Klausur Technische Informatik II
Klausur ohne Unterlagen, mit Taschenrechner, Dauer: 90 Minuten
Informatik -Bachelor-
Frühjahr 2023
Name
Vorname
Matrikelnummer
Studiengang/Abschluss
Max. Punkte Erreichte Punkte
1. Aufgabe 8
2. Aufgabe 16
3. Aufgabe 8
4. Aufgabe 8
5. Aufgabe 10
Summe 50
1
1. Aufgabe: Zahlendarstellung
In einem Computersystem werden Dezimalzahlen (Kommazahlen) mit 12 Binärstellen vor
dem Komma und 12 Binärstellen nach dem Komma dargestellt. Die Darstellung negativer
Werte und die Ausführung von Subtraktionen basieren auf der Darstellung der binären Zahlen
im so genannten 2er-Komplement.
a) Geben Sie den größten und den kleinsten ganzzahligen Wert an, der in dem
Computersystem dargestellt werden kann.
b) Stellen Sie die Dezimalzahl (1533)10 als Hexadezimal-, Binär- und Oktalzahl in dem
beschriebenen Computersystem dar. Die Wandlung vom Dezimalsystem in eins der
genannten Zahlensysteme (entweder Hexadezimal- oder Binär- oder Oktalsystem) soll
mittels Multiplikations-/Divisionsverfahren erfolgen, die einzelnen Rechenschritte
dieser Wandlung müssen sichtbar sein.
c) Bilden Sie mittels binärer Addition die Differenz aus (EB7,D7A)16 (Minuend) und
(239,5390625)10 (Subtrahend).
Stellen Sie die Differenz als Hexadezimalzahl dar und konvertieren Sie diese
Hexadezimalzahl in eine Dezimalzahl (die Nachkommastellen können durch einen
Bruch entsprechend der Darstellung im Aufgabenteil 1d) angegeben werden). Der
Rechenweg muss sichtbar sein. Woran erkennen Sie, dass bei einer Summen-
/Differenzbildung kein Überlauf aufgetreten ist?
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d) Stellen Sie den Wert 813 (negativer Wert!) im 32 Bit IEEE754-Format
128 10
dar (Hinweis: (813)10 = (32D)16). Nutzen Sie für die Lösung die untenstehende
Formatvorlage.
31 30 23 22 0
VZ Exponent Mantisse
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2. Aufgabe: Schaltnetz
a) Abbildung 2-1 zeigt ein System, das aus einem Sensor und einem Schaltnetz zur
Aufbereitung der Sensordaten besteht.
Abbildung 2-1: Schaltnetz zur Aufbereitung von Sensordaten
Der Sensor stellt im fehlerfreien Betrieb Messwerte im Wertebereich
x = {(5)10,…, (12)10} als binär codierten Wert x = (x3, x2, x1, x0) am Eingang des
Schaltnetzes bereit. Mit der Umrechnung y = x – 5 erzeugt das Schaltnetz den binär
codierten Wert y = (y2, y1, y0) am Schaltnetzausgang.
Im Fehlerfall kann der Sensor Messwerte außerhalb des oben festgelegten
Wertebereichs erzeugen. Das Schaltnetz erkennt dies und zeigt den Fehlerfall über das
Binärsignal F an, d. h.:
0, Sensor liefert fehlerfreien Messwert
F
1, Sensor liefert fehlerbehafteten Messwert
Im Fehlerfall sind die Ausgangssignale y2, y1, y0 undefiniert.
i. Stellen Sie die vollständige Funktionstabelle für das Eingangssignal
(x3 x2, x1, x0) und die Ausgangssignale y2, y1, y0 und F auf. Geben Sie in der
Funktionstabelle auch die „don’t care“ für y2, y1, y0 an.
ii. Geben Sie die Kostenmaße Literale L, Gattereingänge G und Gattereingänge mit
Negation GN für die Realisierung von F mittels einer kanonisch disjunktive
Normalform (KDNF) von F an.
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b) Gehen Sie von der kanonisch disjunktiven Normalform (KDNF) der folgenden
Boolschen Funktion f1 aus:
f1 x3 , x 2 , x1 , x0 m 6, 9, 10, 12, 13, 14 x3 x2 x1 x0
i. Stellen Sie in einem der in Abbildung 2-1 dargestellten Karnaugh-Veitch-Diagramme
alle Primimplikanten (prime implicants) der angegebenen Boolschen Funktion f1 dar.
Geben Sie für jeden Primimplikanten den zugehörigen boolschen Ausdruck an und
bestimmen Sie, welche Primimplikanten wesentliche (essenzielle) Primimplikanten
(essential prime implicants) sind.
ii. Geben Sie eine disjunktive Minimalform (DMF) zur Realisierung der Boolsche
Funktion f1 an.
iii. Geben Sie den boolschen Ausdruck der DMF zu f1 an, wenn folgende „don’t care“
berücksichtigt werden können:
d1 (x 3 ,x 2 ,x1 ,x 0 ) m(0, 1, 2, 3, 7, 11, 15)
Geben Sie für die von Ihnen bestimmte DMF auch den boolschen Ausdruck zur
Realisierung mit NAND-Gattern an.
c) Gehen Sie von der kanonisch disjunktiven Normalform (KDNF) der folgenden
Boolschen Funktion f2 aus:
f 2 x3 , x 2 , x1 , x0 m 0, 1, 2, 3, 6, 7, 9, 10, 12, 13, 14
Entwickeln Sie mit Hilfe von 4-to-1 und 2-to-1 Multiplexer sowie (falls anwendbar)
vorgeschalteten Logikgattern (AND, OR, NAND, NOR) ein Schaltnetz zur
Realisierung von f2.
4
x2
x3
x1
x0
x2
x3
x1
x0
Abbildung 2-2: Lösungsblatt Karnaugh-Veitch Diagramme (ABGABE)
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3. Aufgabe: Moore-Automat
Die Heizung eines Warmwasserbehälters soll mit Hilfe eines Moore-Automaten geregelt
werden. Der Betrieb der Heizungsanlage wird dem Automaten mit dem Eingangssignal B
angezeigt, d. h.
0 Heizungsanlage abgeschaltet
B=
1 Heizungsanlage in Betrieb
Im Warmwasserbehälter befinden sich zwei Temperatursensoren. Die von den Sensoren an
den Moore-Automat gelieferten Signale T1 und T2 sind wie folgt definiert:
0 sonst
T1 =
1 Wassertemperatur im Heizkessel 40
O
0 sonst
T2 =
1 Wassertemperatur im Heizkessel 60
O
Das Wasser im Warmwasserbehälter wird über eine Heizspirale erwärmt. Die Heizspirale
wird mit dem Ausgangssignal
0 Heizspirale ausgeschaltet
HzA
1 Heizspirale angeschaltet und heizt
gesteuert. Die Temperatur im Warmwasserbehälter soll bei B=1, d. h. „Heizungsanlage in
Betrieb“ im Intervall größer gleich 40 und kleiner 60 gehalten werden. Sinkt die
Wassertemperatur unter 40, wird das Wasser durch die eingeschaltete Heizspirale solange
erhitzt, bis der Temperatursensor T2=1 liefert. Danach wird die Heizspirale ausgeschaltet, bis
die Temperatur erneut unter 40 fällt.
Für das Aufheizen des Wassers werden bei einer intakten Heizspirale höchstens 8 Minuten
benötigt. Zur Kontrolle der Heizdauer steht ein Timer zur Verfügung. Der Timer wird mit
dem Signal TBetrieb wie folgt gesteuert:
0 Timer gestoppt und zurückgesetzt
TBetrieb =
1 Timer in Betrieb
Der Timer stellt das Signal Tim mit der folgenden Bedeutung
0 Timer ist nach dem Start bisher weniger als 8 Minuten gelaufen
Tim =
1 Timer ist nach dem Start 8 Minuten und mehr gelaufen
bereit. Bei Tim=1 (Fehlerfall) muss die Heizspirale ausgeschaltet und mittels des Signals
Warn=1 eine Warnlampe angeschaltet werden. Der Fehlerfall verschwindet erst, wenn die
Heizungsanlage durch Wartungspersonal abgeschaltet wird (d. h. B=0).
a) Geben Sie die Ein- und Ausgangsvariablen des Moore-Automaten an.
b) Erstellen Sie einen Moore-Automatengraphen zur Betriebssteuerung der
beschriebenen Heizungsanlage.
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4. Aufgabe: Zeitverhalten
Abbildung 4-1 zeigt eine Schaltung mit positiv taktflankengesteuerten JK-FlipFlops und
einem D-FlipFlop. Die Kenndaten der Bausteine können der Tabelle 4-1 entnommen werden.
Abbildung 4-1: Schaltung mit positiv taktflankengesteuerten FlipFlops
a) Bestimmen Sie den maximal zulässigen Skew für die folgend aufgeführten Strecken und
Takteinspeisungen:
Takteinspeisung Strecken
T1 FF1 FF2
T2 FF2 FF4
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b) Nehmen Sie einen minimalen Skew von 0,5 ns und einen maximalen Skew von 1,0 ns an.
Bestimmen Sie die zulässige Frequenz fmax für die folgend aufgeführte Strecke und
Takteinspeisung:
Takteinspeisung Strecken
T3 FF2 FF4
7408 (UND) 7432 (ODER) 7474 (D-FF) 74114 (JK-FF)
tpdLH 5,3 ns – 6,5 ns 5,8 ns – 6,1 ns 8,8 ns – 9,1 ns 8.9 ns – 10,7 ns
tpdHL 5,1 ns –6,2 ns 6,3 ns – 7,1 ns 8,3 ns – 10,1 ns 9,4 ns – 9,6 ns
tsetup 4,2 ns 4,4 ns
thold 3,6 ns 3,8 ns
Tabelle 4-1: Zeitverhalten der Bausteine
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5. Aufgabe: Arithmetische Einheit
Gehen Sie für die folgenden Teilaufgaben von dem in Abbildung 5-1 dargestellten
Blockdiagramm eines Datenpfades aus. Ein Steuerwort (control word, nachfolgend auch als
Instruktion bezeichnet) hat die in Abbildung 5-2 dargestellte Struktur, die Kodierung eines
Steuerwortes wird durch Tabelle 5-1 festgestellt. Die Subtraktion von Binärzahlen und die
Darstellung negativer Binärwerte basieren auf der Darstellung der binären Zahlen im
sogenannten 2er-Komplement.
Abbildung 5-1: Blockdiagramm eines Datenpfads
Abbildung 5-2: Struktur eines Steuerwortes
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DA, AA, BA MB FS MD RW
Function Code Function Code Function Code Function Code Function Code
R0 000 Register 0 F=A 0000 Function 0 No Write 0
R1 001 Constant 1 F = A+1 0001 Data in 1 Write 1
R2 010 F = A+B 0010
R3 011 F=A+B+1 0011
R4 100 F = A+ B 0100
R5 101 F = A+ B +1 0101
R6 110 F = A‐1 0110
R7 111 F=A 0111
F = A∧B 1000
F = A∨B 1001
F = A⊕B 1010
F= A 1011
F=B 1100
F = sr B 1101
F = sl B 1110
Tabelle 5-1: Tabelle zur Kodierung der Steuerworte
a) Bilden Sie die Folge der (binären) Steuerworte zur Bearbeitung der untenstehenden
Instruktionsfolge (Steuerworte entsprechen dem in Abbildung 5-2 gegebenen Format):
R[6] ← sr(ConstantIn)
R[7] ← R[3] – R[2]
M[R[5]] ← R[4]
R[1] ← M[R[0]]
b) Geben Sie eine Folge von Steuerworten (Instruktionen) an, die die Anweisung
M[(400)16 ] R[7] M R[2] 1
realisiert. Die Kodierung der Instruktionen nach Tabelle 5-1 soll ebenfalls erfolgen.
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