Elektrische Antriebe in Der Fahrzeugtechnik: Gerhard Babiel
Elektrische Antriebe in Der Fahrzeugtechnik: Gerhard Babiel
Elektrische
Antriebe in der
Fahrzeugtechnik
Lehr- und Arbeitsbuch
5. Auflage
Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik
Gerhard Babiel
5. Auflage
Gerhard Babiel
Kamp-Lintfort, Deutschland
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Dieses Buch ist aus meinem Vorlesungsskript zur gleichnamigen Vorlesung im Studien-
gang Fahrzeug- und Verkehrstechnik entstanden, welche ich im Bachelor-/Masterstudien-
gang an der Fachhochschule Dortmund ab 2002 gehalten hatte.
In der Automobilindustrie waren E-Automobile zu dieser Zeit noch im Versuchsstadi-
um, es gab große Anstrengungen im Bereich der Brennstoffzelle für den Einsatz in PKWs.
Heute, im Jahr 2022, bieten die Fahrzeughersteller eine Auswahl an rein elektrisch
betriebene PKWs mit Lithiumionen-Batterien mit Reichweiten um ca. 500 km an. Wir sind
somit in der Zukunft der Elektromobilität angekommen. Für die nächste Generation in
ca. 2025 sind Reichweiten um 600 km bei günstigeren Batterie-Preisen zu erwarten.
Für eine komplette Umstellung auf E-Mobilität in den nächsten 10 Jahren bedarf es
großer volkswirtschaftlicher Anstrengungen im Bereich der Ladeinfrastruktur sowie der
Bereitstellung „grüner“ elektrischer Energie.
Die Entwicklung der Elektrofahrzeuge verläuft weiterhin rasant.
In der 5. Auflage gibt es Ergänzungen zum Thema Effizienzsteigerung in der E-Motoren-
technik und ein Ausblick in die Zukunft elektrischer Flugsysteme.
V
Danksagung
VII
Inhaltsverzeichnis
IX
X Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Für die Antriebskraft F und die Antriebsenergie W von Fahrzeugen gilt der fundamen-
tale Zusammenhang.
Für die Antriebskraft F und die Antriebsenergie W von Fahrzeugen gilt der fundamentale
Zusammenhang:
dW
F= ðdx = Wegst€uck in FahrtrichtungÞ: ð1:1Þ
dx
Elektroantriebe setzen eine elektrische Energiequelle voraus. Überhaupt muss man zu-
nächst einmal dafür sorgen, dass eine Primärenergiequelle in einem Fahrzeug vorhan-
den ist.
Die elektrische Antriebsenergie kann aus verschiedenen Energiequellen gewonnen
werden, es können Akkumulatoren, Kondensatoren oder Brennstoffzellen sein, wobei die
Brennstoffzelle kein Energiespeicher sondern ein elektrochemischer Energiewandler ist.
Bei den heutigen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor wird die Energie aus Benzin,
Diesel oder Erdgas erzeugt. Bei den Brennstoffzellenfahrzeugen wird es voraussichtlich
Wasserstoff oder Methanol sein.
Im Prinzip sind auch andere Primärquellen möglich wie z. B. radioaktives Uran in
Atom-U-Booten oder Ionenquellen und Gravitationsfelder für Raumfahrzeuge.
Hybridfahrzeuge verfügen sowohl über einen Verbrennungsmotor wie auch einen
Elektromotor. Primäre Energiequelle ist dabei wiederum Benzin oder Diesel, ein Teil der
elektrischen Energie wird auch dadurch gewonnen, dass im Bremsbetrieb die elektrische
Antriebsmaschine als Generator eingesetzt wird und die gewonnene elektrische Energie in
einer Batterie zwischengespeichert wird.
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2 1 Energie als primäre Antriebsgröße
In der Mathematik verwendet man Gleichungen mit Variablen, Parametern und Konstan-
ten, die durch Buchstaben dargestellt werden. Beispiel:
s
ν= : ð1:2Þ
t
In der Physik werden die Variablen als Produkt aus Zahlenwert und Einheit dargestellt:
fsg ½s
fν g ½ ν = : ð1:3Þ
ft g ½t
Für Strom A,
Für Kraft N,
Für Leistung W,
Für Arbeit = Energie Nm = J = Ws.
In der Messtechnik kommt es oft vor, dass man Größen in anderen Einheiten misst und
umrechnen muss. Damit sich die Umrechnung – insbesondere bei Messreihen – möglichst
einfach gestaltet, verwendet man zugeschnittene Größengleichungen. Hierzu einige
Beispiele:
Man ermittelt die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs in km/h, indem man die Zeit auf
einen Kilometer stoppt. Ausgangspunkt ist die Gl. 1.2:
Weg l
Geschwindigkeit = ν= :
Zeit t
km=h l km
ν = km : ð1:4Þ
km=h t ss
Anschließend stellt man die Formel so um, dass die gesuchte Größe verknüpft mit der
gewünschten Einheit auf der linken Seite der Gleichung steht und die Messgrößen mit den
gegebenen Einheiten sowie Konstanten auf der rechten Seite:
l
ν km
= t :
km
ð1:5Þ
km=h ðkm=hÞ s s
Nun fasst man Einheiten und Konstanten auf der rechten Seite zusammen:
l l l
ν 1 1 1
= s km
t = s
km
t = 1 t :
km
ð1:6Þ
km=h h s 3600s s 3600 s
l
ν
t :
= 3600 km ð1:7Þ
km=h s
Setzt man in diese Gleichung die Messwerte ein, findet man sehr schnell die Geschwindig-
keit in km/h.
Man kann diese Gleichung auch nutzen, um die Werte für die so genannte Tachymeterskala
zu erhalten. Die Tachymeterskala (Abb. 1.1) findet man gelegentlich auf Rennsport-
Armbanduhren, wo neben der Sekundenzeit (für einen Kilometer) direkt die Geschwindig-
keit in km/h steht.
Ein anderes Beispiel ist die Berechnung des Drehmoments M in Nm aus den Mess-
werten der Leistung P in kW an der Welle eines Motors und der Drehzahl n in Umdre-
hungen pro Minute (min–1).
Ausgangspunkt ist die Formel:
P P
M= = : ð1:8Þ
ω 2π n
Nm P kW
M = kW
: ð1:9Þ
Nm 2π n min -- 11
min
Auf der linken Seite lässt man M in Nm stehen, indem man beide Seiten durch Nm teilt:
M 1 P kW
= kW
: ð1:10Þ
Nm Nm 2π n min -- 11
min
Nun fasst man auf der rechten Seite die Einheiten und Konstanten zusammen:
M kW kW
P
= : ð1:11Þ
Nm Nm 2π min - 1 n
min - 1
Man wandelt die Einheiten so um, dass man möglichst viele Einheiten im Vorfaktor kürzen
kann, also z. B. min = 60 s:
1.2 Formelsammlung zur Energieumwandlung 5
P P
M 60:000 M
= kW
n bzw:: = 9549 kW
n ð1:13Þ
Nm 2π min - 1
Nm min - 1
::
A quivalenz : 1J = 1Ws = 1Nm ð1:14Þ
Wirkungsgrad η
Abgegebene Energie
η= ð1:15Þ
Aufgenommene Energie
Gesamtwirtschaftlich betrachtet spielt nicht nur der Wirkungsgrad eine Rolle sondern
auch das Verhältnis von insgesamt über die Lebensdauer eingesetzte Energie zur insgesamt
gewonnenen Energie eines Systems. Dieses Verhältnis nennt man den Erntefaktor
(Abb. 1.2). Der Erntefaktor mit monokristallinen PERC Solarzellen hat sich in den
2020er-Jahren auf 8 verbessert.
Ein weiterer Aspekt ist die Umweltfreundlichkeit eines Systems. Ein Maßstab dafür ist
beispielsweise die CO2-Emission von Systemen (Abb. 1.3 und 1.4).
Beispielhaft sei hier die CO2-Emission bei der Stromerzeugung verschiedener Kraft-
werkstypen dargestellt:
In Kalifornien verlangt der Staat von Automobilherstellern einen maximalen mittleren
Flottenverbrauch um die Effizienz bzw. Umweltverträglichkeit zu steigern.
Das California Air Resources Board erließ bereits 1990 ein Gesetz, wonach ein Auto-
mobilhersteller ab 1998 2 % aller Neufahrzeuge, ab 2001 5 % aller Neufahrzeuge und ab
2003 10 % der großen Fahrzeuge Zero Emission Vehicles (ZEVs) sein sollten.
20
Erntefaktor
15
10
0
Kohle Öl LW-Reaktor Photovoltaik Laufwasser Windkonverter
1,2
1
0,8
g/Wh
0,6
0,4
0,2
0
Kohle Öl Gas Wasser KKW Wind
g/Wh
0,005
0
Wasser KKW Wind
Bei der Fortbewegung eines Fahrzeugs muss die Reibkraft überwunden werden. Wenn die
Kraft längs eines Weges variiert, muss man über kleine Wegintervalle ds aufsummieren
bzw. integrieren:
W= F ðsÞds: ð1:18Þ
F ðt Þ = m aðt Þ: ð1:19Þ
Liegt die Beschleunigung als Zeitfunktion a(t) vor, muss vor Berechnung der Energie
W die Integrationsvariable s durch t substituiert werden.
Die Beschleunigung eines Fahrzeugs errechnet sich aus der Änderung der Geschwindig-
keit:
1
Der Einfachheit halber wird angenommen, dass die vektoriellen Größen Kraft, Weg und Beschleu-
nigung die gleiche Richtung haben, so können wir uns hier auf die Beträge beschränken.
1.3 Mechanische Energie 9
dvðt Þ
að t Þ = : ð1:21Þ
dt
Bremsen bedeutet negative Beschleunigung. Daraus ergibt sich auch negative Arbeit bzw.
Energie, die man z. B. beim elektrischen Bremsen (oder mittels eines Schwungrades oder
thermisch) rückgewinnen (rekuperieren) kann.
Auf einer kurzen Strecke das Geschwindigkeitsprofil gefahren, wie in Abb. 1.5 dar-
gestellt.
In den ersten 10 s ist Beschleunigungsarbeit zu leisten.
dv 50km=h 50:000m m
a= = = = 1,39 2
dt 10s 3600s 10s s
m
F = m a = 1000kg 1,39 = 1390N,
s2
10 s
10 s
t2 m 100s2
s= a tdt = a = 1,39 = 69,5m:
2 0 s2 2
t=0
50 km/h
10 s 600 s Zeit
W
E= = 120:756Ws:
η
dv - 50km=h - 50:000m m
a= = = = - 0,93 2 :
dt 15s 3600s 15s s
m
F = m a = 1000kg - 0,93 = - 930N:
s2
15 s
15 s
t2
s= ða t þ v0 Þdt = a þ v0 t = 103,87m:
2 0s
t =0s
Bremst man elektrisch durch Umschalten in den Generatorbetrieb, gewinnt man theo-
retisch:
E = η W = - 77:284Ws:
Die chemische Energie hat ihre Ursache im Austausch von Elektronen der beteiligten
Stoffe.
Die Elektronen auf den äußeren nicht gänzlich gefüllten Schalen der Atome oder
Moleküle suchen sich bei einer Reaktion möglichst günstige Energieniveaus. Wenn
dabei ein Elektron von einem hohem Energieniveau auf ein niedrigeres übergeht, wird
Energie in Form von Wärme oder Strahlung freigesetzt, die Reaktion ist exotherm. Wird
ein Elektron bei einer Reaktion auf ein höheres Niveau angehoben, muss dabei Energie
aufgenommen werden, die Reaktion ist endotherm.
Die Antriebsenergie, die wir mit Hilfe von Verbrennungsmotoren aus Erdöl gewinnen,
ist ein Beispiel für die Nutzung von chemischer Energie. Dass es Zeit wird, Alternativen zu
entwickeln, sollen die Abb. 1.6 über den immensen Erdölverbrauch demonstrieren. Irgend-
wann sind die Vorräte aufgebraucht bzw. werden immer kostspieliger.
Hauptquantenzahl n → Hauptschale 1, 2, 3, 4
Bahndrehimpuls l → Unterschale 0, 1, 2, 3 . . .(n – 1), Alternativ s, p, d, f
Orientierung des Bahndrehimpulses → Ausrichtung der Unterschale ml = 0, ±1, ±2, ±(l – 1),
ml ±l
Spin mS → Orientierung des Eigendrehimpulses mS = ±1/2
Ist bei einem Element eine Hauptschale komplett mit Elektronen besetzt, so stellt dies
einen besonders stabilen Zustand dar, es handelt sich um Edelgase, die unter Normalbe-
dingungen nicht mit anderen Stoffen reagieren.
Im Periodensystem sind die Elemente nach ihren Schalen und der Anzahl der Elek-
tronen auf diesen geordnet.
Die Zeilen entsprechen den Hauptschalen (Hauptquantenzahlen), die Spalten entspre-
chen der Füllung der Unterschalen mit Elektronen.
Ab der 4. Zeile kommt es vor, dass Elektronen nicht unbedingt in der Reihenfolge der
Hauptschalen besetzt werden. Beim Kalium wird beispielsweise die 4. Hauptschale mit
einem Elektron besetzt (4s) und erst beim Scandium beginnt die Besetzung der 3d-Unter-
schale.
Das liegt daran, dass der Absolutbetrag der Energie der 4s-Schale günstiger ist als der
Absolutbetrag der 3d-Schale.
Auf der ersten Hauptschale finden nur zwei Elektronen Platz. (Für n = 1 folgt l = 0 und
ml = 0 und ms = ±1/2.)
Das einfachste Element, es besteht nur aus einem Proton im Kern und einem Elektron
auf der Hülle, ist der Wasserstoff H (Abb. 1.7), hier lautet die Elektronenkonfiguration 1s.
Isotope sind Elemente mit gleicher Anzahl von Protonen aber unterschiedlicher Anzahl
von Neutronen. Im neutralen Zustand haben die Isotope auch die gleiche Anzahl von
Elektronen, deshalb verhalten sich Isotope chemisch gleich. In der Natur findet man die
Isotope eines Elementes in einer bestimmten Mischung. Die Art der Isotope und deren
prozentuales Vorkommen auf der Erde sind im Periodensystem angegeben.
Isotope des Wasserstoffs sind Deuterium und Tritium (Abb. 1.8).
1.4 Chemische Energie 13
Proton
Wasserstoff H Elektron
Neutron
Isotope sind zwar chemisch gleichwertig, kerntechnisch jedoch sind sie unterschiedlich
stabil, d. h., sie zerfallen unterschiedlich schnell unter Abgabe von Neutronen, Neutrinos
und oder α-, β-Strahlung und Photonen.
Im natürlichen Vorkommen des Wasserstoffs auf der Erde besteht dieser zu 0,015 % aus
Deuterium.
Tritium hat eine Halbwertszeit von 12,3 Jahren und ist damit radioaktiv.
Die erste Hauptschale ist beim Helium He (Abb. 1.9) mit zwei Elektronen voll besetzt,
die Elektronenkonfiguration wird mit 1s2 bezeichnet. Die 1 steht für die erste Hauptschale
und s2 bedeutet das zwei Elektronen auf der Unterschale vom Typ s zu finden sind.
Beim Lithium Li (Abb. 1.10) wird über der 1. Hauptschale eine 2. aufgefüllt. Die
Elektronenkonfiguration lautet: 1s22s oder abgekürzt [He]2s. Das heißt, die erste Haupt-
schale ist komplett gefüllt [wie beim He] und auf der 2. Hauptschale befindet sich ein
Elektron auf der ersten Unterschale. Die erste Unterschale wird immer mit s bezeichnet.
Beim Kohlenstoff C (Abb. 1.11) findet man [He]2s22p2.
Die 1. Hauptschale (1s) ist voll besetzt.
Auf der 2. Hauptschale ist die 1. Unterschale (2s) mit zwei Elektronen besetzt und auf
der 2. Unterschale (2p) befinden sich ebenfalls zwei Elektronen.
14 1 Energie als primäre Antriebsgröße
Helium He
Lithium Li
1s-Orbital
2s-Orbital
Kohlenstoff C
1s
2s
2p
Auf jedem Orbital finden maximal zwei Elektronen mit entgegengesetztem Spin Platz.
Unter Spin versteht man die Eigenrotation des Elektrons, welche eine feste räumliche
Ausrichtung (wie beispielsweise die Rotationsachse der Erde) besitzt.
Die Spinausrichtung ist verantwortlich für den permanenten Magnetismus verschiede-
ner Werkstoffe.
1.4 Chemische Energie 15
Elektronenpaare besitzen immer entgegengesetzte Spins. Klappt man den Spin eines so
genannten verschränkten Elektronenpaares, so wird auch der Spin des anderen Elektrons
instantan umklappen.
(Dieser Effekt tritt auch bei unterschiedlich polarisierten Photonenpaaren auf, auch
wenn diese räumlich getrennt worden sind.)
Die Informationen über den Aufbau der Atomhülle (Elektronenbahnen) entnimmt man
dem Periodensystem (Abb. 1.12 und Anhang). Der Halbleiter Silizium (Si, Abb. 1.13)
besitzt die Elektronenkonfiguration [Ne]3s23p2.
Die 1. Hauptschale und die 2. Hauptschale sind voll besetzt wie beim Edelgas
Neon [Ne].
Auf der 3. Hauptschale sind die 1. Unterschale mit zwei und die 2. Unterschale ebenfalls
mit zwei Elektronen belegt.
Die Anzahl der Protonen im Kern ist gegeben durch die Ordnungszahl. Ist ein Element
elektrisch neutral, entspricht die Ordnungszahl auch der Anzahl der Elektronen insgesamt.
Silizium Si
2p-Niveaus
3p-Niveau
3s-Niveau
Die Anzahl der Neutronen kann man aus der Differenz zur Massenzahl bestimmen.
In chemischen Reaktionen des Siliziums werden nur die vier Elektronen der nicht voll
besetzten äußeren Hülle mit den Elektronen der nicht voll besetzten äußeren Hülle eines
anderen Elements ausgetauscht.
Diese Aussage lässt sich verallgemeinern: Bei chemischen Reaktionen sind immer
nur die Elektronen der äußeren nicht voll besetzten Hüllen beteiligt. Dabei werden die
Elektronen so ausgetauscht, dass nach Möglichkeit eine Edelgaskonfiguration in der
Verbindung entsteht. Die Energiedifferenz der Niveaus der Bindungselektronen ist die
chemische Bindungsenergie.
Im Molekül CO2 teilen sich die vier Bindungselektronen des Kohlenstoffs den Platz auf
den Niveaus des Kohlenstoffatoms mit dem Platz auf den Orbitalen der beiden Sauerstoff-
atome.
Die Orbitale sind in den vorherigen Skizzen durch Linien angedeutet. Besser wäre es,
die Aufenthaltswahrscheinlichkeit durch Wolken anzugeben (Abb. 1.14).
Das Skizzieren der Elektronenwolken wird bei den Elementen mit hohen Ordnungs-
zahlen immer aufwändiger und ist für die Betrachtung chemischer Reaktionen auch nicht
Die äußeren Elektronen bilden sozusagen Bindungsarme (beim Kohlenstoff gibt es also
vier mögliche Bindungsarme).
Elektronenpaare werden auch durch Striche gekennzeichnet, z. B. CO2:
O=C=O
An diesem Beispiel sieht man auch, dass sowohl der Kohlenstoff als auch der Sauerstoff
8 Elektronen auf den äußeren Orbitalen „sehen“, was der nächstmöglichen Edelgasanord-
nung entspricht:
O=C=O O=C=O
8 Elektronen
8 Elektronen
Fehlt ein Elektron auf der äußeren Hülle, so wird dies durch ein hochgesetztes Plus-
zeichen symbolisiert. Zum Beispiel das Wasserstoffion H+, bei dem das 1s-Elektron fehlt.
Besitzt ein Atom mehr Elektronen als im neutralen Zustand, wird das durch hoch-
gestellte Minuszeichen dargestellt. Zum Beispiel das Sauerstoffion mit zwei zusätzlichen
Elektronen: O– –.
Ein weiteres Beispiel H2O:
8 Elektronen
O O wie Neon
H H H H
Der Wasserstoff sieht 2 Elektronen auf seiner 1s-Bahn und hat damit die gleiche
Elektronen-Konfiguration wie das Edelgas Helium und der Sauerstoff sieht 8 Elektronen
auf der zweiten Hauptschale, die damit aufgefüllt ist wie beim Edelgas Neon.
18 1 Energie als primäre Antriebsgröße
Die nukleare Energie ergibt sich aus dem Massenunterschied, der an der Reaktion betei-
ligten Elemente. Man unterscheidet zwischen Kernspaltung und Kernfusion (Kernver-
schmelzung).
Bei der Kernspaltung wird ein schweres Element wie z. B. Uran gespalten in mittel-
schwere Elemente wie Eisen und Cäsium. Bildet man die exakte Massensumme der
entstehenden Elemente bzw. Elementarteilchen, so stellt man fest, dass diese etwas kleiner
ist als die Ausgangsmasse des Urans. Aus dieser Massendifferenz schöpft man die Kern-
energie nach der Formel von Albert Einstein E = mc2.
Zur Kernspaltung benötigt man ein spezielles Uranisotop, welches mit einer relativ
kleinen Halbwertszeit zerfällt und dabei Neutronen freisetzt, welche wiederum andere
Atomkerne spalten können. Damit eine Kettenreaktion mit hoher Energieabgabe statt-
findet, muss eine gewisse Dichte von radioaktiven235U und Plutonium vorhanden sein
(damit die Neutronen auch auf spaltbare Kerne treffen). Ab einer bestimmten kritischen
Dichte kommt es zur Atomexplosion.
Nachteilig bei der Kernspaltung ist die Tatsache, dass mittelschwere radioaktive Kerne
als Rest übrig bleiben, der so genannte Atommüll.
Bei der Kernfusion werden z. B. Deuterium und Tritium (Isotope des Wasserstoffs) zu
Helium verschmolzen. Auch hierbei sind die entstehenden Produkte (Helium und Ele-
mentarteilchen) leichter als die Ausgangsprodukte. Aus der Massendifferenz berechnet
sich wiederum die entstehende Energie.
Die Kernfusion ist der hauptsächliche Prozess zur Energieentstehung in der Sonne. Man
benötigt dazu allerdings Wasserstoffkerne von sehr hoher Geschwindigkeit, damit dieser
Prozess überhaupt in Gang kommt. Im Inneren der Sonne herrschen Temperaturen von
10 Mio. °C bei sehr hohen Drücken.
Die Kernverschmelzung zur kontrollierten Energiegewinnung hat bisher nur in Ver-
suchsreaktoren stattgefunden. Um die Wasserstoffkerne auf entsprechend hohe Geschwin-
digkeiten (Temperaturen von 100 Mio. °C) zu bringen, benutzt man elektromagnetische
Teilchenbeschleuniger.
Mit dem Reaktor ITER ([Link]) ist zur Zeit ein Reaktortyp in Bauphase, der eine
deutliche positive Energiebilanz bringen soll, d. h., man will erstmalig einen Kernfusions-
reaktor auf der Erde betreiben, bei dem man mehr Energie gewinnt als man hineinsteckt.
Der große Vorteil der Kernfusion ist der, dass keine mittelschweren radioaktiven Kerne
entstehen, es gibt bei der Kernfusion nur sekundären Atommüll (Reaktorwände).
Zum Antrieb elektrischer Maschinen nutzt man hauptsächlich die Energie des magneti-
schen Feldes, gegenüber dem elektrischen Feld können höhere Energiedichten erreicht
werden. Dies wird in Kap. 6 ausführlich erläutert.
1.8 Solarenergie 19
1.7 Gravitationsenergie
Die Gravitationsenergie ist eine Feldenergie wie die des elektrischen und magnetischen
Feldes.
Die Anziehungskraft folgt aus unterschiedlichen Energiedichten (dW/dV ) des Gravita-
tionsfeldes. Die unterschiedlichen Energiedichten sind wiederum begründet in unterschied-
lichen Raumvolumina dV.
Ziehen sich zwei Massen an, so verändert sich die Raumzeit bzw. dV.
Wird dV kleiner, so wird dW/dV größer. Sehr deutlich wird dies bei schwarzen Löchern
im Kern von Galaxien, wo die Raumzeit auf ein Extremum gekrümmt wird.
Man kann auch sagen, dass die Anziehungskraft zwischen zwei Massen eine Folge der
Raumkrümmung bzw. der Geometrie unseres Universums ist.
Beim Raumschiff Cassini-Huygens, das zum Saturnmond Titan reiste, nutzte man die
Gravitationsfelder verschiedener Planeten des Sonnensystems, um ihn auf seine erforder-
liche Reisegeschwindigkeit von ca. 70.000 km/h zu beschleunigen.
1.8 Solarenergie
Die Solarenergie ist die Strahlungsenergie, die als Nebenprodukt der Kernreaktionen auf
der Sonne anfällt.
Das Atomkraftwerk Sonne läuft seit ca. 5 Mrd. Jahren und wird ca. noch weitere fünf
Milliarden Jahre in Betrieb sein (Literaturhinweis: J. v. Butlar, Supernova).
Die hauptsächliche Kernreaktion ist die Kernfusion (Kernverschmelzung) von Wasser-
stoff zu Helium. Einige technische Daten:
Innentemperatur: 10.000.000 °C,
Oberflächentemperatur: 5700 °C,
Energieabstrahlung in den Weltraum: 3,3 1027 kWh per anno,
Erdeinstrahlung. 1,5 1018 kWh per anno,
Strahlungsleistung: 1 kW/m2 Mitteleuropa,
davon 14 % UV, 37 % sichtbar, 49 % Infrarot.
Handelsübliche monokristalline PERC- Zellen (mit reflektierender Rückseite) erreichen
heute (2022) einen Wirkungsgrad von ca. 22 %. Entwicklungen mit mehrlagigen Solar-
zellen erreichen Wirkungsgrade über 40 %, wobei jede Schicht Licht einer bestimmten
Wellenlänge ausnutzt. Allerdings steigen mit jeder zusätzlichen Schicht auch die Herstel-
lungskosten.
Fotovoltaik-Anlagen werden zunehmend interessanter als Ladestromlieferanten für
E-Mobile. In größerem Maßstab wird man zukünftig mit Hilfe von Solarstrom Wasserstoff
produzieren, der für eine nachhaltige Ökonomie unverzichtbar sein wird.
20 1 Energie als primäre Antriebsgröße
Aufgabe 1.1
Aufgabe 1.2
Die Reaktionsbilanz der Verbrennung von Kohlenmonoxid zu Kohlendioxid lautet:
kJ
2CO þ O2 → 2CO2 þ 570 :
mol
Aufgabe 1.3
In einem Verbrennungsmotor setzen sie 1 kmol reinen Kohlenstoff zu Kohlendioxid CO2
um. Die Reaktionsenthalpie ΔH (frei werdende Energie) der chemischen Reaktion beträgt:
ΔH = 406 MJ/kmol.
a) Wie weit können Sie mit einem Fahrzeug, welches 2 kN Reibkraft überwinden muss,
fahren?
b) Wie viele kWh könnte man einem Haushalt damit zur Verfügung stellen, wenn man für
die Umwandlung über einen Generator insgesamt einen Wirkungsgrad von 40 %
erreicht?
Aufgabe 1.4
Ein Hybridfahrzeug mit einer Masse von 1,5 t fährt in einem Stadtzyklus zehn Beschleu-
nigungs- bzw. Bremsvorgänge dabei wird jeweils von 0 km/h auf 50 km/h beschleunigt
und abgebremst:
50 km/h
10 s 6 00 s Zeit
22 1 Energie als primäre Antriebsgröße
Aufgabe 1.5
Ein Windrad zur elektrischen Energieerzeugung besitzt einen Gesamtwirkungsgrad von
90 %. Der Durchmesser des Windrades beträgt 30 m.
Vor dem Windrad wird eine mittlere Windgeschwindigkeit von 72 km/h und hinter dem
Windrad von 62 km/h gemessen. Die Luftdichte beträgt 1,2 kg/m3.
Wie viel elektrische Leistung stellt das Windrad zur Verfügung?
Aufgabe 1.6
Ein schweres und ein leichtes Fahrzeug sollen bezüglich ihres Energieverbrauchs beim
Beschleunigen und Bremsen verglichen werden. Das schwere Fahrzeug verfügt über eine
Stahlblech-Karosserie und wiegt 2000 kg. Das leichte Fahrzeug ist baugleich, nur die
Karosserie besteht größtenteils aus Kohlefaserverbundwerkstoff und wiegt 1800 kg.
a) Beide Fahrzeuge beschleunigen auf 130 km/h. Wie groß sind die benötigten Energien
beider Fahrzeuge?
b) Von der Geschwindigkeit 130 km/h ausgehend bremsen beide Fahrzeuge „elektrisch“
in den Stillstand. Wie groß sind die rückgewinnbaren Energien beider Fahrzeuge bei
einem idealen Wirkungsgrad von 100 %.
c) Wie groß sind die rekuperierbaren Energien bei einem Wirkungsgrad von 80 %
d) Wie viel Energie hat das schwere Fahrzeug unter den Bedingungen von c) mehr
verbraucht?
Literatur
Zusammenfassung
Den ersten Akkumulator baute Graf Alessandro Volta um 1770 in Italien. Die Elek-
troden bestanden aus Kupfer und Zink und befanden sich in einer Zelle mit verdünnter
Schwefelsäure, die Zellenspannung betrug 1 V.
2.1 Akkumulatoren
Den ersten Akkumulator baute Graf Alessandro Volta um 1770 in Italien. Die Elektroden
bestanden aus Kupfer und Zink und befanden sich in einer Zelle mit verdünnter Schwe-
felsäure, die Zellenspannung betrug 1 V.
Heute werden Akkumulatoren in Fahrzeugen als elektrochemische Energiespeicher
eingesetzt. Dabei hat sich der Bleiakkumulator als Starterbatterie durchgesetzt. Zukünftig
sind auch andere Systeme zu erwarten. Neben dem Preis pro Wh spielt die Praxistauglich-
keit eine große Rolle. Dazu gehört der Betriebstemperaturbereich von -40 bis +85 °C, die
Vibrationsfestigkeit und eine möglichst hohe Zyklenzahl (Tab. 2.1 und 2.2).
Die genannten Daten für die Energiedichten sind immer abhängig von der Bauart. Es
gibt Akkumulatoren die auf hohe Lebensdauer ausgelegt sind, die sind dann gewichtiger
als solche für niedrige Lebensdauer.
Auch Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle. Zum Beispiel gibt es Li-Ion-Akkus mit
Kobalt Elektroden, die über eine Energiedichte von 140 Wh/kg verfügen. Diese führen
aber zu Problemen beim Überladen und es sind aufwändige Sicherheitsschaltungen
erforderlich.
Die Funktionsweise des Bleiakkumulators sollen die Skizzen in Abb. 2.1 und 2.2
verdeutlichen.
Bei einem 12 V-Akkumulator sind sechs Plattenpaare in Reihe geschaltet.
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 23
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
24 2 Elektrochemische Energiespeicher und -wandler
Tab. 2.2 Zellenspannung und Energiedichten von Akkumulatoren im Vergleich zu Benzin und
Wasserstoff
Energiedichte Leistungsdichte Lade-Entlade- Zellenspannung
Typ Wh/kg W/kg Zyklenzahl in V
Bleidioxid 20–32 20–175 200–2000 2
– H2SO4 – Pb
Nickeloxid 20–45 65–90 2000–5000 1,2
– KOH – Fe
Nickeloxid 25–45 200–600 1000–3000 1,25
– KOH – Cd
Silberoxid 50–150 200–400 100–200 1,5
– KOH – Zn
Li-Titanat oder 90–108 3000 15000 3,6
LiFe – PO4 3,3
Bromkomplex 65–100 85–120 500–1500 1,8
– ZnBr – Zn
Natrium- 120 185 >1000 2,1
Schwefel
Natrium- 89 109 1000–1500
Nickeloxid
Benzin 12.000 Opel Astra
290–370
H2 Druckgas 2500 motorenabhängig unbegrenzt
flüssig 5500
Metallhydrid 900
Alu-Luft- 300–1000 viermal Wasser 1,2
Batterie nachladen
Quelle: VEW (1993, ergänzt 2009, 2014)
2.1 Akkumulatoren 25
Minuspol Pluspol
H2O
Minuspol Pluspol
––
Pb SO4 H2++ SO4––
P
Pb SO4
––
H2++ SO4 O––
O––
2H2O H2O
Beim Entladen wandern Sulfat(SO4- -)-Ionen zum Minuspol und bilden mit dem Blei
Bleisulfat (PbSO4) und zwei freie Elektronen.
SO4- -, wandern auch zum Pluspol und bilden dort ebenfalls Bleisulfat PbSO4.
Zusätzlich geht hier O2 mit insgesamt vier Elektronen geladen in die wässrige Lösung,
zwei Elektronen stammen vom SO4- - und zwei sind vom Minuspol über den Verbraucher
geflossen. In der Lösung verbinden sich der Sauerstoff und die verbleibenden Wasserstoff-
ionen zu Wasser (Abb. 2.2).
Die chemische Reaktionsgleichung lautet:
Entladen
Pb þ 2H2 SO4 þ PbO2 ⇄ 2PbSO4 þ 2H2 O:
Laden
26 2 Elektrochemische Energiespeicher und -wandler
Für die Anwendung zur Rekuperation sind AGM-Batterien wegen ihrer hohen Leis-
tungsfähigkeit geradezu prädestiniert.
Unabhängig vom Batterietyp ist darauf zu achten, dass keine zu hohen Ladespannungen
(oberhalb der Zersetzungsspannung) angelegt werden, weil dann explosives Wasserstoff-
gas entsteht.
2H2 þ O2 → 2H2 O
zu Grunde.
Die Elektronen des Wasserstoffs finden in der Verbindung mit Sauerstoff günstigere
Energieniveaus. Die Differenz der Energieniveaus ergibt die Reaktionsenergie (286 kJ/
mol). Diese wird bei der Knallgasreaktion spontan freigesetzt (Explosion).
In der Brennstoffzelle leitet man die Elektronen über den Umweg eines elektrischen
Verbrauchers (z. B. Glühlampe, Elektromotor). Man spricht auch von der „kalten Ver-
brennung“.
Kern der Brennstoffzelle ist eine Folie, die Protonen (H+) aufsaugt, Elektronen jedoch
an der Oberfläche haften bleiben. Der Wasserstoff teilt sich an der Oberfläche der Folie auf
in Protonen (H+), die in die Folie hinein diffundieren und Elektronen (–), die an der
Folienoberfläche hängenbleiben. Diese Aufspaltung wird durch eine hauchdünne Platin-
bedampfung (ca. 5 μm dick) der Folienoberfläche katalytisch unterstützt (Abb. 2.4).
Folie
Graphit Graphit
H+
O2
H+
Die Folie wird auch mit PEM – Proton Exchange Membran – bezeichnet.
Chemisch basiert die Folie auf Perfluorosulfonsäure/Polytetrafluorethylen (PTFE) Co-
polymersäure. An den kettenförmigen PTFE-Molekülen sind Schwefelsäuregruppen an-
gehängt.
F F SO4 F F SO4 F
⎜ ⎜ ⎜⎜ ⎜ ⎜ ⎜⎜ ⎜
– C – C – C – C – C – C – C – --------
⎜ ⎜ ⎜ ⎜ ⎜
F F F F F
Über die SO4-Gruppe kann das Proton längs der Polymerkette durch die Folie trans-
portiert werden. Die Folie ist ca. 100–250 μm dick und wird beispielsweise von Dupont
unter dem Namen Nafion angeboten.
Auf der einen Seite der Folie – dort wo die Elektronen des Wasserstoffs hängenbleiben –
bildet sich ein negatives Potenzial, auf der anderen Seite der Folie ein positives Potenzial.
Das Potenzial wird über geriffelte Grafitplatten abgegriffen. (Die Grafitplatten sind
geriffelt, damit die Gase an die Folienoberfläche gelangen können.)
Wenn man jetzt einen elektrischen Verbraucher an diese Platten anschließt (Abb. 2.5),
fließen die Elektronen von der linken negativen Grafitplatte über den Verbraucher zur
Minuspol Pluspol
Folie
Graphit Graphit
O2
H+
H2 O2
PEM H+
H 2O
Neben den Wasserstoffbrennstoffzellen gibt es auch noch andere Typen wie die Solid
Oxid Fuel Cell (SOFC), die bei hohen Temperaturen von 1000 °C arbeiten. Als Elektrolyt
werden dort Keramikrohre eingesetzt. Auf der einen Seite kann direkt Erdgas zugeführt
werden (es zerfällt bei den hohen Temperaturen in Wasserstoff und Kohlendioxid).
Dieser Zellentyp ist nicht für den Einsatz in PKW geeignet aber z. B. in kleinen
Blockheizkraftwerken, wo man auch den hohen Abwärmeanteil von ca. 50 % nutzen kann.
2.3 Kondensatoren
Separator
Elektron
Loch
Positives Ion
Negatives Ion
Kathode Anode
2.4 Lithiumionen-Akkumulator
Li+
Elektrolyt
Elektrolyt
Li Separator Graphit
2.5 Aluminium Luft-Batterie 35
• einer Anode – Lithium und ein Metall, welches die äußere Elektrode bildet,
• einem Elektrolyten – Lithiumsalz gelöst in einem organischem Lösungsmittel,
• einem Separator – für Li-Ionen durchlässig,
• einer Kathode – Metallelektrode, die mit Grafit belegt ist.
Wenn der Akku geladen wird, wandern Li-Ionen von der Anode durch den Elektrolyten
und den Separator zur Kathode. Auf molekulare Ebene zeigt Grafit eine Schichtstruktur, in
die sich die relativ kleinen Li-Ionen einlagern können (Abb. 2.11).
Der Elektrolyt besteht aus einem brennbaren organischem Lösungsmittel. Beim ersten
Ladevorgang bildet sich auf der Kathode eine nicht brennbare Schutzschicht (Solid Elek-
trolyt Interface SEI).
Unter normalen Betriebsbedingungen bildet die SEI eine Sicherheitsbarriere. Bei Tem-
peraturen über 120 °C löst sich diese Barriere jedoch auf und es kommt zur Selbstent-
zündung des Systems.
Diesen Effekt kann man verhindern, indem man andere Elektrodenmaterialien wie
Nano-Titan oder Eisenphosphat einsetzt. Diese KFZ-tauglichen Typen sind bis ca. 200 °C
sicher.
Dem Separator kommt ebenfalls eine hohe sicherheitsrelevante Bedeutung zu. Er muss
nach Möglichkeit auch im Crashfall den Plus- und Minuspol im Zellinneren sicher iso-
lieren, soll aber im Normalbetrieb die Li-Ionen passieren lassen. Die Firmen evonik bzw.
Degussa haben eine flexible keramikbeschichtetet Folie entwickelt, die hervorragende
Crashfestigkeit nachgewiesen hat.
Durch den niedrigen Innenwiderstand sind die Li-Ionen-Akkus in hohem Maße schnell-
ladefähig, denn die Schnellladung mit hohen Strömen wird in der Regel begrenzt durch die
Verlustleistung am Innenwiderstand und der damit verbundenen Erwärmung.
Die Li-Ionen-Akkumulatoren der neuen Generation sind die idealen Akkus für Elektro-
und Hybridfahrzeuge. Einschränkend wirkt sich momentan nur der Preis aus. Langfristig
gesehen sind auch die Lithiumvorräte auf der Erde begrenzt.
Zur Zeit sind weltweit eine Milliarde Fahrzeuge vorhanden. Die heute bekannten
Lithiumvorräte reichen allerdings nur für die Ausrüstung einiger Prozent an Fahrzeugen
aus.
Der Li-Ionen-Akkumulator ist der zurzeit beste Typ für den Einsatz in Kraftfahrzeugen,
dennoch lassen die erzielbaren Reichweiten von ca. 160 km mit Li-Metallionen-Akkumu-
latoren und ca. 400 km mit Li-Polymer-Akkumulatoren (diese sind temperaturempfindli-
cher und stellen im Falle eines Fahrzeugcrash eine höhere Brandgefahr dar) zu wünschen
übrig und der Li-Ion-Akkumulator ist heute noch sehr teuer.
36 2 Elektrochemische Energiespeicher und -wandler
3e–
Al
CO2
Al(OH)3
O2
Al
H 2O
–
OH
3OH –
O
Die chem. Reaktionsgleichung, aus der sich der Energiegewinn berechnet lautet:
Das Funktionsprinzip sei an Abb. 2.13 erläutert. Die Kathode – auch Luftelektrode
genannt – lässt Sauerstoffmoleküle aus der Luft in den Elektrolyten gelangen. Der Elek-
trolyt besteht anfänglich aus reinem Wasser. Die Besonderheit der Luftelektrode ist die,
dass Kohlendioxid aus der Luft abgeblockt wird. Sauerstoff kann die Luftelektrode pas-
sieren und dabei Elektronen aufnehmen.
An der Al-Anode wird Aluminium oxidiert. Dabei gibt das Aluminiumatom drei
Elektronen an die Anode ab und verbindet sich mit drei negativ geladenen OH- zu
Aluminiumhydroxid Al(OH)3, welches sich wiederum im Wasser löst.
Die drei Elektronen wandern als elektrischer Strom über einen angeschlossenen Ver-
braucher zur Luftelektrode und gehen dort auf Sauerstoffatome über. Die negativ gelade-
nen Sauerstoffatome lösen sich im Wasser und bilden die Hydroxidionen OH-.
Die von Phinergy entwickelte Luftelektrode ist eine poröse Elektrode mit enorm großer
Oberfläche und Silber als Katalysator. Phinergy verspricht eine sehr hohe Lebensdauer.
Mit zunehmender Entladung reichert sich der Elektrolyt mit Aluminiumhydroxid an und
muss nach einiger Zeit gegen frisches Wasser ausgetauscht werden. Bei den Phinergybat-
terien in E-Fahrzeugen ist dies nach ca. 300 km der Fall.
Nach ca. 1600 km ist das Aluminium so weit aufgebraucht, dass die gesamte Batterie
ausgetauscht werden muss.
Aus dem mit Aluminiumhydroxid angereicherten Wasser kann man das Aluminium
durch Elektrolyse recyclieren, was man in Deutschland vorzugsweise mit Strom aus der
Windenergie durchführen kann. Dabei könnte sinnvollerweise die Überschuss-Windener-
gie genutzt werden.
2.6 Zink-Luft-Akkumulator
Prinzipiell haben wir es in der Zink-Luft Batterie mit einem ähnlichen Ablauf wie in der
Aluminium-Luft-Batterie zu tun: Über eine Sauerstoffdurchlässige Elektrode der sog.
Luftelektrode oder Gasdiffusionselektrode gelangt Sauerstoff in den Elektrolyten. Im
Elektrolyten bildet sich Hydroxyd (OH-) und wandert zur Metallanode, an der das Zink
oxidiert wird.
2.6.1 Entladung
O2 þ 2H2 O þ 4e - → 4OH -
Kathodenreaktion : ð2:6Þ
Reduktion=Elektronenaufnahme
Eine Wiederaufladbarkeit kann erreicht werden, wenn das umgesetzte Metall mechanisch
ersetzt wird, womit eine Variante einer Brennstoffzelle mit festem Brennstoff vorliegt.
Solche Systeme werden seit den 1970er-Jahren auf ihre Eignung in Elektrofahrzeugen
geprüft, haben sich bisher jedoch noch nicht bewähren können.
Eine elektrische Wiederaufladung wäre weniger aufwändig und damit benutzerfreund-
licher. Ein Wiederaufladen der Zink-Elektrode ist in einem wässrigen alkalischen Elek-
trolyten möglich; dabei bilden sich aber Dendriten (bäumchenförmige Kristallstrukturen),
die zu Kurzschlüssen führen. Außerdem muss eine bifunktionale, poröse Gasdiffusions-
elektrode verwendet werden. Bifunktional heißt, dass sie zur Reduktion des Luftsauerstoffs
und zur Oxidation des Entladungsprodukts (OH-) an der Dreiphasengrenze Festelek-
trode – Flüssigelektrolyt – Gasraum fähig sein muss. (34, 35, siehe Anhang)
2.7 Übungsaufgaben 39
2.6.2 Ladung
4OH - → O2 þ H2 O þ 4e -
Anode : ð2:8Þ
Oxidation=Elektronenabgabe
Die Poren der Gasdiffusionselektrode müssen mit einem Elektrolyten benetzt sein, um eine
große Reaktionsfläche für den Sauerstoffumsatz an der Dreiphasengrenze anzubieten. Das
„Herzstück“ der Gasdiffusionselektrode ist eine etwa 1 mm dünne Aktivschicht, die ein
leitendes Trägermaterial aus feinteiligem Kohlenstoff aufweist, auf das elektrolytseitig ein
Katalysator zur Beschleunigung der Sauerstoffreduktion und Hydroxidoxidation auf-
gebracht wird.
In Zink-Luft-Zellen sind etwa 400 bis 600 Lade-/Entladevorgänge erreichbar; die mitt-
lere Entladespannung beträgt etwa 1,16 V.
Bei neuen Batterien ist die Eintrittsöffnung für den Luftsauerstoff meist mit einer
Lasche versiegelt, sodass die Redoxreaktionen erst bei Entfernung dieses Siegels einsetzen.
Daher zeichnen sich Zink-Luft-Batterien durch eine lange Lagerfähigkeit aus, müssen nach
Entfernung des Siegels jedoch in der Regel innerhalb weniger Wochen aufgebraucht
werden. (34, 35)
Phinergy verspricht auf seiner Webseite einen Zink-Luft-Akkumulator mit extrem
haltbaren Elektroden mit einer Lebensdauer von mehreren tausend Stunden. Außerdem
habe man eine geschützte Zink-Elektrode entwickelt, die nicht unter Dendritenbildung
leidet und somit die Zellbeschädigung vermeidet.
2.7 Übungsaufgaben
Aufgabe 2.1
Wie lange müssen Sie einen 12 V-Bleiakkumulator laden, um 1 kWh Energie zu
speichern?
Aufgabe 2.2
Ein Elektrofahrzeug ist mit 20 in Reihe geschalteten 12 V-Akkumulatoren zu je 160 Ah
ausgerüstet.
a) Wie lange dauert ein Ladezyklus wenn ein Ladegerät mit den Daten 240 V/15 A zur
Verfügung steht (100 % Wirkungsgrad)?
b) Wie groß ist seine Reichweite, wenn eine Reibkraft von 1000 N zu überwinden ist?
c) Wie viel Masse bringen die Energieträger, wenn es sich um Li-Ion-Akkumulatoren
handelt? (Energiedichte = 90 Wh/kg)
d) Wie hoch sind die Kosten für einen Ladevorgang, wenn eine Kilowattstunde 0,10 €
kostet?
Aufgabe 2.3
Wie lautet die chemische Reaktionsgleichung, die der Wasserstoffbrennstoffzelle zu
Grunde liegt?
Aufgabe 2.4
a) Wie lautet die chemische Reaktionsgleichung des Lade- und Entladevorgangs in einem
Bleiakkumulator?
b) Skizzieren Sie den Lade- und Entladevorgang auf molekularer Ebene und beschreibe
den Weg der Ionen und Elektronen.
c) Beim Laden eines Bleiakkumulators schließt man normalerweise den Pluspol des
Ladegeräts an den Pluspol der Batterie an und den Minuspol des Ladegeräts an den
Minuspol der Batterie. Was geschieht, wenn man das Ladegerät verpolt an den leeren
Akku anschließt?
d) Was passiert, wenn man durch einen geladenen Akku mit erhöhter Ladespannung
Strom treibt?
e) Was geschieht, wenn man zwei teilgeladene Akkumulatoren verpolt miteinander
verbindet?
f) Bis zu welcher Spannungshöhe kann man die Pole einer Batterie berühren?
g) Wie lautet die Anschlussregel für das Laden eines Akkumulators?
2.7 Übungsaufgaben 41
Aufgabe 2.5
Sie verfügen über eine geladene Batterie und einen geladenen Doppelschicht-Kondensator.
0,01 Ω 0,001 Ω
12 V 90 Ah 12 V 100 F
= 0,1 Ω 0,1 Ω
=
Batterie Ultracap
a) Skizzieren Sie den Stromverlauf, wenn die auf 12 V geladenen Elemente an einer
ohmschen Last entladen werden.
b) Wie groß sind die in den beiden Elementen gespeicherten Energien in kWh?
c) Welche Kurzschlussleistung steht anfänglich an den beiden Energiespeichern an?
d) Welcher Kondensator-Kapazität entspricht die Ladungsangabe von 90 Ah der 12 V-
Batterie?
Aufgabe 2.6
Ein Elektrofahrzeug ist mit 20 in Reihe geschalteten 12 V-Akkumulatoren zu je 160 Ah
ausgerüstet.
a) Wie groß ist seine Reichweite wenn eine Reibkraft von 1000 N zu überwinden ist?
b) Wie viel Masse bringen die Energieträger mit sich, wenn es sich um Bleiakkumulatoren
handelt?
(Energiedichte Ed = 32 Wh/kg)
c) Wie schwer sind die Energieträger, wenn es sich um Ni-MH-Akkumulatoren handelt?
(Ed = 45 Wh/kg)
d) Wie weit kommt das Fahrzeug mit 50 kg flüssigem H2 als Energiequelle?
(Ed = 5500 Wh/kg)
Transformatoren
3
Zusammenfassung
3.1 Magnetfeldgleichungen
Ein Stromfluss ist immer mit einem Magnetfeld verbunden und umgekehrt (Abb. 3.1).
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 43
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
44 3 Transformatoren
R r/m
θ = H2π r = nI ð3:2Þ
nI
H= ð3:3Þ
2π r
r I r
H=S = : ð3:4Þ
2 π R2 2
B = μH = μ0 μr H ð3:5Þ
mit μ = MagnetischePermeabilität,
μ0 = Magnetische Permeabilität im Vakuum,
μ0 = 1,256 10–6 Vs/Am.
Φ= BdA ð3:6Þ
Für konstante Flussdichte B durch eine senkrecht dazu stehende Fläche A (Flächenvektor
parallel zur Richtung von B) gilt (Abb. 3.3):
Φ = BA: ð3:7Þ
Für homogene Flussdichten kann man auch einen magnetischen Widerstand definieren
l
Rm = : ð3:8Þ
μA
1
Anmerkung: Fettgedruckte Formelbuchstaben symbolisieren Vektoren.
46 3 Transformatoren
θ = Φ Rm : ð3:9Þ
3.1.6 Fremdinduktion
Befindet sich eine Leiterschleife in einem sich ändernden Magnetfeld (Abb. 3.4), so wird in
der Leiterschleife eine elektrische Spannung induziert, die induzierte Spannung ist propor-
tional zur zeitlichen Änderung des magnetischen Flusses eines externen (fremden)
Magnetfeldes.
dΦ
uind ðt Þ = ð3:10Þ
dt
Φ= BdA ð3:11Þ
B = μH ð3:12Þ
3.1.7 Selbstinduktion
Ändert sich in einer Leiterschleife der Strom, so induziert diese Änderung ebenfalls eine
Spannung:
diðt Þ
uind ðt Þ = L : ð3:13Þ
dt
Die induzierte Spannung ist proportional zur Induktivität L der Leiterschleife und zur
Geschwindigkeit der Stromänderung.
Den Vorgang der Selbstinduktion kann man sich durch ein Analogon mit einem
Wasserstrom in einer Rohrleitung erklären (siehe Abb. 3.5 und 3.6).
Bremst man den Wasserstrom durch Einfügen eines Schiebers aus, so entsteht auf der
einen Seite des Schiebers ein Überdruck und auf der anderen Seite ein Unterdruck, weil das
Wasser wegen seiner Trägheit weiterfließen möchte.
Beim elektrischen Strom bremst man durch Öffnen eines Schalters Ladungsträger aus.
Dadurch entsteht ein Ladungsträgerstau auf der einen Seite des Schalters, was eine
Überspannung verursacht (induziert) und auf der anderen Seite des Schalters eine Unter-
spannung induziert (Abb. 3.7).
Das Vermögen, den Stromfluss aufrecht zu erhalten, wird durch die Leitungsinduktivität
dargestellt.
Abb. 3.5 Selbstinduzierter Überdruck in einer Wasserleitung, in der der Wasserstrom gesperrt wird
Unterdruck
48 3 Transformatoren
Überspannung
Kontakt Kontakt
geschlossen geöffnet
Unterspannung
i
Überspannung
1
Unterspannung
= U0
uind Leitungsinduktivität
Beispiel
Der Strom beträgt vor Öffnen des Schalters 10 A und der Strom geht linear innerhalb einer
Millisekunde beim Schalten auf Null (Abb. 3.8). Die Leitungsinduktivität beträgt 10 mH.
diðt Þ - 10A
uind ðt Þ = L = 10mH = - 100V:
dt 1ms
uind
i(t) u(t)
I0
U0
1ms
t
exponentieller
Stromanstieg
280 V Spannungspeak
Aus dem Scopebild (Abb. 3.10) ergibt sich ein näherungsweise linearer Stromabfall von
ΔI = –450 A in einer Zeit Δt = 20 μs mit einem resultierenden Spannungspeak von 280 V.
Daraus berechnet sich die Bordnetzinduktivität zu:
Ein Transformator besteht aus zwei Spulen, welche über ein magnetisches Wechselfeld
miteinander gekoppelt sind (Abb. 3.11).
Eine Seite des Transformators wird von einem Wechselstrom gespeist, dieser Strom
verursacht ein magnetisches Wechselfeld, welches wiederum die andere Spule durchdringt
und dort eine Wechselspannung induziert. Wird ein Verbraucher angeschlossen, fließt ein
entsprechender Strom.
Ist die magnetische Kopplung perfekt und treten keinerlei Verluste auf, so spricht man vom
idealen Übertrager.
Beim idealen Übertrager werden Spannungen und Ströme gemäß
u1 w 1
= =€
u, ð3:14Þ
u2 w 2
i1 w 2 1
= = ð3:15Þ
i2 w 1 u€
transformiert.
i1 w1 w2 i2
Abb. 3.11 Zwei über das Magnetfeld gekoppelte Spulen bilden einen Transformator
3.3 Spannungsgleichungen des Transformators 51
i2
u2
Streufluss
der Sekundärspule
Hauptfluss
Bei einem realen Transformator wird ein Teil des Magnetfeldes gestreut. Man unterschei-
det zwischen Streufluss und Hauptfluss.
Der Hauptfluss durchdringt beide Spulen gleichermaßen, der Streufluss durchdringt nur
eine Spule (Abb. 3.12).
Das Verhältnis von Streufluss zu Hauptfluss definiert die Streuziffer σ
Streufluss
σ= : ð3:16Þ
Hauptfluss
Für die beiden Seiten des Transformators gelten im Allgemeinen die Spannungsgleichun-
gen (Abb. 3.13):
Bei Vernachlässigung der ohmschen Widerstände gelten für den Transformator die
Gleichungen:
di1 di
u1 = L 1 þM 2 ð3:17Þ
dt dt
di2 di
u2 = L 2 þM 1 ð3:18Þ
dt dt
Wird der Transformator von der einen Seite gespeist und auf der anderen Seite im Kurz-
schluss oder Leerlauf betrieben, lassen sich Kurzschluss- und Leerlaufinduktivität ermitteln
(siehe Tab. 3.1).
Das Verhältnis der Kurzschlussinduktivität zur Leerlaufinduktivität ist unabhängig
davon welche Seite gespeist wird. Man definiert das Verhältnis als Gesamtstreuziffer σ:
52 3 Transformatoren
i R1 L 12 R2 i2
u1 u2
L1 L2
2
M 2
u2 = 1- LM1 L2 L2 didt2
u1 = 1- L1 didt1
L1 L2
::
Kurzschlussinduktivitat
Kurzschlussinduktivit€at Leerlaufstrom M2
σ= = =1- < 1: ð3:19Þ
Leerlaufinduktivit€at Kurzschlussstrom L1 L2
Somit gilt bei Speisung der einen Seite und Kurzschluss der anderen Seite:
di1
u1 = σ L1 , ð3:21Þ
dt
3.3 Spannungsgleichungen des Transformators 53
di2
u2 = σ L2 : ð3:22Þ
dt
i
I eff = I = p : ð3:25Þ
2
Die Ableitung des komplexen Stroms ergibt die Multiplikation mit jω:
di1 dI
→ 1 = jωI 1 ejðωt - φÞ = jωI 1 : ð3:26Þ
dt dt
U1
I 1K = , ð3:27Þ
σjωL1
in komplexer Schreibweise gilt für die Leerlaufspannung (Speisung von Seite 1):
U 1 = jωL1 I 1L ð3:28Þ
U1
I 1L = : ð3:29Þ
jωL1
I 1L
= σ: ð3:30Þ
I 1K
54 3 Transformatoren
Beim verlustbehafteten Transformator verwendet man auch ein Ersatzschaltbild mit bezo-
genen Größen (siehe Abb. 3.15).
w1
€u = ð3:31Þ
w2
U 02 = €uU 2 ð3:32Þ
1
I 02 = I 2 ð3:33Þ
€u
Abb. 3.15 Ersatzschaltbild des Transformators mit auf die Primärseite bezogenen Größen
3.4 Ersatzschaltbilder für Transformatoren 55
L02σ = €u2 L2 - €
uM ð3:37Þ
Man definiert auch eine primäre Streuziffer σ 1 und eine sekundäre Streuziffer σ 2:
L1σ
σ1 = ð3:38Þ
L1h
L02σ
σ2 = ð3:39Þ
L1h
1
σ=1- ð3:40Þ
ð1 þ σ 1 Þð1 þ σ 2 Þ
Φ
U i1h = w1 ω ph , ð3:41Þ
2
Φ
U i2h = w2 ω ph : ð3:42Þ
2
Φ = Φ:
ðΦh þ Φσ Þ
U i1 = w1 ω p , ð3:43Þ
2
56 3 Transformatoren
Φ
U i2 = w2 ω ph : ð3:44Þ
2
Mit
Φ1σ L
= 1σ = σ 1 ð3:45Þ
Φ1h L1h
wird daraus
U i1 w1 Φh þ Φ1σ w
= = 1 ð1 þ σ 1 Þ: ð3:46Þ
U i2 w2 Φh w2
Eine Zerlegung von ü und σ 1 ist nur messbar, wenn das Windungszahlverhältnis ü
bekannt ist.
Durch die Wahl bezogener Größen (gekennzeichnet durch ′) gelingt es, die Ströme und
Spannungen phasenrichtig als komplexe Zeiger in einem Zeigerdiagramm darzustellen.
Als Beispiel sei ein Transformator mit kapazitiver Last in Abb. 3.16 erläutert.
Ausgangspunkt ist die Spannung U 02 , die wahlweise in Richtung der reellen Achse
gelegt wird.
Der Strom I 02 steht senkrecht zur Spannung U 02 (beim Kondensator eilt der Strom vor).
Im Sekundärkreis folgt aus dem Maschenumlauf:
Uh
Iμ = : ð3:48Þ
jX h
I 1 = I μ þ I 02 : ð3:49Þ
Aus dem Maschenumlauf auf der Primärseite gilt dann für die Spannungen:
U 1 = R1 I 1 þ jX 1σ I 1 þ U h : ð3:50Þ
Damit lassen sich alle Ströme und Spannungen in einem Zeigerdiagramm (Abb. 3.17)
darstellen.
Oft wählt man auch U1 in Richtung der reellen Achse, dann ergibt sich das gleiche
Zeigerdiagramm nur um den Phasenwinkel zwischen U1 und U2′ gedreht.
BR HS
–HC
H
U1
I 10 = = jI 10 j ejφ : ð3:51Þ
R1 þ jωðL1σ þ Lh Þ
P0 = U 1 I 10 cos φ: ð3:52Þ
Die Effektivwerte U1 und I10 lassen sich direkt mit einem Multimeter messen. Den
Phasenwinkel φ zwischen Strom und Spannung kann man mit Hilfe eines Vorwiderstands
und eines Oszilloskops (Abb. 3.20) messen (Achtung! Die Oszilloskopeingänge dürfen
nicht geerdet sein!) Die Spannung am Vorwiderstand ist in Phase mit I1.
Die Spannung am Kanal 2 des Oszilloskops ist –U1. (Die meisten Oszilloskope bieten
die Möglichkeit, die Spannung negiert anzuzeigen, sodass man den Phasenwinkel zwi-
schen U1 und I1 direkt ablesen kann).
Alle Messleitungen können 230 V-Spannung führen!
Falls die Eingangsmasse des Oszilloskops mit seinem metallischen Gehäuse verbunden
ist (welches geerdet sein muss), kommt es sofort zum Kurzschluss. Abhilfe schafft hier ein
Trenntransformator zur Spannungsversorgung des Oszilloskops (Abb. 3.21).
3.5 Verluste eines Transformators 59
Abb. 3.20 Messung von Leerlaufstrom und -Spannung eines Transformators. (Standby -Betrieb)
Δt
φ = 2π mit T = Periodendauer des Signals: ð3:53Þ
T
Nach Gl. 3.29 gilt, dass der Kurzschlussstrom das 1/σ-fache des Leerlaufstroms ist. Das
heißt, je geringer die Streuung eines Transformators desto größer wird der Kurzschluss-
strom (σ < 1).
Bei einem kurzgeschlossenen Transformator kommt es zur Überhitzung der Cu-
Wicklungen und auch zu Überhitzung im Eisenkern.
Bei Schweißtransformatoren wird gezielt für einen hohen Streufaktor gesorgt. Zum
Beispiel durch Luftspalte im Eisenkern, sodass der Schweißstrom – der durch Kurzschlie-
ßen mit den Schweißelektroden gewollt ist – begrenzt wird.
60 3 Transformatoren
3.6 Dreiphasenspannungssysteme
In Europa stellen die Energieversorger für die Industrie und Haushalte ein 50 Hz 230 V/
400 V-Dreiphasenspannungssystem zur Verfügung (in den USA 60 Hz 115 V/200 V).
Betrachten wir zunächst ein System mit nur einer Phase (Abb. 3.22).
Für die Stromversorgung bräuchte man eigentlich nur zwei Leiter:
Phase: Leiter mit wechselndem Potenzial zwischen –√2 230 V und +√2 230 V,
Nullleiter: Leiter zur Stromrückführung (im Idealfall potenzialfrei).
Der dritte Leiter, der über niederohmige Leitungen mit dem Erdreich verbunden ist, ist
ein zusätzlicher Schutzkontakt.
Kommt der spannungführende Leiter (Phase) mit Erde in Kontakt – z. B. dadurch, dass
die Phase mit einem geerdeten metallischen Gehäuse in Berührung kommt –, fließt ein
hoher Kurzschlussstrom, und die Sicherungen trennen die Spannung ab.
Gibt es einen Fehlerstrom, der nicht über den Nullleiter sondern über den Erdanschluss
zurückfließt, so trennt der FI-Schalter ab einer definierten Schwelle (z. B. 30 mA) die
Spannung vom Verbraucher.
Der FI-Schalter ist im Prinzip eine Induktionsspule, die den Hin- und Rückleiter
umschließt. Wenn die Ströme im Hin- und Rückleiter nicht gleich groß sind, wird in dieser
Spule ein Strom induziert, der wiederum einen Trennschalter auslösen kann.
Dies ist besonders dann wichtig, wenn eine Person mit einer Phase in Berührung kommt
und ein Strom über die Person zur Erde fließt. Wegen des relativ hohen Körperwiderstands
würden die Starkstromsicherungen nicht auslösen, der FI-Schalter jedoch schon bei dem
sehr niedrigen Schwellstrom bei einigen 10 mA.
Schmelzsicherung
Magnetsicherung
Hausanschluss
Steckdose
FI
Phase
Metall-
gehäuse
230 V am Erd-
Nullleiter
anschluss
Erde = Schutzkontakt
3.6.2 Dreiphasen-Spannungsversorgung
Bei einem Dreiphasensystem kommen drei Spannung führende Leiter und ein Nullleiter
vom Energieversorger. Der Nullleiter ist außerdem mit dem Erdreich auf einem Potenzial
(siehe Abb. 3.23).
Die einzelnen Phasenleiter haben ein mit 50 Hz-Frequenz sinusförmiges wechselndes
Potenzial von 230 V effektiv bezogen auf den Nullleiter (Abb. 3.24).
Die drei Spannungen bezeichnet man auch mit R, S, T oder u, v, w oder häufig auch U1,
U2, U3. Sie haben alle die gleiche Amplitude sind jedoch jeweils 120° zueinander phasen-
verschoben.
Die drei Spannungen lassen sich auch als komplexe Effektivwertzeiger darstellen
(Abb. 3.25).
Einer der Vorteile eines Dreiphasensystems ist der, dass man auch Spannungen zwi-
schen den Leitern abgreifen kann (Abb. 3.26).
Steckdose
Phase 1
Phase 2
Metallgehäuse
Phase 3 am Erdanschluss
Nullleiter
Erde
U3 U2
3 2
Phase 1 1
Phase 2 2
Phase 3 3
Nullleiter Mp
Erde
Die Spannungen zwischen den Phasen nennt man auch Dreieckspannungen. Ihr Betrag
und ihre Phasenlage folgen aus dem komplexen Zeigerdiagramm (Abb. 3.27)
U Δ1 = U 1 - U 2 , ð3:54Þ
U Δ2 = U 2 - U 3 , ð3:55Þ
U Δ3 = U 3 - U 1 : ð3:56Þ
Die Spannungen U1, U2, U3 nennt man auch Sternspannungen und schreibt abkürzend:
U1, U2, U3 = US = UY ,
U3 U2
U∆2
U Δ1 , U Δ2 , U Δ3 = U Δ :
Mit Hilfe des Cosinussatzes kann man den Zusammenhang zwischen den Stern- und
Dreieckspannungen berechnen:
Der Nullleiter wird auch Mittelpunktleiter oder kurz Mp genannt. Bei vollkommen sym-
metrischer Last ist das Potenzial des Nullleiters identisch mit dem Potenzial im Mittelpunkt
des Sterns im komplexen Zeigerdiagramm.
Bei symmetrischer Last kann der Rückleiter eingespart werden bzw. die ohmschen
Verluste über den Rückleiter entfallen.
Bei Verwendung der hohen Dreieckspannungen treten geringere Leitungsverluste auf
bzw. es können kleinere Cu-Querschnitte verwendet werden.
Eine Erzeugung magnetischer Drehfelder bzw. Wanderfelder wird möglich (daher auch
der Name Drehstrom).
I2
I3
I 1 þ I 2 þ I 3 = 0: ð3:59Þ
Deshalb ist der Strom im Nullleiter bei symmetrischer Belastung gleich Null und der
Rückleiter kann eingespart werden (Abb. 3.31).
P1 ist die Wirkleistung, die man mit einem Leistungsmessgerät in einer Zuleitung messen
kann (Abb. 3.30).
Da die Dreieckspannung um den Faktor √3 größer ist als die Sternspannung, ist auch der
Dreieckstrom um den Faktor √3 größer. Daraus folgt wiederum, dass bei gleich großen
Verbraucherwiderständen die Gesamtwirkleistung in der Dreieckschaltung dreimal so
hoch ist wie in der Sternschaltung.
3.6 Dreiphasenspannungssysteme 65
Leistungsmessgerät
P1
1 IL
US
3
Mp
I∆
2
U∆
3
Will man die Leistung in der Zuleitung messen, braucht man einen Sternpunkt für den
Spannungspfad des Messgeräts. Diesen Sternpunkt kann man künstlich mit drei hoch-
ohmigen Widerständen erzeugen (siehe Abb. 3.32).
Man kann allerdings auch mit Hilfe der Aaronschaltung (Abb. 3.34) mit nur zwei
Leistungsmessgeräten die Gesamtleistung messen:
66 3 Transformatoren
IL P1
1
I∆
2
U∆
3
US hochohmige
Widerstände
z. B. 1 MΩ
künstlicher Sternpunkt
3
I3
2
I2
3
I3
Pgesamt = Re U 13 I 1 þ U 23 I 2 : ð3:64Þ
Voraussetzung ist, dass der Sternpunkt nicht angeschlossen ist, denn dann gilt:
I 3 = - ðI 1 þ I 2 Þ ðStrom€
uber Mp ist Null:Þ
3.6 Dreiphasenspannungssysteme 67
U1 Mp = Mittelpunkt = Nullleiter
U13
Mp
U3 U2
3 U23 2
Beweis der Gültigkeit der Aaronschaltung (siehe Abb. 3.35), dem Zeigerdiagramm
entnimmt man:
U 13 = U 1 - U 3 , ð3:65Þ
U 23 = U 2 - U 3 , ð3:66Þ
I 3 = - ðI 1 þ I 2 Þ, ð3:67Þ
Pgesamt = Re U 31 I 1 þ U 23 I 2 : ð3:71Þ
68 3 Transformatoren
u1
Schenkel
Joch
Oberspannungswicklung
Unterspannungswicklung
3.7.3 Manteltransformator
Bei gleicher Leistungsauslegung kommt der Manteltransformator (Abb. 3.39) mit gerin-
gerer Bauhöhe aus als ein Kerntransformator (Abb. 3.38).
3.7.4 Ringkerntransformator
Der Spartransformator (Abb. 3.41) besitzt nur eine Wicklung, die für die Sekundärspan-
nung lediglich eine Anzapfung (2) besitzt.
70 3 Transformatoren
Bei Vernachlässigung sämtlicher Verluste gilt das Ersatzschaltbild (siehe Abb. 3.42).
Für die Stromtransformation gilt wie bei einem Zweispulentrafo I2/I1 = w1/w2 und aus
der Knotenregel folgt für den Strom I3:
w1 w - w1
I3 = I1 - I2 = I1 - I1 = I1 2 : ð3:72Þ
w2 w2
jI 3 j < jI 1 j, ð3:73Þ
jI 3 j < jI 2 j: ð3:74Þ
Deshalb kann man den Wicklungsteil 2–3 mit kleinerem Kupferquerschnitt ausführen. Der
Spartrafo kommt mit dem geringst möglichen Volumen aus.
3.7 Technische Ausführungen von Transformatoren 71
Alle Transformatoren, die über zwei elektrisch isolierte Spulen verfügen, sind Trenntrans-
formatoren.
In der Messtechnik findet man häufig Trenntransformatoren für 230 V mit dem Win-
dungszahlverhältnissen 1 : 1. Will man z. B. Messungen an einem Fernseher vornehmen,
schließt man einen Trenntrafo zwischen Fernseher und der Netzsteckdose an. Dann ist in
jedem Fall das Chassis des Fernsehers potenzialfrei gegenüber Erde.
Für die Labormesstechnik kommen auch einstellbare Trenntransformatoren zum Ein-
satz (siehe Abb. 3.43).
Die Sekundärwicklung wird über einen Schleifkontakt abgegriffen.
Transformatoren mit Mittelanzapfung werden verwendet, wenn man positive und negative
Sekundärspannungen erzeugen möchte, z. B. ±12 V (Abb. 3.44).
230 V~ 0–250 V~
12 V~ + 2·12 V
230 V~
Masse
12 V~
+ 2·12 V – 2·12 V
Abb. 3.44 Transformator mit Mittelanzapfung für ein symmetrisches Netzteil mit ±12 V-Spannung.
Im Leerlauf laden sich die Kondensatoren auf den Spitzenwert
72 3 Transformatoren
3.7.8 Drehstromtransformatoren
dΦ
= 0 = U ind :
dt
Ausgangspunkt ist eine supraleitende Spule in der kein Strom fließt und deshalb innerhalb
der Spule das Feld gleich Null ist:
Supraleiterspule
Φ=0
i=0
Wird dann ein äußeres magnetisches Feld dazu geschaltet, so wird in der Spule (mit
Lichtgeschwindigkeit) ein Strom induziert, welcher ein genau entgegensetzt starkes Feld
innerhalb der supraleitenden Spule erzeugt, sodass die Summe der Felder innerhalb der
supraleitenden Spule wieder Null ergibt (Abb. 3.48).
Für die supraleitende Spule gilt (siehe auch Transformatorgl. 3.17 und 3.18):
dΦ di di
U2 0 = = L2 2 þ M 1 : ð3:75Þ
dt dt dt
U2 muss Null sein, weil der elektrische Widerstand des Supraleiters Null ist!
Damit wird auch die Flussänderung
dΦ
dt
auf Null gehalten und der Fluss, der den Supraleiter durchdringt, bleibt Null. Damit ist der
Raum innerhalb der Supraleiter -Spule ideal abgeschirmt.
Für die Ströme gilt:
i2
74 3 Transformatoren
di2 M di1
=- : ð3:76Þ
dt L2 dt
Wird eine Spule in Reihe zu einem Verbraucher geschaltet, so spricht man von einer
Drossel, weil Stromänderungen am Verbraucher gedrosselt werden (Abb. 3.49).
Im in Abb. 3.50 dargestellten Beispiel ist u1 eine eingeschaltete Gleichspannung.
Aus dem Maschenumlauf in Abb. 3.49 folgt:
di
u2 ð t Þ = u 1 ð t Þ - uL = u1 ð t Þ - L , ð3:77Þ
dt
di
R i ð t Þ = εð t Þ U 0 - L ð3:78Þ
dt
mit
1 f€ur t ≥ 0
εð t Þ = ð3:79Þ
0 f€ur t = 0:
Die Lösung der Differentialgl. 3.78 ergibt einen exponentiell ansteigenden Stromverlauf
(Abb. 3.51):
u1 uL u2
U0
t
3.9 Drosselwirkung von Spulen 75
uL
U0 u1 u2
U0 L
1- e - τ
t
iðt Þ = mit τ= : ð3:80Þ
R R
Ohne die Drossel in Abb. 3.49 würde der Strom ebenso sprunghaft ansteigen wie die
Spannung.
Je größer das Verhältnis L/R desto langsamer der Stromanstieg.
Ersetzt man die Drossel der Induktivität L durch eine Anordnung von zwei gekoppelten
Spulen der Induktivität L/2, so kann man mit Hilfe der Transformatorgl. 3.17 und 3.18
zeigen, dass sich eine doppelt so große Drosselinduktivität ergibt (Abb. 3.52).
Für eine Seite der gekoppelten Spulen gilt:
uL L di1 di
= þM 2: ð3:81Þ
2 2 dt dt
i1 = i2 ,
p L
M = L1 L2 = , ð3:82Þ
2
di
uL = 2L ð3:83Þ
dt
U0
1- e - 2τ ,
t
i ðt Þ = ð3:84Þ
R
Aufgabe 3.1
Von einer 12 V-Batterie wird bei eingeschalteten Verbrauchern das Batteriekabel vom
Pluspol abgezogen:
a) Wie groß war der Strom, als der Schalter geschlossen war?
b) Wie groß wird die induzierte Spannung, wenn der Strom beim Schalten innerhalb von
1 ms von seinem stationären Wert auf Null geht?
c) Welche Maßnahmen kann man ergreifen, um die induzierte Spannung Uind klein zu
halten?
Aufgabe 3.2
Eine ringförmig gewickelte Spule hat den mittleren Ringdurchmesser D = 0,3 m und die
Windungszahl N = 1000.
a) Welcher Strom I muss fließen, damit die mittlere Flussdichte B = 1,2 mT beträgt?
b) Wie groß wird die Flussdichte B in der Spule, wenn der Ring mit Eisenblech gefüllt
wird? (μr (Fe) = 10.000)
3.10 Übungsaufgaben zu Kap. 3 77
Aufgabe 3.3
Von einem Mantelkern mit Luftspalten sind die geometrischen Abmessungen gegeben:
t0
L = 1 mH
Uind
R = 0,12 Ω
12 V =
110
N = 5000
20
4 5 4
Bi=0,3T
30 15
b) Wie groß muss der elektrische Strom I sein, damit die magnetische Induktion Bi = 0,3 T
beträgt?
78 3 Transformatoren
Aufgabe 3.4
Von einem Transformator sind die Windungszahlen bekannt:
Φ/2 Φ Φ/2
Θ =
a) Wie groß sind das Spannungsverhältnis U1/U2 und das Stromverhältnis I1/I2?
b) Wie groß ist der Eingangswiderstand R1?
Aufgabe 3.5
Von einem Transformator ist das elektrische Ersatzschaltbild gegeben:
1 2
ü=2
U1 U2 75 Ω
1' 2'
Gegebene Transformatorgrößen:
U 2 , I 2 , I 02 , U H , I μ , I 1 , U 1
3.10 Übungsaufgaben zu Kap. 3 79
Aufgabe 3.6
Von einem Mittelfrequenztransformator, der für Bahnantriebe bei f = 20 kHz eingesetzt
wird, sind folgende Daten bekannt (Streuinduktivitäten sind vernachlässigt):
a) Berechnen Sie alle Ströme und Spannungen nach Betrag und Phase.
b) Der gleiche Transformator wird jetzt im Leerlauf mit U1 = 240 V, 50 Hz betrieben. Wie
groß sind dann I1 und U2?
c) Wie groß wird der Leerlaufstrom I1, wenn der Transformator an 15 kV, 16 2/3 Hz
angeschlossen wird?
Aufgabe 3.7
Sie sollen einen Transformator für ein Batterieladegerät für 2 A Ladestrom und 15 V
Sekundärspannung berechnen:
80 3 Transformatoren
Aufgabe 3.8
Gegeben ist die skizzierte Anordnung eines geraden elektrischen Leiters, durch den ein
Strom von 1 A fließt, und eines Halbringes aus Eisen mit μr = 10.000, welcher auf einem
Radius von 1 cm um den Leiter platziert ist.
Wie groß ist die magnetische Flussdichte B auf dem eingezeichneten Radius R = 1 cm?
Analoge Elektrische Maschinen
4
Zusammenfassung
4.1 Zählpfeilsysteme
Elektrische Maschinen können immer als Generator oder als Motor betrieben werden. Im
Generatorbetrieb ist der aus der Maschine heraus fließende Strom positiv, im Motorbetrieb
ist der in die Maschine hinein fließende Strom positiv (Abb. 4.1).
Wird bei der gegebenen Zählpfeilrichtung der Motor als Generator oder der Generator
als Motor betrieben, so wird der Strom negativ.
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 81
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
82 4 Analoge Elektrische Maschinen
I I
M U U
G
dW 1
= εE 2 ð4:1Þ
dV 2
ε = ε0 εr ð4:2Þ
mit ε = Dielektrizitätszahl,
εr = relative Dielektrizitätszahl,
ε0 = 8,86 10-14 F/cm.
In Luft (ε = ε0) erreicht man Feldstärken bei normaler Luftfeuchtigkeit bis zur Durch-
schlagsfeldstärke von 10 kV/cm (trockene Luft > 20 kV) und damit eine maximale
Energiedichte von:
dW 1 F V2 Nm
= 8,86 10 - 14 108 2 = 4,5 10 - 6 3 : ð4:3Þ
dV 2 cm cm cm
In Luft sind Flussdichten von 1 T (1 Tesla = 1 Vs/m2) leicht erreichbar. Somit gilt für die
Energiedichte magnetischer Felder in Luft:
dW 1 1 1 B2
= μH 2 = B H = , ð4:4Þ
dV 2 2 2 μ
μ = μ0 μr , ð4:5Þ
4.3 Kraft und Drehmomenterzeugung in einer elektrischen Maschine 83
dW Nm
= 0,4 3 ð4:6Þ
dV cm
Vs
μ0 = 1,256 10 - 8 ð4:7Þ
A cm
Im Allgemeinen befinden sich Spulen im Ständer und im Läufer einer elektrischen Ma-
schine, beide erzeugen Magnetfelder, die sich im Luftspalt der Maschine überlagern
(Abb. 4.2):
Die Antriebskraft lässt sich aus der Änderung der magnetischen Energie ΔW bei einer
Wegänderung Δx berechnen:
Bf
Δx
l
δ
dV
BR
ΔW
F= : ð4:8Þ
Δx
Für die magnetische Flussdichte im Luftspalt unterscheidet man zwischen links Blinks und
rechts Brechts
Blinks = Bf - BR
I ð4:9Þ
Blinks = Bf - μ0
2δ
Brechts = Bf þ BR
I ð4:10Þ
Brechts = Bf þ μ0
2δ
ΔW links B2links
= , ð4:11Þ
ΔV 2μ0
ΔW rechts B2rechts
= : ð4:12Þ
ΔV 2μ0
Dreht sich also die Maschine um den kleinen Weg Δx, so ergibt sich die Änderung der
magnetischen Energie aus der Differenz zwischen links und rechts:
B2rechts B2links
ΔW = ΔV - , ð4:14Þ
2μ0 2μ0
ΔV 4Bf μ0 I
ΔW = , ð4:15Þ
2μ0 2δ
mit ΔV = Δx l δ ð4:16Þ
ΔW = Δx Bf I l ð4:17Þ
ΔW
F= = I Bf l ð4:18Þ
Δx
M = I Bf l r: ð4:19Þ
Der Linearmotor ist ein Drehstrommotor, bei dem die Drehstromwicklungen im Fahrweg
verlegt sind. Durch die räumlich hintereinander liegenden Spulen wird der zeitlich ver-
setzte Strom der drei Phasen geschickt. Dadurch wandert die maximale magnetische
Flussdichte, die von den feststehenden Spulen erzeugt wird in fortschreitender x-Richtung.
Es entsteht eine Wanderwelle, weshalb man den Motor auch Wanderfeldmotor nennt.
Beim synchronen Linearmotor enthält der bewegliche Teil des Motors entweder Per-
manent- oder Elektromagnete, die ein magnetisches Gleichfeld erzeugen. Dieses Gleich-
feld stößt sich am Wanderfeld ab (je nach Polung auch Anziehung) (Abb. 4.3).
Beim asynchronen Linearmotor enthält der bewegliche Teil lediglich einen metallischen
Leiter in Form einer Metallplatte (Reaktionsschiene, Abb. 4.4). In dieser Metallplatte
induziert das Wanderfeld Wirbelströme. Die Wirbelströme wiederum erzeugen Magnet-
felder, die in der einen x-Richtung eine Feldverstärkung in der anderen x-Richtung eine
feststehende
Spule
s I Wanderfeld
feststehende
Spulen
λ
86 4 Analoge Elektrische Maschinen
ΔW
F= ð4:20Þ
Δx
Es entsteht näherungsweise eine sinusförmige Welle, wenn man die Wicklungen einer
Phase räumlich auf mehrere Nuten verteilt.
Die maximale Geschwindigkeit der Metallplatte berechnet sich aus der Wellenlänge λ
und der Frequenz f des Drehstroms. Wobei die Wellenlänge λ abhängt von der Länge der
Drehstromwicklung bzw. der Polteilung.
Für die Ausbreitungsgeschwindigkeit c gilt:
c=λ f: ð4:21Þ
Liegen die Spulen beispielsweise 1/3 m auseinander, so beträgt die maximale Geschwin-
digkeit c bei 50 Hz Drehstrom:
50 m km
c = 2m = 100 = 360 :
s s h
Die wohl bekannteste Anwendung ist die Magnetschwebebahn. In Deutschland unter dem
Namen Transrapid oder Metrorapid bekannt, in Japan Maglev genannt.
Im Fahrweg liegt eine mäanderförmige Drehstromwicklung, weil sich diese problemlos
verlegen lässt (Abb. 4.5 und 4.6).
Zum Zeitpunkt t0 ist der Strom i1 im Strang 1 maximal in den beiden anderen Strängen
gerade -0,5 Imax (Abb. 4.7). Entsprechend sind die Beträge der Flussdichten. Bei der
vektoriellen Überlagerung der Flussdichten wechselt für jeden Strang im Abstand von λ/2
die Richtung von B um 180° (Abb. 4.5), was für den Betrag eine Multiplikation mit -1
B(x)
t = t0
t0
Abb. 4.7 Zum Zeitpunkt t0 ist i1(t) = Imax und i2(t) = i3(t) = -0,5 Imax
bedeutet. Die Überlagerung aller drei B-Felder ergibt einen trapezförmigen der Sinusform
angenäherten Flussdichteverlauf.
In der Aluminium-Gießtechnik werden so genannte Induktionspumpen eingesetzt, um
das flüssige Metall in die Formen zu pressen. Durch die Gießform wird wie beim Linear-
motor eine magnetische Wanderwelle geführt. Da die Gießform feststeht, wird nur das
flüssige Metall innerhalb der Gießform bewegt.
Linearmotoren ermöglichen ein Höchstmaß an Präzision, deshalb werden sie auch in
Werkzeug- und Produktionsmaschinen eingesetzt (Abb. 4.8). Weitere Vorteile sind hohe
Fahrgeschwindigkeiten (bis 800 m/min) sowie die Einsparung mechanischer Übertra-
gungsglieder.
88 4 Analoge Elektrische Maschinen
Der Stator einer Drehfeldmaschine ist der stehende Teil auch Ständer genannt, der rotie-
rende Teil wird mit Rotor oder Läufer bezeichnet.
N = Gesamtnutenzahl
m = Strangzahl = Anzahl der Phasen (meist m = 3)
p = Polpaarzahl, gibt an wie oft sich die Drehstromwicklung am Umfang wiederholt
q = Lochzahl, gibt an, auf wie viel Nuten pro Pol die Wicklung eines Stranges
aufgeteilt ist. q ist also die Nutenzahl pro Pol und Strang
N
q= : ð4:22Þ
2pm
Einige Beispiele
In der Drehfeldmaschine befinden sich mindestens drei Spulen symmetrisch am Umfang
verteilt (Abb. 4.10). Durch diese Spulen schickt man die phasenverschobenen Ströme eines
Drehstromsystems. Dadurch entsteht eine mit der Frequenz des Drehstroms rotierende
magnetische Flussdichte B.
4.5 Die Drehfeldmaschine 89
N = 24 N = 24
m= 3 m= 3
p= 1 p= 2
q= 4 q= 2
y y u u y2 y2 u1 u1
y u w2 z1
y u w2 z1
w z x2 v1
w d z x2 d v1
w z v2 x1
w z v2 x1
x v z2 w1
x v z2 w1
x x v v u2 u y y1
2 1
Abb. 4.9 Zwei Beispiele mit verschiedenen Nuten, Polpaar- und Lochzahlen
W V
Die Abb. 4.11 zeigt die resultierende magnetische Flussdichte B aus der räumlichen
Überlagerung von drei feststehenden Spulen mit den Wicklungsachsen U, V, W im Ständer
zu zwei verschiedenen Phasenwinkeln ωt = 0 und ωt = 60° bzw. zu zwei verschiedenen
Zeitpunkten.
Bei 50 Hz-Drehstrom ist die Zeitdifferenz 20 ms/6 = 3,33 ms. Da sowohl Ständer wie
auch Läufer aus Eisen bestehen, konzentrieren sich die Flussdichte-Feldlinien im hoch-
permeablen Material.
Wird im Läufer der Maschine ein magnetisches Gleichfeld erzeugt (Synchronmaschi-
ne), versucht der Läufer dem Feld zu folgen, und zwar rotiert der Läufer im stationären
Zustand mit der Frequenz des Drehfeldes bei 50 Hz Drehstrom, also mit 3000 min-1.
Wiederholt sich die Drehstromwicklung zweimal am Umfang ( p = 2) – wie in Abb. 4.12
dargestellt – benötigt die Maschine zwei Perioden für eine volle Umdrehung. Demnach
beträgt die Drehzahl dann bei 50 Hz Drehstrom 1500 min-1.
Da sich die Drehstromwicklung zweimal am Umfang wiederholt, hat die Maschine zwei
Polpaare, die Polpaarzahl p beträgt 2. Im Läufer der Synchronmaschine befinden sich vier
90 4 Analoge Elektrische Maschinen
Z
ωs
iU = ÎU
ÎU ωst Z
60°
iU
ωs
iV
ÎW iW iV ÎV – iW = ÎW ÎV
W.A.U. W.A.U.
W V W V
a W.A.1 b
2 3
Nut
1 4
W.A.6 W.A.2
N Usp4 Usp1
12 5
S 3 S
Usp3 Usp5
11 6 Usp6 Usp2
N
W.A.5 W.A.3
10 7
9 8
W.A.4
Nut-Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 1 2
Usp1 Usp4 IU IV IW
U2 V2 W2 U1 V1 W1
UU
2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36
U2 U1
W < τp
Pole. Die Wicklungsachsen (W. A.) zweier benachbarter Ständerspulen sind räumlich um
360°/3p versetzt, die darin fließenden Ströme zeitlich um 1/3 der Periodendauer.
Um den Aufbau der Wicklungen verständlicher zu machen, stellt man die Spulen auch
in der Abwicklung und im Zonenplan dar (siehe Abb. 4.13).
Damit auch räumlich eine sinusförmige Flussdichteverteilung entsteht, verteilt man die
Wicklungen einer Phase auf mehrere Nuten und auch Schichten (siehe Abb. 4.14).
Ständer und Läufer sind aus geschichteten gegeneinander isolierten Blechen aufgebaut, um
die Wirbelstromverluste gering zu halten.
Der Ständer der Asynchronmaschine trägt pro Polpaar eine komplette Drehstromwick-
lung. Daraus folgt ein Drehfeld mit nahezu sinusförmiger Flussdichteverteilung. Während
einer Periode verschiebt sich die Flussverteilung um den Winkel 360°/p, sodass zu einem
vollen Umlauf der Flussverteilung p Perioden des Wechselstroms notwendig sind.
Die Drehgeschwindigkeit des Drehfeldes beträgt also:
92 4 Analoge Elektrische Maschinen
f1
n1 = ð4:23Þ
p
Einige Definitionen
n = mechanische Läuferdrehzahl = Maschinendrehzahl
n2 = Relativdrehzahl, das Ständerdrehfeld rotiert relativ zum Läufer mit n2
f 2 = pn2 ð4:24Þ
f 1 = f 2 þ pn ð4:25Þ
Vom Ständer aus gesehen rotiert das Läuferdrehfeld mit der Ständerfrequenz f1.
Unter dem Schlupfs versteht man das Verhältnis der Relativdrehzahl n2 zur synchronen
Drehzahl n1, also
n2 n1 - n n f
s= = =1- = 2: ð4:26Þ
n1 n1 n1 f 1
Vom Ständer aus betrachtet (oder vom resultierenden B aus gesehen) gilt für die erzeugten
Hauptspannungen:
U 2h U 2h
= ð4:30Þ
U 1h U 1h
U 2h / w2 ω2 B U 1h / w1 ω1 B, ð4:31Þ
U 2h w2 ω2 w2
= = s: ð4:32Þ
U 1h w1 ω1 w1
Durch die Einführung bezogener Größen kommt man ähnlich wie beim Transformator zu
einem vereinfachten Ersatzschaltbild (in Abb. 4.17 dargestellt für eine Phase).
€u w1
U 1h = U = U 02h mit €
u= ð4:33Þ
s 2h w2
€u2
X 02σ = X ð4:34Þ
s 2σ
m2 w2
I 02 = I ð4:36Þ
m1 w1 2
I2
I 02 = ð4:37Þ
€u
Das Ersatzschaltbild in Abb. 4.17 ist identisch mit dem in Abb. 4.18.
Dieses Ersatzschaltbild (Abb. 4.18) soll deutlich machen, dass sich die Asynchron-
maschine formal wie ein Transformator verhält, der mit dem Widerstand
4.6 Die Asynchronmaschine 95
R02 ð1 - sÞ
Abb. 4.18 Im Widerstand R′2 entsteht Verlustleistung und im Widerstand s mechanische
Wirkleistung
R02 ð1 - sÞ
s
belastet ist.
I 1 = U1Y 1
Man zeichnet immer nur das einphasige Ersatzschaltbild, weil elektrische Maschinen
immer symmetrisch gebaut werden. Vom Betrag her sind die Ströme in allen Phasen gleich
groß (Abb. 4.19).
Zunächst betrachten wir die Ortskurve der Rotorgrößen in der Impedanzebene:
R02
Z= þ jX 02σ : ð4:38Þ
s
Xh
Im{Y }
1
1/jX h
Re{Y }
s
jX 1σ
R1
Re{Z}
1 1
Y= R02
þ ð4:39Þ
þ jX 02σ jX h
s
Nun vollzieht man die Reihenschaltung von R1 und X1σ, was man durch Addition am
einfachsten in der Impedanzebene (Abb. 4.22) vornehmen kann (also transformiert man
Abb. 4.21 zunächst von der Y- in die Z-Ebene).
98 4 Analoge Elektrische Maschinen
Re{I1}
1
Z1 = þ R1 þ jX 1σ ð4:40Þ
R0
1
þ jX1h
0
s þjX 2σ
2
I 1 = U1Y 1
U1
I1 = ð4:41Þ
1
1
þjX1
þ R1 þ jX 1σ
R0 h
2 0
s þjX 2σ
U1
I1 = 1
: ð4:42Þ
R0
1
þjX1
h
2 0
s þjX 2σ
4.6 Die Asynchronmaschine 99
Im{I1}
Re{I1}
Im{I1}
1 1
I1 = U1 R02
þ : ð4:43Þ
þ jX 02σ jX h
s
U1
I1 = = I0, ð4:44Þ
jX h
1 1
I1 = U1 þ = IA: ð4:45Þ
R02 þ jX 02σ jX h
Die Maschine verhält sich wie ein kurzgeschlossener Transformator. Einen Asynchron-
motor sollte man nur kurzzeitig im Anlauf bzw. im Stillstand betreiben, wegen des
hohen Anlaufstroms werden die Wicklungen heiß.
• Ideeller Kurzschluss der Maschine s = 1 (n = -1)
Dieser Punkt wird praktisch nie erreicht, er ist aber ein markanter Punkt der
Ortskurve.
1 1
I1 = U1 0 þ jX ð4:46Þ
jX 2σ h
X 02σ þ X h
I 1 = - jU 1 = I1 ð4:47Þ
X 02σ X h
Die Parametrierung der Ortskurve mit dem Schlupf gelingt zeichnerisch über die
Schlupfgerade. Die Schlupfgerade ist eine Parallele zur Strecke I0 I1.
Die Schlupfgerade wird linear geteilt (Abb. 4.26).
Den Nullpunkt findet man als Schnittpunkt mit einer Senkrechten im Punkt I0.
Den Punkt s = 1 findet man als Schnittpunkt mit dem Strahl von I0 durch IA.
Re{I1} 0 1 s
IA
I0 I∞
Im{I1}
Das Drehmoment der AM berechnet sich aus der Leistung, die im Luftspalt aus den
Energiedifferenzen des Läufer- und Ständerfeldes entsteht (siehe 4.3). Diese Leistung
nennt man die Luftspalt- oder Drehfeldleistung PD, sie ist eine reine Wirkleistung.
Den gesamten Wirkleistungsfluss der AM entnimmt man der Abb. 4.28.
Re{I1} 0 1 s
Iopt
I0 I∞
Im{I1}
PV1 PV2
R2' (1– s)
s
P1 U1 Xh R Fe PD Pab
PFe Preib
Pab Pab
η= = : ð4:48Þ
P1 Pab þ PV1 þ PV2 þ PFe þ Preib
R02 0 2
PD = 3 I : ð4:49Þ
s 2
Ein Teil davon sind die ohmschen Verluste in der Läuferwicklung PV2:
PV2 = 3 R02 I 02 = s PD :
2
ð4:50Þ
Der andere Teil von PD liefert die mechanische Leistung Pmech (Rotationsleistung):
1-s
Pmech = 3 R02 I 02 = ð1- sÞ PD :
2
ð4:51Þ
s
Vernachlässigt man die ohmschen Verluste in der Ständerwicklung PV1, die Eisenverluste
PFe sowie die Reibungsverluste Preib, so lässt sich der Wirkungsgrad angeben zu:
Pmech
η≈ = 1 - s: ð4:52Þ
PD
Pmech
PD = = P1 : ð4:53Þ
1-s
PD P1
M= = , ð4:54Þ
2π n1 2π n1
Pmech
M= ð4:55Þ
ð1 - sÞ 2π n1
und mit
n
n1 = ð4:56Þ
1-s
ð1 - sÞPmech P
M= = mech ð4:57Þ
2π n ð1 - sÞ 2π n
(n = mechanische Drehzahl).
Die Eingangswirkleistung einer dreiphasigen AM beträgt
vernachlässigt man die Verluste im Ständer sowie die Eisenverluste, so ist P1 identisch mit
PD. Dann lässt sich das Drehmoment angeben zu:
3U 1 Re I 1
M= = konst: Re I 1 : ð4:59Þ
2π n1
Bei konstanter Klemmenspannung U1 und Netzfrequenz f1(n1) ist die Wirkleistung und
damit auch das Drehmoment direkt proportional zum Realteil des Ständerstroms
(Abb. 4.29).
Hat man bei einer AM z. B. das Anlaufdrehmoment gemessen, so kann man dieses
proportional zum Realteil des Anlaufstroms in die Ortskurve eintragen und mit einem
Drehmomentmaßstab versehen:
Das maximale Drehmoment findet man am höchsten Punkt der Ortskurve (Abb. 4.30).
Das maximale Drehmoment wird auch mit Kippmoment MKipp bezeichnet. Belastet man
die AM vom Nennbetrieb (Nähe opt. Betrieb) ausgehend über das Kippmoment hinaus, so
kippt die Maschine, d. h., sie kommt zum Stillstand. Den dazu gehörigen Schlupf bezeich-
net man als KippschlupfsKipp.
Im Kipppunkt gilt für den Rotorstrom (Abb. 4.31):
Re{I1} 0 1 s
Iopt IA
MA
φ
I0 I∞
Im{I1}
Re{I1} 0 sKipp 1 s
M Kipp
Iopt
I0 I∞
Im{I1}
Abb. 4.30 Das maximale Drehmoment MKipp und der dazugehörige Schlupf sKipp
U1 U1 R02
IR = R02
= - jX 02σ ð4:60Þ
þ jX 02σ R02 2 2 skipp
skipp skipp þ X 02σ
daraus folgt
R02
= X 02σ ð4:61Þ
skipp
4.6 Die Asynchronmaschine 105
Re{I1} 0 sKipp s
I1
IR Re {IR}
I0 I∞
Im{I1}
R02
skipp = ð4:62Þ
X 02σ
Das Drehmoment kann man dann auch mit dem Realteil des Rotorstroms allgemein
angeben zu:
U1 R02
M = konst: RefI R g = konst: : ð4:64Þ
R02 2 2 s
s þ X 02σ
Das Drehmoment kann man auch beziehen auf das maximale Drehmoment Mkipp:
s skipp þ skipp
2 2
M
= ð4:65Þ
M kipp skipp s2kipp þ s2
M 2
= skipp : ð4:66Þ
M kipp s
skipp þ s
Der Zusammenhang zwischen Drehmoment und Schlupf bzw. Drehmoment über Drehzahl
lässt sich somit auch grafisch darstellen (Abb. 4.32).
Für den allgemeinen Fall, d. h. unter Berücksichtigung aller Verluste, lassen sich die
Leistungsverhältnisse auch im Heylandkreis darstellen (Abb. 4.33).
M/M kipp
1
Motorbetrieb
s
1 skipp –1
2
–n1 0 nkipp 2n1 n
Stillstand Generator-
Anlauf betrieb
Re{I1}
Leistungslinie
0
Pmech s=1
I1 M ~ PD
Momentenlinie
PV2
s= ∞
PV1 + PFE
I
Im{I1}
Die Eisenverluste PFe können nahezu vollständig dem Ständer zugeordnet werden, da
im Nennbereich die Läuferfrequenz ( fR = sNf1) sehr niedrig ist.
Die Ständerverlustleistung PV1, verursacht durch R1, kann in Summe mit den Eisen-
verlusten PFe zwischen der imaginären Achse und der Momentenlinie (Verbindungslinie
zwischen I0 und I1) abgegriffen werden.
Die Verlustleistung im Rotor PV2 kann zwischen der Momentenlinie und der Leistungs-
linie (Verbindungslinie zwischen I0 und IA (s = 1)) abgegriffen werden. Man erkennt, dass
im synchronen Leerlauf (s = 0) PV2 Null wird.
Die Strecke zwischen Leistungslinie und Heylandkreis stellt die abgegebene mecha-
nische Leistung Pmech dar (inklusive Reibungsverluste). Diese ist sowohl für s = 1 (Anlauf)
wie für s = 0 (synchroner Lauf) Null.
Für die synchrone Drehzahl n1 von Synchron- und Asynchronmaschine besteht die Mög-
lichkeit, die Drehzahl über die Polpaarzahl oder die Eingangsfrequenz f1 der speisenden
Spannung zu beeinflussen (Gl. 4.23).
Die Polpaarzahl ist durch die Bauart der Maschine vorgegeben. In speziellen Fällen
verwendet man Schalter zur Polpaarzahlumschaltung (Dahlanderschaltung) (Abb. 4.34).
Will man die Drehzahl variabel ändern können, bleibt zur Beeinflussung der Drehzahl
nur die Änderung der Frequenz f1.
In KFZ-Bordnetzen hat man als Energiequelle eine Gleichspannungsquelle, aus der man
(dreiphasige) Wechselspannung erzeugen muss. Dabei ist es gerade für die Asynchron-
maschine vorteilhaft mit veränderlichen Frequenzen zu arbeiten, weil man dann auch mit
maximalem Moment anfahren kann. Der prinzipielle Drehmoment-Drehzahlverlauf ist
durch Gl. 4.66 bzw. Abb. 4.32 gegeben.
Wenn wir uns auf den Motorbetrieb zwischen n = 0 und n = n1 (synchrone Drehzahl)
beschränken und f1 als Parameter variieren, erhält man folgendes Diagramm (siehe
Abb. 4.35).
Bei niedrigen Drehzahlen und kleinem f1 muss man auch die Höhe der Eingangs-
spannung herunterregeln, weil ωLH sehr klein wird, würde sonst der Eingangsstrom bzw.
das Drehmoment zu groß werden.
M/M Kipp
1
Feldschwächbereich
f1
0 nN n
nN n
In einem mittleren Drehzahlbereich kann man die Maschine mit konst. Leistung PN
fahren (Leistungsgrenze ist die Erwärmung der Maschine). Dabei gilt dann M 1/n.
Bei hohen Drehzahlen und hoher f1 müsste man die Eingangsspannung über die Nenn-
spannung anheben, was aus Isolationsgründen nicht zulässig ist, hier nimmt die Leistung
P 1/n ab und das Drehmoment M 1/n2 ab. Diesen Bereich nennt man auch
Feldschwächbereich.
Die Abb. 4.36 gibt die Betriebsgrenzen der frequenzgeregelten Asynchronmaschine
wieder.
Insgesamt erzielt man einen weiten Drehzahlbereich mit hohen Drehmomenten und sehr
guten Wirkungsgraden (siehe Abb. 4.37).
Der Bereich P = konst. in Abb. 4.36 ist begrenzt durch die maximal zulässige Erwär-
mung der Maschine. Um möglichst hohe Temperaturen fahren zu können, müssen die
Spulendrähte mit einem hochwertigen Lack isoliert werden, z. B. auf Polyimidbasis
(Betriebstemperatur bis 252 °C).
Beim Einsatz im PKW kann man für einige Sekunden auch mit doppelter Nennleistung
fahren, weil die Maschine über eine entsprechende Wärmekapazität verfügt. Hat man
beispielsweise in einem Hybridfahrzeug eine Asynchronmaschine mit einer Nennleistung
PN = 50 kW integriert, so kann man für einen Überholvorgang, der in der Regel nach 10 s
4.6 Die Asynchronmaschine 109
abgeschlossen ist, den Motor mit 100 kW betreiben. Das bedeutet zusätzliche aktive
Sicherheit.
[Link] Wechselrichter
Die Regelung von elektrischen Maschinen ist in den letzten Jahren erst durch den Einsatz
von leistungsfähigen und kostengünstigen Halbleiterbauelementen möglich geworden. Im
Kilowatt-Leistungsbereich bei Spannungen bis einige 100 Volt kommen MOSFETs (Metal
Semiconductor Field Effect Transistor) zum Einsatz. Für höhere Spannungen und Leis-
tungen im 1000-kW-Bereich verwendet man IGBTs (Insulated Gate Bipolar Transistor).
Der prinzipielle Aufbau eines dreiphasigen Wechselrichters ist in Abb. 4.38 dargestellt.
Zur Erzeugung von 50 Hz-Drehstrom müssen die MOSFET-Schalter wie folgt bedient
werden (Abb. 4.39):
Für die Phase 1 muss man im 10 ms-Abstand den Highside-Schalter SH1 öffnen und
schließen bzw. jeweils 10 ms später (phasenverschoben) den Lowside-Schalter SL1 öffnen
und schließen.
Eine Phasenverschiebung von 120° bedeutet bei 50 Hz eine Zeitverschiebung von
6,67 ms.
Für die zweite Phase öffnet und schließt man die Schalter SH2 und SL2 wieder im 10 ms-
Abstand jedoch mit einer Zeitverschiebung von 6,67 ms gegenüber Phase 1.
Für die dritte Phase öffnet und schließt man die Schalter SH3 und SL3 ebenfalls im 10 ms-
Raster mit einer Zeitverschiebung von 13,33 ms (entsprechend 240°).
An den Punkten 1, 2, 3 entstehen dann gegenüber dem Sternpunkt M rechteckförmigen
Spannungen (siehe Abb. 4.39).
110 4 Analoge Elektrische Maschinen
+
S H1 S H2 S H3
1
2
M
3
S L1 S L2 S L3
U1M
10 ms
U2M
6,67 ms t
U3M
13,33 ms t
uM + S H1
–
UB
1
u1-
S L1
uM uS
u
UB
u1-
veränderlicher Amplitude. (Die Spannungen uM und uS werden auf den Minuspol der
Batterie bezogen).
Immer dann wenn uM > uS, erzeugt der Komparator eine Spannung zum Öffnen von
SH1.
Die Spannung an Punkt 1 bezogen auf Batterieminus (-) ist ein periodisches Pulsmuster
mit einem Gleichanteil. Wiederholt man die Betrachtung für Punkt 2 und 3, erhält man drei
gleiche um 120° phasenverschobene Pulsmuster.
112 4 Analoge Elektrische Maschinen
UB
u1-
t
UB
u2-
u12
Abb. 4.41 Entstehung der verketteten Spannung aus der Differenz zweier Sternspannungen
Aufgabe 4.1
Ein Reedkontakt ist ein magnetischer Schalter. Er besteht aus zwei ferromagnetischen
Metallzungen, die sich in einem gasdichten Glasröhrchen befinden.
4.6 Die Asynchronmaschine 113
Werden die Kontakte von einem Magnetfeld H durchsetzt, schließen diese, wenn die Kraft
aus dem Magnetfeld größer ist als die Federkraft der Metallzungen.
Ermitteln sie die Kraft mit der die ferromagnetischen Zungen eines Reedkontaktes im
homogenen Magnetfeld eines stromdurchflossenen Leiters zusammengezogen werden.
Zur Vereinfachung wird angenommen dass die Kontakte radial in Richtung der Ma-
gnetfeldlinien verlaufen.
Aufgabe 4.2
Von einer Asynchronmaschine ist die Ortskurve des Ständerstromes gegeben. (Verluste
durch die Ständerwicklung und Reibungsverluste sind zu vernachlässigen).
Maschinendaten:
m = 3, p = 2, U N = 400 V:
Gemessen wurde:
im Leerlauf I0 = 10A n0 = 1500 min-1
im Nennbetrieb IN = 30A nN = 1350 min-1
Re{I}
s
0
IN
Io
Im{I }
Aufgabe 4.3
Von einer Asynchronmaschine ist ein vereinfachtes Ersatzschaltbild gegeben:
Iμ
US XH
Gegeben sind:
Re{IS}
IS
Ir'
Io Ir'∞
Im{IS}
Aufgabe 4.4
Ein vierpoliger Dreiphasen-Asynchronmotor für 220 V, 50 Hz mit den Nenndaten:
Aufgabe 4.5
Gegeben sei ein Asynchronmotor, bei dem die Verluste und Streufelder auf der Ständer-
seite zu vernachlässigen sind.
U = 40 V=50 Hz
angeschlossen.
Der Realteil des Ständerstroms wird maximal 100 A bei einer Drehzahl von
787,5 min-1.
116 4 Analoge Elektrische Maschinen
Aufgabe 4.6
Ein 6-poliger Asynchronmotor wird zunächst am 50 Hz-Netz im Leerlauf betrieben. Dann
wird schrittweise das Lastmoment erhöht. Bei 500 min-1 „kippt“ die Maschine, dabei
beträgt das Drehmoment 500 Nm. Verluste im Ständer sind zu vernachlässigen.
Aufgabe 4.7
Von einer Asynchronmaschine ist die Ortskurve des Ständerstromes gegeben.
(Verluste durch die Ständerwicklung und Reibungsverluste sind zu vernachlässigen).
Maschinendaten:
m = 3, p = 2, U N = 380 V:
Gemessen wurde:
Der Nennbetrieb wird so gewählt, dass der cosφ des Ständerstroms IN optimal ist.
Die Nenndrehzahl beträgt nN = 1350 min-1.
Re{I}
s
0
Im{I }
Io
Aufgabe 4.8
Von einer Asynchronmaschine ist die Ortskurve des Ständerstromes gegeben.
m = 3, p = 1, U N = 400 V:
Gemessen wurde:
Der Nennbetrieb wird so gewählt, dass der cosφ des Ständerstroms IN optimal ist.
Der Nennschlupf beträgt sN = 0,15.
a) Wie groß ist der Betrag des Ständerstroms im Nennbetrieb und wie groß der cosφ?
b) Wie groß ist die aufgenommene Wirkleistung P1 im Nennbetrieb?
c) Wie groß ist der Strom IKipp im Kipppunkt der Maschine?
d) Wie groß ist die Nenndrehzahl nN und wie groß ist die Drehzahl nKipp, wenn die
Maschine „kippt“?
118 4 Analoge Elektrische Maschinen
Re{I }
n / min–1
3000 2550 1710
0 0,15 0,43 s
IKipp
IN
Io Im{I}
Aufgabe 4.9
Bei einem 4-poligen Asynchronmotor wird im Nennbetrieb am 50 Hz-Netz ein Strom von
35 A bei einem cos φ = 0,8 gemessen.
Beim Anlauf der Maschine wird ein Drehmoment von MA = 300 Nm gemessen, dabei
beträgt der Strom IA = 120 A mit einem Phasenwinkel von φA = 60°.
Verluste im Ständer sind zu vernachlässigen.
a) Zeichnen Sie die Ortskurve des Ständerstroms und beschreiben Sie die einzelnen
Schritte der Konstruktion.
b) Tragen Sie die Schlupfgerade ein und skalieren Sie diese.
c) Zeichnen Sie eine weitere y-Achse für das Drehmoment (mit Maßstab in Nm).
d) Wie groß sind der Leerlaufstrom I0 und die Leerlaufdrehzahl n0?
e) Wie groß ist die Drehzahl im Nennbetrieb nN und wie groß ist das Nenndrehmoment
M N?
Der Ständer der Synchronmaschine beinhaltet wie bei der Asynchronmaschine eine Dreh-
stromwicklung und ist aus Eisenblechen aufgebaut.
Der Läufer der Synchronmaschine – auch Polrad genannt – besteht aus magnetischen
Gleichpolen. Die Gleichpole werden entweder durch Permanentmagnete erzeugt oder
durch Spulen, die mit Gleichstrom gespeist werden.
Im stationären Betrieb dreht die Maschine mit der synchronen Drehzahl:
f1
n1 = : ð4:67Þ
p
a b
N N
B S S
S N B
U p = jX e I e : ð4:68Þ
I1 = 0 U1 = Up θ = 0: ð4:69Þ
X 1H X 1σ R1 I1
Up U1
Vernachlässigt man sämtliche Verluste und fasst die Induktivitäten im Ständer zusammen,
kommt man zu einem sehr einfachen Ersatzschaltbild (siehe Abb. 4.45).
Aus dem Maschenumlauf folgt:
U 1 = U p - jXI 1 , ð4:70Þ
jXI 1 = U p - U 1 : ð4:71Þ
Bei der Erstellung eines Systems komplexer Zeiger darf man einen Zeiger als Bezugsgröße
für die Phasenwinkel in Richtung der reellen Achse legen, hier wählen wir U1 in Richtung
der reellen Achse, also U1 = U1.
X I1
jX U1 U1
Up
U p sin θ
I1 = ð4:75Þ
X cos φ
Wie bei der Asynchronmaschine kommt das Drehmoment aus der eingespeisten Wirk-
leistung. Da wir hier Ständer- und Läuferwiderstände sowie Eisenverluste vernachlässigen,
gilt:
U p sin θ
P = 3U 1 I 1 cos φ = 3U 1 : ð4:76Þ
X
3U 1 U p
M kipp = , ð4:77Þ
2π n1 X
P
M= : ð4:78Þ
2π n1
122 4 Analoge Elektrische Maschinen
Im Motorbetrieb wird mit zunehmendem Lastmoment der Polradwinkel bis maximal 90°
ansteigen, im Generatorbetrieb wird mit zunehmender elektrisch abverlangter Wirkleistung
der Polradwinkel bis maximal 90° zunehmen (Abb. 4.47). Darüber hinaus kippt die
Maschine.
M
Generator
M kipp
Diode Drehstromwicklung
Klauenpol
Regler
Gleichrichter-
brücke
Regler
Abb. 4.48 Schnitt und Schaltschema eines Klauenpolsynchrongenerator. (Bosch Technische Unte-
richtungen 2001. [Link]
124 4 Analoge Elektrische Maschinen
4.8.1 Generatorbetrieb
Betrachten wir zunächst eine Spule, die sich mit konstanter Winkelgeschwindigkeit in
einem konstanten Magnetfeld dreht. In dieser Spule wird dann ein cosinusförmiger Strom
(sinusförmige Spannung) induziert (siehe Abb. 4.49).
dϕ dB Aðt Þ
U A ðt Þ = = ð4:79Þ
dt dt
Da man allerdings über die Anordnung der Schleifringe (Kommutatorlamellen) und Koh-
lebürsten den Strom nach 180° wendet, erhält man immer nur die positive Halbwelle (siehe
Abb. 4.50).
Der Strom im Rotor der Gleichstrommaschine wird auch Ankerstrom IA genannt, es ist
ein pulsierender Gleichstrom. Die Welligkeit dieses Stroms wird umso kleiner, je mehr
Spulen am Umfang verteilt werden.
IA
Schleifring
UA
Kohlebürste
IA
Abb. 4.50 Stromverlauf in der rotierenden Leiterschleife nach Abb. 4.49. (bei Anschluss einer
ohmschen Last)
4.8 Die Gleichstrommaschine 125
IA
IA
Abb. 4.51 Stromverlauf bei drei Spulen im Rotor einer permanenterregten Gleichstrommaschine
Bei drei Leiterschleifen und Generatorbetrieb stellt sich der Ankerstrom wie in
Abb. 4.51 dar.
4.8.2 Motorbetrieb
Im Motorbetrieb läuft die Maschine auch mit reinem Gleichstrom, der dann in die Maschi-
ne hineinfließt.
Das magnetische Gleichfeld kann man wie oben (Abb. 4.51 und 4.54) dargestellt mit
Permanentmagneten erzeugen oder mit Gleichstromspulen (Erregerspulen) (Abb. 4.52).
Schließt man die Erregerwicklung in Reihe zur Ankerwicklung, handelt es sich um den so
genannten Reihenschlussmotor. Ist die Erregerwicklung parallel geschaltet, erhält man den
Nebenschlussmotor (Abb. 4.52).
Das innere Drehmoment Mi lässt sich auf zwei Arten berechnen. Zum einen als Summe
über die Kräfte auf die einzelnen Leiterstäbe im Rotor:
k
Mi = I ΦE ð4:80Þ
2π A
Pi U I
Mi = = i A: ð4:81Þ
2π n 2π n
126 4 Analoge Elektrische Maschinen
Nebenschlussmaschine Reihenschlussmaschine
IE E E
IA
I = I E = IA
UA
U = UA U
kleiner Strom im Erregerkreis großer Strom im Erregerkreis
Nebenschlussmaschine Reihenschlussmaschine
n n
Generator Motor
M M
U A = k ΦE n: ð4:82Þ
Um das Drehmoment Mab, welches an der Welle abgegeben wird, zu berechnen, muss man
die Verlustleistung Pv von der inneren Leistung abziehen:
Pi - Pv
M ab = : ð4:83Þ
2π n
Einsatz kommt. Der Erregerfluss wird dabei von Permanentmagneten erzeugt (Abb. 4.51
und 4.54).
Für den stationären Betrieb kann man die Gleichstromersatzschaltbilder verwenden
(siehe Abb. 4.55).
Die Drehzahl- und Drehmomentstellung kann man über Widerstände im Anker- und
Erregerkreis vornehmen, wie in Abb. 4.56 dargestellt ist.
U = UA
Nebenschlussmaschine Reihenschlussmaschine
RE
RA RA
UA UA
RE
Ui Ui
IE E E
IA
I = IE = IA
I UA
U = UA U
4.9 Einphasen-Kommutatormotor
Im Haushalt stehen 230 V Wechselspannungen zur Verfügung, dafür eignet sich der
Einphasen-Kommutatormotor, welcher baugleich mit einem Reihenschlussmotor ist. Des-
halb nennt man ihn auch Universalmotor.
Zum Verständnis der Funktionsweise betrachten wir das Drehmoment zu zwei Zeiten,
bei denen der Strom gerade um 180° phasenverschoben sowie auch die Spulen um 180°
gedreht sind (siehe Abb. 4.57).
Das Drehmoment pulsiert mit der doppelten Frequenz des Stromes bzw. des magneti-
schen Flusses. Stromfluss und Magnetfluss sind in Phase.
Wegen der Trägheit des Rotors wird der Mittelwert des Drehmoments wirksam
(Abb. 4.58):
Mi k
Mi = = I Φ : ð4:84Þ
2 2π A eff
E E
iA(t) Mi iA(t) Mi
M i(t)
M i
iA(t) t
ΦE(t)
Abb. 4.58 Zeitlicher Verlauf von Strom, Drehmoment und Erregerfluss im Universalmotor
4.10 Leistungsfluss in elektrischen Maschinen 129
Beispiel: Gleichstrommaschine
Im Einzelnen bedeuten:
Die roten Pfeile in Abb. 4.59 symbolisieren den Leistungsfluss der Gleichstrommaschine
im Motorbetrieb.
Definitionsgemäß ist die Nennleistung PN einer elektrischen Maschine immer die abge-
gebene Leistung Pab, im Motorbetrieb also die mechanische Leistung Pmech.
Die Maschine muss mechanisch und wärmetechnisch so ausgelegt sein, dass die Nenn-
leistung im Dauerbetrieb im angegebenen Betriebstemperaturbereich gefahren werden
kann.
In einem PKW beispielsweise muss ein zusätzlicher E-Motor, der in der Nähe eines
Verbrennungsmotors platziert ist, Umgebungstemperaturen von +125 °C bei seiner Nenn-
leistung schadlos überstehen. Bei dieser Umgebungstemperatur kommt im Nennbetrieb die
Eigenerwärmung hinzu, sodass Wicklungstemperaturen im 200 °C-Bereich auf Dauer
anstehen können.
Literatur
Eckardt, H.: Grundzüge der elektrischen Maschinen. Teubner Studienbücher, Stuttgart (1982)
Weinberg, S.: Die ersten drei Minuten, Der Ursprung des Universums (Friedrich Griese Übersetzer).
Piper, München (1997)
Digitale Elektrische Maschinen
5
Zusammenfassung
In Kap. 5 werden die elektrischen Maschinen behandelt, die ohne eine digitale Steue-
rung oder Regelung nicht funktionieren würden. Bei Reluktanzmotoren werden bei-
spielsweise digital getaktete Ständerströme bis in den 100 kHz-Bereich hinein erzeugt.
Mit der Erfindung des Thyristors (1957) wurde die elektronische Regelung elek-
trischer Maschinen möglich. In Kap. 5 Digitale Elektrische Maschinen werden vor
allem die Maschinen beschrieben, die ohne digitale Regelung nicht lauffähig sind.
Des weiteren werden E-Maschinen beschrieben, die historisch gesehen später ent-
wickelt worden sind.
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 131
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
132 5 Digitale Elektrische Maschinen
Bild 1 Bild 2
Abb. 5.1 Reluktanzmotor der sich um ein kleines Wegstück Δx gedreht hat
W2 - W1
F= : ð5:1Þ
Δx
Nutzt man die Trägheit des Rotors und schaltet im richtigen Moment den Strom aus und
anschließend weiter auf das andere Spulenpaar, so wird sich der Rotor drehen.
Im Gegensatz zum Synchronmotor sind dazu keine magnetischen Pole im Läufer
erforderlich!
Im folgenden Beispiel wird die Antriebskraft in einer Reluktanzmaschine berechnet aus
dem Energieunterschied ΔW im magnetischen Kreis zu zwei verschiedenen Winkelstel-
lungen bzw. für den Wegunterschied Δx. Der Einfachheit halber betrachten wir ein gegen-
überliegendes Spulenpaar und die Auswirkung auf zwei um 180° versetzte Zähne. (In einer
realen Reluktanzmaschine sind andere Magnetflusswege zu beachten).
Weiterhin vernachlässigen wir die magnetischen Widerstände im Eisen gegenüber den
magnetischen Widerständen der Luftspalte.
Durch die beiden Spulen mit der Windungszahl N = 1000 fließt ein Strom von 1 A.
Wir machen weiterhin die Vereinfachung, dass der magnetische Fluss über die Luft-
spaltlänge d1 bzw. d2 fließt und die Luftspaltfläche konstant der Zahnoberfläche A entspricht.
d1 = 5 mm, d2 = 2 mm, A = 3 mm ∙ 200 mm, Δx = 5 mm
Die Spulen sind so gewickelt, dass der entstehende magnetische Fluss in gleicher
Richtung die Maschine durchdringt.
Als Erstes berechnet man die Größen nach Abb. 5.2, für den Fluss Φ1 gilt:
2θ NI 1000 A
Φ1 = = d1 = = 1,51 10 - 4 V s,
2RmL1
μ0 A 5 10 - 3 m
1,256 10 - 6 V s=A m 600 10 - 6 m2
R mL1 Ф1 R mL1
Ф1 d1
Θ = = Θ
R mL2 Ф2 R mL2
Δx
Ф2
Θ = = Θ
d2
Φ1 1,51 10 - 4 V s Vs
B1 = = = 0,25 2 ,
A 600 10 - 6 m2 m
B1 0,25 Vm2s A m A
H1 = = = 2 105 ,
μ0 -6
1,256 10 V s m
1 1 Vs A
W1 = H B V = 0,25 2 2 105 5 10 - 3 m 600 10 - 6 m2 = 7,5 10 - 2 W s
2 1 1 1 2 m m
Jetzt folgt die Berechnung für den Zustand mit dem kleineren Luftspalt (Abb. 5.3):
134 5 Digitale Elektrische Maschinen
2θ NI 1000 A
Φ2 = = = = 3,77 10 - 4 V s
2RmL2 d2 2 10 - 3 m
μ0 A 1,256 10 - 6 V s=A m 600 10 - 6 m2
Φ2 3,77 10 - 4 V s Vs
B2 = = -6 2
= 0,63 2
A 600 10 m m
Vs
B 0,63 2 A m A
H2 = 2 = m = 5 105 ,
μ0 1,256 10 - 6 V s m
1 1 A Vs
W2 = H B V = 5 105 0,63 2 2 10 - 3 m 600 10 - 6 m2
2 2 2 2 2 m m
= 0,19 Ws:
ΔW = W 2 - W 1 = 0,115 Ws,
dabei hat sich die Maschine um die Strecke Δx = 5 mm gedreht, daraus errechnet sich die
Kraft auf einen Zahn (ein Luftspaltvolumen):
ΔW 0,115 Ws
F= = = 23 N:
Δx 5 10 - 3 m
M = 2F r:
M = 3,68 Nm:
MOSFET
μP
Winkelgeber
+ – MOSFET = Metal
Oxid Semiconductor
Field Effect Transistor
Akkumulator μP = Mikroprozessor
5.2 Asynchron-Reluktanzmotor
Dieser Motor (Abb. 5.5) besitzt im Rotor einen Kurzschlussläufer und unsymmetrische
Reluktanzen. Der Motoranlauf funktioniert im Wesentlichen über die Eigenschaften des
Asynchronmotors (Bereich 1), kommt der Motor auf Nenndrehzahl, zieht das Reluktanz-
drehmoment den Motor in den synchronen Betrieb (Bereich 2 gestrichelte Linie).
Bei Synchronmotoren findet man andererseits zusätzlich zur Gleichstromspule im
Läufer einen Kurzschlusskäfig, damit der Motor zunächst asynchron hochlaufen kann.
136 5 Digitale Elektrische Maschinen
Aluminium
Wicklung
Dynamoblech
Phase 1
Phase 2
Phase 3
Bereich 1 Bereich 2
Mn
Drehmoment
Drehzahl nn
5.3 Transversalflussmotor
Eine konsequente Weiterentwicklung des Prinzips ist der Kugelmotor (Abb. 5.7).
Hierzu muss man allerdings mit einem aufwändigen Rechneralgorithmus die Ströme der
Feldwicklungen berechnen, um eine gezielte dreidimensionale Bewegung zu erreichen. Da
Rechnerkapazität zukünftig kein Problem darstellt, könnte dieser Motor in Roboteranwen-
dungen zum Einsatz kommen. Nachteilig ist natürlich die aufwändige mechanische Her-
stellung der Komponenten.
138 5 Digitale Elektrische Maschinen
Freiheitsgrade
Permanentmagnete
Rotorkugel
hydrostatische Lagerung
Statorspulen
BLCD steht abkürzend für BrushLess Direct Current bzw. BürstenLoser Gleichstrom.
Vom Aufbau her kann man diese Maschine auch als Synchronmaschine bezeichnen.
Der einzige Unterschied zwischen den beiden Motortypen ist, dass die Drehfelderzeu-
gung beim Brushless-DC-Motor nicht mit sinusförmigem Wechselstrom, sondern über
getakteten Gleichstrom erfolgt, der mit Hilfe einer Leistungselektronik – in Abhängigkeit
von der Rotorposition – den drei Phasen zugeführt wird. Dabei ist immer eine Phase
stromlos, eine Phase mit dem Pluspol der Spannungsversorgung und die dritte Phase mit
dem Minuspol der Spannungsversorgung verbunden (siehe Abb. 5.9).
Abb. 5.8 zeigt einen Radnabenmotor mit feststehendem inneren Teil, auf dem sich eine
mehrpolige Drehstromwicklung befindet. Der Rotor ist die Felge (Abb. 5.9), die mit
Permanentmagneten bestückt ist. Die Dauermagnete sind in radialer Richtung magnetisiert.
Zwei benachbarte Magnete sind jeweils entgegengesetzt polarisiert.
Stator
Kupferwicklungen
Dauermagnete
des Rotors
Statorblechpaket
Hall-Sensoren
-Rotor (Felge)
-Dauermagnete
Rotorbreite
(= Länge der
Dauermagnete)
+
S H1 S H2 S H3
I1
I2
Sternpunkt
I3
S L1 S L2 S L3
Die drei Phasen der Statorwicklung sind sternförmig miteinander verschaltet (siehe
Abb. 5.10). Die drei Spulen werden von einem trapezförmigen Strom durchflossen.
Bezogen auf den Sternpunkt sind diese Ströme positiv und negativ, bezogen auf den
Gleichstromkreis fließt der Strom kontinuierlich von Plus nach Minus.
Zwischen den drei trapezförmigen Strömen beträgt die Phasenverschiebung 120° und
die Summe aller Ströme ist im Sternpunkt stets Null. Diese beiden Eigenschaften sind wie
bei einer Drehstrommaschine, die mit sinusförmigen Strömen gespeist wird. So berechnet
5.4 Bürstenloser Gleichstrommotor 141
sich auch die Drehzahl der Maschine im stationären Zustand aus der Grundfrequenz f1 der
Ströme und der Polpaarzahl (Wiederholung der Drehstromwicklung am Umfang).
Wenn die Halbleiterschalter den Strom symmetrisch kommutieren (mit gleicher Ge-
schwindigkeit öffnen und schließen) (Abb. 5.10 und 5.11), treten im Gleichstromkreis
keine Stromänderungen und somit auch keine Induktionsspannungen auf!
Von den Halbleiterschaltern ist im Motorbetrieb immer ein Highside- und ein Lowside-
schalter geöffnet. Beim Ausschalten des Gesamtstroms schaltet man nur den Highside-
schalter aus. Dadurch kann über die Freilaufdioden der anderen Lowsideschalter der Strom
freilaufen, ohne dass Induktionsspannungen entstehen (Abb. 5.12 und 5.13). Das wird
besonders dann wichtig, wenn man eine Leistungssteuerung durch eine Pulsweitenmodu-
lation des Gesamtstroms vornimmt.
I1 I2
+
S H1 S H2 S H3
I1
I2
Sternpunkt
I3
S L1 S L2 S L3
+
S H1 S H2 S H3
I1
Sternpunkt
S L1 S L2 S L3
Abb. 5.13 Motorstrom kurz nach dem Ausschalten im Freilauf. (über die Rückstromdiode von SL1)
Bei Verwendung von MOSFETs als Schalter sind die Freilaufdioden intrinsisch, das
heißt bauartbedingt im Transistor vorhanden. Bei Verwendung anderer Transistortypen
müssen externe Dioden z. B. Fast Recovery Dioden (FREDs) hinzugefügt werden.
Die Ansteuerung der Transistoren wird von einem Mikrocontroller vorgenommen auf
Treiber und Schutzbeschaltungen wird im Folgenden verzichtet und nur die prinzipielle
Darstellung skizziert.
Der Hochlauf eines Synchronmotors ist nicht trivial. Bei einem Motor mit gleichstrom-
erregter Spule wird diese beim Anfahren kurzgeschlossen, sodass die Maschine wie eine
Asynchronmaschine hochlaufen kann. Beim BLDC-Motor kann dies über die Abfrage der
relativen Statorposition zur Rotorposition erfolgen, um dann die richtigen Ströme zum
richtigen Zeitpunkt durchzuschalten.
Wie in Abb. 5.14 prinzipiell dargestellt, sind die Dauermagneten so angeordnet, dass
immer im Wechsel mal der Südpol und mal der Nordpol in Richtung Stator zeigen, sodass
die austretenden Feldlinien immer radial in die Rad-Mitte bzw. von der Rad-Mitte weg
zeigen.
Die Elektromagneten auf dem Stator sind in gleicher Weise angeordnet, das heißt, wenn
die entsprechenden Phasen Strom führen, erzeugen diese ebenfalls Magnetfelder, die radial
nach außen oder nach innen zeigen.
Magnetfelder, die in Stator und Rotor gleich gerichtet sind, ziehen sich an. Sind sie
entgegengesetzt gerichtet, so stoßen sie sich ab. (Unterschiedliche Magnetfelddichten
sorgen für die Kraftentstehung in Rotationsrichtung).
Mit Hilfe der drei Hall-Sensoren (siehe Abb. 5.15) kann kontinuierlich die Rotor-
position überwacht und außerdem die Drehzahl des Motors bestimmt werden.
5.4 Bürstenloser Gleichstrommotor 143
Hall-Sensoren
Aufgrund der Anordnung der Hall-Sensoren (siehe Abb. 5.16) gibt es genau sechs
Kombinationen der Zustände der drei Hall-Sensoren, die immer in der gleichen Reihen-
folge auftreten.
In Tab. 5.1 sind diese Kombinationen eingetragen, wobei die gewählte Nummerierung
nicht festlegt, welche Kombination als erstes auftritt. Vielmehr beschreibt sie die immer
wiederkehrende Abfolge der Kombinationen bei positiver Drehrichtung des Motors. Bei
negativer Drehrichtung treten die Kombinationen immer in umgekehrter Reihenfolge auf.
Es ist zu erkennen, dass beim Übergang von einer Kombination zur nächsten, sich nur
der Zustand eines Hall-Sensors ändert. Es haben immer zwei Hall-Sensoren den gleichen
Zustand, während der dritte den komplementären Zustand einnimmt. Es kommt niemals
vor, dass alle drei Hall-Sensoren den gleichen Zustand aufweisen.
Entsprechend den sechs Hall-Sensor-Kombinationen gibt es auch genau sechs Möglich-
keiten, den Strom durch jeweils zwei der drei Phasen zu leiten. Diese sechs Möglichkeiten
sind in Tab. 5.2 zu sehen.
b DM =
7,83°/1,37cm Rotor-Dauermagnete
Stator-Spulen
Hall-Sensoren
b Spule =
sHall1 = 7,06°/1,23cm
10,59°/1,85cm
sHall2 = 21,18°/3,7cm
Abb. 5.16 Relative/absolute Breiten von Rotormagneten, und Statorwicklungen und relative/abso-
lute Abstände der Hall-Sensoren zueinander
Auch hier gilt wieder, dass die Nummerierung nur die Abfolge der Kombinationen bei
positiver Drehrichtung widerspiegelt und nicht festlegt, welche Kombination als erstes zu
wählen ist. Für die negative Drehrichtung muss die Reihenfolge umgekehrt werden.
Um den Motor zum „richtigen“ Drehen anzuregen, muss jeder der Hall-Sensor-Kom-
binationen die passende Phasen-Kombination zugeordnet werden, sowohl für die Vor-
wärts-Drehung als auch für die Rückwärts-Drehung. Die oben beschriebenen Reihenfolgen
der Kombinationen sind dabei immer beizubehalten, da sonst die Gefahr besteht, unde-
finierte Zustände in der Transistor-Brücke (Kurzschlüsse) zu generieren, die zum System-
ausfall führen können.
Es ergeben sich, bei Einhalten der Reihenfolgen, wiederum sechs Möglichkeiten, die
Hall-Sensor-Kombinationen mit den Kombinationen für die Transistor-Brücke zu ver-
knüpfen. In Tab. 5.3 sind alle Kombinationsmöglichkeiten aufgelistet.
Durch die unterschiedliche Polzahl im Stator und Läufer bzw. bauartbedingt gibt es nur
zwei Kombinationen, die eine definierte Bewegungsrichtung garantieren. Bei diesen bei-
den Kombinationen sind die anziehenden Kräfte zwischen den Stator- und Rotorpolen in
Rotationsrichtung (vorwärts oder rückwärts) gleichgericht, das heißt, der gesamte Strang
der Dauermagnete wird immer in dieselbe Richtung gezogen.
146 5 Digitale Elektrische Maschinen
690 Flanken=Sekunde
n= = 5=s
138 Flanken=Umdrehung
v = 5 s - 1 1,34 m = 6,7 m=s = 24,12 km=h
Mit dieser Methode, kann die aktuelle Geschwindigkeit des Fahrzeugs überwacht werden
und gegebenenfalls, wenn die maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit erreicht wird, der
Dutycycle des Steuersignals für die Highside-Transistoren so geregelt werden, dass diese
Geschwindigkeit nicht überschritten wird.
Der Vorteil des BLDC-Motors gegenüber einem Gleichstrommotor mit mechanischem
Kommutator liegt darin, dass eine verschleißfreie (bürstenlose) Kommutierung vorgenom-
men wird. Im Idealfall werden auch keine störenden Induktionsspannungen durch die
Stromwendung erzeugt.
Neben der Möglichkeit die relative Rotorposition und die Drehzahl über Hallsensoren zu
ermitteln, kann man dies – wenn auch mit Einschränkungen – sensorlos über die induzierte
Spannung in der jeweils stromlosen Wicklung des Stators vornehmen.
5.5 Schrittmotoren 147
+
S H1 S H2 S H3
I1
I2
Sternpunkt
I3
S L1 S L2 S L3
_ Ui
virtueller Sternpunkt
5.5 Schrittmotoren
Bei einem Schrittmotor lässt sich der Rotor über die Anzahl der Steuerimpulse in eine
definierte Winkelstellung positionieren. Die Winkelauflösung ist dabei abhängig von der
Anzahl der am Umfang verteilten Pole. 200 Pole sind dabei keine Seltenheit. Mit Hilfe
des Mikroschrittverfahrens lässt sich die Auflösung auf z. B. 800 Winkelschritte pro
148 5 Digitale Elektrische Maschinen
360 °
α= : ð5:2Þ
2mp
Bei der Ansteuerung mit Gleichstrom wird immer nur ein Strang mit positivem oder
negativem Strom – erzeugt durch H-Brückenschalter (Abb. 5.19) – gespeist. Für beide
Stränge entsteht über der Zeitachse ein Blockstromdiagramm (Abb. 5.20):
5.5 Schrittmotoren 149
a I1 b
N
I2
S N
c I1 d
S
I2
N S
Bei jedem Schritt dreht sich der Rotor um den Schrittwinkel α. Will man Zwi-
schenschritte – sogenannte Mikroschritte – erreichen, muss man beide Stränge gleichzeitig
bestromen.
Werden zum Beispiel die beiden Strangströme gleichzeitig und beide mit gleicher
Amplitude nach Abb. 5.18a und b eingespeist dreht der Rotor um 45°.
Gibt man durch den einen Strang einen Strom höherer Amplitude, so wird das ent-
stehende Statorfeld B den Rotor näher zu diesem Pol bewegen. Die Richtung erhält man
aus der vektoriellen Addition der beiden Statorstrangfelder B1 und B2. Wenn man will,
dass die Amplitude des Gesamtfeldes B konstant bleibt bzw. sich die Spitzes von B auf
einem Kreis bewegt (Abb. 5.21), müssen die Stromamplituden der beiden Stränge für
n Mikroschritte mit Vielfachen von cos(α/n) und sin(α/n) multipliziert werden.
150 5 Digitale Elektrische Maschinen
+
S H1 S H2
I1
S L1 S L2
+
S H3 S H4
S L3 S L4 I2
I1 iˆ
I2
α
B
B1
α/6
cos (α/6)
sin (α/6) B2
Abb. 5.21 Faktoren für die Einstellung eines Mikroschrittwinkels von 15°
(Die Quadratur der Faktoren liefert immer den Wert eins, weil cos2x + sin2x = 1)
Die Einstellung der Amplitudenfaktoren gelingt bei Gleichstrom mittels PWM-Re-
gelung des Stromes. Einige auf dem Markt erhältliche Regelbausteine (Controller) ent-
halten Programme für eine einstellbare Anzahl an Mikroschritten n = 4, 8, . . .
Ein Controller, der Mikroschritte mit dieser Methode der Strom-Regelung erzeugen
kann, wird als Mikroschritt-Treiber bezeichnet. Ein Mikroschritt-Treiber kann die Motor-
schrittwinkel in 4 oder mehrere Teile unterteilen. Abb. 5.22 ist eine Darstellung des
Mikroschritt-Treibers, der die Hälfte einer Chopping H-Brücke mit digitaler Strom-
Steuerung zeigt. Diese Schaltung steuert nur eine Spule des Schrittmotors, während eine
identische Schaltung die andere Spule steuert. Die Stromrichtung und die Stromstärken
werden synchronisiert, um den gewünschten Sinus/Cosinus-Quadraturzeitverlauf zu ver-
ursachen. Mit Hilfe des DAC (Digital-Analog-Wandler), kann die Referenzspannung
digital so eingestellt werden, dass der Strom durch die Spule in diskreten Schritten reguliert
wird. Der Spannungs-Zeitverlauf am Sense-Widerstand RS ist eine gleich gerichtete Sinus-
welle (absoluter Wert der Sinuswelle), da der Strom nie negativ in Richtung des Sense-
Widerstandes fließt ([Link]
Lassen Sie uns die Strom Verhältnisse betrachten, die benötigt werden, um insbeson-
dere 1/8 Schrittwinkel zu erzielen, siehe Tab. 5.4 und Abb. 5.23 ([Link]
com/).
Um auf diese Prozentangaben zu kommen, wird ein nicht linearer „Sinus gewichteter“
Digital/Analog-Wandler (DAC) verwendet. Alle Prozentangaben können mit nur 3 Bits
152 5 Digitale Elektrische Maschinen
dargestellt werden, indem man den Wert 98,1 % rausnimmt und ihn auf 100 % rundet, um
die 9 Werte mit einem 3 Bits DAC darzustellen ([Link]
5.5.3 Reluktanzschrittmotoren
Beim Reluktanzschrittmotor besteht der Rotor aus einem weichmagnetischen Material und
ist in gezahnter Form aufgebaut. Im Ständer befinden sich die Strangwicklungen. Ist der
Schrittmotor stromlos, also außer Betrieb, herrscht kein magnetisches Feld. Der Reluktanz-
schrittmotor wird auch abgekürzt als VR-Schrittmotor bezeichnet. Dies rührt daher, dass
der Rotor des Reluktanzschrittmotors mit einem veränderlichen magnetischen Widerstand
(engl. variable reluctance) arbeitet. Wird nun der Schrittmotor in Betrieb genommen
entsteht ein magnetischer Fluss im Rotor. Durch die Erregung einer Strangwicklung
bewegt sich der nächstliegende Rotorzahn in die Richtung des erregten Stranges, weil er
von diesem angezogen wird. Durch die unsymmetrische Bauform von Rotorzähnen und
Strangwicklungen kann dieses System der Anziehung unendlich fortgeführt werden, wenn
die Strangwicklungen nacheinander abwechselnd erregt werden. Die Schrittwinkel werden
durch die Anzahl der Rotorzähne bestimmt. Es sind sogar Schrittwinkel unter 1° technisch
möglich. Die Abb. 5.24 zeigt den grundsätzlichen Aufbau eines Reluktanzschrittmotors
154 5 Digitale Elektrische Maschinen
mit drei Strängen A, B und C. Die Wicklungen des Stranges A sind hier bestromt. Der
Rotor richtet sich entsprechend des geringsten magnetischen Widerstandes aus. (Rummich
2005)
Der Motor benötigt 6 Anschlussleitungen bzw. drei H-Brücken. Der Vorteil des Reluk-
tanzschrittmotors ist seine einfache und kostengünstigere Bauweise im Vergleich zu allen
anderen Motortypen. Der VR-Motor benötigt keine Permanentmagnete, die aus Selten-
erdmetallen wie beispielsweise Samarium, Neodym oder Yttrium hergestellt werden.
Nachteil des VR- gegenüber dem PM-Motor ist allerdings das geringere Drehmoment
bei gleichem Bauvolumen, weil die erreichbaren Energiedichteunterschiede im VR-Typ
geringer sind.
5.5.4 Hybridschrittmotoren
Hybridschrittmotoren (Abb. 5.25) sind eine Kombination aus VR- und PM-Motoren. Es
werden die Vorteile beider Systeme genutzt. Die Motivation Hybridmotoren zu bauen,
5.6 Servomotoren 155
Südpol-„Zahnrad“
Rückschluss-Joch Ständerpol
Permanent-Magnet S
N
μr→1
N
Rotor
S
N
Wicklung
Nordpol-„Zahnrad“
rührt aus der Ausnutzung von Eigenschaften wie kleine Schrittwinkel, große Drehmomente
und Selbsthaltemomente. Hybridmotoren werden auch als HY-Schrittmotoren bezeichnet.
Der Rotor besteht im Grunde aus zwei weichmagnetischen und gezahnten Polschuhen.
Zwischen den weichmagnetischen Rotorteilen liegt ein Permanentmagnet. In der Regel
entsprechen die Rotorteile, von der Geometrie her, derer von VR-Motoren. Es ist ein
Vollschrittbetrieb aber auch Halbschrittbetrieb problemlos möglich. (Rummich 2005)
5.6 Servomotoren
Ein Servomotor ist keine spezielle elektrische Maschine, sondern kann beispielsweise eine
Gleichstrommaschine oder eine Synchronmaschine sein. Allerdings werden die Motor-
ströme elektronisch so geregelt, dass definierte Positionen angefahren werden können.
Dazu sind digitale Positionssensoren erforderlich. Als Positionsgeber dienen beispiels-
weise Hallsensoren (siehe Abb. 5.8 (alt 4.67)) oder auch optische Winkelgeber (Rotary
Encoder) wie in Abb. 5.26 prinzipiell dargestellt.
Ein feststehender Lichtstrahl – erzeugt von einer Leuchtdiode – trifft auf eine rotierende
Lochscheibe, die fest mit der Antriebsachse gekoppelt ist. Hinter der Lochscheibe trifft der
Lichtstrahl auf eine Fotodiode, die eine Spannung erzeugt falls der Lichtstrahl ein Loch
passiert. Die Löcher sind in gleichmäßigem Winkelabstand angebracht. In Abb. 5.26 sind
156 5 Digitale Elektrische Maschinen
Abb. 5.26 Winkelgeber (Rotary Encoder) mit 24 Löchern bzw. 15° Winkelauflösung
24 Löcher gleichmäßig auf 360° verteilt. Damit würde man eine Winkelauflösung von 15°
erreichen. In der Praxis werden weitaus höhere Winkelauflösungen < 1° erreicht.
Damit man die Drehrichtung erkennen kann, benötigt man mindestens zwei Fotodioden.
Die zweite Fotodiode ist um ein Viertel der Periodenlänge versetzt angebracht, sodass
die Signale der Fotodetektoren bei der Rotation in der einen Richtung um 90° phasen-
verschoben sind und in der anderen Richtung um 270°.
Absolute Positionen erreicht man durch die Verwendung eines zusätzlichen Nullsensors
(Zero), der einmal pro Umdrehung einen Impuls liefert.
Am Sensorausgang werden die drei Signale in analoger Form (A, B, Z) oder digital
aufbereitet zur Verfügung gestellt zum Beispiel für CANopen oder Profibus.
Verwendet man mehrere radial angebrachte Spuren, kann man direkt ein digitales
Signal zur absoluten Positionsbestimmung erzeugen. Abb. 5.27 zeigt eine sogenannte
Grey Disc mit 8 + 1 Bit Auflösung (Abb. 5.28).
Einen Servomotor kauft man in der Regel als System inklusive des Motorreglers ein.
Im Automobilbau werden z. B. für die Fensterheber Servomotoren eingesetzt. Im
Maschinenbau findet man Servomotoren in CNC-Maschinen und Industrierobotern. Der
geregelte Servomotor hat gegenüber einem gesteuerten Schrittmotor in gewissen Anwen-
dungssituationen Vorteile. Man kann den Servormotor mit Drehmomentregelung (Vektor-
regelung) betreiben. Der Servomotor kann keine „Schritte“ verlieren, beim Schrittmotor
hingegen spart man die Positionssensorik.
5.6 Servomotoren 157
Abb. 5.27 Gray Disc mit 8 + 1 Bit Auflösung. (Quellenangabe zum Bild:[Link] – Eigenes Werk,
CC BY-SA 3.0, [Link]/w/[Link]?curid=18363452[Link]
org/w/[Link]?curid=18363452)
Aufgabe 4.10
An einem Motorenprüfstand messen Sie mit Hilfe eines vierpoligen ( p = 2) Dreiphasen-
Synchrongenerators Leistung und Drehmoment eines 10-Zylinder Turbo-Diesel-Motors.
Pmech I
S U, f Pel
TDI
Aufgabe 4.11
Der Radius eines Synchronmotors sei der Erdradius (6371 km).
Weitere Daten:
Phasenzahl: m = 3,
Polpaarzahl: p = 40.030.174,
Spannung: U = 400 V 50 Hz.
a) Wie groß ist die synchrone Drehzahl?
b) Wie viel Meter beträgt die Länge eines Polpaares am Umfang der
Maschine?
c) Wie groß ist die Geschwindigkeit des magnetischen Drehfeldes am
Umfang der Maschine in km/h?
5.7 Übungsaufgaben zu Synchron- und Gleichstrommaschine 159
d) Man baut diesen Motor nur stückweise – z. B. auf einer Strecke zwischen
München Flugplatz und München Stadtmitte – auf einer Länge von
ca. 30 km. Wie nennt man diesen Motortyp sonst noch?
Aufgabe 4.12
Bei einem Reihenschlussmotor im Gleichstrombetrieb beträgt das Nenndrehmoment
MN = 100 Nm bei der Nenndrehzahl nN = 1450 min–1. Der Ankerstrom beträgt dabei 50 A.
Der ohmsche Widerstand der Erregerwicklung sowie der Ankerwicklung beträgt jeweils
1 Ω (RA = Rf).
Die Verluste im Eisen und durch Reibung betragen in Summe 100 W (PVR + PVFe).
a) Wie groß ist die Nennleistung PN (abgegebene mechanische Leistung)?
b) Wie groß ist die Verlustleistung im Widerstand der Anker- und Erregerwicklung
(PVA, PVf)?
c) Wie groß ist die aufgenommene elektrische Leistung Pel?
d) Wie groß ist der Wirkungsgrad η?
e) Wie groß ist die Klemmenspannung des Motors im Nennbetrieb?
f) Der Motor wird nun an einer Wechselspannung betrieben mit einem Effektivwert, der
dem Wert der Gleichspannung entspricht, die unter e) berechnet wurde. Zwischen
welchen Werten schwankt das abgegebene Drehmoment des Motors bei 1450 min-1?
Aufgabe 4.13
Die Nenndaten eines Gleichstrom-Reihenschlussmotors betragen:
PN = 20 kW,
nN = 1450 min–1,
IN = 60 A,
RA = 0,5 Ω,
Rf = 0,5 Ω.
Die Verluste im Eisen und durch Reibung können vernachlässigt werden.
Aufgabe 4.14
Bei einem Anlassermotor beträgt bei einem typischen Startvorgang der Mittelwert des
Anlasserstroms 300 A für 2 s. Die Klemmenspannung ist 12 V.
300 A
12 V
a) Wie groß ist die Energie in kWh, die bei einem Startvorgang verbraucht wird?
b) Wie groß muss die Kapazität eines Kondensators mindestens sein, wenn dieser die
Energie für den Startvorgang liefern soll? (Hinweis: EC = 0,5 C U2)
c) Wie groß ist die Verlustleistung im Anlasser (nur Verluste in den ohmschen
Widerständen)?
d) Wie groß ist der Wirkungsgrad des Anlassermotors?
Aufgabe 4.15
Ein Gleichstromnebenschlussmotor hat die Nenndaten:
UN = 240 V,
IAN = 160 A (Strom im Ankerkreis),
PN = 33 kW (abgegebene Leistung),
nN = 1450 min-1,
RE = 180 Ω (Widerstand der Erregerwicklung).
a) Berechnen Sie das Nenndrehmoment.
b) Wie groß ist die Leistungsaufnahme P1?
c) Wie groß ist der Wirkungsgrad ηN bei Nennleistung?
d) Wie groß ist die Verlustleistung in der Erregerwicklung?
Literatur 161
Literatur
Zusammenfassung
Als Beispiel für ein Antriebssystem, welches eine viel größere Komplexität aufweist als
z. B. ein Elektromotor, betrachten wir blockschaltbildmäßig auszugsweise den elek-
trischen Schaltplan der Elektrolokomotive der Baureihe 101 der Deutschen Bahn. In der
Baureihe 101 der Deutschen Bahn kommen Drehstromlokomotiven der jüngsten Ge-
neration zum Einsatz. Vom Antriebskonzept wird in Abb. 6.2 die elektrische Ener-
gieflusskette von der einphasigen 15 kV-Oberleitung bis zum dreiphasigen Dreh-
strommotor dargestellt. Von der 15 kV-Oberleitung geht es direkt auf einen
schwergewichtigen Transformator mit mehreren Wicklungen (Gewicht 13 t). Nachteilig
daran ist die geringe Netzfrequenz von 16,66 Hz, die historisch bedingt ist. (Der
Blindwiderstand der Hauptinduktivität des Transformators ist direkt proportional zur
Frequenz Xh = ωLh).
Als Beispiel für ein Antriebssystem, welches eine viel größere Komplexität aufweist als
z. B. ein Elektromotor, betrachten wir blockschaltbildmäßig auszugsweise den elektrischen
Schaltplan der Elektrolokomotive der Baureihe 101 der Deutschen Bahn (Abb. 6.1).
Hersteller ADtranz
Nummerierung 101.001–101.145
Baujahr 1996–1999
Gesamtserie 145
Bestand Dezember 2003 145
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
(Fortsetzung)
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 163
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
164 6 Antriebssysteme
Hersteller ADtranz
Länge über Kupplung 19.100 mm
Fahrmotoren 4 Drehstrom-Asynchronmotoren
Gewicht der Fahrmotoren jeweils 2136 kg
Stromsystem 15 kV, 16 2/3 Hz
Antrieb Hohlwellenantrieb, IGA
Dauerleistung (Fahren und Nutzbremse) 6400 kW
Leistungskennziffer 73,6 kW/t
Anfahrzugkraft 300 kN
Einzelregelungen Radsatzregelung
Längskraftübertragung Zugstangen
Spurweite 1435 mm (Normalspur)
Achsfolge Bo’Bo’
Kupplung Schraubenkupplung
Dienstgewicht 83 t
Achslast 21,7 t
Radsatzabstand im Drehgestell 2650 mm
Raddurchmesser neu/abgenützt 1250 mm/1170 mm
mechanische Bremse Scheibenbremse auf Hohlwelle
Lieferant elektrischer Teil/Mechanischer Teil ADtranz
Zugsicherung Sifa/LZB
Quelle: [Link]
In der Baureihe 101 der Deutschen Bahn kommen Drehstromlokomotiven der jüngsten
Generation zum Einsatz.
Vom Antriebskonzept wird in Abb. 6.2 die elektrische Energieflusskette von der ein-
phasigen 15 kV-Oberleitung bis zum dreiphasigen Drehstrommotor dargestellt.
15 kV 162/3 Hz
1 2 3
1– =
M
= 3–
1– =
M
= 3–
1– 1– 1–
4
3– 3– 3–
1– 1–
= =
5
3– 3– 3– 3– 3– 3– 3– 3– 3–
1– =
M
= 3–
6 1– =
M
= 3–
Abb. 6.2 Antriebsschema Lokomotive Baureihe 101 (Still und Hammer 1996), (1) Vierquadranten-
steller als Netzstromrichter, (2) Pulswechselrichter als Motorstromsteller, (3) Drehstrom-
Asynchronmotoren (gesamt 6400 kW), (4) Hilfsantriebeumrichter, (5) Sekundärseitiges Netzfilter,
(6) Zugsammelschienenversorgung
166 6 Antriebssysteme
1974 hatte in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig die Ent-
wicklung der Langstator-Magnetfahrtechnik begonnen.
Bereits 1979 kam diese Technik auf der weltweit ersten Demonstrationsstrecke anläss-
lich der Internationalen Verkehrs-Ausstellung in Hamburg zum Einsatz.
Seit Fertigstellung der Versuchsstrecke im Emsland 1984 erweist sich der Langstator als
alltagstauglich und kommt auch in der Shanghai-Pudong-Airportbahn ab 2005 zum Einsatz.
Der Antriebsmotor ist ein Linearmotor, den man sich auch aus der Abwicklung einer
Drehfeldmaschine (siehe Bild unten) vorstellen kann. Dabei liegt der Stator der Maschine
im Fahrweg und nur der Rotor befindet sich im Zug. Die Antriebsenergie wird abschnitts-
weise dem Stator im Fahrweg zur Verfügung gestellt. Das heißt, der gesamte Fahrweg ist
mit Kupferspulen versehen, durch die immer dann Drehstrom geschickt wird, wenn der
Zug sich darüber befindet und angetrieben werden soll (Abb. 6.4).
Neben dem magnetischen Wanderfeld der Drehstromwicklungen kommen Führ- und
Tragmagnete zum Einsatz (siehe Abb. 6.5, 4.4 und 4.5).
Kurzdaten des Fahrzeugs der Pudong-Airportbahn Shanghai:
Sektionen 6
Länge 153,6 m
Breite 3,7 m
6.2 Die Magnetschwebebahn 167
15 kV 162/3 Hz
Modul 1
Modul 2
Modul 3
Modul n
5
Modul n+1
1 2
Abb. 6.3 Topologie mit Mittelfrequenztransformator (Kratz und Strasser 1998), (1) Netzstrom-
richterkaskade, (2) Mittelfrequenzstellerkaskade und -übertrager 1 : 1, (3) Gleichspannungszwischen-
kreis, (4) Motorstromrichter, (5) Hilfsbetriebeumrichter
168 6 Antriebssysteme
Abb. 6.4 Abwicklung des Stators einer Drehstrommaschine zum Langstator im Fahrweg des Trans-
rapid. (siehe auch Aufgabe 5.1)
Höhe 4,2 m
Auslegungsgeschwindigkeit 505 km/h
Sitzplätze 574
Geregelte Schwebehöhe 10 mm
Beschleunigung von 0 auf 300 km/h <2 min
Die Japaner bezeichnen ihre Magnetschwebebahn Maglev (Abb. 6.6), wobei dieser Begriff
international auch allgemein für Magnetic Leviator = Magnetschwebebahn verwendet wird.
Im Gegensatz zum deutschen Transrapid sind die Antriebsspulen (propulsion coil)
seitlich im Fahrweg angebracht, ebenso sind Führ- und Hubmagnete seitlich platziert
(Abb. 6.7 und 6.8).
Ein wesentliches Merkmal der japanischen Entwicklung ist der Einsatz von Supralei-
tenden Magneten (Reaktionsteil im Zug).
Metalle werden unter 4 K (–269 °C) supraleitend, d. h., ihr ohmscher Widerstand geht
gegen Null. Legierungen aus Nb3Ge besitzen eine Sprungtemperatur von 23,2 K (–250 °C).
Die Sprungtemperatur TC ist die Temperatur, bei der Übergang vom normalleitenden in den
supraleitenden Zustand stattfindet.
6.2 Die Magnetschwebebahn 169
Führmagnet
Tragmagnet
1986 erhielten die Physiker Georg Bednorz und Karl Alexander Müller den Nobelpreis
für die Entdeckung der keramischen Hochtemperatur-Supraleiter (Lanthan-Barium-Kup-
fer-Oxid), die eine Sprungtemperatur von >77 K (-196 °C) aufweisen. Durch Bei-
mischung von Yttrium kommt man auf eine TC von 92 K. Wegen der relativ hohen
Sprungtemperatur nennt man diese Werkstoffe auch Hochtemperatur-Supraleiter.
Bei Raumtemperatur sind diese Keramiken sogar Isolatoren.
170 6 Antriebssysteme
Wheel support
path
Mit Hilfe von supraleitenden Spulen kann man bei kleinen Drahtquerschnitten theo-
retisch verlustfrei sehr hohe Ströme fließen lassen bzw. starke Magnetfelder aufbauen.
Nachteilig ist allerdings der Aufwand für die Tieftemperaturkühlung mit flüssigem Stick-
stoff und flüssigem Helium.
Bei den ersten Fahrversuchen (1977) kam es zum Quench im Supraleiter. Darunter
versteht man den Verlust der Supraleitung durch zu starke Magnetfelder auch unterhalb der
Sprungtemperatur.
Wenn der Supraleiter wieder normalleitend wird, treten plötzlich sehr hohe ohmsche
Verluste auf, was wiederum zum Abbrennen bzw. Verdampfen der Supraleiterspule führt.
Dieses Problem haben die japanischen Ingenieure gelöst und konnten im Dezember 1997
6.3 Elektromechanisches KERS – Kinetic Energy Restoring System 171
n1 Synchron- Motorgenerator-
Antriebs- Maschine Schwungrad
strang
n2
Gleichstrom-
f1 zwischenkreis f2
Bei der Kurvenausfahrt kann der Fahrer durch Betätigen des Boostschalters die Energie
abrufen und in zusätzliche Beschleunigung umsetzen.
Von Compact Dynamics wurde das elektromechanische System DYNASTORE
(Abb. 6.10) zur Energiespeicherung entwickelt. Es besteht aus zwei oder vier
Motorgenerator-Schwungrad-Einheiten bei dem jeweils zwei Schwungräder gegensinnig
laufen, um Reaktionskräfte beim Be- und Entladen, sowie Präzessionskräfte bei Fahrzeug-
bewegungen zu kompensieren. Bei dem Motor handelt es sich um einen Innenläufer-
Reluktanzmotor, bei dem der Rotor als Schwungmasse dient. Der Vorteil dieses Motors
ist, dass er für hohe Drehzahlen geeignet ist und im unbestromten Zustand keine Drehmo-
ment- und Ummagnetisierungsverluste aufweist.
Der Clou des Systems liegt in der freien Wahl der Drehzahl des Schwungradrotors. Die
Drehzahl des Speicherrotors kann über 100.000 min–1 liegen. Daraus resultiert eine hohe
Energie- und Leistungsdichte des Speichersystems.
„Um Gasreibungsverluste zu minimieren ist das gekapselte Gehäuse der Reluktanz-
maschine teilvakuumiert. Der Nachteil, den die Druckreduzierung mit sich bringt, ist dass
weniger Wärme über den Luftspalt nach außen abgeführt kann. Zur optimalen Wär-
meabfuhr der Rotorwärme wurde ein Verdampfungskühlsystem eingeführt. Dabei befindet
sich ein Kühlmittel im freien Innenraum des Rotors in Form eines Wandfilms. Bei hoher
Temperatur verdampft die Flüssigkeit und wird am wassergekühlten Kondensator wieder
verflüssigt, sodass sich ein geschlossener Heatpipe-Kreislauf ergibt.“ ([Link]
2011)
Damit auch bei einem Unfall die Sicherheit gewährleistet ist, ist der Stator aus massivem
Blech gefertigt und dient als Schutzschild, damit keine Teile nach außen dringen. Zudem
wird die gespeicherte Energie systematisch in den Motorwicklungen in Wärme umgesetzt,
wenn beispielsweise ein Kurzschluss im Bordnetz vorliegt.
6.4 E-Antrieb in einem PKW 173
Seit 2009 sind verschiedene KERS zugelassen. Die Formel-1 Teams entwickeln dabei
ihre eigenen Lösungen, BMW hatte beispielsweise einen Speicher mit Permanenterregung
eingesetzt.
Ab der Saison 2014 werden komplett neu entwickelte V6-Turbomotoren eingesetzt.
Gleichzeitig ist das Energierückgewinnungssystem nicht mehr nur auf die Rückgewinnung
von kinetischer Energie beschränkt, entsprechend wurde das System in ERS umbenannt.
Die Leistung des Systems wurde auf 120 kW (163 PS) verdoppelt und ist 33,3 statt 6,7 s
abrufbar (fia 2014).
Als Beispiel für den E-Antrieb in einem PKW zeigt Abb. 6.11 den Antriebsstrang des
BMW iX3. Die elektrische Antriebsmaschine ist eine gleichstromerregte Synchronmaschi-
ne. Dabei wird der Stator über zwei Schleifringe mit Gleichstrom versorgt.
Die Maschine ist über die Einstellung des Rotorstroms sehr gut regelbar. Im Vier-
quadrantenbetrieb erreicht man die optimale Rekuperation und Drehmomenteinstellung.
Die Wicklungen der Maschine werden über Drahtbügel mit rechteckigem Querschnitt
realisiert. Die Bügel werden von einem Roboter in den Stator eingefügt und mittels
Laserstrahl verschweißt. Die Drahtbügel in Abb. 6.12 erinnern an eine Haarnadel, deshalb
hat diese Wicklungsart den Namen Hairpin-Technologie. Der Vorteil ist ein sehr hoher
Ausfüllungsgrad von ca. 70 % der Wicklungsnut im Eisen, herkömmliche Runddrahtwick-
lungen erreichen ca. 40 %.
Die Hairpintechnologie, die auch von anderen Herstellern wie beispielsweise Porsche
eingesetzt wird, ermöglicht eine bessere Wärmeableitung und damit verbunden eine höhere
Stromdichte pro Nut sowie geringere Streufelder und einen höheren Wirkungsgrad.
Abb. 6.13 Voloport atop urban building with VoloCity and VoloRegion. Copyright: VoloPort by
Volocopter. Design by Graft
Nach dem Rekordflug der Solar Challenger im Jahr 1980 sind vier Jahrzehnte Entwick-
lungszeit vergangen. Mit dem VoloCity und dem VoloRegion halten diese Flug-
systeme Einzug in den allgemeinen Nahflugverkehr, s. Abb. 6.13. Der große Vorteil der
6.6 Übungsaufgabe zu Kap. 6 175
Aufgabe 6.1
Gegeben ist der magnetische Kreis eines Hubmagneten. Die Eisenschenkel bestehen aus
Trafoblech mit einem μr = 8 103. Der Eisenquerschnitt ist 1 cm2.
Der Strom I durch die Erregerspule beträgt 10 A und die Wicklungszahl N ist gleich 400.
I
4 cm
3,5 cm
Φ
Prallplatte
1mm ∆ x = 1mm
0,5 cm
a) Berechnen Sie den magnetischen Widerstand Rm1 eines Schenkels. Die mittlere Länge
l des magnetischen Flusses beträgt 4 cm.
b) Berechnen Sie den gesamten magnetischen Widerstand im Eisen RmFe (mittlere Länge
l = 16 cm).
c) Berechnen Sie den gesamten Widerstand RmL in den Luftspalten und den Prallplatten.
Die relative magnetische Permeabilität der Prallplatte ist wie die von Luft μr = 1.
d) Wie groß ist die Durchflutung Θ und der magnetische Fluss Φ?
e) Skizzieren Sie ein Ersatzschaltbild des magnetischen Kreises mit den Größen RmFe,
RmL, Θ, Φ.
f) Wie groß ist die magnetische Flussdichte B?
176 6 Antriebssysteme
g) Wie groß ist die magnetische Feldstärke HFe und wie groß ist die magnetische Feld-
stärke HL im Luftspalt?
h) Wie groß ist der Energiegewinn im magnetischen Kreis bzw. die daraus resultierende
Kraft, wenn sich das untere Joch um Δx = 1 mm nach oben bewegt? (Die Energie im
Eisen darf vernachlässigt werden).
Aufgabe 6.2
Ein Formel 1-Rennwagen bremst vor einer Kurve von einer Geschwindigkeit v1 auf eine
Geschwindigkeit v2 ab. Das Fahrzeuggewicht inklusive Fahrer beträgt m = 640 kg.
a) Nach welcher Zeitfunktion muss die Geschwindigkeit v(t) verlaufen, damit eine kon-
stante Leistung P rekuperiert werden kann.
b) Das Fahrzeug bremst von 180 km/h auf 0 km/h innerhalb von 9 s mit konst. Leistungs-
abgabe an das KERS ab. Wie groß ist dabei die maximal mögliche Rekuperations-
energie und die Leistung P.
c) Wie groß wäre der Effektivwert des Strangstroms eines Drehstromgenerators (siehe
Abb. 6.9) bei einer Nennspannung von 600 V (cosφ = 0,8).
d) Wie groß wäre der Gleichstrom im Zwischenkreis (ebenfalls bei 600 V).
e) Wie hoch müsste die Drehzahl des Speicherrotors werden, damit die theoretisch reku-
perierbare Energie im Rotor einer E-Maschine gespeichert werden kann?
Der näherungsweise zylinderförmige Rotor besteht aus Eisen mit einer Höhe von
3 cm und einem Radius von 10 cm.
Das Trägheitsmoment kann berechnet werden nach der Formel für zylinderförmige
Körper, die um ihre Längsachse rotieren:
1 2
J= mR
2
Lösung 6.2
dv ds
E= Fds = ma ds = ds
m v= ds = vdt
dt dt
dv m
E=m v dt = m v dv = v2
dt 2
6.7 Allgemeine Prüfungsfragen 177
2
dE d 12 mvðt Þ
(a) Pðt Þ = = = konst:
dt dt
ist erfüllt für
p
vð t Þ = k t
md 2 mk2
P= k t =
2 dt 2
(b) Der Einfachheit halber kann man den Vorgang der Beschleunigung von 0 auf
180 km/h betrachten, dann sind alle Vorzeichen positiv und die Anfangsbedingun-
gen auf Null gesetzt.
km m
180 = 50
h s
m p
vðt = 9 sÞ = 50 = k 9 s
s
m
k = 16, 6 3=2
s
2
mk 2 640 kg 16, 6 m2 kg m2 Nm
P= = = 88:888, 8 = 88:888, 8 = 88, 8 kW
2 2 s3 s3 s
88, 8 kW
(c) P = 3 U I cos φ ) I = 3UPcos φ = 3600 V0,8 = 61,73 A
(d) I = 3 I Strang = 185,19 A
g
(e) m = ρ V = 7,87 3 H π R2 = 7,414 kg
cm
1 2
J= mR = 0,037 kg m2
2
1 1 m 2 1
E = mv2 = 640 kg 50 = 800:000 Nm = Jω2
2 2 s 2
E 1 1
ω = 2 = 6576 = 2πn ) n = 1047 = 62:820 min - 1
J s s
Zusammenfassung
S = P þ jQ = U I
P = RefSg = U I cos φ
Q = ImfSg = U I sin φ
° °
S = U I e‐j90 = U I eþj90 = U I j:
Die Scheinleistung ist rein imaginär, besteht also nur aus Blindleistung.
Die Blindleistung ist somit
Q=U I
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 181
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
182 7 Anhang
S = P þ jQ = U I
P = RefSg = U I cos φ
Q = ImfSg = U I sin φ
° °
S = U I e‐j90 = U I eþj90 = U I j:
Die Scheinleistung ist rein imaginär, besteht also nur aus Blindleistung.
Die Blindleistung ist somit
Q=U I
7.2 Ortskurven
Eine Ortskurve ist die grafische Darstellung einer komplexen Größe, wobei der Imaginär-
teil über dem Realteil aufgetragen wird. Parameter der Ortskurve ist in den meisten Fällen
die Frequenz (Kreisfrequenz).
Bei fester Frequenz kann auch die Größe eines Bauteils variieren (Potentiometer,
Drehkondensator).
7.2 Ortskurven 183
Bei der grafischen Darstellung ist darauf zu achten, dass die Maßstäbe der Abszisse
(x-Achse) und der Ordinate (y-Achse) gleich groß gewählt werden, damit man zu jedem
Punkt der Ortskurve den entsprechenden komplexen Zeiger nach Betrag und Phase korrekt
ablesen kann.
Als Kurvenformen kommen nur Geraden und Kreise vor.
Komplexe Impedanzen und Admittanzen kann man durch Inversion (punktweise Kehr-
wertbildung) ineinander überführen. Die Inversion ist mathematisch gesehen die Spiege-
lung am Einheitskreis. Bei der Spiegelung eines komplexen Zeigers am Einheitskreis bildet
man vom Betrag des Zeigers den Kehrwert und den Phasenwinkel des komplexen Zeigers
multipliziert man mit dem Faktor –1.
Bei der Inversion entstehen aus
• einer Geraden, die durch den Nullpunkt verläuft → eine Gerade durch den Nullpunkt,
• einer Geraden außerhalb des Nullpunktes → ein Kreis durch den Nullpunkt,
• einem Kreis durch den Nullpunkt → Gerade, die nicht durch den Nullpunkt verläuft,
• einem Kreis außerhalb des Nullpunktes → ein Kreis außerhalb des Nullpunktes.
Beispiele
∞
Im{Y}
Y = j ωC = j fC
komplexe Admittanzebene
f
Re{Y}
Durch Inversion jedes Punktes der Ortskurve (hier die positive imaginäre Achse)
erhält man die Ortskurve der komplexen Impedanz Z eines idealen Kondensators.
184 7 Anhang
Im{Z }
1 1
Z= =– j
jω C fC
komplexe Impedanzebene
∞
Re{Z }
1
Z = R+
jωC
1 R Re{Z}
– φ1
∞
f1
0
7.2 Ortskurven 185
Der Einheitskreis ist ein Kreis mit dem Radius 1, der Mittelpunkt liegt auf dem
Koordinatenursprung. Will man die gegebene Schaltung in der Admittanzebene dar-
stellen, muss man nur drei Punkte invertieren. Hier wählt man den Punkt f = 0, f = 1
und f = f1.
Für den Punkt f = 1 ist Z = R und Y = 1/R.
Der Punkt f1 wird vom Betrag < 1 (wird in den Kreis gespiegelt) und der Phasen-
winkel spiegelt sich an der Abszisse.
C R
Im{Y }
1
Y=
1
R1 =
jωC
f
f1
Re{Y }
0 φ1 ∞
1
1/R
C R1
Im{Y }
1 1
R2 Y= +
1 R2
R1 =
jωC
f
f1
Re{Y }
0 ∞
1/R 2 1/R 1 +1/R 2
Die Ortskurve ist um den Betrag des Leitwertes von R2 parallel verschoben.
186 7 Anhang
Um die Ortskurve der Impedanz zu erhalten, werden wieder die drei markanten
Punkte
f = 0, f1, 1 invertiert:
Im{Z} C R1
R2
1
Z=
1 1
+
1 R2
R1 +
jωC
R1R2
R1 + R2
R2 Re{Z}
∞ 0
f1
f
Auf diese Weise lassen sich die Ortskurven beliebig komplexer Schaltungen herlei-
ten. Für die Parallelschaltung eines Bauelementes wählt man die komplexe Admittanz-
ebene und für die Reihenschaltung eines Bauelements die komplexe Impedanzebene. ◄
Lösung 1.1
Es besitzen C vier, N fünf, O sechs, Si vier Bindungselektronen.
Es benötigen F ein, S zwei, Cl ein Elektron(en) um seine äußere Hülle voll zu besetzen.
Lösung 1.2
a) 20,21 kg
b) 360 km
Lösung 1.3
a) 203 km
b) 45 kWh
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 187
Lösung 1.4
a) nein
b) Die kinetische Energie des Fahrzeugs beträgt bei 50 km/h:
1 2
E= mv = 144,676 kJ:
2
Bei 10 Bremsvorgängen kann man diese Energie multipliziert mit dem Faktor
10 gewinnen.
c) Maximale Rekuperationsenergie = 1,447 MJ
d) E = 0,8 0,8 0,95 0,95 1,447 MJ = 835 kJ
835 kJ
E= = 2,786 MJ
0,3
Lösung 1.5
Der Wind besitzt vor dem Windrad eine kinetische Energie von
1
E 1 = m ð v1 Þ 2 mit v1 = 72 km=h = 20 m=s:
2
Die Masse der Luft, die in einer Sekunde bewegt wird ist die Luft in einer Säule von 20 m
Länge bei einer Grundfläche die von den Flügeln überstrichen wird:
kg
m=ρ V mit ρ = 1,2 und V = 20 m π ð15 mÞ2 = 14:137 m3 :
m3
Es wird eine Luftmasse von 16.964,6 kg je Sekunde auf den Luftraddurchmesser treffen.
Das ergibt ein kinetische Energie E1 des Windes vor dem Luftrad von
E 1 = 3392,920 kW s
und hinter dem Windrad besitzt die Luftmenge in einer Luftsäule von 17,22 m Länge (bei
v2 = 62 km/h = 17,22 m/s) eine kinetische Energie E2 von:
1 17, 222 m2
E2 = 14:606, 5 kg = 2165,624 kW s:
2 s2
188 7 Anhang
E1 - E2
P= = 1,227 MW
t
P = 1,105 MW:
Lösung 1.6
a)
1
E = mv2
2
1
= 2000 kg 1302 10002 m2 =36002 s2
2
= 1,304 MWs = 0,36 kWh
b) Wie a)
c) Für das schwere Fahrzeug:
0,29 kWh
Für das leichte Fahrzeug:
0,26 kWh
d) 0,03 kWh
Lösung 2.1
a) 8 h 20 min
b) 1 h
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 189
Lösung 2.2
a) 10 h 40 min
b) 138,24 km
c) 426,66 kg
d) 3,84 €
Lösung 2.3
siehe Abschn. 2.2
Lösung 2.4
a), b) siehe Abschn. 2.1
c) Der Akku wird verpolt aufgeladen, der Minuspol wird zum Pluspol und
umgekehrt.
d) Der Akkumulator wird heiß. Oberhalb der Zersetzungsspannung von Wasser wird
Wasserstoff und Sauerstoff freigesetzt. Es kann zur Knallgasreaktion kommen
(Explosionsgefahr!)
e) Es fließt der Kurzschlussstrom IK.
Ri
IK
Uo
=
= Uo
Ri
2U 0 U 0
IK = =
2Ri Ri
f) Bis 60 V.
Unter ungünstigen Bedingungen (feuchte Haut, Strompfad durchs Herz) maximal
40 V!
g) Plus an Pluspol und Minus an Minuspol anschließen.
190 7 Anhang
Lösung 2.5
a) Batterie (Strom und Spannung konstant):
Entladestrom I = 12 V/0,11 Ω = 109 A
Entladezeit t = 90 Ah/109 A = 49,5 min
i(t)
109 A
50 min t
Kondensator
i(t)
uC(t)
= uR(t) R = 0,101 Ω
uC ð t Þ þ uR ð t Þ = 0
1
- iðt Þdt - iðt ÞR = 0
C
diðt Þ
iðt Þ = - RC
dt
‐t
iðt Þ = I 0 e mit
τ τ = RC = 0,101 Ω 100 F = 10,1 s
und I 0 = iðt = 0Þ = 12 V=0,101 Ω = 119 A
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 191
i(t) / A 120 I0
100
80
60
40
20
0
0 20 40 60 80 100
t/s
Kondensator (Strom und Spannung exponentiell zeitabhängig)
b) Batterie
E = U I t = 12 V 90 A h = 1080 W h = 1,08 kW h
Kondensator:
1 1
-t -t - 2t
E= uðt Þ iðt Þ dt = U 0 e I 0 e dt = U 0 I 0
τ τ e τ dt
0 0
- τ -τ2t 1 U 0 I 0 τ 1 2
= U0I0 e = = U0C
2 0 2 2
E = 7200 W s = 0,002 kW h
Q 90 A h
C= = = 27:000 F
U 12 V
Lösung 2.6
a) 138,24 km
b) 1200 kg
192 7 Anhang
c) 853 kg
d) 990 km
Lösung 3.1
a) 100 A
b) –100 V
c) Freilaufdiode, Zenerdiode, Varistor, möglichst langsam schalten
t0
L = 1 mH
Uind
R = 0,12 Ω
12 V =
Freilaufdiode
Lösung 3.2
a)
B
Θ = nI = Hds = H2πr = 2π
μ
B2π r
I= = 900 mA
nμ
b) B = 12 T
Lösung 3.3
Φ
Φ/2 Φ/2
= Θ
a)
Rma Rmi Rma
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 193
δi
Rmi = = 6,63 MA=V s
μ0 Ai
δA
Rma = a i = 10,6 MA=V s
δi A a
Φ = Bi Ai = 180 μV s
aus Maschenumlauf:
Φ
Θ = Rmi Φ þ Rma = 2142 A
2
b)
Θ
I= = 0,428 A
N
Lösung 3.4
a) U1/U2 = 2; I1/I2 = 1/2
b) R1 = 300 Ω
Lösung 3.5
Lösung 3.6
In dieser Aufgabe kann man auf die gestrichenen Größen verzichten, weil ü = 1 ist.
a) I2 = 1500 A
194 7 Anhang
U H = I 2 R2 þ U 2 = 15,75 kV
U °
I m = H = 39,375 A e - j90
jX H
°
I 1 = I m þ I 2 = 1500,517 A e - j1,5
°
U 1 = I 1 R1 þ U H = 16,5 kV e - j0,07 ≈ 16,5 kV
b) Durch die geänderte Betriebsfrequenz ändert sich der Blindwiderstand der Hauptinduk-
tivität:
c)
2 1 °
X H = 16 Hz = ΩI 1 = 25 kA e - j33,7
3 3
Lösung 3.7
a) ü = 14,7
b) I1 = 0,136 A
c)
U1 U
I1 = I1 = 1
jX H XH
U 220 V
XH = 1 = = 22 kω
I1 10 mA
XH Vs
LH = = 70 = 70 H
2π50 Hz A
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 195
Lösung 4.1
Die Kraft aus dem Magnetfeld Fm berechnet sich aus der Änderung der magnetischen
Feldenergie ΔWm im Luftspalt der Länge Δs zwischen den Metallzungen, also:
ΔW m
Fm = :
Δs
Die Änderung der magnetischen Feldenergie ΔWm im Luftspalt berechnet sich aus der
Differenz der magnetischen Energie im Luftspalt zu der magnetischen Energie ohne Luft-
spalt. (Ohne Luftspalt bedeutet nur Feldlinien in den ferromagnetischen Metallzungen).
Die magnetische Energie im Luftspalt beträgt:
1
Wm = HBV
2
mit H = Betrag der magnetischen Feldst€arke
B = Betrag der magnetischen Induktion
V = Volumen des Luftspalts:
B = μ0 μr H
mit μ0 = magnetische Permeabilit€at im Vakuum
μr = relative magnetische Permeabilit€at:
Damit wird aus der Energiegleichung für Wm unter der Annahme das in Luft gilt μr = 1:
1 1
Wm = H μ0 H V = μ0 H 2 V
2 2
1 1
Wm = H μ0 μrH V = μ0 μr H 2 V
2 2
1
ΔW m = μ ðμ - 1ÞH 2 V
2 0 r
in ferromagnetischen Stoffen ist μr in der Größenordnung von 1000 und damit gilt
näherungsweise:
196 7 Anhang
1
ΔW m ≈ μ μ H 2 V:
2 0 r
Der Betrag der magnetischen Feldstärke H ist bei einem einzelnen stromdurchflossenen
Leiter direkt proportional zur Stromstärke I und umgekehrt proportional zum Abstand r:
I
H=
2π r
Damit lässt sich die Kraft Fm, mit der die Metallzungen zusammengezogen werden, relativ
genau berechnen:
1 I2
Fm = μ0 μr A 2 2
2 4π r
mit A = Fl€ache des Luftspalts,
A = V=Δs:
Lösung 4.2
Re{I }
0 s
IN
Re{IN}
I0
Im{I }
a) Re{IN} abgelesen 21 A
b) P1 = 3 UNINcosφN = 3 UNRe{IN} = 25,2 kW
c)
P1 25,2 kW
Mi = = = 160,5 Nm
2 π n0 157 1s
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 197
d)
PN
η= ) PN = 0,9 PD = 22,68 kW
PD
Lösung 4.3
a) synchrone Drehzahl n0: n0 = f
p = 1500 min - 1
n0 - nN
b) Nennschlupf sN: sN = n0 = 2,67 %
R0r
c) Kippschlupf sK: sK = X 0σ = 15,5 %
d) ideeller Kurzschlussstrom (s ) 1): I 0r1 = US
X 0σ = 81,1 A
e) Für den bezogenen Rotorstrom Ir′ gilt:
Us Us
Us X 0σ X 0σ
I 0r = = 0 = sK
R0r Rr X 0σ þj
þ jX 0σ þ j s
s sX 0σ X 0σ
Us
I 0r 1 X 0σ 1
= =
I 0r1 U S sK þ j sK þ j
X0 s
σ
s
somit gilt für den Betrag des Rotornennstroms bezogen auf den ideellen Kurzschluss-
strom:
I 0rN 1
= = 0,17 I 0rN = 13,7 A
I 0r1 2
1þ sK
sN
I 0rA 1
= = 0,988 I 0rA = 80,1 A
I 0r1 1þ sK 2
1
Lösung 4.4
Aus den Vorgaben berechnet man drei Ströme nämlich den Nennstrom, den Leerlaufstrom
und den Kurzschlussstrom (= Anlaufstrom). Damit hat man drei Punkte des Heyland-
kreises und kann diesen geometrisch konstruieren.
198 7 Anhang
Die Konstruktion gelingt, indem man zwischen je zwei Punkten die Verbindungsgerade
zieht, welche dann Sehnen des Kreises sind. Auf den Sehnen bildet man die Mittel-
senkrechten. Diese wiederum schneiden sich im Mittelpunkt des Kreises.
Re{I}
.
.
–Im{I}
Re{I }
sKipp 1
0
MK
MN
–Im{I }
Im nächsten Schritt kann man die Schlupfgerade konstruieren, denn mit dem Anlauf-
strom (IK) ist der Schlupf 1 verknüpft. Die Schlupfgerade kann linear unterteilt werden,
sodass man sK und sN ablesen kann
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 199
Lösung 4.5
a)
sKipp = 0,475
b)
PKipp = 120 KW
Pel
M Kipp = = 764 Nm
2π n1
mit n1 = synchrone Drehzahl und
Pel = aufgenommene elektrische Wirkleistung
c) Unter Anwendung der Kloß’schen Formel kann man die übrigen gesuchten Momente
bestimmen:
2
M A = M Kipp = 592 Nm
1
sKipp þ sKipp
d)
M N = 210 Nm
Lösung 4.6
a) synchrone Drehzahl n0 = 1000 min–1
b) sKipp = 0,5
200 7 Anhang
2
M A = M Kipp = 400 Nm
1
sKipp þ sKipp
c)
M N = 192 Nm
d)
PN = ωM N = 18,13 KW
PN
η= = 0,82
P1
Lösung 4.7
Der cos φ des Ständerstroms IN wird optimal, wenn der Winkel φ zwischen reeller Achse
und dem Strom möglichst klein wird. Diesen Strom findet man, indem man die Tangente an
die Ortskurve legt:
Re{I}
s
0
Re{IN }
I0
Im{I}
P1 = 3 U N RefI N g = 28,5 kW
c) Den Anlaufstrom findet man beim Schlupf s = 1. Dazu muss man zunächst den Maßstab
für die Schlupfgerade finden. Diesen Maßstab findet man über den Nennschlupf, den
man aus Nenn- und Leerlaufdrehzahl berechnen kann:
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 201
n0 - nN
sN = = 0,1
nN
Diesen Wert kann man auf der Schlupfgeraden abtragen und auch den Wert s = 1.
Re{I }
0 0,1 sKipp s 1
Re{IN}
IA
I0
Im{I }
IA = 85 A abgelesen
d) Den Kippschlupf kann man ebenfalls ablesen (Gerade durch den höchsten Punkt der
Ortskurve von Spitze I0)
sKipp = 0,3
Lösung 4.8
a) I0 = 10 A ) Maßstab
abgelesen IN = 30 A
φ = 37° abgelesen ) cos φ = 0,8
b) P1 = 3 UN IN cos φ = 28,75 kW
c) abgelesen IKipp = 64 A
d) nN = n0 - sN n0 = 2550 min-1
Auf Schlupfgerade abgelesen sKipp = 0,43 ) nKipp = 1710 min–1
Lösung 4.9
Die Ortskurve des Ständerstroms ist ein Halbkreis, dessen Mittelpunkt auf der x-Achse
liegt (keine Verluste im Ständer).
Weiterhin kennt man zwei Punkte des Kreises durch die gegebenen Ströme IN und IA.
202 7 Anhang
IA
IN
Konstruktion
a) Verbindung zweier Kreispunkte ergibt eine Sehne des Kreises.
Mittelsenkrechte auf der Sehne geht durch den Kreismittelpunkt.
Schnittpunkt mit der x-Achse ergibt Kreismittelpunkt.
Radius des Kreises ist der Abstand vom Kreismittelpunkt zum Punkt IN oder IA.
Re {I }
IA
IN
Im {I } Mittelpunkt
des Kreises
Re {I }
0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1 M/Nm
300
IA
200
IN
100
Im {I}
I0
d) I0 = 14 A n0 = 1500/min
e) Schlupf im Nennbetrieb abgelesen sN = 0,15
Lösung 4.10
a)
M/Nm
600
500
400
b) 300
200
100
0
0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 4000 4500 n/min –1
Lösung 4.11
a) 7,5 10–5 min–1
b) 1 m
c) 180 km/h
d) Linearmotor oder Langstator-Synchronmotor
Lösung 4.12
a)
PN = ωM N = 2πnM N
= 2π1450 min - 1 100 Nm = 15,184 kW
b)
PVA = I A 2 RA = I A 2 Rf = PVf
= 2500 W
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 205
c)
d)
Pab 15,184 kW
η= = = 0,748 = 75 %
Pauf 20,284 kW
e) U = Pel/IA = 406 V
f) Der Mittelwert des Drehmomentes ist das Nenndrehmoment wie im Gleichstrombetrieb.
Der cosinusförmige Verlauf schwankt zwischen 0 und dem doppelten Wert des Mittel-
wertes also zwischen 0 und 200 Nm.
Lösung 4.13
a) ΔU = RA IN = 30 V = Rf IN
b) PVA = PVf = ΔU IN = 1800 W
c) Pel = PN + PVA + PVf = 23,6 kW
d) η = PNPþP
N
V
= 84,7 %
e) UKl = Pel/IN = 393 V
f) M N = 2πn
PN
N
= 132 Nm
g) M≈ = MN = 132 Nm
Lösung 4.14
a) 7200 Ws = 0,002 kWh
b) 100 F
c) 900 W
d) 75 %
Lösung 4.15
a) M = 2πn
PN
N
= 217 Nm
U 2A
b) P1 = U A I AN þ RE = 38:720 W
c) η = PN
P1 = 0,85
U2
d) PVE = RE = 320 W
206 7 Anhang
Lösung 5.1
a) Rm1 μ μl A = 4 cmA m
1,25610 - 6 V s8103 1 cm2
= 4 104 VAs
0 r
d) Θ = N I = 4000 A
Φ = RmFeΘþRmL = 31,9610
4000 AV s
6
A
= 1,25 10 - 4 V s
Θ
R m1
=
Φ
R m1 R m1
e)
R mL+P R mL+P
R m1
Eisen bzw. Luftwiderstände zusammengefasst:
=
Φ
R mFe
R mL
Φ 1,2510 - 4 V s
f) B = A = 10 - 4 m2
= 1,25 T
g) H =μ B
H Fe = 1,25610
1,25 TA m
-6
V s 8103
= 125 m
A
H L = 1,25610
1,25 TA m
-6
Vs
= 1 106 m A
h) Da die Energiedichte im Eisen sehr klein ist gegen die Energiedichte im Luftspalt,
berücksichtigen wir im Folgenden nur noch die Luftspaltenergie.
Die Energie im Luftspalt vor der Bewegung errechnet sich mit B und HL wie oben
berechnet:
7.3 Lösungen zu den Übungsaufgaben 207
1 1 A
W = B H L V = 1,25 T 1 106 4 mm 1 cm2 = 0,25 W s
2 2 m
Nun muss man RmL, Φ, B und HL neu berechnen mit einem kleineren Luftspaltwider-
stand.
RmL = 15,9 106 A/Vs
Θ 4000 A V s
Φ= = = 2,50 10 - 4 V s
RmFe þ RmL 16,06 106 A
Φ 6,22 10 - 4 V s
B= = = 2,50 T
A 10 - 4 m2
6,22 T A m A
HL = = 1,98 106
1,256 10 - 6 V s m
1 1 A
W = B H L V = 2,5 T 1,98 106 2 mm 1 cm2 = 0,49 W s
2 2 m
ΔW = 0,24 W s
ΔW 0,24 Nm
F= = 240 N
Δx 10 - 3 m
Lösung 5.2
dv ds
E= F ds = ma ds = m ds v= ds = vdt
dt dt
dv m
E=m v dt = m v dv = v2
dt 2
a)
2
dE d 12 mvðt Þ
P ðt Þ = = = konst:
dt dt
p
vð t Þ = k t
md 2 mk 2
P= k t =
2 dt 2
b) Der Einfachheit halber kann man den Vorgang der Beschleunigung von 0 auf 180 km/h
betrachten, dann sind alle Vorzeichen positiv und die Anfangsbedingungen auf Null
gesetzt.
km m m p
180 = 50 vðt = 9 sÞ = 50 = k 9 s
h s s
m
k = 16, 6 3=2
s
2
mk 2 640 kg 16, 6 m2 kg m2 Nm
P= = = 88:888, 8 = 88:888, 8 = 88, 8 kW
2 2 s3 s3 s
c)
P 88, 8 kW
P = 3 U I cos φ ) I= = = 61,73 A
3 U cos φ 3 600 V 0,8
d)
I = 3 I Strang = 185,19 A
e)
g
m = ρ V = 7,87 H π R2 = 7,414 kg
cm3
1 2
J= mR = 0,037 kg m2
2
1 1 m 2 1
E = mv2 = 640 kg 50 = 800:000 Nm = Jω2
2 2 s 2
E 1 1
ω = 2 = 6576 = 2πn ) n = 1047 = 62:820 min - 1
J s s
7.4 Lösungen zu Abschn. 6.7 Allgemeine Prüfungsfragen 209
1. Wirbelstromverluste
2. vom Abstand der Drehstromspulen bzw. der Polteilung und der Frequenz der
Speisespannung
3. Vorteile:
• kein mechanisch Getriebe bei elektronischer Regelung
• Zero-Emission, kein Schadstoffausstoß
• geräuscharme Motoren
• Nachteile:
• höheres Gewicht durch Energiespeicher
• geringere Reichweite
• bei Batteriefahrzeugen lange Ladezeiten
4. sechs Protonen und vier Elektronen
5.
2U 0
I= = IK
2Ri
6. c)
7. a)
8. c)
9. b)
10. a)
11. c)
12. a)
13. c)
14. a)
15. a)
16. c)
17. b)
18. a)
19. b)
20. c)
21. a)
22. c)
210 7 Anhang
7.5 Werkstoffdaten
Trafobleche erreichen eine relative magnetische Permeabilität μr von ca. 8000 und Dynamobleche
von ca. 4000. (Quelle: [Link] [Link])
Konstantan ist ein Markenname der Firma ThyssenKrupp
Manganin ist ein Markenname der Firma Isabellenhütte Heusler
Periodensystem
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 211
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
212 Periodensystem
Periodensystem 213
Literatur
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 215
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
216 Literatur
A E
Aaronschaltung 67 Edelgaskonfiguration 16
Abschirmung 73 Einheitskreis 183
Akkumulator 23 elektrolytisch 29
Ankerstrom 124 Elektronenbahnen 12
Äquivalenz 6 Elektronenkonfiguration 12
Asynchron-Reluktanzmotor 135 E-Lok 163
endotherm 11
Energiedichte 81
B Energieniveau 11
Batterieladegerät 79 Entropie 2
Betriebspunkt, optimaler 101 Erntefaktor 7
Bindungselektronen 16 exotherm 11
BLDC 139
Bleiakkumulator 25
Blindleistung 182 F
Brennstoffzelle 27 Feldschwächebereich 108
Flussdichte 45
Freilauf 142
C
CO2-Emission 7
Cosinussatz 63 G
Gegeninduktivität 51
Gesamtnutenzahl 88
D Gesamtstreuziffer 55
Dahlanderschaltung 107 Gleichstrommaschine, permanenterregte 127
Deuterium 13 Gleichstrommaschine 124
Doppelschichtkondensatoren 31 Gravitation 19
Drehfeldmaschine 89 Größengleichung 2
Drehmoment 85
Drehstromtransformator 72
Drehzahlstellung 107 H
Dreieckspannung 62 Hairpin-Technologie 173, 174
Dreiphasensystem 61 Hallsensor 143
Drossel 75 Hauptfluss 51
Durchflutung 43 Helium He 14
Heylandkreis 106
# Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2023 217
G. Babiel, Elektrische Antriebe in der Fahrzeugtechnik,
[Link]
218 Stichwortverzeichnis
Hochtemperatur-Supraleiter 169 O
Hybridfahrzeug 21, 108 Ortskurve 95
Hybridfahrzeuge 1
P
I Periodensystem 15
Induktionsspannung 48 permanenterregt 125
Inversion 183 Permeabilität 45
Platin 28
Polpaarzahl 88
K Polradwinkel 120
Käfigläufer 92 Primärenergiequelle 1
Kernenergie 18 Protonen 27
Kernfusion 18 PWM 110
Kernspaltung 18
Kerntransformator 69
Kipppunkt 105 R
Kippschlupf 103 Radnabenmotor 139
Klauenpol 123 Reedkontakt 112
Kloß’sche Formel 105 reformieren 29
Kohlebürste 124 Reihenschlussmaschine 126
Kohlenstoff C 14 Rekuperation 1, 10
Kommutatorlamellen 124 Relativdrehzahl 93
Kommutatormotor 128 Reluktanzmotor 131
Kurzschlussinduktivität 51 Ringkerntransformator 69
Kurzschlussläufer 93 Rotorstrom 103
L S
Leistungsfluss 101, 129 Scheinleistung 182
Lichtmaschine 123 Schenkelpolläufer 119
Linearmotor 85 Schleifring 124
Lithiumionen 34 Schleifringläufer 92
Lithium Li 14 Schlupf 93
Lochzahl 88 Schlupfgerade 100
Luftspaltleistung 102 Schutzkontakt 60
Selbstinduktivität 51
Silizium Si 15
M Solarenergie 19
Maglev 169 Spannung, induzierte 46, 47
Magnetschwebebahn 166 Spartransformator 69
Manteltransformator 69 Spiegelung 183
Maschinendrehzahl 93 Spin 14
Methanol 29 Standby 59
Mittelanzapfung 71 Sternpunkt 66
Mittelfrequenztransformator 79, 167 Sternspannung 62
Motorstromsteller 165 Strangzahl 88
Streufluss 51
supraleitend 170
N Supraleiter 73
Nebenschlussmaschine 126 Synchronmaschine 118
Nullleiter 63
Stichwortverzeichnis 219
T W
Tachymeterskala 4 Wasserstoff H 12
Transrapid 166 Wechselrichter 109
Transversalflussmotor 136 Welligkeit 124
trapezförmiger Drehstrom 141 Windrad 22
Trenntransformator 71 Wirbelströme 68
Tritium 13 Wirkleistung 64, 182
Wirkungsgrad 6
Wirkungsgradfeld 109
U
Überspannung 47
Übertrager 50 Z
Ultracap 41 Zählpfeilrichtung 81
Zeigerbild 56
Zero Emission Vehicles 7
V
Vierquadrantenbetrieb 122
Vollpolläufer 119