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besitzen wir ganz bestimmt nicht mehr. Doch war das Lied, wie es
uns noch vorliegt, zu Anfang des 13. Jahrhunderts vorhanden, denn
Wolfram von Eschenbach zitiert es in seinem Parzival.
„Der Nibelunge Not“ ist ein literarischer Erfolg allerersten Ranges
gewesen. Denn von dem Augenblick an, wo das Gedicht existiert,
schießen Gedichte der gleichen Stoffklasse in gleicher Form wie
Pilze aus dem Boden; bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts
beherrschte die deutsche Heldensage (wie man dieses Stoffgebiet
als Ganzes nennt) einen großen Teil des literarischen Interesses
Süddeutschlands. Im Laufe dieser Zeit tritt allerdings dieser Stoff
allmählich mehr und mehr in die zweite Linie zurück, eine natürliche
Folge der ständigen Schwankungen und Wellen des literarischen
Geschmacks. Andere, weniger urwüchsige Stoffe wurden jetzt
bevorzugt; das Lied war für die vornehmen Stände nicht vornehm
genug, für die untern Stände wiederum aber noch zu fein. So geriet
es allmählich in Vergessenheit und wurde ungefähr ums Jahr 1500
abgelöst durch eine eigenartige, wenig künstlerische Dichtung, das
„Lied vom Hürnen Seifrid“. Es geht nicht einfach auf das
Nibelungenlied zurück, sondern hat manche Besonderheiten, und
darin besteht seine Bedeutung für die Sagenforschung. Aber sein
dichterischer Wert ist gleich Null. Daß Seifrid hier „hürnen“ heißt, will
besagen: er hat eine durch Drachenblut wie Horn gehärtete Haut.
Der Hürnen Seifrid ist uns nun schon gar nicht mehr handschriftlich
erhalten. Er tritt erst in die Literaturgeschichte ein, nachdem der
Buchdruck schon vorhanden ist: um 1500 tritt er auf, etwa ein
Jahrhundert lang (bis 1611) wird er wiederholt aufgelegt; schließlich
liefert das Gedicht den Stoff zu dem in eigenartiger Weise
modernisierten und eigentlich verballhornten Volksbuche vom
„gehörnten Siegfried“, das mit modischen, halb lateinischen, halb
französischen Floskeln verbrämt ist[4]. Aus dem „Hürnen Seifried“ ist
ein „gehörnter“ Siegfried geworden. Es ist in der Tat gemeint, daß er
Hörner auf dem Kopfe trägt; ein vollständiges Mißverstehen des
alten Beinamens. Das Volksbuch ist im wesentlichen während des
18. Jahrhunderts lebendig, doch nur in den untersten Kreisen des
Volkes. Es ist in bezug auf seinen Sagengehalt nichts weiter als eine
Ausgestaltung des Hürnen Seifried, also für eine Untersuchung der
älteren Sagenform ohne Belang.
Der deutsche Zweig der Entwicklung unserer Sage ist im 13.
Jahrhundert auf literarischem Wege in Skandinavien eingeführt
worden, und zwar durch einen Norweger, der zum nördlichen
Deutschland innige Beziehungen hatte. Er nennt als seine
Gewährsmänner Leute aus Bremen, Münster und Soest, also aus
Städten, in denen damals der Handel besonders mit Skandinavien
blühte. Sein Werk umfaßt das ganze Gebiet der deutschen
Heldensage, in erster Linie also die Dietrichsage, von den Ahnen
Dietrichs beginnend bis auf seine Entführung durch ein schwarzes
Höllenroß. Innerhalb dieses Rahmens ist auch die Nibelungensage
erzählt, und zwar in deutscher Form, in einer Form, die zu unserm
Nibelungenliede in nächster Beziehung steht, so zwar, daß wir nicht
etwa nur anzunehmen brauchen, sie beruhe auf denselben
Erzählungen, sondern es muß, wenigstens stellenweise, ein und
dieselbe Dichtung beiden zugrunde liegen. Ob etwa das
Nibelungenlied selbst vom Verfasser dieses Buches benutzt worden
ist, mag vorläufig dahingestellt bleiben. Der Titel des Werkes ist
„Thidrikssaga Konungs af Bern“, die Erzählung von König Dietrich
von Bern. Dieser, der ja der Hauptheld der süddeutschen Sage ist,
ist hier der Mittelpunkt des deutschen Heldenzeitalters. Um ihn
gruppiert sich alles, an ihn schließt sich auch die Nibelungensage
an; denn er ist in dem großen Nibelungenkampfe derjenige, der den
Ausschlag gibt, der allein in der Lage ist, die Nibelunge zu
überwinden. Wie uns die Thidrikssaga erhalten ist, ist sie nicht
einheitlich, sondern es haben mehrere Hände ihre jetzige Gestalt
bewirkt. Immerhin ist sie eine wundervolle Quelle, die vollständigste
Quelle unserer deutschen Heldensage überhaupt. Sie hat
begreiflicherweise manche Nachdichtung auf nordischem Boden
hervorgerufen; solche sind für die Erkenntnis der ältern Sagenform
ebenso belanglos wie das deutsche Volksbuch.
II.
Form, Inhalt und Kritik der
nordischen Überlieferung.
D ie nordische Gestalt der Nibelungensage hat viel Altertümliches
bewahrt; in vielen Dingen ist sie sicher wesentlich altertümlicher
als die deutsche. Eine einheitliche Darstellung im strengen
Sinne ist im Norden nicht zustande gekommen. Wir besitzen nur
Lieder und Bruchstücke, notdürftige Zusammenstoppelungen der
letztern und die scheinbare Gesamterzählung der Volsungasaga, die
sich aber Schritt für Schritt an die Liedersammlung anklammert.
Die Dichtungen selbst sind, soweit sie uns erhalten sind, noch in
der Weise altgermanischer Poesie abgefaßt, d. h. sie weisen den
stabreimenden Vers auf. Dieser tritt in den nordischen Liedern in der
Hauptsache in drei Formen auf. Die gewöhnlichste Art ist die
„fornyrdislag“ (Gesetz der alten Rede) genannte. Sie besteht darin,
daß die gewöhnlichen alten, vier Haupthebungen aufweisenden
Langverse zu in der Regel vierversigen Strophen verbunden werden;
oft sind die Strophen verschieden lang, so daß die Verse durch die
betreffende Dichtung im Grunde genommen glatt durchlaufen. Der
Vers selbst besteht immer aus zwei Teilen, die durch einen
Einschnitt getrennt sind. Innerhalb jedes Teiles stehen zwei
haupttonige Silben (Hebungen). Die erste Hebung des zweiten
Teiles ist die wichtigste; sie gibt den Stabreim an. Mit ihr muß eine
oder dürfen beide des ersten Teiles durch Stabreim gebunden sein,
z. B. Kurzes Sigurdslied, Strophe 1:
Einstmals kam Sigurd zum Sale Gjukis,
der Wolsungensproß nach wildem Kampfe;
er schloß den Bund mit der Brüder zweien,
die Helden schwuren sich heilige Eide[5].
Die zweite verhältnismäßig selten vorkommende Form ist der
sogenannte Málaháttr (Spruchweise); ihre Besonderheit besteht
darin, daß die einzelnen Halbverse etwas länger sind als beim
Fornyrdislag, im allgemeinen um eine Silbe. In der deutschen
Übersetzung hat Gering dies dadurch wiedergegeben, daß er die
Halbzeilen dreihebig macht, z. B. Atlakvida, Strophe 28:
Der reißende Rhein nun hüte, was Recken zum Streit entflammte,
das einst die Asen besessen, das alte Niflungenerbe!
Im rinnenden Wasser besser sind die Ringe des Unheils verborgen,
als wenn an hunnischen Händen das helle Gold erglänzte.
Das dritte Metrum, Ljódaháttr (Liedweise) genannt, ist ein
lyrisches, offenbar zum Gesang bestimmtes. Es besteht darin, daß
auf einen Langvers, der dem im Fornyrdislag üblichen im
wesentlichen gleich ist, ein einschnittloser Vers von drei Hebungen
folgt und mit ihm ein Ganzes bildet; in der Regel sind zwei solcher
Verspaare zu einer Strophe vereinigt, z. B. Reginsmál, Strophe 1:
Was ist’s für ein Fisch, der im Flusse schwimmt
und sich unklug vor Schaden nicht schützt?
Aus Hels Händen dein Haupt nun löse,
schaffe mir Feuer der Flut.
Der Stabreim besteht darin, daß der Anlaut der höchstbetonten
Silben gleich ist; es ist nur nötig, daß der erste Laut alliteriert, mit
folgenden Ausnahmen: 1. alle vokalisch anlautenden Silben können
miteinander reimen, weil der Germane keinen Vokal anders als mit
einem festen Ansatz ausspricht, den wir auch in der heutigen
deutschen Sprache noch hören können: also Worte wie „alt“ und
„ewig“ klingen reimend an für den Stabreim; 2. die mit folgenden p, t
und ch eng verbundenen s können nur mit ebenso verbundenen
gereimt werden, z. B. „sprechen“ mit „Sper“, aber nicht mit
„schießen“, dies mit „schreien“, aber nicht mit „sitzen“ usw. Im
übrigen ist jeder einzelne Laut allein ausreichend.
Soviel über die poetische Form; die Mehrzahl der nordischen
Denkmäler ist allerdings in Prosa abgefaßt, Verse bilden immerhin
die Ausnahme.
Den Inhalt der nordischen Sagenform kennen wir am
vollständigsten aus der Volsungasaga. Sie hat die Erzählung bis auf
den alten Hauptgott der Germanen selbst zurückgeführt; Odin steht
an der Spitze des Geschlechtes der Wolsunge[6]. Im Norden ist, da
das Heidentum sehr viel länger lebendig blieb als in Deutschland,
die Götterlehre sehr viel weiter ausgebildet, und sind die Götter sehr
viel persönlicher geworden; in Deutschland wissen wir von ihnen so
gut wie nichts; sie sind hier wesenlose Schemen. Odin ist der Vater
des Sigi, der als ein König auf Erden herrscht, von seinem Vater
eingesetzt. Sein Enkel Wolsung ist der eigentliche Ahnherr des
Geschlechtes der Wolsunge; daß er selbst den Geschlechtsnamen
führt, ist im Grunde ein Versehen der nordischen Überlieferung, das
uns ein altenglisches Zeugnis beseitigen hilft: im Gedichte Beowulf,
dem ältesten Epos in germanischer Sprache, heißt derselbe Mann
nicht Wolsung, sondern bloß Wæls. Diese Form ist zweifellos die
richtige; sie gibt den eigentlichen Personennamen. Wolsung, mit der
Endung -ung abgeleitet, ist der Geschlechtsname, zu vergleichen mit
Amelungen, Merowingern, Karolingern, Nibelungen usw.; ein
Wolsung ist ein Nachkomme des Wals; diese Bildungsweise der
Geschlechtsnamen ist gut germanisch.
Wolsung hat zehn Söhne und eine Tochter, namens Signy. Um
diese wirbt ein König Siggeir (er herrscht über die Gauten, die in
Südschweden sitzen) und erhält sie auch zur Frau. Auf der Hochzeit
der beiden erscheint ein Mann in blauem Mantel, den Hut ins
Gesicht hereingezogen, so daß man nur ein Auge sieht, stößt in den
Baumstamm, der mitten in der Königshalle steht, ein Schwert und
bestimmt es demjenigen, der imstande ist, es wieder
herauszuziehen. Der Mann ist seiner Schilderung nach natürlich
Odin, der höchste Gott, der in dieser Gestalt auf der Erde wandernd
gedacht wurde. Die Hochzeitsgäste, vor allen Siggeir, der junge
Gemahl, versuchen das Schwert herauszuziehen. Keinem gelingt
es; erst als Sigmund, der älteste Sohn Wolsungs, zugreift, liegt das
Schwert vor ihm, als ob es gar nicht festgesteckt hätte. Siggeir bietet
ihm Gold für das Schwert, er aber behält es für sich.
Siggeir scheidet in Ärger von der Familie seiner Frau und denkt
auf Rache. Nach einiger Zeit ladet er den Schwiegervater und seine
Söhne zu sich ein. Sie kommen trotz der Warnung der Signy und
werden unmittelbar, nachdem sie im Gautenlande angekommen
sind, überfallen, der alte König Wolsung getötet, seine Söhne
gefangen; in der Gefangenschaft kommen sie nach und nach alle
um, mit Ausnahme Sigmunds, der durch eine List der Signy am
Leben erhalten wird und entflieht. Er lebt in der Wildnis und sinnt auf
Rache, vermag sie aber noch nicht durchzuführen.
Signy ist in einer eigenartigen Lage: sie ist die Schwester des
Rächers und die Gattin desjenigen, gegen den die Rache geplant ist,
gerät also in einen Konflikt der Pflichten. Als die Signy-Sigmund-
Geschichte gedichtet wurde, galt durchaus noch die alte
Anschauung, daß Blutsverwandtschaft dem Gattenverhältnis
unbedingt vorgeht, daß also Signy ebenso zur Rache für Wolsung
und ihre Brüder verpflichtet ist, wie Sigmund. Signy versucht sogar
ihre eigenen, dem Siggeir gebotenen Söhne, die doch auch
Wolsungs Enkel sind, zur Rache zu verwenden und schickt sie zu
Sigmund in den Wald hinaus, damit dieser sie auf ihre
Heldenhaftigkeit prüfe. Sie erweisen sich aber als Memmen, weil sie
zur Hälfte vom Stamme Siggeirs sind und keine vollbürtigen
Wolsunge. Sigmund tötet sie im Einverständnis mit Signy ohne
weiteres, diese aber entschließt sich zu einem ganz eigenartigen
Schritt: sie tauscht mit einem andern Weibe die Gestalt (ein in der
nordischen Dichtung gar nicht selten auftretender Zug) und lebt dann
eine Zeitlang unerkannt bei ihrem Bruder, um nach eingetretener
Empfängnis wieder zurückzukehren[7]. Der Sohn, den sie gebiert, der
den Namen Sinfjotli trägt, ist infolgedessen ein Wolsung von Vater-
und von Mutterseite und vollwertig zur Rache. Auch er wird hinaus
zu Sigmund geschickt, von ihm geprüft und sofort als Held erfunden.
Darauf schleichen sich Sigmund und Sinfjotli in die Halle Siggeirs
ein, werden jedoch entdeckt und festgesetzt. In der Gefangenschaft
aber reicht ihnen Signy das Wunderschwert zu, um das der Streit
entbrannt war. Mit dem Schwerte sägen sich Sigmund und Sinfjotli
aus den Mauern ihres Kerkers, töten den Siggeir und brennen die
Halle nieder. Die Rache ist vollendet. Signy verbrennt sich in den
Flammen des brennenden Hauses zur Sühne für ihre Teilnahme an
derselben.
Sigmund aber kehrt in seine Heimat zurück, vermählt sich mit
einer dänischen Fürstin, namens Borghild, und wird dadurch
dänischer König. Diese Borghild hat in der Sage recht wenig
Bedeutung; sie bedeutet für die Komposition unserer Erzählung nur,
daß Sinfjotli, der in ihren späteren Teilen keine Stelle mehr hat,
herausgebracht wird. Sie haßt den Stiefsohn und vergiftet ihn
schließlich. Sinfjotli ist damit aus der Erzählung ausgeschieden, und
Borghild entbehrlich: Sigmund verstößt sie.
An die Sigmund-Borghild-Episode anknüpfend hat ein nordischer
Dichter eine in Deutschland ganz unbekannte Sage dänischen
Ursprungs angeschlossen: die Geschichte von Helgi dem
Hundingstöter. Dieser gilt für einen Sohn des Sigmund und der
Borghild. Seine Taten und Schicksale stehen nur in ganz loser
Beziehung zu unserer Sage. Der von Helgi getötete Hunding[8] gilt
als Vater des Königs Lyngvi, gegen den Sigmund gefallen ist — eine
chronologisch fast unmögliche Auffassung.
Sigmund geht an eine zweite Ehe. Obgleich nunmehr schon
bejahrt, wirbt er doch um eine junge Fürstin, die den Namen Hjordis
führt (ein Name, der in Deutschland nicht vorkommt; er bedeutet
etwa „Schwertmädchen“). Gleichzeitig wirbt um diese Hjordis ein
König Lyngvi. Obgleich er jünger ist wie Sigmund, wählt sie doch den
Alten, weil er der berühmtere ist, und folgt ihm als Gattin. Lyngvi
zieht zur Rache gegen ihn zu Felde. Es kommt zu einer Schlacht, in
der Sigmund wie immer das unüberwindliche Gottesschwert
schwingt; im entscheidenden Moment aber tritt ihm Odin selbst
entgegen und hält seinen Speer gegen das Schwert: es zerspringt,
und Lyngvi kann Sigmund tödlich verwunden. Er kommt aber nicht
zu seinem Ziele, denn er findet die versteckte Hjordis nicht und zieht
ohne sie ab. Hjordis sucht ihrerseits auf dem Schlachtfelde den
todwunden Gatten auf und erhält von ihm, bevor er stirbt, die
Bruchstücke des Schwertes, um sie dem zu erwartenden Sohne
aufzubewahren.
Irgendwie motiviert ist in der Erzählung das Auftreten des Gottes
Odin nicht: er schenkt das Schwert, ebenso wie er es später zum
Springen bringt, ohne Grund. Irgendwelche tiefern religiösen Ideen
darf man nicht darin suchen, auch nicht das, was man gemeinhin
einen Mythus nennt. Es ist nichts weiter darin zu finden als ein Bild:
Odin ist der Gott des Sieges; Sigmund ist im wichtigsten Teile seines
Lebens als unüberwindlicher, siegreicher Held gedacht, er genießt
also die Gunst des Sieggottes, er hat ein von diesem ihm
geschenktes Schwert. Schließlich fällt er doch in der Schlacht; also
muß ihm der Gott selbst den Sieg entzogen haben; warum er dies
getan hat, danach hat man bei einem Gotte nicht zu fragen.
Hjordis wurde mit ihrer Begleitung kurz nach dem Tode ihres
Gatten von Seeräubern entführt. An ihrer Spitze stand Alf, der Sohn
des Königs Hjalprik von Dänemark. Alf fand Gefallen an der Witwe
und vermählte sich mit ihr, nachdem sie den Sigurd, den Sohn
Sigmunds, geboren hatte; so wurde Sigurd (unser deutscher
Siegfried) erzogen am Hofe des Königs von Dänemark — nach der
Auffassung einer spätern nordischen Dichtung. Damit aber hören die
Beziehungen Sigurds zum dänischen Königshofe so gut wie ganz
auf. Außer seinem Stiefvater hat Sigurd noch einen Pflegevater, den
Regin, einen Mann verhältnismäßig niederer Herkunft. Die
Doppelheit des Stiefvaters und Pflegevaters zu gleicher Zeit und
scheinbar auch am gleichen Orte wäre zur Not zu verstehen. Nicht
zu verstehen aber ist, daß der Stiefvater in Dänemark lebt, der
Pflegevater dagegen, wie sich gleich aus dem folgenden ergibt, in
Deutschland am Rheine lebend gedacht wird. Wir sehen hier, daß
die Darstellung Sprünge hat, daß ältere und jüngere Schichten
übereinander liegen; der ältern gehört hier der Pflegevater Regin am
Rheine an. Der Umstand, daß Sigurd, der später ein großer Held
wird, unter ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen sein soll, hat die
spätern, verfeinerten Geschlechter gestört; man hat ihm deshalb
einen Stiefvater aus königlichem Blute gegeben, so daß eine
dementsprechende königliche Erziehung möglich war.
Regin ist, wie gesagt, ein Mann vergleichsweise niederer
Herkunft. Er versucht den Sigurd, nachdem er herangewachsen ist,
in seinem eigenen Interesse auszunutzen; zu diesem Zwecke
erzählt er ihm seine Schicksale und damit verbunden die Herkunft
des großen Schatzes, den er beansprucht, den aber ein Drache
hütet.
Nach dieser Erzählung war der Vater des Regin und noch zweier
Brüder, die die Namen Fafnir und Otr führen, ein Bauer namens
Hreidmar. Die Söhne hatten die Fähigkeit, beliebig Tiergestalt
anzunehmen. Es ist das eine Erscheinung ähnlich dem
Gestaltentausch der Signy.
Eines Tages ziehen nun drei Götter, Odin, Hönir und Loki (eine
Dreiheit, die oft zusammen genannt wird) auf Erden umher in
menschlicher Gestalt. An einem Wasserfall sehen sie einen
Fischotter einen Fisch schmausen. Loki tötet durch einen Steinwurf
den Fischotter und zieht ihm den Balg ab. Mit dieser Beute kehren
sie dann bei dem Bauern Hreidmar ein; dieser erkennt an dem
Otterfell, daß sein Sohn Otr hat das Leben lassen müssen. Er setzt
infolgedessen die drei Götter gefangen und legt ihnen die Mordbuße
für den Sohn auf: der Otterbalg soll mit Gold ausgefüllt werden, bis
er auf seinen vier Beinen wieder stehen kann, und dann auch mit
Gold überzogen werden, bis das letzte Härchen verschwunden ist.
Darauf wird einer der Götter, Loki, beurlaubt, um das nötige
Lösegeld herbeizuschaffen. Er kommt wieder an den Wasserfall, wo,
wie er weiß, ein Zwerg, namens Andvari, lebt, der große Schätze hat
und sich oft in Hechtgestalt im Wasser aufhält. Loki fängt diesen
Hecht, und nun muß sich Andvari durch Herausgabe seines
Reichtums lösen. Er gibt verhältnismäßig rasch alles heraus bis auf
einen Ring, der in der Folge unter dem Namen Andvaranaut
(Andvari’s Kleinod) eine wichtige Rolle spielt; da Loki auch diesen
nimmt, das letzte, was Andvari hat, belegt der Zwerg den Ring mit
einem furchtbaren Fluche, der darauf hinzielt, daß alle die, die ihn
später besitzen werden, vom Fluche betroffen zugrunde gehen. Mit
der gewonnenen Beute wandert Loki zu Hreidmar und übergibt das
Gold Odin. Dieser füllt den Balg aus und überkleidet seine
Außenseite, behält aber den Ring vorläufig zurück. Hreidmar sieht
sich die Mordbuße an und erklärt schließlich, daß noch ein
Schnurrbarthaar des Otters durchscheine; das müsse noch bedeckt
werden, dann sei die Sache in Ordnung. Darauf erst gibt Odin den
unheilbringenden Ring noch hinzu, und die Götter sind gelöst. Sofort
aber beginnt der Fluch zu wirken: die beiden andern Söhne
Hreidmars fordern Anteil an der Buße; da er das verweigert,
erschlagen ihn seine Söhne und geraten nun untereinander in Zwist.
Fafnir verjagt Regin, behält den ganzen Schatz für sich und hütet ihn
nun in einer Höhle auf der Gnitaheide[9]. Hier liegt er von nun an in
Drachengestalt auf dem Schatze.
Regins Bestreben ist nun, Fafnir zu töten und damit den Schatz
zu gewinnen; zu diesem Zwecke will er sich Sigurds bedienen.
Sigurd verlangt dazu zunächst ein Schwert. Die Schwerter, die Regin
selbst schmiedet, sind ihm alle nicht gut genug; sie versagen bei der
Probe. Daraufhin begibt sich Sigurd zu seiner Mutter und erhält von
ihr die Stücke des Gottesschwertes, das der Vater geführt hat. Regin
schweißt sie wieder zusammen[10]. Dies Schwert besteht jede Probe.
Es wird im Rhein erprobt, indem im langsam fließenden Wasser
gegen die Schärfe des Schwertes eine Wollflocke entgegentreibt; sie
wird glatt durchschnitten. Das Schwert wird für gut erklärt, und nun
verlangt Regin die Tötung des Drachens. Sigurd aber denkt
zunächst an etwas anderes, was in der nordischen Sagengestalt
unvermeidlich ist, aber zweifellos nicht ursprünglich zu unserer
Darstellung gehört: er denkt an Vaterrache. Er muß seinen
gefallenen Vater Sigmund an Lyngvi rächen. So zieht er denn
zunächst mit Heeresmacht, die er natürlich von seinem Stiefvater Alf
erhalten hat, gegen Lyngvi und fängt und tötet ihn. Dann erst,
nachdem die Vaterrache gelungen ist, macht sich Sigurd an die
Tötung Fafnirs. Er kundschaftet seine Höhle aus, gräbt eine Grube,
setzt sich hinein und ersticht ihn von unten, während jener über ihn
hinwegschreitet. Die nordische Dichtung bringt nunmehr ein langes
Zwiegespräch zwischen dem sterbenden Drachen und Sigurd;
gerade in solche Momente lange, meist auf die Zukunft
hinausdeutende Erzählungen einzulegen, ist im Norden nicht
unbeliebt, erscheint uns freilich ungeschickt und unbegreiflich.
Dann stirbt der Drache, Regin begrüßt den Sigurd, bittet ihn, ihm
das Herz des Drachens zu braten und legt sich einstweilen zur
Ruhe. Sigurd geht an diese kleine Arbeit und versucht nach einiger
Zeit, ob das Herz wohl gar ist, indem er es mit den Fingern anfaßt;
dabei verbrennt er sich und steckt die Finger rasch in den Mund.
Darüber kommt etwas Drachenblut an seine Zunge, und er versteht
plötzlich, was die Vögel in den Bäumen über ihm reden. So erfährt er
denn von ihnen, daß Regin darauf denkt, wie er Sigurd beseitigen
kann, teils um seine Rachegelüste zu befriedigen, — denn er hat
gewissermaßen die Verpflichtung, seinen Bruder Fafnir zu rächen,
— teils um den Hort für sich zu gewinnen. Daraufhin tötet Sigurd den
Regin. Durch die Vögel erfährt er weiter von dem Dasein des
Schatzes und wird hingewiesen auf eine Jungfrau, zu der ihn
zunächst sein Weg führen soll. Mit dem Schatze beladen zieht er ab
und kommt nach einiger Zeit an eine Höhe, die den Namen
Hindarfjall (der Hindenberg) führt. Die Erzählung (hier die Prosa des
Sammlers der Lieder-Edda) fährt wörtlich fort (Gering S. 210):
„Sigurd ritt hinauf nach Hindarfjall, und seine Absicht war es, gen
Süden nach dem Frankenlande zu ziehen. Auf dem Berge sah er ein
helles Licht, als ob Feuer darauf brannte, und der Schein leuchtete
zum Himmel empor. Als er aber näher kam, stand dort eine
Schildburg, und über ihr wehte ein Banner. Sigurd ging in die
Schildburg und erblickte darin einen Mann, der in voller Rüstung da
lag und schlief.“ Es brennt also kein Feuer, sondern die glänzenden
Schilde, die zu einer Art von Zaun zusammengestellt sind — das ist
die Schildburg —, leuchten in der Sonne, so daß es von weitem
aussieht, als brännte ein Feuer. Ein wirkliches Feuer aber ist hier in
der Überlieferung nicht gemeint. Es ist das wesentlich für die
Auffassung eines bestimmten Zugs unserer Sage. Der schlafende
Mann wird von Sigurd erweckt; er schneidet ihm den Panzer auf und
erkennt nun, daß er ein Weib vor sich hat. Das Weib erwacht und
erzählt ihm ihre Schicksale. Sie heißt Brynhild und war früher eine
Walküre des Gottes Odin (also ursprünglich ein dämonisches, kein
menschliches Wesen). Als einmal ein Kampf zwischen zwei Königen
ausbrach, Hjalmgunnar und Agnar, da stand Odin auf Seite des
erstern, des ältern und berühmtern. Niemand aber wollte dem Agnar
helfen. Das unternahm nun gegen den Willen des Gottes die
Walküre Brynhild. Dafür ist sie von Odin aus der Schar der Walküren
ausgestoßen, in Schlaf versenkt und zur Vermählung bestimmt
worden. Sie aber hat vorher noch das Gelübde getan, nur dem sich
zu vermählen, der das Fürchten nicht kenne. Erweckt, gibt sie
zunächst dem Sigurd weise Lehren. Alsdann verloben sie sich
miteinander. Sigurd aber nimmt Abschied, ohne daß die Ehe sofort
vollzogen wird[11]. Diese Unterlassung wird nicht begründet, wie
überhaupt die ganze Erzählung viel Seltsames hat und uns noch
seltsamer anmutet, wenn wir unmittelbar hinterher von einer zweiten
Begegnung Sigurds mit Brynhild erfahren, die so erzählt wird, als ob
die erste gar nicht stattgefunden hätte. Wir stehen allerdings jetzt in
der Lücke des Codex regius und können nur die Volsungasaga
benutzen, die für uns die Lücke ausfüllt. Nach ihr kommt Sigurd,
nachdem er vom Hindenberge weggeritten ist, zu einem Helden,
namens Heimir, der in Hlymdalir wohnt. Dieser Heimir hat einen
Sohn Alsvinn, mit dem sich Sigurd befreundet. Sie jagen zusammen.
Auf einer Jagd gelangt Sigurd im Walde auf einen einsamen Turm.
Hier findet er Brynhild, wird mit ihr bekannt, wirbt um sie und wird
nicht abgewiesen, obgleich sie Bedenken gegen die Werbung hat,
denn sie sagt, sie wäre eine Schildmaid und trüge im Dienste von
Königen die Waffen. Sie ist hier also kein übermenschliches,
sondern ein rein menschliches Mädchen. Schildmädchen, d. h.
Frauen, die sich dem Kriegerberufe gewidmet haben, sind in der
nordischen Tradition gar nichts seltenes, sind sogar auch in der
altgermanischen Welt überhaupt nichts seltenes gewesen. Man
erinnere sich ferner daran, daß schon die Griechen im Norden
Europas die Amazonenvölker, also kriegerische Frauen, kennen. —
Sigurd und Brynhild schwören einander Eide, und zwar, wie die
Volsungasaga ganz naiv sagt, von neuem; die Verlobung wird also
zweimal geschlossen. Selbstverständlich haben wir hier zwei
parallele Dichtungen, die nebeneinander stehen, die aber der
Sagaschreiber einfach hintereinander erzählt. Die eine schließt die
andere aus. Welches die altertümlichere ist, kann meines Erachtens
nicht zweifelhaft sein: die zweite ist die ältere.
Das menschliche Schildmädchen ist aus den altgermanischen
Verhältnissen heraus ohne weiteres verständlich; die zur Strafe unter
die Menschen versetzte, ursprünglich rein dämonische Walküre setzt
die ganze Entwicklung der speziell nordischen Form des
germanischen Götterglaubens notwendig voraus; die Walküren als
Botinnen Odins und Gefährtinnen der seligen Helden können nicht
ohne diese (die Einherjar) gedacht werden, letztere wieder nicht
ohne die nordische Eschatologie, die ihrerseits bestimmt erst unter
südeuropäischen (römisch-klassischen und römisch-christlichen)
Einflüssen zustande gekommen ist.
Nachdem Sigurd die Brynhild zum zweiten Male und ebenfalls
ohne Angabe eines rechten Grundes verlassen hat, zieht er weiter
und kommt an den Hof des Königs Gjuki. Gjuki ist die nordische
Namensform des deutschen Gibich (mhd. Gibeche, ursprünglich
Gibica). König Gjukis Volk wird im Norden entweder nicht oder als
„Goten“ benannt, eine Auffassung, die wohl damit zusammenhängt,
daß man sich im Norden die eng mit den Goten verbundenen
Hunnen in Norddeutschland wohnend dachte und Sigurd zu den
Hunnen rechnete. Im allgemeinen wird Gjukis Geschlecht und dann
auch sein Volk mit dem Namen der Nibelunge bezeichnet (die
nordische Form ist Niflungar). Der Name Nibelunge ist im Norden
ziemlich selten. Wo er vorkommt, bezeichnet er stets den König
Gjuki und seine Angehörigen. König Gjuki hat eine Gattin Grimhild
und mehrere Kinder, vor allen die Söhne Gunnar (deutsch Günther)
und Hogni (deutsch Hagen, der also im Norden ein Bruder Günthers
ist) und die Tochter Gudrun. Außerdem erscheinen noch gelegentlich
andere Kinder Gjukis, darunter ein Sohn Gudorm, der in der
nordischen Sage zu besondern Zwecken verwandt wird und nicht
auf gleicher Stufe mit seinen Geschwistern steht.
Am Hofe des Königs Gjuki erregt Sigurd großes Aufsehen, so
daß man beschließt, ihn an sich zu fesseln. Als treibend tritt hierbei
Grimhild, die Gattin Gjukis, auf (nicht zu verwechseln mit unserer
deutschen Kriemhilt die vielmehr der nordischen Gudrun entspricht).
Sie gibt dem Sigurd einen Vergessenheitstrank, worauf er nicht mehr
an Brynhild denkt, und rät dann ihrem Manne, dem Sigurd die
Tochter Gudrun zum Weibe anzubieten. Gjuki antwortet darauf, es
sei nicht üblich, daß man seine Tochter jemandem zum Weibe
anbiete, aber doch noch ruhmvoller, sie Sigurd anzubieten, als wenn
ein anderer käme, um sie zu werben. Also die Wertschätzung
Sigurds ist sehr groß. Sigurd vermählt sich darauf mit Gudrun und
wird in die Familie aufgenommen durch die Formel des Blutsbundes.
Gunnar, Hogni und Sigurd fügen sich eine leichte Wunde zu, lassen
das Blut in ihre gemeinsame Fußspur rinnen, vermischen es auf
diese Weise und gelten nunmehr als Blutsverwandte, als wirkliche
Brüder. Ein solcher Blutsbund ist heilig und hat alle rechtlichen
Folgen echter Verwandtschaft.
Nach einiger Zeit beschließt Gunnar, Gjukis Sohn und Sigurds
Schwager, sich um Brynhild zu bewerben. Zu dieser Werbung
ziehen aus Gunnar, Hogni und Sigurd. Sie holen sich zunächst an
den zuständigen Stellen die Einwilligung, erst bei König Atli, dem
Bruder der Brynhild, dann bei ihrem Pflegevater Heimir, bei dem
Sigurd sie kennen gelernt hatte, und begeben sich dann zu ihr. Sie
sitzt jetzt in einem Schlosse, das von wogendem Feuer umgeben ist.
Gunnar versucht hindurchzureiten; sein Roß scheut zurück. Er bittet
daraufhin zunächst Sigurd um sein Pferd Grani und erhält es; aber
unter Gunnar geht auch Grani nicht durchs Feuer. So tauscht denn
schließlich Sigurd mit Gunnar die Gestalt (wieder ein solcher
Gestaltentausch, der ohne Schwierigkeit gelingt) und reitet auf Grani
in Gunnars Gestalt durch die Flammen. Drinnen sitzt Brynhild und ist
gewärtig (was eigentlich nicht erklärt wird), daß nur Sigurd es wagen
werde, durch die Flammen zu reiten. Sie sieht aber, daß ein anderer
kommt, der sich Gunnar nennt, und da er durch die Flammen
geritten ist, also die erforderliche Bedingung erfüllt hat, so ergibt sie
sich ruhig in ihr Schicksal. Sigurd in Gunnars Gestalt bleibt drei
Nächte lang bei ihr, ohne sie jedoch zu berühren; vielmehr trennt ein
blankes Schwert ihrer beider Lager. Dann folgt Brynhild dem Gunnar
als Ehefrau, und eine Zeitlang leben die beiden jungen Paare neben
Hogni und den übrigen Familienmitgliedern zusammen in allem
Frieden an demselben Hofe.
Da erhebt sich ein Streit zwischen den beiden Königinnen
Brynhild und Gudrun, und zwar um den Rang. Es sind
außerordentlich einfache Verhältnisse, die hier geschildert werden:
obgleich königliche Frauen, gehen sie doch in ganz volkstümlicher
Weise zusammen im Flusse baden. Während des Badens ändert
plötzlich Brynhild ihren Platz, indem sie ihre bisherige Stellung
unterhalb der Gudrun mit einer oberhalb derselben vertauscht.
Gudrun fällt das auf; sie fragt, warum sie das täte, worauf Brynhild
erwidert, sie möge nicht mit dem Wasser baden, das von der Gudrun
abgelaufen ist, weil sie (Brynhild) die vornehmere sei. Gudrun sei die
Gattin eines Knechtes[12], während Gunnar den Ritt durch die
Flammen vollbracht habe. Gudrun, über diese Vorwürfe sehr erzürnt,
enthüllt das Geheimnis: nicht Gunnar, sondern Sigurd ist durch die
Flammen geritten; der Mann, der dabei den Ring Andvaranaut
gegeben hat (oder genommen — das ist nach den Darstellungen
verschieden), kann nur Sigurd gewesen sein. Brynhild ist über diese
Enthüllung sehr unglücklich, geht nach Hause und brütet Rache.
Die Rolle, die der Ring als Beweisstück in dem Zanke der
Königinnen spielt, ist je nach der Einzelquelle verschieden gefaßt,
doch bleibt es sich tatsächlich gleich, ob im Augenblicke des Zankes
Brynhild den Ring trägt, und Gudrun ihr sagt, „dieser Ring stammt
doch aus Fafnirs Schatze, den kann dir nur Sigurd gegeben haben“,
oder ob Gudrun den Ring trägt und sagt „den Ring, den ich hier
habe, den hat Sigurd dir damals abgenommen“. Die Wirkung bleibt
die gleiche.
Die Tatsache des dreitägigen, wenn auch keuschen Beilagers
von Sigurd und Brynhild wird natürlich in dem Königinnenstreite
verdreht und dazu benutzt, die Katastrophe herbeizuführen: Gudrun
wirft der Brynhild vor, daß nicht Gunnar, sondern Sigurd ihr erster
Mann gewesen sei. Über die Wirkung dieser Behauptung im
einzelnen sind die nordischen Quellen nicht recht einig, vermutlich,
weil wieder mehrere Parallelerzählungen, die sich gelegentlich
widersprechen, nicht voll miteinander ausgeglichen sind. Das
Ursprüngliche scheint zu sein, daß Brynhild die falsche Behauptung
aufnimmt und bewußt verlogen zugibt, daß Sigurd dem Gunnar in
jenen kritischen Nächten die Treue nicht gewahrt habe. Dadurch
gewinnt sie letztern für die Rache, die Ermordung Sigurds. Freilich
sind Gunnar sowohl wie Hogni vermöge des Blutbundes nicht in der
Lage, die Rache persönlich auszuführen. Zu diesem Zwecke taucht
nun jener dritte Sohn Gjukis, Gudorm, auf. Er wird als geeignetes
Werkzeug zur Rache verwendet. Die Art, wie Sigurd von Gudorm
getötet wird, wird wieder in der verschiedensten Weise erzählt. Die
nordischen Texte kennen drei Darstellungen von Sigurds Tode: nach
der einen (sie scheint im Norden die altertümlichste zu sein) wird er
ermordet während des Rittes zur Volksversammlung; nach der
zweiten, ausdrücklich als deutsch bezeichneten Darstellung wird er
im Walde auf der Jagd ermordet, und nach der dritten Darstellung,
die im kurzen Sigurdsliede vorliegt und von der Volsungasaga
aufgenommen ist, wird er nachts im Bette schlafend ermordet, an
der Seite seiner Gattin. Diese Darstellungen gehen zum Teil auf
verschiedene Grundlagen zurück, zum Teil sind sie willkürliche
Änderungen derselben.
Nach Sigurds Ermordung gibt Brynhild zu, daß er stets die Treue
gehalten hat und unschuldig ermordet worden ist; sie läßt sich mit
ihm auf demselben Scheiterhaufen verbrennen. Gudrun aber nimmt
nach einiger Zeit von ihren Angehörigen die Mordbuße für den
erschlagenen Gatten an, und es führt im Grunde von diesem Teile
der Erzählung zu dem folgenden keine innere Brücke. Dieser ist mit
dem bisher betrachteten lediglich dadurch verbunden, daß dieselben
Personen auftreten, nicht aber dadurch, daß die Handlung des
zweiten Teiles mit der des ersten innerlich in Zusammenhang steht.
Einen schwachen Versuch hat der Norden gemacht, einen
Zusammenhang herzustellen, indem er Brynhild zu einer Schwester
des Königs Atli, des demnächst auftretenden zweiten Gatten
Gudruns, gemacht und diesem damit die Pflicht auferlegt hat, diese
Schwester zu rächen.
Nachdem Gudrun eine Zeitlang bei ihren Verwandten gelebt hat,
kommt der neue Werber, König Atli[13], und Gudrun reicht ihm ihre
Hand. Nachdem sie eine Zeitlang verheiratet sind, beschließt Atli,
ohne daß Gudrun dazu irgend etwas tut, die Niflunge zu vernichten,
um einerseits — das ist die nordische Zugabe — seine Schwester
Brynhild zu rächen und andererseits — das ist die eigentliche
Hauptsache — den großen Hort zu gewinnen, der nach Sigurds
Ermordung natürlich in den Besitz der Niflunge übergegangen ist. Er
ladet die Niflunge freundlich, aber verräterisch zu sich ein. Gudrun
versucht sie zu warnen, aber ohne Erfolg. Gunnar und Hogni
kommen mit mäßigem Gefolge an den Hof des Atli. Den Hort haben
sie, wie sich aus der folgenden Darstellung ergibt, vorher versteckt:
sie haben ihn in den Rhein versenkt. Auch hier tritt der deutsche
Strom, der Rhein, auf und zeigt, wo die Sage zunächst heimisch war.
In Atlis Lande angekommen, werden Gunnar und Hogni von den
Feinden überwältigt und gefangen. Atli richtet an Gunnar die Frage,
ob er sein Leben durch Auslieferung des Hortes lösen wolle. Er
erklärt, erst müsse er Hognis Herz als Beweis von dessen Tode
sehen. Daraufhin wird Hogni getötet und sein Herz dem Gunnar
gebracht; nun ruft dieser aus, daß der reißende Rhein viel besser
geeignet sei, den Schatz zu hüten, als Atli und seine Leute. Gunnar
wird in die Schlangengrube geworfen, erwehrt sich aber der
Schlangen noch eine Zeitlang durch ein seltsames Mittel: da ihm die
Hände gefesselt sind, schlägt er mit den Füßen eine Harfe, die ihm
seine Schwester Gudrun noch zugereicht hat, und schläfert dadurch
alle Schlangen ein bis auf eine, die ihn schließlich ins Herz sticht.
Damit sind die Niflunge vom Schauplatz abgetreten, und der
Gudrun, ihrer Schwester, als der letzten des Geschlechtes, fällt die
Pflicht der Rache zu; sie rächt ihre Brüder an ihrem Gatten. Immer
geht in der nordischen Anschauung die Blutsverwandtschaft der
Ehegemeinschaft vor, ein besonders altertümlicher Zug, der dieser
Gestalt anhaftet. Die Rache setzt Gudrun ins Werk, indem sie ihre
beiden, dem Atli geborenen Söhne schlachtet und ihm beim
Festmahle vorsetzt; nachdem er vom Fleische seiner Söhne
gegessen und ihre Hirnschalen als Becher benutzt hat, enthüllt sie
ihm, was sie getan, und tötet ihn selbst.
Der zweite Teil der Sage hat damit sein Ende erreicht; von den
handelnden Personen ist Gudrun allein übrig. Ein innerer
Zusammenhang zwischen diesem zweiten Teile und dem ersten
besteht, wie gesagt, nicht, denn der zweite Teil kann an sich allein
vollkommen verstanden werden. Er ist keine innere Folge des
ersten. In der nordischen Überlieferung kommt aber noch ein dritter
Teil hinzu, dessen Anknüpfung uns höchst seltsam anmuten muß:
Gudrun versucht, sich das Leben zu nehmen, indem sie sich ins
Meer stürzt; allein die Wogen tragen sie und bringen sie an einen
fremden Strand, wo sie aufgenommen wird und sich zum dritten
Male vermählt. Der König des Landes, Jonakr (ein Name, der uns
sonst nicht weiter bekannt ist), nimmt sie zur Gattin, und sie hat bei
ihm noch zwei oder drei Söhne (darin ist die Überlieferung nicht
ganz klar). Diese heißen Hamdir, Sorli und Erp; nach der einen
Tradition sind sie alle drei die Söhne Gudruns, nach der andern ist
Erp ein Sohn Jonakrs von einer andern Mutter. Außerdem wird am
Hofe Jonakrs die nachgelassene Tochter des Sigurd und der Gudrun
erzogen. Wie sie dahin gekommen ist, wird gar nicht erklärt. Sie führt
den Namen Svanhild[14].
Um sie wirbt ein schon bejahrter, aber mächtiger und gewaltiger
König, Jormunrek, wie er im Norden heißt. Er ist der historische
Gotenkönig des 4. Jahrhunderts Ermanarich. Er sendet seinen
Ratgeber Bikki und den bereits erwachsenen Sohn erster Ehe
Randver die junge Braut einholen. Svanhild wird ihnen übergeben.
Unterwegs fängt Bikki an, seine Ränke zu spinnen; er raunt dem
jungen Paare, der Stiefmutter und dem Stiefsohne, zu, daß sie
zueinander viel besser paßten, als der alte König zu der jungen
Svanhild, und versucht auf diese Weise ein Verhältnis zwischen den
beiden herbeizuführen, aber ohne Erfolg. Als die Braut am Hofe
Jormunreks eingetroffen ist, berichtet Bikki dem Könige das
Verhältnis als Tatsache, und dieser rächt sich, indem er seinen Sohn
erhängen und Svanhild von wilden Pferden zertreten läßt.
So erwächst der Gudrun wiederum die Pflicht der Rache für ihre
nächste Verwandtschaft. Sie reizt ihre Söhne dritter Ehe auf, die
Rache zu vollziehen; diese lassen sich auch dazu bereit finden und
machen sich auf den Weg. Unterwegs geraten sie miteinander in
Streit, und Erp wird von den beiden andern erschlagen. Als sie dann
am Hofe Jormunreks erscheinen, greifen sie den König an und
verwunden ihn, indem der eine ihm die Hände, der andere die Füße
abschlägt. Dem Erp aber war nach der etwas merkwürdigen
Auffassung dieser Dichtung zugedacht, das Haupt des Königs
abzuschlagen; da Erp nun fehlt, wird Jormunrek also nur verwundet,
aber nicht getötet. Er hat noch die nötigen Kräfte, sich zu rächen,
indem er seine Mannen aufruft: „Tötet die Fremden mit Steinwürfen.“
So fallen Hamdir und Sorli durch die Goten; damit hat die nordische
Form der Nibelungensage ihr letztes Ende erreicht.
Gudrun, die Hauptfigur, die durch alle drei Teile der eigentlichen
Nibelungensage, ungerechnet die Vorgeschichte, hindurchgeht, ist
noch am Leben. Wo sie hingekommen, was aus ihr geworden, wird
nicht erzählt; nur das Gedicht von „Gudruns Aufreizung“ deutet an,
daß sie schließlich (wie Signy) freiwillig den Flammentod suchen
wird.
Die nordische Form der Nibelungensage hat noch eine
Erweiterung erfahren durch die Geschichte der Aslaug, der bei
Heimir aufwachsenden Tochter Sigurds und der Brynhild; die
Annahme, daß dies Paar eine Tochter gezeugt habe, ist zwar dem
Geiste der alten Sage zweifellos zuwider, doch nicht so sehr, wie es
uns auf den ersten Blick scheint: Aslaug ist eine Frucht der frühern
Bekanntschaft ihrer Eltern, hat also nichts zu tun mit der Pflicht der
Treue, die Sigurd dem Gunnar bei Gewinnung der Brynhild schuldig
ist. Heimir befürchtet für Aslaug nach dem Tode ihrer Eltern
Nachstellungen und entflieht mit dem Kinde in Verkleidung;
unterwegs wird er von einem Bauernehepaare, bei dem er
eingekehrt ist, ermordet, und Aslaug wächst nun in niedriger
Umgebung auf. Als Jungfrau erregt sie die Liebe des Königs Ragnar
Lodbrok, der auf einer seiner Wikingsfahrten in die Gegend, wo sie
lebt, gelangt ist, wird seine Gemahlin und gebiert ihm eine stattliche
Reihe Söhne, unter ihnen den Sigurd ormr í auga (Schlange im
Auge), der zum Beweise seiner Herkunft vom Drachentöter das Bild
des Fafnir auf der Hornhaut seines Auges trägt; seine Tochter heißt
wiederum Aslaug und ist die Urgroßmutter des Harald Harfagri,
ersten Alleinherrschers in Norwegen (gestorben um 930). Die ganze
Erzählung zielt, wie vorhin schon bemerkt wurde, darauf ab, die
norwegischen Könige als Nachkommen der Volsunge zu erweisen;
der Name Aslaug ist offenbar von der gleichnamigen jüngern (die
historisch zu sein scheint) auf Brynhilds Tochter übertragen.
Schon aus der einfachen Erzählung der nordischen Sagenform
dürfte sich ergeben haben, wie wenig klar die ganze Darstellung ist.
Wir dürfen diese Unklarheit aber nicht etwa einem einzelnen Manne,
einem Dichter der ganzen Sage, in die Schuhe schieben, sondern
wir müssen uns gegenwärtig halten, daß wir hier keine geschlossene
Überlieferung vor uns haben, sondern uns lediglich eine Reihe von
Einzelgedichten überliefert ist, von denen jedes für sich seine
besondere Selbständigkeit hat und seine eigene Würdigung
erfordert. Die einzelnen Dichter in sich sind in der Regel geschickt
und geschlossen; aber der eine hat die Erzählung so, der andere so
aufgefaßt und durchgeführt.
Eine älteste Gestalt der Sage aus diesen ziemlich stark
auseinanderklaffenden Stücken herauszufinden, würde wohl kaum
möglich sein, wenn wir nicht neben der nordischen Überlieferung
noch die ganz selbständige deutsche Überlieferung hätten, die sich
von der nordischen getrennt hat im 9. Jahrhundert, als die Wikinger
den deutschen Stoff vom untern Rheine nach dem Norden
verpflanzten.
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