21 feb.
2024
DAS ANDERE DER ZIVILISATION
Inhaltsverzeichnis
Einführung: Prämisse einer Ganzheit der Menschen mit der Natur (intuitiv richtig)
1. Unsere Gesellschaft geschichtlich
1.1 Technologie als Trennfaktor o. geschlossenes System?
2. Eine holistische Sichtweise: Bob Samples Mutter Erde
3. Anthropologische Thesen: Lévi-Strauss’ categories und kultureller Relativismus
Ende
2
Einführung
Wir gehen davon aus, daß unser Weltsystem, wie es heute ist,
originell ist. D.h. daß es keine klare Trennung zwischen
‘natürlichen’ und ‘humanen’ Landschaften gibt. Gleichzeitig ist die
dichotomisch-marxistisch geprägte Stellung von ‘Natur’ vs.
‘Zivilisation’ auch nicht ein empirisches Datum. Bob S. würde dazu
sagen “Wir sind Kinder der Zivilisation, genauso wie wir Kinder der
Natur sind. Zivilisation ist unsere jüngste Erfahrung.” (71) Die
(rein) natürliche Umgebung verweist jedoch auf eine Andersheit
hin, die möglicherweise für unser Menschsein signifikant ist.
Demnach ist die Umgebung keine passive Materie, sondern eine
echte Realität. Um der nat. Umgebung jedoch einen gewissen Grad
an Realität zu vergeben, der signifikativ ist, muss man über die
bisherigen Verstandsmodelle - die in der climate change-
Forschung politisch angewandt worden sind - reichen, da die
letzten als (mehr oder weniger) kontrollierbare Größen1
verstanden werden. Es wird demnach womöglich nötig sein, die
Agentivität, die bisher nur humanen (u. divinen) Agenten völlig
zugeschrieben worden ist, auch als natürliche Eigenschaft zu
problematisieren. Es ist immer noch auf ein anthropozentrisches
System zu verweisen, daß in der (westl.) Welt immer noch salient
ist: demnach sind mensch. Wesen im Zentrum des Welthandelns,
Tiere graduell nah, und Pflanzen und anorganische Materie
kommen zuletzt. Dem wurde - aus transhumanistischer und v.A.
posthum. Seite - ein biozentrisches Modell entgegengesetzt, daß
‘Leben’ ins Zentrum stellt. Demnach sind/ist alle/s
diejenigen/dasjenige salient für das Modell, die/das als Lebewesen
eingestuft werden/wird.2
1
So sind die Modelle z.B. auf Systemtheorien basiert.
2
Es kann suggeriert werden, daß auch das vorher genannte System
(biozentrisch) seine Lakunen hat: z.B. schliesst es für das Erhalten des Da wir uns auf die Welt konzentrieren, müssten wir demnach ein
Lebens wichtige anorganische Substanzen und das Wetter aus. Die geozentrisches Modell (o. ein Modell daß zumindest die Materialität
Gesamtheit des Kosmos wird nach diesem Modell also nicht verstanden. einschließt) anwenden.
Holismus
Was kann der Begriff ‘Holonomia’ (vom Gr. holos und nomia:
‘Wissenschaft des Ganzen’ [meine Üb.](Samples: 49)) zu einer
umfassenderen Deutung des Kosmos beitragen? Die grundlegende,
dominante Wissenschaft des Westens während der letzten Jahre
hat sich laut Samples auf “ausbeuterische(..) Technologien”
spezialisiert, was Teilwissenschaften präferiert.3 “Ganzheitliche”
Wissenschaft wurde demnach als philosophisch eingestuft o. zu
den “Pseudowissenschaften” gestellt. Somit kann unser heutiges
Weltverständnis (z.B. Erdwissenschaften wie Geologie) nicht als
total gelten, da es auch von den dominanten Techniken die das
sozialwirtschaftliche System auferhalten determiniert wird. Was wir
als “holistisches” Modell verstehen wird nicht wenig oft in die
Schublade der “New Age”-Pseudowissenschaften gestellt und
somit für die Mehrheit der tätigen Bevölkerung in eine o. die
andere Art deklassiert. 4
3
S. dazu auf S. 50: “Das von Wissenschaft und Industrie
hervorgebrachte geistige und materielle Rüstzeug verschob die
Lebensgewohnheiten der Menschen von den Ökologen der Wüsten, Wälder
und Ebenen ins Urbane.”
4
Auch falls eine Person die in der dominanten Welt tätig ist, an das
“holistische” Modell ‘glaubt’, muss es nicht heißen, daß das Modell salient
wird, da es trotzdem nicht in den konkreten Gebrauch translatiert wird.
Somit ist die Verstauung der ‘Glaubenssache’ oder ‘Glaubenswissenschaft’
(Wissenschaft, die auf Glauben basiert ist, wenn man sie überhaupt so
nennen darf) in das Schäftchen der Privatsache kein Problem für das
Erhalten der dominanten Welt. Gleichzeitig werden andere
Infragestellungen, wie z.B. die Lebensweise anderer Völker, wie z.B. die
‘Naturvölker’ in die peripherische Wissenschaft der Ethnologie gestellt und
unter dem Deckmantel des ‘Relativismus’ o. ‘Perspektivismus’ außer Kraft
gesetzt. Demnach gelte für jede soziale Realität ihre eigene Normen. Auch
der Begriff des Fremden zählt m.E. zu dieser Tradition.
Demnach kann (und darf) es keine Wahrheit geben. Sobald es eine
Der Mensch Verdoppelung-Pluralisierung der Wahrheit gibt, gilt diese nicht
mehr als solche, sondern als ‘abgesonderte Realität’
Ähnlich wie das Wissenssystem, wird auch die Gattung ‘Homo
sapiens’ (m.H.) (= moderner Mensch) [nach Wikipedia] als eine
bestimmte Hervorhebung verstanden. Dementsprechend werden
DIE NATUR
andere Wesen, wie Tiere, Pflanzen, Mineralien etc. dem Menschen Definitionen:
untergestellt, weil sie die Charakteristik ‘sapiens’ nicht teilen. - Pers. Def.: idealerw. Das, was schon da ist, ohne mensch. Abh. 6
Dadurch wird unsere modern-techn. Lebenswelt überhaupt als Environmental Issues: auch mit Land: nicht bewirtet; Merriam
möglich gedacht, und nicht als absurd. Der Mensch hat sich Webster’s Collegiate Dictionary, 10th ed.: (1993) growing without
dementsprechend von der restlichen Lebenswelt (o. von anderen human care; not cultivated; existing in or produced by nature; not
artificial. Mich interessiert die 2. Def. mehr, da die 1. nicht
Möglichkeiten) entfernt. Es wird heute vorausgesetzt, daß der
überprüfbar ist: 11b «living in or as if in a ‘state of nature’
Mensch ein ‘kulturelles Wesen/Tier’ ist, und es einer was man als untouched by the influences of civilization and society” (m.H.)
‘rein biologischen Lebensart’ definiert, transzendent ist. Der - - as if als Formel der Unwahrscheinlichkeit, es könnte so sein, aber
Mensch wird als einziges ‘natürliches’ Wesen verstanden, die die auch anders und ‘state of nature’ als im Lymb stehendes Objekt
Grenzen der ‘Natur’ überschreitet. Genau aus diesem Grund wurde - 1932: The Universal Dictionary of the English Language schreibt:
der Transhumanismus als mögliche Zukunft des Menschen (1c) in the state, under the condition, produced or provided by
deklariert. Der Transhumanismus bietet das Finale der heute nature without man’s intervention; wild, uncultivated, unconfined,
salienten Denk- und Handlungsweise des Menschen, in dem es der free, undomesticated; land in its natural state.” (es deutet auf ein
Mensch als ‘transzendentes Wesen’ deklariert, dessen Ziel es ist, Sprachlex. hin, daß historisch situiert ist in der Landwirtschaft,
Industrialisierung und Kultivierung). Wenn man ‘natürlich’ o.
das eigene Verständnis als ein natürliches Wesen zu
‘Natur’ als ‘frei’, ‘unabhängig’ udw. definiert, definiert man sein
transzendieren. Demnach will der heutige Mensch sich nicht mehr Gegenteil (die Zivilisation) negativ mit.
als reines ‘Tier’ o. Naturwesen verstehen, sondern als - Im Journal of ‘Environmental Issues wird dazu noch gesagt, daß
abgesonderte Spezies (o. theol. ausgedrückt als auserwähltes der Mensch sich zwar nicht von der Natur trennt, er jedoch
Wesen). 5 trotzdem anders betrachtet werden darf, und es wahr. sogar muss:
das Journal sagt im Spez. «Other species have material-
technological cultures, but they are not advanced” (m.H.) (582).
Das Problem der westlichen Ethnologie An anderer Stelle nennt er diese Kulturen primitive. So wie
tierische «Kulturen» als primitiv dargestellt wurden, werden einige
Das Wissenssystem (Systemat. des Wissens) wird so Arten von Spezies immer noch heute als ‘primitiv’ in deren
klassifiziert, dass uns fremde Wissensarten nicht stören. Der Kultur(en) verstanden: Naturvölker.
metaphil./-epistem. Deckmantel des
‘Relativismus’/’Perspektivismus’ unterminiert die Infragestellung
6
(wenn auch unbewusst) beider Realitäten (Realitätsbildungen). Wie der Journal verstehen lässt, kann ‘Natur’ nur spekulativ als
eigene, autonome Größe verstanden werden, da es heute schwer wird, die
5
Die Frage nach dem Was/Wer das/der denn die Auserwählung macht, Grenzen zu ziehen. (s. Intro) McKibben sagt z.B., kein Ort auf der Erde sei
wird hier nicht weiter ausgeführt. frei vom humanen Emissionen (1990).
- Eine andere Trennung setzt er bei dem «coevolved with the
environment» fest: es ist ihm also anscheinend bekannt, daß
unsere Spezies (Homo) sich nicht mit dem ‘environment’
fortentwickelt hat. Hier wird spätestens klar, daß der Mensch bei
kulturellen Affären eine Trennung /Spaltung hervorgehoben hat. Es
wird demnach verstanden, daß Menschen sich mittels Kultur und
Technik/Technologie von dem Rest der «Natur» als autonome(s)
Grösse/System zumindest distanziert hat. Inwieweit diese ‘Distanz’
gemessen werden kann, ist unklar.
7
- Environmental change: als ec soll nicht nur menschlicher ‘change’, sondern auch als langer, ök. change gelten, der über Äonen hinweg, durch
planetare Prozesse (ice age, Eruption, etc.) genötigt wurde. Dieser Wechsel gilt jedoch als ‘normal’, ‘nat.’, da er nicht von uns kommt. Auch von
Tieren u. anderen Spezies hervorgerufene ‘Prozesse’ werden oft als natürlich beschr. Der «Anthropocene» wird jedoch als relativ neuartiger Wechsel
auf planetarer Skala beschrieben, sodass sich manche Geologen eine neue Ära ausgedacht haben, die uns charakteristisch ist. Wären wir primitiv
geblieben, so das Journal, hätten wir nicht diesen Ausmaß an ‘Schaden’ angerichtet. Bsp. solcher Veränderungen
o A= das Töten von mehreren Tieren an einer spez. Stelle, die für die Regulierung des ‘nat.’ Ökosystems mitzuständig sind
o B= das Verdrecken, ‘Verunreinigen’ (pollution) von Atmosphäre, nat. Quellen wie Wasser u. Land durch Industrie
o Das Abholzen u. Brennen von nat. Wäldern für landwirtschaftliche Zwecke
o Das Durchbohren von ‘Land’ für die extraktive und Kommunikationsindustrie
Spezifisch für umweltl. Schäden (dabei ist zu denken, daß US nicht unbedingt wahrgenommen werden als solche, sondern im
Zusammenhang mit der Produktion /Lebensstil der Mehrheit) werden die Terms: environmental/soil/land degradation festgelegt: dabei
ist degradation nicht wertfrei (es kann als eine Abstufung von einem zum anderen Wert gelten; aber nach dem zit. dictionary auch als
«damage by weakening or loss of some property, quality, or capability». In der Landwirtschaft hängen letztere zusammen: wenn der
soil seine nat. Charakteristiken verliert, kann er weniger gut benutzt werden (so nennt auch der Autor vom letzteren Journal
«degradation» ein relativer Terminus «whose meaning reflects our perceptions, view points, timeframes, and value attachments.”
(ebd.) Den Planeten und unsere lebende Kultur darauf als Eins zu sehen gilt auch in den life sciences. Sogenannte life sciences
(Geographie, Geologie, Biologie etc.) sehen im aktuellen Status der Dinge eine Degradierung des Environment aus humanistischer
Sicht, was mit landwirtsch. und konsum. Tendenzen zu tun haben soll. Jedoch würde eine ‘einheitlichere’ Sichtweise inkludieren daß
Menschen gar nicht fähig sind, die Erde zu ‘zerstören’. Obwohl changes vorhanden sind, reflektieren diese vlt. mehr lebensweltl.
changes. Die Mehrheit der Menschen (nicht nur in der sogenannten ‘westlichen Welt’) sind nicht dazu bereit, o. haben das Bewusstsein
nicht, um Werte irgendwo anders, als bei den orig. westlich-geprägten Idealen des Fortschritts zu suchen. Obwohl Versuche gestiftet
werden, eine ökologischere Welt zu präs., sitzt der ‘Fortschritt’ immer noch in den Idealen. Es gibt Veränderungen in der chemischen
Komposition, die für manche Spezies ‘gefährlich’ sind, nicht aber für den Planeten. Deshalb sollten Termen von der environmental
science nicht verabsolutiert werden. «Human requirements and preferences of environment include those conducive to food
production (hunting and gathering, fishing, farming), materials acquisitions and/or productions, esthetic resources, wildlife
management options, human health and well being, and so on”. Environmental conditions are thus relative to the lifeforms, giving
thus an argument for a cooperative living between environment and ‘object’. The removal of one object/or a species from its “natural”
environment should thus represent an endanger. But the environmental change in se is not inherently bad.
Kultur und Geist: Teil II
K. 6: Auf der Schwelle zur ganzheitlichen Kultur
-Essay über Kultur (C. Reich: Historiker, kulturelle Evolution; Werdegang der technologischen Gesellschaft)
In seinem Buch The Greening of America schildert der Autor wie die einmalig geflüchteten Engländer (Urbewohner der U.S.A) aus dem Versuch, eine eigene Kolonie zu
gründen, die von den Einschränkungen von eur. Kultur wegwollte. Jedoch, wie der Autor S. B. entscheidend mitteilt, haben sie beim Versuch neue Einschränkungen eingebüsst:
z.B. haben sie die eigene Kultur durch Kodex definiert, um Dinge zu verhindern, und die Nativamerik. eingeschränkt. So mundet der Liberalismus aus einem Wunsch, der
Autorität als solchen zu entgehen (königlich). Jedoch wurde diese von der nächsten Form der bürg. Kultur ersetzt. Die bürg. Kultur scheint tendenziell einfacher, egalitär,
“demokratisch” eingestellt zu sein, freier zu sein. So beschr. der Autor Amerika selbst: “Man arbeitete für sich selbst, nicht für die Gesellschaft” (was tendenziell zu einer
Verlassung des Kollektivismus zu führen scheint). Es trügt m.E. aber, wenn man Individualismus mit Befreiung gleichsetzt. Ein auf individualistischen Mustern basiertes System
mündet in ‘Gesellschaft’. Die Gründe für den Erfolg einzelner Individuen sind nicht mehr an patriarchale u. bürgerlichen Strukturen eingebettet. Die Richtung des ‘self made man’
war jedoch schon gezogen: Karriere. Und Karriere konnte durch Bildung u.a. hergestellt werden. Man hält sich dementsprechend in einer Profession7 fest, und die besten darin
würden zu reichen Männern. Den Amerikanern blieb die Wahl offen, sich ein neues Reich der Freiheit zu kreieren, die “Fehler” der Engländer wiedergutzumachen
(Revolutionäre). Die unangegriffene Natur hätte als Alliierte gelten können. Jedoch waren die Zeiten noch nicht reif: die Natur wurde als “Feind” angesehen, so Reich (nach dem
A.), und als Allieerte. 1790 arbeiteten neun von zehn Amerikanern in der Landwirtschaft. 30 J. später, um 1820, erreichte die Bevölkerung beinahe die 10 Mio. (80% mit
Ackerbau) —> die Verringerung der Bev. liegt am Bewusstsein der industriellen Revolution, welches sich in der Neuen Welt ausbreitet. (Bewusstsein II nach Reich). Maschinen
entstanden, die die geschloßene Denkstruktur förderten (Organisation, Systematik). “Der neue Kontinent war von rauhen Individualisten bevölkert, die immer schneller ihren
Individualismus verloren, um die zunehmende Industrialisierung Amerikas zu unterstützen. Da die Landwirtschaft einen Überschuss erzielte, war es ihr möglich, die nicht
landwirtschaftlich orientierte Bevölkerungsschicht zu unterstützen. (m. H.) Bw2 wird von Reich “Ethik der Technokratie” genannt (nach A.) “Nicht das Gesetz, sondern die
Industrie war die moralische Stütze in der Neuen Welt. Der Profit siegte über das Recht. Der Autor sagt weiter, Bewusstseinsveränderung geschehe auf individueller, nicht auf
kollektiver Ebene. “Indem man die tragende Funktion den Führern zuschreibt, erscheinen die Historiker dem Begriff des Charisma ausgeliefert. Die Anhänger wollen nachfolgen
… aber ihr Fortschritt wird selten dokumentiert.” (98) Um sich der innerlichen Ethik zu verpflichten, sagt der Autor, müsse man sich zuerst vom sogenannten SYSTEM befreien
(dem geschl. Denken u. dessen Autoritätssystem, das blindlings vorgeht und die Individuen verpflichtet mitzumachen, ohne daß diese es bewusst ausgewählt hätten).
“Für den Bürger der technokratischen Ethik bedeutete das Denken im Sinne des geschlossenen Systems ein unumschränktes und williges Opfern seiner selbst an die
äusseren Regeln der Ausbeutung und des ununterbrochenen Konsums.
Wenn man der SP zuhört, scheint es kein Einzelwesen zu geben. Der Fokus der SW gilt auf die Familie, die Kollektive…”Solche Sozialwissenschaftler betrachten das
Individuum als in eine Familie hineingeboren, diese Wiederum als Kulturelement, und die Kultur als Ergebnis eines Kollektivs, das mit einem geschlossenen Denksystem
übereinstimmt” (89) Das Individuum wird genötigt, sich den Werten, Normen, der Moral, der Haltungen, dem Glauben anzupassen. Die Anthropologen untersuchen aus diesem
Grunde zuerst das geschlossene Denksystem (Volksverhalten, Sitten, Gesetze..). Man erwartet von den Individuen einzelner Kulturen, daß sie sich fügen und sie werden
dementsprechend belohnt o. kollektiv - durch Gesetzgebung und -wirkung - bestraft. Negativ gesehen könnte man Denken, Kinder würden aus Geburt aus zu Konformisten
(selbst die sogenannte ‘Demokratie’ und der ‘Liberalismus’ ist nicht wertneutral wie er scheint: im Fall der Demokratie könnte man dieletzte auch als einen Versuch sehen das
Individuum an die Maße zu konformieren [es ist nämlich immer die Mehrheit, die entscheidet; und die Mehrheit innerhalb einer scheinbar freien Welt ist eigentlich eine soziale
Mehrheit; d.h. sie ist in sämtliche geschloßene Systeme der Kultur schon eingefügt], im Fall des Liberalismus ist es die Politik (als System) und das Kapital, welche dirigieren **).
Dabei spricht Samples in negativer Sicht über Kultur als eine einschränkende Kraft/System, das das Kollektiv als solches ausdenkt. Bsp. der Kultur nennt er: Identität, Land u.
Nation. Weil der Mensch für ihn als ‘ganzheitl.’ Wesen gilt, sollten Landesgrenzen nicht existieren. Landesgrenzen, sowie Kultur und Aufenthaltsbedingungen sind Trenner. Sie
trennen die Menschheit, und lassen diese als abgespaltet vorkommen: somit konnte auch die These der Nationen als Konfliktträger (Realismus) in der International Relations und
die Konflikte um Religionen entstanden sein (sh. dazu S. Huntingtons Clash of Civilization). Samples geht intuitiv u. indirekt der Möglichkeit nach, nach der es ohne Identität auch
keine reason um Konflikte geben würde. Es scheint für manche SA eine utopische Weltsicht zu sein, die von Transhumanisten und NA-Theoristen unterstützt wird, als
unrealistisch eingestuft. Meiner Meinung nach ist der Irrealismus nicht die prägnanteste Eigenschaft einer solchen Sichtweise, sondern die emergent culture. Was Samples als
7
Profession wird als “A profession relies on specialized knowledge and skills that require a long period of study;” gekennzeichnet
(Franssen et al.). Ausserdem wird davon ausgegangen daß eine Prof. im soz. Sinn der Gesellschaft dienlich sein soll. Aus dieser Sichtweise
(add.) kommt auch eine normative Ethik heraus (dabei soll ‘Ethik’ als solche nicht als einen einh. Block verstehen werden). Das Problem in
unserem Sinn ist, daß eine gesellschaftliche Ethik – wenn sie sich von der Natur* (im Sinn der Kultur, der Denkweise) sehr getrennt hat –
nicht unbedingt eine globale Ethik ist.
Wenn ich sage, der Mensch habe sich von Natur entfernt, und ich Natur benutze (italics), meine ich damit nicht, daß der Mensch
artifiziell ist, sondern seine Lebensart sich von dessen, was man als ‘ein Leben nah der Natur als physische Entität’ entfernt hat, und
zudem das Prinzip der natürlichen Autonomie durchkreuzt, in dem er dagegen handelt.
9
‘ganzheitlich’ bestimmt sollte demnach besser unter die Lupe genommen werden, um zu verstehen ob dieletzte Theorie hilfreich für die Thesenbildung einer Ganzheit des
Kosmos gelten darf (nicht nur auf physisch-molekular Ebene (Wiss.)). Die heutige Gesellschaft versteht sich als selbstständig: auch wenn efforts in Richtung greening von
Amerika geschehen, können diese nicht als radikal anders eingesehen werden (so m.E.), da sich die Gesellschaft trotzdem technologisiert. Die Technologisierung kann gar nicht
(m.E.) als Teil einer ganzh. Kultur gelten [Def. von Technologie, Phil] und selbst ökologische Merkmale der Pol. u der Gesell. als Ganzes gehen der Tendenz gegen die Ganzheitl.
nicht entgegen. Der Mensch versteht sich nicht als Mitmacher, sondern Hauptakteur seiner eigenen geschl. Realität. Ein Einbezug einer größeren Größe ist notwendig, um diese
Einbeziehung der Menschen überhaupt zu bemerken. Die Einbeziehung des Kosmos geschieht heute nur auf physischer Ebene. Es wird kein Versuch gestaltet, eine Brücke der
echten Kommunikation zwischen uns und dem Anderen (sei es Gott, sei es der Kosmos o. die Natur als [radikal andere] Grössen) herzustellen. Was aus Religion bleibt, wird hier
meistens in Schriften geladen und als antik betrachtet. Die Moderne hat sich demnach von Gott trennen dürfen, weil Gott in der schriftl. Revelation stecken geblieben ist, in
einem alt- und neutest. Schreiben, das nichts mehr mit unserer Natur zu tun hat. Somit treibt die Säkularisierung voran. Durch moderne Wissenschaft (v.A. die Physik) wird die
‘Natur’, der ‘Kosmos’ in wiss. Zügen beschr.: diese Beschr. ist unser Lebenswelt dennoch fremd, und kann nicht als Basis einer menschlichen Komm. gelten. Somit wird es für die
heutige Menschheit nur möglich, in der Blase der ‘Menschlichkeit’ (als Gesellschaft) zu bleiben.
*diese Erzählung scheint eig. auf gewisse Weise negativ eingestellt zu sein, da man Etwas voraussetzt. Sie kann jedoch trotzdem als anfänglicher Standpunkt benutzt
werden, um das Problem von Samples zu erklären.
** dabei wird hier keine Kritik im Sinne einer (utopischen) Vorstellung eines soz. Regimes vorgeschlagen: mein Essay und das von Samples sind apolitisch. Auch der
Sozialismus ist ein geschlossenes System. Anarchie wäre weiters zu analysieren, aber sie scheint das am wenigsten konforme System zu sein, welches mir in den Sinn kommt,
weil es keine Konformität des Individuums bestrebt. Es gibt keinen Staat, und deshalb auch keine universelle Regeln. Auch Systeme - falls man sie überhaupt so definieren kann
- wie der Taoismus, die aus China stammen, in denen die Individuen möglichst in Akkord mit der Natur zu leben scheinen, und die ‘moral virtues’ auf natürliche Weise besitzen,
ohne daß es ihnen von aussen aufgedrückt wird, können in Betracht genommen werden.
Bibliographie
Franssen, Maarten, Gert-Jan Lokhorst, and Ibo van de Poel, "Philosophy of Technology", The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Spring
2023 Edition), Edward N. Zalta & Uri Nodelman(eds.), URL = <[Link]
Annex:
Das Problem der westlichen Ethnologie
Das Wissenssystem (Systemat. des Wissens) wird so klassifiziert, dass uns fremde Wissensarten nicht stören. Der metaphil./-epistem.
Deckmantel des ‘Relativismus’/’Perspektivismus’ unterminiert die Infragestellung (wenn auch unbewusst) beider Realitäten
(Realitätsbildungen). Demnach kann (und darf) es keine Wahrheit geben. Sobald es eine Verdoppelung-Pluralisierung der Wahrheit gibt, gilt
diese nicht mehr als solche, sondern als ‘abgesonderte Realität’
10
Das W steht für den Westen, das N für alles das, was nicht Westen ist. Die äußere, peripherische 'Realität' ist uns eigentlich egal.
Sie wird im Rahmen der Ethnologie beschrieben.
11