Zu Diesem Heft
Zu Diesem Heft
«Immer vorwärts» rief Rudolf Steiner am Schluß seines Vortrages vom 17. Juni 1920 in der
Technischen Hochschule in Stuttgart den Studenten zu, aufgreifend einen Wortlaut, den er
selbst aus dem Munde eines Professors in Wien während seiner Studienzeit gehört hatte.
Dieses «Vorwärts» ist die Konsequenz aus einer Empfindung, die Rudolf Steiner so wie-
dergab: «Kommilitonen, ich schließe damit, daß derjenige, der ehrlich empfindet mit der
Entwicklung der Menschheit gegenüber dem, was entstehen soll aus aller Wissenschaft, aus
aller Technik, daß der nur sagen kann: Immer vorwärts!» (in: Beiträge Nr. 107)
Die enge Verbundenheit zur Naturwissenschaft durchzieht das gesamte Leben von
Rudolf Steiner. Gleichwohl gab er sich nie einer Illusion über deren Erfolge hin, sondern
blieb stets ein scharfer und zugleich feinsinniger Beobachter und Interpret wie es zum Bei-
spiel in dem Vortragszyklus «Lebendiges Naturerkennen. Intellektueller Sündenfall und
spirituelle Sündenerhebung» (GA 220) sehr anschaulich wird und in dem er gegen Schluß
(S.177) die Grundlagen eines «anthroposophischen Realismus» entwickelt.
Die Darstellungen in diesem Heft führen zu Ausgangspunkten eines Forschungsimpul-
ses hin, der manches in Bewegung gesetzt hat, von dem jedoch allzu vieles heute schon
beinahe vergessen ist. Damals, zu Beginn der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts,
war viel von Aufbruch die Rede und die Zeiten schienen günstig - auch für die von Rudolf
Steiner angeregte Forschung: «Wenn unsere Arbeit so fortgeht, wie sie bisher geleistet
worden ist in unserem Forschungsinstitut, dann werden wir vielleicht in fünfzig, fünfund-
siebzig Jahren zu demjenigen kommen, zu dem eigentlich gekommen werden muß: daß
sich viele Einzelheiten zu einer Gesamtheit verbinden.» Und im selben Atemzug fügte er
diesen, an der «Weihnachtstagung» 1923 gesprochenen Worten noch ganz hinzu: «Wenn
wir imstande wären, die nötigen Apparaturen, die nötigen Institute zu schaffen, Mitarbeiter
zu haben [....], wir würden das leisten können, was sonst in fünfzig oder fünfundsiebzig
Jahren vielleicht geleistet werden kann, in fünf oder zehn Jahren. Wir würden gar nichts
anderes brauchen zu dieser Arbeit als etwa 50 bis 75 Millionen Franken.» (GA 260, S. 213)
Die Aufarbeitung der Aufgabenstellungen und Anregungen Rudolf Steiners für natur-
wissenschaftliche Forschungen wurde im Archiv der Rudolf Steiner Nachlaßverwaltung
schon vor vielen Jahren begonnen. Erste Ergebnisse über die «Biegung des Farbenspek-
trums» sowie über den «Strader-Apparat» wurden in den Beiträgen (Nrn. 95/96 und 107)
veröffentlicht. Die Arbeit an diesem Heft artete zusehends aus in zahlreiche Recherchen
über die zu Rudolf Steiners Lebzeiten eingerichteten Forschungsinstitute. Hier hat insbe-
sondere Christoph Podak, Basel, Pionierarbeit geleistet. Doch wurde im Laufe der Arbeit
immer deutlicher, daß die Geschichte dieser Institute einer noch gründlicheren Aufarbei-
tung bedarf, die aufgrund der Fülle von Materialien und die daraus entstehende noch grö-
ßere Fülle von offenen Fragen für dieses Heft nicht zu leisten war. Gleichwohl sei ihm an
dieser Stelle herzlich für seinen großen Einsatz gedankt und gedankt sei auch all jenen, die
am Zustandekommen dieses Heftes beteiligt waren: Georg Unger, der im vergangenen Jahr
verstorbene, langjährige Leiter der Mathematisch-Astronomischen Sektion am Goethea-
num, dann Johannes Kühl, Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion und vor allem Ste-
phan Clerc, der bis vor kurzem als Wissenschaftler am Paul Scherrer-Institut der ETH
Zürich tätig war und für dieses Heft den Versuch unternommen hat, die einzelnen Auf-
gabenstellungen von Rudolf Steiner durch Erläuterungen und beigezogene Dokumente
nachvollziehbarer werden zu lassen.
Walter Kugler
Johannes Kühl
Vorbemerkung
Rudolf Steiner hat für das Gebiet der Naturwissenschaft eine große Anzahl von
Richtlinien und Arbeitsanregungen gegeben. Er hat auch, zumeist auf Anfrage,
konkrete Aufgaben für experimentelle Untersuchungen gestellt.
Manches findet sich in den Vorträgen Rudolf Steiners. Ein großer Teil solcher
Angaben ist jedoch in Gesprächen mit naturwissenschaftlich interessierten Persön-
lichkeiten gegeben worden. In den folgenden Blättern sollen solche Angaben nach
Möglichkeit gesammelt und den tätigen Naturwissenschaftlern zugänglich gemacht
werden.
Dies kann jedoch nur unter der Voraussetzung geschehen, daß diese Sammlung
vertraulich behandelt, also nur als Arbeitsmaterial von dem Empfänger selbst ver-
wendet wird. Eine Weitergabe an andere Persönlichkeiten ist nur nach vorheriger
Rücksprache mit der Leitung der Naturwissenschaftlichen Sektion zulässig. Es
sollte dafür Sorge getragen werden, daß diese Sammlung im Todesfalle an die Natur-
wissenschaftliche Sektion zurückgegeben wird.
Bei der Mehrzahl der nachfolgenden Texte ist sehr zu beachten, daß es sich nicht
um wörtliche Niederschriften handelt, sondern um Notizen, welche von den betref-
fenden Persönlichkeiten nach den Gesprächen mit Rudolf Steiner - sehr oft erst
lange Zeit nachher - gemacht wurden. Hierdurch können mancherlei Unsicher-
heiten und Irrtümer entstanden sein.
Zur Vervollständigung sind auch Blätter beigefügt, welche hierhergehörende,
aber bereits in Zeitschriften oder Büchern veröffentlichte Mitteilungen enthalten.
Sollten weitere Angaben und Aufgabenstellungen Rudolf Steiners bekannt sein,
so wird gebeten, diese zur Verfügung zu stellen, damit sie in anschließenden Blättern
dieser Sammlung 2 beigefügt werden können.
Paul Eugen Schüler
Blatt 2 a - d
1) Vier Ätherarten. -
Alaun
Jodlösung in Schwefelkohlenstoff
Äskulinlösung
Zu 1):
Geht aus auf die Entdeckung der vier Ätherarten auf physikalischem Wege.
Es war von der Zusammenschließung des Spektrums zum geschlossenen Kreis
die Rede, des roten und violetten Endes zur Pfirsichblütfarbe mittels magnetischer
Kraft. Ich fragte: Wo soll die magnetische Kraft zur Wirkung gebracht werden, an
der Lichtquelle, am Prisma oder wo sonst; die große Intensität der magnetischen
Kraft würde am besten erreicht, wenn der Luftraum zwischen den Polschuhen klein
sei. Daher würde es zweckmäßig sein, die magnetische Kraft in der Nähe des Spaltes
zur Wirkung zu bringen.
Dr. Steiner: Das wird wohl der Fall sein, vielleicht würde die hohe Intensität des
Magnetismus durch die schnelle Drehung einer Dynamomaschine zu bekommen
sein.
Ich fragte, ob er eine Drehstrommaschine meine, ich dachte nämlich an das rotie-
rende Magnetfeld zwischen den Polschuhen einer solchen.
Dr. Steiner: Ja, am besten zwei Dynamomaschinen. (Ich versäumte, noch genauer
zu fragen, wie er die Anordnung mit der Dynamomaschine gedacht hatte.)
Reagenzien zur Beobachtung der Natur des Pfirsichblüt (Lebensäther).
Zu 2):
In jeder Wärmewirkung zweierlei Arten von Wärme, feinere und gröbere, in der
heutigen strahlenden Wärme und Wärmeleitung, seelischem, dem Licht verwandte
Wärme und die gröbere, - außerterrestrische und terrestrische.
Jodsilberzersetzung studieren bei vorheriger Lichtbelichtung und Wärmebelich-
tung. - Zersetzung bewirken die chemischen Strahlen, aber Licht fördert die Zer-
setzbarkeit, Wärme hindert dieselbe. Diese Versuche sind bei Tag und bei Nacht
anzustellen und die Ergebnisse zu vergleichen.
Ich bin ganz sicher, so etwa sagte Dr. Steiner: Bei Nacht, wo die ganze Erde (ihre
Verdunkelung) sich zwischen Sonne und den Vorgang schiebt, müssen andere
Ergebnisse auftreten.
Zu 3):
Die Metallblättchen sind so aufzuhängen, daß sie den Formkräften der Magnetis-
muskräfte (Gestaltkräfte) möglichst frei sich anschmiegen können.
Magnetisierte Metallkugeln. Ich fragte: In welchem Sinne sind z. B. Kupfer-
kugeln zu magnetisieren? - Wenn in Kupferkugeln die eisernen Enden eines Elek-
tromagneten eingeschmolzen sind, werden die Magnetismuskräfte beeinflußt. (Ich:
Modifizieren? Er: Ja.) Außer der Anordnung der Kugeln in der Ebene, später auch
noch solche in einer weiteren Dimension (Raum).
Zu 4):
Pflanzenaschen aus frischen verbrannten Pflanzen sind physikalisch zu vergleichen
mit mineralisierten Aschen (Steinkohle). Die physikalische Untersuchung wird
wesentliche Unterschiede ergeben, die chemische Untersuchung (ich fragte danach)
kaum. Dr. Steiner nannte z. B. «beim Aufstreichen der Aschen», er meinte wohl auf
Schirme, Papier und dergleichen.
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Zu 5):
Dr. Steiner nannte noch, daß beim Diamant die kosmischen Kräfte die völlige Über-
hand gegen die irdischen gewonnen haben.
Zu 6):
Näheres über die Untersuchungsmethode: Die Pflanzengifte und die nichtgiftigen
Pflanzenstoffe, vor allem Mischungen derselben, sind Lösungen (in schwachen
Dosen) zuzusetzen, aus welchen man Kristalle auskristallisieren läßt. Die Pflanzen-
stoffe, bzw. ihre Mischungen werden bestimmte Modifikationen an den Kristallen
hervorrufen. Hier Übergang von mineralischer Kristallgestaltungskraft zu Pflan-
zengestaltungskraft. -
Industrielle Verwertung: Pflanzenfarbstoffe. Der Zusatz von Gift so gering, daß
sie unschädlich. Ferner Bestreichen mit Lösungen der Gifte und ungiftigen Pflan-
zenstoffen des Pfirsichblüt: es werden Veränderungen auftreten, nämlich Anfänge
von Lebenswirkungen.
Blatt 3
Chemie: Der wahre Unterschied der sog. anorganischen und organischen Verbin-
dungen ist zu untersuchen, dabei sind namentlich die Zyanverbindungen als Über-
gang zu betrachten.
Sprachen: Es ist nachzuweisen, daß in den Sprachen früherer Zeiten Materie und
Geist nicht getrennt waren. Als Beispiel hierfür ist angegeben: «Ich brenne dem Tag
die Augen aus».
Rudolf Steiner gab dann noch an, daß in den anorganischen Wissenschaften alles auf
Polarität beruhe. Die Anthroposophie trage das Geistselbst hinein (z. B. Chemie).
(Siehe hierzu auch den Vortrag vom 28.12.1914)
Blatt 4 a - c
Dr. E. E. Pfeiffer berichtet wie folgt über eine Reihe von Gesprächen, welche er über
experimentelle Arbeiten mit Rudolf Steiner geführt hat, bzw. an denen er teilnahm:
Rudolf Steiner wurde gefragt, ob es heute schon möglich sei, ätherische Bildekräfte
im Laboratorium und für technische Zwecke verwendbar zu machen. Bei der Frage-
stellung wurde auf seine Vorträge, in denen er den Keely-Motor und die künftige
Verwendung von Schwingungen erwähnt hatte (z. B. Dornach, 25.11.1917), hinge-
wiesen. Rudolf Steiner habe geantwortet: «Es handelt sich in erster Linie darum, ein
Reagenz auf ätherische Bildekräfte zu finden. Man müßte feststellen, ob in einer
gegebenen Versuchsanordnung die Bildekräfte wirksam werden. Dies könnte mit
Wärme- und Lichterscheinungen oder auch mit Bakterienkulturen, d. h. mit Lebens-
erscheinungen geschehen. (Pfeiffer fügt bei, daß vielleicht u. a. auch Paramaecien als
Testmittel erwähnt wurden.) Weiterhin könnte man z. B. Lebensäther dadurch
gewinnen, daß Tiere durch Hereinbringen in evakuierte Gefäße getötet würden. Der
Lebensäther wäre dann mit Weingeist zu extrahieren.»
Rudolf Steiner wies auf das Buch von Rama Prashad «Nature's Finer Forces» hin.
Darin sind sieben Ätherarten erwähnt. Heute, so sagte Rudolf Steiner, dürften
jedoch nur Mitteilungen über die ersten vier Ätherarten gemacht werden. Die vor-
zeitige Kenntnis und ein Missbrauch der drei anderen könnte zu den größten
Katastrophen führen.
Rudolf Steiner empfahl weiterhin, die Resonanzerscheinungen von Schwingun-
gen zu studieren, ebenso den Einfluß menschlicher Rhythmen auf akustische und
magnetische Erscheinungen. Die Transformation der feinen Pulsschwingungen auf
größere wäre zu untersuchen. Hier handle es sich vor allem darum, solche Stoffe
zu finden, welche hierbei besonders empfindlich reagieren. Kupfer käme hierfür in
Frage.
Es könnten auch die menschlichen Schwingungen z. B. durch ein feines Kupfer-
band in eine evakuierte Röhre (Geißlerröhre) eingeleitet und der Einfluß auf die
Lichterscheinung beobachtet werden (oder Messung durch ein Elektroskop). Auch
ein Telephonhörer ließe sich hierzu verwenden. Eine andere Möglichkeit läge darin,
eine Verbindung zwischen der menschlichen Zunge und einer Flamme herzustellen
(Faden, Draht) und die Veränderungen zu beobachten.
Pfeiffer hatte im Zusammenhang mit dem Obigen einige Versuche angestellt und
beobachtet, daß sich bei Annäherung (nicht Berührung) einer Entladungsröhre an
verschiedenen Körperteilen des Menschen Farbänderungen und Verschiebungen der
Dunkelräume ergeben. Er beobachtete auch Lichterscheinungen in einer evakuierten
Glaskugel, wenn diese dem menschlichen Körper genähert wurde. Diese Lichter-
scheinungen waren in der Nähe der verschiedenen Körperteile verschieden. Pfeiffer
berichtete hierüber Rudolf Steiner. Rudolf Steiner sagte, daß die beobachteten Ver-
änderungen in der Entladungsröhre zunächst noch auf den Einfluß des Astralleibes
zurückzuführen, also noch nicht ätherische Erscheinungen seien. Er schließe aber
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aus dem bisherigen Verlauf dieser Versuche, daß es noch nicht an der Zeit sei, daß die
ätherischen Kräfte wirksam gemacht werden könnten. Pfeiffer fragte daraufhin,
wann die Zeit gekommen sein würde. Dr. Steiner sagte, wenn die Dreigliederung und
die Waldorfschul-Erziehung praktisch durchgeführt sei und eine andere moralische
Konstitution der Menschheit bestünde. Bis dahin könnten und sollten diese Studien
nur in größter Einsamkeit und absoluter Verschwiegenheit durchgeführt werden.
Dr. Steiner erwähnte zum Schluß, daß die elektrisch-magnetischen Versuche
wohl in Amerika besser gelingen würden, weil dort eine stärkere Konzentration der
magnetischen Kräfte bestehe. Man sollte solche Versuche dort durchführen.
In einem weiteren Hinweis empfiehlt Rudolf Steiner, die Reaktion einer ruhig
brennenden Flamme auf die menschliche Stimme zu untersuchen (siehe Blatt 10,
Flammenversuch). Man könne auch beobachten, daß, wenn ein Mensch spricht und
ein anderer ihm zuhört, der Ätherleib des Zuhörenden die Sprechschwingungen mit-
macht. Wenn der eine eine eurythmische Bewegung macht, so würde der Ätherleib
des anderen diese Bewegung in Resonanz mitmachen. (Siehe hierüber auch den Vor-
trag vom 20.02.1917.) Man müßte nun versuchen, inwieweit z. B. eine «I»-Bewe-
gung auf eine Maschine durch Resonanz übertragen werden kann, so daß z. B. ein
Hebelarm dieser Maschine die «I»-Bewegung mitmacht.
Der Keely-Motor wurde erwähnt. Keely konnte seine Angaben nicht durchfüh-
ren, weil seine Erfindung für egoistische Zwecke (Krieg) ausgebeutet werden sollte.
Nur bestimmte Menschen konnten den Keely-Motor in Bewegung setzen; manche
auch nur dann, wenn Keely deren Schulter mit seiner Hand berührte. Es kommt bei
diesen Versuchen die moralische Seite des Menschen entscheidend in Frage. Nur
Menschen mit einer bestimmten, nicht egoistischen, sondern altruistischen Moral
könnten und sollten solche ätherischen Schwingungsmaschinen bedienen, sonst
würde ein zerstörender Unfug entstehen.
In tibetanischen Mysterien wurde eine Maschine konstruiert, lediglich zu De-
monstrationszwecken, nicht zu technischen Ausnutzungen, die auf die Mondbewe-
gung so fein reagierte, daß sie dieselben mitmachte, d. h. sich im Monden-Rhythmus
bewegte.
Man sollte auch studieren die Blutveränderungen, z. B. untersuchen die Verschie-
denheit von Kamel- und Lamablut gegenüber dem Hunde- und Kaninchenblut. Das
Lama- und Kamelblut könnte man ja leicht vom zoologischen Garten bekommen.
Die Geschwindigkeit des Blutschlages hängt von der Körpergröße ab. Man würde
diese vom Boden bis zum Steißbein messen. Je größer die Distanz, desto langsamer
der Puls. Das Pferd mit 40 sei langsam, das Kaninchen mit 140 sei rasch; der Mensch
mit 80 sei in der Mitte, Höhe vom Boden bis zum Steißbein gemessen, also auf allen
Vieren.
Alle diese Versuche würden nur gelingen, wenn man das Laboratorium zum Altar
mache. Nur unter dieser Voraussetzung dürfe man Versuche machen, bei denen das
Innere des Menschen nach außen wirksam wird, andernfalls würde nur ein großer
Unfug getrieben werden.
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Blatt 5 a - b
Zu einer Frage von Dr. Wachsmuth, ob man nicht eine neue Art der Wirkung von
Schwingungen aus dem Vitalen erzielen könnte, indem man z. B. die Puls-Rhythmen
eines Menschen in größere Schwingungen transponiere, sagte Rudolf Steiner: Wollen
Sie denn jetzt schon die astralen Schwingungen des Menschen in den Kosmos
hinaushämmern? (Hierbei betonte er besonders die Worte «jetzt schon».)
Ein ausführlicherer Bericht über die Angaben, welche Rudolf Steiner schon ein Jahr
vor dem Landwirtschaftlichen Kursus Dr. G. Wachsmuth und E. Pfeiffer gemacht
hatte, findet sich in G. Wachsmuth: «Rudolf Steiners Erdenleben und Wirken», 1951,
S. 504ff und 585.
Hier sei noch hinzugefügt, daß Dr. Wachsmuth die Frage stellte, ob man eventuell
zur Spezifizierung der in die Kuhhörner einzufügenden Präparatesubstanzen noch
z. B. metallische Zusätze hinzufügen könnte. Rudolf Steiner sagte, dies sei nicht
nötig, und erwähnte dabei, daß sich Quecksilber sogar bis in die Generationenfolge
hinein als schädlich erweisen könnte.
Dr. G. Wachsmuth hat die folgenden Notizen von Rudolf Steiner aus dem Jahre
1924 über einzelne Elemente zur Verfügung gestellt. Diese ergänzen die Angaben im
Landwirtschaftlichen Kursus.
Daß die Erde nicht ganz kristallisiert = die Kristallisation ist das eigentlich Irdische.
Das Silizium hat die Erde zum Abbild des Kosmos gemacht. - Der Kohlenstoff hat
sie zur pflanzentragenden Erde gemacht.
Phosphor macht die Erde zum Begierdeplanet, der die Ingredienzien des Kosmos
anzieht.
Stickstoff macht die Erde zum vergeistigenden Planeten, der die Tiere aufnimmt.
Sauerstoff macht die Erde zum Lebensplaneten, der das Leben des Kosmos herein-
zieht.
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Schwefel macht die Erde zum lebensverzehrenden Gedankenträger.
H bringt die Gedanken.
Chlor bringt die Gedanken an die Metalle heran.
(Weitere, für die Naturforschung bedeutsame Notizen Rudolf Steiners sind in der
Wochenschrift «Anthroposophie», 9., 10. und 11. Jg., 1927-1929, abgedruckt.)
Blatt 6 a - c
Dr. E. E. Pfeiffer berichtet wie folgt über ein am 29. April 1921 mit Rudolf Steiner
geführtes Gespräch. Es war die Frage nach dem Wesen der Elektrizität gestellt wor-
den. Rudolf Steiner begleitete seine Antwort mit den nachfolgend wiedergegebenen
Skizzen. (Das Original derselben befindet sich bei Dr. Pfeiffer, eine Photokopie in
den Akten der Naturwissenschaftlichen Sektion.)
«Solange man mit und in der Elektrizität schwimmt, kann man sie nicht wahrneh-
men, da man von dem, was man selber ist, zunächst kein Bewußtsein hat. Bewußt-
sein wird durch Polarität geschaffen, dadurch daß man den Strom unterbricht.»
(Hierzu gehört der Pfeil ganz rechts, der sich in eine Li-
nie fortsetzt und von zwei Bogenlinien durchschnitten
wird, mit einem dritten Bogen und einer feinen Linie
darüber; zuerst wurde die lange Linie gemacht = der
Strom der Elektrizität, zuletzt das Pfeilzeichen .)
«Polarität wird geschaffen, dadurch daß man sie unter-
bricht.»
(Die beiden offenen Linien links und die Zeichen + und
-)
«Eigentlich ist die Elektrizität eine vierte Achse im
Raum.»
(Dazu die Skizze der drei Raumes-Achsen und einer
vierten = Pfeil nach unten, links von der aufsteigenden
Vertikale.)
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«Am besten kann man das Wesen der Elektrizität in der
Kathodenröhre beobachten. Ihre strahlende Form
strömt von der Anode mit einer Lichterscheinung, das
heißt dem Licht- und Wärmepol, in das Vakuum ein.»
mm
(Dazu die Zeichnung der Anode mit dem Strahlenbün-
s
del und den Worten «hell» und «Wärme».) <4««Ket
Es wurde dann noch die Frage gestellt, ob man die kosmische Elektrizität, wie
sie noch in der statischen Elektrizität der Luft enthalten sei, technisch verwenden
könnte.
Antwort: «Man müßte da auch zuerst eine Polarität und ein Potential schaffen,
etwa dadurch, daß man eine Kerze in einem Ballon 100 Meter hoch steigen läßt. Eine
Flamme zieht Elektrizität an. Diese könnte man durch einen Draht nach unten lei-
ten, wie Franklin, und hätte gegen die Erde (= dem negativen Pol) ein Potential. Man
müßte aber untersuchen, ob dadurch nicht Kräfte entzogen würden, die anderswo
gebraucht werden.»
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Blatt 7
Blatt 8 a - b
Rudolf Steiner hatte des öfteren darauf aufmerksam gemacht, daß bestimmte Natur-
prozesse während des Tages einen anderen Verlauf nehmen als während der Nacht.
In den für das Stuttgarter Forschungslaboratorium gestellten Aufgaben ist unter 2)
eine diesbezügliche Untersuchung angeregt.
Herr Dr. H. Theberath, Hamburg, berichtet über Modifikationen dieser An-
regung wie folgt:
Rudolf Steiner stellte die Aufgabe in folgender Form: «Hängen Sie eine hygrosko-
pische Substanz in Spiralform auf». Es sollten die Längen- und Formänderungen
dieser Spirale beobachtet werden. Die zu erwartende Kurve zeichnete Rudolf
Steiner in der folgenden, überraschenden Form auf.
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kontinuierliche Auslängung der Spirale. Diese Auslängung war jedoch bei Sonnen-
auf- bzw. Sonnenuntergang durch eine Verlängerung oder Verkürzung unter-
brochen. Das war der nach Rudolf Steiner zu erwartende Effekt.
Rudolf Steiner sagte später, daß er an eine konische Spirale und vorzüglich, aber
nicht ausschließlich an eine Spirale aus Golddraht gedacht habe.
Dr. Steiner dachte auch, so schreibt Dr. Theberath, an so große Spiralen, daß man
die Bewegung ohne optische Hilfe sehen kann.
Blatt 9 a - c
1) Das Spektrum von Geisslerröhren wurde bei Zimmertemperatur und bei -200°
untersucht. Es zeigte sich, daß bei den tiefen Temperaturen nicht nur einzelne Spek-
trallinien verschwinden, sondern auch neue Linien auftreten. P. E. Schiller hatte im
Frühjahr 1924 Gelegenheit, Rudolf Steiner eine Skizze dieser Veränderungen vorzu-
legen. Rudolf Steiner empfahl, jene Stellen des Spektralbandes, an welchen diese
Veränderungen auftreten, ganz besonders sorgfältig zu untersuchen. Er sprach sogar
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davon, daß dort ganz neue Farben auftreten könnten. Zur Verdeutlichung machte er
die nachfolgende Skizze: die senkrechte Linie «A» in der oberen Zone stellt eine
Spektrallinie bei Zimmertemperatur dar. Bei Abkühlung verschwindet diese, und es
tritt an einer anderen Stelle des Spektralbandes eine neue Linie «B» auf. Mit der
Schraffur unter der oberen und über der unteren Linie wollte Rudolf Steiner das
besonders sorgfältig zu untersuchende Gebiet andeuten.
.f. 26
-%00°
In einem Brief, welchen Dr. W. J. Stein im Jahre 1948 an Herrn G. Hahn geschrieben
hat, finden sich einige Sätze, welche - gemäß der Darstellung von Dr. Stein - auf die
obige Aufgabenstellung zu beziehen sind.
Rudolf Steiner habe gesagt: «Für eine bestimmte Temperatur eine Torricellische
Leere herstellen. Diese unterkühlen. Dann versuchen, was der Unterschied ist. Im
bloßen Vakuum und im abgekühlten Vakuum. Sie werden sehen, daß im abgekühl-
ten Vakuum der Äther anwesend ist als negative Quantität, die sich messen läßt.»
Die Anwesenden fragten: Welcher Versuch ist im Vakuum zu machen?
Dr. Steiner antwortete nicht. Er glaubte, es gesagt zu haben. Man muß eben alles
versuchen: Druckunterschiede, Wärmeunterschiede, Lichtdurchgang, tausend ande-
re Dinge. Chemische Reaktionen. «Im Weltraum», sagte Dr. Steiner, «ist ein unter-
kühltes Vakuum. Man muß eine Quarzdampflampe benutzen. Die Gase der Sonne
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in dieser Weise untersuchen im abgekühlten Vakuum. Entladungserscheinungen mit
dem Spektroskop untersuchen. Bei geringer Unterkühlung beginnen. Die Tempera-
turgrade genau untersuchen. Ihre Wirkung auf das Phänomen.»
Ein befreundeter Arzt teilt mit, daß Rudolf Steiner (1924) zur Behandlung einer
Augenverletzung angegeben habe:
Um die Ätherarten vom Auge fernzuhalten, Umschläge auf die Augen mit
5%iger Alaunlösung (Wärmeäther), 5%igem Kai. Jodat (Lichtäther), 5%iger Äsku-
linlösung (chemischer Äther); hiermit ein Tuch tränken und auf die Augen legen.
Blatt 10 a - b
Dr. E. E. Pfeiffer berichtet vom September 1924. Es fand zuerst ein Gespräch
zwischen Dr. Steiner, Dr. Wachsmuth und Herrn Pfeiffer statt, welches dann kurz
darauf unter Zuzug von Dr. von Dechend weitergeführt wurde.
Dr. Wachsmuth warf die Frage auf, ob es möglich wäre, die Vorträge Dr. Steiners
durch Radio - etwa mit einem Sender am Goetheanum - zu verbreiten, jedoch so,
daß nur Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft diese Sendungen empfan-
gen könnten. Würde Dr. Steiner eine solche Idee ablehnen oder welches wären die
Bedingungen für eine Durchführung?
Rudolf Steiner: «In dem bisherigen Gebrauch des Radio geht der Einfluß der
Stimme der Persönlichkeit verloren. Es muß zuerst ermöglicht werden, daß die Per-
sönlichkeitsnuance der Stimme erhalten bleibt und nicht mechanisiert wird. Man
könnte dies dadurch erreichen, daß man eine Flamme als Detektor verwendet. Dies
wäre eine Vorbedingung. Man müßte einen Schlüssel ausarbeiten, so daß nur jene
empfangen können, welche man teilnehmen lassen will.»
Herr Dr. von Dechend hatte diesen Teil des Gespräches wie folgt in der Erinnerung:
Rudolf Steiner habe gesagt, er könne sich eine Lösung «nur so denken, daß Sie eine
Flamme nehmen und die Wirkung der Sprache auf die Flamme verfolgen und auf-
nehmen in Kurven gewissermaßen, und dann verschiedene Menschen sprechen las-
sen. Und die Unterschiede, die sich zeigen, studieren. Und dann, man nennt es ja
wohl Kohärer, geben Sie dem Kohärer die Form, die Sie da herausfinden. Dann kann
nur der, der diesen Kohärer hat, die Nachricht aufnehmen.»
Herr Pfeiffer berichtet weiter, daß er Rudolf Steiner gefragt habe, ob es auch mög-
lich wäre, den Flüssigkeitsorganismus der Erde für drahtlose Telephonie oder Ra-
dioübertragung zu verwenden, da die Leitfähigkeit der Erde eine so viel bessere sei.
Rudolf Steiner: «Dies ist theoretisch möglich; man müßte aber das Verhalten des
Erdmagnetismus besser kennenlernen. Ich habe ja die Aufgabe gegeben, die Rhyth-
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men des Erdmagnetismus zu studieren, etwa durch Einsenken von Meßinstrumen-
ten ins Grundwasser. Ich muß erst abwarten, bis ich die Ergebnisse dieser Unter-
suchung erhalte. Wenn man den Erdmagnetismus falsch einschaltet, läuft man die
Gefahr, daß die Erde zersprengt wird.»
Dr. Pfeiffer macht darauf aufmerksam, daß diese Äußerungen wohl in Verbindung
mit den Ausführungen Rudolf Steiners über Ameisensäure im sog. Bienenkurs ste-
hen. In dem Vortrage vom 22.12.1923 schildert Rudolf Steiner, daß ein Zusammen-
hang besteht zwischen der Ameisensäure im Boden und der elektromagnetischen
Nachrichtenübertragung.
Blatt 11
Oktober 1923. Ein Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, von Beruf Elek-
tro-Ingenieur, hatte Rudolf Steiner gefragt, was er wohl im Sinne des anthropo-
sophischen Impulses tun könne.
Rudolf Steiner sei aufgestanden, einmal im Atelier hin und her gegangen und
habe dann gesagt: «Bereiten Sie eine schwimmende, frei auf einer Flüssigkeit sich
bewegende, offene Flamme, und dann halten Sie die Hände so, wie gotische Schwib-
bogen, über der Flamme.»
Die betreffende Persönlichkeit fährt in seinem Berichte fort: Darauf hatte ich den
Eindruck, daß er die Besprechung als beendet betrachtete. Vor dem Abschiedneh-
men frug ich noch, ob es unterschiedlich sei, ob eine gesunde oder kranke Person die
Hände über die Flamme hält. Er sagte: «Ja». Einige Wochen später sagte ich ihm
nach seinem Vortrag, daß ich in den konstatierten Bewegungen keine Gesetzmäßig-
keiten erkenne. Darauf sagte er: «Nehmen Sie Musik dazu.»
Blatt 12 a - c
15. März 1922: «Ich fragte ihn (Rudolf Steiner) im Zusammenhang mit Angaben, die
in den Vorträgen vorkommen, welche unter dem Titel: «Geisteswissenschaft und
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Medizin» seither veröffentlicht sind. Dort waren die elementaren Grundstoffe, die
am Eiweiß bilden, im Zusammenhang mit Organprozessen von Leber, Niere, Herz,
Lunge dargestellt worden. Später erschienen ähnliche Hinweise ja im Landwirt-
schaftlichen Kurs.
Im Zusammenhang mit meinen Fragen gab Rudolf Steiner folgende Hinweise:
Man muß mit Bezug auf die Wirksamkeit dieser Stoffe unterscheiden zwischen obe-
rer und unterer Organisation. Für den Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus kann
man den Kohlenstoff dem physischen Leib zuordnen. Der physische Leib ist etwas,
was sich auf der Grundlage des Verbrennungsprozesses des Kohlenstoffes bildet.
Dann wird man den Wasserstoff der Ich-Tätigkeit zuordnen können. In der Haup-
tes-Sinnen-Nerven-Organisation hingegen muß man dem physischen Leib den
Wasserstoff zuordnen, dem Ich aber den Kohlenstoff.»
28. April 1922: «Ich hatte Rudolf Steiner um einen Leitgedanken gebeten, nach dem
man die Natur der sogenannten Edelgase verstehen könnte, also Helium, Neon,
Argon, Krypton und die verschiedenen Emanationen. Die Frage war wohl etwas
ausgefallen, ich hatte sie im Zusammenhang mit Problemen der Radioaktivität ge-
stellt.
Rudolf Steiner antwortete, ohne sich einen Augenblick zu besinnen: In den Edel-
gasen hätten wir Substanzen vor uns, die bei sehr tiefer Temperatur fest würden.
Diese Substanzen könnten wir durch die verschiedensten Zustände hindurch verfol-
gen: erdig, flüssig, gasförmig, wärmehaft, dann aber auch lichthaft usw. Nun kann
Gasiges verflüssigt, Flüssiges verfestigt werden usw. Wenn man sich Licht verfestigt
denkt, so ergibt das die Edelgase. Amorphosiertes Licht, nicht kristallisiert.»
Herr Pelikan fügt hier hinzu: Wenn man bedenkt, wie die schwersten Edelgase sich
aus den Alpha-Strahlen bilden, so kann man schon einen Weg zum Verständnis
dieser Angabe finden; von da eine Brücke zum Helium im radioaktiven Zerfall.
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senförmige Gebilde, die von wucherndem (also nicht normalem) Wachstum erfüllt
sind. Bei Kupfer wird sich etwas Entgegengesetztes zeigen; kugelförmige Gebilde
werden sich zeigen, die mit vertrockneten Einschlüssen erfüllt sind. Also Ver-
schrumpfungs-, Verhärtungsprozesse».
Später gab Dr. Steiner noch an, daß man bei Metallen, die eine Darstellung genügend
leicht flüchtiger, leicht zu vergasender Substanzen nicht erlaubten, einen anderen
Weg einschlagen könnte. Man solle lösliche Salze solcher Metalle der Elektrolyse
unterwerfen und nahe der Kathode Flüssigkeit abziehen, mit der man dann entspre-
chende Pflanzen gießen sollte.»
Der erwähnte Aufsatz von Herrn Pelikan berichtet dann weiterhin über Ergebnisse
solcher Versuche.
Blatt 13 a - b
Dr. O. Schmiedel hatte sich im Zusammenhang mit einem Gespräch mit Rudolf
Steiner über Holzbehandlung Notizen gemacht. Er gab Dr. E. E. Pfeiffer die Er-
laubnis, diese zu kopieren. Dr. E. E. Pfeiffer gibt diese Notizen wie folgt wieder:
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(Sb coli, bei Heyden in Radebeul-Dresden.)
Schützen mit Lärchensaft und Malvenschleim. Rühren.
Blatt 14 a - b
Angaben Dr. R. Steiners in einer Unterredung mit Dr. F. Kauffungen am 12. April
1923 in St. Gallen:
Dr. Steiner: «Wenn Sie den Peptisationsprozeß verstehen wollen, so dürfen Sie nicht
ausgehen von der anorganischen Säurewirkung. Sie müssen, vom Menschen ausge-
hend, zuerst die Peptisation verstehen, dann erkennen Sie die Säurewirkung als Spe-
zialfall. Sie müssen auch dazu kommen, den Tag- und Nachtrhythmus zur Herstel-
lung der Arzneimittel zu verwenden, so daß Sie etwa eine Synthese am Tag anfan-
gen, dann unterbrechen und nachts weiterführen. So müssen Sie die Zeit als Faktor
hineinbringen, was ja bis jetzt noch nicht geschehen ist.»
Dr. Kauffungen: «Was geschieht eigentlich, wenn ein Arzneimittel, sagen wir
Phenacetin, wirkt? Ist das ein Äthervorgang?»
Dr. Steiner: «Arzneien wie Phenacetin sind ganz schreckliche Mittel (Rudolf
Steiner gab hier einer sehr starken Abscheu Ausdruck), es sind richtige Schockmit-
tel, es ist ganz furchtbar und keinem Menschen zu wünschen. Diese Arzneien wer-
den vom Astralleib gar nicht aufgenommen, dieser bleibt ganz unbeteiligt dabei und
dabei wird der Körper zugrunde gerichtet. Es sind allerdings Äthervorgänge.»
Dr. Kauffungen: «Ich studiere jetzt den Einfluß der Temperaturen auf die durch
das Leben hervorgebrachte Materie.»
Dr. Steiner: «Ich kenne Stoffe, welche aus Pflanzen hergestellt?, den Jahresrhyth-
mus mitmachen. Wenn man sie aber auf Körpertemperatur bringt, so hört der
Jahresrhythmus auf, und Sie beobachten nur noch den Tag- und Nachtrhythmus.»
22
Dr. Kauffungen: «Ich habe mich sehr für die pyrogenen Zersetzungen, so um
300°, interessiert.»
Dr. Steiner: «So hohe Temperaturen habe ich noch nicht untersucht. Aber sehr
wahrscheinlich wird bei so hohen Temperaturen eine Umkehrung stattfinden im
Sinne einer Vitalisierung. So ließe sich wirklich eine Vitalisierung ausfuhren. Ich
lasse in Stuttgart Versuche machen - leider kommen die Leute nicht rasch genug
vorwärts -, das Spektrum so zu schließen, daß Ultraviolett auf Ultrarot zu liegen
kommt. Es muß dann dort eine ganz eigentümliche Farbe entstehen, die stark vita-
lisierend wirkt. Das müßte an Bakterien ausprobiert werden.»
Blatt 15
Herr G. Hahn hatte Dr. W. J. Stein gefragt, welche Angaben Rudolf Steiners für
naturwissenschaftliche Experimente ihm bekannt seien.
Dr. Stein antwortete mit zwei Beispielen. Das erste ist am Schluß von Blatt 9
aufgeführt. Das zweite Beispiel teilte Dr. W. J. Stein wie folgt mit:
«Eine andere Angabe: einen Wärmepunkt nehmen, eine Flamme. Die sich ausbrei-
tende Wärme untersuchen. Gesetzmäßige Erwärmung der hohlen Metallkugel.
Schnelligkeit der Erwärmung. Dann erst zwölf, später 24 solche Wärmequellen um
die Kugel herum anbringen. Wiederum die Wärmeausbreitung, nun nach innen,
untersuchen. Die spezifische Erwärmung der Flächeneinheit in der Zeiteinheit
untersuchen. Ergebnis: die Realitäten der Quantentheorie werden im Meßergebnis
erscheinen.»
Blatt 16 a - b
23
etwas vorhanden sein, an dem sich dieser Wechselvorgang vollziehen kann. Das ist
z. B. beim Pendel die träge Masse, an der die «Verwandlung» von kinetischer Ener-
gie in potentielle erfolgt.
Über ein Gespräch, das die Wärme-Leitung zum Gegenstand hatte, berichtet Prof.
Halla:
Die Wärmestrahlung ist ein kontinuierlicher wellenartiger Vorgang. Durch das Her-
einwirken des Materiellen wird die Wellenfront immer stärker gekrümmt, was einen
Übergang von der Welle zum Korpuskel bedeutet.
Welle Kprpuatel
o O
Dem entspricht die Tatsache, daß zur Beschreibung der untermateriellen Vorgänge
(z. B. gerichtete Wirkungen im Kristall bei den Röntgeninterferenzen) das reziproke
Gitter herangezogen wird. Eine Länge im reziproken Gitter entspricht einer Krüm-
mung im physikalischen Gitter.
Bei der Wärme-Leitung haben wir es nach dem Wortlaut des Wärmekurses mit
lauter zyklischen Elementarvorgängen zu tun, bei denen Wärme aus dem Nichts
hervortritt, auf einem gewissen Wegstück sichtbar wird und wieder verschwindet.
An der Stelle des Verschwindens tritt aber neuerlich Wärme auf usw. Die eine Hälfte
des Zyklus liegt im Außermateriellen.
Zur Phänomenologie der Elektrizität: Eine solche gibt es nur indirekt, indem sich
die Phänomene des Lichtes in der Gesamtheit der elektrischen Äußerungen und die
Phänomene des Chemismus in den magnetischen Phänomenen abbilden.
Blatt 17
Herr Dr. Oskar Schmiedel, Schwäbisch-Gmünd, teilt die folgenden Notizen über
ein Gespräch mit Rudolf Steiner, welches am 16. Februar 1920 geführt wurde, mit:
«Physische Materie (saugende Wirkung) - negative Materie. Auf der Sonne positive
Materie - fortwährende Auflösungsprozesse - Übergang in das Geistige. - Protube-
ranzen sind nicht vulkanartige Eruptionen, sondern gewissermaßen Überbleibsel
(Verdichtungen) von Auflösungsprozessen. (Die Wissenschaftler würden sich wun-
dern, wenn sie auf die Sonne kämen, diese ist ganz anders, als sie sich vorstellen.) -
Es wäre zu versuchen: physische <Elemente> immer stärker und stärker zu erhitzen,
bis von selbst eine Umwandlung der Na-Linie z. B. in die <umgekehrte> eintritt,
dann hätte man die Frauenhoferschen Linien hergestellt.
24
Atome - was man so nennen kann - sind Kreuzungspunkte von Kraftlinien.»
Blatt 18 a - b
20. Dezember 1920, Dornach. Rudolf Steiner schloß an einen Vortrag von Prof. Dr.
Thomastik, Wien, einige Bemerkungen an. Diese sind abgedruckt im «Nachrichten-
blatt», 1945, S. 117.
Zuerst wurden die für den Bau von Musikinstrumenten zu verwendenden Materia-
lien behandelt. Bei den Hölzern ist es von großer Bedeutung, in welcher Feuchtig-
keit der Baum gewachsen ist, «sowohl der Erdenfeuchtigkeit, aus der die Wurzel
heraus wächst, wie der Luftfeuchtigkeit. Und in einem gewissen Sinne wird man
schon aus der äußeren Konfiguration, sagen wir, eines Baumes ersehen können, ob
sich das Holz zu einem niedrigen oder höheren Tone eignet.
Es wird immer das Holz, das einem Baum angehört, der ^*, ~^
mehr gekerbte Blätter hat, eher das Holz sein für einen t j t j
höheren Ton, als das Holz eines Baumes, der solche Blät- tj* \s'
ter hat. Denn das Blatt des Baumes ist ja herausgebildet
aus dem Ton.»
Etwas später: «Also müssen wir sagen: Es handelt sich darum, wirklich den Baum
ganz aus seiner Entstehung heraus zu studieren, und weil die Struktur des Holzes,
die ja im wesentlichen ausgegangen ist von dem, was das wässerige Element, das
feuchte Element in sich schließt, der eigentliche Ton-Träger ist, in dieser Weise das
Holz zu studieren. Z. B. wäre schon ein Mittel, rein äußerlich das zu machen: Die
Saugkraft des betreffenden Holzes für Feuchtigkeit aus der Situation zu studieren;
das eine Holz zieht mehr Wasser ein, das andere weniger. Es würde dabei schon
etwas herauskommen, aber das würde ein sehr rohes Verarbeiten sein.»
Rudolf Steiner schildert anschließend die Bedeutung der verschiedenen Holz-
sorten, welche beim Bau des ersten Goetheanums verwendet wurden, ebenso die
Bauverhältnisse, welche für die Akustik eines Raumes von Einfluß sind.
Dr. Thomastik hatte vorgeschlagen, das Orchester und die Orgel in die Mitte
eines Raumes, aber unterhalb desselben so anzuordnen, daß die Töne in der Mitte
heraufquellen würden.
25
Rudolf Steiner sagte hierzu: «Auch das mit der in die Erde zu versenkenden Orgel
ist eine außerordentlich geistvolle Sache. Aber es würde wiederum eine gewisse
Schwierigkeit bieten, weil dieses verhältnismäßige Neutral-Sein der Pfeifen gegen-
über der äußeren Luft in dem Augenblicke aufhören würde, wo wir die Orgel wirk-
lich in die Erde versenken würden: sie würde nämlich im Winter ganz anders tönen
als im Sommer. Sie müßte also im Winter ganz anders behandelt und gestimmt wer-
den als im Sommer. Es würden sich also vor allen Dingen Winter und Sommer in
einer intensiven Weise dafür bemerkbar machen.»
Zum Schluß sprach Rudolf Steiner noch über den Einfluß der geologischen
Formation auf jenes seelisch-geistige Milieu, welches für eine ganz besonders gute
Pflege der Musik Voraussetzung ist.
Weitere, sehr interessante Einzelheiten über Akustik und Musik finden sich in die-
sen Bemerkungen Rudolf Steiners. (Die Vortragsnachschrift enthält keine Skizzen.
Die oben wiedergegebenen Skizzen stammen aus Notizen eines Teilnehmers.)
Blatt 19
Dr. E. E. Pfeiffer hat in der Wochenschrift «Das Goetheanum», 1940, S. 75, Anga-
ben Rudolf Steiners über Bühnenbeleuchtung veröffentlicht. Hierzu stellt Dr. Pfeif-
fer die von Rudolf Steiner gemachte Skizze zur Verfügung. Diese zeigt die Anord-
nung der Beleuchtungskörper in der kleinen Kuppel des ersten Goetheanums.
violett |
bleu f
26
Die nächste Skizze bezieht sich auf Rudolf Steiners Be-
merkung:
Man sollte das Sonnenlicht studieren, wie es nicht als
Strahlenbündel, sondern diffus, allseitig sich ausbreitend,
durch ein Fenster fällt. Scheinwerfer mit einer Sammel-
linse sind eine Unwahrheit. Das Licht sollte sich allseitig
ausbreiten, strahlen, nicht konzentriert werden.
Blatt 20
Für das Studium ätherischer Kräfte gab Rudolf Steiner (Frühjahr 1920) eine Formel
an. Weiterhin sagte er, man sollte einen Hyperbel-Ast auf einem Körper gleiten las-
sen und untersuchen, wie sich der andere Ast verhält. Man könnte ein Achsen-Sy-
stem aus Blei konstruieren, eine Astroide aus Kupfer machen.
J
, , / , J^- ^
X 2A „2/3,2.2/3=: a 2/3 '^^Z *\ /T
eine Astroide
(Leider ist nicht festzustellen, ob Rudolf Steiner die Formel selbst niedergeschrieben
und die dazu gehörenden Skizzen selbst gezeichnet hat. Auch ist nicht mehr be-
kannt, welcher Persönlichkeit gegenüber Rudolf Steiner diese Angabe gemacht
hat. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Aufgabe irgendwie im Zusammenhang mit
der Strader-Maschine steht.)
27
Blatt 21 a - c
Das Nachfolgende ist im Zusammenhang mit Rudolf Steiners Aufsatz «Die Atomi-
stik und ihre Widerlegung», abgedruckt in: «Anthroposophie und Psychoanalyse»
(Zeitschrift «Anthroposophie»), Buch 3 und 4, April - September 1935. Es ist be-
sonders darauf hinzuweisen, daß der Nachdruck sowie jegliche Art von unzulässi-
ger Verwendung untersagt ist.
I) Atome sind anzusehen als ideelle Rauminhalte; das Inhaltliche sind die Ergebnisse
von sich begegnenden Kräfterichtungen - z. B. Kräfterichtung
II) Kraft ist die einseitig räumlich angesehene Offenbarung des Geistes. Man kann
nicht sagen, daß Kraft auf die Materie wirke, da Materie nur in der Anordnung der
Wirkungen sich begegnender Kraftstrahlen besteht. Es geht niemals eine Energie-
form auf die andere über; so wenig wie das Tun des einen Menschen in das des
anderen. Was übergeht, ist nur der arithmetische Maßausdruck.
«Geht mechanische in Wärmeenergie über», so ist der reale Vorgang: es ist ein be-
stimmtes Quantum mech. Energie im Stande, in einem Geistwesen, das als Wärme
sich offenbart, ein bestimmtes Quantum dieser Offenbarung anzuregen. (So ist das
in gesunder Art noch bei J. R. Mayer. Erst Helmholtz hat die Sache verwuselt.)
III) Weder Ton noch Wärme, noch Licht, noch Elektrizität sind Schwingungen, so
wenig als ein Pferd eine Summe von Galoppschritten ist. Ton z. B. ist ein wesenhaf-
tes Quäle, und die Wirkung dieses wesenhaften Quäle beim Durchgang durch die
Luft ist: die Schwingung. Für den empfindenden Menschen ist die Schwingung die
Veranlassung, in sich das Quäle nachzuahmen; darin besteht die Wahrnehmung des
Tones. Ähnlich ist es bei anderen: Licht etc.
28
IV) Licht ist das, als was es wahrgenommen wird (siehe meine «Einleitung zu
Goethes Farbenlehre»); die Schwingung ist die Offenbarung des Lichtes im Äther.
Die Brechung des Lichtes beruht auf der Wirkung bestimmter Kraftrichtung auf
die Lichtrichtung. Newtonsche Farbenringe, Interferenzerscheinungen sind Ergeb-
nisse der Lichtstrahlung (Wirkung des Lichtes im Äther) und in dem Weg des Lich-
tes sich befindlicher anderer (abschwächender, stufenweise abschwächender) Kraft-
richtungen. Ebenso Polarisationserscheinungen. Man sollte die Polarisationsfiguren
nicht in der Struktur des Lichtquale suchen, sondern in der Struktur des Mediums,
das sich dem Licht in den Weg stellt.
Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit ist das Ergebnis einer Art Reibung des Lich-
tes am Medium.
V) Licht ist nicht als Funktion der Elektrizität zu betrachten, sondern die letztere als
eine Art leiblicher Träger des Lichtes.
Elektrisch geladene Materie: gewisse Kraftansammlungen halten diejenigen
Kraftansammlungen fest, die sich als Elek. kundgeben.
VI) Die Mathematik ist die abstrahierte Summe der im Räume wirkenden Kräfte.
Wenn man sagt: die math. Sätze gelten apriorisch, so beruht das darauf, daß der
Mensch in denselben Kraftlinien darinnen ist wie die anderen Wesen und daß er
abstrahieren kann von allem anderen, was nicht Raumes- etc. Schema ist.
Blatt 22 a-d
Die folgenden stichwortartigen Hinweise sind ihrer zeitlichen Folge nach wieder-
gegeben. Sie geben keineswegs ein vollständiges Bild der auf die experimentelle
Forschung sich beziehenden Ausführungen Rudolf Steiners. Sie sollten in Zusam-
menarbeit ergänzt werden.
Viele der angeführten Vorträge enthalten eindrückliche Hinweise auf die Not-
wendigkeit, die rechte Stimmung im Laboratorium zu entwickeln, d.h. den Labora-
toriumstisch zum Altar zu machen.
P. E. Schiller
29
22. 09.1907 Experimentieren auf moralisch hoher Stufe wird den Über- —
gang vom Anorganischen ins Organische (Lebendiges ohne
Befruchtung) verwirklichen können
24. 9.1909 Im Experiment wirken lenkende und leitende Mächte (Mei- 114
ster), auch wenn der Forscher davon gar kein Bewußtsein hat
13. 4. 1910 Nach Ausbildung hoher moralischer Kräfte wird der For- 118
scher Leben in die von ihm zusammengefügten Gebilde ein-
strömen lassen können
28. 9.1911 Beim Alchimisten änderte sich die Aura während des Experi- 130
mentes und durch dasselbe
24. 11. 1915 Pflanzensamen können im Laboratorium nur unter Einbezie- 174b
hung der Gestirnkonstellationen künstlich hergestellt werden
13. 03. 1917 Das Entstehenlassen von Lebendigem im Laboratorium wird 175
in
nur im Zusammenhang mit entsprechenden Sternkonstella-
tionen möglich sein
25.11.1917 Das Geistig-Ätherische soll in den Dienst des äußeren prak- 178
tischen Lebens gestellt werden - Die Bewegung menschlicher
Stimmung wird sich in Wellenbewegung auf Maschinen über-
tragen - Zwischen den ersterbenden Kräften des Nervensy-
stems und den äußeren Maschinenkräften wird eine Verbin-
dung hergestellt werden. - Künftig muß der Unterschied
zwischen Morgen-Abendströmung und Mittag-Mitternacht-
strömung beachtet werden. - Es besteht die Gefahr, daß die
Toten mit vibrierenden maschinellen Vorrichtungen verbun-
den werden
31. 12.1919 Der Unterschied zwischen Ton und Schwingung - Die Sym- 320
pathie der Erscheinungen (Pendeluhr, Mitdenken usw.) muß
untersucht werden
7. 3.1920 Bestimmte Versuche sind bei Tag und bei Nacht durchzufüh- 321
ren, um den Unterschied der irdischen und der kosmischen
Kräfte aufzuzeigen. (Vgl. die Aufgabenstellungen für das
Stuttgarter Forschungslaboratorium, Blatt 2)
13. 3.1920 Eine Versuchsanordnung sollte gefunden werden, durch die 321
das 12-teilige Spektrum aufgezeigt wird
16. 1.1921 Ein wirklicher Phänomenalismus sollte gepflegt werden, aber 323
mit einem inneren neuen Verstehen der Phänomene. Es soll-
ten aber auch neue Versuchsanordnungen entwickelt werden
18. 1.1921 Es sollte der Unterschied von Kräften, welche von innen wir- 323
ken, gegenüber solchen, welche von außen wirken, unter-
sucht werden (Wärmeprozesse, optische, magnetische, plane-
tarische usw. Prozesse)
24. 6.1921 Es sind die Linien der Blattansatzpunkte zu studieren, sie 205
stellen gewissermaßen Miniaturbilder der Planetenbewegun-
gen dar
26. 6.1921 Das Synthetisieren und Analysieren muß eine von höchster 205
Moral Durchdrungene Geisteskunst werden
30. 9.1922 Wir müssen wiederum alles Forschen als einen Verkehr mit 216
der geistigen Welt begreifen lernen
17.12.1922 Die Arbeit in den Laboratorien und den Kliniken ist den 219
Göttern unverständlich geworden. Wir müssen auch in dieser
Arbeit neue Brücken zur Geistwelt suchen
26. 1.1923 In den Vorträgen über «Die Philosophie des Thomas von 220
Aquino» sind wichtigste Anregungen gegeben. Diese müssen
aufgegriffen werden, sonst bleiben unsere Forschungsinstitu-
te unfruchtbar
12. 3.1923 Die chemischen Prozesse (z. B. bei Heilmitteln) sind nur zu 222
verstehen, wenn man auf die Vorgänge in der elementarischen
Welt eingeht
17. 6.1923 Beim Experiment arbeiten geistige Wesenheiten mit, oft eine 258
ganze Schar. So ergeben sich manchmal unbeabsichtigte (in-
spirierte) Resultate (Beispiele: J. R. Mayer, Ph. Reis)
20. 10.1923 Die Wirkungsprinzipien Adler, Löwe, Kuh dürfen sich nicht 230
einseitig auswirken. Ein einseitiges Kuhprinzip würde zu
periodisch verlaufenden Maschinen (Schwingungen) führen,
welche auf das ganze Planetensystem zurückwirken würden.
- «Das furchtbare Gesetz des Zusammenklingens der
Schwingungen ...» - Umkreiswirkung, Sternenwirkung
würde ausgerottet werden. Der Löwenimpuls, einseitig ver-
wendet, würde zur Wetterbeeinflussung fuhren. Der Adler-
impuls, einseitig verwendet, würde zu einem primitiven Hell-
sehen zurückführen
24.10.1923 In der Kuh, in dem Hund ist innerliches Licht. Es müßte 351
möglich sein, in einem frischgelegten Ei, in einem Kuh- oder
Hundekeim eine Lichtwirkung (gelblich) mit entsprechenden
Instrumenten (photographisch) festzustellen
22.12.1923 Der Einfluß der ehrfürchtigen Stimmung auf das Experiment. 351
- Ein Verkehr mit den kosmischen Intelligenzen, mit den
Naturgeistern wird möglich. - Die rosenkreuzerische Labo-
ratoriumsarbeit (Beispiel: Heilkunde, Oxalsäure, Ameisen-
säure)
23.12.1923 Im rosenkreuzerischen Forschen bestand eine Verbindung 232
nicht nur zu den Naturgeistern, sondern auch zu den höheren
kosmischen Intelligenzen (Aurum, Silber, Kohlenstoff-Ge-
heimnis)
[Siehe auch die Übersicht von Walter Kugler «Mechanischer Okkultismus, Keely-Motor, Technik der
Zukunft im Vortragswerk Rudolf Steiners», in «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe», Heft Nr.
107, S. 22-23.]
Über Wärme
«Kälte»:
Gibt es eine Polarität: Wärme - Kälte, so wie die Polarität: Licht - Finsternis? Die
Antwort wird für das Verständnis der «Unterkühlung» wichtig sein. Siehe Blatt 9a
und 9b.
Einzubeziehen ist: «Die Unlust ist nur eine verminderte Lust, wie die Kälte nur eine
verminderte Wärme ist.» («Theosophie», Kap. «Die Seelenwelt») Ebenso: «Wenn
in der Natur eine Wirkung wie Wärme entsteht, so muß diese Wärme an einer
anderen Stelle der Umgebung entzogen werden; dort entsteht als Gegenwirkung
Kälte.» (19.10.05/160)
34
Wahrnehmung:
Äußere Wärme wird durch leiblich-physische Sinne wahrgenommen (so wie auch
das Luftige, das Wässrige, das Feste). Innerliche Wärme muß durch ein seelisches
Erleben erfaßt werden (12.4.09/32).
Wir tragen keinen «Nullpunkt» in uns. Hätten wir einen solchen, «so würden wir
einen ganz anderen Bewußtseinszustand, ein ganz anderes Seelenleben haben müs-
sen. Gerade dadurch, daß sich dieser Nullpunkt bei uns verbirgt, gerade dadurch
leben wir in unserem Leben.» (1.3.20/15) «Wir erleben, indem wir subjektiv die
Wärmezustände unserer Umgebung beurteilen, gar nicht wirkliche Wärmezustände,
sondern wir erleben Differenzen.» (1.3.20/22)
Innere und äußere Wärme:
Die «äußere» Wärme darf den menschlichen Organismus nicht unverändert durch-
dringen. Sie darf nur als Reiz wirken, der Mensch muß seine «innere» Wärme selber
erzeugen. «In dem Augenblick, wo Sie bloß Gegenstand sind, sich nicht Ihre Wärme
oder Kälte selber erzeugen, sondern wo irgendwo in Ihnen die Wärme so weiter-
wirkt, wie z. B. bei irgendeinem äußeren Gegenstnad, da werden Sie krank von der
äußeren Wärme selbst...» (30.12.23/109)
Das Mineralische, Pflanzliche, Tierische, das in den menschlichen Organismus, z. B.
als Nahrung aufgenommen wird, muß dieses so weit metamorphosieren, umwan-
deln, «daß es wenigstens durch eine gewisse Zeit hindurch reine Wärme ist, und
zwar eins mit der Wärme, die der Mensch als seine eigene Wärme über die Wärme
seiner Umgebung hinaus entwickelt.» (10.11.23/155)
Nicht nur die Stoffe, auch die Kräfte müssen von der menschlichen Organisation
umgearbeitet werden. «Ich muß in jedem Augenblicke in der Lage sein, von den
Stellen meiner Haut aus sofort die Wärme zu ergreifen und zu meiner eigenen zu
machen. Bin ich das nicht imstande, so tritt die Erkältung ein.» (10.11, 23/155)
Heizen:
Architekt Aisenpreis berichtet, daß R. Steiner vorgeschlagen wurde, den Goethea-
num-Bau elektrisch zu heizen. R. Steiner habe dies nicht prinzipiell abgelehnt, son-
dern darauf aufmerksam gemacht, daß man in diesem Fall «die Wärme erst durch
Wasser hindurchstrahlen» lassen müsse.
Im «Landwirtschaftlichen Kurs» sagt R. Steiner: Werden Bäume unverständig ge-
pflanzt, «so gibt uns das keine so gesunde Wärme, als wenn wir Hölzer verwenden,
die mit Verständnis gepflanzt sind.» (7.6.24/14)
Kochen:
In Bezug auf die Verwendung gewisser Stoffe und Kräfte als Wärmequelle beim
Kochen der menschlichen Nahrung sind leider sehr viele irreführend, ja unsinnige
Auffassungen verbreitet. Man behauptet vor allem, daß R. Steiner vor der Verwen-
dung von «elektrischer Wärme» gewarnt und an deren Stelle den Gebrauch von
Kohle, Holz oder Gas empfohlen habe. - P. E. Schiller hat diesbezüglich eine aus-
gedehnte Korrespondenz geführt und versucht, in vielen Gesprächen mit den da-
mals tätigen Ärzten, Pharmazeuten und Wissenschaftern die hier vorliegenden Fra-
gen zu Mären. (Diese Korrespondenz und die Berichte von solchen Gesprächen
befinden sich zunächst noch in den Händen von P. E. Schiller.)
35
Folgendes ist sichergestellt worden: Ungefähr 1917 ist im Haus Hansi (Wohnung
von Herrn und Frau Dr. Steiner) ein elektrischer Kochofen neben dem vorhandenen
Gasherd und Kohlenherd eingerichtet worden. Dies und die laufende Verwendung
des elektrischen Ofens war R. Steiner selbstverständlich bekannt.
Während der Krankheit R. Steiners wurde im «Atelier», d. h. in einem Nebenraum
desselben, eine elektrische Kochplatte eingerichtet, auf welcher kleine Mahlzeiten für
R. Steiner zubereitet wurden. Auch dies war R. Steiner selbstverständlich bekannt.
Frau Dr. Kirchner-Bockholt, eine Mitarbeiterin von Dr. Wegman, bezeichnet es als
ganz unmöglich, daß Frau Dr. Wegman das «elektrische Kochen» erlaubt hätte,
wenn ihr auch nur die leiseste Andeutung R. Steiners gegen die Verwendung einer
elektrischen Kocheinrichtung bekannt gewesen wäre.
E. Pfeiffer hat 1928 von Versuchen berichtet, bei welchen, je nach Verwendung von
Holz, Kohle, Gas, Elektrizität, verschiedene Wachstumswerte von Weizenpflanzen
ermittelt wurden.
R. Hauschka führte ähnliche Versuche durch und berichtet ebenfalls von beträcht-
lichen Unterschieden. («Ernährungslehre», R. Hauschka, 1951, S. 187)
P. E. Schiller und Mitarbeiter haben 1952 -1954 ebensolche Untersuchungen einer-
seits mit Gasheizung und andererseits mit elektrischer Widerstandsheizung durch-
geführt. Ausgedehnte Beobachtungen des Wachstums von Weizenpflanzen ergaben
für beide Heizungsarten gleichartige Werte. Die aus den Extrakten der Pflanzen
genommenen Kupfer-Chlorid-KristalUsationen zeigten ebenfalls keinen Unter-
schied. Ebensowenig Messungen der Viskosität, der Oberflächenspannung, der
Leitfähigkeit.
Aufgaben:
Blatt 2 a-c: «In jeder Wärmewirkung zwei Ströme, einer terrestrisch, einer außerter-
restrisch.» Dies sei auch bei Tag und bei Nacht zu beobachten. Diese Aufgabe wur-
de gestellt, nachdem kurz vorher (7.3.20/111 -113) Untersuchungen von Wärme-
tag und Wärmenacht angeregt worden waren. - Die auf Bl. 8 a-b berichteten Versu-
che hängen wohl mit diesen zusammen.
Bl. 9 a-b: Die Abkühlung auf tiefe Temperaturen wird erwähnt. Was soll dadurch
auftreten? Werden Lichterscheinungen (Spektren) oder elektrische Entladungen
anders verlaufen, wenn das Wärmewirken weitgehend ausgeschaltet ist?
Bl. 9 c: Verwendung von bestimmten Temperaturabläufen.
Bl. 14 a: Körpertemperatur, hohe Temperatur, Tag-Nacht-Rhythmus.
Bl. 15: Wärmeausbreitung. Es wurde in diesem Zusammenhang die Geschwindig-
keit der Wärmeverbreitung a) in Richtung Erdmitte, b) in entgegengesetzter Rich-
tung untersucht. Es konnte kein Unterschied festgestellt werden.
Bl. 16 a-b: Hinweis auf Wärmeleitung.
W. Wundt sollte die Strahlung einer Wärmequelle durch ein Pyrit-Prisma hindurch-
lenken. An Pflanzen könnten verschiedene Wärmequalitäten festgestellt werden.
Dr. Rebmann untersucht den Einfluß auf Strömungsformen.
Dr. A. Heertsch führte Versuche über den Taupunkt in Bezug auf Wärmetag und
Wärmenacht durch.
36
Stephan Clerc
Erläuterungen zu Blatt 2
Ganz in Übereinstimmung mit der in seinen Grundwerken gegebenen Übersetzung
des Begriffes Ätherleib als Bildekräfte-Zeitenleib, stellt Rudolf Steiner diese Zwil-
lingsnatur des Ätherischen an den Anfang des in diesem Blatt enthaltenen For-
schungsprogramms: Die erste darin skizzierte Aufgabe besteht darin, einerseits die
die Naturerscheinungen formenden (nur übersinnlich direkt wahrnehmbaren) Bil-
dekräfte mit physikalisch-chemischen Methoden in geeigneten Prozessen (Reagen-
tien) nachzuweisen, und andererseits, den Einfluß von Rhythmen (z. B. Tag-Nacht)
auf diese Experimente näher zu untersuchen. Damit sind die beiden Grundsäulen
einer jeden anthroposophisch orientierten Naturwissenschaft festgelegt: Bilde-
kräfte- und Rhythmusforschung.
Auf diese Versuchsreihen von Eugen Dreher geht Rudolf Steiner wiederholt ein. Zuerst in einem
Kommentar zur Farbenlehre Goethes in der Kürschner Ausgabe 1890, «Goethes Naturwissen-
schaftliche Schriften« 4. Bd. 2. Abt. S. 147 (Berlin 1897, Nachdruck Dornach 1975) und dann, neben
den bereits erwähnten Stellen, am 8. August 1921 anläßlich eines Diskussionsvotums (GA 320).
Ernst Lehrs berichtet in seinem Buch «Gelebte Erwartung» über eine Erweiterung dieser Dreher-
schen Versuchsreihen folgendermaßen (zusammengefaßt): Eine Arbeit von Frau Kolisko bestand
darin, Pflanzen im Finstern wachsen zu lassen, um von Rudolf Steiner vorausgesagte Wachstumsän-
derungen zu untersuchen: Sie stellte aber keine Veränderung fest. Rudolf Steiner bemerkt dann wäh-
rend eines Laborbesuches, daß die erzeugte Verdunkelung in einem Kellerraum nur Abwesenheit
von Licht aber nicht aktive Finsternis sei. Er schlug vor, eine starke Lampe zu nehmen, die durch
eine doppelwandige, mit Jodlösung gefüllte Glaskugel, umgeben ist. Die erwarteten Veränderungen
traten damit dann ein.
37
Aufzeichnungen von Rudolf Steiner Archiv-Nr, NZ 4451 u. 5466
NZ 4451, oben links; Datum-Angabe = Hinzufügung von Marie Steiner
/•
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Nach Rudolf Steiner ist die vierte Ätherart, der Lebensäther, nur dort wirksam, wo
sich die violetten und roten Ausläufer des Spektrums treffen und das ist beim linearen
Farbenband erst im Unendlichen der Fall. Durch eine spezielle Verbiegung dieses
geraden Spektrums soll nun mit magnetischer Kraft der Begegnungsort von Violett
und Rot aus der Peripherie in das Labor herein geholt werden. Nach der Aufgabe auf
Blatt 2 (ganz am Schluß) können darin «Anfänge von Lebenswirkungen» untersucht
werden. Als Reagentien zur Beobachtung der Natur der Pfirsichblütfarbe, die sich
durch diese Überlagerung von Rot und Violett ergibt, werden Organismen wie z. B.
Paramecien genannt (siehe dazu auch Blatt 4). Auf Blatt 8 ist die Aussage von Rudolf
Steiner vermerkt, daß sich auch Bakterien gut als «Reagentien der Pfirsichblütenfar-
be, die stark vitalisierend wirkt», eignen würden. Und in einer Sitzung der «Der
Kommende Tag A. G.», als er die Bedeutung des Versuches illustrierte, sagt er:
«Wenn man in einem Glas eine Fliege in den Raum der Pfirsichblütenfarbe des Spek-
trums bringen würde, so würde sie darin außergewöhnlich lebendig werden» (siehe
«Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe» Nr. 95/96, S. 33).
Vorversuche durch Rudolf E. Maier und Assistent Hans Buchheim im Sommer
1923 in Stuttgart und ein paar Monate später in Einsingen b. Ulm haben dann teil-
weise die erwarteten Effekte gezeigt. Rudolf Steiner war überaus erfreut über diese
ersten Erfolge und sagte in diesem Zusammenhang einmal zu Hans Buchheim, daß
diese Versuche viel wichtiger seien als Einsteins Relativitätstheorie. Er hat dann ab-
schließend über diese ersten Resultate als von einem wichtigen Anfangsglied einer
Kette von noch weiter auszuarbeitenden Versuchen gesprochen und gegenüber den
damals beteiligten Mitarbeitern geäußert, daß der Name Einsingen einmal des Ver-
suches wegen weltbekannt werden wird.
Zur Verdeutlichung der Aufgabenstellung seien hier noch die Stellen aus dem
zweiten und dritten Naturwissenschaftlichen Kurs, die sich direkt auf diese Auf-
gabenstellung beziehen, kurz referiert:
Am 12.3.1920 (GA 321) konkretisiert Rudolf Steiner den Vorgang des Zusam-
menbiegens des Farbbandes: Er betont, daß es nicht ein bloßes Zusammenbiegen der
eindimensionalen Geraden zum zweidimensionalen Kreis sei, sondern daß es viel-
mehr ein jeweils rechtwinkliges Abbiegen nach der einen Seite beim Violett bezie-
hungsweise nach der entgegengesetzten Seite beim Rot sein müßte, was man in der
Praxis am besten mit einem rotierenden Elektromagneten erreichen könne. Ab-
schließend gibt er noch für das Verständnis und die Beschreibung dieses «doppelt
komplizierten Zusammenbiegens» den Hinweis, daß man versuchen sollte, eine Art
von überimaginären Zahlen anzuwenden.
Ein weiteres Mal kommt Rudolf Steiner im Rahmen des dritten Naturwissen-
schaftlichen Kurses (GA 323) am 9.1.1921 auf die komplizierte Struktur dieses
zweifach ineinander verschlungenen Farbkreises zurück und spricht dort nur noch
davon, daß man «das Spektrum in gewisser Weise in sich zu biegen» hätte. Unmit-
telbar darauf weist er auf die Notwendigkeit hin, daß auch höchst unangenehme
kontinuierliche Vorgänge zu denken sind. Als Beispiel dafür beschreibt er die
Metamorphose der Lemniskatenform der Cassinischen Kurve in die Zwei-Ast-
Form, wo man das Räumliche verlassen muß, um die Totalität der ganzen Kurve im
Auge behalten zu können.
40
Weitere Einzelheiten zur Durchführung dieser Versuche finden sich in den «Bei-
trägen zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe», Heft Nr. 95/96. Zum 12-Farbenkreis
siehe auch die Vorträge in «Das Wesen der Farben» (GA 291) vom 5.12.1920 und
7.5.1921 sowie die «Unterredung mit Zeylmans van Emmichoven» im erwähnten
Beitragsheft. Emil Landensberger hat sich 50 Jahre später in einem Weleda-Labor
daran gemach,, diese E i n s i n g e t Experimente n a c h z u z i e h e n . Unter der Hypo-
these, daß Licht grundsätzlich nicht durch Magnetismus beeinflußt werden kann,
hat er die ursprüngliche Versuchsanordnung dergestalt erweitert, daß der Faraday-
Effekt wirksam wird. («Elemente der Naturwissenschaft» Heft 2,1990).
Vermutungen darüber, daß auch Licht und Magnetismus ebenso eng miteinander
verwandt sind wie Elektrizität und Magnetismus, beschäftigten Generationen von
Naturforschern durch das ganze 19. Jahrhundert hindurch. Schon Michael Faraday
hat wiederholt versucht, das Licht einer Kerzenflamme allein durch einen Magneten
zu verändern. Als Quintessenz einer Vielzahl solcher Magnetooptischen Versuche,
ergab sich dann an der Schwelle zum neuen Jahrhundert: Licht ist unmagnetisierbar,
außer in einigen wenigen Spezialfällen, wo entweder das Licht magnetisierte Kristal-
le passiert (Faraday-Effekt) oder die Lichtquelle selbst im Magnetfeld sitzt (Zee-
man-Effekt). Die Theoretiker, die zu jener Zeit gerade lernten, daß sie mit dem da-
mals gerade neuaufgekommenen mathematischen Apparat der Maxwell-Gleichun-
gen sowohl Licht als auch Elektromagnetische Erscheinungen (z. B. Radiowellen)
berechnen können, scheiterten beim Versuch, dies auch für die magnetisierten
Zustände von Licht und Elektrizität tun zu wollen.
In jüngster Zeit wurde unter dem Titel «Light bent by magnets» im renommier-
ten britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 381, S. 54) angekündigt, daß es Wissen-
schaftlern vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung am Hochfeld-Ma-
gnetlabor in Grenoble zum ersten Mal gelungen ist, Licht mit einem Magneten ab-
zulenken. Durchläuft in ihrem Experiment ein Lichtstrahl ein diffuses Gasgemisch
(z. B. Luft), so entweicht bei einem genügend starken rechtwinklig zum Strahl ori-
entierten Magnetfeld etwas mehr Licht in die dritte Dimension (d. h. rechtwinklig
zu Lichtstrahl und Magnetfeld).
Aeskulin:
(6,7-Dihydroxycumarin-6-glycosid), C15H1609. Farblose, bitter schmeckende,
nadeiförmige Kristalle. Die wäßrige Lösung fluoresziert bei pH>5. 8 blau, weshalb
Aeskulin bereits 1929 als optischer Aufheller verwendet wurde. Das aus der Rinde
von Roßkastanien (Aesculus hippocastanum) isolierte Aeskulin ist auch Rohstoff
für natürliche Licht- und Sonnenschutzmittel. Aeskulin ist für sichtbares Licht voll-
kommen durchlässig. Gleich unterhalb des noch wahrnehmbaren violetten Teils des
Spektrums (ab der Wellenlänge 400nm) beginnt es aber immer stärker, insbesondere
um 335nm und 222nm, ultraviolettes Licht zu absorbieren. (Die genaue Messung
dieser Eigenschaften verdankt der Autor Judyth Sassoon).
Im Vortrag vom 6.4.1920 (in «Geisteswissenschaft und Medizin», GA 312) sagt
Rudolf Steiner, daß sehr verdünntes Aeskulin innerlich genommen, regulierend auf
die Zahnkonservation wirkt. Diese Substanz löscht den Chemismus, d.h. den Che-
mischen Äther aus, so daß nur noch Mineralisierung stattfindet, wie dies bei der
41
Zahnbildung, wo kein Ätherisches anwesend sein sollte, erwünscht ist. Abschlie-
ßend gibt er die Anregung: «Das sind Dinge, die ausprobiert werden müßten, die
ganz gewiß, wenn sie der Außenwelt vorgeführt werden, in ihren statistischen
Ergebnissen bedeutsamen Eindruck machen würden.»
42
JodsÜber
Als Nächstes ist angegeben, Jodsüberzersetzung sowohl bei Tag als auch bei Nacht
im Hinblick auf Unterschiede zu studieren. Rudolf Steiner schlug vier Wochen
vorher im «Wärmekurs» vor zu untersuchen, ob Kristallisationsvorgänge bei Tag
anders verlaufen als bei Nacht und prägt dort die Bezeichnung «Wärmetag» und
«Wärmenacht»:
«Sehen Sie, auf solche Dinge hin werden wir unsere Forschungsinstitute ein-
zurichten haben. Wir werden zu unseren gewöhnlichen Thermometern und Hygro-
metern und so weiter hinzuzuerfinden haben Instrumente, durch die wir werden
zeigen können, daß gewisse Vorgänge, die sich innerhalb des Irdischen, namentlich
innerhalb des flüssigen und gasförmigen Irdischen vollziehen, bei Nacht anders sich
vollziehen als bei Tag.
Sie sehen also: Hier führt uns eine sachgemäße physikalische Betrachtungsweise
dazu, nun wirklich endlich einmal da zuzugreifen und durch entsprechende Meß-
instrumente jene feinen Unterschiede zu demonstrieren, die sich ergeben zwischen
Tag und Nacht für alle Erscheinungen, die namentlich innerhalb des Flüssigen und
Gasförmigen sich vollziehen. Wir werden in der Zukunft müssen ein gewisses Expe-
riment machen bei Tage, es in der entsprechenden Stunde in der Nacht wiederholen,
und wir werden müssen feine Instrumente haben, welche uns die Erscheinungen
verschieden zeigen bei Tag und bei Nacht. Denn bei Tag sind nicht jene Kräfte,
die die Erde zu kristallisieren streben, durch unsere Erscheinungen durchgehend,
die bei Nacht eben da sind. In der Nacht treten Kräfte auf, die aus dem Kosmos
kommen. Und diese kosmischen Kräfte, die die Erde zu kristallisieren versuchen,
die müssen das in den Erscheinungen zeigen. Und da eröffnet sich uns der Experi-
mentierweg, um wiederum für die Erde ihren Zusammenhang mit dem Weltall zu
konstatieren.
Sie sehen, diejenigen Forschungsinstitute, die im Sinne unserer anthroposophisch
orientierten Weltanschauung in der Zukunft eingerichtet werden müssen, sie wer-
den bedeutsame Aufgaben haben. Sie werden wirklich mit Dingen rechnen müssen,
mit denen man gegenwärtig in den allerseltensten Fällen rechnet bei gewissen Er-
scheinungen. Natürlich, bei Lichterscheinungen tun wir es heute schon, wenigstens
bei gewissen Erscheinungen, indem wir künstlich Nacht hervorrufen müssen, das
Zimmer verdunkeln und so weiter, aber bei anderen Erscheinungen, die sich unter-
halb einer gewissen Nullsphäre vollziehen, versuchen wir das nicht. Statt dessen
kommen wir dann zu der Idee, dasjenige, was wir finden würden als anschauliche
Ergebnisse, wenn wirklich anschauliche existieren würden, zu verlegen ins Innere
der Körper und zu reden von allerlei Kräften, die sich abspielen zwischen Atomen
und Molekülen. Das ganze beruht nur darauf, daß wir glauben, wir könnten bei
Tage alles erforschen. Wir werden Unterschiede zum Beispiel der Kristallisationsge-
stalten auf diese Weise erst herausfinden, wenn wir dasselbe Experiment erst ausfüh-
ren bei Tage und dann ausführen bei Nacht.» (Aus dem Vortrag vom 7. März 1920
in GA 321, S. 113-14)
Auch im Landwirtschaftlichen Kurs spricht Rudolf Steiner von kosmischen Ein-
flüssen auf das Wasser und sagt dort, daß die Kristallisationskräfte (Formkräfte)
43
über oder unter der Erde verschieden sind und weiter, daß neben den Tageseinflüs-
sen innerhalb des Jahreslaufes Unterschiede bemerkt werden können und daß die
Tendenz zu gefrieren um den 1. Februar am größten sei. Um diese Einflüsse der
zwei verschiedenen Wärmequalitäten innerhalb des Tageslaufes besser untersuchen
zu können, geht es auch in der zweiten Experimentalanordnung auf Blatt 8.
Direkt von dieser Anregung ausgehend hat Ehrenfried Pfeiffer 1927 in Dornach
Kristallisationsexperimente mit einer Natriumsulfatlösung gemacht, die er zu ganz
verschiedenen Tages- und Nachtzeiten auskristallisieren ließ. Er hat deutliche Un-
terschiede in der Anordnung der einzelnen Kristalle zu verschiedenen Tages- und
Nachtzeiten festgestellt, die er dann in «Gäa Sophia», Band 2 (1927) veröffendicht
hat. Auch Lilly Kolisko hat in ihrem Buch «Sternenwirken in Erdenstoffen, Ex-
perimentelle Studien aus dem Biologischen Institut am Goetheanum», Orient und
Occident Verlag, 1927, auf Seite 9 Resultate vieler eigener Versuche präsentiert.
Über mehrere Jahre hinweg ließ sie zu den verschiedensten Tages- und Nachtzeiten
Kristalle wachsen, «immer mit dem gleichen Resultat. Die Nacht läßt den Prozeß
schneller verlaufen und gestaltet ihn stärker als der Tag», wie sie rückblickend
schreibt. Im Laufe eines Jahres findet sie immer auch im Februar ein Gewichts-
maximum der auskristallisierten Materie und im August ein Minimum.
Diesen Pionieren der Rhythmusforschung sind dann im Laufe des Jahrhunderts
viele weitere anthroposophische Wissenschaftler nachgefolgt, die mit den verschie-
densten Vorrichtungen versucht haben, neben den Einflüssen von Tages- und Jah-
reszeiten auch solche von Mond- bzw. Planetenrhythmen bis hin zu den Tierkreis-
richtungen im Experiment sichtbar zu machen. In der Mathematisch-Astronomi-
sehen Sektion wurden beispielsweise viele Jahre hindurch mit der von Theodor
Schwenk entwickelten Tropfenbildmethode in Abhängigkeit gewisser Planetenkon-
stellationen (z. B. Konjunktion von Jupiter und Saturn) deutliche Unterschiede fest-
gestellt. Lilly Kolisko bemerkte erstmals 1936, daß auch eine Sonnenfinsternis sich
in ihren Reagentien niederschlägt. In neuerer Zeit hat Lawrence Edwards in Schott-
land experimentell nachweisen können, daß es auch auf lebendige Substanz einen
Einfluß gibt: Er untersuchte über Jahre hinweg Knospenformänderungen und stellte
fest, daß während jeder Mars-Mond Konjunktion die Gestalt einer Knospe anders
war als sonst. Auch die sogenannte Chronobiologie beschäftigt sich mit dem Einfluß
von Rhythmen auf Lebewesen. Einer der Pioniere dieser noch jungen Wissen-
schaftsdisziphn ging aus von der an Eugen Kolisko gerichteten Äußerung Rudolf
Steiners: «Wenn Sie Leben studieren wollen, studieren Sie Rhythmen!»
In jüngster Zeit werden auch in der traditionellen Wissenschaft laufend neue Zu-
sammenhänge zwischen Naturrhythmen und Lebewesen aufgedeckt. So haben For-
scher statistisch signifikante Korrelationen der Mondphase mit mehreren meteoro-
logischen Größen wie Temperatur, Druck und auch Konzentration von Eiskristal-
len in der Atmosphäre nachgewiesen (Science 267,1481,1995 und New Scientist, S.
18, 28. Januar 1995). Ernst Zürcher von der ETH-Zürich hat regelmäßige Schwan-
kungen von Baumdurchmessern im Zehntelsmillimeterbereich mit dem Mondstand
in Beziehung bringen können (Nature Vol. 392, 665, 1998). Der schon länger be-
kannte 11-jährige Sonnenaktivitätszyklus konnte bis heute schon in vielen Natur-
phänomenen nachgewiesen werden. (Siehe dazu z. B. «Mathematisch-Physikalische
44
Korrespondenz» Nr. 47a, Frühling 1964, S. 5 und D. R. Barber, «Apparent Solar
Control of the Effective Capaeity of a 110V 170AH lead-acid storage Battery in an
11-year cycle», Nature, vol. 195,1962,684-87).
Im Zusammenhang mit der Erforschung des Wärmewesens haben Ehrenfried Pfeif-
fer, Lilly Kolisko und weitere auch Untersuchungen über Wärmequalitäten von
verschiedenen Heizmaterialien angestellt. Siehe dazu Notizen von P. E. Schiller auf
S. 34-36.
Vor wenigen Jahren haben Wissenschaftler herausgefunden, daß Wasser sehr unter-
schiedlich reagiert, je nachdem ob es durch Holz, Kohle oder auf einem Elektroherd
erwärmt wird: Das Wachstum von Weizenkeimen in unterschiedlich vorbehandel-
ten Wasserproben diente als Meßgröße in einem Forschungsprojekt an der Fach-
hochschule Fulda. (Weltwoche 12/98 vom 19. 3.1998).
Zu Punkt 4) Pflanzenaschen
Sehr wahrscheinlich ist die Untersuchung des physikalischen Unterschieds von
pflanzlicher- bzw. mineralischer Asche eine Art Vorstudie zu den Kristallisations-
experimenten mit und ohne Pflanzenstoffe, wo dann untersucht werden soll, wie die
45
Kristallformen durch die ätherischen Bildekräfte beeinflußt werden. Ein trivialer
physikalischer Unterschied zwischen mineralischer und pflanzlicher Asche: Koh-
lenstoff, der in Pflanzen auftritt, ist z. T. radioaktiv. Wenn er sich aber über längere
Zeiten nicht in lebendigen Organismen befunden hat, nimmt die Radioaktivität ab.
Weiteres zu Aschebildung in: GA 229 (6.10.1923); die Asche (Unkrautbekämp-
fung): GA 327 (14.6.1924). Kohlebildung: GA 312 (31.3.1920); der Zusammen-
hang des Menschen in der Umwelt: Pflanzenwelt; Bildung der Kohle: GA 203
(21.1.1921).
Siehe auch den Hinweis (Blatt 7) an Henri Smits, daß die Strukturuntersuchung
des Ascheskeletts von verbrannten Torffasern darüber aufklären kann, ob durch die
vorherige Faserbehandlung auch Ätherisches wirksam wurde oder nicht.
46
Versuchen nahmen sie Extrakte von Seerosen und Kamillen als Pflanzensubstanz.
Später haben sie auch die Kristallgestaltungskraft von Tier- und Menschenblut un-
tersucht. Heute hat sich diese Pfeiffersche Kupferchloridkristallisation zu einer
weltweit bekannten Standardmethode etabliert, mit der auf reproduzierbare Weise
die Vitalqualität von Naturrohstoffen festgestellt werden kann. Weiteres zu diesem
Verfahren ist in der inzwischen umfangreich vorhandenen Literatur zum Thema
«Bildschaffende Methoden» zu finden.
Erläuterungen zu Blatt 3
47
die anorganische Chemie beschäftigt sich mit den verbleibenden Substanzen und
Verbindungen. Diese Unterteilung - heute hat sie lediglich eine historische Bedeu-
tung - stammt aus dem 18. Jahrhundert, wo es den Chemikern zunächst nicht gelun-
gen ist, Stoffe von Lebewesen künstlich herzustellen.
Sprachwissenschaft
In der deutschen Sprache lassen sich viele Ausdrücke finden, die auf einen Zusam-
menhang von Geist und Materie hindeuten. So z. B. findet man in jedem Herkunfts-
wörterbuch über die Verneinung von sehen, daß das Ich sehe nicht ursprünglich von
Ich sehe nicht Wicht (also keinen, nicht einmal einen Wicht) herrührt. - Siehe dazu
Rudolf Steiners Vortrag vom 28.12.1914 in GA 275. (Diesen Hinweis verdankt der
Autor Pascale Didier.)
Erläuterungen zu Blatt 4
Die in diesem Blatt überlieferten Gespräche zwischen Rudolf Steiner und Ehren-
fried Pfeiffer fanden zwischen Oktober 1920 und Frühling 1921 statt.
... daß es noch nicht an der Zeit sei, daß die ätherischen Kräfte wirksam gemacht
werden könnten.
Als Ergänzung sei noch auf drei weitere aktenkundige Versionen der Antworten auf
dieselbe Fragestellung hingewiesen:
1. Bericht von E.Pfeiffer vom 27. Februar 1955, publiziert in Alla Selawry, «Eh-
renfried Pfeiffer. Pionier spiritueller Forschung und Praxis», Dornach 1987,
S.21ff
2. E. Pfeiffer in seinem letzten, in Dornach am 1. Oktober 1958 gehaltenen Vor-
trag, publiziert in Nick Thomas, «Entscheidungskampf im Ätherischen»,
Dornach 1994, S. 60ff.
3. Pfeiffers Autobiographie «Ein Leben für den Geist. Ehrenfried Pfeiffer», hrsg.
von Thomas Meyer, Basel 199, S. 121
48
führen? Denn es Hegt im Wesen des Ätherischen, daß es nicht zerstört, sondern
aufbaut und dadurch eine aufbauende Technik geschaffen werden könnte. Wie lernt
man das Wissen - und später ein Handhaben des Ätherischen?»
Das waren die ursprünglichen Fragen, die 1920/21 Rudolf Steiner gestellt wurden.
Die Antwort bezüglich der Ätherkräfte lautete: Organismen sollen als Reagentien
auf Einwirkungen benützt, Einflüsse von Rhythmen auf Lebensprozesse studiert
werden. Formkräfte sollen sichtbar gemacht werden.
zu 2:
Ehrenfried Pfeiffer schildert in seinem letzten Dornacher Vortrag «Unternatur und
Übernatur in der Physiologie der Pflanzen und des Menschen. Die wahren Grund-
lagen der Ernährung» am 1. Oktober 1958 aus eigener Erinnerung:
«Es war mein Gedanke, die Frage: ob nicht durch eine Entdeckung und Anwendung
solcher Energien [gemeint sind die ätherischen Bildekräfte, Anm.W.K.] es möglich
wäre, eine soziale Technik und soziale Ordnung zu schaffen. Die Antwort Rudolf
Steiners war, daß er ein paar ganz einfache Experimente vorschlug, die ich dann für
ihn durchführte und er aus deren Verlauf sagte, er habe durch die Experimente die
Antwort der geistigen Welt bekommen und die Antwort war: Es ist noch nicht an
der Zeit, daß diese ätherische Energie bekanntgemacht und eingeführt werden
kann.»
zu 3:
«Ich mußte gewisse Experimente durchführen, die ich nicht näher beschreiben darf.
Das Ergebnis dieser Versuche wurde RA. mitgeteilt, worauf dieser mit dem größten
Ernst bemerkte: ,Das Versuchsresultat deutet auf eine andere Kraft hin, nicht auf die
ätherische, sondern auf eine astralische Kraft' (d.h. auf Kräfte, die in empfindender
Materie leben, im Nerv, im Gehirn). Daß der Versuch zu diesem Resultat führte, sei
die Antwort der geistigen Welt für ihn, und sie bedeute, daß die Zeit noch nicht reif
dazu sei, von der Ätherkraft Gebrauch zu machen.»
Keely-Motor
John Worell Keely (1827-1898), unabhängiger Forscher in USA (Philadelphia) auf
dem Gebiet der Akustik. Seine 1872 erfundene Hydro-Pneumatic Pulsating-Vacuo
Engine soll eine verbesserte Dampfmaschine sein, die mit einem Vakuum verbunden
ist, worin der Dampf rasch abkühlen kann. Dieser kondensierte Dampf im unter-
kühlten Vakuum sollte als Antriebskraft verwendet werden. Im Laufe der ersten
Versuche explodierte allerdings die Maschine. Im Zusammenhang mit einer zukünf-
tigen Technik bezieht sich Rudolf Steiner in mehreren Vorträgen auf Keely. Alles
weitere zu dieser Thematik findet sich auch in den Bemerkungen zu Blatt 20 in die-
sem Heft und insbesondere auch in Heft 107 der «Beiträge zur Rudolf Steiner Ge-
samtausgabe», mit dem Titel: «Der Strader-Apparat, Modell - Skizzen - Berichte»,
Dornach 1991. - Darin enthalten sind auch eine chronologische Übersicht der
Äußerungen Rudolf Steiners betreffend den «Mechanischen Okkultismus, Keely-
49
Motor und Technik der Zukunft» sowie zahlreiche weitere Literaturangaben zum
Thema.
Paramaecien
Paramaecium (caudatum) aus der Familie der Protozooen, ist ein von bloßem Auge
gerade noch erkennbares Lebewesen. Zur Fortbewegung benützt es Hunderte von
kleinen um seinen ganzen Leib befindliche haarähnliche bewegliche Strukturen
(Ciüen), deren koordinierte Bewegung den Tierkörper in eine rotatorische Trans-
lation versetzen können. Das Verhalten von Paramaecien gegenüber verschiedenen
äußeren Einwirkungen wie elektrischem Strom, Säure, Wärme, Hindernissen und
dem Schwerefeld der Erde, haben Biologen intensiv erforscht. Es hat sich gezeigt,
daß Paramecien sehr empfindlich auf all diese Einflüsse reagieren; deshalb eignen
sich Paramaecien hervorragend als lebende Reagenzien.
50
in ein Vakuum hineinzupraktizieren. Aber als dies vollendet war, löste sich in uns
beiden die entscheidende Frage aus: Was nun? Vielleicht hatten wir ja da die Lebens-
kraft im Vakuum; aber was uns fehlte, war die Möglichkeit, dies festzustellen, zu
prüfen und zu bestätigen, zu messen oder anzuwenden. Dieser kleine, an sich viel-
leicht mehr humorvoll zu nehmende erste Versuch hatte auf uns doch einen ent-
scheidenden Einfluß, denn wir erkannten nun: was wir vor allem brauchen, ist das
Reagens, ein Test, etwas, das uns anzeigt, ob, wo und wie diese Kräfte anwesend
sind, sich steigern oder schwächen usw.»
Rudolf Steiner wies auf das Buch von Rama Prasad «Nature's Finer Forces» hin.
Darin sind sieben Ätherarten erwähnt'
Im englischen Original (erschienen bei The Theosophical Publishing Society, Lon-
don, 1915) sind auf Seite 7 nur fünf Ätherarten, die fünf Prinzipien (Tattwas) der
indisch-hinduistischen Tradition aufgeführt, welche später im Buch mit den klas-
sisch-abendländischen Elementen in Beziehung gebracht werden:
1. Akasha soniferous ether sound «ether
2. Vayu tangiferous ether touch gas
3. Tejas (Agni) luminiferous ether colour fire
4. Apas gustiferous ether taste liquid
5. Prithivi odoriferous ether smell solid
Da Rudolf Steiner in einer ganzen Reihe von Vorträgen (z. B. GA177) Aussagen aus
dem zu jener Zeit in den theosophischen Kreisen weitverbreitete Buch C. G. Har-
risons «Das Transcendentale Weltenall» (ein photomechanischer Nachdruck der
Ausgabe von 1897 ist erschienen im Verlag Engel + Streffer, Stuttgart, 1990) verwen-
det, ist anzunehmen, daß er sich auch in diesem Gespräch auf dieses Werk bezieht,
das in einer Fußnote auf Seite 25 im Zusammenhang mit sogenannten «Siebenfälti-
gen geheimen Naturkräften» auf Rama Prashads Buch verweist.
Dieser Siebenfältigkeit widmet Günter Wachsmuth in seinem Werk «Die Äthe-
rischen Bildekräfte in Kosmos, Erde und Mensch» (Der Kommende Tag A. G. Ver-
lag, Stuttgart, 1924) einen ganzen Abschnitt. Er schreibt dort (der ganze Abschnitt
durch ihn hervorgehoben):
«Tatsächlich sind es insgesamt sieben ätherische Urkräfte, Bildekräfte, die im
Kosmos wirken, von denen sich aber nur vier in den raumzeitlichen Prozessen unse-
rer jetzigen Erscheinugswelt offenbaren. Von diesen vier ätherischen Büdekräften
soll deshalb im folgenden nur die Rede sein.»
Literatur
Hermann Beckh «Der übersinnliche Organismus im indischen Yoga (Lotosblumen,
Kundalini) im Lichte der Erkenntnis der ätherischen Bildekräfte», in «Gäa Sophia»,
Jahrbuch der naturwissenschaftlichen Sektion der Freien Hochschule für Geistes-
wissenschaft am Goetheanum Dornach, Band III1929, S. 196 ff.
Guenther Schubert «Indische Bezeichnungen für die Ätherarten», in «Gäa Sophia»,
a. a. O., Band 1, Dornach 1926, S. 342ff.
51
die Reaktion einer ruhig brennenden Flamme'.
In einer Notiz vom 24.4.1960 teilte Guenther Wachsmuth mit, daß Rudolf Steiner bei
einer anderen Gelegenheit von einer «leicht beweglichen Flamme» gesprochen habe.
Siehe hierzu auch Blatt 11, wo von einer «sich bewegenden» Flamme die Rede ist.
Erläuterungen zu Blatt 5
Im Blatt 5 wird auf weitere, für die Naturwissenschaft bedeutsame Notizen von
Rudolf Steiner verwiesen, die in der in Stuttgart herausgegebenen Zeitschrift «An-
throposophie» (Schriftleitung Kurt Piper) in den Jahren 1927-1929 publiziert wur-
den. Nachfolgend werden sie - zum Teil faksimiliert - wiedergegeben.
Erläuterungen zu Blatt 6
Bezüglich der in diesem Blatt erwähnten Anoden-Kathoden Polariät und ihrer Ent-
sprechung im Gegensatz von Sonne und Erde, siehe die Bemerkungen zu Blatt 8.
52
Notizbuch Archiv-Nr. NB 309, 1922/23
Phosphorvergiftung: Absterben de
Kiefers.
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Im Frühling sind kosmisch die Kräfte wirksam, machen; daher wird im Winter mehr
welche das Menschenhaupt körperähnlich C02 excerniert als im Sommer.
machen, im Herbste, die den Körper kopfähnlich
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tut
Chaotisch-Geistigen bestimmte
Erläuterungen zu Blatt 7
58
mich, Proben aus Oberschwaben zu beschaffen, um sie Dr. Steiner vorzulegen. Dies
geschah. Nach meiner heutigen Kenntnis muß ich sagen, daß ich ungeeigneten Torf
brachte; ich brachte Flachmoortorf. Dr. Steiner erklärte den Torf jedoch als geeig-
net.* Ich hielt damit meine Aufgabe für erledigt und kehrte nach Berlin zurück, um
mein Studium fortzusetzen und abzuschließen. Als ich wieder zurückkam, war ge-
rade das Forschungsinstitut im Entstehen begriffen. Ich interessierte mich sehr dafür
und wäre gern dorthin berufen worden. Ich hatte Bergfach studiert und ziemlich viel
Vorlesungen über Mineralogie, Geologie usw. gehört. Es bestand nun eine Liste
über Aufgaben für das Forschungsinstitut, die ich mir geben ließ und suchte mir eine
mir entsprechende heraus. Ich dachte an die Kristallisationsaufgabe. Nun ersuchte
ich Dr. Steiner um eine Unterredung und kam zu ihm. Er empfing mich gleich mit
den Worten: <Es ist schrecklich bei uns, nichts ist geschehen. Die Torfarbeit geht
auch nicht voran.> Ich fing nun an, mein Sprüchlein herzusagen, aber er fing wieder
an, vom Torf zu sprechen, so daß ich ihn schließlich fragte, ob er meine, daß ich
diese Aufgabe übernehmen solle. Er bestätigte dies, ging sehr lebhaft darauf ein und
machte gleich die ersten Angaben.»
Nach dieser Darstellung stand nicht die Herstellung eines Ersatzstoffes, wie dies
in Kriegszeiten geschah, im Vordergrund. Es war vielmehr eine konkrete, von
Rudolf Steiner gestellte Forschungsaufgabe, bei der man erstmals Ätherisches
handzuhaben lernen könnte.** Dies wird in folgender Äußerung Rudolf Steiners
gegenüber Henri Smits noch deutlicher:
«Ich fragte ihn einmal: <Sollen wir an den vertorften Fasern einen neuen Ätherleib ^
aufbauen ?> Ich ging dabei von der stillschweigenden Voraussetzung aus, daß der
Torf eben tot ist, also nichts Lebendiges, Ätherisches mehr enthält. Er erwiderte
aber: <Nein, so ist es nicht, im Torf hat das Ätherische eine absteigende Tendenz; die
muß in eine aufsteigende umgewandelt werden.>»
In einem späteren Bericht schreibt Henri Smits dazu:
«Die brüchigen Fasern sollten gefestigt werden durch Hinzufügen kosmischer
Kräfte zu irdischem Zerfallsprozeß».***
* Henri Smits fügt in der Vortragsnachschrift folgendes noch hinzu: «Ich möchte erwähnen, daß ich
später noch einmal Gelegenheit hatte, Dr. Steiner in Dornach Torfproben, die ich in Norddeutsch-
land gesammelt hatte, vorzulegen; dieses Mal richtigen Hochmoortorf mit reichlich Faserbündeln.
Bei der Gelegenheit sagte mir Dr. Steiner, man würde finden, daß die Faserbündel um so länger
würden, je weiter man nach Norden käme. In der Tat, die aus Norddeutschland stammenden
Faserbündel sind durchweg länger als solche aus dem Schwarzwald oder Oberschwaben. Später er-
hielt ich einmal eine Torfprobe aus Finnland, die erheblich längere Faserbündel enthielt als ich sie je
aus Deutschland bekommen hatte.»
** Alexander Strakosch berichtet in seinem Buch «Lebenswege mit Rudolf Steiner« (Zweiter Teil 1919-
1925, Dornach 1952, S. 79), daß Steiner ihm einmal sagte, «es sei ihm wichtig gewesen, daß es gelun-
gen war, einer schon weitgehend mineralisierten Substanz doch wieder einen pflanzlichen Charakter
zu geben (eben die Geschmeidigkeit), indem sie wieder in etwa von ätherischen Bildekräften durch-
drungen werden konnte.»
***Dies macht auch verständlich, warum Steiner im Landwirtschaftlichen Kurs (GA 327) im 4. Vortrag
und in der Fragebeantwortung vom 12. Juni 1924) davon abrät, «Torf zur Auflockerung des Bodens
zu verwenden, weil der Torf sich dem auf- und absteigenden Substanzstrom in der Pflanze entgegen-
stellt, weil er das Ätherische festhält.» Viel eher eignet sich deshalb Torf zur Konservierung von
Substanzprozessen. So heißt es weiter: «Torf in dünnen Schichten auf die Kompostmasse verteilt,
hält zusammen, was sonst verduften würde.»
59
Rudolf Hauschka, der später von Ita Wegman das Erbe dieser Aufgabenstellung
übernommen hatte, erwägt dazu in seiner «Heilmittellehre», daß die Bildekräfte, die
die Pflanzen auftauen und zur Blüte und Frucht bringen, sich im Herbst wieder von
ihr lösen und sich in die Erde zurückziehen: Es entsteht in diesem natürlichen Kreis-
lauf Humus für eine nächste Pflanzengeneration. In einem Ausnahmezustand befin-
den sich die unter Luftabschluß vertorfenden Pflanzenfasern, wo diese Pflanzen bil-
denden Kräfte, bzw. die Elementarwesen als deren Vermittler, für Jahrtausende an
die Pflanze gebunden werden. Hauschka berichtet im weiteren aus ihm bekannten
Gesprächen Ita Wegmans mit Rudolf Steiner, daß es durch die Veredelung von
Torffasern gelingen würde, «die gefesselten Elementarwesen zu befreien, und diese
würden dann aus Dankbarkeit den Menschen schützen vor dem, was in absehbarer
Zeit bevorstehe, daß nämlich die Atmosphäre durch Elektrizität, magnetische Fel-
der, Flugzeuge und noch viel Schlimmeres derart durchsetzt sein wird, daß für den
Menschen das Leben auf der Erde zur Qual werde. Kleidungsstücke aus Torffasern
aber könnten den Menschen vor diesen Einflüssen schützen.»
60
gaben folgten Versuche, die weiterhin alle ein negatives Resultat ergaben. Auch die
Torffaserveredelung mit Preßsäften von Wiesenplatterbsen, Wicken und Hopfen
führte zu keinem Erfolg, weil die Substanzen trotz einer gewissen leimenden Wir-
kung immer noch auswaschbar waren.
Im Sommer fanden vermutlich wiederum mehrere Gespräche mit Rudolf Steiner
statt und Henri Smits zeigt ihm in Dornach auch neue Proben. Es wurde vereinbart,
versuchsweise Kiesel durch Asbest, Olivin oder Hornblende zu ersetzen.
Anfang September bezog die Torffaserabteilung neue Räumlichkeiten im Keller
der Schulbaracke. Noch im gleichen Monat (Siehe Dokument 2 «Angaben Dr.
Steiners am 21. September») riet Rudolf Steiner dazu, ein Salz von Grauspießglanz
(Antimon), Robinien, auf Rotliegendem gewachsenen Goldregen oder äußere weiße
Birkenrinde zu nehmen, damit die Fasern die pflanzlichen Essenzen dauerhaft auf-
nehmen. Elektrische Felder werden erwähnt zur besseren Ausrichtung der Fasern.
In einer Mitgliederaussprache vom 17. 12. 1921 zeigt Henri Smits neue Proben
und erzählt über seine neuesten Faserbehandlungsversuche mit Asbest, den oben
erwähnten pflanzlichen Stoffen (v. a. Goldregen) und Antimon, was aber noch nicht
zu einer besonders rißfesten Faser führte. Rudolf Steiner meint, daß die Pflanzensäf-
te von einem frühen Wachstumsstadium, möglichst vor dem Blühen geerntet, ver-
wendet werden sollen; und weiter: «Es handelt sich darum, daß man die Kraft des
Antimons hereinbekommt». Bezüglich Kieselersatzstoffen fragt Henri Smits, ob
nicht Olivinpulver noch besser sei, da Asbest schlecht handzuhaben sei. Rudolf Stei-
ner befürwortete dies, «weil dort die Fasertendenz noch besser ausgelebt ist. ...
Wenn Sie Versuche mit Olivin machen, werden Sie eher etwas herauskriegen.»
Weiterer Hinweis: Temperaturen über 37° C sollten vermieden werden.
Vom Dezember 1921 bis Februar 1922 wurden dann ausführliche Versuchsreihen
mit allen möglichen Torffaserbehandlungen gemacht. Man nahm jeweils eine kon-
zentrierte Lösung und verdünnte sie bis zur 29. Potenz. In einer ersten Versuchsrei-
he setzte sich die Lösung, zu gleichen Bestandteilen, zusammen aus: Ackerwinden-
preßsaft und Sb S3 in Na2S. Darin ließ man die Fasern 23-29 Stunden liegen. Das
Resultat war, daß es große Schwankungen in der Faserfestigkeit gab, weil offenbar
verschieden dicke Fasern einzeln gemessen wurden. Eine zweite und dritte Ver-
suchsreihe (wiederum durch alle Potenzen von D1-D29) mit Olivin und Winden,
ergab nun erstmals eine höhere Dehnbarkeit aber immer noch keine Festigkeits-
zunahme.
Am 28. April 1922 riet Rudolf Steiner Henri Smits (Siehe Dokument 3 «Unterre-
dung mit Rudolf Steiner, 28. IV. 1922»), er solle doch jeweils drei Fasern zu einem
Zopf verflechten und erst davon dann die Rißfestigkeit messen, weil mit verschieden
dicken Fasern die Streuung der gemessenen Werte zu groß sei. Weiter, daß Antimon
gleichmäßig in der Faser verteilt werden sollte, was man am besten mit Verbrennen
der Faser feststellen kann. Wenn die Faser gleichmäßig verglüht, statt sprüht, dann
sollte das der Fall sein. Im Henri Smits-Vortrag heißt es dazu:
«Eine Methode, die er uns angab, bestand darin, daß man die Fasern abbrennt
und das Ascheskelett beobachtet. Beim Abbrennen einer unbehandelten Faser wird
sich ein zerfallendes Ascheskelett bilden, während bei einer behandelten Faser ein
zusammenhaltendes Ascheskelett besteht.»
61
Siehe auch auf Blatt 2 die Aufgabe, Pflanzenaschen und mineralische Aschen auf
ihren physikalischen Unterschied hin zu untersuchen!
Im Frühjahr 1922 konnte man zum ersten Mal alle die erforderlichen Pflanzen
ernten und nahm gleich neue Versuchsreihen in Angriff. Rudolf Steiner wurde über
den Stand der Arbeiten informiert und er versprach sich weitere Ideen zu überlegen,
damit dem Antimon noch mehr strahlende Kraft verliehen werden könnte. Zunächst
sollen Schlehe oder haarige Samen z. B. von Disteln oder Löwenzahn verwendet
werden. Während die Versuche mit Disteln negativ verliefen, erreichte man mit
Löwenzahnsamen und -wurzeln erstmals eine Zunahme der mittleren Festigkeit
um 130%.
Im September 1922 überbrachte dann Rudolf Steiner die in Aussicht gestellten
Ideen und gab folgendes Rezept: Pflanzensaft + Lärchenharz + Aesculus. Mit die-
sem Rezept gab es Probleme beim Vermischen von Harz in (Aesculus-)Wasser und
er sagte darauf, daß man Gummi Arabicum als Lösungsmittel nehmen sollte. Im
Dezember 1922 riet Rudolf Steiner, den Emulgator Gummi Arabicum durch Mal-
venschleim zu ersetzen und, «um die Einwirkung dieser Substanzen permanent zu
machen», ein Sauerstoff-Ozon-Bad anzuwenden. Mit dieser Rezeptur stellte man
keine wesentliche Festigkeitszunahme fest.
Anfang 1923 betrachtete Rudolf Steiner im Mikroskop die mit seinem Rezept
behandelten Fasern und bemerkte, daß das Bild eine positive Einwirkung zeige. Zur
Veranschaulichung verglich er die behandelten Fasern mit einem gewachsten Faden
und die unbehandelten mit einem ungewachsten. Nun gab Rudolf Steiner auf die
Frage nach den Mengenverältnissen seines Rezeptes folgende Zahlen (immer bezo-
gen auf das Fasergewicht) an: 10% Malvenschleim (von Stockrosen), 1% Harz, 1%
Aesculus und 1/1000 Antimon. Dies solle man tagelang rühren, bis es emulgiere und
danach in einem Sauerstoff-Ozon-Bad bleichen. Es wurde vergessen, nach der Men-
ge von Windenpreßsaft zu fragen. Man wählte 10%. Mit diesem fertigen Rezept, das
5 Jahre später Ita Wegman in England zum Patent anmeldete, erreichte man eine
große Zunahme der Festigkeit von durchschnittlich 70%. (Angestrebt waren 4-
500%). Rudolf Steiner riet: 5 Fasern zu einem Bündel zu drehen und 10 solche Bün-
del zu einem Faden zu verseilen. Die Messungen mit solchen ca. 40 cm langen Fäden
zeigten im Mittel eine Festigkeitszunahme von bis zu 100% (127% bis maximal
256% bei Fäden mit dicken und 84% bei Fäden mit dünnen Fasern). Er riet abschlie-
ßend, den Sauerstoff und das Ozon rhythmisch abwechselnd (ca. 18 mal pro Minu-
te) auf die Fasern einwirken zu lassen und versuchsweise wieder Olivin zu nehmen.
Aus einem Brief vom 23. Oktober 1923 (Dokument 4 «An die Centrale») geht
hervor, daß Rudolf Steiner am 17. Oktober zu Besuch war. Henri Smits schlug ihm
ein Projekt zur Gewinnung von Cellulose aus Torffasern vor. Man diskutierte ferner
Anbaupläne für die Veredelungsbäder für ca. 3-4 Tonnen Fasermaterial.
Noch vor der Liquidation der «Der Kommende Tag A.G.» gelang es den For-
schern, die Torffasern soweit zu veredeln, daß sie zu kleinen Proben verspinnt und
verwoben werden konnten. «Ein gestrickter Schal aus dem Garn behandelter Fasern
erfreute Dr. Steiner noch auf dem Krankenbett und fand seine bestätigende An-
erkennung», berichtete später die Frau von Henri Smits, Olga Smits (Zeitschrift
«Die Kommenden», Nr. 4 1989, S. 23).
62
Bescheidener spricht Henri Smits in seinem Vortrag selbst über die Erfolge:
«Dr. Steiner äußerte sich uns gegenüber, noch mehr in anderen Labors, sehr be-
friedigt über die Ergebnisse. Ich bin allerdings der Meinung, daß diese Äußerungen
mehr pädagogisch gedacht waren, um uns den Rücken zu stärken und einer gelinden
Opposition, die bei manchen Wirtschaftern herrschte, den Wind aus den Segeln zu
nehmen. Jedenfalls bin ich mir klar, daß dieser Erfolg nur ein Anfangserfolg war,
aber ich konnte die Versuche wegen Auflösung des Instituts nicht fortsetzen, und in
meinem weiteren Leben hat sich mir nie dazu die Möglichkeit geboten.»
Auch Alexander Strakosch schreibt rückblickend über den Erfolg dieser Ver-
suchsreihen («Lebenswege», 2. Teil a. a. O., S. 79):
«Die Aufgabe wurde bis zu einem gewissen Grade gelöst, aber bis zu einer indu-
striellen Anwendung kam es nicht, weil inzwischen die Einfuhr von Baumwolle
wieder in genügendem Umfang begonnen hatte und weiter erfolgte.»
Hans Kühn berichtet über die Fortsetzung dieser Arbeiten sowie von einer wei-
teren, ähnlich gelagerten Aufgabenstellung:
«Während der Zeit des Kommenden Tags gelangen nur kleinere Gewebe. Später
führten Hans Buchheim und andere die Versuche weiter. - Eine weitere Angabe
Rudolf Steiners betraf die Verwertung von Hörn, die aber erst in Einsingen ausge-
arbeitet wurde. Es gelang, das Hörn in honigartigen Zustand zu bringen, mit wel-
chem dann eine Verspinnung beabsichtigt war. Wären diese Versuche weitergeführt
worden, so hätte zweifellos eine gesunde Textilfaser entstehen können.»
(«Dreigliederungs-Zeit», Dornach 1978, S. 114)
Aufgaben von Rudolf Steiner an Henri Smits zur Veredelung des Torfes
+ Man kann die im Torf als Reste von Epiphorum vaginatum enthaltenen Fasern
so festigen, daß sie für Textilzwecke verwandt werden können.
+ Man kann aus Torf eine preßbare, schneidbare Masse herstellen, aus der man
etwa Bilderrahmen machen kann.
Aus der Zeitschrift für Moorkultur und Torfverwertung, XV. Jahrgang, Wien 1917
«... Auch die Verwendung des solchen, genügend zerkleinerten Torfes an Stelle des
Holzmehls als Füllstoff in Magnesiazement und Zinkoxydchloridmassen ist nicht
durchgedrungen, ebensowenig das «künstliche Holz aus Torf», das aus in der hy-
draulischen Presse geformten und langsam getrockneten Mischungen aus Torfpul-
ver, schwefelsaurer Tonerde und Kalk bestand. Es ließ sich prächtig polieren, boh-
ren, sägen, fräsen und bearbeiten, besaß auch eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit
gegen Feuer, quoll aber in Wasser stark auf und war viel zu teuer, um tatsächlich
einen Ersatz für Eichenholz oder andere gute Holzarten zu bilden.«
Aus A. Hansdingl, Handbuch der Torfgewinnung und Torfverwertung mit be-
sonderer Berücksichtigung der erforderlichen Maschinen und Geräte nebst deren
Anlage- und Betriebskosten, Berlin 1917:
«... aus Torfmullziegeln und Torfmullplatten hergestellte Wände für Fernsprech-
zellen, Türen usw... Als Bindemittel werden dabei die üblichen Baustoffe Kalk, Ze-
63
ment, Lehm, Schlick usw. verwendet... So werden z. B. in Schweden (Christiana)
Moorhütten in der Weise hergestellt, daß man die Wände aus diesen Torfziegeln mit
Mörtel aufmauert und sie innen und außen mit Brettern umkleidet—
Baustoffe wollte man aus Torf bereiten, indem man zerkleinerten Torf mit Ze-
mentmörtel, Gipsbrei, Magnesium oder Zinkoxychloridmassen mengte und formte,
ein wirtschaftlicher Erfolg war nicht zu erzielen. Ebensowenig war er dem «Kunst-
holz aus Torf* beschieden ...»
Nachklang
1932 begann man in Deutschland mit der industriellen Herstellung von Dämmplat-
ten usw. aus Holzfaserplatten. Diese Platten entstehen durch starkes Verpressen
eines Breis, bestehend aus verholzten Fasern, die vorwiegend aus Nadel- und
Laubhöhlzern gewonnen werden. Unter Ausnützung holzeigener Bindemittel,
kommt man weitgehend ohne fremde Zusätze (Bindemittel) aus. (Siehe dazu auch
die in Blatt 13 durch Ehrenfried Pfeiffer dokumentierten Angaben von Rudolf
Steiner zur Holzbehandlung.)
64
4. Geschichte der Torffaserverarbeitung
Nachdem schon Plinius im ersten Jahrhundert n. Chr. von Torf berichtet hatte, ha-
ben dann die von der Jahrtausendwende an sich rasch ausbreitenden Zisterzienser-
mönche systematisch die mitteleuropäischen Moorlandschaften erschlossen und be-
siedelt. Der dabei anfallende Torf wurde weiter verarbeitet zu einem isolierenden
Füll- und Dämmmaterial im Häuserbau, sowie zu Brennstoff und Badezusatz. Im
ausgehenden 19. Jahrhundert untersuchte man erstmals auch den faserigen Anteil
des Torfs im Hinblick auf seine Eignung als Textilfaser oder zur Papierfabrikation.
Es haben sich verschiedene Rezepturen zur Torffaserveredelung ergeben. Am
12.4.1890 ließ Georges Henry Beraud als erster in London ein Verfahren zur Ver-
arbeitung von Torffasern für die Textilindustrie patentieren: Kochen in Lauge unter
Hochdruck und nachfolgendes Spülen mit Wasser ergab eine spröde, harte und brü-
chige Torfwolle. Die Wiener Firma Karl A. Zschörner und Comp, verarbeitete diese
sog. Beraudine weiter zu Hüten, Boden- und Wandteppichen, Decken, Dekora-
tionsstoffen und Plattenziegeln. Auf einer Jubiläumsausstellung zu Wien 1898
wurden in einem Pavillon neben den verschiedenen Phasen der Torfgewinnung die
gesamte Produktepalette dieser Firma präsentiert. In einer Tuchfabrik in Düsseldorf
konnten die Fasern durch eine weiterentwickelte Säure- und Laugenbehandlung
wesentlich geschmeidiger gemacht werden. Diese Düsseldorfer Torfwolle konnte
recht gut, mit Wolle und Baumwolle vermischt, weiterverarbeitet werden. Trotz-
dem war der Absatz dieser Faser, solange es Wolle im Überfluß gab, nicht sehr groß,
bis dann der 1. Weltkrieg begann und man, aufgrund ausbleibender Importe, wieder
daran dachte, aus Torffasern v. a. Pferdedecken und Mäntel herzustellen.
65
Dokument 1
Erste Unterredung
[Aus: Angaben Dr. Steiners über Torfverwertung, Manuskript, Archiv]
Torf kann verwendet werden zur Gewinnung von Fasern und zu Herstellung einer
schneid- und pressbaren Masse (Bilderrahmen usw.). Die Fasern würden zu Gewe-
ben verwandt werden können, die nicht an die Stelle der bisherigen treten sollen,
sondern die anders geartete Eigenschaften haben. Die Gewebe würden wärmer hal-
ten als die bisher üblichen. Dadurch würde es möglich sein, zur Bekleidung leichtere
Stoffe zu verwenden wie bisher.
Dr. Steiner hat den Eindruck, daß die Faser umso geeigneter wird, je weiter man
nach Norden kommt. Es sagte dies, ausgehend vom Schweizer Torf, den er als zu
kurzfaserig bezeichnete. Den schwäbischen, von mir vorgelegten Torf, bezeichnete
er dagegen als brauchbar.
Über die Behandlung, der der Torf zu unterziehen sei, sagte er, man müsse ihn
durch ein magnetisches (elektrisches?) Feld fuhren und die Struktur vorher und
nachher untersuchen.
Dokument 2
Auf die Frage, aus welchen Pflanzenteilen die klebende Substanz zu gewinnen sei,
sagte er, daß dies durch Versuche zu ermitteln sei.
Auf die Frage, wie es zu erreichen sei, daß die pflanzlichen Substanzen in die Faser
aufgenommen würden, sagte er, man müsse versuchen, sie mit einem Salz des Grau-
spiessglanzes zu behandeln. Es wurde Brechweinstein vorgeschlagen. Dr. Steiner
ging nicht sehr darauf ein, er schien Bedenken zu haben. Durch Zusatz gewisser
pflanzlicher Substanzen von der Robinie, auf die Herr Stockmeyer zu sprechen
kam, sagte er, daß deren Rinde, besser noch Goldregen, der seine Gelbtendenz aus
dem Rotliegenden hat, Stoffe liefern könnte, die bewirken können, daß die Faser die
leguminosen Substanzen aufnähmen. Die äußere weiße Rinde der Birken können
auch dazu in Betracht kommen. Auch käme es evtl. in Frage, die klebenden Substan-
zen in ein elektrisches Kraftfeld zu bringen und dadurch sie auch zu befähigen ein-
zudringen.
66
Dokument 3
Es handelt sich darum, daß die Faser fester wird. Auf den Einwand, daß es sich
vielleicht mehr um ein Geschemeidig-Werden der Faser handelt, sagte Dr. Steiner,
daß Dehnbarkeit und Elastizität wohl gleichzeitig mit der Festigkeit zunehmen
würden.
Damit die Verschiedenheit der Festigkeit der Rohfasern nicht so in Erscheinung
tritt, soll man die Fasern zu dreien «verwinden» (einen Zopf flechten) und dann
zerreißen.
Es kommt auf eine spezifische Art des Zusammenwirkens an von Antimon und
der pflanzlichen Substanz. Es ist wesentlich, daß das Antimon gleichmäßig in der
Faser verteilt ist. Dies soll dadurch erreicht werden, daß die Fasern nach dem Beizen
erhitzt werden; der Grad der Erhitzung muß gesucht werden. Reagenz darauf, ob
die Fasern das Sb gleichmäßig verteilt enthalten, besteht in der Verbrennung. Die
Faser verbrennt in der Regel sprühend, sie soll, wenn sie richtig gebeizt ist, gleich-
mäßig verglühen.
Dokument 4
67
[Anlage zum Brief vom 23. 10.1923]
Die Arbeiten im Torffaserlaboratorium sind jetzt in ein Stadium gelangt, daß schon
jetzt an die Bereitstellung so großer Mengen von für die Behandlung der Rohfaser
erforderlichen Substanzen gedacht werden muß, daß größere Versuche durchge-
führt werden können.
Der Rohstoff, an der der größte Bedarf vorliegt, ist Malvenschleim, ein pflanzli-
cher Schleim, der aus der Stockrose - Althaea rosea - gewonnen wird. Dieser
Schleim wird zu 1/10 der Menge der verarbeiteten Fasern verwendet.
Um die Pflanze im Spätsommer 1924, zur Verwendung im Jahre 1924/25 zu ern-
ten, ist ihre sofortige Ansaat unbedingt erforderlich, da die Stockrose erst im (wei-
teren) zweiten Jahre blüht.
Die Stockrose wird in der Regel in der Zeit Mai-Juni in Kästen ausgesät und im
Oktober dann nach einer Reihe von Zwischenpersationen ins Feld umgepflanzt.
Man kann rechnen, daß auf einen Morgen = 33 ar ca. 30000 Pflanzen gezogen wer-
den können. Wollte man nächstes Jahr etwas von 3 Morgen ernten, so müssten jetzt
sofort etwa 100000 Pflanzen gesät werden, die, da sie zunächst eng gestellt werden
können, 2,5-3 ar einnehmen würden.
Es müßte also sofort ein Garten von 4 ar zur Verfügung gestellt werden, in dem
Kästen - Mistbeete - von 2,5-3 ar Oberfläche eingerichtet werden müssten. Im
Oktober müssten dann zum Umpflanzen ins Feld 3 Morgen Sand zur Verfügung
stehen, und zwar braucht die Stockrose einen sandigen, trockenen, sonnigen Stand-
ort, es käme also als Anbaugegenstand etwa das Neckartal in Frage.
Nun kann nicht verhehlt werden, daß dem jetzt sofort vorzunehmenden Anbau
in für technische Zwecke ausreichenden Mengen, gewisse Schwierigkeiten entgegen-
stehen.
Zunächst ist die Jahreszeit etwas weit vorgeschritten; dieser Grund ist nicht sehr
schwerwiegend, da der Juni kalt und rauh und daher zur Aussaat ohnehin ungeeig-
net war. Ferner wird bis zur Aussaat eine gewisse Zeit noch vergehen müssen, da
Personal, Sand, Kästen, Saatgut usw. erst beschafft werden müssen.
Auch war bisher noch nicht Gelegenheit festzustellen, wieviel Schleim aus einer
Stockrose zu gewinnen ist, und wir wissen noch nicht, ob der Schleim nur einmal
oder mehrmals zur Faserbehandlung verwandt werden kann. Ebenso dürfte es sich
empfehlen, zunächst Versuche darüber anzustellen, welche Sorten besonders
schleimreich sind.
Man muß sich auch klar machen, daß bei einer so plötzlichen Inangriffnahme die
Gefahr von Missgriffen, die den ganzen Erfolg in Frage stellen, nicht ausgeschlossen
ist.
Nun ist bei dem am 12.ds. stattgehabten Besuch Herrn Dr. Steiners diese Frage
des Stockrosen-Anbaues angeschnitten worden, ohne daß allerdings Gelegenheit
war, auf die Schwierigkeiten einzugehen. Herr Dr. Steiner war unbedingt der An-
sicht, daß der Anbau gemacht werden sollte.
Aus diesem Grunde scheint es uns ungeachtet der auseinandergesetzten Schwie-
rigkeiten wünschenswert, mit dem Anbau sofort zu beginnen.
Es sein dazu noch nachgetragen, daß wir nach rohen Schätzungen aus drei Mor-
gen angepflanzter Stockrosen mit einem Ertrag von wenigstens 300-400 kg Schleim
68
rechnen, der - eine einmalige Verwendung vorausgesetzt - zur Veredelung von
3 ^ t Torffasern reichen würde.
Dokument 5
Patent Specification
325,904
Provisional Specification
Process of Manufactoring a Textile Fibre from Peat
[...]
Complete Specification
Process of Manufactoring a Textile Fibre from Peat
69
metal salts. These salts have to be added to the Solution of extracts from plants and/
or to the emulsion of resins. Finally it has been found, that the effect, gained by the
treatment as described will be increased or, so to speak, fixed, if the fibres are sub-
sequently treated with oxygen in any form or oxygen-producing substances.
After having been dried, the fibre is ready for spinning. The result of the treat-
ment as described above, will be a high tensile-strength, a pleasant, glossy appearan-
ce and a woolly structure of the fibre. The tensile-strength is 16 - 24 kg per sqmm,
whereas the tensile-strength of the untreated fibre is only 6 - 10 kg per sqmm.
The following is an example: The extracted and cleansed fibrous material is
immersed in a Solution constisting of
The treatment takes place in wooden tanks and is lasting about 20 days. Instead
of Galeopsis Ladanum also Clematis vitalba or similar plants or mixtures of diese
plants may be used. Instead of Chloride of lime also salts of Magnesia or metals or
mixtures of these salts may be used.
After having been treated in the way described and rinsed for a short while, the
fibrous material is put on shelves and treated with oxygen for about two hours.
The same effect may be obtained by immersing the fibrous material in Solutions of
oxygen-producing substances, for instance Peroxides.
Having now particularly described and ascertained the nature of my said inven-
tion, and in what manner the same is to be performed, I declare that what I claim is:
1. The process of treating fibrous material from peat for spinning, consisting in
immersing it for a substantial period in a diluted Solution of extracts from plants
and/or emulsions or resins.
2. The process claimed in claim 1, adding a small proportion of earth-alkali- and/
or metal salts.
3. The process claimed in claims 1 and 2, the fibrous material being subsequently
treated with oxygen in any form.
Erläuterungen zu Blatt 8
Zur ersten Aufgabenstellung dieses Blattes hat sich auch Hans Kühn in seinem Buch
«Dreigliederungs-Zeit» (Dornach 1978, S. 116) geäußert:
«In einem anderen Laboratorium wurden von Dr. Theberath ähnliche Nachweise
von Tag- und Nachtwirkungen sowie Sterneneinflüssen mit Metallen durchgeführt.
70
So zum Beispiel erinnere ich mich an eine Versuchsreihe mit fein ausgewalzten Sil-
berspiralen, die, entsprechend dem Lauf von Planeten, gewisse meßbare Bewegun-
gen ausführten. Diese Versuche gestalteten sich äußerst schwierig, weil mit den fein-
sten, kaum erkennbaren Einflüssen gerechnet werden mußte. - Rudolf Steiner er-
wartete, daß die Intensitätsschwankungen durch Mondeinflüsse* auf Erdströme,
magnetischer und elektrischer Art, verfolgt würden, ebenso die Intensität von Ma-
gneteisen, die durch Mondeinfluß verschiedene Werte ergibt. (Nach Mitteilung von
Hans Buchheim wurden diese Versuche jahrelang weitergeführt.)»
Briefe von Hans Theberath an Rudolf Steiner betreffend seine Versuche mit Kupferdraht- und Silber-
drahtspiralen:
Stuttgart, den 14. VII. 24
Sehr verehrter Herr Dr. Steiner!
Wir haben längere Zeit Kupferdraht-Spiralen beobachtet, welche nach der e-Funk-
tion auf einem f II Kegel gewickelt waren. Einige Tage wurden auch zwei Spiralen,
welche im entgegengesetzten Sinne gewickelt waren, beobachtet. Jetzt liegt auch
eine Beobachtung einer auf die Spitze gestellten Spirale vor. In keinem dieser Fälle
wurden mehrfach größere Ausschläge beobachtet, als diejenigen sind, welche durch
die kleinen Erschütterungen bewirkt werden, d.h. also höchstens bis zu 1/10 mm!
Dies ist so wenig bei einer Spirale von 80cm Höhe, daß ich befürchte, noch einen
prinzipiellen Fehler gemacht zu haben. Ich möchte daher Herr Doktor um Rat zur
Fortführung der Versuche bitten.
Dürfen wir Herrn Doktor im Institut erwarten oder kann ich mir den Rat in der
Landhausstraße erfragen?
In Verehrung Hans Theberath
In Verehrung H. Theberath
Im Tagebuch von Joachim Schultz ist vermerkt, daß P. E. Schiller 1935 «wieder an
den Spiralversuchen arbeitet».
In einem Brief von Paul Eugen Schiller an Peter von Siemens vom 26.11. 1955
finden wir dazu weiter:
* Neben den bekannten regelmäßigen täglichen Schwankungen des Erdmagnetfeldes kennt man dazu
überlagerte Rhythmen, die vom Mond beeinflußt werden. Wir werden noch ausführlicher in den
Bemerkungen zu Blatt 10 auf diese Rhythmen des Erdmagnetismus zu sprechen kommen.
71
«Ein drittes liegt bei der Untersuchung der Spiralformen vor. Rudolf Steiner war
der Meinung, daß z. B. eine richtig geformte Silberspirale eine Bewegung bei Son-
nen- bzw. Mondaufgang durchführen würde. Damit wäre ein dem Barometer ver-
gleichbares Instrument geschaffen, welches die Energieänderung der ätherischen
Sphäre in ähnlicher Weise anzeigen würde, wie dies der Barometer für den Luft-
druck tut. Diese Aufgabe scheint eine Vorstufe für den Strader-Motor zu sein, wel-
cher darauf beruht, daß verschiedene Metalle in entsprechenden Formen vereint,
eine ätherische <Kraftstation> ergeben.»
Siehe auch die Bemerkungen zu Blatt 10 unter dem Stichwort «Rhythmen des Erd-
magnetismus».
Erläuterungen zu Blatt 9
Die auf dieser Seite durch Walter Johannes Stein verbriefte Erinnerung an die Aus-
sage Rudolf Steiners: «Sie werden sehen, daß im abgekühlten Vakuum der Äther
anwesend ist als negative Quantität, die sich messen läßt [...]. Im Weltraum ist ein
unterkühltes Vakuum» steht in direktem Zusammenhang mit Rudolf Steiners
Pfingstvortrag vom 4. Juni 1924 (GA 236), wo er sagt: «Das Weltall fängt gleich mit
der ätherischen Organisation an [...] das Physische ist nur auf der Erde.»
Vermutlich wollte man mit den in Blatt 9 beschriebenen Versuchsreihen diese
Besonderheiten des Weltraumes im Labor erzeugen, um daran die vorausgesagten
Eigenschaften (nur noch Ätherisches anwesend) erforschen zu können.
Nach Blatt 9 sollten mit Gasentladungsversuchen auch die von Rudolf Steiner
beschriebenen Verhältnisse der Sonne erforscht werden können. An mehreren Stel-
len im Vortragswerk, namendich im Wärme- und im Astronomischen Kurs, findet
man auch ausführliche Schilderungen über die Sonnenbeschaffenheit*. Oft wird im
gleichen Vortrag - oder auch kurze Zeit später - noch die gegensätzliche Natur von
** Leider konnten keine weiteren Einzelheiten über diese Experimente gefunden werden. Georg Maier
teilte dem Autor mit, daß er als junger Physiker sich etwa ein Jahr lang an diesen Experimenten
beteiligte. Über den Erfolg dieser Experimentalanordnung im Heizhaus sagte er, daß die Spiralen
immerhin so empfindlich waren, daß sie die ankommenden und abfahrenden Züge im Dornacher
Bahnhof anzeigten, weniger aber die erwarteten Mond- oder Planeteneinflüsse.
72
Sonne und Erde mit der Polarität von Anode und Kathode in einer Gasentladungs-
röhre, wo laut Rudolf Steiner periphere und zentrale Kräfte entlang einer unbe-
grenzten Linie wirken, in Beziehung gebracht. So heißt es im Astronomischen Kurs
am 18. 1. 21 dazu:
«Bei elektrischen Erscheinungen drückt sich das dadurch aus, daß wir auf der
einen Seite die Kathode, auf der anderen Seite die Anode bekommen, auf der einen
Seite das Licht nur erklären können, wenn wir es ansehen als ein Stück einer Sphäre,
deren Radius uns gegeben ist in der Richtung, in der die Elektrizität wirkt, und der
andere Pol uns als kleiner Teil des Radius gegeben ist. Wir dürfen gar nicht von einer
einfachen Polarität der Pole sprechen, sondern wir müssen davon sprechen, daß,
indem irgendwo Anode und Kathode auftreten, das einem ganzen System angehört,
einfach durch die ganze Anordnung.»
Und zwei Tage vorher, nachdem die Sonnenkonstitution beschrieben wurde:
•Die Erscheinungen der Anode und Kathode sind nicht gleich gerichtet, sondern es
liegt etwas ganz anderes dahinter. Und der Weg, einmal dahinterzukommen, was da
für ein Unterschied vorliegt, der liegt eben darin, [...] daß eine reale Linie in ihrer
Totalität nicht mit zwei Enden gedacht werden darf, sondern mit einem Ende, und
das andere Ende geht einfach durch reale Verhältnisse über in eine Fortsetzung, die
irgendwo liegen muß.»
Im gleichen Kurs wird auch darauf hingewiesen, daß sich dieser Gegensatz über-
all verfolgen läßt. Als Beispiele nennt Rudolf Steiner Experimente mit elektrischen
Erscheinungen, wie sie bei Anode und Kathode in Gasentladungsröhren auftreten,
oder mit Wärmeleitungsversuchen «von innen nach außen» oder von der Peripherie
nach innen. (GA 323, 18. 1. 21) Im letzten Vortrag heißt es dann: «Im Spektrum
selber haben wir ein Bild des Gegensatzes Sonne und Erde...» Das Sonnenspektrum
ist in den konkreten Raum zwischen Sonne und Erde hineingesetzt. (Zum Sonnen-
spektrum siehe auch Blatt 2).
Wie wichtig für Rudolf Steiner das Finden neuer Versuchsanordnungen auf die-
sen Gebieten war, zeigt auch folgendes Zitat, das vermutlich direkt auf die Aufgaben
in Blatt 9 hinweist:
«Als wir in Stuttgart unsere Institute gegründet haben, habe ich gesagt: Eine der
ersten Aufgaben ist, nachzuweisen, daß, wo ein Stern ist, überhaupt nichts ist, daß
da das Nichts erglänzt. Weil ringsherum etwas ist, sieht man dort, wo nichts ist, eine
Art Licht.» (GA 350,10.9.23)
Weiteres zum Gegensatz Sonne-Erde und zur Sonnenkonstitution bzw. den Sonnenraum:
GA 353 (18.1. 21) «Negative (saugende) Sonnenmaterie»
GA 350 (9. 6.23) «Raum zwischen Sonne-Erde mit gasförmigen brennenden Metallen, Anode-Ka-
thode: Leuchterscheinungen, Unterschied zwischen Körpern, die Strahlen, und Körpern, die Wellen
aussenden»
GA 201 (15. 5. 20) «Negative Materie der Sonne»
GA 239 (30. 3. 24) «der negative Raum der Sonne und die Sonnenwesen»
GA 230 (30. 3. 24)
GA 118 (5./13.3.10) «Makrokosmischer Gegensatz Sonne-Erde im Menschen als Kopf-Gliedmaßen
Polarität»
Über Spektralanalyse, brennende Metalle im Kosmos und die sog. «Documenta de Barr» siehe Hans
Reipert, «Stellar-Spektralanalyse», Mitteilungen der Anthroposophischen Arbeit in Deutschland,
Michaeli 1962, und W. Cloos, «Lebensstufen der Erde»
73
Ebenso berichtet Hans Kühn in seinem Buch «Dreigliederungszeit» (Dornach
1978) davon:
«Eine weitere interessante Aufgabe bekam der Hamburger Physiker Dr. Her-
mann von Dechend, nämlich sich mit der Sonnenstruktur, insbesondere mit dem
Sonneninnern zu beschäftigen.»
Nachfolgend die Notizen zu diesen Experimenten aus dem Nachlaß Paul Eugen
Schillers, ferner der Bericht von Joachim Bramsch über erfolgte Entladungsversuche
in den 50er Jahren sowie ergänzende Dokumente.
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gleichzeitig sowohl bei normaler (20°), wie auch bei tiefer (-200°) Temperatur be-
trachtet werden konnte. An einer groben Handskizze wurden dann die beiden Spek-
tren besprochen und vor allem auf die verschwindenden und die neu auftretenden
Linien hingewiesen. An einem Schreibtisch sitzend nahm R. Steiner plötzlich einen
74
Bleistift, zeigte damit auf eine rot-gelbe Linie (ungefähr bei 610) und sagte, man solle
dort, wo im unterkühlten Spektrum diese Linie verschwunden sei, genau nachschau-
en, da müsse sich eine blaue Linie zeigen. Auf die ebenfalls verschwundene blau-
violette Linie bei 437 hinweisend, sagte er da müsse ein rote Linie auftreten. Er
mußte bemerkt haben, daß wir, Dr. von Dechend, Dr. Maier, Dr. Theberath und ich,
uns etwas konsterniert anschauten, nahm deshalb den Bleistift und schrieb in die
Skizze das Wort «blau» unter die rotgelbe Linie und «rot» unter die blau-violette
Linie. (In der Zeichnung VII habe ich diese Worte in roter Farbe hingeschrieben, um
sie hervorzuheben. Im Original sind sie schwarz). Um zu verdeutlichen, nahm er
seinen kurzen, dicken Bleistift aus der Tasche, zog energisch drei Linien (s. VIII),
zeichnete in das obere Feld eine Linie, die verschwindet, in das untere Feld eine
solche, die neu auftritt und sagte noch einmal, man solle dort, wo Linien verschwin-
den, beziehungsweise neu auftreten, genau nachschauen!
Ich selbst als junger und unerfahrener Assistent hatte nicht den Mut - und auch
nicht die Kenntnisse - nun zu fragen, wie es denn möglich sei im blauen Feld eine
rote und im roten Feld eine blaue Linie wahrzunehmen. Leider hatten die älteren
Herren Dr. von Dechend, Dr. Maier und Dr. Theberath nicht die Geistesgegenwart
hier weiterzufraget, Bevor R. Steiner sich verabschiede*, deute er auf ^ l Spek-
troskop hin und sagte: Aber mit diesem Instrument werden Sie das nicht finden!
Eine ähnliche Warnung hatte er schon 1921 [in GA 323] ausgesprochen.
Auf was wollte R. Steiner mit seinen Worten und seiner Skizze hinweisen? Die
Beobachtung einer farbigen Linie oder einer farbigen Bande im Spektrum, muß, wie
bei jeder anderen Farbe auch, auf das Zusammenwirken von «Licht» und «Finster-
nis» hinführen. Vermutete er oder hatte er dies beobachtet, daß durch die Abküh-
lung eine dieser beiden Wirksamkeiten ausgelöscht beziehungsweise in die Wahr-
nehmbarkeit heraufgerufen wurde? Da die Spektrallinien und Spektralbanden erst
durch das Übereinanderschieben von Randerscheinungen entstehen, wird vielleicht
das genaue Studium dieser Randerscheinungen weiterhelfen.
Jedenfalls - so scheint es mir - war R. Steiner an der durch die Abkühlung her-
vorgerufenen Veränderung der Kräftestruktur des untersuchten Gases interessiert.
Bei einem anderen Experiment enstand am Ende einer in das ausgepumpte Glas-
gefäß hereinragenden Kupferröhre eine Lichtkugel (Durchmesser ca. 50 mm). Diese
betrachtend sagte R. Steiner: In der Mitte derselben können Sie Verhältnisse beob-
achten, welche denen der Sonnenmitte entsprechen. Am Rande sei dem Sonnenrand
Ähnliches zu beobachten. Wird damit auf die Untersuchung ätherischer Verhältnis-
se aufmersam gemacht? Es sei die auf Blatt 14b wiedergegebene Bemerkung zitiert:
«Ich lasse in Stuttgart Versuche machen - leider kommen die Leute nicht rasch ge-
nug vorwärts - das Spektrum so zu schließen, daß Ultraviolett auf Ultrarot zu liegen
kommt. Es muß dann dort eine ganz eigentümliche Farbe enstehen, die stark vitali-
sierend wirkt. Das müßte an Bakterien ausprobiert werden.
Diese Versuche wurden abgebrochen, als ich eine andere, von R. Steiner angereg-
te Aufgabe zu bearbeiten hatte. Dipl. Ing J. Bramsch hat im Frühsommer 1955 diese
Untersuchungen an Geisslerröhren wiederholt und darüber ausführlich berichtet.
Dieser Bericht befindet sich zur Zeit noch bei mir».
75
Vertrauliche Mitteilung!
Nur für den Empfänger bestimmt!
Bericht über
Entladungsversuche im unterkühlten Vakuum
A. Erste Versuche
Im Frühjahr 1924 wurden im Stuttgarter Forschungslaboratorium Versuche mit
elektrischen Entladungen im Hochvakuum bei tiefen Temperaturen durchgeführt.
Das Spektrum dieser Entladungen wurde sowohl subjektiv beobachtet als auch
photographisch festgehalten.
Zweierlei Anordnungen waren in Verwendung: Einmal eine große Röhre (Kugel-
durchmesser ca. 200 mm) mit Hälsen für Anode und Kathode. Die Kathode war eine
Glühkathode, die Anode als Kupferrohr ausgebildet, in welches flüssige Luft ein-
gefüllt werden konnte.
Bei den Experimenten mit dieser Röhre traten an der Anode unter anderem auch
kugelförmige Entladungen auf. Rudolf Steiner machte bei einem Besuche und nach
dem Betrachten des durch Abkühlung veränderten Spektrums die Bemerkung, daß
man hier einen Unterschied zwischen Lichtkugelrand und Lichtkugelmittc feststel-
len könne, welcher den Verhältnissen von Sonnenrand und Sonnenmitte entspräche.
Auf das verwendete Spektroskop verweisend, sagte er allerdings, daß mit diesem
Instrumente eine solche Feststellung nicht möglich sei.
Da Rudolf Steiner zu jener Zeit des öfteren von Sonnenmitte und Sonnenrand im
Zusammenhang mit negativer und positiver Materie gesprochen hat, liegt die Ver-
mutung nahe, daß er hier an ein Experiment zur Darstellung dieser beiden Zustände
gedacht hat.
Die zweite Anordnung bestand im Wesentlichen aus einer Geisslerröhre, welche
in flüssige Luft getaucht und deren Spektrum mit einer ebensolchen in freier Luft
verglichen wurde. Es war möglich, Photoaufnahmen dieser beiden Spektren zu
machen.
lim-
Abb. 1
Diese Aufnahmen zeigen, daß bei der abgekühlten Röhre (oben) nicht nur Linien
verschwinden, sondern auch neue Linien auftreten. (Die sehr einfache photographi-
sche Aufnahmeapparatur ergab weniger gute Resultate als die subjektive Beobach-
tung.) Rudolf Steiner hat, nachdem er selbst die Veränderung des Spektrums subjek-
tiv beobachtet hatte, eine Skizze gemacht.
Abb. 2
Er wies auf diejenigen Stellen hin, an denen eine Linie verschwunden war, und
empfahl sie besonders sorgfältiger Untersuchung. Dort, wo eine neue Linie auftrat,
riet er, «vorher genau nachzusehen», auch da müsse sich Bedeutsames zeigen.
Die Aufnahme der Abb. 1, die Skizze Rudolf Steiners und seine Bemerkungen
über Sonnenrand und Sonnenmitte zeigen, daß er in dieser Versuchsrichtung eine
Möglichkeit sah, weitere Erkenntnisse über die Bildekräfte zu erlangen.
Die Versuche konnten damals aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht weiterge-
führt werden. Man muß sich bewußt sein, daß zu ihrer Durchführung außer einem
neuen Spektroskop - wahrscheinlich sogar einem solchen einer neuartigen Kon-
struktion - eine ausgedehnte Hochvakuumanlage, eine Anlage zum Ausglühen und
Reinigen der verwendeten Röhren und die Einrichtung zum Abkühlen auf tiefe
Temperaturen notwendig sind.
Physikalisches Laboratorium
am Goetheanum, Dornach Paul Eugen Schiller
Vertrauliche Mitteilung!
Nur für den Empfänger bestimmt!
Dornach, 15. 6. 1955
Bericht über
1. Aufgabenstellung
In seinen naturwissenschaftlichen Kursen stellt Rudolf Steiner den bis dahin be-
kannten physikalisch-chemischen Zentral kräften die ätherischen Bildekräfte als
Universalkräfte entgegen. Besonders in dem Zyklus über «Das Verhältnis der ver-
schiedenen naturwissenschaftlichen Gebiete zur Astronomie» legt er dar, wo und
wie man das Ätherische konkreter fassen muß und kann. Ausgehend von der Wärme
werden zwei Zustände dargestellt: ein positiver oder ponderabler, also materieller,
der mit den Druckkräften und dem gewöhnlichen Raum zusammenhängt, und ein
negativer oder imponderabler, der mit dem Ätherischen verwandt ist und mit dem
Gegenraum zusammenhängt. Dies wird im weiteren mit der Konstitution der Sonne
in Zusammenhang gebracht, bei der die Erscheinungen nicht vom Mittelpunkt nach
außen, sondern von außen nach innen verlaufen und sich nach dem Mittelpunkt hin
verlieren.
Man muß also die Sonne wie einen Hohlraum vorstellen, von Materie umhüllt.
Gegenüber der positiv anzusetzenden Materie der Erde hat man in dem Innern der
Sonne eine negative Intensität zu denken, sodaß die Sonne nicht nur ein leerer Raum
ist, sondern eine Raumaussparung, weniger als ein leerer Raum.
Die experimentelle Untersuchung astrophysikalischer Zustände geschieht heute
mittels Spektroskopie. Ähnliche Lichterscheinungen, wie sie an Gestirnen beobach-
tet werden, kann man im irdischen Bereich z. B. durch elektrische Entladungen in
gasgefüllten Röhren hervorrufen. Weitgehendes Auspumpen solcher Gefäße kann
als experimentelle Nachbildung der Materieverdünnung auf der Sonne angesehen
werden. Die Wärmezustände außerhalb des Erdenorganismus weisen auf die An-
wendung tiefer Temperaturen hin. Alle diese Zusammenhänge legen nahe - wie
bereits im vorangehenden Bericht von Herrn P. E. Schiller erwähnt -, daß Rudolf
Steiner in solchen Versuchen ein experimentelles Instrument zur Darstellung dieser
positiven und negativen Zustände im Zusammenhang mit Sonnenrand und Sonnen-
mitte gesehen hat.
Damit gliedert sich die gesamte Aufgabe in drei Hauptteile:
a) Experimentelle Untersuchungen über Spektroskopie von Gasentladungen im
Vakuum bei tiefen Temperaturen.
b) Bearbeitung des vorliegenden astrophysikalischen Materials über «Sonnenkern»
und «Sonnenhülle».
c) Vertiefende Zusammenschau auf Grundlage der Geisteswissenschaft Rudolf
Steiners.
78
legende Versuche über Spektroskopie und Optik gemacht. Für die eigentliche Ar-
beit beurlaubte ihn das Nürnberger Kollegium entgegenkommenderweise ab Ostern
1955 auf 8 bis 10 Wochen. Den in dieser Zeit sonst nötigen Unterricht gab er vorher
als zusätzliche Nachmittagsepochen.
Die Versuche selbst begannen am Dienstag nach Ostern, dem 12. 4. 55. In den
ersten Wochen wurden - nach Reinigen und Instandsetzen des Spektroskopes, Her-
stellen einer Hochspannungsanlage mit Geisslerröhre, Vorübungen im Spektrosko-
pieren und Pholographieren - die Spektren verschiedener Röhren unter abgewan-
delten Bedingungen photographiert, um das Handwerkliche wissenschaftlicher
Photographie zu erlernen und Erfahrungen über Gasentladungen und Spektrosko-
pie zu sammeln. Auch Vakuumpumpe und Dewargefäße wurden bereitgestellt, Li-
teratur über flüssige Luft bearbeitet und nach Erweiterung der Erfahrungen ein
technisch brauchbarer Aufbau des gesamten Versuches mit zwei Entladungsrohren
hergestellt.
Abb. 3a
Deren Spektren konnten in der vierten Woche teils in Zimmerluft, teils in flüssi-
ger Luft subjektiv untersucht und verglichen werden. Dabei stellten sich Andeutun-
gen der gesuchten Linienänderungen an fertigen Helium-Röhren heraus (Abb.3);
Durch Eintauchen in flüssige Luft verschwanden Linien im Grünen, wurden im
Roten etwas schwächer und im Violetten etwas breiter und stärker.
unter-
kühlt
normal
Abb. 3b
Spann an$
7a.llaäium~
sftlHiUnlt-
/' Tvismen
Abb. 4a
Daher wurden die Versuche auf Vakuumapparatur umgestellt und mit einer Dop-
pelröhre aus alten Beständen mit Pumpstutzen und Palladiumröhrchen fortgesetzt.
Nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten mit dem Vakuum, der Ursgenau-
igkeit der Wellenlängenskala u.a. infolge der verhältnismäßig einfachen Geräte zeig-
ten weitere subjektive Beobachtungen wiederum, und zwar diesmal stärkere Andeu-
tungen der gesuchten Linienänderungen (Abb. 4):
Durch Eintauchen in flüssige Luft lösten sich im Roten die starken, ineinander
übergehenden Banden in schwächere, voneinander getrennte Einzelbanden auf,
während im Violetten breite, rechts verwaschene, linke scharfe Banden auftraten.
unter-
kühlt
normal
Abb. 4b
Einlassen von Wasserstoff oder Steigerung des Luftdruckes brachte keine neuen
Ergebnisse, vermutlich wegen Undichtheit des Palladiumröhrchens, wie das ständi-
ge Vorhandensein von Wasserstofflinien nahelegt.
80
die noch sicher bestätigt werden muß -, sowie Schatten neuer Linien in den
Zwischengebieten. Besonders um diese deutlicher herauszuholen, genügt jedoch die
jetzige Apparatur nicht. (Abb, 5)
unter-
kühlt
normal
•.: :--äi:^!:. K B j i m ^ n f e v ^ f f t : , &•
I$$£»*^^pK|#P:*,Y.
Abb. 5b
Diese Ergebnisse und ihr Vergleich mit früheren Photos (Abb. 1) rechtfertigen -
im Zusammenhang mit den erwähnten Angaben Rudolf Steiners - die Fortsetzung
der Versuche mit einer weiter entwickelten Apparatur,
Diese verlangt - entsprechend den Angaben des vorangegangenen Berichtes -
sorgfältig hergestellte Entladungsröhren, z. T, nach neuen Entwürfen, Vorrichtun-
gen zum Ausglühen und Reinigen derselben, eine Hochvakuumanlage mit zwei
Punpstufen, Einrichtungen zum Umfüllen und Reinigen verschiedener Gase, eine
Hochspannungsanlage für Wechsel- und umpolbare Gleichspannung sowie Ein-
richtungen zum Unterkühlen der Entladungsröhren durch verflüssigte Gase. Vor
allem wird aber nicht nur ein leistungsfähigeres Spcktromcter für okulare und pho-
tographische Beobachtung nötig sein, sondern auch - nach der im vorangehenden
Bericht mitgeteilten Bemerkung Rudolf Steiners - die Neuentwickelung eines
solchen Gerätes nach Richtlinien, die sich erst aus weiteren Versuchen und deren
Betrachtung nach physikalischen und geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkten
ergeben können.
Für den Bearbeiter dieser Aufgabe sind daher fachliche Kenntnisse und Fertig-
keiten in den Gebieten der Gasentladungen und Vakuumtechnik einschließlich
Glasblasen, der Elektrotechnik einschließlich Hochspannung, der tiefen Tempera-
turen, der Spektrometrie und wissenschaftlichen Photographie nötig.
Zum Schluß möchte der Unterzeichnete allen herzlich danken, die es ihm ermög-
lichten, die vorstehende Aufgabe durch eigenes Experimentieren kennen zu lernen:
der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum für ihr Einverständnis mit der
Im Physikalischen Laboratorium
am Goetheanum, Dornach, Schweiz Joachim Bramsch
Dornach, 26.11.1955
Lieber Herr Dr. von Siemens,
besten Dank für Ihren Brief vom 16.11. Es ist schade, daß Sie am 3.12. nicht hier
sein können, umsomehr freue ich mich, daß Sie Anfang Januar hier sein werden. Ich
habe im Gästehaus Friedwart auf den 2./3. Jan. ein Zimmer für Sie belegen lassen.
Dr. Wachsmuth ist von mir über Ihren Besuch informiert worden. Ich hoffe sehr,
daß es ihm möglich sein wird, sich an unseren Besprechungen zu beteiligen. Es ist
sehr dankenswert, daß Sie Herrn Bramsch die Möglichkeit geben, an der Mathema-
tikerwoche teilzunehmen.
Über die Arbeit von Herrn Bramsch und seine Besprechungen mit anderen La-
boratorien sind Sie sicherlich durch ihn selbst unterrichtet worden. Die damit ver-
knüpften Fragen liegen mir ziemlich schwer auf der Seele. Es hat sich ja gezeigt, daß
vielfältige Vorbereitungen notwendig sind. Sowohl auf dem Gebiete der experimen-
tellen Anordnungen (Apparate, Einrichtungen, usw.) als auch für Herrn Bramsch
selbst, der sich neu in die Gebiete der Spektroskopie, der Vakuumtechnik, der tiefen
Temperaturen einarbeiten muß. Ich möchte mich keiner Täuschung über den Um-
fang und die Dauer einer solchen Arbeit hingeben. Ich glaube nicht, daß man ohne
ein jährliches Budget von 15 000 - 2 0 000- Frs und in einer kürzeren Zeit als 3 bis
5 Jahre zu einem Ergebnis kommen kann. Es ist ja nicht damit getan, einige neue
Linien im Spektrum vorzudemonstrieren, es muß eine fundierte neue Einsicht in die
Naturkräfte erreicht werden.
Ich kann nur froh und dankbar sein, wenn eine solche Arbeit möglich gemacht
und durchgeführt werden kann. Bezüghch der experimentellen Arbeit kann ich mir
wohl denken, daß diese oder jene Detailfrage an einem Industrie- oder Universitäts-
laboratorium bearbeitet werden kann. Ich halte es aber für ganz unmöglich, die ge-
samte Arbeit in einem solchen Laboratorium durchzuführen. Dies muß zu Missver-
ständnissen fuhren und letzten Endes zu einer ablehnenden Beurteilung des gesam-
ten Werkes von Rudolf Steiner. Die Gedanken, welche seinen Aufgabenstellungen
zugrunde liegen, sind so neu, und den gegenwärtigen Anschauungen so oft wider-
sprechend, daß nichts anderes übrig bleibt, als diese Aufgabe in unseren eigenen
Instituten zu lösen, und dann vor die Zeitgenossen gut fundierte Ergebnisse hinzu-
stellen. Dann werden diese wirken und diesen Menschen einen Weg zu einer neuen
Weltanschauung zeigen.
Da nun gerade bei dieser Aufgabe außerordentliche Schwierigkeiten vorliegen
und sehr komplizierte Versuchsbedingungen zu erfüllen sind, und es sich weiterhin
gezeigt hat, daß Herr Bramsch sich gründlich und neu in diese Materie einarbeiten
muß, fragt es sich, ob nicht eine andere Aufgabe Rudolf Steiners auszuwählen wäre,
deren Lösung vielleicht den gegebenen Verhältnissen näher liegen würde. Ich will
drei davon kurz andeuten, damit sie bis zu unserer Besprechung erwogen werden
können.
Bezüglich Magnetismus empfahl Rudolf Steiner ein Studium der dabei auftreten-
den Gestaltkräfte. Ein Magnet, dessen Pole wahlweise mit Überzügen aus Kupfer,
Zinn, Blei usw. versehen sind, solle untersucht werden. Die Aufgabe hat damit zu
tun, daß der Magnetismus das Gegenbild des chemischen Äthers ist. Sehr wahr-
83
scheinlich steht sie auch in Verbindung mit den Angaben über die Verwendung des
Magneten zur Heilung bestimmter Krankheiten. Eng damit verknüpft sind auch die
Versuche über Elektrizität. Inwieweit können wir zeigen, daß es sich um eine unter-
physische Kraft handelt? Ich habe vor einigen Jahren diesbezügliche Versuche be-
gonnen und ebensolche über den Einfluß der elektrischen Felder auf das Pflanzen-
wachstum. Die ersten Ergebnisse waren sehr interessant, und es wäre wichtig, die
Versuche weiterzuführen.
Ein anderes Gebiet liegt in der Bearbeitung der Wärmeerscheinungen. Rudolf
Steiner spricht von zweierlei Arten von Wärme, einer außerterrestrischen und einer
terrestrischen. Er verwies auf Tag- und Nachtversuche, bei denen sich dieser Unter-
schied zeigen würde. Mit dieser Frage wäre ja auch die Weiterführung der Versuche
über Wärmequalitäten verknüpft (Holz, Kohle, Elektrizität, usw.).
Ein Drittes liegt bei der Untersuchung der Spiralformen vor. Rudolf Steiner war
der Meinung, daß z. B. eine richtig geformte Silberspirale eine Bewegung bei Son-
nen- bzw. Mondaufgang durchführen würde. Damit wäre ein dem Barometer ver-
gleichbares Instrument geschaffen, welches die Energieänderung der ätherischen
Sphäre in ähnlicher Weise anzeigen würde, wie dies der Barometer für den Luft-
druck tut. Diese Aufgabe scheint eine Vorstufe für den Strader-Motor zu sein, wel-
cher darauf beruht, daß verschiedene Metalle, in entsprechenden Formen vereint,
eine ätherische «Kraftstation» ergeben.
Ich deute diese Möglichkeiten nur an, damit überlegt werden kann, ob eine
Bearbeitung in Frage kommt, wenn die Mittel für die wirklich gründliche Durch-
führung der Spektralaufgabe fehlen würden. Darüber können wir ja im Januar gege-
benenfalls ausführlich sprechen. Ich freue mich sehr darauf.
Mit den besten Wünschen für Ihre Arbeit und herzlichen Grüßen
haben Sie besten Dank für Ihren Brief vom 21. August, und entschuldigen Sie
bitte, daß ich ihn so spät beantworte. Leider ist meine Gesundheit nicht so, wie ich
es wünsche, deshalb bin ich nicht immer Herr über meine Zeit und meine Kräfte.
Glücklicherweise ist es nichts Ernsthaftes und wird bald vorübergehen.
Den von Ihnen erwähnten Ausdruck: Farbäther kenne ich auch nur an der ge-
nannten Stelle. Ich bin aber fest überzeugt, daß Rudolf Steiner hier von dem Licht-
äther spricht. Ich halte es für richtig, wenn Sie sagen, daß der Lichtäther mit dem
Geometrisch-Konstruktiven, der chemische oder Klangäther mit Arithmetisch-
Rhythmisierendem zu tun hat. Man könnte auch sagen: Der Lichtäther ist die Tätig-
keit der Geister der Form, er ist deshalb mit allem, was Formen schafft und Gestal-
ten hervorbringt, verbunden. Der chemische Äther ist die Tätigkeit der Geister der
Bewegung, er hat mit den Beziehungen der Dinge untereinander zu tun. Die von Dr.
84
Wachsmuth angegebenen Formen: Viereck, Mondsichel, Dreieck und Kreis muß ich
als Symbole auffassen, welche auf die verschiedenen Tätigkeiten hinweisen. Ich kann
aber nicht der Auffassung sein, daß die vier Ätherarten jeweils solche Formen
hervorbringen. Nur der Lichtäther kann Formen hervorbringen, der Wärmeäther
löst ja alle Formen auf, der chemische Äther sorgt für die Beziehung der Dinge un-
tereinander, der Lebensäther gibt den Sinn, das «Leben».
Der Zusammenhang zwischen dem Lichtäther und den für uns wahrnehmbaren
Farben ist nicht so einfach, wie das manchmal von unseren Freunden geglaubt wird.
Einmal muß man sich ganz klar darüber sein, daß Rudolf Steiner - und er hat dies
ausdrücklich ausgesprochen - den Ausdruck Licht sehr oft als eine Zusammenfas-
sung des gesamten Ätherischen im Gegensatz zu dem Ausdruck Finsternis, der eine
Zusammenfassung des Unterphysischen ist, verwendet. Was wir in der sinnlich
wahrnehmbaren Farbenwelt vor uns haben, ist die Auseinandersetzung des Ätheri-
schen mit dem Unterphvsischen. Es ist sehr bezeichnend, daß Rudolf Steiner in
einem Vortrag vor den Ärzten (Dornach, 12.4.1921) sagt, daß wir den Namen
Lichtäther nur deshalb wählen, weil wir eben dem Sehsinn einen solchen Vorrang
geben. Wir würden einen anderen Namen wählen, wenn wir in der Mehrzahl blind
wären. Der Lichtäther habe noch ganz andere Wirkungen als diejenigen, welche mit
dem Sehsinn wahrgenommen werden können.
Soweit für heute. Hoffentlich können Sie bald wieder einmal nach Dornach
kommen, und wir können uns über diese Fragen mündlich unterhalten.
Mit besten Wünschen und herzlichen Grüßen
Ihr Paul Eugen Schiller
Gasentladungen
Gase sind unter gewöhnlichen Bedingungen und bei niedrigen elektrischen Feldern
isolierend. Läßt man hingegen Elektrizität bei gleichbleibender Feldstärke durch
verdünnte Luft oder gar durch Vakuum hindurch gehen, wird das Gas elektrisch
leitend und es treten sogenannte Gasentladungen auf. Zur experimentellen Beobach-
tung dieser Phänomene verwendet man ein evakuierbares Gefäß, meist aus Glas. Um
Elektrizität zuführen zu können, werden zwei Metallteile (Elektroden) in dem Glas
angebracht, die mit einem Draht durch das Glas nach außen führen. Wird an diesen
Elektroden (Minuspol: Kathode, Pluspol: Anode) eine Spannung angelegt, treten
Leuchterscheinungen, sogenannte Glimmentladungen auf.
Bei einem Druck von etwa 1-2 mmHg (1/1000 des normalen Luftdrucks) bildet
sich um die Kathode ein bläulich-violettes Glimmlicht. Von der Anode aus erstreckt
sich eine rötHch-violette Leuchtwolke, die sich teilweise in einzelne äquidistante
Scheiben aufgliedert. Zwischen beiden Leuchterscheinungen befindet sich ein sog.
Faradayscher Dunkelraum. Solche Versuche hat erstmals 1854 Gassiot in Frank-
reich gemacht. 1858 hat Plücker in Bonn Gasentladungen in verschieden geformten
Glasröhren, die er vom Glasbläser Geissler erhielt, untersucht. Solche Geisslerschen
Röhren wurden dann zum Herzstück bei jeder Spektraluntersuchung eines Gases.
Über Spektroskopie von Gasentladungen in Abhängigkeit von Druck und Tem-
peratur wurde Anfang der 20er Jahre im Astrophysikalischen Observatorium in
85
Potsdam («Einstein-Turm») gearbeitet. [Lit.: H. Schlüter, «Anregung von Spektren
zur Untersuchung von Hyperfeinstrukturen», Zeitschrift für Physik, 59, 149-153
(1929).
Nachbemerkung
1944 hat C. E. R. Bruce bei einer großen Anzahl von Phänomenen der Sonnenatmo-
sphäre eine Analogie zu elektrischen Entladungseffekten festgestellt. (Siehe dazu:
C. E. R. Bruce «A new Approach in Astrophysics and Cosmogony», London 1944).
Erläuterungen zu Blatt 10
Dieser Aufeabenkomplex ist, wie aus den Blättern 10 ff. zu entnehmen ist, nicht eine
direkte Anregung Rudolf Steiners. Beim Aufkommen von Radiosendungen hat er,
aufgrund von Fragen von Mitarbeitern nach der Brauchbarkeit dieser neuen Tech-
nologie, zu Versuchen mit empfindlichen Flammen angeregt mit der Begründung,
daß die damaligen Pionierleistungen nicht ausreichen würden, um die Feinheiten
und Qualitäten der menschliche Stimme zu übertragen.
Es gibt Versuche, die zeigen, daß es möglich ist, Gespräche, die in der Umgebung
einer brennenden Kerze geführt werden, abzuhören. Das Licht der Kerze kann in
einer beliebigen Entfernung mit einem lichtempfindlichen Sensor detektiert und
nach einer elektronischen Verstärkung wiedergegeben werden. Im ersten Drittel des
19. Jahrhunderts hat man schon bemerkt, daß Wasser- oder Rauchstrahlen teilweise
empfindlich reagieren gegenüber Schall.
Leconte sah 1858 während eines Konzertes, daß die Flammen der Gasbeleuch-
tung im Saal bei lauten Stellen im Takt mit der Musik ihre Form änderten. Auf dieses
Phänomen aufmerksam geworden, bemerkte er sogar den Einfluß der Triller eines
Cello-Solos auf die nächstgelegenen Flammen. Auch der britische Physiker John
Tyndall (1820-93) bemerkte 1867 charakteristische, wiederholbare Verzerrungen
der Flammenform bei bestimmten Geräuschen, wie beispielsweise schrillen Pfeiftö-
nen und Zischlauten. Bald wurde klar, daß die Flamme als Verstärker dienen konnte,
weil die relativ kleine Energie einer Schallwelle wesentlich größere Energieumsätze
in der Flamme verursachte
Etwa zehn Jahre später verwandelte man zum ersten Mal mit Kohlemikrophonen
Schall in elektrische Signale. Mit dieser Technik konnten allerdings die Obertöne
86
der Sprache, insbesondere von Konsonanten, nicht aufgezeichnet werden. Deshalb
espeLentierte Alexander Graham Bell, nachdem er das Telephon erfunden hatte,
mit schallbeeinflußten Lichtstrahlen. 1880 gelang es ihm dann mit einer Vorrich-
tung, die er Photophon nannte, direkt Schallwellen auf einen Lichtstrahl aufzumo-
dulieren. Mit einem an einen Telephonhörer angeschlossenen lichtempfindlichen
Kristall konnte er an einem anderen Ort diesen Lichtstrahl wieder in Töne zurück-
verwandeln. In einem Brief an seinen Vater schrieb er darüber: «It's the greatest
invention I have ever made; greater than the telephone!» 1886 ging er dazu über, eine
Flamme als Lautsprecher zu verwenden, indem er das Gas der Flamme vorher durch
Schall beeinflußte. Später entdeckte man, daß Lichtbögen ebenfalls empfindlich auf
Schall reagieren und fähig sind zu tönen. Es folgten zu jener Zeit intensive For-
schungen über Tonübertragungen mit Licht. (1902 Versuche einer Lichtfernsprech-
anlage von über 7 km durch E. Ruhmer in Berlin.) Es war aber bereits abzusehen,
daß die Fortschritte in der Funktechnik zu praktischeren Alternativen führen wür-
den. (Lit.: P.J. Rousselot, Principes de phonetique experimentale, Paris 1897-1908,2
vols; Otto von Essen, Lehrbuch der allgemeinen und angewandten Phonetik, Berlin
1966, 4. Auflage.)
In den Jahren 1916/17, kurz bevor die Kondensator- und Piezomikrophone mit
wesentlich besserer Qualität erfunden wurden, spricht Rudolf Steiner (Näheres sie-
he weiter unten) an fünf verschiedenen Orten über die schallbeeinflußte Flamme.
87
beiten, durch P. E. M. Schneider und Mitarbeitern detailliert weiter geführt. Durch
die Resultate dieser Untersuchungen an Strömungsvorgängen wußte man zum er-
sten Mal, unter welchen Bedingungen der zugeführte Schall am besten durch die
Flamme verstärkt und zugleich die störenden Geräusche des verbrennenden Gases
unterdrückt werden können. Neben den umfangreichen Resultaten dieser Experi-
mente finden sich viele Literaturhinweise zu diesem Thema in folgenden Publikatio-
nen: P. E. M. Schneider: «Experimentelle Untersuchungen von schallbeeinflußten
Diffusionsflammen», Bericht 12/1969, Göttingen. Derselbe: «Schallverstärkung und
Geräuschminderung mit Hilfe des Mitnahmeprinzipes bei beeinflußten rhythmi-
schen Wirbelströmungen, dargestellt am Beispiel sensibler Flammen», Bericht 10/
1975, Oktober 1975, Göttingen. Andreas Heertsch, «Wirbelbildung an rechteckigen
Düsen und -Umbildung in Sekundärwirbel», Bericht 34/1976, Dezember 1976,
Göttingen.
88
monstration von Schwingungfiguren auf Membranen; «Das Goetheanum», 1935/84:
Die Chladni'schen Klangfiguren; «Akustische Zeitschrift», 1937/11: Untersuchun-
gen an neuen Schalldüse^ «Zeitschrift für techn. Physik», 1937/332: Stroboskop für
aperiodische Vorgänge; «Akustische Zeitschrift», 1938/36: Untersuchungen an der
freien, schallempfindlichen Flamme (siehe Beilagen).
Im Laufe der Jahre mußte man sich immer wieder fragen: Was hatte Rudolf
Steiner ins Auge gefaßt, wenn er von «der Wirkung der Sprache auf eine Flamme»
sprach? In welchem Sinne hat er die Worte «Kurven» und «Kohärer» gebraucht?
Durch die Drucklegung der Vorträge Rudolf Steiners sind im Laufe der Jahre neue
Einzelheiten zugänglich geworden, auch haben manche Persönlichkeiten ihre dies-
bezüglichen Notizen zur Verfügung gestellt.
Dr. G. Wachsmuth schildert in seinem Buch «Die Geburt der Geisteswissen-
schaft», (1941/498) die Umstände, welche zu dem oben berichteten Gespräch mit
Rudolf Steiner geführt haben und dessen Antwort. Dr. G. Wachsmuth «Die Geburt
der Geisteswissenschaft», 1941/498: «In jener Zeit konnte ich auch auf dem Gebiete
der Physik und Technik Rudolf Steiner einige Fragen vorlegen, die uns stark be-
schäftigten und wo wir nach neuen Lösungen suchten. Es war ja damals die Zeit, in
der nach dem Übergang von der Funktelegraphie zum Radio die Radioapparate, die
vorher nur speziellen Zwecken gedient hatten und, verglichen mit heute, noch eine
sehr primitive Konstruktion aufwiesen, nun mit dem Fortschritt der Technik all-
mählich auch in die Privathäuser eindrangen und damit begannen, einen sehr weit-
gehenden Einfluß auf das tägliche Leben der Menschen zu erobern. Ich hatte so ein
primitives Ding mit auswechselbaren Spulen ... in meiner Wohnung, und als ich
Rudolf Steiner fragte, ob ich ihm auch eines einbauen sollte, hatte er nichts dagegen.
Doch verschonten wir sein Atelier dann hiervon. Das Problem, das uns nun beschäf-
tigte, war dies daß hier zur Übertragung der Sprache, des Wortes, also der höchsten
und edelsten Äußerung des Menschen, eine Apparatur dient, die mit Elektrizität
und Magnetismus, mit Kräften und mechanischen Mitteln arbeitet, die den feinsten
Lebensprozessen, wie sie in der menschlichen Sprache am Werk sind, völlig fremd
bleiben. In einem Gespräch, das ich, gemeinsam mit Dr. von Dechend, hierüber mit
Rudolf Steiner hatte, legten wir ihm darum die Frage vor, ob es nicht möglich sei, ein
feineres Reagenz für die geistigen und physischen Gestaltungskräfte der menschli-
chen Sprache zu finden. Nach kurzem Nachdenken sagte er: Da müssen Sie mit der
empfindlichen Flamme arbeiten. - Er gab uns nun in diesem und in weiteren Ge-
sprächen einen tiefen Einblick in die eigenartige Stellung, welche das Wärmeelement
im Übergangsbereich zwischen den seelischen und physischen Vorgängen in der
Natur einnimmt, jenes feine Verwobensein von inneren, geistig-seelischen Vorgän-
gen des Menschen mit den Wärmeprozessen im Körper, die Zusammenhänge von
Bewußtsein und Temperatur in den Lebensvorgängen, die Gestaltungsprozesse,
welche die Sprachorgane auf die vom Menschen ausgeatmete durchwärmte Luft
beim Vorgang des Sprechens ausüben. Er erinnerte dann an die Entdeckung Tyn-
dalis, der die feinen Änderungen in offen brennenden Gasflammen durch Geräu-
sche, Töne und Worte im gleichen Räume beobachtet hatte und gab uns nun den
Rat, unsere Gedanken und Versuche in dieser Richtung zu konzentrieren.»
In einer Notiz vom 24.4.1960 teilte Dr. Wachsmuth mit, daß Rudolf Steiner bei
89
einer anderen Gelegenheit von einer «leicht beweglichen Flamme» gesprochen habe;
des Weiteren, daß Rudolf Steiner ihm geschildert habe, wie in tibetanischen Myste-
rienstätten Apparate konstruiert wurden, «welche Bewegungen ähnlich der Euryth-
mie (ätherischer Kehlkopf) ausführen konnten. Dies sei aber für die heutige Zeit
ungeeignet, ja schädlich» (Notiz vom 5.11.1961).
Dr. E. Pfeiffer erinnert sich (Brief vom 14.12 1959), daß Rudolf Steiner statt des
Wortes «Kohärer» auch das Wort «Detektor» verwendet habe. Ebenso berichtet er
am 6.3.1960: Rudolf Steiner bemerkte: «Theoretisch könnte man beobachten, daß,
wenn ein Mensch spricht und ein anderer ihm zuhört, der Ätherieib des Zuhörenden
die Sprachschwingungen mitmacht. Wenn einer eine eurythmische Bewegung
macht, so würde der Ätherleib des anderen diese Bewegung in Resonanz mit-
machen. Man müßte nun versuchen, inwieweit z. B. eine <I>-Bewegung auf eine Ma-
schine durch Resonanz übertragen werden kann, so daß z. B. ein Hebelarm dieser
Maschine die <I>-Bewegung mit macht.»
Blatt 11 berichtet von einem weiteren Hinweis in bezug auf eine Arbeit mit einer
Flamme.
28.10.1916 in GA 171, S. 297: «Das alte Hellsehen gab den Menschen früherer
Zeiten die Möglichkeit den Zusammenhang des Menschen mit der geistigen Welt zu
schauen. Dieses Vermögen klang in der fünften Kulturperiode mehr und mehr ab.
Man suchte deshalb «durch Surrogate den Zusammenhang zu gewinnen mit der gei-
stigen Welt. Über diese Surrogate, von denen Beschreibungen vorhanden sind, kann
selbstverständlich die heutige aufgeklärte Welt sich nicht genug tun mit Spott und
Hohn und Lachen.»
Man versuchte vielfach, durch Verwendung äußerer Mittel sich den Weg zu bahnen:
«Sagen wir, solch ein Mann, der da versuchte, Anschauungen über die geistige Welt
zu gewinnen, und der nicht die starke Kraft in sich aufrufen konnte, um rein geistig
diese Anschauungen zu gewinnen, er tat das so, daß er gewisse Substanzen nahm,
diese verbrannte und einen durch Mischung ganz bestimmter verbrennender Sub-
stanzen hervorgerufenen Rauch in bestimmte Bewegungen brachte, die er hervorrief
durch ganz bestimmte, wiederum überlieferte Formeln ... Er entwickelte also aus
bestimmten Substanzen, die er verbrannte, einen Rauch, besprach den Rauch ... der
Rauch nahm ganz bestimmte Formen an. Würde er rein geistig sich der geistigen
Welt haben nähern können, so würde er den Rauch nicht gebraucht haben ... Durch
solche Zauberformeln, wenn sie in der richtigen Weise gesprochen sind, kann der
Rauch gleich bestimmte Formen annehmen; und waren die Formeln die richtigen, so
war nicht bloß das erreicht, daß der Rauch bestimmte Formen annahm, sondern
diese Formen gestatteten dann auch den geistigen Wesen, die nicht bloß geistig sich
ihm nähern konnten, in seine Sphäre hereinzukommen ... die betreffenden geistigen
Wesenheiten elementarischer Natur konnten einziehen in diese Gestaltungen, in
diese Formen des Rauches ... Wir sehen, es ist ein Surrogat, ein Festhalten desjeni-
gen, was man rein geistig nicht festhalten kann durch die physische Materie.»
(S. 298f)
S. 302: Rudolf Steiner erwähnt, daß man von «Krankheiten» der Metalle spricht
und berichtet von Versuchen des englischen Physikers John Tyndall. Dieser stellte
90
fest, daß Rauchsäulen, Wasserstrahlen, Flammen auf Töne und Sprache reagierten.
(J. Tyndall, <Der Schalk, S. 298: «Die Empfindlichkeit dieses Wasser-Strahles hat
einen erstaunlichen Grad erreicht, so daß sie sich sogar mit der des Ohres selbst
messen kann.») Der Einfluß von Musik auf eine Gasflamme wird erwähnt (275).
Rudolf Steiner kritisiert (S. 306): «Da sehen Sie also, wie bei der anderen Türe für
das Unlebendige dieselben Eigenschaften hereinkommen sollen, die man beim Le-
bendigen ausgetrieben hat». Man schreibt dem Unlebendigen die Fähigkeit, krank
zu werden, Gedächtnis und Empfindung zu haben, zu. Dies zeigt wiederum, wie das
Denken mit der Fülle der Tatsachen nicht mehr fertig wird.
5.92: «... denken Sie sich einen recht guten Menschen einmal in der Zukunft, einen
Menschen, der wirküch auf besonderer Höhe menschlicher Gesinnung ist - : was
wird der können? Der wird Maschinen konstruieren und Zeichen für sie festsetzen
können, die nur vollzogen werden können von Menschen, die so gesinnt sind wie er,
die also auch gut gesinnt sind. Und alle Bösgesinnten werden mit dem Zeichen eine
ganz andere Schwingung erregen, und die Maschine wird nicht gehen! Davon ahnen
91
die Leute heute schon einiges. Ich habe Ihnen nicht umsonst den Hinweis darauf
gegeben, wie gewisse Leute Flammen tanzen sehen unter dem Einfluß bestimmter
Töne. Wird man einmal nach dieser Richtung weiter forschen, dann wird man den
Weg finden zu dem, was ich gerade angedeutet habe, man könnte auch sagen, zu-
rückfinden zu gewissen alten Zeiten, wo der eine Alchimist, der nur Geld in seinen
Beutel stecken wollte, nichts erreichen konnte mit dem nämlichen Prozesse, mit
dem der andere, der nicht Geld in seinen Beutel stecken wollte, sondern ein Sakra-
ment verrichten wollte zur Ehre der Götter und zum Heile der Menschheit, etwas
erzielte. Solange dasjenige, was aus der Berufsarbeit hervorgegangen ist, gewisser-
maßen die Aura der Emotionen der Menschen trug, Freude, die Menschen hineinar-
beiteten, war es unzugänglich für diese Art von Einwirkung, die ich eben geschildert
habe. In demselben Maße, in dem das, was durch die menschliche Berufsarbeit her-
vorgebracht wird, nicht mehr mit besonderem Enthusiasmus wird gemacht werden
können, wird, weil das eine notwendige Bedingung ist, in demselben Maße, was so
von den Menschen ausfließt und ausströmt, motorische Kraft werden können.»
27. 2.1917 in GA 175, S. 82: «Der alte Alchimist... er hatte im Auge, daß durch
seine Vorstellungen nicht bloß etwas vorgestellt wird, sondern etwas geschieht.
Sagen wir: Er räucherte. Und hatte er dann die Vorstellung oder sprach sie aus, so
versuchte er, in diese Vorstellung eine solche Kraft hineinzubringen, dass die Räu-
chersubstanz wirklich Formen annahm. Er suchte solche Begriffe, die die Macht
haben, in die äußere Naturrealität einzugreifen, nicht bloß innerhalb des Egoisti-
schen des Menschen zu bleiben, sondern in die Naturrealität einzugreifen. Warum?
Weil er noch von dem Mysterium von Golgatha die Vorstellung hatte, daß da etwas
geschah, was in den Naturlauf der Erde eingreift, das ebenso eine Tatsache ist, wie
ein Naturvorgang eine Naturtatsache ist.»
13.3.1917 in GA 175, S. 118f: «Sie wissen, es beruht die sogenannte drahtlose Tele-
graphie darauf, daß elektrische Wellen erregt werden, und daß diese elektrischen
Wellen sich ohne Draht fortpflanzen, und daß man an bestimmten Stellen Apparate
aufstellt - Kohärer nennt man diese -, die durch ihre besondere Anordnung die Mög-
lichkeit bieten, gerade in der Station die elektrischen Wellen aufzufangen und die
Kohärerapparate in Bewegung zu setzen. Da beruht das ganz einfach auf der Durch-
organisierung, ich möchte sagen auf der Durchformung der Späne, der Metallspäne
im Kohärer, die wiederum zurückgeschüttelt werden, wenn die Welle durchgegan-
gen ist. Denken Sie sich nun: Die Geheimnisse des Weltenalls, des außerirdischen
Weltenalls, gehen zu dieser bestimmten Zeit, die ich angedeutet habe, durch die Erde
hindurch. Da braucht man nur einen Auffang-Apparat... Man brauchte sozusagen
einen Kohärer für dasjenige, was aus dem Weltenall herauskommt. Als solche Kohä-
rer benutzten die alten Griechen ihre Pythien, ihre Priesterinnen, die dazu geschult
wurden, und die dadurch, daß sie ausgesetzt wurden dem, was aus dem Weltenall
herunterkam, verraten konnten diese Geheimnisse des Weltenalls.»
Mit dem Vorausgehenden ist von künftigen technischen Einrichtungen gespro-
chen, in denen eine neuartige, enge Verbindung von Mensch und Maschine erreicht
werden soll. Angedeutet wird die Verwendung von gewissen Substanzen, von
92
Rauch, von Flammen als Ausdrucksmittel für geistige Impulse, insbesondere für die
in der menschlichen Sprache wirksame Gestaltungskraft.
Wie schildert R. Steiner diese Gestaltungskraft? In frühen Vorträgen verwendet
er «dingliche» Bilder, so z. B.: «Denken Sie sich nun einmal, Sie könnten die Luft-
wellen in einem Moment ganz erstarren lassen: dann würden meine Worte herunter-
fallen ... Wie Austernschalen ..., und Sie könnten in der festgewordenen Luft die
Formen meiner Worte sehen.» (4. 3.1907 in GA 96, S. 242).
Später kann Rudolf Steiner bei seinen Hörern mehr voraussetzen und geistgemä-
ße Bilder verwenden; insbesondere aber die Quelle schildern, aus welcher die Ge-
staltungen, die Gebärden, die Formen erfließen. Im Mai 1923 sagt er: «... wenn wir
das Wort formen, so pressen wir die Luft in einer gewissen Gebärde heraus. Derje-
nige, der sinnlich-übersinnlich anschauen kann, was sich da aus dem menschlichen
Munde heraus formt, der sieht in der Luft eben die Gebärden, die da gemacht wer-
den: das sind die Worte.» (18.5.1923 in GA 226). Die Formen, die Gebärden von
denen hier gesprochen wird, sind Taten des menschlichen Ätherleibes. «... was wir
aussprechen, zeichnet in die Luft hinein eine gewisse Form, die man nur nicht sieht,
die man aber durchaus als vorhanden voraussetzen muß, von der man sich sogar
denken könnte, daß sie durch wissenschaftliche Mittel ohne die menschliche Zeich-
nung fixiert würde.» (24.6.1924 in GA 279, S. 47). Im Sprechen schaffen wir in die
Luft hinein Abbilder der ätherischen Tätigkeit unseres Ätherleibes.
Laut Blatt 10a und b ist die Aufgabe gestellt, eine elektrische Sende-, wie auch
Empfangseinrichtung zu schaffen, durch welche die Wiedergabe der Persönlich-
keitsnuance der menschlichen Stimme gewährleistet ist und durch welche der Emp-
fang einer Sendung auf einen ausgewählten Hörerkreis beschränkt werden kann. Ein
solches Gerät muß so gestaltet sein, daß es der sprachschöpferischen Tätigkeit des
Ätherleibes dienen kann.
Durch das heute bekannte, mit dem Intellekt geschaffene Chiffrieren und Dechif-
frieren kann diese Aufgabe nicht gelöst werden. Mir scheint, daß sie überhaupt nicht
lösbar ist, solange der beteiligte Mensch nicht die z. B. in dem Vortrag vom
12.11.1916 (siehe oben) geschilderte, moralische Haltung ausgebildet und sich die-
jenigen Kräfte erworben hat, welche den neuen, intimen Zusammenhang zwischen
Mensch und Maschine herstellen - anders ausgedrückt: Solange es ihm nicht gelingt,
auch für technische Gebilde <das Geistig-Ätherische in den Dienst des äußeren,
praktischen Lebens zu stellen» (25.11.1917 in GA 178, S. 218).»
Kohärer
Wellenanzeiger, wurde 1890 vom französischen Physiker Edouard Branly (1844-
1940) erfunden. Urtyp aller späteren Empfängeranlagen, mit dem es zum erstenmal
möglich war, die von Hertz vorausgesagten elektromagnetischen Wellen nachzu-
weisen. Aufgebaut aus einer Glasröhre, die durch zwei Metallkolben abgeschlossen
ist, zwischen denen sich Metallpulver oder Metallkörner befinden und einer Batte-
93
rie, deren beide Pole mit je einem Ende der Röhre verbunden sind, sowie einem
Galvanometer als Stromanzeiger. Während die leicht oxidierten Eisenkörner im ge-
wöhnlichen Zustand gegenüber der Batteriespannung einen sehr hohen Widerstand
besitzen, werden sie schlagartig leitend und für den Strom durchlässig, sobald sie
von elektrischen Schwingungen der hochfrequenten Antennenspannung getroffen
werden. Das Galvanometer zeigt dann Strom an. Sobald die Röhre durch Klopfen
erschüttert worden ist, erlangt das Metallpulver wieder seinen ursprünglichen hohen
Widerstand, und der Strom verschwindet. Alexander Stepanowitsch Popow (1859-
1906) empfing 1895 mit einem Kohärer, dessen Antenne an einem Ballon hing, die
Signale eines etwa 250 Meter entfernten Senders.
Ehrenfried Pfeiffer erinnert sich (Brief vom 24.12.1959), daß Rudolf Steiner statt
des Wortes «Kohärer« auch das Wort «Detektor« verwendet habe.
Ich habe ja die Aufgabe gegeben, die Rhythmen des Erdmagnetismus zu studieren
Laut Blatt 8 (Bemerkung von Kühn und Brief Schillers an Siemens) ist nur bekannt,
daß diese Aufgabe durch Paul Eugen Schiller bearbeitet wurde. Leider konnten
darüberhinaus keine weiteren Einzelheiten über etwaige Versuche im Kommenden
Tag etc. aufgefunden werden.
94
Neben diesen regelmäßigen Rhythmen gibt es auch noch kurzzeitige, aber um so
größere Störungen, sogenannte magnetische Gewitter. Messungen über einen län-
geren Zeitraum zeigen, daß die relative Häufigkeit dieser Ausbrüche vormittags ab-
nimmt, um Mittag ein Minimum erreicht und am Nachmittag sehr schnell ansteigt,
um von 17-23 Uhr maximal zu sein. Durch das Jahr hindurch häufen sich magneti-
sche Gewitter um die Oster- und Michaelizeit und sind um Johanni und Weihnach-
ten am unwahrscheinUchsten. Man hat entdeckt, daß magnetische Stürme die Folge
von starken Ausbrüchen des ultravioletten Lichts im Weltraum sind.
Die Analyse jahrelanger Meßreihen zeigt weiter, daß neben diesen deutlichen Ta-
ges- und Jahresrhythmen noch weitere überlagert sind. Schon früh (1839) hat man Pe-
rioden von der Dauer eines sogenannten mittleren Mondtages - der Zeit, die ver-
streicht, bis der Mond sich wieder am gleichen Ort am Himmel befindet - gefunden.
Sehr deutlich zeigt sich hier, im Gegensatz zur etwa 30 mal stärkeren täglichen
Schwankung, nach Eliminierung aller anderen bekannten Variationen eine Doppel-
welle: Für einen Ort von 50 Grad nördlicher Breite fand man bei der Horizontalin-
tensität «Maxima, wenn der Mond im Horizont steht, und die Minima bei seiner obe-
ren oder unteren Kulmination» (Alfred Nippoldt, «Erdmagnetismus, Erdstrom und
Polarlicht», 3. Aufl., Berlin, Leipzig 1921). Die Vertikalintensität hat ihre Minima
bzw. Maxima entsprechend drei Stunden früher. Auch diesen Effekt sieht man stärker
im Sommer als im Winter. S. Chapman zeigte, daß diese magnetische Doppelwelle mit
der entsprechenden Doppel-Welle des Luftdruckes, der Gezeitenwelle der Atmo-
sphäre, die schon Johann Wolfgang von Goethe beschrieben hat, zusammenhängt.
Zusätzlich zu diesem Mondeinfluß hat man auch noch Planetenrhythmen gefun-
den. In Nippoldts Buch finden wir eine Liste, die zeigt, bis zu welchem Anteil die
maximale Amplitude der täglichen Variationen durch die Planeten zusätzlich beein-
flußt wird: Merkur +11%, Venus -10%, Mars - 4 % , Jupiter -19%, Saturn - 2 % .
Stärkere Schwankungen dieser planetaren Wirkungen hat man festgestellt, wenn
Venus, Erde und Jupiter auf einer geraden Linie zu liegen kommen.
Weitere regelmäßige Rhythmen des Erdmagnetfeldes von 11, 22 und 60 Jahren
hängen von der Sonnenfleckenanzahl ab.
Neben all diesen Rhythmen ändert sich das Magnetfeld der Erde auch gering-
fügig im Laufe der Jahrhunderte. Seit Gauss mit den Messungen begonnen hat,
nimmt es von Jahr zu Jahr ab.
Weiteres zum Magnetismus in der Gesamtausgabe u. a. an folgenden Stellen:
GA 130,1.10.1911: Magnetismus und Sphärenharmonie, gefallener Tonäther und
Magnetismus.
GA 150,10.6.1913: Magnetismus und Zerstörungskräfte. 25.9.
GA 171,2.10.1916: Magnetismus und Elektrizität im Menschen
95
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Abb« 1: Magnetfeld der Erde zu Beginn des Jahrhunderts, Eingezeichnet sind Linien glei-
cher Deklination (Abweichung der Magnetnadel von der wahren Nordrichtung), Man be-
achte die von Rudolf Steiner z, B. in GA 178 erwähnte «Schlangenlinie» der Orte, wo die
Magnetnadel zum wahren Nordpol zeigt.
hang hat man festgestellt, daß diese Erdströme im Sommer starken (im Winter
schwächeren) Schwankungen mit einem regelmäßigen Tagesverlauf unterworfen
sind. Weiter hat man gefunden, daß die gezielte Variation dieser Erdströme jeweils
eine Änderung im Magnetfeld am betreffenden Ort bewirkt, (Lit.: L. Stemer «On
Barth Currents and Magnetic Variations» in Terrestrial Magnetism and Ätmosphe-
ric Electricity, Vol. 13, Nr, 2, p. 57, June 1908)
Günther Wachsmutb zitiert in seinem Buch «Die ätherischen Bildekräfte in Erde
und Mensch ...» dazu wiederum aus dem damaligen Standardwerk Nippolds
(S. 128): «Am weitesten zurück sind wir noch mit der Erforschung des Erdstroms,
doch wissen wir jetzt wenigstens, daß er aus magnetischen und luftelektrischen Ein-
flüssen vereint zusammen gesetzt ist ... Die Energie aller dieser Variationen ent-
stammt jedoch nicht der Sonne, sondern dem Energievorrat der Erddrehung.»
Laut «Beiträge» Nr. 95/96 (1987) «Der Zwölf-Farbenkreis» hat Hans Bucheim in
Einsingen jahrelang Erdströme gemessen.
E r l ä u t e r u n g e n zu Blatt 11
Keine
96
Erläuterungen zu Blatt 12
Der in Blatt 12 erwähnte Aufsatz von W. Pelikan schließt, nachdem er die Versuchs-
ergebnisse erörterte, mit einer weiteren Aufgabenstellung Rudolf Steiners ab:
«Im Zusammenhang mit dieser Arbeit gab Dr. Steiner eine kurze experimentelle
Arbeit, die leider nicht mehr durchgeführt werden konnte. Er gab an, man sollte
mehrjährige Pflanzen, die eine kleine Stammbildung zeigen (wir dachten an Fuchsi-
en, vielleicht auch Rosen) mit Quecksilbersalzlösungen düngen. Man werde dann
abnorme Rißbildungen im Kambium feststellen.»
Die grundlegenden, kurz in Blatt 12b skizzierten Überlegungen zu diesem
Themenkreis erönert Pelikan in der Einleitung zum erwähnten Aufsatz (Gäa
Sophia, Bd. 1,140ff, 1926):
«Der mineralische Stoff ist ein zur Ruhe gekommener, erstarrter Prozeß; die
ätherischen Bildekräfte sind in ihm nicht mehr w i r k s a m ; er ist nur mehr
ihr W e r k . Eisen, Kupfer, Quecksilber sind nur das Werk, der Leichnam eines
Eisen-, Kupfer-, Quecksilberprozesses. Gerade das Studium dieser Metall-
p r o z e s s e, die ätherische Wirksamkeit sind, ergibt aber erst das Verständnis von
der Bedeutung und Tätigkeit der Metalle in Erde, Kosmos, Mensch. Das tote, mine-
ralische Metall ist der erstorbene Prozeß. Wie kann man ihn zum Leben erwecken,
um seine Wirksamkeiten zu verfolgen? Ein Weg ist der, daß man das Metall von den
Lebensprozessen der Pflanze aufnehmen läßt. Denn die Pflanze ist das Wesen, das
die zu Werk, zu Gebilde erstarrte physisch-minerahsche Welt der Gesetzmäßigkeit
des Todes entreißt, sie in die Lebens-bilde-reiche des Ätherischen hinaufhebt. An-
dererseits wird ihre äußere physische Gestaltung ein Abbild all der ätherischen Bil-
dekräfte, die ihr Wesen ausmachen. Läßt man also Metalle in mannigfacher Art von
der Pflanze aufnehmen, und verfolgt, wie sie sich in ihrem Wesen verändert, so
macht die Pflanze gleichsam die durch sie belebten Metallprozesse als charakteri-
stisch bildende Tätigkeiten p h y s i s c h s i c h t b a r. Das physische Kupfersalz
z. B. verschwindet, das erstarrte Gebilde einer einstmals wirkenden Bildekraft, die
wir als Kupferprozeß bezeichnen mögen. Das Gebilde geht wieder in bildende Tä-
tigkeit über, die sich in mannigfachster Form in pflanzlicher Gestaltung wieder
physisch offenbaren kann. Solche Wirkungen wurden in charakteristischer Art bei
Blei, Zinn, Kupfer, Quecksilber, Phosphor gefunden. Diese Arbeiten mögen ein
anderes Mal geschildert werden. Es sei hier nur die Wirkung von Quecksilber auf
die Pflanze dargestellt. Vorversuche ergaben schon eigenartige Gestaltveränderun-
gen an verschiedenen Pflanzen. Kapuzinerkresse z. B., die in Luft, der etwas Queck-
silberdampf beigemischt war, wuchs, bekam eigenartig zittrig gewellte Blätter und
zittrig geformte Stiele. Vor allem aber konnte man an Kalendula etwas außerordent-
lich merkwürdiges feststellen. Sie trieben aus den Winkeln der K e l c h b l ä t t e r
rund um das Blütenkörbchen im Kreise neue Blütenstiele, auf denen kleine Blätt-
chen saßen; jeder normale große Blütenkorb war so von einem Kranz von 10 bis 12
kleinen Blütenkörbchen umstellt! Um solche Wirkungen besser zu verstehen, gab
Dr. Steiner die Aufgabe, zu untersuchen, wie Quecksilber den A s s i m i l a -
t i o n s r h y t m u s der Pflanzen verändere.«
Nach einer Darstellung der Versuche mit Quecksilber schließt der Aufsatz ab mit
97
einer weiteren Forschungsaufgabe:«Dr. Steiner gab an, man sollte untersuchen, wie
Silber- und wie Bleisalze auf den Assimilisationsrhytmus wirken; man würde dabei
sehen, wie Silber und Blei einander polar entgegengesetzt wirken....» Die Resultate
einer solchen Versuchsreihe bestätigten dann diese Polarität wenn es heißt: «... je-
desmal, wenn im Laufe des Potenzierens die Wirkung für Silber sich nach oben
ändert, ändert sie sich für Blei nach unten.»
Erläuterungen zu Blatt 13
Keine
Erläuterungen zu Blatt 14
Sie müssen auch dazu kommen, den Tag- und Nachtrhythmus zur Herstellung der
Arzneimittel zu verwenden:
Siehe dazu auch die Ausführungen über Morgen- und Abendkräfte in den Bemer-
kungen zu Blatt 2 sowie in GA 178.
Ich lasse in Stuttgart Versuche machen... leider kommen die Leute nicht rasch genug
vorwärts:
Rudolf Steiners Unmut gegenüber den damaligen Aktivitäten sowie zahlreiche
weitere methodische Hinweise sind in den drei naturwissenschaftlichen Kursen
dokumentiert, (z. B.: GA 323, S. 331ff., 296). Ebenso lassen sich dazu mehr Details
in den Sitzungen des «Dreißigerkreises» (in GA 259) finden.
98
Erläuterungen zu Blatt 15
Am Ende des Astronomischen Kurses im Frühjahr 1921 hoffte Rudolf Steiner, daß
aus den Kursinhalten vor allem eine Anregung zum Forschen ausginge. Er gab dazu
eine Reihe von Beispielen an, wie sich die mehr mathematisch beschriebenen
Tatsachen auch experimentell verfolgen und verifizieren lassen können. Folgendes
Beispiel aus dem Kurs (S. 331) hängt eng mit der Aufzeichnung dieses Blattes 15
von Walter Johannes Stein zusammen: «... oder wenn Sie versuchen, durch Erwär-
mung gewisser Stoffe, Ausbreitungslinien für die Erwärmung zu gewinnen - hier
von innen nach aussen (radial), dort von der Peripherie nach innen;... überall wer-
den sie sehen, wie das, was hier angeführt worden ist zum Beispiel über den Gegen-
satz von Sonne und Erde, sich experimentell verfolgen läßt.»
Aus der Notiz Paul Eugen Schillers vom 2. 7.1984 (siehe S. 34ff.) geht hervor, daß
solche Experimente tatsächlich auch in Angriff genommen wurden:
«Bl. 15: Wärmeausbreitung. Es wurde in diesem Zusammenhang die Geschwindig-
keit der Wärmeausbreitung a) in Richtung Erdmitte, b) in entgegengesetzter Rich-
tung untersucht. Es konnte kein Unterschied festgestellt werden.»
Erläuterungen zu Blatt 16
Über die Angaben dieses Blattes hat sich Prof. Dr. F. Halla (Brüssel) in der Mathe-
matisch-Physikalischen Korrespondenz Nr. 11 (Michaeli 1957) S. 5f. in einem Be-
richt unter dem Titel «Einige Bemerkungen über das Potenzieren» ausführlicher
geäußert:
«Die Verteilung bzw. Auflösung eines festen Stoffes in einer Flüssigkeit oder die
Vermischung zweier Lösungen verschiedener Konzentration kann auf zweifache
Art erfolgen:
1. als freiwillig verlaufender Vorgang (das System bleibt sich selbst überlassen):
Diffusion.
2. Es wirken äußere Kräfte auf das System ein (Schütteln, Rühren, Zentrifugie-
ren usw.): Konvektion.
Für die Diffusion ist charakteristisch, daß in die Gleichungen, die die zeitliche Ab-
hängigkeit dieses Vorganges beschreiben, nicht die Zeit t selbst, sondern die Größe
"Vt eingeht.
99
Beim Potenzieren hat man es mit der Verteilung einer Stammlösung auf ein
größeres Volum (bei der Dezimalpotenz auf ein 10-fach größeres) zu tun. Infolge
der Schüttelschläge wird hier neben der Diffusion auch die Konvektion, und zwar
überwiegend wirksam.
Der Zwick des Potenzierens ist ein zweifacher:
b) Durch die Verdünnung des gelösten Stoffes wird dessen bloß physische
Wirkung geschwächt.
Zu Punkt a) sei bemerkt, daß nach einer zwischen 1916 und 1918 in Wien, Köstler-
gasse, gefallenen Bemerkung R. Steiners die Diffusion nicht in einem Wandern phy-
sischer Teilchen, sondern in einem Ausbreiten von Qualitäten (etwa der blauen Far-
be des gelösten Kupfersulfats) besteht. Bedenkt man dabei, daß aus jedem Volums-
teil der durch Diffusion homogenisierten Lösung durch Verdampfen eine entspre-
chende Gewichtsmenge Kupfersulfat zurückzugewinnen ist, so muß man, wenn
man diesen Ausspruch ernst nimmt, annehmen, daß im Übersinnlichen etwas vor-
geht, was im Räumlichen nur ein Abbild, ein Gleichnis hat. Dasjenige, was die ein-
zelnen sinnlich wahrnehmbaren Qualitäten des gelösten Stoffes zusammenhält, die
«Wesenheit Kupfersulfat», ist demnach gar nicht im Sinnlichen vorhanden. Der Ma-
terialismus besteht darin, daß man einer Qualität unter vielen, nämlich der Gewich-
tigkeit, einen Vorrang vor den andern einräumt. Dadurch wurde dem «Geist der
Schwere» Einlaß gewährt.
Die Schwierigkeiten, die der Vorstellung einer kontinuierlichen Ausbreitung von
Qualitäten entgegenstehen, verringern sich vielleicht, wenn man diese Ausbreitung
als eine Ausbreitung von Wellenzügen auffaßt, die schließlich in stehende Wellen
übergehen. In dieser Darstellung würde eine und dieselbe Qualität sowohl positives
wie negatives Vorzeichen annehmen können. Die Auffassung der Diffusion als einer
Überlagerung von Wellenzügen ist in der Literatur schon einmal aufgetaucht. Unse-
re diesbezüglichen Versuch (mit H. Castelliz) sind leider nicht zu Ende geführt
worden, wären aber der Mühe wert, wieder aufgenommen zu werden.
Zu Punkt b) sei noch bemerkt, daß durch einmaliges Verdünnen mit einer entspre-
chend großen Menge Lösungsmittel zwar dieselbe Konzentration erreicht werden
kann wie bei wiederholtem Potenzieren, daß aber die wiederholt ätherisierende
Wirkung dabei fehlt.
100
Für die Praxis des Potenzierens folgt daraus, daß man die Aetherisierung der gelö-
sten Substanz bei unzureichender Durchschüttlung nicht erreichen kann. Durch Dif-
fusion kann die Leistung der Konvektion übernommen werden, aber nur dann, wenn
man zwischen den einzelnen Potenzierungen genügend lange Pausen einschalten
kann, um der Diffusion zu ihrem Vollzuge Zeit zu lassen. Das wird sich aus prakti-
schen Gründen zumeist verbieten. Es mag wohl einen Unterschied ergeben, ob man
schüttelt oder es der Diffusion überläßt, den Ausgleich der Konzentration zu vollzie-
hen. Im ersteren Falle teilt man der Lösung etwas vom menschlichen Willen mit, in
letzterem würde mehr der kosmische Einfluß zu Geltung kommen.» (11.7.57)
Betreffend des in der Festkörperphysik geläufigen Konzeptes des Reziproken
Gitters siehe auch F. Halla, «Raum und Gegenraum», Mathematisch-Physikalische
Korrespondenz Nr. 4 (1955), und G. Adams, «Das Reziproke Gitter und die Rönt-
genanalyse der Kristalle», Mathematisch-Physikalische Korrespondenz Nr. 12
(1957).
Erläuterungen zu Blatt 17
Keine
Erläuterungen zu Blatt 18
Über die Forschungsarbeiten von Franz Thomastik und die von Rudolf Steiner er-
haltenen Anregungen und Angaben siehe auch den von der Mathematisch-Astrono-
mischen Sektion am Goetheanum 1968 herausgegebenen Bericht über Arbeiten von
Ludwig Kremlin "Tonqualitäten und Bildgestaltungen durch Planetenwirksamkeit
im Kolophonium".
Erläuterungen zu Blatt 19
Eng verbunden mit den Hinweisen Rudolf Steiners an Ehrenfried Pfeiffer zur Büh-
nenbeleuchtung sind auch seine 1915 an Jan Stuten gegebenen Anregungen bezüg-
lich der Entwicklung einer Lichtspielkunst. Zu Beginn des Jahrhunderts versuchte
man mittels Lichtklavieren und Lichtorgeln konzertant zu Musik eine bewegte
Farbprojektion zu inszenieren. Man wollte das Hörbare der Musik mit dieser neu
geschaffenen Kunst, der sog. «Optophonie», sichtbar machen. Bald löste der Film
diese Kunstrichtung ab und die Idee geriet in Vergessenheit. Erst Hans Jenny hat in
den 60er Jahren an der Goetheanum-Bühne in Dornach wieder Versuche mit gestal-
tetem Bühnenlicht angestellt.
Siehe dazu Wolfgang Veit, «Bewegte Bilder. Der Zyklus <Metamorphosen der
Furcht> von Jan Stuten», Stuttgart 1993.
101
Erläuterungen zu Blatt 20
Die Formel x"3 + y113 + zm = am ist die dreidimensionale Gleichung einer Astroide
in kartesischen Koordinaten. In der Ebene betrachtet, ist diese Kurve der geometri-
sche Ort eines Punktes cles Ürnfangs eines Kreises mit Radius = r, der seinerseits auf
der Innenseite des Umfangs eines 4 oder 4/3 mal größeren Kreises abrollt. Die
Astroide, als Spezialfall einer Hypotrochoide (Rollkurve), hat die besondere Eigen-
schaft, daß die Schnittpunkte einer jeden Tangente'mit den Koordinatenachsen
immer den konstanten Abstand a haben.
Zur Erforschung des Ätherischen benützen andere Autoren (G. Adams, O.
Whicher, L. Edwards, N. Thomas et al.) sogenannte Weg-Kurven, die Ei- bzw.
Wirbelformen ähneln.
Zur Strader-Maschine siehe Heft 107 der «Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamt-
ausgabe» (Skizzen von R. Steiner und Darstellungen von Oskar Schmiedel, Hans
Kühn u. a.)
Siehe auch Hans Kühn, «Dreigliederungszeit», Dornach 1978, S. 113ff.
Erläuterungen zu Blatt 21
Rudolf Steiners Aufsatz "Die Atomistik und ihre Widerlegung" aus dem Jahre 1890
ist abgedruckt in "Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe" Nr. 63, Michaeli
1978.
Die Beantwortung von 6 Fragen ist innerhalb der Rudolf Steiner Gesamtausgabe
publiziert in " Geisteswissenschaftiiche Impulse zur Entwickelung der Physik", GA
320, Anhang
Erläuterungen zu Blatt 22
102
Weitere Aufgabenstellungen Rudolf Steiners
für Naturwissenschaftler
zusammengestellt von Stephan H.-R. Clerc
Nachfolgend sind weitere Aufgabenstellungen Rudolf Steiners, die sich in der an-
throposophischen Sekundärliteratur finden lassen, aufgeführt.
Als ein weiteres Reagens auf Ätherisches, hat Rudolf Steiner im Zusammenhang mit
der Suche nach der Rezeptur eines Heilmittels gegen Tierseuchen der damaligen
Vorsteherin der biologischen Abteilung des wissenschaftlichen Forschungsinstituts
des Kommenden Tags, Lilly Kolisko, Pflanzenwachstumsversuche vorgeschlagen.
Siehe dazu ihren Bericht an Rudolf Steiner vom 30. November 1923 in diesem Heft
auf S. 107.
Damals grassierte in Süddeutschland eine Maul- und Klauenseuche, die auch ei-
nen Gutsbetrieb des Kommenden Tags (Guldesmühle) nicht verschonte. Um für das
Heilmittel die richtige Herstellungsart und Dosis herauszufinden, wurde (zunächst
unter dem Namen «Seuchenabteilung») im Mai 1920 aus der Biologischen Abteilung
103
heraus ein eigenes Physiologisch-Biologisches Forschungsinstitut gegründet. Lilly
Kolisko schreibt später darüber:
«Auf die Frage nach der richtigen Dosis antwortete Dr. Steiner: «Lassen Sie
Samenkörner in verschiedenen Verdünnungen des Heilmittels keimen. Sie werden
dann eine Kurve bekommen, die Ihnen widerspiegelt den Vitalisierungsvorgang im
Körper der Kuh.>» (L. Kolisko, «Physiologischer und Physikalischer Nachweis der
Wirksamkeit kleinster Entitäten (1923-1959)», herausgegeben durch die Arbeits-
gemeinschaft Anthroposophischer Ärzte, Stuttgart, 1960,1. Kapitel, S. 3).
Mit dieser Experimentalanordnung gelang es Lilly Kolisko, die von der poten-
zierten Substanz ausgehenden Wirkungen ätherischer Bildekräfte bis zur 30. Dezi-
malpotenz nachzuweisen.
Eine Erweiterung dieser Versuchsreihen beschreibt sie in «Mitteilungen des Bio-
logischen Instituts am Goetheanum», Nr. 1, Stuttgart 1934:
«Das Studium der Potenzwirkungen kann verbunden werden mit einem Studium
der Gestaltungskräfte, die in den Stoffen verborgen ruhen. Die Anregung zu diesem
Studium verdanke ich ebenfalls Dr. Rudolf Steiner. Im Jahre 1923 forderte er mich
auf, die <Gestaltungskräfte> zu studieren bei verschiedenen Pflanzen. ... Die An-
regung Rudolf Steiners, Pflanzensäfte auf Filterpapier auftropfen zu lassen, wurde
ausgeführt.» (S. 5,13)
In Verbindung mit diesen Versuchsreihen ergaben sich dann für Pfeiffer, Kolisko
und andere (siehe z. B. Blatt 8 Schillermappe) erste Experimente auf dem Felde der
Rhythmusforschung: Lilly Kolisko hat die Milzfunktion unter dem Einfluß von zu
unregelmäßigen Zeiten eingenommenen Mahlzeiten untersucht und ihre Ergebnisse
unter dem Titel «Milzfunktion und Plättchenfrage» 1921 veröffentlicht. Dann hat
sie in enger Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner den Einfluß von Mond- und
Planetenrhythmen auf das Pflanzenwachstum untersucht und führte selbständig
diese Arbeiten über Jahrzehnte hinweg weiter. Ferner erforschte sie mit einer von
ihr selbst entwickelten Steigbildmethode (Kapillardynamolyse) Metallsalzlösungen
der verschiedenen Planetenmetalle und verglich die so entstandenen Bilder in bezug
auf die p l a n s c h e n Konstellationen der S p r e c h e n d e n Planeten. Die Ergebnisse
dieser Rhythmusforschungen hat sie regelmäßig veröffentlicht. Die Resultate wer-
den heute in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und der Pharmazie, aber
auch in Pädagogik und Lebenshygiene erfolgreich angewendet.
104
Rudolf Steiner der Idealzustand einer Laboratoriumsgründung - wurde dann anläß-
lich der Weihnachtstagung 1923 definitiv vom «Biologischen Forschungsinstitut»
abgetrennt und in «Biologisches Institut am Goetheanum» umgetauft.
Im Jahre 1924 mußten durch die inflationsbedingte Liquidation des Unter-
nehmens Der Kommende Tag A.G. viele andere Versuchsreihen ganz abgebrochen
werden und wurden nur ganz selten - z. B. im Goetheanum oder in Amerika - wie-
der in Angriff genommen.
Die Entstehungsphase eines durch die Initiative von Günther Wachsmuth und
Ehrenfried Pfeiffer im Sommer 1921 begründeten Forschungslaboratoriums am
Goetheanum beschreibt Wachsmuth in seinem Buch «Rudolf Steiners Erdenleben
und Wirken» folgendermaßen (S. 448):
«... es ergab sich ganz selbstverständlich, daß man nach kurzer Zeit des Zusam-
men-Denkens und -Wollens nach einem Raum suchte, wo man experimentieren
könne, um das Gedachte zu erproben und auszuführen. Es taucht manche humorvol-
le Erinnerung auf, wenn ich an diese ersten Anfänge zurückdenke; denn die Geburts-
stunde dieses Laboratoriums vollzog sich in einem primitiven Kellerraum, der den
einzigen Vorteil hatte, Gas- und Wasserleitung aufzuweisen, sonst aber Öde und
Leere am Anfang der Genesis veranschaulichte. Rudolf Steiner hatte uns auf unsere
Bitte hin gestattet, zunächst diesen Raum im Souterrain des Glashauses, wo oben die
farbigen Glasfenster geschliffen wurden, zu beziehen, und wir begannen nun mit
dem primitivsten Schöpfungsakt der Laboratoriumsgründung durch Herbeischaf-
fung einiger zusammengeliehener Tische und Stühle und Anschaffung einer Anzahl
unentbehrlicher Gläser, Retorten, Bunsenbrenner usw. Die Forschungseinrichtung
wies auf die Einsicht in Rhythmus und Leben hin, und so ist mir als eines der ersten
Instrumente ein großes Torricellisches Barometer in deutlicher Erinnerung. Es
diente wegen seiner Unhandlichkeit bald nicht mehr der Luftdruckmessung, son-
dern gab sein Vakuum und sein Quecksilber willig für andere Experimente her.»
Was genau in diesem Laboratorium gemacht wurde, schildert Alla Selawry in
ihrem Buch «Ehrenfried Pfeiffer - Pionier spiritueller Forschung und Praxis. Begeg-
nungen und Briefwechsel - Ein Beitrag zu seiner Biographie», Philosophisch-
Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, Dornach 1987. Sie berichtet dort auf
den Seiten 115-117 über Forschungsaufgaben Rudolf Steiners, an denen Pfeiffer -
zusätzlich zu den in der Schillermappe angegebenen - gearbeitet hat: Er erforschte
z. B. die Beziehung zwischen Giftigkeit von Nachtschattengewächsen und Kelchtie-
fe ihrer Blüten, oder inwiefern das Pflanzenwachstum durch Schallwellen oder kos-
mische Strahlung, die über Metallflächen ins Labor hereingespiegelt wurde, beein-
flußt wird. Im Zusammenhang mit Züchtungsfragen hat Rudolf Steiner empfohlen:
«Z. B. einen Samen unveredelter Quecke vorzunehmen, ihn innerlich in sich hin-
einzunehmen, zu erleben und - meditativ - in exakter sinnlicher Phantasie so zu
entwickeln, wie er urbildhaft veranlagt ist. Dabei stellt sich das Urbild der Pflanze
ein, wie sie im Verlaufe der Züchtung werden soll. Wird dieser Gedanke aktiv genug
durchgeführt, so zeigt er dem Ätherorganismus der Pflanze den Weg zu seiner Ver-
wandlung.»
Ebenso versuchte man durch diese Denkaktivität gewisse Formen in wachsenden
Kristallen zu erzielen.
105
Der elektrische Vorgang vollzieht sich in radiärer Richtung
von außen auf den Leiter zu
Ernst Lehrs, der nicht direkt in die Forschungsprogramme des Kommenden Tag
involviert war, berichtet in seinem Buch «Gelebte Erwartung» Mellinger Verlag,
Stuttgart 1979, über eine relativ unbekannte Aufgabenstellung. Das Gespräch fand
im Februar 1923 anläßlich einer Delegiertenversammlung im Gustav-Siegle-Haus in
Stuttgart statt. Es ging darin zunächst um die Experimente, die Lehrs gerade für
seine Doktorarbeit machte (Verteilung von Wechselstrom in einem elektrischen
Leiter, Skineffekt):
«Daraufhin zog Rudolf Steiner aus seiner inneren Rocktasche ein Notizbuch und
einen breiten Zimmermannsbleistift heraus, zeichnete einen Kreis auf das Papier als
Darstellung des Leiterquerschnitts und schraffierte ihn entlang dem inneren Rand,
damit die Schicht andeutend, welche der Strom im Sinne der bestehenden Anschau-
ung allein noch erfüllt. Ob das so gemeint sei, fragte er, was ich bejahte. Und nun
begann er mir zu erklären, was da in Wirklichkeit vorliegt. Was man mit dem Begriff
des «Stromes» bezeichne, gebe es überhaupt nicht. In Wirklichkeit spiele sich nichts
in Richtung des Leiters ab. Der ganze elektrische Vorgang vollziehe sich vielmehr in
radiärer Richtung von außen auf den Leiter zu und in ihn hinein. Je höher die Fre-
quenz, desto weniger tief könne er eindringen und selbst bei Gleichspannung bliebe
in der Mitte noch etwas frei, die Leute würden es nur nicht bemerken. Dem fügte er
hinzu, das sollte ich einmal experimentell nachweisen, damit würde ich die bisherige
Elektrizitätslehre aus dem Sattel heben könnten.»
Im Buch «Mensch und Materie» gibt Lehrs auf Seite 8 in ähnlicher Weise das
gleiche Gespräch wieder:
«Wie groß war daher mein Erstaunen, als er sein Notizbuch und einen großen
Zimmermannsbleistift aus der Rocktasche zog, eine Skizze in das Buch machte und
das von mir genannte Problem als ein damit völlig Vertrauter besprach, und dabei
so, daß sich mir der Ausblick auf eine ganz neue Anschauungsweise der Elektrizität
eröffnete. Ich erkannte sofort, daß, wenn es gelänge, die Elektrizität in diesem Sinne
näher zu verstehen, dies zu einer ganz neuen Art ihrer praktischen Verwendung
führen könnte.»
Abschließend erzählt Lehrs im erstgenannten Buch:
«Spätere Hinweise Rudolf Steiners ließen mich verstehen, daß er die Absicht hat-
te, eine entsprechende Einrichtung am Goetheanum zu schaffen, wo im Sinne des
mit der Neubegründung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft inaugurier-
ten Impulses gearbeitet werden sollte. Wie zu so manchem anderen, ist es dazu nicht
gekommen.»
Siehe zu dieser Aufgabenstellung auch die Schlußworte des Diskussionsvotums
Steiners vom 8. August 1921 (GA 320) und den Aufsatz von Rudolf Cantz,
«Das elektrische Anschlußkabel», Elemente der Naturwissenschaft, Nr. 14, 1971,
S. 31-36.
Nachfolgend Brief von Lilly Kolisko (vgl. S. 103) an Rudolf Steiner. Die dort er-
wähnten «Beilagen», mit Ausnahme des «Referates, das im Chemischen Centralblatt
106
erschienen ist», Hegen im Archiv nicht vor. - Eine ausführliche Beschreibung der
Arbeit von Lilly Kolisko durch Gisbert Husemann ist publiziert in «Beiträge zu
einer Erweiterung der Heilkunst», hg. von der Medizinischen Sektion am Goethe-
anum und der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte, 31. Jg. Heft 2, März/April
1978.
Im Nachstehenden möchte ich mir erlauben, einen kurzen Bericht zu geben über
meine letzten Versuche, da Herr Doktor wohl kaum vor Weihnachten nach Stutt-
gart kommen werden.
Sie stellten mir bei Ihrem letzten Hiersein im Oktober die Aufgabe, in allererster
Linie Kurven zu erhalten wo bei intensiver Lichteinwirkung die Gewichtskurve das
entgegengesetzte Bild der Wachstumskurve zeigt. Es sollte gezeigt werden, daß das
Licht der Schwere entgegenwirkt. Es macht mir nun unendliche Freude, Ihnen mit-
teilen zu können, daß ein guter Teil dieser Aufgabe gelöst erscheint. Intensives Son-
nenlicht stand mir zwar nicht zur Verfügung und habe ich meine Versuche einstwei-
len mit elektrischem Lichte ausgeführt. Um die Intensität der Lichteinwirkung zu
vergrößern, ließ ich Tag und Nacht das Licht brennen. Der Versuch wurde in der
Dunkelkammer ausgeführt. Auf einem großen Tisch standen 63 Töpfe (3 Wasser-
töpfe 60 Potenzen mit Eisensulfat 1 Gramm auf 100 ccm = Stammlösung). Über dem
Tisch wurde ein großes Holzgestell errichtet, welches in gleichmäßiger Verteilung 6
Glühlampen je 100 Watt stark trug. Die Dunkelkammer besitzt oben ein Fenster,
das auf die Treppe geht und die Luftzufuhr ermöglicht. Die 6 Lampen blieben Tag
und Nacht eingeschaltet und hielten gleichzeitig das Zimmerchen in einer Tempera-
tur von 22° C. Schon nach wenigen Tagen war zu merken, daß die Pflänzchen viel
107
schneller in ihrem Wachstum vorschritten, als wir es sonst bei Tageslicht sehen
konnten. Nach 8 Tagen waren die Pflanzen im elektrischen Licht so groß, wie sonst
nach 14 Tagen. Das zweite Blatt entfaltete sich bereits deutlich. Die Pflanzen sahen
durchaus gesund aus, waren lebhaft grün, aber man hatte deutlich den Eindruck, daß
sie sich streckten, schlank und dünn waren. Die Blattbreite war entschieden geringer
als gewöhnlich im TagesÜcht. Nach 14 Tagen wurden die Pflänzchen gemessen und
füge ich eine Photographie der Meßkurve bei (Beilage 1). Die Minima liegen bei der
13., 24., 34., 42., 55., resp. 57. Potenz. Das zweite Blatt war erheblich über das erste
Blatt hinausgeschossen, der Knotenpunkt hielt sich auf normaler Höhe. Ferner ist
auffallend, daß die Kurve des 2. Blattes starke Schwankungen zeigt, das erste Blatt
nur kleine. Das Blattwachstum überragt weit das Wurzelwachstum.
Vergleicht man mit dieser Kurve die Eisenkurven vom vorigen Jahr, welche bereits
publiziert sind, so sieht man, daß das Blattwachstum doppelt so groß ist. Die maxi-
malen Höhen waren 17 cm gegenüber 34 cm bei elektrischem Licht. Nun ändert sich
dadurch beträchtlich das Verhältnis von Blattwachstum zum Wurzelwachstum.
Voriges Jahr konstatierten wir Blatt zu Wurzel =1:2, diesmal würde das Verhältnis
sein (grob gerechnet) Blatt zu Wurzel = 1,4 :1
Die Wiegekurve (Beilage 2) zeigt als Minima: andeutungsweise die 12., dann die
24., 37., 42., 39., 57., res. 60. Potenz. In der Wurzel die 14., 21., 38., 52., 55. resp. 60.
Potenz. Die Minima haben sich also etwas verschoben gegenüber der Wachstums-
kurve, wenngleich es nicht zu einer direkten Umkehrung gekommen ist. Vergleicht
man nun aber diese Wiegekurve mit der vorjährigen, dann bekommt man ein ganz
überraschendes Resultat.
Eisenversuch 1922 im Tageslicht Gewicht Wurzel: Blatt = 1 : 2
Eisenversuch 1923 im elektr. Licht Gewicht Wurzel: Blatt = 1:4
Die Wurzel ist also doppelt so leicht geworden, obwohl sie an Längenwachstum
zugenommen hat. Das Gewicht der Blätter hat für den Tageslichtversuch zum Ma-
ximum 500 mg beim elektrischen Lichtversuch zum Maximum 600 mg. Dem muß
man aber gegenüberstellen, daß das Längenwachstum um 100 % zugenommen hat,
das Gewicht nur um 20 %. Man müßte daher auch für die Blätter eine Abnahme des
speziellen Gewichts feststellen.
Dieser erste Versuch ermutigte mich, nun einen zweiten anzuschließen, der 150
Blumentöpfe umfaßte. Es wurden gleichzeitig drei Versuche angesetzt. 60 Potenzen
Kupfersulfat wie gewöhnlich im Tageslicht. (Da Herr Doktor zum Zwecke einer
Veröffentlichung eine Wiederholung des Kupferversuches bis zur 60. Potenz
wünschten, wählte ich gerade dieses Metall). 60 Potenzen Kupfersulfat in der Dun-
kelkammer bei elektrischem Licht wie oben beschrieben. Dann ließ ich die Dunkel-
kammer unterteilen, so daß noch ein winziger Raum ganz dunkel gehalten werden
konnte. In diesen stellte ich 30 Potenzen mit Kupfersulfat, mehr hatten nicht Raum.
Diese 3 Versuche wurden gleichzeitig potenziert, hatten möglichst auch die gleiche
Zimmertemperatur und differierten nur in der Art der Beleuchtung resp. Nichtbe-
leuchtung. Ich ging dabei von der Voraussetzung aus, daß, wenn das Licht der
Schwere entgegenwirkt, die Dunkelheit ihr gleichgerichtet sein müßte, das heißt die
Pflänzchen müßten schwerer sein, als die im Tageslicht wachsenden. Nach 8 Tagen
108
wurden die 3 Versuche photographiert, nach 14 Tagen gemessen. Der Licht- und
Dunkelversuch an einem Tag, der gewöhnliche Tageslichtversuch am folgenden, da
an einem Tag die Arbeit nicht zu bewältigen war.
Beilage 3 zeigt die Kurve des Tageslichtversuches, welche ganz hervorragend schön
ist. Die 1.-30. Potenz zeigen genau die gleiche Kurvenform wie die veröffentlichte
Kupferkurve. 1. Minimum 15. Potenz, dann Depressionen bei der 25, resp. 29. Po-
tenz. Maximum bei der 27. Potenz. Sieht man nun die Potenzen 31-60 an, so reprä-
sentieren sie eine Wiederholung des ersten Teiles der Kurve. Erst Anstieg, dann
Minimum bei der 42. und 51. Potenz mit nachfolgendem weiteren Anstieg. Interes-
sant ist, daß die Spanne zwischen den ersten zwei Minima (15-16. Potenz) genau so
groß ist wie die Spanne zwischen den zweiten zwei Minima (42-51). Der zweite
Kurventeil stellt also die Wiederholung des ersten vor, aber in verstärktem Maße.
Die Minima sind ausgeprägter, aber auch die Maxima sind größer. Ferner gliedert
sich die Kurve wunderschön in 3 Abschnitte. Der erste reicht bis zur 24. Potenz, der
zweite bis zur 42. und dann folgt der dritte, dessen Ende aber nicht zu sehen ist.
Diese Dreigliederung wird auch vom Knotenpunkt wiedergespiegelt.
Ferner ist noch bemerkenswert, daß für die Potenzen 1-24 das zweite Blatt
(punktiert) unter dem ersten zu liegen kommt, dann bis zur 37. Potenz liegt es über
dem ersten Blatt, von 37-52 wieder drunter, von 52 bis 60 wieder drüber.
Die Wurzel ist für den ganzen Versuch in der Hauptsache länger gewachsen wie
das Blatt.
Beilage 4 zeigt die Kurve des Versuches bei elektrischem Licht. Das erste Minimum
Hegt bei der 14. Potenz, das zweite bei der 22., dann folgt noch eine Depression bei
der 26.; Maximum 28. Potenz. Drittes Minimum 35. Potenz, das vierte bei der 52.
Das erste Blatt gibt eine ruhige Kurve, das zweite eine sehr bewegte, ebenso wie bei
dem anderen Lichtversuch mit Eisensulfat. Es werden dadurch die feineren Kurven-
züge verwischt. Gegenüber der Kurve im Tageslicht ist zu bemerken:
Der Knotenpunkt liegt ungefähr ebenso hoch. Das erste Blatt hegt ungefähr in
der Höhe der Tageslichtkurve, das zweite Blatt schießt weit darüber hinaus. Die
Wurzel ist etwas kleiner geworden. Das Verhältnis verschiebt sich nun zu Gunsten
der Blätter. Die Blattlänge übertrifft die Wurzellänge.
Beilage 5 zeigt die Kurve des Dunkelversuches. 1. Minimum bei der 11. Potenz,
zweites bei der 21. Depression bei der 28. resp. 29. Pot. Der Knotenpunkt liegt be-
deutend höher, ebenso ist das erste Blatt erheblich gestreckt. Es ist auch noch länger
als das 1. Blatt beim Lichtversuch. Das zweite Blatt liegt umgekehrt wie beim Licht-
versuch unter dem ersten Blatt und zeigt ebenfalls eine bewegte Kurve. Die Wurzel
ist für die ersten 20 Potenzen zurückgeblieben und scheint dann länger werden zu
wollen. Es ist bedauerlich, daß diese Kurve nicht auch auf 60 Potenzen ausgedehnt
worden ist, es war aber aus verschiedenen Gründen unmöglich. Macht man nun den
Versuch, die Lichtkurve und die Dunkelkurve für die 2. Blätter zusammen-
zuzeichnen, (Beilage 6) ergibt es recht interessante Resultate. Teilweise machen die
beiden Kurven die diametral entgegengesetzten Bewegungen, teilweise laufen sie
parallel.
109
EeüagSLZ Gewichtskurve des Tagesversuches stimmt ungefähr mit der Meßkurve
überein.
Der Versuch mit Goldchlorid, den Herr Doktor im Oktober stehen sah, hat eben-
falls sehr schöne Kurven geliefert.
Die Kapillaranalysenversuche habe ich fortgesetzt und versucht, durch Kombi-
nation von Jodkalium und Quecksilbernitrat resp. Quecksilberchlorid auch farbige
Quecksilberbilder zu erreichen.
Vielleicht wird es möglich sein, wenn ich zu Weihnachten nach Dornach komme,
Herrn Doktor die Kurven über Gold und die Kapillaranalysenbilder vorlegen zu
dürfen? Ich würde sehr dankbar sein, wenn ich Ihren gütigen Rat für die Fortset-
zung der Arbeit empfangen könnte.
Gegenwärtig habe ich noch 30 Töpfe mit Wasser begossen im Tageslicht und in
elektrischem Licht stehen, um auch die von Ihnen gewünschte große Wasserkurve
bis Weihnachten noch fertig zu stellen.
Zum Schlüsse möchte ich mir noch erlauben, eine Abschrift beizufügen eines
Referates das im chemischen Centralblatt am 5. September erschienen ist. Es handelt
sich um sehr interessante Versuche eines Russen mit hohen Verdünnungen. Herr
Dr. Theberat, der Mitglied des Vereins ist, wird ein Recensionsexempiar der Arbeit
über die kleinsten Entitäten an die Redaktion einsenden. Vielleicht sollte man an den
Autor selbst herantreten?
Ich bitte noch um Entschuldigung für den etwas lang gewordenen Bericht und
verbleibe in hochachtungsvoller Verehrung
Ihre ergebene
Lilly Kolisko
110
CHEMISCHES CENTRALBLATT
N . P. Krawkow,
Über die Grenzen der Empfindlichkeit des lebenden Protoplasmas,
(Vgl. Schkawera, Ztschr. f. d. ges. exp. Medizin 28.305; C. 1922. III. 896)
Bei Giften mit Gefäßwirkungen zeigt sich, daß sie bei stärkerer Verdünnung einen
Neutralpunkt erreichen, an dem sie wirkungslos sind, bei noch größerer Verdün-
nung aber (bis auf 10) von neuem aktiv werden. Die Wirkung solcher Minimaldosen
ist nach vorhergehender starker Einwirkung z.B. von Adrenalin oder Histamin, sehr
viel deutlicher, ebenso wenn die Lösungen vorher im Brutschrank bis auf 40 Grad
erwärmt und dann wieder abgekühlt werden. Alle in pharmakolog. Dosen Gefäß-
verengungen hervorrufenden Gifte wie Adrenalin, Histamin, Nikotin, Cocain,
Strychnin etc. erweitern diese in minimaler Konzentration, gewöhnlich Erweiterung
zeigende, wie Chlf., Ae., Hedonal usw. verengen sie. Zwischen dem Grade der Ver-
dünnung und der Intensität der Wirkung zeigt sich bei diesen Minimaldosen häufig
ein Mißverhältnis derart, daß mit zunehmender Verdünnung die Wirkung wächst.
Hierin liegt der wesentlichste Unterschied zwischen den Wirkungen minimaler
Giftdosen und der charakteristischen Wirkung pharmakol. Dosen. Die Wirkung der
Gifte verliert in den enormen Verdünnungen ihren spezifischen Charakter: alle Gif-
te beginnen eine gleiche Wirkung auszulösen, ganz unabhängig von ihrer pharma-
kologischen und chemischen Natur. Untersucht wurden Alkaloide, Narkotika der
Fettreihe, Schwermetallsalze, kolloidale Metallsalzlösungen und zwar namentlich
CuSO, Pb(NO a ) 2 , Fe2Cl6, AgNO , HgCl 2 , PtCl4, U0 2 (S0 4 ), kolloidale Hg Lösun-
gen, «Infuse» mit Ringer-Lockescher Lösung aus Cu, Ag, Ni, AI, Au, Pt, Rh, weiter
Radiumemanationen. Sie wirken teils erweiternd, teils verengernd. Aus allen Unter-
suchungen geht hervor, daß das lebende Protoplasma ein erstaunlich empfindliches
Reagens auf solche Minimalen Dosen und Verdünnungen ist, die einstweilen einer
chemischen noch physikalisch-chem. Analyse zugänglich sind, zumal da über den
Zustand der Stoffe in derartigen enormen Verdünnungen bestimmte feststehende
Vorstellungen noch fehlen. Diese Wirkungen sind jedenfalls nicht materieller Natur,
vielleicht liegt ihnen «elektrische Energie» zugrunde. (Ztschr. f. d. ges. exp. Medizin
34. 279-306. Petersburg, Mil.-Med. Akad., Pharmakol. Lab.) Wolff.
CHEMISCHES CENTRALBLATT
111
bei manchen Giften durch Intensität, bei anderen durch die Art der Wirkung. Die
Intensität der Rk, der Gewebe im Austrittsstadium ist für jedes Gift charakteri-
stisch, tritt nur bei bestimmten Konz. ein und ist in vielen Fällen stärker als während
der ersten 2 Stadien. Das Austrittsstadium ist eine aktive Periode der Giftwirkung.
Die Rk. der Gefäße auf Cocain und Strychnin im Austrittsstadium ist bei
Körpertemperatur ausgesprochener als bei Zimmertemperatur. Nach langdauernder
Durchleitung eines Giftes ist die Rk. der Gefäße im Austrittsstadium stärker als
nach kurzdauernder. Letztere Rk. kann durch Herabsetzung der Konz. des Giftes
abgeschwächt werden. Im Stadium der Sättigung der Gewebe mit einem Gift wird
die Reaktion auf ein anderes Gift verändert, abgeschwächt oder verstärkt. Ein aus 2
Giften zusammengesetztes Gemisch bzw. nach Sättigung mit einem der Gifte eine
andere Reaktion als ohne vorherige Sättigung. (Ztschr.f.d.ges.exp.Med. 28.305-23
30/6. (18./3.) Petersburg, Pharmak.Lab.d.Mil.Akad.) Lewin.
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BEITRÄGE ZUR RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE
VERÖFFENTLICHUNGEN AUS DEM ARCHIV
DER RUDOLF STEINER-NACHLASSVERWALTUNG, DORNACH
Johannes Kühl
Zur Veröffentlichung der «Schiller-Mappe»
Stephan Clerc
Erläuterungen und Dokumente zu den einzelnen Angaben Rudolf Steiners . . . . 37