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Brecht Mutter Courage
Das Dokument beschreibt das Theaterstück 'Mutter Courage und ihre Kinder' von Bertolt Brecht, das im Kontext des Dreißigjährigen Krieges spielt. Es thematisiert die Herausforderungen und moralischen Dilemmata, die Mutter Courage als Marketenderin im Krieg erlebt, während sie versucht, ihre Kinder zu schützen und gleichzeitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Charaktere und ihre Interaktionen verdeutlichen die Absurdität und Grausamkeit des Krieges sowie die Komplexität menschlicher Beziehungen in Krisenzeiten.
Wir nehmen die Rechte an Inhalten ernst. Wenn Sie vermuten, dass dies Ihr Inhalt ist, beanspruchen Sie ihn hier.
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Brecht Mutter Courage
Das Dokument beschreibt das Theaterstück 'Mutter Courage und ihre Kinder' von Bertolt Brecht, das im Kontext des Dreißigjährigen Krieges spielt. Es thematisiert die Herausforderungen und moralischen Dilemmata, die Mutter Courage als Marketenderin im Krieg erlebt, während sie versucht, ihre Kinder zu schützen und gleichzeitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Charaktere und ihre Interaktionen verdeutlichen die Absurdität und Grausamkeit des Krieges sowie die Komplexität menschlicher Beziehungen in Krisenzeiten.
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Sa
Mutter Courage und ihre Kinder
Eine Chronik aus dem Dreifighibirigen Krieg,ALLE ERAS SA
a
Redaktion: Blisabeth Hauptmann
sMutter Courage und ihre Kindere, geschrieben in Skandi
view vor dem Ausbruch des aweiven Weldksieges, ist der s0. Ver-
such. ine Musik hiereu komaponierce Paul Dessaa.
Personen
Mutter Courage -Kattrin, ihre stumme Techter Eilif, der dluere
Sohn « Schwreizerkas, der lingere Sohn - Der Werber - Der Feld~
webel Der Koch Der Feldhauptznana -Der Feldprediger - Der
Zeugmelster « Yvette Pottice - Der mit der Binde » Bim andecer
Feldwebel - Der alte Obbrist- Ein Schreiber » Bin junger Soldat ~
Ein alterer Soldat - Ein Baver’ Die Bauersfrau Der unge Mann
Die alte Frau - Bin anderer Bauer Dic Baverin - Eis junger
Bauee~ Der Pahnrich - Soldaten ' Eine Stimme
‘
‘Frinjarin 1624, Din Peto HAuPTMans OXENST/ERNA WIRET IN
DACARNE TRUPPEN PR DEN Pern2uc i Pousw. Den MARKE~
“omnbeeaty ANNA FIERLING, BERANNT UNTER Don Nanen Mur-
ER COURAGE, KOMNT FIN SOHN ASHANDEN.
Lancurafte in Stadenihe, Ein Feidwebel und ein Worber sechon
jrierend
ER wexeun Wiesoll man sich hier eine Mannschaft xusammen-
lesen? Feldwebe, ich denk schon mitunter an Selbstmond. Bis,
zum zwialften soll ich dem Poldhawptmann vier Fihalein bine
stalin, und die Leut hier herum sind so voll Bosheit, dal ich
keine Nacht mehr schlaf. Hab ich endlich einen aufgetrieben,
und schon durch die Finger geschn und mich nix wissen ge-
macht, daff er eine Hlubnerrast hat und Krampfadern, ich
hab ihn glacklich besoffen, er hat schors unterschrieben, ich
2abl nur noch den Schnaps, er exit aus, ich henteeher zurTar,
‘weil mir was schwant: Richtig, weg ister, wie die Laus unteem
Kratzen, Da gibes kein Manacswors, kein Trew und Glauben,
kein Ehrgefthl, Ich hab hier mein Wertrauen in die Mensch
heit werloren, Feldswebel.
Dek FELOWwEREL Man merkts, bier ist x lang kein Krieg, gewe~
sen, Wo soll da Moral herkommen, frag ich? Frieden, das ist
ur Sehlamperei, erst der Keieg schafft Ordnung. Die
‘Menschheit schie8t ins Kraut im Frieden. Mit Mensch und
Vieh witd herumgesaut, als wars gar nix. Jeder Griff, was er
will, cinen Ranken Kis aufs WeiSbrot und dann acch cine
Scheibe Speck auf den Kas. Wie viele junge Leut und guce
(Gul diese Stade da vacn hat, wei kein Mensch, ¢sist niemals
gezihle worden. Ich bin in Gegenden gekommen, wo kein
Krieg war vielleicht sicbzig Jahr, da hatten die Leut iberhaupt
noch keine Namen, dic kannten sich selber nicht. Nur wo
Kriog ist, gibts ordentliche Listen und Registraturen, kommt
das Schuhzoug in Ballen und das Korn in Sick, wird Mensch
und Vieh sauber gezihlc und weggebracht, weil man eben
swell: Ohne Ordaung kein Krieg!
ex weanun Wie richtig das ist!
Dem FELDWEEEL Wic alles Gute ist auch der Krieg am Anfang,ESSN ERODE EPMA ce nanny rent
s
to Mutter Courage und ise Kander
halt sehwer2u machen, Wena ex dann erat floriert, ist auch
zith; dann schrecken die Leut zutiick vorm Frieden, wie die
Wiirller vorm Authren, weil dann atissens zthlen, was sie
verloren haben, Aber zuerst sehreckens zurick vorm Krieg,
Er ist ibmen was Nees.
pin verse Du, da kommt ein Planwagen. Zwei Weiber und
‘pei junge Burschea. Hale die Alte auf, Feléwebel. Wen das
‘wieder six ist, stell ich mich nicht weiter in den Aprilwind
dain, das sag ich dit
Man hire cine Maxitrommel, Von 2wei janger Burschen ge
ogee, rll in Planrcoagen herarn. Aa iban riszen Mutter Cou
vage und dhre stumme Tochter Katsrin,
MUTTER eauRAGE Guten Morgen, Herr Feldwebel!
DER FELDWHOEL sich im den Weg stalled: Guren Morgen, ihr
Leut! Wer seid ihe?
worries couRscE Geschiftslent, Singt.
The Haupsleut, lift die Teommel ruhen
Und a8 eur Fuvoll halten anz
Murver Courage, die komme mit Schuben
Tnedenen es besser lnufen kann,
Mit seinen LSusen und Getieren
agage, Kanone und. Gespanin ~
Soll es euch in die Schlache marschieren
$o will es gute Schuhe han.
Das Frihjahe kommt. Wach’auf, du Christ!
Der Sehinee sehunilat weg. Die Toren ruhn.
‘Und was noch nicht gestorben ist
Das macht sich auf die Socken un,
‘thr Hauptleut, eure Leut marschieren
Buch ohne Worst aicht in den Tod.
Lafiedie Courage sie erst kurieven.
Mit Wein vor Leibs- und Geistesnot,
Kanonen auf die leeren Magen.
hr Haupeleur, das ist niche gestund,
Doch sind sic sarr, habt meinen Seger
Und fibre sie in den Hélleaschlund.
Das Frdthjahr kommt. Wach auf, du Cheist!
« LandsteaBe 11
Der Schnee sehinilat weg, Die Toren rub,
Und was noch nicht gestorben ist
Das mache sich auf die Socken aus.
pes reLpwaneL Halt, wohin gehért ihe, Bagage? 1
pes ALTERE sou Zweites Finnisches Regiment
pen PELDwiae. Wo sind ence Papicre?
MUTTER COURAGE Papiere?
yUwcenen sont Das ist doch die Mucter Courage!
‘bux Pecowrse. Nie von gehdre, Warum heit sic Courage?
MUTTER COURAGE. Courage beiB ich, weil ch den Ruin getarch-
cet hab, Feldwebel, und bin durch das Geschitafeuer von
Riga gefahrn mit fisfrig Brotinih im Wagen, Sie waren schon
angeschimmelt, es war hachste Zeit, ich hab keine Wahl ge-
habe ‘
em reLownsts Keine Witee, du. Wo sind die Papierel
MATTER COURAGE aus einer Zinnbicchse einen Hanfon Papiere
hramend snd herwnterblesternd: Das sind alle meine Papiere,
Feldwebel, Da ist ein ganzes Me@buch dabei, aus Altstting,
‘ram Einschlagen won Gutken, und cine Landiearte von Mah =
ren, weil Gott, ob ick da je hinkomm, sonst isc sie fii die
‘Kate, und hier stebes besiegelt, da8 mein Schimucl niche die
Maule und Klauenseuch hat, leider ist er uns umgestanden, er
yrat fiineehn Gulden gekostet, aber aicht mich, Gore sei
‘Dank. Ibt das genug Papies? *
pun waupwaser Wills du mich auf den Arm nelumen? Ich werd
dir deine Frechheit austreiben. Du weil, daft du eine Lizenz
haben mu
Murer couRace Reden Sic anstindig mitmir und erzihlen Sie
nicht meinen halbwiichsigen Kindern, daf ich Sie auf dem y=
‘Arm nehmen wil, das gehdre sich nicht ich hab nix mit Th-
‘nen, Meine Lizena, beim Zweiten Regiment ise mein anstindi-
ges Gesicht, und wenn Sie ¢s niche lesen kdanen, kann ich
pict helfea, Einen Stempel laf ich mir niche draufseteca
pex wenure Feldwebel, ich opie einen unbounilfigen Geist ay
hheraus bei der Peeson, Im Lager da brauchen wir Zucht
MurrER CouRaGeE leh dache Waist.
bun recowsuni Name.
surren courace Anna Fierling.FSS Sanya nr
re Mwccor Courage vind ihre Kinder
pes Feipwrant, Also dann heifics ihr alle Piri
MUTTER COURAGE Wieso? Ich heifi Fierling. Die niche
DER FELDWwEnrt. Ich deak, das sind alles Kinder von
murran-couraan Sind auch, aber heifen sie deshalb alle gleich?
"Auf den aleeven Saber dewtend. Der zum Beispiel beilt Bi
‘Nojocki, warum, sein Vater hat immer behauptet, er heite
Kojocki oder Mojacki, Der Junge hat ihn noch gut ist Ge-
“dichenis, nur, das war ein andener, dea. er im Gedichtns hat,
cin Franzos mit eineta Spitzbare. Aber sonss hater vom Vater
die Incelligenz geerbt; dex konnt einem Bauern die Hos vom
Hinvern wegzieln, ohne da der was gemerket buat. Und so hat
chen jedes vor uns seinen Namen.
pes eriowene Was, jedes einen anderen?
MUTTER eDURAGE Sie tan grad, als ob Sie das nicht kenaten,
pIRrELDwusEL Dann istderwohl cin Chineser? Auf den Jiinge-
ven deutend.
uortin couRAGE Falsch geraten, Ein Schweizer.
ex er.owEset, Nach dem Franzosen?
MuTteR COURAGE Nach was lireinem Franzosen? Ich weiB von
einem Franzogen. Beiagen Sigs nicht durcheinander, sonst
stchn wir am Abend noch da, Ein Schweizer, hei6t aber Fejos,
tein Name, der nix mit seinem Vater tun hat. Der biel gan
anders und war Festungsbaumeister, nur versoffen
Schnweizerkas micke strablend, send anc die stnamme acerin
amuisiers sich,
pes reipwinet Wie kann er da Fejos heiften?
OTTER COURAGE Ich will Sic nicht beleidigen, aber Phantasie
hhaben Sie nicht viel. Er beiflenacilich Fejes, wei, as er am,
wwarich mit einem Ungar, diem wars gleich, er harre schon den.
Nicrenschwund, abwohl er aie cinen Tropfen anger hat,
ein sehr redlicher Mensch. Der Junge ist nach ibm geraten.
DER Feioeesnt Abe: er war doch gar nicht der Vater?
Murmax couracr Aber nach ihm ist er geraten. Ich hei ihn
Schweizerkas, warm, e¢ ist gut im Wagenzichen. Auf ihre
Tochrer dentend. Die heitt Kartrin Haupt, cine halbe Deut-
sche.
our reLowenst. Eine nerte Familie, mud ich sagen
seorrer counaGt Ja, ich bin durch die ganze Welt gekommen
mmit meinem Planwagen.
a Landneafle 13
eR FeLDeesat Das wird alles aulgeschrieben. Er scbreibs auf
DER weRBER Ihr sollte lieber Jakob Ochs und Esau Ochs hei-
en, sreil ihr doch den Wagen sieht. Aus dem Gespann
komme ihr wobl nie heraus?
sie Mutter, darf ich ihe aufs Maul hauen? Ich miche gern,
worres cousace Und ich uncersags dit, du bleibst stebn. Und
jctrt, meine Heeren Offizier, brauchens nicht eine gute Pisto~
len, oder eine Schnall, die Lbee ise schon abgewetxt, Herr
Beldwebel,
ges recowennt Ich braweh was andres, Ich seh, die Burschen
sind wie die Birken gewachsea, eunde Brusthssten, stimmige
Haxen: warum driickt sich das vom Heeresdienst, méche ich
wissen?
MUTTER GouRAGE schnell: Niche 2u machen, Feldwebel. Meine
Kinder sind nicht far das Krieyshandweck.
pes wnnnor Aber warum nicht? Das bringt Gwinn und beinge
Ruhm, Sticfelvecramsehen ist Weibersache. Za iif: Tite
neaal vor, laf dich anfihlen, ob du Muskeln hast oder cim
Hihnchen bist.
auTren COURAGE Ein Hiihnchen ist er. Wenn einer iba xxeng
anschaut, micht er urfallen.
bu wexsex Und cin Kalb dabei erschlagen, wenn eins neben
ihm sti. Er will ibn weafidhren
MUTTER. COURAGE Willstdu ihn wohl in Ruhe lassen? Der ist nix
fiir euch,
ex veRmey Eras mich grob heleidigs, und von meinem Mund
als einem Maul geredet. Wir zwei gehen dort ins Feld und
teagen die Sach aus unter wns Mannern,
sur Sei ruhig; [el besorgs ihm, Mutter
MurreR COURAGE Seehen bleibst du, Du Haderlump! Ich kena
dich, nix wie raufen, Ein Messer hat er im Suiefel, stechen tut
bow Wenner Ieh zichs thm aus wie einen Milchzahn, komm,
Biirschchen.
wurrer counscs Herr Feldwebely ich sags dem Obristen, Der
steckt euch ins Loch. Der Leumant ist cin Freier meiner
Tocheer,
DER FELD WEBEL Gewalt, Bruder, Zw Mutter Courage:
“Was hast du gegen den Fleoresdlienss? War sein Vater nicht
Soldat? Und ist enstindig gefallen? Daas hast du seller gesagtaia
ta Muster Courage und ihre Kinder
sure Gounace Er ist «in ganzes Kind. Ihr wolle ihn mir 2ur
Sehlackubank flea, ich kena euch, Ihr kriegt fit Gulden
fiir ihn.
pen wensor Zundehocloriegrer sine schine Kappe und Stulpen-
sciefel, niche?
tiip Nicht vou dir,
mitreR cousacr Kemm, geh mit angeln, sagte der Fischer
ram Warn. Zam Scheetverkas: Laul weg und schrei, die
wollen deinen Bruder scehlen, Sie zizht ein Messer. Probierss
pur ud stehlt ihn, leh stezh euch nieder, Lumpen. leh werds
uch geben, Kricg mit ihm Jéheen! Wir verkawlen erlich Leix
non wind Schinken und sind friealliche Leur.
‘ER FELDwuDEL Das sieht man an deinem Messer, wie ériedlich
ihr seid. Uberhaupt sollst du dich schamen, sb das Messer
weg, Vettel! Vorher hast du eingestanden, dus lebst vom
Krieg, denn wie willst du sonst Jeben, von was? Aber wie soll,
Keieg sein, wenn es keine Soldacen gibt?
wurrex courage Das miissen nleht meine sein
ber rai DEBEL 50, den Butzen soll dein Krieg fressen, und die
Birne soll er ausspuckea! Deine Brut soll dir fete werden rom
Kriog, und ihm gezinse wid nicht, Er kann sckauen, wieer 20
seine Sach kommt, wie? Heit dich Courage, he? Und flirch-
est den Krieg, deinen Brosgeber? Deine Sohn flirchten ifn
nicht, das wei8 ich von ihnen.
eruar Ich flircht Kein Keieg.
por Feneweven Und warum auch? Schaut mich an: ist mir das
Soldateriles sellecht bekommen? Ich war mit siebebin dabei.
mutter couRAcE Du bist noch nicht siebzig.
per rriowenet, [ch kanns erwarten,
MUTTER COURAGE Ja, unterm Boden vielleicht.
ex reLowEset Willstdu mich beleidigen, und sagst, ich ster?
surrem couace Und awenns die Wabrheir isc? Wenn ich seb,
Courage, ich geb Thnen recht, bis auf
die Soldaten. Die tun, wae sie konnen, Mit denen da draufien
4) zum Beispiel, die ihren Branntwein im Regen saufen, getrau
ich mich hundert Jabr einen Krieg nach dem ander zu ma-
chen und 2ei aud einmal, wenns sein mul, und iel bin kein
sgelernter Feld/sauptmann,
nurree coueas® Dann meinen Sie nichs, da der Krieg aus-
ye gehn kin?
DER FELOPREDIGER Weil der Feldhauptmann hin ist? Sein Sie
nicht kindiseh. Solche finden sich ein Dutzend, Felden gibts
imac:
SrUrTER COURAGE Sie ich frag Sie das niche mur aus Hitz, son-
den weil ich mir dberleg, ob ich Vorit einkaufen soll, was
grad billig 2u haben sind, aber wenn der Krieg ausgebt, kano
tc sie dann wogschmeien
ore FELDPREDIGER Ich versteh, da Sies ernst meinen. Es hat
immer welche gegeben, die gehn herum und sagen: »Einmal
F
6 Marketenderaclt 55
Inne der Krieg auf.« [eh sags dat der Krieg einmal autharr, ist
nicht gesagr. Es kann natiitlich 20 einer kleinen Paus kom-
men, Der Krieg kann sich verschnaufen miissen, ja ¢r kann
sogar soawsagen verungliicken. Davor ister nicht gesichert, es
sib ja nix Vollsommenes allbier auf Erden. Binen vollkom-
smenen Krieg, wo man sagen kas an dem ist nix mebr aus~
suseren, winds vielleiche nie geben. Plétalich Kaan er ins
Stocken kommen, an was Unvorhergeschenem, an alles kann
‘kein Measch denken, Vielleicht ein Ubezsehn, und das Scbla~
soassel ist da. Und dann kann man den Krieg wieder aus dem
‘Dreck ziehn! Aber die Kaiser und Konige und der Papst wird
ihm’zu Hilf kommen im seiner Net. So hat er im ganzen nie
Exnstliches 2u firchten, unl ein langes Leben liege vor ih,
TN SOLDAT singt vor der Schenke:
Ein Schnaps, Wirt, schnell, sci g'scheiet
Ein Relter hat bein Zeit
Mut fiir sein Kaisee strciten.
Binen doppelten, heut ist Festeagl
MurrER couance Wenn ieh thnen tran kénns..,
pen reinxeptcn Denken Sie selber! Was sollt gegen den
Krieg sein?
BAR SOLDAT singe hinten:
Dein Brust, Weib, schnell, sei g’scheitt
Ein Reiter hat kein
Er mu gen Mahren rciten
bes scameraes plotalich: Und der Frioden, was wird aus ihm?
Ich bin aus Béhmen wad mécht gelegentlich heim
Den FELDPaszicER So, mochten Sie? Ja, dex Feieden! Wes wied
aus dem Loch, wenn der Kas gefressem ist?
‘eR sOLDAT singe hiecens
‘Trumpf aus, Kamrad, sei g’seheit!
Ein Reiter hat kein Zeit
Muli koritnen, solang sie werben,
Dein Spruch, Pfatf, scheell, sei g'scheit!
Ein Reiter hat kein Zeit
Er mu fuirn Kaiser sterben,56 Murer Courage und ihre Kinder
per sexnntess Auf die Dauer kann man nichtohne Frieden le-
ben.
pen recoraeocen Ich macht sagen, den Frieden gibes itm
ieg auch, er hat stine friedlichen Stella, Der Krieg befrie-
digt niralich alle Bediisfniss, auch die friedlichen darunter,
daffir isc gesorgt, sonst mocht e¢ sich nicht alten kénaen,
Tim Krieg kannst da auch kacken wie im tielsten Frieden, und
zvvischen dem ginen Gefecht und dem ander gibts ein Bier,
{und sogar auf dem Vormarsch kanast du cin’n Nieker ma~
ches, ann Ellbogen, das ist immer maglieh, im Straflengea-
then. Beim Stirmen Kannst du niche Karten spieln, das kannst
du beias Ackerpfliigen im tiofsten Frieden auch wicht, aber
nach dem Sieg gibes Miglichksiten, Dir mag, cin Bein abge-
schossen werden, da erbebst du auerst eim groffes Gescheei,
als wirs was, aber dann berubigst du dich oder keiegst
Schnaps, und am End hiipfst du wieder herum, und der
Krieg ist niche schlechter dean als vorhes. Und was hindert
dich, dafi du dich vermehrst iamitten all dem Gemetzel, hin-
tet einer Scheun oder woanders, davon hist du nic auf die
Dauer abzubalten, und dann hat der Keieg deine Sprittinge
und kann ris ihren weiterkommen. Nein, der Krieg finder
icmer elnen Ausweg, was nicht gar. Warum soll er aufhiien
iniissen?
Kateri hat aufgebire 2u arbeiton und start auf den Feldpre-
diger
qurtes COURAGE Da kau ich also die Waren. Ich verla6 mich
auf Sie. Katirin schmesfe plitalich einen Korb mit Flasches
anf dom Boden wd Lizeft hinaus, Karin! Leche. Jesses, die
‘wart doch auf den Frieden. Ich hab ihr versprochen, sic
keriegt einen Mana, wenn Frieden wird. Sie lift dor nach.
por scHmemen snficehend: Ich hab gewonnen, weil Sie gere-
dec haben. Sie zahin
MUTTER COURAGE Berein mit Kactrin: Sei verniinitig, der Krieg
geht noch ein bissel weiter, und wir machen mach ein bissel
Geld, da wind der Eriede wm so schéner: Dru gehst in die
Stade, das sind keine zehn Minuten, nd holst die Sachen im
Goldenen Lowen, die wertvollern, die andern hela wir sp
ter mitm Wagen, es ist alles ausgernacht, der Herr Resi-
mentsschreiber begleitct dich. Die meisten sind beim Be-
6 Markerendereelt 57
geibnis vom Feldhaupumans, da kann dir nix geschelin.
Macks gue, la8 dir nix wegnehmen, denk an deine Ausstever!
Katirin nine eine Leinmand iber den Kopf und gebe mit
dem Schreiber.
Dek FELORKEOIGER Kinnen Sie sie mit dem Schreiber geh las-
sen?
narrren couRAGE Sie is nicht so hubsch, daf sie einer ruinieren
miiche,
DER FLLUPREDIGER Wie Sic so Sheen Handel fihen und immer
durchkommen, das bab ich oft bewundert. Ich verstehs, daft
man Sie Courage geheilien hat
warmer courace Die armen Leut brauchen Courage. Warum,
sic sind verloren, Sehon da sie awfstehn in der Frih, dara
gehdre was in ihrer Lag. Oder dat sic einen Acker wroplligen,
tnd im Kaseg! Schon daft sie Kinder in die Wele setzen, zeigt,
a8 sie Courage haben, denn sic haben keine Aussicht. Sie
rmiissen cinander den Henket machen und sich gegenscitig ab-
schlachten, wean sic cinander da ins Gesicht schaun wolln,
das braucht woh] Courage. Daf sie einen Kaiser und einen
Papst dulden, das beweist cine unheimliche Courage, denn
die kosten ihnen das Leben. Sie setzt sich mieder, xiebt eine
lsine Bfeife aus der Yasche amd raxcht. Sic konnten ein bissel
Kleinholz machen,
pen uopanoicen 2iehr widerwillig die fcke aus und bereitet
sich vor rum: Kleinkofamachen: Ich bin eigentlich Seclsorger
und nicht Holzhacker,
worten cousace Ich ha aber rae Sel Dagegsn brauch ick
Brennbolz.
ben ercorkeOIGER Was ist das flr eine Stummelpfeif?
MUTTER COURAGE Halt eine Pfeil.
uk recormepiceR Nein, nicht shalt claer, sondern eine gunz
bestimmte
ure couRAGE Sa?
DFR FELPREDIGHR Dag ist die Stummelpfeif von dem Koch
vor Oxenstiecna-Regiment.
Murer COURAGE Wenn Sies wissen, warum fragen Sie dacin
erst so scheinheil
DER FELDPREDIGER Weil ich nicht weif, ob Sie sich bewuitt
sind, daf Sie grad dic cauchen. Hitt doch scin kiinnen, Sie58. Muceer Courage und ilee Kinder
x herum, und da
die Finger, und Sie
fischen nur so in Lhren Habselighci
kommt Ihnen iegendeine Stummelp
nchmen sie aus reiner Geistesabwesenheit,
worrer coURAGE Und warum solles nicht s0 sein?
DER FELDPREDIGER ‘Weils nicht se ist. Sie rauchten sie bewu8e
reves COURAGE Und wenn ich das ti
Dek ENLDPRENIGER Coueage, ich warn Sie, Fs ist meine Ptlichs,
Sie werden den Heeen kaum mehr 2u Gesieht kriege, aber
das ist nicht schad, sonders the Gliick. Er hat mir keinen
vrerlailichen Eindruck gemacht. Im Gegenteil,
sure couRAGE So? Er war cin netter Mensch.
DER FELDPREDIGER So, das nennen Sic einen netien Menschen?
Tch nicht. [ch bin weit entiermt, thm was Bases ru wells
aber nett kann ich tha nicht nennen. Eher-cinen Donschuan,
einen. raffinierten. Schauen Sie die Pfeif an, wean Sie mir
niche glauben. Sie miissen 2ugebon, daft sie alleshand von sei=
nem Charaliter-verrat.
Murrrer cousAGE Ich seh nix, Gebraucht ist sic.
bux esipereprcer Durchgebissen ist sie halb, Bin Gewalt-
mensch. Das ist die Stusmmelpfeif von cinem riicksichtslosen
‘Gewalemeniichen, das sebm Sie dran, wenn Sie noch niche alle
Uneilskraft verloren haben,
nurtin couRace Hacken Sie mir nicht meinen Hackpflock
durch,
ber Feuoparorenn Teh hab Thnen gesagt, ich bim kein gelernter
Halzhacker, Ich hab Seelsorgerei scudiect. Hier werden
mine Gaben und Puhigkeiten miflbrauche zu kétperlicher
‘Arbeit, Meine ven Gott verlichonen Talents kommen iiber-
hhaupt nicht zur Gelung, Das ist eine Sind. Sie haben mich
ssicht peedigen hérn: Ish kann ein Regiment mur mit ciner
‘Ansprach so in Stimmung versetzen, daf ex den Feind wie
cine Hammelherd ansicht. The Leben ist shnen wie eit alter
verstunkencr Fudlappen, den sie wegwerfen in Gedanken an
den Endsieg. Gott bat mir die Gabe der Sprachgewalt verlie~
hhen. lek predig, dali Ihnen Haren und Sehen vergeht.
aeurree couRace Ich mécht gar nicht, da mir Hiren und Se-
hhen vergeht. Was nu ich da?
eR FELOPREDIGER Courage, ich hab mir oft gedacht, ob Sie
rit theem aichternen Reden nicht nur cine warmherzige
6 Markstenderesk 59
Natur verbergen. Auch Sie sind cin Mensch sand brauchen
Warme
siurren CouRasE Wir kriegen das Zelt am besten warm, wena
wir genug Brennholz habea.
BER PELDFREDIOER Sie lenken ab. Im Ernst, Courage, ich frag
nich mituncer, wie es wir, wenn wir unsere Bezichung cin
wenig enger gestalten wirden, Ich meio, nachdem uns der
‘Wirhelsrurm der Kriegszeiten so seltsam zusammengewirbele
hat.
MuTTER cowRAGE Teh denk, sie ist eng genug. Teh koche Thnens
Essen, und Sie beitigen sich und machen cum Beispicl
Brennlnolz,
pr FELGPREDIOER tite aa sie 24: Sie wissen, was ich mit wen
gere mein; dasist keine Bezichung mit Essen und Holzhacken
und solehe niedrigen Bediirfnissc. Lassen Sie thr Herz spre-
chen, verharten Sie sich niche.
MUTTER COURAGE Kommen sie nicht mita Beil
wir mir eine 2u enge Bexiehung
mex vecoPREDIGLR Ziehen Sies nicht ins Licherlich, Ich bin
‘tin eraster Mensch und hal mir dberlegt, was ich sag.
inurren counAce Feldprediger, sein Sie gescheit, Sie sind mir
sympathisch, ich mdicht Ihnen niche den Kopf waschen nts
sen. Auf was ich aus bin, ist, mich und meine Kindee durch-
bbringen mic meinem Wagen. Ich betracht ihe: nicht als mein,
vund ich hab auch jeret keines Kopf fir Peivatgeschichten
hen jeere geh ich cin Risiko ci mit Einkaufen, we der Feld
haupemann gefalln ist und alles vom Frieden redet. Wo walln
Sie hin, wenn ich cuiniert bin? Sehen Sie, das wissen Sie nicht,
‘Hacken sie uns das Brennholz, dann haben wir abends warm,
das ist schon viel im diese Zeiten. Was ist das*
Sie webs sis, Herein Katerin, aremlos, wat einer Whde ber
tire and Ange, Suv scbleppe allerler Suchen, Pskere, Leder-
Zeng, vine Trommiel nsw.
warren courak Was ist, bist du iberfalln worden? Auta
Rickwep? Sie ist aufn Riickweg dherfalin wordent Wenn das
nicht der Reiter geweaen ist, der sich bei mir besof¥en hat! Ich
haart dich nie geha lassen solin, SchmeiB das Zeug weg! Das ist
aicht schlimm, die Wund ist nur eine Fleischwund. Ich ver-
bind sie, und in einer Woche it sie geheilt, Sie sind schlim-
mer as die Tier. Sie verbindes die Wine,
ich zw. Das
a"60 Mutter Courage und shee Kinder
pee petornepicer Ich werf thnen nix vor. Daheim haben sie
nicht geschindet. Schuld sind die, wo Krieg anstiften, sie keh-
ron das Unterste 2uoberst in die Menschen.
MUTTER COURAGE Hat dich der Schreiber nicht zuriickbe lei
tet? Das kommt davon, af du eine anstindige Person bist, da
schern sie sich niche drum, Die Wund ist gar nicht ced, da
bleibe nix curiick. So, jetzr ists verbunden, Du keiegst was, si
rubig. Ich hab dir insgeheim was auigehoben, du wicse
schauen. Sie brameaus einer Sack die raten Stéckelscbube der
Potter henass. Was, da schaust du? Die hast du immer wolln,
Da hast du si Zieh sie sebnell an, da8 es mich nicht reut. Sie
bilft iby die Schube sxziehen. Nix bleibt zurtick, wenngleich
inirs aia: ausmachen mécht. Das Los vor desea, wo ihnen
agefallen, ist das eclilioamste, Die richn sie herum, bis sie ka-
putt sind, Wen sie nicht mégen, die lassen sie am Leben. Ich
hab schon solche gesehn, we hibsch im Gesicht gewesen
sind, und dana haben sie bald so ausgeschauc, da’ cinen Walt
igegraust ha. Niche hinter einen Alleebaum kénnen sie gehn,
ohne daft sie was fiirchtem milissen, sic haben ein grausliches
Leben, Das ist wrie mit die Baum, die graden, luftigen werden,
abgehaun fi! Dachbalken, und die krummen diirfen sich ihres
Lebens fceun. Das wir also nix als cin Glick. Die Schuh sind,
noch gut, ich hab sie eisgeschoalert aufgchoben,
Kattein Uflt die Schuhe steben snd lerieche in den Wasger,
ex ecornevicex Hoffentlich ist sie nicht verunstaler.
MOTHER couRAcE Eine Narb wird bleiben. Auf des Frieden
muf die niramer warten.
DER FELDPREDIGER Die Sachen har sie sich nicht nchmen lassen
MUTTER COURAGE Ich batts ihr vielleicht nicht cinscharfen
solln, Wenn ich wit, wie es in ihrem Kopf ausschaut! Einnsal
ist se eine Nacht ausgeblieben, nur eizmal in al die Jahe. Dax
‘nach ist sie herumgegangen wie yorker, har aber stisker geare
biter. Ich konnz nicht Rerausbringen, was sie eclebe har. [ch
hab mireine Zeilang den Kopf zerbrachen. Sie nimrat die vom
Kattrin gchrachien Waren auf und sorsiert sie zomg, Das ist
der Krieg! Bine sehéne Finaahmequellt
Man hért Kanonenschiise
DBR FELOPREDIGER Jetzt begraben sie den Feldhauptmann. Das
ist ein bistorischer Augenblick.
yp Landswafe 62
saurren COURAGE Mir ist ein historischer Augenblick, dal sie
meiner ‘lochter ubers Aug geschlagen haben, Die ist schon
hall kaputt, einen Mana keiege sie nicht aiche, wad dabei so
in Kindeenarr, stumm iat sig auch aur wegen dem Krieg, ein
Soldat hat ihr als klein was in den Mund geschoppt. Den
Schweizerkas sch ich nicht mehr, und wo der ist, das
wei Gow. Der Krieg, soll verdlucht s
?
Murua Covrace ave mun Horn mum crsoaireicnen
Laurnann,
Landserafie, Der Feldgrediges, Mutter Courage and ibre Tackter
Kattrin ziehen den Planasagen, an dom nexe Waren hanger.
Mutter Courage trdge eine Kette mit Sitbertalern,
MUFTER COURAGE Teh la8 mir den Krieg von euch nicht madig
machen. Es heift, er vertilge die Schwachen, aber die sind
auch hin im Frieden. Nur, der Krieg aahrt seine Leuc besser.
Sie singe
Und gebr er tiber deine Krifte
Bist du beim Sieg hale nicht dabei.
Der Krieg ist nix als die Geschifie
‘Und state mit Kise ists mit Blei.
‘Und owas macht schon Sefthafrwerden niitzen? Die Se@haften
sind euerst hin, Singt.
$0 mancher wollt so manches haben
Was es hr manchen gar niche gab:
Ex wollt sich schlasr cin Schhupfloch graben
‘Und grub sich nur ein friihes Grab.
Schon manchen sah ich sich abjagon
In Eil nach einer Ruhestatt -
Liegt er dana drin, mag er sich Fragen
Warums ihm so gesilet bat.
Siz ziehen weiter,