Klausur Technische Informatik II
Klausur ohne Unterlagen, mit Taschenrechner, Dauer: 90 Minuten
Informatik -Bachelor(PO6)-
Herbst 2020
Name
Vorname
Matrikelnr./Sitzplatznr.
Studiengang/Abschluss
Max. Punkte Erreichte Punkte
1. Aufgabe 7
2. Aufgabe 14
3. Aufgabe 9
4. Aufgabe 10
5. Aufgabe 10
Summe 50
Mit dieser Nummer können Sie
Ihre Note im Internet abfragen
1
1. Aufgabe: Zahlendarstellung
In einem Computersystem werden Dezimalzahlen (Kommazahlen) mit 16 Binärstellen vor dem
Komma und 8 Binärstellen nach dem Komma dargestellt. Die Subtraktionen von Binärzahlen
und die Darstellung negativer Binärwerte basieren auf der Darstellung der binären Zahlen im
sogenannten 2er-Komplement.
a) Stellen Sie den Dezimalwert (7885,7265625)10 als Hexadezimal-, Binär- und Oktalzahl in
dem beschriebenen Computersystem dar. Die Wandlung vom Dezimalsystem in eins der
genannten Zahlensysteme (entweder Hexadezimal- oder Binär- oder Oktalsystem) soll
mittels Divisions-/Multiplikationsverfahren erfolgen, die einzelnen Rechenschritte dieser
Wandlung müssen sichtbar sein.
b) Berechnen Sie die Differenz (Differenz = Minuend – Subtrahend) zwischen dem
Minuend (FDEA,AD)16 und dem Subtrahend (51F,7A)16 mit Hilfe des 2er-Komplements
im Binärsystem. Die Rechnung im Binärsystem muss sichtbar sein, das Ergebnis soll als
Hexadezimalzahl angegeben werden. Stellen Sie fest, ob ein Überlauf vorliegt.
c) Stellen Sie die 32-bit IEEE754-Zahl (C3CDED00)IEEE754 als Dezimalzahl dar. Sie können
für die Darstellung des IEEE-Werts das untenstehende Format nutzen.
31 30 23 22 0
VZ Exponent Mantisse
2
2. Aufgabe: Schaltnetz
a) Realisieren Sie die Schaltnetze der Funktion f 0 x2 x0 x1 x0 x3 x2 x0 x3 x2 x1 und
f1 x3 x0 x3 x2 x0 x3 x2 x1 mittels des in Abbildung 2-1 dargestellten PLAs.
b) Entwickeln Sie mit Hilfe eines 1-bit Volladdierers (FA) eine Einheit, die die niederwer-
tigsten Stellen a0 und b0 (LSB: least significant bit) zweier Binärwerten A und B
entsprechend Tabelle 2-1 zur niederwertigsten Stelle f0 des Ausgangswert F verknüpft. Die
Darstellung negativer Werte und die Ausführung von Subtraktionen erfolgt auf der Basis
der 2er Komplementdarstellung von Binärwerten.
s0 cin,0 = 0 cin,0 = 1
0 F=B F=-B
1 F=B-A-1 F=B-A
Tabelle 2-1: ALU-Funktionen
c) Gehen Sie von der kanonisch disjunktiven Normalform (KDNF) der folgenden boolschen
Funktion f1 aus:
f1 x 3 , x 2 , x1 , x 0 m 0, 1, 3, 4, 8, 9, 11, 12, 14, 15 x3 x2 x1 x0 + x3 x2 x1x 0 …
Stellen Sie in einem der in Abbildung 2-2 dargestellten Karnaugh-Veitch-Diagramme alle
Primimplikanten (prime implicants) der angegebenen Boolschen Funktion f1 dar. Geben
Sie für jeden Primimplikanten den zugehörigen Boolschen Ausdruck an und bestimmen
Sie, welche Primimplikanten wesentliche (essenzielle) Primimplikanten (essential prime
implicants) sind.
i. Geben Sie die disjunktive Minimalform (DMF) für die Boolsche Funktion f1 an.
ii. Wie lautet der Ausdruck der von Ihnen angegebenen DMF, wenn die DMF mit
NAND-Gattern realisiert werden soll?
iii. Bestimmen Sie die DMF zu f1, wenn folgende „don’t care“ mit berücksichtigt werden
können : d1 (x3 ,x2 ,x1 ,x0 ) m (7, 13)
3
Abbildung 2-1: PLA – LÖSUNGSBLATT zum Abgeben
4
x2 x2
x3 x3
x1 x1
x0 x0
x2
x3
x1
x0
Abbildung 2-2: Karnaugh-Veitch Diagramme - LÖSUNGSBLATT zum Abgeben
5
3. Aufgabe: Realisierung eines Automaten
Eine Firma hat Sie mit der Entwicklung einer Steuerung für einen mobilen Roboter
beauftragt. Der Roboter soll mit Hilfe eines einfachen Algorithmus den Weg durch ein
Labyrinth suchen. Die Vorwärtsbewegung des Roboters wird durch das Ausgangssignal V = 1
bewirkt. Solange V = 1 ist, fährt der Roboter geradeaus. Nähert sich der Roboter einem
Hindernis oder einer Wand, wechselt ein Sensor sein Signal S von 0 auf 1. Durch das Setzen
eines Signals R = 1 leitet der Roboter eine Drehung um 90o nach rechts ein. Ist der Weg nach
dieser Drehung frei (d. h. S = 0) , so soll der Roboter durch das Setzen des Signals V = 1
wieder geradeaus fahren. Steht er aber nach der 90o Drehung wieder vor einer/einem
Wand/Hindernis, so soll er sich nacheinander zweimal jeweils um 90o drehen. Steht der
Roboter dann immer noch vor einer/einem Wand/Hindernis steht, so wird durch das Setzen
des Signals L = 1 eine Drehung um 90o nach links ausgeführt. Damit blickt der Roboter
wieder in die Richtung, aus der er gekommen ist und er kann hindernisfrei geradeaus
zurückfahren.
a) In der Vorlesung wurde der Mealy-Automat als ein 5-Tupel: M = (Z, X, Y, , )
eingeführt. Stellen Sie das Blockdiagramm eines Mealy Automaten (Typ1 oder Typ2) dar
und bezeichnen Sie die Komponenten des Blockdiagramms mittels der genannten
Elemente des Tupels.
b) Geben Sie die Ein- und Ausgangssignale des Mealy-Automaten an.
c) Entwickeln Sie den Mealy-Automatengraphen zur Realisierung des oben beschriebenen
synchronen Automaten.
6
4. Aufgabe: Zeitverhalten
Abbildung 4-1 zeigt eine Schaltung mit positiv taktflankengesteuerten D-FFs. Die Kenndaten
der Bausteine können der nachfolgenden Tabelle 4-1 entnommen werden.
Abbildung 4-1: Schaltung mit positiv taktflankengesteuerten D-FlipFlops
a) Geben Sie für das in der Tabelle 4-1 aufgeführte D-FF 7474 die Länge des in der Vorlesung
definierten Entscheidungsintervalls E an.
b) Bestimmen Sie den jeweils maximal zulässigen Skew für die folgend aufgeführten Strecken
und Takteinspeisungen:
Takteinspeisung Strecken
T0 FF0 FF2
T1 FF1 FF2
T1 FF1 FF0
7
c) Nehmen Sie einen minimalen Skew von 1,2 ns und einen maximalen Skew von 1,5 ns an.
Bestimmen Sie die zulässige Frequenz fmax für die folgend aufgeführten Strecken und
Takteinspeisungen:
Takteinspeisung Strecken
T0 FF1 FF0
T2 FF2 FF1
7408 7411 7432 7474 (D-FF)
tpdLH 8,2 – 10,7 ns 8,1 – 9,9 ns 8,5 – 10,6 ns 11,9 – 12,4 ns
tpdHL 7,9 –9,3 ns 8,2 – 10,3 ns 8,6 – 11,3 ns 11,2 – 12,7 ns
tsetup 3,9 ns
thold 2,7 ns
Tabelle 4-1: Zeitverhalten der Bausteine
8
5. Aufgabe: Arithmetische Einheit, Datenpfad
Gehen Sie für die folgenden Teilaufgaben 5a), 5b) und 5c) von dem in Abbildung 5-1
dargestellten Blockdiagramm eines Datenpfades aus. Das Steuerwort (control word) habe die
in Abbildung 5-2 dargestellte Struktur, die Kodierung eines Steuerwortes wird durch die in
Tabelle 5-1 gegebene Tabelle bestimmt. Die Subtraktionen von Binärzahlen und die
Darstellung negativer Binärwerte basieren auf der Darstellung der binären Zahlen im
sogenannten 2er-Komplement.
Abbildung 5-1: Blockdiagramm eines Datenpfads
Abbildung 5-2: Struktur eines Steuerwortes
9
DA, AA, BA MB FS MD RW
Function Code Function Code Function Code Function Code Function Code
R0 000 Register 0 F=A 0000 Function 0 No Write 0
R1 001 Constant 1 F = A+1 0001 Data in 1 Write 1
R2 010 F = A+B 0010
R3 011 F=A+B+1 0011
R4 100 F = A+ B 0100
R5 101 F = A+ B +1 0101
R6 110 F = A‐1 0110
R7 111 F=A 0111
F = A∧B 1000
F = A∨B 1001
F = A⊕B 1010
F= A 1011
F=B 1100
F = sr B 1101
F = sl B 1110
Tabelle 5-1: Tabelle zur Kodierung der Steuerworte
a) Bilden Sie die Folge der (binären) Steuerworte zur Bearbeitung der untenstehenden
Instruktionssequenz (Steuerworte entsprechen dem in Abbildung 5-2 gegebenen Format):
M[R[4]] ← R[7]
R[5] ← R[6] + Constant + 1
R[1] ← R[2] - R[3]
b) Gehen Sie von dem in Abbildung 5-1 dargestellten Blockdiagramm eines Datenpfades aus.
Das Steuerwort (control word) habe die in Abbildung 5-2 dargestellte Struktur, die
Kodierung eines Steuerwortes wird durch die in Tabelle 5-1 gegebene Zuordnung
bestimmt. Gehen Sie von der untenstehenden Folge von Kontrollwörtern aus. Decodieren
Sie untenstehende Kontrollworte und geben Sie entsprechende Instruktionen an.
i. 110 111 xxx 1 1010 0 1
ii. 011 101 100 0 1000 0 1
c) Geben Sie eine Instruktionsfolge an, die die Anweisung
R 3 1 R 5 R 6
realisiert.
10
d) Die folgenden Abbildungen 5-3, 5-4 und 5-5 zeigen Schaltungen eines 16Bit-
Schieberegisters mit einem Carryflag C zur hardwareunterstützten Realisierung
verschiedener Bitoperationen.
Geben Sie jeweils in hexadezimaler Form den im Schieberegister stehenden Binärwert
nach Ausführung der Schiebeoperationen an:
Abbildung 5-3: Logical shift right (SHR)
Abbildung 5-4: Arithmetic shift right (SHRA)
Abbildung 5-5 : Rotate Right with carry (RORC)
i. Dreifache Ausführung der Operation SHR beginnend mit dem Startwert
(7ACE)16
ii. Fünffache Ausführung der Operation SHRA beginnend mit dem Startwert
(AE37)16
iii. Zweifache Ausführung der Operation RORC beginnend mit dem Startwert
(9DCB)16, das Carryflag ist zu Beginn der Operation gesetzt.
11