schaltsymbol von Hallsonden (nach [5.2])
Effekte dieser Art spielen eine große Rolle bei der geometrisch bestimmten magneti-
Seite 118
5.1.2 Hallgeneratoren Tab. 5.1.2-1 zeigt eine Übersicht über die Ladungsträgerbeweglichkeiten verschiedener
Element- und Verbindungshalbleiter.
Der Halleffekt läßt sich zur Messung von Magnetfeldern einsetzen, die entsprechenden
Sensoren werden als Hallgeneratoren bezeichnet. Ausgangspunkt für den Aufbau sol-
cher Sensoren sind die Beziehungen (5.1.1-14 und 21), die sich zusammengefaßt in der Tab. 5.1.2-1 Eigenschaften verschiedener Element- und Verbindungshalbleiter (nach [5.4]):
folgenden Weise darstellen lassen: Von besonderer Bedeutung für Hallgeneratoren und Feldplatten (Abschnitt 5.2.1) ist
eine große Ladungsträgerbeweglichkeit µn oder µp, da diese direkt in die Empfind-
lichkeit (4) des Sensors eingeht. Die Beweglichkeit bestimmt auch direkt die Größe
des Hallwinkels nach (5.1.1-7 und 27). An dieser Stelle sei an die Dimension der
magnetischen Induktionsflußdichte erinnert:
d.h. die Dimension der magnetischen Induktionsflußdichte entspricht der reziproken Dimension der
Ladungsträgerbeweglichkeit.
Wird die durch das Hallfeld bewirkte Leistungsabgabe vernachlässigt (stromlose Mes-
sung der Hallspannung) dann ist die am Sensor abfallenden Leistungsdichte
Bild 5.1.2-2 Aufbau von Halbleiter-Hallgeneratoren mit umdotierten aktiven Schichten (nach
[5.2, 5.8]):
a) Wegen der starken Abhängigkeit des Hallkoeffizienten von der Ladungsträ-
gerdichte wird die Dotierung der Sensorschicht (schwach implantierter Bereich)
häufig über Ionenimplantation (Band 2, Abschnitt 8.2-5) eingestellt, auch Epita-
xieverfahren können angewendet werden. Die ohmsche Kontaktierung über eine
Metallschicht erfolgt in Bereichen, bei denen die Dotierung vergrößert worden ist
(stark implantierte Bereiche, s. Band 2, Abschnitt 9.2)
b) Fertigung eines GaAs-Hallsensors in Planartechnologie
antimonid – oder Legierungen davon – werden durch Zersägen und Dünnschleifen und - zium als Werkstoff grundsätzlich überlegen, die Bilder 5.1.2-4 und 5 zeigen den Aufbau
ätzen (auf 10 bis 100 µm) der entsprechenden Kristalle mit anschließender Kontak- und die Leistungsdaten solcher Sensoren.
tierung durch Metalle hergestellt. Polykristalline Halbleiterschichten lassen sich durch
Aufdampfen (Schichtdicke 2 bis 3 µm) auf ein isolierendes Substrat oder andere Dünn-
schichtverfahren (s. Band 2, Abschnitt 8.2) herstellen.
Hallgeneratoren auf der Basis der technologisch besser beherrschten Werkstoffe Silizi-
um und Galliumarsenid bestehen meist aus dünnen Schichten, deren Dotierung über
Epitaxie- und Ionenimplantationsverfahren (s. Band 2, Abschnitt 8) innerhalb enger To-
leranzen eingestellt worden ist. Die Isolation zwischen der Sensorschicht (z.B. p-lei-
tend) und dem Substrat (z.B. n-leitend) erfolgt bei Silizium in der Regel durch die Raum-
ladungszone des pn-Übergangs, bei Galliumarsenid kann auch ein semiisolierendes
Substrat verwendet werden. Bild 5.1.2-2 zeigt den Aufbau und die Herstellung solcher
Halbleiter-Hallgeneratoren.
Bei Silizium- und Galliumarsenidsensoren bietet es sich an, den Fertigungsprozeß mit
der gleichzeitigen Herstellung von aktiven Bauelementen auf demselben Chip zu ver-
binden, so daß ein integrierter Sensor entsteht, bei dem das Meßsignal auf dem Chip ver- Bild 5.1.2-4 Galliumarsenid-Hallgeneratoren (nach [5.6,5.8])
stärkt und weiterverarbeitet (z.B. linearisiert) wird. In Bild 5.1.2-3 ist die vereinfachte a) Abhängigkeit der Sensorempfindlichkeit (Volt pro Ampere und Tesla) von der
Schaltung eines integrierten Silizium-Hall-Magnetfeldsensors wiedergegeben, in Bild Implantationsdosis
5.1.2-4 die Daten eines kommerziell erhältlichen Typs in Galliumarsenid-Technologie. b) Gehäuseform und Leistungsdaten eines diskreten (d.h. nicht integrierten) Hall-
sensors aus dem Halbleiterwerkstoff Galliumarsenid
Dabei ist B⊥ die Komponente des Magnetfeldes senkrecht zum Stromdichtevektor. l/b = 0 erreichen (Kurve D).
Die geometrische Magnetowiderstandsänderung wird durch die Formel (C3-6) Kurze Widerstände mit einem kleinen l/b-Verhältnisse haben relativ niedrige Wider-
beschrieben: standswerte, so daß eine Vergrößerung durch Hintereinanderschaltung vieler gleicharti-
ger Widerstände erforderlich wird. Technologisch läßt sich das bei Dünnschichtwider-
ständen durch Herstellung paralleler metallischer Kurzschlußstreifen (metallischeKon-
taktstreifen, die nach Möglichkeit durch die gesamte Halbleiterschicht legieren sollten)
Beide Formeln (1) und (2) zeigen, daß im Gegensatz zu den Hallgeneratoren nur die über einen Lithographieprozeß (Bild 5.2.1-2a) oder durch gerichtete Ausscheidung einer
Stärke des Magnetfeldes, nicht aber deren Richtung bestimmt werden kann. Weiter- gut leitfähigen zweiten Phase erreichen (Bild 5.2.1-2b).
hin folgt, daß die magnetische Widerstandsänderung mit steigender Beweglichkeit zu-
nimmt. Aus diesem Grunde werden für magnetoresistive Halbleitersensoren (Feld-
platten) grundsätzlich Werkstoffe mit einer besonders großen Ladungsträgerbeweg-
lichkeit eingesetzt, d.h. nach Tab. 5.1.2-1 vorzugsweise der Verbindungshalbleiter Indi-
umantimonid. Auch bei diesem Werkstoff ist der werkstoffbedingte magnetoresistive
Effekt relativ gering (z.B. 55% bei 1 T), er kann jedoch über den geometriebedingten
Magnetowiderstandseffekt (Anhang C3) erheblich verstärkt werden (Bild 5.2.1-1).
Bild 5.2.1-4 Sensorkennlinie (a) und Temperaturabhängigkeit (b) des Widerstandes für zwei
verschieden dotierte InSb/NiSb-Feldplatten: Die höher dotierten Halbleiter haben
zwar eine geringere Empfindlichkeit, aber auch einen niedrigeren Temperaturkoeffi-
zienten (nach [5.5, 5.7])
Ein grundsätzliches Problem bei Feldplatten, welches nur durch sorgfältige Material-
auswahl minimiert werden kann, entsteht durch die Temperaturabhängigkeit des Wider-
standes (Bild 5.2.1-5).
Wegen des Minimums der Sensorkurve in Bild 5.2.1-4a ist die Empfindlichkeit bei nie-
drigen magnetischen Induktionsflußdichten gering, eine Vergrößerung kann durch Ver-
schiebung des Arbeitspunktes über eine Vormagnetisierung erfolgen (Bild 5.2.1-6).
Wie in Bild 5.2.1-6b zu erkennen, kann bei vormagnetisierten Feldplatten auch die Rich-
tung der magnetischen Induktionsflußdichte erfaßt werden. In diesem Fall können zwei
verschiedene Feldplatten, die auf ein äußeres Magnetfeld mit unterschiedlichem Vor-
zeichen der Widerstandsänderung reagieren, in einer Brückenschaltung zusammenge-
faßt werden (Differentialfeldplatte). Damit kann die Wirkung der bei beiden Feld-
platten in derselben Richtung verlaufenden Temperaturabhängigkeit reduziert werden
(Bild 5.2.1-7).
5.2.2 Permalloy-Sensoren
Wie im Anhang C2 erläutert, besteht die Wirkung des Hallfeldes darin, daß die ur-
Bild 5.2.1-6 Zur Vergrößerung der Empfindlichkeit (∆R/∆Β) gegenüber kleinen Änderungen sprünglich aufgrund der Lorentzkraft abgelenkten Ladungsträger wieder in die durch
der magnetischen Induktionsflußdichte wird der Arbeitspunkt aus dem Bereich mit die Geometrie des Widerstandes vorgeschriebenen Bahnen zurückgedrängt werden
der Steigung Null bei B = 0 (a) in einen Bereich mit größerer Steigung verschoben (veranschaulicht in Bild 5.1.1-2). Hierdurch werden in der Regel die ursprünglich (und
(b): Dieses läßt sich erreichen durch eine Vormagnetisierung mit Hilfe eines kleinen Per-
weiterhin in den Randbereichen an den Kontakten, s. Anhang C3) geometrisch verlän-
manentmagneten (c), der fest mit der Feldplatte verbunden ist (nach [5.5]).
gerten Strombahnen wieder verkürzt: Die Wirkung des Hallfeldes besteht also darin,
daß der magnetoresistive Effekt verkleinert wird.
Bei Werkstoffen mit kleinen Hallkoeffizienten und -winkeln, wie [Link] Metallen, lie-
fert auch die Elimination des (verallgemeinerten) Hallfeldes keine wesentliche Vergrö-
ßerung des geometrisch bedingten magnetfeldabhängigen Widerstands, da in den Glei-
chungen (5.1.2-1) nur sehr kleine transversale Feldstärken EH auftreten. Erst bei Wir-
kung extrem großer magnetischer Feldstärken, z.B. in der Größenordnung 1T=1 Tesla =
10 000 Gauß, lassen sich nach einem anderen Mechanismus – über den magnetischen
Widerstandseffekt – gut meßbare Widerstandsänderungen im Prozentbereich erreichen.
Induktionsflußdichten dieser Größenordnung können durch voluminöse elektrisch er-
regte oder supraleitende Magnete erzeugt werden, bei ferromagnetischen Werkstoffen
treten sie aber in Form einer Sättigungspolarisation (s.u.) "von selbst" auf (Band 1, Ab-
schnitt 7): Bei einigen Elementen des Periodensystems ist das Energiespektrum der
Elektronen so beschaffen, daß Elektronen in bestimmten Unterschalen zur Minimierung
ihrer freien Energie eine parallele Spinausrichtung annehmen (Band 1, Abschnitt 7.1.4).
In diesem Fall können sich die magnetischen Momente der Elektronen zu einem Ge-
Bild 5.2.1-7 a) Brückenschaltung einer Differentialfeldplatte samtmoment erheblicher Größe aufaddieren. Bezogen auf das Werkstoffvolumen wird
b) Magnetfeldabhängigkeit der Sensorempfindlichkeit für die beiden Dotierun- das magnetische Moment als Sättigungsmagnetisierung s (Einheit wie die der
gen in Bild 5.2.1-4 und zwei Temperaturen in Abhängigkeit von der magnetischen
Induktionsflußdichte. Um bei der Messung kleiner Feldstärken eine maximale magnetischen Feldstärke, A/m) bezeichnet. Dieser entspricht eine Sättigungspolari-
Empfindlichkeit zu erhalten, ist eine Vormagnetisierung von ca. 0,2 T durch einen sation s der Größe
Permanentmagneten notwendig (nach [5.10]).
Seite 125
mit derselben Einheit wie die Induktionsflußdichte (T). Setzt man einen weich-
magnetischen Werkstoff (Band 1, Abschnitt 7.2) einem äußeren Magnetfeld aus,
dann wird der Polarisationsvektor auch bei sehr kleinen Werten von in die Rich-
tung von gedreht und erzeugt eine Induktionsflußdichte der Größe
Polarisation: Wie aus Bild 5.2.2-1 zu entnehmen, liegt die Sättigungspolarisation bei Ni-
Fe-Legierungen (Daten anderer Werkstoffe in Band 1, Abschnitt 7.2.1 und 7.2.2) in der
Größenordnung von 1 T, d.h. sie entspricht der obengenannten Induktionsflußdichte be-
achtlich großer induktiv betriebener Magnete! Das Bemerkenswerte ist, daß diese gro-
ßen Induktionsflußdichten bei guten Weichmagneten durch außerordentlich kleine Fel-
der – wie das Erdmagnetfeld – gesteuert werden können, d.h. kleine magnetische Steuer-
felder können eine meßbare magnetische Widerstandsänderung hervorrufen, die aller-
dings auch unter diesen Voraussetzungen selten über einige Prozent hinausgeht. Der be-
schriebene Effekt wird für die Herstellung von Magnetsensoren aus ferromagneti-
schen Leitern, wie z.B. Nickel-Eisen-Legierungen (Permalloy-Legierungen, s.
Band 1, Abschnitt 7.2.2) ausgenutzt.
Die magnetische Widerstandsänderung hängt stark von der relativen Orientierung zwi-
schen dem Stromdichtevektor und der Magnetisierungsrichtung s (oder Richtung
der magnetischen Polarisation Js, bzw. der damit verbundenen magnetischen Induk-
tionsflußdichte B) ab (anisotroper Magnetowiderstandseffekt): In der Regel ist der
Widerstand parallel zur Richtung der Magnetisierung größer als der senkrecht dazu
(Bild 5.2.2-2).
Zur Berechnung des Effekts gehen wir aus von Bild 5.2.2-3. Eine typische Konsequenz
Bild 5.2.2-3 a) Größen zur Messung des longitudinalen und transversalen anisotropen Wider-
der anisotropen Leitfähigkeit ist – wie beim piezoresistiven Effekt –, daß bei unend- standseffekts: Wegen des unterschiedlich großen spezifischen Widerstandes in Rich-
lich ausgedehnten Widerständen die Richtung der elektrischen Feldstärke nicht mit der tung der Magnetisierung und senkrecht dazu wird die Richtung der Feldstärke aus
Stromrichtung zusammenfällt. Bei geometrisch begrenzten Widerständen führt dieser der Richtung der Stromdichte parallel zur Widerstandsachse x herausgedreht (An-
Effekt zur Entstehung eines Transversalfeldes (Pseudo-Halleffekt, s. Anhang C2). hang C2): Es entsteht eine transversale Komponente Ey von senkrecht zu
(Pseudo-Halleffekt). Da die relative Widerstandsänderung ∆ρsp/ρsp klein ist (ma-
Der Transversaleffekt ist wegen der kleinen Hallwinkel relativ schwach, d.h. die Feld- ximal einige Prozent), hat der Betrag des Transversalfeldes Ey jedoch viel kleinere
komponente in Richtung des Stroms wird hierdurch nur in vernachlässigbarem Maße Werte als der des Longitudinalfeldes Ex in Stromrichtung, so daß er bei der Be-
rechnung des longitudinalen (natürlich nicht des transversalen) Widerstandseffekts
beeinflußt. Deshalb kann mit den Bezeichnungen in Bild 5.2.2-3 geschrieben werden
vernachlässigt werden kann.
Für die folgende Berechnung ist eine Zerlegung des elektrischen Feldes in eine
Komponente E|| entlang der Magnetisierungsrichtung und eine Komponente E⊥
senkrecht dazu vorteilhaft. Die Richtung der Magnetisierung ist durch ein äußeres
Der Zusammenhang zwischen Feldstärke und Stromdichte ist in den Richtungen paral- Magnetfeld, gekennzeichnet durch die Nord- und Südpole eines Magneten, festgelegt.
lel und senkrecht zur Magnetisierung durch die entsprechenden spezifischen Widerstän- b) Der betrachtete Winkelbereich von θ kann auf Werte zwischen -90o und +90o ein-
de gemäß Bild 5.2.2-2 festgelegt: geschränkt werden, da ρsp || unabhängig vom Vorzeichen der Magnetisie-
⊥ und ρsp
rungsrichtung sind.
In der Näherung θ ≈ θ ' lassen sich auch die Komponenten des Stromdichtevektors
darstellen durch
Seite 127
Das Transversalfeld ist also in der Größenordnung des θ-abhängigen Terms in (7) – der Entmagnetisierungsenergie aufgrund der Erzeugung freier magnetischer Pole
und beträgt damit einige Prozent des longitudinalen Feldes. Die Umrechnung auf die an den Rändern des Widerstandes
Seite 128
d.h. die Magnetisierung hat dieselbe Richtung wie das äußere Magnetfeld. Bei Anwe-
senheit einer Anisotropie haben die Hysteresekurven der Widerstände für Feldstärken
Seite 129
parallel (Bild 5.2.2-5b) und senkrecht (Bild 5.2.2-5c) zur Achse leichter Magnetisierung
eine signifikant unterschiedliche Form.
Auch die Form der Hysteresekurven kann aus der Minimierung der Wechselwirkungs-
energie bestimmt werden, wobei aber zusätzliche Effekte wie die rechteckige Wider-
standform, das unerwünschte Auftreten mehrerer Weißscher Bezirke, magnetische
Streufelder u.a. berücksichtigt werden müssen [5.14].
Für die weitere Betrachtung wird die theoretisch und experimentell näherungsweise er-
füllte Beziehung (13a) verwendet. Unter der Voraussetzung (12b), daß die Magnetisie-
rung dieselbe Richtung hat wie das äußere Magnetfeld , gilt:
Für den Wert des longitudinalen ohmschen Widerstands erhalten wir mit (8) und (14):
nearität und die geringe Sensorempfindlichkeit dR/dHy bei kleinen Hy . Ein erhebli-
cher Vorteil liegt aber in der Tatsache, daß die Kennlinie nicht von der Richtung der Aus-
gangsmagnetisierung entlang der magnetisch leichten Achse abhängt (Bild 5.2.2-6b).
Die aufgeführten Nachteile lassen sich beheben, wenn bei Abwesenheit eines äußeren
Magnetfeldes die Magnetisierung nicht mit der Stromrichtung zusammenfällt. Diese
Randbedingung läßt sich z.B. dadurch erreichen, daß durch geometrische Maßnah-
men aus der Richtung der leichten Magnetisierung herausgedreht wird (Bild 5.2.2-7).
Zur Berechnung schreiben wir die Beziehung (8) mit den Definitionen in (15b) und
(16b) um in die Form:
Bild 5.2.2-7 Magnetoresistiver Sensor, bei dem die Stromrichtung aus der Richtung der leichten
Magnetisierung entlang der Widerstandsachse x herausgedreht worden ist. Der
Winkel zwischen Magnetisierungs- und Stromrichtung wird nach wie vor mit θ
bezeichnet, der Winkel zwischen Magnetisierungsrichtung und Widerstandsachse
beträgt jetzt aber ϕ = θ + 45o. In die Beziehung (13b) geht jetzt aber nach Bild 5.2.2-7 der Winkel ϕ ein:
Die Abhängigkeit des longitudinalen Widerstandes Rx von dem Verhältnis Hy/Hk ist
in Bild 5.2.2-6a dargestellt. Die Pseudo-Hallspannung Uy nach (11) läßt sich mit Hil-
fe von (13) und (14) ausdrücken durch Ist die Stromrichtung gegenüber der Widerstandsachse um 45° geneigt, dann gilt mit den
Definitionen in Bild 5.2.2-7:
Im Gegensatz zu (17a) beschreibt (17b) für den Grenzfall Hy << Hk eine lineare Be-
ziehung.
Diese Beziehungen gelten nach der Voraussetzung von (12b) nur für die Randbedin-
gung Hx /cosθ >>Hk .
Die Feldstärke Hk hängt bei Formanisotropie ab von den Abmessungen des Wider-
stands. Für langgestreckte Widerstände wie in Bild 5.2.2-5a gilt näherungsweise
[5.16]: Eingesetzt in (19) folgt mit dem Winkel ϕ als Variable:
Aus diesem einfachen Zusammenhang ergibt sich ein großer Vorteil der magnetoresisti-
ven Permalloy-Sensoren: Die Empfindlichkeit des Sensors kann einfach durch die geo-
metrischen Abmessungen der Widerstandsschicht festgelegt werden. Durch Variation
z.B. der Breite b kann mit derselben Fertigungstechnologie und nur veränderten geo-
metriebestimmenden Masken in der Lithographie (Band 2, Abschnitt 8.2.6) eine ganze Der maximale Widerstand wird jetzt angenommen bei ϕ = 45o, dieses beschreibt wieder
Sensor-Typenreihe hergestellt werden! einen Zustand mit der Magnetisierung parallel zur Stromrichtung. Der minimale Wider-
stand bei einer Magnetisierung senkrecht zur Stromrichtung ergibt sich entsprechend
Typisch für einen Sensor mit dem Aufbau wie in Bild 5.2.2-5a und einer Sensorkennlinie
für ϕ =- 45o.
nach (17a) ist die Spiegelsymmetrie, d.h. der Sensor kann nicht das Vorzeichen von
Hy erkennen, da Hy in (17) quadratisch eingeht. Nachteilig ist weiterhin die Nichtli- Drücken wir den Winkel ϕ nach (20) aus durch die Feldstärke Hy, dann folgt:
Seite 131
Diese Sensorkennlinie hat erhebliche Vorteile gegenüber der Kennlinie (17a): Bei Hy =
0 und Hy= Hk hat sie denselben Widerstandswert Ro. Um die Magnetisierung in die
Richtung des Stroms zu drehen und damit den maximalen Widerstand zu erreichen, muß
also eine positive Feldstärke
angelegt werden, zur Minimierung des Widerstandes (die Magnetisierung steht senk-
recht auf der Stromrichtung) eine negative Feldstärke derselben Größe.
Bild 5.2.2-8a zeigt den Verlauf der symmetrischen Sensorkennlinie (23b), die im Grenz-
fall Hy << Hk einen linearen Verlauf hat. Wie (17b) zeigt, hat auch die Hallspannung
Uy dieselbe Charakteristik. Bild 5.2.2-8 a) Kennlinie eines magnetoresistiven Sensors nach Gleichung (12), bei dem die
Im Gegensatz zu dem symmetrischen Magnetsensor in Bild 5.2.2-6 ergibt sich aber ein Richtung der leichten Magnetisierung und die Stromrichtung gegeneinander um
wichtiger Unterschied (Bild 5.2.2-8b): Die Sensorkennlinie wird abhängig von der 45o verdreht sind (nach [5.14 und 15]). Im Gegensatz zu der Kennlinie in Bild
5.2.2-6 kann bei dieser Anordnung das Vorzeichen des Magnetfeldes gemessen
Richtung der spontanen Magnetisierung entlang der Widerstandsachse. Die Rich- werden, weiterhin ist die Kennlinie bei kleinen Werten Hy<<Hk linear.
tung der Magnetisierung muß also festgelegt sein. Das bedeutet, daß in Bild 5.2.2-5b die b) Abhängigkeit der Sensorkennlinie a) von der Richtung der spontanen Magneti-
Koerzitivfeldstärke Hc nicht überschritten werden darf. Da dieses in der Praxis nicht sierung : Im oberen Fall wird der maximale Widerstand angenommen bei positi-
immer gewährleistet werden kann, ist es erforderlich, an dem Sensor einen kleinen Per- ven Feldstärken Hy der Größe (25), bei einer Magnetisierungsrichtung wie im
unteren Fall hingegen bei negativen, d.h. in der Kennlinie a) muß das Vorzeichen
manentmagneten fest anzubringen. Dieser kann dann auch gleichzeitig die Funktion der
umgekehrt werden.
rücktreibenden Kraft übernehmen, so daß Hk nicht über Formanisotropie aufgrund der
Widerstandsgeometrie nach (18), sondern durch die Stärke des Permanentmagneten
festgelegt wird. Dieser ist dann auch maßgebend für die Sensorempfindlichkeit. Die Verdrehung der Stromflußrichtung auf dem magnetoresistiven Sensor kann durch
einen barber-pole-Aufbau (benannt nach den charakteristischen Pfosten vor den Fri-
seurläden in einigen Ländern) erreicht werden (Bild 5.2.2-9).
Seite 132
Bild 5.2.2-9 Verdrehung der Stromrichtung auf einem magnetoresistiven Widerstand aus der Bild 5.2.2-10 Bestimmung der Offsetspannungen von Meßbrücken mit Permalloy-Sensoren
Widerstandsachse heraus (barber-pole-Struktur, nach [5.14 und 15]): durch Vorzeichenumkehr der spontanen Magnetisierung (nach [5.27])
a) Auf der relativ hochohmigen Widerstandsschicht werden streifenförmige Me- a) Die Sensormeßbrücke wird in einer Zylinderspule angebracht. Über Strompul-
talleiterbahnen angebracht: Diese erzeugen schrägliegende Äquipotentialflä- se unterschiedlichen Vorzeichens kann innerhalb der Spule ein Magnetfeld unter-
chen, so daß die (senkrecht darauf stehenden) Feldlinien relativ zur Widerstand- schiedlichen Vorzeichens erzeugt werden, das die spontane Magnetisierung der
sachse geneigt sind. Der Stromfluß folgt dann den Feldlinien. Permalloy-Sensoren (ohne Permanentmagneten!) in kontrollierter Weise um-
b) Hintereinanderschaltung von magnetoresistiven Widerstandsstreifen zur Ver- kehrt.
größerung des Sensorwiderstandes b) Sensorkennlinien gemäß Bild 5.2.2-8a mit unterschiedlichen Richtungen der
c) Zusammenschaltung von vier magnetoresistiven Sensoren zu einer Brücken- spontanen Magnetisierung: Es ergibt sich nach Bild 5.2.2-8b eine Vorzeichen-
schaltung. Jeweils gegenüberliegende Widerstände haben eine gleichsinnige umkehr der Sensorkennlinie. Aus dem Schnittpunkt oder dem Mittelwert beider
Verdrehung der Stromrichtung um + 45o oder 45o. Kennlinien kann die Offsetzspannung bestimmt werden.
c) Zeitliche Abfolge der Steuergrößen (Strom und Magnetisierung) bei der perio-
Bei Brückenschaltungen wie in Bild 5.2.2-9c sind Offsetspannungen (Brückenspan- dischen Umkehr der Magnetisierung und Bestimmung der Offsetspannung aus
nungen ungleich Null auch bei äußerem Feld Hy = 0) herstellungsbedingt nicht zu ver- dem Ausgangssignal.
meiden, deshalb werden im Sensor meistens auch Korrekturwiderstände integriert, die
über eine Lasertrimmung (Veränderung der Widerstandsgeometrie durch Verdamp-
fung mittels eines Laserstrahls) individuell abgeglichen werden können. Zu einer noch Durch Offsetkorrektur kann die Meßgenauigkeit bei sehr kleinen Magnetfeldern (An-
feineren Offsetunterdrückung kann die Abhängigkeit der Sensorkennlinie von der Rich- wendung elektronischer Kompaß) außerordentlich gesteigert werden.
tung der spontanen Magnetisierung nach Bild 5.2.2-8a herangezogen werden (Bild Eine Temperaturabhängigkeit ergibt sich in der Größe des Ausgangssignals, nicht aber
5.2.2-10). im relativen Verlauf der Sensorkennlinie, so daß eine Temperaturkompensation über die
Seite 133
Tab. 5.2.2-1 Kenndaten kristalliner und amorpher weichmagnetischer Werkstoffe (nach [5.17])
Datenblatt KZM 10 B
Seite 135
5.3 Spulen
5.3.1 Induktionsspulen
Ändert sich in einer geschlossenen Drahtschlaufe die dort wirkende Induktionsflußdich-
te , dann wird in die Anschlüsse der Spule eine Spannung Uind induziert (Band 1,
Abschnitt 7.1.1) der Größe
Die Eigenschaften einer Spule werden maßgeblich von parasitären elektrischen Eigen-
schaften mitbestimmt: Bild 5.3.1-1 zeigt das dazugehörige Ersatzschaltbild.
Seite 136
Bild 5.3.1-3 Magnetfeldsensor mit einer Zylinderspule, in die ein weichmagnetischer Kern
Der Gleichstrom-Serienwiderstand RDC verursacht das thermische Rauschen (Band eingelagert ist (nach [5.29]). Ein schwaches äußeres Magnetfeld in Richtung der Spu-
2, Abschnitt 14.1) der Spule, welches die Empfindlichkeit begrenzt. Der Wechselstrom- lenachse ändert die Richtung der Induktionsflußdichte des Spulenkerns und induziert
widerstand RAC wird z.B. durch den Skineffekt und durch Wirbelströme hervorgeru- damit nach (1) eine Spannung an den Spulenanschlüssen. Bei Verwendung hochper-
meabler Spulenkerne können Magnetfelder in der Größenordnung des Erdmagnet-
fen. feldes detektiert werden. Zur Messung dreidimensional orientierter Feldstärken müs-
Die Wirkung von hochpermeablen Spulenkernen ist die Konzentration des magneti- sen drei getrennte Sensoren verwendet werden, die in den drei Raumrichtungen aus-
gerichtet sind.
schen Flusses in das Innere der Spule (Bild 5.3.1-2), so daß – bei gleichbleibender Emp-
findlichkeit – die Spulenabmessungen erheblich reduziert werden können.
vorhandenen Leiterbahnen durchgeätzt. Im nächsten Schritt wird wieder eine Metall- des für die periodische Aussteuerung der Magnetisierung des Kerns bis in den
schicht für die obere Verdrahtungsebene abgeschieden (i) und in Leiterbahnen so
strukturiert, daß beide Verdrahtungsebenen zusammen eine Spule bilden (j und k),
d.h. die Kontaktflächen der oberen und unteren Leiterbahnen werden versetzt mitein-
ander verbunden.
Der Aufbau von Sensorspulen mit hochpermeablem Kern führt – im Vergleich zu Luft-
spulen – zu kürzeren Drahtlängen und damit zu einem geringeren Rauschen. Sekundär-
eigenschaften der Permeabilität, sowie der geometrischen Aufbau des Spulenkerns kön-
nen zu einer Nichtlinearität der Sensorkennlinie und einer zusätzlichen Frequenz- und
Temperaturabhängigkeit führen.
Bei Anwesenheit eines Spulenkerns der relativen Permeabilität µrc wird die magneti-
sche Induktionsflußdichte (2) um den Faktor µrc verstärkt, d.h. als Amplitude Uo der
induzierten Spannung ergibt sich analog zu (3) und (4):
Bild 5.3.2-1 Prinzipieller Aufbau eines Sensors nach dem Sättigungskernverfahren (nach [5.18])
d.h. für D ≈ Dc ergibt sich relativ zur Luftspule eine Vergrößerung der Empfindlichkeit
um den Faktor µrc. Im Ersatzschaltbild 5.3.1-1 treten bei Anwesenheit von Spulen-
kernen zu den Serienwiderständen noch weitere hinzu aufgrund von Wirbelströmen und
Hystereseverlusten.
Induktionsspulen finden vielfältige Anwendungen, wenn es auf große Empfindlichkeit
und Zuverlässigkeit ankommt und keine große Ortsauflösung gefordert wird. Messun-
gen des Erdmagnetfeldes, sowie magnetischer Felder in der Astronomie werden häufig
in dieser Technik ausgeführt. In anderen Anwendungsbereichen erfolgt lediglich die
Anzeige bewegter magnetisierter Materie, z.B. bei Sicherungssystemen im Eisenbahn-
verkehr. Bild 5.3.2-2 Sättigungskernverfahren mit Auswertung der zweiten Harmonischen einer sinusför-
migen Aussteuerung des Kerns (nach [5.18]): Betrachtet werden die Signalformen ohne
äußeres Magnetfeld (durchgezogen) und bei Wirkung eines Magnetfeldes Hext(ge-
5.3.2 Sättigungskernverfahren strichelt).
a) Magnetfeld der Ansteuerungsspule
Bei den Sättigungskernverfahren (Saturationskernverfahren, Flux Gate Magneto- b) Hysteresekennlinie des hochpermeablen Spulenkerns
meter) sind zwei getrennte Wicklungen um einen hochpermeablen Spulenkern ange c) Induktionsflußdichte im Kern aufgrund der Ansteuerung
ordnet (Bild 5.3.2-1). Während eine der Wicklungen zur Erzeugung eines Magnetfel- d) induzierte elektrische Spannung in der Aufnahmespule
Seite 138
e) bis g) Oberwellenanalyse der induzierten elektrischen Spannung nach d): (Ausführung I: mit zusätzlicher Wicklung im Sensor, Ausführung II: ohne zusätz-
e) Grundwelle liche Wicklung): Im Vergleich zu a) und b) ergibt sich eine verbesserte Linearität.
f) 2. Harmonische
g) 3. Harmonische Die Fourieranalyse ergibt, daß bei einer sinusförmigen Ansteuerung des Magnetkerns
ohne äußeres Magnetfeld nur ungeradzahlige Oberwellen auftreten, bei Wirkung ei-
Sättigungsbereich dient, wirkt die zweite als Induktionsspule und mißt die resultie- nes äußeren Feldes Hext jedoch auch geradzahlige. Die Amplitude der zweiten Har-
rende Änderung der Induktionsflußdichte im Kern. Die Abhängigkeit ( ) wird monischen kann also als Maß für die Stärke des äußeren Magnetfeldes herangezogen
durch eine Hysteresekurve wie z.B. in Bild 5.2.2-1 beschrieben (schematisch in Bild werden. In Bild 5.3.2-3 sind verschiedene Prinzipschaltbilder für den Aufbau von Sätti-
5.3.2-2b), sie ist deutlich nichtlinear. Es wird sich zeigen, daß die Signalform der indu- gungskernsensoren dargestellt.
zierten Spannung sehr empfindlich von der Anwesenheit äußerer Magnetfelder ab-
hängt, so daß die ursprünglich eingegebene Zeitabhängigkeit des Magnetfeldes in Neben dem beschriebenen Verfahren mit Auswertung der 2. Harmonischen gibt es eine
charakteristischer Weise verzerrt wird. Die Art und Stärke der Verzerrung läßt sich Vielzahl weiterentwickelter Verfahren. Bild 5.3.2-4 zeigt einen Sättigungskernsensor
durch eine Oberwellenanalyse bestimmen. mit Auswertung von Impulshöhen, Bild 5.3.2-5 den entsprechenden Schaltungsaufbau.
ist dann ein Maß für die Größe des äußeren Feldes.
276 5.4 Wiegand- und Impulsdrahtsensoren 5.4 Wiegand- und Impulsdrahtsensoren 277
278 5.4 Wiegand- und Impulsdrahtsensoren 5.4 Wiegand- und Impulsdrahtsensoren 279
Tab. 5.4-2 Typische Eigenschaften eines Wieganddrahtes bei optimaler Ansteuerung (Typ
PN 30020, Echlin Sensor Co. , USA-Branford CT, nach [5.20]))
Bild 5.4-2 Wiegand-Effekt am Vicalloy-Draht (52Co-10V-Fe, nach [5.20 bis 22]): Der weich-
magnetische Drahtkern ist von einem magnetisch härteren Mantel umgeben, dem eine
festgelegte Magnetisierungsrichtung eingeprägt ist. Diese Eigenschaften werden durch
eine mechanische Behandlung des Drahtes (Tordieren und Drehen) eingestellt. Die
Magnetisierung des Kerns hat zwei stabile Ausrichtungen entlang und entgegengesetzt
der äußeren Magnetisierungsrichtung.
a) Ausgangszustand: Drahtkern und -mantel haben dieselbe Magnetisierungsrich-
tung
b) Durch ein äußeres Magnetfeld wird die Magnetisierung des Kerns umgepolt. Der
in die Spule induzierte Spannungsimpuls hat eine relativ geringe Amplitude (die
Feldstärken von Mantel und äußerem Feld wirken gegeneinander, s– c klein ).
c) Durch ein entgegengesetzt gepoltes äußeres Magnetfeld wird der Ausgangszu-
stand wieder hergestellt: Die Richtungen des äußeren und des Mantel-Magnetfel-
des stimmen überein, es ergibt sich ein großer induzierter Spannungspuls ( s– c
groß).
Typisch für das Verhalten der Sensoren ist, daß eine äußere Magnetfeldstärke s
oberhalb der Koerzitivfeldstärke c angelegt werden muß, um die Polarisationsände-
rung einzuleiten. Hohe Werte für die treibende Kraft s – c erhält man durch ein
feinkörniges Gefüge im Draht und hohe Zugspannungen. Tab. 5.4-1 gibt die typischen
Eigenschaften einer magnetischen Legierung wieder, aus der Impulsdrähte hergestellt
werden können.
Bild 5.4-2 zeigt den Aufbau und die Funktionsweise eines Wieganddrahtes.
Das spezielle Herstellungsverfahren des Wieganddrahtes führt zu einer komplexen Ab- Bild 5.4-3 Abhängigkeit der Eigenschaften von Wieganddrähten von der Größe der Rück-
hängigkeit des Impulsverlaufs und der Impulsamplitude von der Ansteuerung (Bild 5.4- setzfeldstärke r (nach [5.20]):
3). a) Hysteresekurven
b) Schaltamplitude in Abhängigkeit von der Schaltfeldstärke s.
Seite 141
280 5.4 Wiegand- und Impulsdrahtsensoren 5.4 Wiegand- und Impulsdrahtsensoren 281
Im Gegensatz zum Wieganddraht ist der Impulsdraht symmetrisch ansteuerbar und be-
nötigt nur eine Feldstärke von 30 A/cm. Die Koerzitivkraft des Dauermagnetdrahts be-
trägt 450 A/cm und liegt damit weit außerhalb des kritischen Bereichs. Unterhalb von
100 Hz ist die Impulshöhe frequenzunabhängig. Naturgemäß nimmt die Impulsam-
plitude mit kleiner werdendem Lastwiderstand ab; ein typischer Innenwiderstand liegt
bei 300 Ω.
Bild 5.4-4 Aufbau eines Impulsdrahtes (nach [5.20]): Neben dem mechanisch verformten Bei anderen Ausführungsformen von Impulsdrahtsensoren für kleine Ansteuerfelder
Verbunddraht mit permanenter elastischer Vorspannung ist zur Festlegung der können permanentmagnetische Mantellegierungen verwendet werden, die Zugspan-
Magnetisierungsrichtung ein weiterer permanentmagnetischer Draht angeordnet. nung wird in diesem Fall durch unterschiedliche thermische Ausdehnungskoeffizienten
der beiden Werkstoffe bewirkt
In Tab. 5.4-2 und Bild 5.4-5 sind die Eigenschaften eines Impulsdrahtes nach Bild 5.4-4
zusammengefaßt. Im Gegensatz zu den Hall- und Permalloysensoren erfordern Wiegand- und Impuls-
Tab. 5.4-2 Typische Eigenschaften eines Impulsdrahtes, nach [5.20]) drahtsensoren keine Stromversorgung. Das große Impulssignal läßt sich problemlos stö-
rungsfrei über große Strecken übertragen. Sie sind anwendbar auch für niedrigste
Schaltfrequenzen und einsetzbar bis zu Temperaturen um 200oC. Bild 5.4-6 zeigt ei-
ne für Impulsdrahtsensoren typische Anordnung von Schalt- und Rücksetzmagneten,
z.B. auf einem Rad, dessen Umdrehungszahl magnetisch bestimmt werden soll.
Seite 142
über Glasfasern weitergeleitet wird. Auf diese Weise können auch Messungen an
schwer zugänglichen Stellen durchgeführt werden (nach [5.21]).
Bild 5.4-6 Anwendungen von Impulsdrahtsensoren mit einer abwechselnden Folge von Schalt-
(SM) und Rückstellmagneten (RM) (nach [5.23]):
Bei der Anordnung auf einem Rad ist die Impulsfrequenz des Impulsdrahtsensors
ein Maß für die Umdrehungszahl. Der Sensor selbst benötigt keine Spannungsver-
sorgung
5.5.2-1 zusammengestellt. Die Ursache für diesen Effekt liegt in dem Zusammenhang verschiedenen äußeren mechanischen Spannung wieder.
zwischen elastischer Gitterdehnung und einer Vorzugsorientierung der Magnetisierung
(Magnetostriktion, s. Band 1, Abschnitt 7.2.2).
Bild 5.5.2-2 Abhängigkeit der Magnetisierungskurve der magnetischen Polarisation Js von der
mechanischen Spannung σ für eine amorphe Co-Legierung (nach [5.30])
Wird durch einen Spulenstrom ein konstantes Magnetfeld erzeugt, dann führt eine Än-
derung der mechanischen Spannung zu einer induzierten elektrischen Spannung, d.h.
das System kann zur Messung von Kraft- oder Spannungsänderungen eingesetzt wer-
den (Bild 5.5.2-3).
Bild 5.5.2-3 Der Spulenkern eines induktiven Magnetsensors dient gleichzeitig als Federkör-
per für eine Kraftmessung: Eine Dehnung führt bei vorgegebenem Magnetfeld H
Bild 5.5.2-1 Hysteresekurven verschiedener Werkstoffe (charakterisiert durch die longitudinale (eingestellt über den Strom I) über den magnetostriktiven Effekt zu einer Änderung
Sättigungsmagnetostriktion λs, s. Band 1, Abschnitt 7.2.2) ohne (durchgezogen) der Magnetisierung, welche eine Spannung Uind in die Induktionsspule induziert.
und mit (gestrichelt) Einwirkung einer mechanischen Spannung σ (nach [5.30]) Als Spulenkerne für Zug-, Druck- und Torsionsbelastung eignen sich z.B. amorphe
Metalle, die eine erhebliche mechanische Festigkeit (Tab. 5.2.2-1) aufweisen können
a) kristallines NiFe, λs= +25·10-6
(nach [5.31]).
b) kristallines reines Ni, λs = –35·10-6
c) amorphe Co-Legierung, λs = –3,5·10-6
In ähnlicher Weise können auch Sensoren für eine mechanische Belastung durch Bie-
Bild 5.5.2-2 gibt die Feldstärke-Abhängigkeit der magnetischen Polarisation Js bei gung, Torsion (Drehmomentsensor) u.a. aufgebaut werden. Auch der in Bild 4.4-2
Seite 145
beschriebene Kraftaufnehmer basiert grundsätzlich auf dem beschriebenen Effekt. folgt aus (8):
5.5.3 Wirbelstromverfahren
Zeitlich veränderliche Magnetfelder erzeugen in leitenden Werkstoffen Wirbelströ- Das Vektorpotential muß für die genannten Voraussetzungen dieselbe Differentialglei-
me. Zur Berechnung gehen wir aus von dem vollständigen Satz der Maxwellschen Glei- chung erfüllen wie das elektrische Feld im Sonderfall langsam veränderlicher Fel-
chungen (Band 1, Abschnitt 6.4; dabei werden nur Feld-, aber keine Diffusionsströ- der (Fall vernachlässigbarer Verschiebungsströme, s. Band 1, Abschnitt 6.4, Band 11,
me berücksichtigt): Abschnitt 3.1) Wird durch äußere Randbedingungen die Zeitabhängigkeit einer Si-
nusschwingung gegeben gemäß
Diese Differentialgleichung kann für viele praktisch vorkommende Fälle nur numerisch
gelöst werden.
Daraus resultiert ein Beitrag zum Feldstrom, der als Wirbelstrom bezeichnet wird:
Zur Berechnung des Wirbelstroms muß also die Zeit- und Ortsabhängigkeit des Vektor-
potentials berechnet werden. Wir ersetzen in (2) die magnetische Feldstärke
durch die Induktionsflußdichte und erhalten für den Fall, daß neben den Wirbelströ- Bild 5.5.3-1 Wirbelstromtachometer (Kraftfahrzeug-Geschwindigkeitsmesser, nach [5.32]):
Auf einer rotierenden Welle 6 ist eine Scheibe 7 befestigt, an deren Außenseite ein
men keine anderen Ströme fließen: Multipol-Permanentmagnet angeordnet ist. Die Scheibe wird eingeschlossen von ei-
nem drehbaren Metallbecher 5, in den durch die rotierenden Magnete Wirbelströme
induziert werden. Diese erzeugen ihrerseits ein Magnetfeld, das mit dem der rotieren-
den Scheibe wechselwirkt, so daß auf den Becher 5 ein Drehmoment in Richtung der
Rotationsbewegung entsteht. Die Größe des Drehmoments ist proportional zur Um-
Mit der sich aus den Grundlagen der Vektoranalysis ergebenden Beziehung
drehungszahl der Welle, sie wird gemessen durch einen Zeiger, der fest mit dem Be-
cher verbunden ist, wobei eine Torsionsfeder 10 für die rücktreibende Kraft sorgt.
Die weiteren Elemente des Tachometers sind: 1 – Spindel für die Verbindung von
Wirbelstrombecher und Zeiger, 2 – Lagerdurchführung für die Spindel, 3 – Halte-
rungsfeder, 4 – Eisenjoch, 6 – Magnetschaft, 8 – Temperaturkompensation.
Seite 146
Bild 5.5.3-3 Optimierung des Spulenaufbaus für einen Wirbelstrom-Näherungssensor mit Hilfe
eines E-förmigen oder Topfkerns (Band 5: "Weichmagnetische Keramiken") aus ei-
nem weichferritischen Werkstoff: Eingezeichnet ist der resultierende Verlauf der
magnetischen Feldlinien (nach [5.32]).
5.5.4 SQUIDs
SQUIDs (superconducting quantum interference devices) erlauben die Messung au-
ßerordentlich kleiner Magnetfelder bis in den fT(Femtotesla)-Bereich. Sie lassen sich
herstellen aus ringförmig strukturierten supraleitenden Werkstoffen (Band 1, Ab-
schnitt 4.2.1). In diesen Materialien kondensieren die Elektronen bei Temperaturen un-
terhalb einer Sprungtemperatur Tc und unterhalb einer kritischen Feldstärke Hc
zu Cooper-Paaren mit entgegengesetzt gerichtetem Spin. Bei metallischen Supralei-
tern liegen die Sprungtemperaturen gewöhnlich unterhalb 20 K, bei keramischen kön-
nen sie bis auf 120 K – in Zukunft möglicherweise auf noch höhere Werte – ansteigen (s.
Tabellen in Band 1, Abschnitt 4.2.1). Die Cooper-Paare ermöglichen einen Ladungs-
transport ohne jeden Energieverlust, sie führen damit zu einer unendlich großen Gleich-
Bild 5.5.3-2 Wirbelstrom-Näherungssensor (nach [5.32]) stromleitfähigkeit. Weiterhin führt der Meißner-Effekt dazu, daß in kompakten Su-
a) Ein Oszillator wird mit einer Spule betrieben, deren Magnetfeld sich nach au- praleitern bei Anlegen einer magnetischen Feldstärke unterhalb von Hc (bei Supra-
ßen ausbreitet. Befindet sich dort ein leitfähiges Werkstück, dann werden Wirbel-
ströme induziert, welche die Oszillation dämpfen, so daß die Ausgangsspannung ab-
leitern 2. Art Hc1 (Band 1, Abschnitt 4.2.1)) die resultierende Magnetisierung (bzw.
nimmt; sie kann im Extremfall vollständig zusammenbrechen. Polarisation oder die magnetische Induktionsflußdichte) vollständig aus dem Supralei-
b) Abhängigkeit des Ausgangsstroms eines Wirbelstrom-Näherungssensors von ter verdrängt wird, d.h. der Werkstoff nimmt eine magnetische Suszeptibilität χ = –1
dem Abstand zu einem elektrisch leitfähigen Werkstück. (vollständiger Diamagnetismus) an. Eine ausführliche Behandlung der Theorie und
Technik supraleitender Bauelemente würde über den Rahmen dieses Buch weit hinaus-
Mit Hilfe eines weichmagnetischen Kerns (Band 5 dieser Reihe) kann das Magnetfeld
führen, es muß daher auf die umfangreiche Spezialliteratur ([5.33], [5.35 bis 37]) ver-
der Spule eines Wirbelstrom-Näherungssensors für spezifische Anwendungen opti-
wiesen werden.
miert werden (Bild 5.5.3-3).
Seite 147
Dabei ist das dazugehörige Vektorpotential nach (5.5.3-5) verwendet worden. Der Impuls 2me
eines Cooperpaares kann nach Band 11, Abschnitt 3, in eine Stromdichte umge-
rechnet werden. Bei einer Wahl des Integrationsweges im Innern des Supraleiters
kann der erste Term im Integral vernachlässigt werden, da dort im Idealfall wegen des
Meißner-Effekts keine Induktionsflußdichte – und damit auch kein Stromfluß – zu-
gelassen ist:
Diese Beziehung läßt sich nach dem Satz von Stokes (Band 1, Abschnitt 7.1.1) in ein Flächenintegral
über die eingeschlossene Fläche S (um Verwechslungen mit dem Vektorpotential
zu vermeiden, wird die Fläche an dieser Stelle nicht mit A bezeichnet) umwan-
deln, so daß gilt: Bild 5.5.4-2 Wird ein supraleitender Ring unter Einwirkung eines äußeren Magnetfeldes Bext
durch Abkühlung unter die Sprungtemperatur Tc vom normalleitenden in den su-
praleitenden Zustand überführt, dann kann der Fluß nur als ganzzahliges Vielfaches
des Flußquants φo innerhalb des Rings existieren (a). Die Differenz zwischen (un-
gequanteltem) äußeren und dem eingebauten Fluß muß der Supraleiter durch Kreis-
ströme Ikreis ausgleichen (abschirmen), wobei gilt:
Werte begrenzt werden, sephson-Kontakten) bestehen. Der äußere Strom Ig in Bild 5.5.4-3a kann dann wie
bei einer Parallelschaltung zweier Josephson-Elemente (Schichtfolge Supraleiter – dün-
– der Induktionsfluß muß auch während des supraleitenden Betriebs in den Ring
ner Isolator – Supraleiter) berechnet werden, dabei ergibt sich eine magnetfeldabhängi-
eindringen können.
ge Strom-Spannungskennlinie wie in Bild 5.5.4-3b. Alternativ dazu können Koppelstel-
Beides wird erreicht durch Einbau von schwachen Koppelstellen (weak links) in len auch aus sehr schmalen (unterhalb der Londonschen Eindringtiefe) Einschnürun-
den supraleitenden Ring (Bild 5.5.4-3). gen im Querschnitt der supraleitenden Schleife erzeugt werden, die z.B. durch hochauf-
lösende Lithographie- und Ätzverfahren (Band 2, Abschnitt 8) erzeugt werden können.
Wechselstrom-SQUIDs benötigen nur eine einzige Koppelstelle (Bild 5.5.4-4):
Bild 5.5.5-2 Aufbau einer Magnetodiode: Die beiden Oberflächen S1 und S2 im i-Bereich einer
pin-Diode haben aufgrund ihrer technologischen Vorbehandlung unterschiedliche
Rekombinationslebensdauern (groß für oxidierte, klein für aufgerauhte Oberflä-
chen). Werden injizierte Ladungsträger aufgrund des Magnetokonzentrationseffekts
auf eine der beiden Oberflächen abgelenkt, dann ändert sich die Lebensdauer – und
damit der Diodenstrom – in charakteristischer Weise (s. Band 2, Abschnitt 9.3.4, nach
[5.9])
298 5.5.5 Magnetodioden und Magnetotransistoren 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 299
Bild 5.5.5-3 Magnetotransistor (nach [5.9]): Die Induktionsflußdichte bewirkt aufgrund der
Lorentzkraft eine Ablenkung der Elektronen im Kollektorgebiet. Dadurch treffen
mehr Elektronen auf der Elektrode C2 auf als auf der Elektrode C1, d.h. der Kol-
lektorstrom aus C2 ist größer als der aus C1.
300 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 301
Aufgrund dieser Eigenschaften können mit Hilfe von Magnetsensoren weitere Sensor-
funktionen für die Messung nichtmagnetischer Größen abgeleitet werden, wie z.B. eine
Druck- oder Beschleunigungsmessung über induktive Druckaufnehmer (Abschnitt 4.3)
und viele andere (Tab. 5.6-2).
Bild 5.6-1 Messung des Magnetfeldes im Luftspalt eines Eisenkerns (nach [5.9]): Durch
Verwendung kleiner Luftspaltbreiten δ kann die magnetische Induktionsflußdich-
te im Luftspalt vergrößert werden. Die Anwendung des Durchflutungsgesetzes
(Band 1, Abschnitt 7.1.1 oder Band 11) ergibt für n Windungen, die von einem Strom
I durchflossen werden, die Beziehung
Dabei läuft die geschlossene Kurve C durch den Ringkern (Weglänge lFe, dort hat die magnetische
Feldstärke den Wert HFe) und den Luftspalt (Feldstärke HL). Die magnetische In-
duktionsflußdichte ist im Kern und Luftspalt konstant (Abwesenheit magnetischer
Monopole nach (5.5.3-4)), d.h. es gilt mit den Ergebnissen aus Band 1, Abschnitt
7.1.5:
302 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 303
Bild 5.6-3 Positionsmessung mit einem Magnetsensor: Sensorsignal in Abhängigkeit von der
Verschiebung x bei unterschiedlichem Abstand d zwischen Sensor und Permanent-
magnet (nach [5.27]). Bei nicht zu großen Verschiebungen ergibt sich ein nahezu li-
neares Ausgangssignal.
Ähnlich wie bei der Positionsmessung erfolgt auch bei der Winkelmessung eine gegen-
seitige Verschiebung (in diesem Fall Verdrehung) von Sensor und Permanentmagnet
(Bild 5.6-4).
304 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 305
Bild 5.6-4 Winkelmessung (nach [5.27]) 5.6-5). Dieses Verfahren kann auch zur Drehzahlmessung eingesetzt werden (Bild
a) Ein Permanentmagnet wird kreisförmig um einen Magnetsensor herumgeführt 5.6-6).
Die Anwesenheit magnetisierbarer Werkstoffe, z.B. Eisen- oder Stahlteile, kann auch
dadurch detektiert werden, daß direkt am Sensor ein Permanentmagnet befestigt wird
und die durch Fremdeinflüsse bestimmte Störung des Magnetfeldes erfaßt wird (Bild
Seite 154
306 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 5.6 Anwendungen von Magnetsensoren 307
306
Die erste Exponentialfunktion beschreibt eine harmonische Schwingung mit einer Wel-
lenlänge λdi, welche im betrachteten Werkstoff (Dielektrikum) die Größe hat:
wobei λvak die Wellenlänge im Vakuum darstellt. Letztere hängt mit der Lichtge-
schwindigkeit cvak im Vakuum und der dazugehörigen Frequenz ν (daraus ergibt
sich die Kreisfrequenz ω durch ω = 2πν) zusammen über
In (2) ist n ist der Brechungsindex oder die Brechzahl, diese Größe ergibt sich zu-
sammen mit der Dämpfungskonstanten κ aus der Gleichung (Band 1, Abschnitt
6.4):
Seite 155
308 6.1 Wirkung optischer Strahlung auf Festkörper 6.1 Wirkung optischer Strahlung auf Festkörper 309
Als Gruppen- oder Ausbreitungsgeschwindigkeit (s. Band 2, Abschnitt 1.1.2) cdi Für die ebene Welle (1) ergibt sich damit bei zeitunabhängigen Dielektrizitätskonstan-
im Dielektrikum ergibt sich damit ten als Verschiebungsstromdichte
Im Werkstoff erzeugt das ortsabhängige elektrische Feld der Lichtwelle für alle Ladun-
gen Gradienten der potentiellen Energie, so daß diese mit Entropiegewinn energetisch
günstigere Zustände annehmen können. Die dabei freiwerdende Energie wird in Form
von Joulescher Wärme P an den Werkstoff abgegeben, als örtliche Dichte ρP davon
ergibt sich nach Band 11, Abschnitt 1.1.6:
Der Ortsverlauf der freiwerdenden Energie wird also bestimmt durch das Quadrat der
Funktion (1) – dieses charakterisiert nach Band 11, Abschnitt 1.3.3 die elektrische Feld-
energie – und damit durch das Quadrat der exponentiell abnehmenden Funktion in (1),
Bild 6.1-1 Trifft eine elektromagnetische Welle Eein senkrecht auf die Oberfläche eines d.h. die Energieabnahme im Dielektrikum kann charakterisiert werden durch den
Werkstoffs, dann wird sie beim Eindringen in den Werkstoff exponentiell mit einer
Abfallkonstanten κω/cvak abgeschwächt. Ein anderer Teil Erefl der einfallenden Absorptionskoeffizienten
Welle wird reflektiert.
Im Werkstoff erzeugt die eindringende Welle eine elektrische Stromdichte ges, die Zusätzlich zu den hier betrachteten Absorptionseffekten, welche durch die Dielektrizi-
sich aus der Verschiebungsstromdichte di (Band 11, Abschnitt 2.1.5) aufgrund ei- tätskonstante εr und die spezifische Leitfähigkeit σsp charakterisiert werden, können
ner elektrischen Polarisation des Werkstoffs und den durch (2.2-18) beschriebenen elek- noch weitere auftreten, die durch Störstellen, Inhomogenitäten etc., verursacht werden.
trischen Driftstromdichten aufgrund eines Elektronen- und Löcherflusses zusammen- Solche Effekte lassen sich aber besser durch das Teilchenmodell beschreiben.
setzt (zur Erinnerung: Bei der Herleitung von (1) waren nur die Driftstrom- und keine
Im Teilchenmodell wirkt eine optische Strahlung wie ein Teilchenstrom aus Photo-
Diffusionsstromdichten berücksichtigt worden):
nen (Band 11, Abschnitt 1.1.5) mit der Energie Wn pro Teilchen
so daß sich die Energiestromdichte hν, die mit der optischen Strahlung verbunden
ist, mit der Photonen-Teilchenstromdichte jphotT ergibt aus der Beziehung (zur bes-
seren Unterscheidung zur Frequenz ν wird die Variable v im Gegensatz zur Konven-
Seite 156
310 6.1 Wirkung optischer Strahlung auf Festkörper 6.1 Wirkung optischer Strahlung auf Festkörper 311
tion steil [v] gedruckt): Das Wellenmodell des Lichts eignet sich besonders zur Beschreibung der Lichtab-
sorption aufgrund einer elektrischen Polarisation des Dielektrikums (Joulesche Wärme
aufgrund des Verschiebungsstroms). Im Gegensatz dazu eignet sich das Teilchenmo-
dell in besonderem Maße zur Beschreibung einer anderen Form der Lichtabsorption,
nämlich derjenigen durch Elektronenübergänge innerhalb des Festkörpers (innerer
Phototoeffekt, Band 2, Abschnitt 6.2.1) oder aus dem Festkörper heraus (äußerer
Photoeffekt), beide Effekte werden in Bild 6.1-2 näher erläutert.
Die Erzeugung optisch angeregter Elektronen läßt sich im einfachsten Fall wie die Re-
d.h. die Energiestromdichte hat die Bedeutung einer Flächendichte der Strahlungslei- kombinationskinetik in Band 2, Abschnitte 6.2.2 und 6.3, über ein Modell aus der kineti-
stung P. Bei gleichbleibender Leistungsdichte σP der Strahlung nimmt also nach schen Gastheorie (Band 1, Abschnitt 4.1.3) berechnen. Wir gehen aus von einer Vo-
(15a) die Photonenstromdichte Tphot mit zunehmendem ν oder abnehmendem λ ab! lumen-Photonendichte ρphot und einer Volumendichte ρT von Einfangzentren, bei
denen eine optische Absorption stattfinden kann und erhalten als zeitliche Abnahme der
Photonendichte (= zeitliche Zunahme der Dichte der angeregten Elektronen) die op-
tische Generationsrate Gn für Elektronen:
312 6.1 Wirkung optischer Strahlung auf Festkörper 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 313
Die Gleichungen (16) bis (18) führen auf die Differentialgleichung nimmt also wie in (12) nach einem Exponentialgesetz ab:
Bild 6.2-1 gibt Kenngrößen an für die Wärmestrahlung schwarzer Körper. Diese Wär-
mestrahlung ist bei jedem Objekt für T > 0 grundsätzlich parasitär vorhanden.
Mit der Diffusionslänge für Photonen Lphot. Die Energie der optischen Strahlung
Seite 158
314 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 315
In vielen Fällen werden die elektrischen Größen Usens und Isens durch die Teilchen-
stromdichten jsensT optisch generierter Elektronen oder Löcher bestimmt, welche bei
der Absorption von Photonen entstehen (entsprechend Abschnitt 6.1 ist dann z.B. die
Photonenvernichtungsrate proportional zur Erzeugungsrate Gn optisch angeregter Elek-
tronen). In diesem Fall gilt die Beziehung
In den Kurven A und B in Bild 6.2-2 sind die Funktion (7), die das Verhalten eines idea-
len Quantenzählers beschreibt, sowie eine typische experimentell gefundene Abhän-
gigkeit graphisch dargestellt.
Die integrierte Strahlungsleistung über eine Halbkugel (Raumwinkel Ω = 2π) beträgt:
Typisch für eine Vielzahl optischer Sensoren ist, daß sich ein Sensorstrom Isens oder
eine Sensorspannung Usens in Abhängigkeit von der Strahlungsleistung P
ändert (A = Sensorfläche). Eine grundlegende Kenngröße für jeden Sensor ist dann
die spektrale Empfindlichkeit (responsivity) des Sensors:
Bild 6.2-2 Quantenzähler und thermische Zähler
Kurve A: Linearer Anstieg der spektralen Empfindlichkeit mit der Wellenlänge λ
nach (7). In der Praxis wird die Kurve häufig begrenzt durch die minimale Photonene-
nergie, bei der noch eine optische Absorption stattfindet, diese kann z.B. dem Band-
abstand von Halbleiterwerkstoffen entsprechen.
Kurve B: Bei experimentell gemessenen Abhängigkeiten ist die Wellenlängen-
abhängigkeit des idealen Quantenzählers gemäß Kurve A qualitativ noch zu erken-
nen.
Seite 159
316 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 317
Kurve C: Bei idealen thermischen Zählern liegt keine Wellenlängenabhängigkeit tenrauschen, das durch Schwankungen der Photonendichte entsteht. Bei großen Wel-
der spektralen Empfindlichkeit vor. lenlängen überwiegt das thermische Rauschen aufgrund der Wärmestrahlung (Bild
6.2-1).
Eine ganz andere Wellenlängenabhängigkeit zeigen optische Sensoren auf der Basis Bei optischen Halbleitersensoren kann eine Vielzahl von Rauschquellen die Nach-
von thermischen Zählern (Bolometern). In diesem Fall ist das Sensorsignal nicht weisempfindlichkeit der Sensoren einschränken (Band 2, Abschnitt 14.1, [6.3 und 4]).
proportional zur Photonenflußdichte jphotT, sondern zur Energieflußdichte jhν nach Bild 6.2-3b zeigt das Ersatzschaltbild eines Photodetektors mit den einzelnen
Rauschquellen.
(6.1-15). Damit gilt
d.h. es ergibt sich eine von der Wellenlänge unabhängige spektrale Empfindlichkeit
(Kurve C in Bild 6.2-2).
Bild 6.2-3b Ersatzschaltbild eines Photodetektors mit Rausch-Stromquellen (nach [6.4]):
Eine weitere wichtige Kenngröße für optische Sensoren ist die Ansprechzeit τ, die
i = Signalstrom
z.B. charakterisiert werden kann durch die maximale gerade noch zu detektierende Mo- 2 = Generations-Rekombinationsrauschen:
i S2 = Schrotrauschen, iGR
dulationsfrequenz fmax der Lichtintensität: Beide können zusammengefaßt werden zu [6.3]:
Die Nachweisgrenze optischer Sensoren ergibt sich als minimale optische Strahlungs- mit der Frequenzbandbreite B des betrachteten Systems und einem Multiplikationsfaktor (s.u.)
M
leistung, die vom Sensor gerade noch detektiert werden kann, sie wird maßgeblich durch
i 2th= thermisches oder Widerstandsrauschen am Widerstand Ri = 1/Gi [6.4]:
das Sensorrauschen bestimmt. Bei der optischen Strahlungsquelle selber entstehen
Rauschquellen durch das Quantenrauschen, sowie durch das thermische Rau-
schen (Band 2, Abschnitt 14) des Hintergrunds, aus dem die Strahlung emittiert wird
(Bild 6.2-3a).
Als spektrales Nachweisvermögen oder Detektivität D wird das Verhältnis von spek-
traler Empfindlichkeit zur normierten Rauschspannung gewählt. Da die Rauschspan-
nung UN im allgemeinen proportional ist zur Wurzel aus der Frequenzbandbreite B
und der Sensorfläche A:
318 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 319
Das Verhältnis von Rauschspannung zu spektraler Empfindlichkeit wird auch als äqui-
valente Rauschleistung (NEP aus noise equivalent power) bezeichnet:
Diese Bezeichnung wird unmittelbar aus der Beziehung (9) verständlich: UN/RλU ent-
spricht gerade der Strahlungsleistung Pmin, bei der die Sensorspannung Usens gleich
der Rauschspannung UN ist, d.h.
320 6.2 Kenngrößen optischer Sensoren 6.3 Thermische Photosensoren (Bolometer) 321
Aus den vorangegangenen Bildern und Tabellen geht hervor, daß verschiedene optische
Sensoren bei niedrigen Temperaturen weit unterhalb 0° Celsius betrieben werden
müssen, um brauchbare Sensoreigenschaften zu erhalten. Praktisch eingesetzte Kühl-
6.3 Thermische Photosensoren (Bolometer)
verfahren sind in Bild 6.2-5 zusammengestellt: Bei thermischen Photosensoren bewirkt die Absorption einer optischer Strahlungslei-
stung P eine Temperaturerhöhung, die ihrerseits charakteristische Meßgrößen des Sen-
Seite 162
322 6.3 Thermische Photosensoren (Bolometer) 6.4 Photokathoden und -multiplier 323
sors, wie z.B. seinen Widerstand, ändert. Dabei kann die Energieaufnahme durch die Er- Bei Bolometern mit Thermoelementen werden Werkstoffkombinationen mit hoher
zeugung Joulescher Wärme (Band 11, Abschnitt 1.1.6) erfolgen, aber auch aufgrund an- Thermospannung (Abschnitt 3.2.2) bevorzugt. Die Optimierung auf Empfindlichkeit
derer Mechanismen, wie z.B. dadurch, daß optisch angeregte Elektronen nichtstrah- ergibt Werte von 5 bis 25 V/W bei Ansprechzeiten von 10 bis 100 ms. Die Verwen-
lend rekombinieren, indem sie ihre Energie an das Festkörpergitter abgeben. dung sehr dünner (0,1µm) Folien aus Silber und Wismut auf einem Berylliumsub-
Die zeitliche Änderung der Temperatur T bei Aufnahme der Strahlungsleistung P strat hoher Wärmeleitung führt zwar zu niedrigen Empfindlichkeiten (5·10-4V/W),
wird durch die bereits (3.3.4-11) behandelte Differentialgleichung mit der Lösung aber Ansprechzeiten mit weniger als 15ns [6.7]. Ein empfindlicher Sensor mit Halb-
(3.3.4-12) beschrieben: leiter-Thermoelementen wurde in Bild 3.2.2-2 beschrieben.
In resistiven Bolometern werden vor allem Werkstoffe mit besonders großem TCR
eingesetzt. Hierfür eignen sich Heiß- und Kaltleiter (Abschnitt 3.3.4), die sich auf relativ
einfache Weise (Sintertechnik) mit geringen Wärmekapazitäten herstellen lassen. Noch
weit höhere Temperaturkoeffizienten und damit Sensorempfindlichkeiten ergeben sich
in der Umgebung der Sprungtemperatur vom supra- in den normalleitenden Zustand von
Supraleitern (Band 1, Bild 4.2.1-9), diese erfordern aber eine Kühlung auf sehr niedrige
Temperaturen. Die Anwendung keramischer Hochtemperatursupraleiter (Band 1, Bild
4.2.1-12) wird in der Zukunft den Meßaufwand bei supraleitenden Bolometern wesent-
lich vereinfachen, Sensorempfindlichkeiten von 103V/W sind bereits berichtet wor-
den [6.8].
Dabei bezeichnet Tu die Umgebungstemperatur, Gth=1/Rth ist der Wärmeableitungs- Neben einer Vielzahl weiterer spezieller Ausführungsformen sei hier der Putley-De-
koeffizient, Cth die Wärmekapazität und τth die thermische Zeitkonstante. Schnelle tektor erwähnt: Bei sehr niedrigen Temperaturen (4K) führt in Indiumantimonid die
thermische Sensoren erfordern also nach (2b) niedrige Wärmekapazitäten (z.B. durch Absorption thermischer Energie zur Bildung angeregter (heißer) Elektronen im Lei-
Verwendung sehr kleiner oder dünner Sensoren) und hohe Wärmeableitungskoeffizien- tungsband, deren Leitfähigkeit auf diese Weise vergrößert wird. Hierdurch erhält man
ten (Verwendung stark wärmeleitender Substrate). Große Temperaturerhöhungen und eine quadratische Abweichung vom ohmschen Gesetz [6.2]:
damit große Empfindlichkeiten lassen sich hingegen nach (2a) mit kleinen Wärmeablei-
tungskoeffizienten erzeugen, so daß bei thermischen Photosensoren ein Kompromiß
zwischen Empfindlichkeit und Ansprechzeit gefunden werden muß. die sich gezielt auswerten läßt. Der Einsatzbereich dieser Sensoren liegt bevorzugt ober-
halb von 100µm Wellenlänge.
Die Messung (Auslesung) der Temperaturerhöhung ist besonders empfindlich bei
Sensoren mit einer Ausgangsgröße x, die mit einem hohen Temperaturkoeffizienten
nach (3.1-2)
verbunden ist. Charakteristisch für thermische Sensoren ist eine wellenlängenunab- 6.4 Photokathoden und -multiplier
hängige Empfindlichkeit (thermischer Zähler in Bild 6.2-2). Sie werden bevorzugt in Bei Photozellen wird der in Bild 6.1-2b beschriebene äußere Photoeffekt ausgenutzt
solchen Wellenlängenbereichen eingesetzt, in denen der Aufbau geeigneter Quanten- (Bild 6.4-1).
detektoren (die im allgemeinen empfindlicher sind) einen zu großen Aufwand erfordert
Eine Photoemission in das Vakuum wird dadurch erreicht, daß die Elektronen im Werk-
oder praktisch kaum durchführbar ist, z.B. im Bereich des fernen Infrarotlichts oder der
stoff der Photokathode durch eine Absorption der Photonenenergie so stark angeregt
Submillimeterwellen.
werden, daß sie anschließend ein Energieniveau oberhalb der Vakuumenergie be-
Zu den thermischen Sensoren zählen auch die im Abschnitt 3.5 behandelten pyro- setzen (Bild 6.4-2).
elektrischen Sensoren. Weitere Ausführungsformen ergeben sich bei Anwendung von
Thermoelementen, sowie generell von temperaturabhängigen Widerständen. Durch eine starke Absenkung der Vakuumenergie an der Oberfläche kann bei NEA-
Kathoden (Bild 6.4-2d) erreicht werden, daß im Prinzip alle optisch generierten Lei-
Seite 163
324 6.4 Photokathoden und -multiplier 6.4 Photokathoden und -multiplier 325
Bild 6.4-1 Prinzip der Photozelle: Bei optischer Bestrahlung der Photokathode in einer Va-
kuumröhre werden Elektronen emittiert, die elektrostatisch von einer Anode angezo- Bild 6.4-2 Photoemission von Elektronen aus unterschiedlich aufgebauten Photokathoden:
gen werden. Der Anodenstrom ist ein Maß für die pro Zeiteinheit erzeugte Anzahl der Durch Absorption eines Photons mit einer Energie, die größer ist als die Elektrone-
Elektronen. Die spektrale Empfindlichkeit der Photokathode ist proportional zur naffinität |qχ|, werden Elektronen auf ein Energieniveau oberhalb der Vakuume-
Quantenausbeute η für die Photoemission bei der entsprechenden Wellenlänge. nergie angehoben und können dann den Festkörper verlassen.
a) Photoemission aus einem Metall
b) Photoemission aus einem Halbleiter
Tab. 6.4-1 Eigenschaften verschiedener Werkstoffe für Photokathoden (nach [6.4]) c) Absenkung der Vakuumenergie an der Oberfläche eines p-Halbleiters durch
Elektronenanreicherung oder Abschwächung (Kompensation) der p-Dotierung:
Die wirksame Elektronenaffinität |qχeff| wird im Vergleich zu b) verkleinert,
es gilt aber weiterhin |qχeff | = Wvak (Oberfläche)-WL (Halbleitervolumen) > 0.
d) Absenkung der Vakuumenergie an der Oberfläche eines p-Halbleiters durch
Inversion oder Umdotierung auf n-Leitfähigkeit: Jetzt gilt Wvak (Oberfläche)-
WL (Halbleitervolumen) < 0, diesem Zustand wird eine negative Elektronen-
affinität |q|χeff zugeordnet (NEA-Kathode).
6.5 Photoleiter
Photoleiter sind elektrische Widerstände, deren Wert durch optische Bestrahlung verän-
dert und damit zur Messung der Bestrahlungsstärke herangezogen werden kann. Beson-
ders große relative Empfindlichkeiten ergeben sich bei Verwendung von niedrigdotier-
ten Halbleitern als Widerstandswerkstoffe, die im folgenden ausführlich behandelt wer-
den. Die Berechnungen erfolgen ohne Beschränkung der Allgemeinheit für einen n-
Halbleiter (Bild 6.5-1)
Dabei haben wir die Löcherkonzentration in einen konstanten Gleichgewichtswert ρpo Andererseits ergibt sich eine Darstellung der Generationsrate GN für Elektron-Loch-
und einen durch die Elektron-Loch-Paare erzeugten zeitabhängigen Überschußwert ∆ρp
paare aus (3), im zeitlich eingeschwungenen (stationären) Zustand (t1>t >> τp) folgt
aufgeteilt. Als Einschaltverhalten gemäß den Randbedingungen in Bild 6.5-1b ergibt
nämlich:
sich als typische Lösung der Kontinuitätsgleichung unter diesen Voraussetzungen
(Band 11, Anhang):
da die Lebensdauer der Elektronen-Loch-Paare der Minoritätsträgerlebensdauer τp
entspricht. Wir betrachten jetzt den Stromfluß durch den Photoleiter, bezogen auf den
Leiterquerschnitt b · d: Die Änderung der Stromdichte ∆j ist dann nach (Band 2, Ab-
Nach einer Einschwingzeit in der Größenordnung von τp wird eine zeitlich konstante schnitt 4.3.2, σ nsp und σ psp sind die spezifischen Widerstände für Elektronen und
Löcher-Überschußkonzentration Gpτp erreicht. Dieses Verhalten läßt sich anschau- Löcher):
lich erklären: Die Rekombinationsrate U nimmt mit steigender Überschuß-Ladungs-
trägerkonzentration zu. Bis zum Erreichen des stationären Gleichgewichts steigt daher
die Überschuß-Ladungsträgerkonzentration so lange an, bis die dazugehörige Rekom-
Für die Driftgeschwindigkeiten (= Länge l des Photoleiters, geteilt durch die Lauf-
binationsrate gerade denselben Wert wie die Generationsrate erreicht hat.
oder Transitzeiten t ntr und t ptr von Elektronen und Löchern) gilt mit Band 2, (4.3.3-
Nach Abschalten der optischen Bestrahlung bei t = t1 wird die Generationsrate Gp = 0. In
diesem Falle reduziert sich die Kontinuitätsgleichung (2) auf die Beziehung 1):
Seite 166
d.h. die Charakteristik eines idealen Quantenzählers gemäß Bild 6.2-2. Die spektrale
Empfindlichkeit bezüglich der Spannungsänderung bei konstantem Strom über dem
d.h. die geometrischen Größen des Photoleiters fallen heraus. Würde jedes Elektron- Photoleiter folgt einfach aus
Loch-Paar genau einen Ladungsträger erzeugen, welcher der Photoleitung über die
gesamte Länge l zur Verfügung steht, dann wäre die Änderung des Photostroms gleich
der Elektronenladung, multipliziert mit der Anzahl der pro Zeit erzeugten Ladungsträ-
ger, also mit (5): Beim Übergang auf eine zeitlich periodische Bestrahlung können wir das Ergebnis aus
Band 2, Abschnitt 6.3, übernehmen: die Form der Kontinuitätsgleichung bleibt im
Wechselstromfall erhalten, wenn wir die Minoritätsträgerlebensdauer τp ersetzen
durch die komplexe Größe (ω = Kreisfrequenz der periodischen Anregung)
Das Verhältnis von Minoritätsträgerlebensdauer zur Transitzeit hat also die Bedeutung
eines Verstärkungs- oder Multiplikationsfaktors Mo:
Bei großen elektrischen Feldstärken oberhalb des Sättigungswertes geht die Driftge- Tab. 6.5-1 Kenndaten von Ausführungen wichtiger photoleitender Sensoren (nach [6.2])
schwindigkeit nach Band 2, Bild 4.3.3-5, in eine Sättigungsgeschwindigkeit vs über,
die in der Größenordnung von 107 cm/s liegt. Damit folgt aus (13):
Seite 167
Bemerkenswert ist die große Empfindlichkeit photoleitender Sensoren aus vielen Halb-
leiterverbindungen, die natürlich durchweg mit großen Ansprechzeiten verknüpft ist.
Industrielle Bedeutung haben insbesondere Photoleiter aus Kadmiumverbindungen
(Bild 6.5-2 und 3), mit weitverbreiteten Anwendungsmöglichkeiten als preiswerte Sen-
soren für die Flammenüberwachung in Heizanlagen, als Belichtungsmesser in der Pho-
tographie, und bei vielfältigen Kontrollaufgaben in der Industrie und
Umweltüberwachung.
Seite 168
Bild 6.5-6 Erzeugung zweidimensionaler Abbildungen mit Hilfe von Zeilensensoren (nach
[6.6]):
Das Infrarotbild wird mit einem doppelt halbdurchsichtig verspiegelten Glas zei-
lenförmig über die Sensorzeile hinweggeführt. Das verstärkte Sensorsignal steuert
eine Zeile von Leuchtdioden (LEDs) an. Bei der dargestellte Anordnung kann der Be-
trachter gleichzeitig das Originalbild und das verstärkte Infrarotbild betrachten.
6.6 Bipolare optische Halbleitersensoren
6.6.1 pn-Photodioden
Bei den Photoleitern wird ein erheblicher Anteil der Energie der absorbierten optischen
Strahlung für die Erzeugung von Elektron-Loch-Paaren aufgewendet (das ist ein alter-
nativer Prozeß zur Erzeugung unmittelbarer Joulescher Wärme z.B. durch Anregung ei-
ner vergrößerten Wärmebewegung von Elektronen und Gitteratomen). Auf beide La-
Seite 170
Die physikalischen Ursachen für das Auftreten von Kräften können sehr unterschiedlich
sein. Liegen keine Konzentrationsgradienten (homogener Halbleiter) vor, dann redu-
zieren sich (1) und (2) bei Verwendung der elektrischen Feldstärke E nach Band 2,
Gleichung 4.3.2-8, auf
Bild 6.6.1-1 Entstehung einer Photospannung bei optischer Bestrahlung des pn-Übergangs (Bänder-
modell s. Band 2, Bild 5.2.2-2): In der Raumladungszone möge – z.B. durch Absorpti-
on optischer Strahlung – ein Elektron-Loch-Paar gebildet werden, das durch Einwirkung
des elektrischen Feldes (Konsequenz der Bandverbiegung) getrennt wird. Das Elektron
bewegt sich in das n-Gebiet, das Loch in das p-Gebiet. Auf diese Weise verkleinert
Die chemische Kraft wirkt auf Elektronen und Löcher zwar mit dem gleichen Betrag, sich auf beiden Seiten des pn-Übergangs die Breite und Ladung der Raumladungszone.
Die Integration der Poissongleichung (s. Band 2, Abschnitt 5.2.2) ergibt dann eine Abnah-
aber – wegen des unterschiedlichen Vorzeichens der Ladung – in entgegengesetzter me der elektrischen Feldstärke und damit der Barrierenhöhe im Bändermodell. Da außer-
Richtung: Die Elektronen-Lochpaare werden damit durch ein vorhandenes elektrisches halb der Raumladungszone der energetische Abstand zwischen den Bandkanten und den
Feld E elektrostatisch auseinandergezogen, d.h. die Ladungsträger voneinander ge- Fermienergien durch die Dotierung festgelegt ist, stellt sich als Konsequenz der Elektron-
trennt. Loch-Paarbildung eine Verschiebung der Fermienergien von p- und n-Material gegenein-
ander ein: Es entsteht – wie beim Thermoelement, wenn auch aus grundsätzlich verschie-
Das Auftreten von elektrischen Feldern in (3) und (4) ist bei homogenen Halbleitern mit denen Ursachen – eine von außen meßbare Spannung (EMK, s. Anhang C1), d.h. es liegt
einem Gradienten der Fermienergie verbunden, d.h. am Bauelement liegt eine äußere ein spannungserzeugender (galvanischer) Effekt vor (Prinzip der Solarzelle). In den
Spannung an, so daß – bei hinreichend großer Ladungsträgerbeweglichkeit – ein elek- Darstellungen sind die Größen ohne (durchgezogen) und nach (gestrichelt) der Erzeu-
trischer Strom fließt. gung und Trennung von Elektron-Lochpaaren graphisch dargestellt:
a) Ortsabhängigkeit der Raumladungen (ρD und ρA sind die Konzentrationen der
Auch bei Abwesenheit von Gradienten der Fermienergie, d.h. im stromlosen Fall, kön- Donatoren und Akzeptoren im n- und p-Halbleiter)
nen elektrische Felder erzeugt werden, wenn gleichzeitig Gradienten der Ladungsträ- b) Ortsabhängigkeit der elektrischen Feldstärke E
gerdichten (inhomogener Halbleiter) vorliegen. Aus den allgemeineren Gleichungen c) Ortsabhängigkeit des elektrischen Potentials ϕ
(1) und (2) folgt dann: d) Bändermodell
Dieser Fall ist beispielsweise bei einem pn-Übergang realisiert, der durch Elektronen-
übergänge vom n- in das p-Gebiet nach Band 2, Bild 5.2.2-1 (z.B. durch einen äußeren
elektrischen Kurzschluß beider Seiten), in ein thermischen Gleichgewicht gebracht
worden ist (Bild 6.6.1-1).
Werden nun innerhalb der Raumladungzone Elektronen-Loch-Paare erzeugt (oder ge-
langen diese von außerhalb in die Raumladungszone) und durch Einwirkung des elektri-
schen Feldes voneinander getrennt, dann verändert sich die Größe der Raumladungen
Seite 171
auf beiden Seiten des pn-Übergangs. Wie aus Bild 6.6.1-1 zu erkennen, ist die Konse-
quenz eine Verschiebung der (im thermischen Gleichgewicht auf gleicher Höhe liegen-
den) Fermienergien der Halbleiterbereiche gegeneinander, also die Generation einer
von außen meßbaren elektrischen Spannung (photovoltaischer Effekt). Dieses ist ein
Spezialfall einer viel allgemeineren Aussage, die durch Integration der Poissonglei-
chung in einfacher Weise bewiesen werden kann (Anhang C1): Werden zwei Systeme
durch eine elektrische Ladungsdoppel- oder Dipolschicht voneinander getrennt,
dann bewirkt eine Veränderung der Ladungen auf beiden Seiten der Schicht eine
Verschiebung der Fermienergien der Systeme gegeneinander. Hierdurch können
z.B. zwei ursprünglich nicht im Gleichgewicht befindlichen Systeme (mit unterschiedli-
chen Fermienergien) in ein Gleichgewicht (mit gleichen Fermienergien) gebracht wer-
den (Band 1, Abschnitt 2.8.3). Alternativ dazu kann ein System aus dem Gleichge-
wichtszustand in einen Nichtgleichgewichtszustand mit unterschiedlichen Fermiener- Bild 6.6.1-3 Zur Berechnung der spektralen Empfindlichkeit der Photodiode gehen wir aus
von einem pn-Übergang, auf den eine optische Strahlung mit der Leistung P(0) senk-
gien überführt werden, wenn es gelingt, durch einen äußeren Einfluß die Ladung der Di-
recht auftrifft. Die Raumladungszone des pn-Übergangs möge zwischen den Flächen
polschicht zu verändern. Hieraus kann eines der allgemeinen Prinzipien zur Generation bei x =xp und x = xp + dn + dp liegen. Auch Elektron-Lochpaare, die außerhalb der
einer elektromotorischen Kraft (EMK = Differenz der Fermienergien bei gleicher Tem- Raumladungszone generiert werden, tragen zum Photostrom bei, sofern die Genera-
peratur) abgeleitet werden. Auch die Spannungserzeugung über den piezo- und pyroe- tion in einem Abstand von der Raumladungszone erfolgt, der nicht mehr als die mitt-
lektrischen Effekt (Abschnitte 3.5 und 4.2.1), bei dem Oberflächenladungen (die zusam- leren Diffusionslängen Ln und Lp beträgt. Damit beträgt die Dicke der optisch ak-
tiven Schicht insgesamt d = dn+ dp + Ln + Lp.
mengenommen als Dipolschicht betrachtet werden können) durch einen Temperatur-
gradienten oder eine mechanische Spannung verändert werden, fällt in dieselbe Katego-
rie. Zur Berechnung der spektralen Empfindlichkeit gehen wir aus von einem Aufbau der
Photodiode wie in Bild 6.6.1-3.
Beim photovoltaischen Effekt ergibt sich die maximale generierbare äußere Spannung
durch die Flachbandbedingung: In diesem Fall verschwindet das elektrische Feld, so Innerhalb der optisch aktiven Schicht mit der Dicke d hat die Generationsrate GN
daß keine Ladungstrennung mehr erfolgt (Bild 6.6.1-2). (= Anzahl der erzeugten Elektron-Lochpaare pro Zeit und Volumen) nach (6.5-6) den
Wert:
Bild 6.6.1-2 Maximale Photospannung Umax: Bei Erzeugung und Trennung einer hinreichend
großen Anzahl von Elektron-Lochpaaren in Bild 6.6.1-1 wird die Raumladung
schließlich vollständig kompensiert, d.h. die Bandkanten werden so weit gegenein-
ander verschoben, bis der oben dargestellte Flachbandfall (s. auch Band 2, Bild 5.2.2- wenn wir die Leistungsdichte σP durch die Strahlungsleistung P ersetzen. Damit er-
1) angenommen wird. In diesem Fall verschwindet das elektrische Feld am pn-Über- gibt sich nach (6.2-9) die spektrale Empfindlichkeit
gang, so daß die erzeugten Elektron-Lochpaare nicht mehr getrennt werden können.
Die maximale Photospannung Umax ergibt sich damit aus der Differenz der Fer-
mienergien für den Flachbandfall, sie entspricht also der Flachbandspannung UaFB.
Seite 172
Das ist nach (6.5-16) derselbe Wert wie für eine Photoleiter mit Mo = 1, da in beiden
Fällen der Strom durch die optisch erzeugten Elektron-Lochpaare getragen wird. Die
Photodioden weisen also keinen Multiplikationsfaktor auf. Daher sind sie bei einem
Aufbau wie in Bild 6.6.1-3 unempfindlicher als viele Photoleiter, entsprechend können
sie aber auch kürzere Ansprechzeiten haben.
Im folgenden soll die geometrisch bestimmte Quantenausbeute ηgeom für die Photo-
diode berechnet werden. Dabei setzen wir zunächst voraus, daß jedes absorbierte Licht-
quant ein Elektron-Lochpaar erzeugt (werkstoffbedingter Quantenwirkungs-
grad 100%), müssen aber berücksichtigen, daß nur ein Teil der einfallenden Lichtquan-
ten in der optisch aktiven Zone absorbiert wird [6.4]. Wir gehen aus von (6.1-28) und er-
halten für die absoluten (nicht flächenbezogenen) Größen:
In Bild 6.6.1-3 wird also zwischen x = xp– Ln und x = xp + d die folgende Leistung Bild 6.6.1-4 Quantenwirkungsgrade einiger Photodetektoren (nach [6.1])
in eine Elektronen-Lochpaarerzeugung umgewandelt:
Die in den Halbleiter eindringende Strahlungsleistung ergibt sich aus der insgesamt ein-
gestrahlten nach Abzug der reflektierten (Korrektur über den Reflexionskoeffizienten
R, s. Band 11, Abschnitt 3.3), so daß insgesamt gilt
Durch Verwendung spezieller Bauformen und Bauelementprinzipien lassen sich die Ei-
genschaften von Photodioden weiter verbessern. In der Raumladungszone wird der Be-
reich maximaler Feldstärke (mit maximal effizienter Ladungstrennung) durch Einlage-
rung einer intrinsischen (i-) Zone verbreitert, so daß eine pin-Diode (Bild 6.6.1-7,
Band 2, Abschnitt 9.3.4) entsteht. Hierdurch kann weiterhin der nutzbare Bereich der ab-
sorbierten Strahlung, d.h. der geometrisch bestimmte Quantenwirkungsgrad nach (8)
vergrößert werden.
In Bild 6.6.1-10 sind einige spezielle Ausführungsformen von Photodioden – meist opti-
miert auf eine Vergrößerung der Empfindlichkeit – zusammengestellt.
Bild 6.6.1-8 Kenndaten kommerzieller pin-Dioden (nach [3.48])
Seite 175
350 6.6 Bipolare optische Halbleitersensore 6.6.2 Phototransistoren und -thyristoren 351
Bild 6.6.2-1 Aufbau eines Phototransistors: Eine Photodiode wird parallel zum Basis-Kollek-
torübergang eines bipolaren Transistors geschaltet. Bei Bestrahlung erzeugt sie einen
Photostrom IL, der wie ein Basisstrom bei Emitterschaltung wirkt, d.h. durch den
Transistor mit der Stromverstärkung β verstärkt wird.
Die Berechnung des Kollektorstrom erfolgt ähnlich wie die Berechnung des Kollektor-
Bild 6.6.1-11 Geometrische Festlegung des Orts für den Lawinendurchbruch im Bereich niedrig Emitterstroms bei offener Basis in Band 2, Abschnitt 10.2.1, es ergibt sich:
dotierter Schichten (nach [6.2])
a) Lawinenzone mit ansteigender Feldstärke
b) Lawinenzone mit konstanter Feldstärke: Durchgreifdiode (reach through
avalanche photo diode, RAPD)
Die spektrale Empfindlichkeit des Phototransistors ist damit
Tab. 6.6.1-2 Leistungsdaten von Lawinen-Photodioden (nach [6.4])
also relativ zur Photodiode um den Faktor der β-Stromverstärkung vergrößert (Mul-
tiplikationsfaktors Mo = β). Ein Aufbau des Phototransistors wie in Bild 6.6.2-1 kann
hybrid oder integriert (Band 1, Abschnitt 4.2.2) erfolgen. Bei einem Hybridaufbau kön-
nen die Photodiode und der Transistor unabhängig voneinander optimiert werden. Ein-
facher und kostengünstiger ist hingegen ein integrierter Aufbau wie in Bild 6.6.2-2: Die
Photodiode ist in den Transistor monolithisch integriert. Technologisch ist dieses in der
Siliziumtechnologie am einfachsten zu realisieren.
Seite 177
352 6.6 Bipolare optische Halbleitersensoren 6.6.2 Phototransistoren und -thyristoren 353
Als Kriterium für das Durchschalten eines Thyristors ergab sich in Band 2, Abschnitt
11.1, die Bedingung, daß die Summe zweier interner α-Stromverstärkungen den
Wert eins annehmen mußte. Durch den Einfluß einer optischen Bestrahlung kann diese
Bedingung bei niedrigeren Thyristorspannungen erreicht werden, d.h. die Schaltspan-
nungen für den Durchbruch des Thyristors (Band 2, Bild 11.1.-3) lassen sich in Abhän-
gigkeit von der optischen Bestrahlungsstärke gezielt absenken (optisches Triggern,
Bild 6.6.2-5c).
Bild 6.6.2-2 Integrierter Phototransistor: Die Photodiode in Bild 6.6.2-1 wird durch eine
vergrößerte Fläche des Basis-Kollektorübergangs erzeugt (nach [3.39]).
Die Bilder 6.6.2-3 und 4 zeigen das Ersatzschaltbild und die Kennlinie eines
Phototransistors.
Die Schaltung großer Stromstärken durch optische Zündung von Thyristoren hat in der
Starkstromtechnik an Bedeutung gewonnen. Dabei wird die technische Möglichkeit
ausgenutzt, daß über die hochisolierende Glasfaser optische Signale ohne zusätzlichen
Aufwand auch in Bereiche hoher elektrischer Spannungen geleitet werden können.
Seite 178
354 6.6 Bipolare optische Halbleitersensoren 6.6.3 Ortsauflösende bipolare Halbleitersensoren 355
Bild 6.6.3-2 Signalauswertung bei einem linearen ortsauflösenden Sensor (nach [3.48]): Die
Auswertung erfolgt über die elektronisch gebildete Funktion (1)
Das Meßverfahren läßt sich auf zwei Dimensionen ausdehnen (Bild 6.6.3-3).
Bild 6.6.3-1 Ortsauflösende Messung einer punktförmigen Lichtquelle (LED, Laser, nach
[3.48]):
a) Fällt der Laserstrahl am Ort x einer langausgedehnten Photodiode auf, dann
entsteht dort die Photospannung. Bei einem Abgriff am Ort der Elektroden A und
B vermindert sich die Photospannung um den Wert des Spannungsabfalls über
der p-Schicht, entsprechend werden die dort gemessenen Ströme IA und IB ver-
kleinert.
b) Ersatzschaltbild von a):
Die Größe der Ströme IA und IB hängt ab von dem Verhältnis der Widerstände
RA und RB, die ihrerseits durch den Ort x festgelegt werden
Ein geeignetes Maß für den Ort der Lichtquelle ist die zusammengesetzte Funktion
die stark vom Ort x der Lichtquelle, weniger stark aber von der Bestrahlungsstärke der Bild 6.6.3-3 Zweidimensionale ortsauflösende Messung einer punktförmigen Lichtquelle
Lichtquelle und der Empfindlichkeit des Sensors abhängt. Die Funktion (1) läßt sich di- (nach [3.48])
rekt elektronisch erzeugen (Bild 6.6.3-2). a) Aufbau des Sensors (links) mit zwei Auswerteschaltungen analog zu Bild
6.6.3-2
b) Linearität der Positionsmessung.
Seite 179
Bild 6.6.3-4 Dreidimensionale Ortsauflösung (Bestimmung von Strahlrichtungen) mit zwei op-
tisch semitransparenten zweidimensionalen ortsauflösenden Sensoren (nach [6.12]).
Die Sensoren bestehen aus dünnen wasserstoffdotierten Polysiliziumschichten (a-
Si:H) mit einer optisch transparenten elektrisch gut leitenden Schottky-Metallisie-
rung (z.B. Indium-Zinnoxid – ITO)
380 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.1 Erkennung chemischer Stoffe durch Sensoren 381
8 Chemische Sensoren
382 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.1 Erkennung chemischer Stoffe durch Sensoren 383
(5) Reaktionen an Kontakten und Substratmaterialien (meist unerwünscht). die jeweils in charakteristischen Temperaturbereichen optimal ablaufen (vgl. Abschnitt
Tab. 8.1.1-1: Beispiele für physikalische Größen G, die mit (bio-)chemischen Sensoren zur De- 8.1.3). Typische Untersuchungsverfahren für die Identifikation optimaler Werkstoffe in
tektion chemischer Stoffe erfaßt werden.
Verbindung mit chemischen Sensoren sind in Tab.8.1.1-2 zusammengestellt,
Tab.8.1.1-3 gibt einen Überblick über die gegenwärtig eingesetzten und untersuchten
Werkstoffe (eine ausführliche Behandlung dieser Werkstoffe erfolgt innerhalb dieser
Reihe, wie z.B. in den Bänden "Keramik" und "Polymere").
Tab. 8.1.1-2: Untersuchungen zur Identifikation geeigneter Werkstoffe für den Einsatz in chemi-
schen Sensoren. Zur Erläuterung der Abkürzungen siehe Abschnitt 8.1.5.
384 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.1 Erkennung chemischer Stoffe durch Sensoren 385
Tab. 8.1.1-3: Übersicht über gegenwärtig untersuchte Werkstoffe für chemische Sensoren Der Aufbau chemischer Sensoren wird bestimmt durch Anforderungen im praktischen
Einsatz. Er erfolgt wie bei anderen elektronischen Bauelementen vorzugsweise in mini-
aturisierter Form unter Einsatz von Verfahren, die im Zusammenhang mit der Halblei-
tertechnologie (s. Band 2, Abschnitt 8) entwickelt worden sind. Im Gegensatz zu der
sehr verbreiteten Siliziumtechnologie ist aber das Spektrum der eingesetzten Werkstof-
fe und Verfahren weitaus größer. Eine besondere Bedeutung haben dabei die spezifisch
chemischen Eigenschaften der Werkstoffe, wie die folgende Beispiele zeigen.
– In der heterogenen Katalyse werden Katalysatoren optimiert, um beispielsweise
aus giftigen Molekülen wie NO ungiftige Moleküle wie O2 und N2 herzustellen
(vgl. Bild 8.1.1-2) oder um aus kleinen Molekülen wie CO und H2 größere Mole-
küle wie Methanol selektiv zu synthetisieren (vgl. Bild 8.1.1-3). Die Verwendung der
dazu optimierten Katalysatoren in Kombination mit einfachen chemischen Sensoren
zum CO- bzw. H2-Nachweis ermöglicht umgekehrt die selektive Detektion von or-
ganischen Molekülen wie Methan, Methanol oder Benzin nach deren selektriver Zer-
setzung am Katalysator in CO bzw. H2.
Bild 8.1.1-2: Chemisorption und heterogene Katalyse am Beispiel der Reaktion 2NO ∅ O2 + N2.
NO-Gasmoleküle werden an der Oberfläche des Katalysators adsorbiert und nach
Dissoziation atomar gebunden (chemisorbiert). In dieser Form können die adsor-
bierten Teilchen an der Oberfläche Reaktionen eingehen, die in der Gasphase wegen
hoher Aktivierungsenergiebarrieren nicht möglich sind. So können in Oberflä-
chenreaktionen N2 und O2-Moleküle entstehen, die nach Desorption in die Gaspha-
se den heterogen katalysierten Prozeß abschließen. Sensoren auf der Basis von Chemi-
sorptionseffekten sowie der heterogene Katalyse sind in empflndlicher Weise durch
die Oberflächenstruktur und -elementzusammensetzung beeinflußbar. Elementzusät-
ze, welche die Katalyse beschleunigen, werden als Promotoren, Zusätze, welche
diese verlangsamen, als Inhibitoren bezeichnet.
Seite 194
386 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.2 Thermodynamische und kinetische Aspekte 387
Bild 8.1.1-3: Durch unterschiedliche Wahl von Katalysatoren lassen sich bei gleichen Aus-
gangsstoffen (hier: CO und H2) unterschiedliche Endprodukte herstellen. Umgekehrt
können die verwendeten Katalysatoroberflächen als Sensoren zum Nachweis von Me-
than, Methanol, Benzin bzw. CO oder H2 herangezogen werden.
388 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.2 Thermodynamische und kinetische Aspekte 389
Die Überführung des Systems von einem Zustand G1, charakterisiert durch die Para- genommen, d.h. es gilt:
meter p1, p2,...pi,...,T, in einen anderen Zustand G2 hängt dann nicht ab von der Art
und Weise (ausgedrückt z.B. durch die Orts- oder Zeitabhängigkeit der Parameter), in
welcher die Zustandsänderung durchgeführt wurde. Dieses ist gleichbedeutend mit der
Aussage, daß die Änderung der Zustandsgröße G bei jedem Kreisprozeß Null ist: – Bei der Chemisorption ist beispielsweise ∆H < 0 (es wird Bindungsenergie ge-
wonnen) und dS < 0 (die Anzahl der Anordnungskonfigurationen nimmt ab), d.h.
bei tiefen Temperaturen wird der energetisch günstigere gebundene Zustand der Ab-
Bei hochselektiven Sensoren überwiegt in (1) der Wert einer partiellen Ableitung sorption von Teilchen bevorzugt, während bei höheren Temperaturen der für die
alle anderen. Ist diese Randbedingung nicht erfüllt, dann kann im Prinzip über Musterer- freien Teilchen entropisch begünstigte Zustand (nach Desorption der chemisorbier-
kennung von Sensor-Arrays auch eine Mehrkomponentenanalyse vorgenommen wer- ten Teilchen in die Gasphase) zu einer minimalen freien Enthalpie führt.
den. Diese Ansatz befindet sich aber zur Zeit noch im Forschungsstadium. – Bei der Einführung von Punktdefekten hingegen gilt (Band 1, Abschnitt 2.7.1)
Die gegenüber freien Molekülen veränderten elektronischen und chemischen Eigen- ∆H > 0 und ∆S > 0, d.h. die Defektdichte ist aus energetischen Gründen bei nie-
schaften von Molekülen an und in Festkörpern ermöglichen die Moleküldetektion (wo- drigen Temperaturen vernachlässigbar klein, während sie bei höheren Temperaturen
bei der Festkörper als Sensor wirkt) und bewirken eine veränderte chemische Reakti- aus Entropiegründen drastisch ansteigt und damit u.a. die Festkörperreaktivität be-
vität der Moleküle (wobei der Festkörper als Katalysator wirken kann). Damit ergeben einflußt.
sich die grundlegenden Fragestellungen:
I) Was ist die Ursache der Reaktion zwischen Teilchen und Festkörpern, d.h. was ist
die Triebkraft der chemischen Reaktion? Zu II): Die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen wird ähnlich wie die Festkörper-
diffusion in Band 1, Abschnitt 2.7.2 über Aktivierungsbarrieren und entsprechende
II) Wenn Reaktionen möglich sind, wie schnell laufen diese ab, d.h. wie groß ist die Gibbs-Energie-Änderungen zwischen Ausgangs- und Übergangszustand im Rahmen
Geschwindigkeit (Reaktionsrate) der chemischer Reaktionen? der Eyring-Theorie erklärt [8.1].
Der Zusammenhang zwischen Gibbs-Energie G und den quantentheoretisch festge-
legten Energiezuständen Wi des Systems (Band 2, Abschnitt 1.2) von Elektronen, Pho-
Zu I): Die erste Frage wird durch den Kompromiß zwischen der Minimierung der Ener- nonen, Plasmonen etc. wird nach den Gesetzen der statistischen Thermodynamik durch
gie und der Maximierung der Konfigurationsentropie (beide Forderungen sind ent- die Berechnung der Zustandssumme
halten in Maximierung der Gesamtentropie, s. Band 1, Abschnitt 2, und Band 2, Ab-
schnitt 1.2) entschieden, sie führt auf das Prinzip der Minimierung der freien Energie.
Bei Sensorbetrieb unter konstantem Gesamtdruck (Atmosphärendruck) ist es zweckmä-
ßig, das Produkt aus Systemdruck p und -volumen V im Energieterm zu berücksich-
des Systems hergestellt. Es läßt sich zeigen, daß sich die Gibbs-Energie G aus Q di-
tigen (beide zusammen ergeben die Enthalpie H). Damit geht die freie Energie über
rekt berechnen läßt über die Beziehung:
in die freie Enthalpie (Gibbssche Energie):
wobei W die Systemenergie (Summe aus kinetischer und potentieller Energie) und S
die Entropie des Systems beschreibt. Eine Vergrößerung der Gesamtentropie (s. Band 1, Daraus ergeben sich für die Gleichgewichtszustände thermische und kalorische Zu-
Abschnitt 2, und Band 2, Abschnitt 1.2) findet statt, wenn bei einem Prozeß die freie Ent- standsgleichungen, wie z.B. der Bedeckungsgrad adsorbierter Teilchen als Funktion
halpie verkleinert wird, bzw. wenn bei einem isothermen Prozeß mit dT = 0) die dif- von Druck und Temperatur oder die spezifische Exzeßwärme von Adsorptionskom-
ferentielle Änderung plexen.
Die Gleichungen zeigen den engen Zusammenhang zwischen der Spektroskopie von
Systemzuständen – und damit z.T. auch atomaren Energiezuständen Wi –, der Ther-
der freien Enthalpie negativ ist. Im thermischen Gleichgewicht wird ein Minimum an- modynamik von zweidimensionalen Systemen an Festkörperoberflächen und der che-
Seite 196
390 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.3 Der Begriff des Katalysators 391
mischen Sensorik sowie der heterogenen Katalyse. Durch die schnelle Entwicklung in
der Oberflächen- und Grenzflächenspektroskopie können heute Energiezustände Wi
von freien Oberflächen und Teilchen an Oberflächen experimentell bestimmt werden.
Dies ermöglicht im Prinzip ein sehr detailliertes quantitatives Verständnis von Elemen-
tarprozessen zumindest für einfache Modellsysteme.
Bevor wir im Abschnitt 8.1-4 Ähnlichkeiten – aber auch Unterschiede – zwischen der
chemischen Sensorik und der heterogenen Katalyse diskutieren, sollen im folgenden ei-
nige Grundlagen der heterogenen Katalyse erläutert werden.
392 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.3 Der Begriff des Katalysators 393
Produkt einer katalytischen Reaktion im Vergleich zu anderen möglichen, aber uner- nomen her sinnvoller, die aktive Katalysatoroberfläche S als Bezugsgröße zu verwen-
wünschten Produkten gebildet wird. den.
Die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen hängt von den Konzentrationen der Reak- Für die auf die Katalysatoroberfläche bezogene Reaktionsgeschwindigkeit rA,s, er-
tionsteilnehmer A und von der Temperatur T ab. Für eine Reaktion des Typs halten wir dann analog zu (8):
gilt (wenn die Geschwindigkeit der Rückreaktion vernachlässigbar klein ist) für die zeit-
liche Änderung der Molzahl nA der Komponente A mit der Geschwindigkeitskonstanten Für die katalysierte Reaktion ist auch hier die Temperaturabhängigkeit der Geschwin-
digkeitskonstanten k durch Gleichung (9) gegeben. Werden die Aktivierungsenergien
für den Ablauf einer Reaktion in Gegenwart und in Abwesenheit eines Katalysators mit-
einander verglichen, so ist WA für den katalysierten Reaktionsweg kleiner als für den
Wird die dnA/dt auf das Reaktionsvolumen Vol bezogen, so ergibt sich die allgemein nichtkatalysierten Reaktionsablauf. Hierdurch wird die Geschwindigkeit der Reaktion
gebräuchliche Definition der Reaktionsgeschwindigkeit (= Reaktionsrate, s. auch Ge- erhöht.
nerations- und Rekombinationsraten in Band 2, Abschnit 6.2.2) rA Zur vollständigen Ableitung der Kinetik einer katalysierten Reaktion, d.h. des funktio-
nalen Zusammenhangs zwischen der Reaktionsgeschwindigkeit und den sie beeinflus-
senden Variablen (Konzentration der Reaktanten und Temperatur), ist es erforderlich,
den Mechanismus der Reaktion zu kennen. Meist laufen mehrere sogenannte Elemen-
Befindet sich das Reaktionssystem in der Nähe seines thermodynamischen Gleichge- tarschritte hineinander ab, wobei WA der höchsten der dabei auftretenden Aktivie-
wichts, so ist auch die Geschwindigkeit der Rückreaktion (vgl. Rücksprung bei der Dif- rungsbarrieren entspricht (vgl. dazu auch Abschnitt 8.1.4).
fusion in Band 1, Abschnitt 2.7.2), die von den Produktkonzentrationen bestimmt wird,
zu berücksichtigen. Bei heterogen katalysierten Reaktionen erfolgen diese Elementarvorgänge auf der Kata-
lysatoroberfläche; es handelt sich dabei um Adsorption der Edukte, Spaltung und/oder
In den Gleichungen (2) und (3) ist k die Geschwindigkeitskonstante (in Band 1, Ab- Bildung chemischer Bindungen der adsorbierten Reaktanten sowie Desorption der Pro-
schnitt 2.7.2 vergleichbar mit dem Diffusionskoeffizienten), deren Temperaturabhän- dukte. Die Geschwindigkeiten dieser Einzelschritte sind meist sehr unterschiedlich. Da
gigkeit durch die Arrhenius-Beziehung gegeben ist: die Geschwindigkeit der Reaktion durch den langsamsten dieser hintereinander ge-
schalteten Vorgänge bestimmt wird, ist es meist ausreichend, einen kinetischen Ansatz
auf der Grundlage des geschwindigkeitsbestimmenden Elementarschritts zu formulie-
Hierin sind WA (in der Chemie meist angegeben in kJ mol-l, in der Physik und Elek- ren. Dabei werden häufig Beziehungen folgender allgemeiner Form verwendet:
trotechnik dagegen häufig in eV pro Teilchen) die Aktivierungsenergie der Reaktion,
R (in kJ mol-l·K-l) die Gaskonstante, T (in K) die Temperatur und ko der Häufig-
keitsfaktor, dessen Dimension durch f(CA) bestimmt wird.
Bei heterogen katalysierten Reaktionen, die in Gegenwart eines Feststoffkatalysators Hierin sind die Größen KA und KP Konstanten, die das Ausmaß der Adsorption der
schneller als in dessen Abwesenheit ablaufen, gelten im Prinzip dieselben Zusammen- Komponenten A und P auf der Katalysatoroberfläche beschreiben und temperaturab-
hänge, wobei es jedoch oft zweckmäßig ist, die zeitliche Molzahländerung nicht auf den hängig sind. Die Größe m ist die Ordnung der Reaktion (für n = 0), während für den
Reaktionsraum, sondern auf die katalytisch aktive Oberfläche S des Katalystors zu allgemeinen Fall der Gl. (12) der Exponent n im Nenner i. a. von der Zahl der am ge-
beziehen: schwindigkeitsbestimmenden Elementarschritt der Reaktion beteiligten katalytisch
wirksamen Zentren der Katalysatoroberfläche abhängt.
Bei aus Parallel- und Folgereaktionen zusammengesetzten Reaktionsnetzwerken erhält
man ein System von teilweise miteinander gekopppelten Geschwindigkeitsgleichun-
Im allgemeinen besteht eine direkte Proportionalität zwischem dem mit Katalysator ge- gen.
füllten Reaktorvolumen VR und der Katalysatoroberfläche S, so daß VR häufig als In der Praxis wird die Aktivität von Katalysatoren häufig durch die folgenden Größen be-
Bezugsgröße für die Reaktionsgeschwindigkeit verwendet wird. Da die chemische Re- schrieben:
aktion jedoch nur auf der Katalysatoroberfläche abläuft, ist es vom physikalischen Phä-
Seite 198
394 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.3 Der Begriff des Katalysators 395
Das NO muß zunächst aus der den Katalysator umgebenden Gasphase durch Diffusion
an dessen Oberfläche gelangen, wo es adsorbiert wird. Nach der Adsorption erfolgt die
katalytische Reaktion auf der Oberfläche. Anschließend desorbieren die gebildeten Pro-
dukte N2 und O2 und diffundieren in die umgebende Gasphase zurück.
Die mit der Oberfläche verbundenen katalytischen Vorgänge lassen sich für eine einfa-
che Reaktion
396 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.4 Chemische Sensoren und Katalysatoren: Ähnlichkeiten und Unterschiede im Überblick 397
gie aufgebracht werden muß, bevor das Molekül in einen "desorptionsbereiten" Zu-
stand gelangt. Da es sich bei der Desorption um einen der Adsorption entgegengesetzten
Vorgang handelt, ist dieser endothermer Natur, d.h. Wärme wird verbraucht (Band 1,
Abschnitt 5.1).
Die energetischen Verhaltnisse für eine chemische Reaktion mit und ohne Katalysator
sind in den Abb. 8.1.3-1 und 2 schematisch dargestellt.
Es wird wiederum deutlich, daß sowohl die Aktivierungsenergien für die Ad- und Des-
orption als auch für die katalytische Reaktion wesentlich niedriger liegen als die Aktvie-
rungsenergien für die nichtkatalysierte Reaktion.
Es besteht ein indirekter Zusammenhang zwischen Energetik und Kinetik heterogen
katalysierter Reaktionen. Die Aktivität eines Katalysators hängt vom Adsorptionszu-
stand des Reaktanten ab. Eine schwächere adsorptive Bindung führt zu einer höheren
Aktvität; andererseits ist jedoch eine aktivierte Adsorption nötig, damit das Molekül
überhaupt in den reaktionsfähigen Zustand gelangt. Verallgemeinert kann festgestellt
werden, daß weder eine zu geringe noch eine zu starke adsorptive Bindung des Reaktan-
ten seine Reaktionsfähigkeit herbeiführen kann, sondern daß eine gewisse mittlere Bin-
dungsstärke notwendig ist, die es dem Molekül ermöglicht, mit einem zweiten Molekül
zum Zwecke der Reaktion mit genügender Geschwindigkeit in Wechselwirkung zu tre-
ten.
Unter Umständen kann bei einem Katalysator das entstehende Produkt oder ein sich aus-
bildender Übergangszustand zu stark an die katalytische Oberfläche gebunden sein, so Bild 8.1.4-1: Bildungsrate B der CO-Moleküle (Bruchteil von CO2-Molekülen pro CO-Molekül,
daß seine Weiterreaktion beziehungsweise Desorption wegen der dafür erforderlichen die auf die Oberfläche treffen) als Funktion der Temperatur für verschiedene Partial-
hohen Aktivierungsenergie erschwert und damit der Katalysator "vergiftet" wird. druckverhältnisse P(O2)/P(CO) an einem ZnO-Katalysator.
Umsätze und Selektivität zeigen charakteristische Ähnlichkeiten: Bei Katalysatoren ist
die Optimierung des selektiven Reaktionsumsatzes bei minimalen Prozeßkosten ent-
scheidend. Bei Sensoren ist die Optimierung des selektiv ausgelösten Signals bei zuver-
lässiger Reproduzierbarkeit entscheidend.
8.1.4 Chemische Sensoren und Katalysatoren:
Ähnlichkeiten und Unterschiede im Überblick Die Einstellung der optimalen Betriebstemperatur ist in beiden Fällen wichtig. Wie das
Die Einsatzbedingungen von Katalysatoren und chemischen Sensoren sind sehr unter- nachfolgende Bild 8.1.4-1 am Beispiel der CO-Oxidation über ZnO-Einkristall-Kataly-
schiedlich: Katalysatoren werden mit definierten Ausgangsstoffen betrieben und sollen satoren zeigt, findet man typische Temperaturmaxima in der katalytischen Aktivität, die
möglichst nur ein Endprodukt liefern. Chemische Sensoren sollen in beliebig zusam- durch die konkurrierenden Einflüsse von möglichst hohen Bedeckungsgraden der Aus-
mengesetzten Mischungen von Atomen und Molekülen möglichst nur eine Komponente gangsstoffe (hier CO und O2) und andererseits möglichst hohen Desorptionsraten der
selektiv nachweisen. Daher sind die Anforderungen an eine vernachlässigbare Konta- Produkte (hier CO2) bestimmt sind.
minationsanfälligkeit bei chemischen Sensoren erheblich höher als bei Katalysatoren. Wie das nachfolgende Bild 8.1.4-2 zeigt, werden auch für chemische Sensoren charakte-
Bei letzteren wird häufig erheblicher Aufwand bei der Reinigung der Ausgangsstoffe ristische Maxima in der Ansprechtemperatur gefunden.
betrieben für den Fall, daß Katalysatorgifte bei den auf Umsatz optimierten Katalysato-
ren vermieden werden müssen.
Seite 200
398 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.4 Chemische Sensoren und Katalysatoren: Ähnlichkeiten und Unterschiede im Überblick 399
I. Statische Aspekte:
a) Chemische Zusammensetzung der Oberfläche und des Volumens,
b) geometrische und elektronische Struktur der Oberfläche und des Volumens,
c) Bedeckungsgrade adsorbierter Teilchen,
d) Konfiguration adsorbierter Teilchen untereinander und gegenüber dem Sub-
strat,
Bild 8.1.4-2: Relative Leitwertänderung ∆G/Go bei der Wechselwirkung von l00 ppm CO in e) Bindungsenergien adsorbierter Teilchen,
Luft mit SnO2 (Abschnitt 8.5) für verschiedene Edelmetalldotierungen.
f) Wechselwirkungsenergien zwischen den adsorbierten Teilchen,
In dem hier vorliegenden Fall führt der CO-Nachweis am SnO2-Sensor zur Bildung g) Ladungsverteilung im Adsorbatkomplex und Ladungstransfer mit dem Volu-
von CO2 und ist damit direkt mit der katalytischen Aktivität des Sensors gekoppelt. men und
Unter gleichen Bedingungen wird beispielsweise an einem Metalloxid-Sensor gefun- h) Energie und Energieverteilung von Chemisorptions-induzierten Orbitalen.
den, daß sich relative Leitfähigkeitsänderungen ergeben zu
II: Dynamische Aspekte:
i) Bewegungszustände des Adsorbatkomplexes,
j) Oberflächendiffusion,
Dagegen ist die katalytische Bildungsrate von CO2 am gleichen Sensor über
k) Mechanismus und Kinetik der chemischen Reaktion an der Oberfläche,
l) Adsorptions- und Desorptionskinetik und
m) Stofftransportvorgänge.
gegeben. Bei gleichen molekularen Reaktionsmechanismen sind die formalen Be-
schreibungen des Reaktionsumsatzes (erfaßt über die CO2-Bildungsrate B) und die
Sensorempfindlichkeit (erfaßt über die relativen Leitwertänderungen ∆G/Go bezogen 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen
auf den Standardzustand bei PCO,o und PH2O,o) unterschiedlich. In den vorangegangenen Abschnitten wurde deutlich, daß bei chemischen Sensoren
Die eingesetzten Werkstoffe sind z.T. sehr ähnlich: Katalysatoren sind üblicherweise häufig die Grenzfläche zwischen dem zu messenden Medium und der Festkörperober-
aus Substraten wie Al2O3, SiO2 oder TiO2 aufgebaut, die durch Oxide chemisch mo- fläche des Sensors die entscheidende Rolle spielt. Damit kommt der obersten atomar
difiziert werden. Zur Modifizierung werden Oxide von Rh, Ce, Mo, Cr, Co, o.ä. einge- oder molekular belegten Schicht auf dem Sensor eine besondere Bedeutung zu. Die Bil-
setzt. Die Katalysatoren werden meist mit Promotoren wie Pt, Rh, Ru, Ni, Pd o.ä. der 8.1.5-1 und 2 demonstrieren dieses noch einmal am Beispiel von Halbleiter-Gassen-
optimiert. Daneben finden als Elektrokatalysatoren auch Festkörperelektrolyte, bei- soren (Abschnitt 8.5) und Biosensoren.
spielsweise auf der Basis von ZrO2 oder CeO2 Verwendung. Die Materialien für eine
Reihe von chemischen Sensoren sind diesen weitgehend ähnlich (vgl. Tabelle 8.1.1-3).
Metallorganische Verbindungen werden für heterogene Katalysatoren selten, für Sen-
Seite 201
400 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen 401
402 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen 403
Bild 8.1.5-3: Elektronen(σe)- und ionenleitende (σion) Kontakte zur Charakterisierung von Lei-
~
tungsmechanismen in Sensoren bei Gleich(=)- und Wechselspannungs(~) betrieb. D
ist der effektive Diffusionskoeffizient [8.6]:
Ein Beispiel ist die Vierspitzenanordnung zur Leitfähigkeitsmessung sowohl für Elek-
tronen- als auch für Ionenleitung (Bild 8.1.5-4) [8.6].
Bild 8.1.5-4: Aufbau von Elektronen- und Ionenleitungsmessungen, die zur Optimierung von
Sensoreffekten eingesetzt werden können, ohne daß Kontakteinflüsse eine Rolle spie-
len
Die einzelnen Beiträge der verschiedenen elektronischen und ionischen Leitfähigkeiten
können voneinander separiert werden, wenn geeignete elektronen- oder ionenleitende
Eine neue Möglichkeit, um phänomenologisch die Kinetik von Grenzflächenreaktionen
Kontakte verwendet und lokale Einflüsse von Kontakten eliminiert werden (Bild.8.1.5-
unter atmosphärischen Druckbedingungen zu bestimmen, ist die frequenzabhängige
3).
Variation von Partialdrucken und elektrischen Potentialen über elektrochemischen
Seite 203
404 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen 405
Ergebnisse von diesen oder anderen verwandten Techniken, die beispielsweise auch
zeitabhängige Sensorantworten charakterisieren und die als Signale von Sensor-Arrays
verwendet werden können, machen es dann im Prinzip möglich, Parameter zu bestim-
men, die Multikomponentenmischungen charakterisieren. Über Mustererkennung kön-
nen diese Parameter dann ausgewertet werden, um individuelle Komponenten auch in
Mischungen zu identifizieren (Bild 8.1.5-6) [8.10].
Bild 8.1.5-7 zeigt eine Übersicht über die Natur der Grenzflächen, Bild 8.1.5-8 einige ty-
pische Grenzflächenphänomene. Die heute verfügbaren Untersuchungstechniken (s.
auch Tab. 8.1.5-1) sind für eine Charakterisierung der Grenzflächen mit unterschiedli-
Bild 8.1.5-5: Druckmodulationsspektroskopie (PS) und klassische elektrochemische Impedanz- chen Tiefen von der Oberfläche (gemessen in Atomlagen) geeignet.
spektroskopie (EIS) zur Charakterisierung der Antwortkinetik von Elektrodenreak-
tionen (hier: Bei Wechselwirkung mit O2 unter dem Gesamtdruck p(O2)). Der
schematisch experimentelle Aufbau (a) und Details der Porenfeinstruktur für eine
CeO2/Pt/O2-Dreiphasengrenze sind ebenfalls gezeigt, die einerseits mit EIS (b)
und andererseits mit PS (c) untersucht wurden, wobei entsprechende Schaltkreise for-
mal die frequenzabhangigen Antwortfunktionen beider Modulationstechniken be-
schreiben [8.7].
406 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen 407
mit Hilfe von Elektronen-, Photonen- und Ionenspektroskopien. Dabei müssen ggf. Ul-
trahochvakuumtransfersysteme eingesetzt werden [8.2].
Bild 8.1.5-9: Beispiele für experimentelle Verfahren zur Grenzflächenanalyse mit unterschiedli-
Bild 8.1.5-8: Beispiele für Grenzflächenphänomene mit charakteristischen Tiefen.
chen Informationstiefen:
EMA = Electron Micro Analysis (Mikroprobenanalyse über Emission charak-
Ein atomistisches Verständnis für molekulare Erkennung kann gewonnen werden, teristischer Röntgenstrahlen),
wenn gleichzeitig verschiedene grenzflächenspektroskopische Untersuchungen ange- AES = Auger Elektronenspektroskopie,
wendet werden, von denen die am häufigsten verwendeten in Bild 8.1.5-9 und Tabelle GDOS = Glow Discharge Optical Spectroscopy (Glimmentladungs-optische
Spektroskopie),
8.1.5-1 (Teil 3) aufgelistet sind.
LAMMA = Laser Induced Mass Spectrometric Micro-Analysis (Massenspektro-
Die Präparation und Charakterisierung von Keramik-, Dick- oder Dünnschicht-Struktu- metrische Analyse von Laserdesorbierten Molekülen von Oberflächen),
ren im allgemeinen und von chemischen Sensoren insbesondere wird am besten unter RHEED = Reflexion High Energy Electron Defraction (Beugung schneller Elek-
tronen an Oberflächen). Andere Abkürzungen sind im Text und Tab.
kontrollierten Lösungsmittel-, Inertgas oder Ultrahochvakuum-Bedingungen durchge- 8.1.5-1 erläutert.
führt. Die Ergebnisse von so hergestellten Prototyp-Bauelementen mit wohl-definierten
Grenzflächen werden dann mit denen praktischer Bauelemente verglichen, indem beide
unter realistischen Meßbedingungen getestet und nachfolgend charakterisiert werden Wichtig ist, daß verschiedene Methoden am gleichen Sensor eingesetzt werden können,
um geometrische Atomanordnungen, Elementverteilungen, elektronische, optische und
Seite 205
408 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen 409
dynamische Strukturen erfassen zu können. Ein typischer Aufbau ist in Bild. 8.1.5-10 – Sekundärionen- oder Sekundärneutralteilchenmassenspektroskopie (SIMS oder
gezeigt. SNMS), für Tiefenprofilanalyse zur Elementverteilung,
– Rastertunnelmikroskopien (STM) und verschiedene modifizierte Ausführungen
(SXM) zur lokalen Charakterisierung von Strukturen, Zustandsdichten und Aus-
trittsarbeiten bis hin zu atomarer Auflösung und
– Molekularstrahlstudien zur Charakterisierung der Kinetik von Gas/Sensor-Wech-
selwirkungen.
410 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen 411
Kapazitätssensoren mit einer Arbeitstemperatur zwischen Raumtemperatur und aber nur stabil bei tieferen Temperaturen (Bild 8.1.5-15) [8.9]. Details werden in Ka-
700°C [8.17]. pitel 4.7 vorgestellt.
412 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.5 Charakterisierung von Grenzflächen 413
Bild 8.1.5-15: Kennlinien des Pt/TiO2-Sensors mit einer druckabhängigen (p(O2) oder p(CO)) Schott-
ky-Dioden-Kennlinie nach Ausheilung im Bereich tiefer Temperaturen und einer ohm-
schen Kennlinie nach Ausheilung im Bereich hoher Temperaturen [8.9, 8.18].
414 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.6 Funktionsprinzipien von chemischen Sensoren 415
und kinetische Konzepte der physikalischen Chemie zur Beschreibung allgemeiner che-
mischer Reaktionen verwendet werden. Drei unterschiedliche Typen kann man danach
unterscheiden:
8.1.6 Funktionsprinzipien von chemischen Sensoren a) Gleichgewichtssensoren (beschrieben über thermodynamische Gleichgewichte),
In der Gassensortechnik werden im allgemeinen Bauelemente mit einem ähnlichen Auf- b) umsatzratenbestimmte Sensoren (beschrieben über kinetische Fließgleichgewichts-
bau und ähnlichen elektrischen Ausgangssignalen bevorzugt wie auch sonst in der Sens- bedingungen) und
ortechnik, d.h. der Sensor sollte nach Möglichkeit aus einem Festkörpermaterial beste- c) Einwegsensoren.
hen, dessen Leitfähigkeit, Kapazität, EMK o.ä. sich möglichst linear (zumindest eindeu-
tig) mit der Konzentration eines vorgegebenen chemischen Stoffes ändert. Diese Forde- Bei dem zuletzt genannten Sensortyp braucht keine Reversibilität gefordert zu werden;
rung wird z. T. erfüllt von den Metalloxidsensoren (Abschnitt 8.5) mit einer Potenzfunk- dennoch ist er – häufig mangels einer geeigneten Alternative – in der Praxis weitverbrei-
tion in der Ansprechempfindlichkeit. Wegen der heute noch häufig nicht gewährleiste- tet und gewinnt vor allem bei regenerierbaren Sensoren an Bedeutung.
ten Langzeitstabilität werden diese allerdings im praktischen Einsatz teilweise nur mit
In der praktischen Anwendung haben gegenwärtig noch alle drei Sensortypen Proble-
Vorbehalt eingesetzt. An diesen Sensoren sind aber wichtige Grundprinzipien der mole-
me mit der Langzeitstabilität und sogenannten Memory-Effekten, d.h. einer Abhängig-
kularen Erkennung bereits gut verstanden, so daß derzeit weltweit eine systematische
keit des Sensorsignals von der Vorgeschichte des Sensors. Hierdurch werden häufig die
Optimierung erfolgt. Sie sollen daher im folgenden exemplarisch als Modellsysteme
potentiellen Anwendungsfelder enorm eingeengt. Eine Möglichkeit, diese Schwierig-
ausführlicher behandelt werden.
keit zu lösen, ist die systematische Aufklärung des Sensorprinzips und die systematische
Binäre und ternäre Oxide (wie auch vakuum-sublimierbare organische Substanzen) re- Verbesserung der Teilkomponenten des Sensors.
präsentieren die wichtigste Klasse von Gas-Sensorwerkstoffen, die bei Atmosphären-
Im folgenden werden die grundlegenden Detektionsmechanismen kurz dargestellt.
druck betrieben werden können. Systematische Untersuchungen fangen üblicherweise
mit den undotierten stöchiometrisch zusammengesetzten Verbindungen an, die dann sy-
stematisch verunreinigt werden mit unterschiedlichen Volumen- oder Oberflächendo- Physisorptionssensoren
tierungen und dem Ziel, ihre elektronischen und/oder ionischen Leitfähigkeitseigen- Dieses Funktionsprinzip ist typisch für den Einsatz bei tiefen Temperaturen. Die Physi-
schaften zu optimieren. Dabei müssen zunächst die Elementarschritte der Sauerstoff- sorption beschreibt die schwache Sensor/Teilchen-Wechselwirkung ähnlich wie die in-
wechselwirkungen verstanden werden, bevor die Wechselwirkung des Sensors mit termolekulare Wechselwirkung zwischen zwei Molekulen in nicht-idealen Gasen (z.B.
anderen Gasen erfolgreich untersucht werden kann. Die detailliertesten Ergebnisse lie- über van der Waals-Bindung in Band 1.3.5). Tieftemperatur-Physisorptionssensoren
gen vor für die Prototypmaterialien TiO2, SnO2, ZnO, PbPc und ZrO2 [8.2,8.11,8.12]. messen üblicherweise Änderungen in der Masse oder der Dielektrizitätskonstanten an
Chemische Sensoren für Gasmoleküle können im Prinzip basieren auf Physisorp- Sensoroberflächen, an denen Chemisorptionsbindungen entweder nicht auftreten kön-
tions-, Chemisorptions-, Oberflächendefekt-, Korngrenzen- oder Volumende- nen oder kinetisch behindert sind.
fekt-Reaktionen. Aufgrund der vorwiegend energie-getriebenen Reaktionen bei tie- Da die intermolekularen Kräfte bei der Physisorption im allgemeinen relativ unselektiv
fen Temperaturen und der entropie-getriebenen Reaktionen bei hohen Temperaturen sind, treten grundsätzlich Querempfindlichkeiten mit anderen Gasen auf, die z.B. durch
findet bei tiefen Temperaturen bevorzugt eine Adsorption und bei höheren Tempera- Temperaturvariationen bei der Sensorsignalerfassung reduziert werden können. Feuch-
turen Defektreaktion und Desorption statt. Diese Prozesse müssen bei Sensoren auf tesensoren (Abschnitt 7) sind die am häufigsten verwendeten Physisorptionssensoren,
Partialdruckvariationen in der Gasphase reagieren. Dabei sind reversible Änderungen die entweder Physisorption oder Multilagen-Kondensation von Wasser bei einer festge-
erforderlich zum Betrieb eines zuverlässigen Sensors. Eine sorgfältige Auswahl von legten Temperatur erfassen.
Temperatur- und Partialdruckbereichen ist deshalb extrem wichtig für den Betrieb zu-
verlässig anzeigender und langzeitstabiler Sensoren. Das Ziel ist dabei üblicherweise,
den überwiegenden Einfluß von nur einem Typ der Festkörper/Gas-Wechselwirkung Chemisorptionssensoren
auszunutzen. Selektive Chemisorptionsbindungen können zu sehr spezifischen Änderungen von elek-
Alle unterschiedlichen Sensorprinzipien zur selektiven Detektion von Teilchen können trischen oder optischen Eigenschaften des Sensors führen, wie dies am Beispiel der Che-
phänomenologisch einheitlich beschrieben werden. Dazu müssen thermodynamische misorption einfacher Atome und Moleküle in der Abb. 8.6.1-1 einerseits schematisch
Seite 209
416 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.6 Grundlagen der molekularen Erkennung in Gassensoren 417
keit und erhöhte Austrittsarbeit an der Oberfläche kann durch den Akzeptortyp der
Veränderte Ladungsverteilungen, Elektronen-Donator- oder Akzeptor-Eigenschaften Wechselwirkung mit einem resultierenden Elektroneneinfang und dem Aufbau eines
des Adsorptionskomplexes, aber auch veränderte optische Eigenschaften können u.a. als Oberflächendipols quantitativ erklärt werden. Dazu dienen entweder Clusterrechnungen
Sensorsignale ausgenutzt werden. Haufig werden Leitfähigkeitseffekte gemessen mit ei- (Bild 8.1.6-2) oder ein Bänderschema, das schematisch in Bild 8.1.6-3 gezeigt ist und in
nem typischen Beispiel in Bild 8.1.6-1b. Die erniedrigte Oberflächenleitfähig- dem die Wechselwirkung der freien im Volumen beweglichen Ladungen mit lokalisier-
ten Oberflächenzuständen durch Donator- und Akzeptorwechselwirkung erfaßt wird.
Seite 210
418 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.6 Grundlagen der molekularen Erkennung in Gassensoren 419
420 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.6 Grundlagen der molekularen Erkennung in Gassensoren 421
Korngrenzensensoren
In mikrokristallinen Bereichen (Clustern) lassen sich gezielt elektronische Eigen-
schaften einstellen, die zwischen denen der individuellen Atome und Moleküle und de-
nen von Festkörpern liegen (Bild 8.1.6-7).
Die Separation der Einflüsse von Volumen- und Oberflächendefekten ist möglich, wenn
schichtdickenabhängig Leitfähigkeiten erfaßt werden. Ein typisches Beispiel zeigt
Bild 8.1.6-6. Die veränderte Steigung läßt sich bei höheren Temperaturen um 470 K re-
versibel über den Sauerstoffpartialdruck einstellen, während der veränderte Achsenab-
schnitt bei tieferen Temperaturen um 300 K zum selektiven Nachweis von NO2 bis in
den ppb-Bereich hinunter ausgenutzt werden kann.
Bild 8.1.6-7: Anorganische Cluster (mikrokristalline Bereiche; hier: kleine Pt-Teilchen) mit spe-
zifischen Oberflächen.
Bei Clustern ist das Oberflächen/Volumenverhältnis sehr groß (s. Abschnitt 8.5), so daß
damit besonders oberflächenempfindliche Sensoren aufgebaut werden konnen. Elektro-
nische Gesamtleitfähigkeiten sind bestimmt durch statistische Perkolationspfade
(vgl. Bild 8.5-2 und Band 5, Abschnitt "Lineare und nichtlineare Widerstände")) über die
verschiedenen, sich berührenden Körner mit einem Engpaß der Leitfähigkeit zwi-
schen zwei Körnern, an denen analog zu den oben diskutierten Bandverbiegungseffekten
symmetrische Bandverbiegungen auftreten, die den Durchtritt durch die Grenzfläche au-
Seite 212
422 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.6 Grundlagen der molekularen Erkennung in Gassensoren 423
ßerordentlich empfindlich beeinflussen. Die damit um Zehnerpotenzen variierbaren Ge- im TiO2, WL und WV die Leitungsband- bzw. Valenzbandkanten, |q|UCPD die Kon-
samtleitfähigkeiten werden beispielsweise in sogenannten Taguchi-Sensoren (Abschnitt taktpotentialdifferenz, Wvac,Zr das Vakuumniveau von Zirkon, U = WF/ |q| die vor-
gegebene äußere Spannung und Wvac, TPB das Vakuumniveau der Dreiphasengrenze
8.5) zum Nachweis von reduzierbaren Gasen ausgenutzt.
Grenzflächen- und Dreiphasengrenzen-Sensoren
Dieser Sensortyp wird durch drei charakteristische Beispiele beschrieben:
– Ein erstes Beispiel ist der chemisch sensitive Feldeffekt-Transistor (CHEMFET,
Abschnitt 8.6) mit Potentialvariationen an inneren Grenzflächen (Bild 8.1.5-16).
– Ein zweites Beispiel ist die Ausnutzung von gemischter Leitung von PbPc und Io-
nenleitung von AgJ zum elektrochemischen Erfassen von O2- und NO2-Partial-
drucken mit typischen Ergebnissen und einem schematischen Aufbau in Bild 8.1.6-9.
Einzelheiten der chemischen Zusammensetzung, geometrischen Strukturen und Vo-
lumenspezies, Grenzflächenreaktionen mit den eingefangenen Ionen O22- und NO2-
sowie den Bandkanten WV , WL und dem Bandgap Wg, der Austrittsarbeit Φ, sowie
dem Ferminiveau WF folgen aus spektroskopischen Untersuchungen.
– Das dritte Beispiel eines Dreiphasen-Grenzflächensensors ist die Schottky-Diode
(Band 2, Abschnitt 9.2) in Bild 8.6.1-8 an einer Pt/TiO2-Grenzfläche (vgl. Bild 8.1.5-
14). Nach Eindiffusion der Pt-Atome ins TiO2 geht die Diodenkennlinie in eine ohm-
sche Gerade über (vgl. Bild 8.1.5-15). Im ersten Fall erfolgt eine gasspezifische Ver-
schiebung der Kennlinie, im zweiten Fall eine gasspezifische Änderung der Steigung
der Geraden.
424 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.6 Grundlagen der molekularen Erkennung in Gassensoren 425
Käfigverbindungs-Sensoren
Bild 8.1.6-11 zeigt typische anorganische Käfigverbindungen, Bild 8.1.6-12 organi-
sche Käfigverbindungen, die zum selektiven Einbau von Ionen, Atomen oder Mole-
külen und damit zur selektiven molekularen Detektion verwendet werden können.
Die Beispiele dieses Abschnitts zeigen, daß ein erhebliches Entwicklungspotential darin
liegt, Materialien auszunutzen mit unterschiedlichen elektronischen, ionischen oder ge-
mischtleitenden Eigenschaften unter Anwendung und Optimierung von Dreiphasen-
grenzen. Dies gilt sowohl für Gas- als auch für Flüssigkeits-Sensoren, die jeweils auf Se-
lektivität bzw. gezielte Einstellung von Querempfindlichkeiten optimiert werden. Tab.
8.1.6 zeigt einen Überblick über einige der heute eingesetzten und anwendungsnah ent-
wickelten Gassensoren.
426 8.1 Übersicht und Funktionsprinzipien 8.1.6 Grundlagen der molekularen Erkennung in Gassensoren 427
Bild 8.1.6-12: Typische organische Einschlußverbindungen für die chemische Sensorik zum Nach-
weis der angegebenen Ionen oder Moleküle.
Bild 8.1.6-13: Typischer Aufbau eines amperometrischen Biosensors [8.21].
Die kontrollierte Signalableitung nach Eintreten der Sensor-Teilchen-Wechselwirkung
ist im allgemeinen problematisch. Diese kann beispielsweise über massensensitive, Deutlich wird auch an diesem Beispiel die zentrale Rolle von Grenzflächenreaktionen.
elektrische oder optische Detektionsverfahren nach Einbetten dieser Verbindungen in
Matrizes oder nach kovalentem Ankoppeln an eine Unterlage erfolgen. Dies sind typi-
sche Probleme, wie sie vor allem auch bei Biosensoren auftreten. Ausblick
Die Verfügbarkeit von Reinstmaterialien, Reinsträumen und Ultrahochvakuumtechno-
logien setzt uns heute in die Lage, nahezu perfekte Grenzf1ächen mit einer Kontrolle bis
Biosensoren
in den atomaren Bereich herzustellen. Methoden der Oberflächenspektroskopie führen
Bei Biosensoren werden verschiedene Detektierungsmechanismen ausgenutzt. Man un- zu detaillierten Informationen über chemische Zusammensetzung, geometrische, elek-
terscheidet dabei prinzipiell zwischen Metabolismussensoren (mit Enzymen, deren tronische und dynamische Strukturen von Grenzflächen, die vor, während und nach dem
Reaktionsprodukte nachgewiesen werden) und Bioaffinitätssensoren (mit selektiven Sensoreinsatz bestimmt werden können. Daraus können Rückschlüsse auf molekulare
Schlüssel-Schloß-Molekülkonfigurationen). Die folgende Abb.8.1.6-13 zeigt als Bei- Detektionsmechanismen gezogen werden. Durch Vergleich von Ergebnissen an realen
spiel den Aufbau eines typischen häufig verwendeten amperometrischen Biosensors praktischen Sensorstrukturen mit denen von Prototypstrukturen werden Ergebnisse aus
(typisches Beispiel für einen Metabolismussensor), bei dem eine Selektivität durch Opti- der Grundlagenforschung übertragbar und für den Anwender verfügbar. Damit lassen
mierung der folgenden Teilkomponenten erzielt werden kann: sich praktische Sensoren systematisch optimieren und neue Sensor-Konzepte entwic-
keln.
– Selektive Diffusion von Molekülen durch die äußere Trennmembran (Abtrennung Kontrollierte Transporteigenschaften in Dünnschichtstrukturen sind von prinzipiellem
von höhermolekularen Spezies etc.), Interesse für zukünftige Anwendungen nicht nur in der chemischen Sensorik, sondern
Seite 215
auch in der Molekularelektronik oder Bioelektronik. Dies schließt die Kontrolle von
Elektronen-, Ionen- und gemischter Leitung, photobeschleunigter Leitung und von Dif-
fusionseffekten ein.
In den folgenden Abschnitten werden einige der heute technisch verfügbaren chemi-
schen Sensoren ausführlicher beschrieben, gleichzeitig werden auch die grundlegenden
Beziehungen für die Sensorcharakteristiken hergeleitet. Es wird sich zeigen, daß auch
bei chemischen Sensoren im Prinzip dieselben Meßtechniken angewendet werden, wie
bei den anderen Sensoren, allerdings ist der eigentliche Sensoreffekt – die chemische
Wechselwirkung – grundsätzlich verschieden. Aus diesem Grund wurde diese in der
Physik und Elektrotechnik häufig weniger bekannte Grundproblematik im vorliegenden
Abschnitt 8.1 ausführlicher behandelt, als das bei den anderen Sensortypen erforderlich
war.
Seite 215
8.2 Pellistoren
Geht bei einer einzelnen chemischen Reaktion innerhalb eines Systems ein Teilchen von
einem Zustand 2 mit einer höheren Energie W2n in einen Zustand 1 mit niedrigeren
g
Energie W1n über, dann kann die Energiedifferenz in die kinetische Energie ∆Wkin,n
(hierunter wollen wir allgemein jede Bewegungsenergie, d.h. auch z.B. die Energie von
Molekülrotationen, Molekülschwingungen etc. verstehen, wobei wir wissen, daß bei
elastisch gebundenen Systemen die Bewegung auch mit einer mittleren potentiellen
Energie im Feld der Federkräfte verbunden ist) einer im Mittelwert ungerichteten Bewe-
gung (auch Wärme genannt) aller Teilchen des Systems umgewandelt werden ge-
mäß der Beziehung (Band 2,Abschnitt 1.2.1):
Wir nehmen an, daß einzelne Reaktionen die Systeme in den Zuständen 1 und 2 nicht we-
sentlich ändern, in diesem Fall ergibt sich für n nebeneinander ablaufende Reaktionen:
Bezieht man die Anzahl der ablaufenden Reaktionen auf die Zeit, dann erhält man als
chemisch erzeugte Wärmeleistung Pchem:
mit der Reaktionsrate (Anzahl der Reaktionen pro Zeit, in Abschnitt 8.1.3 Reaktionsge-
schwindigkeit genannt) ∂ n/∂t. Die chemisch erzeugte Wärmeleistung bew irkt w ie die
Joulesche Wärme beim Stromfluß durch einen Widerstand eine Temperaturerhöhung
des Systems analog zu (3.1-1)
wobei Rth den Wärmewiderstand des Systems beschreibt. Die Messung der System-
temperatur kann also – wenn die Parameter in (3) und (4) bekannt sind – zur Messung der
Reaktionsrate herangezogen werden. Diese Größe hängt unter anderem von der Dichte
der vorhandenen Reaktionspartner ab (für die theoretische Behandlung kann ein ähnli-
cher Ansatz gemacht werden wie bei der Festkörperdiffusion in Band 1, Abschnitt 2.7.2
oder bei der Rekombinationsrate von Überschußladungsträgern in Band 2, Abschnitt
6.2.2, s. auch Abschnitt 8.1.3) , d.h. über die Reaktionsrate kann die Anwesenheit und
Konzentration bestimmter chemischer Substanzen nachgewiesen werden, sofern eine
Reaktion des Typs (2) stattfindet.
Da der Ablauf chemischer Reaktionen durch Katalysatoren (Abschnitt 8.1) entschei-
Seite 216
dend gefördert werden kann, liegt es nahe, die Temperatur der Katalysatoren (oder von (Wärmetönung) ergeben. Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Selektivität ergibt
Substraten mit Katalysatorzusätzen) selbst zu messen. Dieses ist das Funktionsprinzip sich, wenn nebeneinander mehrere Pellistoren bei unterschiedlichen Reaktionstempera-
der katalytischen Sensoren oder Pellistoren. turen betrieben werden, da die Reaktionsrate häufig bei bestimmten Katalysatoren eine
gasspezifische Temperaturabhängigkeit besitzt (Bild 8.2-2).
Als Sensorkörper dienen bei den Pellistoren häufig porös gesinterte Körper aus einer
chemisch inaktiven Oxidkeramik, in welcher katalytisch aktive Metallatome enthalten
sind (Bild 8.2-1). Die Porösität des Sensors sorgt für eine große Oberfläche des Kataly-
sators, wodurch die Reaktionsrate gesteigert wird.
Die Wirkung vieler Katalysatoren wird erst bei hohen Temperaturen signifikant, so daß
eine Aufheizung des Pellistors während der Messung erforderlich ist. Dieses läßt sich
zweckmäßig mit einer Platin-Heizwendel durchführen, deren Widerstand nach Ab-
schnitt 3.3.2 gleichzeitig zur Temperaturmessung herangezogen werden kann.
432 8.3 Elektrochemische Sensoren mit ionensensitiven Elektroden 8.3 Elektrochemische Sensoren mit ionensensitiven Elektroden 433
Bild 8.3-2 pH-Sensor mit Glaselektrode: Gemessen wird die Wasserstoffionen- (oder Proto-
nen-)Konzentration in der wäßrigen Meßlösung (nach [1.1]).
a) An der Glasmembran entsteht durch Reaktion mit H3O+-Molekülen eine elek-
trische Dipolschicht, welche eine EMK erzeugt, deren Größe von der H3O+-
Konzentration in der Meßlösung und damit vom pH-Wert abhängt. Der Abgriff
der Fermienergien zur Bestimmung der EMK wird jeweils über Bezugselektroly-
ten und Ableitelektroden vorgenommen.
Bild 8.3-1 Schematischer Aufbau eines potentiometrischen elektrochemischen Sensors mit b) Schematischer Verlauf der Raumladung ρQ auf beiden Seiten der Glaselektro-
ionensensitiver Elektrode: Die elektrische Dipolschicht wird an der Grenzfläche zwi- de, zusammen mit dem Ortsverlauf der Vakuumenergie Wvak(x) = -|q|U(x), s.
schen einem elektrochemisch aktiven Material (Membrane, Festkörper u.a.) und dem Anhang C1.
Elektrolyten erzeugt (nach [1.1]).
Bild 8.3-3 zeigt schematisch den allgemein verwendbaren Aufbau eines elektrochemi-
Ein wichtiges Ausführungsbeispiel für den in Bild 8.3-1 beschriebenen Sensor ist ein schen Sensors für beliebige elektroaktive Materialien.
pH-Wert-Sensor zur Messung der H+- oder Protonenkonzentration in einem Elek-
trolyten (Bild 8.3-2).
Seite 218
434 8.3 Elektrochemische Sensoren mit ionensensitiven Elektroden 8.3 Elektrochemische Sensoren mit ionensensitiven Elektroden 435
Bild 8.3-3 Aufbau der Meßelektrode elektrochemischer Sensoren mit beliebigem elektroakti-
ven Material (hier als "Sensor" bezeichnet) gemäß Bild 8.3-1 (nach [1.1]).
In Bild 8.3-4 ist der Aufbau einer kommerziell erhältlichen Einstab-Meßkette zur Mes-
sung des pH-Wertes dargestellt. Bild 8.3-5 zeigt verschiedene Sensormeßköpfe mit
Membranelektroden.
Tab. 8.3-1 Übersicht über die Elektrodenwerkstoffe und chemischen Reaktionen bei elektro-
chemischen Gassensoren mit einem Aufbau ähnlich wie in Bild 8.3-6 (nach [1.1]).
Bild 8.3-4 Aufbau einer Einstab-Meßkette als pH-Sensor. Eingezeichnet sind die Potential-
beiträge der einzelnen beteiligten Grenzflächen (nach [1.1]).
Seite 219
436 8.3 Elektrochemische Sensoren mit ionensensitiven Elektroden 8.4 Sensoren mit Feststoffelektrolyten 437
Bild 8.3-6 Trennung von Ladungen in elektrochemischen Sensoren durch zwei katalytisch
begünstigte chemische Reaktionen (nach [1.1]): Die Oxidation des Kohlenmono-
xids zu Kohlendioxid an einer ersten (oberen) Elektrode ist mit der Erzeugung
von Elektronen und Protonen (Wasserstoffkationen) verbunden, wobei die letzteren
in einem schwefelsäurehaltigen Elektrolyten gelöst werden können. Werden an einer
zweiten (unteren) Elektrode im Elektrolyten durch eine andere chemische Reaktion
(Wasserstoffverbrennung) Protonen vernichtet, dann wandern diese im Konzentra-
tionsgradienten kontinuierlich von der ersten zur zweiten Elektrode und transportie-
ren auf diese Weise ihre Ladung durch den Elektrolyten: Die erste Elektrode wird ne-
gativ, die zweite hingegen positiv aufgeladen.
Zwischen beiden Elektroden entsteht eine EMK, die mit dem Aufbau eines Poten- Bild 8.4-1: l-Sonde (nach [1.1]): Oberhalb (z. B. mit Luft als Referenzgas) und unterhalb
tials verbunden ist, welches im stromlosen Zustand die Reaktion schließlich zum (z. B. Auspuffgase als Meßgas) des sauerstoffleitenden Feststoffelektrolyten (ZrO2/
Stillstand bringt (potentiometrischer Sensor). Wird die EMK kontinuierlich durch Y2O3) befinden sich zwei getrennte Bereiche mit unterschiedlichen Sauerstoff-
einen Stromfluß abgebaut, dann ist der fließende Strom proportional zur chemischen partialdrücken. Die unterschiedlichen Sauerstoffkonzentrationen erzeugen über dem
Reaktionsrate (amperometrischer Sensor, wie in der Abbildung dargestellt). Ionenleiter eine Diffusionskraft (Gradient des chemischen Potentials aufgrund der
a) einfacher Aufbau des amperometrischen CO-Sensors unterschiedlichen Teilchenkonzentration, s. Band 1, Abschnitt 2.1), die ihrerseits ei-
b) verbesserte Ausführung mit einer Bezugselektrode zur Einhaltung einer kon- nen Stromfluß von Sauerstoffionen bewirkt. Die Beweglichkeit der Sauerstoffionen
stanten Spannung an der Arbeitselektrode. (O2-) bestimmt die elektrolytische Leitfähigkeit. Dazu ist eine Aufheizung auf min-
destens 500°C erforderlich.
Kennzeichnend ist, daß der Sauerstoff in gasförmigem Zustand elektrisch neutral
ist, aber nur in ionisierter Form (O2-) durch den Feststoffelektrolyten geleitet wer-
den kann, d.h. er muß auf der einen Seite des Sensors negativ aufgeladen, auf der an-
deren hingegen entladen werden. Dadurch baut sich zwischen der inneren und äuße-
ren Elektrode eine Ladungs-Doppelschicht – und damit eine EMK – auf. Diese ist
ein Maß für die Differenz der Sauerstoffpartialdrücke.
Seite 220
438 8.4 Sensoren mit Feststoffelektrolyten 8.4 Sensoren mit Feststoffelektrolyten 439
Die Ionenleitung im Feststoffelektrolyten führt zur Ausbildung einer Ladungs-Doppel- ladungen σQ.
schicht (Anhang C1), weil die neutralen Sauerstoffatome aus dem Gas erst ionisiert wer- c) Die Flächenladungen erzeugen ein konstantes elektrisches Feld E.
den müssen, bevor sie in den Festkörper eingebaut werden können, gleichzeitig werden d) Der Feldstärkeverlauf E ist verbunden mit einem linearen Anstieg des Potenti-
als ϕ.
sie beim Austritt aus dem Festkörper wieder neutralisiert. Auch in diesem Fall führt die O2- für negativ
e) Aufgrund des Potentialfeldes nimmt die potentielle Energie Wpot
Ausbildung einer Ladungsdoppelschicht zu einer EMK, die als Maß für den Konzentra-
geladene Sauerstoffionen O2- linear ab.
tionsunterschied zwischen beiden Dreiphasengrenzflächen im thermischen Gleichge-
f) Die potentiellen Energien aus e) addieren sich zu den Werten der Energien in
wicht herangezogen werden kann (Bild 8.4-2) a). Die Wirkung ist ein Ausgleich der chemischen Potentiale µO2- aufgrund der
zusätzlichen elektrostatischen Wechselwirkung (d.h. durch Bildung der Dipol-
schicht in b) gehen die O2--Ionen in ein thermisches Gleichgewicht über). Die
physikalische Interpretation ist, daß die Flächenladungen ein elektrisches Feld
bilden, dessen Feldkraft der ursprünglich vorhandenen Diffusionskraft entgegen-
wirkt, bis beide entgegengesetzt gleich groß sind. Da das Potentialfeld d) aber
gleichzeitig auch auf Elektronen wirkt, verschieben sich im thermischen Gleich-
gewicht der O2--Ionen die Fermieenergien WF für Elektronen gegeneinander:
Es entsteht eine Elektronen-EMK, d.h. eine von außen meßbare Spannung der
Größe Ua.
Die Bedingung für das thermische Gleichgewicht ist, daß sich eine Potentialdifferenz ∆ϕ aufbauen
muß der Größe
mit der Ionenladungszahl oder Wertigkeit n, die im obigen Fall zwei (bei Betrachtung vion Sauer-
stoffmolekülen vier) beträgt. Die EMK ist dann
Die neutralen Sauerstoffmoleküle rechts und links vom Ionenleiter verhalten sich näherungsweise wie
ein ideales Gas: Dann ergibt sich als chemisches Potential analog zu der Betrachtung bei Elektronen in
Abschnitt 2.1
Wir nehmen an, daß für die negativ geladenen O2--Ionen eine ähnliche Beziehung gilt (die zu WO2und
Bild 8.4-2: Entstehung der EMK bei einem Sauerstoffsensor mit einem Aufbau wie in den
Neff äquivalenten Größen kürzen sich ohnehin heraus) und erhalten
Bildern 8.1-5 oder 8.4-1.
a) Energiediagramm des Systems Gasraum-Festkörperelektrolyt-Gasraum vor
Beginn der Ionenleitung: Eingetragen sind die chemischen Potentiale µO2- für
O2--Ionen an den gegenüberliegenden Kontaktflächen des Ionenleiters (es wird
angenommen, daß diese proportional sind zu den chemischen Potentialen der
neutralen O2--Moleküle in den beiden Gasräumen rechts und links vom Ionen- Damit ergibt sich als EMK
leiter) und die Fermienergien WF (chemisches Potential für Elektronen). Als Re-
ferenz dient die Vakuumenergie Wvak.
b) Aufgrund des Gradienten von µO2- diffundieren O2--Ionen von rechts nach
linksDurch Ionisation (rechte Seite) der ursprünglich neutralen O2--Moleküle
und Neutralisierung (linke Seite) entstehen die positiven und negativen Flächen- Diese Beziehung wird auch als Nernstsche Gleichung bezeichnet.
Seite 221
440 8.4 Sensoren mit Feststoffelektrolyten 8.4 Sensoren mit Feststoffelektrolyten 441
Die Nernstsche Gleichung (5) gilt näherungsweise auch für die Partialdrücke pmeß
O2
und pOref2 des Sauerstoffs im Meß- und Referenzgas, so daß man eine EMK der Größe
erhält (das chemische Potential wird auf Sauerstoffmoleküle bezogen)
Bild 8.4-3: Abhängigkeit der EMK eines Sauerstoffsensors mit Feststoffelektrolyten vom
Sauerstoffpartialdruck bei verschiedenen Temperaturen. Der Referenzdruck beträgt
pOref2 = 720 mbar (nach [8.24]).
442 8.4 Sensoren mit Feststoffelektrolyten 8.4 Sensoren mit Feststoffelektrolyten 443
Sauerstoffkonzentration. Wie auch die elektrochemischen Sensoren können λ-Son- Tab. 8.4-1 Übersicht über den Aufbau von Zellen zur potentiometrischen Messung von Gas-
den sowohl potentiometrisch wie amperometrisch eingesetzt werden (Bild 8.4-6). konzentrationen mit Feststoffelektrolyten (nach [1.1]): ME bezeichnet die Meßelek-
trode, MR die Referenzelektrode: Anstelle über ein Referenzgas mit vorgegebenem
Partialdruck des zu messenden Gases kann der Referenzpartialdruck in vielen Fällen
auch über ein thermisches Gleichgewicht innerhalb der Referenzelektrode einge-
stellt werden.
In der Tabelle 8.4-1 ist eine Übersicht über weitere Systeme zur potentiometrischen
Messung von Gaskonzentrationen mit Feststoffelektrolyten zusammengestellt.
In einem Festkörperelektrolyten ist der elektrische Stromfluß stets mit einem Material-
transport der leitenden Ionensorte verbunden, d.h. bei dem System in Bild 8.4-2 ist nur
ein Stromfluß möglich, wenn gleichzeitig Sauerstoff durch den Sensor transportiert
wird. Auf diese Weise kann der Sensor auch als Gaspumpe verwendet werden: Bei
Anlegen einer äußeren Spannung an den Sensor wird ein Stromfluß erzwungen, der nur
durch Abtransport von Sauerstoff von der einen zur anderen Elektrode ermöglicht wird.
Durch kontrolliertes Abpumpen können auf diese Weise die Verhältnisse in einem Refe-
renzgas definiert eingestellt werden (Bild 8.4-7).
Seite 223
Bei der katalytischen Oxidation von Gasen wie H2, CH4, CO, C2H5OH oder H2S als
oxidierbare Gase an der Festkörperoberfläche vergrößert sich effektiv die positive
Wertigkeit der Adsorptionskomplexe, d.h. bei der Reaktion werden Elektronen an die
Festkörperoberfläche abgegeben. Dadurch erhöht sich die Elektronenkonzentration an
der Oberfläche (Oberflächeneffekt), so daß in n-leitenden Halbleitern eine Aufla-
dung durch Akkumulation erfolgt, in p-Halbleitern hingegen durch Entleerung. Ent-
sprechend ist auch die Wirkung auf die Elektronenoberflächenleitfähigkeit: Sie ver-
größert sich bei n-Leitern, verkleinert sich jedoch bei p-Leitern.
Bei hinreichend großer Beweglichkeit von Sauerstoffionen im Festkörper (Temperatu-
Bild 8.4-7 Kombination aus einem Gassensor mit Feststoffelektrolyten und einer Gaspumpe: ren oberhalb von ca. 500°C) tritt auch ein Volumeneffekt auf: Die Sauerstoffkon-
Über die letztere kann der Partialdruck in einer abgeschlossenen Referenzkammer zentration eines Gases außerhalb des Festkörpers bestimmt über ein chemisches
definiert eingestellt werden (nach [8.26]) Gleichgewicht mit den Sauerstoffionen des Metalloxids dort die Fehlstellen-, vor allem
häufig die Leerstellendichte. Bei vielen oxidischen Werkstoffen steigt die Elektronen-
volumenleitfähigkeit mit der Konzentration der Sauerstoffleerstellen an (dort lagern
8.5 Metalloxidsensoren sich schwach gebundene – quasifreie – Elektronen an und verursachen eine Donatorwir-
Die Entstehung von Ladungsdoppelschichten bei der Reaktion chemischer Stoffe mit kung der Leerstellen).
Festkörperoberflächen ist in den vorangegangenen Abschnitten ausführlich diskutiert
worden. Bei Halbleitern und Isolatoren erfolgt die Ladungserzeugung auf der Festkör-
pergrenzfläche in vielen Fällen über Prozesse wie die Akkumulation, Entleerung oder
Inversion (Band 2, Abschnitt 4.2), d.h. über eine durch die Werkstoffeigenschaften fest-
gelegte typischeVerbiegung der Valenz- und Leitungsbandkanten im Bändermodell.
Hierdurch wird die Oberflächendichte beweglicher Ladungsträger beeinflußt, d.h. die
elektrische Oberflächenleitfähigkeit σsp verändert sich in charakteristischer Weise. Auf
dieser Basis läßt sich eine Vielzahl resistiver Gassensoren mit wichtigen Anwen-
dungsmöglichkeiten realisieren (s. auch Diskussion in Abschnitt 5.1). Die von der Mole-
külkonzentration des chemischen Stoffes abhängigen Leitfähigkeitsänderungen kön-
nen bei halbleitenden Werkstoffen eine erhebliche Größenordnung annehmen, wobei
insbesondere halbleitende Metalloxide zur Anwendung kommen (Tab. 8.5-1 und 2).
Die chemische Reaktion zwischen Gas und Sensor ermöglicht in den meisten Fällen erst
bei höheren Temperaturen die Einstellung eines Gleichgewichts, so daß im Aufbau des
Sensors (Bild 8.5-2) eine Heizvorrichtung vorgesehen sein muß. Für diesen Sensortyp –
wie für andere chemische Sensoren aus anderen Gründen (s. Bild 8.1.5-12) auch – ist die
Einstellung einer konstanten Betriebstemperatur eine wichtige Voraussetzung für die
Reproduzierbarkeit der Sensoreigenschaften.
Bei Sensoren auf der Basis des Oberflächeneffekts ergibt sich eine besonders hohe Emp-
findlichkeit durch ein günstiges Verhältnis von Oberflächen- zu Volumenleitfähigkeit,
wenn die Sensoren aus porösen Sinterkörpern hergestellt werden, in welche das Gas ein-
dringen kann (Prinzip in Bild 8.5-3, Ausführungsformen in Bild 8.5-1a und b).
Bild 8.5-2 Steigerung der Empfindlichkeit von Gassensoren durch Anwendung poröser Sin-
terkörper.
Bild 8.5-3: Taguchi-Sensor (nach [8.27]): Der Gassensor hat einen ähnlichen Aufbau wie in
Oberflächeneffekt: Die Gasreaktion erfolgt auf einer sehr großen Oberfläche, ein Bild 8.5-1a.
parasitärer Beitrag der Volumenleitfähigkeit wird durch Verwendung kleiner Körner
a) Montage des Sensors in einem Gehäuse
herabgesetzt (großes Verhältnis Oberfläche/Volumen).
b) Einfache Meßschaltung
Volumeneffekt: Bei Verwendung kleiner Körner sind die Abstände von der Ober-
fläche relativ gering, d.h. Sauerstoffleerstellen benötigen nur relativ geringe Diffusi- c) Kalibrier-Kurve für verschiedene Gase (Typ TGS 109)
onslängen, um in das Volumen zu gelangen. Dadurch entsteht eine größere Empfind-
Bei Verwendung von Dick- und Dünnschichtausführungen wie in Bild 8.5-1c sind – im
lichkeit und Ansprechgeschwindigkeit.
Gegensatz zur Sintertechnik – keine Prozesse bei sehr hohen Temperaturen erforderlich.
Bei Verwendung von Dickschichtverfahren können weitgehend dieselben Ausgangs-
Die meisten Gassensoren mit Metalloxidschichten sind aus der empirischen Erfahrung werkstoffe (feinkörniges Pulver aus Werkstoffen bekannter Zusammensetzung) wie bei
heraus entwickelt worden. Verschiedene Zusätze mit den Metallen Pd, Pt, Au, Ag und den Sinterverfahren eingesetzt werden, so daß vorhandene empirische Erfahrungen ge-
Cu können die Empfindlichkeit vergrößern (z. B. durch Katalysatorwirkung), weiterhin nutzt werden können. Bei Dünnschichtverfahren hingegen müssen die aktiven Sen-
können sie die Selektivität, Lebensdauer und Stabilität verbessern aufgrund von Mecha- sorschichten sorgfältig synthetisiert werden, wodurch die Zusammensetzung in der Stö-
nismen, die häufig atomistisch noch nicht im Detail verstanden werden. chiometrie und dem Gitteraufbau besser kontrolliert werden kann. Diese Verfahren
könnten auch – bei einem relativ zum heutigen Wissensstand verbesserten physikali-
In der Anwendung am verbreitetsten ist zur Zeit der Taguchi-Gassensor (Bild 8.5-
schen Verständnis der grundlegenden Mechanismen – langfristig zu definierteren
3), der für vielfältige Anwendungen in der Feuer- und Gaswarntechnik, Verbrennungs-
Werkstoffeigenschaften und damit einer reproduzierbareren Beherrschung der Sensor-
überwachung, etc. eingesetzt werden kann, nur mit Einschränkungen hingegen für
eigenschaften führen.
quantitative Messungen.
Seite 225
448 8.6 Chemisch sensitive Feldeffekttransistoren (CHEMFETs) 8.6 Chemisch sensitive Feldeffekttransistoren (CHEMFETs) 449
Bild 8.6-1: Wasserstoff-GASFET mit Palladium-Gatemetall (nach [8.28 und 29]): Wasser-
stoffmoleküle H2 dissoziieren bereits bei Raumtemperatur an der Oberfläche des
Palladiums zu HA und diffundieren an die Grenzfläche zwischen Gatemetall und
Gateoxid. Dort erzeugen sie als H1 eine Ladungs-Doppelschicht, die sich auswirkt
wie eine Veränderung der Gatespannung (Veränderung der "effektiven" Austrittsar-
beit).
a) Aufbau des GASFETs
b) Entstehung der Ladungs-Doppelschicht durch Anlagerung von Wasserstoffio-
nen an der Grenzfläche Gatemetall-Gateoxid.
In der Tabelle 8.6-1 sind weitere mögliche Werkstoffkombinationen für den Aufbau
chemisch empfindlicher Feldeffekttransistoren zusammengestellt. Auch Schottkydio-
den (Band 2, Abschnitte 5.3.2 und 9.2) lassen sich als gasempfindliche Halbleiter-Ober-
flächenbauelemente aufbauen; in diesem Fall dient die Schottky-Barrierenhöhe als
Steuergröße (s. Abschnitt 8.1.6).
Seite 226
450 8.6 Chemisch sensitive Feldeffekttransistoren (CHEMFETs) 8.6 Chemisch sensitive Feldeffekttransistoren (CHEMFETs) 451
Bild 8.6-3: CHEMFET mit einem chemisch passiviertem Referenzsystem, in welches das
Meßgas nicht eindringen kann (nach [1.1]).
Eine Reihe von Variationsmöglichkeiten ergibt sich für die Einkopplung der potential-
Die durch die chemische Reaktion gesteuerte elektrische Größe ist dabei in vielen Fällen bildenden Prozesse durch chemisch reagierende Substanzen in die Halbleiteroberflä-
die Gatespannung UG, welche durch die EMK der Ladungsdoppelschicht beeinflußt che. Hierfür können z.B. poröse Gatemetallschichten oder spezielle Gatekonstruktionen
wird. Alternativ dazu können sich aber auch andere Größen, wie die Flachbandspan- verwendet werden wie in Bild 8.6-4.
nung UaFB ändern, die ihrerseits nach (2) von einer Anzahl von Werkstoffparametern Auf dem Gebiet der chemisch sensitiven Halbleiterbauelemente werden zur Zeit noch
(Arbeitsfunktionen, Oxid- und Grenzflächenladungen u.a.) beeinflußt wird. Alle diese umfangreiche Forschungsarbeiten durchgeführt mit den Zielsetzungen:
Größen hängen empfindlich von den Randbedingungen der chemischen Reaktion und
dem Zustand und Reinheitsgrad des Systems Gatemetall-Gateoxid-Halbleiteroberflä- – Entwicklung neuer Systeme und Werkstoffkombinationen mit höherer Stabilität
che ab. und geringerer Anfälligkeit gegenüber Kontamination und Desensibilisierung (z.B.
Aus der empfindlichen Abhängigkeit von vielen – in ihrer Auswirkung sehr unter- durch Einführung von Schutz- und chemischen Sperrschichten)
schiedlichen – Werkstoffgrößen ergibt sich auch die grundsätzliche Schwierigkeit der – Begünstigung vorbestimmter chemischer Reaktionen durch Katalysatorzusätze
CHEMFETs: Der Zustand des Systems ändert sich stark mit dem Kontaminationsgrad,
– Entwicklung von Sensoren mit einer (lokalen) Aufheizung, um bestimmte chemi-
der in den meisten Fällen schwer zu kontrollieren ist, da der einstellbare Temperaturbe-
sche Reaktionen zu fördern
reich aufgrund der Anwesenheit von Flüssigkeiten oder durch den technologischen Auf-
bau der Sensoren stark eingeschränkt ist. Die Sensorkennlinien sind daher in vielen Fäl- – Entwicklung "intelligenter" Sensoren, die aufgrund einer integrierten Datenverar-
len wenig langzeitstabil: Häufig verlieren die Sensoren nach einiger Zeit ihre Empfind- beitung die ermittelten Daten besser auswerten können
lichkeit. Darüber hinaus erfordert die Einführung passiver miniaturisierter Referenzsy-
– Entwicklung von Sensorarrays, d.h. einer Vielzahl gleichzeitig betriebener chemi-
steme (Bild 8.6-3) eine zusätzliche Materialoptimierung.
scher Sensoren mit bevorzugter Empfindlichkeit für bestimmte Reaktionen.
Seite 227
Anhang A
Dimensionen und Formelzeichen
SI-Einheiten
Als Dimensionen werden die vom International System of Units (SI) zugelassenen ver-
wendet:
Länge m (Meter)
Masse kg (Kilogramm)
Zeit s oder sec (Sekunde)
elektrischer Strom A (Ampere)
thermodynamische Temperatur K (Kelvin)
Materialmenge Mol
Lichtintensität cd (Candela)
454 Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen 455
Leistung 1 W (Watt) = 1 J/s = 1 V·A Druckeinheit). In der angelsächsischen Fachliteratur wird auch noch die Einheit psi
(pound per square inch) verwendet:
elektrische Spannung 1 V (Volt) = 1 W/A
1000 psi = 6,89 MPa
elektrische Ladung 1 C (Coulomb) = 1 A·s
Kapazität 1 F (Farad) = 1 C/V
mechanische Spannung 1 Pa = 1 N/m2 Früher verwendete Dimensionen :
Länge 1 A (Angström) = 10-10m
magnetischer Fluß 1 Wb (Weber) = 1 V·s
1 Lichtjahr = 9,461·1015m
magnetische Induktionsflußdichte 1 T (Tesla) = / 1 V·s/m2
1 mil (tausendestel Inch) = 2,54·10-5m
Kraft 1 kp = 1kg·9,81 m/s2= 9,81 N
1 dyn = 10-5N
Präfixe: Multiplikationsfaktor Präfix Symbol
Druck 1 atm (Atmosphäre) = 760 mm Hg = 760 Torr
1018 exa E
1015 peta P = 1,033 kp/cm2= 0,1013 MPa
1012 tera T
1 Torr = 133,3 Pa
109 giga G
106 mega M 1 kp/mm2 = 9,81 N/mm2= 9,81 MPa
103 kilo k
1 bar = 0,1 MPa
102 hecto h
10 deka da 1 mbar = 1 hPa (Hektopascal)
10-1 dezi d 1 psi (pound per square inch) = 6,895·103Pa
10-2 centi c Energie 1 Btu (international) = 1,055·103J
10-3 milli m
10-6 mikro µ 1 erg = 10-7J
10-9 nano n 1 cal (Kalorie) = 4,185 J
10-12 pico p
10-15 femto f 1 eV/Atom ≈ 96 kJ/Mol ≈ 23 kcal/Mol
10-18 atto a 1 kWh (Kilowattstunde) = 3,6 MJ
Leistung 1 PS (Pferdestärke) = 0,745 kW
Beispiel: Viskosität 1 Poise = 0,1 Pa·s
1 MPa = 106 N/m2 =1 N/mm2 magnetische Feldstärke 1 Oe (Oerstedt) = 79,58 A/m
magnetische Induktions- 1 G (Gauß) = 10-4 T
Mit der Erdbeschleunigung g = 9,81 m/s2 gilt: flußdichte
456 Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen 457
458 Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen 459
460 Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen 461
462 Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen 463
v+x m/s Teilchengeschwindigkeit in Richtung der pos. x-Achse WL=Wpot,n eV potentielle Energie pro Teilchen;Energie der
Leitungsbandkante
V,Vol m3 Volumen abgekürzte Schreibweise:Wpot
(i)
W eV gesamte Energie (des Systems i) WLo eV Energie der Leitungsbandkante im thermischen
Wkr eV Kristallenergie pro Teilchen Gleichgewicht
Seite 233
464 Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen 465
αT* 1 Wechselstrom-Transportfaktor πik 1/Pa Elemente des Tensors der piezoresistiven Koeffizien-
ten
α∆Q W/m2·K Wärmeübergangszahl
πl 1/Pa longitudinaler piezoresistiver Koeffizient
βo 1 Gleichstrom-β-Stromverstärkung
β 1 Wechselstrom-β-Stromverstärkung πt 1/Pa transversaler piezoresistiver Koeffizient
466 Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen Anhang A: Dimensionen und Formelzeichen 467
ρno 1/m3 Teilchen-, Elektronendichte pro Volumen im therm. σhν eV/m2 Flächendichte der Photonenenergie
Gleichgewicht
σik Ν Element des Spannungstensors
ρnn 1/m3 Elektronendichte in der Raumladungszone eines n-
σion 1/Ω m ionische Leitfähigkeit
Halbleiters
σn 1/Ω m spezifische Leitfähigkeit für Elektronen
ρnno 1/m3 Elektronendichte (= Donatorkonzentration) außerhalb
WQ
der Raumladungszone eines n-Halbleiters σopt m2 Wirkungsquerschnitt für den Photoneneinfang
ρnp 1/m3 Elektronendichte in der Raumladungszone eines p- σp 1/Ωm spezifische Leitfähigkeit für Löcher
Halbleiters
σP W/m2 Flächendichte der Strahlungsleistung
ρnpo 1/m3 Elektronendichte außerhalb der Raumladungszone ei-
σQ A s/m2 Flächen-Ladungsdichte
nes p-Halbleiters
σQn A s/m2 Elektronen-Flächen-Ladungsdichte
ρCo
n 1/m3 Elektronendichte im Kollektor im therm. Gleichge-
wicht σQp A s/m2 Löcher-Flächen-Ladungsdichte
ρnEo 1/m3 Elektronendichte im Emitter im therm. Gleichgewicht σQB A s/m2 Flächen-Ladungsdichte in der Basis
ρp 1/m3 Löcherdichte im Volumen σQG,σQf A s/m2 Grenzflächen-Ladungsdichte
ρpo 1/m3 Löcherdichte im Volumen im therm. Gleichgewicht σQI A s/m2 Flächen-Ladungsdichte im Oxid
ρphot 1/m3 Photonendichte im Volumen σQm A s/m2 Flächen-Ladungsdichte im Metall
ρpn 1/m3 Löcherdichte in der Raumladungszone eines n-Halb- σQsp A s/m2 gespeicherte Flächen-Ladungsdichte
leiters WQ
σrek m2 Wirkungsquerschnitt für die Rekombination
ρpno 1/m3 Löcherdichte außerhalb der Raumladungszone eines
σsp 1/Ωm spezifische Leitfähigkeit
n-Halbleiters
ik
σsp 1/Ωm Element des Tensors der spezifische Leitfähigkeit
ρpB 1/m3 Löcherdichte in der Basis
τ s Relaxationszeit, Abklingzeit, Lebensdauer
ρpBo 1/m3 Löcherdichte in der Basis im therm. Gleichgewicht
τ* s Wechselstrom-Lebensdauer
ρQ A s/m3 Volumen-Ladungsdichte
τd s dielektrische Relaxationszeit
ρsp Ωm spezifischer Widerstand
τg s Generations-Lebensdauer
ρT 1/m3 Volumen-Störstellendichte
τlB s Laufzeit in der Basis
σ 1/m2 Flächendichte (Menge pro Fläche)
τn s Minoritätsträgerlebensdauer für Elektronen
σ Ν mechanischer Druck oder Zug
τp s Minoritätsträgerlebensdauer für Löcher
σe 1/Ωm Elektronische Leitfähigkeit
τphot s Photonenlebendauer für Löcher
Seite 235
τr s Rekombinations-Lebensdauer Anhang B
τs s Speicherzeit Naturkonstanten
τth s thermische Zeitkonstante
Loschmidt-Zahl L 6,022·1023/mol
ω 1/s Kreisfrequenz
Boltzmannkonstante k 1,381·10-23W·s/K = 8,62034·10-5 eV/K
<τ> s mittlere Stoßzeit
Ladung des Elektrons |q| 1,602·10-19A·s
<a> — Mittelwert der Größe a
Ruhemasse des freien Elektrons mo 9,108·10-31kg
Influenzkonstante εo 8,854·10-12A·s/(V·m)
Lichtgeschwindigkeit c 2,998·108m/s
Plancksches Wirkungsquantum h 6,626·10-34 W·s2 = 4,13539·10-15eV·s
Zusammengesetzte Größen:
εo/|q| 5,5268 107/(V·m)
kT bei Raumtemperatur (T = 300 K) 25,861·10-3eV = 25,861·meV
|q|/mo 1,758·1011 A·s/kg = 1,758·1011 m2/(s2·V)
Andere Verwendung von ∆: Inkrement (z.B. ist ∆Q die Zunahme der Wärme)
472 Anhang C1: Elektromotorische Kraft Anhang C1: Elektromotorische Kraft 473
474 Anhang C1: Elektromotorische Kraft Anhang C2: Verallgemeinerter Halleffekt 475
Potential konstant. – durch reversible Umladung von Ionen, z.B. bei einer Diffusion durch Feststoff-
elektrolyten (Brennstoffzelle)
Die Verschiebung der chemischen Potentiale oder Fermienergien (Bezeichnung für die Ebenfalls eine EMK liefern die folgenden strombetriebenen Sensoren (die sich daher
chemischen Potentiale in dem Spezialfall, daß die Teilchen aus Elektronen oder Löchern nicht zur Stromerzeugung verwenden lassen)
bestehen) der geladenen Teilchen in den Werkstoffbereichen außerhalb der Ladungs- – magnetogalvanische Sensoren: Halleffekt
doppelschicht folgt direkt aus der Definition dieser Größen (Abschnitt 2.1 und Band 1,
– piezoresistive Sensoren: Pseudo- oder verallgemeinerter Halleffekt
Abschnitt 2.7.3):
– magnetoresistive Sensoren: Pseudo- oder verallgemeinerter Halleffekt
wobei Wnkr den werkstoffbestimmten, Wnfeld hingegen den durch innere oder äußere
elektrische Felder bestimmten Anteil der potentiellen Energie und Wnkin die kineti-
sche Energie bezeichnen. Eine Energiebarriere WB wie in Bild C1-1e und C1-3d
verschiebt damit (im großen Abstand vom Übergangsbereich) stets die chemischen Po- Anhang C2: Verallgemeinerter Halleffekt
tentiale auf beiden Seiten des Ladungsdoppelschicht, WB hängt ihrerseits von der Größe Wir gehen aus von einem langgestreckten Stab mit konstantem Querschnitt, der aus ei-
und der Verteilung der Ladungen in der Doppelschicht ab. Durch diesen Prozeß können nem elektrisch leitfähigen Werkstoff bestehen und an seinen Stirnflächen mit elektri-
zwei wichtige Effekte auftreten: schen Kontakten versehen sein soll (Bild C2-1). Der Stab möge in einem vollständig iso-
1. Zwei Werkstoffe mit ursprünglich unterschiedlich großen chemischen Potentialen lierenden Medium eingebettet sein. Für die Dichte der Ladungsträger (ohne Einschrän-
gehen durch Bildung einer Ladungsdoppelschicht in ein thermisches Gleichgewicht kung der Allgemeinheit werden Elektronen betrachtet) und die durch den Stab fließende
mit gleicher Größe der chemischen Potentiale über (Bild C1-3, s. auch Halbleiterü- Stromdichte gilt allgemein die Kontinuitätsgleichung (Band 1, Anhang C3, Band 11,
bergänge in Band 2, Abschnitt 5) Abschnitt 1.1.2):
2. Durch äußere Einwirkung wird die Größe der Ladung in einer vorhandenen Dop-
pelschicht verändert, entsprechend ändert sich auch die Barrierenhöhe WB und da-
mit die Lage der chemischen Potentiale, d.h. zwischen den Werkstoffen auf beiden
Seiten der Doppelschicht tritt eine Differenz der chemischen Potentiale auf. Diese
Differenz entspricht einer von außen meßbaren elektrischen Spannung, die als
elektromotorische Kraft (EMK) bezeichnet wird.
In der Sensorik gibt es eine große Zahl von Beispielen für die Erzeugung einer EMK. Wir wollen uns zunächst auf stationäre Lösungen beschränken, bei denen die Zeitab-
Diese kann in speziell optimierten Bauelementen auch zur Stromerzeugung eingesetzt hängigkeit (die linke Seite von (1)) verschwindet, d.h. wir betrachten die Verhältnisse
werden, die entsprechenden Bauelemente werden dann als Energiezellen bezeichnet erst nach Abklingen von Einschwingvorgängen nach dem Einsetzen des Stromflusses
(in der folgenden Zusammenstellung in Klammern gesetzt): und erhalten für die Koordinaten x,y und z innerhalb des Stabes:
– durch Änderung der Temperatur: pyroelektrischer Effekt (pyroelektrischer Gene-
rator)
– durch Änderung mechanischer Spannungen: piezoelektrischer Effekt (piezoelek-
trischer Generator) Wir legen die x-Richtung in die Stabachse. In dem umgebenden isolierenden Medi-
um kann kein Strom fließen, so daß dort gilt:
– durch Lichtabsorption mit Elektronen–Lochpaarerzeugung: photovoltaischer Ef-
fekt (Solarzelle)
– durch chemische Wechselwirkung mit Oberflächen: ionensensitive Elektroden,
chemische Reaktionen (Akkumulator, elektrische Batterie) Für die Ortsvektoren am Rand des Widerstandsstabes folgt dann für die gewählten
Seite 239
476 Anhang C2: Verallgemeinerter Halleffekt Anhang C2: Verallgemeinerter Halleffekt 477
Die Vereinfachung in (9) gilt, wenn wir von einem homogenen Widerstand ausgehen
und keine Injektionseffekte betrachten.
Bild C2-1 veranschaulicht diesen Sachverhalt.
Im Gegensatz zu dem bisher betrachteten endlich ausgedehnten Widerstand wollen wir
im folgenden jetzt den alternativen Fall behandeln, daß der Widerstand in den y- und
z-Richtungen unendlich ausgedehnt ist (der Widerstand in Bild C2-1 entartet in die
Form einer unendlich ausgedehnten Scheibe), wobei aber weiterhin über die Kontak-
te ein elektrisches Feld Eax in x-Richtung angelegt wird. Bei einer isotropen (von der
Stromflußrichtung im Widerstand unabhängigen) Leitfähigkeit folgt das ohmsche
Gesetz:
Bild C2-1 Stabförmiger Widerstand mit Stromfluß in x-Richtung innerhalb eines isolieren-
den Mediums: Da im Isolator kein Strom fließen kann, müssen die Stromdichten j Tny
mit der skalaren spezifischen elektrischen Leitfähigkeit σsp. Auch in diesem Fall
und j Tnz ebenfalls Null sein, da sonst am Rande des Widerstandes ein Gradient
dieser Stromdichten auftreten würde (kreisförmige Ströme senkrecht zur Stabachse fließt nur ein Strom in x-Richtung, da in y- und z-Richtung kein Feld anliegt.
werden in diesem Beispiel ausgeschlossen). Die geschilderten Verhältnisse ändern sich in signifikanter Weise, wenn die Leitfähig-
keit anisotrop ist, so daß die skalare spezifische Leitfähigkeit und die skalare Elek-
tronenbeweglichkeit jeweils durch Tensoren ersetzt werden müssen. Die lineare Be-
Aus den allgemeinen Stromdichtegleichungen(2.2-17) folgt daraus im isothermen
ziehung (10) geht dann über in die Vektorgleichung:
Fall ( T = 0) für Elektronen
wenn wir die x-, y- und z-Richtungen mit den Indizes 1, 2 und 3 bezeichnen (s. Bild C2-1).
Auch in dieser Schreibweise ist das isotrope ohmsche Gesetz enthalten: z. B. reduziert
sich der Beweglichkeitstensor in diesem Spezialfall einfach auf die
Diagonalkomponenten:
478 Anhang C2: Verallgemeinerter Halleffekt Anhang C2: Verallgemeinerter Halleffekt 479
480 Anhang C2: Verallgemeinerter Halleffekt Anhang C3: Verallgemeinerter geometrischer Magnetowiderstandseffekt 481
dem angelegten äußeren Feld a und der fließenden Stromdichte , die charakteri- Zur anschaulichen Interpretation zweigen die weiteren Abbildungen die Ortsver-
siert wird durch den Hallwinkel θH. Dabei ist es prinzipiell ohne Bedeutung, wie die- läufe verschiedener Größen in y-Richtung:
d) Elektronendichte: Die nach oben gerichtete Elektronen-Teilchenstromdichte
se Drehung zustande kommt. Neben dem bisher betrachteten Fall einer anisotropen Leit-
erzeugt am oberen Rand des endlich ausgedehnten Widerstandes eine Anhäufung
fähigkeit gibt es – wie oben ausgeführt – auch andere physikalische Effekte, die zu den- von Elektronen mit vergrößerter Dichte, entsprechend wird die Elektronendichte
selben Ausgangsverhältnissen führen und damit die Ursache für eine (Pseudo–)Hall- am unteren Rand abgesenkt
spannung sein können. e) Ladungsdichte zu d): Durch die Elektronenanhäufung bzw. -entleerung wird
eine Ladungsdoppelschicht wie in Bild C1-2c erzeugt, welche nach Anhang C1
eine EMK generiert. Das chemische Potential (bei Elektronen die Fermienergie)
ist nach Bild C1-1e am oberen Rand größer als am unteren.
f) Ladungsverteilung und Bändermodell für einen n-Halbleiter: Die negative La-
dung wird durch Anreicherung, die positive durch Entleerung und Inversion er-
zeugt.
g) Ladungsverteilung und Bändermodell für einen p-Halbleiter: Die positive La-
dung wird durch Anreicherung, die negative durch Entleerung und Inversion er-
zeugt.
Anhang C3:
Verallgemeinerter geometrischer Magnetowiderstandseffekt
Im Anhang C2 wurde ein allgemeiner Zusammenhang gezeigt: Führt ein physikalischer
Effekt dazu, daß in unendlich ausgedehnten Widerständen eine gegenseitige Verdre-
hung der Stromflußrichtung relativ zur Richtung des den Stromfluß erzeugenden ange-
legten elektrischen Feldes um einen Hallwinkel θH stattfindet, dann führt eine Re-
duktion auf die endlichen Abmessungen eines Stabes auf einen galvanischen Effekt: Es
entsteht ein von außen meßbares Feld: Es entsteht ein von außen meßbares Transver-
salfeld, das Hallfeld, welches bewirkt, daß die Verdrehung zwischen Stromdichte-
und Feldvektor rückgängig gemacht wird: Die Stromflußrichtung paßt sich der Form
des Widerstandes an und verläuft entlang der Stabachse. Der Hallwinkel kann also beim
stabförmigen Widerstand nicht direkt bestimmt werden, sondern nur indirekt über die
Größe des Transversalfeldes. Dieser Effekt ist völlig unabhängig davon, auf welche
Weise der Hallwinkel entstanden ist: Er kann durch eine beliebige werkstoff- oder um-
gebungsbedingte anisotrope elektrische Leitfähigkeit entstehen, durch Einwirkung ei-
Bild C2-2 (Pseudo-)Halleffekt in Werkstoffen mit gegeneinander verdrehten Vektoren der
ner Lorentzkraft bei Anwesenheit eines Magnetfeldes oder aus anderen Gründen.
Stromdichte und des elektrischen Feldes:
Betrachtet werden elektrische Stromdichten jn und Teilchenstromdichten j nT in un- Im folgenden wollen wir annehmen, daß es gelingt, das Hallfeld auszuschalten, d.h.
endlich ausgedehnten (a) und räumlich begrenzten stabförmigen Widerständen (b) in durch zusätzliche externe Maßnahmen zu beseitigen. Dafür gibt es verschiedene ex-
der xy-Ebene. Bei den räumlich begrenzten Widerständen (Fall b) muß die Rand-
perimentelle Verfahren (Bild C3-1).
bedingung (7a) aus Bild C2-1 erfüllt werden, d.h. es entsteht eine zusätzliche kom-
pensierende Teilchenstromdichte nach (14), die mit einem entsprechenden Gradien-
ten der Fermienergie verbunden ist. Die y-Abhängigkeit der Fermienergie für Elek-
tronen ist in c) dargestellt. Das hierdurch definierte verallgemeinerte Hallfeld EaH
hat die Richtung der positiven y-Achse (s. Bild 5.1.1-3 mit umgekehrter Strom-
richtung).
Seite 242
482 Anhang C3: Verallgemeinerter geometrischer Magnetowiderstandseffekt Anhang C3: Verallgemeinerter geometrischer Magnetowiderstandseffekt 483
Dabei bezeichnet l die Länge der von den Ladungsträgern im Widerstand durchlau-
Bild C3-1 Experimentelle Methoden zur Verminderung oder Beseitigung des Hallfeldes, de-
fenen Bahn und A den Querschnitt eines ausgewählten Bereichs, über den ein Teil
monstriert am Beispiel des magnetischen Halleffekts: Wie in Anhang C2 dargelegt, der Stromdichte fließt. Beträgt die Länge des Widerstandes (Breite der Scheibe) in x-
können vergleichbare Effekte auch aus anderen physikalischen Gründen auftreten Richtung lo, dann gilt bei Vernachlässigung von Randeffekten:
(verallgemeinerter Halleffekt).
a) elektrischer Kurzschluß des Hallfeldes (kurzgeschlossene Hallkontakte)
b) Einführung von Äquipotentialflächen (z.B. durch Einlagerung von Platten ho-
her Leitfähigkeit) senkrecht zur Stromflußrichtung
c) Corbinoscheibe [C3.2]: Bei Wirkung eines Magnetfeldes senkrecht zur Schei-
benebene wird das Hallfeld durch die Widerstandsgeometrie kurzgeschlossen
Bei Kurzschluß des Hallfeldes erfolgt der Stromfluß wie in einem unendlich ausge-
dehnten Widerstand (Bild C2-2a), d.h. mit einem Winkel θH relativ zum äußeren Eingesetzt in (1) folgt:
magnetischen Feld (Bild C3-2).
Speziell für den magnetischen Halleffekt bekommt (3) mit (5.1.1-27) in p- und n-Leitern
(Beweglichkeit µ) die Form:
484 Anhang C3: Verallgemeinerter geometrischer Magnetowiderstandseffekt Anhang C3: Verallgemeinerter geometrischer Magnetowiderstandseffekt 485
486 Anhang D: Kennwerte von Sensoren Anhang D: Kennwerte von Sensoren 487
Bild D2 Definition des Kennwertes (der Empfindlichkeit) durch die in Gleichung (1) defi-
nierte relative Brückenspannung (nach [4.1])
Bild D1: Widerstände (z.B. Dehnungsmeßstreifen) in einer Brückenschaltung (s. auch Bild
4.1.6-2, nach [4.1])
Die Linearität eines Sensors kann nach drei Verfahren definiert werden (Bild D3).
Die relative Spannungsänderung (gemessen in mV/V) in einer Brückenschaltung ist
dann [4.1]:
wobei die ∆Ri sowohl die angestrebten Widerstandsänderungen (aufgrund von Ände-
rungen der Umweltgröße) beschreiben können, in einem Referenzzustand der Umwelt-
größe aber auch die Streuung der Widerstände um den jeweiligen Nennwert. Der für den
Referenzzustand definierte Wert von S wird als Nullsignal So definiert. In der Praxis
läßt sich ein kleiner Wert für So nur durch Widerstandstrimmen erreichen, z.B. durch
Auftrennen von Abgleichbrücken. Bild D3: Definition der Linearitätsabwseichung Flin= a/C: Die Größe a kann auf drei ver-
Gleichung (1) zeigt, daß gleichsinnige Widerstandsänderungen (z.B. aufgrund gleicher schiedene Arten definiert werden (nach [4.1])
Widerstands-Temperaturkoeffizienten oder einer zeitabhängigen Widerstandsdrift) in
dieser Näherung unterdrückt werden können. Ist die Temperatur über der Meßbrücke
nicht konstant oder driften die Widerstände unterschiedlich stark, dann entsteht eine Ab-
Eine weitere Quelle von Abweichungen des Meßwerts vom Sollwert bei Sensoren ent-
weichung vom Meßwert. Herstellungsbedingte – vor allem temperaturabhängige – Ab-
steht durch Hystereseeffekte (relative Umkehrspanne, Bild D4):
weichungen des Nullsignals von 2 bis 10 µV/V können durch einen Abgleich auf Werte
Seite 245
Literatur
Abschnitt 1
[1.1] W. Göpel, "Technologien für die chemische und biochemische Sensorik" in
"Technologietrends in der Sensorik", Untersuchung im Auftrag des Bundesmi-
nisteriums für Forschung und Technologie, VDI/VDE Technologiezentrum In-
formationstechnik GmbH(1988)
[1.2] H.R. Tränkler, "Die Schlüsselrolle der Sensortechnik in Meßsystemen",
Technisches Messen 49, 343 (1982)
Bild D4: Definition der Hystereseabweichung durch die Funktion Fu = u/C (nach [4.1])
[1.3] K. Bethe und D. Meyer-Ebrecht, "Sensoren für die Konsumelektronik",
Elektronik 10, 41 (1980)
Ein typisches Kennzeichen von Kriecheffekten (Band 1, Abschnitt 3.2.1) ist, daß sich
die Meßsignale erst nach Ablauf einer gewissen Zeit einstellen; Bild D5 erläutert die De- [1.4] H. U. Gruber und H. Scholl, "Trends in der Kraftfahrzeugelektronik", Elek-
finition des Kriechens. tronik Informationen 4, 176 (1990)
[1.5] "Forschung und Anwendung moderner Sensorsysteme", Sensor Magazin 4, 4
(1990)
[1.6] S. Middlehoek und D. W. Noorlag, Sensors and Actuators 2, 29 (1981/82)
Abschnitt 3
[3.1] H. Vanvor, "Sensoren für industrielle Temperaturmessungen mit geringen
Meßunsicherheiten", in K. W. Bonfig, W. J. Bartz, J. Wolf (Hrsg.), "Sensoren,
Meßaufnehmer", expert-Verlag, Ehingen
[3.2] I. Ruge, "Halbleitertechnologie", Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New
York (1975)
[3.3] A. S. Grove, "Physics and Technology of Semiconductor Devices", J. Wiley
Bild D5: Definition des Kriechens (nach [4.1]) & Sons, New York-Chichester-Brisbane-Toronto-Singapore (1967)
a) Zeitverhalten der Umweltgröße
b) Zeitverhalten des Meßsignals mit Belastungskriechen Fcr = cu/C und Entla-
[3.4] A. W. van Heerwarden und P.M. Sarro, "Thermal Sensors Based on the See-
stungskriechen Fcr = cd/C beck Effect", Sensors and Actuators 10, 321 (1986)
[3.5] W.F. Beadle, J. C.C. Tsai und R.D. Plummer, "Quick Reference Manual for
Semiconductor Engineers", J. Wiley & Sons, New York-Chichester-Brisbane-
Toronto-Singapore (1985)
[3.6] T.H. Geballe und G.W. Hull, Phys. Rev. 98, 940 (1955)
Seite 246
[3.7] A. C. Glatz, "Thermoelectric Energy Conversion", in M. Grayson (Hrsg.) [3.24] G. Kowalski und H. Zeile, "Gehäuse für Silizium-Temperatursensoren",
"Encyclopedia of Semiconductor Technology", J. Wiley & Sons, New York- Technisches Messen 11, 26 (1989)
Chichester-Brisbane-Toronto-Singapore (1984) [3.25] H. Hencke, "Luftstrommessung mit lasergetrimmten Temperatursensoren",
[3.8] F. Lieneweg "Handbuch Technische Temperaturmessung", Vieweg & Sohn in H. Lemme, "Sensoren in der Praxis", Franzis-Verlag München (1990)
Braunschweig (1976)
[3.26] W. Germer und W. Tödt, "Low-Cost Pressure/Force Transducer with Silicon
[3.9] W. v. Münch, "Werkstoffe der Elektrotechnik", B.G. Teubner Stuttgart (1989) Thin Film Strain Gauges", Sensors and Actuators 4, 183 (1983)
[3.10] Datenblätter der Firma Heraeus Sensor GmbH, D 6450 Hanau 1 [3.27] M. Mayer, "Temperaturmessung mit Si-Sensoren", Elektronik 19, 73 (1987)
[3.11] "Practical Temperature Measurement", Application Note der Firma Hewlett- [3.28] A. Schneller, "Heißleiter", in W. Heywang (Hrsg.), "Amorphe und polykri-
Packard (1980) stalline Halbleiter", Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New York (1984)
[3.12] U. Birkholz, "Thermoelektrische Bauelemente", in W. Heywang (Hrsg.), [3.29] Data Handbook, "Varistors, Thermistors and Sensors", Philips Components
"Amorphe und polykristalline Halbleiter", Springer-Verlag Berlin-Heidelberg- (1989)
New York (1984) [3.30] K.H. Haas, F. Hutter, H. Schmidt, "Keramische Technologien in der Senso-
[3.13] U. Zwikker, "Physical Properties of Solid Materials", Pergamon (1954) rik" in "Technologietrends in der Sensorik", Untersuchung im Auftrag des Bun-
desministeriums für Forschung und Technologie, VDI/VDE Technologiezen-
[3.14] R.A. Smith, "Semiconductors", 2nd ed. Cambridge University Press, London trum Informationstechnik GmbH(1988)
(1979)
[3.31] "NTC-, PTC- und spannungsabhängige Widerstände (VDR)", Herausgeber
[3.15] H. K. Bowen, "Ceramics as Electrical Materials", in M. Grayson (Hrsg.) Philips Components Unternehmensbereich Bauelemente, Hanseatische Druck-
"Encyclopedia of Semiconductor Technology", J. Wiley & Sons, New York- anstalt, Hamburg (1966)
Chichester-Brisbane-Toronto-Singapore (1984)
[3.32] "Flächentemperaturwächter", in "Sensoren und Meßsysteme", Firmenschrift
[3.16] P. Guillery, R. Hezel und B. Reppich, "Werkstoffkunde für die Elektrotech- der Firma Sensycon (1991)
nik",Vieweg & Sohn Braunschweig (1985)
[3.33] R. M. Hazen, "Perowskite", Spektrum der Wissenschaft, 42 (1988)
[3.17] H.J.A. Klappe, "Platin-Widerstandsthermometer für industrielle Anwendun-
gen", Technisches Messen, 54, 130 (1987) [3.34] [Link], "Kaltleiter", in W. Heywang (Hrsg.), "Amorphe und polykristalli-
ne Halbleiter", Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New York (1984)
[3.18] H. Vanvor, "Temperaturfühler für Wärmemengenzähler", Technisches Mes-
sen, 54, 141 (1987) [3.35] W. Heywang, K. Schumacher und H. Thomann, "Ferroelektrische Keramik
in der Elektroindustrie", Ber. Dt. Keram. Ges. 53, 358 (1976)
[3.19] H. Jacques, "Pt-Sensoren bei tiefen Temperaturen", Sensor-Magazin 2, 19
(1990) [3.36] "PTC-Thermistors for Heating", Firmenschrift Philips Components Unter-
nehmensbereich Bauelemente (1980)
[3.20] J.G. Blaurock, "Ein Nickel-Temperatursensor in Dickschichttechnik", Sen-
sor Magazin 2, 20 (1987) [3.37] P. Kleinschmidt, "Piezo- und pyroelektrische Effekte", in W. Heywang
(Hrsg.), "Sensorik", Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo, 25
[3.21] G. Kowalski, "Halbleiter-Temperatursensoren", in [Link] (Hrsg.) "Halb-
(1984)
leitersensoren", expert verlag, Ehningen bei Böblingen, 110 (1989)
[3.38] R.A. Lockett und M.A. Rose, "Ceramic Pyroelectric Infrared Detektors and
[3.22] M. Beitner, "Thermische Effekte", in W. Heywang (Hrsg.), "Sensorik",
their Applications", Mullard Technical Publication M81-0020 (1981)
Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo, 25 (1984)
[3.39] "Sensoren", Herausgeber Philips Components Unternehmensbereich Bauele-
[3.23] G. Raabe, "Silizium-Temperatur-Sensoren von -50oC bis +350oC", NTG-
mente, Verlag Boysen und Maasch, Hamburg (1980)
Fachberichte 79, 248 (1982)
[3.40] H. Ziegler, "Temperaturmessung mit Schwingquarzen", Technisches Messen
Seite 247
54, 124 (1987) [4.2] W. Ort,"Sensoren mit Dehnungsmeßstreifen aus Metallfolien" in "Sensoren
[3.41] Unterlagen der Firma Heraeus Sensor, D-Hanau – Technologie und Anwendungen", NTG Fachberichte 79,159 (1982)
[4.3] Unterlagen der Firma Philips Elektronik für Wissenschaft und Industrie
[3.42] L.E. Cross und K.H.Härdtl, "Ferroelectrics", in M. Grayson (Hrsg.) "Ency-
(EWI), Kassel
clopedia of Semiconductor Technology", J. Wiley & Sons, New York-Chiche-
ster-Brisbane-Toronto-Singapore (1984) [4.4] O. Dössel, "Piezoresistive Eigenschaften von Dünnfilm-Dehnungsmeßstrei-
fen: Ein neues Modell und Messungen an CrNi", in "Sensoren – Technologie
[3.43] "Kaltleiter als strom- und temperaturempfindliche Schalter", Philips Bauele-
und Anwendungen", NTG Fachberichte 93,143 (1982)
mente, Technische Informationen für die Industrie (1978)
[4.5] "Keramische Drucksensoren", in "Sensoren und Meßsysteme", Firmenschrift
[3.44] A.S. Grove, "Physics and Technology of Semiconductor Devices", 2nd ed.,
der Firma Sensycon (1991)
J. Wiley & Sons, New York Chichester Brisbane Toronto Singapore (1982)
[4.6] S. M. Sze, "Physics of Semiconductor Devices", John Wiley and Sons, New
[3.45] P. O´Neill und C. Derrington, "Transistors – A Hot Tip for Accurate Tempe-
York-Chichester-Brisbane-Toronto-Singapore (1981)
rature Sensing", Electronics, Oct. 11, 137 (1979)
[4.7] O. Jäntsch, "Piezowiderstandseffekte", in W. Heywang (Hrsg.), "Sensorik",
[3.46] Motorola Semiconductor Master Selection Guide SG73/D; REV 3
Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo, 25 (1984)
[3.47] E. Voges, "Technologie der integrierten Optik in der Sensorik" in "Techno-
[4.8] F. Hock, "Die Berechnung des Piezowiderstandseffekts von Silicium für
logietrends in der Sensorik", Untersuchung im Auftrag des Bundesministeri-
meßtechnische Anwendungen", Zeitschr. f. angewandte Physik XVII, 511
ums für Forschung und Technologie, VDI/VDE Technologiezentrum Informa-
(1964)
tionstechnik GmbH(1988)
[4.9] F. Hock, "Der Piezowiderstandseffekt in Halbleitern und seine Anwendung
[3.48] G. Wiegleb , "Sensortechnik", Franzis-Verlag GmbH München (1986)
für Kraft- und Dehnungsmessungen", Z. Instr. 73, 336 (1965)
[3.49] E. Klement, "Optische Effekte", in W. Heywang (Hrsg.), "Sensorik", Sprin- [4.10] Landolt-Börnstein, "Zahlenwerte und Funktionen aus Naturwissenschaften
ger-Verlag Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo, 25 (1984) und Technik", III,17a, 382 (1982)
[3.50] "Faseroptisches Temperaturmeßsystem", in "Sensoren und Meßsystem", Fir- [4.11] Y. Kanda, "A Graphical Representation of the Piezoresistance Coefficients
menschrift der Firma Sensycon (1991) in Silicon", IEEE Trans. on El. Dev. ED 29, 64 (1982)
[3.51] K. H. Wienand und S. Dietmann, "Platin-Dünnfilmsensoren: High-Tech- [4.12] B. Graeger, H. Schäfer und R. Kobs, "Selbstkompensierte Si-Drucksensoren
Produkte sind Stand der Technik geworden", Sensor Report (wird veröffent- mit Dünnschichtdehnungsmeßstreifen", Sensors and Actuators 17, 521 (1989)
licht)
[4.13] H. Fischer und J. Müller, "Titanoxinitrid für Sensoranwendungen", in "Sen-
[3.52] R. Waser, "Lineare und nichtlineare Widerstände" in H. Schaumburg soren – Technologie und Anwendungen", NTG-Fachberichte 93, 137 (1986)
(Hrsg.), "Werkstoffe und Bauelemente der Elektrotechnik", Band 5, Verlag B.
G. Teubner Stuttgart (1992) [4.14] L.D. Landau und E. M. Lifschitz, "Elastizitätstheorie", Lehrbuch der Theore-
tischen Physik VII, Akademie-Verlag Berlin (1970)
[3.53] J. Pankert, "Pyroelektrische Keramiken" in H. Schaumburg (Hrsg.), "Werk-
[4.15] W. Ort, "Kraftsensoren mit Folien-Dehnungsmeßstreifen", Sensor Magazin
stoffe und Bauelemente der Elektrotechnik", Band 5, Verlag B. G. Teubner
3, 6 (1987)
Stuttgart (1992)
[4.18] K. Bethe und W. Germer, "Niederdruck-Meßaufnehmer mit Halbleiterdünn-
film-Dehnungsmeßstreifen", in "Sensoren – Technologie und Anwendungen",
Abschnitt 4 NTG Fachberichte 79, 177 (1982)
[4.1] H. Paul, "Druckaufnehmer mit metallischen Dehnungsmeßstreifen", Vor-
tragsreihe in der Technischen Akademie Wuppertal (1990)
[4.19] H. Sandmaier und E. Obermaier, "Reduzierung der Nichtlinearität von Silizi-
Seite 248
umdrucksensoren für kleine Drücke", in "Sensoren – Technologie und Anwen- Berlin-Heidelberg-New York (1980)
dungen", NTG-Fachberichte 93, 159 (1986)
[4.35] Datenblatt der Firma Deutsche Solvay-Werke, D-5650 Solingen
[4.20] K. Bethe, "Möglichkeiten und Probleme nichtmetallischer Federwerkstoffe
[4.36] Datenblätter der Firma Kistler Instrumente AG, CH-Winterthur
in Kraft- und Drucksensoren", in "Sensoren – Technologie und Anwendungen",
NTG-Fachberichte 93, 130 (1986) [4.37] W. K. Lemmenmeyer, "Innovative Meßtechnik für die Automobilindustrie",
[4.21] L. Rau, "Ein piezoresistiver Absolutdrucksensor in Dünnschichttechnik", in Automobil Revue 14, März 1988
"Sensoren – Technologie und Anwendungen", NTG-Fachberichte 93, 148 [4.38] A. Petersen, "Piezokeramische Sensoren und Stellglieder im Kraftfahrzeug",
(1986) Automobil-Industrie 3, 121 (1987)
[4.22] Dubbel, "Taschenbuch für den Maschinenbau", W. Beitz und K.-H. Küttner [4.39] J. Franz, "Aufbau, Funktionsweise und technische Realisierung eines piezoe-
(Hrsg.), Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New York (1981) lektrischen Siliziumsensors für akustische Größen", Sensortagung 1988
[4.23] H. Paul, C. Rapp-Hickler und W. Rausch, "Feinwerktechnik und Dünnfilm- [4.40] H.R. Tränkler, "Taschenbuch der Meßtechnik", R. Oldenbourg Verlag Mün-
technologie im elektrischen Manometer", Feinwerktechnik und Meßtechnik chen Wien (1990)
97, 563 (1989)
[4.41] Datenblatt Niederdruck-Meßumformer P 3000 der Firma Althen Meßtech-
[4.24] Datenblatt der Firma Althen Meß- und Datentechnik GmbH, D-6233 Kelkheim nik, D-6233 Kelkheim
[4.25] J. Binder, "Piezoresistive Silizium-Drucksensoren", in H. Reichl (Hrsg.) [4.42] "Keramische Drucksensoren", in "Sensoren und Meßsystem", Firmenschrift
"Halbleitersensoren", expert verlag, Ehningen bei Böblingen, 147 (1989) der Firma Sensycon (1991)
[4.26] W. Germer und G. Kowalski, "Drucksensoren mit integrierter Auswerteelek- [4.43] W. H. Ko, M.-H. Bao, Y. D. Hong, "A High Sensitivity Integrated Circuit
tronik für einen Einsatz unter erschwerten Umweltbedingungen", Poster-Sessi- Capacitive Transducer", IEEE Tr. El. Dev. ED-79, 48 (1982)
on zur 3. Fachtagung "Sensoren", Bad Nauheim, 4 (1986)
[4.44] H. Kuisma, A. Lehto, [Link]ä, "A New Family of Capacitive Pressure
[4.27] A. Wenger, "Stabilität von Druckaufnehmern", Technisches Messen 53, 447 Sensors", Kongreßunterlagen Sensor 88, D-Nürnberg (1988)
(1986)
[4.45] Unterlagen Kistler Training Center, "Basic Training Course", (1990)
[4.28] K. H. Martini, "Piezoelektrische und piezoresistive Druckmeßverfahren", in
[4.46] K. Horn, "Prinzipien von Sensoren zur Kraft- und Massenbestimmung" in
K. W. Bonfig, W. S. Bartz, J. Wolf (Hrsg.), "Technische Druck- und Kraftmes-
"Sensoren – Technologie und Anwendungen", NTG Fachberichte 79,153
sung", expert-Verlag, Ehingen (1988)
(1982)
[4.29] H. R. Winteler und G. H. Gautschi, "Piezoresistive Druckaufnehmer", Fa.
[4.47] "Paroscientific-DIGIQUARTZ-Druckaufnehmer für die Präzisionsmessung",
KISTLER Instrumente AG, CH-Winterthur
Produktbeschreibung der Fa. Althen Meß- und Datentechnik GmbH, D-6233
[4.30] "Pressure Sensors", Datenblatt BR121/D REV 4 der Firma Motorola Inc. Kelkheim
(1990)
[4.48] G. Ehrler, "Piezoresistive Silizium-Elementardrucksensoren", AMA-Semi-
[4.31] Gene Swensen, "MPX Pressure Sensors Used for Swith Applications", Mo- nar, "Mikromechanik", Heidelberg, Okt. 1989
torola Application note AN 962 (1985)
[4.49] "Silizium-Temperatur- und Drucksensoren", Datenbuch der Firma Siemens
[4.32] J. Wortman, J. Hauser und R. Burger, "Effects of Mechanical Stress on pn- Aktiengesellschaft, D-München
Junction Device Characteristics", J. Appl. Phys. 35, 2122 (1964)
[4.50] M. Vieten, "Genauigkeit zu vernünftigen Preisen: Präzisions-Druckaufneh-
[4.33] J. Koch, "Piezoxide (PXE)", Herausgeber Philips Components Unternehmens- mer für Industrie-Einsatz", in K. W. Bonfig, W. S. Bartz, J. Wolf (Hrsg.), "Tech-
bereich Bauelemente, Dr. Alfred Hüthig Verlag GmbH, Heidelberg (1988) nische Druck- und Kraftmessung", expert-Verlag, Ehningen (1988)
[4.34] J. Tichy und G. Gautschi, "Piezoelektrische Meßtechnik", Springer-Verlag
Seite 249
[5.14] U. Dibbern, "Magnetoresistive Sensors", in R. Boll und K.J. Overshott [5.28] G. Dehmel, "Magnetic Field Sensors: Induction Coil (Search Coil) Sen-
(Hrsg.), "Magnetic Sensors", Vol. 5 der Reihe W. Göpel, J. Hesse und J. N. Ze- sors", in R. Boll und K.J. Overshott (Hrsg.), "Magnetic Sensors", Vol. 5 der Rei-
mel (Hrsg.),"Sensors",VCH-Verlag Weinheim (1988) he W. Göpel, J. Hesse und J. N. Zemel (Hrsg.),"Sensors",VCH-Verlag Wein-
heim (1988)
Seite 250
[5.29] O. Erb, "Magnetfeld- und Positionssensoren mit amorphen Metallen", in [6.5] H. Melchior, "Demodulation and Photodetection Techniques", in F. T. Arec-
"Sensoren – Technologie und Anwendungen", NTG-Fachberichte 93, 148 chi und E. O. Schulz-Dubois, Hrsg. , "Laser Handbook", Vol. 1, North-Holland,
(1986) Amsterdam, 725 (1972)
[5.30] G. Hinz und H. Voigt, "Magnetoelastic Sensors", in R. Boll und K.J. Overs- H. Melchior, "Detector for Lighwave Communication", Phys. Today, 32
hott (Hrsg.), "Magnetic Sensors", Vol. 5 der Reihe W. Göpel, J. Hesse und J. N. (Nov. 1977)
Zemel (Hrsg.),"Sensors",VCH-Verlag Weinheim (1988)
P. W. Kruse, L. D. McGlauchlin und R. B. McQuistan, "Elements of Infra-
[5.31] L. Borek, "Magnetoelastische Sensoren mit amorphen Metallen", in "Senso- red Technology", J. Wiley & Sons, New York-Chichester-Brisbane-Toronto-
ren – Technologie und Anwendungen", NTG Fachberichte 79,177 (1982) Singapore (1962)
[5.32] P. Kostka und W. Decker, "Inductive and Eddy Current Sensors", in R. Boll [6.6] "Infrared Detectors", Philips Components Technical Publication 9398 064
und K.J. Overshott (Hrsg.), "Magnetic Sensors", Vol. 5 der Reihe W. Göpel, J. 00011 (1988)
Hesse und J. N. Zemel (Hrsg.),"Sensors",VCH-Verlag Weinheim (1988)
[6.7] D. Bode und H., Graham, "Comparison of Performance of Copper-Doped
[5.33] H. Koch, "SQUID Sensors", in R. Boll und K.J. Overshott (Hrsg.), "Magnetic Germanium and Mercury-Doped Germanium Detectors", Infrared Physics 3,
Sensors", Vol. 5 der Reihe W. Göpel, J. Hesse und J. N. Zemel (Hrsg.),"Sen- 129 (1963)
sors",VCH-Verlag Weinheim (1988)
[6.8] H. Hellman, "Sensor News from the U.S.", Sensor Magazin, 51 (1990)
[5.34] M. R. J. Gibbs, "Applications", in R. Boll und K.J. Overshott (Hrsg.),
[6.9] J.J. Scherr und J. van Laar, "GaAs-Cs – a New Type of Photoemitter", Sol.
"Magnetic Sensors", Vol. 5 der Reihe W. Göpel, J. Hesse und J. N. Zemel
State Comm. 3, 189 (1965)
(Hrsg.),"Sensors",VCH-Verlag Weinheim (1988)
[6.10] G. W. Day et al. , "Detection of Fast Infrared Laser Pulses with Thin Film
[5.35] W. Buckel, "Supraleitung", 2. Auflage Physik Verlag Weinheim (1984)
Thermocouples", Appl. Phys. Lett. 13, 289 (1968)
[5.36] J. Hinken, "Supraleiter-Elektronik", Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New [6.11] Datenblätter der Fa. Centronics, Vertrieb: LaserComponents D-8038 Gröbenzell
York-London-Paris-Tokyo (1988)
[6.12] M. Gauer und E. Holzenkämpfer, "Auflösung der Raumrichtung", Elektro-
[5.37] T. Van Duzer und C. W. Turner, "Principles of Superconductive Devices nik Journal, 44 (1990)
and Circuits", Elsevier North-Holland New York (1981)
[6.13] D. F. Barbe, "Image Devices Using the Charge-Coupled Concept", Proc.
IEEE, 63, 38 (1975)
[6.14] W. S. Boyle und G. E. Smith, "Charge-Coupled Device – a New Approach
Abschnitt 6 to MIS Device Structures", IEEE Spectrum 8, 18 (1971)
[6.1] S. R. Borrello, "Photodetectors", in M. Grayson (Hrsg.) "Encyclopedia of [6.15] C. K. Kim,"The Physics of Charge-Coupled Devices", in M. J. Howes und
Semiconductor Technology", J. Wiley & Sons, New York-Chichester-Brisba- D.V. Morgan, Hrsg., "Charge-Coupled Devices and Systems", J. Wiley & Sons,
ne-Toronto-Singapore (1984) New York-Chichester-Brisbane-Toronto-Singapore (1979)
[6.2] R. Paul, "Optoelektronische Halbleiterbauelemente", Teubner Studienskrip- [6.16] J. von der Ohe, J. Siebeneck und U. Suckow, "Thermal Imaging Using Sili-
ten, B. G. Teubner (1985) con", International Symposium on Optical and Optoelectronic Applied Science
and Engineeering, San Diego (1988)
[6.3] H.-G. Unger, W. Schulz und G. Weinhausen, "Elektronische Bauelemente
und Netzwerke", 3. Aufl., Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden [6.17] R. Kist, "Meßwerterfassung mit faseroptischen Sensoren", Technisches Mes-
(1979) sen 51, 205 (1984)
[6.4] H.-G. Unger, "Optische Nachrichtentechnik", Dr. Alfred Hüthig Verlag Hei- [6.18] E. Voges, "Technologie der integrierten Optik in der Sensorik" in "Techno-
delberg, (1990) logietrends in der Sensorik", Untersuchung im Auftrag des Bundesministeri-
Seite 251
ums für Forschung und Technologie, VDI/VDE Technologiezentrum Informa- [8.3] W. Göpel, T. A. Jones, M. Kleitz, I. Lundström, T. Seiyama (eds.):"Chemical
tionstechnik GmbH (1988) and Biochemical Sensors", Vol.3 der Reihe "Sensors", VCH, Weinheim, (1991).
[6.19] E. Wagner und R. Kist, "Faser-Optik für die Sensorik" in "Technologie- [8.4] W. Göpel, "Elektrochemische Sensoren und Molekularelektronik", in DECHE-
trends in der Sensorik", Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für MA Monographie, Bd.ll7, Weinheim (1989).
Forschung und Technologie, VDI/VDE Technologiezentrum Informations- [8.5] W. Göpel, "Phthalocyanines as Prototype Materials for Chemical Sensors
technik GmbH (1988) and Molecular Electronic Devices", Conf. Proc. ICSM'90, Tübingen, und
[6.20] "Geiger-Müller-Tubes", Philips Components Technical Publication DC002 Synth. Metals.
(1990)
[8.6] W. Carrillo-Cabrera, H.-D. Wiemhöfer, and W. Göpel, "Ionic Conductivity
[6.21] "Halbleiterdetektoren für Kernstrahlung", Mitteilung des I. Instituts für Ex- of Oxygen Ions in YBa2Cu3 O7-x ", Sol. State Ion. 32,33,1172 (1989).
perimentalphysik der Universität Hamburg, D-2000 Hamburg 36 [8.7] A. Dubbe, H.-D. Wiemhöfer, K. D. Schierbaum, and W. Göpel, "Kinetics of
[6.22] J. Kemmer, "Positionsempfindliche Silizium-Kernstrahlungsdetektoren", Oxygen Interaction with Pt/CeO Sensors: Application of a New Pressure Modu-
Phys. Bl. 41, 117 (1985) lation Spectroscopy", Conf. Proc. Eurosensors IV, Karlsruhe, (1990).
[8.8] P. Gimmel, H.H. van den Vlekkert, K. D. Schierbaum, N.F. de Rooij, and
Abschnitt 7 W. Göpel, "Reduced Light Sensibility in Optimized Ta2O5-ISFET Structu-
res", Conf. Proc. Eurosensors IV, Karlsruhe, (1990).
[7.1] "Sensor zur Messung der relativen Luftfeuchte", Philips Components Tech-
nische Information TI 790423 (1983) [8.9] K.D. Schierbaum, U. Kirner, J. Geiger, and W. Göpel, "Schottky-Barrier and
Conductivity Gas Sensors based upon Pd/SnO2 and Pt/TiO2", Conf. Proc. Euro-
[7.2] N. Ichinose, "Electronic Ceramics for Sensors", Am. Ceramic Soc. Bulletin sensors IV, Karlsruhe (1990).
64, 1581 (1985)
[8.10] H.V. Shurmer, P. Corcoran, J.W. Gardner, "Integrated Arrays of Gas Sen-
[7.3] D. E. Williams, P. McGeehin, "Solid State Gas Sensors and Monitors", Elec-
sors Using Conducting Polymers with Molecular Sieves", Conf. Proc. Eurosen-
trochemistry, Specialist Periodical Reports 9, 246 (1984)
sors IV, Karlsruhe, (1990) und R. Müller, "High Electronic Selectivity Obtaina-
[7.4] Datenblatt "Humiceram" der Firma Matsushita, Japan ble with Nonselective Chemosensors", Conf. Proc. Eurosensors IV, Karlsruhe,
(1990).
Abschnitt 8 U. Weimar, S. Vaihinger, K.D. Schierbaum, and W. Göpel, "Multicompo-
nent Analysis in Chemical Sensing", [Link] Technol.,[Link], Tokio
[8.1] E.G. Schlosser, "Heterogene Katalyse", Verlag Chemie (1972)
(1990), im Druck.
H. Bremer und K-P. Wendlandt, "Heterogene Katalyse – Eine Einführung",
J.W. Gardner, "Detection of Vapours and Odours from a Multisensor Array
Wissenschaftl. Taschenbücher, Bd. 240, Akademie Verlag, Berlin (1978)
Using Pattern Recognition: Principal Component and Cluster Analysis",
A. A. Frost und R.G. Pearson, "Kinetik und Mechanismus homogener che- [Link] IV, Karlsruhe (1990).
mischer Reaktionen", Verlag Chemie (1964)
[8.11] H. Mockert, D. Schmeißer, and W. Göpel, "Leadphthalocyanine (PbPc) as a
[8.2] W. Göpel, "State and Perspectives of Research on Surfaces and Interfaces", Prototype Organic Material for Gas Sensors: Comparative Electrical and Spec-
Review Study for DG XII. CEC Commission of the European Community, troscopic Studies to Optimize O2 and NO2 Sensing", Sens. and Act. l9,159
Brüssel (1990), im Druck (1989).
W. Göpel, "Chemisorption and Charge Transfer at Semiconductor Surfaces: [8.12] H.-D. Wiemhöfer, D. Schmeißer, and W. Göpel, "Leadphthalocyanine as a
Implications for Designing Gas Sensors", Progr. in [Link]. 20 (1), 9, (1985), Mixed Conducting Oxgen Electrode", Conf. Proc. Solid State Ionics '89, Hako-
und W. Göpel, "Solid State Chemical Sensors: Atomistic Models and Research ne, Japan, and Solid State Ionics, im Druck
Trends", Sens. and Act. 16, 167 (1989). [8.13] W. Schuhmann, "Amperometric Substrate Determination in Flow-Injection
Seite 252
Systems with Polypyrrole Enzyme Electrodes", Conf. Proc. Eurosensors IV, [8.25] G. Kabaker, "Kfz-Lambda-Sonde", Sensor-Magazin, 44 (1988)
Karlsruhe (1990) und P. Clechet, "Membranes for Chemical Sensors", Conf.
Proc. Eurosensors IV, Karlsruhe (1990) [8.26] "ZrO2 Oxygen Sensor", Philips Technical Publication 215 (1988)
[8.14] W. Schuhmann, H. Wohlschläger, R. Lammert, H.-L. Schmidt, U. Löffler, [8.27] Datenblatt der Firma Figaro Engineering Inc., Osaka, Japan
H.-D. Wiemhöfer, and W. Göpel, "Leaching of Dimethylferrocene, a Redox [8.28] M. Armgarth, T. Hua, I. Lundström, Proc. of Intern. Conf. on Solid-State
Mediator in Amperometric Enzyme Electrodes", Conf. Proc. Eurosensors III, Sensors and Actuators, Philadelphia (Transducers 1985), 235 (1985)
Montreux und Sens. and [Link], 571 (1990).
[8.29] S. Y. Choi, K. Takahashi, T. Matsuo, IEEE Electron Device Lett. EDL-5, 14
[8.15] K-D. Schierbaum, U. Weimar, and W. Göpel, "Technologies of SnO-based (1984)
Chemical Sensors: Comparison between Polycrystalline, Thin Film, and Thick
Film Structures", Conf. Proc. Sensor '91, Nürnberg (1991) [8.30] K. H. Härdtl, "Keramische Gassensoren", in H. Schaumburg (Hrsg.), "Werk-
stoffe und Bauelemente der Elektrotechnik", Band 5, "Keramik", Teubner-Ver-
[8.16] W. Göpel, G. Gauglitz, G. Jung, and F. Jähmg, "Biosensor Systems based lag Stuttgart (1992)
upon Receptor Functions", Proc. Intern. Workshop "Biosensors", Braun-
schweig, Mai 1989, GBF Monographs, 13,165, VCH, Weinheim (1989) [8.31] W. Göpel und K.-D. Schierbaum, "Electronic Conductance and Capacitance
Sensors", in W. Göpel, J. Hesse, J.N. Zemel (Hrsg.), "Sensors – A Comprehensi-
[8.17] [Link], S. Vaihinger, and W. Göpel, "Prototype Structure for Syste- ve Survey", VCH Verlagsgesellschaft Weinheim New York Basel Cambridge
matic Investigations of Thin Film Gas Sensors", Conf. Prof. Eurosensors III, (1991)
Montreux, CH, and Sens. and Act., B1,171, (1990)
[8.18] W. Göpel, K-D. Schierbaum and H.-D. Wiemhöfer, "The Key Role of Three
Phase Boundaries in Reliable Gas Sensing: Four Case Studies Involving Elec- Anhang C3
tronic, Mixed Electronic/Ionic, and Ionic Conductors", Conf. Proc. Third Int. [C3.1] H. P. Baltes, L. Andor, A. Nathan und H.G. Schmidt-Weinmar, IEEE Trans.
Meeting on Chemical Sensors, Cleveland, USA, eingereicht bei Sens. and Act. Electron. Devices ED-31, 996 (1984)
[8.19] U. Kirner, KD. Schierbaum, W. Göpel, B. Leibold, N. Nicoloso, W. Weppner, [C3.2] O. M. Corbino, "Elektromagnetische Effekte, die von der Verzerrung her-
D. Fischer und W.F. Chu, "Low and High Temperature TiO2 Oxygen Sen- rühren, welche ein Feld an der Bahn der Ionen in Metallen hervorbringt", Phys.
sors", Conf. Proc. Eurosensors III, Montreux und Sens. and Act., B1,103, Z. 12, 561 (1911)
(1990)
[8.20] F. Schilling, J. Arndt, U. Vohrer, H.-D. Wiemhöfer, and W. Göpel, "Mixed
Oxides for Low-Temperature Oxygen Sensors: Phase Characterization, Spec-
troscopic, and Electrical Investigations of (Zrl-xTix )0,82Y0,18O1.91, Conf.
Proc. Eurosensors IV, Karlsruhe, and to be publ. in Sens. and Act. (1990)
[8.21] Doktorarbeit U. Löffler, Tübingen 1991
[8.22] J. Riegel und K. H. Härdtl, in "Sensoren – Technologie und Anwendungen",
VDI Berichte 677, VDI-Verlag Düsseldorf (1988)
[8.23] D. Ammann, "Ion-Selective Microelectrodes", Springer-Verlag Berlin-Hei-
delberg-New York-Tokyo (1986)
[8.24] P. Tischer, "Chemische Effekte", in W. Heywang (Hrsg.), "Sensorik", Sprin-
ger-Verlag Berlin-Heidelberg-New York-Tokyo, 25 (1984)
Seite 253
Index 505
Meßdynamik 5
N ortsauflösender
Photonen 309, 368
Schaltsymbol von Hallsonden 233 Silizium-Federkörper 195 Strahlungsdetektor 368 Temperaturkoeffizient 22, 69, 322
Schienenfahrzeug 6 Silizium-Photodiode 344 Strahlungsleistung 308, 341 Temperaturkoeff. des Nullpunktes 163