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VDA 235-203 2005-08 de

Das VDA-Prüfblatt beschreibt Verfahren zur Untersuchung des Verschraubungsverhaltens und der Reibungszahlen von mechanischen Verbindungselementen, insbesondere bei neuen Oberflächenbeschichtungen und Schraubprozessstörungen. Es betont die Notwendigkeit praxisgerechter Prüfbedingungen und die Berücksichtigung von Temperatur- und Oberflächenfaktoren, um realistische Ergebnisse zu erzielen. Die Prüfmethoden umfassen sowohl Raumtemperatur- als auch Hochtemperaturversuche, um das Verhalten unter verschiedenen Bedingungen zu bewerten.

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Das VDA-Prüfblatt beschreibt Verfahren zur Untersuchung des Verschraubungsverhaltens und der Reibungszahlen von mechanischen Verbindungselementen, insbesondere bei neuen Oberflächenbeschichtungen und Schraubprozessstörungen. Es betont die Notwendigkeit praxisgerechter Prüfbedingungen und die Berücksichtigung von Temperatur- und Oberflächenfaktoren, um realistische Ergebnisse zu erzielen. Die Prüfmethoden umfassen sowohl Raumtemperatur- als auch Hochtemperaturversuche, um das Verhalten unter verschiedenen Bedingungen zu bewerten.

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VDA - Prüfblatt August 2005

Verschraubungsverhalten / Reibungszahlen VDA


Praxis- und montageorientierte Prüfung 235-203

1 Anwendungsbereich und Zweck


Die in diesem Prüfblatt beschriebene Vorgehensweise gilt sowohl für die Freigabe
neuer Oberflächenbeschichtungen als auch für die Untersuchung durch Oberflä-
chenmängel verursachter Schraubprozessstörungen. Sie ist nicht für die Serienprü-
fung von Oberflächenbeschichtungen vorgesehen.
DIN EN ISO 16047 legt standardisierte Bedingungen zur Durchführung von Drehmo-
ment/Vorspannkraft-Versuchen für mechanische Verbindungselemente fest, deren Ergeb-
nisse oftmals für den Produktionseinsatz nicht übertragbar sind. So werden Schrauben
bzw. Muttern in der Praxis meist mehrstufig mit schnellem Voranzug verschraubt, um die
Montagezeit zu verkürzen. Der Endanzug erfolgt im Allgemeinen mit 20 min-1, dabei aber
häufiger streckgrenzenüberschreitend. Mit größeren Drehwinkeln werden zusätzliche rei-
bungsbeeinflussende Faktoren wirksam.
Die reibungsbeeinflussenden Reibpartner der Schrauben und Muttern können sehr unter-
schiedliche Oberflächenbeschaffenheiten aufweisen. Besondere Anforderungen stellen da-
bei sehr glatte, geschlossene Oberflächen oder aufgrund der Bearbeitungs- und Werkstoff-
struktur rauhe Oberflächen. Daneben können sich beim Verschrauben auf lackierten Teilen
- z.B. bei KTL- Beschichtungen durch die beim schnellen Einschrauben unvermeidbaren
thermischen Belastungen - Oberflächenbeschädigungen einstellen, die extreme Reibungs-
bedingungen zur Folge haben und oft “stick/slip“- Effekte auslösen. Auch das Einschrauben
in tiefe Gewindebohrungen oder Gewindebuchsen mit Einschraubtiefen bis zu 3xd stellt bei
relativ weichen Werkstoffen wie unvergütetem Stahl, Gusseisen, Aluminium oder Magnesi-
um besondere Anforderungen an die Beschichtungssysteme.
In einigen Fällen, z.B. bei Radschrauben, erfolgt der Anzug mehrfach mit den Schraubstu-
fen Anziehen, Lösen, Endanziehen. Auch für den Nacharbeitsfall müssen Mehrfachver-
schraubungen berücksichtigt werden. Dabei stellen sich unter solchen Serienbedingungen,
im Gegensatz zu den standardisierten Laborprüfungen, im Allgemeinen höhere Reibungs-
zahlen und teilweise erheblich größere Reibungszahlstreuungen ein.
Weiterhin ist es zur Beurteilung von Beschichtungssystemen an Gewindeelementen not-
wendig, das Losdrehverhalten nicht nur bei Raumtemperatur, sondern auch bei höheren
Temperaturen, z.B. bis 150 °C, zu untersuchen. Mit speziellen Messaufbauten lassen sich
Reibungszahlen auch in diesem Temperaturbereich ermitteln. Besonders organische und/
oder stark PTFE- haltige Beschichtungen weisen bei höheren Temperaturen z.T. sehr ge-
ringe Reibungszahlen auf.
Dieses Prüfblatt beschreibt ergänzend oder abweichend zu DIN EN ISO 16047 Ver-
suchsaufbauten und Versuchsabläufe zur Ermittlung der Reibungszahlen, die sich bei der
Schraubmontage in der Praxis einstellen oder auch unter Betriebsbedingungen bis zu
Temperaturen von 150 °C auftreten können.

2 Allgemeine Festlegungen
Soweit in diesem Prüfblatt keine Angaben gemacht werden, gelten die Festlegungen von
DIN EN ISO 16047. Die Auswertung der Versuchsergebnisse und die Bestimmung der To-
leranzgrenzen ermittelter Reibungszahlen sind gemäß DIN EN ISO 16047 bzw. VDA 235-
101 vorzunehmen.
Fortsetzung Seite 2 bis Seite 6

VERBAND DER AUTOMOBILINDUSTRIE E. V. (VDA) • Westendstraße 61 • 60325 Frankfurt


Vertrieb: DOKUMENTATION KRAFTFAHRWESEN E.V. (DKF) • Ulrichstraße 14 • D-74321 Bietigheim-Bissingen
Seite 2 VDA 235 – 203 (August 2005)

2.1 Prüfaufbau, Prüfeinrichtungen


Die für die jeweilige Schraubverbindung relevanten Bedingungen sind möglichst praxisgerecht
nachzustellen. Dazu gehören die Gewindeelemente, Kopfauflageflächen, Schraubfallhärte,
Klemmlängen und Einschraubtiefen. Es ist sicherzustellen, dass der Anzug der Schraubver-
bindung unter Serienbedingungen (z.B. zweistufiger Vor- und Endanzug, überelastisch, mit
Wiederholverschraubung, ...) auf einem Schraubenprüfstand mittels einer dem Stand der
Technik entsprechenden Schraubspindel durchzuführen ist. Dieser muss in der Lage sein, ho-
he Einschraubdrehzahlen (> 200 min-1) und einen unterbrochenen Anzug (Voranzug - Still-
stand - Endanzug) zu realisieren, weil unter diesen Bedingungen bestimmte Kopfauflage-
Geometrien und Oberflächenpaarungen Verschraubungsprobleme verursachen können, die
bei niedrigen Prüfdrehzahlen und/oder einstufigem Anzug nicht erkannt werden.

2.2 Teilevorbereitung
Schrauben und Muttern, Gewindeabschnitte und Gegenlagen sind möglichst aus Serienteilen
zu entnehmen oder seriennah auszuführen, z. B. Mutterngewinde mit den tatsächlichen Ein-
schraubtiefen und Gewindetoleranzen. Das ist besonders wichtig bei unvergütetem Stahl, Al-
Werkstoffen oder speziellen Oberflächen (z.B. gefräst, gedreht, geschliffen oder geformt).
Für jede Prüfung sind neue Teile (Schraube, Mutter, Kopfauflagefläche) zu verwenden. Dies
gilt jedoch nicht für Wiederholverschraubungen. Bei der Beurteilung neuer Oberflächenbe-
schichtungen sind zur Langzeitlagerung gefettete Referenzteile vor der Verschraubung in ge-
eigneter Weise zu entfetten.

2.3 Prüfablauf
2.3.1 Ermittlung von Reibungszahlen / Verschraubungsverhalten bei RT
• Aufschraubdrehwinkel ≥ 360° zwischen Schraubenkopf und Gegenlage sicherstellen (not-
wendig, damit die Schraubspindel auf die vorgegebene Drehzahl beschleunigen kann)
• Voranzug der Schraubverbindung bei Raumtemperatur mit einer stationären Schraubspin-
del mit 200 min-1 bis zu einem Fügemoment von ca. 30 % des Endanziehdrehmomentes
• kurzer Stillstand der Schraubspindel; dabei stellt sich durch die Übergänge Gleit-/Haft-
/Gleitreibung bei unzureichender Schmierstoffbeschichtung eine Neigung zu stick/slip-
Effekten und höheren Reibungszahlen ein
• Endanzug der Schraubverbindung bei Raumtemperatur mit einer stationären Schraubspin-
del mit 20 min-1 bis zum Erreichen des Endanziehdrehmomentes
• Zur Beurteilung des Verschraubungsverhaltens im Mehrfachanzug sollten 3 bis 4 Wieder-
holverschraubungen durchgeführt werden
Neben den Reibungszahlen ist der Drehmoment / Vorspannkraft (bzw. Zeit) Verlauf mit zu be-
urteilen (Beispiel i.O. - bzw. n.i.O. - Verlauf siehe Bild 1 und 2).
MA [Nm

schneller Voranzug
n = 200 min.-1 langsamer Endanzug
n = 20 min.-1

kurzer Stillstand
der Schraubspindel

Zeit t [s]

Bild 1: Drehmoment-Zeit-Verlauf mit Vor- und Endanzug (i.O.- Verschraubung)


VDA 235 – 203 (August 2005) Seite 3

schneller Voranzug
n = 200 min.-1
MA [Nm]

kurzer Stillstand
der Schraubspindel
langsamer Endanzug
n = 20 min.-1

Zeit t [s]

Bild 2: Drehmoment-Zeit-Verlauf mit Vor- und Endanzug (n.i.O.- Verschraubung, stick/slip)


Besonders problematisch bezüglich ungünstiger Unterkopf-Reibung sind Flanschschrauben
mit konkaver Kopfauflagegeometrie (Außenträger). Beim Schraubenanzug kommt hier erst
der Außenbereich der Unterkopfauflagefläche linienförmig zur Anlage. Dies verstärkt in Ver-
bindung mit der in diesem Bereich höheren Umfangsgeschwindigkeit thermisch bedingte
Reibstörungen mit erheblich höheren Reibungszahlen, die bei µ > 0,20 zu stick/slip- Effekten
führen können. Zur Freigabe neuer Beschichtungssysteme oder Schmierstoffe sollten des-
halb die funktionellen Eigenschaften vorzugsweise mit konkaven Flanschschrauben geprüft
werden.
Bezüglich der Gewindereibung können vor allem große Einschraubtiefen in Gewindeele-
menten aus Leichtmetalllegierungen oder Gusseisen mit Kugelgraphit zu problematischem
Verschraubungsverhalten führen.
Anlagenspezifische Einflüsse sollten so praxisnah wie möglich berücksichtigt werden. Dies
betrifft vorwiegend dazwischen geschaltete Verlängerungen zwischen Schraubspindel und
Werkzeugnuss (Torsionsfederrate).

2.3.2 Ermittlung von Lösemomenten bei erhöhten Temperaturen


Mit Hilfe der nachfolgend beschriebenen Vorgehensweise ist es möglich, näherungsweise
Reibungszahlen bei erhöhten Temperaturen (z.B. bei 150°C) zu ermitteln. Hierfür werden die
Lösemomente bei erhöhter Temperatur ermittelt. Mit Hilfe der bekannten Beziehung zwi-
schen Drehmoment, Vorspannkraft, Reibungszahl und den geometrischen Parametern der
Schraube sowie der bei Raumtemperatur ermittelten Reibungszahl kann die Reibungszahl
bei erhöhter Temperatur abgeschätzt werden.
Für den Versuch ist ein Prüfblock (Beispiel siehe Bild 3) erforderlich, der das Verschrauben
der zu untersuchenden Prüfschrauben und Prüfmuttern gestattet. Es ist sicherzustellen, dass
die Prüfmutter beim Anziehen und Lösen der Schraubverbindung spielfrei gegen Mitdrehen
gesichert ist.
Der zu verwendende Prüfblock ist aus einem Werkstoff C45 bzw. einem gleich- oder höher-
wertigen Werkstoff zu fertigen und auf min. 800 MPa zu vergüten. Die Auflageflächen für
Schraubenkopf- und Mutternauflage müssen planparallel sein. Auf eine zentrische Ver-
schraubung ist zu achten. Der Schraubenschaft darf nicht in der Durchgangsbohrung reiben.
Für jede Prüfung sind neue Teile (Schraube, Mutter) zu verwenden. Die Kopfauflagefläche des
Prüfblocks ist längs geschliffen (Ra = 0,8 bis 1,6 µm) auszuführen. Beim Einsatz von Kombi-
schrauben ist das Mitdrehen der Scheibe (z.B. durch sandgestrahlte Oberfläche des Prüf-
blocks) zu verhindern. Mutter- und Kopfauflagefläche des Prüfblocks sind vor der Verschrau-
bung mit Waschbenzin, vorzugsweise in einem Ultraschallbad, gründlich zu reinigen. Das An-
ziehdrehmoment ist so auszulegen, dass ca. 70% von Rp02 (0,2% -Dehngrenze) der Schraube
bei einer angenommenen Untergrenze der Gesamtreibungszahlen von µges = 0,08 nicht über-
schritten werden.
Seite 4 VDA 235 – 203 (August 2005)

Bild 3: Prüfblock (Beispiel: Prüfschraube mit Schweißmutter) und Skizze (die Abmessungen
des Prüfblocks sind der Schraubenabmessung geeignet anzupassen, Durchgangs-
bohrung nach DIN EN 20273, Reihe mittel)
Prüfablauf:
• Anzug der Schraubverbindung bei Raumtemperatur mit einer stationären Schraubspindel
(Drehzahl = 20 min-1)
• Markierung der Schraubenkopfposition nach der Verschraubung
• Temperaturauslagerung der Schraubverbindung bei Prüftemperatur in einem vorgeheiz-
ten Ofen bei geeigneter Haltezeit zur vollständigen Durchwärmung (z.B. 2 Stunden)
• nach Entnahme der Schraubverbindung aus dem Ofen schnellstmöglich Überprüfung mit
Hilfe der Markierung der Schraubenkopfposition, ob sich ein selbsttätiges Lösen der
Schraube eingestellt hat
• danach schnellstmöglich Lösen der Schraubverbindung mit einer Schraubspindel (Dreh-
zahl = 5 min-1), dabei Aufzeichnung/Messung von Losbrechdrehmomentspitze und Los-
drehmoment. Ein zu schneller Temperaturabfall kann z.B. mit aufgeheizten oder isolierten
Spannbacken zum Festspannen des Prüfblocks vermieden werden.
Empfehlenswert ist es, den Schraubenanzug und das Lösen mit einem vorgeschalteten
Drehmoment-Drehwinkel-Aufnehmer und Meßwerterfassungssystem aufzuzeichnen, um dar-
aus die Losbrechdrehmomentspitze und den Übergang in die Gleitreibung über dem Drehwin-
kel zu ermitteln. Für das Warmlöseverhalten wird nicht die Losbrechspitze MLH (Haftreibung),
sondern der Übergang in die Gleitreibung MLG (Gleitreibung) bewertet (siehe Bild 4).
Losdrehm om ent [N m

-5

-10

-15

-20

-25
M LG (G leitreibung)
o
-30

o M LH (H aftreibung)
-35
0 15 30 45 60 75 90
D rehw inkel [G rad]

Bild 4: Drehmoment-Drehwinkel-Diagramm eines Lösevorganges mit Auswertung


VDA 235 – 203 (August 2005) Seite 5

3 Anmerkungen und Hinweise

3.1 Versuchsparameter "Gegenlage"


Verschiedene Gegenlagen unter dem Schraubenkopf können zu Verschraubungsproblemen
führen. Ursache hierfür können sowohl sehr glatte, harte oder raue Oberflächen sein. Prob-
leme treten häufig mit lackierten Gegenlagen (z.B. KTL- Beschichtung), meist in Verbindung
mit hohen Einschraubdrehzahlen, auf.
Zur Untersuchung dieser Problematik ist die exakte Übertragung der Praxisbedingungen in
den Verschraubungsversuch unerlässlich (siehe auch Abschnitt 2.1).

3.2 Versuchsparameter "Mutterngewinde"


Verschraubungsprobleme werden häufig durch besonders lange oder raue Mutterngewinde
hervorgerufen. Bei der Untersuchung dieser Phänomene ist der Einsatz entsprechender
Original- Gewinde am Prüfstand notwendig (siehe auch Abschnitt 2.1).

3.3 Versuchsparameter "Temperatur"


Bei Prüfungen zur Freigabe neuer Oberflächenbeschichtungen sowie bei neuen Lieferanten
oder Anlagentechniken sollten bevorzugt Prüfungen mit den höchsten Anforderungen an die
Systemeigenschaften durchgeführt werden. Bei thermisch beanspruchten Schraubverbindun-
gen ist u. a. die Beaufschlagungstemperatur maßgebend. Dabei ist zu unterscheiden zwi-
schen:
• Standardanwendungen, Prüftemperatur 90 °C. Temperatur wird bestimmt durch Beauf-
schlagung in Nacharbeitsöfen (Sonderlack)
• Erhöhte Anforderung, Prüftemperatur 150 °C (z.B. Anwendungen im Aggregateumfeld).
Eine weitere Anforderung an das Löseverhalten ergibt sich durch die Schraubengeometrie.
Erhöhte Ansprüche bestehen bei Kombischrauben, da durch doppelte Schichtdicken zwischen
Schraubenkopf und Scheibe bei sensiblen Oberflächen die thermische Reaktion auf die Un-
terkopfreibung besonders deutlich ausfällt. Bedingt durch den relativ hohen Gewindestei-
gungswinkel ist die Abmessung M6 besonders kritisch. Für die Eigenschaftsprüfungen eignen
sich daher vorzugsweise M6-Kombischrauben.
Konvexe Kopfauflagegeometrien (Innenträger) sind bzgl. Warmlöseverhalten kritischer als
konkave (Außenträger) einzustufen.
Sofern diese Prüfung ausschließlich der Ermittlung des Temperaturverhaltens eines Be-
schichtungssystems dient, können standardisierte Gegenlagen und Muttern verwendet wer-
den.
Angaben zur Messtechnik (Aufnahme der Lösekurve):
- Drehwinkelsensor mit min. 1° Winkelauflösung (optimal 0,25°)
- Digitalisierungsrate min. 1 kHz (optional 10 kHz)

Die sich theoretisch ergebenden Verhältnisse von Losdrehmoment / Anziehdrehmoment


(ML/MA) werden für die jeweils betrachtete Schraubengeometrie nach folgender Formel be-
rechnet:
  D 
FVL ⋅ − 0,157 ⋅ P + µ ges. L ⋅  0,577 ⋅ d 2 + Km 
ML   2 
=
MA   D 
FVA ⋅ 0,157 ⋅ P + µ ges. A ⋅  0,577 ⋅ d 2 + Km 
  2 
Seite 6 VDA 235 – 203 (August 2005)

Tabelle 1 zeigt beispielhaft entsprechende Werte. Die angegebenen Werte gelten unter fol-
genden Annahmen:
- µges. A = µges. RT = 0,11
- FVL / FVA = 95% (Annahme: 5% Vorspannkraftverlust durch Setzen und Relaxation)
- DKm = (di + da)/2 = 1,5 x d (d Gewindenenndurchmesser).
Als kritische Reibungszahl hinsichtlich selbsttätigem Lösen (Aufheben der Selbsthemmungs-
grenze) gilt allgemein µges. krit. = 0,06. Aus den in Tabelle 1 beispielhaft dargestellten Werten
kann ohne exakte Berechnung daher näherungsweise ein Verhältnis von (ML/MA) > 0,4 als un-
kritisch angenommen werden.

ML/MA ML/MA
Gewinde-∅ P [mm] d2 [mm] DKm [mm] ϕ [°] (µges. L=0,08) (µges. L=0,06)
M6 1,00 5,350 9,0 3,41 0,43 0,29
M8 1,25 7,188 12,0 3,17 0,45 0,30
M10 x 1 1,00 9,350 15,0 1,95 0,53 0,37
M10 1,50 9,026 15,0 3,03 0,45 0,31
M12 x 1,5 1,50 11,026 18,0 2,48 0,49 0,34
M12 1,75 10,863 18,0 2,94 0,46 0,31
M14 x 1,5 1,50 13,026 21,0 2,10 0,52 0,36
M14 2,00 12,701 21,0 2,87 0,46 0,32
M16 x 1,5 1,50 15,026 24,0 1,82 0,54 0,38
M16 2,00 14,701 24,0 2,48 0,49 0,34
Tabelle 1: Theoretische Verhältnisse ML/MA (Beispiele)
mit µges. A = µges. RT = 0,11 sowie FVL / FVA = 95% und DKm = 1,5 x d

d = Gewindedurchmesser MA = Anziehdrehmoment
d2 = Flankendurchmesser ML = Losdrehmoment
da = Außendurchmesser Kopfauflage P = Gewindesteigung
di = Bohrungsdurchmesser RT = Raumtemperatur
DKm = mittlerer Kopfauflagedurchmesser ϕ = Gewinde-Steigungswinkel
FVA = Montage-Vorspannkraft µges. A = Gesamtreibungszahl Anziehen
FVL = Vorspannkraft zum Zeitpunkt des Lösens µges. L = Gesamtreibungszahl Lösen

3.4 Mehrfachverschraubung
Zur Beurteilung des Verschraubungsverhaltens im Mehrfachanzug kann die Prüfung nach
Abschnitt 2.3.1 unter Verwendung der gleichen Schraube, Mutter und Gegenlage mehrfach
hintereinander durchgeführt werden. Hierbei wird üblicherweise die Konstanz der bei einem
vorgegebenen Anziehdrehmoment erzielten Vorspannkraft beurteilt.

4 Änderungen
Prüfblatt VDA 235-203 wurde neu erstellt.

5 Zitierte Normen
DIN EN ISO 16047 Verbindungselemente - Drehmoment/Vorspannkraft-Versuch
VDA 235-101 Schmieren von mechanischen Verbindungselementen mit Gewinde.

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